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Dossier

Adolf Südknecht Folge 19 anno 1938/'39

„Pogrom“

Leipziger Umstände und Ereignisse mit Relevanz für den Zeitraum 1938 bis September 1939 Markierte Ereignisse fanden bei Auftritten bereits Eingang in die Handlung.


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THE ALTERNATE IMPROVISED HISTROY SHOW

Inhalt Allgemeines

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Cliffhanger aus Folge 18

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Kultur & Freizeit

4

Musik & Theater

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Lichtspielkunst

7

Literatur

10

Wirtschaft

13

Architektur

15

Gastgewerbe

16

Verkehr & Kommunikation

17

Handel & Mode

19

Politik

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Der Völkermord

(neues Kapitel seit Folge 18)

32

Presse & Rundfunk

35

Sport

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Wissenschaft

37

Justiz

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Historie aller Adolf-Südknecht-Folgen

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Begriffsverzeichnis

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Allgemeines •

Leipzig ist 1939 mit 701.606 Ein­ wohnern die fünft-größte Stadt Deutschlands.

Die heutige Karl-Liebknecht-Str. hieß bis 1933 vom Petersstein­ weg bis zum Südplatz Zeit­ zer Straße und südlich bis nach Connewitz Südstraße. Im März 1933 werden Südstraße und Zeit­ zer Straße zusammengefasst und in Adolf-HitlerStraße um­ benannt.

Zahlungsmittel ist seit 1924 die Reichsmark. Dennoch bleibt die aus der vorherigen Hyperin­ flation (1923) hervorgegangene Papiermark (Wechselkurs 1:1) weiterhin gültig und im Um­ lauf. Die Reichsmark bleibt bis zum Kriegsende 1945 gültiges Zahlungsmittel. Schreibweise: RM1 / Rpf (Reichspfennig)

Das „echte“ Horns: Mit 24 Jahren gründete Wilhelm Horn seine Spirituosenfirma, die im Winter 1923 ins Handelsregister der Stadt Leipzig eingetragen wurde. Drei Jahre später kaufte der Jungunternehmer eine alte Sektkellerei in der Arndtstrasse 33. 1931 wurde dort die 2012 wieder aufgebaute Glasfassade errichtet.2

große Bekanntheit erlangte der Leipziger Allasch (→ siehe S. 40) von der Firma Horn

Cliffhanger aus Folge 18

Am Ende der letzten Folge kam Anton mit einer Bierlieferung von draußen in die Gaststube und rief seinen Eltern atemlos zu:

„Ihr müsst unbedingt mit nach draußen kommen: Ihr ahnt nicht, was auf der Adolf-Hitler-Straße los ist!“

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Im Auftritt v. 19. Apr 12 (Folge 3) wurde „RM“ bereits an der Tafel angeschrieben. Im Auftritt v. 27. Sep 12 (Folge 5) wurde ausführlich auf die Fassade eingegangen. Dabei wurde behauptet, es sei Adolfs Idee ge­ wesen, mit dieser „Leuchtkraft die ganze äußere Südvorstadt zu überstrahlen“.


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Kultur & Freizeit

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von 1913 bis 1932 existiert im Leipziger Auenwald eine der größten Vergnügungsstätten Deutschlands: der Luna-Park3 am Auensee.

23. Mai 33: Neues Freilandgehege im Leipziger Zoo. Am 9. Juli 33 wird dem Minister­ präsidenten Göring ein Löwenbaby aus der Zucht des Leipziger Zoos geschenkt. Göring bedankt sich öffentlich.4

Dez 34: Als Selbstbehauptung der jüdischen Bevölkerung wird eine Ortsgruppe des Jü­ dischen Kulturbundes unter Leitung des Anwaltes Dr. Conrad Goldschmidt gegründet. 1935: Die städtischen Behörden verweigern den jüdischen Bürgern die Benutzung der Hallen- und Freibäder und schließen sie von allen kulturellen Veranstaltungen aus.

1937 bis 1944 läuft reichsweit die Aktion „Entartete Kunst“. Im Leipziger Museum für bil­ dende Kunst werden gleich zu Beginn 394 Werke konfisziert. Einige davon werden in der gleichnamigen Propaganda-Ausstellung in München gezeigt. Im gesamten Reich sind nun vier Kunsthändler dabei, diese Werke zu sammeln und, so sie nicht für die Münchner Ausstel ­ lung verwendet werden, gewinnbringend ins Ausland zu verkaufen.5 Einer von Ihnen ist der in Dresden geborene deut­ sche Kunsthistoriker und Kunsthändler Hilde­ brand Gurlitt (1895-1956). Er ist Leiter des Kö­ nig-Albert-Museums in Zwickau und des Kunst­ vereins in Hamburg. Von den NSDAP ist er einer­ seits damit beauftragt, die aus dt. Museen be­ schlagnahmte sog. Entartetete Kunst (avantgar­ distische oder von jüd. Malern stammende Kunst) ins Ausland zu verkaufen. Zum anderen ist Gurlitt nach Beginn des Zweiten Weltkriegs als einer der Haupteinkäufer für das Hitlermuseum in Linz am nationalsozialistischen Kunstraub vorwiegend in Frankreich beteiligt. Sein Sohn Cornelius Gurlitt erbt von ihm 1956 über 1200 dieser erbeuteten Werke. 61 Jahre später wird die Münchner Ge­ neralstaatsanwaltschaft feststellen, dass ihm Abb. 1: Dr. J, Goebbels in der Ausstellung min. 700 dieser Werke eindeutig nicht gehören, "Entartete Kunst" - München 1937 ihn gerichtlich zur Herausgabe zwingen und ein Strafverfahren einleiten. ◦ 1938 eröffnet in London eine Gegenausstellung, die viele der in Dtl. verbotenen Künst­ ler ausstellt und sich offen gegen den Faschismus richtet. ◦ Von 1938 – 1941 startet eine gleichnamige Wanderausstellung, die u.a. in Berlin, Leipzig, Düsseldorf, Salzburg u. Hamburg Station macht. Die Werkauswahl variiert, weil die Macher mittlerweile aus insges. 17.000 beschlagnahmten Werken auswählen können.

Im Auftritt v. 10. Dez 12 (Folge 8) machte die Familie einen Ausflug dorthin und fuhr mit der Gebirgsszeneriebahn und erlebte makabere Abenteuer. Die Eltern inszenierten die Entgleisung der Luna-Bahn als Überraschung zu Antons Geburtstag. Adele rechtfertigte dies mit der Abhärtung ihres Sohnes. Im Auftritt v. 12. Jul 13 (Folge 15) freute sich Adele und Adolf über das Geschenk an den Herrn Göring. Auftritt v. 19. Nov 13 (Folge 18): Es taucht Brigitte Ferch (Nadine Antler) auf, eine ehem. Mitschülerin Adeles. Sie trägt immer noch "Narben auf der Seele", weil Adele sie damals Hohn und Spott ausgesetzt hat. Jetzt ist sie erschlankt und reich verheiratet mit einem einflussreichen Kunsthändler und will Rache. Anton fühlt sich an Denise erinnert; Brigitte sieht ihr wohl sehr ähnlich. Diese nützt das schamlos aus und verführt Anton im Rattenkeller, um Adele zu demütigen. Brigitte versteckt 1500 "entartete" Kunstwerke im Keller, will Adele denunzieren: Adele würde Gefallen an den Werken finden und hätte sie darum bei sich versteckt. Um 15 Uhr käme die Polizei, um den Keller zu durchsuchen. Adele zündet den Keller an. Die entarteten Kunstwerke nehmen Schaden, sehen aber in Adeles Augen auch nicht viel schlimmer aus als vorher. Schließlich reißt sie Familie nach München, um die Ausstellung „Entartete Kunst“ zu sehen.


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Musik & Theater Leipziger Theater- und Musikhäuser Altes Theater

Neues Theater

Neues Gewandhaus

Theaterhaus: 1766 – 1943

Opernhaus: 1864 – 1943

Konzerthaus: 1884 – 1943

Das Alte Theater war die erste Theaterbühne in Leipzig. Es steht am Fleischerplatz (Thea­ terplatz, heute Richard-Wagner-Platz). Er­ baut wurde es auf den Fundamenten der Stadtmauer. J.-W. v. Goethe wohnte der Er­ öffnung als Zuschauer bei. Seit Eröffnung des Neuen Theaters wird es nur noch für Schauspiel genutzt. Hier finden 1828/29 u. a. die Uraufführungen von Heinrich Marschners Der Vampyr und Der Templer und die Jüdin statt. Seit 1912 steht es abermals unter Ver­ waltung der Stadt Leipzig. In der Nacht zum 4. Dez 1943 zerstört ein Luftangriff Neues und Altes Theater, dessen Ruine nach Kriegsende abgetragen wird.

Das Neue Theater bietet 1700 Sitz- und 300 Stehplätze und ist für Schauspiel, Oper und Ballett gedacht. Da sich das Haus schon sehr früh als ausgezeichnet für die Oper, für das Schauspiel jedoch als ungeeignet er­ wies, zog das Schauspiel ganz in das Alte Theater, während das Neue Theater zur Leipziger Oper avancierte. 1935–1938 werden Zuschauerraum, Bühne und Orchestergraben umgebaut. Am 4. De­ zember 1943 zerstört ein alliierter Luftangriff das Gebäude. Bis zum Vortag der Zerstö­ rung wird die Bühne noch bespielt. Die Ruine wird 1950 abgetragen und an gleicher Stelle neue Oper errichtet.

Im Musikviertel südwestlich der Altstadt (Grassi-/ Beethovenstraße) befindet sich das "Neues Gewandhaus". Es besitzt einen großen Saal mit 1700 Plätzen und einen Kammermusiksaal mit 650 Plätzen und wur­ de als Ersatz des 1. Gewandhauses (abge­ brannt) errichtet. Im November 1936 ver­ nichten die Nationalsozialisten nachts das vor dem Konzerthaus stehende Mendels­ sohn-Denkmal. Das Konzerthaus wird im Zweiten Weltkrieg am 3. und 4. Dezember 1943 sowie am 20. Februar 1944 durch Bomben schwer beschädigt. Erst 1977 er­ folgt der Bau des 3. Gewandhauses in sei­ ner heutigen Form am Augustusplatz.

Centraltheater

Alberthalle / Krystallpalast

Leipziger Kabaretts

Operettentheater: 1901 – 1943

Varieté: 1887 – 1943

… Recherche noch nicht abgeschlossen ...

Das an der Ecke Bose- / Gottschedstraße gelegene Haus dient als Theaterhaus der leichten Unterhaltung. Es wird 1943 im Krieg stark beschädigt und 1954 zur ersten festen Behelfsspielstätte des Leipziger Schauspiels (Name des neuen Ensembles) nach 1945 ausgebaut und stark erweitert.

Das Leipziger Varieté "Krystallpalast“ expaniderte 1987 mit dem Neubau eines Kuppelbaus mit 46 Meter Spannweite. Die Alberthalle ermöglichte Zirkus, Theater, Konzert und Varieté gleichermaßen. Sie hatte je nach Aufführungsart zwischen 3000 und 3500 Sitzplätze. Dort traten fast alle bedeutenden Unterhaltungskünstler jener Zeit auf: Die Clowns Grock, die Tänzerin Josephine Baker und Otto Reutter. Es gab Filmveranstaltungen, Konzerte und Varietéprogramme. 1918 wurde die Halle zu einem Filmtheater umgebaut.


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Theater- und Musikereignisse in Leipzig •

Neues Theater: Uraufführung der Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ von Kurt Weil und Bertold Brecht6 am 9. März 1930 statt.

1930 wird das Literatur-Kabarett „Die Litfaßsäule“ gegründet, das in der Folgezeit junge Dichter bekannt macht und fördert. Es befindet sich in einem Versammlungsgebäude einer Brauerei namens Südbrau an der Ecke Brau- / Zeitzer Straße (heute FEINKOST-Gelände) unweit von Horns Weinstuben.7

2. Mrz 33: Schauspielerin Gretl Berndt wird nach dem Applaus von der Gestapo verhaf­ tet, weil sie sich schlecht über Adolf Hitler geäußert habe. 8

6. Mrz 34: Anlässlich einer Richard-Wagner-Gedenkfei er am Elsterbecken, bei der der Grundstein für das Richard-WagnerNationaldenkmal („Rie­ senaltar am heiligen Hain“) gelegt wird, preist Adolf Hitler den Komponisten Wagner als den „gewaltigs­ ten Meister der Töne unse­ res Volkes“; niemand ahnt, dass das Denkmal niemals vollendet werden wird. Abbildung. 2: Grundsteinlegung R.-Wagner-Nationaldenkmal Visualisierung von 1934 – am Elsterflutbecken

6 7 8

11. Okt 35: Das Ausstrahlen von Jazz-Musik wird allen deutschen Rundfunksendern von Reichssendeleiter Eugen Hadamovsky verboten.

Mit dem Jahreswechsel 1936 / 37 wird der Thomanerchor der Hitlerjugend unterstellt und zum Tragen der „Braunhemden“ verpflichtet.

5. Okt 38: Nach vollständigem Umbau wird das Schauspielhaus in der Sophienstraße (heute Shakespearestraße) als drittes städtisches Theater wiedereröffnet.

Im Auftritt v. 09. Okt 12 (Folge 6) spielte Brecht eine wichtige Rolle. Gedichte von ihm wurden rezitiert. Besonders bejubelter Hö­ hepunkt der Show war ein von Adle vorgetragenes (also von Susanne Genre-getreu improvisiertes) Brecht Gedicht über die Leipziger Straßenbahn. Im Auftritt v. 26. Feb 13 (Folge 10) beschlossen Adolf und Sohn gemeinsam dieses Kabarett in der Nachbarschaft zu besuchen. In einem Zeitsprung dargestellt, genießen beide die Literarischen Witze und die politischen Karikaturen. Adele besucht derweil mit dem Neugeborenen eine Parteiveranstaltung der NSDAP ein Stockwerk höher, damit der Kleine von Anfang an die richtige Luft atmet. Im Auftritt v. 28. Mai 13 (Folge 14) taucht die Schauspielerin (Larsen Sechert) im Lokal auf und sucht Schutz vor der Verfolgung durch die SA. Während dies eine Eifersuchtsszene zwischen Adele und Adolf provoziert, verrät Anton sie bei der Polizei als Rache für die Denunziation eines (behinderten) Stammgastes durch Adolf.


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Lichtspielkunst

Abbildung 3: War Göring zu gefährlich: "Das Testament des Dr. Mabuse" - 1933-34 - Regie: Fritz Lang Leipziger Lichtspielhäuser • In den 30er-Jahren existieren zeitweise über 20 verschiedene Kinos in der Stadt • Seit 1912 existiert das UT Connewitz. Die Union-Theater-Kette hat reichsw. Lichtspielhäuser. • 1929 im Frühjahr wird erstmalig im UT Hainstraße Tonfilm9 aufgeführt. • Seit 1915 existiert das Kino im Jägerhof (heute Passage Kino) • Am 30. August 1929 wird der Filmpalast „CAPITOL“ im Petershof eröffnet.10 • Am 12. September 1930 zeigt das U.T-Hainstraße als erstes Leipziger Kino eine Ton­ -Wochenschau - die "Fox tönende Wochenschau" • 1932 wird in Leipzig-Connewitz das Filmtheater „Stern-Lichtspiele“ eröffnet. • Gelegentlich gastieren in den Sommermonaten Wanderkinos in der Stadt. Der technische Aufwand ist enorm. Wegen der hohen Attraktivität des neuen Mediums jedoch ist der Ansturm groß und die Wirtschaftlichkeit solcher Unternehmungen gewährleistet. Konkrete Sommer­ spielorte sind aus dieser Zeit nicht überliefert.11

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Im Auftritt v. 08. Feb 12 (Folge 1) wurde die Erfindung des Tonfilms vorweggenommen. Es wurde behauptet, dass ein Regisseur aus dem Ruhrpott, der gekommen war, einen Werbefilm über das Horns zu drehen, diese neue Technologie soeben erfunden hatte. Ggf. bietet es sich an, darauf später wieder einzugehen, wenn 1929 die eigentl. Einführung d. Tonfilmes in Leipzig stattfindet. 10 Im Auftritt v. 10. Dez 12 (Folge 8) wurde die Eröffnung thematisiert. Die beiden Männer unternahmen einen Männer-Ausflug ins neue Kino „Capitol“ und gebaren eine Geschäftsidee: Schweinische Kurzfilme, z.B. mit Josephine Baker, die nackt tanzt (den meisten zuschauenden Männern reichen 10 Minuten…). Anzüglichkeiten zur schnellen Abwischbarkeit des Kinosaales fielen. Darüber hinaus äußerte Anton, dort vielleicht eine Stelle als Filmvorführer zu bekommen. 11 Im Auftritt v. 14. Mai 13 (Folge 13) gastierte die Show auf der „Warze“ im Clara-Zetkin-Park (damals König-Albert-Park) gemeinsam mit dem Wanderkino. Gezeigt wurden englische Stummfilme. Es wurde behauptet, die „Freiluft-Lichtspielanlage“ sei von Anton aus dem Erlöse eines Bilderverkaufes aus der geheimen Wohnung über dem Horns finanziert worden. Anton habe die beiden Musiker als taubstumme Filmvorführer gleich mit „übernommen“. Zwei Wochen lang wohnten die Südknechts im Kino-Kraftwagen im Park. Schließlich kehrten sie wieder ins Horns zurück.


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Reklame im Kino12 13 • Seit 1912 werden zunächst handbemalte Glasplatten, ab Mitte der 20er-Jahre Dias zur Pro­ duktwerbung verwendet. Dias bleiben noch bis in die 70er Jahre das Werbemittel für lokale Produkte, weil deren Herstellung kostengünstiger ist als die Produktion eines Films. • 1930 hat sich der Relklamefilm etabliert. Produktwerbefilme für ATA (Reinigungsmittel) oder BLAUPUNKT (Radios) sind beim Publikum bliebt. (1933: Spieldauer von je rund 3 Min.) Populäre Filme beim Leipziger Publikum • 1927: „Dr Mabuse, der große Spieler“ und „Dr. Mabuse, Inferno des Verbre­ chens“ (DE/1922/270') (Zweiteiler) Regie: Fritz Lang14 • 1927: „Metropolis – die Stadt der Zukunft“ ([Stumm]/Spielfilm/DE/1926/144') ◦ 1927 Jugendverbot ◦ Inhalt: Fritz Langs15 monumentaler Science-Fiction-Film verbindet visuelle Kraft mit einer Liebesgeschichte um die Versöhnung von Arbeit und Kapital. • 1928: „Geschlecht in Fesseln“ (Stumm/Spielfilm/DE/1928/105')16 • 1929: „Giftgas“ (Stumm/Spielfilm/DE/1929/92')17 • 1929: „Der Hund von Baskerville“ (Stumm/Spielfilm/DE/1929/92')18 • 1930: „Der blaue Engel“ (Tobis-Klangfilm/Spielfilm/DE/1930/107') ◦ 1930: Jugendverbot / 1933: Totalverbot19 • 1932: „Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt“ (Spielfilm/DE/1932/74')20 ◦ Buch: Berthold Brecht21

12 Im Auftritt v. 26. Feb 13 (Folge 10) kam erneut der Regisseur aus Folge 1 zu Besuch und drehte einen zweiten Werbefilm. Darin ist Adolf mit dem 10-jährigen Nachbarsjungen zu sehen, der im Film als August (Antons 1931 geborener Bruder) ausgegeben wird. Adolf schlug dieses Vorgehen vor, weil die Fertigstellung des Reklamefilmes wahrscheinlich „wieder zehn Jahre dauern wird“. Dann sei sein zweiter Sohn 10 Jahre alt und der Film würde hoch aktuell wirken. 13 Im Auftritt v. 24. Sep 13 (Folge 16) erhielt Adolf per Post erneut einen Film des rheinländischen Regisseurs. Auf dem Umschlag aber erkannte er die Handschrift seines verschollenen Bruders Wilhelm und vermutete, dass dieser sich folglich im Rheinland aufhält. Er spielt den Film auf Antons Projektor im Horns ab (Szenen vom Hof des Horns zu erkennen und Faschings-Verkleidungen). Adolf war anschließend erleichtert, auf diese Weise ein Lebenszeichen seines geliebten Bruders erhalten zu haben. 14 Auftritt v. 22. Mär '12 (Folge 2): Anton schenkte seinen Eltern Eintrittskarten für diesen Film im UT 15 Im Auftritt v. 09. Okt '12 (Folge 6) trat der Geldgeber Fritz Langs, Herr Goldstein, im Lokal auf und gab bekannt, im Horns einen neuen Film drehen zu wollen. Adele sah ihre Vorurteile bestätigt, witterte jüdisches Ungemach und verwies den Herrn des Hauses. 16 Im Auftritt v. 06. Nov 12 (Folge 7) wurde die Inhaltsangabe dieses Films im Rahmen der Outtakes vorgetragen. 17 Im Auftritt v. 06. Nov 12 (Folge 7) wurde die Inhaltsangabe dieses Films szenisch gelesen und pantomimisch nachgestellt. 18 Im Auftritt v. 10. Dez 12 (Folge 8) schlug Adele vor, diesen Film im neu eröffneten „Capitol“ im „Petershof“ anzuschauen 19 Im Auftritt v. 29. Jan 12 (Folge 9) wurde dieser Film mehrfach angesprochen. Das Plakat war zu sehen und Adolf war ganz verzückt von Marlene Dietrich. 20 Im Auftritt v. 28. Mai 13 (Folge 14) sprachen Adele und Anton über diesen Film, weil sie ihn gemeinsam gesehen hatten. Adele missfiel die „linke Propaganda“ des Films. 21 Auftritt v. 12. Jul 13 (Folge 15): Wie aus der Zeit gefallen wirkt es, als sich die Südknechts 1933 in ihrer neu erstandenen Kneipe im Lindenfels (die vorher einem Juden gehörte) in einer Rückblende noch einmal an diesen links-revolutionären Film erinnern.


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1933: „Das Testament des Dr. Mabuse“ (Spielfilm/DE/1933/115') ◦ Regie: Fritz Lang ◦ Totalverbot 1933: Joseph Goebbels vermerkt: „Sehr aufregend. Aber kann nicht freigegeben werden. Anleitung zum Verbrechen.“ Film wird im Ausland berühmt. Erst 1951 wird er in Dtl. Premiere haben. ◦ Inhalt: Der für seine hypnotischen Fähigkeiten berühmte Verbrecher Dr. Mabuse sitzt in der Nervenklinik Professor Baums. Im Zustand des Wahnsinns schreibt er pausenlos Mordund Terrorpläne nieder, die wie Anleitungen auf geheimnisvolle Weise von ei­ ner Verbrecherorganisation in die Tat umgesetzt werden. Die Polizei steht vor einem Rätsel, auch deshalb, weil die begangenen Verbrechen sinnlos erschei­ nen und eher Akten blindwütiger Zerstörungslust gleichen. Auch die Ganoven selbst sind in den tieferen Sinn ihrer Taten nicht eingeweiht und erhalten ihre Befehle über Zettel sowie von einem stets hinter einem Vorhang verborgenen Chef der Bande. Kent, ein aussteigewilliges Mitglied der „Organisation“, informiert schließlich Kommissar Lohmann, dass Dr. Mabuse hinter den Verbrechen stecke. Aber Mabuse ist bereits verstorben – obwohl die Pläne aus seinem schriftlich ver­ fassten „Testament“ weiter ausgeführt werden. Lohmann findet heraus, dass der tote Mabuse vom Leiter der Anstalt, Professor Baum, Besitz ergriffen hat. Als die Organisation zum ultimaten Schlag ausholt und eine chemische Fabrik in die Luft jagen will, kann die Polizei dies im letzten Augenblick verhindern.

16. Feb 34: Durch das Lichtspielgesetz vom 16. Februar 1934 wird dem von Joseph Goeb­ bels geleiteten Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda ein Reichsfilmdrama­ turg unterstellt. Die Aufgabe des Reichsfilmdramaturgen bestand in der Vorprüfung geplanter Filmproduktionen.

22. Feb 34: Premiere von „Es geschah in einer Nacht“. Dies ist der erste Film, der Oscars in den fünf wichtigsten Kategorien (bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch, bester Haupt ­ darsteller und beste Hauptdarstellerin) gewinnen kann.

18. Apr 34: Erste Fernsehübertragung in Deutschland.

9. Jun 34: Uraufführung von Die kluge kleine Henne. Diese Walt Disney-Produktion enthält den ersten Auftritt der Zeichentrickente Do­ nald Duck.

Feb 35: Die 20th Century Fox zieht sich aus dem Verleihgeschäft im Deutschen Reich vollständig zurück.


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Literatur Deutsche Literatur vor 1933 • Die Literatur der Weimarer Republik fällt in die Epoche der Neuen Sachlichkeit Werke der späten Phase dieser Epoche:

→ Begriff S. 43

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◦ Berlin Alexanderplatz (1929) - Döblin ◦ Aufstieg und Fall der Stadt Mahagon­ ny (1930) - Brecht ◦ Der Mann ohne Eigenschaften (1930) Musil ◦ Hiob (1930) - Roth ◦ Der Hauptmann von Köpenick (1931) Zuckmayer ◦ Kleiner Mann - was nun? (1932) Fallada ◦ Vor Sonnenuntergang (1932) Hauptmann Abb. 4: Thomas Mann im Arbeitszimmer 1932 ◦ Radetzkymarsch (1932) – Roth •

1925 veröffentlicht Lene Voigt ihre beiden wichtigsten Werke: ◦ „Säk'sche Balladen“ ◦ „Säk'sche Glassiger“22

Erich Kästner studiert ab 1919 an der Leipziger Universität. Ab 1925 lehrt er dort als Doktor der Philosophie. Von 1923 bis 1927 veröffentlicht er regelmäßig feuilletonistische Texte im „Leipziger Tagblatt“ und in der „Neuen Leipziger Zeitung“.23 Seine Kritiken, Glossen und Gedichte, die er als Kultur- und Politikredakteur verfasst, machen ihn über die Grenzen Leip­ zigs bekannt. 1927 geht er schließlich nach Berlin 24. Kästner publiziert bis zum seinem Veröffentlichungs-Verbot 1933 → siehe S.12.

10. Mai 33: Auf dem Augustusplatz in Leipzig sowie im ganzen Reich finden von der Deut­ schen Studentenschaft organisierte Bücherverbrennungen unliebsamer Autoren statt. Un­ ter anderem gehen Werke von Sigmund Freud, Erich Kästner → siehe S.12, Karl Marx, Heinrich Mann, Klaus Mann, Carl von Ossietzky, Erich Maria Remarque und Kurt Tucholsky in Flammen auf.

22 Im Auftritt vom 27. Sep 12 (Folge 5), lass Heike Ronniger, als Kaufmannsfrau, die mit dem Flugzeug nach Leipzig gekommen war, aus einer Originalausgabe dieses Werkes vor. Adolf und Anton versuchten sich ebenfalls im Vortrag der Mundart. 23 Im Auftritt vom 24. Mai 12 (Folge 4), lass Anton aus der Neuen Leipziger Zeitung Texte von Kästner vor. Der trinkende Arbeiter am Tresen (Urban) regierte mit Unverständnis auf diesen seltsamen Schöngeist und bemerkte: „Ach der Schreiberling wird in ein paar Jahren vergessen sein.“ 24 Im Auftritt vom 06. Nov 12 (Folge 7) sprach Adele Kästners Umzug nach Berlin in einem Nebensatz an. Adolf beschimpfte diesen schließlich als Unruhestifter, dem das Handwerk gelegt werden solle.


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Deutsche Literatur ab 1933 •

Bekenntnisse zum Nationalsozialismus: ◦ Gottfried Benn ergreift 1933 ausdrücklich Partei für "den neuen Staat" und attackiert die literarischen "Emigranten". ◦ 27. Feb 33: Kurz nach dem Reichstagsbrand: Schriftsteller wie Alfred Döblin, Leonhard Frank, Klaus und Heinrich Mann gehen ins Exil. Thomas Mann bleibt nach einer Vor­ tragsreise in Frankreich. ◦ Der Germanist Benno von Wiese tritt bereits im Mai 1933 der NSDAP bei.

Literaturzeitschrift „DAS INNERE REICH“ ◦ Die von April 1934 bis Herbst 1944 in München herausgegebene Literaturzeitschrift (mo­ natl. Auflage: 6.000) bietet grundsätzlich ein breites literarisches Spektrum, publiziert nicht nur nationalsozialistische, sondern auch politisch unbelastete Autoren. Die Heraus­ geber des Heftes bekennen sich jedoch früh zu den „neuen Verhältnissen“. Im program ­ matischen Aufsatz zu Beginn der ersten Nummer kritisieren sie literarische Exilanten und erklären den Namen der Monatsschrift: "[...] Entgegen der Meinung einer verzweifel­ ten, sogenannten „Geistigkeit“, die sich inner­ lich schon längst, äußerlich nun auch durch die Auswanderung von der Volkseele gelöst hat, sprechen wir getrost hier vom „Inneren Reich“, und nennen eine neue Zeitschrift, die der deutschen Dichtung und der deutschen Kunst dienen will, nach diesem Wort.[...]"

◦ Im gleichen Aufsatz befindet sich eine um­ fangreiche Lobesrede auf A. Hitler.

Abbildung 5: Erste Ausgabe: April 1934 (Deckblatt)

◦ Im Okt 36 wird die Zeitschrift wegen drei ideologisch abweichender Aufsätze kurzzeitig verboten. Das Parteiblatt "Völki­ scher Beobachter" nennt die Kulturzeit­ schrift daraufhin ein „Produkt jenes üblen Literatentums, das sich in seinem über­ heblichen Intellektualismus bewußt von der Gemeinschaft des neuen Staates fern­ hielt und in einer [...] albernen [...] Geistesathletik den Inbegriff schriftstelleri­ scher Arbeit erblickte“. Joseph Goebbels notiert am 13. Okt 36 dazu in sein Tagebuch: „Gestern: […] Zwei Zeitschriften „Inneres Reich“ und „Querschnitt“ wegen dreister Unverschämtheiten verboten. Das hat wohlgetan. Die waren wieder frech wie Dreck."


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Erich Kästner: ◦ Von 1931 bis Feb 1944 wohnt Kästner in der Ro­ scherstraße 16 in Berlin-Charlottenburg. ◦ Im Gegensatz zu fast allen seinen regimekriti­ schen Kollegen emigriert Kästner 1933 nicht. Er begründet diesen Schritt u.a. damit, dass er vor Ort Chronist der Ereignisse sein wolle. Mindestens genauso wichtig dürfte aber sein, dass er seine Mutter nicht alleine lassen will. ◦ Kurz vor seinem Verbot veröffentlicht Kästner 1933 „Das fliegende Klassenzimmer“.25 ◦ Schon ab 1933 wird Kästner mehrmals von der Gestapo vernommen und aus dem Schriftstel­ lerverband ausgeschlossen. Seine Werke fallen der Bücherverbrennung zum Opfer, welche er selbst aus nächster Nähe beobachtet. Sein Auf­ Abb. 6: E. Kästner 1930 (Berlin) nahmeantrag bei der Reichsschrifttumskammer wird wegen seiner „kulturbolschewistischen Haltung im Schrifttum vor 1933“ abge­ lehnt, was sich vor allem auf seine Unterzeichnung des Dringenden Appells des Inter­ nationalen Sozialistischen Kampfbundes vom Juni 1932 bezieht. Dies ist gleichbedeu­ tend mit einem Publikationsverbot für das Deutsche Reich. ◦ So beginnt Kästner ab 1934 unter Pseudonym zu schreiben. Er ist höchst produktiv und liefert auch der Unterhaltungsindustrie des Dritten Reiches Theatertexte und di­ verse Filmdrehbücher (teilweise als Mitautor). ◦ 1934/35 bringt er den Stoff von „Drei Männer im Schnee“ unter dem Pseudonym Robert Neuner als Komödie in vier Akten unter dem Titel „Das lebenslängliche Kind“ heraus. Abgesehen von den Namen der handelnden Personen sind die Inhalte weitestgehend identisch. Bereits die Uraufführung am 7. September 1934 am Schau­ spielhaus Bremen (Regie: Fritz Saalfeld) wird ein großer Erfolg. Bis 1936 gehört das Buch zu den beliebtesten im dt. Buchhandel. ◦ Nach den Olympischen Winterspielen 1936 schreibt Kästner als Fortsetzung zu "Das Fliegende Klassenzimmer" eine Kurzgeschichte unter dem Titel: „Zwei Schüler sind verschwunden“. In dieser Kurzgeschichte reißen die Tertianer Matthi­ as und Uli aus dem Internat in Kirchberg nach Garmisch-Partenkirchen aus, um bei den Winterspielen zuzusehen. Dabei freunden sie sich mit einem englischen Eis­ hockeyspieler an. Die Geschichte gelangt im Dt. Reich nicht zur Veröffentlichung. ◦ 1935 veröffentl. er im Ausland die Verwechslungskomödie „Die verschw. Miniatur“. ◦ 1936 folgt die Veröffentlichung eines kritischen, teils schwermütigen, bisweilen auch zynischen Gedichtbandes „Doktor Erich Kästners Lyrische Hausapotheke“ au­ ßerhalb des Deutschen Reiches.

Internationale Literatur 1933 bis 1937 ◦ ◦ ◦ ◦

1933: Agatha Christie veröffentlicht „Murder on the Orient Express“ 1935: Agatha Christie veröffentlicht den Kriminalroman Death in the Clouds. Jun 36: M. Mitchells Roman "Vom Winde verweht" (Gone With the Wind) erscheint. Jun 36: Ernest Hemingway veröffentl. d. Kurzgesch. „The Snows of Kilimanjaro“.

25 Im Aufritt v. 24. Sep 13 (Folge 16) hat Adele ein Päckchen mit einer Ertsausgabe von "Das fliegende Klassenzimmer" zugeschickt bekommen. Es stellte sich heraus, dass sie mit Kästner zu dessen Leipziger Studentenzeit ein Verhältnis hatte.


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Wirtschaft Allgemeine Lebenshaltung (nationaler Durchschnitt wenn nicht anders angegeben) Art

1937

1938

1939 ↗ 142 RM

Monatslohn

142 RM

↗ 140 RM

Monatsmiete

48 RM/2Z.Wg

↗ 49 RM/2Z.Wg

Brotpreis

0.31 RM/kg

→ 0.31 RM/kg

→ 0.31 RM/kg

Butterpreis

6.98 RM/kg

↗ 7.10 RM/kg

↗ 7.43 RM/kg

Bierpreis Festpreis bis 1944

0.39 RM/0,5l

→ 0.39 RM/0,5l

→ 0.39 RM/0,5l

Benzinpreis Festpreis bis 1945

0.39 RM/l

→ 0.39 RM/l

→ 0.39 RM/l

Arbeitslosengeld (monatlich)

-

Arbeitslose im Deutschen Reich Arbeitslose in Leipzig

1,7 Mio

-

↘ 1,25 Mio -

-

↘ 1,1 Mio -

Leipziger MUSTER MESSE→ Begriffserklärung S.43: mit der Eröffnung der Messehäuser „Mädlerpassage“ und „Zentralmessepalast“ gerät der Messeboom innerhalb des Stadtzentrums an seine Grenzen. ◦ 1920 Eröffnet die Technische Messe auf dem neu errich­ teten Messegelände am Völkerschlachtdenkmal in zu­ nächst 4 Hallen. ◦ Die wirtschaftl. Entwicklung der 1920er Jahre führte zu einem enormen Ausbau der Messe u.a. durch Errichtung 17 neuer Messehallen auf dem Messegelände. ◦ 1918 wird das „Doppel-M-Logo“ eingeführt. 1921 führt die Leipzige Messe als eine der ersten Institutionen welt­ weit damit ein vollständiges Corporate Design ◦ 1926 wird mit d. Ringmessehaus das größte Textil­ -Messehaus der Welt eröffnet. ◦ Trotz der neuen Technischen Messe wird im Stadtzentrum zur Frühjahrsmesse 1929 das Messehaus „Petershof“ feierlich eröffnet. ◦ Ab 1932 wird das Gelände von der NSDAP immer häufiger für gigantische Aufmärsche genutzt. Ab 1933 wird es zu einem der wesentlichen Propagandaplätze des Dritten Reiches.26 ◦ 6. Jan 38: Leipzig wird vom Reichsstadthalter Mutzschmann zur „Reichsmesse­ stadt“ ernannt und wird somit zur wichtigsten Messe im Dritten Reich.

1924 wird die Harth im Süden Leipzigs an die Braunkohle AG verkauft. Damit beginnt die Zerstörung des Leipziger Südraumes und der industrielle Aufstieg der Region Leipzig.27

26 Im Auftritt v. 24 Sep 13 (Folge 16) redete Adele auf ihren Sohn ein, wie schön es doch sei, dass er nun ein BDM-Mädel (Claudia) kennengelernt habe. Besonders hob sie hervor, auf welch schöner Veranstaltung er sie traf: Auf dem Sachsentreffen der NSDAP 1934 mit Adolf Hitler auf dem Geländer der technischen Messe und dem Völkerschlachtdenkmal. Anton bestätigte daraufhin zynisch, wie toll er die Illuminierung des Abendhimmels über dem Denkmal mit dem Feuerwerksschriftzug „Heil Hitler!“ gefunden habe. 27 Im Auftritt v. 24. Mai 12 (Folge 4) kam dieses Thema zur Geltung als der etwas größenwahnsinnige Bürgermeister, der soeben zur Zentrumspartei gewechselt war, mit dem Beginn des Tagesbaus im Leipziger Süden einen wirtschaftlichen Aufschwung prophezeite.


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Weltwirtschaftskrise (ab 1929): ◦ Der „Schwarze Donnerstag“ am 24. Oktober 1929 führt zur Weltwirtschaftskrise. An jenem Tag brechen an der Börse in New York die Aktienkurse massiv ein. Weil die Nach­ richt Europa / Deutschland erst am Folgetag erreicht, bilden die Zeitungen hierzulande rasch den Begriff vom „Schwarzen Freitag“.28 ◦ 1929 beginnt in Deutschland ein scharfe Rezession. Es werden Sozialleistungen gekürzt und vereinzelt Verbrauchssteuern erhöht.29 ◦ Auswirkungen der Welt-Wirtschaftskrise auf Leipzig: ▪ Die allgemeine Wirtschaftskrise trifft das hochindustrialisierte Leipzig sehr schwer. ▪ Zwischen 1929 und 1931 verdoppelt sich die Arbeitslosenzahl auf 130.000 und erreicht unter der arbeitsfähigen Bevölkerung Leipzigs einen Anteil von rund 38 %. ▪ Die besonders hohe Jugendarbeitslosigkeit treibt viele Junge in die Kampfgruppen der Linken Parteien. → siehe Fehler: Referenz nicht gefunden - S. Fehler: Referenz nicht gefunden ▪ Das Arbeitslosengeld endet schon nach 6 Wochen. ▪ 1930 beschließt die sächsische Landesregierung mehrere Notverordnungen. ▪ Am 1. April 1932 erreicht die Zahl der Erwerbslosen in Leipzig den absoluten Rekord von 185.392 Personen.30 ▪ Armenküchen entstehen unter freiem Himmel im Zentrum, in Lindenau sowie in der Südstraße und im Leipziger Osten.31

Wirtschaftsjahr 1933 ◦ 20. Feb 33: Hitler und Göring empfangen in Berlin die Spitzen der deutschen Industrie und des Bankenwesens (u.a. Krupp, Schacht, Vögler, Flick, Ernst Tengelmann), um ihnen das Wirtschaftsprogramm der neuen Regierung zu erläutern. Im Anschluss an dieses Treffen wird ein Fonds von 3 Millionen RM für die NSDAP und die DNVP zur Finanzierung der Reichstagswahlen am 5. März bereitgestellt. ◦ 1. Jun 33: Das „Gesetz zur Verminderung der Arbeitslosigkeit“ tritt in Kraft. Durch das Gesetz werden für eine Milliarde RM Arbeitsschatzanweisungen (Schatzbriefe) für „volkswirtschaftlich wertvolle Arbeit“ ausgegeben: ▪ Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen u.a. im Wohnungs-, Tief- und Straßenbau ▪ direkte „Sachleistungen an Hilfsbedürftige“ → Erhöhung der Sozialleistungen

Wirtschaftsjahre 1934-37 – Leipzig wird zur Rüstungsschmiede

◦ Die Allgemeine Transportanlagengesellschaft (ATG) mit dem Stammwerk in der Schönauer Straße beginnt mit dem Bau von Bombenflugzeugen: Serienfertigung Junkers W33 / W34 sowie „Behelfsbomber“ Ju 52 ◦ Gründung der Erla-Maschinenwerke auf dem Straßenbahngelände in L.-Heiterblick: 1935 beginnt dort ebenfalls Kriefsflugzeugproduktion. 2000 Arbeitsplätze entstehen. 28 Im Auftritt v. 10. Dez 12 (Folge 8) laß Anton im Oktober aufgeregt aus der Zeitung vor. Darin war geschrieben, dass die Börse zu­ sammengebrochen sei (Schwarzer Freitag). Anton schlussfolgert die Neue Leipziger Zeitung sei zu blöd um den Schwarzen Donners­ tag richtig zu benennen. Weiter laß er vor, Groß- und Kleinanleger verlören jede Menge Geld, die sie in Aktien angelegt hatten. Etwas später kam Adele dazu und stellte schockiert fest, dass auch sie viel Geld verloren hat. Mit ihren Aktienkäufen wollte sie eigentlich Antons militärische Ausbildung finanzieren. 29 Im Auftritt v. 29. Jan 13 (Folge 9) erschrak Adolf bei der vormittäglichen Zeitungslektüre als er lesen musste, dass die Biersteuer erhöht worden sei. Daraufhin folgte ein Gespräch mit Anton aus dem die prekäre Lage des Horns ersichtlich wurde. Die Kosten seien sehr hoch, der Umsatz schwach. 30 Im Auftritt v. 19. Mrz 13 (Folge 11) wurde dieser Rekord im Zuge des Vorspanns von Anton an die Tafel geschrieben. 31 Im Auftritt v. 10. Dez 12 (Folge 8) beklagte sich Anton über die wachsende Arbeitslosigkeit. Gemeinsam mit Adolf entsteht die Idee, in der Südstraße eine eigene Suppenversorgung für die Armen einzurichten in der Hoffnung, dies von der Stadt bezahlt zu bekommen. Die Idee wurde in dieser Folge jedoch nicht weiter verfolgt.


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Architektur •

Am 14. November 1928 wird Leipzigs erstes Hochhaus eingeweiht: Das Krochhoch­ haus des Bankiers Hans Kroch am Augustusplatz32

Im Sommer 1933 werden die Planungen für den Elster-Saale-Kanal sowie den Lindenau­ er Hafen reaktiviert: Im Rahmen der Arbeitsbeschaffung wird der Baubeginn bereits im September feierlich verkündet. 1934 läuft die riesige Baustelle in vollem Gange. Leipzig soll so erstmalig einen Großhafen erhalten. Die Begeisterung in der Bevölkerung ist groß, war doch schon der Kanalbau unter Karl-Heine eine wirtschaftlich und ingenieurs­ technisch höchst anspruchsvolle und erfolgreiche Unternehmung. Mit der Anbindung an das nationale Wasserstraßennetz verspricht sich Leipzig den Ausbau seines Ranges als zweit­ wichtigster Verkehrsknoten im Deutschen Reich durch die Vervollständigung seiner Ver­ kehrsnetze um einen hochmodernen Binnenhafen. ◦ Bereits im Juli 1933 werden über 5.000 zumeist junge Männer als Bauarbeiter eingestellt. 33 ◦ 1938 werden die Bauarbeiten am Elster-Saale-Kanal eingestellt. Stattdessen wird nun der Bau des Lindenauer Hafens vorangetrieben.

Abbildung 7: Verantwortliche posieren auf der Baustelle des Elster-Saale-Kanals im Sommer 1934

32 In den Auftritten v. 6. Nov 12 und v. 10. Dez 12 (Folge 7 u. 8) wurde die Errichtung des Hochhauses durch Vorlesen aus der Zeitung durch Adolf bzw. durch Kapitalismuskritik an der Person Krochs durch Anton verhandelt. 33 Auftritt v. 12. Jul 13 (Folge 15): NSDAP-Gauleiter von Sachsen, Martin Mutschmann (Urban Luig) forderte Adolf im Rahmen der Na­ tionalsozialistischen Arbeitsbeschaffung auf beim Ausheben des Lindenauer Hafenbeckens zu helfen. Auch Anton sollte dort Arbeit fin­ den. Adolf verbündete sich daraufhin mit Anton zu einer konspirativen Zelle, und erst, als Mutschmann bei einem Unfall ins Wasser stürzte, tagelang als vermisst galt, dann wieder auftauchte, zum Reichsstatthalter in Sachsen ernannt wurde und Adele nicht mehr der standesgemäße Umgang war, fand die Familie wieder zusammen.


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Gastgewerbe •

Seit 1848 edelstes Hotel Leipzigs ist das Hotel de Pologne in der Hainstraße. Es besitzt einen riesigen Barock-Saal für 1.500 Gäste und avanciert in der zweiten Hälfte der 20er Jahre zur Residenz internationaler Staatsgäste im Rahmen d. Frühjahrs- u. Herbstmessen. Weil es nicht modernisiert wird, läuft ihm bald das Astoria den Rang ab.

Seit 1915 existiert neben dem Hauptbahnhof das neue Hotel „Astoria“ als einziges Grand-Hotel der Stadt. Es bietet bis zu 470 Gästen Übernachtungsmöglichkeiten und ver­ fügt über eine Hallenbar, ein Tanzcafé, Gesellschaftsräume u. mehrere Restaurants. ◦ Der jüdische Eigentümer wird 1931 erst­ malig wegen fadenscheiniger Anschuldi­ gung der Untreue und anderer angeblicher Vergehen verhaftet. ◦ Bis 1933 wird er über sechs Mal verhaftet Abbildung 8: Postkarte 1930: "Die Elektrische" und wieder freigelassen. Die Leipziger am Hauptbahnhof - im Hintergr.: Hotel ASTORIA Volkszeitung vermutet dahinter faschistische Aktivisten ◦ Im Zuge der Gleichschaltung muss er das Hotel für einen symbolischen Preis verkaufen und flieht nach London.

Abbildung 9: 1919 - Großer Speisesaal im Hotel ASTORIA •

26. Apr 33: Freiwillige Beflaggung der Gastlokale Die NSDAP feiert in der Presse den erfolgreichen Ab­ schluss der Gleichschaltung. Nahezu die Hälfte aller Gaststätten und Hotels haben zu diesem Zeitpunkt frei­ willig und aus geschäftlichem Kalkül die Außenfassaden sowie die Innenräume mit Hakenkreuzfahnen dekoriert. Die NSDAP gibt in der NLZ bekannt, dass als Gastwirt nur noch beflaggen darf, wer auch eine entspr. Genehmi­ gung der Kreisparteileitung eingeholt hat. Damit soll poli­ tischer Einfluss auf die Wirtschaften sichergestellt wer­ den. Fast alle Leipziger Wirtschaften beantragen diese Genehmigung und erhalten sie.


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Verkehr & Kommunikation Eisenbahnverkehr • mit dem Leipziger Hauptbahnhof besitzt die Stadt Europas größten Kopfbahnhof und ge­ hört neben Berlin, Frankfurt und München zu den vier bedeutendsten Eisenbahnkonten im Netz der Deutschen Reichsbahn.

Abb. 11: SVT "Fliegender Hamburger" - Bauart "Leipzig" Baujahr 1933 - Leipzig Hbf 2012 •

1933 Führt die Reichsbahn das Fernschnellzugnetz ein. Neben den bisherigen D-Zügen fahren nun die sog. FD-Züge. Ab 1935 werdem fast alle dieser Züge mit hochmodernen Schnellverbrennungstriebwagen (SVT) vom Typ „Fliegender Hamburger“ mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 160 km/h bedient.34 Sie werden mit dem Kürzel „FDt“ im Fahrplan geführt und stehen für den absoluten Fortschritt der Zeit. Ziel des Fernschnellzugnetzes ist es – ganz den Wünschen der Hitler-Regierung entsprechend – die Reichshauptstadt Berlin so schnell an das Reich anzubinden, dass eine Geschäftsreise von und zu jeder deutschen Metropole innerhalb eines Arbeitstages inkl. Hin- und Rückfahrt möglich wird. So verkehrt ab dem 15. Mai 33 der Triebzug planmäßig zwischen Berlin Lehrter Bahnhof und Hamburg Hauptbahnhof. Für die 286 km lange Strecke benötigt er 138 Minuten, eine Zeit, die erst 64 Jahre später, im Mai 1997, von einem ICE-Zug der Deutschen Bahn AG wieder erreicht werden wird. 11. Mai 36: Die Reichsbahn stellt mit einer Lok der Baureihe 05 einen Geschwindigkeits­ weltrekord für Dampfloks auf. Die Lok erreicht zwischen Leipzig und Berlin eine Geschwindigkeit von 200,4 km/h.

34 Auftritt v. 15. Okt 13 (Folge 17 – 1935/36): Frau Lüders nahm Adele mit zu sich nach Hamburg. Sie ist die Delegierte einer Hambur­ ger Kaffeerösterei und kam ins Horns um zu verkünden, Adele habe mit einem Werbe-Gedicht den 1. Preis bei einem Lyrik-Wettbe­ werb gewonnen. Anschließend reißt Adele mit diesem Zug gemeinsam mit Frau Lüders nach Hamburg. Frau Lüders kehrte vorzeitig und ohne Adele ins Horns zurück, sie habe Adolfs verschollenen Bruder Wilhelm gefunden. Er sei auf einem Schiff nach Ostafrika un­ terwegs. Adele telefoniert aus Hamburg, sie komme erst in 2 Tagen (rechtzeitig zu Adolfs Geburtstag) zurück, sie müsse sich einem medizinischen Eingriff unterziehen. Schließlich trifft sie mit dem Fliegenden Hamburger wieder rechtzeitig in Leipzig ein.


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Luftverkehr

Abbildung 12: Heinkel He 111C-01 D-AQYF, die 1936 unter dem Namen "Leipzig" in Dienst gestellt wird •

Am 27. April 1927 nimmt der „Mitteldeutsche Zentralflughafen Halle/Leipzig“ in Schkeu­ ditz den Flugbetrieb auf.35 ◦ 1935 startet die Lufthansa ab Leipzig die ersten deutschen Nachtflüge. ◦ 1936 etabliert die Lufthansa sog. „Blitzstrecken“ mit der Ju 160 nach Hannover, Dresden und Chemnitz. Während der Messen werden auch Berlin, Frankfurt und München bedient. ◦ 6. Mai 37: Der bisher größte Zeppelin „Hindenburg“ geht bei d. Landung auf d. US-Luft­ hafen Lakehurst in Flammen auf. Dabei kommen 32 von 97 Passagieren ums Leben.36

Straßenverkehr • 1934-36 werden die seit 1930 eingerichteten Fernverkehrsstraßen unter Beibehaltung der Nummerierung in Reichsstraßen umbenannt, welches die Grundlage des heute existieren­ den Systems der Autobahnen und Bundesstraßen bildet. • 29. Jun 38: Inbetriebnahme der ersten Oberleitungsbuslinie (Obus) in Leipzig zwischen Kronprinzenstraße (heute K.-Eisner-Str.) und Kleinzschocher. Kommunikation • ab 1934 werden Volksempfänger flächendeckend verkauft. → siehe Begriff S. 46 • 01. Mrz 36: Zwischen Leipzig und Berlin findet das erste Videotelefon-Gespräch statt. • 22. Mrz 36: Ausstrahlung d. ersten reg. Fernsehprogramms d. Welt v. Funkturm Berlin 35 Im Auftritt v. 26. Feb 13 (Folge 10) kam Jean-Jacques (der bereits in Folge 1 als Liebhaber Adeles aufgetreten war) derangiertem Zustand an. Er wollte zu Adele und war extra mit dem Flugzeug angereist (Erstaunen). Es kam zur romantischen Wiederbegegnung mit gleichzeitigem Abschied: Jean-Jacques war nur noch einmal zurückgekommen, um Adele ein letztes Mal in die Arme zu schließen. Dafür ließ er sich auch für 2.000 RM diverse Gegenstände, u.a. einen großen Spiegel (aus der Wohnung im 2. Stock entwendet) andrehen. Adele und Anton brachten ihn anschließend mitsamt den Sachen zum Flughafen. Später stellte sich heraus, dass J.-J. Zuhause eine Frau hat, die ebenfalls ein Kind unter dem Herzen trägt. 36 Auftritt v. 19. Nov 13 (Folge 18 – 1936/37): Die Südknechts hörten im Volksempfänger von der Katastrophe.


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Handel & Mode • •

Seit 1914 besteht Leipzigs erstes Warenhaus „Althoff“ (heute Karstadt) in der Petersstraße. Es gilt in den 20ern als beste Adresse in Sachen Mode. 37 Kaufhaus am Brühl Nr. 1: 1927 wird das seit 1908 bestehende und mehrfach erweiterte Kaufhaus erneut vergrößert. Erstmals in einem Leipziger Warenhaus wird dabei eine Roll­ treppe installiert. 1928 bedienen etwa 600 Angestellte die Kunden des Kaufhauses auf fast 20.000 Quadratmetern Verkaufsfläche. 38 39 Das Kaufhaus „Wohl-Wert“ → Begriff S.47 ist bei den Leipzigern besonders wegen seiner gerin­ gen Preise und großen Auswahl beliebt. ◦ Herrenmode 1930er Jahre

37 Im Auftritt v. 08. Feb 12 (Folge 1 – 1920) wurde dieses Kaufhaus als Adeles liebstes Geschäft eingeführt. Sie ersteht dort moderne Mode für die Frau (heimlich finanziert aus der Abendkasse). Die Modernität des Kaufhauses stand im großen Widerspruch zu ihrer konservativen Kleidung, die sie gern gegen etwas modisches eintauschen würde. 38 Im Auftritt v. 09. Okt 12 (Folge 6 – 1927) wurde ein Ausflug in das neue Kaufhauses am Brühl gezeigt, wobei Adele über die Waren­ vielfalt staunte und Anton Leipzigs erste Rolltreppe entdeckte. Besondere Ironie erlangte die Einlage, weil Anton von diesem Ausflug im Auftritt erzählte und dabei den Namen des Kaufhauses nicht nannte und stattdessen von „diesem riesigen Konsumtempel am Brühl“ sprach, „der gerade nach seinem Umbau eröffnet wird“. Zwei Tage vor dem Auftr. waren im Jahr 2012 die „Höfe am Brühl“ eröffnet worden, die in der Leipziger Öffentl. eine ähnl. Kontroverse auslösten wie die Einweihung des Vorgängergebäudes damals. 39 Im Auftritt v. 06. Nov 12 (Folge 7 – 1928) stahl Adele eine große Menge Bargeld aus der Kasse um anschließend im neuen Kaufhaus am Brühl einen Pelz-Schal zu kaufen. Daraufhin kam die Schutzpolizei ins Spiel, konnte den Dieb aber nicht ermitteln.


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◦ Adolf Hitler (NSDAP) ab 30. Januar 1933 (Franz v. Pappen ist Vizekanzler bis 7. August 1943)

Abbildung 13: Adolf Hitler feiert den Wahlsieg 1933 ◦ Kurt von Schleicher (parteilos) bis 28. Januar 1933 ◦ Wilhelm Marx40 (Zentrum) bis 28. Juni 1928 •

Reichskabinett: ◦ Kabinett Hitler ab 30. Januar 1933 ◦ Kabinett Schleicher41 (3. Dezember 1932 bis 30. Januar 1933): 2 DNVP, 8 parteilos

Sächsiche Landesregierung: ◦ Reichsstatthalter: Gauleiter Martin Mutschmann (ab 26. Mai 33)

Leipziger Stadtrat: ◦ Rudolf Haake (NSDAP) 11. Okt 38 – 20. Aug 39 ◦ Walter Dönicke (NSDAP) 12. Okt 37 – 11. Okt 38 ◦ Rudolf Haake (NSDAP) 1. Apr 37 – 11. Okt 37 42 ◦ Carl Friedrich Goerdeler (DNVP) bis 31. Mrz 37

40 Im Auftritt v. 24. Mai 12 (Folge 4) wurde der gesamte Reichpräsidentenwahl zum Roten Faden der Show. → Politk 41 Im Auftritt v. 19. Mrz 13 (Folge 11) echauffierte sich Adele über die ständige wechselnde Reichsregierung. Die ständigen Rücktritte müssten endlich aufhören. Wenn es nach Ihr ginge, dann würde das deutsche Volk bald wieder von einem starken Mann angeführt. 42 Im Auftritt v. 29. Jan 13 (Folge 9) waren seine Wahl und Amtseinführung sowie sein politisches Programm mehrfach Thema


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Weltpolitik •

1927-28 Beseitigung der sog. "Linken Opposition" in Russland: Nachdem Leo Trotzki 1926 aus dem Politbüro und Ende 1927 auch aus der KPdSU ausgeschlossen worden war, wird er am 17. Januar 1928 gemeinsam mit anderen Oppositionellen nach Alma-Ata (heute Kasachstan) verbannt. 43

Die faschistische Allianz mit Italien und der „Anschluss“ Österreichs: ◦ Italien 1932: In Rom feiert Benito Mussolini die zehnjährige Herrschaft als faschistischer Diktator Italiens mit einer tagelangen Festzeremonie.44 Der ehemalige Anhänger von Karl Marx, der als junger Mann für linke Zeitungen schrieb, hat sich im Zuge seiner politischen Karriere und verschiedener persönlicher Nieder­ lagen zum Erfinder des italienischen Faschismus entwickelt. ◦ 1933: Die "Rückkehr der Ostmark" gehört seit Gründung der NSDAP zu den zentralen Parteilzielen. Doch der Terrorfeldzug, den die seit Juni 1933 in Österreich verbotene NSDAP ge­ gen das reaktionäre Wiener Kabinett unter Engelbert Dollfuß inszeniert, führt zu einer offenen Konfrontation Abbildung 14: Mussolini und Hitler (v.l.) in München zwischen dem nationalsozialisti­ schen Deutschland und dem faschistischen Italien. Denn Dollfuß reagiert auf den Druck Deutschlands mit immer engerer Anlehnung an Mussolini. ◦ Mrz 34: Mit den "Römischen Protokollen" übernimmt Benito Mussolini sogar eine formelle Bestandsgarantie Österreichs. ◦ 14. Jun 34: Adolf Hitler reist zum Staatsbesuch nach Venedig - Italien, um beim „deutsch-italienischen Gipfel“ die Österreichfrage zu lösen. Hitlers Bitte, den Österreichern den Schutz der italienischen Faschisten wieder zu entziehen, verweigert Mussolini beim Treffen. Hitler ist voll Zorn. ◦ 25. Jul 34: Als Reaktion auf Mussolinis Weigerung putschen österreichische SS-Einheiten und ermorden den österreichischen Kabinetspräsidenten Dollfuß. Zum Sturz des österr. „Ständestaates“ (antimarxistische, autoritäre Staatsform nach Dollfuß 1934-1938) führt dies nicht. Im Gegenzug übt Italien auf seine engsten Bundesgenossen in Österreich, die faschistischen "Heimwehren", Druck aus, zweitens läßt Mussolini demonstrativ vier Divisionen an der italienischen Nordgrenze aufmarschieren. Hitler erkennt, dass er besser nicht militärisch eingreifen sollte. Er fügt sich und sendet zum Tod von Dollfuß sogar ein heuchlerisches Beileidstelegramm an den österr. Bundespräsidenten Wilhelm Miklas, auf den ein eigenes SS-Kommando angesetzt gewesen war. ◦ Erst am 12. Mrz 38 gelingt dem Deutschen Reich die Annexion Österreichs. 26. Apr 37: Das dt. Flugzeuggeschwader Legion Condor zerstört die baskische Stadt Guernica

43 Im Auftritt vom 06. Nov 12 (Folge 7) kam Antons alter Schulfreund, Richard B., aus dem Gefängnis um Anton mit auf die Partei­ schule nach Leningrad zu nehmen. Beide wollten aus Anlass der Vertreibung Trotzkis aus Russland in der linken Opposition aktiv werden und an der Revolution teilnehmen. Auf dem Fockeberg stehend (Fehler: dieser entstand erst aus Schutt des 2. WK) riefen Anton und Richard ihre Vision eines Kommunistischen Europas in den Leipziger Himmel. Am Ende der Folge ging Richard jedoch ohne Anton, da dieser in letzter Sekunde einen Rückzieher machte und bei der Familie blieb. 44 Im Auftritt vom 19. Mrz 13 (Folge 11) berichtete Anton seinen Genossen im Saal aufgeregt von der Feier in Italien. Es sei eine Schande, dass die Italiener damals diesen Clown gewählt hätten. (Lacher im Publikum wegen des tagesaktuellen Bezugs zu Berlusconi). Außerdem machte Anton dessen Führergruß nach, wobei die Ähnlichkeit des viel jüngeren dt. Hitlergrußes auffiel.


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Politik im Deutschen Reich • •

Nach dem Tod Friedrich Eberts am 28. Februar 1925 kommt es erstmals zur Wahl des Reichspräsidenten. Hindenburg siegt mit 48,3 % gegenüber 45,3 % für Marx.45 Fürstenenteignung: Im ersten reichsweiten Volksentscheid am 20.06.1926 sprechen sich 54,9 % der Wahlberechtigten für d. entschädigungslose Enteignung d. Fürsten aus.46 30. Jan 33: Reichspräsident Hindenburg ernennt Adolf Hitler zum Reichskanzler.47 Die­ ser leistet den Eid auf die Verfassung und fährt in die Reichskanzlei wo er den Reportern tri­ umphierend mitteilt: „Keine Macht der Welt wird mich jemals lebend hier wieder herausbringen.“

4. Feb 33: Der Reichspräsident erlässt die „Verordnung zum Schutz des deutschen Volkes“; sie setzt Versammlungs- und Pressefreiheit weitgehend außer Kraft.48

27. Feb 33: Der Reichstag brennt. Noch in der selben Nacht kommt es reichsweit zu zahl­ reichen Verhaftungen.49

28. Feb 33: Am Tag nach dem Reichstagsbrand beginnt endgültig die offene Terrorherr­ schaft der Nationalsozialisten. Hitler befielt die „rücksichtslose Auseinandersetzung mit der KPD“. Der Kampf gegen sie dürfe nicht von „juristischen Erwägungen“ abhängig gemacht werden. Göring erläutert vor dem Reichskabinett die sofort einsetzenden Maßnahmen: Schließung aller KPD-Lokale, Verhaftung aller KPD-Abgeordneten, höchste Alarmbereitschaft für die Polizei

28. Feb 33: Der Reichspräsident Hindenburg erlässt die „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“. Die Presse bezeichnet sie bald als "Reichstagsbrandverordnung". Sie setzt wesentliche Grundrechte außer Kraft und überträgt Befugnisse des Reichspräsidenten auf die neue Reichsregierung unter Hitler.

3. Mrz 33: Der KPD-Vorsitzende Ernst Thälmann wird festgenommen.50 Seine Haft wird elf Jahre dauern und am 18. Aug 44 mit dem Tod durch Erschießen im KZ Buchenwald enden.

45 Im Auftritt vom 24. Mai (Folge 4 – 1925), wurde der gesamte Reichpräsidentenwahl zum Roten Faden der Show. Urban, der Gast dieser Folge, verkörperte den Bürgermeister Leipzigs, der über den Verlauf der Show ständig die Parteizugehörigkeit wechselte. Zuerst war er bei der KPD, dann bei der SPD. Als er merkte, dass deren Kandidat wohl kaum eine Chance haben würde, wechselte er schließlich zur Zentrumspartei. Während sich Adele im Gespräch mit dem Bürgermeister als Anhängerin Hindenburgs offenbarte, hielt Anton flammende Reden für die Kommunistisch Partei und deren Kandidaten Ernst Thälmann. 46 Im Auftritt vom 27. September (Folge 5 – 1926), entwickelt sich dieser Volksentscheid zum Cliffhanger. Zunächst erzählt Anton in einem Solo dem Publikum, dass er bei dieser ersten Volksabstimmung der jungen Republik dabei sein werde und fordert alle auf, eben­ falls für die Enteignung der Fürsten zu stimmen. Am Ende spricht Adele ihren Sohn auf den Cliffhanger der letzten Folge an – mit dem auch diese Folge wieder begann -, in dem Anton eilig fort rannte und seinen Eltern zurief: „Wenn ich in 24h nicht wieder da bin, dann ruft die Polizei!“. Adele will nun wissen wo Anton war. Er gesteht ihr, dass er am Vorabend der Abstimmung mit Freunden von der KPD beim Stadthaus ihrer Eltern in Gohlis gewesen sei. Alles deutet darauf hin, dass Anton und seine Freunde es angezündet oder ander­ weitig „enteignet“ hatten. Adele rastet aus, Anton lässt sich zum Ausruf der „Internationalen“ hinreißen. Zu klären bleibt, wie das Stadt­ haus von Adeles Eltern zur Rollenbiographie Adeles passt und ob ihre Eltern überhaupt dem Adel angehören. Abzuwarten bleibt, ob Antons tat Folgen hat. → Lösung erfolgte in Folge 6 47 Auftritt vom 16. Apr 13 (Folge 12 – 1933): Adele war begeistert, als sie ihren Mann diese Nachricht aus der Zeitung vorlesen hörte. 48 Auftritt vom 16. Apr 13 (Folge 12 – 1933): Anton bereite seinen Eltern große Sorgen, da er nicht aufhören wollte, an Demonstrationen und Kundgebungen der KDP teilzunehmen. 49 Auftritt v. 16. Apr 13 (Folge 12 – 1933): Wie schon in Folge 11 tauchte ein KPD-Genosse Antons auf. Auch dieser war auf der Flucht. Im Zuge des Reichstagsbrandes versuchte nun auch Anton, sich zu verstecken. Im Auftritt vom 14. Mai 13 (Folge 13) im Albertpark traf Anton erstmalig auf einen NSDAP-Funktionär. Dieser versprach Anton, in der Reichshauptstadt als als Filmvorführer arbeiten zu dürfen. Anton traute dem Mann nicht und hat Angst, von ihm verraten und verhaftet zu werden. Alle befürchteten, dass bereits zu viel über Antons politische Vergangenheit bekannt war bis Vater Adolf eine Unfall inszenierte und den NSDAP-Mann im Teich des Parks in der Fontäne ertränkte. Anschließend sang Adele das Lied „Von der braunen Fontäne“. Im Auftritt vom 28. Mai 13 (Folge 14) ermittelte die Gestpo erneut in der Sache. Adolf rettete der Familie die Haut in dem er einen geistig behinderten Nachbarn und Stammgast (Larsen Sechert) denunzierte und für den Vorfall verantwortlich macht. 50 Auftritt v. 14. Mai 13 (Folge 13 – 1933): Anton glaubte noch auf E. Thälmann in Leipzig bei einer Kundgebung zur Reichstagswahl zu treffen. Zufrieden lachend teilte ihm der NSDAP-Funktionär, der die Südknechts aus Berlin besuchte, mit, dass Thälmann „der Dreckskommunist“ inhaftiert worden sei.


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5. Mrz 33: Reichstagswahl: Die NSDAP erringt mit 17.280.000 Stimmen 288 von 647 (44,5%) die Mehrheit der Mandate im Reichstag. ◦ Da die NSDAP eine absolute Mehrheit nicht erreichen konnte, koaliert sie mit der rechts­ -konservativen DNVP (8,0%) und bildet die Regierung. ◦ In einer Studie aus den 60er Jahren, die circa 950 repräsentativ ausgewählte ehemalige NSDAP-Wähler vom 5. Mrz 33 zu Ihren Walhlmotiven befragte, stellten sich folgende Wahlziele heraus, wegen derer diese Menschen ihr Kreuz bei der NSDAP gesetzt hatten: ▪ ▪ ▪ ▪ ▪

29,7% - „Arbeit und Brot“ → siehe Kapitel „Wirtschaft“ ab S. 13 20,5 % - „Versagen der Weimarer Parteien“ 17,6 % „Versailler Diktat“ → Demütigung durch die Reparationen aus d. Vertrag von Versailles wegen der dt. Schuld am Weltkrieg 8,1 % „Antikommunismus“ 6 Mio. KPD-Wähler 1932 waren Auslöser für die Angst vor einem „Sowjet-Deutschland“ 7,1 % „Sicherheit und Ordnung“

20. Mrz 33: H. Himmler läßt auf dem Gelände einer ehem. Pulverfabrik bei Dachau in Süddeutschland das erste zentral organisierte Kon­ zentrationslager errichten.

21. Mrz 33: Am sog. Tag von Pots­ dam ruft Reichstagspräsident Her­ mann Göring die Eröffnung des drit­ ten deutschen Reichstages und da­ mit das Dritte Reich aus und erklärt: „Weimar ist überwunden“

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Abb. 15: Erste politische Häftlinge kommen in Dachau an

24. Mrz 33: Das „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich“, das sog. Ermächti­ gungsgesetz tritt, vom Reichstag mit der notwendigen Zweidrittelmehrheit einzig gegen die Stimmen der SPD beschlossen (KPD bereits verboten), in Kraft. ◦ In Leipzig hält Oberbürgermeister Dr. Goerdeler vor den versammelten Stadtverordneten eine flammende Unterstützungsrede für das Ermächtigungsgesetz.51

28. Mrz 33: Adolf Hitler ruft zum Boykott gegen die Juden auf.

31. Mrz 33: Das „vorläufige Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich“ (1. Gleichschaltungsgesetz) wird erlassen. Es veranlasst die Neu- bzw. Umbildung aller Land­ tage und Gemeindeverwaltungen nach dem Reichstagswahlergebnis vom 5. März. Mit dem Gesetz findet der Begriff „Gleichschaltung“ Ein­ zug in den allg. politischen Sprachgebrauch.

1. Apr 33: Um 10 Uhr beginnt ein allg. Juden­ boykott: Julius Streicher, Vorsitzender des „Zentralkomitees der NDSAP zur Abwehr der jü­ dischen Greuel und Boykotthetze“, droht eine to­ tale Vernichtung des Judentums an.

Abbildung 16: SA-Mann beklebt jüdisches Schaufenster in Berlin am 1. Apr 33

51 Auftritt v. 28. Mai 13 (Folge 14 – 1933): Adele freute sich über die neue Ordnung. Anton fühlte sich herausgefordert und echauffierte sich über die Rede des OBM im Stadtrat, welche in der Zeitung abgedruckt war.


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4. Apr 33: Gegen die drei bulgarischen Kommunisten Georg Dimitroff, Blagoi Popoff und Wassil Taneff sowie MdR Ernst Torgler (KDP) wird im Zusammenhang mit dem Brand des Reichstagsgebäudes Haftbefehl erlassen. → Kapitel: Justiz - S. 38

7. Apr 33: Das „2. Gesetz zur Gleichschaltung mit dem Reich“, das sog. „Reichsstatthal­ tergesetz“ wird erlassen: Reichsstatth. v. Sachs. wird Gauleiter Martin Mutschmann.

10. Apr 33: Der 1. Mai wird per Gesetz zum „Feiertag der nationalen Arbeit“ erklärt.

20. Apr 33: Hitlers Geburtstag wird erstmals in ganz Deutschland als nationaler Feiertag begangen. In Deutschland beginnen ihm zu Ehren überall Straßenumbenennungen.

10. Mai 33: In fast allen deutschen Großstädten (in Leipzig auf dem Augustusplatz) werden mehr als 20.000 Bücher verbrannt.

Jun – Jul 33 : Totalverbot der SPD und all ihrer Ersatzorganisationen und Zeitungen. Die Zentrumspartei löst sich auf. Nun ist die NSDAP die einzig verbliebene Partei.

12. Nov 33: Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund → Begriff S.46

20. Jan 34: Die Nationalsozialisten erlassen das Gesetz zur Ordnung der nationalen Ar­ beit. In den Wirtschaftsunternehmen wird damit das Führerprinzip eingeführt. Ihrem Vorge­ setzten gegenüber werden Mitarbeiter zu absolutem Gehorsam verpflichtet.

Jun-Jul 34: Ernst-Röhm-Putsch ◦ Neben dem von der NS-Propaganda verbreiteten Begriff Röhm-Putsch ist zunächst der Ausdruck "Röhm-Revolte" vorherrschend. Der Volksmund spricht auch von der "Nacht der langen Messer". Die Morde werden von der Führung also als präventive Maßnahme ge­ gen einen angeblich unmittelbar bevorstehenden Putsch Röhms dargestellt. Auf diese Weise soll ihnen der Schein einer gewissen Legitimation verschafft werden. (Obwohl es Putsch-Pläne tatsächlich nicht gab, hat sich bisher in der deutschen Geschichtswissen­ schaft der damalige Propaganda-Begriff „Röhm-Putsch“ gehalten.) ◦ Die von den Nationalsozialisten als "Röhm-Putsch" verschleierte Mordaktion rechtfertigte die Reichsregierung am 2. Juli 1934 nachträglich per Gesetz als "Staatsnotstand". ◦ Die darin verstrickte Reichswehr hatte sich des lästigen Konkurrenzanspruches der SA entledigt. Um auch zukünftig der Gunst Hitlers sicher zu sein, ordnete Reichskriegsminis­ ter Werner v. Blomberg noch am Todestag von Reichspräsident v. Hindenburg die Verei ­ digung d. Reichswehr auf die Person des "Führers und Reichskanzlers" an.

2. Aug 34: Tod von Reichspräsident Paul von Hindenburg. Noch am selben Tag wird die Reichswehr auf Reichskanzler Adolf Hitler vereidigt.

19. Aug 34: Volksabstimmung über die Zusammenlegung der Ämter des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers in der Person Adolf Hitlers

13. Jan 35 - Volksabstimmung im Saargebiet: 90,8 % sind für die Rückgliederung an das Deutsche Reich

16. Mrz 35: Mit dem "Gesetz für den Aufbau der Wehrmacht" wird die Allgemeine Wehr­ pflicht in Deutschland wiedereingeführt und eine Aufrüstung der deutschen Streitkräfte auf 550.000 Mann beschlossen.


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26. Jun 35: Für Männer zw. 18 u. 25 wird halbjährige Reichsarbeitsdienstpflicht eingeführt.

15. Sep 35: Verabschiedung der Nürnberger Rassengesetze („Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“, „Blutschutzgesetz“) 52

15. Sep 35: Juden verlieren durch das Reichsbürgergesetz das Wahlrecht. Außerdem werden Ihnen, ebenso wie allen anderen Nicht-Ariern die allg. Bürgerrechte aberkannt.

29. Mrz 36 – Reichstagswahl: Die Einheitsliste der NSDAP erreicht offiziell 98,8 % der Stimmen, 1,2 % waren ungültig. Dabei ist zu berücksichtigen, dass auch leere Stimmzettel als Stimmen für die NSDAP gewertet werden, welche somit alle 741 Sitze im Reichstag erhält. 19 der Sitze werden von Gästen belegt.

11. Mrz 38: Der österreichische Bundeskanzler Kurt Schuschnigg tritt nach ultimativen Äuße­ rungen Adolf Hitlers zurück. "Vor der Gewalt weiche" er eher, als einen Kampf zu beginnen, erklärt Schuschnigg in einer Rundfunkansprache. Der Nationalsozialist Arthur Seyß-Inquart bildet eine neue Regierung.

12. Mrz 38: Adolf Hitler lässt reichsdeutsche Wehrmachtstruppen in Österreich ein­ marschieren und vollzieht damit den ersten Schritt für den Anschluss an d. Dt. Reich

1. Okt 38: Einmarsch der Wehrmachtstruppen in das Sudetenland

27. Okt 38: Das Auswärtige Amt des Deutschen Reiches verfügt die „vollständige Auswei­ sung aller Juden polnischer Staatsangehörigkeit“. Noch am selben Abend beginnt die Gesta­ po in Deutschland in aller Öffentlichkeit mit den Verhaftungen. Tausende Menschen werden schon in der folgenden Nacht nach Polen deportiert.

9. Nov 38: „Reichskristallnacht“ Pogrom gegen die Juden im Deutschen Reich

Jan 1939: Hitler äußert sich in einer Reichstagsrede noch einmal in aller Deutlichkeit zur Ju­ denfrage. Im Falle eines Weltkrieges, den er nicht ausschließt, verheißt er die „Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa“ → siehe Der Völkermord - S. 32. Den in Deutschland verbliebenen Juden wird derweil jegliches Mietrecht entzogen. Mit Einrichtung von Judenhäuser beginnt Ghettoisierung. Die Erweiterung des Deutschen Reiches durch die Vereinnahmung Österreichs und des Sudetenlandes hat aus Deutschland das Großdeutsche Reich gemacht.

1. Aug 39: Verkleidete SS-Angehörige fingieren einen polnischen Überfall auf den Sender Gleiwitz u. liefern damit die Rechtfertigung für d. Kriegsangriff auf Polen am nächsten Morgen.

1. Sep 39 - Beginn des Zweiten Weltkrieges in Europa: Einmarsch deutscher Truppen in Polen und damit Auslösung der Beistands- (englisch-französische Garantieerklärung) und Ko­ operationspakte (Deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt); Großbritannien und Frankreich for ­ dern Hitler auf, sich aus Polen sofort zurückzuziehen;

3. Sep 39: Kriegserklärungen Frankreichs und Großbritanniens an das Großdeutsche Reich; der britische Passagierdampfer „Athenia“ wird von einem deutschen U-Boot ohne Vorwar­ nung versenkt; Die Regierungen von Australien und Neuseeland erklären dem Deutschen Reich den Krieg

52 Auftritt v. 15. Okt 13 (Folge 17 – 1935/36): Die Eröffnung der entsprechenden Leipziger Behörde zur Kontrolle und Ausstellung der Arier-Nachweise wurde von Anton erwähnt und von Adele wohlwollend zur Kenntnis genommen. Außerdem reflektierte Anton in einem Monolog über die seltsamen Gesichtsvermessungen die nun überall stattfänden. Dabei wurden entsprechende Schautafeln auf der Leinwand gezeigt. Kurz darauf hängte Adele solche Tafeln im Gastraum auf.


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Die NSDAP → Begriff S. 44 in Sachsen und Leipzig: ◦ Nach dem verheerend schlechten Ergebnis bei den Reichstagswahlen 1928, als sich die NSDAP mit 2,6 Prozent der Stimmen begnügen musste, erging die Weisung an alle Parteiglie­ derungen, in ihrer Propaganda den Antisemi­ tismus zurückzuschrauben, der vor allem auf bürgerliche Kreise abschreckend wirkte. Von nun an setzt die NSDAP zentral auf den Straßenterror der SA und andere Themen wie die Außenpolitik, woraufhin ihre Stimmenanteile bei den Landtagswahlen 1929 und 1930 auf über 10 Prozent ansteigen. Dies liegt auch an den nicht durch Wahlen legitimierten Präsidial­ kabinetten. Besonders Jugendliche und junge Männer treten in die Hitlerjugend und die SA ein. Die nationalsozialistischen Politiker gehen von dem Versuch ab, vor allem die Arbeiter­ schaft für sich zu gewinnen, was zur Abspal­ tung eines „linken“ Flügels führt, zu dem unter anderen Otto Strasser gehört. Die NSDAP er­ hält aber immer mehr Unterstützung von Bauern (die Agrarpreise waren seit 1928 zusehends verfallen), Handwerkern und Einzelhändlern (Angst vor der Konkurrenz durch „jüdisch geführte“ Kaufhauskonzerne), sowie aus den Reihen der Studenten- und Beamtenschaft (Furcht vor einer drohenden „Proletarisierung“ des akademischen Bürgertums). ◦ Auch in Leipzig setzt die Partei auf breit angelegte Wahlwerbung und nutzt dabei sowohl Infrastrukturen des Arbeitermilieus, der Wirtschaft sowie der Universität.53 ◦ So kann die NSDAP die Weltwirtschaftskrise, deren Auswirkungen im Deutschen Reich besonders spürbar werden, zur Gewinnung einer Massenbasis in denjenigen Wählerschichten nutzen, die vorher für die DNVP oder eine der sonstigen nationalen Kleinparteien gestimmt hat­ ten oder enttäuscht von den bürgerlichen Parteien (DVP und DDP) seit Jahren ins Nichtwählerlager gewechselt waren.54 Abbildung 19: Reichskanzler A. Hitler in d. Reichskanzlei 1933

53 Im Auftritt v. 29. Jan 13 (Folge 9 – 1930) war Arnold - ein Onkel Antons – zu Besuch im Horns. Er hatte kurz zuvor seine Anstellung als Pförtner in der Universität in Leipzig verlosen, besaß aber noch die Generalschlüssel. Anton hatte rasch erkannt, dass dies für seine politischen Ziele von großer Bedeutung sein würde. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion schlichen beide in die Uni, um in einem geheimen Raum, den die NSDAP für den Druck ihrer Propagandaschriften verwendete, ein Druckplatte (mit NSDAP-Agitationen) zu stehlen. Der Sabotageakt gelang. Die Platte enthält verräterische Informationen, wie etwa das Ziel der Ortsgruppe, nach der geplanten Machtübernahme die Südstraße in Adolf-Hitler-Straße umzubenennen. Die Druckplatte wurde anschließend überschrieben und von Adele umgewidmet, um, als Arnold gestorben war, dessen Todesanzeige drucken zu können. 54 Im Auftritt v. 19. Mrz 13 (Folge 11 – 1932) verkündete Adele, nachdem sie einer NSDAP-Propaganda-Veranstaltung auf dem Augustplatz beigewohnt hatte, in die NSDAP beigetreten zu sein und präsentierte stolz ihr Parteibuch. Sie schwärmte von Adolf Hitler und zitierte „großartige Passagen“ aus „Mein Kampf“. Anschließend setze sie Ihren Sohn massiv unter Druck, ebenfalls beizutreten. Dieser versucht dem Druck seiner Mutter auszuweichen, in dem er sich von Ihr das Parteiabzeichen anheften lässt. Während der Show wurde klar, dass Anton dieses mehrfach heimlich verschwinden lassen wollte. Erst als er final geht, wird sichtbar, dass er es nicht mehr trägt und sich offenbar erneut offen oppositionell positioniert.


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◦ Wahlerfolge: Wahl Reichstagswahl 14.09.1930

Wahlkreis Leipzig Landesdurchschnitt 14,0 %

18,3 %

?

14,4 %

Reichstagswahl 31.07.1932

32,3 %

37,4 %

Reichstagswahl 06.11.1932

27,6 %

33,1 %

Reichstagswahl 05.03.1933

37,2 %

43,9 %

Reichstagswahl 29.03.1936

95,4 %

98,8 %

Landtagswahl Sachsen 1930

◦ Mitgliederentwicklung: ▪ 1920: 3.000 Personen ▪ 1923: 55.787 Personen ▪ 1930: 389.000 Personen ▪ 1931: 806.294 Personen ▪ 1932: 1.200.000 Personen ▪ 1934: 3.900.000 Personen ▪ 1938: 4.500.000 Personen

◦ Unterorganisationen: ▪ Bund Deutscher Mädel (BDM) ▪ Hitler-Jugend (HJ) ▪ NS-Deutscher Studentenbund (NSDStB) ▪ NS-Deutscher Lehrerbund (NSLB) ▪ NS-Frauenschaft (NSF) ▪ Nationalsozialistisches Fliegerkorps (NSFK) ▪ NS Betriebszellen-Organisation (NSBO) → Begriff S. 44 ▪ NS Kraftfahrkorps (NSKK) ▪ NSDAP/AO – Auslandsorganisation ▪ Schutzstaffel (Allgemeine SS und Waffen-SS) ▪ Sturmabteilung (SA) → Begriff S. 45

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Politik in Leipzig und Sachsen • • •

1925 Neugründung der Ortsgruppe der NSDAP55 Am 14. November 1926 wird d. Stadtverordnetenversammlung neu gewählt. Es gewinnt die gemeinsame Liste SPD & KPD mit 54,8 %56 Carl Friedrich Goerdeler wird am 23. Mai 1930 zum neuen Oberbür­ germeister der Stadt Leipzig gewählt:57 ◦ Der konservative Ostpreuße Goerdeler wird mit den Stimmen des „Vereinigten Bürgerblocks“ (DNVP, Zentrum und Vertreter von konservativen Kleinparteien) sowie einzelnen Stimmen sowohl aus der SPD- als auch aus der NSDAP-Ratsfraktion zum Oberbürger­ meister gewählt. Die Familie zieht aus ihrer mittelgroßen Königsber­ ger Etagenwohnung in eine repräsentative Bürgervilla im Leipzi­ ger Stadtteil Leutzsch. ◦ Sofort beginnt Goerdeler mit der Umstrukturierung der Stadtverwaltung hin zu ei­ ner schlanken, klar hierarchischen Struktur nach Königsberger Vorbild. ◦ In seiner Amtszeit gelingt Goerdeler es, die wirtschaftlichen Probleme der Stadt weit­ gehend zu lösen und das Haushaltsdefizit durch eiserne Sparpolitik zu beseitigen. ◦ Im Mrz 1937 tritt er aus Protest gegen das Regime vom Amt zurück.

10. Okt 31: Carl Goerdeler wird zum Reichskommissar für Preisüberwachung ernannt.

13. Nov 32: Die Stadtverordnetenversammlung wird von den Leipzigern neu gewählt. Nach der SPD und knapp vor der KPD wird die NSDAP erstmals zweitstärkste Kraft. 58

5. Mrz 33: Die Reichstagswahl, bei welcher der NSDAP reichsweit 43,9% der Stimmen er­ hält, verläuft in Leipzig anders als im Reichsdurchschnitt. Wahlverhalten in Leipzig: ◦ NSDAP 37,2 % ◦ SPD 30,8 % ◦ KPD 18,2 % ◦ Schwarz-Weiß-Rot 6,2 % ◦ DNVP 2,5 % ◦ Andere 5,1 %

Am Tag der Reichstagswahl finden auch in Leipzig Maßnahmen gegen die KPD statt. Hier wird am Wahltag der Versuch der KPD vereitelt, mittels eines Heißluftballons Wahlreklame über Leipzig abzuwerfen, in der die Wähler vor Hitler gewarnt werden sollten.59

55 Im Auftritt v. 08. Feb 12 (Folge 1 – 1920) wurde die Gründung gegen Ende thematisiert. Die „LSDAP“ so nannte Adolf unwissend diese neue Gruppierung, tauchte kurz darauf im Laden auf und buchte den Saal für Veranstaltungen. Ein heftiger Streit zwischen Vater und Sohn waren die Folge. Die Familie erhofft sich dringend benötigte Einnahmen durch diese Einnahmen. Die Mögliche Einmietung der KPD o.ä. wurde nicht erzählt, böte aber spannendes Konfliktpotential für kommende Folgen. 56 Im Auftritt v. 09. Okt 12 (Folge 6 – 1927) war der Leipziger Wahlkampf und die Wahl selber Thema im Lokal. Während Anton ohne das Wissen seiner Eltern die KPD zur Wahlveranstaltung/Versammlung ins Horns eingeladen hatte, war es Adele gelungen, gleichzeitig den Nebensaal an die NSDAP-Ortsgruppe zu vermieten. Anton versuchte die Gäste (Zuschauer) von der KPD zu überzeugen. Als Adolf und Anton schließlich zum Rot-Front-Ruf anstimmten und alle im Saal gemeinsam die linke Faust hoben, kam Adele aus dem Ne­ bensaal herein und rief: „Drüben machen sie das auch gerade, dort sieht es fast genauso aus.“ 57 Im Auftritt v. 29. Jan 13 (Folge 9 – 1930) wurde die Wahl des OBM mehrfach thematisiert. Anton band die Gäste im Lokal ein und fragte: „Na waren sie am Wochenende auch wählen?“, was für Erheiterung sorgte, da zunächst Alle an die tatsächlich gerade laufende OBM-Wahl 2013 dachten. Schnell wurde der Wahlerfolg Goerdelers sowie die Tatsache thematisiert, dass dieser auch mit Hilfe der Stimmen der NSDAP-Ratsfraktion ins Amt gekommen war. Aus der Zeitung wurde zitiert, dass Goerdeler auf die anhaltende Wirtschaftskrise mit einer Optimierung und Rationalisierung der Stadtverwaltung reagierte. 58 Im Auftritt v. 19. Mrz 13 (Folge 11 – 1932) wurde das Rekord-Ergebnis von Adele im Zuge des Vorspanns an die Tafel geschrieben. Außerdem rief Anton seinen Vater dazu auf, an dieser Wahl unbedingt teilzunehmen. Adolf lehnte das jedoch resigniert ab, weil das „völlig unwichtig“ sei und sowieso nichts ändere. 59 Auftritt v. 14. Mai 13 (Folge 13 – 1933): Anton hofft noch immer, dass die Reichstagswahl gegen Hitler ausgehen kann. Erst als ihm der NSDAP-Sekretär aus Berlin mitteilt, dass der Ballon entdeckt und die Beteiligten verhaftet wurden, resigniert er.


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März bis April 33: Nachdem am 8. März die KPD verboten worden war, werden zehntausen­ de politische Gegner in Sachsen in Schutzhaft60 → Begriff S. 45 gesteckt. Dazu wird bei Flöha das erst sächs. Konzentrationslager (KZ) eingerichtet. Unmittelbar darauf entsteht im Laubsdorf ein weiteres KZ. In den folgenden 8 Wochen werden allein in Sachsen 16 Schutzhaftlager 61 errichtet (darunter in der Nähe von Leipzig in Colditz und Hainichen). Darüber hinaus wer­ den an vielen Orten reguläre Gefängnisse für die „Schutzhaft“ mitbenutzt, so in Leipzig die Haftanstalt in der Bethovenstraße. Mehr als zwei Drittel der Inhaftierten sind Kommunisten.

9. Mrz 33: Stürmung und Plünderung des Volkshauses62 → Begriff S. 46 ◦ Die SA stürmt und besetzt das Volks­ haus, verwüstet und plündert es. Tage­ lang brennt im Volkshaushof der Schei­ terhaufen. Bücher und Inventar werden gestohlen, Tresore werden aufge­ schweißt. Der Überfall war nicht der ers­ te Angriff auf das Haus. Schon einmal, im Jahre 1920, hatten sich Rechtsradika­ le das Volkshaus als Ziel genommen. ◦ Während der Besetzung seien Augen­ zeugenberichten zufolge "tagelang Akten […] durch die Fenster auf den Hof gewor­ fen und […] verbrannt" worden. Die Feu­ Abbildung 20: Bücherverbrennung im Hof erwehr habe schließlich die Einstellung des Feuers verlangt, "da umliegende Privathäuser gefährdet waren." Am 18. Mrz 33 wird in der "Leipziger Tageszeitung" von der SA zur Führung durch das Volkshaus eingeladen: "Seht den Bonzenpalast". Preis 0,30 Mark.

24. Mrz 33: Oberbürgermeister Dr. Goerdeler hält vor den Stadtverordneten eine flam­ mende Unterstützungsrede für das Ermächtigungsgesetz.

29. Mrz 33: feierliche Umbenennung von Zeitzer- u. Südstraße in Adolf-Hitler-Straße 63

31. Mrz & 1. Apr 33: Nachdem Hitler zum Judenboykott aufgerufen hatte, wird nun am Freitag für die am Sonnabend geplante Aktion gegen die Juden in Leipzig geworben. Am Sonntag vermeldet die Messestadt die „erfolgreiche Durchführung des Boykotts“.64

Kaufhäuser wie das Althof werden geschlossen, Geschäftsführer entlassen. In den Wochen danach führen zahlreiche Enteignungen und Verbote zu vielen Ge­ schäftsschließungen oder -Übernahmen durch NS-Kader.

60 Auftritt v. 12. Jul 13 (Folge 15 - 1933): Im Spätsommer 1933 brüllte Adele ihren Sohn an, er solle dankbar sein für die Arbeit die, es nun überall gäbe und sich endlich von seinen linken „Spinnereien“ verabschieden. Gerade hatten die Südknechts eine neue Zweigstelle in den Räumen eines enteigneten jüd. Geschäftsmannes im Leipziger Westen bezogen. Mehrfach wurde in der Folge die ständige Ge­ fahr betont, dass auch Anton in Schutzhaft kommen könnte. Nur dem vielseitigen Geschick der Eltern hatte Anton es zu verdanken, das er abermals verschont blieb. 61 Auftritt v. 24. Sep 13 (Folge 16 – 1934): Anton war verzweifelt, als er seinen ehemaligen KPD-Genossen, die als Wanderverein ge­ tarnt zusammengekommen waren, von den verschwundenen Freunden berichtete: Viele säßen in Sonderhaftanstalten, u.a. auf dem Gelände des Straßenbahnhofes Heiterblick (Ort nicht belegt). 62 Im Auftritt v. 28. Mai 13 (Folge 14 - 1933) berichtete Anton ausführlich von der Aktion im Volkshaus, die er als Augenzeuge beobachtete. Adele freute sich über diese „reinigende Aktion“. 63 Auftritt v. 16. Apr 13 (Folge 13 - 1933): Adele kam berauscht von einem Aufmarsch zurück und rief freudig aus: „Jetzt haben Sie die Südstraße umbenannt. Sie heißt jetzt nach unserem Führer! Heil Hitler!“ 64 Auftritt v. 16. Apr 13 (Folge 13 - 1933): Begeistert lud Adele die Gäste des Horns ein, zur Feier des Tages das Horst-Wessel-Lied anzustimmen. Zuvor war sie wieder Pelze einkaufen und hatte zufrieden festgestellt, dass der Boykott jüdischer Geschäfte hervorra­ gend organisiert war. In einer Traumsequenz am Ende der Folge traf Adele auf einen SA-Mann vor einem jüdischen Geschäft, der sie Aufforderte den Laden nicht zu betreten, als sie jedoch trotzdem hinein wollte, um ihren neuen Pelz abzuholen brüllte er sie mit „Heil Hitler!“ drängte sie nach draußen und machte den Hitlergruß. Erschrocken erwachte Adele. Einzig faszinierend an dem ansonsten un­ angenehmen Traum erschien ihr der Umstand, dass der SA-Mann aussah wie Anton. Sofort berichtete sie ihrem Sohn welch schönen Traum von seiner Zukunft bei der SA sie gehabt habe und heftete ihm ein NSDAP-Abzeichen an die Brust.


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29. Apr 33: Erste Stadtverordnetenversammlung nach der Gleichschaltung ◦ Per Reichsgesetz war ab d. 31. Mrz 33 die Umbildung aller Gemeindeverwaltungen nach dem Ergebnis der Reichtstagswahl vom 5. Mrz 33 angeordnet worden. In Leipzig führt dies zur sofortigen Absetzung des Linken Präsidiums, dem Ausschluss der KPD- und nachfolgend des SPD-Ratsfraktion. Das neue Präsidium besteht fast vollständig aus NSDAP-Kadern und einem Mandat der DNVP (OBM Carl Goerdeler). ◦ Die erste Amtshandlung des neuen „Stadtparlaments“ besteht in der Ernennung Adolf Hitlers und Paul von Hindenburgs zum Ehrenbürger der Stadt Leipzig.

NS-Maifeier vor dem Völkerschlachtdenkmal – 200.000 Arbeiter feiern Adolf Hitler ◦ 1. Mai: Um möglichst viele Arbeiter auf die Seite der NSDAP zu ziehen, veranstalten die Nationalsozialisten ein riesige Mai-Feier auf den Freiflächen der Technischen Messe und der Allee vor dem Völkerschlachtdenkmal. Adolf Hitler sei „Arbeiter und Sozialist“65 ◦ Ein großs Feuerwerk hüllt zum Schluss das Völkerschlachtdenkmal in Funkenregen. Leuchtfeuerwerk schreibt „H E I L H I T L E R !“ in den Himmel über dem Denkmal. 66

5. Mai 33: Reichspräsident Hindenburg ernennt die Reichsstatthalter in den deutschen Län­ dern, darunter Gauleiter Martin Mutschmann für Sachsen.67

31. Mai 33: Es ergeht die Weisung an alle Bürger Leipzigs, sowohl beim Deutschlandlied als auch beim Horst-Wessel-Lied den Deutschen Gruß → Begriff S. 42 zu zeigen. Bei Zuwiderhand­ lung wird Haftstrafe von 2 Tagen angedroht.

Am 9. Juli 33 wird dem Ministerpräsidenten Göring im ein acht Wochen altes Löwenbaby aus der Zucht des Leipziger Zoos geschenkt. Göring bedankt sich öffent­ lich. Besonders die Tatsache, dass die Vorfahren des Löwenkindes aus Afrika stammten, gefalle ihm.Das Sachsentreffen findet vom 14. bis 16. Juli in Leip­ zig statt. Adolf Hitler und die gesamte Führungsriege nimmt an den großen Aufmärschen auf dem Augustus­ platz, auf der Technischen Messe sowie am Völker­ schlachtdenkmal teil.68

Abb. 21: Adolf Hitler vor dem Völkerschlachtdenkmal am 14. Jul 33 Von 1933 bis 1937 entstehen als Reaktion auf die Verbote von oppositionellen Organisatio­ nen zahlreiche Schein-Vereine, in denen sich beispielsweise ehemalige KPD-Mitglieder als Wanderverein oder Sportverein tarnen und so unbemerkt Treffen durchführen können.69 In einer großen Säuberungswelle werden 1934 sämtliche Vereinsneugründungen seit 1930 überprüft und großangelegt Verbote u. Haftbefehle erlassen. Lediglich einigen älte­ ren Vereinen gelingt es trotz Gleichschaltung ehem. Oppositionelle zu beherbergen und ihnen eine gewisse Möglichkeit zur Zusammenkunft zu geben.70

65 In den Folgen 13, 15 und 16 erwähnte Anton mehrfach zynisch den Umstand, dass ich Hitler dort derart betiteln ließ. 66 Im Auftritt v. 24 Sep 13 (Folge 16 - 1934) redete Adele auf ihren Sohn ein, wie schön es doch sei, dass er nun ein BDM-Mädel (Claudia) kennengelernt habe. Besonders hob sie hervor, auf welch schöner Veranstaltung er sie traf: Auf dem Sachsentreffen der NSDAP 1934 mit Adolf Hitler auf dem Geländer der technischen Messe und dem Völkerschlachtdenkmal. Anton bestätigte daraufhin zynisch, wie toll er die Illuminierung des Abendhimmels über dem Denkmal mit dem Feuerwerksschriftzug „Heil Hitler!“ gefunden habe. 67 Auftritt vom 12. Jul 13 (Folge 15 - 1933): Adele hatte sich vom Besuch des NSDAP-Gauleiters von Sachsen, Martin Mutschmann (Urban Luig), derart mit einer Auszeichnung verführen lassen, dass sie bereit war, Anton nach Berlin schicken zu lassen und Adolf im Rahmen der Nationalsozialistischen Arbeitsbeschaffung durch die zwangsweise Mithilfe beim Ausheben des Lindenauer Hafen­ beckens loszuwerden. Adolf verbündete sich daraufhin mit Anton zu einer konspirativen Zelle, und erst, als Mutschmann bei einem Un­ fall ins Wasser stürzte, tagelang als vermisst galt, dann wieder auftauchte, zum Reichsstatthalter in Sachsen ernannt wurde und Adele nicht mehr der standesgemäße Umgang war, fand die Familie wieder zusammen. 68 Auftritt v. 16. Apr 13 (Folge 13 – 1933): Adele berichtete schwärmend von ihrer Teilnahme am Aufmarsch 69 Im Auftritt v. 24 Sep 13 (Folge 16 – 1934) begrüßt Anton das Publikum, selbst mit Strickjacke und einem Wanderstock ausgerüstet, im neuen Wanderverein. Der wahre Hintergrund wird schnell deutlich, als er gemeinsam mit den Anwesenden eine Adaption des Arbeiter-Einheitsfront-Liedes → Begriff S.40 anstimmt („Und weil der Wanderer ein Wanderer ist ...“). 70 Detaillierte Einzelfälle bis 1937 wurden später zwar von Augenzeugen berichtet, jedoch konnten solche Fälle für Leipzig bis zum Redaktionsschluss dieses Dossiers nicht recherchiert werden.


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Jan 34: Die Stadtverw. richtet ein „Amt für Rassenkunde und Erbgesundsheitspflege“ ein, in dem die von allen Bürgern zu erbringenden Ariernachweise bearbeitet werden.71

1935: Der Rat der Stadt erlässt eine 272 Namen umfassende Liste „nicht-arischer“ Ärzte und Zahnärzte mit dem Vermerk „nicht zugelassen“.

Dez 35: Mit der Auslieferung des ersten Jagdflugzeuges vom Typ ARADO beginnt die aktive Rüstungsproduktion in den Leipziger Flugzeugwerken

29. Mrz 36: Bei den Reichstagswahlen fährt die NSDAP in Leipzig mit „nur“ 95% ihr schlechtestes Ergebnis im ganzen Reich ein (15.535 NEIN-Stimmen / 8.119 ungültig).72

20. Apr 36: Anlässlich des „Führergeburtstages“ finden wie in den Vorjahren gigantische Hitlerfeiern in und um Leipzig statt. Auch die Leipziger Kirchen beteiligen sich am Festakt und halten Sonder-Gottesdienste für die Gläubigen ab.

31. Mrz 37: Oberbürgermeister Carl-Friedrich Goerdeler tritt aus Protest gegen die Naziherrschaft von seinem Amt zurück und verlässt den Stadtrat. Er begründet seinen Sinneswandel offiziell mit der gegen seinen Willen durchgeführten Zerstörung des Mendels­ sohn-denkmals.73

1. Apr 37: Das NSDAP-Mitglied Rudolf Haake wird neuer OBM.

24. Mai 38: Anlässlich des sächs. Gautages der NSDAP wird der „Platz der 300.000“ als Aufmarschgelände eingeweiht. Heute heißt dieser Platz vor dem Zentralstadion „Festwiese“.

9. Nov 38: Reichs-Pogromnacht in Leipzig → siehe Deportation und Kriegsgefangene in Leipzig - S. 34

9. Jul 39 bzw. 30. Aug 39 - Schließung der Leipziger Flughäfen: Mit dem Eintreffen der „LZ – Graf Zeppelin II“ aus Frankfurt am Main erfolgt die letzte Landung eines Luftschiffes auf dem Flughafen Mockau und dessen Schließung. Drei Wochen später wird der zivile Flugbetrieb am Flughafen Halle-Leipzig eingestellt. Das Flughafenareal wird zum Militärgelände.

1. Sep 39: Mit Kriegsausbruch werden alle Leipziger Museen geschlossen.

2. Sep 39: Die Stadtverwaltung erlässt den Anordnung über die völlige Verdunklung im Stadtgebiet „bis auf weiteres“. Damit sind alle Privathaushalte, Behörden und Unternehmen verpflichtet mit Einbruch der Dunkelheit sicherzustellen, dass kein Kunstlicht von den Innenräumen aus den Fenstern tritt, um mögliche Zielortung durch etwaige Feindflugzeuge zu erschweren.

71 Im Auftritt v. 24 Sep 13 (Folge 16 – 1934) liegen sich Adele und Adolf gerade versöhnend in den Armen, als Anton auf dem Weg zur Straße durch die Gaststube läuft und beiläufig fragt: „Habt Ihr schon gehört, die haben jetzt dieses Neue Amt für Ariernachweise einge­ richtet. Wir müssen da auch demnächst hin.“ Adele wendet sich kurz von Ihrem Mann ab und bestätigt zufrieden: „Eine sehr gute Idee!“ 72 Auftritt v. 19. Nov 13 (Folge 18 – 1936/37): Die Kunsthändlerin Brigitte Ferch („Mann könnte eine Frauenzeitschrift nach ihr benennen“ - Adolf zu Adele) spricht Anton darauf an, der aber so tut als gefalle ihm dieser Umstand nicht, um nicht aufzufliegen. 73 Auftritt v. 19. Nov 13 (Folge 18 – 1936/37): Es kam über mehrere Szenen heraus, dass Goerdeler nicht etwa wegen der Entfernung des Mendelssohn-Denkmals zurückgetreten war, sondern weil er missglückten Sex mit Adele hatte und hinterher ihre Ansichten nicht mehr teilen wollte. Brigitte (die verhasste alte Schulkameradin Adeles) versuchte, Adele mit diesem Wissen zu erpressen.


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Der Völkermord In der Pogromnacht („Reichskristallnacht“) vom 9. auf den 10. Nov 1938 beginnt die systemati­ sche Vernichtung der jüdischen bzw. nicht-arischen und sog. „assozialen“ oder sog. „erbkranken“ Bevölkerung. Im folgenden Kapitel sollen die wichtigsten Ereignisse im gesamten Deutschen Reich und den ab 1939 besetzten Gebieten genannt werden. Besonders im Fokus stehen dabei die konkre­ ten Morde, Deportationen und die Organisation derselben im Leipziger Stadtgebiet. Konzentrationslager

1933 bis 1935: Zuerst beinnt die SA damit, überall in Deutschland zusätzlich zu staatlichen Gefängnissen größere oder kleinere Inhaftierungs-Lager aufzubauen. Diese Lager ähneln z. T. Gefängnissen – zum Teil Scheunen, wo die politischen Gegner des NS-Regimes außerhalb des normalen Rechtssystems in „Schutzhaft“ genommen werden. In dieser ersten Phase der Konzentrationslager sind etwa 26.000 Menschen inhaftiert, die der Willkür ihrer Bewacher ausgesetzt sind. Seit der Entmachtung der SA im sog. Röhm-Putsch 1934 unterstehen alle Konzentrationslager der SS; Theodor Eicke wird ihr Inspekteur. Auf ihn geht die räumliche Bauweise und die fast überall gleich geltende Lagerordnung zurück. Die Konzentrationslager werden zum rechtsfreien Raum und sind von der Außenwelt abgeschirmt. Selbst die Feuer­ wehr darf das Gelände nicht betreten. Im Sommer 1935 befinden sich in den Lagern des Reichsgebietes noch circa 4.000 Häftlinge.

1936 bis 1938: Die Anzahl der Häftlinge steigt an und ihre Zusammensetzung ändert sich grundlegend. Während in der ersten Phase noch hauptsächlich politische Gegner des Regi­ mes inhaftiert waren, wird nun damit begonnen, diejenigen zu inhaftieren, die nicht dem natio­ nalsozialistischen Bild der Volksgemeinschaft entsprechen: vor allem „Asoziale“, „Arbeits­ scheue“, mehrfach Vorbestrafte, Homosexuelle und Zeugen Jehovas, die in den Lagern als „Bibelforscher“ gekennzeichnet werden. Nach dem Anschluss Österreichs steigt auch die Zahl der „politischen Schutzhäftlinge“ auf etwa 7.000 an. In dieser zweiten Phase werden auch die Konzentrationslager Sachsenhausen und Buchen­ wald gebaut, die schon ein Zeichen des drohenden Krieges und damit verbundenen steigen­ den Häftlingszahlen sind. Das Konzentrationslager Sachsenhausen wird nach seinem Bau auch zum Zentrum der Konzentrationslager (Sitz des IKL). Im Rahmen der Aktion „Arbeitsscheu Reich“ werden im April und Juni 1938 bei zwei Verhaf­ tungswellen über 10.000 Personen als sogenannte Asoziale in Konzentrationslager ver­ schleppt. Während der Novemberpogrome 1938 werden 26.000 Juden inhaftiert, so dass Ende 1938 fast 60.000 Menschen in Konzentrationslagern festgehalten werden.

1939 bis 1941: Die Häftlinge werden in SS-Produktionsstätten wie Steinbrüchen und Ziegeleien eingesetzt. Nach einer Inhaftierungswelle in Deutschland steigen die Häftlingszah­ len, die vor Kriegsbeginn auf 21.000 gesunken waren, rapide an und verdoppelten sich bin­ nen kürzester Zeit. Ende 1940 befinden sich 53.000 Häftlinge in deutschen Konzentrationsla­ gern. Zudem verändert sich wieder die Zusammensetzung der Häftlinge. Waren es am An­ fang vor allem noch Deutsche, so kommen mit Beginn des Krieges vor allem Menschen aus den von Deutschland eroberten Gebieten, also Zivilpersonen aus Polen, Frankreich, Tsche ­ chien, Jugoslawien, den Niederlanden, Belgien und Soldaten der Sowjetunion. Unter diesen Häftlingen waren viele Juden, Roma und Sinti. Auch in den eroberten Gebieten werden viele neue Lager errichtet; bald sind mehr Häftlinge in diesen Lagern eingesperrt als im Reichsge­ biet (Deutschland und Österreich). Mit Beginn der dieser Phase werden die Konzentrationsla­ ger in drei Kategorien eingeteilt, welche die Härte der Behandlung und die Lebensbedingun ­ gen der Häftlinge anzeigen. Die Sterblichkeitsrate unter den Häftlingen vervielfacht sich nun: So in Dachau von 4 % auf 36 % im Jahre 1942; in Buchenwald von 10 % auf 19 % im Jahr 1941.


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1942 bis 1945: Transporte aus ganz Europa in die Todeslager - In der letzten Phase findet der größte belegte Genozid der Menschheitsgeschichte statt. Nun liegt die Verwaltung der Konzentrationslager beim SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt (WVHA) unter der Lei­ tung von Oswald Pohl. Bedeutsamer als die Produktion in KZ-eigenen Betrieben wurde der Häftlingseinsatz in Privatunternehmen, so dass mehrere Tausend KZ-Außenlager entstehen. Die Anzahl der KZ-Häftlinge erreicht im April 1943 bereits 203.000, steigt im August 1944 auf 524.000 und bis Kriegsende vermutlich auf über 700.000 Menschen, von denen 90 % keine deutsche Staatsangehörigkeit haben. Beim Ausbau von Stollen oder beim Arbeitseinsatz in unterirdischen Produktionsstätten sterben viele Häftlinge schon binnen weniger Wochen. In der Endphase des Krieges ab Dezember 1944 kommen vermutlich 240.000 Häftlinge zu Tode. Zu der hohen Todesrate kommt es durch Mangelernährung, unzureichende Bekleidung und Schwerstarbeit, durch Strapazen und Morde bei den Todesmärschen zur Räumung von Lagern, durch Fliegerangriffe und Seuchen. Auch nach der Befreiung sterben trotz der anlau­ fenden Versorgung durch das Sanitätspersonal noch tausende Häftlinge in den Lagern an den Krankheiten, der Unterernährung oder dem Refeeding-Syndrom. Die Anzahl der Häftlinge, die für Wochen oder Jahre in einem der Konzentrationslager einge­ sperrt waren, wird insgesamt auf zweieinhalb bis drei Millionen Menschen geschätzt.

Vernichtungslager

Vernichtungslager werden zu dem einzigen Zweck errichtet, Juden, Roma und Sinti und auch andere Minderheiten, wie politisch An­ dersdenkende, Homosexuelle und sowohl psychisch als auch phy­ sisch Kranke, zunächst mit Hilfe von Gaswagen, später vor allem in Gaskammern, massenhaft zu er­ morden. Der nationalsozialistische Mordapparat konzentriert sich da­ bei auf Juden. Lager dieses Typs werden zwischen Dezember 1941 und Juli 1942 im besetzten Polen Abbildung 22: Einfahrtsgebäude des KZ Birkenau, Ansicht in Chelmno im sogenannten War­ von innen (1945) theland bei Łódź, Belzec bei Lublin, Sobibor und Treblinka im sogenannten Generalgouverne­ ment, sowie Maly Trostinez in Weißrussland errichtet. Etwas anders ist die Entstehungsge­ schichte der Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau (bei Kraków) und Majdanek (ebenfalls bei Lublin). In beiden Konzentrationslagern werden erst nach ihrer Inbetriebnahme zusätzlich Gaskammern zur Perfektion des Massenmords an den Juden eingerichtet. Anders als die erstgenannten Vernichtungslager funktionieren sie für die SS durch die dort gleichzeitig prak­ tizierte Vernichtung durch Arbeit ebenfalls als Konzentrationslager im sonst bei den National­ sozialisten üblichen Sinn.

Von ihrer Errichtung bis zu ihrer Beseitigung oder Befreiung im Zuge des Vorrückens der Ro ­ ten Armee 1944/1945 werden in den großen Vernichtungslagern weit über drei Millionen Men­ schen durch Vergasung in Gaskammern industriell ermordet oder massenhaft erschossen. Neben den ebenfalls praktizierten Massenerschießungen in den von der deutschen Wehr­ macht und verbündeten Einheiten besetzten Gebieten geschieht ein Großteil des Holocaust in den Vernichtungslagern.


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Kennzeichnung der Juden NSDAP-Mitglieder verlangen vor allem die Kennzeichnung jüdischer Geschäfte. 1937 erklärt Adolf Hitler in einer Rede vor NSDAP-Funktionären dazu: „Dieses Problem der Kennzeichnung wird seit zwei, drei Jahren fortgesetzt erwogen und wird eines Tages so oder so natürlich auch durchgeführt. […] Da muss man nun die Nase haben, ungefähr zu riechen: ‚Was kann ich noch machen, was kann ich nicht machen?‘“ Im April 1938 müssen Juden gemäß einer Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden ihr Vermögen bei den Verwaltungsbehörden anmelden. Im Juni 1938 verpflichtet die Dritte Verordnung zum Reichsbürgergesetz jüdische Inhaber, ihre Geschäfte als „jüdische Gewerbebetriebe“ registrieren zu lassen. Das Reichswirtschaftsministerium wird dabei ermächtigt, von einem noch zu bestimmenden Zeitpunkt ab ein besonders Kennzeichen für jüdische Betriebe einzuführen. Seit der Namensänderungsverordnung vom 17. August 1938 müssen Juden einen zusätzlichen „jüdischen“ Vornamen annehmen und im Rechts- und Geschäftsverkehr führen. Nach der Verordnung über Reisepässe von Juden vom Oktober 1938 müssen sie ihre Pässe abgeben oder mit einem roten Judenstempel markieren lassen. Ab Januar 1939 haben Juden stets eine neu geschaffene Kennkarte mitzuführen. Im Dezember 1939 müssen Doktoranden die Zitate jüdischer Autoren in ihren Dissertationen farblich markieren. Im Januar 1940 werden auch die Lebensmittelkarten für Juden mit einem J gestempelt.

Deportation und Kriegsgefangene in Leipzig •

28. Okt 38: Den ganzen Tag über flüchten 1.296 polnische Juden in das polnische Konsulat in der Wächterstraße und erhoffen dort Exterritorialität und damit Schutz.

9. - 10. Nov 38: Reichskristallnacht – Es werden die Synagoge in der Gottschedstraße, das Kaufhaus Bamberger & Herz am Augustusplatz und fast ¾ aller noch existierenden jü­ dischen Einzelhandelsgeschäfte durch Brandstiftung zerstört.

10. - 17. Nov 38 – Erste Deportation von jüdischen Leipzigern: Rund 500 jüdische Bürger werden im Flussbett der Parthe nahe des Haupteingangs des Leipziger Zoos zu­ sammengetrieben. Von der werden sie von Polizei und SS bewacht zum Hauptbahnhof getrieben. Unter den Augen der Leipziger Bevölkerung müssen sie dort auf Gleis 26 den ers­ ten Gefangenenzug seiner Art in besteigen. Sie werden in die Konzentrationslager Bu­ chenwald und Sachsenhausen gebracht.

26. Sep 39: Nach Beginn des 2. Weltkrieges (1. Sep 39 – Überfall auf Polen) passiert der erste Gefangenentransport mit 84 polnischen Offizieren die Stadt. Die Leipziger Volks­ zeitung berichtet euphorisch darüber.


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Presse & Rundfunk •

Erich Kästner beginnt 1925 seine Tätigkeit als Feuilletonredakteur bei der „Neuen Leip­ ziger Zeitung“.74

Die MIRAG → Begriff S. 43. wird 1924 als mitteldt. Rundfunksender gegründet und im Mrz 34 in den vom Reichspropagandaministerium gesteuerten Reichssender Leipzig umgewandelt.

1934 existierten zahlreiche Tageszeitungen auf dem Leipziger Markt → Begriffserklärungen ab Seite 43 ◦ Neue Leipziger Zeitung: Sie entstand in den 20er Jahren durch eine Fusion von „Leipzi­ ger Tagblatt“ und der „Leipziger Zeitung“ und repräsentiert bis zur Gleichschaltung im April 1933 das liberale Leipziger Bürgertum. Der Redaktion gelingt es anschließend den­ noch, inhaltlich wie sprachlich ein gewisses Niveau zu wahren, sich von antisozialistischer u. antisemitischer Hetze fernzuhalten. ◦ Leipziger Volkszeitung: Sie war bis zum Verbot Anfang März 1933 die zentrale sozial­ demokratische Stimme in Leipzig. ◦ Sächsische Arbeiterzeitung: Sie galt bis zum Verbot Anfang März 1933 als breiten­ wirksames Sprachrohr der KPD in Leipzig. ◦ Leipziger Neuste Nachrichten: Ist ein national-konservatives Blatt, welches sich schon lange vor der Gleichschaltung der Propaganda der NSDAP angegliedert hatte. ◦ Leipziger Tageszeitung: Die neuste Leipziger Tageszeitung war erstmalig am 1. Janu­ ar 1933 erschienen und ist scharf antisemitisch und antikommunistisch ausgerichtet.

Ab 1933 werden auf Leipzigs Straßen und per Abonnement auch NSDAP-eigene und NSDAP-nahe Zeitungen immer häufiger verkauft. Im Unterschied zu linken Zeitschriften, vermochten sie es besonders, die Sprache der einfachen Leute zu sprechen: ◦ „Der Angriff“ war die Gauzeitung der Berliner NSDAP und wurde von 1927 bis zur Auflö­ sung der Partei herausgegeben. ◦ Die Zeitung „Völkischer Beobachter“75 war seit 1920 das publizistische Parteiorgan der NSDAP. Die Zeitung erschien zunächst zweimal wöchentlich, ab dem 8. Februar 1923 täglich im Franz-Eher-Verlag. Sie wurde ab 1933 reichsweit vertrieben. ◦ „Der Stürmer“ ist eine 1923 von Julius Streicher in Nürnberg gegründete antisemitische, pornographische und hetzerische Wochenzeitung. Sie wird durch ihre Anti-Jüdischen Kar­ rikaturen bekannt und übertrifft hinsichtlich Schärfe und Brutalität häufig sogar die offiziel­ le Linie der NSDAP.

Volksempfänger:76 Signifikante Zunahmen der Hörerzahlen sind ab 1937 als Ergebnis intensiver Hörerwerbung durch das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda und ab 1939 wegen des Kriegsausbruchs zu verzeichnen. Durch die massenhafte Verbreitung des Mediums „Rundfunk“ durch den kostengünstigen „Volks-“ bzw. „Deutschen Kleinempfän­ gers“ steigt auch die Zahl der Gebührenzahler im Reich suk­ zessive. Ihre Zahl beläuft sich zum Höchststand 1943 auf rund 16 Mio Personen, die pro Monat zwei Reichsmark Gebühren bezahlen. Der größte Teil davon fließt indirekt an das Reichs­ ministerium für Volksaufklärung und Propaganda, das damit Abb. 23: Volksempfänger, Typ den Löwenanteil seines Haushaltes bestreitet. DKE38 (gebaut 1938 bis 1944)

74 Im Auftritt v. 24. Mai 12 (Folge 4 – 1925), wurde Kästner aus der Neuen Leipziger Zeitung zitiert und als Zeitgenosse in die Handlung eingeführt. → sinnvoll wäre es, diese Persönlichkeit auch in Zukunft als Quelle einzubinden. 75 Seit dem Auftritt v. 24 Sep 13 (Folge 16 – 1934) lesen die Südknechts das NSDAP-Blatt (authentischer Nachdruck als Requisit) 76 Auftritt v. 15. Okt 13 (Folge 17 – 1935/36): Die Familie erhält einen Bezugsschein und kauft einen eigenen Volksempfänger.


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Sport •

Seit 1922 in Leipzig das I. Deutsche Arbeiter-Turn- und Sportfest stattfand wächst die Be ­ geisterung für den Breitensport in Leipzig mindestens ebenso wie im restlichen Land. 77

1929 durchschwimmt Gertrude Ederle als erste Frau den Ärmelkanal. 78

1932 erhält die Pferderennbahn „Scheibenholz“, unweit von Horns Weinstuben im „Volkspark im Scheibenholz“ (heute Teil des Leipziger Clara-Zetkin-Parks) gelegen, eine Verlängerung der Flachbahn auf 1750m und erfüllt somit internationale Standards. 79

6. Feb 36: Eröffnung der IV. Olympischen Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen

19. Jun 36: Max Schmeling legt in seinem besten Kampf Joe Louis nach 12 Runden per K.O. auf die Bretter

Aug 36: Der VfB Leipzig gewinnt nach einem 2:1 gegen den FC Schalke 04 den DFB-Pokal

1. Aug 36: Eröffnung der XI. Olympischen Sommerspiele in Berlin, Deutschland80

◦ Im eigens errichteten Berliner Olympiastadion eröffnet Adolf Hitler die Spiele. ◦ erstmalig wird die gesamte Veranstaltung im Fernsehen übertragen. In ganz Dtl. gibt es jedoch zu diesem Zeitpunkt nur wenig hundert Empfangsgeräte. ◦ Die Leipziger Sportler Ernst Ihbe und Carl-Ludwig (Lutz) Long gewinnen eine Goldme­ daille (Radsport / Tandemfahren) beziehungsweise eine Silbermedaille (Weitsprung). 77 Im Auftritt vom 09. Okt 12 (Folge 6 – 1927) drückte Adele mehrfach ihre fast manische Begeisterung für die sportliche Ertüchtigung der männlichen Jugend aus. So zwang sie Anton zum Lauftraining auf der „schönen neuen Aschebahn“. Dieses behauptete Anton gemeinsam mit seinem Vater absolviert zu haben. In Wirklichkeit hatten Anton und Adolf jedoch einen offensichtlich kriminellen Gast durch Leipzig verfolgt. 78 Im Auftritt vom 10. Dez 12 (Folge 8 – 1929) beschloss Adele, am Abend einen Liedzyklus zu intonieren, als plötzlich Adolf mit Ger­ trude Ederle herein kam und erklärte, diese berühmte Schwimmerin werde heute Abend im Horns singen. Daraufhin schmettert die Dame ein englisches Lied. Adolf scheint verliebt. Es knistert. Eifersucht keimt. Am Abend folgte das Sanges-Duell der beiden Damen: Adolf nahm die Schwimmerin nach deren glorioser gesungener Liebeserklärung mit in die Wohnung – schlechtes Gewissen folgte. Ade­ le hatte dieselbe verlassen und kehrte wenig später sturzbetrunken und entsprechend derangiert wieder heim. 79 Im Auftritt vom 19. Mrz 13 (Folge 11 – 1932) berichtete Antons Freund Heinrich Kamp (Ben Hartwig), dass er Wettspieler sei und angeblich wegen der modernisierten Rennbahn nach Leipzig gekommen sei. Daraufhin forderte er Adolf zu einem Wettspiel am Tresen auf, an dessen Ende er mehrere Gläser Allasch gewonnen hatte. Als Anton und Heinrich allein waren, stellte sich jedoch heraus, dass der Grund seines Besuches aus Hamburg (Altonaer-Blutsonntag) eher im politischen Kampf für die Linke Sache lag. 80 Auftritt v. 19. Nov 13 (Folge 18 – 1936/37): Fam. Südknecht bekam von Gauleiter Mutschmann 3 Eintrittskarten für die Olympiade geschickt, Logenplätze gleich neben der Führerloge, als Dank für "besondere Verdienste um Führer und Vaterland" = dafür, dass Adele die 6 versteckten Kommunisten in der Oberwohnung erschossen hat. Anton wollte mitfahren. Die Fahrt nach Berlin kommt nicht zustande, weil Adeles Alte Schulkameradin im Horns auftaucht und alles durcheinander wirbelt.


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Wissenschaft •

1927 wird der Physiker Werner Heisenberg an die Universität Leipzig berufen und baut ein bedeutendes Zentrum für theoretische Physik auf.81

Im Dezember 1932 begibt er sich Albert Einstein zu Forschungszwecken in die Vereinigten Staaten, kehrt aber wegen Hitlers Machtübernahme 1933 nicht mehr zurück. Er bricht sämtliche Kontakte nach Deutschland ab.

1935 entwickelt die Beiersdorf AG einen transparenten Klebefilm, der zunächst unter dem Namen „Beiersdorf-Kautschuk-Klebe­ film“ in den Handel gelangt und nur wenige Umsätze erzielte. Der Beiersdorf-Mitarbeiter Hugo Kirchberg kommt deshalb auf die Idee, dem Produkt den Namen TESA zu geben. Der Name selbst ist ein Kunstwort, welches bereits einer ehemaligen Beiers­ dorf-Sekretärin bei einem Silbenspiel eingefallen war. In einem Brief von 1936 spricht Kirch­ berg erstmals vom tesa-Klebefilm. Neben diesem Einfall hat der Kaufmann weitere Vermark­ tungsideen. So entwickelte er einen Tischabroller, welcher dem Verbraucher als Verarbei­ tungshilfe für das Klebeband dient.

81 Im Auftritt vom 29. Jan 13 (Folge 9 – 1930) war Antons Onkel Arnold zu Gast im Horns. Er hatte zuvor als Pförtner in der Leipziger Universität gearbeitet. Dort hatte er, wie er in einem Dialog einflocht, „Sichtkontakt“ zu Herrn Heisenberg.


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Justiz •

Reichsgericht in Leipzig: Das Oberste Gericht im Deutschen Reich ist das Reichsgericht: ◦ Mit der Gleichschaltung 1933 werden mit dem "Gesetz über die Zulassung zur Rechtsan­ waltschaft" jüdische und sozialdemokratische Richter gezwungen, ihren Abschied einzureichen und jüdische Anwälte am Reichsgericht an der weiteren Arbeit gehindert. ◦ In der Folgezeit stellte sich das Reichsgericht der Machtergreifung und den zahlreichen il­ legalen Gewaltakten nicht entgegen. Vielmehr verstrickte es sich tief in das national­ sozialistische Unrechtsregime: ▪ Reichstagsbrandprozess in Leipzig: ▪ Van der Lubbe wird der Brandstiftung beschuldigt, welche er auch zugibt. Zur Aufklärung des Reichstagsbrands setzt Hermann Göring eine Sonderkommission ein. Am 9. März wird gegen van der Lubbe und den damaligen Vorsitzenden der Reichstagsfraktion der KPD Ernst Torgler sowie die drei bulgarischen Kommunisten Georgi Dimitrow, Blagoi Popow und Wassil Tanew Anklage erhoben. Der Prozess vor dem 4. Strafsenat des Reichsgerichts in Leipzig beginnt am 21. Sep 33. Zahlreiche Prozessbeobachter stellen fest, dass van der Lubbe – den seine Ver­ nehmer im Frühjahr 1933 noch als lebhaft, sehr gesprächig und „fixen Jungen“ be ­ schrieben hatten – im Gerichtssaal von Anfang an völlig apathisch auftrat. Er spricht grundsätzlich sehr leise, auf an ihn gerichtete Fragen reagiert er meist nur mit einem knappen Ja oder Nein. Während des Prozesses beschleunigt sich van der Lubbes geistiger und körperlicher Verfall noch. Er sitzt bzw. steht meist vornübergebeugt, starrt auf den Boden. Er ist blass. Während der Schlussplädoyers und der Urteilsver­ kündung schlief er ein. Die Ursache für diese Entwicklung van der Lubbes ist unge­ klärt. Vermutet wird unter anderem, dass er mit Brom vergiftet, hypnotisiert oder unter Drogen gesetzt worden sein könnte. Lediglich zweimal – am 37. und 42. Verhand ­ lungstag – „erwachte“ van der Lubbe kurzzeitig aus seinem Dämmerzustand, worauf­ hin der Senatspräsident die Verhandlung unterbrach bzw. vorzeitig beendete.

◦ Trotz dieses Urteils ist der neuen Staatsführung die Rechtsprechung dieses Gerichts ein Dorn im Auge, spricht es doch die sonstigen Mitangeklagten frei und widerlegt damit die öffentliche Behauptung Hermann Görings, dass ein kommunistischer Umsturzversuch im Gange sei. Unter anderem deshalb wird dem Reichsgericht im Jahre 1934 durch die Er­ richtung des Volksgerichtshofs die Zuständigkeit in Hoch- und Landesverratssachen entzogen.


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Historie aller Adolf-Südknecht-Folgen

Liste befindet sich noch im Entstehungsprozess Folge Staffel

Jahr

Auftritt

Titel

Gäste

1

I

1920/21

Mi, 08. Feb 12 Premiere DIE NEUE ZEIT

Andreas Richter – All Inclusive Improvi­ sationstheater Leipzig

2

I

1922/23

Do, 22. Mrz 12 MILLIONEN, MILLIONEN!

Moritz Bockenkam – Action und Drama (Leipzig)

3

I

1924

Do, 19. Apr 12 WAS KOSTET DIE WELT?

Larsen Sechert – Knalltheater (Leipzig)

4

I

1925

Do, 24. Mai 12 MENSCHEN, MESSE, MEGASTADT

Urban Luig – Paternoster (Berlin)

5

I

1926

Do, 27. Sep 12 SCHNELLER, HÖHER, WEITER!

Heike Ronniger – TheaterTurbine (Leipzig)

6

I

1927

Di, 09. Okt 12

7

I

1928

Di, 06. Nov 12 ALGOHOL UN GALBSGODDLÄDD

8

I

1929

Dez 12

SCHWARZER FREITAG, WEIßE WEIHNACHT

Karin Werner – TheaterTurbine (Leipzig), Musikgast: Carolin Fischer

9

II

1930

Jan 13

EINE WIRTSCHAFT IST EINE WIRTSCHAFT IST EINE WIRTSCHAFT

Lutz Albrecht – Paternoster (Berlin)

10

II

1931

Di, 26. Feb 13

SIEBENHUNDERTNEUNZEHNTAUSEND

Andreas Richter – All Inclusive Improvi­ sationstheater Leipzig, Musikgast: Frank Berger (Schlagzeug)

11

II

1932

Di, 19. Mrz 13

SEIN KAMPF

Ben Hartwig (München), Musikgast: Frank Berger (Schlagzeug)

12

II

1933

Di, 16. Apr 13

DEUTSCHLAND ENTFLAMMT

Norbert Deeg (Frankfurt a. M.)

13

II

1933

Di, 14. Mai 13

DER HUND MUSS RAUS! - Sommer-Spe­ Björn Harras – Gorillas (Berlin), zial: Ein Tag im Mai 33 mit dem Wanderkino Musikgäste: Tobias Rank (Piano), Open-Air im Clara-Zetkin-Park Gunthard Stephan (Violine)

14

II

1933

Di, 28. Mai 13

LASTER DER NACHT – Sommer-Spezial: Larsen Sechert – Knalltheater (Leipzig), Ein Tag im Juni 33 mit dem Wanderkino Musikgäste: Tobias Rank (Piano), (wg. Regens im Horns) Gunthard Stephan (Violine)

15

II

1933

Fr, 12. Jul 13

AND THE WINNER IS... – Nominerungs­ folge: Bewegungskunstpreis 2013, Lindefels-Westflügel

Urban Luig – Paternoster (Berlin)

16

II

1934

Di, 24. Sep 13

FLASH GORDEN, FÜHRER, VOLKS­ EMPFÄNGER

Billa Christe - Gorillas (Berlin)

17

II

1935/36

Di, 15. Okt 13

RASSEN, WEHRMACHT, TESAFILM

Verena Lohner – Steife Brise (Hamburg), Musikgast: Frank Berger (Schlagzeug)

18

II

1936/37

Di, 19. Nov 13 SPIELE, KRIEGE, ENTARTETE KUNST

19

II

1938/39 Mo, 02. Dez 13

20

III

1939

Di, 14. Feb 14

ERST DAS FRESSEN UND DANN DIE MORAL

Thorsten Giese – TheaterTurbine (Leipzig) Raschid D. Sidgi – TheaterTurbine (Leipzig)

Nadine Antler – Die Kaktussen (Würzburg), Musikgast: Frank Berger (Schlagzeug)

Pogrom

Henriette Konschill

-

-


Seite 40

Dossier 12/2013

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Begriffsverzeichnis Basierend auf regionalen Tageszeitungen, Literatur und Tonaufnahmen der betreffenden Zeit sind hier in Deutschland übliche und einige besonders in Leipzig gebräuchliche Termini und Redensarten aufgeführt:

Begriff 1930er Jahre

Kurzerklärung

Bedeutung

Titel der Show & umgangsprachli. Straßenbezeichnung

Basiert auf einem ab den 1950er Jahren verbreiten Leipziger Sprichwort, welches die häufige Umbenennung der ursprünglichen Südstraße, welche schon seit jeher die größte südliche Zufahrtsstraße Leipzigs darstellt und früh zur wichtigen, breit ausgebauten Einkaufsund Wohnallee erwuchs, kariekierte. 1933 wurde die Südstraße in Adolf-Hitler-Straße, 1945 von den Amerikanern in Südstraße und 1946 von den Sowjets in Karl-Liebknecht-Straße umbenannt. So ist der Titel der Show zugleich ein Spiegel des wechselvollen Jahrhunderts welches sie abzubilden versucht.

Allasch

Likör

lettischer Kümmellikör, dessen Name im Deutschen auch als Gat­ tungsbegriff für diese Liköre verwendet wird. Ab 1823 wurde der Likör im Gut Allasch (lett: Allažmuiža) der Familie von Blanckenhagen hergestellt. Allasch wurde 1830 auf der Messe in Leipzig vorgestellt. Ortsansässige Destillerien stellten ihn bald selbst her und machten ihn zu einer in der Region populären Spirituose. Im 20. Jahrhundert war das in besonderem Maße die Familie Horns, welche sich auf Spirituosenhandel und -produktion spezialisiert hatte. Wegen seines hohen Zuckergehaltes zählt er zu den Likören, obwohl er einen höheren Alkoholgehalt als die meisten Liköre hat. „Echter Leipziger Allasch“ hat einen Alkoholgehalt von 38 % vol. Er wird vor allem stark gekühlt als Digestif getrunken. Bei ADOLF SÜDKNECHT (analog zur Familie Horns) wird behauptet, der Allasch werde im Keller des Hauses "schwarz" gebrannt.

Altes Theater

Leipziger Theaterhaus

Im Krieg zerstörtes Theaterhaus am Richard-Wagner-Platz auf der heutigen Freifläche vor der „Blechbüchse“ → siehe Kapitel „Musik & Theater“ ab S. 5

Autobahn

Fernschnellstraße

Braunhemd

uniformiertes SA-Mitglied

Deutscher Gruß

Hitlergruß

Deutsches Reich

Weimarer Republik

ADAV Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein

Adolf Südknecht

Einheitsfrontlied82

Agitationslied der Kommunisten

bis 1946 nur umgangssprachlich: → siehe „Reichsstraße“ - S. 44

→ siehe „Hitlergruß“ - S. 42

Das Lied entstand Ende 1934 auf Bitte von Erwin Piscator für die Ers­ te Internationale Musikolympiade. Es thematisierte Brechts Überzeu­ gung, dass nur eine Einheitsfront aus Kommunisten und Sozialdemo­ kraten gegen die NSDAP eine Chance habe. → Vgl. Einheitsfront. Gedruckt erschien es erstmals 1937 während des Spanischen Bür­ gerkrieges in Madrid, herausgegeben von Ernst Busch

82 Im Auftritt v 26. Feb 13 (Folge 10) demonstrierten Anton und ein KPD-Genosse gemeinsam mit dem gesamten Publikum vor dem Volkshaus in der Südstraße. Anton behauptete, einen Text von B. Brecht bekommen zu haben, für den es noch keine Vertonung gäbe. So improvisierten sie gemeinsam mit den Massen (Publikum) das Einheitsfrontlied begleitet von einem Mann namens Ernst Thälmann am Schlagzeug. Im Auftritt v. 24. Sep 13 (Folge 16 - 1934) singt es Anton mit dem Publikum im Untergrund als Wanderlied getarnt.


Dossier 12/2013 Begriff 1930er Jahre

Einheitsfront oder Arbeitereinheitsfront

Einheitsfrontregierung

Eiserne Front

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Seite 41

Kurzerklärung

Bedeutung

Politische Strategie gegen die Nationalsozialisten

Kampfbegriff der Linken Kräfte, der die unbedingte Notwendigkeit der Einigung aller Linken Kräfte (besonders KPD und SPD) forderte, weil dies die einzige Chance sei, die voranschreitende Machtübernahme der Nationalsozialisten auszuhalten. Die Opposition war jedoch viel zu tief gespalten, sodass es zu dieser Vereinigung bis zum Kriegsende nie kam. Bis zur „ultralinken Wendung“ nach dem VI. Komintern-Welt­ kongress von 1928 war die Einheitsfrontlinie die vorherrschende stra­ tegische Doktrin der Kommunisten. Anschließend vertieften sich die Grabenkämpfe zunehmend. Die Unterstützung der SPD für das De­ mokratische System, für die Weimarer Republik, gefiel den KPD An­ hängern nicht. Die KPD war überzeugt, das vorherrschende System durch einen Putsch (Analog zur Oktoberrevolution in Russland) über­ winden zu müssen. Erst ab 1931/32 unter der wachsenden Bedro­ hung durch die Faschisten gewann die Idee der Einheitsfron wieder an Unterstützern innerhalb der Linken. → Vgl. Einheitsfrontlied

-

Koalitionsregierung von Kommunisten und linken Sozialdemokraten (intern als „höchste Form der Einheitsfront“ bezeichnet). Dafür bedür­ fe eines zugespitzten Klassenkampfes und einer allgemeinen Radika­ lisierung des Proletariats, bei der sich die Machtfrage unmittelbar stellt. In Deutschland gab es eine solche Einheitsfrontregierung wäh­ rend der vorrevolutionären Situation im Herbst 1923 in Sachsen und Thüringen. Bis zur Machtergreifung Hitlers gelang es weder KPD noch SPD ausreichend Stimmen zu gewinnen um auch nur annähernd die Chance für eine derartige Regierung im Reichstag zu erhalten.

Die Eiserne Front war ein Zusammenschluss des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, des Allg. Dt. Gewerkschaftsbundes (ADGB), des Allg. freien Angestelltenbundes (Afa-Bund), der SPD und des Arbeiter Turn- und Sportbundes (ATSB) im Widerstand gegen den Nationalso­ Zusammenschluss der zialismus. Sie wurde am 16. Dez 31 auf Initiative des Reichsbanners SPD-nahen Kräfte gegründet, um dem Zusammenschluss der Rechtsextremisten in der gegen NSDAP und KPD Harzburger Front ein Gegengewicht gegenüber stellen zu können. Zu ihren politischen Gegnern gehörte auch die KPD. Der KPD-Vorsitzen­ de Ernst Thälmann charakterisierte die Eiserne Front als „Terrororga­ nisation des Sozialfaschismus“. Am 2. Mai 33 hörte sie im Zuge der Beschlagnahmung des SPD-Vermögens auf zu existieren.

Feldgrauen, die Plural

umgangssprachlich: Soldaten

Feldgrau war die Farbbezeichnung der Uniformen der dt. Armee vom frühen 20. Jh. bis 1945. Dieser Farbton wurde für die 1907 eingeführte neue deutsche Felduniform gewählt, in der 1914 die deutschen Trup­ pen dann auch in den Ersten Weltkrieg zogen. Umgangssprachlich steht Feldgrau auch heute noch für die Farbe dt. Uniformen schlecht­ hin, insbesondere für die Zeit der beiden Weltkriege.

Filmtheater

Kino

Der Begriff „Kino“ war unbekannt. Gebräuchlich war stattdessen zudem „Lichtspielhaus“, „Kintop“, „Lichtspieltheater“.

Flugzettel

Flyer

Führer, der

Titel des Reichskanzlers Adolf Hitler

Führererlass

Ein Führererlass oder eine Führerverordnung war eine Anordnung von Adolf Hitler, die für alle Behörden und alle deutschen Staatsangehöri­ gen auf dem Gebiet des Deutschen Reiches Gesetzeskraft hatte. Die­ ser konnte geltendes Recht verändern oder neues Recht setzen. Anordnung von Adolf Diese Möglichkeit ging auf das Recht des Reichspräsidenten der Wei­ Hitler mit Gesetzeskraft marer Republik zurück, durch Erlass die Organisation der Reichsre­ gierung und die der obersten Reichsbehörden zu verändern. Infolge der Vereinigung beider Staatsämter 1934 gingen dessen Befugnisse auf Hitler als neues Staatsoberhaupt über.

Gau

Die Bezirke der NSDAP im Deutschen Reich 1925–1945 waren in Gaue gegliedert, geführt von einem Gauleiter, siehe Struktur der Parteibezirk der NSDAP NSDAP. Die dem Deutschen Reich zwischen 1938 und 1939 einge­ gliederten Gebiete Österreichs, des Sudetenlandes und Westpolens wurden als Reichsgaue verwaltet.


Seite 42

Dossier 12/2013

Begriff 1930er Jahre

THE ALTERNATE IMPROVISED HISTROY SHOW

Kurzerklärung

Bedeutung

Gestapo Geheime Staatspolizei

Politische Polizei 1933 - 1945

Die geheime Staatspolzei war eine kriminalpoizeiliche Behörde, aus­ schließlich als Poltische Polzei im Auftrag der Nationalsozialistischen Regierung fungierte. Sie entstand 1933 nach Umformung der politi­ schen Polizeiorgane der Weimarer Republik. 1939 wurde die Gestapo in das Reichssicherheitshauptamt (Amt IV) eingegliedert. Als Instru­ ment des NS-Staates besaß sie weitreichende Machtbefugnisse bei der Bekämpfung politischer Gegner. In den Nürnberger Prozessen wurde sie zu einer verbrecherischen Organisation erklärt.

Gleichschaltung

Ausrichtung aller deutschen Organisationen, Behörden, Vereine und Unternehmen nach der Ideologie der NSDAP

Mit dem sog. 1. Gleichschaltungsgesetz vom 31. Mrz 33, nach dem die Landtage und Gemeindeverwaltungen entsprechend dem Ergeb­ nis der Reichstagswahl vom 5. Mrz 33 umgeformt werden, erhält der Begriff Einzug in den Sprachgebrauch der Propaganda, des Rund­ funks und avanciert kurze Zeit später zum allgemeinen Sprachge­ brauch im Alltag.

Groß-Berlin

Gesamtgebiet Berlin

Ist eine Bezeichnung für das 1920 entstandene Stadtgebiet von Ber­ lin, wie es bis heute mit nur wenigen Änderungen besteht.

Großdeutscher Rundfunk

Harzburger Front

Propaganda-Titel der Dachorganisation der Dt. → siehe RRG Reichs-Rundfunk-Gesellschaft Rundfunksender ab 1939

kurzzeitiges Rechts-Bündnis 1931-1932

Das Bündnis zwischen NSDAP, DNVP, Stahlhelm, Bund der Frontsol­ daten, Reichslandbund und dem Alldeutschen Verband trat nur bei ei­ ner Tagung in Erscheinung, die 1931 in Bad Harzburg stattfand. Nachdem erste Spannungen bereits in Harzburg selbst spürbar ge­ worden waren, bekämpften sich die beteiligten Gruppierungen kurze Zeit später wieder und traten bei der Reichspräsidentenwahl im März 1932 mit verschiedenen Kandidaten an.

Hitlergruß / Heil Hitler!

War zur Zeit des Nationalsozialismus die verpflichtende Grußform. Sie war im nationalsozialistischen Sprachgebrauch auch als „Deutscher Gruß“ bezeichnet. Er war Ausdruck des nationalsozialistischen Personenkults um Adolf Hitler. Es handelte sich zunächst um den Deutscher Gruß: Gruß der NSDAP-Mitglieder, der nach der Machtübernahme 1933 verpflichtend von 1933 – zum offiziellen Gruß aller „Volksgenossen“ wurde. 1945 Beim Hitlergruß wurde der rechte Arm mit flacher Hand auf Augenhöhe schräg nach oben gestreckt. Dazu wurden meist die Worte „Heil Hitler“ oder „Sieg Heil“ gesprochen. Wenn der Gruß Adolf Hitler persönlich entboten wurde, lautete die Grußformel „Heil mein Führer“ in Anlehnung an die Anrede „Mein Führer“.

Hitlerjugend HJ

Die NSDAP-Organisation wurde ab 1933 zum staatli. und einzigen Ju­ gendverband mit bis zu 8,7 Mio. Mitgliedern (98 % aller dt. Jugendli.) ausgebaut. Sie sollte den "gesamten Lebensbereich des jungen Deut­ schen erfassen“ und formen. Dies galt seit Gründung des Bundes Deutscher Mädel (BDM) 1930 für beide Geschlechter. Die seit März 1939 gesetzl. geregelte „Jugenddienstpflicht“ betraf alle Jugend- und Jugendli. zw. 10 und 18 Jahren und war an zwei Tagen pro Woche Nachwuchsorganisation abzuleisten. Im Mittelpunkt der nach dem „Führerprinzip“ geordneten der NSDAP Org. stand die körperliche und ideologische Schulung; sie umfasste rassistische und sozialdarwinistische Indoktrination und gemeinsame Märsche und körperliche Übungen im Freien. Diese sollten schon die zehnjährigen Jungs abhärten und langfr. auf den Kriegsdienst vorbe­ reiten. Das Einüben von Befehl und Gehorsam, Kameradschaft, Diszi­ plin und Selbstaufopferung für die „Volksgemeinschaft“ gehörten zu den vorrangigen Erziehungszielen.

Horst Wessel

Horst Ludwig Wessel war SA-Sturmführer in Berlin beim Sturm 5, ei­ ner besonders brutalen Einheit in Berlin-Friedrichshain. Er schrieb den Text zum Horst-Wessel-Lied und wurde am 14. Januar 1930 von Al­ brecht Höhler, einem aktiven Mitglied der KPD, und weiteren Mitgl. ei­ ner Ersatzorg. des damals verbotenen Roten Frontkämpferbunds in seiner Wohnung aufgesucht. Albrecht Höhler tötete Horst Wessel beim Öffnen der Tür unverzüglich mittels eines Kopfschusses.


Dossier 12/2013 Begriff 1930er Jahre

Rückfragen: post@august-geyler.de Kurzerklärung

Seite 43 Bedeutung

Politisches Lied, das seit 1929 zunächst ein Kampflied der SA war und etwas später zur Parteihymne der NSDAP avancierte. Es ist nach dem SA-Mann Horst Wessel benannt, der den Text zu einem nicht ge­ nau geklärten Zeitpunkt zwischen 1927 und 1929 auf eine vermutlich aus dem 19. Jahrhundert stammende Melodie verfasste. Nach der Machtübernahme Adolf Hitlers 1933 fungierte das Lied nach dem Vorbild der Giovinezza im faschistischen Italien de facto als zwei­ te deutsche Nationalhymne. Der Alliierte Kontrollrat verbot 1945 nach der Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg das Lied. Dieses Verbot ist aufgrund § 86a StGB in Deutschland bis heute in Kraft.

Horst-Wessel-Lied

Bezeichnung für Untergruppen der Sozialdemokraten, die sich in Leipzig mit Schusswaffen Kämpfe mit den Gruppen der NSDAP (meist SA) lieferten.

Kampfstaffel, bewaffnete

paramilitärische Einheit

Leipziger Volkszeitung LVZ

Das Blatt nahm eine wichtige Stellung in der deutschen Arbeiterbewe­ Lokale Leipziger Zeitung gung ein und erschien 1922 bis zum Verbot 1933 als SPD-Organ. von überregionaler Bereits 1914 war die LVZ mit einer Auflage von 53.000 das wichtigste Bedeutung deutsche Sprachrohr des linken SPD-Flügels um Rosa Luxemburg. Stärkste Konkurrenz war die Neue Leipziger Zeitung.

Lichtspielhaus / Lichtspieltheater

Kino

Der Begriff „Kino“ war unbekannt. Das Stammwort Kinematographie war nur in der Fachwelt üblich.

MIRAG Mitteldeutsche Rundfunk AG

Einer von 9 deutschen Regionalen Rundfunk­ sendeanstalten

Gründung am 22. Januar 1924 als „Mitteldeutsche Rundfunk AG Gesellschaft für drahtlose Unterhaltung und Belehrung Leip­ zig“. Der Sendebetrieb wurde am 2. März 1924 in der Alten Waage am Markt in Leipzig aufgenommen. Am 16. August 1928 bezog die MIRAG zu ihrem erweiterten Sendebetrieb zwei Etagen in Barthels Hof an der Nordwestecke des Marktes. Am 28. Februar 1933 wurde die Rundfunkanstalt in eine GmbH umgewandelt. Ab 1. April 1934 un­ terstand die MIRAG der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft (RRG) und er­ hielt den Namen „Reichssender Leipzig“. Ab 1941 wurden kriegsbe­ dingt kaum noch eigene Beiträge produziert und stattdessen das zen­ trale „Reichsprogramm“ übernommen. Im März 1945 wurde der Betrieb eingestellt u. später als „Mitteldeutscher Rundfunk“ reaktiviert.

mundeifrig (Adj.)

redegewandt

Häufig in der Neuen Leipziger Zeitung zur Beschreibung eloquenter Leipziger verwendet.

Internationale Produktschau

Die Mustermesse wurde im Jahre 1895 in Leipzig erfunden, um den aufwendigen Warenhandel am Messeplatz durch Musterschauen zu ersetzen. Die gezeigten Muster wurden von den Kaufleuten – wie heu­ te üblich – bestellt und geliefert. Infolge der Umstellung der Waren­ messe zur weltweit ersten Mustermesse stieg Leipzig bis zum Zweiten Weltkrieg zum Welthandelsplatz und zur reichen Bürgerstadt auf. Es gab jedes Jahr eine Frühjahrs- und eine Herbstmesse. In Spitzenjah­ ren kamen über 400.000 Besucher aus aller Welt. Alle heutigen Messen auf der Welt basieren auf dieser Erfin­ dung. Allerdings gibt es 2013 nur noch bei der Basler Mustermesse (Schweiz), die in Leipzig erfundene Form eine Voll-Messe, d.h. einer Messe, die alle Arten von Konsum- und Industriegütern ausstellt. An­ sonsten existieren heute nur noch Fachmessen, die sich auf ein spezi­ elles Produktgebiet beziehen (z.B. Buchmesse, Automesse).

Mustermesse MM

Neue Leipziger Zeitung NLZ

Hervorgegangen aus dem Leipziger Tagblatt existierte diese Zeitung Lokale Leipziger Zeitung von 1921 bis 1940. Für sie schrieben spätere Berühmtheiten wie Erich Kästner als Kolumnisten.

Neue Sachlichkeit

Literatur-Epoche (1919 – 1933 )

Die Autoren der neuen Sachlichkeit legten Wert auf eine objektive Darstellung der sozialen und ökonomischen Wirklichkeit. Die Weltwirt­ schaftskrise und der Untergang der Republik im Zweitraum von 1929 bis 1933 markieren die dritte und letzte Pahse dieser Epoche.

Neues Theater

Leipziger Theaterhaus

Im Krieg zerstörtes Konzert- und Theaterhaus an der Stelle des heuti­ gen Opernhauses. → siehe Kapitel „Musik & Theater“ ab S. 5


Seite 44

Dossier 12/2013

Begriff 1930er Jahre

THE ALTERNATE IMPROVISED HISTROY SHOW

Kurzerklärung

Bedeutung

betriebsbezogene Organisation der NSDAP

Ab 1927 schlossen sich in Großbetrieben NSDAP-Mitglieder zu Be­ triebsgruppen zusammen, nach dem Vorbild der Revolutionären Ge­ werkschafts-Opposition der KPD. Die NSBO bildete sich 1928 aus diesen Gruppen und wurde 1931 zur Reichsbetriebszellenabteilung der NSDAP erklärt. Die offensive Mitgliederwerbung auch unter An­ wendung von Gewalt fand statt unter dem Schlagwort „Hinein in die Betriebe“. Die NSBO-Verbände erreichten aufgrund ihrer vergleichsw. niedrigen Mitgliedszahlen nirgendwo die Tariffähigkeit. Am 2. Mai 1933, wurde sie zum ausführenden Organ bei der „Be­ setzung der Gewerkschaftshäuser“. Dazu wurde ein Aktionskomitee gebildet, in dem die NSBO durch Reinhold Muchow vertreten wurden und das geleitet wurde von Robert Ley, Stabsleiter der Polit. Org. der NSDAP. Wenige Tage nach dem Verbot der Gewerksch. in Dtl. am 2. Mai 1933 wurde die Deutsche Arbeitsfront (DAF) gegründet. Die Hoff­ nung ihrer Mitglieder, die NSBO würde nun zum „Kern einer parteige­ bundenen Einheitsgewerkschaft“ werden, erfüllten sich nicht: Ihre Funktion beschränkte sich künftig auf weltanschauliche Schulungen in den Betrieben. Mit der Ermordung Gregor Strassers und weiterer Mit­ glieder 1934 wurde der Einfluss der NSBO weiter reduziert. 1935 wur­ den die NSBO zu Gunsten der DAF aufgelöst.

Partei

Die NSDAP in Sachsen gründete am 11. Oktober 1921 in Zwickau ihre erste Ortsgruppe, 1922 entstand die Ortsgruppe Leipzig. Nach Akquirierung neuer Wählerschichten infolge der in Sachsen beson­ ders stark ausgeprägten politischen Polarisierung stieg die NSDAP mit der Landtagswahl 1930 zur Massenpartei auf. 1945 wurde die NSDAP von den Alliierten Mächten in Dtl. verboten.

Opel-Haus

Erstes Leipziger Autohaus

Am 9.11.1931 eröffnetes, erstes Leipziger Autohaus. Dr. Fritz Opel persönlich hatte dieses Haus am Johannisplatz eröffnet und bot erst­ malig jeden Service rund um das Automobil inklusive Verkauf und einem Dach.

Polizei, politische

Sondereinheit der Kriminalpolizei im Dt. Reich

Wurde zur Bekämpfung und Aufklärung der ab 1930 üblichen politi­ schen Straßenschlachten eingesetzt. Ab 1933 wurde sie von der NSDAP zur Beseitigung der politischen Gegner eingesetzt und zur Geheimen Staatspolizei umgeformt → siehe Gestapo

Reichsanwalt / Oberreichsanwalt

Staatsanwalt

NSBO Nationalsozialistische Betriebszellen-Organisation

NSDAP Natianalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei

Reichsstraße

Fernstraße

Ab 1934 eingeführte Bez. f. Fernschnellstraßen höchsten Ranges, die das Deutsche Reich ganz durchliefen. Zuvor hießen derartige Fernstraßen „Kraftwagenstraße“. Bereits 1932 erschien zum Fernstraßenbau ein Fachzeitschrift mit dem Namen „Autobahn“. Ihr Name übertrug sich rasch in den Sprachgebrauch. Die Bez. „Autobahn“ wurde erst nach dem Krieg zur juristisch korrekten Bez. für diese Straßenart.

Wehrverband der SPD

von Sozialdemokraten gegründeter u. dominierter paramilitärischer Verband zur Verteidigung der demokratischen Staatsordnung

Reichsbanner (Kurzform) „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund deutscher Kriegsteilnehmer und Republikaner“

Reklame (Subs.)

Rotfrontkämpferbund (RFB)

RRG Reichs-Rundfunk-Gesellschaft

Werbung

Wehrverband der KPD

Filmwerbung, Plakatwerbung u.ä. Wurde als Reklame bezeichnet. Seit dem 3. Mai 1929 verbotene und zunehmend nur noch im „Unter­ grund“ agierende paramilitärische Einheit der KPD. Sie stand theore­ tisch als auch aus Sicht ihrer eigenen Mitglieder unter widersprüchli­ chen Zielsetzungen. Einerseits sollte der Bund auf friedliche und zivili­ sierte Weise für die linke Sache werben und durch Publikationen und Propaganda wirksam gegen die Faschisten agitieren, andererseits sollte die Vorherrschaft auf der Straße gewonnen werden – letzteres besonders im Straßenkampf mit der SA und anderen Gruppen.

Unter dieser staatlichen Institution wurden 1925 alle neun zuvor privat betriebenen regionalen Radiosender (darunter die → MIRAG) ver­ staatlicht und zentralisiert. Was bis 1932 lediglich eine organisierte Dachorganisation der Zusammenarbeit war, in der die einzelnen Programme autark waren, regionalen wurde 1933 im Zuge der „Gleichschaltung“ zum weitgehend gleichen Rundfunkgesellschaften Gemeinschaftsprogramm. Auf Veranlassung von Joseph Goebbels in Deutschland wurde zum 1. Januar 1939 für den Reichsrundfunk die Bezeichnung Großdeutscher Rundfunk eingeführt, für das Ausland wurden Pro­ gramme unter dem Namen Germany Calling produziert.


Dossier 12/2013 Begriff 1930er Jahre SA Sturmabteilung

Salzheisies, die Plural

Schutzhaft

Sieg heil!

Rückfragen: post@august-geyler.de

Seite 45

Kurzerklärung

Bedeutung

Wehrverband der NSDAP

paramilitärische Kampforganisation der NSDAP, die vor der Machter­ greifung als Ordnertruppe eine entscheidende Rolle beim Aufstieg der Partei spielte, indem sie deren Versammlungen vor Gruppen politi­ scher Gegner mit Gewalt abschirmte bzw. gegnerische Veranstaltun­ gen massiv behinderte.

Salzstangen

Bezeichnung wurde in Folge 10 erfunden und hat kein reales Vorbild. Es wurde in der Improvisation behauptet, dass dieses „neue lineare Salzgebäck“ (Anton) in Mode gekommen sei, weil es durch das Salz besonders lange haltbar sei. „Heisies“ bezieht sich auf den in Leipzi­ ger arbeitenden Physiker Werner Heisenberg, auf dessen Forschung die Form des Gebäcks beruhe.

Unter dem Euphemismus Schutzhaft wurden in der Zeit des National­ sozialismus in Deutschland Regimegegner und andere missliebige Personen willkürlich inhaftiert und in Konzentrationslager verschleppt. Verschleiernde Ermöglicht wurde Sie durch das Reichstagsbrandgesetz. Ab März 33 Sprachregelung des wurde diesem Instrument, das in den Händen von SA, Gestapo und NS-Regimes für die SS lag, massenhaft Gebrauch gemacht. Es diente nicht irgendwel­ rechtlose und chen Schutzzwecken, schon gar nicht, wie oft behauptet wurde, dem willkürliche Inhaftierung Schutz der Betroffenen vor dem „Volkszorn”, sondern der Verfolgung politischer Feinde politisch und anderweitig missliebig gewordener Personen. Mit Einfüh­ rung der „Schutzhaft“ kam ein Prozess der völligen Ausschaltung der Gerichte in Gang. Deutscher Gruß

→ siehe Hitlergruß

Sozialfaschismusthese

Die Sozialfaschismusthese die 1925 erstmals formuliert wurde und von den der den kommunistischen Parteien (v.a. KPD) zwischen 1928 Haltung der und 1934 vertreten wurde, zementierte die Spaltung und Lähmung der kommunistischen Kräfte Arbeiterbewegung, welche indirekt mit zum Sieg des Nationalsozialis­ gegen die SPD mus beitrug. Die Sozialdemokratie war laut KPD eine bloße Variante (1928-1934) des Faschismus und jegliche Einheitsfront der kommunistischen Par­ teien mit den sozialdemokratischen daher unzulässig. Die SPD wurde als "sozialfaschistisch" geschmäht.

Stahlhelm Bund der Frontsoldaten

1918 gegründeter. bewaffneter Arm der Deutschnationalen Volkspar­ Wehrverband der DNVP tei (DNVP). So stellte der Stahlhelm bei Parteiversammlungen vielfach den (bewaffneten) „Saalschutz“.

Sturmführer

Dienstgrad innerhalb der Sturmabteilung (SA) der NSDAP. Sturmfüh­ rer entsprach dem Rang des Leutnants bei der Reichswehr. Er stand 9 Ränge über dem einfachen SA-Mann, 4 Ränge unter dem Oberst­ Dienstgrad innerhalb der sturmbannführer (entspr. Major) und und 10 Ränge unter dem SA höchsten Anführer, dem „Chef des Stabes der SA“ (entspr. General­ oberst). → Vgl. SA Ein SA-Sturm bez. eine Kampfeinheit in der SA. Sie bestand aus 3-4 Trupps, ein Tupp bestand aus 8 bis 16 SA-Männern.

Totschläger

Schlagwaffe

Ein Totschläger ist ein mit einem Gewicht, z.B. einer Eisenkugel, be­ füllter Beutel aus Stoff, z.B. ein Strumpf. Die Rechtsprechung def. Tot­ schläger als „biegsame, an einem Ende beschwerte Schlaggeräte, die die menschliche Hiebenergie durch Schleuderbewegung zu einer er­ hebli., zielbaren Bewegungs- und Auftreffenergie potenzieren“. Schlä­ ge auf den Schädel können durch den Peitscheneffekt schwerste Ver­ letzungen bis hin zu einem Aufplatzen des Schädels verursachen.

Überfallwagen (Subs.)

Einsatzwagen

Polizeitransporter zum schnellen Transport von Polizisten bei Straßenschlachten


Seite 46

Dossier 12/2013

Begriff 1930er Jahre

THE ALTERNATE IMPROVISED HISTROY SHOW

Kurzerklärung

Bedeutung

Völkerschlachtdenkmal

Leipziger Denkmal

Das Völkerschlachtdenkmal im Südosten Leipzigs wurde in Erinne­ rung an die Völkerschlacht bei Leipzig (1813) errichtet und 1913 ein­ geweiht. Es steht an einem Brennpunkt des damaligen Kampfgesche­ hens. Mit 91 Metern Höhe zählt es zu den größten Denkmälern Euro­ pas und ist eines der bekanntesten Wahrzeichen Leipzigs. Es bildet eine weithin sichtbare Landmarke mit markanter Silhouette. Vom Fuß des Sockels bis zur Aussichtsplattform auf der Spitze sind es 500 Stu­ fen, die größtenteils in engen Wendeln nach oben gehen. Vom Kaiserreich errichtet, sollte es den dt. Mut zum Kampf und die heroischen Leistungen des Kriegers verherrlichen. Die Planer aber formten hochgradig traurige und verstörende Figuren im Inneren und martialische, gegen die hässliche Fratze des Krieges gerichtete, Reli­ efs auf der Außenfront. Diese Widersprüchlichkeit machte das Denk­ mal zum melancholischen Anlaufpunkt für Pazifisten aber auch zur Kulisse von Kriegstreibern u. Nationalisten. So diente es den National­ sozialisten als Bühne für Aufmärsche. Adolf Hitler das Gelände zum Sachsentreffen im Juli 1933. Die Nationale Volksarmee der DDR hielt dort ihre Vereidigungzeremo­ nien ab. Seit 1990 versuchen Neonazis es erneut zum Schaupl. ihrer Demonstrationen zu machen.

Volksempfänger

Erster in Großserie gefertigter Radiioempfänger von 1933 bis 1939

Der Volksempfänger war ein Radioapparat, der von Otto Griessing bei der Firma Dr. G. Seibt im Auftrag von Joseph Goebbels entwickelt wurde. Erstmals vorgestellt wurde das Gerät mit dem Modell VE301 im August 1933 auf der 10. Großen Deutschen Funkausstellung in Berlin Später im Volksmund auch: „Goebelsschnauze“ Preis: 75,- RM

Volksgemeinschaft

NS-Sprachgebrauch

→ siehe Volksgenosse S.46

Viel gebrauchtes Schlagwort im Dritten Reich zur ideologischen Abgrenzung gegen „Undeutsche“

Das Wort Volksgenosse (kurz Vg., Vgn.) ist seit 1798 nachweisbar und wurde ursprünglich überhöht für „Landsmann“ gebraucht. Im Wahlprogramm der NSDAP von 1920 war festgelegt: „Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist. Volksgenosse kann nur sein, wer deutschen Blutes ist, ohne Rücksichtnahme auf die Konfession. Kein Jude kann daher Volksgenosse sein.“ Adolf Hitler prägte in seiner 1924 entstandenen Schrift "Mein Kampf" die Begriffe der „Volks- und Rassegenossen“, sowie des „rassen- und nationalbewußten Volksgenossen“ als Gegenbegriff zu der Anrede „Genossin, Genosse“ in den sozialistischen Organisationen. Nach 1933 wurde Volksgenosse zum viel gebrauchten Schlagwort im Dritten Reich, mit dem Reden und Kundgebungen eingeleitet wurden. Im nationalsozialistischen Sprachgebrauch verschmolzen die drei oben genannten Akzentuierungen. Dabei stand der rassische Aspekt im Vordergrund: der Begriff schloss „nicht-deutschblütige“ Bürger von vorneherein aus. Auch Bevölkerungsgruppen, die als „Asoziale“ oder „Behinderte“ definiert wurden, galten nicht als Volksgenossen. An den Gemeinsinn der Volksgenossen wurde zum Beispiel bei Sammlungen zum Winterhilfswerk appelliert.

Volksgenosse

Volkshaus

Das in der Südstraße (später Adolf-Hitler-Str, heute Karl-Liebknecht­ -Str.) gelegene Haus beherbergt den Deutschen Gewerkschaftsbund. Gewerkschaftshaus des Es wurde in seiner Geschichte zwei Mal von Nationalsozialisten ge­ DGB in Leipzig plündert. 1920 zündeten es die Nazis anschließend an. Es brannte vollkommen aus. 1933 wurde es von der SA erneut geplündert. Im Hof fand Leipzigs erste große Bücherverbrennung statt.

Völkerbund, der

Int. Organisation zur Friedenssicherung 1920-1946

Der Völkerbund war eine Internationale Organisation mit Sitz in Genf (Schweiz). Er nahm am 10. Januar 1920, kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges, seine Arbeit auf, um den Frieden dauerhaft zu sichern und wurde am 18. April 1946 in Paris, kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges, aufgelöst. Der Völkerbund gilt als indirekter, zeitge­ schichtlicher Vorläufer der Vereinten Nationen (UNO).

Weltkrieg

Bezeichnung des 1. Welkrieges

Der sog. erste Weltkrieg wurde bis zum Ausbruch des zweiten Welt­ krieges nicht als „1. Weltkrieg“ sondern nur als „Weltkrieg“ bezeich­ net, da es bis dato keinen zweiten ähnlich verheerenden Krieg gege­ ben hatte.

Wichs

festliche, glänzende Bekleidung

Das Wort „Wichs“ entstand im 18. Jahrhundert als Rückbildung aus wichsen (polieren, blank putzen) mit der allgemeinen Bedeutung „Festbekleidung“. Wichs ist die offizielle Bez. für die traditionelle festli­ che Bekleidung, welche von den Chargierten oder ggf. auch anderen Mitgliedern studentischer Korporationen getragen wird.


Dossier 12/2013 Begriff 1930er Jahre

Wohl-Wert

Rückfragen: post@august-geyler.de Kurzerklärung

Seite 47 Bedeutung

"Wohl-Wert", oder auch "Wohlwert", war ein Kaufhaus der Firma "Wohl-Wert Handelsgesellschaft m.b.H.". Es befand sich in der Nonnenmühlgasse 12 gegenüber des Haupteingangs des Neuen Rathauses auf der andern Seite des Innenstadtrings (heutige Brachfläche). Es war wie viele andere Kaufhäuser und Tuchwarengeschäfte in Mitteldeutschland an die Leipziger Großhandelsgesellschaft "Grohag" angegliedert. Darüber hinaus gab es angeschlossene Kaufhäuser bis nach Bamberg und Berlin. Alle Modernes Kaufhaus mit nannten sich "Wohl-Wert" oder "Wohlwert". niedrigen Revolutionär an den Wohlwert-Kaufhäusern war das neu erfundene „Einheitspreisen“ „Einheitspreisgeschäft“ unter der Prämisse, die Kunden günstig mit Lebensmitteln und Artikeln des täglichen Bedarfs zu versorgen. So war der Vorläufer der heutigen Kaufhausketten entstanden. Schon in den frühen 30er Jahren versuchte die Konkurrenz dieses Konzept zu kopieren. Wohlwert konnte das auch durch zahlreiche Patent-Klagen nicht verhindern. Dennoch galt Wohlwert als hoch provitabel und blieb lange sehr erfolgreich. Nachdem der Woolworth-Konzern (irgendwann nach 1935 - Recherche lückenhaft) gegen den Namen Klage führte, mussten sich alle Geschäfte der Kette umbenennen.

Erstellt am 02.12.13 um 05:13 von August Geyler für alle Mitwirkenden der Impro-Show ADOLF SÜDKNECHT Nicht zur Veröffentlichung vorgesehen. Irrtümer vorbehalten.

Dossier adolf südknecht – the improvised alternate history show! folge 19 – anno 1938 39 vom 19 11 2  

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