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Limoux Text: Stefan Schwytz

Eine halbe Stunde SüdSüdWest von der berühmten Festungsstadt Carcassonne liegt das Städtchen Limoux. Mit knapp über 10‘000 Einwohnern eher Geheimtipp als Tourismus-Hochburg. In Südfrankreich ist es dennoch weltbekannt, zumindest in der Welt der Schaumweine. Terroir d’Autan / terroir méditerranéen / terroir océanique / terroir Haute Vallée. In der westlichsten Languedoc-AOC wird neben den eher unbedeutenden 316 Hektar an Stillwein eine Vielfalt an Schaumweinen auf 1.484 ha und vier unterschiedlichen Terroirs AOC LIMOUX erzeugt, die von unterschiedlichsten Böden und Wettereinflüssen der kühlenden Pyrenäen und der nahen Meere geprägt sind. Wie auch in der benachbarten Appellation Malepère ist hier neben dem Mittelmeer eben auch schon der Atlantikeinfluss zu spüren. Die Trauben im Limoux wachsen auf den höchsten Weinbergen des Haute Vallée de l‘ Aude in einer Höhe von bis zu 500m. Die Temperaturen liegen damit im Durchschnitt 2 bis 3°C unter denen des Languedoc bei aus48

Schäumt und prickelt seit Jahrhunderten reichenden Niederschlägen (bis 900mm/Jahr). Heiße Tage und kühle Nächte und eine Verzögerung der Ernte um bis zu einen Monat führen zu haltbaren Weinen bei hohem natürlichen Säuregehalt, welcher für die Schaumweine essentiell ist und im wärmeren Flachland an der Küste so nicht zu erzielen ist. Erster Schäumer Schon weit vor dem Champagner, vor Cava und Prosecco schäumte es in Limoux. Die AOC ist stolz auf ihre Tradition und rühmt sich als Geburtsort des ersten Schaumweins der Welt, dessen Existenz nachweislich schon 1544 n.Chr. urkundlich erwähnt wurde. Wohl durch Zufall erfunden, stellten schon zu Beginn des 16. Jahrhunderts die Mönche der Abtei St. Hilaire einen halbsüßen Schaumwein aus Blanquette, dem okzitanischen Wort für die weiße Mauzac-Traubensorte, her. Die durch die sekundäre Gärung entstandenen Bubbles galten vielerorts noch bis weit ins 18. Jahrhundert als Weinfehler, allerdings ein recht erfolgreicher Fehler. Zunächst galt es jedoch, das entstandene Kohlendioxid zu bändigen und explodierende Flaschen zu verhindern.

Blanquette / Méthode Ancestrale / Crémant Die ersten Ursprungsbezeichnungen der Blanquette de Limoux gehen auf das Jahr 1929 zurück, während man 1990 zusätzlich die Regeln für den moderneren AOC Crémant de Limoux aus Chardonnay, Chenin und Mauzac und Pinot Noir festlegte. Inzwischen ist der Crémant populärer als die historischen, vom Mauzac geprägten Sparkling-Varianten der Blanquette. Während die Region und ihre Schaumweine zwischendurch ziemlich in Vergessenheit geraten waren und nach Erzählung einiger prominenter Produzenten die Qualitäten bis hin zum Ende des Jahrtausends „weniger rühmenswert“ waren, hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Man exportiert viel in die USA und nach Australien, wie man bei der größten Erzeugergemeinschaft Sieur d’Arques berichtet. In Übersee werden nicht nur der frischere Crémant, sondern auch die süßeren und stoffigeren Blanquette-Varianten sehr geschätzt.

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