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Dossier

Adolf Südknecht Folge 12 anno 1933 (Januar bis Juni)

„Deutschland entflammt“

Leipziger Umstände und Ereignisse mit Relevanz für das erste Halbjahr 1933 Markierte Ereignisse fanden bei Auftritten bereits Eingang in die Handlung.


Dossier 04/2013 – Adolf Südknecht – THE IMPROVISED HISTROY SHOW

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Inhalt Allgemeines

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Cliffhanger aus Folge 11

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Kultur & Freizeit

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Musik & Theater

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Lichtspielkunst

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Literatur

10

Wirtschaft

11

Architektur

13

Gastgewerbe

14

Verkehr & Kommunikation

15

Handel & Mode

16

Politik

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Presse & Rundfunk

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Sport

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Wissenschaft

35

Justiz

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Leipziger Pressespiegel 1933

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Begriffsverzeichnis

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Allgemeines •

Leipzig kann seinen Einwohnerrekord von 1931 in Höhe von 719.000 fast halten. 1933 liegt die Einwohnerzahl bei ca. 716.000 Menschen. Die heutige Karl-Liebknecht-Str. heißt vom Peterssteinweg bis zum Südplatz Zeitzer Straße und südlich bis nach Connewitz Südstraße. Im März 1933 werden Südstraße und Zeitzer Straße zusammengefasst und in Adolf-HitlerStraße umbenannt. Zahlungsmittel ist seit 1924 die Reichsmark. Dennoch bleibt die aus der vorherigen Hyperinflation (1923) hervorgegangene Papiermark (Wechselkurs 1:1) weiterhin gültig und im Umlauf. Die Reichsmark bleibt bis zum Kriegsende 1945 gültiges Zahlungsmittel. Schreibweise: RM1 / Rpf (Reichspfennig) Das „echte“ Horns: Mit 24 Jahren gründete Wilhelm Horn seine Spirituosenfirma, die im Winter 1923 ins Handelsregister der Stadt Leipzig eingetragen wurde. Drei Jahre später kaufte der Jungunternehmer eine alte Sektkellerei in der Arndtstrasse 33. 1931 wurde dort die 2012 wieder aufgebaute Glasfassade errichtet. 2 große Bekanntheit erlangte der Leipziger Allasch (→ siehe S. 52) von der Firma Horn

Cliffhanger aus Folge 11 Adele und Adolf stehen vor dem Tresen, als Anton aus der Wohnung kommt. Er behauptet, der Reichstag brenne und verschiedet sich von seinen Eltern: „Ich folge Heinrich nach Paris“3. Anton verlässt das Horns. Beide Eltern sind völlig überwältigt und wiederholen stotternd Antons ersten Ausruf:

„Der Reichstag brennt?!“

1 2 3

Im Auftritt v. 19. Apr 12 (Folge 3) wurde „RM“ bereits an der Tafel angeschrieben. Im Auftritt v. 27. Sep 12 (Folge 5) wurde ausführlich auf die Fassade eingegangen. Dabei wurde behauptet, es sei Adolfs Idee gewesen, mit dieser „Leuchtkraft die ganze äußere Südvorstadt zu überstrahlen“. Ebenfalls wurde in diesem Zusammenhang eingeführt, dass es nun auch warme Speisen im Horns gibt. Am Ende des Auftrittes v. 19. Mrz 13 (Folge 11) verließ Antons alter Freund Heinrich Kamp (Ben Hartwig) nach erfolglosem gemeinsamen bewaffneten Kampf gegen die SA die Stadt. Er kündigte an, nach Paris zu fliehen und übergab Anton ein Zugticket zu eben diesem Ziel. Anton überlegte nicht lange und verließ kurz darauf ebenfalls die Stadt.


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Kultur & Freizeit

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von 1913 bis 1932 existiert im Leipziger Auenwald eine der größten Vergnügungsstätten Deutschlands: der Luna-Park4 am Auensee. Der See war wegen Kiesabbaus zur Errichtung des Leipziger Hauptbahnhofes entstanden. Attraktionen im Luna-Park: • Luna-Express (Dampfeisenbahn im Rundkurs um den See – Vorgängerbahn der Pioniereisenbahn, welche im Krieg völlig zerstört wurde) • Gebrigsszeneriebahn und Achterbahn in Alpenkulisse • 5 Restaurants und Tanzpalast „Haus Auensee“ • Strandbad

Das Ballhaus Felsenkeller in Leipzig Plagwitz (eröffnet 1890) dient neben der Nutzung als Lichtspielhaus und Tanzlokal mit seinem großen großen Festsaal als Versammlungslokal der Leipziger Arbeiterbewegung. Hier sprechen vor 1933 unter anderem Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Clara Zetkin und Ernst Thälmann. Im Zweiten Weltkrieg bleibt der Bau unzerstört. Der Bau umfasst einen Gebäudekomplex mit 1000 Plätzen, eine großzügig angelegte Gartenanlage, Terrassen und Veranden. Das markanteste Merkmal ist der zweigeschossige Eckturm, der von einer barocken Kuppel gekrönt wird.

23. Mai 33: Neues Freilandgehege im Leipziger Zoo ◦ Durch Umwidmung und Neuerwerb entstand in der Nähe des Planetariums ein neues Gehege ◦ Am Tag der Einweihung werden dort die Giraffen präsentiert, die zuvor beengt „wohnten“ ◦ Dem Leipziger Publikum werden außerdem zwei neue sog. Bärenburgen präsentiert. ◦ Man erwartet einem Schub für den Fremdenverkehr (drei Wochen zuvor war die int. Presse noch von der gigantischen Hitler-Huldigung am Völkerschlachtdenkmal verstört)

Im Auftritt vom 10. Dez '12 (Folge 8) machte die Familie einen Ausflug dorthin und fuhr mit der Gebirgsszeneriebahn und erlebte makabere Abenteuer. Die Eltern inszenierten die Entgleisung der Luna-Bahn als Überraschung zu Antons Geburtstag. Adele rechtfertigte dies mit der Abhärtung ihres Sohnes.


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Musik & Theater Leipziger Theater- und Musikhäuser Altes Theater

Neues Theater

Neues Gewandhaus

Theaterhaus: 1766 – 1943

Opernhaus: 1864 – 1943

Konzerthaus: 1884 – 1943

Das Alte Theater war die erste Theaterbühne in Leipzig. Es steht am Fleischerplatz (Theaterplatz, heute Richard-Wagner-Platz). Erbaut wurde es auf den Fundamenten der Stadtmauer. J.-W. v. Goethe wohnte der Eröffnung als Zuschauer bei. Seit Eröffnung des Neuen Theaters wird es nur noch für Schauspiel genutzt. Hier finden 1828/29 u. a. die Uraufführungen von Heinrich Marschners Der Vampyr und Der Templer und die Jüdin statt. Seit 1912 steht es abermals unter Verwaltung der Stadt Leipzig. In der Nacht zum 4. Dez 1943 zerstört ein Luftangriff Neues und Altes Theater, dessen Ruine nach Kriegsende abgetragen wird.

Das Neue Theater bietet 1700 Sitz- und 300 Stehplätze und ist für Schauspiel, Oper und Ballett gedacht. Da sich das Haus schon sehr früh als ausgezeichnet für die Oper, für das Schauspiel jedoch als ungeeignet erwies, zog das Schauspiel ganz in das Alte Theater, während das Neue Theater zur Leipziger Oper avancierte. 1935–1938 werden Zuschauerraum, Bühne und Orchestergraben umgebaut. Am 4. Dezember 1943 zerstört ein alliierter Luftangriff das Gebäude. Bis zum Vortag der Zerstörung wird die Bühne noch bespielt. Die Ruine wird 1950 abgetragen und an gleicher Stelle neue Oper errichtet.

Im Musikviertel südwestlich der Altstadt (Grassi-/ Beethovenstraße) befindet sich das "Neues Gewandhaus". Es besitzt einen großen Saal mit 1700 Plätzen und einen Kammermusiksaal mit 650 Plätzen und wurde als Ersatz des 1. Gewandhauses (abgebrannt) errichtet. Im November 1936 vernichten die Nationalsozialisten nachts das vor dem Konzerthaus stehende Mendelssohn-Denkmal. Das Konzerthaus wird im Zweiten Weltkrieg am 3. und 4. Dezember 1943 sowie am 20. Februar 1944 durch Bomben schwer beschädigt. Erst 1977 erfolgt der Bau des 3. Gewandhauses in seiner heutigen Form am Augustusplatz.

Centraltheater

Alberthalle / Krystallpalast

Leipziger Kabaretts

Operettentheater: 1901 – 1943

Varieté: 1887 – 1943

… Recherche noch nicht abgeschlossen ...

Das an der Ecke Bose- / Gottschedstraße gelegene Haus dient als Theaterhaus der leichten Unterhaltung. Es wird 1943 im Krieg stark beschädigt und 1954 zur ersten festen Behelfsspielstätte des Leipziger Schauspiels (Name des neuen Ensembles) nach 1945 ausgebaut und stark erweitert.

Das Leipziger Varieté "Krystallpalast“ expaniderte 1987 mit dem Neubau eines Kuppelbaus mit 46 Meter Spannweite. Die Alberthalle ermöglichte Zirkus, Theater, Konzert und Varieté gleichermaßen. Sie hatte je nach Aufführungsart zwischen 3000 und 3500 Sitzplätze. Dort traten fast alle bedeutenden Unterhaltungskünstler jener Zeit auf: Die Clowns Grock, die Tänzerin Josephine Baker und Otto Reutter. Es gab Filmveranstaltungen, Konzerte und Varietéprogramme. 1918 wurde die Halle zu einem Filmtheater umgebaut.


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Theater- und Musikereignisse in Leipzig

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Unter großem Aufsehen findet im Neuen Theater die Uraufführung der Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ von Kurt Weil und Bertold Brecht5 am 9. März 1930 statt.

1930 wird das Literatur-Kabarett „Die Litfaßsäule“ gegründet, das in der Folgezeit junge Dichter bekannt macht und fördert. Es befindet sich in einem Versammlungsgebäude einer Brauerei namens Südbrau an der Ecke Brau- / Zeitzer Straße (heute FEINKOST-Gelände) unweit von Horns Weinstuben.6 ◦ Im März 1933 wird es mit der Machtergreifung Adolf Hitlers geschlossen. ◦ Während der nur dreijährigen Spielzeit erfährt es ein hohes Öffentliches Interesse. Neben Gegenwartsdichtung besteht das monatl. wechselnde Programm aus einem musikalischen Teil und Parodien auf die Literatur die neuesten Ufa-Filme. ◦ Der Stoff für Spott u. Satire geht nicht aus, dafür sorgen schon die Veranstaltungen einer NSDAP-Organisation eine Etage über dem Kabarett im Gildensaal.

13. Feb 33: In Leipzig findet anlässlich des 50. Todestages von Richard Wagner die Reichsfeier des Wagner-Jahres statt. Reichskanzler Adolf Hitler wird jubelnd empfangen und nimmt an der Feier teil, ohne jedoch das Wort zu ergreifen.

18. Feb 33: Bei der Uraufführung des Der Silbersee. Uraufführung Schauspiels „Silbersee“ von Georg im Alten Theater Kaiser (Musik: Kurt Weill) inszeniert die ausführlicher Artikel im Pressespiegel SA → Begriff S. 56 im Alten Theater einen Seite 42 Skandal. ◦ Georg Kaiser, der sich bereits 1921 in einem dramatischen Gerichts-Prozeß selbst unter Berufung auf die Freiheiten des Dichters verteidigt hatte und dennoch eine Haftstrafe ver büßen musste, geriet früh in das Visier der Nationalsozialisten. ◦ Die Uraufführung seines jüngsten Werkes nimmt die SA zum Anlass, ihm Verrat am deutschen Volke vorzuwerfen und initiiert eine öffentliche Kampagne gegen ihn. Darauf basierend wird ihm im Sommer 1933 ein allgemeines Publikationsverbot auferlegt. ◦ Zu den im Mai 1933 verbrannten Büchern gehören auch seine Werke. ◦ Vor einer Hausdurchsuch. durch die Gestapo gelingt ihm '38 die Flucht nach Amsterdam

2. Mrz 33: Schauspielerin Gretl Berndt wird nach dem Applaus von der Gestapo verhaftet, weil sie sich schlecht über Adolf Hitler geäußert habe. (NLZ-Artikel → S. 49)

16. Mrz 33: Gewandhauskonzert verboten und abgesagt. Des Dirigenten Bruno Walters „Startums“ und der „Entartung seiner Kunst“ solle ein Riegel vorgeschoben werden.

14. Apr 33: In der Thomaskirche findet im Vorfeld des Osterfestes (während die Gleichschaltung im ganzen Reich tobt) Johann Sebastian Bachs Matthäuspassion eine beachtete Aufführung unter der musikalischen Leitung Karl Straubs. Neben berühmten Solisten traten dabei die besten Chöre Leipzigs (mit hohem internationalem Renommee), Thomanerchor und Gewandhauschor, gemeinsam auf. Der Kritiker Alfred Barsel bemerkt lediglich, dass „[...] bei Walter Zimmer, der die Christuspartie schon im Vorjahr sehr erfolgreich gesungen hatte, … die angestrebte Gemessenheit und Würde [...] diesmal gelegentlich etwas Gewaltsames“ bekommen hätte.

Im Auftritt vom 09. Okt '12 (Folge 6) spielte Brecht eine wichtige Rolle. Gedichte von ihm wurden rezitiert. Besonders bejubelter Höhepunkt der Show war ein von Adle vorgetragenes (also von Susanne Genre-getreu improvisiertes) Brecht Gedicht über die Leipziger Straßenbahn. Im Auftritt vom 26. Feb '13 (Folge 10) beschlossen Adolf und Sohn gemeinsam dieses Kabarett in der Nachbarschaft zu besuchen. In einem Zeitsprung dargestellt, genießen beide die Literarischen Witze und die politischen Karikaturen. Adele besucht derweil mit dem Neugeborenen eine Parteiveranstaltung der NSDAP ein Stockwerk höher, damit der Kleine von Anfang an die richtige Luft atmet.


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Lichtspielkunst

Abbildung 1: War Göring zu gefährlich: "Das Testament des Dr. Mabuse" - 1933 - Regie: Fritz Lang Leipziger Lichtspielhäuser • In den 30er-Jahren existieren zeitweise über 20 verschiedene Kinos in der Stadt • Seit 1912 existiert das UT Connewitz. Die Union-Theater-Kette hat reichsw. Lichtspielhäuser. • 1929 im Frühjahr wird erstmalig im UT Hainstraße Tonfilm7 aufgeführt. • Seit 1915 existiert das Kino im Jägerhof (heute Passage Kino) • Am 30. August 1929 wird der Filmpalast „CAPITOL“ im Petershof eröffnet.8 • Am 12. September 1930 zeigt das U.T-Hainstraße als erstes Leipziger Kino eine Ton-Wochenschau - die "Fox tönende Wochenschau" • 1932 wird in Leipzig-Connewitz das Filmtheater „Stern-Lichtspiele“ eröffnet. Reklame im Kino9 • Seit 1912 werden zunächst handbemalte Glasplatten, ab Mitte der 20er-Jahre Dias zur Produktwerbung verwendet. Dias bleiben noch bis in die 70er Jahre das Werbemittel für lokale Produkte, weil deren Herstellung kostengünstiger ist als die Produktion eines Films. • 1930 hat sich der Relklamefilm etabliert. Produktwerbefilme für ATA (Reinigungsmittel) oder BLAUPUNKT (Radios) sind beim Publikum bliebt. (1933: Spieldauer von je rund 3 Min.) 7 8

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Im Auftritt vom 08. Feb 12 (Folge 1) wurde die Erfindung des Tonfilms vorweggenommen. Es wurde behauptet, dass ein Regisseur aus dem Ruhrpott, der gekommen war, einen Werbefilm über das Horns zu drehen, diese neue Technologie soeben erfunden hatte. Ggf. bietet es sich an, darauf später wieder einzugehen, wenn 1929 die eigentl. Einführung d. Tonfilmes in Leipzig stattfindet. Im Auftritt vom 10. Dez '12 (Folge 8) wurde die Eröffnung thematisiert. Die beiden Männer unternahmen einen Männer-Ausflug ins neue Kino „Capitol“ und gebaren eine Geschäftsidee: Schweinische Kurzfilme, z.B. mit Josephine Baker, die nackt tanzt (den meisten zuschauenden Männern reichen 10 Minuten…). Anzüglichkeiten zur schnellen Abwischbarkeit des Kinosaales fielen. Darüber hinaus äußerte Anton, dort vielleicht eine Stelle als Filmvorführer zu bekommen. Im Auftritt vom 26. Feb 13 (Folge 10) kam erneut der Regisseur aus Folge 1 zu Besuch und drehte einen zweiten Werbefilm. Darin ist Adolf mit dem 10-jährigen Nachbarsjungen zu sehen, der im Film als August (Antons 1931 geborener Bruder) ausgegeben wird. Adolf schlug dieses Vorgehen vor, weil die Fertigstellung des Reklamefilmes wahrscheinlich „wieder zehn Jahre dauern wird“. Dann sei sein zweiter Sohn 10 Jahre alt und der Film würde hoch aktuell wirken.


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Populäre Filme beim Leipziger Publikum • 1927: „Dr Mabuse, der große Spieler“ und „Dr. Mabuse, Inferno des Verbrechens“ (DE/1922/270') (Zweiteiler) Regie: Fritz Lang10 • 1927: „Metropolis – die Stadt der Zukunft“ ([Stumm]/Spielfilm/DE/1926/144') ◦ 1927 Jugendverbot ◦ Inhalt: Fritz Langs11 monumentaler Science-Fiction-Film verbindet visuelle Kraft mit einer Liebesgeschichte um die Versöhnung von Arbeit und Kapital. • 1928: „Geschlecht in Fesseln“ (Stumm/Spielfilm/DE/1928/105')12 • 1929: „Giftgas“ (Stumm/Spielfilm/DE/1929/92')13 • 1929: „Der Hund von Baskerville“ (Stumm/Spielfilm/DE/1929/92')14 • 1930: „Der blaue Engel“ (Tobis-Klangfilm/Spielfilm/DE/1930/107') ◦ 1930: Jugendverbot / 1933: Totalverbot ◦ Inhalt: Der strenge Professor Rath besucht das Etablissement "Der blaue Engel". Er will herausfinden, warum sich seine Schüler so sehr für die Dame Lola Lola interessieren. Nachdem sie ihm viel Bein gezeigt und "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" gesungen hat, weiß er es.15 • 1931: „Die Dreigroschenoper“ (Spielfilm/DE/1931/112') ◦ 1933: Totalverbot ◦ frei nach Bertolt Brechts gleichnamigem Bühnenstück: Der Bandenchef Mackie Messer entdeckt nach einem Ausflug zu seiner Hure Jenny die schöne Polly und beschließt auf der Stelle, sie zu heiraten. Seine Bande raubt flugs eine Hochzeitsausstattung zusammen und noch am selben Abend findet die Feier statt, bei der auch Mackies Freund, der Polizeichef Tiger-Brown, anwesend ist. Es folgt ein gefährliches Spiel an dessen Ende alle in eben jener Bank wieder zusammentreffen. • 1932: „Menschen im Hotel“ (Spielfilm/USA/1932/113') ◦ Originaltitel: „Grand Hotel“ ◦ Hauptdarsteller: Greta Garbo, Joan Crawford und John Barrymore ◦ Die verwickelte Handlung schildert die Schicksale mehrerer Menschen, die sich Ende der 1920er Jahre im Grand Hotel von Berlin aufhalten und deren Lebensläufe sich während 24 Stunden immer wieder treffen und überkreuzen. Unzählige Verwicklungen und moralische Abgründe tauchen auf, bis der Film wieder so endet wie er begonnen hat - mit den Worten von Dr. Otternschlag: Menschen kommen, Menschen gehen. Nie passiert etwas.

10 Kam im Auftritt vom 22. Mär 12 (Folge 2) vor: Anton schenkte seinen Eltern Eintrittskarten für diesen Film im UT 11 Im Auftritt vom 09. Okt 12 (Folge 6) trat der Geldgeber Fritz Langs, Herr Goldstein, im Lokal auf und gab bekannt, im Horns einen neuen Film drehen zu wollen. Adele sah ihre Vorurteile bestätigt, witterte jüdisches Ungemach und verwies den Herrn des Hauses. 12 Im Auftritt vom 06. Nov 12 (Folge 7) wurde die Inhaltsangabe dieses Films im Rahmen der Outtakes vorgetragen. 13 Im Auftritt vom 06. Nov 12 (Folge 7) wurde die Inhaltsangabe dieses Films szenisch gelesen und pantomimisch nachgestellt. 14 Im Auftritt vom 10. Dez 12 (Folge 8) schlug Adele vor, diesen Film im neu eröffneten „Capitol“ im „Petershof“ anzuschauen 15 Im Auftritt vom 29. Jan 12 (Folge 9) wurde dieser Film mehrfach angesprochen. Das Plakat war zu sehen und Adolf war ganz verzückt von Marlene Dietrich.


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1932: „Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt“ (Spielfilm/DE/1932/74') ◦ Buch: Berthold Brecht ◦ Umstände: Dieses Werk steigt rasch nach der Premiere zum Symbol des neuen Genres des Proletarischen Films auf. Es ist eine Mischung aus Spiel-, Dokumentar- und Propagandafilm. An seiner Erstellung wirkte unter anderem Bertolt Brecht als Drehbuchautor mit. Regisseur war der Bulgare Slátan Dudow, der kurz zuvor einen Dokumentarfilm über die Wohnverhältnisse der Arbeiter in Berlin gedreht hatte. ◦ Inhalt: Der Film spiegelt die aktuelle Zeit: Zu Beginn stürzt sich ein arbeitsloser junger Mann aus Verzweiflung über seine Arbeitslosigkeit dem Fenster. Seiner Familie wird kurz darauf die Wohnung gekündigt. Sie zieht in eine Art Gartenkolonie mit dem Namen „Kuhle Wampe“. Anni, die Tochter der Familie und das einzige Familienmitglied, das noch Arbeit hat, wird schwanger und verlobt sich mit ihrem Freund Fritz. Der wurde wegen des Kindes zur Heirat gezwungen. Anni verlässt ihn wütend. Sie trifft ihn später auf einem Arbeitersportfest, wo beide wieder zueinander finden. Höhepunkt des Filmes bildet die Heimfahrt mit der S-Bahn (diese Szene wurde von Bertolt Brecht persönlich geschrieben). In dieser streiten sich Anni, Fritz sowie einige Arbeiter mit bürgerlichen und wohlhabenden Männern und Frauen über die Situation der Weltwirtschaftskrise. Einer der Arbeiter bemerkt, dass die Wohlhabenden die Welt sowieso nichts verändern werden, worauf einer der Wohlhabenden fragend erwidert, wer denn stattdessen die Welt verändern könne. Gerda antwortet: „Die, denen sie nicht gefällt.“ Der Film endet mit dem Singen des Solidaritätsliedes.

1933: „Das Testament des Dr. Mabuse“ (Spielfilm/DE/1933/115') ◦ Regie: Fritz Lang ◦ Totalverbot 1933: Joseph Goebbels vermerkt in seinem Tagebuch: „Sehr aufregend. Aber kann nicht freigegeben werden. Anleitung zum Verbrechen.“ Film wird im Ausland berühmt. Erst 1951 wird er in Deutschland Premiere haben. ◦ Inhalt: Der für seine hypnotischen Fähigkeiten berühmte Verbrecher Dr. Mabuse sitzt in der Nervenklinik Professor Baums. Im Zustand des Wahnsinns schreibt er pausenlos Mordund Terrorpläne nieder, die wie Anleitungen auf geheimnisvolle Weise von einer Verbrecherorganisation in die Tat umgesetzt werden. Die Polizei steht vor einem Rätsel, auch deshalb, weil die begangenen Verbrechen sinnlos erscheinen und eher Akten blindwütiger Zerstörungslust gleichen. Auch die Ganoven selbst sind in den tieferen Sinn ihrer Taten nicht eingeweiht und erhalten ihre Befehle über Zettel sowie von einem stets hinter einem Vorhang verborgenen Chef der Bande. Kent, ein aussteigewilliges Mitglied der „Organisation“, informiert schließlich Kommissar Lohmann, dass Dr. Mabuse hinter den Verbrechen stecke. Aber Mabuse ist bereits verstorben – obwohl die Pläne aus seinem schriftlich verfassten „Testament“ weiter ausgeführt werden. Lohmann findet heraus, dass der tote Mabuse vom Leiter der Anstalt, Professor Baum, Besitz ergriffen hat. Als die Organisation zum ultimaten Schlag ausholt und eine chemische Fabrik in die Luft jagen will, kann die Polizei dies im letzten Augenblick verhindern.


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Literatur •

Die Literatur der Weimarer Republik fällt in die Epoche der Neuen Sachlichkeit Werke der späten Phase dieser Epoche:

→ Begriff S. 55

.

◦ Berlin Alexanderplatz (1929) - Döblin ◦ Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny (1930) - Brecht ◦ Der Mann ohne Eigenschaften (1930) Musil ◦ Hiob (1930) - Roth ◦ Geschichten aus dem Wiener Wald (1931) - Ödön von Horvath ◦ Der Hauptmann von Köpenick (1931) Zuckmayer ◦ Kleiner Mann - was nun? (1932) Fallada Abb. 2: Thomas Mann im Arbeitszimmer 1932 ◦ Vor Sonnenuntergang (1932) Hauptmann ◦ Radetzkymarsch (1932) – Roth •

1925 veröffentlicht Lene Voigt ihre beiden wichtigsten Werke: ◦ „Säk'sche Balladen“ ◦ „Säk'sche Glassiger“ Die NLZ ist begeistert, Lene Voigt erlangt große Bekanntheit in Deutschland. 16

Erich Kästner studiert seit 1919 an der Leipziger Universität. Ab 1925 lehrt er dort als Doktor der Philosophie. Von 1923 bis 1927 veröffentlicht er regelmäßig feuilletonistische Texte im „Leipziger Tagblatt“ und in der „Neuen Leipziger Zeitung“.17 Seine Kritiken, Glossen und Gedichte, die er als Kultur- und Politikredakteur verfasst, machen ihn über die Grenzen Leipzigs bekannt. 1927 geht er schließlich nach Berlin18.

27. Feb 33: Kurz nach dem Reichstagsbrand: Schriftsteller wie Alfred Döblin, Leonhard Frank, Klaus und Heinrich Mann gehen ins Exil. Thomas Mann bleibt nach einer Vortragsreise in Frankreich.

10. Mai 33: Auf dem Augustusplatz in Leipzig sowie im ganzen Reich finden von der Deutschen Studentenschaft organisierte Bücherverbrennungen unliebsamer Autoren statt. Unter anderem gehen Werke von Sigmund Freud, Erich Kästner, Karl Marx, Heinrich Mann, Klaus Mann, Carl von Ossietzky, Erich Maria Remarque und Kurt Tucholsky in Flammen auf.

Bekenntnisse zum Nationalsozialismus: ◦ Gottfried Benn ergreift 1933 ausdrücklich Partei für "den neuen Staat" und attackiert die literarischen "Emigranten". ◦ Der Germanist Benno von Wiese trit bereits im Mai 1933 der NSDAP bei.

16 Im Auftritt vom 27. Sep 12 (Folge 5), lass Heike Ronniger, als Kaufmannsfrau, die mit dem Flugzeug nach Leipzig gekommen war, aus einer Originalausgabe dieses Werkes vor. Adolf und Anton versuchten sich ebenfalls im Vortrag der Mundart. 17 Im Auftritt vom 24. Mai 12 (Folge 4), lass Anton aus der Neuen Leipziger Zeitung Texte von Kästner vor. Der trinkende Arbeiter am Tresen (Urban) regierte mit Unverständnis auf diesen seltsamen Schöngeist und bemerkte: „Ach der Schreiberling wird in ein paar Jahren vergessen sein.“ 18 Im Auftritt vom 06. Nov 12 (Folge 7) sprach Adele Kästners Umzug nach Berlin in einem Nebensatz an. Adolf beschimpfte diesen schließlich als Unruhestifter, dem das Handwerk gelegt werden solle.


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Wirtschaft Allgemeine Lebenshaltung (Nationaler Durchschnitt wenn nicht anders angegeben) Art

1932

1933

1934

Monatslohn

126 RM

↗ 129RM

↗ 134 RM

Monatsmiete

40 RM/2Z.Wg

→ 40 RM/2Z.Wg

↗44 RM/2Z.Wg

Brotpreis

0.37 RM/kg

↘ 0.33 RM/kg

↘ 0.31 RM/kg

Butterpreis

6.43 RM/kg

↘ 6.30 RM/kg

↗ 6.32 RM/kg

Bierpreis Festpreis bis 1944

0.39 RM/0,5l

→ 0.39 RM/0,5l

→ 0.39 RM/0,5l

0.39 RM/l

→ 0.39 RM/l

→ 0.39 RM/l

65 RM

→ 65 RM

-

Arbeitslose im Deutschen Reich

5,58 Mio

↘ 4,88 Mio

↘ 4,8 Mio

Arbeitslose in Leipzig

185.392

↘ 103.000

Benzinpreis Festpreis bis 1945 Arbeitslosengeld (monatlich)

19

-

Leipziger MUSTER MESSE→ Begriffserklärung S.55: mit der Eröffnung der Messehäuser „Mädlerpassage“ und „Zentralmessepalast“ gerät der Messeboom innerhalb des Stadtzentrums an seine Grenzen. ◦ 1920 Eröffnet die Technische Messe auf dem neu errichteten Messegelände am Völkerschlachtdenkmal in zunächst 4 Hallen. ◦ Die wirtschaftliche Entwicklung der 1920er Jahre führte zu einem enormen Ausbau der Messe unter anderem durch Errichtung neuer Hallen auf dem Messegelände. 1928 gab es 17 Messehallen. ◦ 1918 wird das „Doppel-M-Logo“ eingeführt. 1921 führt die Leipzige Messe als eine der ersten Institutionen weltweit damit ein vollständiges Corporate Design ◦ 1926 wird mit d. Ringmessehaus das größte Textil-Messehaus der Welt eröffnet. ◦ Trotz der neuen Technischen Messe wird im Stadtzentrum zur Frühjahrsmesse 1929 das Messehaus „Petershof“ feierlich eröffnet. ◦ Ab 1932 wird das Gelände von der NSDAP immer häufiger für Leipzigs größter Tag. gigantische Aufmärsche geausführlicher Artikel im Pressespiegel nutzt. Ab 1933 wird es zu einem Seite 49 der wesentlichen Propagandaplätze des Dritten Reiches.

1924 wird die Harth im Süden Leipzigs an die Braunkohle AG verkauft. Damit beginnt die folgenreiche Zerstörung des Leipziger Südraumes und der industrielle Aufstieg der Region Leipzig.20

19 Zahl des Stat. Bundesamtes bezogen auf Februar 1933 – weicht von den Angaben der NLZ von 1933 um bis zu 10.000 Pers. ab. 20 Im Auftritt vom 24. Mai (Folge 4), kam dieses Thema zur Geltung als der etwas größenwahnsinnige Bürgermeister, der soeben zur Zentrumspartei gewechselt war, mit dem Beginn des Tagesbaus im Leipziger Süden einen wirtschaftlichen Aufschwung prophezeite.


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Weltwirtschaftskrise (ab 1929): ◦ Der „Schwarze Donnerstag“ am 24. Oktober 1929 führt zur Weltwirtschaftskrise. An jenem Tag brechen an der Börse in New York die Aktienkurse massiv ein. Weil die Nachricht Europa / Deutschland erst am Folgetag erreicht, bilden die Zeitungen hierzulande rasch den Begriff vom „Schwarzen Freitag“.21 ◦ 1929 beginnt in Deutschland ein scharfe Rezession, die durch die internationale Depression ausgelöst und durch schwere politische Fehlentwicklungen verstärkt wird. ◦ Die Republik beschließt nach außen eine Politik der Schutzzölle um die eigene Wirtschaft zu schützen sowie eine strikte Spar-Politik nach innen. Zusätzlich werden Sozialleistungen gekürzt und vereinzelt Verbrauchssteuern erheht.22 ◦ Auswirkungen der Welt-Wirtschaftskrise auf Leipzig: ▪ Die allgemeine Wirtschaftskrise trifft das hochindustrialisierte Leipzig sehr schwer. ▪ Zwischen 1929 und 1931 verdoppelt sich die Arbeitslosenzahl auf 130.000 und erreicht unter der arbeitsfähigen Bevölkerung Leipzigs einen Anteil von rund 38 %. ▪ Die besonders hohe Jugendarbeitslosigkeit treibt viele Junge in die Kampfgruppen der Linken Parteien. → siehe Politik wird zur blutigen Straßenschlacht: - S. 26 ▪ Das Arbeitslosengeld endet schon nach 6 Wochen. ▪ 1930 beschließt die sächsische Landesregierung mehrere Notverordnungen, wodurch zahlreiche Leipziger Institutionen teilweise den Betrieb einstellen, Baumaßnahmen unterbrechen und/oder Personal entlassen müssen. ▪ Am 1. April 1932 erreicht die Zahl der Erwerbslosen in Leipzig den absoluten Rekord von 185.392 Personen.23 ▪ Armenküchen entstehen unter freiem Himmel im Zentrum, in Lindenau sowie in der Südstraße und im Leipziger Osten.24

Wirtschaftsjahr 1933 ◦ 20. Feb 33: Hitler und Göring empfangen in Berlin die Spitzen der deutschen Industrie und des Bankenwesens (u.a. Krupp, Schacht, Vögler, Flick, von Schnitzler, Schröder, Ernst Tengelmann), um ihnen das Wirtschaftsprogramm der neuen Regierung zu erläutern. Im Anschluss an dieses Treffen wird ein Fonds von 3 Millionen RM für die NSDAP und die DNVP zur Finanzierung der Reichstagswahlen am 5. März bereitgestellt. ◦ 1. Jun 33: Das „Gesetz zur Verminderung der Arbeitslosigkeit“ tritt in Kraft. Durch das Gesetz werden für eine Milliarde RM Arbeitsschatzanweisungen (Schatzbriefe) für „volkswirtschaftlich wertvolle Arbeit“ ausgegeben: ▪ Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen u.a. im Wohnungs-, Tief- und Straßenbau ▪ direkte „Sachleistungen an Hilfsbedürftige“ → Erhöhung der Sozialleistungen

21 Im Auftritt v. 10. Dez '12 (Folge 8) laß Anton im Oktober aufgeregt aus der Zeitung vor. Darin war geschrieben, dass die Börse zusammengebrochen sei (Schwarzer Freitag). Anton schlussfolgert die Neue Leipziger Zeitung sei zu blöd um den Schwarzen Donnerstag richtig zu benennen. Weiter laß er vor, Groß- und Kleinanleger verlören jede Menge Geld, die sie in Aktien angelegt hatten. Etwas später kam Adele dazu und stellte schockiert fest, dass auch sie viel Geld verloren hat. Mit ihren Aktienkäufen wollte sie eigentlich Antons militärische Ausbildung finanzieren. 22 Im Auftritt v. 29. Jan '13 (Folge 9) erschrak Adolf bei der vormittäglichen Zeitungslektüre als er lesen musste, dass die Biersteuer erhöht worden sei. Daraufhin folgte ein Gespräch mit Anton aus dem die prekäre Lage des Horns ersichtlich wurde. Die Kosten seien sehr hoch, der Umsatz schwach. 23 Im Auftritt v. 19. Mrz 13 (Folge 11) wurde dieser Rekord im Zuge des Vorspanns von Anton an die Tafel geschrieben. 24 Im Auftritt v. 10. Dez '12 (Folge 8) beklagte sich Anton über die wachsende Arbeitslosigkeit. Gemeinsam mit Adolf entsteht die Idee, in der Südstraße eine eigene Suppenversorgung für die Armen einzurichten in der Hoffnung, dies von der Stadt bezahlt zu bekommen. Die Idee wurde in dieser Folge jedoch nicht weiter verfolgt.


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Architektur •

Am 14. November 1928 wird Leipzigs erstes Hochhaus eingeweiht: Das Krochhochhaus des Bankiers Hans Kroch am Augustusplatz25

Am 1. Januar 1930 wird die Großmarkthalle in der Zwickauer Straße eröffnet (weltgrößter Massivkuppelbau)

Während in Leipzig im Zuge der Weltwirtschaftskrise sämtliche Planungen zum Bau neuer Hochhäuser auf Eis liegen wird 1931 in New York das Empire State Building als höchstes Haus der Welt eingeweiht. Auch dieses wird seine Betreiber binnen weniger Jahre in den Bankrot führen.

Im Sommer 1933 werden die Planungen für den Elster-Saale-Kanal sowie den Lindenauer Hafen reaktiviert: Im Rahmen der Arbeitsbeschaffung soll schon im September Baubeginn sein. Somit soll Leipzig erstmalig einen Großhafen erhalten. Die Begeisterung in der Bevölkerung ist groß, war doch schon der Kanalbau unter Karl-Heine eine wirtschaftlich und ingenieurs technisch höchst anspruchsvolle und erfolgreiche Unternehmung. Mit der Anbindung an das nationale Wasserstraßennetz verspricht sich Leipzig den Ausbau seines Ranges als zweitwichtigster Verkehrsknoten im Deutschen Reich durch die Vervollständigung seiner Verkehrsnetze um einen hochmodernen Binnenhafen.

Abbildung 3: Verantwortliche posieren auf der Baustelle des Elster-Saale-Kanals im Sommer 1934

25 In den Auftritten vom 6. Nov 12 und vom 10. Dez 12 (Folge 7 u. 8) wurde die Errichtung des Hochhauses durch Vorlesen aus der Zeitung durch Adolf bzw. durch Kapitalismuskritik an der Person Krochs durch Anton verhandelt.


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Gastgewerbe •

Seit 1848 edelstes Hotel Leipzigs ist das Hotel de Pologne in der Hainstraße. Es besitzt einen riesigen Barock-Saal für 1.500 Gäste und avanciert in der zweiten Hälfte der 20er Jahre zur Residenz internationaler Staatsgäste im Rahmen d. Frühjahrs- u. Herbstmessen. Weil es nicht modernisiert wird, läuft ihm bald das Astoria den Rang ab.

Seit 1915 existiert neben dem Hauptbahnhof das neue Hotel „Astoria“ als einziges Grand-Hotel der Stadt. Es bietet bis zu 470 Gästen Übernachtungsmöglichkeiten und verfügt über eine Hallenbar, ein Tanzcafé, Gesellschaftsräume u. mehrere Restaurants. ◦ Der jüdische Eigentümer wird 1931 erstmalig wegen fadenscheiniger Anschuldigung der Untreue und anderer angeblicher Vergehen verhaftet. ◦ Bis 1933 wird er über sechs Mal verhaftet Abbildung 4: Postkarte 1930: "Die Elektrische" und wieder freigelassen. Die Leipziger am Hauptbahnhof - im Hintergr.: Hotel ASTORIA Volkszeitung vermutet dahinter faschistische Aktivisten ◦ Im Zuge der Gleichschaltung muss er das Hotel für einen symbolischen Preis verkaufen und flieht nach London.

Abbildung 5: 1919 - Großer Speisesaal im Hotel ASTORIA

Abb 6: Außenflagge für Gaststätten

26. Apr 33: Freiwillige Beflaggung der Gastlokale Die NSDAP feiert in der Presse den erfolgreichen Abschluss der Gleichschaltung. Nahezu die Hälfte aller Gaststätten und Hotels haben zu diesem Zeitpunkt freiwillig und aus geschäftlichem Kalkül die Außenfassaden sowie die Innenräume mit Hakenkreuzfahnen dekoriert. Die NSDAP gibt in der NLZ bekannt, dass als Gastwirt nur noch beflaggen darf, wer auch eine entspr. Genehmigung der Kreisparteileitung eingeholt hat. Damit soll politischer Einfluss auf die Wirtschaften sichergestellt werden. Fast alle Leipziger Wirtschaften beantragen diese Genehmigung und erhalten sie. Parteiamtliche Bekanntmachung der NSDAP ausführlicher Artikel im Pressespiegel Seite 49


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Verkehr & Kommunikation

Abbildung 7: 1918 - Leipziger Hauptbahnhof - Westhalle Eisenbahnverkehr • mit dem Leipziger Hauptbahnhof besitzt die Stadt Europas größten Kopfbahnhof und gehört neben Berlin, Frankfurt und München zu den vier bedeutendsten Eisenbahnkonten im Netz der Deutschen Reichsbahn. Luftverkehr • Am 27. April 1927 nimmt der „Mitteldeutsche Zentralflughafen Halle/Leipzig“ in Schkeuditz den Flugbetrieb auf.26 ◦ Berühmt ist sein „Gläsernes Restaurant“, welches Gäste landesweit anlockt. ◦ die Deutsche Lufthansa richtet ab Leipzig ihre ersten Linienflüge im Messeverkehr ein. ◦ 1928 wird der Flughafen um eine neue betonierte Startbahn (400m) erweitert. ◦ Ab 1929 brechen die Reisendenzahlen konjunkturbedingt stark ein. Straßenverkehr • 17. Januar 1932: Am Ende einer seit 1927 fortwährenden Debatte im Reichstag wird zur „Verbesserung der Orientierung im Deutschen Reich“ das neue System der Fernverkehrsstraßen mit der Abkürzung FVS oder F eingeführt. Angesichts der föderalen Aufgabenverteilung in der Weimarer Verfassung, in der die Straßen den Ländern, nicht dem Reich gehören, beschränkt sich das neue Netz auf eine Auszeichnung von Routen für den Fernverkehr. Die ersten neun Nummern – die einstelligen Zahlen – werden denjenigen Straßen zugewiesen, die Deutschland ganz durchlaufen. Sie bilden das Grundnetz. Zwei- und dreistellige Nummern werden für Straßen niederen Ranges vergeben. Später, 1934-36, werden diese unter Beibehaltung der Nummerierung in Reichsstraßen umbenannt, welches die Grundlage des heute existierenden Systems der Autobahnen und Bundesstraßen bildet. 26 Im Auftritt v. 26. Feb 13 (Folge 10) kam Jean-Jacques (der bereits in Folge 1 als Liebhaber Adeles aufgetreten war) derangiertem Zustand an. Er wollte zu Adele und war extra mit dem Flugzeug angereist (Erstaunen). Es kam zur romantischen Wiederbegegnung mit gleichzeitigem Abschied: Jean-Jacques war nur noch einmal zurückgekommen, um Adele ein letztes Mal in die Arme zu schließen. Dafür ließ er sich auch für 2.000 RM diverse Gegenstände, u.a. einen großen Spiegel (aus der Wohnung im 2. Stock entwendet) andrehen. Adele und Anton brachten ihn anschließend mitsamt den Sachen zum Flughafen. Später stellte sich heraus, dass J.-J. Zuhause eine Frau hat, die ebenfalls ein Kind unter dem Herzen trägt.


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Handel & Mode • •

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Seit 1914 besteht Leipzigs erstes Warenhaus „Althoff“ (heute Karstadt) in der Petersstraße. Es gilt in den 20ern als beste Adresse in Sachen Mode. 27 Kaufhaus am Brühl Nr. 1: 1927 wird das seit 1908 bestehende und mehrfach erweiterte Kaufhaus erneut vergrößert. Erstmals in einem Leipziger Warenhaus wird dabei eine Rolltreppe installiert. 1928 bedienen etwa 600 Angestellte die Kunden des Kaufhauses auf fast 20.000 Quadratmetern Verkaufsfläche.2829 Das Kaufhaus „Wohl-Wert“ → Begriff S.58 ist bei den Leipzigern besonders wegen seiner geringen Preise und großen Auswahl beliebt. Das Modejahr 1933 wird durch hausgemachten Chic, breite Schultern und enge Taillen geprägt. Die Krise und die daraus resultierende hohe Arbeitslosigkeit, nehmen einen beachtlichen Einfluss auf die Modewelt des Jahres. Die Not macht von daher auch viele Familien erfinderisch und lässt aus Kleidungsstücken, welche bereits getragen wurden, mit Hilfe von Änderungen mehr oder weniger neue Garderobe entstehen. Selbst die kleinsten Stoffreste werden nicht vergeudet und in Patten, Fichugarnituren, Manschetten oder Schleifen umgesetzt. Die Schneider- und Modehefte propagieren allem voran die Selbsthilfe und bieten zahlreiche Anregungen für die "hausgemachte" Mode an. ◦ Herrenmode 1930er Jahre

27 Im Auftritt v. 08. Feb 12 (Folge1) wurde dieses Kaufhaus als Adeles liebstes Geschäft eingeführt. Sie ersteht dort moderne Mode für die Frau (heimlich finanziert aus der Abendkasse). Die Modernität des Kaufhauses stand im großen Widerspruch zu ihrer konservativen Kleidung, die sie gern gegen etwas modisches eintauschen würde. 28 Im Auftritt v. 09. Okt 12 (Folge 6) wurde ein Ausflug der Südknechts in das neue Kaufhauses am Brühl gezeigt, wobei Adele über die Warenvielfalt staunte und Anton Leipzigs erste Rolltreppe entdeckte. Besondere Ironie erlangte die Einlage, weil Anton von diesem Ausflug im Auftritt erzählte und dabei den Namen des Kaufhauses nicht nannte und stattdessen von „diesem riesigen Konsumtempel am Brühl“ sprach, „der gerade nach seinem Umbau eröffnet wird“. Zwei Tage vor dem Auftritt waren im Jahr 2012 die „Höfe am Brühl“ eröffnet worden, die in der Leipziger Öffentl. eine ähnl. Kontroverse auslösten wie die Einweihung des Vorgängergebäudes damals. 29 Im Auftritt v. 06. Nov 12 (Folge 7) stahl Adele eine große Menge Bargeld aus der Kasse um anschließend im neuen Kaufhaus am Brühl einen Pelz-Schal zu kaufen. Daraufhin kam die Schutzpolizei ins Spiel, konnte den Dieb aber nicht ermitteln.


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◦ Damenmode im Jahr 1933 Die Damenmode der frühen 30er Jahre zeigt eine Abkehr von der androgynen Mode der der vorigen Dekade und eine wiederentdeckte Vorliebe für weibliche Linien. Es folgt nach einer Zeit der radikalen Neuerungen nun eine Phase der Restauration - eine Rückbesinnung auf alte, traditionelle Werte. Charakteristisch für diese neue Linie der Mode ist eine hohe, immer stärkere Betonung der Taille zwischen 1930 und 1932, glockig weite und Falten werfende Röcke und deutlich längere Rocksäume, die bis 1932 wieder Wadenlänge erreichen. Besonders deutlich wird der Modewandel aber in der Abendmode. Bei den Abendkleidern werden die Rocksäume wieder bodenlang. Die sehr hohe Empire-Taillierung wird wieder modern. Aber vor allem äußert sich in der Abendmode der frühen 30er Jahre ein gesteigertes Bedürfnis nach Luxus, der so ganz im Gegensatz zur wirtschaftlichen Lage steht. ◦ In den Jahren 1933/34 ändert sich durch eine stärkere Betonung des Oberkörpers die Silhouette leicht. Die Schultern werden durch große Puffärmel, Rüschen, Falten oder kurze Boleros betont. Eine asymmetrische Drapierung des Oberteils gilt nun als besonders schick.

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Politik Regierung, Parlamente und Verwaltung •

Reichspräsident: Paul von Hindenburg (bis zum Tod 1934)

Reichskanzler: ab 1934 FÜHRER UND REICHSKANZLER ◦ Adolf Hitler (NSDAP) ab 30. Januar 1933 (Franz v. Pappen ist Vizekanzler bis 7. August 1943)

Auch wenn Hitler bis zum Ermächtigungsgesetz noch sachliche Beratung im Kabinett zulässt, was sich schon im April 1933 ändert, gibt es von Anfang an keine förmlichen Abstimmungen. In dem Maße, in dem Hitler seine Machtbasis außerhalb des Kabinetts aufbaut, geht ferner die Anzahl der Kabinettssitzungen zurück. Zum letzten Mal kommt das Kabinett Hitler am 5. Februar 1938 zusammen. Hitler verfährt mit den Ministern in isolierter Kommunikation, diese sind faktisch Befehlsempfänger Führers. ◦ Kurt von Schleicher (parteilos) bis 28. Januar 1933 ◦ Wilhelm Marx30 (Zentrum) bis 28. Juni 1928 •

Reichskabinett: ◦ Kabinett Hitler ab 30. Januar 1933 ◦ Kabinett Schleicher31 (3. Dezember 1932 bis 30. Januar 1933): 2 DNVP, 8 parteilos

Sächsiche Landesregierung: ◦ Reichsstatthalter: Gauleiter Martin Mutschmann (ab 26. Mai 33)

Leipziger Stadtrat: ◦ Carl Friedrich Goerdeler32 (DNVP – Deutschnationale Volkspartei) bis 31. März 1937 DDP 3 Sitze

Vereinigte Bürgerliste 18 Sitze

SPD 43 Sitze

NSDAP 33 Sitze

KPD 31 Sitze

◦ seit 13. November 1932 bis März 1933 regiert ein Linkes Präsidium unter dem Oberbürgermeister der rechts-konservativen DNVP: ◦ ab März 1933 regiert die NSDAP mit dem Oberbürgermeister der DNVP 30 Im Auftritt v. 24. Mai 12 (Folge 4) wurde der gesamte Reichpräsidentenwahl zum Roten Faden der Show. → Politk 31 Im Auftritt v. 19. Mrz 13 (Folge 11) echauffierte sich Adele über die ständige wechselnde Reichsregierung. Die ständigen Rücktritte müssten endlich aufhören. Wenn es nach Ihr ginge, dann würde das deutsche Volk bald wieder von einem starken Mann angeführt. 32 Im Auftritt v. 29. Jan 13 (Folge 9) waren seine Wahl und Amtseinführung sowie sein politisches Programm mehrfach Thema


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Weltpolitik

1927-28 Beseitigung der sog. "Linken Opposition" in Russland: Nachdem Leo Trotzki (Kämpfer der Oktoberrevolution, Gründer der Roten-Armee, hochrangiger Volkskommissar, Gegner Stalins) 1926 aus dem Politbüro und Ende 1927 auch aus der KPdSU ausgeschlossen worden war, wird er am 17. Januar 1928 gemeinsam mit anderen Oppositionellen nach Alma-Ata (heute Kasachstan) verbannt. 33

1931 in der Sowjetunion: Ein Mann Namens Leonid Breschnew tritt der KPdSU bei.

Italien 1932: In Rom feiert Benito Mussolini die zehnjährige Herrschaft als faschistischer Diktator Italiens mit einer tagelangen Festzeremonie.34 Der ehemalige Anhänger von Karl Marx, der als junger Mann für linke Zeitungen schrieb, hatt sich im Zuge seiner politischen Karriere und verschiedener persönlicher Niederlagen zum Erfinder des italienischen Faschismus entwickelt.

Abbildung 8: Benito Mussolini

Franklin D. Roosevelt wird am 4. März 1933 als neuer Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt.

33 Im Auftritt vom 06. Nov 12 (Folge 7) kam Antons alter Schulfreund, Richard B., aus dem Gefängnis um Anton mit auf die Parteischule nach Leningrad zu nehmen. Beide wollten aus Anlass der Vertreibung Trotzkis aus Russland in der linken Opposition aktiv werden und an der Revolution teilnehmen. Auf dem Fockeberg stehend (Fehler: dieser entstand erst aus Schutt des 2. WK) riefen Anton und Richard ihre Vision eines Kommunistischen Europas in den Leipziger Himmel. Am Ende der Folge ging Richard jedoch ohne Anton, da dieser in letzter Sekunde einen Rückzieher machte und bei der Familie blieb. 34 Im Auftritt vom 19. Mrz 13 (Folge 11) berichtete Anton seinen Genossen im Saal aufgeregt von der Feier in Italien. Es sei eine Schande, dass die Italiener damals diesen Clown gewählt hätten. (Lacher im Publikum wegen des tagesaktuellen Bezugs zu Berlusconi). Außerdem machte Anton dessen Führergruß nach, wobei die Ähnlichkeit des viel jüngeren dt. Hitlergrußes auffiel.


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Seite 20 Politik im Deutschen Reich • • •

Nach dem Tod Friedrich Eberts am 28. Februar 1925 kommt es erstmals zur Wahl des Reichspräsidenten. Hindenburg siegte mit 48,3 % gegenüber 45,3 % für Marx.35 Fürstenenteignung: Im ersten reichsweiten Volksentscheid am 20.06.1926 sprechen sich 54,9 % der Wahlberechtigten für d. entschädigungslose Enteignung d. Fürsten aus.36 22. Jan 33: Hitler spricht erneut bei Ribbentrop mit Papen und Oskar von Hindenburg über die Regierungsbildung. Reichstagspräsident Hermann Göring greift in einer Rede in Dresden scharf Reichskanzler Schleicher an.

28. Jan 33: Das Kabinett Schleicher tritt zurück.

30. Jan 33: Reichspräsident Hindenburg ernennt Adolf Hitler zum Reichskanzler. Dieser leistet den Eid auf die Verfassung und fährt in die Reichskanzlei wo er den Reportern triumphierend mitteilt: „Keine Macht der Welt wird mich jemals lebend hier wieder herausbringen.“

31. Jan 33: Auf der Kabinettssitzung spricht sich Adolf Hitler für baldige Neuwahlen aus. Er glaubt „bei Neuwahlen 51% des Reichstages hinter die jetzige Regierung zu bekommen“. Kommunisten rufen in Berlin, dem Ruhrgebiet und anderen Großstädten wie Leipzig zum Generalstreik auf. Die SPD fordert ihre Anhänger zur Zurückhaltung auf. KPD und SPD beschließen, im Reichstag Mitßtrauensanträge gegen die neue Reichsregierung zu stellen

1. Feb 33: Auf der Vormittagssitung des Kabinetts weist Hitler darauf hin, dass „sich eine Einheitsfront von den Gewerkschaften bis zur KPD gegen die jetzige Reichsregierung“ zu bilden scheine. Hindenburg ist bereit den Reichstag notfalls aufzulösen. Hitler gibt die neue Wahlparole aus: „Angriff gegen den Marxismus“

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4. Feb 33: Der Reichspräsident erlässt die „Verordnung zum Schutz des deutschen Volkes“; sie setzt Versammlungs- und Pressefreiheit weitgehend außer Kraft. 7. Feb 33: In einer geheimen Sitzung des Zentralkomitees des KPD erklärt Ernst Thälmann, die KPD habe „in dieser besonderen Situation eine Einheitsfronttaktik von unten nach oben gesucht“, sei aber am Widerstand der SPD und ihrer Organisationen und Gewerkschaften gescheitert. 8. Feb 33: Hitlers Regierung erwirkt einen Reichstagsbeschluss, der die Übertragung von politischen Reden im Rundfunk ausschließlich der Regierung erlaubt, welches die NSDAP absofort als einzige Partei für den Wahlkampf nutzt. 23. Feb 33: Im Berliner Sportpalast spricht Wilhelm Pieck (KPD) vor 15.000 Anhängern und warnt vor Staatsstreichabsichten der NDSAP. Die NSDAP wiederum behauptet Gleiches von der KPD.

35 Im Auftritt vom 24. Mai (Folge 4), wurde der gesamte Reichpräsidentenwahl zum Roten Faden der Show. Urban, der Gast dieser Folge, verkörperte den Bürgermeister Leipzigs, der über den Verlauf der Show ständig die Parteizugehörigkeit wechselte. Zuerst war er bei der KPD, dann bei der SPD. Als er merkte, dass deren Kandidat wohl kaum eine Chance haben würde, wechselte er schließlich zur Zentrumspartei. Während sich Adele im Gespräch mit dem Bürgermeister als Anhängerin Hindenburgs offenbarte, hielt Anton flammende Reden für die Kommunistisch Partei und deren Kandidaten Ernst Thälmann. 36 Im Auftritt vom 27. September (Folge 5), entwickelt sich dieser Volksentscheid zum Cliffhanger. Zunächst erzählt Anton in einem Solo dem Publikum, dass er bei dieser ersten Volksabstimmung der jungen Republik dabei sein werde und fordert alle auf, ebenfalls für die Enteignung der Fürsten zu stimmen. Am Ende spricht Adele ihren Sohn auf den Cliffhanger der letzten Folge an – mit dem auch diese Folge wieder begann -, in dem Anton eilig fort rannte und seinen Eltern zurief: „Wenn ich in 24h nicht wieder da bin, dann ruft die Polizei!“. Adele will nun wissen wo Anton war. Er gesteht ihr, dass er am Vorabend der Abstimmung mit Freunden von der KPD beim Stadthaus ihrer Eltern in Gohlis gewesen sei. Alles deutet darauf hin, dass Anton und seine Freunde es angezündet oder anderweitig „enteignet“ hatten. Adele rastet aus, Anton lässt sich zum Ausruf der „Internationalen“ hinreißen. Zu klären bleibt, wie das Stadthaus von Adeles Eltern zur Rollenbiographie Adeles passt und ob ihre Eltern überhaupt dem Adel angehören. Abzuwarten bleibt, ob Antons tat Folgen hat. → Lösung erfolgte in Folge 6


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27. Feb 33: Der Reichstag brennt. Während im nahegelegenen Sportpalast die SPD eine Karl-Marx-Feier zu dessen 50. Todestag (14. März 33) abhält, breitet sich die Nachricht über den Rundfunk im gesamten Reich aus. Die Schuld wird sofort den Kommunisten gegeben. Noch in der selben Nacht kommt es reichsweit zu zahlreichen Verhaftungen.

28. Feb 33: Am Tag nach dem Reichstagsbrand beginnt endgültig die offene Terrorherrschaft der Nationalsozialisten. Hitler befielt die „rücksichtslose Auseinandersetzung mit der KPD“. Der Kampf gegen sie dürfe nicht von „juristischen Erwägungen“ abhängig gemacht werden. Göring erläutert vor dem Reichskabinett die sofort einsetzenden Maßnahmen: ◦ ◦ ◦ ◦

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Schließung aller KPD-Lokale Abbildung 9: Brennender Reichstag am 27. Feb 33 Verhaftung aller KPD-Abgeordneten höchste Alarmbereitschaft für Schutz- und Kriminalpolizei Unterstützung der Berliner Polizei durch 2000 SA- und SS-Leute.

28. Feb 33: Der Reichspräsident Hindenburg erlässt die „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“, welche umgehend die Artikel 114, 115, 117, 118, 123 und 124 der Reichsverfassung außer Kraft setzt. Diese Verordnung wird als die folgenreichste Notverordnung in die Geschichte eingehen. Die Presse bezeichnet sie bald als "Reichstagsbrandverordnung". Auf der Grundlage des Art. 48 Abs. 2 der Weimarer Verfassung („Maßnahmen bei Störung von Sicherheit und Ordnung“) setzt sie wesentliche Grundrechte außer Kraft und überträgt Befugnisse des Reichspräsidenten auf die neue Reichsregierung unter Hitler. Die Notverordnung wird damit zur formalen Grundlage der nationalsozialistischen Diktatur, sie ist der Freibrief für den NS-Terror.

1. Mrz 33: Eine zweite Notverordnung, „Verrat am Deutschen Volk“, verschärft die Bestimmungen bei Landesverrat und Aufreizung zu gewaltsamen Vorgehen gegen die Staatsgewalt. Abb. 10: Reichsverfassung v. 1919

2. Mrz 33: Reichsweit werden Beschlagnahmungen von kommunistischen Schriften gestartet. Die Länder verbieten kommunistische Versammlungen jeder Art. Verhaftungen werden im gesamten Reich vorgenommen.

3. Mrz 33: Der KPD-Vorsitzende Ernst Thälmann wird festgenommen. Seine Haft wird elf Jahre dauern und am 18. Aug 44 mit dem Tod durch Erschießen im KZ Buchenwald enden.


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4. Mrz 33: Der „Tag der erwachenden Nation“ wird ausgerufen: ◦ Aus Königsberg wird eine Rede Adolf Hitlers im deutschen Rundfunk übertragen. ◦ Gegen den Holländer Marinus van der Lubbe, Mitglieder der KP der Niederlande wird Haftbefehl wegen Brandstiftung erlassen. Die Regierung beschuldigt ihn als alleinigen Verursacher des Reichstagsbrandes, obwohl Augenzeugen kurz vor dem Brand auch einige SA-Leute am leeren Reichstagsgebäude gesehen hatten. → Kapitel Justiz - S. 36 ◦ In Leipzig eröffnet die weltgrößte Die Leipziger Mustermesse. Der Stadt sorgt sich Frühjahrsmesse beginnt. bei der Durchführung der Frühausführlicher Artikel im Pressespiegel jahrsmesse um mögliche AusSeite 43 schreitungen im Zusammenhang mit der Reichstagswahl am 5. März.

5. Mrz 33: Reichstagswahl: ◦ Die NSDAP erringt mit 17.280.000 Stimmen 288 von 647 (44,5%) die Mehrheit der Mandate im Reichstag.

◦ Da die NSDAP eine absolute Mehrheit nicht erreichen konnte, koaliert sie mit der rechts-konservativen DNVP (8,0%) und bildet die Regierung. ◦ Das Exekutivkomitee der kommunistischen Internationale ruft alle Arbeiter der Welt zum „Kampf gegen den Faschismus“ auf.

◦ In einer Studie aus den 60er Jahren, die circa 950 repräsentativ ausgewählte ehemalige NSDAP-Wähler vom 5. Mrz 33 zu Ihren Walhlmotiven befragte, stellten sich folgende Wahlziele heraus, wegen derer diese Menschen ihr Kreuz bei der NSDAP gesetzt hatten: ▪ ▪ ▪ ▪ ▪

29,7% - „Arbeit und Brot“ → siehe Kapitel „Wirtschaft“ ab S. 11 20,5 % - „Versagen der Weimarer Parteien“ 17,6 % „Versailler Diktat“ → Demütigung durch die Reparationen aus d. Vertrag von Versailles wegen der dt. Schuld am Weltkrieg 8,1 % „Antikommunismus“ 6 Mio. KPD-Wähler 1932 waren Auslöser für die Angst vor einem „Sowjet-Deutschland“ 7,1 % „Sicherheit und Ordnung“→ siehe Kapitel „Politik wird zur blutigen Straßenschlacht:“ auf S. 26


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8. Mrz 33: Die Reichsregierung hebt die 81 Reichstagsmandate der KPD auf und beschlagnahmt deren Parteizentrale, das Karl-Liebknecht-Haus in Berlin, um es zur neuen Zentrale der politischen Polizei zu machen.

11. Mrz 33: Das Reichskabinett beschließt die Gründung des Propagandaministeriums. Minister für Volksaufklärung und Propaganda wird Joseph Göbels. 11. Mrz 33: Die Kampforganisationen Reichsbanner und Eiserne Front werden verboten.

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20. Mrz 33: Heinrich Himmler läßt auf dem Gelände einer ehemaligen Pulverfabrik bei Dachau in Süddeutschland das erste zentral organisierte Konzentrationslager errichten.

21. Mrz 33: Am sog. Tag von Potsdam ruft Reichstagspräsident Hermann Göring die Eröffnung des dritten deutschen Reichstages und damit das Dritte Reich aus und erklärt: „Weimar ist überwunden“

Abb. 11: Erste politische Häftlinge kommen in Dachau an

24. Mrz 33: Das „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich“, das sogenannte Ermächtigungsgesetz tritt, vom Reichstag mit der notwendigen Zweidrittelmehrheit einzig gegen die Stimmen der SPD beschlossen (KPD bereits verboten), in Kraft. ◦ Artikel 1: „Reichsgesetze können außer in dem in der Reichsverfassung vorgesehenen Verfahren auch durch die ReichsAbbildung 12: NSDAP-Zeitung vom 25. Mrz 33 regierung beschlossen werden.“ ◦ In Leipzig hält Oberbürgermeister Dr. Goerdeler vor den versammelten Stadtverordneten eine flammende Unterstützungsrede für das Ermächtigungsgesetz.

Die Stunde verpflichtet! ausführlicher Artikel im Pressespiegel Seite 46

28. Mrz 33: Adolf Hitler ruft zum Boykott gegen die Juden auf: ◦ Er fordert in einem Aufruf an alle NSDAP-Unterogranisationen in elf Punkten für den 1. April „Schlag 10 Uhr“ den Beginn eines allgemeinen Boykotts „gegen das Judentum in Deutschland“. ◦ Die Parteileitung der NSDAP ordnet alle Ortsgruppen der Partei an „sofort Aktionskomitees“ zu bilden, welche das Boykott „jüdischer Geschäfte, jüdischer Waren, jüdischer Ärzte und jüdischer Rechtsanwälte“ planen und durchführen sollen.

31. Mrz 33: Das „vorläufige Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich“ (1. Gleichschaltungsgesetz) wird erlassen. Es veranlasst die Neu- bzw. Umbildung aller Landtage und Gemeindeverwaltungen nach dem Reichstagswahlergebnis vom 5. März. Mit dem Gesetz findet der Begriff „Gleichschaltung“ Einzug in den allg. politischen Sprachgebrauch.


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1. Apr 33: Trotz ausländischer Proteste – besonders im britischen Unterhaus – beginnt in Deutschland um 10 Uhr ein allgemeiner Judenboykott: ◦ Er richtet sich gegen jüdische Geschäfte, Waren, Ärzte und Rechtsanwälte. ◦ J. Goebels gibt vor der Presse bekannt, dass dieser Boykott bis zum Abend andauere und dann bis zum 5. April, 10 Uhr, ausgesetzt werde. ◦ Julius Streicher, Vorsitzender des „Zentralkomitees der NDSAP zur Abwehr der jüdischen Greuel und Boykotthetze“, droht eine totale Vernichtung des Judentums an. Abbildung 13: SA-Mann beklebt jüdisches Schaufenster in Berlin am 1. Apr 33

4. Apr 33: Gegen die drei bulgarischen Kommunisten Georg Dimitroff, Blagoi Popoff und Wassil Taneff sowie MdR Ernst Torgler (KDP) wird im Zusammenhang mit dem Brand des Reichstagsgebäudes Haftbefehl erlassen. → Kapitel: Justiz - S. 36

5. Apr 33: Gleichschaltung aller Jugendorganisationen (auch der konservativ Rechten wie z.B. Bismarck- oder Hindenburg-Jugend)

7. Apr 33: Das „2. Gesetz zur Gleichschaltung mit dem Reich“, das sog. „Reichsstatthaltergesetz“ wird erlassen: ◦ Außer in Preußen wird in allen deutschen Ländern die Landesverwaltung auf Gauleiter der NSDAP übertragen. ◦ Reichsstatthalter von Sachsen wird Gauleiter Martin Mutschmann ◦ Die Reichsstatthalter werden am 26. Mai 33 vereidigt

10. Apr 33: Der 1. Mai wird per Gesetz zum „Feiertag der nationalen Arbeit“ erklärt: ◦ Goebels erklärt dazu im Rundfunk: „Von da an beginnt dann die Auseinandersetzung mit den Gewerkschaften. Wir werden nicht eher Ruhe bekommen, bis sie restlos in unserer Hand sind.“

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20. Apr 33: Hitlers Geburtstag wird erstmals in ganz Deutschland als nationaler Feiertag begangen. In Deutschland beginnen ihm zu Ehren überall Straßenumbenennungen. 20. Apr 33: Hermann Göring übernimmt das Amt des preußischen Ministerpräsidenten.

Abbildung 14: Hindenburg und Hitler am 1. Mai 33 in Berlin


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1. Mai 33: Adolf Hitler erklärt auf einer Massenveranstaltung zum „Feiertag der nationalen Arbeit“ auf dem Tempelhofer Flugplatz in Berlin: „Deutsches Volk, vergiß 14 Jahre des Verfalls, hebe Dich empor zu 2000 Jahren deutscher Geschichte!“

→ Rede: http://www.youtube.com/watch?v=AP_9_tBsog8 •

2. Mai 33: SS und SA besetzen in ganz Deutschland sämtliche Häuser des Allg. Deutschen Arbeiterbundes und anderer Gewerkschaften. Mit der Abbildung 15: Hitler spricht zum 1. Mai 33 auf dem Gleichschaltung der Gewerkschaften Tempelhofer Feld trete man nun in den „2. Abschnitt der nationalsozialistischen Revolution“ ein.

10. Mai 33: Beschlagnahme des gesamten SPD-Vermögens inkl. Reichsbanner und aller SPD-nahen Zeitungen 10. Mai 33: In fast allen deutschen Großstädten (in Leipzig auf dem Augustusplatz) werden mehr als 20.000 Bücher verbrannt.

28. Mai 33: Beschlagnahme des gesamten KPD-Vermögens unter der Begründung des Hochverrats

30. Mai 33: In allen Ländern ist die Gleichschaltung der Landesregierungen abgeschlossen.

2. Jun 33: Der SPD-Parteivorstand teilt mit, dass er angesichts der politischen Ereignisse seinen Sitz nach Prag verlegt.

16. Jun 33: Eine Reichs-Volkszählung, welche nicht nur Wohnort und Geschlecht, sondern auch die Religionszugehörigkeit verbindlich erfasst, hat folgendes Ergebnis: ◦ Einwohner im Deutschen Reich (ohne Saargebiet) 65,3 Millionen ◦ davon 41,08 Millionen Protestanten, 21,76 Millionen Katholiken, 0,5 Millionen „Glaubensjuden“, 2,44 Millionen Atheisten, restliche sonstigen Glaubens oder ohne Angabe

21. Jun 33: Beginn der sog. Köpenicker Blutwoche: ◦ SA und SS dringen in die Wohnungen von Funktionären und Mitgliedern der SPD, der Gewerkschaften und der KPD ein, verschleppen und misshandeln hundert Personen; zahlreiche von ihnen werden ermordet.

22. Jun 33: Totalverbot der SPD und all ihrer Ersatzorganisationen und Zeitungen.


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Politik wird zur blutigen Straßenschlacht: ◦ Spätestens seit der Weltwirtschaftskrise 1929 steigt die Ablehnung der Weimarer Republik. Die Mehrheit der Bevölkerung wechselt politisch von der Mitte zum rechten und linken Rand. Während die Linke sich nur schwach verändert und lediglich die KPD einige SPD-Anhänger für sich gewinnen (radikalisieren) kann (Bis 1932 im Reichstag nur bis maximal 13 % KPD) gibt es massive Verschiebungen auf der rechten Seite. Die Zentrumspartei verliert Wähler an die DNVP, diese wiederum zahlreiche Wähler an die noch radikalere NSDAP.

◦ Alle großen politischen Parteien unterhalten paramilitärische Kampfverbände, die eigene Veranstaltungen vor politischen Gegnern abschirmen aber auch (in verschiedener Ausprägung) Gruppen anderer Ideologien schädigen und dezimieren soll. In Leipzig bestimmen folgende Verbände das Straßenbild: Abbildung 16: Filmstil: "Hotel Lux" (Spielfilm/DE/2011) R: Leander Hausmann ◦ Kampfstaffel→ Begriff S. 57 ▪ ab dem Verbot im März 1933 Arbeit im Untergrund ◦ Rotfrontkämpferbund→ Begriff S. 57 ▪ Agiert oft auch als militärisch strukturierte aber zivil handelnde Organisation die Propaganda betreibt, Demonstrationen organisiert. Bei großen Vorhaben, Volksbegehren handelt man unter dem Motto der Einheitsfront → Begriff S. 57 , was bereits 1926 beim Volksbegehren zur Fürstenenteignung (→ siehe S. 20) im gemeinsamen Kampf Seite an Seite mit der SPD sehr erfolgreich war. ▪ ab dem Verbot im März 1933 Arbeit im Untergrund ◦ Stahlhelm → Begriff S. 57 ◦ SA (Sturmabteilung)→ Begriff S. 57


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Entwicklung der NSDAP → Begriff S. 56 in Sachsen und Leipzig 1930 bis 1933: ◦ Nach dem verheerend schlechten Ergebnis bei den Reichstagswahlen 1928, als sich die NSDAP mit 2,6 Prozent der Stimmen begnügen musste, erging die Weisung an alle Parteigliederungen, in ihrer Propaganda den Antisemitismus zurückzuschrauben, der vor allem auf bürgerliche Kreise abschreckend wirkte. Von nun an setzt die NSDAP zentral auf den Straßenterror der SA und andere Themen wie Abbildung 17: Hoheitszeichen der NSDAP die Außenpolitik, woraufhin ihre Stimmenanteile 1933 – 1945 bei den Landtagswahlen 1929 und 1930 auf über 10 Prozent ansteigen. Dies liegt auch an den nicht durch Wahlen legitimierten Präsidialkabinetten. Besonders Jugendliche und junge Männer treten in die Hitlerjugend und die SA ein. Die nationalsozialistischen Politiker gehen von dem Versuch ab, vor allem die Arbeiterschaft für sich zu gewinnen, was zur Abspaltung eines „linken“ Flügels führt, zu dem unter anderen Otto Strasser gehört. Die NSDAP er- Abbildung 18: Fahne der NSDAP hält aber immer mehr Unterstützung von Bauern 1920 - 1945 (die Agrarpreise waren seit 1928 zusehends verfallen), Handwerkern und Einzelhändlern (Angst vor der Konkurrenz durch „jüdisch geführte“ Kaufhauskonzerne), sowie aus den Reihen der Studenten- und Beamtenschaft (Furcht vor einer drohenden „Proletarisierung“ des akademischen Bürgertums). ◦ Auch in Leipzig setzt die Partei auf breit angelegte Wahlwerbung und nutzt dabei sowohl Infrastrukturen des Arbeitermilieus, der Wirtschaft sowie der Universität.37 ◦ So kann die NSDAP die Weltwirtschaftskrise, deren Auswirkungen im Deutschen Reich besonders spürbar werden, zur Gewinnung einer Massenbasis in denjenigen Wählerschichten nutzen, die vorher für die DNVP oder eine der sonstigen nationalen Kleinparteien gestimmt hatten oder enttäuscht von den bürgerlichen Parteien (DVP und DDP) seit Jahren ins Nichtwählerlager gewechselt waren.38 Abbildung 19: Reichskanzler A. Hitler in d. Reichskanzlei 1933

37 Im Auftritt vom 29. Jan '13 (Folge 9) war Arnold - ein Onkel Antons – zu Besuch im Horns. Er hatte kurz zuvor seine Anstellung als Pförtner in der Universität in Leipzig verlosen, besaß aber noch die Generalschlüssel. Anton hatte rasch erkannt, dass dies für seine politischen Ziele von großer Bedeutung sein würde. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion schlichen beide in die Uni, um in einem geheimen Raum, den die NSDAP für den Druck ihrer Propagandaschriften verwendete, ein Druckplatte (mit NSDAP-Agitationen) zu stehlen. Der Sabotageakt gelang. Die Platte enthält verräterische Informationen, wie etwa das Ziel der Ortsgruppe, nach der geplanten Machtübernahme die Südstraße in Adolf-Hitler-Straße umzubenennen. Die Druckplatte wurde anschließend überschrieben und von Adele umgewidmet, um, als Arnold gestorben war, dessen Todesanzeige drucken zu können. 38 Im Auftritt vom 19. Mrz 13 (Folge 11) verkündete Adele, nachdem sie einer NSDAP-Propaganda-Veranstaltung auf dem Augustplatz beigewohnt hatte, in die NSDAP beigetreten zu sein und präsentierte stolz ihr Parteibuch. Sie schwärmte von Adolf Hitler und zitierte „großartige Passagen“ aus „Mein Kampf“. Anschließend setze sie Ihren Sohn massiv unter Druck, ebenfalls beizutreten. Dieser versucht dem Druck seiner Mutter auszuweichen, in dem er sich von Ihr das Parteiabzeichen anheften lässt. Während der Show wurde klar, dass Anton dieses mehrfach heimlich verschwinden lassen wollte. Erst als er final geht, wird sichtbar, dass er es nicht mehr trägt und sich offenbar erneut offen oppositionell positioniert.


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Seite 28 ◦ Wahlerfolge: Wahl Reichstagswahl 14.09.1930

Wahlkreis Leipzig Landesdurchschnitt 14,0 %

18,3 %

?

14,4 %

Reichstagswahl 31.07.1932

32,3 %

37,4 %

Reichstagswahl 06.11.1932

27,6 %

33,1 %

Reichstagswahl 05.03.1933

37,2 %

43,9 %

Landtagswahl Sachsen 1930

◦ Mitgliederentwicklung: ▪ 1920: 3.000 Personen ▪ 1923: 55.787 Personen ▪ 1930: 389.000 Personen ▪ 1931: 806.294 Personen ▪ 1932: 1.200.000 Personen ▪ 1934: 3.900.000 Personen

◦ Unterorganisationen: ▪ Bund Deutscher Mädel (BDM) ▪ Hitler-Jugend (HJ) ▪ NS-Deutscher Studentenbund (NSDStB) ▪ NS-Deutscher Lehrerbund (NSLB) ▪ NS-Frauenschaft (NSF) ▪ Nationalsozialistisches Fliegerkorps (NSFK) ▪ NS Betriebszellen-Organisation (NSBO) → Begriff S. 55 ▪ NS Kraftfahrkorps (NSKK) ▪ NSDAP/AO – Auslandsorganisation ▪ Schutzstaffel (Allgemeine SS und Waffen-SS) ▪ Sturmabteilung (SA) → Begriff S. 56

Abbildung 20: Wahlwerbung der NSDAP 1933 in Berlin


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Politik in Leipzig und Sachsen • • • •

1925 Neugründung der Ortsgruppe der NSDAP39 Am 14. November 1926 wird d. Stadtverordnetenversammlung neu gewählt. Es gewinnt die gemeinsame Liste SPD & KPD mit 54,8 %40 Am 1.4.1930 werden folgende Dörfer eingemeindet: Abtnaundorf (mit Heiterblick), Knautkleeberg, Schönau, Thekla41 Carl Friedrich Goerdeler wird am 23. Mai 1930 zum neuen Oberbürgermeister der Stadt Leipzig gewählt:42 ◦ Der konservative Ostpreuße Goerdeler wird mit den Stimmen des „Vereinigten Bürgerblocks“ (DNVP, Zentrum und Vertreter von konservativen Kleinparteien) sowie einzelnen Stimmen sowohl aus der SPD- als auch aus der NSDAP-Ratsfraktion zum Oberbürgermeister gewählt. Die Familie zieht aus ihrer mittelgroßen Königsberger Etagenwohnung in eine repräsentative Bürgervilla im Leipziger Stadtteil Leutzsch. ◦ Sofort nach der Amtseinführung beginnt Goerdeler mit der Umstrukturierung der Stadtverwaltung hin zu einer schlanken, klar hierarchischen Struktur nach Königsberger Vorbild. ◦ In seiner Amtszeit gelingt Goerdeler, die wirtschaftlichen und strukturellen Probleme der Stadt weitgehend zu lösen und dabei das Haushaltsdefizit durch eiserne Sparpolitik zu beseitigen.

10. Okt 31: Carl Goerdeler wird zum Reichskommissar für Preisüberwachung ernannt.

13. Nov 32: Die Stadtverordnetenversammlung wird von den Leipzigern neu gewählt. Nach der SPD und knapp vor der KPD wird die NSDAP erstmals zweitstärkste Kraft. 43 (→ siehe Grafik-Sitzverteilung – S. 18)

4. Jan 33: Die erste Stadtverordnetenversammlung seit der Wahl muss wegen heftiger Auseinandersetzungen abgebrochen werden. Vor dem Rathaus tobt der Straßenkampf zwischen linken und rechten Kräften.

Tumult im Leipziger Rathaus. Die Stadtverordneten wählen ein Links-Präsidium. Die Sitzung aufgeflogen ausführlicher Artikel im Pressespiegel Seite 38

39 Im Auftritt v. 08. Feb 12 (Folge1) wurde die Gründung gegen Ende thematisiert. Die „LSDAP“ so nannte Adolf unwissend diese neue Gruppierung, tauchte kurz darauf im Laden auf und buchte den Saal für Veranstaltungen. Ein heftiger Streit zwischen Vater und Sohn waren die Folge. Die Familie erhofft sich dringend benötigte Einnahmen durch diese Einnahmen. Die Mögliche Einmietung der KPD o.ä. wurde nicht erzählt, böte aber spannendes Konfliktpotential für kommende Folgen. 40 Im Auftritt v. 09. Okt 12 (Folge 6) war der Leipziger Wahlkampf und die Wahl selber Thema im Lokal. Während Anton ohne das Wissen seiner Eltern die KPD zur Wahlveranstaltung/Versammlung ins Horns eingeladen hatte, war es Adele gelungen, gleichzeitig den Nebensaal an die NSDAP-Ortsgruppe zu vermieten. Anton versuchte die Gäste (Zuschauer) von der KPD zu überzeugen. Als Adolf und Anton schließlich zum Rot-Front-Ruf anstimmten und alle im Saal gemeinsam die linke Faust hoben, kam Adele aus dem Nebensaal herein und rief: „Drüben machen sie das auch gerade, dort sieht es fast genauso aus.“ 41 Im Auftritt v. 29. Jan 13 (Folge 9) Lasen Adolf und Anton aus der Tageszeitung vor, dass Thekla eingemeindet worden sei. 42 Im Auftritt v. 29. Jan 13 (Folge 9) wurde die Wahl des OBM mehrfach thematisiert. Anton band die Gäste im Lokal ein und fragte: „Na waren sie am Wochenende auch wählen?“, was für Erheiterung sorgte, da zunächst Alle an die tatsächlich gerade laufende OBM-Wahl 2013 dachten. Schnell wurde der Wahlerfolg Goerdelers sowie die Tatsache thematisiert, dass dieser auch mit Hilfe der Stimmen der NSDAP-Ratsfraktion ins Amt gekommen war. Aus der Zeitung wurde zitiert, dass Goerdeler auf die anhaltende Wirtschaftskrise mit einer Optimierung und Rationalisierung der Stadtverwaltung reagierte. 43 Im Auftritt v. 19. Mrz 13 (Folge 11) wurde das Rekord-Ergebnis von Adele im Zuge des Vorspanns an die Tafel geschrieben. Außerdem rief Anton seinen Vater dazu auf, an dieser Wahl unbedingt teilzunehmen. Adolf lehnte das jedoch resigniert ab, weil das „völlig unwichtig“ sei und sowieso nichts ändere.


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18. Jan 33: In Stötteritz treffen SA und Rotforntkämpferbund blutig aufeinander. Die teils sehr jungen Teilnehmer verletzen sich gegenseitig schwer.

Seite 39 22. Jan 33: Die SA veranstaltet an diesem Sonntag in Leipzig einen riesigen sog. „Werbeumzug“. 3.000 uniformierte SA- und SS-Männer ziehen von Plagwitz aus gen Stadtzentrum.

5. Feb 33: Durch die Stadt marschieren 4.500 unformierte SA- und Stahlhelm-Männer. Die soeben vom Reichspräsidenten erlassene „Verordnung zum Schutz des deutschen Volkes“ → siehe S. 20 erschwert es den anderen Gruppen, ebenfalls legal zu demonstrieren.

12. Feb 33: Im Stadtzentrum feiern SPD und Gewerkschaften mit 20.000 Teilnehmern eine große Kundgebung der Arbeitnehmerschaft. Es ist der größte Aufmarsch der Eisernen Front → Begriff S. 53 in Leipzig. Redner kritisieren den Kanzlerkandidaten der NSDAP als Lügner. Die „Ernüchterung“ auf Adolf Hitlers Verführung werde „nicht ausbleiben“. Dann werde die SPD die Wahlen gewinnen.

Schüsse in Stötteritz. Blutiger Zusammenstoß zwischen Nationalsozialisten und Sozialdemokraten ausführlicher Artikel im Pressespiegel

Abb. 21: Eiserne Front •

15. Feb 33: Die Stadtveraltung veröffentlicht die neuen Arbeitslosenzahlen. Demnach sind immernoch 128.008 Menschen ohne Arbeit. Nach einem starken Rückgang Anfang 1932 ist die Arbeitslosigkeit seit Jahresbeginn wieder um 1% angewachsen.

20. Feb 33: Während Hitler in Berlin Nationalsozialistischer die Führer der dt. Wirtschaft empfängt, Wahlterror an der Leipziger veranstaltet die SA in der Leipziger Universität. Polizei säubert Universität einen Eklat. Erst durch den Augustusplatz massiven Polizeieinsatz kann die Lage ausführlicher Artikel im Pressespiegel wieder unter Kontrolle gebracht werSeite 42 den. Viele Leipziger Studenten sind entweder selber in einem der Lager radikalisiert oder meiden nun den Aufenthalt im Campus aus Angst vor tätlichen Angriffen auf ihre Person.

5. Mrz 33: Die Reichstagswahl, bei welcher der NSDAP reichsweit 43,9% der Stimmen erhält, verläuft in Leipzig anders als im Reichsdurchschnitt. Wahlverhalten in Leipzig: ◦ NSDAP 37,2 % ◦ SPD 30,8 % ◦ KPD 18,2 % ◦ Schwarz-Weiß-Rot 6,2 % ◦ DNVP 2,5 % ◦ Deutsche Staatspartei 2,5 % ◦ Zentrum 1,4 % ◦ Andere 1,2 %

Am Tag der Reichstagswahl finden Weitere Maßnahmen gegen auch in Leipzig Maßnahmen gegen die die KPD KPD statt. Hier wird am Wahltag der ausführlicher Artikel im Pressespiegel Versuch der KPD vereitelt, mittels eiSeite 44 nes Heißluftballons Wahlreklame über Leipzig abzuwerfen, in der die Wähler vor Hitler gewarnt werden sollten.


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März bis April 33: Nachdem am 8. März die KPD verboten worden war, werden zehntausende politische Gegner in Sachsen in Schutzhaft → Begriff S. 56 gesteckt. Dazu wird bei Flöha (südlich von Chemnitz) das erst sächsische Konzentrationslager (KZ) eingerichtet. Unmittelbar darauf entsteht im nahegelegenen Laubsdorf ein weiteres KZ. In den folgenden 8 Wochen werden allein in Sachsen 16 Schutzhaftlager errichtet (darunter in der Nähe von Leipzig in Colditz und Hainichen). Darüber hinaus werden an vielen Orten reguläre Gefängnisse für die „Schutzhaft“ mitbenutzt, so in Leipzig die Haftanstalt in der Bethovenstraße. Mehr als zwei Drittel der Inhaftierten sind Kommunisten.

9. Mrz 33: Stürmung und Plünderung des Volkshauses → Begriff S. 58 ◦ Die SA stürmt und besetzt das Volkshaus, verwüstet und plündert es. Tagelang brennt im Volkshaushof der Scheiterhaufen. Bücher und Inventar werden gestohlen, Tresore werden aufgeschweißt. Der Überfall war nicht der erste Angriff auf das Haus. Schon einmal, im Jahre 1920, hatten sich Rechtsradikale das Volkshaus als Ziel genommen.

Abbildung 23: Bücherverbrennung im Hof

Abbildung 22: Schriftstücke fliegen aus den Fenstern

◦ "Sie müssen damit rechnen, dass in Kürze Abteilungen der SA das Haus besetzen und durchsuchen. […] Sorgen Sie bitte, dass kein Widerstand geleistet wird", teilte ein Polizeioffizier dem Vorsitzenden der Leipziger Gewerkschaften, Erich Schilling, kurz zuvor mit. Schilling erlebt jenen 9. März 1933 im Volkshaus mit. Er verfasst einen detaillierten Bericht über die Ereignisse. Dieser wird von Angehörigen in Mannheim und Heidelberg aufbewahrt und kommt erst nach der 1989 zurück nach Leipzig: "Mit Musik zogen die braunen Horden unter dem Schutz der Polizei in den Hof des Volkshauses ein. Sie stürmten in das Gebäude, trieben die Angestellten heraus, schlugen Türen ein, stürzten auf den Turm, um eine Hakenkreuzfahne herauszuhängen". Doch kurz zuvor hatten Hausangehörige die Fahnenstange abmontiert und angesägt. "Es dauerte lange, bis das Fahnentuch etwas armselig herabhing". Es habe Bereitschaft zum Widerstand gegen die Besetzung gegeben. "Doch die Verantwortung vor nutzlosen Opfern war stärker, wenn auch sehr bitter".

Abbildung 24: SA vor dem Saalgebäude

◦ Als Erich Schilling schließlich Anfang April, "durch zwei Kriminalbeamte betreut", in das Haus darf, habe es fürchterlich ausgesehen. ◦ Während der Besetzung durch die SA seien "tagelang Akten […] durch die Fenster auf den Hof geworfen und im Volkshausgarten verbrannt" worden. Die Feuerwehr habe schließlich die Einstellung des Feuers verlangt, "da umliegende Privathäuser gefährdet waren." ◦ Kurze Zeit danach wird am 18. Mrz 33 in der "Leipziger Tageszeitung" von der SA zur Führung durch das Volkshaus eingeladen: "Seht den Bonzenpalast". Preis 0,30 Mark.


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21. Mrz 33: Auf dem Meßplatz feiern 300.000 Nazis und Leipziger Bürger den Frühlingsanfang mit einem großen Umzug und einem gigantischen Fackelumzug.

Ganz Leipzig marschiert.

24. Mrz 33: Oberbürgermeister Dr. Goerdeler hält vor den Stadtverordneten eine flammende Unterstützungsrede für das Ermächtigungsgesetz.

Die Stunde verpflichtet!

ausführlicher Artikel im Pressespiegel Seite 45

ausführlicher Artikel im Pressespiegel Seite 46

29. Mrz 33: feierliche Umbenennung von Zeitzer- u. Südstraße in Adolf-Hitler-Straße

31. Mrz & 1. Apr 33: Nachdem Hitler Die Durchführung des zum Judenboykott aufgerufen hatte, Boykotts in Leipzig. wird nun am Freitag für die am Sonnausführlicher Artikel im Pressespiegel abend geplante Aktion gegen die JuSeite 48 den in Leipzig geworben. Die Behörden versuchen, die Bürger einzuschüchtern, falls diese vor hätten, die Aktion zu behindern. Am Sonntag vermeldet die Messestadt die „erfolgreiche Durchführung des Boykotts“.

Abbildung 25: Schließung des Kaufhauses Joske in der K.-Heine-Str. am 1. Apr 33 durch die SA •

Kaufhäuser wie das Althof werden geUmstellung bei Althoff schlossen, Geschäftsführer entlasausführlicher Artikel im Pressespiegel sen. In den Wochen danach führen zahlreiche Enteignungen und Verbote Seite 48 zu vielen Geschäftsschließungen oder -Übernahmen durch NS-Kader. Außer den linken Kampfgruppen wehrt sich kein Leipziger. Solidarität mit jüdischen Geschäftsinhabern gibt es höchstens vereinzelt im Geheimen.


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3. Apr 33: Auflösung der 1932 gewählten Stadtverordnetenversammlung

20. Apr 33: Anlässlich des „Führergeburtstages“ finden gigantische Hitlerfeiern in und um Leipzig statt. Auch die Leipziger Kirchen beteiligen sich am Festakt und halten Sonder-Gottesdienste für die Gläubigen ab.

29. Apr 33: Erste Stadtverordnetenversammlung nach der Gleichschaltung ◦ Per Reichsgesetz war ab dem 31. Mrz 33 die Umbildung aller Gemeindeverwaltungen nach dem Ergebnis der Reichtstagswahl vom 5. Mrz 33 angeordnet worden. In Leipzig führt dies zur sofortigen Absetzung des Linken Präsidiums, dem Ausschluss der KPDund nachfolgend des SPD-Ratsfraktion. Das neue Präsidium besteht fast vollständig aus NSDAP-Kadern und einem Mandat der DNVP (Oberbürgermeister Carl Goerdeler). ◦ Die erste Amtshandlung des neuen „Stadtparlaments“ besteht in der Ernennung Adolf Hitlers und Paul von Hindenburgs zum Ehrenbürger der Stadt Leipzig.

NS-Maifeier vor dem Völkerschlachtdenkmal – 200.000 Arbeiter feiern Adolf Hitler ◦ 1. Mai: Um möglichst viele Arbeiter auf die Seite der NSDAP zu ziehen, veranstalten die Nationalsozialisten ein riesige Mai-Feier auf den Freiflächen der Technischen Messe und der Allee vor dem Völkerschlachtdenkmal. ◦ Adolf Hitler sei „Arbeiter und SoziaLeipzigs größter Tag. list“, ruft es aus den Lautsprechern ausführlicher Artikel im Pressespiegel ◦ Ein atemberaubendes Feuerwerk Seite 49 hüllt zum Schluss das Völkerschlachtdenkmal in Funkenregen. Leuchfeuerwerk schreibt „H E I L H I T L E R !“ in den Himmel über dem Denkmal.

5. Mai 33: Reichspräsident Hindenburg ernennt die Reichsstatthalter in den deutschen Ländern, darunter Gauleiter Martin Mutschmann für Sachsen

11. Mai 33: Die NSBO → Begriff S. 55 veranstaltet auf dem Augustusplatz eine Massenkundgebung zur Einschwörung aller Arbeiter auf die „Nationalsozialistische Bewegung“ - 100.000 Teilnehmer. Es spricht der Nazi Helmut Peitsch, der nun sämtliche Leipziger Gewerkschaften anführt und diese analog zur Gleichschaltung im ganzen Reich zusammenzuführen gedenkt. Am Schluss geloben die Massen Adolf Hitler die bedingungslose Treue.

13. Mai 33: Da seit diesem Sonntag alle ehemals sozialistischen bzw. kommunistischen Betriebe, Höfe und Verlage enteignet sind, werden diese Unternehmen absofort von Treuhändern im Auftrag der NSDAP geleitet. Betroffen sind unter anderem: ◦ Leipziger Volkszeitung ◦ Sächsische Arbeiterzeitung ◦ Arbeiter-Turnverlag AG ◦ Arbeiter-Turn- und Sportbund ◦ Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold

Gewaltige Massenkundgebung auf dem Augustusplatz. Die Arbeiter Träger und Gestalter des neuen Deutschlands. ausführlicher Artikel im Pressespiegel Seite 51

18. Mai 33: Die Beschlagnahme des Leipziger SPD-Vermögens spült 100.000 RM in die Stadtkasse.

31. Mai 33: Es ergeht die Weisung an alle Bürger Leipzigs, sowohl beim Deutschlandlied als auch beim Horst-Wessel-Lied den Deutschen Gruß → Begriff S. 54 zu zeigen. Bei Zuwiderhandlung wird Haftstrafe von 2 Tagen angedroht. → NLZ-Artikel – S. 51


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Presse & Rundfunk •

Erich Kästner beginnt 1925 seine Tätigkeit als Feuilletonredakteur bei der „Neuen Leipziger Zeitung“.44

Die MIRAG → Begriffserklärung S. 55. wird 1924 als mitteldeutscher Rundfunksender gegründet. ◦ Der Sender zieht 1928 in das „MIRAG-Haus“ im Barthels Hof um, wo feierlich die modernste Schallplatten-Aufnahmeanlage des Deutschen Rundfunks eingeweiht wird.

1933 existierten zahlreiche Tageszeitungen auf dem Leipziger Markt → Begriffserklärungen ab Seite 55 ◦ Neue Leipziger Zeitung: Sie entstand in den 20er Jahren durch eine Fusion von „Leipziger Tagblatt“ und der „Leipziger Zeitung“ und repräsentiert bis zur Gleichschaltung im April 1933 die liberale Haltung des Leipziger Bürgertums. Der Redaktion gelingt es anschließend dennoch, inhaltlich wie sprachlich ein gewisses Niveau zu wahren, sich von antisozialistischer sowie antisemitiLeipziger Pressespiegel 1933 scher Hetze fernzuhalten und einiSammlung von Originalartikeln der NLZ germaßen „objektive“ Nachrichten ab Seite 37 zu verfassen. ◦ Leipziger Volkszeitung: Sie ist bis zum Verbot Anfang März 1933 die zentrale sozialdemokratische Stimme in Leipzig. ◦ Sächsische Arbeiterzeitung: Sie gilt bis zum Verbot Anfang März 1933 als breitenwirksames Sprachrohr der KPD in Leipzig. ◦ Leipziger Neuste Nachrichten: Ist ein national-konservatives Blatt, welches sich schon lange vor der Gleichschaltung der Propaganda der NSDAP angegliedert hatte. ◦ Leipziger Tageszeitung: Die neuste Leipziger Tageszeitung war erstmalig am 1. Januar 1933 erschienen und ist scharf antisemitisch und antikommunistisch ausgerichtet.

Ab 1933 werden auf Leipzigs Straßen und per Abonnement auch NSDAP-eigene und NSDAP-nahe Zeitungen immer häufiger verkauft. Im Unterschied zu linken Zeitschriften, vermochten sie es besonders, die Sprache der einfachen Leute zu sprechen: ◦ „Der Angriff“ war die Gauzeitung der Berliner NSDAP und wurde von 1927 bis zur Auflösung der Partei herausgegeben. ◦ Die Zeitung „Völkischer Beobachter“ war seit 1920 das publizistische Parteiorgan der NSDAP. Die Zeitung erschien zunächst zweimal wöchentlich, ab dem 8. Februar 1923 täglich im Franz-Eher-Verlag. Sie wurde ab 1933 reichsweit vertrieben. ◦ „Der Stürmer“ ist eine 1923 von Julius Streicher in Nürnberg gegründete antisemitische, pornographische und hetzerische Wochenzeitung. Sie wird durch ihre Anti-Jüdischen Karrikaturen bekannt und übertrifft hinsichtlich Schärfe und Brutalität häufig sogar die offizielle Linie der NSDAP. Abbildung 26: Der "Sürmerkasten" 1933 in Worms

44 Im Auftritt vom 24. Mai 12 (Folge 4), wurde Kästner aus der Neuen Leipziger Zeitung zitiert und als Zeitgenosse in die Handlung eingeführt. → sinnvoll wäre es, diese Persönlichkeit auch in Zukunft als Quelle einzubinden.


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Sport •

Seit 1922 in Leipzig das I. Deutsche Arbeiter-Turn- und Sportfest stattfand wächst die Be geisterung für den Breitensport in Leipzig mindestens ebenso wie im restlichen Land. 45

1929 durchschwimmt Gertrude Ederle als erste Frau den Ärmelkanal. 46

1932 erhält die Pferderennbahn „Scheibenholz“, unweit von Horns Weinstuben im „Volkspark im Scheibenholz“ (heute Teil des Leipziger Clara-Zetkin-Parks) gelegen, eine Verlängerung der Flachbahn auf 1750m und erfüllt somit internationale Standards. Bahn und Tribüne sind bis heute unverändert.47 Abbildung 27: Rennbahn SCHEIBENHOLZ anno 1907

Wissenschaft •

1927 wird der Physiker Werner Heisenberg an die Universität Leipzig berufen und baut ein bedeutendes Zentrum für theoretische Physik auf.48

Der Erfinder Thomas Alva Edison, dem besonders der rasante Fortschritt der weltweiten Elektrifizierung zu verdanken ist, stirbt 84jährig am 18. Oktober 1931.

Im Dezember 1932 begibt er sich Albert Einstein zu Forschungszwecken in die Vereinigten Staaten, kehrt aber wegen Hitlers Machtübernahme 1933 nicht mehr zurück. Er bricht sämtliche Kontakte nach Deutschland ab.

45 Im Auftritt vom 09. Okt 12 (Folge 6) drückte Adele mehrfach ihre fast manische Begeisterung für die sportliche Ertüchtigung der männlichen Jugend aus. So zwang sie Anton zum Lauftraining auf der „schönen neuen Aschebahn“. Dieses behauptete Anton gemeinsam mit seinem Vater absolviert zu haben. In Wirklichkeit hatten Anton und Adolf jedoch einen offensichtlich kriminellen Gast durch Leipzig verfolgt. 46 Im Auftritt vom 10. Dez 12 (Folge 8) beschloss Adele, am Abend einen Liedzyklus zu intonieren, als plötzlich Adolf mit Gertrude Ederle herein kam und erklärte, diese berühmte Schwimmerin werde heute Abend im Horns singen. Daraufhin schmettert die Dame ein englisches Lied. Adolf scheint verliebt. Es knistert. Eifersucht keimt. Am Abend folgte das Sanges-Duell der beiden Damen: Adolf nahm die Schwimmerin nach deren glorioser gesungener Liebeserklärung mit in die Wohnung – schlechtes Gewissen folgte. Adele hatte dieselbe verlassen und kehrte wenig später sturzbetrunken und entsprechend derangiert wieder heim. 47 Im Auftritt vom 19. Mrz 13 (Folge 11) berichtete Antons Freund Heinrich Kamp (Ben Hartwig), dass er Wettspieler sei und angeblich wegen der modernisierten Rennbahn nach Leipzig gekommen sei. Daraufhin forderte er Adolf zu einem Wettspiel am Tresen auf, an dessen Ende er mehrere Gläser Allasch gewonnen hatte. Als Anton und Heinrich allein waren, stellte sich jedoch heraus, dass der Grund seines Besuches aus Hamburg (Altonaer-Blutsonntag) eher im politischen Kampf für die Linke Sache lag. 48 Im Auftritt vom 29. Jan 13 (Folge 9) war Antons Onkel Arnold zu Gast im Horns. Er hatte zuvor als Pförtner in der Leipziger Universität gearbeitet. Dort hatte er, wie er in einem Dialog einflocht, „Sichtkontakt“ zu Herrn Heisenberg.


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Justiz •

Die Weimarer Justiz sollte demokratischen, gleichen Idealen folgen. In Wirklichkeit aber entschied sie mehrheitlich tendenziös. Ihre politische Einstellung prägte fast alle politischen Urteile, zum ersten Mal bei der Münchner Räterepublik und beim Kapp-Putsch: Während linke Straftäter mit enormer Härte behandelt wurden, kam es bei rechten Straftätern sehr sel ten überhaupt zu Anklagen oder Strafen, die auch sehr viel milder ausfielen. Adolf Hitler er hielt für seinen Putschversuch nur die gesetzliche Mindeststrafe und konnte den Prozess als Propagandaveranstaltung nutzen.

Der Kriegsgerichtsrat und spätere Reichsanwalt Paul Jorns hatte unter anderem wichtige Spuren des Mordes an Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg nicht aufgenommen und die Ermittlungen auch anderweitig behindert. Die Einseitigkeit der Justiz wurde bereits 1921 von Emil Julius Gumbel belegt, aber es kam zu keinen wirksamen Reformen. Die Ge richte fühlten sich oft nicht dem Gesetz, sondern dem Staat und dem Kampf gegen den Kommunismus verpflichtet.

Reichsgericht in Leipzig: Das Oberste Gericht im Deutschen Reich ist das Reichsgericht: ◦ Mit der Gleichschaltung 1933 wurden mit dem "Gesetz über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft" jüdische und sozialdemokratische Richter gezwungen, ihren Abschied einzureichen und jüdische Anwälte am Reichsgericht an der weiteren Arbeit gehindert. ◦ In der Folgezeit stellte sich das Reichsgericht der Machtergreifung und den zahlreichen illegalen Gewaltakten nicht entgegen. Vielmehr verstrickte es sich tief in das nationalsozialistische Unrechtsregime: ▪ Reichstagsbrandprozess: ▪ Van der Lubbe wird der Brandstiftung beschuldigt, welche er auch zugibt. Zur Aufklärung des Reichstagsbrands setzt Hermann Göring eine Sonderkommission ein. Am 9. März wird gegen van der Lubbe und den damaligen Vorsitzenden der Reichstagsfraktion der KPD Ernst Torgler sowie die drei bulgarischen Kommunisten Georgi Dimitrow, Blagoi Popow und Wassil Tanew Anklage erhoben. Der Prozess vor dem 4. Strafsenat des Reichsgerichts in Leipzig beginnt am 21. Sep 33. Zahlreiche Prozessbeobachter stellen fest, dass van der Lubbe – den seine Vernehmer im Frühjahr 1933 noch als lebhaft, sehr gesprächig und „fixen Jungen“ be schrieben hatten – im Gerichtssaal von Anfang an völlig apathisch auftrat. Er spricht grundsätzlich sehr leise, auf an ihn gerichtete Fragen reagiert er meist nur mit einem knappen Ja oder Nein. Während des Prozesses beschleunigt sich van der Lubbes geistiger und körperlicher Verfall noch. Er sitzt bzw. steht meist vornübergebeugt, starrt auf den Boden. Er ist blass. Während der Schlussplädoyers und der Urteilsverkündung schlief er ein. Die Ursache für diese Entwicklung van der Lubbes ist unge klärt. Vermutet wird unter anderem, dass er mit Brom vergiftet, hypnotisiert oder unter Drogen gesetzt worden sein könnte. Lediglich zweimal – am 37. und 42. Verhand lungstag – „erwachte“ van der Lubbe kurzzeitig aus seinem Dämmerzustand, woraufhin der Senatspräsident die Verhandlung unterbrach bzw. vorzeitig beendete. ◦ Trotz dieses Urteils ist der neuen Staatsführung die Rechtsprechung dieses Gerichts ein Dorn im Auge, spricht es doch die sonstigen Mitangeklagten frei und widerleg damit die öffentliche Behauptung Hermann Görings, dass ein kommunistischer Umsturzversuch im Gange sei. Unter anderem deshalb wird dem Reichsgericht im Jahre 1934 durch die Errichtung des Volksgerichtshofs die Zuständigkeit in Hoch- und Landesverratssachen entzogen.


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Leipziger Pressespiegel 1933 Übersicht Nachfolgende Übersicht listet alle auf den Folgeseiten auszugsweise ganzseitig zierten, originalen Zeitungsausschnitte. Sie entstammen alle der NLZ → siehe Kapitel: Presse & Rundfunk - S. 34. Zur Begriffserklärung empfiehlt sich die im nächsten Kapitel ab Seite 37 enthaltene alphabetische Stichwortliste. 5. Jan 33 Tumult im Leipziger Rathaus. Die Stadtverordneten wählen ein Links-Präsidium. Die Sitzung aufgeflogen

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5. Jan 33 Zwischenfälle auf der Straße.

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13. Jan 33 Schüsse in Stötteritz. Blutiger Zusammenstoß zwischen Nationalsozialisten und Sozialdemokraten 8. Feb 33 Haussuchung bei der KPD.

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13. Feb 33 Kundgebung der 20 000.

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18. Feb 33 Razia auf Waffen und Schriften. Durchsuchung von Privatwohnungen. Ein Verkehrslokal polizeilich geschlossen. Auch Straßenpassanten durchsucht

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19. Feb 33 Der Silbersee. Uraufführung im Alten Theater

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21. Feb 33 Nationalsozialistischer Wahlterror an der Leipziger Universität. Polizei säubert den Augustusplatz

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27. Feb 33 Treue-Kundgebung für Hindenburg

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5. Mrz 33 Die Leipziger Frühjahrsmesse beginnt.

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8. Mrz 33 Weitere Maßnahmen gegen die KPD

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22. Mrz 33 Ganz Leipzig marschiert.

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25. Mrz 33 Die Stunde verpflichtet!

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1. Apr 33 Wahrt Disziplin!

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1. Apr 33 Die Durchführung des Boykotts in Leipzig.

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1. Apr 33 Umstellung bei Althoff

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2. Apr 33 Straffe Disziplin in Leipzig

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3. Apr 33 Gretl Berndt in Schutzhaft

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3. Apr 33 Parteiamtliche Bekanntmachung der NSDAP

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1. Mai 33 Leipzigs größter Tag.

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12. Mai 33 Gewaltige Massenkundgebung auf dem Augustusplatz. Die Arbeiter Träger und Gestalter des neuen Deutschlands.

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31. Mai 33 Mit erhobenem rechten Arm

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Tumult im Leipziger Rathaus. Die Stadtverordneten wählen ein Links-Präsidium. Die Sitzung aufgeflogen Auszug: Neue Leipziger Zeitung 5. Jan 1933, S. 4

M

it großer Spannung sah die Leipziger Bevölkerung der ersten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung entgegen, die vorallem die Wahl des Präsidiums bringen sollte. […] Ehe jedoch oben im Sitzungssaal die Entscheidung fiel, hatte unten auf der Straße vor dem Rathaus die Polizei eine schwere Aufgabe zu bewältigen. Immer wieder drängten Demonstranten zum Rathaus heran. Immer wieder mußten sie von der Polizei zurückgedrängt werden. Während dann vor dem Rathaus langsam wieder Ruhe eintrat, versammelten sich im Sitzungssaal die Stadtverordneten. Es gab Begrüßungen zwischen den alten Bekannten, und in Gänsemarsch zogen die 18 Braunhemden in den Saal ein. Die Tribüne und die Ratstische waren gut besetzt, von den 75 Stadtverordneten waren 74 anwesend. Oberbürgermeister Dr. Goerdeler war die Aufgabe zugefallen, […] die Sitzung zu leiten, bis der Vorsteher gewählt war. Schon kurz nach seiner Begrüßung erhob sich der

Eine solche Niederlage hätte sich die „Nationale Bürgerliste“ ersparen können, hätte sie sich rechtzeitig darauf besonnen, daß man die Demokratie nicht mit Füßen treten darf. Führer der Kommunisten, Herrmann, ausführend, daß man in diesem Augenblick keine Begrüßungsrede hören, sondern tatkräfitge Hilfe für die Bedürftigen beschließen wolle. Der Rat müsse vom Polizeipräsidium die Freilassung der eben verhafteten Demonstranten fordern. Der Oberbürgermeister erklärte, da das Präsidium noch nicht gewählt sei, könne auch keine Abstimmung erfolgen. Dr. Goerdeler […] hatte das Ohr des ganzen Hauses, als er auf die nächsten großen Aufgaben verwies, […] nämlich die Beratung des Haushaltsplanes und die Verabschiedung eines großzügigen kommuna-

len Arbeitsbeschaffungsprogramms.

Die Nationalsozialisten antworteten mit wüstem Geschrei und Klappern der Pultdeckel Nachdem der Beifall (von rechts und aus der Mitte) verebbt war, Schritt das Haus zur Vornahme der Wahlen. Bei den Vorschlägen für den Vorsteher wich sofort die begreifliche Erregung […], als der Kommunist Herrmann erklärte, daß seine Fraktion im zweiten Wahlgang für den Kandidaten der SPD eintreten werde. Die SPD nahm die Einstellung als Zeichen der Vernunft begeistert auf. Noch einen Tag vorher hatten die Kommunisten erklärt, nur ein reine Kommunisten-Präsidium sei möglich. Inzwischen hatten sie sich davon überzeugt, daß es eine Unmöglichkeit war und dass sie beim Festhalten an dieser Forderung nur das erreicht hätten, was sie gerade vermeiden wollten, nämlich einen Nationalsozialisten als Vorsteher zu sehen. […] in rascher Folge wickelten sich die Wahlhandlungen ab, bis das Präsidium mit zwei Sozialdemokraten (der Vorsteher [Dr. Hübler] und der zweite Vorsitzende [Setzpfand]) und einem Kommunisten (der erste Vorsteher [Schmidt]) gebildet war. Der Ausgang der beiden Wahlen hatte die „Nationale Bürgerliste“ so verblüfft, daß sie erst bei der Stichwahl für den Vizevorsteher sich wieder aufraffte, an der Wahl teilzunehmen. Aber vergeblich, auch hier wurde ein Sozialdemokrat gewählt. Einigen Mitgliedern der „Nationalen Bürgerliste“ scheint ein Licht aufgegangen zu sein, welch' riesiger Fehler von ihnen gemacht worden war, sich den Nationalsozialisten zu verschreiben. […] Die „Nationale Bürgerliste“ trat also für eine Partei ein, die wiederholt erklärt hat, mit dem Bürgertum von heute nichts mehr zu tun haben zu wollen. Eine solche Niederlage hätte sich die „Nationale Bürgerliste ersparen können, hätte sie sich rechtzeitig drauf besonnen, daß man die Demokratie nicht mit Füßen

treten darf.

Nach dem überraschenden Schluss der Sitzung glich der Burgplatz einem polizeilichen Heerlager. Ging es bei den Wahlen noch ziemlich ruhig zu, so änderte sich das Bild sofort, als der Kommunist Plache einen Antrag seiner Partei auf sofortige Winterhilfe [für die Erwerbslosen] begründet hatte. Nachdem der Oberbürgermeister in ruhiger, sachlicher Art auf einige Mißverständnisse hingewiesen hatte, nahm der Führer der Nationalsozialisten, Haake, das Wort. Zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten haben sich im Laufe der letzten Jahre in den Sitzungen der Stadtverordneten allerlei Reibungen ergeben. Was aber heute […] sich abspielte das ist tief beschämend für das ganze parlamentarische Leben. Als der Nationalsozialist Haake weit ab vom Thema auf die Morde zu sprechen kam, der ertönten aus den Reihen der Linken stürmische Protestrufe. Die Nationalsozialisten antworteten mit wüstem Geschrei und Klappern der Pultdeckel. Man hörte immer wieder die Rufe „Fememörder“, „Lumpen“ und zwischendurch den Namen: „Hentsch“, „Hentsch“. Der Vorsteher konnte sich nicht mehr durchsetzen und vertagte auf zehn Minuten. Trotzdem der Vorsteher nach der Wiedereröffnung der Sitzung darauf verwies, daß bei einem weiteren Lärm die gestellten Anträge gefährdet seien, wiederholten sich die gleichen Vorgänge. Der Nationalsozialist sprach immer wieder von Morden, worauf die Zurufe der Linken Seite verstärkt einsetzten. Dem Vorsteher blieb schließlich nichts anderes übrig, als die Sitzung zu schließen. Zerstört ist die Hoffnung, daß das Gemeindeparlament sich schon in seiner ersten Sitzung als arbeitsfähig erweisen möge. Es würde nach einem öden Parteiengezänk nach Hause geschickt … Emil Dörfel


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Zwischenfälle auf der Straße. 13 Personen verhaftet Auszug: Neue Leipziger Zeitung 5. Jan 1933, S. 4

s

o stürmisch wie im Stadtverordnetensaal selbst, so stürmisch wurde die neue Sitzungsperiode des Leipziger Stadtparlaments auch auf der Straße eingeleitet. Mehrere Stunden lang ist es am Mittwoch abend an verschiedenen Stellen der Stadt immer wieder zu größeren Ansammlungen und Zusammenstößen gekommen. In der 17. Stunde versuchten größere Trupps von Kommunisten und Erwerbslosen aus den Außenbezirken in geschlossenem Zuge nach der Innenstadt und vor allem nach dem Rathaus vorzudringen. Nach der Beendigung des Burgfriedens sind Straßenumzüge selbst nicht verboten. Die Leipziger Bannmeile, die um die Altstadt eine Sperrgrenze zieht, besteht aber nach wie vor. Da nun die Demonstranten die Bann-

meile […] an mehreren Stellen zu durchbrechen versuchten, mußte die Polizei eingreifen und die Züge auflösen. Der ernsteste Zwischenfall hat sich gegen 17 Uhr im Brühl ereignet, in den ein Zug von 200 Kommunisten aus der Richtung vom Alten Theater her einmarschierte. Mehrere Beamte der Revierpolizei stellten sich den Zugteilnehmern entgegen […]. Dabei wurden die Beamten […] tätlich angegriffen, so daß sie die Revolver ziehen mußten. Es gelang ihnen, einen der Angreifer herauszugreifen und zu verhaften. Im Verlaufe dieses Vorfalls ist die Fensterscheibe der Eingangstür einer Buchhandlung im Brühl eingedrückt worden. Die Beamten wollten den Verhafteten in diesem Geschäft in Sicherheit bringen. Die Menge stürmte nach. Im gleichen

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Augenblick traf polizeiliche Verstärkung ein, von der die Versammlung zum Teil unter Anwendung des Gummiknüppels auseinandergetrieben wurde. Zwischen 17 und 18 Uhr stießen größere kommunistische Abteilungen mehrfach nach dem Neuen Rathaus zu vor, wo sich die Stadtverordneten soeben versammelten. Die Polizei hatte hier […] eine ziemlich aufreibende Arbeit zu leisten. Im Schutz der […] Buden des Neujahrsmarktes auf dem Roßplatz konnten sich die Gruppen im rasch wieder zusammenfinden, um dann erneut nach dem Rathaus zu marschieren. […] Nach dem überraschenden Schluss der Sitzung glich der Burgplatz einem polizeilichen Heerlager. Hier waren die gesamten Mannschaften und Überfallwagen zusammengezogen worden. Im ganzen sind am Mittwoch abend 13 Personen wegen tätlichen Angriffs auf Polzeibeamten, Widerstands und Ungehorsams verhaftet und dem Polizeipräsidium zugeführt worden. NLZ

Schüsse in Stötteritz. Blutiger Zusammenstoß zwischen Nationalsozialisten und Sozialdemokraten. Auszug: Neue Leipziger Zeitung 13. Jan 1933, S. 1

I

n der Naunhofer Straße in Leipzig-Stötteritz hat sich am Mittwoch kurz nach 19½ Uhr ein schwerer Zusammenstoß zwischen uniformierten Nationalsozialisten und einer sozialdemokratischen Kampfstaffel ereignet. Dabei ist eine Reihe von Schüssen abgegeben worden. Zwei Sozialdemokraten haben Schußverletzungen erlitten und mußten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Ins Krankenhaus kamen auch zwei weitere Beteiligte, offenbar Nationalsozialisten, die durch Schläge verletzt worden sind. Nach der Darstellung der Polizei soll von beiden Seiten geschossen worden sein. […]

Die Mitglieder und der Führer der sozialdemokratischen Kampfstaffel bestreiten aber auf das entschiedenste, geschossen zu haben. Keiner der SPD-Leute habe eine Waffe bei sich geführt. Es sei auch bei der Durchsuchung der Mitglieder durch das herbeigerufene Überfallkommando weder eine Schußwaffe noch ein Messer oder Schlaginstrument gefunden worden. Die etwa 30 Mann starke … Kampfstaffel hatte sich gegen 19 Uhr in der Langen Reihe in Stötteritz gestellt, um geschlossen nach der Halle Freien Turnerschaft in Probstheida zu marschieren, wo die Mitglie-

der an einem Vortragsabend teilnehmen wollten. Beim Einschwenken in die Naunhofer Straße wurde von sozialdemokratischen Trupp in dem mit Bäumen bepflanzten Mittelstück der Straße […] eine ungefähr gleichstarke Gruppe uniformierter Nationalsozialisten bemerkt. […] Plötzlich hätten die SALeute die Kinnriemen heruntergezogen und zwischen den Bäumen Aufstellung genommen. Dann seien von den Nationalsozialisten auch schon etwa zehn bis zwölf Schüsse abgefeuert worden. Die Angehörigen der Kampfstaffel […] seien sofort auf die Schützen zugeeilt, um sie festzuhalten. Eine Darstellung der sozialdemokratischen Beteiligten bedarf noch der genauen polizeilichen Überprüfung, zumal die Schilderung der Nationalsozialisten vermutlich das genaue Gegenteil ergeben dürfte. Zwei Mitglieder der Kampfstaffel […] mit Schußverletzungen ins Krankenhaus St. Jakob gebracht. Es sind der 1916 geborene Bauarbeiter Alfred Grunewald […] (Bauchschuß und Oberschenkelschuß) und der 17 Jahre alte Schlosser Richard Biedermann […] (linker Oberschenkelschuß). […] An der Stelle, an der sich die Schießerei zugetragen hat, sind fünf Patronenhüllen, Kaliber 6,35 Millimeter, aufgefunden worden. Ein als angeblicher Schütze bezeichneter Angehöriger der Kampfstaffel ist […] festgenommen worden. […] NLZ


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Haussuchung bei der KPD. Verbotene Schriften und Broschüren beschlagnahmt Auszug: Neue Leipziger Zeitung 8. Feb 1933, S. 4

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eamte der politischen Abteilung des Polizeipräsidiums Leipzig nahmen am Dienstag vormittag im Grundstück Czermaks Garten 2/4, in den Büroräu-

men der Bezirksleitungder KPD, und einer in der Nähe […] gelegenen Privatwohnung Haussuchungen vor. Dabei wurden größere Mengen verbotene Schriften und Broschü-

Kundgebung der 20 000. Die „Eiserne Front “ auf dem Meßplatz Auszug: Neue Leipziger Zeitung 13. Feb 1933, S. 11

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ährend im Gewandhaus die letzten Vorbereitungen für die Richard-Wagner-Gedächtnisfeier getroffen wurden, versammelete sich auf dem Meßplatz am Frankfurter Tor die Leipziger sozialistische Arbeiterschaft zu einer gewaltigen Kundgebung. Es war die grlßte Kundgebung der freiheitlichen Arbeiterschaft Leipzigs seit dem Parteitag der SPD im Mai 1931. Mehr als 20 000 Männer und Frauen, erfüllt von Kampfbegeisterung, haben an ihr teilgenommen. […] Bereits von 8 Uhr an sammelten dich die Teilnehmer an 15 Stellplätzen in den verschiedenen Teilen der Stadt. Die einzelnen Kolonnen […] schlossen sich auf dem Anmarsch mit anderen zur großen Zügen zusammen. Musikkapellen und Spielmannszüge marschierten an der Spitze. Ihnen folgten starke Reichs-

bannerabteilungen, während den Schluß der Züge Kampfstaffeln der SPD bildeten. Kampflieder wurden gesungen. Eine große Zahl von Fahnen wurde mitgeführt. Das Reichsbanner marschierte unter den schwarzrotgoldenen Farben der Republik, die Gewerkschafter unter den Bannern ihrer Organisationen. Die SPD-Ortsgruppen und die Arbeiterjugend trugen große Rote Fahnen voran mit dem Kampfzeichen der Eisernen Front, den drei Pfeilen. Bemerkenswert war, daß bei der Kundgebung auch die Bemühungen der Einheitsfront der sozialistischen Parteien deutlich zum Ausdruck kamen. An dem Aufmarsch beteiligten sich [auch] kommunistische Gruppen, die das Sowjet-Banner zeigten. Kurz nach 9.30 trafen die ersten Abteilungen auf dem Meßplatz ein. Eine Stunde lang

ren gefunden und beschlagnahmt. Der Wohnungsinhaber […] wurde festgenommen […]. Wie wir hören, handelt es sich um ein ehemaliges Mitglied der Bezirksleitung. Unter den beschlagnahmten Schriften befinden sich auch etwa 2000 Stück Flugzettel, die erst in den letzten Tagen angefertigt worden sind, und mit denen zum Generalstreik aufgefordert wird. Weiter wurden illegale Schriften, Zersertzungsschriften […] und Schriften hochverräterischen Inhalts beschlagnahmt, die zu Propagandazwecken verteilt werden sollten. NLZ

dauerte der Anmarsch. 10.30 Uhr hielt dann […] der Vorsitzende der SPD von Groß-Berlin, Reichstagsabgeordneter Künstler, die Ansprache.

Die Ernüchterung auf den Rausch des Fackelzuges vor Hitler in Berlin werde nicht ausbleiben. Mit stürmischen „Freiheit“-Rufen begrüßt, wurde die Rede Künstlers durch Lautsprecher weithin über den Platz getragen. Der sprecher betonte, […] die in der Verfassung gewährleisteten Grundrechte aller Staatsbürger seien durch die Reaktion bedroht, die sich bemühe, den „Wohlfahrtsstaat“ zu zerschlagen. Deutschland müsse aber erst einmal zum Wohlfahrtsstaat werden, […] der sich der notleidenden Menschen annehme. Nachdem Künstler scharf gegen die Zollerhöhungen Stellung genommen hatte, wandte er sich der Reichskanzler Adolf Hitler zu. Das deutsche Volk warte auf die Bekanntgabe der angekündigten Pläne der Reichsregierung und der seit Jahren angepriesenen Rezepte Hitlers, mit denen die Krise behoben werden könne. Bisher habe man aber kein Wort davon gehört, wie den Arbeitslosen geholfen werden solle. Künstler zitierte dann den in der Rede Hitlers im Sportpalast nachträglich gestrichenen Satz: „Wenn das deutsche Volk und in dieser Stunde (bei der Reichstagswahl) verläßt, so möge uns der Himmel verzeihen: wir werden den Weg weitergehen, der nötig ist, damit Deutschland nicht verkommt.“ Wenn damit ein Staatsstreich gemeint sei, so bemerkte der Redner, dann müsse sich der Oberreichsanwalt einmal mit dieser Angelegenheit beschäftigen. Die Ernüchterung auf den Rausch des Fackelzuges vor Hitler in Berlin werde nicht ausbleiben. Dann werde die Sozialdemokratie das anchholen, was sie durch allzu große und falsch verstandene Menschlichkeit 1918 versäumt habe. Rdt.


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Razia auf Waffen und Schriften. Durchsuchung von Privatwohnungen. Ein Verkehrslokal polizeilich geschlossen. Auch Straßenpassanten durchsucht Auszug: Neue Leipziger Zeitung 18. Feb 1933, S. 4

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ufgrund der Zusammenstöße, die am Dienstag abend an der Ecke der Seeburg- und Friedrichstraße zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten erfolgt waren, wurde am Freitag vormittag in deisem Stadteil eine polizeiliche Aktion durchgeführt. [...] Die Zugangsstraßen wurden abgeriegelt und besetzt. Patroilien forderten die Anwohner auf, Fenster zu schließen. Dann nahmen die Beamtengruppen in einigen Wohnungen Durchsuchungen nach Waffen und verbotenen Schriften vor. Auch das in der Friedrichstraße gelegene Verkehrslokal „Winkelhaken“ wurde einer genauen Kontrolle unterzogen. Es wurden dort drei verschlossene Koffer beschlagnahmt, die angeblich von Logiergästen zurückgelassen und nicht wie-

der abgeholt worden sind. Da festgestellt worden ist, daß vom „Winkelhaken“ aus wiederholt Aktionen auf Nichtkommunisten und Angriffe auf Polizeibeamte erfolgt sind, wurde das Lokal auf Grund einer Verfügung des Reichspräsidenten zur Bekämpfung des politischen Terrors mit sofortiger Wirkung bis zum 10. März geschlossen. Bei der Durchsuchung einiger Wohnungen […] wurden ein Trommelrevolver, etwa 40 Stück scharfe Patronen, drei Totschläger, zwei Seitengewehre und mehrere kommunistische Schriften beschlagnahmt. […] Von Passanten der unter Kontrolle gestellten Straßen wurde es sehr lästig empfunden, daß sie von den patrouillierenden Beamten angehalten und einer Durchsuchung unterzogen worden. Uns sind verschiedene

Beschwerden zugegangen, in denen sich die Betroffenen darüber empören, daß sie sich in aller Öffentlichkeit wie Verbrecher behandeln lassen mußten. So bedauerlich es ist, daß auch ganz harmlose Bürger Leipzigs bei derartigen Gelegenheiten in Mitleidenschaft gezogen werden, so kann doch nur immer wieder angeraten werden, sich nicht dort aufzuhalten, wo gerade die Polizei damit beschäftigt ist, Maßnahmen zum Schutz der Allgemeinheit und zur Aufrechterhaltung der Ordnung und Sicherheit zu treffen. Diesbezügliche Mahnungen sind von uns schon wiederholt veröffentlicht worden. Die Beamten, die Duchsuchungen von Passanten vornehmen, kann kein Vorwurf treffen. NLZ


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Dossier 04/2013 – Adolf Südknecht – THE IMPROVISED HISTROY SHOW Und nun verkapselt sich Kaisers konstruktives Märchen immer tiefer in die seltsamen, schwierigen Abstraktionen eines platonischen Freund-Feind-, HaßLiebe-Gegensatzes. Olim versteckt sich aus Angst vor dem wütenden Severin im höchsten Dachwinkel des Schlosses. Severin hält sich, um zur Besinnung zu kommen, im tiefsten Kellergeschoß selbst gefesselt. Eine ewige Situation, gespiegelt von einer abseitigen, eigenwilligen szenischen Antithese. Jeder argwöhnt Schlimmes von dem anderen; aber die Angst und das Mißverstehen sind der größte Feind. Ein Dritter, die Dame des Schlosses, ist die Nutznießerin dieser […] Feindschaft. Sie hat den Schlüssel zu den beiden Verliesen […]. Das arme Mädchen Fennimore, direkt dem Märchen entsprungen, bringt die Lösung; sie

Der Silbersee. Uraufführung im Alten Theater Auszug: Neue Leipziger Zeitung

19. Feb 1933, S. 2

D

er Arbeitslose Severin hat bei einer Lebensmittelplünderung in der Stadt eine – Ananasfrucht „erbeutet“. Auf der Flucht in das armselige Versteck in der Elendskolonie am Silbersee wird Severin vom Landjäger Olim angeschossen und bleibt mit zertrümmerten Oberschenkel liegen. Diese Ananas beunruhigt den Landjäger Olim; er wittert in ihr, als wäre er der Dichter Georg Kaiser, einen tiefen Symbolsinn. […] Wie, ein hungriger Arbeitsloser stiehlt nicht Brot und Fleisch – sondern eine seltene Frucht, Sinnbild des Überflusses? […] „Wenn ich Geld hätte, würde ich den Angeschossenen gesund pflegen, er sollte für immer mein Bruder sein.“ […] Und weil wir im Märchen sind, weitab von der wirklichen Welt, […] geht der Traum sofort in Erfüllung […]: Haupttreffer in der Lotterie. Der reiche Olim […] nimmt den in jedem Sinn Verwundeten auf sein prächtiges Schloß und füttert ihn gesund. […] Olim ahnt nicht, daß er in Severin die Rache hochfüttert. Und Severin ahnt nicht, daß Olim, sein Freund und Beschützer, der gleiche Mann ist, der ihn über den Haufen schoß. […]

Versöhnung gibt es nur, wenn beide Gegner sich beugen schließt die in ihrem Wahn gefangenen Menschen auf. Olim und Severin stehen voreinander, und beide sagen: „Vergib!“. Um dieses doppelte „Vergib!“ zum Tönen zu bringen, hat der Symboliker Georg Kaiser sein Wintermärchen geschrieben. Versöhnung gibt es nur, wenn beide Gegner sich beugen.

[…] Und da zeigt sich: Die Konstruktion will sich nicht mit Blut füllen; silberne Wortblasen steigen auf uns nieder; […] es geht zwar um Menschliches […] und doch bleibt alles Menschliche fremd und fern wie hinter gläsernen Gardinen. Das ist Georg Kaisers Dichtergesetz, dem der Fünfundfünzigjährige nun nicht mehr entrinnen wird. Dieser nach Georg Hauptmann größte deutsche Dramatiker ist […] der strikte Gegensatz zu Hauptmann; dem wird unter seiner Hand jede Figur zum anschaulichen Menschen; dem anderen; Georg Kaiser wird jeder Mensch zur Abstraktion, zur Idee. […] Ein solcher Dichter hat es nicht leicht. Georg Kaiser ist heute […] von großartiger Aktualität. […] Das Alte Theater hat […] die schwere Aufgabe sinnvoll gelöst. Wieder war das Städtische Schauspiel der Treffpunkt der Theaterinteressenten aus Berlin und dem Reich; die Atmosphäre geladen von Gedankenspannung. Alexander Golling, die stärkste Leistung des Abends, war der verkörperte Groll, das Nicht-Vergessen-Können. Am intensivsten wirkte der Ausbruch des Hasses („Es wird nicht vergeben!“) […]. […] Trotz der ermüdenden Deutungen, die der Dichter im Schlussbild gibt, war der Beifall überaus herzlich. Und wie ein Lebenstrost hallt es nach: „Wer weiter muß, den trägt der Silbersee.“ Hans Natonek

Nationalsozialistischer Wahlterror an der Leipziger Universität. Polizei säubert den Augustusplatz Auszug: Neue Leipziger Zeitung 21. Feb 1933, S. 4

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ie am Dienstag stattfindenden AstaWahlen an der Universität Leipzig hatten am Montag vormittag ein für die gesamte Studentenschaft äußerst beschämendes Vorspiel. Die nationalsozialistischen Studenten hatten für 10 Uhr eine Kundgebung auf dem Universitätshof geplant, in der Hoffnung, durch eine mit Uniformen und Fahnen aufgezogene Kundgebung eventuell noch Wähler auf ihre Seite ziehen zu können. Der Rektor der Universität hatte jedoch die Gefährlichkeit eines derartigen einseitigen Vorhabens erkannt und es kurzerhand untersagt. […] Da die in Uniformen und mit Fahnen anrückenden nationalsozialistischen Studentengruppen in der Universitätsstraße und in der Grimmaischen Straße vor den geschlossenen Toren wieder umkehren mußten, […] sammelte sich dort rasch eine Menge Publikum. […] Zunächst nahmen die Studenten die Wahlpropagandazettel der verschiedenen Parteirichtungen ruhig entgegen. Das friedliche Bild änderte sich aber gewaltig, als gegen ½11 Uhr uniformierte nationalsozialistische Studierende sich mehr und mehr in den Türen, auf den Stufen und auf dem Bürgersteig vor dem Universitätsgebäude breit machten.

In der 10-Uhr-Pause fand sich in der Wandelhalle der Universität eine große Anzahl uniformierter Nationalsozialisten ein. Es wurde eine Ansprache gehalten und anschließend das Horst-Wessel-Lied gesungen. Die Kastellane versuchten vergeblich, das Eindringen uniformierter Nationalsozialisten zu verhindern. Doch der Rektor machte […] keinerlei Anstalten, für die Durchführung seines Verbotes zu sorgen. Es dauerte nicht lange, so kam es weiter zu Belästigungen und Anrempelungen vor dem Universitätsgebäude. Das Publikum sah sich zunächst das Hin und Her mit an, ohne sich einzumischen. Als dann aber einem Zettelverteiler der sozialistischen Studentenschaft die Flugblätter entrissen wurden und etwa 20 Nationalsozialisten mit Koppelund Schulterriemen über den Mann herfielen, brach ein Sturm der Entrüstung gegen die Braunhemden los. Der geschlagene Student wurde von Passanten, die den Nationalsozialisten entgegentraten, in Schutz genommen. Pfiffe und Rufe nach der Polizei wurden laut. Auf ein Signal hin sammelten sich die Nationalsozialisten in zwei Gliedern vor dem Universitätseingang. Ein Überfallkommando erschien. Der Augustusplatz wurde geräumt

und die Nationalsozialisten, die sich den Anschein gaben, als müßten sie das Universitätsgebäude schützen, wurden zur Freigabe der Fahrbahn und des Bürgersteigs aufgefordert. Ein nationalsozialistischer Student, der beim Angriff auf den republikanischen Zettelverteiler als Hauptschläger erkannt und zur Anzeige gebracht worden war, wurde mit zur Wache genommen. […] Gegen 12 Uhr war Ruhe und Ordnung wieder hergestellt. Kurz nach 12 Uhr hatten sich unter dem Schutz uniformierter Parteigenossen nationalsozialistische Zettelverteiler am Eingang zur „Mensa“ […] in der Ritterstraße postiert, um dort Propaganda zu machen. Auch hier begannen die Nationalsozialisten, die Zettelverteiler der anderen politischen Parteien […] außer Gefecht zu setzen. Vor der „Mensa“ hatten sich wiederum große Mengen Zuschauer eingefunden, die ihren Unwillen über das Vorgehen der Nationalsozialisten laut zum Ausdruck brachten. Ein großes Polizeiaufgebot machte sich notwendig, um die Straßen freizubekommen und den Studierenden den Gang zum Mittagstisch zu ermöglichen NLZ


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Treue-Kundgebung für Hindenburg Auszug: Neue Leipziger Zeitung 27. Feb 1933, S. 2

I

n der deutschen Politik hat man das Überraschtsein längst aufgegeben. Aber daß die Nationasozialisten, wie das am Sonntag in Leipzig der Fall war, […] zu einer Treue-Kundgebung aufriefen, ist doch etwas erstaunlich. Allerdings war von Hindenburg bei der Kundgebung vor dem Völkerschlachtdenkmal kaum die Rede. Der Reichskommissar für Volksbildung in Preußen, Studienrat Rust, bemühte sich vor al-

lem, die Arbeiter zu gewinnen, ein nutzloses Beginnen gerade bei dem sächsischen Arbeiter, der weiß, daß er nur durch Export Verdienst findet. Man darf in Sachsen nicht mit Autarkieplänen kommen, wie Rust es tat. Die Kundgebung sowie ein anschließender Umzug der SA durch den Süden verliefen im allgemeinen ruhig. Über die Kundgebung gibt die Polizei folgenden Bericht: Die Kundgebung der NSDAP

am Völkerschlachtdenkmal bei einer Beteiligung von etwa 30 000 bis 40 000 Personen ist ohne Störung verlaufen, ebenso die Anund Abmärsche. An dem Auszug nach dem Meßplatz beteiligten sich etwa 5000 uniformierte SA-Leute. Auch hierbei ist es zu nennenswerten Zwischenfällen nicht gekommen. […] NLZ

Die Leipziger Frühjahrsmesse beginnt. Etwa 6300 Aussteller. Befriedigende Anzahl von Einkäufern wird erwartet Auszug: Neue Leipziger Zeitung 5. Mrz 1933, S. 16

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S 101 von Hoek van Holland; MS 127 von Wien-Westbahnhof; MS 115 von Paris; MS 107 von Amsterdam … In ununterbrochener Folge laufen seit Freitag nachmittag Sonderzüge, Vorzüge und Nachzüge auf dem Leipziger Haupt-

Leipzig ist der sichtbare Mittelpunkt der europäischen, ja der Weltwirtschaft geworden. bahnhof ein. Leipzig ist der sichtbare Mittelpunkt der europäischen, ja der Weltwirtschaft geworden. Der Leipziger Hauptbahnhof schlingt Züge aus allen Himmelsrichtungen und entläßt einen breiten Strom geschäftiger Menschen in alle Gegenden der Stadt. Wieder vollzieht sich ein Verkehrswunder und wieder dieses gewaltige Aufgebot vorbildlicher Gastfreundschaft und vollendeter Hilfsbereitschaft für den Fremden. Man sagt, keine große Ausstellung sei je am Eröffnungstage fertig geworden. Nun, die Leipziger Messe, die gigantische Weltschau in 33 Palästen und 17 Hallen, ist noch immer auf den Tag fertig gewesen.

Nach einer unsichtbaren Ordnung vollzieht sich der Aufbau: Lastwagen und hochbeladene Automobile bringen schon Wochen vorher die ersten Messegüter. In den leeren Hallen und Gängen der Ausstellungshäuser wird es plötzlich lebendig. Überraschend schnell entstehen aus dem Inhalt vieler tausend Kisten übersichtliche Verkaufsstellungen, die sich infolge der Branchen-Konzentration zu einer einzigartigen, wohlgeordneten Leistungsschau aller beteiligten Industrie- und Handelszweige entwickelt haben. Und während in den Hallen noch die Hammerschläge schallen, sind draußen auf der Straße emsige Hände dabei, ein farbiges Bild aus Werbebauten, Fahnen und Leuchtreklamen zu schaffen. Langsam wächst inzwischen der Verkehr: Automobile tragen inzwischen die Kennzeichen aller deutschen Gaue und vieler Staaten […]. Neue Straßenbahnlinien werden eingerichtet, die Menschenflut in der Innenstadt, die am Sonnabend merklich angeschwollen ist, verdrängt die Fahrzeuge: Bis 20 Uhr gehören die Straßen der City den Fußgängern. Das alles vollzieht sich mit einer Selbstverständlichkeit, wie sie nur Jahrhunderte alte Tradition entwickeln kann. Mit der gleichen

Selbstverständlichkeit finden die vielen tausend Messegäste […] ihre Quartiere, werden sie in Leipzig beköstigt und unterhalten.

Das Zusammentreffen [...] mit der Reichstagswahl hat [...] den befürchteten nachteiligen Einfluß auf die Messe nicht ausgeübt. 6300 Aussteller erwarten diesmal das große Heer der Einkäufer. Mehrere Staaten vereinigen in besonderen Kollektiv-Ausstellungen ihre ersten Häuser. An der Spitze liegen die Tschechoslowakei mit 195 und Japan mit 162 Firmen, während Holland und England dem Vernehmen nach die meisten Einkäufer und Interessenten aufbieten. Das Zusammentreffen der Leipziger Frühjahrsmesse 1933 mit der Reichstagswahl hat, nach Ansicht des Meßamtes, den befürchteten nachteiligen Einfluß auf die Messe nicht ausgeübt. Es ist auf Grund den Anmeldungen mit einem befriedigenden Besuch zu rechnen, zumal am Sonntag noch eine ganze Reihe von Sonderzügen erwartet wird. NLZ


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Weitere Maßnahmen gegen die KPD in Leipzig Auszug: Neue Leipziger Zeitung 8. Mrz 1933, S. 2

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om Leipziger Polizeipräsidenten wird mitgeteilt: Am vergangenen Sonntag [5. März] ist es der politischen Polizei gelungen, vier Personen festzunehmen, als sie Vorbereitungen zur Füllung eines Luftballons trafen, der am Wahlsonntag über Leipzig aufsteigen und kommunistische Propagandaflugblätter über

dem Stadtgebiet abwerfen sollte. Durch rechtzeitigen Zugriff gelang es, diesen Plan zunichte zu machen. Bei den Erörterungen stellte sich heraus, daß zunächst geplant war, ein großes Kabinenflugzeug in den Dienst der KPD zu stellen, mit wlechem die Flucht des Parteiführers Thälmann und anderer Funktionäre in

das Ausland ausgeführt werden sollte. Da durch die Festnahme Thälmanns in Berlin dieser Plan nicht mehr zur Ausführung gelangen konnte, beschloß man, die eingangs erwähnte Wahlpropaganda über Leipzig mit einem Luftballon durchzuführen. Am Montag wurden gegen Mitternacht in einem Grundstück in der Großen Fleischergasse 12 Kummunisten festgenommen, die sich bei einem dort in Untermiete wohnenden Kommunisten in verdächtiger Weise aufhielten, offenbar, um Gewalttätigkeiten gegen andere vorzubereiten. Sie wurden dem Polizeipräsidium zugeführt und verbleiben in Schutzhaft. […] NLZ


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Ganz Leipzig marschiert. Hunderttausende Bürger im Zug und als Spalier Auszug: Neue Leipziger Zeitung 22. Mrz 1933, S. 4-5

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ie ganz Deutschland, so hatte auch Leipzig zu dem großen nationalen Feiertag gerüstet. Der Feiertag, von der kommissarischen Regierung in Dresden angeordnet, gab dem Tag sein besonderes Gepräge. Nur die Lebensmittelgeschäfte hatten für die Mittagsstunden ihre Ladenräume geöffnet. Nach dem feierlichen Staatsakt in Potsdam und Berlin, den wohl ganz Leipzig am Rundfunk miterlebte, kamen die Stunden des Fackelzuges heran. Alles drängte in den späten Nachmittagsstunden zu den Straßen heran, durch die sich der Fackelzug bewegen sollte. Die Festleitung, durch viele Feiern erprobt, hatte in kürzester Frist den Plan ausgearbeitet und der Öffentlichkeit durch die Presse zugeleitet. Alles klappte. Eine Überraschung boten nur die Massen. Hunderttausende strömten aus allen Stadtteilen zusammen, reihten sich in den Zug ein und trugen die flammenden Fackeln hinter Ihren Fahnen her. Hunderttausende säumten die Straßen. Die letzten zwanzig Jahre hat Leipzig schon manche Feier erlebt, die Völkerschlachtfeier und große Sportfeste, die Siegesfeiern und die großen Aufmärsche der Nachkriegszeit, aber nichts reicht an die heutige Feier heran. Und was besonders erhebend war: kein Verband, keine Partei, keine Front hatte die Bürger der Stadt aufgerufen, sondern es war eine Erhebung der Stadt selbst. Der 21. März wurde von der Regierung zum Volksfeiertag erklärt; und das Volk machte diesen Tag zu seinem Feiertag. Aus dem Rundfunk, durch Telefon und durch Fernschreiber erfuhren wir und meldeten weiter die Feiern und die Fackelzüge aus ganz Deutschland. Hier in Leipzig aber sahen wir alles vor uns, hier marschierten die endlosen Kolonnen vorbei am 21. März! Das Stellen am Meßplatz Stunden vor dem Abmarsch des einen Hauptzuges herrscht auf und um den Meßplatz unheimliches Gedränge. Von allen Seiten rücken Gruppen von Zugteilnehmern an. Aus allen Straßen, die auf den Riesenplatz einmünden, marschieren Kapellen und Fahnenabordnungen. Zwischen die bunten Fahnen und Uniformen drängen sich Tausende von Zuschauern, die lange vor 20 Uhr, der festgelegten Abmarschzeit, den Marschweg dicht umsäumen, Mauern bilden, durch die hindurch die Polizeibeamten nur mit allergrößter Mühe dem Verkehr einen Weg bahnen können. Der Meßplatz ist vor allem Sammelplatz der nationalsozialistischen Sturmabteilungen, der Amtswalterschaften und Betriebszellen. ln der Hindenburgstraße stellt sich die Leipziger Schuljugend, zahlreiche Jugendverbände haben sich ihr angeschlossen. Neben der ungeheuren Menge, die von den genannten Organisationen sich am Zug beteiligt, treffen gegen 1/2 20 Uhr die Studenten, die sich in der Ritterstraße gestellt ha-

ben, ein. Der bunte Wichs der Chargierten, die Fahnen der Verbindungen, die farbigen Mützen der Aktiven und Alten Herren geben dem festlichen Bild eine besondere Note. Trommelwirbel, Fanfarenklänge und Gesänge mischen sich mit Kommandos. Auf dem Dach der Lichtzentrale ist eine Lautsprecheranlage aufgebaut. Von hier aus ertönen über den mit Menschen vollgepfropften Platz die Kommandorufe, die Ordnung in das Wirrwarr bringen. Unaufhörlich schwenken die Marschkolonnen nach rechts und links. Sperrketten drängen das Publikum von den Sammelplätzen der einzelnen Gruppen ab. Aber immer wieder fluten die Zuschauermassen auf den Platz zurück. Kurz nach 20 Uhr ist der größte Teil des Zuges geordnet, die Fackeln werden verteilt und angebrannt. Ihr gelbes, flackerndes Licht erfüllt den Platz und leuchtet gespenstisch über das bunte Tuch der Uniformierten und Fahnen. Kurz nach 20 Uhr legt sich die Spitze des Zuges, der die Fanfarenbläser der Polizei voranreiten, unter Marschklängen in Bewegung. [...] Nahezu eine halbe Stunde dauert der Abmarsch. Feldgrau, Trachten und Zivil Das farbigere und wechselvollere Bild bot sich auf dem Stellgelände des zweiten Hauptzuges, der sich an der Tauchnitzbrücke dem großen vom Meßplatz kommenden Zuge der Nationalsozialisten, Studenten und Schüler anschloß. ln diesem bunten Heerlager, das mehrere Stunden lang die Karl-Tauchnitz-Straße und die angrenzenden Straßen des Musikviertels besetzt hielt, standen in breiter Front die Bürger aus allen Schichten und Ständen der Leipziger Bevölkerung, stand Alter neben der Jugend. Auch frauen und Mädchen hatten sich zu Tausenden eingefunden. An der Spitze des Zuges gegenüber dem seitlich beleuchteten Neuen Rathaus, vor dem sich eine unübersehbare Menschenmenge drängte, hatte der Stahlhelm Aufstel1ung genommen [...]. Eine große Zahl der alten Soldaten in ihrer feldgrauen Uniform war mit dem 5tahlhelm ausgerüstet. Hinter diesen straff militärisch formierten Kolonnen war die ganze Vielfalt der nationalen Vereinigungen Leipzigs aufmarschiert: der Bund Sächsischer Feldkameraden, die Militärvereine, die Offiziersvereine, darunter Ulanen und Kürassiere in den Vorkriegsuniformen, die Jugend der Deutschnationalen Volkspartei, die GDA-Jugendgruppen, die Pfadfinder, die Christliche Jugend, die Schützenvereine, die Innungen. Und dann kamen in endloser Reihe mit ihren kampferprobten Fahnen, mit ihren Musikkorps und Schalmeien-Kapellen die Mitglieder des Schlachtfeldgaues der Deutschen Turnerschaft, die Sportvereine, und mit geschulterten Riemen und Paddeln die Rudervereine. Erst 21:45 Uhr wurden die Fackeln ange-

zündet. Wenige Minuten später ertönte ein kurzes Kommando. Der Abmarsch begann. Die Spitze des Zuges schwenkte nach dem Rathaus zu ein, wo sie den Anschluß an den ersten Hauptzug fand. Fast eine Stunde dauerte es dann, bis die letzte Abteilung vom Stellplatz abmarschiert war. Der Vorbeimarsch auf dem Augustusplatz Der Fackelzug durch Leipzig fand seine Krönung auf dem Augustusplatz. Dort standen vor den riesigen Fahnenmasten am Neuen Theater die Spitzen der Behörden, der Leipziger Stadtverwaltung, der Reichswehr und die Führer der nationalen Verbände. Deshalb war der Augustusplatz vor allem das Ziel der Leipziger, die sich das große Ereignis ansehen wollten. Stunden vorher sammelte sich das Publikum. Die eigentlichen Vorbereitungen waren sogar schon Tage vorher von jedem einzelnen getroffen worden. In den Kaffeehäusern war bereits am Montag jeder Platz, von dem aus man den Zug beobachten konnte, ausverkauft. Die Gäste fanden sich rechtzeitig ein. Die Fenster, die Terrasse und die Balkone vom Kaffee Felsche waren bis zum Brechen besetzt. Hinter den Fenstern von Kaffee Corso türmten sich ebenfalls die Reihen der Zuschauer. Das gleiche Bild boten alle anderen Gebäude. In den sonst um diese Zeit nach Arbeitsschluß längst dunklen Fenstern der Dresdner Bank, der Hauptpost und der anderen Geschäftshäuser sah man vor dem hellen Licht Kopf an Kopf. Eine ganze Reihe besonders Schlauer hatte sich Leitern mitgebracht, andere erkletterten Wagen. Wo irgendwo eine Erhöhung, ein Austritt oder ein Denkmal stand, wurde es schleunigst in Besitz genommen. Am Neuen Theater hatte man die Fenster der Treppenhäuser geöffnet, und auf den Treppen drängten sich die Zuschauer, ebenso wie auf dem Balkon. [...] Inzwischen schichtete eine Abteilung der Leipziger Berufsfeuerwehr einen mächtigen Holzstoß auf. Die Standartenkapelle einer nationalsozialistischen Sturmabteilung marschierte heran. Als es eine halbe Stunde nach 8 Uhr wurde, dem angekündigten Beginn des Abmarsches auf dem Meßplatz, stieg die Spannung beträchtlich. [...] Gegen 8.40 Uhr zogen von der Frauenberufsschule her die ersten Fackeln flammend heran. Alles wurde lebendig. Man sah den feurigen Zug am Bildermuseum vorüberziehen. Näher kam er und immer näher. Unter Beifallsrufen bog er dann auf die nördliche Hälfte unter Vorantritt der Kapelle ein. Die Begeisterung erreichte im nächsten Augenblick schon einen ersten Höhepunkt. Die Musik spielte einen Marsch, und mächtig lodernd prasselten die Flammen des entzündeten Scheiterhaufens in die Nacht empor, wirbelnd stoben die Funken in die Luft, in einigen Schwaden auch auf das überraschte Publikum. Die Menschenmauern standen


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auf allen Seiten des Augustusplatzes in glühender Begeisterung vor diesem feurigen Auftakt. Von 8.45 Uhr an bis 9.30 Uhr marschierten in ununterbrochener Folge nationalsozialistische Abteilungen an den Führern ihrer Bewegung und den anderen leitenden Persönlichkeiten vorüber. Dann folgten die Leipziger Schüler, auch sie ausgestattet mit Fackeln und Fahnen. Ein großartiges Bild bot sich beim Vorbeimarsch um 9.45 Uhr. Da kamen die studentischen Verbindungen. Es war eine einzige Front von Bannern. Ungefähr 70 Fahnen der Studenten zogen vorüber. Ihnen folgten in erstaunlicher Zahl noch die Mitglieder der Verbindungen. Gleich darauf vervielfachte sich die Zahl der Fackeln. Der Stahlhelm kam näher, voran eine Abteilung zu Pferd, und eine neue wirkungsvolle Gruppe von acht Kriegsflaggen. Inzwischen war es schon 10 Uhr geworden. Es folgten immer neue Gruppen, unter denen die Militärvereine und die ihnen verwandten Organisationen besonders auffielen. Auch sie zogen mit ihren schönen bunten Fahnen vorbei. Eine halbe Stunde später, um 1O.30 Uhr, begann der Zug der Turner, in dem ebenfalls Fahnen über Fahnen mitgeführt wurden. Jugend, Männer und Frauen, alle nahmen, wie bei den anderen Gruppen, so auch bei den Turn- und Sportverbänden gleichen Anteil. Den Beschluß bildeten sportliche Verbände [...] und eine Abteilung berittene Polizei. 11.05 Uhr konnte schließlich der offizielle Abschluß dieser Parade durch die Lautsprecher verkündet

werden. Noch zogen die letzten Fackeln in die Grimmaische Straße hinein, da entblößten ein letztes Mal die Zehntausende den Kopf, um gemeinsam das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied zu singen. Eine der gewaltigsten Kundgebungen, die Leipzig je gesehen hat, war beendet. Zehntausende aus allen Schichten der Leipziger Bevölkerung haben diese Parade mitgemacht, Zehntausende hatten stundenlang ihren Platz verteidigt und während des mächtigen Fackelzuges unentwegt ausgeharrt. In den anderen Straßen, wo der Zug noch hindurchführte, hatte sich das gleiche Bild entwickelt, so daß man die Beteiligung Leipzigs an diesem Fackelzug mit 300 000 Personen nicht zu gering schätzt.

Noch haben die Teilnehmer das Gelände der Kleinmesse nicht verlassen, da ertönen in der Waldstraße erneut Marschweisen. Die Spitze des Fackelzuges hat ihren Ausgangspunkt erreicht. Ein fackelndes Lichterband hat sich um Leipzigs Innenstadt gelegt. Dann beginnt ein neuer Aufmarsch. [...] Bald ist der Meßplatz in ein Flammenmeer getaucht. Schwarze Rauchwolken wirbeln von den Scheiterhaufen, zu denen die Fackeln zusammengeworfen wurden, zum Himmel empor. Die Kapelle der Standarte 107 hat sich um das Mikrofon gruppiert und sendet durch den Lautsprecher flotte Marschweisen über den in rote Glut getauchten

Platz. Und immer neue Kolonnen marschieren auf. Fahne reiht sich an Fahne, Wimpel flattert neben Wimpel. Unaufhörlich wälzt sich der Menschenstrom. Um 23 Uhr [...] fand die Feier mit einer Ansprache des nationalsozialistischen Stadtverordneten Haake ihr Ende. Stadtv. Haake wies [...] hin, daß die nationalsozialistische Bewegung mit ihren Gegnern bis jetzt sehr human verfahren sei. Das werde sich aber ändern, wenn die aufbauwilligen nationalen Kreise in Deutschland noch einmal provoziert werden sollten. Jeder erneute Versuch eines Attentats gegen den Volkskanzler Adolf Hitler werde zur Ausrottung des letzten Bolschewisten in Deutschland führen. Das Dritte Reich sei noch nicht vollendet, und es gebe noch viel Arbeit zu tun. Um das Ziel zu erreichen, sei es notwendig, daß sich das ganze national empfindende deutsche Volk hinter die nationale Bewegung stelle. Es ergehe daher jetzt der Ruf an die, die bisher noch beiseite gestanden hätten, an die Marxisten, soweit sie sich zum Deutschtum bekennen wollen, sowie an die liberalen Oberschichten. Die im Weltkrieg sowie im Kampf um die Wiederaufrichtung eines freien und mächtigen Deutschland Gefallenen seien die Mahner, den Kampf fortzuführen, bis auch das letzte Hemmnis überwunden und ein einiges Deutschland der Freiheit, der Macht und des Ansehens aufgerichtet worden sei. Die Ansprache schloß mit der Absingung des Deutschlandliedes. NLZ

interessen des deutschen Volkes, seiner Eigenart, seinem nationalen Willen und seiner Ehre entspricht. Im Sommer vorigen Jahres habe ich mich vor den Stadtverordneten für die Auffassung eingesetzt, daß es niemals Aufgabe der örtlichen Verwalttung […] sein könne, sich in Gegensatz zur Reichsregierung zu setzen. Die jetzige Stunde verpflichtet […] uns, mit unserer ganzen Person hinter die Arbeit der Reichsregierung uns zu stellen […]. […] Die Stadt Leipzig kann ihr Gedeihen nicht außerhalb der Wohlfahrt des ganzen Vaterlandes finden. Wohl ist es uns gelungen […], getreu dem gestern von dem Herrn Reichskanzler Adolf Hitler vertretenen Grundsatz, durch Einfachheit und Sparsamkeit in der Verwaltung das Gleichgewicht zu finden und die Wirtschaft vor noch höheren Lasten zu bewahren. […] Ich weiß, daß es auch Aufssung des Herrn Reichskanzlers ist, daß von einem solchen Augenblick aus-

geglichener Etats an die gesunden Kräfte des Deutschen Menschen von selbst wieder beginnen werden, sich zu regen, sich zu entfalten und damit von innen heraus unter dem Schutze einer zielbewußten Politik die Wirtschaft im Interesse des desamten deutschen Volkes zur allmählichen Gesundung bringen. […] Zu einer Insel der Glücklichen können wir auch die Stadt Leipzig nicht machen. Ihr Wiederaufstieg zu neuer Blüte ist abhängig von der Entwicklung unseres Vaterlandes und unseres Volkes zu neuem Ansehen und zu neuer Wohlfahrt. Bekennen wir uns in dieser Stunde nationaler Selbstbesinnung und Erhebung […] zu dem Gelöbnis, mit dem alten Freiheitssinn der Leipziger Bevölkerung die Einordnung in die nationalen Notwendigkeiten und Ideale unseres Volkes zu verbinden. Wir wollen arbeiten, um die Stadt Leipzig, in der das Denkmal der Brefreiungsschlacht in den Himmel ragt, hinzustellen als ein Bollwerk deutschen Gemeinsinns und des Willens zur nationalen Freiheit, Einigkeit und Ehre. Carl Gördeler, NLZ

Abschluß auf dem Meßplatz: Stv. Haake spricht

Die Stunde verpflichtet! Ein politisches Bekenntnis Auszug: Neue Leipziger Zeitung 25. Mrz 1933, S. 1-2

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ie Freitag-Sitzung des Rates der Stadt Leipzig eröffnete Oberbürgermeister Dr. Goerdeler mit folgender Ansprache: Am gestrigen Tage hat der Reichstag mit überwältigender Mehrheit ein Ermächtigungsgesetz verabschiedet, das mit bisher in der deutschen Reichsgeschichte noch nicht bekannten Vollmachten ein ebenso großes Maß von Verantwortung auf die Schultern der Reichsregierung legt. Zum ersten Male seit der Gründung des Reichs durch Bismarck ist die Möglichkeit gegeben, die Verfassung des Reiches und der Länder, das Recht der Gemeinden […] einheitlich so zu gestalten, wie es nach den Erfahrungen der letzten 60 Jahre den Lebens-


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Wahrt Disziplin! Aufruf des Leipziger Polizeipräsidenten Auszug: Neue Leipziger Zeitung 1. Apr 1933, S. 1

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er kommissarische Polizeipräsident von Leipzig erläßt folgenden Aufruf: An die Bevölkerung Leipzigs! Am 1. Apri 1933, 10 Uhr, setzt der Abwehrkampf der NSDAP gegen die Greuelpropaganda ein. Ich ermahne die Bewohner der Stadt Leipzig, Ruhe und Ordnung zu bewahren und nicht zu vergessen, daß es sich nur um Boykottmaßnahmen handelt die nicht Angriffe gegen Gut, Leib oder Leben zum Ziele haben dürfen. Es gilt, die Würde der nationalen Erhebung zu wahren. Der kommissarische Polizeipräsident (gez.) Knofe Das Polizeipräsidium teilt weiter mit:

Aus verschiedenen Teilen Deutschlands sind beim Zentralkomitee zur Abwehr jüdischer Greuel- und Boykotthetze Meldungen eingelaufen, wonach von Seiten der Kommunisten beabsichtigt wird, am kommenden Sonnabend mit Beginn der Abwehraktion jüdische Geschäfte zu plündern und Schaufenster einzuschlagen. Das Zentralkomitee zur Abwehr der jüdischen Greuel- und Boykotthetze hat die Behörden ersucht, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Warnung Es ist festgestellt worden daß [...] Provokateure am Werke sind, die die unglaublichsten Greuelmärchen verbreiten. Wir machen darauf aufmerksam, daß gegen alle, die an

der Urheberschaft und auch an der Weiterverbreitung beteiligt sind, mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln vorgegangen werden wird. Wir machen allen Parteigenossen zur Pflicht, mit dafür zu sorgen, daß die Elemente, die an der Verbreitung derartiger Unwahrheiten beteiligt sind, unschädlich gemacht werden. Zu diesem Zwecke sind die Namen festzusteIlen und an die untenstehende Dienststelle schriftlich zu melden. Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei Kreis Leipzig, Propagandaabteilung. NLZ


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Dossier 04/2013 – Adolf Südknecht – THE IMPROVISED HISTROY SHOW Nationalsozialisten! Leipziger Mitbürger! Zeigt auch in diesem Falle Eure altbewährte Disziplin! Ordnet Euch freiwillig und freudig den Maßnahmen des örtlichen Aktionsausschusses unter; meidet Aufläufe und erschwert nicht die Tätigkeit der Polizei! Entehrt nicht das große Werk der nationalen Wiedergeburt durch Zuchtlosigkeit und Unordnung, die nur unseren Feinden zugute kommen würden! Schenkt unkontrollierbaren Gerüchten keinen Glauben, sondern helft ihre Verbreiter festnehmen! Tragt das, was einzelnen von Euch vielleicht als Härte erscheinen mag, im Hinblick auf das Votksganze mit Würde! Denkt daran, daß dieser Boykott nicht mutwillig von uns vom Zaune gebrochen ist, sondern eine zwangsläufige Notwendigkeit darstellt. Wie bisher jeden unserer Kämpfe, so werden wir auch diesen siegreich zu Ende führen. Helft alle mit dazu! Heil Hitler! Leipzig, am 31.3.1933 Leipziger Aktionsausschuß zur Durchführung des Abwehr-Boykotts jüdischer Geschäfte. NLZ

Die Durchführung des Boykotts in Leipzig. Das Aktionskomitee mahnt zur Besonnenheit Auszug: Neue Leipziger Zeitung 1. Apr 1933, S. 3

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er Aktionsausschuß zur Durchführung des Abwehr-Boykotts übermittelt uns zur Veröffentlichung folgenden Aufruf: Nationalsozialisten! Leipziger Mitbürger! Der Versuch des internationalen Judentums, der Regierung der nationalen Revolution [...] im Auslande Schwierigkeiten zu bereiten, zwingt zu den schärfsten AbwehrMaßnahmen. Wir werden nicht untätig zusehen, daß das Gift der Lüge und Verleumdung große Nationen zerfrißt, mit denen in Frieden und Freundschaft zu leben unser aufrichtiges Bestreben ist. Schon einmal ist das deutsche Volk das Opfer eines systematischen Hetzfeldzuges geworden. Zum zweiten Male soll den Mächten der Finsternis ihr Werk nicht gelingen!

Von der Einsicht ausgehend, daß die beste Verteidigung der Angriff ist, ruft die Parteileitung der NSDAP zu einem Abwehr-Boykott der jüdischen Waren- und Kaufhäuser, Spezialgeschäfte, Rechtsanwälte und Ärzte auf, der schlagartig am Sonnabend, dem 1. April, vormittags 10 Uhr, einsetzen wird. Auch in Leipzig wird dieser Kampf mit allen uns zu Gebote stehenden, rechtlich erlaubten Mitteln vorangetragen und mit der schärfsten Rücksichtslosigkeit bis zum Endsieg durchgeführt werden. Wir bitten die friedliche Bevölkerung Leipzigs, von Einkäufen bei jüdischen Firmen Abstand zu nehmen. So weit es die in Frage kommenden Geschäfte nicht vorziehen, ihre Verkaufsräume geschlossen zu halten, werden Doppelposten unserer SA und SS die Eingänge besetzen.

Umstellung bei Althoff Auszug: Neue Leipziger Zeitung 1. Apr 1933, S. 3

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ie Direktion der Karstadt-A.-G. teilt uns mit: Aus dem Aufsichtsrat der Rudolph-Karstadt-Aktien-Gesellschaft sind die Herren Dr. Gustav Gumpel, Dr. Norbert Labowsky, Dr. Julius Oppenheim, Albert

Straffe Disziplin in Leipzig Auszug: Neue Leipziger Zeitung 2. Apr 1933, S. 2

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er Tag des Boykotts hat in Leipzig das gehalten, was die Reichsregierung von dieser Aktion gefordert hatte, um die [...] Gegner im Ausland niederzuringen. [...] Mit der Hoffnung auf die Erreichung des Zieles kann man heute die Feststellung verbinden, daß die Methoden vollständig dem Willen der Reichsregierung entsprachen. Die Leipziger nationalsozialistischen Abteilungen haben in strengster Disziplin die gebotenen Maßnahmen durchgeführt. Der Boykott begann pünktlich zur angesetzten Stunde. Kurz vorher trafen sich Abteilungen der Nationalsozialisten auf dem Königsplatz und auf der Karl-Tauchnitz-Straße. Dort sammelten sich die Motorradfahrer und Gruppen mit zahlreichen Kraftwagen. Von den Stellplätzen aus rückten dann die Nationalsozialisten zu zweit und auch in Gruppen vor die Tore der zu boykottierenden Geschäfte. Vielfach wurden schon in der ersten Stunde an den Schaufenstern und vor den Eingängen zu den Verkaufsräumen rote Plakate angebracht. Leipzigs Einwohner hatten an den Vorgängen von Anfang an lebhaftes Interesse. Je-

der wollte sich selbst davon überzeugen, wie die Aktion vollzogen wurde. So füllten schon gegen 11 Uhr Tausende und Abertausende die Straßen der Innenstadt. Es dauerte nicht lange, bis auf der Petersstraße ein so starker Verkehr herrschte, daß man an die Eröffnungstage der Mustermessen erinnert wurde. Die Regelung des Verkehrsstroms hatte die Polizei übernommen. Gab es einmal Stauungen, so sorgten die Beamten höflich und rasch dafür, daß die Gruppen der Neugierigen sich verstreuten. Und wenn ein Käufer oder eine Käuferin überrascht feststellen mußte, daß sie in einem von Uniformierten überwachten Geschäft etwas zum Abholen bestellt hatten, so fanden sie dafür Verständnis. Im übrigen wurden den Leuten, die sich bei den nationalsozialistischen Posten erkundigten, die Vorgänge sachlich und ruhig erklärt. Zur Unterstützung der von der Reichsregierung veranlaßten Protestaktion hatten die Leitungen von Kaufhaus Brühl, Warenhaus Ury, Kaufhaus Held und der Handelsgesellschaft Wohl-Wert ihre Geschäftsräume für Sonnabend von 10 bis 19 Uhr geschlossen. Zur Beobachtung durchstreiften die Stadt

Schöndorff, Dr. Fritz Warburg, Dr. Arno Wittgensteiner ausgetreten. Aus dem Vorstand und aus den Geschäftsleitungen der Filialen und Warenhäuser dieser Firma sind die jüdischen Mitarbeiter ebenfalls restlos ausgeschieden. NLZ

mehrfach Kraftwagen der Polizei. Sie, wie auch die Masse der Neugierigen, konnte überall feststellen, daß die Aktion in einer durchaus straffen, aber immer verbindlichen Form durchgeführt wurde. Es war schon wenige Stunden nach dem Beginn zu spüren und hat sich bis zum Schluß bestätigt, daß von der strengen Disziplin nicht nur gesprochen worden war, sondern daß auch jeder einzelne danach handelte, einig in dem Bewußtsein, dem Volk und dem Ausland einen Beweis nationaler Kraft und Selbstzucht zu liefern, entschlossen, dadurch die ausländischen Erfinder hetzerischer Verleumdungen über Deutschland Lügen zu strafen. Das hat Leipzig erreicht. Wiederum hat an diesem Tage die große Stadt in der Mitte des Reichs bekundet, daß in ihren Mauern bewußtes Deutschtum und würdevolle Kampfesweise Selbstverständlichkeiten geworden sind. Die ausführenden Abteilungen, die Bevölkerung und nicht zuletzt der Polizeipräsident, der dem Willen der Regierung [...] Geltung verschaffte, haben diesen Kampf gewonnen. Davon werden sich auch die in Leipzig ungewöhnlich zahlreichen Vertretungen ausländischer Regierungen überzeugt haben. Deren Pflicht ist es, nach diesem Tage ihre Regierungen von der Wahrheit über Deutschland sofort und nachdrücklich in Kenntnis zu setzen. NLZ


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Gretl Berndt in Schutzhaft Auszug: Neue Leipziger Zeitung 3. Apr 1933, S. 2

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ie Leipziger Schauspielerin am Alten Theater Gretl Berndt ist am Sonnabend abend nach der Vor-

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stellung in Schutzhaft genommen worden. Der Grund liegt in einer die Reichsregierung und Reichskanzler Hitler beleidigenden Äußerung, die Gretl Berndt andern gegenüber getan haben soll. Die Untersuchung, die die Theaterkommission, Oberbürgermeister Dr. Goerdeler und der Polizeipräsident Knofe von Leipzig durchführen, ist noch nicht abgeschlossen. Die Schauspielerin wird bis auf weiteres nicht auftreten. NLZ

Parteiamtliche Bekanntmachung der NSDAP Auszug: Neue Leipziger Zeitung 3. Apr 1933, S. 2

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er vielfache Mißbrauch, welcher mit dem Symbol der Hakenkreuzfahne getrieben wird, zwingt uns, ihr dauerndes Hissen an Gastwirtschaften für das Gebiet der Stadt und Amtshauptmannschaft Leipzig generell zu verbieten. In Zukunft dürfen nur noch solche Gastwirtschaften dauernd die Hakenkreuzfahne an ihrem Lokal aufziehen, die sich bei der Kreisleitung Leipzig, Weststraße 79, Abteilung Propaganda, die schriftliche Erlaubnis zur Führung der Bezeichnung: "Parteiamt-

lich anerkanntes Verkehrslokal der NSDAP" erworben haben. Die Lokale, welche die Erlaubnis zur Führung dieser Bezeichnung nicht erhalten, dürfen nur an den Tagen die Hakenkreuzfahne aufziehen, an denen eine allgemeine Beflaggung der Häuser angeordnet ist. [...] Leipzig, 26 April Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, Kreisleitung Leipzig

Die Kreisleitung Leipzig der NSDAP macht weiter folgenden Aufruf bekannt: "Alle, denen heute noch wegen des Flaggens von schwarzweißroten und Hakenkreuzfahnen von ihren Hauswirten irgendwelche Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden, melden deren Anschrift und die ihrige sofort schriftlich bei der Abteilung Hausbesitz bei der Kreisleitung Leipzig der NSDAP" NLZ

Leipzigs größter Tag. Dem deutschen Arbeiter gewidmet Auszug: Neue Leipziger Zeitung 2. Mai 1933, S. 3-4

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eipzig hat schon große Feste gesehen, ein Deutsches Turnfest […], die Enthüllung des Völkerschlachtdenkmals, […] doch sie waren wenig gegenüber dem 1. Mai 1933, dem Tage der nationalen Arbeit. Man mag einem Feste irgendeine Idee geben, mag es der körperlichen Ertüchtigung gelten, einem historischen Gedenken, einer Glaubensbewegung, immer wird man nur Teile der Bevölkerung erfassen. Ein Festtag der Arbeit aber begeistert jeden Menschen. Und das hat der 1. Mai bewiesen. Betrieb reihte sich an Betrieb, Fachgruppe an Fachgruppe, alles Menschen, die sich ihrer Arbeit, die im Dienste des Ganzen leisten, Menschen die sich sehnen wieder in Arbeit zu kommen; […] und Volksgenossen, die bisher den Arbeiter nicht immer voll gewürdigt haben. Sie alle schlossen am 1. Mai 1933 einen Bund in dem Gelöbnis: Ehret die Arbeit und achtet den Arbeiter! Und wenn das Fest erst verrauscht ist, wenn heute wieder Meister, Geselle und Lehrling, Chef, Angestellter und Arbeiter am gleichen Werke schaffen, dann soll sich der Gedanke der Werks- und Volksgemeinschaft als zukunftskräftig erweisen […]. So war die Wirkung des 1. Mai 1933 von der Regierung gedacht. Sie wird darauf sehen, daß dieser Sinn des Tages von niemandem verfälscht wird. Der auf Gedeih und Verderb geschlossene innerdeutsche Bund muß treu

gehalten werden, wenn aus deutschen Menschen ein deutsches Volk entstehen soll. Auftakt Den Auftakt des Festtages in Leipzig bildete am frühen Morgen ein Großes Wecken der Reichswehr. […] Die Rundfunkübertragung der Jugendkundgebung im Berliner Lustgarten schloß sich an. Tiefen Eindruck hinterließen die warmen Worte des Reichspräsidenten von Hindenburg, die in der Mahnung gipfelten: Nur wer gehorchen gelernt hat, kann später befehlen! Abmarsch zur Kundgebung. Endloses Herr auf endloser Straße […] Von dicken Menschenmauern umsäumt sind die Straßen. Nur schmale Streifen bleiben an den Häusermauern […]. Viele haben sich an den Hauptstraßen, durch die der Festzug kommen soll, Bänke und Stühle mitgebracht. […] Grüner Maischmuck grüßt von Fenstern und Türen. Transparente in bunten Farben spannen sich über die Straßen von Haus zu Haus: „Arbeit adelt!“, „Du bist nichts, Dein Volk ist alles!“, „Deutscher Arbeiter, wir grüßen Dich!“ Endlich kommt Ordnung in die Massen. Sie

formieren sich endgültig zu Zügen, schmetternde Marschmusik ertönt. Die Massen setzen sich in Bewegung, Reihe für Reihe. Im gleichen Schritt schreiten nun Hunderte, Tausende und bald Hunderttausende. Ein aufgeregtes Raunen geht durch die Zuschauerreihen: Sie kommen! Hälse recken sich, man drängt und schiebt sich, um nicht von dem gewaltigen Bild der anrückenden Massen des Festzuges zu verpassen. Jetzt erscheint die Spitze. Voran berittene Polizei auf schmucken braunen Rossen. Ein Spielmannszug der SA [...]. Dann – ein eindrucksvolles Bild – in zwei Gruppen die sechzig Fahnen der NSBO, die auf dem Geländer der technischen Messe geweiht werden sollen, weithin leuchtend in ihrem Rot mit schwarzem Hakenkreuz. Nun folgen die Straßenbahner in ihren schwarzen Uniformen […]. […] Die Fachschaft der Polizei zieht vorbei. Dann die Fachschaft Steuer, vom Publikum mit gemischten Gefühlen begrüßt. Ein Witzbold ruft: „Geht lieber wieder heim, ihr!“ Alles lacht. Aber es wird nicht übelgenommen. […] 16 Uhr! Nur der kleinste Teil des Festzuges ist jetzt vorüber. Seine Spitze ist längst auf dem Geländer der Technischen Messe eingezogen. Und immernoch kommen die einzelnen Züge an ihren Stellplätzen nicht vom Fleck. Weiter wälzen sich die Massen vorbei, in stillem Schritt aber singend, Männer,


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Frauen, Mädchen, die Angestellten der großen Firmen, die Belegschaften der Fabriken. […] Das graphische Gewerbe, Leipzigs charakteristischster Wirtschaftsfaktor, bildet einen Riesenzug, mittendrin die Belegschaft der „Neuen Leipziger Zeitung“. In blütenweißer Arbeitstracht die Bäcker und Konditoren, drei ihrer Mitglieder voran in schwarzer, weißer und roter Tracht, die neuen Farben des Reiches. 17 Uhr! Noch immer kein Ende abzusehen! […] Die Menschen marschieren und marschieren, beseelt von einem Willen zur Einigkeit, in die Zukunft. Ein endloses Heer auf endloser Straße … In einem überwältigenden äußeren Rahmen, wie ihn eindrucksvoller keine andere deutsche Stadt aufweisen kann, hat gestern nachmittag das gesamte schaffende Leipzig den Tag der nationalen Arbeit gefeiert. Das Ausstellungsgelände war der Schauplatz der riesigen Kundgebung. Hier, zwischen den gewaltigen Hallen, in denen alljährlich zweimal auf der Messe von den überragenden Leistungen der deutschen Technik Zeugnis abgelegt wird […] marschierten die Belegschaften der Leipziger Betriebe und Behörden auf, um ihr Gelöbnis zum neuen, einigen Deutschland abzulegen. Fast 200 000 Menschen waren hier versammelt, von einem Willen beseelt: Dem Vaterlande zu dienen und es mit nationalem und sozialistischem Geiste zu erfüllen. Vor einem imposanten Hintergrunde wurden die Feier und das Festprogramm abgewickelt. Und dieser Hintergrund brauchte nicht erst geschaffen zu werden. […] Die Straße des 18. Oktober, flankiert von den Messehallen. Die Freitreppe der Straße, die hinüberführt zum Gelände der Völkerschlacht, war die große Tribüne für das Geschehen der Feier. Weiter rückwärts als herrliche Naturkulissen die Bäume […] und als […] Krönung des ganzen Bildes […] das mit einem leuchtenden Hakenkreuzbanner geschmückte Völkerschlachtdenkmal. An den Pfeilern der Freifläche waren auf meterlangen Flächen Hakenkreuze angebracht. Auf dem zweiten Podest ragte ein in den sächsischen Landesfarben gehaltener […] Rednerturm empor, auf dem das Mikrofon stand. Lautsprecher, die die Reden mit durchdringender Stärke über den weiten Platz trugen, flankierten den Aufgang. Hakenkreuzfahnen wehten von den Masten der Straße des 18. Oktober. Hakenkreuzfahnen grüßten auf von der Spitze der beiden Funktürme. Einzigartig das Bild dieser Bühne für das Massenschauspiel am der der Arbeit! […] […] Kurz nach 17.30 Uhr ist das gesamte […] Gebiet zwischen den Hallen gefüllt. […] Ein riesiges, nicht zu übersehendes Menschenmeer, scheinbar regellos durcheinander, aber […] doch wohl geordnet in Achterreihen. Die Kapellen und die Lautsprecher unterhalten die Wartenden mit Marschmusik. Stundenlang dauert der Aufmarsch. Er kann nicht beendet werden. Der Ansager verkündet, daß der Zug immer noch bis zum Ostplatz reicht. Trotzdem aber muß mit der Kundgebung begonnen werden. Zehntausende können nicht Zeugen der Feuer sein,

weil das Gelände die Massen nicht zu fassen vermag. Vizevorsitzender Rudold Haake spricht „Heil den deutschen Arbeitern und Arbeiterinnen“, so beginnt Stadtverordneter Haake seine große politische Ansprache. Der Redner betont, daß die Nationalsozialisten von Anfang an die Bedeutung des Arbeiters erkannt und gewürdigt hätten, was schon aus dem Namen der Partei hervorgehe. Gerade die Not der deutschen Handarbeiterschaft, die unter den Verhältnissen der letzten Jahre ganz besonders habe leiden müssen, sei von ihr klar erkannt worden. Wie der November 191849 keinen Sieg der Arbeiterschaft gebracht […] habe, so seien auch die marxistisch […] eingestellten Arbeiterorganisationen niemals geeignet gewesen, das deutsche Arbeitertum zu vertreten. Der Begriff „Arbeiter“ dürfe aber nicht zu eng gefaßt werden. Die NSDAP sehen jeden schaffenden Deutschen Menschen als Arbeiter an, was schließlich auch im bürgerlich-liberalen Lager begriffen worden sei. […] Stadtverordneter Haake erinnerte in diesem Zusammenhang an die nationalen Leistungen von Millionen deutscher Werktätiger im Weltkriege und wendete sich mit ehrenden Worten an die zu der Feier erschienenen Kriegsverletzen. Nach jahrelanger falscher Führung gelte es, die deutsche Arbeiterschaft einzugliedern in die Nation. […]

und schweigen. […] Was die Reichswehr vor diesem Vorbeimarsch zeigt, ist Kunst, ist höchste Vollendung militärischer Durchbildung. Vollendeteres kann nicht geleistet werden. Leipzig kann stolz sein auf sein Regiment! Die Ehrenkompagnie rückt in Richtung Völkerschlachtdenkmal ab. […] […] Der Abmarsch der Teilnehmer […] muß vorzeitig begonnen werden, um das Ausstellungsgelände an diesem Abend überhaupt noch räumen zu können. Unmittelbar nach der Fahnenweihe, gegen 19.45 Uhr, setzt sich die Spitze des Zuges […] nach dem Westausgang der Technischen Messe zu in Bewegung. Und während nun Kolonne auf Kolonne folgt, wird die Feier zum nationalen Tag der Arbeit auf dem Tempelhofer Feld50 mit der Ansprache des Reichskanzlers auf dem Ausstellungsgelände durch die Lautsprecher übertragen. Am Ausgang nach dem Völkerschlachtdenkmal zu wird ein Riesenfeuerwerk abgebrannt. Kanonenschläge hallen ohrenbetäubend durch die Nacht, Raketen steigen zum Himmel, glühende Sonnen kreisen am Horizont, feurige Fronten flammen auf. Das überwältigende Finale bringt die Feuerzeichen […] in flammender Schrift den Gruß an den Reichskanzler „Heil Hitler“. Erst nach 22.30 Uhr ist der Abmarsch vom Ausstellungsgelände beendet. Rückmarsch nach der Stadt

Die Weihrede des NSBO-Kreisleiters Peitsch Darauf tritt der Kreisleiter der Nationalsozialistischen Betriebszellen-Organisation, Peitsch an Mikrophon. Er streift kurz die Geschichte und Bedeutung der 1. Mai […]. […] Das Heil der Arbeitnehmer dürfe aber nicht in der Verstaatlichung der Produktionsmittel erblickt werden. […] Es sei deshalb Pflicht aller schaffenden Schichten, sich zum Volk zu bekennen und zu seinem Führer, dem Arbeiter und Sozialisten Adolf Hitler […].

Und noch einmal beginnt ein Aufmarsch, zurück zur Stadt. […] Aus der Kaiserin-Augusta-Straße bog der Zug in die von Tausenden umsäumte AdolfHitler-Straße ein, deren Straßenschilder dem Führer zu Ehren vielfach mit Grünschmuck umkränzt waren. […] Gegen 21 Uhr traf die Spitz am Königsplatz ein. […] Dann löste sich der Zug in den Nebenstraßen auf. […] NLZ

Soldat und Arbeiter […] Pünktlich um 17.50 rückt vom Völkerschlachtdenkmal her eine Ehrenkompagnie unter Führung von Hauptmann Junck mit klingendem Spiel an. Begeisterung durchzuckt die Massen. Militär hat den Deutschen immer begeistert. „Kompagnie halt!“ „Links um!“ - „Gewehr ab!“ - „Rührt euch!“ Die Feldgrauen stehen wie im Stillgestanden fast eine Stunde. Nach der Rede des Stadtverordneten Haake und der Weihe der 60 Betriebsfahnen durch den Leiter der NSBO, Stadtverordneten Peitsch, vollzieht sich ein Akt von großer symbolischer Bedeutung und seltener Schönheit. Die 5. Kompagnie des Infanterie-Regiments 11 präsentiert vor den Fahnen der Arbeiterschaft. Sie formiert sich zum Parademarsch und marschiert, marschiert, daß die Massen von diesem Anblick gebannt stehenbleiben 49 Oktoberrevolution in Russland 1918 mit der Abschaffung des Zarenhauses und Errichtung der Sowjetunion durch die Kommunisten

50 Flugplatz der Reichshauptstadt Berlin


Dossier 04/2013 – Adolf Südknecht – Rückfragen: august.geyler@schillers-erben.de

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Gewaltige Massenkundgebung auf dem Augustusplatz. Die Arbeiter Träger und Gestalter des neuen Deutschlands. Hunderttausende geloben dem Kanzler Treue Auszug: Neue Leipziger Zeitung 12. Mai 1933, S. 3

Z

u einem großen Aufmarsch auf dem Augustplatz hatte am Donnerstag nachmittag die Nationalsozialistische Betriebszellen-Organisation, Kreis Leipzig, die Arbeitnehmer aufgerufen. Hunderttausende Arbeiter und Angestellte aus allen Leipziger privaten und öffentlichen Betrieben vereinte diese Kundgebung, die zahlenmäßig den Aufmarsch auf dem Augustplatz zur Maifeier noch übertraf. Aufmarsch der Hunderttausend Lange Zeit vor Beginn war der gesamte Platz Fahrverkehr bereits eingestellt worden. Sämtliche Straßenbahnlinien hatte man umgeleitet. […] Wie bei allen vorangegangenen Kundgebungen war auch diesmal die Teilnahme der übrigen Bevölkerung wieder sehr stark. […] Der riesige mit Menschen gefüllte Platz glich einem wogenden Meer, in das aber dann vollkommene Ruhe kam, als Beauftragte der NSBO im Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund und im Afa-Bund, Kreisbtriebszellenleiter Hellmut Peitsch, ans

Mikrophon trat. Er sprach schlicht und klar und gebrauchte die Sprache des einfachen Arbeiters. […]: Das deutsche Arbeitertum kämpft seit Jahrzehnten um die Erfüllung seiner sozialen Wünsche und Forderungen. Die Gewerkschaften sollten in diesem Kampfe Wortführer und Bahnbrecher sein. Gläubig haben die deutschen Arbeiter diesen Organisationen ungeheure Opfer an Gut und auch an Blut gebracht. […] Die Macht des Marxismus ist am Ende. Wir werden jetzt die gewerkschaftlichen Organisationen neu formen und sie zu den gewaltigsten Berufsverbänden ausbauen, die es jemals auf der Welt gegeben hat. [...] Es gilt jetzt aufzuräumen mit der Korruptionswirtschaft in den Berufsverbänden, damit die Arbeiter Vertrauen haben können. Die Nationalsozialistische Betriebszellen-Organisationen haben deshalb mit der Umformung der Gewerkschaften keinesfalls ihr Ende erreicht. […] Deutsche Arbeiter! Adolf Hitler hat euch zum Siege geführt. Seid bereit und reiht euch ein in die Front, damit ihr eines Tages sagen könnt: Damals, als das schaffende deutsche Volk geknechtet und ausgebeutet am Boden lag,

Mit erhobenem rechten Arm Auszug: Neue Leipziger Zeitung 31. Mai 1933, S. 4

B

ei vielen Vaterländischen Feiern werden das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied gesungen. Es ist üblich, daß jeder Deutsche beim offiziellen Spielen oder beim Gesang der Nationalhymne sich vom Platze erhebt und den Hut abnimmt. Dasselbe gilt heute auch vom Horst-Wessel-Lied. Anders wurde es bisher beim Gruß gehand-

habt. Das erheben des rechten Armes mit ausgestreckter Hand ist ein Gruß, den sich Nationalsozialisten gegenseitig entbieten. Dabei wird es gewiß auch bleiben. In letzter Zeit ist es aber wiederholt zu unliebsamen Zwischenfällen gekommen, wenn Leute, die Nationalsozialisten waren, beim Horst-Wessel-Lied den Arm nicht erhoben. Das war bisher nicht allgemein üblich, wurde auch

kämpften wir mit für seine Befreiung. Abg. Studentkowski Als zweiter Redner sprach der Abgeordnete im Sächsischen Landtag Werner Studentkowski. Er stellte die Entwicklung der letzten 14 Jahre und den Sinn der nationalen Revolution in einen größeren, allgemeinpolitischen Rahmen. [… und] schloß seine Ansprache mit einem dreifachen Heil auf die nationale Erhebung, auf Adolf Hitler und das neue Deutschland, in das die riesige Versammlung einstimmte. Folgendes an Adolf Hitler gerichtete Telegramm wurde verlesen: „100 000 in Leipzig aufmarschierte Arbeiter der Stirn und Faust geloben dem deutschen Volkskanzler treue Gefolgschaft“ Mit dem Gesang des Deutschlandliedes wurde die Kundgebung geschlossen. In kürzester Zeit hatten die Teilnehmer in völliger Ruhe den Platz geräumt, so daß sich der Verkehr bald wieder einspielen konnte. NLZ

von niemand verlangt. Das Erheben des Armes war ein Bekenntnis zur Nationalsozialistischen Partei. Vor einem süddeutschen Gericht wurde aber kürzlich ein Mann zu zwei Tagen Haft verurteilt, weil er beim Gesang des Horst-Wessel-Liedes den Arm nicht erhoben hatte. Um diesem für viele unsicheren Zustande ein Ende zu bereiten, teilt der NS-Pressedienst, Gau Sachsen, mit, daß von jedem deutschen Volksgenossen erwartet wird, daß er sich künftig diese Sitte zu eigen macht und beim Horst-Wessel-Lied während des ersten und vierten Verses den rechten Arm erhebt. NLZ


Dossier 04/2013 – Adolf Südknecht – THE IMPROVISED HISTROY SHOW

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Begriffsverzeichnis Basierend auf regionalen Tageszeitungen, Literatur und Tonaufnahmen der betreffenden Zeit sind hier in Deutschland übliche und einige besonders in Leipzig gebräuchliche Termini und Redensarten aufgeführt:

Begriff 1930er Jahre

Kurzerklärung

Bedeutung

Titel der Show & umgangsprachli. Straßenbezeichnung

Basiert auf einem ab den 1950er Jahren verbreiten Leipziger Sprichwort, welches die häufige Umbenennung der ursprünglichen Südstraße, welche schon seit jeher die größte südliche Zufahrtsstraße Leipzigs darstellt und früh zur wichtigen, breit ausgebauten Einkaufsund Wohnallee erwuchs, kariekierte. 1933 wurde die Südstraße in Adolf-Hitler-Straße, 1945 von den Amerikanern in Südstraße und 1946 von den Sowjets in Karl-Liebknecht-Straße umbenannt. So ist der Titel der Show zugleich ein Spiegel des wechselvollen Jahrhunderts welches sie abzubilden versucht.

Allasch

Likör

lettischer Kümmellikör, dessen Name im Deutschen auch als Gattungsbegriff für diese Liköre verwendet wird. Ab 1823 wurde der Likör im Gut Allasch (lett: Allažmuiža) der Familie von Blanckenhagen hergestellt. Allasch wurde 1830 auf der Messe in Leipzig vorgestellt. Ortsansässige Destillerien stellten ihn bald selbst her und machten ihn zu einer in der Region populären Spirituose. Im 20. Jahrhundert war das in besonderem Maße die Familie Horns, welche sich auf Spirituosenhandel und -produktion spezialisiert hatte. Wegen seines hohen Zuckergehaltes zählt er zu den Likören, obwohl er einen höheren Alkoholgehalt als die meisten Liköre hat. „Echter Leipziger Allasch“ hat einen Alkoholgehalt von 38 % vol. Er wird vor allem stark gekühlt als Digestif getrunken. Bei ADOLF SÜDKNECHT (analog zur Familie Horns) wird behauptet, der Allasch werde im Keller des Hauses "schwarz" gebrannt.

Altes Theater

Leipziger Theaterhaus

Im Krieg zerstörtes Theaterhaus am Richard-Wagner-Platz auf der heutigen Freifläche vor der „Blechbüchse“ → siehe Kapitel „Musik & Theater“ ab S. 5

Braunhemd

uniformiertes SA-Mitglied

Deutscher Gruß

Hitlergruß

Deutsches Reich

Weimarer Republik

ADAV Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein

Adolf Südknecht

Einheitsfrontlied51

-

→ siehe „Hitlergruß“ - S. 54

Das Lied entstand Ende 1934 auf Bitte von Erwin Piscator für die Erste Internationale Musikolympiade. Es thematisierte Brechts Überzeugung, dass nur eine Einheitsfront aus Kommunisten und Sozialdemokraten gegen die NSDAP eine Chance habe. → Vgl. Einheitsfront. Gedruckt erschien es erstmals 1937 während des Spanischen Bürgerkrieges in Madrid, herausgegeben von Ernst Busch

51 Im Auftritt vom 26. Feb 13 (Folge 10) demonstrierten Anton und ein KPD-Genosse gemeinsam mit dem gesamten Publikum vor dem Volkshaus in der Südstraße. Anton behauptete, einen Text von B. Brecht bekommen zu haben, für den es noch keine Vertonung gäbe. So improvisierten sie gemeinsam mit den Massen (Publikum) das Einheitsfrontlied begleitet von einem Mann namens Ernst Thälmann am Schlagzeug.


Dossier 04/2013 – Adolf Südknecht – Rückfragen: august.geyler@schillers-erben.de Begriff 1930er Jahre

Einheitsfront oder Arbeitereinheitsfront

Einheitsfrontregierung

Eiserne Front

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Kurzerklärung

Bedeutung

Politische Strategie gegen die Nationalsozialisten

Kampfbegriff der Linken Kräfte, der die unbedingte Notwendigkeit der Einigung aller Linken Kräfte (besonders KPD und SPD) forderte, weil dies die einzige Chance sei, die voranschreitende Machtübernahme der Nationalsozialisten auszuhalten. Die Opposition war jedoch viel zu tief gespalten, sodass es zu dieser Vereinigung bis zum Kriegsende nie kam. Bis zur „ultralinken Wendung“ nach dem VI. Komintern-Weltkongress von 1928 war die Einheitsfrontlinie die vorherrschende strategische Doktrin der Kommunisten. Anschließend vertieften sich die Grabenkämpfe zunehmend. Die Unterstützung der SPD für das Demokratische System, für die Weimarer Republik, gefiel den KPD Anhängern nicht. Die KPD war überzeugt, das vorherrschende System durch einen Putsch (Analog zur Oktoberrevolution in Russland) überwinden zu müssen. Erst ab 1931/32 unter der wachsenden Bedrohung durch die Faschisten gewann die Idee der Einheitsfron wieder an Unterstützern innerhalb der Linken. → Vgl. Einheitsfrontlied

-

Koalitionsregierung von Kommunisten und linken Sozialdemokraten (intern als „höchste Form der Einheitsfront“ bezeichnet). Dafür bedürfe eines zugespitzten Klassenkampfes und einer allgemeinen Radikalisierung des Proletariats, bei der sich die Machtfrage unmittelbar stellt. In Deutschland gab es eine solche Einheitsfrontregierung während der vorrevolutionären Situation im Herbst 1923 in Sachsen und Thüringen. Bis zur Machtergreifung Hitlers gelang es weder KPD noch SPD ausreichend Stimmen zu gewinnen um auch nur annähernd die Chance für eine derartige Regierung im Reichstag zu erhalten.

Die Eiserne Front war ein Zusammenschluss des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, des Allg. Dt. Gewerkschaftsbundes (ADGB), des Allg. freien Angestelltenbundes (Afa-Bund), der SPD und des Arbeiter Turn- und Sportbundes (ATSB) im Widerstand gegen den NationalsoZusammenschluss der zialismus. Sie wurde am 16. Dez 31 auf Initiative des Reichsbanners SPD-nahen Kräfte gegründet, um dem Zusammenschluss der Rechtsextremisten in der gegen NSDAP und KPD Harzburger Front ein Gegengewicht gegenüber stellen zu können. Zu ihren politischen Gegnern gehörte auch die KPD. Der KPD-Vorsitzende Ernst Thälmann charakterisierte die Eiserne Front als „Terrororganisation des Sozialfaschismus“. Am 2. Mai 33 hörte sie im Zuge der Beschlagnahmung des SPD-Vermögens auf zu existieren.

Feldgrauen, die Plural

umgangssprachlich: Soldaten

Filmtheater

Kino

Flugzettel

Flyer

Führer, der

Titel des Reichskanzlers Adolf Hitler

Feldgrau war die Farbbezeichnung der Uniformen der dt. Armee vom frühen 20. Jh. bis 1945. Dieser Farbton wurde für die 1907 eingeführte neue deutsche Felduniform gewählt, in der 1914 die deutschen Truppen dann auch in den Ersten Weltkrieg zogen. Umgangssprachlich steht Feldgrau auch heute noch für die Farbe dt. Uniformen schlechthin, insbesondere für die Zeit der beiden Weltkriege. Der Begriff „Kino“ war unbekannt

Führererlass

Ein Führererlass oder eine Führerverordnung war eine Anordnung von Adolf Hitler, die für alle Behörden und alle deutschen Staatsangehörigen auf dem Gebiet des Deutschen Reiches Gesetzeskraft hatte. Dieser konnte geltendes Recht verändern oder neues Recht setzen. Anordnung von Adolf Diese Möglichkeit ging auf das Recht des Reichspräsidenten der WeiHitler mit Gesetzeskraft marer Republik zurück, durch Erlass die Organisation der Reichsregierung und die der obersten Reichsbehörden zu verändern. Infolge der Vereinigung beider Staatsämter 1934 gingen dessen Befugnisse auf Hitler als neues Staatsoberhaupt über.

Gau

Die Bezirke der NSDAP im Deutschen Reich 1925–1945 waren in Gaue gegliedert, geführt von einem Gauleiter, siehe Struktur der Parteibezirk der NSDAP NSDAP. Die dem Deutschen Reich zwischen 1938 und 1939 eingegliederten Gebiete Österreichs, des Sudetenlandes und Westpolens wurden als Reichsgaue verwaltet.

Gestapo Geheime Staatspolizei

Politische Polizei 1933 - 1945

Die geheime Staatspolzei war eine kriminalpoizeiliche Behörde, ausschließlich als Poltische Polzei im Auftrag der Nationalsozialistischen Regierung fungierte. Sie entstand 1933 nach Umformung der politischen Polizeiorgane der Weimarer Republik. 1939 wurde die Gestapo in das Reichssicherheitshauptamt (Amt IV) eingegliedert. Als Instrument des NS-Staates besaß sie weitreichende Machtbefugnisse bei der Bekämpfung politischer Gegner. In den Nürnberger Prozessen wurde sie zu einer verbrecherischen Organisation erklärt.


Dossier 04/2013 – Adolf Südknecht – THE IMPROVISED HISTROY SHOW

Seite 54 Begriff 1930er Jahre

Kurzerklärung

Bedeutung

Gleichschaltung

Ausrichtung aller deutschen Organisationen, Behörden, Vereine und Unternehmen nach der Ideologie der NSDAP

Mit dem sog. 1. Gleichschaltungsgesetz vom 31. Mrz 33, nach dem die Landtage und Gemeindeverwaltungen entsprechend dem Ergebnis der Reichstagswahl vom 5. Mrz 33 umgeformt werden, erhält der Begriff Einzug in den Sprachgebrauch der Propaganda, des Rundfunks und avanciert kurze Zeit später zum allgemeinen Sprachgebrauch im Alltag.

Groß-Berlin

Gesamtgebiet Berlin

Ist eine Bezeichnung für das 1920 entstandene Stadtgebiet von Berlin, wie es bis heute mit nur wenigen Änderungen besteht.

Großdeutscher Rundfunk

Harzburger Front

Propaganda-Titel der Dachorganisation der Dt. → siehe RRG Reichs-Rundfunk-Gesellschaft Rundfunksender ab 1939

kurzzeitiges Rechts-Bündnis 1931-1932

Das Bündnis zwischen NSDAP, DNVP, Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, Reichslandbund und dem Alldeutschen Verband trat nur bei einer Tagung in Erscheinung, die 1931 in Bad Harzburg stattfand. Nachdem erste Spannungen bereits in Harzburg selbst spürbar geworden waren, bekämpften sich die beteiligten Gruppierungen kurze Zeit später wieder und traten bei der Reichspräsidentenwahl im März 1932 mit verschiedenen Kandidaten an.

Hitlergruß / Heil Hitler!

War zur Zeit des Nationalsozialismus die verpflichtende Grußform. Sie war im nationalsozialistischen Sprachgebrauch auch als „Deutscher Gruß“ bezeichnet. Er war Ausdruck des nationalsozialistischen Personenkults um Adolf Hitler. Es handelte sich zunächst um den Deutscher Gruß: Gruß der NSDAP-Mitglieder, der nach der Machtübernahme 1933 verpflichtend von 1933 – zum offiziellen Gruß aller „Volksgenossen“ wurde. 1945 Beim Hitlergruß wurde der rechte Arm mit flacher Hand auf Augenhöhe schräg nach oben gestreckt. Dazu wurden meist die Worte „Heil Hitler“ oder „Sieg Heil“ gesprochen. Wenn der Gruß Adolf Hitler persönlich entboten wurde, lautete die Grußformel „Heil mein Führer“ in Anlehnung an die Anrede „Mein Führer“.

Hitlerjugend HJ

Die NSDAP-Organisation wurde ab 1933 zum staatli. und einzigen Jugendverband mit bis zu 8,7 Mio. Mitgliedern (98 % aller dt. Jugendli.) ausgebaut. Sie sollte den "gesamten Lebensbereich des jungen Deutschen erfassen“ und formen. Dies galt seit Gründung des Bundes Deutscher Mädel (BDM) 1930 für beide Geschlechter. Die seit März 1939 gesetzl. geregelte „Jugenddienstpflicht“ betraf alle Jugend- und Jugendli. zw. 10 und 18 Jahren und war an zwei Tagen pro Woche Nachwuchsorganisation abzuleisten. Im Mittelpunkt der nach dem „Führerprinzip“ geordneten der NSDAP Org. stand die körperliche und ideologische Schulung; sie umfasste rassistische und sozialdarwinistische Indoktrination und gemeinsame Märsche und körperliche Übungen im Freien. Diese sollten schon die zehnjährigen Jungs abhärten und langfr. auf den Kriegsdienst vorbereiten. Das Einüben von Befehl und Gehorsam, Kameradschaft, Disziplin und Selbstaufopferung für die „Volksgemeinschaft“ gehörten zu den vorrangigen Erziehungszielen.

Horst Wessel

Horst Ludwig Wessel war SA-Sturmführer in Berlin beim Sturm 5, einer besonders brutalen Einheit in Berlin-Friedrichshain. Er schrieb den Text zum Horst-Wessel-Lied und wurde am 14. Januar 1930 von Albrecht Höhler, einem aktiven Mitglied der KPD, und weiteren Mitgl. einer Ersatzorg. des damals verbotenen Roten Frontkämpferbunds in seiner Wohnung aufgesucht. Albrecht Höhler tötete Horst Wessel beim Öffnen der Tür unverzüglich mittels eines Kopfschusses.

Horst-Wessel-Lied

Politisches Lied, das seit 1929 zunächst ein Kampflied der SA war und etwas später zur Parteihymne der NSDAP avancierte. Es ist nach dem SA-Mann Horst Wessel benannt, der den Text zu einem nicht genau geklärten Zeitpunkt zwischen 1927 und 1929 auf eine vermutlich aus dem 19. Jahrhundert stammende Melodie verfasste. Nach der Machtübernahme Adolf Hitlers 1933 fungierte das Lied nach dem Vorbild der Giovinezza im faschistischen Italien de facto als zweite deutsche Nationalhymne. Der Alliierte Kontrollrat verbot 1945 nach der Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg das Lied. Dieses Verbot ist aufgrund § 86a StGB in Deutschland bis heute in Kraft.

Kampfstaffel, bewaffnete

paramilitärische Einheit

Bezeichnung für Untergruppen der Sozialdemokraten, die sich in Leipzig mit Schusswaffen Kämpfe mit den Gruppen der NSDAP (meist SA) lieferten.


Dossier 04/2013 – Adolf Südknecht – Rückfragen: august.geyler@schillers-erben.de Begriff 1930er Jahre Leipziger Volkszeitung LVZ Lichtspielhaus / Lichtspieltheater

Kurzerklärung

Seite 55

Bedeutung

Das Blatt nahm eine wichtige Stellung in der deutschen ArbeiterbeweLokale Leipziger Zeitung gung ein und erschien 1922 bis zum Verbot 1933 als SPD-Organ. von überregionaler Bereits 1914 war die LVZ mit einer Auflage von 53.000 das wichtigste Bedeutung deutsche Sprachrohr des linken SPD-Flügels um Rosa Luxemburg. Stärkste Konkurrenz war die Neue Leipziger Zeitung. Kino

Der Begriff „Kino“ war unbekannt. Das Stammwort Kinematographie war nur in der Fachwelt üblich.

MIRAG Mitteldeutsche Rundfunk AG

Einer von 9 deutschen Regionalen Rundfunksendeanstalten

Gründung am 22. Januar 1924 als „Mitteldeutsche Rundfunk AG Gesellschaft für drahtlose Unterhaltung und Belehrung Leipzig“. Der Sendebetrieb wurde am 2. März 1924 in der Alten Waage am Markt in Leipzig aufgenommen. Am 16. August 1928 bezog die MIRAG zu ihrem erweiterten Sendebetrieb zwei Etagen in Barthels Hof an der Nordwestecke des Marktes. Am 28. Februar 1933 wurde die Rundfunkanstalt in eine GmbH umgewandelt. Ab 1. April 1934 unterstand die MIRAG der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft (RRG) und erhielt den Namen „Reichssender Leipzig“. Ab 1941 wurden kriegsbedingt kaum noch eigene Beiträge produziert und stattdessen das zentrale „Reichsprogramm“ übernommen. Im März 1945 wurde der Betrieb eingestellt u. später als „Mitteldeutscher Rundfunk“ reaktiviert.

mundeifrig (Adj.)

redegewandt

Häufig in der Neuen Leipziger Zeitung zur Beschreibung eloquenter Leipziger verwendet.

Internationale Produktschau

Die Mustermesse wurde im Jahre 1895 in Leipzig erfunden, um den aufwendigen Warenhandel am Messeplatz durch Musterschauen zu ersetzen. Die gezeigten Muster wurden von den Kaufleuten – wie heute üblich – bestellt und geliefert. Infolge der Umstellung der Warenmesse zur weltweit ersten Mustermesse stieg Leipzig bis zum Zweiten Weltkrieg zum Welthandelsplatz und zur reichen Bürgerstadt auf. Es gab jedes Jahr eine Frühjahrs- und eine Herbstmesse. In Spitzenjahren kamen über 400.000 Besucher aus aller Welt. Alle heutigen Messen auf der Welt basieren auf dieser Erfindung. Allerdings gibt es 2013 nur noch bei der Basler Mustermesse (Schweiz), die in Leipzig erfundene Form eine Voll-Messe, d.h. einer Messe, die alle Arten von Konsum- und Industriegütern ausstellt. Ansonsten existieren heute nur noch Fachmessen, die sich auf ein spezielles Produktgebiet beziehen (z.B. Buchmesse, Automesse).

Mustermesse MM

Neue Leipziger Zeitung NLZ

Hervorgegangen aus dem Leipziger Tagblatt existierte diese Zeitung Lokale Leipziger Zeitung von 1921 bis 1940. Für sie schrieben spätere Berühmtheiten wie Erich Kästner als Kolumnisten.

Neue Sachlichkeit

Literatur-Epoche (1919 – 1933 )

Die Autoren der neuen Sachlichkeit legten Wert auf eine objektive Darstellung der sozialen und ökonomischen Wirklichkeit. Die Weltwirtschaftskrise und der Untergang der Republik im Zweitraum von 1929 bis 1933 markieren die dritte und letzte Pahse dieser Epoche.

Neues Theater

Leipziger Theaterhaus

Im Krieg zerstörtes Konzert- und Theaterhaus an der Stelle des heutigen Opernhauses. → siehe Kapitel „Musik & Theater“ ab S. 5

betriebsbezogene Organisation der NSDAP

Ab 1927 schlossen sich in Großbetrieben NSDAP-Mitglieder zu Betriebsgruppen zusammen, nach dem Vorbild der Revolutionären Gewerkschafts-Opposition der KPD. Die NSBO bildete sich 1928 aus diesen Gruppen und wurde 1931 zur Reichsbetriebszellenabteilung der NSDAP erklärt. Die offensive Mitgliederwerbung auch unter Anwendung von Gewalt fand statt unter dem Schlagwort „Hinein in die Betriebe“. Die NSBO-Verbände erreichten aufgrund ihrer vergleichsw. niedrigen Mitgliedszahlen nirgendwo die Tariffähigkeit. Am 2. Mai 1933, wurde sie zum ausführenden Organ bei der „Besetzung der Gewerkschaftshäuser“. Dazu wurde ein Aktionskomitee gebildet, in dem die NSBO durch Reinhold Muchow vertreten wurden und das geleitet wurde von Robert Ley, Stabsleiter der Polit. Org. der NSDAP. Wenige Tage nach dem Verbot der Gewerksch. in Dtl. am 2. Mai 1933 wurde die Deutsche Arbeitsfront (DAF) gegründet. Die Hoffnung ihrer Mitglieder, die NSBO würde nun zum „Kern einer parteigebundenen Einheitsgewerkschaft“ werden, erfüllten sich nicht: Ihre Funktion beschränkte sich künftig auf weltanschauliche Schulungen in den Betrieben. Mit der Ermordung Gregor Strassers und weiterer Mitglieder 1934 wurde der Einfluss der NSBO weiter reduziert. 1935 wurden die NSBO zu Gunsten der DAF aufgelöst.

NSBO Nationalsozialistische Betriebszellen-Organisation


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Seite 56 Begriff 1930er Jahre

Kurzerklärung

Bedeutung

Partei

Die NSDAP in Sachsen gründete am 11. Oktober 1921 in Zwickau ihre erste Ortsgruppe, 1922 entstand die Ortsgruppe Leipzig. Nach Akquirierung neuer Wählerschichten infolge der in Sachsen besonders stark ausgeprägten politischen Polarisierung stieg die NSDAP mit der Landtagswahl 1930 zur Massenpartei auf. 1945 wurde die NSDAP von den Alliierten Mächten in Dtl. verboten.

Opel-Haus

Erstes Leipziger Autohaus

Am 9.11.1931 eröffnetes, erstes Leipziger Autohaus. Dr. Fritz Opel persönlich hatte dieses Haus am Johannisplatz eröffnet und bot erstmalig jeden Service rund um das Automobil inklusive Verkauf und einem Dach.

Polizei, politische

Sondereinheit der Kriminalpolizei im Dt. Reich

Wurde zur Bekämpfung und Aufklärung der ab 1930 üblichen politischen Straßenschlachten eingesetzt. Ab 1933 wurde sie von der NSDAP zur Beseitigung der politischen Gegner eingesetzt und zur Geheimen Staatspolizei umgeformt → siehe Gestapo

Reichsanwalt / Oberreichsanwalt

Staatsanwalt

NSDAP Natianalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei

Reichsbanner (Kurzform) „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund

Wehrverband der SPD

von Sozialdemokraten gegründeter u. dominierter paramilitärischer Verband zur Verteidigung der demokratischen Staatsordnung

deutscher Kriegsteilnehmer und Republikaner“

Reklame (Subs.)

Rotfrontkämpferbund (RFB)

RRG Reichs-Rundfunk-Gesellschaft

SA Sturmabteilung

Salzheisies, die Plural

Schutzhaft

Sieg heil!

Werbung

Wehrverband der KPD

Filmwerbung, Plakatwerbung u.ä. Wurde als Reklame bezeichnet. Seit dem 3. Mai 1929 verbotene und zunehmend nur noch im „Untergrund“ agierende paramilitärische Einheit der KPD. Sie stand theoretisch als auch aus Sicht ihrer eigenen Mitglieder unter widersprüchlichen Zielsetzungen. Einerseits sollte der Bund auf friedliche und zivilisierte Weise für die linke Sache werben und durch Publikationen und Propaganda wirksam gegen die Faschisten agitieren, andererseits sollte die Vorherrschaft auf der Straße gewonnen werden – letzteres besonders im Straßenkampf mit der SA und anderen Gruppen.

Unter dieser staatlichen Institution wurden 1925 alle neun zuvor privat betriebenen regionalen Radiosender (darunter die → MIRAG) verstaatlicht und zentralisiert. Was bis 1932 lediglich eine organisierte Dachorganisation der Zusammenarbeit war, in der die einzelnen Programme autark waren, regionalen wurde 1933 im Zuge der „Gleichschaltung“ zum weitgehend gleichen Rundfunkgesellschaften Gemeinschaftsprogramm. Auf Veranlassung von Joseph Goebbels in Deutschland wurde zum 1. Januar 1939 für den Reichsrundfunk die Bezeichnung Großdeutscher Rundfunk eingeführt, für das Ausland wurden Programme unter dem Namen Germany Calling produziert. Wehrverband der NSDAP

paramilitärische Kampforganisation der NSDAP, die vor der Machtergreifung als Ordnertruppe eine entscheidende Rolle beim Aufstieg der Partei spielte, indem sie deren Versammlungen vor Gruppen politischer Gegner mit Gewalt abschirmte bzw. gegnerische Veranstaltungen massiv behinderte.

Salzstangen

Bezeichnung wurde in Folge 10 erfunden und hat kein reales Vorbild. Es wurde in der Improvisation behauptet, dass dieses „neue lineare Salzgebäck“ (Anton) in Mode gekommen sei, weil es durch das Salz besonders lange haltbar sei. „Heisies“ bezieht sich auf den in Leipziger arbeitenden Physiker Werner Heisenberg, auf dessen Forschung die Form des Gebäcks beruhe.

Unter dem Euphemismus Schutzhaft wurden in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland Regimegegner und andere missliebige Personen willkürlich inhaftiert und in Konzentrationslager verschleppt. Verschleiernde Ermöglicht wurde Sie durch das Reichstagsbrandgesetz. Ab März 33 Sprachregelung des wurde diesem Instrument, das in den Händen von SA, Gestapo und NS-Regimes für die SS lag, massenhaft Gebrauch gemacht. Es diente nicht irgendwelrechtlose und chen Schutzzwecken, schon gar nicht, wie oft behauptet wurde, dem willkürliche Inhaftierung Schutz der Betroffenen vor dem „Volkszorn”, sondern der Verfolgung politischer Feinde politisch und anderweitig missliebig gewordener Personen. Mit Einführung der „Schutzhaft“ kam ein Prozess der völligen Ausschaltung der Gerichte in Gang. Deutscher Gruß

→ siehe Hitlergruß


Dossier 04/2013 – Adolf Südknecht – Rückfragen: august.geyler@schillers-erben.de Begriff 1930er Jahre

Kurzerklärung

Seite 57

Bedeutung

Sozialfaschismusthese

Die Sozialfaschismusthese die 1925 erstmals formuliert wurde und von den der den kommunistischen Parteien (v.a. KPD) zwischen 1928 Haltung der und 1934 vertreten wurde, zementierte die Spaltung und Lähmung der kommunistischen Kräfte Arbeiterbewegung, welche indirekt mit zum Sieg des Nationalsozialisgegen die SPD mus beitrug. Die Sozialdemokratie war laut KPD eine bloße Variante (1928-1934) des Faschismus und jegliche Einheitsfront der kommunistischen Parteien mit den sozialdemokratischen daher unzulässig. Die SPD wurde als "sozialfaschistisch" geschmäht.

Stahlhelm Bund der Frontsoldaten

1918 gegründeter. bewaffneter Arm der Deutschnationalen VolksparWehrverband der DNVP tei (DNVP). So stellte der Stahlhelm bei Parteiversammlungen vielfach den (bewaffneten) „Saalschutz“.

Sturmführer

Dienstgrad innerhalb der Sturmabteilung (SA) der NSDAP. Sturmführer entsprach dem Rang des Leutnants bei der Reichswehr. Er stand 9 Ränge über dem einfachen SA-Mann, 4 Ränge unter dem OberstDienstgrad innerhalb der sturmbannführer (entspr. Major) und und 10 Ränge unter dem SA höchsten Anführer, dem „Chef des Stabes der SA“ (entspr. Generaloberst). → Vgl. SA Ein SA-Sturm bez. eine Kampfeinheit in der SA. Sie bestand aus 3-4 Trupps, ein Tupp bestand aus 8 bis 16 SA-Männern.

Totschläger

Schlagwaffe

Ein Totschläger ist ein mit einem Gewicht, z.B. einer Eisenkugel, befüllter Beutel aus Stoff, z.B. ein Strumpf. Die Rechtsprechung def. Totschläger als „biegsame, an einem Ende beschwerte Schlaggeräte, die die menschliche Hiebenergie durch Schleuderbewegung zu einer erhebli., zielbaren Bewegungs- und Auftreffenergie potenzieren“. Schläge auf den Schädel können durch den Peitscheneffekt schwerste Verletzungen bis hin zu einem Aufplatzen des Schädels verursachen.

Überfallwagen (Subs.)

Einsatzwagen

Polizeitransporter zum schnellen Transport von Polizisten bei Straßenschlachten

Völkerschlachtdenkmal

Leipziger Denkmal

Das Völkerschlachtdenkmal im Südosten Leipzigs wurde in Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig (1813) errichtet und 1913 eingeweiht. Es steht an einem Brennpunkt des damaligen Kampfgeschehens. Mit 91 Metern Höhe zählt es zu den größten Denkmälern Europas und ist eines der bekanntesten Wahrzeichen Leipzigs. Es bildet eine weithin sichtbare Landmarke mit markanter Silhouette. Vom Fuß des Sockels bis zur Aussichtsplattform auf der Spitze sind es 500 Stufen, die größtenteils in engen Wendeln nach oben gehen. Vom Kaiserreich errichtet, sollte es den dt. Mut zum Kampf und die heroischen Leistungen des Kriegers verherrlichen. Die Planer aber formten hochgradig traurige und verstörende Figuren im Inneren und martialische, gegen die hässliche Fratze des Krieges gerichtete, Reliefs auf der Außenfront. Diese Widersprüchlichkeit machte das Denkmal zum melancholischen Anlaufpunkt für Pazifisten aber auch zur Kulisse von Kriegstreibern u. Nationalisten. So diente es den Nationalsozialisten als Bühne für Aufmärsche. Adolf Hitler das Gelände zum Sachsentreffen im Juli 1933. Die Nationale Volksarmee der DDR hielt dort ihre Vereidigungzeremonien ab. Seit 1990 versuchen Neonazis es erneut zum Schaupl. ihrer Demonstrationen zu machen.

Volksempfänger

Erster in Großserie gefertigter Radiioempfänger von 1933 bis 1939

Der Volksempfänger war ein Radioapparat, der von Otto Griessing bei der Firma Dr. G. Seibt im Auftrag von Joseph Goebbels entwickelt wurde. Erstmals vorgestellt wurde das Gerät mit dem Modell VE301 im August 1933 auf der 10. Großen Deutschen Funkausstellung in Berlin Später im Volksmund auch: „Goebelsschnauze“

Volksgemeinschaft

NS-Sprachgebrauch

→ siehe Volksgenosse S.58


Dossier 04/2013 – Adolf Südknecht – THE IMPROVISED HISTROY SHOW

Seite 58 Begriff 1930er Jahre

Volksgenosse

Volkshaus

Weltkrieg

Wichs

Wohl-Wert

Kurzerklärung

Bedeutung

Viel gebrauchtes Schlagwort im Dritten Reich zur ideologischen Abgrenzung gegen „Undeutsche“

Das Wort Volksgenosse (kurz Vg., Vgn.) ist seit 1798 nachweisbar und wurde ursprünglich überhöht für „Landsmann“ gebraucht. Im Wahlprogramm der NSDAP von 1920 war festgelegt: „Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist. Volksgenosse kann nur sein, wer deutschen Blutes ist, ohne Rücksichtnahme auf die Konfession. Kein Jude kann daher Volksgenosse sein.“ Adolf Hitler prägte in seiner 1924 entstandenen Schrift "Mein Kampf" die Begriffe der „Volks- und Rassegenossen“, sowie des „rassen- und nationalbewußten Volksgenossen“ als Gegenbegriff zu der Anrede „Genossin, Genosse“ in den sozialistischen Organisationen. Nach 1933 wurde Volksgenosse zum viel gebrauchten Schlagwort im Dritten Reich, mit dem Reden und Kundgebungen eingeleitet wurden. Im nationalsozialistischen Sprachgebrauch verschmolzen die drei oben genannten Akzentuierungen. Dabei stand der rassische Aspekt im Vordergrund: der Begriff schloss „nicht-deutschblütige“ Bürger von vorneherein aus. Auch Bevölkerungsgruppen, die als „Asoziale“ oder „Behinderte“ definiert wurden, galten nicht als Volksgenossen. An den Gemeinsinn der Volksgenossen wurde zum Beispiel bei Sammlungen zum Winterhilfswerk appelliert.

Das in der Südstraße (später Adolf-Hitler-Str, heute Karl-Liebknecht-Str.) gelegene Haus beherbergt den Deutschen Gewerkschaftsbund. Gewerkschaftshaus des Es wurde in seiner Geschichte zwei Mal von Nationalsozialisten geDGB in Leipzig plündert. 1920 zündeten es die Nazis anschließend an. Es brannte vollkommen aus. 1933 wurde es von der SA erneut geplündert. Im Hof fand Leipzigs erste große Bücherverbrennung statt. Bezeichnung des 1. Welkrieges

Der sog. erste Weltkrieg wurde bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges nicht als „1. Weltkrieg“ sondern nur als „Weltkrieg“ bezeichnet, da es bis dato keinen zweiten ähnlich verheerenden Krieg gegeben hatte.

festliche, glänzende Bekleidung

Das Wort „Wichs“ entstand im 18. Jahrhundert als Rückbildung aus wichsen (polieren, blank putzen) mit der allgemeinen Bedeutung „Festbekleidung“. Wichs ist die offizielle Bez. für die traditionelle festliche Bekleidung, welche von den Chargierten oder ggf. auch anderen Mitgliedern studentischer Korporationen getragen wird.

"Wohl-Wert", oder auch "Wohlwert", war ein Kaufhaus der Firma "Wohl-Wert Handelsgesellschaft m.b.H.". Es befand sich in der Nonnenmühlgasse 12 gegenüber des Haupteingangs des Neuen Rathauses auf der andern Seite des Innenstadtrings (heutige Brachfläche). Es war wie viele andere Kaufhäuser und Tuchwarengeschäfte in Mitteldeutschland an die Leipziger Großhandelsgesellschaft "Grohag" angegliedert. Darüber hinaus gab es angeschlossene Kaufhäuser bis nach Bamberg und Berlin. Alle Modernes Kaufhaus mit nannten sich "Wohl-Wert" oder "Wohlwert". niedrigen Revolutionär an den Wohlwert-Kaufhäusern war das neu erfundene „Einheitspreisen“ „Einheitspreisgeschäft“ unter der Prämisse, die Kunden günstig mit Lebensmitteln und Artikeln des täglichen Bedarfs zu versorgen. So war der Vorläufer der heutigen Kaufhausketten entstanden. Schon in den frühen 30er Jahren versuchte die Konkurrenz dieses Konzept zu kopieren. Wohlwert konnte das auch durch zahlreiche Patent-Klagen nicht verhindern. Dennoch galt Wohlwert als hoch provitabel und blieb lange sehr erfolgreich. Nachdem der Woolworth-Konzern (irgendwann nach 1935 - Recherche lückenhaft) gegen den Namen Klage führte, mussten sich alle Geschäfte der Kette umbenennen.

Erstellt am 03.04.13 um 18:32:02 von August Geyler für alle Mitwirkenden der Impro-Show ADOLF SÜDKNECHT Nicht zur Veröffentlichung vorgesehen. – Urheberrechtlich geschützte Inhalte Dritter enthalten! Irrtümer vorbehalten.

Dossier ADOLF SÜDKNECHT 130416 Folge 12 Anno 1933  

Dossier zur Vorbereitung auf die dokumentarisch-fiktive Improvisationstheater-Reihe ADOLF SÜDKNECHT – THE IMPROVISED ALTERNATE-HISTORY-SHOW!...

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