S'zäddala 4

Scroll for more

Page 1

S‘ZÄDDALA

DIE FESTIVAL ZEITUNG Ein Perfromativer Audioride im wunderland hinter den spiegeln, Ich will meine Utopie zurück, backstage - quickie mit die larries, Final Night Party

Issue No.

04 18

Ein performativer Audioride im Wunderland hinter den Spiegeln „#2: Ein philosophischer Diskurs über die Macht unserer Blicke“? Das klingt nach ein paar Menschen, die sich mit Kopfhörern auf den Ohren und Sektgläsern in den Händen gegenüberstehen und aufregenden, philosophischen Ergüssen lauschen, während sie sich schüchtern mustern. Für mich zumindest in meiner Vorstellung. Zuerst verläuft noch alles so, wie ich es einigermaßen erwartet habe. Jeder nimmt sich andersfarbige Kopfhörer, drückt im exakt selben Moment auf Play und betritt einen mit dunklen Tüchern abgetrennten Bereich, wo bereits ein junger Mann auf unsere kleine Truppe wartet. Eine angenehme Stimme begrüßt mich mit den Worten „Hallo, du wirst heute objektiviert“, was mich erst einmal stutzig macht. Sie spricht weiter - von Blicken, ihrer Wirkung und Menschen, wie sie wahrnehmen und wahrgenommen werden. Ein sehr interessanter dialogischer Monolog beginnt, über den ich mich mit der Stimme liebend gerne ausgetauscht hätte. Leider verliert sich der Inhalt aber durch seine akustische Flüchtigkeit in dem Strudel aus Eindrücken, als die scheinbar unbeteiligte sechste Person die Hand nach mir ausstreckt, mich in einen Gang führt und die Tür hinter mir schließt. Nur Alice würde wohl verstehen, wie es sich angefühlt hat, dieses skurrile Wunderland aus einem Spiegel und Silberfolie zu betreten. Ich schreite langsam auf mich selbst in Form dieses Spiegels zu und drücke dagegen. Er springt zur Seite und ich stehe plötzlich in einem stockfinsteren Raum, in dem ich nur eine Handvoll Silhouetten ausmachen kann, deren Gesichter mir zugewandt sind. Eine steht auf und bietet mir gestisch ihren

Platz an. Seit ich den Flur betreten habe, dringt aus den Kopfhörern nur noch aufregende Musik. Ich setze mich und blicke auf die Spiegeltür, aus der ich gerade gekommen bin. Sie ist durchsichtig! Mir wird schlagartig bewusst, dass alle meinen verwunderten Blick wahrnehmen und mich dabei beobachten konnten, in einem Moment, in dem ich mich ganz alleine und unbeobachtet gefühlt habe. Neugierig erwarte ich die anderen nacheinander am Ende des Ganges und ihre ungläubigen Gesichter. Als alle Platz genommen haben, wird der geräumige Saal erhellt. Auch der Flur entpuppt sich als fünf zusammengestellte Kabinen auf Rollen, die auseinander geschoben werden. Zu passender Musik drehen sich die Künstler*Innen mit jeweils einer Kabine im Kreis und bitten uns nach und nach, auf Stühlen in ihnen Platz zu nehmen. Wie früher auf dem Jahrmarkt werden wir Autoscooter-gleich durch den Raum gewirbelt. Immer wieder kreuzen sich unsere Blicke und wir zwinkern uns vergnügt zu. Das Lied wechselt und die Künstler*Innen schieben mich mit einer anderen Person in ihrer Kabine zusammen. Es folgen viele intensive Blicke, ausgetauscht mit einem Fremden auf engem Raum, die durch den schnellen Wechsel von Songs mal mehr, mal weniger ernst, lustig, sanft

oder vertraulich erscheinen. Angenehme und unangenehme Gefühle purzeln alle auf einmal auf uns ein. Ich spüre meine eigene Unsicherheit und die, die sich beim Gegenüber zaghaft äußert. Es ist eine andere Art des Kennenlernens, eine, die sich im Alltag unbemerkt nebenbei ergibt und der man zu wenig Beachtung schenkt, wie uns allen klar wird. Obwohl sich dieses Kennenlernen nur über die Augen abspielt, ist es keineswegs oberflächlich. Ganz im Gegenteil – man bekommt den Eindruck, in den Anderen für wenige Minuten hineinblicken zu dürfen, um sich dort wiedergespiegelt zu finden, bis sich das Karussell weiterdreht und man einem neuen, interessanten Menschen gegenübersitzt mit neuen, irgendwie geheimen, aber doch so offensichtlichen Botschaften in den Augen. Zum Schluss treffen sich die Blicke aller und in einem sehr persönlichen Moment danken uns die Künstler*Innen dafür. Von Carolin Kunkel

Seite 1


Ich will meine Utopie zurück.

Bargeld. Konflikte wurden von der Enterprise-Crew möglichst ohne gewaltsame Konflikte gelöst. Wieso verbreitet Science-Fiction heute fast ausschließlich Dystopien? Wäre eine Entität, die uns alle steuert, zu bevorzugen, wenn wir dadurch glücklich sind? Fragen wie diese werden exzellent eingebaut und satirisch umgesetzt. Am Ende steht ein Stück, das ein wenig politisch, gesellschaftliche Fragen aufgreift. Gepaart mit Überlegungen über Totalitäre und autoritäre Regime üben die Darsteller gekonnt Gesellschaftskritik, ohne dabei die Unterhaltung zu vergessen. „Schmarrn from outta Space“ ist weniger Schmarrn als es sich selbst gestehen will und der Zuschauer wird schmerzlich daran erinnert, dass die Welt sich im Moment vielleicht doch eher rückwärts dreht. Zudem setzen die Darsteller unser bipolares Verhältnis zu einer fortschreitenden Digitalisierung amüsant um. Trotz allem, so die Message, sollten wir Utopien – Hoffnung auf eine bessere Zukunft – nicht aufgeben. Von Lukas Geisler

Im Foyer des Kreuz und Quer sammeln sich die Interessierten. Das Stück beginnt zehn Minuten später als angekündigt. Wir treten in einen Raum, ausgelegt mit Perserteppichen und bestückt mit einem alten Sessel und Sofa, welche in der Wohnung meiner Oma hätten stehen können. Eine Stimme verkündet ein großes Gesellschaftsexperiment, an dessen Ende wir einen neuen geistigen Zustand, nämlich den Traumzustand erreichen werden. „Ich bin, ich werde immer sein.“ So wird aus Philip K. Dicks Buch UBIK zitiert. „Und was zur Hölle ist UBIK – ein gewöhnliches Raumspray oder womöglich das einzige Mittel gegen den drohenden Zerfall der Realität?“ Direkt gefolgt auf George Orwells Klassiker „1984“. Big Brother is watching you! Und in der Realität machen Google und Facebook uns in ihrem neuen System des Überwachungskapitalismus zu Sklaven. Die Darsteller sammeln Informationen und Daten, um ein Profil für ein Dating Portal zu erstellen. „Wisch nach rechts und wenn sie auch wischt, seid ihr perfekt füreinander.“ Immer wieder erdröhnt Techno und flackerndes Schwarzlicht. Eine Lego Welt wird sinnbildlich in Kleinstarbeit innerhalb von fünf Minuten aufgebaut, nur um sie darauf auf einen Schlag wieder zu vernichten. Gesprochen wird außerdem von einer CyborgPost-Gender-Welt, in der keine entfremdete Arbeit mehr existiert. Doch warum verbreiten Science-Fiction Filme und Bücher heute keine Utopien mehr? Warum gibt es Könige und Imperatoren in Romanen und Filmen, obwohl wir im Jetzt schon darüber hinaus sind? Wieso müssen sich Kinder durch ein Labyrinth kämpfen oder in Hunger Games gegeneinander antreten? In den 70ern während des Kalten Krieges existierte in Star Trek eine Welt ohne

Seite 2


Backstage - Quickie mit Die Larries Ich hatte die Ehre mit dem erfrischend ehrlichen und lustigen Drummer Martin, von der Band die Larries, im Backstage ein Interview führen zu dürfen. Während der Rest der Band noch mit dem Soundcheck beschäftigt ist, damit es in 10 Minuten pünktlich los gehen kann, beantwortet Martin ein paar kurze Fragen. Hallo, wer bist du und wer sind die Larries? Ich bin Martin, der Schlagzeuger. Die Larries ist eine Allround-Cover Band; wir covern Pop- und moderne Songs in Richtung Jazz und Swing. Hiphop-Elemente versuchen wir auch immer wieder mit einzubauen und wir haben uns auch schon an Dubstep versucht. Heute gibt es sogar eine kleine Songpremiere, bei der wir ein Dubstep-Song ausprobieren. Für eigene Songs fehlt uns im Studentenleben leider die Zeit, aber durch eigene Interpretation der Songs bleibt uns genug Spielraum für Kreativität. Wir bestehen aus: Franz am Bass, Astrid ist die Sängerin, Jürgen spielt Keyboard, Carsten ist unser Saxophonist und Josef spielt Tuba und Posaune. Ihr habt euch mittlerweile einen „Namen“ gemacht. Wie ist das passiert? Gegründet haben wir uns im November 2016. 2017 hatten wir dann unsere ersten Auftritte auf Sommerfesten in Erlangen. Bei Arena starten wir heute mit unserem ersten Konzert dieses Jahr in den Sommer. Durch unsere - heute leider erkrankte - Sängerin ergab sich der Kontakt zu der Arena Crew. Wann kann man euch das nächste Mal live sehen? Da jetzt der Sommer kommt, spielen wir unter anderem auf dem CBI- Sommerfest und auch bei dem der Soziologie. Ansonsten gibt es auch auf Facebook Videos von uns. Ein Videodreh-Projekt steht seit längerem an, aber mit den Theater- und Medienwissenschaftlern dauert das auch immer seine Zeit. Aber keinen hate - als Student weiß man ja, wie es ist. Der Plan war eigentlich auch mal eine Website zu gestalten, allerdings steht der Spaß an der Musik im Vordergrund. Was sind die besten und schlechtesten Momente als Band? Mittlerweile haben wir eine kleine Fanbase, leider keine Groupies. (lacht) Aber wir haben einen großartigen Freundeskreis, der uns bei Konzerten immer beim Auf- und Abbau unterstützt. Wir trinken als Band auch so mal gerne ein Bierchen miteinander. Das sind, neben den Konzerten, die besten Momente. Die schlechtesten Momente… Naja, natürlich passiert es auch mal, dass wir einen Aussetzer auf der Bühne haben, aber meistens lassen die sich einfach als geübter Musiker kaschieren. Außerdem heißen wir ja nicht umsonst die Larries, da kann man das auch mal als Ausrede durchgehen lassen. Was wolltest du schon immer mal loswerden? They say: „Make love not war“ But I say: „If you have to make war make sure to make time to make love in between“ Herzlichen Dank für den kurzen Quickie mit Martin von den Larries. Von Lukas Geisler

Seite 3


FInal Night Party Nach dem vierten Tag voll mit kreativer Performance, stand gestern Abend der musikalische Höhepunkt an: Die Final Night Party. Bei freiem Eintritt wurde im herrlichen Ambiente des JUZ direkt am Erlanger Wiesengrund gelounged und zu psychedelischem Sound ordentlich gefeiert. Um 22:00 Uhr war die Eröffnung und es dauerte nicht lange bis sich das Jugendhaus füllte, denn um Mitternacht stand bereits die Preisverleihung an. Die Atmosphäre war locker und familiär, aber man spürte auch die Vorfreude der Gäste, fieberten doch alle daraufhin endlich zu erfahren, wer beim diesjährigen ARENA-Festival einen Preis verliehen bekommen sollte. Insgesamt gab es drei Preise zu vergeben: den Jurypreis, den Publikumspreis und den Preis der Koproduktion. Der Jurypreis wurde von einer dreiköpfigen Jury bestehend aus theaternahen Juroren vergeben. In diesem Jahr saßen Katja Prussas, David Bloom und Levin Handschuh im Komitee. Bevor sie allerdings ihre Entscheidung bekannt gaben, betonten sie das Potential des Kunstfestivals, denn es verwandele Erlangen in einen Kunstraum: „Seid froh, dass Ihr uns habt, Erlangen. Ohne uns wäre das Stadtleben gar nichts!“, so die Jury. Besonders gefallen haben ihnen die drei Kandidaten „#2“, „Soldaten“ und „die Unruhe“. Da sie sich aber nur für eine Performance entscheiden durften, fiel die Wahl auf „Soldaten“, also Fabienne Fecht, Tobias Gralke und Jonas Feller, die unter tobendem Applaus und

mit drei strahlenden Gesichtern den Pokal entgegennahmen. Der zweite verliehene Preis war der Publikumspreis. Das Publikum stimmte nach jeder Performance mit Smiley-Zetteln ab. Dabei gab es einen eindeutigen Gewinner und zwar „#2“ von gez. Euer Ernst. Der dritte und letzte Preis in diesem Jahr war der vom ARENA-Team vergebene Koproduktionspreis. Der Koproduktionspreis beinhaltet eine Zusammenarbeit zwischen Preisträgern und Erlanger Studenten. Das Ergebnis wird auf dem nächsten ARENA-Festival präsentiert. Unter den drei Favoriten waren „Curriculum Vitae“, „Soldaten“ und „#2“ Auch hier kann natürlich nur einer gewinnen und auch hier ging der Preis zum zweiten Mal an diesem Abend an die „Soldaten“. Damit gingen Fabienne Fecht, Tobias Gralke und Jonas Feller eindeutig als die diesjährigen Gewinner nach Hause! Nach der Preisverleihung wurde im mit Schwarzlicht und bunten Bändern geschmückten Erlanger Jugendhaus noch ordentlich gefeiert. Die DJs Mifti Haram, Alien Tearz und Agyena sorgten für eine volle Tanzfläche. Das Bier kostete übrigens nur 1,20 ¤, also die Preise waren durchaus studierendenfreundlich und auch den Gästen hat die Party und das Ambiente gefallen. Es war also durch und durch eine gelungene Party und ein gebürtiges Ende von fünf grandiosen Tagen voller Kunst und tollen Menschen. Von Anique Hoffmann

IMPRESSUM: Redaktion: Louisa Behr, Christoph Forster, Hannah Friedrich, Margret Gareis, Lukas Geisler, Joana Hammerer, Eric Hartmann, Anique Hoffmann, Thomas Kraft, Carolin Kunkel, Felix Reiter, Amrei Wesinger; Chef-Redakteurin: Gesine Allmann; Layout: Julia Auf der Maur; Gestaltung: Idoya Carbayo-Abrell, Julia Auf der Maur, Nicolas Riedl; Bilder: Dennis Hessek David Krohne; Auflage: 80; On-

Seite 4

line-Ausgabe: v-magazin.studierende.fau.de Kontakt: Arena…Of the young Arts, Turnstraße 7, 91054- Erlangen. Telefon: +49 (0)9131 852 39 22/ E-Mail: presse@arena-festival.org