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Anlage 3.1 zu Drs.Nr.: BKA 0572


Auftraggeber

RWE Power Aktiengesellschaft Liegenschaften und Umsiedlungen Stüttgenweg 2, 50935 Köln Tel: Fax:

Auftragnehmer

49(0)221/480-0 49(0)221/480-1351

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Aachen, Castro & Hinzen Stadt- und Umweltplanung Kirberichshofer Weg 6, 52066 Aachen Tel.: Fax: Email:

0241/47058-0 0241/47058-15 info@bkr-ac.de

Projektnummer

10904

Projektleitung

Dipl. Biol. Britta Schippers

Bearbeitung

Dipl. Umweltwiss. Inge Ahlhelm Dipl. Ing. Andrea Kranefeld

Stand

4. Oktober 2010


TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Gliederung 1.

2.

3.

Einführung.........................................................................................................1 1.1

Anlass ....................................................................................................................1

1.2

Rechtsgrundlagen für die Umweltprüfung im Verfahren zur Festlegung des Umsiedlungsstandortes im Braunkohlenplan Umsiedlung Morschenich...........................................................................................................1

1.3

Methodisches Vorgehen (Anhang 1 RL 2001/42/EG h))........................................2

1.4

Alternativenprüfung und Überblick über den Inhalt der Planung (Anhang 1 RL 2001/42/EG a) und h))...................................................................................2

1.5

Braunkohlenpläne in Beziehung zu anderen relevanten Plänen und Programmen (Anhang 1 RL 2001/42/EG a))..........................................................3

Untersuchungsgebiet und Suchräume ...........................................................4 2.1

Abgrenzung............................................................................................................4

2.2

Erschließung ..........................................................................................................5

2.3

Vorhandene Ziele und Programme (Anhang 1 RL 2001/42/EG e)) insbesondere Schutzgebietsausweisungen ...........................................................8

2.4

Zukünftige von der Umsiedlung unabhängige Entwicklungen (Anhang 1 RL 2001/42/EG b)) ...............................................................................................14

2.5

Naturraum ............................................................................................................15

2.6

Realnutzung und Biotopstruktur...........................................................................15

2.7

Relevante Aspekte des derzeitigen Umweltzustands (Anhang 1 RL 2001/42/EG b)).....................................................................................................17

Derzeitige relevante Umweltprobleme unter besonderer Berücksichtigung von Schutzgebieten (Anhang 1 RL 2001/42/EG d)) ..................................................................................................................... 34 3.1

4.

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Überwachungsmaßnahmen nach Anhang 1 RL 2001/42/EG i) ...........................35

Bewertung der fünf Suchräume (Anhang 1 RL 2001/42/EG c), f), g), i)) ...................................................................................................................... 35 4.1

Suchraum Nordost ...............................................................................................37

4.2

Suchraum Ost ......................................................................................................42

4.3

Suchraum Süd .....................................................................................................47

4.4

Suchraum West....................................................................................................53

I


TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

4.5

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Suchraum Nord ....................................................................................................58

5.

Zusammenfassung und vergleichende Darstellung der Suchräume (Anhang 1 RL 2001/42/EG c), f), g), i), j)) ....................................................... 64

6.

Empfehlungen zur Lage der Umsiedlungsstandorte innerhalb der Suchräume ...................................................................................................... 65

7.

Literatur ........................................................................................................... 75

8.

Rechtsgrundlagen / Normen .......................................................................... 77

Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Untersuchungsgebiet mit den einzelnen Suchräumen

5

Abbildung 2: Hauptverkehrslinien

7

Abbildung 3: Darstellungen des Regionalplans im Raum Merzenich

9

Abbildung 4: Schutzgebiete gem. LG

10

Abbildung 5: Wasserschutzgebiete

11

Abbildung 6: Überschwemmungsbereiche des Ellebachs

12

Abbildung 7: Hochspannungsfreileitungen

13

Abbildung 8: Eignungsflächen und Standortempfehlung Suchraum Nordost

68

Abbildung 9: Eignungsflächen und Standortempfehlung Suchraum Ost

69

Abbildung 10: Eignungsflächen und Standortempfehlung Suchraum Süd

70

Abbildung 11: Eignungsflächen und Standortempfehlung Suchraum West

71

Abbildung 12: Eignungsflächen und Standortempfehlung Suchraum Nord

72

Tabellenverzeichnis Tabelle 1:

Verkehrsangaben Analyse 2008/2009 und Prognosen 2020

Tabelle 2:

Biotop- und Nutzungstypen

7 16

Kartenverzeichnis Karte 1:

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Biotop- und Nutzungstypen

II


TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

1. 1.1

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Einführung Anlass

Am 16.12.1975 stellte der Braunkohlenausschuss den Teilplan 12/ 1 für das Tagebauprojekt Hambach auf (im Folgenden Braunkohlenplan – BKP – Hambach genannt). Dieser wurde am 11.05.1977 von der Landesplanungsbehörde des Landes Nordrhein-Westfalen für verbindlich erklärt. Der fortschreitende Tagebau Hambach wird etwa im Jahre 2024 die bergbauliche Inanspruchnahme und die damit einhergehende Umsiedlung der Ortschaft Morschenich (Gemeinde Merzenich) erforderlich machen. In seiner 137. Sitzung am 24.4.2009 hat der Braunkohlenausschuss die Bezirksplanungsbehörde Köln mit der Erstellung eines BKP-Vorentwurfs für die Umsiedlung des Ortes Morschenich beauftragt (Einleitungsbeschluss). Mit der Einleitung des Braunkohlenplanverfahrens zur Umsiedlung sind verschiedene Arbeitsschritte verbunden; ein erster wesentlicher Schritt ist dabei die Standortfindung für den Umsiedlungsstandort. Nach dem Landesplanungsgesetz NW ist bei Braunkohlenplänen, die die Festelegung von Umsiedlungsstandorten zum Gegenstand haben, eine Umweltprüfung durchzuführen, für die der Bergbautreibende die erforderlichen Angaben vorlegen soll. Eine Zusammenstellung und vergleichende Auswertung dieser Angaben für die Umweltprüfung ist Gegenstand der vorliegenden Untersuchung. Morschenich ist ein Ortsteil der Gemeinde Merzenich im Kreis Düren. Im Gemeindegebiet Merzenich leben ca. 10.000 Einwohner, davon knapp 7.000 im Ortsteil Merzenich und ca. 480 in Morschenich. In den Ortsteilen Girbelsrath und Golzheim wohnen jeweils rund 1.300 Einwohner. Das gesamte Gemeindegebiet Merzenich umfasst ca. 38 km², die Flächengröße des Ortsteils Merzenich beträgt 15,4 km² und die des Ortsteils Morschenich 6,6 km². Für die geplante Umsiedlung der Einwohner werden derzeit fünf verschiedene Suchräume am Ortsrand von Merzenich in Betracht gezogen. Aufgabe der Standortfindung ist es, aus diesen Suchräumen einen nach raumordnerischen, städtebaulichen, verkehrlichen und ökologischen Kriterien geeigneten und zugleich durch die Umsiedler akzeptierten Standort zu identifizieren. Die Angaben für die Umweltprüfung liefern einen Beitrag zu diesem Findungsprozess.

1.2

Rechtsgrundlagen für die Umweltprüfung im Verfahren zur Festlegung des Umsiedlungsstandortes im Braunkohlenplan Umsiedlung Morschenich

Die einschlägige Rechtsgrundlage für das Verfahren stellt das Landesplanungsgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen (LPlG NW) vom 8.04.2010 dar. Bei Braunkohlenplänen, die die Festlegung von Umsiedlungsstandorten zum Gegenstand haben, muss nach ROG § 9 Abs. 1 sowie §§ 27 und 28 LPlG NW eine Umweltprüfung unter Anwendung des § 12 LPlG NW erfolgen. Hiernach sind Angaben zu den einzelnen, im Anhang I der europäischen Richtlinie über die Prüfung der Umweltauswirkungen bestimmter Pläne und Programme (RL 2001/ 42/ EG) genannten Aspekten vorzulegen. Diese Angaben fließen in den nach § 12 LPlG NW zu erstellenden Umweltbericht ein und liefern einen Beitrag zur Entscheidungsfindung in diesem Verfahren.

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TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

1.3

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Methodisches Vorgehen (Anhang 1 RL 2001/ 42/ EG h))

Methodisch orientieren sich die Angaben zur Umweltprüfung an den Anforderungen des § 27 i. V .m. § 12 LPlG NW und dem Anhang I der Richtlinie 2001/ 42/ EG. Es sind die Schutzgüter Flora, Fauna, biologische Vielfalt, Boden, Wasser, Luft und klimatische Faktoren, Kultur- und Sachgüter einschließlich architektonisch wertvoller Bauten und der archäologischen Schätze, die Landschaft, die Bevölkerung und die Gesundheit des Menschen sowie die Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Schutzgütern zu betrachten. Der Zustand der Schutzgüter im Untersuchungsgebiet wird auf Grundlage vorhandener Daten sowie einer aktuellen luftbildgestützten Biotop- und Nutzungstypenkartierung (Maßstab ca. 1:10.000), ausführlichen Ortsbegehungen und einem aktuellen Lärmgutachten beschrieben und nach Maßgabe fachlicher und fachgesetzlicher Vorgaben bewertet. Im Zuge der Untersuchungen werden Empfehlungen zu vertiefenden Gutachten unterbreitet, die im weiteren Verfahren z. B. der Bauleitplanung sinnvoll sein können (z. B. faunistische Gutachten). Die wesentlichen Umweltaspekte des Untersuchungsgebietes werden schutzgutbezogen zusammengestellt und bewertet. Eine Abschätzung, Beschreibung und Bewertung voraussichtlicher vorhabensbedingter Umweltauswirkungen in den einzelnen Suchräumen schließt sich an. Diese stützt sich ebenfalls auf die o. g. Grundlagen, den Stand der Wissenschaft und Technik, allgemein anerkannte Regeln und gutachterliches Erfahrungswissen. Die Beurteilung der Suchräume wird fünfstufig vorgenommen und verbal argumentativ begründet. Dies erfolgt ausführlich in einzelnen Suchraumdossiers für die fünf Suchräume in untereinander vergleichbarer Form. Abschließend sind die Ergebnisse der Prüfung der fünf Suchräume in einer zusammenfassenden Tabelle als Zwischenfazit gegenübergestellt. In Kapitel 6 werden Empfehlungen zur Lage des Umsiedlungsstandortes innerhalb der Suchräume gegeben.

1.4

Alternativenprüfung und Überblick über den Inhalt der Planung (Anhang 1 RL 2001/ 42/ EG a) und h))

Im Sinne der Sozialverträglichkeit stellt das Konzept der gemeinsamen Umsiedlung, bei dem möglichst viele Umsiedler an einen gemeinsamen Standort ziehen, eine Grundlage der Umsiedlungen im Rheinischen Braunkohlenrevier dar. Dieses Konzept hat sich seit Jahrzehnten bewährt und ist gesellschaftlich wie politisch anerkannt. Eine wesentliche Voraussetzung für die positive Wirkung dieses Konzeptes ist die Auswahl eines Umsiedlungsstandortes, der von einer möglichst breiten Mehrheit der betroffenen Bevölkerung mitgetragen wird. Dabei werden verschiedene Standortalternativen im Umfeld der Ortslage Merzenich abgeprüft. Die unterschiedlichen Eignungsgrade der Standortalternativen als Umsiedlungsfläche sind in der Umweltprüfung dokumentiert. Da die Umsiedlung im Gemeindegebiet Merzenich stattfinden soll, wurden im Vorfeld auch mögliche Standorte in den Ortsteilen Girbelsrath und Golzheim untersucht. Bei beiden Ortsteilen handelt es sich gemäß Regionalplan nicht um Allgemeine Siedlungsbereiche, so dass eine Erweiterung dieser Ortsteile nach Landesplanungsgesetz nur möglich ist, wenn mit der Erweiterung eine Bevölkerungsanzahl von 2.000 erreicht wird. Selbst bei einer hundertprozentigen Teilnahme an der Umsiedlung wird diese Bevölkerungsanzahl in den genannten Ortsteilen nicht er-

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TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

reicht, so dass diese Standorte landesplanerisch nicht geeignet sind (Vgl. Landesentwicklungsplan Nordrhein-Westfalen (LEP NRW) B. III. Pkt. 1.32 wonach Wohnplätze/ Gemeindeteile mit einer Aufnahmefähigkeit von weniger als 2.000 Einwohnern, die in den Gebietsentwicklungsplänen nicht als Siedlungsbereiche dargestellt werden, dem Freiraum zugeordnet sind.) Daher wurden angrenzend an den Ortsteil Merzenich fünf Suchräume ausgewählt, die landesplanerisch geeignet sind und nun näher untersucht werden (s. Abbildung 1). Die Angaben zur Umweltprüfung werden vor der Bürgerbefragung zur Standortwahl erarbeitet und dienen als Material für die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange nach § 13 LPlG NW. Der Flächenbedarf für den Umsiedlungsstandort wird erst nach der Entscheidung über den gewünschten Umsiedlungsstandort im weiteren Verfahren über Befragungen zur Teilnahme an der Umsiedlung abschließend ermittelt, entsprechend sind die Inhalte der Planung in ihrer Quantität ebenfalls noch nicht abschließend bestimmt. Für die Umsiedlung von Morschenich ist nach bisherigen Erfahrungen mit einer Teilnahmequote in der Größenordung von 60- max. 80 % zu rechnen. Damit ergäbe sich ein Flächenbedarf für den neuen Standort von ca. 1520 ha. Qualitativ sind insbesondere die folgenden Flächennutzungen zu erwarten: Verkehrsflächen für motorisierten und nicht motorisierten Verkehr, Ver- und Entsorgungsanlagen, Wohnbauflächen, Gewerbeflächen, Flächen für den Gemeinbedarf, öffentliche innerörtliche Grünflächen und randliche Eingrünungen, sowie auch Ausgleichsflächen zur Kompensation unvermeidbarer Eingriffe in den Naturhaushalt und das Landschaftsbild. Der Umsiedlungsstandort soll insgesamt den dörflichen Charakter der Ortslage Merzenich weiterführen. Grundsätzlich sollen die Planungen dafür Sorge tragen, dass die Errichtung des Umsiedlungsstandortes landschaftsverträglich erfolgt, qualitativ hochwertiger Wohn-, Arbeits- und Erholungsraum geschaffen wird und zur Akzeptanz bei den Bewohnern (Umsiedlern) führt. Beeinträchtigungen des Naturhaushalts (z. B. durch Versiegelung, Beseitigung bestehender Vegetationselemente, Beeinträchtigung von Gewässern, usw.) oder nahe gelegener besonders geschützter Teile von Natur und Landschaft oder sonstiger Schutzgebiete sollen soweit als möglich vermieden werden.

1.5

Braunkohlenpläne in Beziehung zu anderen relevanten Plänen und Programmen (Anhang 1 RL 2001/42/EG a))

Braunkohlenpläne (BKP) legen auf der Grundlage des Landesentwicklungsprogramms und der Landesentwicklungspläne und in Abstimmung mit den Regionalplänen im Braunkohlenplangebiet Ziele der Raumordnung fest, soweit es für eine geordnete Braunkohlenplanung erforderlich ist (§ 26 Abs. 1 LPlG NRW). Dabei unterscheidet der Gesetzgeber zwischen Braunkohlenplänen, die ein Abbauvorhaben betreffen und Braunkohlenplänen, die die Darstellung von Umsiedlungsstandorten zum Gegenstand haben. Bei letzteren erfolgt insbesondere die Festlegung •

der umzusiedelnden Ortschaften

der Umsiedlungsfläche

des Umsiedlungszeitraums

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TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

ergänzender Regelungen, u. a für die Umsiedlung von Mietern sowie von landwirtschaftlichen und gewerblichen Betrieben.

Dabei werden die von der Braunkohlenplanung betroffenen Planungsträger in das Planungsverfahren eingebunden. Gemäß § 29 Abs. 2 LPlG NRW ist die Genehmigung von Braunkohlenplänen nur zu erteilen, wenn sie den im Landesentwicklungsprogramm festgelegten Erfordernissen der Raumordnung zur Sicherung einer langfristigen Energieversorgung entsprechen und die Erfordernisse der sozialen Belange der vom Braunkohlentagebau Betroffenen und des Umweltschutzes angemessen berücksichtigen. Die Erfüllung dieser Bedingungen ist für den Braunkohlenplan Hambach vom 11.05.1977 durch dessen Genehmigung dokumentiert und wird im laufenden Braunkohlenplanverfahren nochmals überprüft. Der in Vorbereitung befindliche Braunkohlenplan Umsiedlung Morschenich regelt die Umsiedlung des Ortes Morschenich einschließlich der Festlegung des Umsiedlungsstandortes. Das die Umsiedlung auslösende Abbauvorhaben ist Gegenstand des bereits genehmigten Braunkohlenplanes Hambach. Regionalpläne legen auf der Grundlage des Landesentwicklungsprogramms und des Landesentwicklungsplans die regionalen Ziele der Raumordnung für alle raumbedeutsamen Planungen und Maßnahmen im Planungsgebiet fest (§ 18 Abs. 1 LPlG). BKP sind spezielle Regionalpläne, die der Konkretisierung der mit dem Braunkohlentagebau verbundenen Rahmenbedingungen im Rheinischen Braunkohlenrevier dienen. Sie sind sonderfallbezogene Ergänzungen des Regionalplans. Bauleitpläne sind den übergeordneten Zielen der Raumordnung, insbesondere dem Regionalplan und dem das Gemeindegebiet betreffenden Braunkohlenplänen anzupassen (§ 1 Abs. 4 BauGB) bzw. aus diesen zu entwickeln. Für den Braunkohlenplan Umsiedlung Morschenich ergeben sich hieraus keine Vorgaben. Ähnliches gilt für die Landschaftspläne: Auch hier sind die Ziele der Raumordnung, die im Plangebiet zu erfüllenden öffentlichen Aufgaben und wirtschaftlichen Funktionen zu beachten (§ 18 Abs. 2 LG NW), bzw. sind die Landschaftspläne aus den übergeordneten Planungen zu entwickeln.

2. 2.1

Untersuchungsgebiet und Suchräume Abgrenzung

Das Untersuchungsgebiet umfasst die fünf in Abbildung 1 dargestellten Suchräume. Die Qualität der zu untersuchenden Schutzgüter wird schwerpunktmäßig für die Suchräume beschrieben und bewertet. Zur Berücksichtigung besonderer Wert- und Funktionselemente oder relevanter Belastungen wird das Untersuchungsgebiet um die jeweiligen Aspekte betreffend erweitert (Umfeld der Suchräume). Dies ermöglicht eine vergleichende Darstellung und Bewertung der Suchräume im räumlichen Zusammenhang. Entwicklungsoptionen und Restriktionen sind so im Überblick über den gesamten untersuchten Raum erkennbar, so dass abschließend EmpfehX

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TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

lungen zur Standortlage der Umsiedlungsflächen (15-20 ha) innerhalb der Suchräume (alle größer 60 ha) gegeben werden können.

Abbildung 1:

Untersuchungsgebiet mit den einzelnen Suchräumen Quelle: RWE-Power AG und eigene Darstellung

Im Folgenden werden Erschließung, planerische Vorgaben, Realnutzung und Biotopstruktur sowie die aktuelle Bestandssituation der einzelnen Schutzgüter im Untersuchungsgebiet dargestellt.

2.2

Erschließung

Die Autobahn A 4 Köln-Aachen verläuft im Norden des Gemeindegebietes in West-OstRichtung in einem Abstand von ca. 3 km nördlich des Ortsteils Merzenich; sie ist über die Anschlussstelle in Buir (9 km vom Ortsmittelpunkt) bzw. über die Anschlussstelle Düren/ Birkesdorf (7 km vom Ortsmittelpunkt) zu erreichen. Die Bundesstraße B 264 durchzieht die Gemeinde von Nordost nach Südwest südlich der Ortsteile Merzenich und Golzheim sowie nördlich von Girbelsrath mit Anbindung an die Nachbarstädte Kerpen und Düren. Die L 264 verläuft in einem Abstand von 300 m östlich des Ortsteils Merzenich rechtwinklig zur B 264 und verbindet die Gemeinde mit Jülich und Euskirchen.

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TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Die Haupteisenbahnstrecke Aachen-Köln verläuft vierspurig nordöstlich des Ortsteils Merzenich. Sie wird von Hochgeschwindigkeitszügen (Thalys, ICE), dem Regionalexpress, der Regionalbahn, der S-Bahnlinie 12 sowie von Güterzügen befahren. Insgesamt verkehren hier mehr als 60.000 Züge im Jahr. Ein S-Bahn-Haltepunkt sowie ein Park-& Ride-Platz befinden sich an der Querung mit der L 264. Im Zuge des Braunkohlentagebaus Hambach wird derzeit die Autobahn A 4 zwischen Arnoldsweiler und Kerpen-Geilrath nach Süden in eine enge Parallellage zur Bahnstrecke Aachen-Köln verlegt. Der Abstand zur Splittersiedlung Auf der Heide reduziert sich auf ca. 500 m, zum nördlichen Ortsrand Merzenich auf ca. 1 km. Der Planfeststellungsbeschluss ist erfolgt und mit den Baumaßnahmen wurde im September 2008 begonnen. Die Fertigstellung ist für 2014 geplant. Mit der neuen Anschlussstelle 'Merzenich' wird die L 264 an die Autobahn angebunden, was zu einer neuen Verkehrsbedeutung der Straße beiträgt, die künftig am Straßenabschnitt östlich von Merzenich die höchste Belastung im südlichen Umfeld des Tagebaus aufweisen wird. Südwestlich des Gemeindegebietes ist die B 56n als östliche Ortsumgehung Düren geplant. Im Oktober 2009 hat der Erörterungstermin im Rahmen des Planfeststellungsbeschlusses stattgefunden. Der Planfeststellungsbeschluss der Straßenbauverwaltung wird Mitte 2010 von der Straßenbauverwaltung erwartet. Bei günstigem Verlauf ist mit einem Baubeginn Ende 2010 zu rechnen. Die Bauzeit wird ca. 2 Jahre dauern. Weiterhin ist eine Ortsumgehung für das östlich von Merzenich gelegene Golzheim geplant. Nördlich der Eisenbahntrasse Aachen – Köln ist die L257n als südliche Ortsumgehung für den Ort Arnoldsweiler geplant, derzeit findet das Linienfindungsverfahren statt. Eine Realisierung der Ortsumgehung wird 2016 erwartet. Nähere Angaben liegen zum jetzigen Zeitpunkt nicht vor. Auf einem Teilstück der B264 (Stadtgrenze Düren/ Merzenich) ist ein Radweg geplant und tangiert den Suchraum Süd. Entlang der zukünftigen südlichen Tagebaukante wird zurzeit die neue Trasse der Hambachbahn, einer Eisenbahn von RWE Power errichtet, die ausschließlich für Kohle- und Abraumtransporte aus dem Tagebau Hambach zu den Kraftwerken und Fabriken genutzt wird. Seitens der Kreise Düren und Euskirchen ist eine Reaktivierung der Bahnstrecke DürenEuskirchen in Überlegung (Bahnstrecke südlich bzw. westlich der Suchräume West und Süd). Eine verbindliche Entscheidung wird in den nächsten Jahren im Rahmen der integrierten Gesamtverkehrsplanung NRW getroffen. Nähere Angaben liegen zum jetzigen Zeitpunkt nicht vor. Abbildung 2 zeigt die räumliche Lage der bestehenden und geplanten Hauptverkehrslinien, Tabelle 1 zeigt die aktuellen und prognostizierten Verkehrsdaten. X

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TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

Abbildung 2:

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Hauptverkehrslinien Quelle: RWE-Power AG und eigene Darstellung

Tabelle 1: Straßenabschnitt

Verkehrsangaben Analyse 2008/2009 und Prognosen 2020 DTV 2008/2009 Analyse*

DTV 2020 Prognose**

Autobahn A 4 / A 4n

59.000 Kfz/ 24h

86.000 Kfz/ 24h

B 264

12.000 Kfz/ 24h

24.800 Kfz/ 24h

L 264

10.600 Kfz/ 24h

16.100 Kfz/ 24h

B 56 / B 56n

29.000 Kfz/ 24h

19.500 Kfz/ 24h

Merzenicher Straße L257n Quelle:

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k. A.

5.400 Kfz/ 24h

zum jetzigen Zeitpunkt keine näheren Angaben vorliegend * www.tim-online.nrw.de; download Juli 2009 ** IGS Ingenieurgesellschaft Stolz mbH, Verkehrsuntersuchung im Rahmen der Umweltverträglichkeitsstudie für die B 264n, Ortsumgehung Golzheim, Juli 2006; zitiert nach: Dr. Wohlfahrt (2009), S. 11

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TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

2.3

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Vorhandene Ziele und Programme (Anhang 1 RL 2001/ 42/ EG e)) insbesondere Schutzgebietsausweisungen

Für die Umweltprüfung des in Vorbereitung befindlichen Braunkohlenplans Umsiedlung Morschenich sind insbesondere die im Landesentwicklungsplan NRW, im Regionalplan Regierungsbezirk Köln sowie die im Landschaftsplan des Kreises Düren (inklusive Schutzgebietsverordnungen) und im Flächennutzungsplan der Stadt Merzenich festgelegten Ziele des Umweltschutzes von Bedeutung.

Landesentwicklungsplan Der Landesentwicklungsplan (LEP) des Landes NRW (1995) stellt den Bereich um Merzenich als 'Freiraum' dar. Entlang des Ellebachs ist überlagernd das Symbol für 'Grundwasservorkommen' dargestellt. Der durch Agrargebiete, Wald und Gewässer bestimmte 'Freiraum' ist als Lebensraum und ökologischer Ausgleichsraum für Menschen, Fauna und Flora zu erhalten und in seiner Funktion zu verbessern. Er darf in Anspruch genommen werden, wenn Flächenbedarf für siedlungsräumliche Nutzungen nicht innerhalb des Siedlungsraumes gedeckt werden kann oder wenn der regionalplanerisch dargestellte Siedlungsraum unter Berücksichtigung der ortsüblichen Siedlungsstruktur für die absehbare Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung nicht ausreicht. In den Bereichen mit 'Grundwasservorkommen' ist bei allen Planungen und Maßnahmen der langfristige Schutz der Wasserressourcen für künftige Generationen zu berücksichtigen.

Regionalplan Der Regionalplan für den Regierungsbezirk Köln Teilabschnitt Region Aachen (2003) stellt den Siedlungsbereich der Gemeinde Merzenich sowie einige darüber hinausgehende Flächen als 'Allgemeinen Siedlungsbereich' dar. Südöstlich und südwestlich der Ortslage sind die Gewerbegebiete von Girbelsrath und Distelrath als 'Bereiche für gewerbliche und industrielle Nutzungen' dargestellt. In südost-nordwestliche Richtung verlaufen die B 56 und die L 264 und in südwest-nordöstliche Richtung die B 264 als 'Straßen für den vorwiegend überregionalen und regionalen Verkehr'. In südwest-nordöstliche Richtung verläuft die Bahnlinie zwischen Aachen und Köln als 'Schienenweg für den überregionalen und regionalen Verkehr'. Umliegend befindet sich 'Allgemeiner Freiraum- und Agrarbereich'. Nördlich der Ortslage sowie im Süden entlang des Ellebachs sind 'Bereiche zum Schutz der Landschaft und landschaftsorientierten Erholung' dargestellt. Westlich liegt entlang der Bahnstrecke abschnittsweise ein 'Bereich für den Schutz der Natur' (BSN DN-10) 'Kiesgrube am Buchhof, Kiesgrube bei Eschweiler über Feld und Vorbahnhofsgelände Düren'.

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TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

Abbildung 3:

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Darstellungen des Regionalplans im Raum Merzenich Quelle: Regionalplan Regierungsbezirk Köln Teilabschnitt Region Aachen (2003)

Landschaftsplan Für das Untersuchungsgebiet liegt mit Ausnahme der Flächen nördlich der Ortslage Merzenich kein Landschaftsplan vor. Der 'Landschaftsplan Ruraue' des Kreises Düren (in der Fassung vom 29.09.1984) trifft Aussagen über den Bereich nördlich und östlich der Ortslage Merzenich. Hier stellt er die folgenden Entwicklungsziele für Natur und Landschaft dar: •

Auf der überwiegenden Fläche: Entwicklungsziel 2 'Anreicherung der Landschaft mit naturnahen Lebensräumen und mit gliedernden und belebenden Elementen';

entlang der Bahnlinie: Entwicklungsziel 1 'Erhaltung der Naturraumpotenziale einer mit naturnahen Lebensräumen oder sonstigen naturnahen Landschaftselementen reich oder vielfältig ausgestatten Landschaft',

kleinflächig nördlich im Bereich der heute bestehenden Erholungsflächen an die Ortslage angrenzend: Entwicklungsziel 4 'Temporäre Erhaltung der Naturraumpotenziale bis zur Realisierung einer den Zielen der Raumordnung und Landesplanung entsprechenden Bauleitplanung oder fachplanerischen Festsetzung' und

Streifen entlang der L 264 und westlich parallel dazu im Bereich Wolfsacker: Entwicklungsziel 8 'Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes und landschaftsgerechten Gestaltung des Landschaftsbildes bei Eingriffen in Natur und Landschaft'.

Der Landschaftsplan trifft verschiedene Entwicklungs-, Pflege- und Erschließungsmaßnahmen gem. § 26 LG NW wie beispielsweise die Anlage einer Gehölzreihe am nordwestlichen Ortsrand in der Nähe des Friedhofs (Nr. 5.1-211). In einem Bereich südlich der Bahntrasse setzt der Landschaftsplan eine Brachfläche gem. § 24 LG NW mit der Zweckbestimmung 'natürliche Entwicklung' fest.

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TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Schutzgebiete gem. Landschaftsgesetz Der 'Landschaftsplan Ruraue’ trifft Festsetzungen für besonders geschützte Teile von Natur und Landschaft gem. §§ 19 bis 23 LG NW nördlich der Ortslage Merzenich. Außerhalb des Geltungsbereichs sind weitere Schutzgebiete über Verordnungen gem. § 42a LG NW festgesetzt: Die Schutzgebiete liegen hauptsächlich nordwestlich der Ortslage entlang der Bahngleise. Im betrachteten Raum befinden sich folgende Schutzgebiete: •

Naturschutzgebiet NSG 'Vorbahnhofsgelände Düren' (Verordnung der Bezirksregierung vom 27.2.2009; entspricht der Biotopkatasterfläche des LANUV BK-5105-002).

Teilbereiche des Landschaftsschutzgebiets 'LSG des Kreises Düren südlicher Teil’ (Verordnung der Bezirksregierung vom 27.11.2007).

Landschaftsschutzgebiet 'LSG Merzenicher Heide, Rather Feld und Große Bend' (2.3-32) gem. Landschaftsplan Ruraue.

Nördlich der Bahntrasse setzt der ‚Landschaftsplan Ruraue’ einen geschützten Landschaftsbestandteil (Tümpel an der Bahnstrecke LB Nr. 2.4-53) fest, der in der realen Örtlichkeit nicht mehr vorhanden ist.

Abbildung 4:

Schutzgebiete gem. LG NW Quelle: 'Landschaftsplan Ruraue' http://geoserver.kreis-dueren.de

Natura 2000 Im näheren Umkreis des Untersuchungsgebietes befinden sich keine FFH- oder Vogelschutzgebiete. Das nächste FFH-Gebiet (DE-5104-302 ‚Rur von Obermaubach bis Linnich’) liegt in einer Entfernung von mehr als 3 km.

Flächennutzungsplan Der Ortsteil Merzenich ist im rechtsverbindlichen Flächennutzungsplan der Gemeinde Merzenich als Siedlungsschwerpunkt ausgewiesen.

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TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Im Zentrum der Ortslage Merzenich stellt der Flächennutzungsplan Kerngebiet sowie Flächen für Gemeinbedarf dar. Umliegend sind die Siedlungsbereiche als Mischgebiete und Wohngebiete dargestellt. Flächen für ein Alten- und Seniorenheim sowie der Tennisplatz an der Bahnstraße sind als Sondergebiet dargestellt. Südöstlich und südwestlich der Ortslage sind die Gewerbegebiete von Girbelsrath und Distelrath, im Nordosten das Gewerbegebiet 'Auf der Heide' dargestellt. Im Norden sind der Friedhof und das Naherholungsgebiet am Steinweg, im Süden Sportanlagen als Grünfläche dargestellt. Im Umfeld der Ortslage sind Flächen für die Landwirtschaft dargestellt.

Bestehende Bebauungspläne Verschiedene Bebauungspläne decken den Großteil der Siedlungsflächen von Merzenich ab. An den Ortsrändern reichen die Geltungsbereiche über den aktuell bebauten Bereich hinaus. Nördlich des Erholungsgebietes erstreckt sich der seit dem 06.03.2008 rechtsverbindliche Bebauungsplan G1 für das Gewerbegebiet 'Auf der Heide'.

Wasserschutzgebiete Südlich der Bahntrasse verläuft von Nordwesten nach Südosten in einer Breite von rd. 720 bis rd. 1.000 m die Zone III B des Wasserschutzgebietes (WSG) Niederzier-Ellen durch den Ort. Nördlich der Bahntrasse schließt sich die Zone III A desselben WSG an. Es handelt sich hierbei, nach Aussage des Kreises Düren (Amt für Wasser, Abfall und Umwelt) um ein geplantes WSG, jedoch wird bereits heute hier Trinkwasser gewonnen und das Wasserwerk Ellen hat für die Trinkwasserversorgung von Düren eine große Bedeutung. Eine Schutzgebietsverordnung liegt noch nicht vor; nach Einschätzung der Unteren Wasserbehörde des Kreises Düren ließe sich eine Wohnbebauung mit den Zielen der Wassergewinnung an dieser Stelle vereinbaren, potenziell wassergefährdende Nutzungen sind im Einzelfall zu prüfen (Auskunft Untere Wasserbehörde des Kreises Düren vom 23.04.2010).

Abbildung 5:

Wasserschutzgebiete Quelle: Gewässerstationierungskarte des Landes NRW (Geoserver.nrw)

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TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Überschwemmungsgebiete Entlang des Ellebaches liegen – schwerpunktmäßig in Richtung Westen –festgesetzte Überschwemmungsgebiete gem. § 76 WHG respektive § 112 LWG NW. Die festgesetzten Überschwemmungsgebiete (entsprechen dem 100-jährige Hochwasser (HQ100) erstrecken sich bis zu rd. 270 m, die Extremhochwasserbereiche für das 1.000-jährige Hochwasser (HQ1000) bis zu rd. 330 m vom Bachverlauf in sein Umfeld (vgl. Abbildung 6). X

Abbildung 6:

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Überschwemmungsgebiete des Ellebachs Quelle: Bezirksregierung Köln, Sachlicher Teilabschnitt vorbeugender Hochwasserschutz Teil 2: Region Aachen, Wassereinzugsgebiete der Ruhr (aufgestellter Plan 11.12.2009)

Festgesetzte Überschwemmungsgebiete sind von einer Bebauung freizuhalten, sie könnten für Grünflächen und Ausgleichsmaßnahmen etc. genutzt werden. Extremhochwasser-Bereiche sind Vorbehaltsgebiete. Hier kann Bauleitplanung betrieben werden, dabei soll jedoch dem Überflutungsrisiko ein besonderes Gewicht beigemessen werden. Dies soll durch eine nachvollziehbare Auseinandersetzung mit dem Überflutungsrisiko in der Bauleitplanung geschehen. Bausteine dazu sind u. a. eine hochwasserangepasste Bebauung zur Minimierung des Schadenspotenzials und nach Möglichkeit der Verzicht auf zusätzliche, die Allgemeinheit gefährdende Nutzungen.1 F

Europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) Das wichtigste Ziel der am 22.12.2000 in Kraft getretenen europäischen WRRL ist es, für alle Oberflächengewässer sowie für das Grundwasser bis zum Jahr 2015 einen 'guten ökologischen und chemischen Zustand' oder das 'gute ökologische Potenzial' zu erreichen und eine Verschlechterung zu verhindern. Ebenso verpflichtet die WRRL die Mitgliedsstaaten, die Einleitung von Schadstoffen in das Grundwasser zu verhindern oder zu begrenzen und eine Verschlechte-

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aus: 18. Regionalratssitzung 02. Oktober 2009: Niederschrift über das Ergebnis der Erörterung am 28.05.2009, Regionalplan für den Regierungsbezirk Köln, Sachlicher Teilabschnitt Vorbeugender Hochwasserschutz, Teil 2, Region Aachen, Wassereinzugsgebiet der Rur

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rung des Zustands zu verhindern. Grundwasserkörper müssen geschützt und saniert sowie ein Gleichgewicht zwischen Grundwasserentnahme und -neubildung sichergestellt werden.

Sonstige Restriktionen Im Norden und Westen von Merzenich verlaufen zwei 110-/ 380-kV Hochspannungsfreileitungen in Ost-West-Richtung zwischen Oberzier-Kierdorf und in Nord-Süd-Richtung zwischen Oberzier und Binsfeld. Der Schutzstreifen beträgt gem. Abstandserlass vom 6.6.2007 bei 380 KVFreileitungen beiderseits 40 m.

Abbildung 7:

Hochspannungsfreileitungen Quelle: Flächennutzungsplan der Gemeinde Merzenich

Im Zusammenhang mit den von RWE Power vorzulegenden Angaben zur Umweltprüfung hat die Bezirksregierung RWE Power angesichts zu erwartender Fragen um Angaben dazu gebeten, ob die Höchstspannungsfreileitung zeitnah rechtssicher als Erdkabel verlegt werden kann. RWE Power hat hierzu bei der Rechtsanwaltskanzlei Redeker Sellner Dahs & Widmaier eine rechtliche Stellungnahme erstellen lassen, die als Anlage diesen Angaben beigefügt ist. Die Stellungnahme kommt zu folgendem Gesamtergebnis: „In Bezug auf die in Prüfung befindlichen Umsiedlungsstandorte westlich, nördlich und südlich von Merzenich kann seriös nicht von einer für die Umsiedlung zeitgerechten gesicherten Verlegung der derzeitigen Höchstspannungsfreileitung als Erdkabel ausgegangen werden. Ursache hat dies in dem noch fehlenden gesicherten Stand der Technik für Höchstspannungserdkabel, der Grundvoraussetzung für eine rechtssichere Genehmigung und deren Durchsetzung ist.“ Eine Erdgasfernleitung mit beidseitigem Schutzstreifen von 4 m (14. Änderung des Flächennutzungsplans) verläuft nördlich von Merzenich. Westlich von Merzenich verläuft parallel östlich der Hochspannungsfreileitung zudem die Ferngasleitung Nr. 79 Stolberg-Porz (DN800). Der Schutzstreifen der Ferngasleitung beträgt beiderseits 10 m. Im Schutzstreifen der Ferngasleitung verläuft zudem eine Kabelschutzrohranlage mit Lichtwellenleiterkabeln.

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Östlich von Merzenich in Verlängerung Weidenkopf verläuft eine weitere Gasleitung. Westlich entlang der Dürener Straße und Brückenstraße, östlich entlang am Weidenkopf sowie südlich von Merzenich verlaufen Telekommunikationsanlagen (Erdkabel, u. a). Nach Bundesfernstraßengesetz gelten folgende Anbauverbotszonen/ Anbaubeschränkungszonen: 40 m/ 100 m entlang der Autobahnen, 20 m/ 40 m entlang der Bundesstraßen. Das Straßen- und Wegegesetz NRW regelt Anbaubeschränkungszonen von 40 m für Landes- und Kreisstraßen außerhalb von Ortsdurchfahrten. Merzenich liegt in der Erdbebenzone 3 nach der Kategorisierung der DIN 4149. Daher sind hier für Entwurf, Bemessung und Konstruktion von Hochbauten die entsprechenden Maßnahmen der DIN 4149 zu ergreifen bzw. für Objekte mit höherem Sicherheitsniveau weitere einschlägige Regelwerke zu beachten. Im Bereich der Ortslage Merzenich liegen geologische Störungen des Verwerfungssystems des Rurrandes. Das Verwerfungssystem des Rurrandes ist allgemein als aktiv zu bezeichnen, das heißt, es finden rezente Relativbewegungen zwischen den Schollen der Niederrheinischen Bucht statt. Durch das Untersuchungsgebiet verlaufen der Distelrather Sprung (Suchräume Nord und West), der Hauptast des Rurrand-Systems (östlich des Suchraums Nord) und der Werhahn Sprung (Suchraum Nordost). Der Geologische Dienst kommt nach Untersuchung der Störungen unter Berücksichtigung des Eurocodes 8 zu folgendem Ergebnis: Der Hauptast des RurrandSystems liegt nicht im Bereich des Suchraums Nord, der Distelrather Sprung und der Werhahnsprung werden hier als nicht seismisch aktiv bewertet. Daten des LANUV zu gesetzlich geschützten Biotopen (gem. § 62 LG NW) liegen nicht vor. Die Biotoptypenkartierung ergab innerhalb des Untersuchungsgebietes keine Hinweise auf ein Vorliegen entsprechender Biotope.

2.4

Zukünftige von der Umsiedlung unabhängige Entwicklungen (Anhang 1 RL 2001/42/EG b))

Folgende Entwicklungen der nächsten 10 bis 20 Jahre im Umfeld des Untersuchungsgebietes können bei der Standortauswahl von Bedeutung sein: •

Der Tagebau Hambach wandert weiter nach Süden und rückt bis auf ca. 1 km an die bestehende Bebauung ('Auf der Heide') bzw. ca. 1,5 km zum Ortsteil Merzenich heran. Der Auskohlungsbetrieb soll ca. im Jahr 2045 eingestellt werden.

Das bergbaubedingte Restloch soll mit einer Größe bis max. 4.000 ha und einer Tiefe von über 300 m als größter See in der Börde bis etwa zum Jahr 2100 geflutet werden.

Nach Einstellung der Sümpfungsmaßnahmen und Befüllung des Restsees sind, neben den natürlichen Grundwasserschwankungen, Veränderungen der Grundwasserspiegelstände zu erwarten.

Die Autobahn A 4 wird zwischen Arnoldsweiler und Kerpen-Geilrath nach Süden bis zur Bahnstrecke Köln-Aachen verlegt. Die Fertigstellung ist für 2014 geplant. Der Abstand zur Splittersiedlung Auf der Heide reduziert sich auf ca. 500 m, zum nördlichen Ortsrand Merzenich auf ca. 1 km.

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Mit der neuen Anschlussstelle 'Merzenich' wird die L 264 an die Autobahn angebunden.

Die neue Anschlussstelle trägt zu einer neuen Verkehrsbedeutung der Straßen im Untersuchungsgebiet bei, die künftig einen durchschnittlichen täglichen Verkehr von ca. 24.800 Kfz/ 24h auf der B 264 und ca. 16.100 Kfz/ 24h auf der L 264 aufweisen werden.

Südwestlich des Gemeindegebietes ist die B 56n als östliche Ortsumgehung Düren geplant. Im Oktober 2009 fand der Erörterungstermin im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens statt. vor. Bei günstigem Verlauf ist mit einem Baubeginn Ende 2010 mit ca. 2-jähriger Bauzeit zu rechnen.

Nördlich von Merzenich, jenseits der Bahntrasse ist die Ortsumgehung Arnoldsweiler geplant (aufgrund der Entfernung und der bereits bestehenden räumlichen Trennung zu Arnoldsweiler durch die Bahntrasse ohne relevante Auswirkungen auf die Suchräume).

Nordöstlich von Merzenich ist eine gewerbliche Baufläche im Flächennutzungsplan dargestellt. Die westliche Teilfläche ist über einen Bebauungsplan planungsrechtlich als Gewerbegebiet festgesetzt. Für die östliche Teilfläche stehen noch Untersuchungen der Bodendenkmalbehörde aus.

Die intensive landwirtschaftliche Ackernutzung wird bei Nichtdurchführung der Planung wahrscheinlich fortgesetzt – markt- und klimawandelbedingt langfristig möglicherweise mit anderen Produkten.

2.5

Naturraum

Das Untersuchungsgebiet liegt in der Niederrheinischen Bucht in der Haupteinheit Zülpicher Börde (533) in der Untereinheit Erper Lössplatte (553.3). Die Oberflächenformen der Zülpicher Börde sind durch tektonische Vorgänge geprägt. So steigt die Erftscholle von ihrer tiefsten Einsenkung im Erftbereich nach Westen hin an und erreicht an dem ebenfalls SO-NW verlaufenden Rurrandsprung ihre höchste Lage (Geländestufe ca.15 m). Westlich schließt sich die Rurscholle an. Die Schollen- und Bruchzonen sind von tertiären und jüngeren Sedimenten bedeckt. Das Tertiär tritt mit seinen Tonen und Sanden besonders an den Bruchrändern und am Eifelrand zutage, von wirtschaftlich größter Bedeutung sind die tertiären Braunkohlenlager. Die Tertiärschichten werden von mächtigen Terrassenschottern (Haupt- und Mittelterrasse) bedeckt, die wiederum von einer Lössdecke überlagert werden. Insbesondere die Erper Lössplatte ist nahezu einheitlich mit einer Lössschicht bedeckt, die allerdings nur 1-2 m mächtig ist. Die hier entwickelten Braunerden und Parabraunerden bieten gute Voraussetzungen für den Anbau von Weizen, Gerste und Zuckerrübe. Daher sind große Teile der ursprünglichen Bewaldung der Lössplatte bereits in vor- und frühgeschichtlicher Zeit gerodet worden; die Siedlungsgeschichte reicht entsprechend lange zurück. Neben einigen Gehölzinseln (z. B. Nörvenicher Wald) tragen insbesondere die Bachniederungen von Neffel- und Rotbach mit ihren Gehölz- und Grünlandanteilen inmitten der weiten Ackerflächen zur Landschaftsgliederung bei. Makroklimatisch liegt der Raum ganz im Lee der Nordeifel und der Ardennen, so dass die Jahresniederschlagsmenge mit rd. 600 mm hier relativ gering ist.

2.6

Realnutzung und Biotopstruktur

Im Juni 2009 erfolgte eine Erfassung der Biotoptypen für die zu prüfenden Suchräume und ihr Umfeld. Die Erhebung und Bewertung der Biotoptypen wurde nach dem Verfahren des LANUV zur numerischen Bewertung von Biotoptypen für die Bauleitplanung (LANUV 2008) durchge-

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führt. Im Untersuchungsgebiet wurden 23 verschiedene in Karte 1 dargestellte und in Tabelle 2 aufgeführte Biotop- und Nutzungstypen erfasst: X

Tabelle 2: Code 1-1

X

Biotop- und Nutzungstypen Biotoptyp versiegelt, bebaut

1-1G

versiegelt, bebaut (Gewerbe)

1-1L

versiegelt, bebaut (Landwirtschaft)

1-3

teil- bzw. unversiegelte Fläche

2-2

Straßenbegleitgrün o. Gehölze

2-2b

Regenrückhaltebecken ohne Dauerstau

2-3

Straßenbegleitgrün m. Gehölzen

3-1

Acker

3-4

Intensivgrünland

4-3

strukturarmer Garten

4-4

strukturreicher Garten

4-5

Spiel-, Sport-, Bolzplatz

5-1

Staudenbrache

5-1a

Gartenbrache

6-3

Feldgehölz, heim. Arten, mittelalt

7-1

Hecke, Gebüsch (jung)

7-2

Hecke, Gebüsch

7-3

Baumreihe, -gruppe (n. standorttypisch)

7-3a

Baumreihe alt (Pappel)

7-4

Baumreihe, -gruppe (jung)

7-4a

Baumreihe alt (Silberweide)

8-1

Bach naturfern

9-1

Graben naturfern

Die fruchtbaren Böden im Umfeld der Ortslage Merzenich werden intensiv ackerbaulich genutzt, wobei überwiegend Getreide (Roggen, Gerste) vereinzelt auch Rüben und Mais angebaut werden. Die großen Ackerschläge sind von einem landwirtschaftlichen Wegnetz durchzogen. Insgesamt werden 78 % des Untersuchungsgebiets von Ackerflächen eingenommen. Nur am östlichen Ortsrand liegen kleine Flächen, die als Grünland (Pferdeweide) genutzt werden. Vereinzelt liegen Aussiedlerhöfe, landwirtschaftliche Betriebsgebäude, Siedlungssplitter (Stadtrandsiedlung) und ausgelagerte Gartenflächen in der Feldflur. Maßgebliche Gehölze befinden sich entlang der Bahnlinie in Form von alten, spontan aufgewachsenen Böschungsgehölzen aus heimischen (Eschen, Silberweide) und nicht heimischen Gehölzarten (Robinie, Hybridpappel). Entlang des Ellebachs stockt im Nordwesten der Ortslage eine Reihe alter Hybridpappeln. Eine lineare Gehölzstruktur von ca. 10 m Breite durchzieht die Feldflur im Südwesten des Untersuchungsgebietes. Der mit mittelalten, heimischen Gebüschen und Bäumen bewachsene Streifen hat eine Bedeutung als Rückzugsraum und Nahrungshabitat für die Fauna der umliegenden ausgeräumten Feldflur.

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In der Feldflur selbst liegt eine Gehölzgruppe aus mittelalten heimischen Laubgehölzen (Stieleiche, Salweide, Bergahorn). Weitere junge bis mittelalte Gehölzanpflanzungen befinden sich entlang der Verkehrswege wie der L 264 im Nordosten, der B 264 im Süden und der Merzenicher Straße im Südwesten. Die Gärten der Wohngebiete in Ortsrandlage weisen insgesamt einen geringen Strukturreichtum auf. An die Gärten schließen sich meist ohne Übergang große landwirtschaftlich genutzte Ackerflächen an. Ältere, strukturreiche Gärten und Gartenbrachen liegen an der B 264 im Südwesten der Ortslage Merzenich und im Nordwesten der Ortslage. Abschnittweise sind die jüngeren Wohngebiete mit Hecken aus heimischen Laubgehölzen eingegrünt. Der zum Gewässertyp ‚lössgeprägter Tieflandbach’ gehörende Ellebach durchfließt das Untersuchungsgebiet von Südosten nach Nordwesten. Er ist wie die meisten Bäche der fruchtbaren Lössgebiete naturfern, zeigt einen begradigten Verlauf überwiegend ohne standortgerechten, gewässertypischen Gehölzbewuchs. Nördlich der Ortslage wird der Ellebach abschnittweise von alten, landschaftsbildprägenden Hybridpappeln gesäumt. Andere Abschnitte des Ellebaches sind mit mittelalten, zum Teil auch lückig stehenden heimischen Laubgehölzarten bewachsen, die vielfach nur einseitig auf der Böschungsoberkante wachsen. Zwei alte Silberweiden, die zum natürlichen Artenspektrum dieses Gewässertyps gehören, begleiten den Ellebach im Süden der Ortslage. Der Ellebach weist zum Untersuchungszeitpunkt eine geringe Wasserführung auf.

2.7

Relevante Aspekte des derzeitigen Umweltzustands (Anhang 1 RL 2001/42/EG b))

Schutzgut Flora, Fauna, biologische Vielfalt Das Untersuchungsgebiet ist geprägt durch große, intensiv genutzte Ackerfluren, die sich durch einen geringen Strukturreichtum auszeichnen und somit als Lebensraum für den Großteil der heimischen Tier- und Pflanzenarten eine geringe Bedeutung besitzen. Im Übergang zur Ortslage sind Gärten, Grünflächen und Sportanlagen sowie in geringem Maße Grünland und Brachen vorhanden. Für einige spezialisierte Arten der offenen Feldflur weisen die Ackerfluren jedoch Habitateignung auf. Es ist daher nicht auszuschließen, dass auch gefährdete und stark gefährdete Vogelarten der Feldflur wie Grauammer, Rebhuhn und Feldlerche die Ackerflächen des Untersuchungsgebietes als Bruthabitat nutzen, auch wenn im Fundpunktkataster des LANUV keine Nachweise vorliegen2. Die vom Aussterben bedrohte3 Grauammer besiedelt offene, nahezu waldfreie Gebiete, mit einer großflächigen Acker- und Grünlandnutzung. Sie kommt in Nordrhein-Westfalen nur noch F

2

3

Das Kapitel 2.7 basiert auf dem Informationsstand vom Januar 2010, die Ergebnisse im Frühjahr bis Sommer 2010 durchgeführter faunistischer Untersuchungen (Raskin 2010) sind im Nachtragskapitel 7 ergänzt. Angaben zum Gefährdungsgrad der Vögel gem. Sumann, S.R., C. Grüneberg, A. Hegemann, F. Herhaus, J. Mölle, K. Nottmeyer-Linden, W. Schubert, W. von Dewitz, M. Jöbges & J. Weiss: Rote Liste der gefährdeten Brutvogelarten Nordrhein-Westfalens 5. Fassung – gekürzte Online-Version. NWO & LANUV (Hrsg.). Erschienen im März 2009

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sehr lokal in den ausgedehnten Bördelandschaften im Raum Zülpich und Jülich sowie in den Vogelschutzgebieten ‚Hellwegbörde’ und ‚Unterer Niederrhein’ (vgl. http://artenschutz.naturschutz-fachinformationen-nrw.de) sowie im Bereich der Rekultivierung des Rheinischen Braunkohlenbergbaus vor. Die Grauammer gehört zu den sehr standorttreuen Arten. Sie hat in der atlantischen Region in NRW einen schlechten Erhaltungszustand (150 bis 200 Brutpaare), besitzt aber im Umfeld des Untersuchungsgebietes einen landesweiten Schwerpunkt. Im Rahmen des Artenschutzmonitorings wurde im Jahr 2007 eine Kartierung der Grauammer auf den Offenflächen im Kreis Düren vorgenommen (PLANUNGSBÜRO FÜR LANDSCHAFTS- & TIERÖKOLOGIE, WOLF LEDERER 2007). Im gesamten Untersuchungsgebiet liegen keine Nachweise vor. Im Umfeld des Untersuchungsgebietes bestehen mehrere Brutnachweise für die Ackerflächen zwischen Merzenich und dem östlich davon liegenden Golzheim. Der räumlich nächste Fundpunkt befindet sich in einer Entfernung von 220 m zum östlichen Rand des Suchraumes Nordost außerhalb des Untersuchungsgebietes. Nachweise für das stark gefährdete Rebhuhn (Perdix perdix) und die stark gefährdete Wachtel (Coturnix coturnix) liegen für die Ackerflächen zwischen Merzenich und Girblesrath außerhalb des Untersuchungsgebietes vor 4 . Beide Arten haben in der atlantischen Region einen ungünstigen Erhaltungszustand. F

F

Vergleicht man die fünf Suchräume in ihrer Habitateignung für die aufgeführten planungsrelevanten Feldvogelarten, so ist ein Vorkommen in allen Suchräumen prinzipiell möglich. Alle Suchräume weisen große Ackerschläge aber auch Feldraine und unversiegelte Wege auf. Die im Fundpunktkataster des LANUV aus 2006 und 2007 enthaltenen Nachweise der Feldvogelarten haben ihre Schwerpunkte nordöstlich, östlich und südlich der Ortslage Merzenich. Im Westen der Ortslage zwischen Merzenich und Düren bestehen keine Fundpunktangaben des LANUV. Darüber hinaus sind die ausgedehnten Bördelandschaften mit tiefgründigen fruchtbaren Lehmund Lössböden potenzieller Lebensraum für den vom Aussterben bedrohten Feldhamster (Cricetus cricetus). Vom Feldhamster werden grund- und stauwasserfreie Böden mit Bodenzahlen von 81 bis 90 bzw. zwischen 61 und 80 bevorzugt (KOORDINIERUNGSSTELLE FÜR DAS ARTENHILFSPROGRAMM FELDHAMSTER 2007). Die Bodenzahl der Böden des Untersuchungsgebietes liegt überwiegend bei 75, westlich der L 264 teilweise bei 60, im Westen auch bei 90, so dass derzeit nahezu flächendeckend eine Habitateignung vorliegt. Allerdings ist die Aue des Ellenbachs (wie im Suchraum Nord) aufgrund ihrer natürlicherweise flurnahen Grundwasserstände langfristig für den Hamster als Lebensraum wenig geeignet (Grundwasserstände < 1,50 m sind für den Hamster nicht geeignet). So ergibt sich langfristig die höchste Eignung im Standort West sowie den Standorten Ost und Nordost. In NRW wurde zwischen 2003 und 2007 ein Artenhilfsprogramm „Feldhamster NordrheinWestfalen“ aufgestellt (Koordinierungsstelle für das Artenhilfsprogramm Feldhamster 2007). Die Gemeinde Merzenich gehört zum potenziellen Verbreitungsgebiet des Feldhamsters in NRW. Im Rahmen des Artenhilfsprogrammes wurden im Zeitraum zwischen 2003-2007 vorhandene

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Fundortdaten LANUV, Kartierung aus 2006; Raskin, Büro für Landschaftsplanung und angewandte Ökolo-

gie – Aachen

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Hamsterlebensräume in NRW erfasst. In der Gemeinde Merzenich wurde auf 45 ha und im angrenzenden Stadtgebiet von Düren nochmals auf einer 1 ha großen Fläche eine Kartierung durchgeführt. Im Gemeindegebiet von Merzenich so wie im gesamten Kreis Düren wurden keine Hamstervorkommen nachgewiesen. Auch in den vom LANUV aktualisierten Listen der planungsrelevanten Arten in NRW wird auf Basis der aktuellen Untersuchungsergebnisse der Feldhamster für das Messtischblatt 5105 nicht mehr genannt. Das Vorkommen des Feldhamsters im Untersuchungsgebiet wird deshalb als wenig wahrscheinlich eingeschätzt, wenngleich ein Vorkommen von weiteren, bisher nicht bekannten Teilpopulationen innerhalb des potenziellen Verbreitungsgebietes in NRW nicht vollkommen auszuschließen ist. Anfang der 90er Jahre wurde für Flächen im Kreis Düren eine Steinkauzkartierung durchgeführt 5 . Für das Untersuchungsgebiet bestanden keine Brutnachweise für diese Art. Im Südosten der Ortslage (östlich der Mühlenstraße, Suchraum Ost) liegen innerhalb und angrenzend an das Untersuchungsgebiet ein älterer, teils brachliegender Garten sowie kleinere Grünlandflächen, die in den 90er Jahren vom Steinkauz als Nahrungshabitat genutzt wurden. Die Flächen scheinen auch heute noch als Nahrungshabitat geeignet. Sie sind jedoch sehr verinselt, da die übrigen Bereiche des Untersuchungsgebietes aufgrund des geringen Grünlandanteils eine sehr geringe Habitateignung für den Steinkauz aufweisen. F

F

Eine potenzielle Bedeutung als Lebensraum für zahlreiche Arten hat der in den Suchräumen Nord und Süd verlaufende Ellebach. Derzeit besitzt der Bach eine geringe Naturnähe und weist nur einzelne gewässertypische Arten nährstoffreicher Standorte (Rohr-Glanzgras [Phalaris arundinacea], Bachbungen-Ehrenpreis [Veronica beccabunga], Wasserpfeffer [Persicaria hydropiper]) auf. Als Gewässer bietet der Ellebach bei einer Renaturierung langfristig jedoch das standortörtliche Potenzial für die Wiederherstellung von wertvolleren Fließgewässerlebensräumen. Auch nutzen voraussichtlich verschiedene Fledermausarten, wie z. B. die Zwergfledermaus oder die Breitflügelfledermaus die Gärten und Grünlandflächen im Siedlungsbereich und in Siedlungsrandlage als Jagdhabitate. Insbesondere die Gehölze entlang der Bahnlinie aber auch am Ellebach können hierbei eine Funktion als Leitstruktur haben. Lebensräume von hoher und sehr hoher Bedeutung befinden sich überwiegend außerhalb des Untersuchungsgebietes, angrenzend und randlich der Suchräume Nord und West. Diese Flächen sind als Naturschutzgebiet ‚Vorbahnhofsgelände Düren’ und als LSG geschützt. Für das NSG wurde im Rahmen der landesweiten Biotopkartierung (vgl. BK-5105-902) von der Biologischen Station im Kreis Düren 2008 eine aktuelle Untersuchung durchgeführt (Vegetation und Avifauna; eine Begehung). Das nicht mehr genutzte Betriebsgelände besteht aus stillgelegten Bahnstrecken mit Trockenrasen auf wasserdurchlässigem, hier aufgetragenem Bodensubstrat und sonnenexponierten Bahnböschungen mit xerothermer Vegetation. Teile der Bahnböschungen sowie auch Flächen,

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Schreiben der ULB Kreis Düren vom 15.07.09 und 20.07.09

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die sich im Norden an das NSG anschließen, sind mittlerweile verbuscht (Brombeeren, Besenginster, Salweiden). Das arten- und strukturreiche Gelände ist ein Rückzugsgebiet für viele Pflanzen und Tiere trockenwarmer Standorte geworden, denen es im angrenzenden intensiv genutzten Ackerland an geeignetem Lebensraum fehlt. Auf den Offenflächen des NSG konnte 2009 die in NRW stark gefährdete Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens) nachgewiesen werden 6 . F

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Aus floristischer Sicht haben die Vorkommen von Hartem Schaf-Schwingel (Festuca lemanii), Pariser Labkraut (Galium parisiense) und Strand-Federschwingel (Vulpia unilateralis) eine NRW-weite Bedeutung. Des Weiteren sind auf dem Gelände weitere bedeutende Arten der trockenen Annuellenflur bzw. der Säume wie Bärenschote (Astragalus glyciphyllos), Mittleres Fingerkraut (Potentilla intermedia), Silber-Fingerkraut (P. argentea agg.), Unterbrochener Windhalm (Apera interrupta) und Ochsenzunge (Anchusa officinalis) vorhanden. Die Avifauna ist geprägt von Arten der Gebüsche und Waldränder (Mönchsgrasmücke, Gartengrasmücke, Turteltaube) sowie der Laub(Vor-)Wälder (Zilpzalp, Fitis, Grünspecht) mit deutlichen Anteilen von Arten der Tiefländer (Gelbspötter, Nachtigall). Arten der halboffenen Kulturlandschaft kommen ebenfalls vor (Goldammer, Dorngrasmücke). Aus ornithologischer Sicht sind die hohe Siedlungsdichte der Nachtigall und die Vorkommen von Turteltaube und Gelbspötter bemerkenswert. Der 1988 nachgewiesene Pirol (Oriolus oriolus) konnte bei einer einmaligen Begehung in 2008 nicht nachgewiesen werden. Sein Vorkommen gilt als unsicher, ist aber aufgrund der Habitatstrukturen nicht auszuschließen. Ähnliches gilt für die stark gefährdete, planungsrelevante Zauneidechse (Lacerta agilis, RL 2, Anhang IV Art), deren Vorkommen als unsicher gilt. Eine Lebensraumeignung ist mit den trockenwarmen Brachflächen jedoch gegeben. Im Rahmen einer herpetologischen Erfassung aus 2000 7 wurden im NSG neben Waldeidechse und Blindscheiche auch die planungsrelevante Kreuzkröte (Bufo calamita, RL 3, Anhang IV Art) nachgewiesen. Eine erneute Erfassung von Amphibien und Reptilien in 2008 hat nicht stattgefunden. In Rahmen einer eigenen Geländebegehung 2009 wurde nach geeigneten Laichgewässern gesucht. Das einzige Gewässer ist ein stark verschmutztes, mit Algen bewachsenes Rückhaltebecken an der Bahnlinie. Seine Eignung als Laichgewässer für die Kreuzkröte ist gering bis nicht gegeben. Die NSG-Flächen weisen zwar eine höhere Qualität als Landlebensraum für Amphibien und Reptilien auf, als die umliegenden Ackerflächen. Von einer essenziellen Habitatfunktion der Flächen innerhalb des Untersuchungsgebietes für die Herpetofauna kann aber nicht ausgegangen werden. F

F

Der Dürener Vorbahnhof ist im Biotopkataster (BK-5105-902) als Fläche mit landesweiter Bedeutung erfasst. Schutzziel ist die Erhaltung eines wertvollen, gefährdeten Refugialbiotops mit hoher Artenvielfalt und seltenen Pflanzen- und Tierarten und die Entwicklung artenreicher Wiesen (FFH-Lebensraumtyp Trockene Glatthaferwiese)’.

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Mitteilung Biologische Station Kreis Düren, Hr. Dalbeck September 2009 Fundortkartierung der LANUV FT-5105-6007-2000, M. Henf

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Wechselbeziehungen zwischen den Lebensräumen im NSG und den umliegenden strukturarmen Ackerflächen in den Suchräumen West und Nord ist für die meisten Arten nicht gegeben, so dass dort nicht von essenziellen Habitatfunktionen für die Arten des NSG ausgegangen wird. Die Turteltaube wird die umgebenden Ackerflächen zur Nahrungsaufnahme als Teillebensraum nutzen, wobei sich genügend nutzbare Ausweichhabitate im Umfeld befinden. Das Naturschutzgebiet besitzt aufgrund seiner Vielzahl an seltenen Arten aber eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Störungen (beispielsweise Zunahme von Hauskatzen, Ablagerung von Grasschnitt und Müll, Beunruhigung durch Hunde). Es wird deshalb empfohlen, auf ein Heranrücken der geplanten Bebauung an das NSG zu verzichten und, wenn überhaupt, einen ausreichenden Schutzabstand zu wahren (empfohlen werden mindestens 100 m). Fazit: Die Habitate des Untersuchungsgebietes sind insgesamt für verschiedene planungsrelevante Feldvogelarten geeignet. Die Grauammer wurde für das Untersuchungsgebiet bei Untersuchungen im Rahmen des Artenschutzmonitorings 2007 nicht nachgewiesen. Es wird empfohlen, im Rahmen der verbindlichen Bauleitplanung eine aktuelle Erfassung der Feldvogelarten, eine Hamsterkartierung und eine artenschutzrechtliche Prüfung vorzunehmen. Für Teilflächen des Suchraums Ost wird zusätzlich eine Steinkauzerfassung empfohlen. Es wird weiterhin nicht davon ausgegangen, dass die verschiedenen im NSG nachgewiesenen planungsrelevanten Arten die umliegenden strukturarmen Ackerflächen als essenzielle Habitate nutzen. Zur Vermeidung von Störungen dieser Arten wird aber empfohlen, einen ausreichenden Schutzabstand zum NSG einzuhalten. Prognose Nullfall Flora, Fauna, biologische Vielfalt Auch ohne eine Realisierung des Vorhabens können sich die Lebensräume im Untersuchungsgebiet langfristig verändern. Es wird jedoch angenommen, dass der überwiegende Teil auch zukünftig unverändert intensiv landwirtschaftlich genutzt wird. Eine geringfügige qualitative Verschlechterung der Lebensräume für störungsempfindliche Tierarten ist durch eine zunehmende Lärmbelastung durch die allgemeine Verkehrszunahme sowie durch Straßenneubau möglich. Positive Entwicklungen sind im Bereich der festgesetzten und festzusetzenden Ausgleichsflächen zu erwarten.

Schutzgut Landschaft Das Untersuchungsgebiet liegt im Naturraum der Haupteinheit Zülpicher Börde in der Untereinheit Erper Lössplatte (5533). Als typische Bördelandschaft prägen weite Ackerflächen ohne bzw. mit nur wenigen gliedernden Elementen und ein überwiegend ebenes Relief das Landschaftsbild des Untersuchungsgebietes. Es ergeben sich weite Blickbeziehungen, die nach Südwesten bis in die Voreifel und nach Nordosten bis zum Hambacher Forst und zum Rand des Tagebaus reichen. Natürliche Reliefunterschiede sind durch tektonische Vorgänge entlang des Rurrandsprungs entstanden. Eine Geländekante quert das Untersuchungsgebiet von Nordwesten noch Südos-

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ten parallel zum Ellebach. Zwischen der höher gelegenen Erftscholle im Osten und der tiefer liegenden Rurscholle im Westen ergeben sich Höhendifferenzen von ca. 15 m. Die nördlich der Ortslage in Dammlage geführte Bahntrasse mit ihren gehölzbewachsenen Böschungen, eine alte Pappelreihe am Ellebach und die Hybridpappeln am Buirer Fließ gehören zu den weit sichtbaren landschaftsbildprägenden Gehölzbeständen. Die Bahntrasse und ihre Gehölzbestände stehen unter Landschaftsschutz bzw. unter Naturschutz. Darüber hinaus befinden sich jüngere Gehölzbestände im Bereich von Gärten sowie entlang der Verkehrswege. Innerhalb der Siedlungen sind die Mühle bzw. der Wasserturm in der Ortslage Merzenich und die mächtige Kirche St. Arnold in Arnoldsweiler von der freien Landschaft aus deutlich sichtbar und tragen zur Identitätsbildung der Ortslagen bei. Zwischen der Ortsrandbebauung und den anschließenden Ackerflächen bestehen überwiegend harte Übergänge ohne entsprechende Ortsrandeingrünung. Ältere Gärten weisen abschnittsweise eine bessere Durchgrünung auf. Ein neueres Wohngebiet im Osten der Ortslage an der Straße ‚In den Weingärten’ ist zur offenen Landschaft mit einer noch jungen Hecke eingegrünt. Im Südosten der Ortslage fungieren der Ellebach mit seiner Gehölzanpflanzung sowie der eingegrünte Sportplatz als Ortsrandeingrünung. Als naturfremde Elemente wirken sich insbesondere zwei 110-/ 380-kV Hochspannungsfreileitungen aus, die die Ackerflächen westlich und nördlich der Ortslage durchziehen. Ebenfalls weit sichtbar sind die Windräder südlich und östlich der Ortslage und das Krankenhaus in der Stadt Düren. Im Norden des Ortsteils Merzenich wurde am Steinweg auf einer verfüllten Kiesabgrabung im Jahr 2002 ein Naherholungsgebiet neu angelegt, das Angebote für alle Altersgruppen bietet. Aufgrund der exponierten Lage an einem der höchsten Punkte in Merzenich, bietet der ca. 4,00 m hohe Aussichtshügel weite Fernsichtbeziehungen bis in die Eifel. Der Freiraum im Umfeld der Ortslage Merzenich ist von einem Wegenetz durchzogen, das außer für die Landwirtschaft eine Bedeutung für die ortsnahe Naherholung (Spaziergänger, Radfahrer, Reiter) und auch als überregionale Radwegverbindung besitzt. Der Ellebach ist durchgängig auch innerhalb der Ortslage von einem attraktiven und hoch frequentierten Fußweg begleitet. Am Ortsrand befinden sich weitere grüne Fußwegeverbindungen. Teile des Wegenetzes sind im Radwegenetz NRW (Verbindung zwischen Düren, Buir und Kerpen und von Merzenich über Girbelsrath nach Nörvenich) als überregionale Radwege gekennzeichnet. Entlang der Bahntrasse verläuft der Bahnradweg Aachen–Köln. Die Bahnunterführung fungiert als wichtige Radverbindung nach Arnoldsweiler und Ellen. Auch die Wanderwege sind in ein regionales Wegenetz eingebunden. Durch die Ortslage Merzenich verläuft ein Abschnitt des ‚Jakobspilgerwegs’ zwischen Wuppertal und Aachen. Es besteht eine Hauptwanderwegeverbindung nach Norden in den Hambacher Forst. Prognose Nullfall Landschaft Es sind keine wesentlichen Veränderungen der Qualität dieses Schutzgutes zu erwarten. Grundsätzlich ist mit einer zunehmenden Lärmbelastung durch die allgemeine Verkehrszunahme auch mit Auswirkungen auf die Freiraumqualität zu rechnen. Die Radwegeverbindung ent-

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lang der L 264 wird durch die Zunahme des Verkehrs beeinträchtigt. Mit der Erschließung und der sukzessiven Bebauung des Bebauungsplans G1 'Auf der Heide' wird sich das Landschaftsbild des bisher landwirtschaftlich geprägten Freiraums im Norden zu einem gewerblich geprägten Siedlungsraum verändern.

Schutzgut Boden Im Bereich der Ortslage Merzenich und in ihrem Umfeld stehen fast ausschließlich aus den Lössablagerungen der Zülpicher Börde/ Erper Lössplatte entwickelte, fruchtbare Parabraunerden in unterschiedlichen Ausprägungen an. Die folgenden Ausführungen basieren auf der Grundlage der digitalen 'Karte der schutzwürdigen Böden’ NRW (Geologisches Dienst NRW 2004) im Maßstab 1:50 000. Im Untersuchungsgebiet treten großflächig typische, tiefgründige Parabraunerden auf (im Westen L352, im Osten L331), z. T. erodiert (L352) und mit vereinzelten Relikten der fossilen Schwarzerde (Tschernozem). Östlich des Ellebaches und in einem 200-700 m breiten Streifen parallel dazu, entlang der Geländekante zur Dürener Rurniederung verlaufend, stehen weniger tiefgründige Parabraunerden (L324, L325) sowie typische Braunerden bzw. PseudogleyBraunerden (B721) an. Daneben finden sich hier sehr kleinflächig durch Erosion aus den typischen Parabraunerden entstandene Pararendzinen (Z351). Entlang des Ellebaches treten GleyParabraunerden, z. T. mit zusätzlichen schwachen Stauwassereinflüssen auf (sG-L351, sGL341 und im Norden G-L341). Vereinzelt stehen in Senkenlagen typische holozän abgelagerte, sehr fruchtbare Kolluvien an (K341). Der überwiegende Teil der anstehenden Böden zeichnet sich insbesondere durch seine Filterund Puffereigenschaften als Abbau-, Ausgleichs- und Aufbaumedium für stoffliche Einwirkungen aus und weist eine hohe Bodenfruchtbarkeit auf. In der 'Karte der schutzwürdigen Böden von NRW' des Geologischen Dienstes sind diese Böden aufgrund ihrer natürlichen Bodenfruchtbarkeit bzw. ihrer Regelungs- und Pufferfunktion als •

schutzwürdig (Stufe 1): L331, G-L341

sehr schutzwürdig (Stufe 2): sG-L341, sG-L351

besonders schutzwürdig (Stufe 3): L351, Z351, K341, L352

dargestellt. Im Bereich des Erholungsgebietes (ehemalige Kiesabgrabung, nachfolgend mit Siedlungsabfällen und Bauschutt verfüllt) und im Siedlungsbereich von Merzenich sind die Böden stark anthropogen überprägt, bzw. flächenhaft versiegelt und überbaut. Die versiegelten und überbauten Böden weisen keine natürlichen Bodenfunktionen mehr auf, sie sind dauerhaft zerstört. Außerhalb der Ortslage stehen die Böden überwiegend unter ackerbaulicher Nutzung, so dass hier anthropogene Überprägungen in Form von Veränderungen des natürlichen Bodengefüges und des natürlichen Stoffhaushalts sowie verstärkter Bodenabtrag anzutreffen sind. Die natürlichen Bodenfunktionen sind hierdurch in gewissem Maße beeinträchtig, spielen jedoch innerhalb des Naturhaushalts noch eine bedeutende Rolle, so dass diese Böden als bedingt naturnahe zu betrachten sind.

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Altlastenverdachtsflächen befinden sich großflächig überwiegend außerhalb der Suchräume am 'Dürener Vorbahnhof', im Bereich des Erholungsgebietes nordöstlich der Ortslage (ehem. Kiesabgrabung, Verfüllung u. a. mit Siedlungsabfällen) sowie im Gewerbegebiet Distelrath (ehem. Ziegeleigrube, Verfüllung u. a. evtl. auch Siedlungs- und Gewerbeabfälle). Daneben existieren verschiedene kleinere Verfüllungen, Aufschüttungen, Altstandorte sowie einige Geschützstellungen und Bombentrichterflächen aus dem 2. Weltkrieg auch innerhalb der Suchräume, bei denen der Altlastenverdacht entweder ausgeräumt wurde, oder über die noch zu wenige Informationen vorliegen. Je nach Gefährdungspotenzial könnten sich in Verbindung mit sensiblen Nutzungen (Schutzgut Mensch) weitere Prüf- bzw. auch Sanierungserfordernisse in der verbindlichen Bauleitplanung ergeben. Die Altlastenverdachtsflächen sind als Vorbelastungen anzusehen, von den auch negativen Auswirkungen auf weitere Schutzgüter (z.B. menschliche Gesundheit, Wasser) ausgehen können. Prognose Nullfall Boden Die intensive landwirtschaftliche Ackernutzung wird bei Nichtdurchführung der Planung wahrscheinlich unverändert fortgesetzt, verbunden mit den damit einhergehenden weiterlaufenden stofflichen und gefügetechnischen Veränderungen.

Schutzgut Wasser Grundwasser Das Untersuchungsgebiet liegt innerhalb eines Gebietes mit ehemals oder potenziell ergiebigen Grundwasservorkommen. Im Untergrund liegen Lockergesteine in Form von Sanden und Kiesen des Quartärs. Es handelt sich um Terrassenablagerungen der Flüsse und Bäche, fluvioglaziale Sedimente. Dazwischen liegen Ton- oder Kohleschichten als Grundwasserstauer. Die Sedimente stellen Porenwasserleiter von insgesamt großer Mächtigkeit mit mäßiger Durchlässigkeit oder mittlerer Mächtigkeit und guter Durchlässigkeit dar. Die Gesteinsbereiche weisen eine vergleichsweise gute Filterwirkung auf. Verschmutzungen breiten sich in der Regel nur langsam aus und verschmutztes Grundwasser unterliegt einer vergleichsweise guten Selbstreinigung. In den Bereichen der mächtigen Lössschichten wird ein Eindringen von Verschmutzungen weitgehend erschwert, da die Filterwirkung oberflächennah erhöht ist. Dort, wo die Lösschicht weniger mächtig ausgeprägt ist, können Verschmutzungen entsprechend schneller eindringen. Durch die Sümpfungsmaßnahmen des heranrückenden Tagebaus sind im Bereich des Untersuchungsgebietes überwiegend die tieferen Grundwasserschichten betroffen8 . Der obere, freie Grundwasserspiegel im Untersuchungsgebiet ist in Bereichen geringfügig verändert und unterliegt natürlichen Schwankungen von bis zu 4 m. Aktuell liegt der freie Grundwasserspiegel im gesamten Untersuchungsgebiet in einer Tiefe von mehr als 3 m. Als Bemessungsgrundlage zur Beurteilung der künftigen Grundwasserstände werden die Flurabstandskarten des Landesumweltamtes NRW für das Jahr 1953 herangezogen. Sie stellen flächendeckend die mittleren Grundwasserverhältnisse dar, die auch langfristig zu erwarten sind. Um auch die Schwankungsbreiten des freien Grundwasserspiegels zu erfassen, werden im Einzelfall zusätzlich F

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Quelle: RWE Power, Bericht über die Auswirkung der Grundwasserabsenkung durch die Entwässerungsmaßnahmen des Braunkohlenbergbaus, Stand Oktober 2008

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Grundwasserstandsganglinien ausgewertet. Hieraus wurde abgeleitet, dass im überwiegenden Teil des Untersuchungsgebietes der Grundwasserflurabstand auch langfristig mehr als 3 m betragen wird. Im Bereich des nördlichen Ellebachs allerdings ist langfristig mit flurnahem Grundwasser (Flurabstand <3m) zu rechnen. In diesem Bereich liegen langfristig eine entsprechende Sensibilität des Grundwassers sowie eine entsprechend hohe Bedeutung für den Wasserhaushalt vor. Laut MUNLV NRW (1991-2005) liegen trotz der hohen Filterwirkung des Bodens und der hohen Selbstreinigungskraft Belastungen des Grundwassers durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung vor (erhöhte Nitratwerte an einzelnen Messstellen). Südlich der Bahntrasse verläuft bandförmig von Norden nach Süden entlang des Ellebachs in einer Breite von rd. 720 bis rd. 1.000 m die Zone III B des geplanten WSG Niederzier-Ellen durch die Ortslage Merzenich. Nördlich der Bahntrasse schließt sich die Zone III A desselben WSG an (s. Abbildung 5). Eine Schutzgebietsverordnung liegt noch nicht vor; nach Einschätzung der Unteren Wasserbehörde beim Kreis Düren ließe sich eine Wohnbebauung mit den Zielen der Wassergewinnung an dieser Stelle vereinbaren, potenziell wassergefährdende Nutzungen (z. B. Pferdehaltung) sind im Einzelfall zu prüfen (Auskunft Untere Wasserbehörde des Kreises Düren vom 23.04.2010). Oberflächengewässer Der Ellebach durchfließt von Südost nach Nordwest die Gemeinde Merzenich. Er liegt im Einzugsbereich der Rur in der Fließgewässerlandschaft der Lössgebiete und gehört dem Fließgewässertyp 'Löss-lehmgeprägter Bördebach' an. Das Leitbild dieses Fließgewässertyps beschreibt als potenziell natürlichen Gewässerzustand einen unregelmäßig geschlängelten Verlauf, ein ausgeprägtes Kastenprofil mit nahezu senkrechten, stabilen Uferkanten und im Quer- und Längsverlauf wechselnden Wassertiefen sowie eine milchig-trübe Wasserfärbung. Natürlicherweise wird die begleitende Vegetation von Eichen-Ulmenwald oder Traubenkirschen-Erlen-Eschenwald mit einer reichen Krautvegetation im Unterwuchs gebildet. In seinem heutigen, vom Menschen stark beeinflussten Zustand verläuft der Ellebach außerhalb der Bebauung von Merzenich stark begradigt und zum Teil grabenartig zwischen intensiv genutzten Ackerflächen. Er wird durchgehend von Fuß- bzw. Radwegen begleitet. Zum Zeitpunkt der Begehung (Juni 2009) war der Bach abschnittweise trocken gefallen und abschnittsweise mit stehendem Wasser bespannt. Sein Bett weist insgesamt wenige naturnahe Strukturelemente auf. Bereichsweise sind allerdings durch Ansätze von Seitenerosion innerhalb des Profils kleine naturnähere Strukturen im Bettverlauf entstanden. Einseitig wird der Bach außerhalb der Bebauung von einem Gehölzstreifen begleitet, der jedoch überwiegend nicht der natürlichen Begleitvegetation dieses Fließgewässertyps entspricht. Im Norden handelt es sich um Gebüsch und eine alte Pappelreihe, im Süden ebenfalls um Gebüsch, nur in kurzen Abschnitten finden sich begleitend Silberweiden und ein Feldgehölz bodenständiger Arten. Innerhalb der Ortslage ist der Bach an den Ortsrändern einseitig, im Ortskern beidseitig bebaut. Jedoch setzt sich hier der Gehölzsaum fast durchgehend zwischen dem Bach und der Bebauung fort, so dass diese nur an wenigen Stellen bis an den Bach heranreicht. Verbauungen finden sich hauptsächlich im Bereich von Brücken. Nördlich der Ortslage befinden sich eine Kläranlage und ein Regenrück-

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haltebecken. Die Gewässerstrukturgüte liegt laut MUNLV NRW (1991-2005) südlich der Ortslage überwiegend in der Klasse 5 (stark verändert), innerhalb der Ortslage und nördlich davon bis auf kurze Abschnitte in der Klasse 6 (sehr stark verändert). Seine Überschwemmungsbereiche bei 100-jährigem Hochwasser erstrecken sich hauptsächlich nach Westen, im Süden der Ortslage Merzenich auch nach Osten. Extremhochwasser-Bereiche (HQ1000) befinden sich nördlich der Ortslage westlich des Ellebachs (vgl. Abbildung 6). X

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Insgesamt ist der Ellebach heute als naturfern zu bezeichnen und stark abweichend von dem Leitbild für seinen Gewässertyp. Er weist jedoch, insbesondere außerhalb der Bebauung, ein hohes ökologisches Potenzial auf und kann durch Renaturierungsmaßnahmen deutlich aufgewertet werden. Neben dem Ellebach sind zwei weitere Fließgewässer im Untersuchungsgebiet vorhanden: der Merzenicher Graben, der als naturferne Grabenstruktur entlang der B 264 verläuft sowie ein namenloser ebenfalls naturferner Graben östlich der L 264. Vom Wasserverband Eifel- Rur (1999) existiert ein 'Konzept zur Naturnahen Entwicklung des Ellebaches und der Nebengewässer – KNEF'. Dieses sieht verschiedene Entwicklungsmaßnahmen, wie z. B. die Entwicklung von Gehölzstreifen, Rückbaumaßnahmen, Initialisierung von Seitenerosion sowie Anlage eines 10 m breiten nutzungsfreien Uferstreifens zum Schutz und zur Entwicklung des Baches vor. Prognose Nullfall Wasser Unabhängig vom Umsiedlungsvorhaben ist die Veränderung der Grundwassersituation im Untersuchungsgebiet in Form eines langfristigen Wiederanstiegs des Grundwassers zu erwarten. Bei der Umsetzung des 'Konzeptes zur naturnahen Entwicklung des Ellebaches' ist mit einer erheblichen Verbesserung seiner ökologischen Funktionen zu rechnen, zudem wird sich beim langfristigen Wiederanstieg des Grundwassers das natürliche Wasserregime des Baches verbessern.

Schutzgut Klima Das Untersuchungsgebiet liegt im Naturraum Erper Lössplatte, der sich aufgrund der Leelage zur Eifel mit durchschnittlich ca. 600 mm Jahresniederschlag durch relative Trockenheit auszeichnet. Auch zählt der Raum zu den sonnenreichen und klimatisch milden Gebieten Westdeutschlands. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 10-10,5°C, die Winter sind vergleichsweise mild (langjähriges Januarmittel ca. 2,5°C) und schneearm, die Sommer vergleichsweise frisch (langjähriges Julimittel ca. 17,5°C). Die Hauptwindrichtung ist West bis Südwest. Der unbebaute Teil des Untersuchungsgebietes ist von freilandklimatischen Verhältnissen mit nächtlicher Kaltluftentstehung geprägt. Das Freilandklima ist typisch für landwirtschaftlich genutzte Flächen und weist eine große Temperaturamplitude im Tagesverlauf auf: tagsüber erfolgt eine starke Aufheizung, nachts kühlen die Flächen stark aus, wodurch es zur Kaltluftbildung kommt. Die geringe Bodenrauhigkeit sichert gute Durchlüftungsbedingungen. Diese klimatischen Verhältnisse bestimmen den Großteil des Untersuchungsgebietes.

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Der Bereich der Ortslage Merzenich ist von siedlungsklimatischen Verhältnissen geprägt. Diese von Bebauung dominierten Bereiche sind durch einen kleinräumigen Wechsel verschiedener Oberflächenarten mit unterschiedlichem Strahlungsverhalten gekennzeichnet: So sind bspw. Gebäudedächer tagsüber am wärmsten, nachts jedoch relativ kühl; Asphaltflächen sind tags und nachts relativ warm. Die Windgeschwindigkeit wird durch die Bebauung reduziert, u. U. können sich aber auch Düseneffekte ausprägen. Insgesamt liegen die Temperaturen im bebauten Bereich meist höher als im Umland und Schadstoffemissionen werden durch das gestörte Windfeld zumeist weniger schnell verdünnt. Gehölzbestandene Grünbereiche wie das schmale Band des Ellebachs mit seinem begleitenden Gehölzsaum sind tagsüber vergleichsweise kühl und feuchtigkeitsreich und weisen somit eine Ausgleichsfunktion innerhalb des Siedlungsbereichs auf. Größere Gewerbeflächen, wie die Gewerbeflächen Distelrath und Girbelsrath entwickeln ein Klima, das aufgrund des hohen Versiegelungsgrades und der erhöhten Emissionen dem Lastraumaspekt des Siedlungsklimas ähnelt. Prognose-Nullfall Klima Im Vergleich zu heute kann der allgemeine Klimawandel zu einer langsamen Veränderung der klimatischen Situation mit erhöhten Mitteltemperaturen, mehr Sonnentagen, verändertem Niederschlagsregime und mehr Extremereignissen führen.

Schutzgut Luft Emittenten von Luftverunreinigungen im Untersuchungsgebiet sind im Wesentlichen der Straßenverkehr, der Schienenverkehr, die angrenzenden Gewerbebetriebe, landwirtschaftliche Betriebe und der Hausbrand. Die erhöhten verkehrsbedingten Schadstoffgehalte entlang der Hauptverkehrsstraßen sind als lufthygienische Vorbelastung anzusehen, von der auch negative Auswirkungen auf die weiteren Schutzgüter (z. B. menschliche Gesundheit, Pflanzen und Tiere, Boden, Wasser) ausgehen können. Beurteilungsgrundlage für Luftschadstoffe sind insbesondere die Grenzwerte der 22./39. BImSchV9 zum Schutz der menschlichen Gesundheit und die Immissionsrichtwerte der TA Luft. Immissionsgrenzwerte für Stickstoffdioxid (NO2) ab 1. Januar 2010: •

gemittelt über eine volle Stunde: 200 Mikrogramm/ m³ bei 18 zugelassenen Überschreitungen im Kalenderjahr;

gemittelt über ein Kalenderjahr: 40 Mikrogramm/ m³.

Immissionsgrenzwerte für Partikel PM10: •

über 24 Stunden gemittelt: 50 Mikrogramm/ m³ bei 35 zugelassenen Überschreitungen im Kalenderjahr;

über ein Kalenderjahr gemittelt: 40 Mikrogramm/ m³.

Neuere gewerbliche Anlagen und Kleinfeuerungsanlagen halten aufgrund der vorausgesetzten Genehmigungen voraussichtlich die erforderlichen Grenzwerte ein. Überschreitungen von Grenzwerten lufthygienischer Belastungen durch den Verkehr sind im Untersuchungsgebiet 9

22. BImSchV aufgehoben, Inhalte neu geregelt in der 39. BImSchV (betrachtete Grenzwerte unverändert)

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aufgrund der vergleichsweise geringen Verkehrsbelastungen sowie der guten Austauschbedingungen aktuell nicht anzunehmen. Bei landwirtschaftlichen Betrieben sind Geruchsemissionen nicht auszuschließen. Betriebe mit aktueller Tierhaltung sind eine vorhandene Mehrzweckhalle als Unterstellplatz zur Überwinterung von Schafen und der Langweiler Hof mit Tierarztpraxis östlich der L264. Geruchsbelastungen durch gewerbliche Nutzungen unterliegen der betrieblichen Überwachung. Gleichwohl können abhängig von der Windrichtung temporäre Belästigungen nicht ausgeschlossen werden. Darüber hinaus sind Staubbelastungen durch die Landwirtschaft und den Tagebau Hambach zu betrachten. Während die Belastungen durch die Landwirtschaft saisonal abhängig sind (offene Böden), werden die Stäube aus dem Tagebau über größere Entfernungen transportiert. Hier spielt daher neben der Nähe zum Abbaugebiet auch die Lage und die Windrichtung eine wesentliche Rolle. Die Feinstaubbelastung aus dem Tagebau Hambach wird nachfolgend analog zu den vorliegenden Untersuchungen •

Aktionsplan in der Umgebung des Tagebau Hambachs der Bezirksregierung Köln von September 2005,

MILIS-Messung in Elsdorf-Berrendorf (Messzeitraum Januar – Juni 2006),

MILIS-Messung in Kerpen-Buir (Messzeitraum Juli – Dezember 2006)

abgeschätzt. Zur Minderung der Belastungen durch Feinstaub und Einhaltung der zulässigen Überschreitungshäufigkeit der Tagesmittelwerte von max. 35 Tagen wurde ein Aktionsplan entwickelt, der seit September 2005 in Kraft ist. Die umgesetzten Maßnahmen führten nachweislich zu einer Verringerung der Staubbelastung in Niederzier, von denen auch die weiteren im Umfeld liegenden Orte profitieren. Im Jahr 2008 wurden die einschlägigen Grenzwerte nach den Jahren 2006 und 2007 zum dritten, im Jahr 2009 seit 2006 zum vierten Mal in Folge eingehalten. Der aktive Teil des Tagebaus Hambach liegt etwa 4,5 km westnordwestlich des Stationsstandortes Buir und 1,5 km nordöstlich des Stationsstandortes Elsdorf. An beiden Stationen wurden die gesetzlichen Grenzwerte für alle untersuchten Luftschadstoffe eingehalten. Wenngleich bei einer halbjährlichen Messung keine abschließende Aussage zur Überschreitungshäufigkeit für Feinstaub möglich ist, zeigt ein Vergleich mit anderen Stationen, dass die Einhaltung von max. 35 Tagen an beiden Stationen wahrscheinlich war. Vom Ortsteil Merzenich liegt der Tagebau heute ca. 4,5 km in nordöstliche Richtung. Bei einer Windrichtungsverteilung von ca. 45 % aus Westen, 21 % aus Osten und 16 % aus Norden (Angaben der Station Niederzier) liegt Merzenich außerhalb der Hauptwindrichtung, so dass insgesamt von einer günstigen Ausgangssituation bezüglich Feinstaub auszugehen ist. Prognose-Nullfall Luft Die Belastung der lufthygienischen Situation in Merzenich durch Verkehrszunahme im umliegenden Verkehrsnetz, Autobahn A 4 und Tagebau, wird bei gleichzeitigem Rückgang der kfzspezifischen Emissionen aufgrund der EU-Abgasgesetzgebung vermutlich nicht zunehmen.

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Die Prognoseberechnungen im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens zum Ausbau und zur Verlegung der A 4 belegen, dass in Merzenich keine Überschreitungen von Luftschadstoffgrenzwerten zu erwarten sind. 10 Der Abstand der A 4 zur nächstgelegenen vorhandenen Wohnbebauung von Merzenich wird ca. 1 km betragen (0,5 km zur Splittersiedlung ‚Auf der Heide’). F

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Der Tagebau rückt auf ca. 1 km an die bestehende Bebauung heran. Eine Erhöhung der Feinstaubbelastung im Vergleich zur heutigen Immissionssituation ist unwahrscheinlich, da die Feinstaubimmissionen im Wesentlichen durch die ortsfesten technischen Anlagen (Bunker, Bandsammepunkt) des Tagebaus verursacht werden. Im Vergleich zu den Ergebnissen der Messstationen im Umfeld des Tagebaus kann eine Einhaltung der max. zulässigen Grenzwertüberschreitungen angenommen werden. Die bergbaubedingte Feinstaubbelastung wird mit Einstellung der Kohlegewinnung voraussichtlich im Jahr 2045 zurückgehen.

Schutzgut Mensch, Gesundheit des Menschen Das Wohnumfeld der Bewohner Merzenichs ist derzeit geprägt von einer ruhigen Lage abseits hoch frequentierter Straßen. Der Abstand der nächstgelegenen Wohnbebauung zur Autobahn in ihrem heutigen Verlauf beträgt ca. 2.500 m (Auf der Heide) bzw. ca. 3.000 m (nördlicher Ortsrand Merzenich) und zur L 264 knapp 300 m. Mit Ausnahme der Stadtrand-Siedlung schirmt ein Lärmschutzwall die Wohnbebauung von der B 264 ab. Die vorhandene Bahnstrecke liegt in einem Abstand von ca. 540 m zur nächstgelegenen Wohnbebauung in Merzenich; die Splittersiedlung Auf der Heide grenzt unmittelbar an die Bahnstrecke. Die nächstgelegenen Gewerbegebiete 'Auf der Heide' und 'Girbelsrath' liegen 300 m entfernt. Das Gewerbegebiet 'Distelrather Straße' im Stadtgebiet Düren liegt 800 m entfernt. Bei der Betrachtung der Lärmbelastungen werden gewerbliche und verkehrsbedingte Emissionen unterschieden, die jeweils für sich allein ermittelt und bewertet werden. Zur Beurteilung der Schallimmissionen sind die Orientierungswerte des Beiblattes 1 der DIN 18005, Schallschutz im Städtebau, in Bezug zur Schutzbedürftigkeit eines Gebietes heranzuziehen. Diese sind für Allgemeine Wohngebiete: Tag: 55 dB(A) Nacht: 45 dB(A) für Verkehrslärm, 40 dB(A) für Gewerbelärm. Zur Wahrung gesunder Wohnverhältnisse ist die Einhaltung dieser Orientierungswerte anzustreben. Für eine Abschätzung des derzeitigen Schienenverkehrslärms der DB-Strecke wird die Lärmkartierung des Eisenbahn-Bundesamtes herangezogen. Die bahnbedingten Immissionspegel durch den Fern- und den S-Bahnverkehr mit > 45 dB(A) in der Nacht reichen ca. 1 km – bis etwa zur Dürener Straße – in die Ortslage hinein. Die heutigen Immissionen von der Autobahn A 4 reichen gemäß der Lärmkartierung des Ministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen nicht bis zur Ortslage Merzenich. Da in dieser Erhebung nur Hauptverkehrs-

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Ingenieurbüro Lohmeyer GmbH und Co. KG (2004): 6-streifiger Ausbau und Verlegung der A 4 zwischen AS Düren und AS Kerpen, Lufthygienische Untersuchungen

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straßen mit mehr als 6 Mio. Kfz/ Jahr erfasst sind, liegen keine Angaben für die angrenzenden Bundes- und Landesstraßen zur heutigen Lärmbelastung vor. Zur überschlägigen Beurteilung der Vorbelastung durch die Windenergieanlagen im 'Windpark Distelrath' wurde eine schalltechnische Abschätzung der Geräuschimmissionen (IBK 2009) durchgeführt. Die erste der insgesamt vier vorhandenen Windenergieanlagen steht in einem Abstand von ca. 450 m zur südlichen Grenze des Suchraums Süd. Während für den Tageszeitraum eine Beeinträchtigung ausgeschlossen werden kann, liegen die Werte nachts im Bereich bis ca. 220 m zur B 264 oberhalb der Richtwerte der TA Lärm von 40 dB(A) für Allgemeine Wohngebiete. Angaben zur Immissionsbelastung durch die Gewerbegebiete 'Auf der Heide', 'Girbelsrath' und 'Distelrather Straße' sind der 'Stellungnahme zu der 'Schalltechnischen Voreinschätzung im Braunkohleplanverfahren Umsiedlungsstandort Morschenich'' 11 entnommen. Die städtebauliche Entwicklung zeigt, dass in den Gebieten derzeit keine wesentlich störenden Betriebe angesiedelt sind. Bei der Betrachtung der Gewerbelärmimmissionen wird jedoch die planungsrechtlich zulässigen Geräuschemissionen bei einer Vollbelegung aller Gewerbeflächen im vollen Tagund Nachtbetrieb zu Grunde gelegt – nicht die heutige Emissionssituation durch die ansässigen Betriebe. Der Nachtzeitraum wird als ungünstigste Bedingung angesehen. Angaben zur heutigen Immissionssituation liegen daher nicht vor – sie liegen unterhalb der als Prognose-Nullfall beschrieben Lärmbelastung. Die Belastungen durch den gewerbebedingten Lieferverkehr spiegeln sich in der Straßenverkehrsbelastung wider. F

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Die lufthygienische Situation im Untersuchungsgebiet wurde im Abschnitt zum Schutzgut Luft ausführlich beschrieben. Erhöhte Belastungen durch verkehrsbedingte Luftschadstoffe sind entlang der Hauptverkehrsstraßen wahrscheinlich, Überschreitungen von Grenzwerten der 22./39. BImSchV und der TA Luft sind aufgrund der Verkehrsstärken und der offenen Ausbreitungsbedingungen nicht zu erwarten. Aufgrund der Anzahl der genehmigten unterzustellenden Schafe wird um den aktiven Unterstellplatz östlich der L254 ein Immissionsschutzabstand zum Schutz der Wohnbebauung vor Gerüchen von 200 m gem. Abstandsliste NRW berücksichtigt. Gesundheitliche Beeinträchtigungen durch betriebliche Immissionen sind nicht zu erwarten. Gleichwohl können temporäre Belästigungen nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden. Sonstige Restriktionen In den Bereichen mit hohem Grundwasserstand < 3 m sowie in Extremhochwasser-Bereichen sind Einschränkungen bei einer baulichen Nutzung zu beachten. Dies können bspw. der Verzicht auf Tiefgeschosse, eine hochwasserangepasste Bebauung zur Minimierung des Schadenspotenzials und nach Möglichkeit der Verzicht auf zusätzliche, die Allgemeinheit gefährdende Nutzungen sein. Ein beiderseits 40 m breiter Schutzstreifen der Hochspannungsleitung ist von Bebauung freizuhalten.

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Dr. Wohlfahrt, Unternehmensberatung – Umweltschutz (2010): Schalltechnische Voreinschätzung im Braunkohlenplanverfahren 'Umsiedlungsstandort Morschenich', Bericht Nr. R001-2380535SFB

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Im Bereich des Untersuchungsgebietes verlaufen die geologischen Störungen, Distelrather Sprung (Suchräume Nord und West), der Werhahn Sprung (Suchraum Nordost) sowie der Hauptast des Rurrand-Systems (außerhalb Suchräume). Der Distelrather Sprung und der Werhahn Sprung werden vom Geologischen Dienst NRW nicht als seismisch aktiv (nach Eurocode 8 – DIN EN 1998-5) bewertet. Der Hauptast des Rurrand-Systems verläuft nach Prüfung des Geologischen Dienstes außerhalb des Suchraums Nord und hat daher keinen relevanten Einfluss auf den Suchraum. Merzenich liegt allerdings in der Erdbebenzone 3 der Kategorisierung der DIN 4149. Daher sind hier für Entwurf, Bemessung und Konstruktion von Hochbauten die entsprechenden Maßnahmen der DIN 4149 zu ergreifen bzw. für Objekte mit höherem Sicherheitsniveau weitere einschlägige Regelwerke zu beachten (Stellungnahmen des Geologischen Dienstes vom 16.04., 5.06. und 3.09.09). Prognose-Nullfall Mensch, Gesundheit Mit der Verlegung der A 4 Richtung Merzenich (der Abstand zur Splittersiedlung Auf der Heide reduziert sich auf ca. 500 m, zum nördlichen Ortsrand Merzenich auf ca. 1 km) und der neuen BAB-Anschlusstelle 'Merzenich' sind beim Neubau der Straße die schalltechnischen Immissionsgrenzwerte der 16. BImSchV an der nächstgelegenen Wohnbebauung einzuhalten. An einzelnen Geschossen von Wohngebäuden 'Auf der Heide' werden diese Grenzwerte nachts überschritten, so dass Anspruch auf passive Schallschutzmaßnahmen besteht. 12 Da das Untersuchungsgebiet mind. 1 km von der A 4n entfernt liegt, sind keine Überschreitungen durch autobahnbedingten Verkehrslärm zu erwarten. Die prognostizierten Immissionen durch die A 4n werden jedoch auch weiter in der Ermittlung der verkehrsbedingten Schallimmissionen berücksichtigt. F

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Mit der prognostizierten höheren Verkehrsbelastung im Jahr 2020 von ca. 24.800 Kfz/ 24h auf der B 264 und 16.100 Kfz/ 24h auf der L 264 sowie der neuen Straßentrasse der B 56n östlich von Düren sind eine wesentliche Veränderung der Schall-Immissionsbelastung sowie eine höhere verkehrsbedingte lufthygienische Belastung zu erwarten. Die Berechnung der verkehrlichen Schallimmissionen (Straße und Schiene) bei freier Schallausbreitung zeigt, dass der Orientierungswert der DIN 18005 von 55 dB(A) tags bzw. 45 dB(A) nachts an einem Immissionsort in 4 m Höhe (entspricht dem 1. Obergeschoss) in einem Abstand von •

ca. 210 m/ 320 m zur L 264,

ca. 300 m/ 500 m zur B 264,

ca. 130 m/ 600 m zur B 56n,

ca. 65 m/ 200 m zur Dürener Straße sowie

ca. 270 m/ ca. 750 m zur Bahnstrecke

erreicht wird. Innerhalb der Bereiche, die oberhalb dieser Orientierungswerte liegen, werden zur Wahrung gesunder Wohnverhältnisse Schallschutzmaßnahmen empfohlen. Da die schutzwürdige Wohnnutzung an die Schallquellen heranrückt, gelten keine zwingend einzuhaltenden Grenzwerte.

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Hier ist unter Beachtung des § 50 BImSchG zu prüfen, inwieweit Schallschutzmaßnahmen erforderlich und im Rahmen der Abwägung im Vergleich mit anderen Belangen zu berücksichtigen sind. Aufgrund der Vorgaben durch die Wärmeschutz- und Energieeinsparverordnung für Neubauten werden durch den Einbau von Isolierglasfenstern der Schallschutzklassen 1 und 2 die gesetzlich vorgeschriebenen Innenraumpegel überall im Untersuchungsgebiet eingehalten. Interessant ist deshalb die Einhaltung der Orientierungswerte tagsüber für eine störungsarme Nutzung des schutzwürdigen Außenwohnraums von Terrasse und Garten. Daher wurden auch mögliche aktive Maßnahmen durch eine Lärmschutzwand bzw. Lärmschutzwall mit Höhen bis 4 m geprüft, die zu teilweise nur geringfügigen Pegelminderungen entlang der Straßen- bzw. Schienentrasse an dem betrachteten Immissionsort in 4 m Höhe beitragen. Im Erdgeschossbereich von Terrasse oder Garten sind daher deutlichere Pegelminderungen zu erwarten. Auch kann durch die Stellung der Gebäude eine abschirmende Wirkung erzielt werden, durch die Gartenbereiche geschont und der Einwirkungsbereich der Schallquellen verringert werden kann. Da dies derzeit noch nicht bekannt ist, zeigen die in der schalltechnischen Voreinschätzung ermittelten Werte den ungünstigsten Fall einer künftigen Lärmbelastung (worst case) auf. Die Betrachtung der gewerblichen Vorbelastungen umfasst die planungsrechtlich zulässigen Emissionen der drei Gewerbegebiete und der Windenergieanlagen. Tagsüber sind im Untersuchungsgebiet keinerlei Beschränkungen durch Gewerbelärm gegeben. In der Nachtsituation wird – unter der Annahme der gleichen Gewerbetätigkeit wie tags – der Orientierungswert der DIN 18005 im gesamten Suchraum Süd überschritten. In den übrigen Suchräumen wird der Orientierungswert in Teilbereichen eingehalten. Aufgrund der Vorgaben durch die Wärmeschutzund Energieeinsparverordnung für Neubauten werden durch den Einbau von Isolierglasfenstern der Schallschutzklassen 1 und 2 die gesetzlich vorgeschriebenen Innenraumpegel auch nachts überall im Untersuchungsgebiet eingehalten. Durch die Verkehrzunahme in erster Linie durch den neuen Autobahnanschluss Merzenich (s. Tab. 1 auf S. 7) kann entlang der Hauptverkehrsstraßen eine eventuell erhöhte Luftschadstoffbelastung nicht ausgeschlossen werden. Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben zum Schutz vor Lärm werden durch einen ausreichenden Abstand zur Emissionsquelle (Ausbreitungsgebiet) sowie durch Lärmschutzwände (Barriere) auch Schutzeffekte vor Luftschadstoffbelastung erzeugt. Zusätzliche lufthygienische Maßnahmen sind darüber hinaus nicht erforderlich. Die städtebauliche Planung muss bei der Festlegung der künftigen Art der baulichen und sonstigen Nutzungen die Immissionssituation durch die vorhandenen landwirtschaftlichen Betriebe berücksichtigen (bspw. keine unmittelbar anschließende Wohnnutzung). Lufthygienische Belastungen aus den Gewerbegebieten (Schadstoffe, Gerüche) werden durch die Schutzabstände implizit mit berücksichtigt. Gleichwohl können abhängig von der Windrichtung temporäre Belästigungen nicht ausgeschlossen werden. Durch Schutzabstände um die Gewerbegebiete können potenzielle Belästigungen jedoch weitgehend vermieden werden. Durch den heranrückenden Tagebau ist eine Erhöhung der Feinstaubbelastung im Vergleich zur heutigen Immissionssituation unwahrscheinlich, da die Feinstaubimmissionen im Wesentlichen durch die ortsfesten technischen Anlagen (Bunker, Bandsammelpunkt) des Tagebaus 12

IBK Schallimmissionsschutz (2004)

!

32


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ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

verursacht werden. Da außerdem im Rahmen des Aktionsplans in der Umgebung des Tagebaus Hambach der Bezirksregierung Köln von September 2005 Maßnahmen zur Minderung der Staubbelastungen für Standorte geregelt sind, die näher als das Untersuchungsgebiet und außerdem in der Hauptwindrichtung zum Tagebau gelegen sind, werden die Immissionsgrenzwerte zum Schutz der menschlichen Gesundheit auch künftig im gesamten Untersuchungsgebiet eingehalten (vgl. Schutzgut Luft).

Schutzgut Kulturgüter und sonstige Sachgüter Der Name des Ortsteiles Merzenich tritt erstmals im Jahre 1225 urkundlich auf. Wahrzeichen des Ortes ist die alte katholische Pfarrkirche, die um 1300 erstmals genannt wird. Sie ist eines von 11 Baudenkmälern im Ortsteil Merzenich. Innerhalb der fünf Suchräume sowie unmittelbar angrenzend befinden sich keine geführten Denkmäler. Das Untersuchungsgebiet ist allerdings bereits seit der frühen Jungsteinzeit (ca. 5500 v. Chr.) besiedelt, wie zahlreiche Zufallsfunde belegen. Dies sind Bodendenkmäler im Sinne des DSchG NW. Es wurde z. B. eine der bedeutenderen Siedlungen aus der Jungsteinzeit im Rheinland mit 64 ausgegrabenen Häusern bei Grabungen im Baugebiet 'Valdersweg' in Merzenich entdeckt. Hier haben Archäologen die Darstellung eines Menschen mit einem ca. 5,5 cm großen Tonköpfchen gefunden, das zwischen 5090 bis 5050 v. Chr. entstanden sein soll und als 'das älteste Gesicht im Nordwesten Deutschlands' gewertet wird. "Eine Bewertung der Suchräume zum Umweltbestandteil Kulturgüter (Bodendenkmäler) ist derzeit nicht abschließend möglich, da in den Flächen bisher keine Erhebung des Ist-Zustandes an Bodendenkmälern durchgeführt wurde. Aufgrund der hier gegebenen naturräumlichen Bedingungen (Bodenqualität, Lage, Wasserversorgung etc.) verbunden mit zahlreichen sog. Zufallsfunden aus einem Zeitraum von ca. 8000 Jahren Menschheitsgeschichte wurde der Nachweis erbracht, dass die Flächen intensiv genutzt und besiedelt waren. Die potenziellen Umsiedlungsstandorte liegen alle auf den fruchtbaren Lössböden der Jülicher/ Dürener Börde, die eine intensive Besiedlung und Bewirtschaftung seit der Jungsteinzeit (ca. 5500 v. Chr.) zur Folge hatte und durch zahlreichen Fundplätze von der Jungsteinzeit bis in die Neuzeit hinein belegt ist. Aus allen Suchräumen gibt es sog. Oberflächenfunde. Dabei handelt es sich - bedingt durch die landwirtschaftliche Bearbeitung der Flächen - um aufgepflügte Teile von im Boden erhaltenen archäologischen Relikten als sichtbare Spuren zum Bestand an Bodendenkmälern. Diese Oberflächenfunde geben konkrete Hinwiese auf im Boden erhaltene und mit dem Boden verbundene Zeugnisse zur Geschichte der Menschen. Demnach ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in allen Suchräumen mit erhaltenen Bodendenkmälern von der Frühen Jungsteinzeit bis hin zur Neuzeit zu rechnen. Jüngste Ausgrabungen in einem Baugebiet in Merzenich Valdersweg haben diese Prognose sehr eindeutig bestätigt. Hier wurden Reste einer bedeutenden bandkeramischen Siedlung ausgegraben. Auch aus dieser Fläche gab es nur sporadische Hinwiese, die anlässlich der Bauleitplanung verifiziert wurden." 13 F

Da im gesamten Untersuchungsgebiet eine hohe Funddichte archäologischer Relikte zu erwarten ist, kann die tatsächliche Bedeutung des Schutzgutes zurzeit nicht abschließend bewertet

13

Auszug aus Schreiben des LVR - Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland vom 10. und 17.02.2010

!

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ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

werden. Bodenfunde müssen nicht zwangsläufig als Ausschlusskriterium bewertet werden; abhängig von der Art der Befunde reicht eine Dokumentation ohne langfristige Einschränkungen für eine Überplanung oder das Freihalten von Teilbereichen von Bebauung zur Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Belange. Dies kann jedoch nur im Einzelfall von der zuständigen Behörde entschieden werden. Die Einschätzung der Erheblichkeit der Kulturgüter kann nur durch eine systematische Ermittlung im Rahmen einer frühzeitigen Prospektion des gewählten Standorts nach der Standortentscheidung erfolgen. Bei einer Bebauung in Extremhochwasser-Bereichen (HQ1000) ist auf hochwasserangepasste Bebauung zur Minimierung des Schadenspotenzials bei Gebäuden (Sachgütern) zu achten. In Bereichen mit hohen Grundwasserständen < 3 m sind für Kellergeschosse, die in den Grundwasserbereich ragen, bautechnische Vorkehrungen zu berücksichtigen (vgl. Kap. 2.3, Überschwemmungsbereiche und Kap. 2.7, Schutzgut Wasser). X

X

X

X

Prognose Nullfall Kulturgüter Im Vergleich zur heutigen Situation sind keine Veränderungen zu erwarten. Die Ergebnisse der Untersuchungen östlich des Bebauungsplanes G1, Gewerbegebiet 'Auf der Heide' stehen noch aus. Ohne konkrete Planungen für Siedlungserweiterungen sind weitere Prospektionen oder Grabungen unwahrscheinlich, über die neue Erkenntnisse zu archäologischen Befunden erzielt werden könnten.

Wechselwirkungen zwischen den Schutzgütern Zwischen den Schutzgütern des Naturhaushalts besteht stets ein weitläufiges Netz aus Wechselwirkungen in Form von Stoffkreisläufen (z. B. Wasser, Nähr- und Schadstoffe) und eine enge Abhängigkeit von Lebensräumen und ihren Besiedlern (Boden, Pflanzen, Tiere, etc.). Auch die Aspekte Nutzungs- bzw. Vegetationsstruktur, Landschaftsbild und naturbezogene Erholung sind eng miteinander verbunden. Im Untersuchungsgebiet sind die Wechselwirkungen innerhalb des Naturhaushaltes durch menschliche Aktivitäten (historische Entwaldung des Naturraums, Bebauung, intensive Ackernutzung, Absenkung des Grundwasserspiegels) bereits beeinflusst. Für die naturbezogene Erholung liegt keine durch besondere Ausprägung der übrigen Schutzgüter bedingte hervorzuhebende Eignung des Raumes vor. Die relevanten Wechselwirkungen der Schutzgüter untereinander sind schutzgutbezogen berücksichtigt.

3.

Derzeitige relevante Umweltprobleme unter besonderer Berücksichtigung von Schutzgebieten (Anhang 1 RL 2001/ 42/ EG d))

Der Naturhaushalt und das Landschaftsbild sind im Untersuchungsraum stark der Einflussnahme des Menschen unterworfen. Aufgrund der fruchtbaren Böden sind die ursprünglichen Ökosysteme bereits vor Jahrhunderten nahezu vollständig einer intensiven ackerbaulichen Nutzung sowie Siedlungsflächen gewichen.

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ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Durch diese intensive landwirtschaftliche Nutzung sind zum einen die Böden bereichsweise der Erosion ausgesetzt und in ihren chemischen und physikalischen Eigenschaften verändert. Zum anderen besteht durch den hohen Eintrag von Düngemitteln eine Belastung des oberen Grundwasserleiters in Form von erhöhten Nitrat, Chlorid- und Sulfatgehalten. Durch die tagebaubedingten Sümpfungsmaßnahmen sind hauptsächlich die tieferen Grundwasserschichten in ihrer Wasserführung verändert. Bei den oberen Stockwerken ist in Bereichen von einer geringfügigen Grundwasserabsenkung auszugehen. Mit dem voranschreitenden Tagebau Hambach wird die Grundwasserbeanspruchung räumlich verlagert und bereichsweise ausgedehnt. Nach der Beendigung der bergbaulichen Aktivitäten werden die Sümpfungsmaßnahmen eingestellt und der Grundwasserspiegel wird langfristig wieder ansteigen. Schallabstrahlungen von den Windkraftanlagen sowie Lärm aus den vorhandenen Gewerbegebieten mit nächtlicher Überschreitung der Orientierungswerte für Allgemeine Wohngebiete der DIN 18005 Schallschutz im Städtebau betreffen Teilflächen in den Suchräumen Nordost, Ost und Süd. Alle Suchräume sind in Teilbereichen von Verkehrslärmbelastungen durch den Bahnund Straßenverkehr mit Überschreitung der Orientierungswerte der DIN 18005 tags und nachts betroffen. Als ökologisch empfindliche Gebiete werden die Gebiete nach Nr. 2.3 der Anlage 2 des UVPG betrachtet. Es befinden sich keine europäischen Schutzgebiete innerhalb oder im Umfeld des Untersuchungsgebietes (<3 km). Die an das Untersuchungsgebiet angrenzenden NSG und LSG sowie das im Untersuchungsgebiet liegende WSG sind in Kapitel 2.3 aufgeführt. Gefährdungen für NSG und LSG stellen hauptsächlich Müllablagerungen, Jagdbetrieb und mögliche Aufforstungen dar. Das WSG ist von den oben genannten Grundwasserbelastungen betroffen.

3.1

Überwachungsmaßnahmen nach Anhang 1 RL 2001/ 42/ EG i)

Die Festlegung von Maßnahmen zur Überwachung von erheblichen Auswirkungen auf die Umwelt i. S. d. Art. 10 der Richtlinie 2001/ 42/ EG i. V. m. Anhang I Buchstabe i) im Braunkohlenplan in Ergänzung der Überwachung der Einhaltung des Braunkohlenplanes durch den Braunkohlenausschuss gem. § 24 Abs. 2 LPlG ist nicht erforderlich. Erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt durch das Vorhaben sind unter Berücksichtigung von Vermeidungs-, Minderungs- und Ausgleichsmaßnahmen nicht zu erwarten. Art, Maß und Ort dieser Maßnahmen sind im nachfolgenden Bebauungsplanverfahren zu konkretisieren. Im Zuge dieser Detailplanung können ggf. erforderliche Überwachungsmaßnahmen durch den Träger der Bauleitplanung festgelegt werden.

4.

Bewertung der fünf Suchräume (Anhang 1 RL 2001/ 42/ EG c), f), g), i))

Nachfolgend wird eine Fokussierung aus dem Untersuchungsgebiet auf die fünf alternativen Suchräume vorgenommen (vgl. Abbildung 1). In Dossierform werden für die Suchräume aufbauend auf den zusammengestellten Daten zum Untersuchungsgebiet in Kapitel 2 X

X

vorhandene Umweltziele und Planungsvorgaben sowie

der derzeitige Umweltzustand beschrieben und bewertet;

die voraussichtliche Entwicklung bei Nichtdurchführung der Umsiedlung sowie

!

35


TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

die voraussichtliche Entwicklung bei Durchführung der Umsiedlung beschrieben.

Die verschiedenen relevanten Umweltaspekte der fünf Suchräume sind in den nachfolgenden Suchraumdossiers in systematischer und untereinander vergleichbarer Weise aufgeführt. Hierbei werden die folgenden Abkürzungen verwendet: ASB

Allgemeiner Siedlungsbereich

GE

Gewerbliche Baufläche

AFAB

Allgemeiner Freiraum- u. Agrarbereich

BSLE

GIB

Gewerbe- und Industriebereich

Bereich zum Schutz der Landschaft und landschaftsorientierter Erholung

LP

Landschaftsplan

BSN

Bereich zum Schutz der Natur

EZ

Entwicklungsziel

WVER

Wasserverband Eifel- Rur

W

Wohnbaufläche

ULB

Untere Landschaftsbehörde

M

Mischbaufläche

UBB

Untere Bodenschutzbehörde

G

Grünflächen

GW-

Grundwasser-

Vermeidung, Verminderung und Ausgleich Allgemein sollen Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft so weit als möglich vermieden werden. Daher sollen Beeinträchtigungsfaktoren in den folgenden Bauleitplanverfahren berücksichtigt und die Planung ggf. in geeigneter Weise angepasst werden. Die Dossiers geben Empfehlungen für mögliche Maßnahmen zur Vermeidung und Verminderung von Beeinträchtigungen. Nicht vermeidbare Beeinträchtigungen von Naturhaushalt und Landschaftsbild sind durch geeignete Maßnahmen im Zuge der verbindlichen Bauleitplanung zu kompensieren.

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4.1

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Suchraum Nordost

Fläche

86,87 ha

Regionalplan überwiegend: AFAB, randlich: Straße für den übergeordneten Verkehr Flächennutzungsplan überwiegend: Fläche für Landwirtschaft randlich: Hauptverkehrsstraße Landschaftsplan kein LP vorliegend, Schutzgebiete keine Prognose Nullfall kürzester Abstand zur A 4n ca. 1.000 m Code kürzester Abstand zum Tagebaurand ca. 1.500 m 1-1, 1-1L, 1-3 Verkehrszunahme L 264 2-2, GW-Flurabstände langfristig > 3 m 3-1 3-4

Fläche (m2)

Biotoptyp Voll- und teilversiegelte Flächen

33.777

Straßenbegleitgrün

530

Acker

815.785

Intensivgrünland

12.112

4-3

Gärten

1.576

7-2, 7-4

junge bis mittelalte Gehölze

2.421

9-1

Graben

1.576

Derzeitiger und prognostizierter Umweltzustand bei Durchführung der Planung 1

Tiere, Pflanzen, biologische Vielfalt Bestandsaufnahme

Prognose bei Durchführung der Planung

Bewertung

Ausgedehnte Ackerflächen östlich der L 264 mit geringer allgemeiner Bedeutung als Lebensraum. Im Norden mit Hecken eingegrünter Hof mit kleinen Grünlandflächen und mittlerer Bedeutung.

Überwiegend Verlust von intensiv genutzten Ackerflächen mit geringer allgemeiner Bedeutung als Lebensraum.

gering

Die Ackerflächen sind insgesamt als Habitat für Feldvogelarten geeignet. Die Grauammer wurde im Suchraum im Rahmen des Artenschutzmonitorings 2007 jedoch nicht nachgewiesen. Das nächste nachgewiesene Brutvorkommen befindet sich in 220 m Entfernung zum östlichen Rand des Suchraums.

Verlust von Ackerflächen mit potenzieller Eignung als essenzielles Habitatelement für Feldvögel.

mittel

Merzenich befindet sich im potenziellen Verbreitungsgebiet für den Feldhamster. Die Ackerflächen mit Bodenzahlen in der Regel über 75 weisen eine gute Habitateignung für den Feldhamster auf. Nachweise des Feldhamsters für den Kreis Düren liegen gem. Artenschutzprogramm bisher nicht vor.

Verlust von Ackerflächen mit potenzieller Eignung als essenzielles Habitatelement für den Feldhamster.

artenschutzrechtliche Prüfung in der verbindlichen Bauleitplanung erforderlich mittel artenschutzrechtliche Prüfung in der verbindlichen Bauleitplanung erforderlich

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung Es wird empfohlen, im Rahmen der verbindlichen Bauleitplanung eine Erfassung der Feldvögel, eine Hamsterkartierung sowie eine artenschutzrechtliche Prüfung vorzunehmen.

!

37


TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

1

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Tiere, Pflanzen, biologische Vielfalt

Fazit Die bauliche Inanspruchnahme von intensiv genutzten Ackerflächen mit geringer Bedeutung, aber einer potenziellen Eignung als essenzielles Habitat für planungsrelevante Feldvogelarten sowie für den Feldhamster ist mit einem mittleren Risiko für das Schutzgut verbunden. In Abhängigkeit von den Ergebnissen der Kartierungen werden ggf. funktional geeignete Ausgleichsmaßnahmen erforderlich.

2

Landschaft Bestandsaufnahme

Prognose bei Durchführung der Planung

Bewertung

Strukturarme Ackerflur auf ebenem Relief und mit weiten Sichtbeziehungen östlich der L 264; Lärmvorbelastung durch L 264, landwirtschaftliche Wege in der Feldflur, mit mäßiger Erholungseignung. Vorbelastungen des Landschaftsbildes bestehen durch Hochspannungsleitung im Norden und Windräder im Süden. Landschaftsbildprägend ist die alte Pappelreihe an einem Seitengraben des Buirer Fließ. Nach Norden bestehen Blickbeziehungen bis zum Hambacher Forst und zum Tagebaurand. Die Qualität des Landschaftsbildes ist insgesamt gering.

Verlust von Freiraum mit geringer Bedeutung für das Landschaftsbild und mäßiger Bedeutung für die Naherholung. Neugründung eines Siedlungsbereichs innerhalb eines großen zusammenhängenden Freiraums ohne direkten Anschluss an die bestehende Ortschaft.

gering - mittel

Sollte der Standort gewählt werden, würde aus landesplanerischen Gründen die städtebauliche Entwicklung von Merzenich in diese Richtung gehen.

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung Eingrünung des neuen Wohnstandortes zur freien Landschaft, Erhalt und Neuanlage von Wegebeziehungen. Fazit Unter Berücksichtigung der Empfehlungen sind mit der geplanten Bebauung aufgrund der Neugründung eines Siedlungsbereichs im Freiraum und der Freiraumbeanspruchung insgesamt geringe bis mittlere Auswirkungen auf das Landschaftsbild und die Erholungseignung verbunden.

3

Boden Bestandsaufnahme

Hauptsächlich tiefgründige Parabraunerden hoher Bodenfruchtbarkeit, überwiegend mit Schutzwürdigkeit nach GD, sehr kleinflächig Kolluvium mit besonderer Schutzwürdigkeit aufgrund der Bodenfruchtbarkeit; mäßige anthropogene Überprägung durch Ackernutzung, kleinflächig Versiegelung.

Prognose bei Durchführung der Planung

Bewertung

Durch Überbauung Zerstörung hauptsächlich bedingt naturnaher, fruchtbarer Böden, sehr kleinflächig auch aufgrund der Bodenfruchtbarkeit besonders schutzwürdiger Böden.

mittel

Altlasten: keine Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung

Vermeidung nicht notwendiger Bodenverdichtungen und Bodenversiegelungen. Fazit Durch die Betroffenheit von Böden mit hoher und sehr kleinflächig sehr hoher Bodenfruchtbarkeit ist eine Bebauung mit mittleren Auswirkungen verbunden.

4

Wasser Bestandsaufnahme

Im Süden verläuft ein naturfern ausgeprägter Graben am Rand des Suchraums.

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Prognose bei Durchführung der Planung Voraussichtlich keine Auswirkungen

Bewertung gering

38


TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

4

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Wasser

Gebiet mit weniger ergiebigen Grundwasservorkommen, Gesteinsbereich mit guter Filterwirkung und Lössüberdeckung, GW-Spiegel tieferer Schichten derzeit abgesenkt, GWSpiegel des oberen Stockwerks geringfügig verändert, langfristig voraussichtlich Grundwasserflurabstände > 3 m. Laut MUNLV NRW (1991-2005) bereits Belastung des Grundwassers durch intensive landwirtschaftliche Nutzung.

Durch die Versiegelungen gehen Versickerungsflächen/ Flächen zur Grundwasserneubildung verloren. Durch dezentrale Versickerung kann dieser Effekt gemindert werden. Risiko einer zusätzlichen Gefährdung des Grundwassers durch stoffliche Einträge bei überwiegender Wohnnutzung aufgrund der geringen Empfindlichkeit des Grundwassers gering.

gering

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung Realisierung dezentraler Versickerung. Fazit Da das Grundwasser in diesem Bereich eine geringe Empfindlichkeit aufweist und voraussichtlich kein Oberflächengewässer mit Bedeutung für den Wasserhaushalt betroffen ist, sind insgesamt nur geringfügige Auswirkungen auf das Schutzgut zu erwarten.

5

Klima Bestandsaufnahme

Ackerflächen mit Freilandklima.

Prognose bei Durchführung der Planung

Bewertung

Durch die Überbauung Verlust von Flächen mit Freilandklima, Bildung eines kleinen Bereiches mit ungünstigerem Siedlungsklima.

gering

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung Durch Maßnahmen wie Durchgrünung können die Auswirkungen gemindert werden. Fazit Eine Inanspruchnahme der Flächen ist für das Schutzgut Klima mit geringen Auswirkungen verbunden.

6

Luft Bestandsaufnahme

Prognose bei Durchführung der Planung

Bewertung

Geringe lufthygienische Vorbelastung durch den Straßenverkehr entlang der L 264. Künftig höhere Luftschadstoffbelastungen durch deutliche Verkehrszunahme auf der L 264 mit der neuen BAB-Anschlussstelle Merzenich. Aufgrund guter Austauschbedingungen jedoch keine Grenzwertüberschreitungen anzunehmen.

Geringfügig höhere Immissionsbelastung durch Zunahme von Abgasen aus dem Straßenverkehr und Hausbrand durch Neubebauung.

gering

Geringe Feinstaubbelastung durch Straßenverkehr sowie temporär durch die Landwirtschaft. Keine vermehrten Feinstaubbelastungen aus dem bis ca. 1,5 km heranrückenden Tagebau zu erwarten, da Feinstaubimmissionen im Wesentlichen durch die ortsfesten technischen Anlagen verursacht werden. Die zulässigen Grenzwerte werden eingehalten. Geruchsemissionen des Unterstellplatzes für Schafe nicht gänzlich auszuschließen.

Keine Veränderung.

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung –

!

39


TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

6

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Luft

Fazit Die Auswirkungen auf das Schutzgut Luft sind gering.

7

Mensch, Gesundheit des Menschen, Bevölkerung insgesamt Bestandsaufnahme

Prognose bei Durchführung der Planung

Bewertung

Die landwirtschaftlichen Flächen werden ackerbaulich genutzt.

Den betroffenen Landwirten wird ein landwirtschaftlicher Produktionsstandort entzogen. Die vorhandenen Gebäude im Suchraum können in die neue Siedlung integriert werden.

gering

Im Gebiet befinden sich einzelne Hofstellen, u. a. auch eine Schafzucht mit Geruchs- und Lärmbelästigungen.

Aufgrund der vorhandenen Tierhaltung sind Konflikte mit der geplanten Wohnnutzung in einem Bereich von ca. 200 m nicht auszuschließen.

hoch

Heute sind keine empfindlichen Nutzungen von Lärm, Luftschadstoffen oder Gerüchen betroffen.

Die neuen Wohngebäude rücken an die vorhandene L 264 heran. Die gesetzlich vorgeschriebenen Innenraumpegel werden überall eingehalten.

gering

Künftig höhere Luftschadstoff- und Lärmbelastungen durch deutliche Verkehrszunahme auf der L 264 mit der neuen BABAnschlussstelle Merzenich und der Entwicklung des Gewerbegebietes 'Auf der Heide'.

Einhaltung der Orientierungswerte der DIN 18005 für Allgemeine Wohngebiete von • 55 DB(A) tags in überwiegenden Teilen • 45 dB(A) nachts in Teilen des Suchraums. Tags sind in einem Abstandskorridor bis ca. 210 m zur L 264 ohne aktiven Lärmschutz nachteilige Auswirkungen im Außenbereich durch Überschreitung der Orientierungswerte der DIN 18005 zu erwarten.

Gewerbliche Schallimmissionen mit Überschreitung der Orientierungswerte der DIN 18005 für Allgemeine Wohngebiete nachts von 40 dB(A) durch Windenergieanlagen und aus den Gewerbegebieten reichen im Nordwesten in den Suchraum. Tags werden die Orientierungswerte überall eingehalten.

Nachteilige Auswirkungen aus dem Gewerbegebiet sind nur nachts und nur im Außenbereich zu erwarten; die gesetzlich vorgeschriebenen Innenraumpegel werden überall eingehalten.

gering

Die Grenzwerte zum Schutz der menschlichen Gesundheit bzgl. Feinstaub und NO2 werden voraussichtlich eingehalten.

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung Zur Vermeidung nachteiliger Lärmbelastungen im Außenbereich werden entlang der angrenzenden Straße (L 264) ein größerer Abstand oder aktive Schallschutzmaßnahmen empfohlen. Je nach Umfang der Vorbelastungen durch die vorhandene Tierhaltung sind entsprechende Abstände (ca. 200 m) einzuhalten. Fazit Unter Berücksichtung der empfohlenen Schallschutzmaßnahmen sowie eines Abstands zur landwirtschaftlichen Tierhaltung sind geringe nachteilige Auswirkungen auf den Menschen zu erwarten.

8

Kulturgüter und sonstige Sachgüter Bestandsaufnahme

Im Suchraum befinden sich keine geführten Bau- und Bodendenkmäler; im Nordwesten liegen archäologische Fundstellen. Aufgrund der historischen Besiedlung des Raums, des

!

Prognose bei Durchführung der Planung Nach derzeitigem Kenntnisstand sind keine Denkmäler betroffen. Eine Bebauung im Bereich der vorhandenen archäologischen Fundstellen ist mit der zuständigen Behörde

Bewertung hoch

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TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

8

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Kulturgüter und sonstige Sachgüter

Verlaufs einer Römerstraße Köln – Aachen und Hinweisen auf zwei römische Siedlungen sind archäologische Funde sehr wahrscheinlich.

abzustimmen. Aufgrund der hohen Wahrscheinlichkeit, auf bedeutsame archäologische Funde zu treffen, sind nachteilige Auswirkungen durch Gründungsarbeiten möglich.

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung Im weiteren Verfahren sollte frühzeitig eine systematische Prospektion zur Ermittlung archäologischer Funde durchgeführt werden, um archäologisch wertvolle Relikte zu sichern und Beschädigungen oder Zerstörungen bei Bauarbeiten zu vermeiden. Fazit Aufgrund der hohen Wahrscheinlichkeit, auf bedeutsame archäologische Funde zu treffen, sind hohe Auswirkungen auf Kulturgüter möglich.

Zusammenfassung der Umweltauswirkungen Eine Bebauung des Suchraums ist unter Berücksichtigung der Empfehlungen insgesamt mit geringen bis mittleren Auswirkungen verbunden. Dies gilt jedoch nur vorbehaltlich der Vermeidung eines artenschutzrechtlichen Konflikts, der Durchführung von Schallschutzmaßnahmen bei einer Bebauung im Nahbereich der L 264 und der Berücksichtigung der Ergebnisse archäologischer Prospektionen. Mittlere Auswirkungen ergeben sich aus der Inanspruchnahme von hochwertigen Böden und Inanspruchnahme von Freiraum außerhalb eines baulichen Zusammenhangs. Dagegen weisen Naturhaushalt und Landschaftsbild ansonsten eine vergleichsweise geringe Sensibilität auf. Aufgrund der hohen Wahrscheinlichkeit, auf bedeutsame archäologische Funde zu treffen, sind hohe Auswirkungen auf Kulturgüter möglich.

!

41


TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

4.2

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Suchraum Ost

Fläche

85,71 ha

Regionalplan überwiegend: AFAB, randlich: Straße für den übergeordneten Verkehr, ASB Flächennutzungsplan überwiegend: Fläche für Landwirtschaft randlich: Hauptverkehrsstraße, W, M, G Landschaftsplan überwiegend: kein LP vorliegend, randlich: kleinflächig im Norden EZ 4 u. 8 Schutzgebiete keine Prognose Nullfall kürzester Abstand zur A 4n ca. 1.000 m Code kürzester Abstand zum Tagebaurand ca. 1.500 m 1-1, 1-1L, 1-1G, Verkehrszunahme L 264, B 264 1-3 GW-Flurabstände langfristig > 3 m

Fläche (m2)

Biotoptyp Voll- und teilversiegelte Flächen

97.306

2-2, 2-2b, 2-3

Straßenbegleitgrün, RRB

3-1

Acker

3-4

Intensivgrünland

4-3, 4-4, 4-5

Gärten, öffentliche Grünflächen

5-1, 5-1G

Brachen

16.192

7-2, 7-3, 7-4, 7-4J

junge bis mittelalte Gehölze

13.656

9-1

Graben naturfern

25.501 565.529 30.428 108.255

307

Derzeitiger und prognostizierter Umweltzustand bei Durchführung der Planung 1

Tiere, Pflanzen, biologische Vielfalt Bestandsaufnahme

Prognose bei Durchführung der Planung

Ausgedehnte Ackerflächen zwischen Ortsrand und L 264 mit geringer allgemeiner Bedeutung als Lebensraum. Ortsrand überwiegend strukturarm. Im Süden schließen ältere, z. T. brachliegende Gärten an den Suchraum an.

Verlust von intensiv genutzten Ackerflächen mit geringer allgemeiner Bedeutung als Lebensraum.

Die Ackerflächen sind insgesamt als Habitat für Feldvogelarten geeignet. Die Grauammer wurde im Suchraum im Rahmen des Artenschutzmonitorings 2007 jedoch nicht nachgewiesen. Das nächste nachgewiesene Brutvorkommen befindet sich in mehr als 1 km Entfernung von der Grenze des Suchraums.

Verlust von Ackerflächen mit potenzieller Eignung als essenzielles Habitatelement für Feldvögel.

Merzenich befindet sich im potenziellen Verbreitungsgebiet für den Feldhamster. Die Ackerflächen überwiegend mit Bodenzahlen über 75 (kleinflächig im Süden 60) weisen eine Habitateignung für den Feldhamster auf. Nachweise des Feldhamsters für den Kreis Düren liegen gem. Artenschutzprogramm bisher nicht vor.

Verlust von Ackerflächen mit potenzieller Eignung als essenzielles Habitatelement für den Feldhamster.

!

Bewertung gering

gering bis mittel artenschutzrechtliche Prüfung in der verbindlichen Bauleitplanung erforderlich gering bis mittel artenschutzrechtliche Prüfung in der verbindlichen Bauleitplanung erforderlich

42


TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

1

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Tiere, Pflanzen, biologische Vielfalt

Eine Fläche mit Grünland und Gärten im Süden des Suchraums sowie räumlich anschließende Flächen haben gem. Steinkauzkartierung aus den 90er Jahren eine mögliche Bedeutung als Nahrungshabitat für den Steinkauz.

Verlust kleinerer Grünlandflächen, denen in den 90er Jahren eine Funktion als Nahrungshabitat für den Steinkauz nachgewiesen wurde.

mittel artenschutzrechtliche Prüfung in der verbindlichen Bauleitplanung erforderlich

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung Es wird empfohlen, im Rahmen der verbindlichen Bauleitplanung eine Erfassung der Feldvögel, eine Hamsterkartierung und eine artenschutzrechtliche Prüfung vorzunehmen. Bei Inanspruchnahme der Grünlandflächen im Süden des Suchraums sollte zudem ihre Bedeutung für den Steinkauz untersucht werden. Fazit Eine bauliche Inanspruchnahme von intensiv genutzten Ackerflächen mit einer potenziellen Eignung als Habitat für planungsrelevante Feldvogelarten sowie für den Feldhamster ist mit einem geringen bis mittleren Risiko für das Schutzgut verbunden. Bei Inanspruchnahme der Grünlandflächen im Süden des Suchraums gehen zudem Flächen verloren, die möglicherweise eine Bedeutung als Jagdhabitat für den Steinkauz besitzen. In Abhängigkeit von den Ergebnissen der Kartierungen können entsprechende funktional geeignete Ausgleichsmaßnahmen erforderlich werden.

2

Landschaft Bestandsaufnahme

Prognose bei Durchführung der Planung

Bewertung

Strukturarme Ackerflur auf ebenem Relief und mit weiten Sichtbeziehungen; Lärmvorbelastung durch L 264; Ortsränder überwiegend ohne Eingrünung, abschnittsweise mit jüngeren Hecken eingegrünt, Eingrünung an der L 264, Fußweg am Ortsrand, landwirtschaftliche Wege in der Feldflur. Die Qualität des Landschaftsbildes ist gering; der Suchraum wird jedoch zur wohnungsnahen Erholung genutzt.

Verlust von Ackerflächen in Ortsrandlage mit geringer Bedeutung für das Landschaftsbild und mittlerer Bedeutung für die wohnungsnahe Erholung.

gering

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung Eingrünung des neuen Wohnstandortes zur freien Landschaft, Erhalt und Neuanlage von Wegebeziehungen entlang des neuen Ortsrandes sowie als Verbindung in die freie Landschaft. Fazit Unter Berücksichtigung der Empfehlungen sind mit der geplanten Bebauung insgesamt geringe Auswirkungen auf das Landschaftsbild und die Erholungseignung verbunden.

3

Boden Bestandsaufnahme

Hauptsächlich tiefgründige Parabraunerden hoher Bodenfruchtbarkeit, sehr kleinflächig Kolluvium mit besonderer Schutzwürdigkeit aufgrund der Bodenfruchtbarkeit; mäßige anthropogene Überprägung durch Ackernutzung, kleinflächig Versiegelung. Altlasten: keine Zwei kleine Altablagerungen bzw. Aufschüttungen, Umweltrelevanz von der UBB des Kreises Düren als gering eingestuft.

!

Prognose bei Durchführung der Planung

Bewertung

Durch Überbauung Zerstörung hauptsächlich bedingt naturnaher, fruchtbarer Böden, sehr kleinflächig auch aufgrund der Bodenfruchtbarkeit besonders schutzwürdiger Böden.

mittel

Voraussichtlich keine Auswirkungen. Bei Sanierungsbedarf mglw. kleinflächige Verbesserung für das Schutzgut Boden.

Prüfung in der verbindlichen Bauleitplanung erforderlich

43


TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

3

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Boden

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung Untersuchung zur Ermittlung eines möglichen Gefährdungspotenzials der Altablagerung bzw. Aufschüttung. Vermeidung nicht notwendiger Bodenverdichtungen und Bodenversiegelungen. Fazit Durch die Betroffenheit von Böden mit hoher und sehr kleinflächig sehr hoher Bodenfruchtbarkeit ist eine Bebauung mit mittleren Auswirkungen verbunden.

4

Wasser Bestandsaufnahme

Prognose bei Durchführung der Planung

Bewertung

Am Ostrand ragt ein naturfern ausgeprägter Graben in den Suchraum.

Voraussichtlich keine Bebauung in diesem Bereich.

gering

Gebiet mit weniger ergiebigen Grundwasservorkommen, Gesteinsbereich mit guter Filterwirkung und Lössüberdeckung, GW-Spiegel tieferer Schichten derzeit abgesenkt, GWSpiegel des oberen Stockwerks geringfügig verändert, langfristig voraussichtlich Grundwasserflurabstände > 3 m. Laut MUNLV NRW (1991-2005) bereits Belastung des Grundwassers durch intensive landwirtschaftliche Nutzung.

Durch die Versiegelungen gehen Versickerungsflächen/ Flächen zur Grundwasserneubildung verloren. Durch dezentrale Versickerung kann dieser Effekt gemindert werden. Risiko einer zusätzlichen Gefährdung des Grundwassers durch stoffliche Einträge bei überwiegender Wohnnutzung und aufgrund der geringen Empfindlichkeit des Grundwassers gering.

gering

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung Realisierung dezentraler Versickerung. Fazit Da das Grundwasser in diesem Bereich eine geringe Empfindlichkeit aufweist und voraussichtlich kein Oberflächengewässer mit Bedeutung für den Wasserhaushalt betroffen ist, sind insgesamt nur geringfügige Auswirkungen auf das Schutzgut zu erwarten.

5

Klima Bestandsaufnahme

Überwiegend Ackerflächen mit Freilandklima am Siedlungsrand, im Bereich bestehender Bebauung Übergang zum ungünstigeren Siedlungsklima.

Prognose bei Durchführung der Planung

Bewertung

Durch die Überbauung Verlust von Flächen mit Freilandklima am Siedlungsrand, lokale Ausbreitung des ungünstigeren Siedlungsklimas.

gering

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung Durch Maßnahmen wie Durchgrünung können die Auswirkungen gemindert werden. Fazit Eine Inanspruchnahme der Flächen ist für das Schutzgut Klima mit geringen Auswirkungen verbunden.

6

Luft Bestandsaufnahme

Geringe lufthygienische Vorbelastung durch den Straßenverkehr entlang der L 264 und B 264; Künftig höhere Luftschadstoffbelastungen durch deutliche Verkehrszunahme auf der B 264 und L 264 mit der neuen AutobahnAnschlussstelle Merzenich. Aufgrund guter

!

Prognose bei Durchführung der Planung

Bewertung

Geringfügig höhere Immissionsbelastung durch Zunahme von Abgasen aus dem Straßenverkehr und Hausbrand durch Neubebauung.

gering

44


TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

6

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Luft

Austauschbedingungen jedoch keine Grenzwertüberschreitungen anzunehmen. Geringe Feinstaubbelastung durch Straßenverkehr sowie temporär durch die Landwirtschaft. Keine vermehrten Feinstaubbelastungen aus dem bis ca. 1,5 km heranrückenden Tagebau zu erwarten, da Feinstaubimmissionen im Wesentlichen durch die ortsfesten technischen Anlagen verursacht werden. Die zulässigen Grenzwerte werden eingehalten.

Keine Veränderung.

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung – Fazit Die Auswirkungen auf das Schutzgut Luft sind gering.

7

Mensch, Gesundheit des Menschen, Bevölkerung insgesamt Bestandsaufnahme

Prognose bei Durchführung der Planung

Bewertung

Im Gebiet befinden sich einzelne Wohngebäude und Hofstellen. Die landwirtschaftlichen Flächen werden ackerbaulich genutzt.

Den betroffenen Landwirten wird ein landwirtschaftlicher Produktionsstandort entzogen. Die vorhandenen Wohngebäude im Suchraum können in die neue Siedlung integriert werden.

gering

Heute sind keine empfindlichen Nutzungen von Lärm (L 264, B 264, Gewerbegebiet, Windenergieanlagen) oder Luftschadstoffen betroffen.

Für die Bewohner der angrenzenden Wohngebiete entfernt sich der wohnungsnahe Freiraum um ca. 300 m. Auch sind – abhängig von der Erschließung des Neubaugebietes – nachteilige Auswirkungen durch zusätzliche Erschließungsverkehre zu erwarten.

gering

Künftig höhere Luftschadstoff- und Lärmbelastungen durch deutliche Verkehrszunahme auf der B 264 und L 264 mit der neuen BABAnschlussstelle Merzenich und der Entwicklung des Gewerbegebietes 'Auf der Heide'.

Die neuen Wohngebäude rücken an die vorhandene B 264 und L 264 heran. Die gesetzlich vorgeschriebenen Innenraumpegel werden überall eingehalten.

mittel

Überschreitung der Orientierungswerte der DIN 18005 von 55 dB(A) tags und 45 dB(A) nachts im gesamten Suchraum. Tags und nachts sind im gesamten Suchraum ohne Schallschutz nachteilige Auswirkungen im Außenbereich durch Überschreitung der Orientierungswerte der DIN 18005 zu erwarten.

Gewerbliche Schallimmissionen mit Überschreitung der Orientierungswerte der DIN 18005 für Allgemeine Wohngebiete nachts von 40 dB(A) durch Windenergieanlagen und aus den Gewerbegebieten reichen im Süden und Norden in den Suchraum. Tags werden die Orientierungswerte überall eingehalten.

Nachteilige Auswirkungen aus dem Gewerbegebiet sind nur nachts und nur im Außenwohnbereich zu erwarten; die gesetzlich vorgeschriebenen Innenraumpegel werden überall eingehalten.

gering

Die Grenzwerte zum Schutz der menschlichen Gesundheit bzgl. Feinstaub und NO2 werden voraussichtlich eingehalten.

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung Zur Vermeidung nachteiliger Lärmbelastungen werden passive sowie an den beiden angrenzenden Straßen (B 264, L 264) aktive Schallschutzmaßnahmen empfohlen.

!

45


TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

7

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Mensch, Gesundheit des Menschen, Bevölkerung insgesamt

Fazit Unter Berücksichtung der erforderlichen Schallschutzmaßnahmen zum Schutz der menschlichen Gesundheit sind geringe bis mittlere nachteilige Auswirkungen auf den Menschen zu erwarten.

8

Kulturgüter und sonstige Sachgüter Bestandsaufnahme

Prognose bei Durchführung der Planung

Bewertung

Im Gebiet befinden sich keine geführten Bauund Bodendenkmäler. Aufgrund der historischen Besiedlung des Raums, des Verlaufs einer Römerstraße Köln – Aachen durch die Fläche und Hinweisen auf Siedlungsstrukturen östlich und westlich des Suchraums sind archäologische Befunde sehr wahrscheinlich.

Nach derzeitigem Kenntnisstand sind keine Denkmäler betroffen. Eine Bebauung im Bereich der vorhandenen archäologischen Fundstellen ist mit der zuständigen Behörde abzustimmen. Aufgrund der hohen Wahrscheinlichkeit, auf bedeutsame archäologische Funde zu treffen sind nachteilige Auswirkungen durch Gründungsarbeiten möglich.

hoch

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung Im weiteren Verfahren sollte frühzeitig eine systematische Prospektion zur Ermittlung archäologischer Funde durchgeführt werden, um archäologisch wertvolle Relikte zu sichern und Beschädigungen oder Zerstörungen bei Bauarbeiten zu vermeiden. Fazit Aufgrund der hohen Wahrscheinlichkeit, auf bedeutsame archäologische Funde zu treffen, sind hohe Auswirkungen auf Kulturgüter möglich.

Zusammenfassung der Umweltauswirkungen Eine Bebauung des Suchraums ist unter Berücksichtigung der Empfehlungen insgesamt mit geringen bis mittleren Auswirkungen verbunden. Dies gilt jedoch nur vorbehaltlich der Vermeidung eines artenschutzrechtlichen Konflikts, der Durchführung von Schallschutzmaßnahmen und der Berücksichtigung der Ergebnisse der archäologischen Prospektion. Mittlere Auswirkungen ergeben sich aus der Inanspruchnahme von hochwertigen Böden, einer hohen Verkehrslärmbelastung. Dagegen weisen Naturhaushalt und Landschaftsbild ansonsten eine vergleichsweise geringe Sensibilität auf. Aufgrund der hohen Wahrscheinlichkeit, auf bedeutsame archäologische Funde zu treffen, sind hohe Auswirkungen auf Kulturgüter möglich.

!

46


TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

4.3

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Suchraum Süd

Fläche

60,07 ha

Regionalplan überwiegend: AFAB; randlich: ASB, Straße für den übergeordneten Verkehr, Bereich zum Schutz der Landschaft Flächennutzungsplan überwiegend: Fläche für Landwirtschaft, BSL randlich: Hauptverkehrsstraße, W, M, Grünfläche Landschaftsplan kein LP vorliegend Schutzgebiete WSG Zone IIIB Fläche (m2)

Prognose Nullfall

Code

Biotoptyp

Verkehrszunahme B 264

1-1, 1-3

Voll- und teilversiegelte Flächen

39.741

2-2, 2-2b, 2-3

Straßenbegleitgrün, RRB

10.796

3-1

Acker

3-4

Intensivgrünland

420.756

4-3, 4-4, 4-5

Gärten, öffentliche Grünflächen

5-1

Brachen

6-2, 7-2, 7-3, 7-4, 7-4J

junge bis mittelalte Gehölze

7-3P, 7-4W

alte Gehölze

8-1

Ellebach

3.364

9-1

Graben

2.544

3.050 100.755 6.258 13.085 684

Derzeitiger und prognostizierter Umweltzustand bei Durchführung der Planung 1

Tiere, Pflanzen, biologische Vielfalt Bestandsaufnahme

Prognose bei Durchführung der Planung

Bewertung

Überwiegend intensiv ackerbaulich genutzte Freiflächen am südlichen Ortsrand von Merzenich. Im Bereich des Sportplatzes befinden sich verschiedene Gehölzeingrünungen (mittelalte, heimische Feldgehölze, Gebüsche, Kiefernreihe).

Verlust von intensiv genutzten Ackerflächen mit geringer allgemeiner Bedeutung als Lebensraum.

gering

Am Ortsrand verläuft zwischen der Ackerflur und der anschließenden Bebauung der naturferne und begradigte Ellebach, der von einem Gehölzstreifen (mittelalte, heimische Gehölze, zwei alte standorttypische Silberweiden) begleitet wird. Der Bach hat derzeit eine geringe Lebensraumqualität, als Gewässer bietet er langfristig jedoch das standortörtliche Potenzial für die Wiederherstellung von wertvolleren Fließgewässerlebensräumen.

Heranrücken von Bauflächen an bzw. in die Aue des Ellebachs. (Teil-)Verlust des räumlich-funktionalen Zusammenhangs von Gewässerlebensraum und Freiraum.

mittel bis hoch

!

47


TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

1

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Tiere, Pflanzen, biologische Vielfalt

Die Ackerflächen zwischen B264 und Merzenicher Straße sind insgesamt als Habitat für Feldvogelarten geeignet. Die Grauammer wurde im Suchraum im Rahmen des Artenschutzmonitorings 2007 jedoch nicht nachgewiesen. Das nächste nachgewiesene Brutvorkommen befindet sich in mehr als 1 km Entfernung.

Verlust von Ackerflächen mit potenzieller Eignung als essenzielles Habitatelement für Feldvögel.

Merzenich befindet sich im potenziellen Verbreitungsgebiet für den Feldhamster. Die Ackerflächen mit Bodenzahlen zwischen 60 und 90 weisen soweit ohne Grundwassereinfluss eine Habitateignung für den Feldhamster auf. Die höchsten Bodenzahlen ohne Grundwassereinfluss liegen im Nordwesten des Suchraums. Nachweise des Feldhamsters für den Kreis Düren liegen gem. Artenschutzprogramm bisher nicht vor.

Verlust von Ackerflächen mit potenzieller Eignung als essenzielles Habitatelement für den Feldhamster.

mittel artenschutzrechtliche Prüfung in der verbindlichen Bauleitplanung erforderlich

mittel artenschutzrechtliche Prüfung in der verbindlichen Bauleitplanung erforderlich

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung Um eine Gewässerrenaturierung auch langfristig zu ermöglichen, wird ein ausreichend breiter Grünzug beidseitig des Ellebachs empfohlen. Es wird empfohlen, im Rahmen der verbindlichen Bauleitplanung eine Erfassung der Feldvögel, eine Hamsterkartierung sowie eine artenschutzrechtliche Prüfung vorzunehmen. Fazit Durch das Heranrücken von Bauflächen an den Ellebach und durch den Verlust des räumlichen Zusammenhangs von Gewässerlebensraum und Freiraum sind unter Berücksichtigung der Empfehlungen zumindest mittlere ggf. hohe Risiken für das Schutzgut verbunden. Auch der Verlust von intensiv genutzten Ackerflächen mit einer potenziellen Eignung als essenzielles Habitat für planungsrelevante Feldvogelarten und für den Feldhamster wird als mittel bewertet. In Abhängigkeit von den Ergebnissen der Kartierungen werden ggf. funktional geeignete Ausgleichsmaßnahmen erforderlich.

2

Landschaft Bestandsaufnahme

Prognose bei Durchführung der Planung

Bewertung

Ca. 400 m breiter Freiraum zwischen den Ortslagen Merzenich und der Stadtrandsielung Düren.

Risiko des Zusammenwachsens der Ortslage Merzenich und der Stadtrandsiedlung Düren.

mittel

Strukturarme Ackerflur auf ebenem Relief und mit weiten Sichtbeziehungen; Vorbelastung durch Windräder südlich der Ortslage und Hochspannungsleitung im Westen. Lärmvorbelastung durch B 264. Im Südosten der Ortslage fungieren der Ellebach mit seiner Gehölzanpflanzung sowie der eingegrünte Sportplatz als Ortsrandeingrünung. Die Qualität des Landschaftsbildes ist gering.

Verlust strukturarmer vorbelasteter Ackerflächen in Ortsrandlage mit geringer Bedeutung für das Landschaftsbild. Verbauung eines eingegrünten Ortsrandes.

gering

Fußweg am Ortsrand entlang des Ellebachs und grüne Wege in der Feldflur mit Funktion für die wohnungsnahe Feierabenderholung.

Verlust von erschlossenen Ackerflächen in Ortsrandlage mit Bedeutung für die wohnungsnahe Feierabenderholung.

gering

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung Erhalt einer Freiraumzäsur zwischen Düren und Merzenich, Eingrünung des neuen Wohnstandortes zur freien Landschaft, Erhalt von Wegebeziehungen in die freie Landschaft.

!

48


TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

2

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Landschaft

Fazit Die Auswirkungen auf das Schutzgut Landschaft werden insbesondere aus Gründen des Freiraumschutzes (Zusammenwachsen der Ortslagen Merzenich und Düren) als mittel bewertet.

3

Boden Bestandsaufnahme

Typische Parabraunerde, großflächig mit besonderer Schutzwürdigkeit aufgrund der Bodenfruchtbarkeit, daneben GleyParabraunerde mit hoher Fruchtbarkeit; mäßige anthropogene Überprägung durch Ackernutzung, kleinflächig Versiegelung.

Prognose bei Durchführung der Planung

Bewertung

Durch Überbauung Zerstörung hauptsächlich bedingt naturnaher, aufgrund der Bodenfruchtbarkeit besonders schutzwürdiger Böden.

hoch

--

--

Altlasten: keine Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung

Vermeidung nicht notwendiger Bodenverdichtungen und Bodenversiegelungen. Fazit Aufgrund der großflächigen Betroffenheit von Böden, die wegen ihrer Bodenfruchtbarkeit durch den Geologischen Dienst NRW als besonders schutzwürdig bewertet werden, ist mit hohen Auswirkungen auf das Schutzgut zu rechnen.

4

Wasser Bestandsaufnahme

Prognose bei Durchführung der Planung

Bewertung

Der naturfern ausgeprägte Ellebach durchfließt am Ortsrand den Suchraum, das Entwicklungskonzept des WVER stellt hier Maßnahmen dar. Der westliche Überschwemmungsbereich liegt mit bis zu rd. 200 m im Suchraum.

Durch Heranrücken der Bebauung an den Ellebach wird die Verbindung zum Freiraum abgeschnitten, das Entwicklungspotenzial seiner ökologischen Funktionsfähigkeit wird eingeschränkt.

mittel bis hoch

Gebiet mit ergiebigen Grundwasservorkommen, Gesteinsbereich mit guter Filterwirkung und Lössüberdeckung, GW-Spiegel tieferer Schichten derzeit abgesenkt, GW-Spiegel des oberen Stockwerks geringfügig verändert, langfristig voraussichtlich in Bereichen des Ellebachs und darüber hinaus flurnahe Grundwasserabstände <3m (die vorhandenen Gleyböden weisen auf reliktischen Grundwassereinfluss hin). Lage in der WSG Zone IIIB. Laut MUNLV NRW (1991-2005) bereits Belastung des Grundwassers durch intensive landwirtschaftliche Nutzung.

Durch die Versiegelungen gehen Versickerungsflächen/ Flächen zur Grundwasserneubildung verloren. Durch dezentrale Versickerung kann dieser Effekt gemindert werden. Aufgrund der Lage in der Zone IIIB des Wasserschutzgebietes liegt eine erhöhte Sensibilität vor, jedoch wird bei ausschließlicher Wohnnutzung die Verschmutzungsgefährdung als wenig hoch eingeschätzt.

Bei Wahrung eines Abstands der Bebauung vom Ellebach und seinem Überschwemmungsbereich wird die Beeinträchtigung des Gewässers vermindert. mittel

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung Größtmöglicher Abstand der Bebauung zum Ellebach und seinem festgesetzten Überschwemmungsbereich (mind. Berücksichtigung der Flächen, die für das KNEF des Ellebachs vorgesehen sind), innerhalb dieses Puffers Initiierung einer möglichst natürlichen Entwicklung des Gewässers gem. Entwicklungskonzept des WVER und zur Verwirklichung der Ziele gem. WRRL. Realisierung dezentraler Versickerung. Vorsichtsmaßnahmen zum Grundwasserschutz in der Bauphase, keine Ansiedlung grundwassergefährdender Nutzungen. Überprüfung der Prognose lang-

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49


TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

4

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Wasser

fristig zu erwartender GW-Stände (bereichsweise Hinweis durch Gleyböden auf Grundwassereinfluss. Fazit Die Auswirkungen auf das Schutzgut werden insbesondere aufgrund des Heranrückens von Bebauung an den Ellebach und der damit verbundenen Sektion vom Freiraum insgesamt als mittel bis hoch bewertet. Bei einer Bebauung sind die Vorschriften des WSG zu beachten, Bebauung innerhalb von Überschwemmungsbereichen ist unzulässig.

5

Klima Bestandsaufnahme

Überwiegend Ackerflächen mit Freilandklima am Siedlungsrand, im Bereich bestehender Bebauung Übergang zum ungünstigeren Siedlungsklima.

Prognose bei Durchführung der Planung

Bewertung

Durch die Überbauung Verlust von Flächen mit Freilandklima und am Siedlungsrand, lokale Ausbreitung des ungünstigeren Siedlungsklimas.

gering

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung Durch Maßnahmen wie Durchgrünung können die Auswirkungen gemindert werden. Fazit Eine Inanspruchnahme der Flächen ist für das Schutzgut Klima mit geringen Auswirkungen verbunden.

6

Luft Bestandsaufnahme

Geringe lufthygienische Vorbelastung durch den Straßenverkehr entlang der B 264; aufgrund guter Austauschbedingungen jedoch keine Grenzwertüberschreitungen anzunehmen.

Prognose bei Durchführung der Planung

Bewertung

Geringfügig höhere Immissionsbelastung durch Zunahme von Abgasen aus dem Straßenverkehr und Hausbrand durch Neubebauung.

gering

Künftig höhere Luftschadstoffbelastungen durch deutliche Verkehrszunahme auf der B 264. Geringe Feinstaubbelastung durch Straßenverkehr sowie temporär durch die Landwirtschaft. Im Suchraumvergleich wahrscheinlich die geringste tagebaubedingte Feinstaubbelastung.

Keine Veränderung.

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung – Fazit Die Auswirkungen auf das Schutzgut Luft sind gering.

7

Mensch, Gesundheit des Menschen, Bevölkerung insgesamt Bestandsaufnahme

Prognose bei Durchführung der Planung

Bewertung

Die landwirtschaftlichen Flächen werden ackerbaulich genutzt.

Den betroffenen Landwirten wird ein landwirtschaftlicher Produktionsstandort entzogen.

gering

Heute sind tags keine empfindlichen Nutzungen von Lärm (Lärmschutz zur vorhandenen Bebauung entlang der B 264) oder Luftschadstoffen betroffen.

Für die Bewohner der angrenzenden Wohngebiete verschiebt sich der wohnungsnahe Freiraum.

gering

!

50


TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

7

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Mensch, Gesundheit des Menschen, Bevölkerung insgesamt

Künftig höhere Luftschadstoff- und Lärmbelastungen durch deutliche Verkehrszunahme auf der B 264.

Die neuen Wohngebäude rücken an die vorhandene B 264, das Gewerbegebiet sowie die Windenergieanlagen heran. Die gesetzlich vorgeschriebenen Innenraumpegel werden überall eingehalten.

mittel

Einhaltung der Orientierungswerte der DIN 18005 für Allgemeine Wohngebiete von • 55 DB(A) tags in Teilen • 45 dB(A) nachts in kleinem Bereich des Suchraums. Tags sind in einem Abstand von ca. 250 m zur B264 und ca. 60 m zur Dürener Straße ohne aktiven Lärmschutz nachteilige Auswirkungen im Außenbereich durch Überschreitung der Orientierungswerte der DIN 18005 zu erwarten. Gewerbliche Schallimmissionen mit Überschreitung der Nachtwerte für Allgemeine Wohngebiete nachts von 40 dB(A) der DIN 18005 und TA Lärm durch Windenergieanlagen und aus den Gewerbegebieten überlagern den gesamten Suchraum. Tags werden die Orientierungswerte überall eingehalten.

Nachteilige Auswirkungen aus dem Gewerbegebiet und von den Windenergieanlagen sind nur nachts und nur im Außenwohnbereich zu erwarten; die gesetzlich vorgeschriebenen Innenraumpegel werden überall eingehalten.

gering

Die Grenzwerte zum Schutz der menschlichen Gesundheit bzgl. Feinstaub und NO2 werden voraussichtlich eingehalten.

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung Zur Vermeidung nachteiliger Lärmbelastungen im Außenwohnraum werden passive sowie entlang der angrenzenden B 264 aktive Schallschutzmaßnahmen empfohlen. Fazit Unter Berücksichtung der erforderlichen Schallschutzmaßnahmen zum Schutz der menschlichen Gesundheit sind geringe bis mittlere nachteilige Auswirkungen auf den Menschen zu erwarten.

8

Kulturgüter und sonstige Sachgüter Bestandsaufnahme

Der Suchraum liegt zwischen 2 römischen Straßen (B 264, Valdersweg). Im Südosten des Suchraumes deuten Keramikscherben, Werkzeuge. etc. auf eine jungneolithische Siedlung hin. Archäologische Fundstellen innerhalb und außerhalb des Suchraumes weisen auf ein größeres römisches Landgut hin.

Prognose bei Durchführung der Planung Eine Bebauung im Bereich der vorhandenen archäologischen Fundstellen ist mit der zuständigen Behörde abzustimmen.

Bewertung hoch

Aufgrund der hohen Wahrscheinlichkeit, auf bedeutsame archäologische Funde zu treffen, sind nachteilige Auswirkungen durch Gründungsarbeiten möglich.

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung Im weiteren Verfahren sollte frühzeitig eine systematische Prospektion zur Ermittlung archäologischer Funde durchgeführt werden, um archäologisch wertvolle Relikte zu sichern und Beschädigungen oder Zerstörungen bei Bauarbeiten zu vermeiden. Fazit Aufgrund der hohen Wahrscheinlichkeit, auf bedeutsame archäologische Funde zu treffen, sind hohe Auswirkungen auf Kulturgüter möglich.

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TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Zusammenfassung der Umweltauswirkungen Aufgrund der Beanspruchung besonders schutzwürdiger Böden, der Beeinträchtigung des ökologischen Potenzials des Ellebaches durch dann beidseitige Bebauung, des gesicherten Vorkommens archäologischer Fundstellen und der Wahrscheinlichkeit, auf weitere bedeutsame archäologische Funde zu treffen, der Lärmvorbelastung sowie des Risikos des Zusammenwachsens der Ortslagen Düren und Merzenich werden die Auswirkungen insgesamt als mittel bis hoch bewertet. Dabei wird die Berücksichtigung der Empfehlungen vorausgesetzt. Darüber hinaus ist eine artenschutzrechtliche Prüfung und ggf. die Durchführung vorgezogener Ausgleichsmaßnahmen sowie die Durchführung von Schallschutzmaßnahmen erforderlich. Auch sind weitere archäologische Prospektionen erforderlich.

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TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

4.4

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Suchraum West

Fläche

95,25 ha

Regionalplan überwiegend: AFAB; randlich: ASB, GIB, Straße für den übergeordneten Verkehr, Schienenweg für den regionalen Verkehr Flächennutzungsplan überwiegend: Fläche für Landwirtschaft randlich: W, GE, Schienenweg Landschaftsplan kein LP vorliegend Schutzgebiete kleinflächig WSG Zone IIIB Fläche (m2)

Prognose Nullfall

Code

Biotoptyp

Fertigstellung B56n

1-1, 1-3

Voll- und teilversiegelte Flächen

2-2, 2-3

Straßenbegleitgrün

GW-Flurabstände langfristig >3 m

3-1

Acker

4-3, 4-4, 4-5

Gärten, öffentliche Grünflächen

5-1

Brachen

7-2

junge bis mittelalte Gehölze

38.794 2.886 857.560 47.194 711 5.370

Derzeitiger und prognostizierter Umweltzustand bei Durchführung der Planung 1

Tiere, Pflanzen, biologische Vielfalt Bestandsaufnahme

Prognose bei Durchführung der Planung

Bewertung

Ausgedehnte Ackerflächen zwischen westlichem Ortsrand und Stadtgebietsgrenze zu Düren mit geringer allgemeiner Bedeutung als Lebensraum. Am Ortsrand strukturarme Gärten. Im Südwesten lineare Gehölzstruktur mit Bedeutung als Rückzugsraum und Nahrungshabitat für die Fauna der umliegenden ausgeräumten Feldflur.

Verlust von intensiv genutzten Ackerflächen mit geringer allgemeiner Bedeutung als Lebensraum.

gering

Die Ackerflächen sind insgesamt als Habitat für Feldvogelarten geeignet. Die Grauammer wurde im Suchraum im Rahmen des Artenschutzmonitorings 2007 jedoch nicht nachgewiesen. Das nächste nachgewiesene Brutvorkommen befindet sich in mehr als 1 km Entfernung.

Verlust von Ackerflächen mit potenzieller Eignung als essenzielles Habitatelement für Feldvögel.

mittel

Merzenich befindet sich im potenziellen Verbreitungsgebiet für den Feldhamster. Die Ackerflächen überwiegend mit Bodenzahlen um 95, teilflächig 75 weisen eine gute Habitateignung für den Feldhamster auf. Nachweise des Feldhamsters für den Kreis Düren liegen gem. Artenschutzprogramm bisher nicht vor.

Verlust von Ackerflächen mit potenziell guter Eignung als essenzielles Habitatelement für den Feldhamster.

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artenschutzrechtliche Prüfung in der verbindlichen Bauleitplanung erforderlich mittel artenschutzrechtliche Prüfung in der verbindlichen Bauleitplanung erforderlich

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TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

1

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Tiere, Pflanzen, biologische Vielfalt

Die als LSG geschützten Teile des Dürener Vorbahnhofs schließen sich im Norden an den Suchraum an. Die Grenze des NSG befindet sich in 100 m Entfernung. Die Gebüsche und Offenflächen beherbergen verschiedene seltene Pflanzen und Tierarten (z.B. Nachtigall, Turteltaube, Blauflügelige Ödlandschrecke).

Wechselbeziehungen zwischen den Lebensräumen des Dürener Vorbahnhof und den umliegenden strukturarmen Ackerflächen sind für die meisten Arten nicht gegeben, so dass nicht vom Verlust von essenziellen Habitatfunktionen für die Arten des NSG ausgegangen wird.

mittel, ggf. hoch

Es besteht allerdings ein Risiko der Störung und damit Beeinträchtigung der seltenen Arten (z.B. durch Hauskatzen, Hunde, Ablagerung von Grasschnitt) durch Heranrücken von Bauflächen an das NSG.

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung Es wird empfohlen, auf eine Bebauung im nordwestlichen Teil des Suchraums zu verzichten um einen ausreichenden Schutzabstand zum NSG/ LSG zu wahren (zur Vermeidung von nachteiligen Wechselwirkungen zum NSG werden mindestens 100 m empfohlen). Erhalt der linearen Gehölzstruktur in der Feldflur. Es wird empfohlen, im Rahmen der verbindlichen Bauleitplanung eine Erfassung der Avifauna, eine Hamsterkartierung und eine artenschutzrechtliche Prüfung vorzunehmen. Fazit Eine bauliche Inanspruchnahme von intensiv genutzten Ackerflächen mit einer potenziellen Eignung als essenzielles Habitat für planungsrelevante Feldvogelarten sowie für den Feldhamster ist mit einem mittleren Risiko für das Schutzgut verbunden. In Abhängigkeit von den Ergebnissen der Kartierungen werden ggf. entsprechende funktional geeignete Ausgleichsmaßnahmen erforderlich. Soweit Flächen im Nahbereich des NSG / LSG beansprucht werden, besteht zusätzlich ein mittleres bis hohes Risiko der Störung der seltenen Arten (z.B. durch Hauskatzen, Hunde, Ablagerung von Grasschnitt).

2

Landschaft Bestandsaufnahme

Prognose bei Durchführung der Planung

Bewertung

Ca. 800 m breiter Freiraum zwischen den Ortslagen Merzenich und Düren.

Gefahr des Zusammenwachsens der Ortslagen Merzenich und der Stadt Düren

gering bis mittel

Strukturarme Ackerflur auf ebenem Relief zwischen dem westlichen Ortsrand von Merzenich und der Stadt Düren, weite Sichtbeziehungen.

Verlust von Ackerflächen in Ortsrandlage mit geringer Bedeutung für das Schutzgut.

gering

Landschaftsbild ist vorbelastet durch Hochspannungsleitung; der westliche Ortsrand von Merzenich ist nicht eingegrünt. Radweg entlang der Händelstraße. Die Qualität für das Schutzgut ist gering. Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung Eingrünung des neuen Wohnstandortes zur freien Landschaft. Erhalt eines ausreichend großen Freiraums zur Bebauung der Stadt Düren. Neuanlage von Wegebeziehungen entlang des neuen Ortsrandes sowie als Verbindung in die freie Landschaft. Fazit Unter Berücksichtigung der Empfehlungen sind mit der geplanten Wohnbebauung insgesamt geringe Auswirkungen auf das Schutzgut verbunden.

!

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TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

3

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Boden Bestandsaufnahme

Prognose bei Durchführung der Planung

Bewertung

Typische Parabraunerden und Kolluvien, großflächig mit besonderer Schutzwürdigkeit aufgrund der Bodenfruchtbarkeit; mäßige anthropogene Überprägung durch Ackernutzung, kleinflächig Versiegelung.

Durch Überbauung Zerstörung hauptsächlich bedingt naturnaher, aufgrund der Bodenfruchtbarkeit besonders schutzwürdiger Böden.

hoch

Altlasten: Am Südwestrand ragt die Fläche der ehem. Ziegeleigrube beim Gewerbegebiet Distelrath in den Suchraum, im Zentrum des Suchraums liegt eine kleinflächige Geschützstellung aus dem 2. Weltkrieg mit evtl. erhöhtem Kampfmittelrisiko.

Altlast vermutlich nicht von Bebauung betroffen, wg. Geschützstellung mglw. Kampfmittelräumung erforderlich.

ggf. Prüfung in der verbindlichen Bauleitplanung erforderlich

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung Untersuchung der ehem. Geschützstellung empfohlen. Vermeidung nicht notwendiger Bodenverdichtungen und Bodenversiegelungen. Fazit Aufgrund der großflächigen Betroffenheit von Böden, die wegen ihrer Bodenfruchtbarkeit durch den Geologischen Dienst NRW als besonders schutzwürdig bewertet werden, ist mit hohen Auswirkungen auf das Schutzgut zu rechnen. Evtl. ist eine Kampfmittelräumung erforderlich.

4

Wasser Bestandsaufnahme

Prognose bei Durchführung der Planung

Keine Oberflächengewässer vorhanden.

Keine Auswirkungen

Gebiet mit ergiebigen Grundwasservorkommen, Gesteinsbereich mit guter Filterwirkung und Lössüberdeckung, GW-Spiegel tieferer Schichten derzeit abgesenkt, GW-Spiegel des oberen Stockwerks geringfügig verändert, langfristig voraussichtlich GW-Flurabstände > 3 m. Randlich: Hineinragen in die WSG Zone IIIB (hier bestehende Bebauung von Merzenich). Laut MUNLV NRW (1991-2005) bereits Belastung des Grundwassers durch intensive landwirtschaftliche Nutzung.

Durch die Versiegelungen gehen Versickerungsflächen/ Flächen zur Grundwasserneubildung verloren. Durch dezentrale Versickerung kann dieser Effekt gemindert werden. Der Bereich innerhalb des WSG ist von der neuen Bebauung nicht betroffen.

Bewertung – gering

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung Realisierung dezentraler Versickerung. Fazit Da das Grundwasser in diesem Bereich überwiegend eine geringe Empfindlichkeit aufweist und kein Oberflächengewässer betroffen ist, sind bei Berücksichtigung der Empfehlungen insgesamt nur geringfügige Auswirkungen auf das Schutzgut zu erwarten.

5

Klima Bestandsaufnahme

Überwiegend Ackerflächen mit Freilandklima am Siedlungsrand, im Bereich bestehender Bebauung Übergang zum ungünstigeren Siedlungsklima.

Prognose bei Durchführung der Planung Durch die Überbauung Verlust von Flächen mit Freilandklima am Siedlungsrand, lokale Ausbreitung des ungünstigeren Siedlungsklimas.

Bewertung gering

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung

!

55


TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

5

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Klima

Durch Maßnahmen wie Durchgrünung können die Auswirkungen gemindert werden. Fazit Eine Inanspruchnahme der Flächen ist für das Schutzgut Klima mit geringen Auswirkungen verbunden.

6

Luft Bestandsaufnahme

Prognose bei Durchführung der Planung

Bewertung

Geringe temporäre Feinstaubbelastung durch die Landwirtschaft.

Geringfügig höhere Immissionsbelastung durch Zunahme von Abgasen aus dem Straßenverkehr und Hausbrand durch Neubebauung.

gering

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung – Fazit In diesem Suchraum sind die geringsten lufthygienischen Vorbelastungen zu erwarten, da keine Hauptverkehrsstraßen den Raum tangieren und ein großer Abstand zum Tagebau besteht. Die Auswirkungen auf das Schutzgut Luft sind gering.

7

Mensch, Gesundheit des Menschen, Bevölkerung insgesamt Bestandsaufnahme

Prognose bei Durchführung der Planung

Bewertung

Die landwirtschaftlichen Flächen werden ackerbaulich genutzt.

Den betroffenen Landwirten wird ein landwirtschaftlicher Produktionsstandort entzogen.

gering

Heute sind keine empfindlichen Nutzungen von Lärm, Luftschadstoffen oder Gerüchen betroffen.

Für die Bewohner der angrenzenden Wohngebiete verschiebt sich der wohnungsnahe Freiraum. Auch sind – abhängig von der Erschließung des Neubaugebietes –nachteilige Auswirkungen durch zusätzliche Erschließungsverkehre zu erwarten.

gering

Die neuen Wohngebäude rücken an die vorhandene Bahnstrecke sowie die künftige B56n heran. Die gesetzlich vorgeschriebenen Innenraumpegel werden überall eingehalten.

gering

Überschreitung der Orientierungswerte der DIN 18005 von 45 dB(A) nachts durch Schienenverkehr im westlichen Teil des Suchraums. Künftig höhere Luftschadstoff- und Lärmbelastung durch Neubau der B56n.

Einhaltung der Orientierungswerte der DIN 18005 für Allgemeine Wohngebiete von • 55 DB(A) tags in überwiegenden Teilen • 45 dB(A) nachts in einem kleinen Bereich des Suchraums. Tags sind in einem Abstand von ca. 130 m zur B56n und ca. 60 m zur Dürener Straße ohne aktiven Lärmschutz nachteilige Auswirkungen im Außenbereich durch Überschreitung der Orientierungswerte der DIN 18005 zu erwarten. Gewerbliche Schallimmissionen des Gewerbegebietes 'Distelrather Straße' reichen in den Suchraum. Tags werden die Orientierungswerte der DIN 18005 überall eingehalten. Nachts werden im südlichen Bereich die Orientierungswerte von 40 dB(A) für Allgemeine Wohngebiete überschritten.

!

Nachteilige Auswirkungen aus dem Gewerbegebiet sind im Süden nur nachts bei durchgehender Gewerbetätigkeit im Außenwohnbereich zu erwarten; dies kann durch Schallschutzmaßnahmen und Gebäudestellungen vermindert werden. Die gesetzlich vorgeschriebenen Innenraumpegel werden überall

gering

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TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

7

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Mensch, Gesundheit des Menschen, Bevölkerung insgesamt eingehalten.

Eine Hochspannungsleitung 380kV verläuft parallel zur vorhandenen Baugrenze im Osten des Suchraumes.

Zur Hochspannungsleitung ist ein Abstand von 40 m erforderlich.

hoch

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung Zur Vermeidung nachteiliger Lärmbelastungen im Außenwohnraum werden parallel zur Bahntrasse, entlang der B56n sowie zum Gewerbegebiet ein größerer Abstand oder aktive Schallschutzmaßnahmen empfohlen. Der Abstand zur Hochspannungsleitung ist zwingend einzuhalten. Fazit Unter Berücksichtung der empfohlenen Schallschutzmaßnahmen zum Schutz der menschlichen Gesundheit sind geringe nachteilige Auswirkungen auf den Menschen zu erwarten.

8

Kulturgüter und sonstige Sachgüter Bestandsaufnahme

Im Osten des Suchraumes liegen konkrete Hinweise auf jungsteinzeitliche und römische Siedlungen vor. Die jungsteinzeitliche erstreckt sich vermutlich noch weiter über die bekannten Funde hinaus. Im Norden und Westen des Suchraums weisen römische Ziegel- und Scherbenkonzentrationen auf ein römisches Landgut hin, das sich vermutlich noch weiter nach Westen hin fortsetzt.

Prognose bei Durchführung der Planung Eine Bebauung im Bereich der vorhandenen archäologischen Fundstellen ist mit der zuständigen Behörde abzustimmen.

Bewertung hoch

Aufgrund der hohen Wahrscheinlichkeit, auf bedeutsame archäologische Funde zu treffen, sind nachteilige Auswirkungen durch Gründungsarbeiten möglich.

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung Im weiteren Verfahren sollte frühzeitig eine systematische Prospektion zur Ermittlung archäologischer Funde durchgeführt werden, um archäologisch wertvolle Relikte zu sichern und Beschädigungen oder Zerstörungen bei Bauarbeiten zu vermeiden. Fazit Aufgrund der hohen Wahrscheinlichkeit, auf bedeutsame archäologische Funde zu treffen, sind hohe Auswirkungen auf Kulturgüter möglich.

Zusammenfassung der Umweltauswirkungen Aufgrund der Beanspruchung besonders schutzwürdiger Böden und dem gesicherten Vorkommen archäologischer Fundstellen werden die Auswirkungen unter Berücksichtigung der Empfehlungen insgesamt als mittel bewertet. Dies gilt vorbehaltlich der Vermeidung eines artenschutzrechtlichen Konflikts sowie der Durchführung von Schallschutzmaßnahmen. Auch ist ggf. eine Kampfmitteluntersuchung erforderlich. Aufgrund der hohen Wahrscheinlichkeit, auf bedeutsame archäologische Funde zu treffen, sind hohe Auswirkungen auf Kulturgüter möglich.

!

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TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

4.5

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Suchraum Nord

Fläche

59,19 ha

Regionalplan überwiegend: AFAB; randlich: BSL, ASB Flächennutzungsplan überwiegend: Fläche für Landwirtschaft randlich: W, M Landschaftsplan Im Süden kein LP; im Norden Entwicklungsziel 2, kleinfl. 8; Maßnahme 5.1-211: Anlage einer Gehölzreihe am nordwestlichen Ortsrand; Zweckbestimmung für Brachflächen 'natürliche Entwicklung' Schutzgebiete Fläche (m2)

WSG Zone IIIB; randlich LSG, angrenzend NSG

Code

Biotoptyp

Prognose Nullfall

1-1, 1-3

Voll- und teilversiegelte Flächen

kürzester Abstand zur A 4n ca. 1.000 m und zum Tagebaurand ca. 1.500 m

3-1

Acker

4-3, 4-5

Gärten, öffentliche Grünflächen

21.789

langfristig flurnahe Grundwasserstände <3 m

5-1

Brachen

16.907

7-2, 7-4,

junge bis mittelalte Gehölze

25.019

7-3P

alte Gehölze

1.716

8-1

Ellebach

3.715

20.718 502.064

Derzeitiger und prognostizierter Umweltzustand bei Durchführung der Planung 1

Tiere, Pflanzen, biologische Vielfalt Bestandsaufnahme

Prognose bei Durchführung der Planung

Überwiegend intensiv ackerbaulich genutzte Verlust von intensiv genutzten Ackerflächen Freiflächen am Ortsrand von Merzenich. In der mit geringer allgemeiner Bedeutung als LeAckerflur befindet sich eine kleine mittelalte bensraum. Gehölzgruppe mit heimischen Gehölzarten.

Bewertung gering

Der naturferne und begradigte Ellebach durchquert den Suchraum. Er wird im nördlichen Abschnitt einseitig von alten, landschaftsbildprägenden Hybridpappeln im südlichen Abschnitt von mittelalten, teils lückigen Laubgehölzen begleitet. Der Bach hat derzeit eine geringe Lebensraumqualität, als Gewässer bietet er langfristig jedoch das standortörtliche Potenzial für die Wiederherstellung von wertvolleren Fließgewässerlebensräumen. Die Pappelreihe eignet sich als Leitstruktur für Fledermäuse.

Beidseitiges heranrücken von Bauflächen an bzw. in die Aue des Ellebachs. (Teil-) Verlust des räumlichen Zusammenhangs von Gewässerlebensraum und Freiraum.

mittel bis hoch

Insbesondere die Ackerflächen westlich des Ellebachs sind als Habitat für Feldvogelarten geeignet. Die Grauammer wurde im Suchraum im Rahmen des Artenschutzmonitorings 2007 jedoch nicht nachgewiesen. Das nächste nachgewiesene Brutvorkommen befindet sich in mehr als 1 km Entfernung.

Verlust von Ackerflächen mit potenzieller Eignung als essenzielles Habitatelement für Feldvögel.

mittel

!

artenschutzrechtliche Prüfung in der verbindlichen Bauleitplanung erforderlich

58


TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

1

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Tiere, Pflanzen, biologische Vielfalt

Merzenich befindet sich im potenziellen Verbreitungsgebiet für den Feldhamster. Die Ackerflächen überwiegend mit Bodenzahlen über 75 weisen soweit ohne Grundwassereinfluss eine Habitateignung für den Feldhamster auf. Nachweise des Feldhamsters für den Kreis Düren liegen gem. Artenschutzprogramm bisher nicht vor.

Verlust von Ackerflächen die teilweise eine potenzielle Eignung als essenzielles Habitatelement für den Feldhamster haben.

Die als LSG geschützten Flächen sowie festgesetzte Ausgleichsflächen und Brachflächen gem. Landschaftsplan (gehölzbestandene Bahnböschungen entlang der Bahnlinie) liegen kleinflächig innerhalb des Suchraums.

Es wir davon ausgegangen, dass eine direkte bauliche Inanspruchnahme dieser zum Teil geschützten Brachen und Gehölzbereiche nicht vorgesehen ist. Dies wäre mit sehr hohen Auswirkungen verbunden.

Weitere als LSG oder NSG geschützte Flächen schließen sich im Nordwesten direkt an den Suchraum an. Die Gebüsche und Offenflächen im NSG/ LSG beherbergen verschiedene seltene Pflanzen und Tierarten (z.B. Nachtigall, Turteltaube, Blauflügelige Ödlandschrecke) und haben insofern eine sehr hohe Bedeutung.

Wechselbeziehungen zwischen den Lebensräumen im NSG/ LSG und den umliegenden strukturarmen Ackerflächen sind für die meisten Arten nicht gegeben, so dass bei einer Inanspruchnahme der Ackerflächen nicht vom Verlust von essenziellen Habitatfunktionen für die Arten des NSG/ LSG ausgegangen wird.

mittel artenschutzrechtliche Prüfung in der verbindlichen Bauleitplanung erforderlich

mittel, ggf. hoch

Es verbleibt allerdings ein Risiko der Störung und damit Beeinträchtigung der seltenen Arten (z.B. durch Hauskatzen, Hunde, Ablagerung von Grasschnitt) durch Heranrücken von Bauflächen an das NSG.

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung Es wird davon ausgegangen, dass eine direkte bauliche Inanspruchnahme der zum Teil geschützten Brachen und Gehölzbereiche entlang der Bahnlinie nicht vorgesehen ist. Es wird empfohlen, auf ein Heranrücken der geplanten Bebauung an diese Strukturen zu verzichten und einen ausreichenden Schutzabstand zu waren (empfohlen werden mindestens 100 m). Weiterhin wird empfohlen, Schutzabstände zum Ellebach und seiner Aue einzuhalten. Es wird empfohlen, im Rahmen der verbindlichen Bauleitplanung eine Kartierung der Avifauna und ggf. eine Hamsterkartierung sowie eine artenschutzrechtliche Prüfung vorzunehmen. Fazit Eine bauliche Inanspruchnahme der Ackerflächen im Umfeld des Ellebachs und im Umfeld der hochwertigen und zum Teil unter Schutz stehenden Lebensräume des Bahndammes ist mit einem mittleren bis ggf. hohen Risiken für das Schutzgut verbunden. Soweit Flächen im Nahbereich des NSG/ LSG beansprucht werden, besteht ein Risiko der Störung der seltenen Arten (z.B. durch Hauskatzen, Hunde, Ablagerung von Grasschnitt). Eine direkte Inanspruchnahme dieser Lebensräume ist nicht vorgesehen. Die Ackerflächen außerhalb der Aue insbesondere westlich des Ellebachs haben eine potenzielle Eignung als essenzielles Habitat für planungsrelevante Feldvogelarten sowie ggf. für den Feldhamster. Ihre bauliche Inanspruchnahme ist mit einem mittleren Risiko verbunden. In Abhängigkeit von den Ergebnissen der Kartierungen können ggf. funktional geeignete Ausgleichsmaßnahmen erforderlich werden.

!

59


TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

2

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Landschaft Bestandsaufnahme

Prognose bei Durchführung der Planung

Bewertung

Ackerflur auf ebenem Relief am nordwestlichen Ortsrand von Merzenich. Landschaftsbildprägend sind eine alte Pappelreihe am Ellebach und eine Gehölzgruppe in der Ackerflur im Suchraum sowie die Gehölze auf den Böschungsbereichen der angrenzenden Bahnlinie. Das Landschaftsbild ist vorbelastet durch eine Hochspannungsleitung. Verlärmungen ergeben sich durch die Bahnlinie.

Verlust von Ackerflächen in Ortsrandlage mit mittlerer Bedeutung für das Landschaftsbild und mittlerer Bedeutung für die Naherholung.

mittel

Veränderte Blickbeziehungen auf die landschaftsbildprägenden Gehölze am Ellebach und am Bahndamm. Beeinträchtigung von Wegebeziehungen durch heranrückende Bebauung.

Mit Ausnahme des Friedhofs ist der Ortsrand von Merzenich hier nur mäßig eingegrünt. Der Suchraum ist von Fuß- und Radwegen durchzogen: überregionale Radwegeverbindungen zur Bahnunterführung zwischen Arnoldsweiler und Kerpen, Fußweg am Ellebach. Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung Erhalt bestehender bzw. Neuanlage von Rad- und Fußwegeverbindungen. Erhalt der landschaftsbildprägenden Gehölze am Ellebach, Eingrünung des neu entstehenden Ortsrandes. Fazit Unter Berücksichtigung der Empfehlungen sind mit der geplanten Wohnbebauung insgesamt mittlere Auswirkungen auf das Schutzgut verbunden.

3

Boden Bestandsaufnahme

Prognose bei Durchführung der Planung

Bewertung

Überwiegend Gley-Parabraunerde mit hoher Bodenfruchtbarkeit, im Osten typische Parabraunerde mit besonders hoher Bodenfruchtbarkeit; mäßige anthropogene Überprägung durch Ackernutzung, kleinflächig Versiegelung.

Durch Überbauung Zerstörung hauptsächlich bedingt naturnaher, im Osten aufgrund der Bodenfruchtbarkeit besonders schutzwürdiger Böden.

mittel bis hoch

Altlasten: keine;

Wegen Geschützstellung mglw. Kampfmittelräumung erforderlich; bei Sanierungsbedarf der Verfüllung mglw. kleinflächige Verbesserung für das Schutzgut Boden.

Prüfung in der. verbindlichen Bauleitplanung erforderlich

Geschützstellung aus dem 2. Weltkrieg mit erhöhtem Kampfmittelrisiko und kleinflächige Verfüllung, Umweltrelevanz von der UBB des Kreises Düren als gering eingestuft.

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung Untersuchung zur Ermittlung eines möglichen Gefährdungspotenzials der Verfüllung und Untersuchung der ehem. Geschützstellung empfohlen. Vermeidung nicht notwendiger Bodenverdichtungen und Bodenversiegelungen. Fazit Aufgrund der Betroffenheit von fruchtbaren Böden, die bereichsweise aufgrund ihrer Bodenfruchtbarkeit durch den Geologischen Dienst NRW als besonders schutzwürdig bewertet werden, ist mit mittleren bis hohen Auswirkungen auf das Schutzgut zu rechnen. Evtl. ist eine Kampfmittelräumung erforderlich.

!

60


TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

4

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Wasser Bestandsaufnahme

Prognose bei Durchführung der Planung

Bewertung

Der naturfern ausgeprägte Ellebach durchfließt die Ackerflur nordwestlich der Ortslage, das Entwicklungskonzept des WVER stellt hier Maßnahmen dar, der westl. Überschwemmungsbereich HQ100 liegt mit bis zu rd. 100 m im Suchraum.

Durch Heranrücken der Bebauung an den Ellebach wird die Verbindung zum Freiraum abgeschnitten, das Entwicklungspotenzial seiner ökologischen Funktionsfähigkeit wird eingeschränkt.

mittel bis hoch

Gebiet mit ergiebigen Grundwasservorkommen, Gesteinsbereich mit guter Filterwirkung und Lössüberdeckung. GW-Spiegel tieferer Schichten derzeit abgesenkt, GW-Spiegel des oberen Stockwerks geringfügig verändert, langfristig voraussichtlich in Bereichen des Überschwemmungsbereichs des Ellebachs und darüber hinaus flurnahe Grundwasserstände <3 m durch natürliche GWSchwankungen, dadurch erhöhte Sensibilität und Bedeutung im Wasserhaushalt. Lage in der WSG Zone IIIB. Laut MUNLV NRW (1991-2005) bereits Belastung des Grundwassers durch intensive landwirtschaftliche Nutzung.

Durch die Versiegelungen gehen Versickerungsflächen/ Flächen zur Grundwasserneubildung verloren. Durch dezentrale Versickerung kann dieser Effekt gemindert werden. Erhöhtes Verschmutzungsrisiko für das Grundwasser, auch innerhalb des WSG, durch langfristig flurnah prognostizierte Grundwasserstände.

Bei Wahrung eines Abstands der Bebauung vom Ellebach und seinem Überschwemmungsbereich wird die Beeinträchtigung des Gewässers vermindert. mittel bis hoch

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung Größtmöglicher Abstand von Bebauung zum Ellebach (mind. Berücksichtigung der Flächen, die für das Konzept für die naturnahe Entwicklung des Ellebachs vorgesehen sind), innerhalb dieses Puffers Initiierung einer möglichst natürlichen Entwicklung des Gewässers gem. Entwicklungskonzept des WVER. Zur Vermeidung des Risikos einer Verschmutzung des Grundwassers sowie zur Vermeidung von Fließhindernissen im Grundwasserkörper innerhalb des WSG wird eine Bebauung innerhalb langfristig prognostizierter flurnaher Grundwasserstände nicht empfohlen, dies betrifft einen großen Teil des Suchraums. Ein Teilbereich liegt außerdem im Extremhochwasser-Bereich HQ1000. Aus bautechnischer Sicht ist eine Bebauung dieser Bereiche grundsätzlich unter Berücksichtigung besonderer technischer Maßnahmen möglich. Bei einer Bebauung innerhalb des WSG und des Extremhochwasser-Bereichs sind Vorsichtsmaßnahmen zum Grundwasserschutz zu berücksichtigen; keine Ansiedlung grundwassergefährdender Nutzungen. Fazit Die Auswirkungen auf das Schutzgut werden aufgrund des Heranrückens von Bebauung an den Ellebach und der damit verbundenen Sektion vom Freiland sowie wg. der langfristig flurnahen Grundwasserstände insgesamt als mittel bis hoch bewertet. Bei einer Bebauung sind die Vorschriften des WSG und entsprechende besondere Maßnahmen bauseits zu beachten. Dies gilt auch für die Bereiche mit hohem Grundwasser und Extremhochwasser. Bebauung innerhalb des Überschwemmungsbereiches ist unzulässig.

5

Klima Bestandsaufnahme

Überwiegend Ackerflächen mit Freilandklima am Siedlungsrand, im Bereich bestehender Bebauung Übergang zum ungünstigeren Siedlungsklima.

Prognose bei Durchführung der Planung Durch die Überbauung Verlust von Flächen mit Freilandklima am Siedlungsrand, lokale Ausbreitung des ungünstigeren Siedlungsklimas.

Bewertung gering

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung Durch Maßnahmen wie Durchgrünung können die Auswirkungen gemindert werden.

!

61


TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

5

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Klima

Fazit Eine Inanspruchnahme der Flächen ist für das Schutzgut Klima mit geringen Auswirkungen verbunden.

6

Luft Bestandsaufnahme

Prognose bei Durchführung der Planung

Bewertung

Geringe temporäre Feinstaubbelastung durch die Landwirtschaft. Keine vermehrten Feinstaubbelastungen aus dem bis ca. 1,5 km heranrückenden Tagebau zu erwarten, da Feinstaubimmissionen im Wesentlichen durch die ortsfesten technischen Anlagen verursacht werden. Die zulässigen Grenzwerte werden eingehalten.

Geringfügig höhere Immissionsbelastung durch Zunahme von Abgasen aus dem Straßenverkehr und Hausbrand durch Neubebauung.

gering

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung – Fazit Die Auswirkungen auf das Schutzgut Luft sind gering.

7

Mensch, Gesundheit des Menschen, Bevölkerung insgesamt Bestandsaufnahme

Prognose bei Durchführung der Planung

Bewertung

Die landwirtschaftlichen Flächen werden ackerbaulich genutzt.

Den betroffenen Landwirten wird ein landwirtschaftlicher Produktionsstandort entzogen.

gering

Heute sind keine empfindlichen Nutzungen von Lärm, Luftschadstoffen oder Gerüchen betroffen.

Für die Bewohner der angrenzenden Wohngebiete verschiebt sich der wohnungsnahe Freiraum. Auch sind – abhängig von der Erschließung des Neubaugebietes –nachteilige Auswirkungen durch zusätzliche Erschließungsverkehre zu erwarten.

gering

Überschreitung der Orientierungswerte der DIN 18005 von 45 dB(A) nachts durch Schienenverkehr im gesamten Suchraum.

Die neuen Wohngebäude rücken an die vorhandene Bahnstrecke heran.

gering – mittel

Die gesetzlich vorgeschriebenen Innenraumpegel werden überall eingehalten. Einhaltung der Orientierungswerte der DIN 18005 für Allgemeine Wohngebiete von • 55 DB(A) tags im südlichen Teil des Suchraums. Überschreitung der Orientierungswerte von • 45 dB(A) nachts im gesamten Suchraum. Tags sind in einem Abstandskorridor von ca. 270 m zur Bahntrasse ohne aktiven Lärmschutz nachteilige Auswirkungen im Außenbereich durch Überschreitung der Orientierungswerte der DIN 18005 zu erwarten.

Gewerbliche Schallimmissionen mit Überschreitung der Orientierungswerte der DIN 18005 für Allgemeine Wohngebiete nachts von 40 dB(A) aus dem Gewerbegebiet im Südosten. Tags werden die Orientierungswerte überall eingehalten.

!

Nachteilige Auswirkungen aus dem Gewerbegebiet sind nur nachts bei durchgehender Gewerbetätigkeit und nur im Außenwohnbereich zu erwarten; die gesetzlich vorgeschriebenen Innenraumpegel werden überall eingehalten.

gering

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TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

7

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Mensch, Gesundheit des Menschen, Bevölkerung insgesamt

Eine Hochspannungsleitung 380 KV verläuft im Westen des Suchraums.

Zur Hochspannungsleitung ist ein Abstand von 40 m erforderlich.

hoch

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung Zur Vermeidung nachteiliger Lärmbelastungen im Außenwohnbereich werden ein größerer Abstand zur Bahntrasse oder aktive Schallschutzmaßnahmen empfohlen. Der Abstand zur Hochspannungsleitung ist zwingend einzuhalten. Fazit Unter Berücksichtung der empfohlenen Schallschutzmaßnahmen sind geringe nachteilige Auswirkungen auf den Menschen zu erwarten.

8

Kulturgüter und sonstige Sachgüter Bestandsaufnahme

Prognose bei Durchführung der Planung

Im Suchraum liegen zahlreiche Hinweise auf vorgeschichtliche bis mittelalterliche Siedlungsstellen vor:

Eine Bebauung im Bereich der vorhandenen archäologischen Fundstellen ist mit der zuständigen Behörde abzustimmen.

Oberflächenfunde im Bereich des Ellebachs geben einen eindeutigen Hinweis auf ein römisches Landgut aus dem 2. – 4. Jhdt. Auf einem Luftbild sind rechteckige Gebäudestrukturen erkennbar, bei denen es sich ebenfalls um ein Landgut handeln könnte, eine Abgrenzung des Bodendenkmals kann aufgrund des jetzigen Kenntnisstandes nicht erfolgen. Südwestlich des Suchraums befand sich eine mittelalterliche Burganlage (Flurbezeichnung 'in der alten Burg'). Im Westen des Suchraums wurden jungsteinzeitliche Siedlungsbefunde gefunden, die Hinweis auf eine Siedlung dieser Zeitstellung hier geben. Darüber hinaus können alte Bachverläufe des Ellebachs wertvolle archäologische Funde beherbergen.

Aufgrund der hohen Wahrscheinlichkeit, auf bedeutsame archäologische Funde zu treffen, sind nachteilige Auswirkungen durch Gründungsarbeiten nicht auszuschließen.

Bewertung hoch

Empfehlungen zur Vermeidung und Verminderung Im weiteren Verfahren sollte frühzeitig eine systematische Prospektion zur Ermittlung archäologischer Funde durchgeführt werden, um archäologisch wertvolle Relikte zu sichern und Beschädigungen oder Zerstörungen bei Bauarbeiten zu vermeiden. Fazit Aufgrund der hohen Wahrscheinlichkeit, auf bedeutsame archäologische Funde zu treffen, sind hohe Auswirkungen auf Kulturgüter möglich.

Zusammenfassung der Umweltauswirkungen Aufgrund der Beeinträchtigung des ökologischen Potenzials des Ellebaches durch dann beidseitige Bebauung, der Lage in einem Bereich langfristig flurnaher Grundwasserstände, das Heranrücken an NSG und LSG, der bereichsweisen Beanspruchung von besonders schutzwürdigen Böden und dem gesicherten Vorkommen archäologischer Fundstellen und der Wahrscheinlichkeit, auf weitere bedeutsame archäologische Funde zu treffen, werden die Auswirkungen in Abhängigkeit von der Art der Realisierung und der getroffen Schutzabstände insgesamt als mittel bis hoch bewertet. Darüber hinaus ist eine artenschutzrechtliche Prüfung und ggf. die Durchführung vorgezogener Ausgleichsmaßnahmen erforderlich. Auch sind Lärmschutzmaßnahmen im Nahbereich der Bahntrasse sowie weitere archäologische Prospektionen und ggf. eine Kampfmitteluntersuchung erforderlich.

!

63


TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

5.

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Zusammenfassung und vergleichende Darstellung der Suchräume (Anhang 1 RL 2001/ 42/ EG c), f), g), i), j))

In der folgenden Tabelle werden als zusammenfassendes Zwischenergebnis der Umweltprüfung unter Berücksichtigung der in Anhang 1 RL 2001/ 42 /EG aufgeführten Aspekte die zu erwartenden Auswirkungen der Realisierung der Umsiedlung auf die betrachteten Schutzgüter für die fünf Suchräume bewertend gegenübergestellt. Die Bewertung der Auswirkungen erfolgt dabei mittels einer vierstufigen Skala von 1 bis 4 bzw. gering bis sehr hoch. Die Bewertung der Einzelaspekte wurde unter der Annahme vorgenommen, dass rechtliche Restriktionen (z. B. innerhalb von WSG) eingehalten, artenschutzrechtliche Konflikte vermieden, angemessene Lärmschutzmaßnahmen getroffen und auch die sonstigen Empfehlungen beachtet wurden. Flora, Fauna

Schutzgut/ Teilschutzgut

Suchraum Nordost Ost Süd West Nord

Boden

Wasser

Klima

nat. Bodenfunktionen

Altlasten/ sonst. Aspekte

Oberflächenwasser

Grundwasser

Schutzgebiete

Biotoptypen

Artenschutz

Biokat./ Schutzgebiete d. LP

-

1 1 2-3 1

2/P 1-2 / P 2/P 2/P

2-3

1-2 1 2 1

2 2 3 3

P P

1 1 2-3/ R -

1 1 2/ R 1

1 1 1 1

2-3

2/P

2-3

2

2-3

P

2-3/ R

3/ R

1

WSG IIIB (WSG IIIB) WSG IIIB (WSG IIIA)

Erläuterung der Tabelle - = nicht betroffen/ nicht relevant 1 = gering 2 = mittel 3 = hoch 4 = sehr hoch

!

Landschaft

R

Luft

Mensch

Kulturund Sachgüter

Verkehrslärm

Sonst. Aspekte

1 1 1 1

1 1-2 1-2 1

1/ R 1 1/ R 1/ R

3 3 3 3

1

1

1/ R

3

=

Restriktionen durch WSG, Überschwemmungsbereich oder Abstandsregelungen für Gas- und Hochspannungsleitungen, Tierhaltung P = Prüfung in der verbindlichen Bauleitplanung erforderlich WSG = Wasserschutzgebiet, (WSG) = randlich

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TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

6.

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Empfehlungen zur Lage der Umsiedlungsstandorte innerhalb der Suchräume

Abgeleitet aus den herausgearbeiteten Wertelementen und Empfindlichkeiten der einzelnen Schutzgüter und unter Berücksichtigung rechtlicher Maßgaben werden im Folgenden Empfehlungen zur Ansiedlung des 15 bis 20 ha großen Umsiedlungsstandortes innerhalb der betrachteten Suchräume gegeben. Im Unterschied zur fachlich-rechtlichen Bewertung der Schutzgüter in den Dossiers werden für die Auswahl eines Umsiedlungsstandortes Schutzansprüche eines ruhigen Wohngebiets höher gewichtet, als rechtlich erforderlich, weil davon ausgegangen werden muss, dass gerade dieser Aspekt für viele Umsiedler besonders entscheidungserheblich ist. In allen Suchräumen stehen fast flächendeckend Böden mit hoher Bodenfruchtbarkeit an. Insbesondere innerhalb der Suchräume West und Süd handelt es sich darüber hinaus um Böden, die gem. der Bewertung des Geologischen Dienstes NRW besonders schutzwürdig sind (höchste Bewertungsstufe). Da diese Böden im betroffenen Naturraum vergleichsweise häufig vorkommen und die Bewertung der Bodenfruchtbarkeit schwerpunktmäßig auf den ackerbaulichen Ertrag abzielt, wird dieses Kriterium bei der Bewertung geeigneter Ansiedlungsflächen nicht berücksichtigt. In allen Suchräumen sind archäologische Funde wahrscheinlich. Im weiteren Verfahren sollte frühzeitig eine systematische Prospektion durchgeführt werden, um archäologisch wertvolle Relikte zu sichern und Beschädigungen oder Zerstörungen bei Bauarbeiten zu vermeiden. Insgesamt werden 5 Bewertungsstufen gewählt, in denen jeweils unterschiedliche Kriterien maßgeblich sind: Ausschlussflächen Flächen mit hohen rechtlichen Auflagen und Restriktionen. Diese Flächen werden für eine neue Bebauung ausgeschlossen. •

bereits bebaute Gebiete

Anbauverbotszone von 20 m zu Bundesstraßen

Überschwemmungsbereich (HQ100) des Ellebaches

Abstandsflächen von 40 m zur Hochspannungsleitung und 4 m bzw. 10 m zur Gasleitung

Restriktionsflächen Flächen, auf denen bei einer Neubebauung hohe nachteilige Auswirkungen auf die Umwelt und den Menschen zu erwarten sind. Solche Restriktionsflächen sind für einen Umsiedlungsstandort nicht geeignet. •

höherwertige Biotoptypen

Bereiche im Abstand zu mglw. geruchsintensiven landwirtschaftlichen Betrieben (rd. 200 m)

Bereiche im Abstand zum NSG und LSG von mind. 100 m

Freiraumkorridor zur Bebauung Richtung Düren

!

65


TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Bedingte Eignungsflächen Flächen mit verbleibenden Auswirkungen auf die Umwelt und den Menschen, die durch verschiedene Maßnahmen (siehe Klammern) im Zuge der Bebauung vermindert bzw. überwunden werden können. •

Grundwasserflurabstand um die 3 m (z.B. Ausschluss von Tiefgeschossen von mehr als ca. 3 m unter Geländeoberkante (Wasserschutz) oder Bau von weißen Wannen (Gebäudeschutz))

Extremhochwasser-Bereich HQ1000 (hochwasserangepasste Bebauung zur Minimierung des Schadenspotenzials, nach Möglichkeit Verzicht auf die Allgemeinheit gefährdende Nutzungen)

Bereiche im Abstand zum bekannten Grauammer-Vorkommen (rd. 300 m) (bei nachgewiesener Störung der Art sind Minderungs-/ vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen rechtlich notwendig)

Anbaubeschränkungszone von 40 m zu Bundes- und Landesstraße (Auflagen in Abstimmung mit der zuständigen Straßenbaubehörde)

Bereiche mit verkehrsbedingten Lärmpegeln zwischen 55 dB(A) und 60 dB(A) tags in 4 m Höhe ohne Lärmschutzmaßnahmen im Außenbereich (Zur Einhaltung der Orientierungswerte der DIN 18005 für Allgemeine Wohngebiete tags auch im Außenbereich sind verschiedene Schallschutzmaßnahmen möglich, wie bspw. straßenbegleitende Lärmschutzwände oder Wälle, schallabschirmende Gebäudeausrichtung, Anordnung von Terrasse, Balkon, Garten und lärmempfindlicheren Räumen auf der lärmabgewandten Seite)

Eignungsflächen Flächen, mit deren Bebauung keine oder geringe verbleibende Auswirkungen auf die Umwelt und den Menschen verbunden sind. Die folgenden Auswirkungen können zum Teil durch geeignete Maßnahmen weiter gemindert werden: •

mögliche, derzeit noch nicht absehbare Konflikte mit dem Artenschutz (gutachterlicher Klärungsbedarf im nachfolgenden Verfahren)

mögliche, derzeit noch nicht absehbare Konflikte mit dem Bodendenkmalschutz In allen Suchräumen sind archäologische Funde wahrscheinlich. Im weiteren Verfahren sollte frühzeitig eine systematische Prospektion zur Ermittlung archäologischer Funde durchgeführt werden, um archäologisch wertvolle Relikte zu sichern und Beschädigungen oder Zerstörungen des historischen Erbes bei Bauarbeiten zu vermeiden.

Bereiche mit Lärmpegeln nachts < 45 dB(A) bei Gewerbelärm in 4 m Höhe ohne Schallschutzmaßnahmen (mit Schallschutzmaßnahmen s.o. werden die Orientierungswerte im Außenbereich eingehalten)

Die Überbauung schutzwürdiger Böden verbleibt als nachteilige Auswirkung. Empfehlungsflächen Zur weiteren Abgrenzung umsiedlungsgeeigneter Standorte innerhalb der Suchräume, wird der Schutz vor Lärm aufgrund der angestrebten Nutzung eines ruhigen Wohngebietes im Vergleich zu den sonstigen Auswirkungen auf die Umwelt höher gewichtet. Auch wenn die geltenden Schallschutzanforderungen in Innenräumen bereits durch Fenster entsprechend der Wärmeschutzverordnung tags und nachts erfüllt werden, wird bei der Abgrenzung der Standorte die

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TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Einhaltung der Orientierungswerte der DIN 18005 für Allgemeine Wohngebiete auch nachts im Außenwohnbereich angestrebt. •

Da der Gewerbelärm im Süden des Untersuchungsgebietes nachts wesentlich durch Windenergieanlagen beeinflusst wird, sind hier keine aktiven oder passiven Schallschutzmaßnahmen zur Minderung der Lärmpegel im Außenbereich möglich. Innerhalb der Eignungsflächen und bedingten Eignungsflächen werden daher nur die Bereiche als Umsiedlungsstandort empfohlen, wo durch Windenergieanlagen beeinflusste gewerbliche Lärmpegel den Orientierungswert von 40 dB(A) nachts und

verkehrliche Lärmpegel den Orientierungswerten von 50 dB(A) nachts

auch im Außenbereich nicht überschreiten.

In den für eine Bebauung nicht zulässigen (Ausschlussflächen), ungeeigneten (Restriktionsflächen) sowie nicht empfohlenen Bereichen (innerhalb der bedingten Eignungsflächen und der Eignungsflächen) – sind Grünanlagen, Spazierwege, Gärten, landwirtschaftliche Acker- oder Grünlandnutzung, Tierhaltung oder ähnliche Nutzungen nicht ausgeschlossen. Die Art der möglichen Nutzungen ist abhängig von den o. g. Kriterien.

Nachfolgend werden in den Abbildungen 8 bis 12 •

die bedingten Eignungsflächen (oranger Rand)

die Eignungsflächen (roter Rand)

die Empfehlungsflächen (grüne Schraffur)

dargestellt. Stichwortartig werden die jeweiligen Kriterien zu den Ausschluss- und Restriktionsflächen sowie die wesentlichen verbleibenden Auswirkungen für jeden Suchraum zusammengefasst.

!

67


TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Suchraum Nordost Empfindlichkeit gegen Bebauung aus Umweltsicht: Empfehlungsfläche:

mittel 50,6 ha

Gesamtfläche Suchraum Nordost: davon Ausschluss- und Restriktionsflächen bedingte Eignungsfläche Eignungsfläche

86,9 ha 28,7 ha 13,8 ha 44,4 ha

Innerhalb des Suchraums Nordost wird mit rd. 45 ha der größte Bereich mit relativer Konfliktarmut abgegrenzt. Hier sind Flächen betroffen, die überwiegend keinen hohen Wert für Naturhaushalt und Landschaftsbild aufweisen. Allerdings würde ein neuer Siedlungsbereichs innerhalb eines großen zusammenhängenden Freiraums ohne direkten Anschluss an die bestehende Ortschaft gegründet. Aufgrund der Lärmvorbelastung durch die L 264 sind Einschränkungen bezüglich der Nutzung des Außenbereichs im Nahbereich der Straße zu beachten, da die Orientierungswerte der DIN 18005 für Allgemeine Wohngebiete tags überschritten sind. Unter Berücksichtigung der Lärmimmissionen im Nachtzeitraum wird eine Fläche von 50,6 ha empfohlen. Verbleibende Konfliktschwerpunkte sind hier die mögliche Betroffenheit planungsrelevanter Feldvogelarten (geringste Distanz zu bekannten Vorkommen, geringste Störungsdichte für Arten der offenen Feldflur) sowie archäologische Funde. Ausschluss- und Restriktionskriterien: Abstand zu geruchsintensiven landwirtschaftlichen Betrieben (rd. 200 m) höherwertige Biotoptypen Kriterien für die bedingte Eignung: Abstand zur L 264 Verkehrslärm tags Abstand zum Grauammervorkommen (rd. 300 m) Wesentliche verbleibende Auswirkungen: Überbauung fruchtbarer sowie besonders schutzwürdiger Böden Freiraumverlust durch Siedlungsneugründung mögliche Konflikte mit dem Artenschutz mögliche Konflikte mit dem Bodendenkmalschutz

Abbildung 8:

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Eignungsflächen und Standortempfehlung Suchraum Nordost

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TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Suchraum Ost Empfindlichkeit gegen Bebauung aus Umweltsicht: Empfehlungsfläche:

gering-mittel 9,2 ha

Gesamtfläche Suchraum Ost: davon Ausschluss- und Restriktionsflächen bedingte Eignungsfläche Eignungsfläche

85,7 ha 45,2 ha 37,4 ha 3,1 ha

Der Suchraum Ost weist die geringsten verbleibenden Umweltauswirkungen für die biotischen und abiotischen Schutzgüter auf, da hier Flächen betroffen sind, die überwiegend keinen hohen Wert für Naturhaushalt und Landschaftsbild aufweisen. Die gesetzlichen Anforderungen an den Lärmschutz in Innenräumen werden tags und nachts erfüllt. Aufgrund der Lärmvorbelastung durch die L 264 und B 264 sind Einschränkungen bezüglich der Nutzung des Außenwohnbereichs tagsüber zu beachten, da die Orientierungswerte der DIN 18005 für Allgemeine Wohngebiete überschritten sind. Mit den erhöhten Anforderungen an den Nachtzeitraum bezüglich des Verkehrslärms und windenergiebeeinflusstem Gewerbelärm verbleibt ein empfohlener Standort von 9,2 ha, der für die angestrebte Umsiedlung flächenmäßig nicht ausreichend ist. Mögliche Konflikte können sich durch mögliche Vorkommen planungsrelevanter Feldvogelarten sowie archäologischer Funde ergeben. Ausschluss- und Restriktionskriterien: bereits bebaute Gebiete Abstand zu B 264 (20 m) höherwertige Biotoptypen Kriterien für die bedingte Eignung: Verkehrslärm tags Abstand zu B 264 und L 264 (40 m) Wesentliche verbleibende Auswirkungen: Überbauung fruchtbarer Böden mögliche Konflikte mit dem Artenschutz mögliche Konflikte mit dem Bodendenkmalschutz

Abbildung 9:

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Eignungsflächen und Standortempfehlung Suchraum Ost

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TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Suchraum Süd Empfindlichkeit gegen Bebauung aus Umweltsicht: Empfehlungsfläche:

mittel – hoch 0 ha

Gesamtfläche Suchraum Süd: davon Ausschluss- und Restriktionsflächen bedingte Eignungsfläche Eignungsfläche

60,1 ha 35,3 ha 19,7 ha 5,1 ha

Auch im Suchraum Süd stehen großflächig aufgrund der Bodenfruchtbarkeit besonders schutzwürdige Böden an, deren Bebauung nicht grundsätzlich ausgeschlossen wird. Der Überschwemmungsbereich des Ellebachs sollte jedoch von Bebauung freigehalten werden. Teile des Suchraums liegen im Bereich langfristig hoher Grundwasserstände, die aus Umweltsicht von einer Bebauung freigehalten werden sollten, um Verunreinigungen sowie Fließhindernisse im Grundwasserkörper zu vermeiden. Aufgrund der Lärmvorbelastung durch die B 264 sind Einschränkungen bezüglich der Nutzung des Außenwohnbereichs zu beachten, da die Orientierungswerte der DIN 18005 für Allgemeine Wohngebiete tags überschritten sind. Es verbleibt hier eine Eignungsfläche von rd. 20 ha, innerhalb derer jedoch entsprechende Umweltauswirkungen auf das Schutzgut Boden sowie möglicherweise auf planungsrelevante Feldvogelarten sowie archäologische Funde zu erwarten sind. Weiterhin ist ein Heranrücken an den Dürener Ortsteil 'Stadtrandsiedlung' sowie an den Auebereich des Ellebachs kaum zu vermeiden und es liegen Bauflächen innerhalb des WSG. Da Lärmbelastungen durch Windenergieanlagen und Gewerbenutzungen nachts großflächig zu einer Überschreitung der Orientierungswerte der DIN 18005 führen, wird der Suchraum Süd nicht als Umsiedlungsstandort empfohlen. Ausschluss- und Restriktionskriterien: bereits bebaute Gebiete Abstand zur B 264 höherwertige Biotoptypen Überschwemmungsbereich des Ellebaches Abstand zur Hochspannungs- und Gasleitung Kriterien für die bedingte Eignung: Verkehrslärm tags langfristig flurnaher Grundwasserstand <3 m Wesentliche verbleibende Auswirkungen: Überbauung fruchtbarer, bereichsweise besonders schutzwürdiger Böden Heranrücken an den Auebereich des Ellebaches Bauen im WSG Heranrücken an die 'Stadtrandsiedlung' mögliche Konflikte mit dem Artenschutz mögliche Konflikte mit dem Bodendenkmalschutz.

Abbildung 10:

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Eignungsflächen und Standortempfehlung Suchraum Süd

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TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Suchraum West Empfindlichkeit gegen Bebauung aus Umweltsicht: Empfehlungsfläche

mittel 32,8 ha

Gesamtfläche Suchraum West: davon Ausschluss- und Restriktionsflächen bedingte Eignungsfläche Eignungsfläche

95,3 ha 61,9 ha 0,9 ha 32,5 ha

Innerhalb des Suchraums West stehen fast flächendeckend Böden an, die aufgrund ihrer hohen Bodenfruchtbarkeit gem. der Bewertung des Geologischen Dienstes NW besonders schutzwürdig sind. Da diese Böden im betroffenen Naturraum vergleichsweise häufig vorkommen und die Bewertung der Bodenfruchtbarkeit schwerpunktmäßig auf den ackerbaulichen Ertrag abzielt, wird dieses Kriterium nicht als so schwerwiegend gewichtet, wie z. B. die Belange des Wasseroder Naturschutzes. Von einer Bebauung wird daher nicht grundsätzlich abgeraten. Der Eignungsraum weist eine Größe von rd. 32,5 ha auf, jedoch sind hier entsprechende Auswirkungen auf das Schutzgut Boden sowie möglicherweise auf planungsrelevante Feldvogelarten sowie archäologische Verdachtsflächen zu erwarten. Durch Schallschutzmaßnahmen können Lärmbelastungen durch den Schienenverkehr sowohl tags als auch nachts gemindert werden, so dass die Orientierungswerte der DIN 18005 für Allgemeine Wohngebiete für Verkehrslärm eingehalten werden. Da die Schallimmissionen der Windenergieanlagen nicht in den Suchraum West reichen ist der Gewerbelärm überwiegend von dem Gewerbegebiet 'Distelrather Straße' beeinflusst. Durch Schallschutzmaßnahmen und Gebäudestellungen können die Orientierungswerte der DIN 18005 auch im Außenbereich eingehalten werden. Daher kann eine Fläche von 32,8 ha für den Umsiedlungsstandort empfohlen werden. Ausschluss- und Restriktionskriterien: bereits bebaute Gebiete Abstand zum NSG von mind. 100 m höherwertige Biotoptypen Freiraumkorridor zur Bebauung Richtung Düren Abstand zur Hochspannungsleitung und Gasleitung Kriterien für die bedingte Eignung: Verkehrslärm tags Wesentliche verbleibende Auswirkungen: Überbauung überwiegend besonders schutzwürdiger, fruchtbarer Böden mögliche Konflikte mit dem Artenschutz mögliche Konflikte mit dem Bodendenkmalschutz

Abbildung 11:

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Eignungsflächen und Standortempfehlung Suchraum West

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TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Suchraum Nord Empfindlichkeit gegen Bebauung aus Umweltsicht: Empfehlungsfläche

mittel – hoch 23,2 ha

Gesamtfläche Suchraum Nord: davon Ausschluss- und Restriktionsflächen bedingte Eignungsfläche Eignungsfläche

59,2 ha 28,3 ha 17,0 ha 13,9 ha

Im Suchraum Nord ist nur ein vergleichsweise kleiner konfliktarmer Bereich (ca. 14 ha) abgrenzbar, da hier flächenhaft hohe Sensibilitäten mehrerer Schutzgüter und damit eine hohe Konfliktdichte und -schwere vorliegen. Weiterhin reicht der Suchraum an das NSG heran und in das LSG hinein. Weite Teile des Suchraums liegen im Bereich langfristig hoher Grundwasserstände, die aus Umweltsicht von einer Bebauung freigehalten werden sollten, um Verunreinigungen sowie Fließhindernisse im Grundwasserkörper zu vermeiden. Außerdem ist diese Fläche in Teilen mit dem Extremhochwasser-Bereich HQ1000 überlagert. Aus bautechnischer Sicht ist eine Bebauung dieses Bereichs grundsätzlich unter Berücksichtigung besonderer technischer Maßnahmen möglich – aus Umweltsicht ist dies jedoch nur bedingt geeignet. Die konfliktarmen sowie die bedingt geeigneten Flächen ergeben zusammen einen Entwicklungsraum von ca. 31 ha. Unter Berücksichtigung der Lärmbelastung durch den Schienenverkehr nachts wird ein Bereich von 23,2 ha als Umsiedlungsstandort östlich und westlich des Überschwemmungsbereichs des Ellebachs empfohlen, der als gliedernder Grünzug gestaltet werden könnte. Es verbleiben im abgegrenzten Empfehlungsraum nachteilige Auswirkungen auf das Schutzgut Boden und Wasser sowie möglicherweise auf planungsrelevante Feldvogelarten und archäologische Verdachtsflächen. Ausschluss- und Restriktionskriterien: bereits bebaute Gebiete Überschwemmungsbereich HQ100 Abstand zu NSG und LSG von mind. 100 m höherwertige Biotoptypen Raum für die naturnahe Entwicklung des Ellebachs Abstand zur Hochspannungsleitung und Gasleitung Kriterien für die bedingte Eignung: Verkehrslärm tags langfristig flurnaher Grundwasserstand <3 m Extremhochwasser-Bereich HQ1000 Wesentliche verbleibende Auswirkungen: Überbauung fruchtbarer, bereichsweise besonders schutzwürdiger Böden Bauen im WSG Heranrücken an den Auebereich des Ellebaches mögliche Konflikte mit dem Artenschutz mögliche Konflikte mit dem Bodendenkmalschutz

Abbildung 12:

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Eignungsflächen und Standortempfehlung Suchraum Nord

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TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Gesamtergebnis Alle betrachteten Suchräume weisen verschiedene umweltrelevante Aspekte auf, so dass kein konfliktfreier Raum in der Größe zwischen 15 bis 20 ha abgegrenzt werden kann. In der Gesamtbewertung der fünf empfohlenen Standorte zeigt sich der Suchraum Ost aus Sicht der biotischen und abiotischen Schutzgüter als am vergleichsweise konfliktärmsten. Aufgrund der Lärmvorbelastung durch Windenergieanlagen, Gewerbelärm sowie Verkehrslärm wird jedoch nur ein Standortbereich von 9,2 ha empfohlen. Im Suchraum Süd besteht eine hohe Konfliktdichte. Unter Berücksichtigung der nächtlichen Lärmvorbelastung durch Gewerbenutzungen und Windenergieanlagen verbleibt hier keine empfehlenswerte Fläche. Æ Die Suchräume Ost und Süd bieten für die angestrebte Umsiedlung somit keinen ausreichenden Raum und sind daher insgesamt nicht zu empfehlen. Innerhalb des Suchraums Nord lässt sich aufgrund der sehr hohen Konfliktdichte zunächst nur eine vergleichsweise kleine, aus Umweltsicht geeignete Fläche abgrenzen. Werden jedoch die Auflagen zum Schutz des Grundwassers sowie die Anforderungen an die Bebauung bei Hochwasser beachtet, kann mit entsprechenden Schallschutzmaßnahmen eine ausreichend große Gesamtfläche von ca. 23 ha Bauland für die Umsiedlung entwickelt werden. Eine mäßige Konfliktdichte besteht für die Standorte in den Suchräumen Nordost und West, wo sich (vorbehaltlich der Ergebnisse des Artenschutzgutachtens) insgesamt die größten konfliktarmen Bereiche abgrenzen lassen. Hier können Bereiche von 50,6 ha bzw. 32,8 empfohlen werden. Æ In den Suchräumen Nord, Nordost und West besteht ausreichender Gestaltungsspielraum für eine Umsiedlung des Ortsteils Morschenich.

7.

Nachtragskapitel zu faunistischen Untersuchungen (Raskin 2010)

Im Frühsommer – Sommer 2010 wurden in Folge der getroffenen Empfehlungen für die nach den Ergebnissen des vorstehenden Kapitel 6 größenmäßig für die Umsiedlung in Frage kommenden Suchräume Nord, West und Nordost umfassende faunistische Untersuchungen zur Avifauna (Schwerpunkt Feldvögel) und Feldhamster durchgeführt. Hierzu wurden spezifische Untersuchungsgebiete abgegrenzt, die zum Teil über die Suchräume der Umweltprüfung hinaus gehen. Das Gutachten kommt im Kern zu den folgenden Ergebnissen: Innerhalb des Untersuchungsgebietes konnten im Rahmen der Untersuchungen zum Vorkommen des Feldhamsters keine Individuen und/ oder sonstige Spuren der Art nachgewiesen werden. Somit bestehen keine Anhaltspunkte für eine Beeinträchtigung der Art durch die Durchführung des Vorhabens.

Im Rahmen der avifaunistischen Untersuchungen wurden insgesamt 43 Vogelarten im gesamten Untersuchungsgebiet Avifauna nachgewiesen. Unter diesen zählen 17 zu den pla-

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TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

nungsrelevanten Arten (gem. LANUV 2007 und VV-Artenschutz 2010), darüber hinaus weitere vier zu den zurückgehenden Arten. Schwerpunktmäßig werden hier die charakteristischen Arten der offenen Feldflur betrachtet. Insbesondere die Flächen des Suchraums Nordost sind bezüglich der Habitatansprüche dieser Arten vergleichsweise störungsarm ausgeprägt, was sich in Dichte und Artenspektrum der hier nachgewiesenen Vogelarten niederschlägt: Das in NRW stark gefährdete Rebhuhn tritt im Untersuchungsgebiet Nordost mit vier Brutpaaren auf. Die Feldlerche als Charakterart der Feldflur kommt hier flächendeckend in einer vergleichsweise hohen Dichte von 2,2 Brutpaaren je 10 ha vor. Die in NRW vom Aussterben bedrohte Grauammer konnte nur als Durchzügler festgestellt werden. Weitere planungsrelevante Arten wie Rohrweihe, Braunkehlchen oder Steinschmätzer kommen ebenfalls nur auf dem Durchzug vor. Die Suchräume Nord und West sind stärker zerschnitten und weisen ein größeres Störungspotenzial für Feldvogelarten auf. Das Artenspektrum und die Individuendichte sind hier deutlich niedriger als im Suchraum Nordost. Rebhuhn und Grauammer tauchen dort nicht auf. Die Feldlerche kommt im Suchraum West in mittlerer Dichte (1,4 Brutpaare je 10 ha) und im Suchraum Nord nur mit zwei Revieren vor (0,2 Brutpaare je 10 ha). In den Randbereichen dieser Räume finden sich lückige Sukzessionsstadien und Feldgehölzstrukturen, die an diese Lebensräume angepassten Arten wie Nachtigall und Fitis Brutmöglichkeiten bieten. Hieraus ergibt sich, dass die Avifauna durch die Umsielung der Ortschaft Morschenich in allen drei untersuchten Suchräumen betroffen wäre. Das Ausmaß des Verlustes von Brutrevieren der planungsrelevanten Vogelarten Feldlerche und Rebhuhn ist im Suchraum Nordost am höchsten. Insbesondere die Feldlerche ist nicht nur durch direkten Flächenverlust, sondern zusätzlich auch durch Kulissenwirkungen von Gebäuden und anderen Vertikalstrukturen betroffen. Die betroffenen Feldvogelarten sind allerdings nicht als verfahrenskritisch zu bezeichnen. Eine Aufrechterhaltung der ökologischen Funktion der vom Vorhaben betroffenen Fortpflanzungsstätten im räumlichen Zusammenhang durch funktional geeignete Ausgleichsmaßnahmen ist prinzipiell möglich. Diese Maßnahmen sind rechtlich erforderlich und müssen zum Baubeginn der Umsiedlung funktionsfähig sein.

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TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

8.

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Literatur

BEZIRKSREGIERUNG KÖLN (2009): Sachlicher Teilabschnitt vorbeugender Hochwasserschutz, Teil 2: Region Aachen, Wassereinzugsgebiete der Ruhr (aufgestellter Plan 11.12.2009) BEZIRKSREGIERUNG KÖLN (2005): Aktionsplan in der Umgebung des Tagebaus Hambach BEZIRKSREGIERUNG KÖLN (2003): Regionalplan Regierungsbezirk Köln Teilabschnitt Region Aachen DR. WOHLFAHRT, UNTERNEHMENSBERATUNG – UMWELTSCHUTZ (2010): Schalltechnische Voreinschätzung im Braunkohleplanverfahren 'Umsiedlungsstandort Morschenich', Bericht Nr. R001-2380535SFB-V04, Januar 2010 EWALD/ GLÄSSER (1978): Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 122/123 Köln-Aachen EISENBAHN-BUNDESAMT (2008): Lärmkartierung für Schienenwege von Eisenbahnen des Bundes, Schienenverkehr auf Haupteisenbahnstrecken mit einem Verkehrsaufkommen von > 60.000 Zügen im Jahr (Erstelldatum 5.9.2008) GEMEINDE MERZENICH (1992): FNP Gemeindegebiet Merzenich (Inklusive FNP-Änderungen) GEMEINDE MERZENICH (2009): Denkmalliste Gemeinde Merzenich GEMEINDE MERZENICH (2008): Bebauungsplan G1 'Auf der Heide' mit Umweltbericht und Landschaftspflegerischem Fachbeitrag GEOLOGISCHES DIENST NRW (2009):Stellungnahmen zur Lage tektonischer Verwerfungen Merzenich (16.04.2009, 05.06.2009, 13.10.2009) GEOLOGISCHES DIENST NRW (2004): Karte der schutzwürdigen Böden. – Auskunftssystem Bodenkarte von Nordrhein-Westfalen, Bearbeitungsmaßstab 1:50 000, digitale Karte GEOSERVER DER LANDESVERWALTUNG www.geoserver.nrw.de

NRW

-

GEOSERVER

NRW

(download

2009):

IBK SCHALLIMMISSIONSSCHUTZ (2004): 6-streifiger Ausbau und Verlegung der A 4 zwischen AS Düren und AS Kerpen, Anlage 9 Schallimmissionstechnischer Fachbeitrag, 9.1 Erläuterungsbericht IBK SCHALLIMMISSIONSSCHUTZ (2009): Abschätzung der Geräuschimmissionen aus dem 'Windpark Distelrath' mit 4 Windenergieanlagen im potenziellen Umsiedlungsstandort (Suchraum) im Vorfeld der Bauleitplanung; Schallimmissionstechnische Voreinschätzung Nr. RB/34/09/SB/024 INGENIEURBÜRO LOHMEYER GMBH UND CO. KG (2004): 6-streifiger Ausbau und Verlegung der A 4 zwischen AS Düren und AS Kerpen, Lufthygienische Untersuchungen KREIS DÜREN – UNTERE LANDSCHAFTSBEHÖRDE (2009): Steinkauzkartierung aus den 90er Jahren KREIS DÜREN (1984): 'Landschaftsplan Ruraue' (in der Fassung vom 29.09.1984) digitale Darstellung http://geoserver.kreis-dueren.de/GeoDN.html

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TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

KREIS DÜREN – UNTERE BODENSCHUTZBEHÖRDE: Informationen aus dem Altlastenkataster Kreis Düren KOORDINIERUNGSSTELLE FÜR DAS ARTENHILFSPROGRAMM FELDHAMSTER (2007): Bericht 2003 bis 2007, Ansprechpartner: NABU Naturschutzstation Haus Wildenrath e.V. M. Straube, U. Köhler. LANDESAMT FÜR NATUR, UMWELT UND VERBRAUCHERSCHUTZ NORDRHEIN-WESTFALEN – LANUV – LINFOS (2000): Sachdaten FT-5105-6007-2000 LANDESUMWELTAMT NRW – LUA (2002): Merkblatt Nr. 36 Fließgewässertypenatlas NordrheinWestfalen LANDESAMT FÜR NATUR, UMWELT UND VERBRAUCHERSCHUTZ NORDRHEIN-WESTFALEN – LANUV (2007): Ergebnisse der MILIS-Messung in Kerpen-Buir Juli bis Dezember 2006 LANDESAMT FÜR NATUR, UMWELT UND VERBRAUCHERSCHUTZ NRW – LANUV (2007): Geschützte Arten in Nordrhein-Westfalen; Vorkommen, Erhaltungszustand, Gefährdungen Maßnahmen LANDESAMT FÜR NATUR, UMWELT UND VERBRAUCHERSCHUTZ NRW – LANUV (2008) : Numerische Bewertung von Biotoptypen für die Bauleitplanung in NRW, Recklinghausen Stand März 2008 LANDESAMT FÜR NATUR, UMWELT UND VERBRAUCHERSCHUTZ NORDRHEIN-WESTFALEN – LANUV – LINFOS (2008): Sachdaten zur Biotopkatasterfläche BK-5105-902 LANDESAMT FÜR NATUR, UMWELT UND VERBRAUCHERSCHUTZ NRW – LANUV (2009): Fundortdaten der planungsrelevanten Arten LANDSCHAFTSVERBAND RHEINLAND AMT FÜR BODENDENKMALPFLEGE IM RHEINLAND (2009A): Informationen zu archäologischen Fundstellen, Erwartungsbereichen etc. LANDSCHAFTSVERBAND RHEINLAND AMT FÜR BODENDENKMALPFLEGE IM RHEINLAND (2009B): Archäologische Recherche, Schreiben vom 09.07.2009 LANDSCHAFTSVERBAND RHEINLAND AMT FÜR BODENDENKMALPFLEGE IM RHEINLAND (2010): Stellungnahme zur Frühzeitigen Beteiligung (10. und 17.02.2010) EISENBAHN-BUNDESAMT (2008): Lärmkartierung für Schienenwege von Eisenbahnen des Bundes, Schienenverkehr auf Haupteisenbahnstrecken mit einem Verkehrsaufkommen von > 60.000 Zügen im Jahr (Erstelldatum 5.9.2008); download 17.07.2009 MINISTERIUM FÜR UMWELT UND NATURSCHUTZ, LANDWIRTSCHAFT UND VERBRAUCHERSCHUTZ DES LANDES NORDRHEIN-WESTFALEN – MUNLV NRW (2008, 2009): Umgebungslärmkartierung, Straßenverkehr für Hauptverkehrsstraßen > 6 Mio. Kfz im Jahr, Stand: Merzenich 30.01.2008, Düren 24.04.2009; download 15.07.2009 MINISTERIUM FÜR UMWELT UND NATURSCHUTZ, LANDWIRTSCHAFT UND VERBRAUCHERSCHUTZ DES LANDES NORDRHEIN-WESTFALEN – MUNLV NRW (1991-2005): WRRL NRW, http://www.gis3.nrw.de/ims/WRRL/viewer.htm

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TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

MINISTERIUM FÜR UMWELT, RAUMORDNUNG UND LANDWIRTSCHAFT NRW – MURL/ heute MUNLV (1989): Klima-Atlas von Nordrhein-Westfalen PLANUNGSBÜRO FÜR LANDSCHAFTS- & TIERÖKOLOGIE, WOLF LEDERER (2007): Erfassung von Grauammer und Schwarzkehlchen im Kreis Düren 2007. Gutachten im Auftrag des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen – LANUV. RASKIN UMWELTPLANUNG UND UMWELTBERATUNG GBR (2010): Erfassung und Kurzbewertung von Feldvöglen und Feldhamster im Bereich der Empfehlungsräume für die Umsielung Morschenich RWE POWER (2008): Bericht über die Auswirkung der Grundwasserabsenkung durch die Entwässerungsmaßnahmen des Braunkohlenbergbaus, Stand Oktober 2008 SUDMANN, S.R., C. GRÜNEBERG, A. HEGEMANN, F. HERHAUS, J. MÖLLE, K. NOTTMEYER-LINDEN, W. SCHUBERT, W. VON DEWITZ, M. JÖBGES & J. WEISS (2009): Rote Liste der gefährdeten Brutvogelarten Nordrhein-Westfalens 5. Fassung – gekürzte Online-Version. NWO & LANUV (Hrsg.). Erschienen im März 2009. TOPOGRAPHISCHES INFORMATIONSMANAGEMENT NRW (2009): www.tim-online.nrw.de; download Verkehrsbelastungszahlen, Freizeitinformationen 17.07.2009 WASSERVERBAND EIFEL – RUR (1999): Konzept für die naturnahe Entwicklung des Ellebaches und der Nebengewässer (KNEF)

9.

Rechtsgrundlagen/ Normen

BBodSchG Bundes-Bodenschutzgesetz Gesetz zum Schutz vor schädlichen Bodenveränderungen und zur Sanierung von Altlasten vom 17. März 1998 (BGBl. I S. 502) 1998, Stand: zuletzt geändert durch Art. 16 G v. 31.7.2009 BBodSchV Bundesbodenschutz- und Altlastenverordnung vom 12. Juli 1999 (BGBl. I S. 1554), Stand: zuletzt geändert durch Art. 16 G v. 31.7.2009 I 2585 BNatSchG Bundesnaturschutzgesetz Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege; vom 29. Juli 2009, in Kraft seit 1.3.2010 (BGBl. I Nr. 51 vom 06.08.2009 S. 2542) Deutsche Norm Schallschutz im Städtebau DIN – 18005 (2002) LG NRW Landschaftsgesetz Nordrhein-Westfalen Gesetz zur Sicherung des Naturhaushalts und zur Entwicklung der Landschaft; In der Fassung der Bekanntmachung vom 21. Juli 2000 (GV. NRW. S. 568); zuletzt geändert durch Artikel 1 des Gesetzes vom 16.03.2010 (GV. NRW. S. 185) LWG NRW Landeswassergesetz Wassergesetz für das Land Nordrhein-Westfalen; in der Fassung vom 25. Juni 1995 (GV. NW. S. 926), Stand zuletzt geändert 16.03.2010 (GV. NRW. S. 185) Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm, Sechste Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Bundes-Immissionsschutzgesetz – TA Lärm (1998) VV-Artenschutz Verwaltungsvorschrift zur Anwendung der nationalen Vorschriften zur Umsetzung der

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TAGEBAU HAMBACH 'UMSIEDLUNG MORSCHENICH'

ANGABEN ZUR UMWELTPRÜFUNG

Richtlinien 92/43/EWG (FFH-RL) und 2009/147/EG (V-RL) zum Artenschutz bei Planungs- oder Zulassungsverfahren; Rd. Erl. d. Ministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz v. 13.04.2010 WHG

Wasserhaushaltsgesetz Gesetz vom 31. Juli 2009 (BGBl. I S. 2585), das durch Artikel 12 des Gesetzes vom 11. August 2010 (BGBl. I S. 1163) geändert worden ist 16. BImSchV Sechzehnte Verordnung zur Durchführung des BImSchG Verkehrslärmschutzverordnung vom 12. Juni 1990 (BGBl. I S. 1036), die durch Artikel 3 des Gesetzes vom 19. September 2006 (BGBl. I S. 2146) geändert worden ist 22. BImSchV Zweiundzwanzigste Verordnung zur Durchführung des BImSchG - aufgehoben Verordnung über Immissionswerte für Schadstoffe in der Luft; vom 11. September 2002 (BGBl. I S. 3626), i. d. Fassung der Bekanntmachung vom 4. Juni 2007 (BGBl. I S. 1006) 39. BImSchV Neununddreißigste Verordnung zur Durchführung des BImSchG Verordnung über Luftqualitätsstandards und Emissionshöchstmengen; vom 2. August 2010 (BGBl. I Nr. 40 vom 05.08.2010 S. 1065) Gl.-Nr.: 2129-8-39

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