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Inhaltsverzeichnis 2. 3. 7. 8. 9. 13. 15. 17. 19. 21. 24. 25. 27. 29. 31. 33. 35. 36. 37. 39. 40. 41. 44. 47. 48. 49.

Photo: Peter Viehweider, www.pit-pic.it

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Die Welt hat viele Gesichter - Editorial Vom Monolog zum Gespräch Sexuelle Orientierung und Migration Ricerca sugli immigrati gay: Italia piu razzista che omofoba Finstere Zeiten? Südtirol hat gewählt Die erfundene Andersartigkeit Männlich, Lehrer sucht... Freunde Gayromeo - gemeinsam einsam Gayromeo - einsam gemeinsam Gay und Medien - nicht immer eine konfliktfreie Beziehung Schwul-lesbische berufliche Netzwerke HOMED - Homosexuelle im Gesundheitswesen Am Rande der Gesellschaft? Von Bomben und bedrohten Fischarten Schöne bunte Vielfalt Dr. Uli Sexpert Homosexualität und Altkatholizismus Omosessualitá ed Ebraismo Quando il matrimonio gay era un rito Homosexualität und christlicher Glaube artSprung - Kunst und Migration Bücher - Libri News Schoolmates Kreativität macht Spaß „Anche questo governo non fará alcuna legge“ Cinema - Kino Men in the Alps


Die Welt hat viele Gesichter Editorial Die Welt hat viele Gesichter. All ihre Kulturen miteinander in Einklang zu bringen ist unmöglich, Gegensätze und Gemeinsamkeiten aufzuzeigen und zu erklären, um sie zu verstehen, jedoch eine Herausforderung. Im 2008 ausgerufenen Europäischen Jahr des interkulturellen Dialogs lohnt es sich, auch auf Lebensformen von Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen einzugehen. Sie befinden sich nämlich sowohl innerhalb ihrer eigenen Subkultur, wie in Verbindung mit der Alltagskultur in einem besonderen Spannungsfeld: Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle bewegen sich zwischen von ihnen geschaffenen Ghettos und öffentlichem Leben. Sie leben ihre Gefühle manchmal überhaupt nicht oder versteckt aus, haben aber Wege gefunden, sich zu finden, auszutauschen, zu organisieren und sich mitzuteilen – etwa über die Neuen Medien. Nach außen hin bleiben sie jedoch immer noch eine Minderheit, der man mit Vorurteilen begegnet, die in einigen Medien mitunter negativ dargestellt wird und der die Gesellschaft auch deswegen wenig Rechte zugesteht. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Gegebenheiten bis hin zu religiösen Einflüssen. All das macht die öffentliche und sachliche Vermittlung schwul-lesbischer Themen und Lebensweisen mitunter schwierig. Mit der vorliegenden Ausgabe versuchen wir als Schwul-Lesbische Initiative „Centaurus“, unsere derzeitige politische und kulturelle Gesellschaft nachzuzeichnen – eine Gesellschaft, die immer öfter auch multikulturell geprägt ist. Dabei geht es uns vor allem darum, schwul-lesbische Realitäten und Denkweisen in diesen Kontext zu stellen, bestehende Formen und Schwierigkeiten des interkulturellen Dialogs aufzuzeigen, aber auch für mögliche zukünftige Formen des Dialogs zu ermutigen. An diese Ausgabe knüpfen wir die Hoffnung, einen Beitrag zur Annäherung und zu einem gegenseitigen Verständnis leisten zu können – für mehr Toleranz, für Gleichberechtigung, für kulturelle Vielfalt und für eine von Vorurteilen freie Gesellschaft. > Das Redaktionsteam

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Feedback & Input an: magazine@centaurus.org Herzlichen Dank für die Unterstützung | Ringraziamo per il sostegno: Assessorato alle Politiche Sociali e alle Pari Opportunità Assessorat für Sozialpolitik und Chancengleichheit

Impressum Eigentümer und Herausgeber: Schwul-lesbische Initiative Südtirol – Arcigay Landeskomitee / Gay e lesbiche dell’Alto Adige/Sudtirolo – Comitato provinciale Arcigay | Galileo-Galilei-Straße 4/a, Bozen | Veröffentlicht am 01.12.2008 in Bozen | Presserechtlich verantwortliche Direktorin: Ulrike Spitaler | RedakteurInnen: Dino Capovilla, Conny Cossa, Jochen Pichler, Helene Roschatt, Ulrike Spitaler, Günther Telser, Andreas Unterkircher, Peter Viehweider, Stefan Windegger | Photos: Peter Viehweider (www.pit-pic.it), Conny Cossa | Druck: Fotolito Varesco Alfred GmbH, Auer | Eingetragen beim Landesgericht Bozen N. 7 am 11.4.2007 Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wider | Gli articoli firmati non rispecchiano necessariamente l‘opinione della redazione

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Vom Monolog zum Gespräch Die Bedeutung von Interkulturalität für eine freie Gesellschaft Das Jahr 2008 wurde ausgerufen als Europäisches Jahr des interkulturellen Dialogs. Ein willkommener Anlass, um einmal in den eigenen Teller und über den Tellerrand hinaus zu schauen und über das Verhältnis von Minderheiten im Generellen untereinander und auch zum majoritären Teil der Gesellschaft nachzudenken. Angesichts des beunruhigenden Verdachts, dass die Themen Rassismus-SexismusHomophobie-Frauenfeindlichkeit in e ngem Zusammenhang stehen und selten eine dieser Haltungen ohne die andere zu finden ist, bereitet gerade in diesem Moment ein Blick auf die politische Landkarte Europas und die verstärkte Präsenz rechts orientierter Parteien und Regierungen Sorgen. Italien und Südtirol sind hierbei besonders hervorstechende Beispiele, wie das fast vergangene Jahr gezeigt hat. Dabei ist die heutige menschliche Welt ohne Interkulturalität nicht denkbar. Im Verlauf der menschlichen Kulturentwicklung ist das Aufeinandertreffen und der Austausch zwischen Kulturen ein wesentlicher Vorgang. Das Interkulturelle, das dabei entstanden ist, wurde im Laufe der Zeit fortwährend in die jeweiligen Kulturen eingebettet und damit zum Kulturbestandteil. Nur durch diesen Austausch war es u.a. möglich, Erfindungen und Entwicklungen zwischen Kulturen weiterzugeben, so dass sich grundlegende Ideen wie das Rad weltweit und zum

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Nutzen aller verbreiten konnten. Genauso sind zum Beispiel aktuelle Hochtechnologien (Auto, Computer etc.) Ergebnis der Zusammenführung von Ideen, die in vielen verschiedenen Kulturen hervorgebracht wurden und somit Resultat der Interkulturalität. Was aber ist mit dieser „Interkulturalität“ gemeint, diesem scheinbar inflationär gebrauchten Begriff, der Hoffnungen weckt und Ängste schürt? Der Begriff Interkulturalität bezeichnet zunächst einmal eine Beziehung zwischen zwei oder mehreren Kulturen. Zum einen wird durch ihn ausgedrückt, dass es Unterschiede zwischen Kulturen gibt und zum anderen zeigt er an, dass trotz dieser Unterschiede Möglichkeiten zum Austausch zwischen den Kulturen gegeben sind. Interkulturalität bedeutet nicht nur, dass in einer Situation verschiedene Teilnehmer aus verschiedenen Kulturen agieren, sondern das Entstehen von etwas, das über die Addition der Merkmale der beteiligten Kulturen hinausgeht. Die an einer kulturellen Überschneidungssituation beteiligten InteraktionspartnerInnen stehen in ihrem Handeln und Verstehen oft unter dem Einfluss des eigenen Ethnozentrismus. Dieser Ethnozentrismus - also die allein auf die eigene Kultur bezogene Weltsicht – kann, je nachdem wie stark er ausgeprägt ist, dazu führen, dass eine solche Kommunikation erschwert und manchmal auch unmöglich wird, insbesondere dann, wenn er aktiv

gefördert wird. Interkulturelle Kommunikation kann nicht stattfinden ohne die Bereitschaft der aufeinandertreffenden Individuen, sich miteinander auszutauschen. Die allgemeine Toleranz und Akzeptanz des Anderen ist in dieser Hinsicht die eigentliche Frage. Und hier sind wir bei einem großen Thema angelangt: Wie schwierig der Prozess der Integration ist, zeigen viele Beispiele auch abseits des Themas Sprachen, Kulturen und Religionen: die Integration von Menschen mit Behinderung in Schule und Arbeitswelt, die Gleichstellung der Frauen mit ihren Bedürfnissen und Rechten in Arbeitswelt und Familienrecht, die Anerkennung von nichtheterosexuellen Gemeinschaften etc. All dies sind Themen, für die sich die offizielle Vertretung Europas stark macht. Die Mitgliedsstaaten sehen aber die Notwendigkeit solcher Gleichbehandlung von Ungleichem nicht immer. EURichtlinien werden, wenn, dann oft nur mühsam umgesetzt, siehe Richtlinien 2000/43/EG des Rates vom 29. Juni 2000 zur Anwendung des Gleichbehandlungsgrundsatzes ohne Unterschied der Rasse oder der ethnischen Herkunft und 2000/78/ EG vom 27. November 2000 zur Festlegung eines allgemeinen Rahmens für die Verwirklichung der Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf, nach denen die direkte oder indirekte Diskriminierung aus Gründen der Rasse oder der ethnischen


Herkunft, der Religion oder der Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung nicht zulässig ist. Im Gegenteil herrschen in den einzelnen europäischen Ländern entgegen aller schönen Worte zwei Haltungen vor, die einem Konzept von Interkulturalität diametral gegenüberstehen: eine, die auf ›totale Identität‹ (Assimilation) setzt, und die andere, die auf ›völliger Differenz‹ (Parallelgesellschaft) beharrt. In unserem Sprachgebrauch wird beispielsweise oft Integration der MigrantInnen gefordert, wobei darunter aber eher die Forderung nach Assimilation verstanden wird. Assimilation ist der Prozess der Angleichung an eine soziale Umgebung und die Übernahme und Nachahmung der vorherrschenden Normen, Werte und Lebensgestaltung. Assimilation ist oft mit einem starken Druck zur Anpassung an die Mehrheitsgesellschaft verbunden, die eigenen Werte, Normen und Lebensmuster abzulegen oder zu verleugnen. Integration hingegen beschreibt in Zusammenhang mit Migration und Sozialsystemen die Aufnahme und die Eingliederung einer Minderheit in ein soziales System. Integration ist im Gegensatz zur Assimilation ein Prozess der wechselseitigen Anpassung, in dem das Behalten einer gewissen Eigenheit möglich bleibt und der damit stärker von Respekt und Gleichwertigkeit geprägt ist. Südtirol selbst ist ein

Paradebeispiel für eine Parallelgesellschaft. Italienische und deutsche Kultur leben seit Jahrzehnten nebeneinander, dulden sich mehr oder weniger, haben aber kaum Berührungspunkte - in etwa so, wie sich in Deutschland aufgrund vernachlässigter Integration eine türkische Parallelgesellschaft entwickelt hat. Die italienischund deutschsprachige Kultur in Südtirol können sich aus verschiedenen Blickwinkeln als Majorität im Lande verstehen, der die andere sich unterordnen müsste. Ein offener Kampf aber wird meist vermieden, schon nur aus der Erkenntnis heraus, dass beide nur zu verlieren hätten. Dabei wird die Chance nicht wahrgenommen, gerade als Minderheit ein erhöhtes Einfühlu n g s v e r m ö g e n und Verständnis für Situationen zu entwickeln, in der andere eine Minderheit sind. Es scheint also angebracht nachzufragen,

wieso dies nicht passiert. Warum setzt sich beispielsweise eine bessergestellte sprachliche Minderheit nicht wirklich für eine andere ein? Ist es die Angst davor dein eigenen Sonderstatus zu verlieren oder mit anderen teilen zu müssen? Niemand verliert gerne eine Sonderstellung, beansprucht aber für sich selbst gerne das Argument etwas Besonderes zu sein und grenzt sich somit automatisch ab. Teilen war immer schon etwas schwierig. Würden sich die Minderheiten ab e r zusammenschließen und gemeinsam eine Gleichberechtigung und nicht etwa eine Sonderstellung fordern, dann hätten sie wahrscheinlich eine größere Chance ihre Anliegen realisiert zu wissen. Die Minderheitenkarte wird zum eigenen Vorteil gezogen, ansonsten bleibt man lieber Majorität und definiert ad hoc die jeweils gültigen Grenzen. Für Diskriminierte wäre es nicht nur ethisch geboten, sondern

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vor allem auch opportun, mit anderen diskriminierten Gruppen solidarisch zu sein. Niemand kann legitimerweise Menschenrechtsverletzungen, die gegen ihn selbst gerichtet sind, vor der Weltöffentlichkeit anklagen, wenn er selbst Menschenrechtsverletzungen, die gegen andere gerichtet sind, ignoriert oder gar selbst begeht. Warum sollten andere Menschen eine Person, eine Gruppe schützen, wenn diese selbst es nicht für nötig hält, anderen Schutz zu gewähren? Wenn auch logisch, so ist diese Legitimationsproblematik durchaus aktuell für alle Minderheiten oder Gruppen, die für sich Menschenrechte einfordern. Wa h r s c h e i n l i c h g i b t e s a u c h frauenfeindliche Schwule, homophobe Frauen oder rassistisch eingestellte Lesben. Damit gilt es sich innerhalb der diskriminierten Gruppen auseinander zusetzen. Diskriminierenden Sichtweisen, zumal wenn sie von der Mehrheit einer Gesellschaft geteilt werden, sind allemal eine Bedrohung, weil Zuschreibungen aus der Perspektive der Adressaten immer absurd sind, und zumindest latent gefährlich. Auf Grund solcher absurden Zuschreibungen, auf die man keinen Einfluss hat, droht immer Gefahr und werden Ängste bei den Betroffenen freigesetzt: Entweder treten sie zusammen mit anderen Diskriminierten dagegen an oder sie grenzen sich von ihnen ab, indem sie sich dadurch empfehlen, dass sie das

Urteil der Mehrheitsgesellschaft über andere LeidensgenossInnen bestätigen, für die eigene Gruppe aber zurückweisen. Nach dem Motto: Nicht wir, die anderen sind eure/unsere Feinde. Diese Reaktion, die auf eine Inklusion in eine Mehrheitsgesellschaft abzielt, die die eigene Gruppe ausgegrenzt hat, ist nicht nur unsolidarisch, sondern führt im Grunde auch den Kampf für die eigenen Rechte ad absurdum. Diskurs und Dialog sind gefragt, nach innen und nach außen. Nach außen ist es für eine Gruppe oder Gesellschaft wichtig, nicht das andauernde Unterstreichen der Unterschiede voranzutreiben, sondern vielmehr die Suche nach Gemeinsamkeiten, und seien sie auch noch so klein. Dies ist eine unabdingbare Voraussetzung dafür, um Bereitschaft für einen interkulturellen Dialog zu signalisieren. Für eine interkulturelle Orientierung in einer Gesamtperspektive wäre die De k o n s t r u k t i o n eines A u s s c h l i e ß l i c h k e i t beanspruchenden Gebrauchs der Begriffe Wahrheit, Kultur, Religion, Natürlichkeit der Lebensstile wesentlich. Dabei braucht es auch eine kritische Analyse der auf diesen Begriffen beruhenden politischen Systeme. Und das fällt nicht leicht in einer Gesellschaft, die als Minderheit nur den eigenen Opferstatus akzeptiert und von allen anderen eine Assimilierung bzw. Unterordnung verlangt. Aber vergessen wir nicht, dass interkulturelles Denken

nicht nur dazu dient, dass zum einen gültiges Recht freier und demokratisch legitimierter Gesellschaften nicht verletzt wird, sondern auch dazu, dass die Freiheit und der Lebensraum der Andersdenkenden geschützt und gewahrt bleibt – im Sinne der Menschenrechte, die wir für uns alle beanspruchen. Demokratie, Pluralismus und individuelle Freiheitsrechte sind nicht verhandelbar. Ansonsten ist ein Festhalten an der eigenen Identität, der eigenen Kultur, das mit einer Ausgrenzung alles „Fremden“ verbunden ist, langfristig weder möglich noch realistisch. Nirgendwo. Und gerade das bietet die Chance für die individuellen Grundrechte - nicht nur für andere Kulturen, sondern gerade auch für diejenigen in unserer Gesellschaft, die von den eigenen Traditionen und kulturellen Diktaten bisher an den Rand gedrängt wurden, für autochthone Frauen, MigrantInnen, aber auch für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender, die freie BürgerInnen in einer freien Gesellschaft sein wollen. Für alle die, die am eigenen Leib gelernt haben, was Ausgrenzung für die eigene Entfaltung bedeutet und durch dieses Lernen zu SpezialistInnen für Sensibilität gegenüber anderen Minderheiten und Lebensentwürfen werden könnten.

> Ulrike Spitaler


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Sexuelle Orientierung und Migration Zwei völlig verschiedene Forderungen nach Integration und Anerkennung auf Recht und Würde scheinen die Konzepte von sexueller Orientierung und Migration darzustellen. Und doch, angesichts der Realität, der Existenz von lesbischen und schwulen MigrantInnen und der Existenz von schwulen und lesbischen EuropäerInnen, die sich mit Migration auseinandersetzen, scheint eine Reflexion über die Berührungspunkte der Themenbereiche gerechtfertigt. Eine Kultur des Respekts gegenüber Lesben und Schwulen, Bisexuellen und Transgender ist eine noch lange nicht erreichte Aufgabe für europäische Bürgerrechtsbewegungen. Dies gilt auch für die Migrationsund Integrationspolitik. Der Kampf gegen Fremden- und Homosexuellenfeindlichkeit, gegen Hass und Ausgrenzung und das Recht auf individuelle Selbstbestimmung ist eine längst fällige Herausforderung. Für Europa, Italien und Südtirol.

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Vorurteile gegen Homosexuelle, Diskriminierung und Gewalt werden durch ein Umfeld sozialer Marginalisierung und kultureller, religiöser und ideologischer Abschottung befördert. Dies gilt für den italienischen Staat und besonders auch für Südtirol, in dem die katholische Religion die Wertehaltung der Politik diktiert. Als besonders problematisch erweist sich dabei die

Kombination aus ländlich geprägten, patriarchalischen Familienstrukturen und religiösfundamentalistischen Werten. Viele junge Menschen, die in einem solchen Umfeld aufwachsen, lassen an ihrer Ablehnung für nicht rein heterosexuelle Orientierung keinen Zweifel. Besonders hart betroffen von Diskriminierung sind deshalb Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender mit Migrationshintergrund. Ihnen wird ein selbstbestimmtes Leben oft weitaus schwerer gemacht als Lesben und Schwulen im Allgemeinen. Viele lassen sich in ein Doppelleben zwingen. Kommt es doch zu einem Comingout oder einem Outing durch Dritte, werden sie durch ihre Familien oft massiv unter Druck gesetzt. Und die Öffentlichkeit in Italien kommt ihnen keinesfalls entgegen. Auch in den schwullesbischen Vereinen und Verbänden beginnt erst langsam ein Erkennen dieser Thematik. In Deutschland und Österreich gibt es bereits eine Vielzahl von Broschüren, Aktionen, Kampagnen und Studien zu Migration und Homosexualität. In Italien wurde im April dieses Jahres ein Projekt ausdrücklich für homo- und transsexuelle MigrantInnen in Neapel gestartet: Eine Homepage (siehe erste untenstehende Adresse) will Referenzpunkt sein für schwule, lesbische, biund transsexuelle MigrantInnen, über die geltende Gesetzgebung, Informationsschalter,

gesundheitliche Betreuung und andere relevante Themen informieren. Viel bleibt auf nationaler und lokaler Ebene noch zu tun: Informationen einholen, Aufklärungsund Unterstützungsarbeit leisten, Hilfe- und Beratungsangebote zur Verfügung stellen, Aufklärungskampagnen in Schulen und Sozialarbeit unterstützen. Bevor aber ein notwendiger Diskurs mit Menschen verschiedenster Herkunft, Religion und Kultur über die Modalitäten des Zusammenlebens geführt werden kann, muss sich auch die autochthone Bevölkerung über die Anerkennung der Bürgerrechte für Menschen mit verschiedenen sexuellen Orientierungen einig werden und das Gleichheitsgebot in die innere und äußere Verfassung aufnehmen, ein Asylrecht und Flüchtlingsschutz für verfolgte Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender gewährleisten und jeglichem religiösen Fundamentalismus entgegentreten.

> Ulrike Spitaler


Ricerca sugli immigrati gay: Italia piu‘ razzista che omofoba Vedono l‘Italia più come un paese razzista che omofobo e i loro problemi sono spesso molto simili a quelli dei nostri connazionali. Molto forti, però, rimangono le differenze culturali, tanto che, per un aiuto più mirato, sarebbe necessario ampliare lo spettro degli interventi per venire incontro alla moltitudine di target in campo. Sono i risultati della prima ricerca italiana sui migranti gay, lesbiche e transessuali, promossa dall‘Arcigay di Bologna e curata dal sociologo Raffaele Lelleri. Lelleri ha intervistato 31 migranti-Glb che vivono in Italia, provenienti da diversi paesi del mondo. Non un campione statisticamente rilevante, „ma fondamentale dal punto di vista qualitativo“, ci tiene a far notare.

Il panorama di problematiche che ne è emerso, spiega, „non è poi così diverso da quello di tanti omosessuali italiani“. L‘approdo in Italia, sottolinea la ricerca, per molti immigrati consiste in una rinascita, lontano dalle persecuzioni e dalle privazioni che vivono in patria, „tanto che molti si scoprono gay proprio qui e addirittura alcuni vivono una vera sbornia, a volte pericolosa“. Così, „un buon numero pare già in linea con il nostro modo di intendere l‘essere gay“, senza però sentire omofobia: „In alcuni paesi rischiano l‘ impicca g i o n e , dovrebbero preoccuparsi per qualche offesa?“, rileva il sociologo. La difficoltà, però, è nell‘intercettarli al loro arrivo o una volta che si sono stanziati. Dagli sportelli Arcigay, infatti, ne passano pochi, quasi nessuno da quelli dei servizi sociali. „Vedono la parola ‚gay‘ come un‘etichetta - spiega ancora Lelleri - oppure si chiedono perchè nella lista di indirizzi utili che gli viene consegnata alla Caritas non

ce n‘è nessuno che riguardi gli omosessuali“. A contare, infatti, sono soprattutto le differenze culturali: „C‘è chi si comporta come un omosessuale, ma non si definisce tale“, continua Lelleri, che nella sua ricerca, ha evidenziato „come non ci siano categorie definite, anzi quasi tutte le storie sono molto diverse tra di loro“. Per cui, conclude, „promuovere un modello unico di assistenza sarebbe sbagliato, ma bisogna ampliare gli interventi a più scenari culturali“, magari approfondendo la conoscenza di ogni singolo caso.

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Finstere Zeiten? 2008: Südtirol hat gewählt Die bereits in den Umfragen prognostizierten Ergebnisse wurden durchwegs bestätigt: Die SVP hat ihre jahrzehntelange absolute Mehrheit an Wählerstimmen verloren, die rechten Freiheitlichen haben ihren Stimmenanteil fast verdreifacht und sind damit die zweitstärkste politische Kraft im Land geworden, die Grünen und die „linken“ Parteien haben Verluste erlitten. Der Verein Centaurus wollte bereits vor den Landtagswahlen von den einzelnen Parteien wissen, wie sie zum Thema Homosexualität stehen und hat deshalb an alle einen Fragebogen versendet, mit dem die Parteien mit für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender wichtigen Anliegen konfrontiert wurden. Bereits die Auswertung der Antworten ließ uns an der Zukunftsfähigkeit mancher Politiker zweifeln. Das Ergebnis der Landtagswahl lässt Schwule und Lesben jetzt in eine noch düsterere Zukunft blicken. Die Autonome Provinz Bozen hat zwar keine direkten gesetzgeberischen Befugnisse, die sie für die Gleichstellung von Homosexuellen einsetzen könnte. Dennoch ist die mangelnde Sensibilität für homosexuelle Themen, die durch die Umfrage von Centaurus festgestellt werden konnte, Ausdruck einer gesellschaftlichen Haltung, die einem Klima der Toleranz entgegensteht. Die Überzeugung, dass Politik durchaus auch eine aufklärerische pädagogische Aufgabe hat, wurde von den großen Parteien teilweise

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sogar zugunsten eines platten Populismus aufgegeben, der das Prinzip hochhält, wonach ein Politiker vor allem dem Volk nach dem Maul zu reden hat. Dass in den letzten Monaten trotz der konkreten Bemühungen um die Integration von Ausländern, die bereits Früchte getragen haben, vor allem die Angst der Bevölkerung vor dem Fremden zu einem der Hauptthemen des Wahlkampfes geworden ist, wird sich aufgrund dieses Wahlergebnisses sicher auf die Politik der nächsten Jahre auswirken. Was Österreich und Italien auf nationaler Ebene bereits vorgemacht haben, könnte Südtirol auch auf die eigenen kleinen Verhältnisse umlegen: Die Energien werden nicht mehr darauf verwendet, die „Anderen“ zu integrieren, sondern um sie auszugrenzen und die Ängste der Bevölkerung zu schüren, denn das scheint sich dann bei den Wahlen direkt in Stimmen umzusetzen. Während italienische Tageszeitungen in ihren Berichten über die Südtiroler Landtagswahlen den Aspekt der Ausländerfeindlichkeit dieses Wa h l e r g e b n i s s e s unterstreichen (La Repubblica titelt beispielsweise mit „Bolzano, cresce la destra xenofoba“), zeigt das Ergebnis unseres Fragebogens, dass auch zum Thema Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Lebensentwürfen in den nächsten Jahren wenig von der Landespolitk zu erwarten ist. Dass die linken Parteien eher für die Integration von Schwulen und Lesben eintreten, war hier die kleinste Überraschung, da einige von ihnen sich schon seit

längerem für diese Themen stark gemacht haben. Die RechtsaußenParteien hingegen erachten es bekanntermaßen nicht für notwendig, irgendetwas in diese Richtung zu unternehmen, wobei sie sich hinter der Behauptung verstecken, dass es keine Diskriminierung dieser Bürger und Bürgerinnen gibt und die bestehenden verfassungsrechtlichen Bestimmungen vollkommen ausreichen. Verwundert hat schon eher, dass sich einige Parteien, darunter auch die SVP und die Freiheitlichen, trotz wiederholter Anfrage gar nicht erst die Mühe gemacht haben, die Fragen von Centaurus zu beantworten. Am meisten überrascht haben aber sicher die Aussagen der Süd-Tiroler Freiheit, die sich ganz klar für eine völlige rechtliche Gleichstellung von Homo-, Bi- und Intersexuellen ausgesprochen hat. Es wird also aus diesem Grund schwieriger, die SüdTiroler Freiheit zusammen mit den Freiheitlichen, der Union für Südtirol, Unitalia und dem rechten Flügel des Popolo delle libertà ins reaktionäre Eck zu stellen. Der Rechtsruck bei den Landtagswahlen lässt diesen Lichtblick aber klein erscheinen. Und wenn eine weitere große italienische Tageszeitung ihren Bericht mit „Sfonda il partito gemello di quello del leader austriaco Jörg Haider“ übertitelt, dann wird mit dieser Parallele zu den Kärntner Gepflogenheiten auch gleich angedeutet, wie wahrscheinlich der Umgang der Politik mit dem Thema Homosexualität in den nächsten Jahren aussehen wird. > Jochen Pichler


Welche Ziele hat sich Ihre Partei für die kommende Legislatur gesetzt, um eine gesellschaftliche, soziale, politische und kulturelle Anerkennung der Südtiroler Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender zu fördern? Quali traguardi si è posto il Suo partito nella prossima legislatura per favorire il riconoscimento sociale, politico e culturale delle lesbiche, dei gay, bisessuali e transsessuali in Alto Adige? Grüne-Verdi-Vërc/BLC (Antworten von Riccardo Dello Sbarba): Im Programm für die Landtagswahlen vertreten wir die Position, dass „die vielfältigen Formen von Lebensbeziehungen“ zu unterstützen und zu fördern sind. Allgemein treten wir für die Aufhebung jeder Diskriminierung ein, auch bezogen auf die sexuelle Orientierung. Partito democratico (Risposte di Luca Refatti): In primo luogo il pieno rispetto della laicità dello stato e delle istituzioni. Al cuore del nostro impegno abbiamo posto il tema delle „pari opportunità“ che per noi riguardano giovani e anziani, donne e uomini, indipendentemente dal gruppo linguistico. Ovviamente la discriminazione, giuridica o etica, rispetto agli orientamenti sessuali è un ostacolo alla piena affermazione delle pari opportunità e va contrastata, sia attraverso l‘educazione che con la piena applicazione delle leggi contro le discriminazioni. Il primo traguardo è l‘applicazione del „redditometro provinciale“, voluto dal PD e da Luisa Gnecchi, che è il primo grande passo per l‘affermazione della parità tra coppie sposate e coppie conviventi. Con il redditometro le prestazioni economiche e sociali terranno conto di chi vive sotto lo stesso tetto e non dello stato di famiglia. Il PD è poi favorevole all‘istituzione delle anagrafi comunali delle coppie conviventi, anche se la sola istituzione di queste anagrafi ha un forte valore simbolico ma nessun effetto giuridico reale stante la vigente legislazione. Süd-Tiroler Freiheit (Antworten von Dr. Cristian Kollmann): Die Süd-Tiroler Freiheit hat sich konkret noch keine diesbezüglichen Ziele gesetzt. Unser Hauptanliegen ist nämlich die Selbstbestimmung inklusive der Beseitigung faschistischen Unrechts, angefangen beim faschistisch belasteten Begriff „Alto Adige“ (den leider auch Ihre Initiative gebraucht – warum nicht Sudtirolo?). Wir streben ein freies Südtirol an. In diesem sollten sich selbstverständlich auch Homosexuelle, Bisexuelle und Intersexuelle frei fühlen, indem sie auf allen Ebenen heterosexuellen Menschen rechtlich gleichgestellt werden. Unitalia (Nome del interlocutore non specificato): Mi appare evidente che non sia mai stato in discussione il riconoscimento sociale, politico e culturale di alcuno. Le categorie citate hanno gli stessi diritti sociali, culturali e politici di cui godono tutti i cittadini. Union für Südtirol (Antworten von Andreas Pöder): Wir stehen hinter den allgemein gültigen Menschrenrechtsbestimmungen und Verfassungsbestimmungen. Diese garantieren in ausreichendem Maße die freie Ausübung der jeweiligen sexuellen Orientierung. Partito dei comunisti italiani (Risposte di Carlo Carlini): Il nostro partito si pone, tra gli altri, l’obiettivo di salvaguardare i diritti civili, contro ogni forma di discriminazione e si batterà per il riconoscimento delle coppie di fatto. Linke für Südtirol (Antworten von David Augscheller): Die Gleichgestellung aller, unabhängig von ihrer kulturellen, sprachlichen, ethnischen Zugehörigkeit oder eben sexuellen Neigung ist immer Ziel der Linken gewesen. Um dies zu erreichen, muss eine rechtliche Gleichstellung angestrebt werden und eine kulturelle Öffnung unserer Gesellschaft, auch über die Schulen und gegen die konservativ-klerikale Ideologie des Ausschlusses, die noch immer unser Bildungssystem prägt. Deshalb ist die Laizität der Institutionen zu gewährleisten und zu potenzieren. Wäre Ihre Partei bereit, alle im Rahmen der Landesautonomie möglichen Maßnahmen zur Gleichstellung von nichtheterosexuellen mit heterosexuellen Partnerschaften zu unterstützen? Il Suo partito sarebbe disposto ad appoggiare tutti i provvedimenti possibili nel quadro dell‘Autonomia provinciale per la parità delle coppie non eterosessuali? Grüne-Verdi-Vërc/BLC: Ja. Partito democratico: All‘interno delle norme statutarie sì.

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Süd-Tiroler Freiheit: Auf jeden Fall wären wir bereit! Doch haben wir mit der bestehenden Autonomie diesbezüglich nicht viele Möglichkeiten. Dies ist für uns ein Grund mehr, ein Südtirol ohne Italien anzustreben, und zwar ein weltoffenes, tolerantes und liberales Südtirol! Vorarbeit dafür leisten wir als politische Bewegung bereits jetzt. Unitalia: “Tutti i provvedimenti possibili” è un termine troppo vago e strumentale. Verranno valutati, se posti in discussione istituzionale, uno per uno. Union für Südtirol: Nein. Partito dei comunisti italiani: Sì. Linke für Südtirol: Natürlich (siehe oben). Als Linke (in meinem Fall als Mitglied von Rifondazione Comunista), haben wir bereits in der letzten Legislatur auf nationaler Ebene eine derartige Kampagne gestartet, sind leider gescheitert (DICO, PACS); persönlich habe ich als Gemeinderat in Meran diese Forderung öfters gestellt, leider erfolglos, werde mich aber auch weiterhin für das Grundrecht auf Gleichstellung weiterhin schlagen. Können Sie sich die Bereiche vorstellen, in denen Südtiroler Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender sich diskriminiert fühlen? Può immaginarsi dei settori dove le lesbiche, i gay, bisessuali e transsessuali si sentano discriminati? Grüne-Verdi-Vërc/BLC: „Schwul“ wird in unserer Gesellschaft vielfach als abwertender Begriff gebraucht und von daher ist eine Diskriminierung im öffentlichen Leben evident. Darüber hinaus besteht die Diskriminierung natürlich noch in den meisten Fragen des Familienrechts im weiteren Sinn. Partito democratico: Sì. Dal momento della autoconsapevolezza dei propri orientamenti sessuali inizia il difficile confronto coi coetanei, la società e spesso la famiglia. E poi, da adulti, ci sono il mondo del lavoro, e la difficoltà di vivere allo scoperto i propri sentimenti. Süd-Tiroler Freiheit: Die Bereiche können wir uns nicht nur vorstellen, sondern wir wissen, dass es sie konkret gibt. Beispiele: Verweigerung des Rechts, den Partner im Krankenhaus zu besuchen; Nachteile beim Erb- und Steuerrecht; mangelnde Möglichkeit eines gemeinsamen Erwerbs einer Eigentumswohnung; ganz zu schweigen von der mangelnden Möglichkeit, eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft anerkennen zu lassen. Aber auch im privaten Bereich finden oft Diskriminierungen statt. Hier wäre noch mehr Aufklärung und Sensibilisierung nicht nur durch Politiker, sondern auch durch einzelne direkt oder indirekt betroffene Bürger erforderlich. Unitalia: Allo stato attuale non intravedo discriminazioni di alcun genere se non legate a fasce marginali del tutto insignificanti. Union für Südtirol: Nein. Partito dei comunisti italiani: Molteplici possono essere i settori in questione, a partire da quelli inerenti le forze dell’ordine. Linke für Südtirol: Ich muss sagen, dass ich mir nicht vorstellen kann, in welchen Bereichen sie sich nicht diskriminiert fühlen. Das umfasst oft das familiäre Umfeld oder die Arbeitswelt, die Schule oder religiöse Gemeinschaften, etc. Natürlich muss auch nuanciert werden, Diskriminierung ist nicht immer und überall gegeben, aber eben sehr oft. Gibt es in Ihrer Partei offen bekennende schwule, lesbische oder bisexuelle KandidatInnen? Nel Suo partito vi sono candidati o candidate dichiaratamente gay, lesbiche o bisessuali?

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Nicht beantwortet wurde der Fragebogen von: Al questionario non hanno risposto: SVP, Freiheitliche, Forza Italia, Aleanza Nazionale, Lega Nord, Unione di Centro, Italia dei Valori, Ladins Dolomites, Progetto Alto Adige.

Grüne-Verdi-Vërc/BLC: Diesmal gibt es solche KandidatInnen, so weit es uns bekannt ist, nicht. Partito democratico: A nessuno dei nostri candidati abbiamo chiesto orientamenti sessuali e credo religioso. Abbiamo invece chiesto di condividere i nostri valori e il nostro programma. Süd-Tiroler Freiheit: Sexuelle Identität halten wir für genau so wichtig wie sprachlich-kulturelle Identität. Dies heißt in Bezug auf meine Person: Ich bekenne mich offen zu meiner Homosexualität, auch wenn ich, wie in diesem Fall, nicht unbedingt direkt darauf angesprochen werde. Für mich persönlich ist das Bekenntnis zu meiner Homosexualität eine Selbstverständlichkeit – genauso wie das Bekenntnis zu meiner Tiroler Identität. Bei der Süd-Tiroler Freiheit sind Alle willkommen, unabhängig von sexueller Orientierung, ethnischer oder religiöser Zugehörigkeit. Was für uns zählt, ist einzig das Bekenntnis zu Tirol. Und zu Tirol haben auch sexuelle Minderheiten immer schon dazugehört. Unitalia: No. Union für Südtirol: Gibt es nicht. Partito dei comunisti italiani: No. Linke für Südtirol: In der Liste bekennt sich meines Wissens keine/kein Kandidat/in dazu. Falls dies nicht der Fall sein sollte, wäre es dann für Ihre Partei denkbar oder selbstverständlich, offen bisexuelle, lesbische und schwule Personen auf Ihrer KandidatInnenliste zu präsentieren? Se la risposta è no, sarebbe per il Vostro partito pensabile oppure ovvio di presentare persone dichiaratamente bisessuali, lebiche o gay sulle Vostre liste di candidati? Grüne-Verdi-Vërc/BLC: Grundsätzlich gibt es dagegen keine Bedenken. Wir hatten in der Vergangenheit des öfteren schwule oder lesbische KandidatInnen auf unserer Liste, sowohl auf Landes- als auch auf Gemeindeebene. Partito democratico: Ovviamente se tra i candidati vi fossero persone dichiaratamente bisessuali, lebiche o gay per noi non cambierebbe nulla perché l‘orientamento sessuale attiene alla vita privata. La politica è operarsi per il bene pubblico, siamo convinti che in questo senso contino solo i valori e le idee che si portano avanti. Unitalia: Proprio perché non debbono esistere discriminazioni di alcuna natura, la questione è indifferente. Non si può pensare che le categorie siano perfettamente allineate alle altre e poi pretendere l’inserimento di qualcuno in lista, considerandolo quindi una categoria a parte. Union für Südtirol: Wäre denkbar. Die Union wählt ihre KandidatInnen nicht nach Gesichtspunkten der sexuellen Orientierung aus, die ist für Kompetenz und Eignung im politischen Leben nicht relevant. Partito dei comunisti italiani: Ovvio. Linke für Südtirol: Es wäre aber natürlich selbstverständlich und denkbar, dass ein/e schwule, lesbische, bisexuelle KandidatIn auf unserer Liste kandidieren würde. Für Rifondazione Comunista saß ja in der letzten Legislatur Vladimir Luxuria im Parlament, eine enorme intellektuelle Bereicherung für meine Partei. Es zählen die intellektuellen Fähigkeiten, nicht die sexuellen Neigungen. Ein Hetero muss ja auch nicht seine sexuelle Neigung legitimieren oder diese ständig thematisieren.

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Die erfundene Andersartigkeit Vorausgeschickt: Dieser Artikel stellt die persönliche Interpretation der entsprechenden Themenfelder der Queer Theorie durch den Autor dar. Der Inhalt erhebt daher keinen Anspruch auf Absolutheit und soll LeserInnen vor allem zur Reflexion und Diskussion anregen. Im populären Volksverständnis bezeichnen wir jene Menschen als schwul oder lesbisch, die sich vom gleichen Geschlecht angezogen fühlen und als Konsequenz gleichgeschlechtlichen Verkehr praktizieren. Erfüllt diese Definition aber wirklich ihren vorbestimmten Zweck, der nach Auffassung homophober Bewegungen die Menschen in Normale und Perverse teilt? Ist ein verheirateter Vater schwul, wenn er einmal in der Woche Verkehr mit einem Mann auf einer Bahnhofstoilette vollzieht? Ist ein Häftling schwul, der aus seiner unerfüllten Not mit Mithäftlingen verkehrt? Ist eine Frau lesbisch, wenn sie bei der Selbstbefriedigung an eine Frau denkt und trotzdem eine gewöhnliche Ehe führt? Wie oft dürfen Jugendliche gleichgeschlechtliche Erfahrungen sammeln, bis ihnen das Etikett schwul oder lesbisch angeheftet wird? Ist ein Jugendlicher immer noch schwul oder lesbisch, wenn er ab 25 nur mehr mit dem anderen Geschlecht verkehrt? Was, wenn der Jugendliche seine sexuelle Aktivität nach diesen Erfahrungen ganz einstellt und z.B. einer Ordensgemeinschaft beitritt? Diese Fragen deuten an, dass hinter einem Definitionsversuch des gleichgeschlechtlichen Begehrens eine wesentliche Schwierigkeit steckt. Das Problem entsteht durch die Vermischung von sexueller Handlung und Identität.

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In nahezu allen Kulturen finden wir Aufzeichnungen und Andeutung der Praxis von gleichgeschlechtlichen sexuellen Kontakten. Der wesentliche Unterschied zu unserer heutigen Interpretation besteht darin, dass der gleichgeschlechtliche Liebesakt als Handlung verstanden wurde, welcher ferner potentiell von jedem Menschen vollzogen werden konnte. Erst vor rund 150 Jahren ging man dazu über, diese Handlungen als Identitätsmerkmal zu deuten, weil man plötzlich die Ansicht vertrat, dass solches Verhalten krankhaft und somit therapierbar sei. Da homosexuelle Handlungen lediglich sanktionierbar, aber eben nicht therapierbar sind, erfand man den Homosexuellen, der an Homosexualität litt. Durch diese Konstruktion einer Minderheit war es nun notwendig alle anderen Menschen davon abzugrenzen. Dies gelang mit der nachträglichen Einführung des Begriffs der Heterosexualität, der man das Synonym „Normal“ einverleiben musste. Diese Konstruktion zeigt sich nicht zuletzt darin, dass sich die Norm in der Regel keine Selbstbezeichnung gibt. Schließlich gibt es auch keinen Begriff für Menschen, die nicht durch eine Behinderung beeinträchtigt sind. Da es sich nun bei Schwulen und Lesben um eine politische Minderheit handelte, war es notwendig, für die Anerkennung der Bürgerrechte und die gesellschaftliche Gleichstellung zu kämpfen. Nach diesem Paradigmenwechsel richtete sich die Diskriminierung gegen Schwule und Lesben als Menschen, welche in der Verfolgung und Vernichtung im Dritten Reich gipfelte und bis heute fortdauert. Um sich von Pathologisierung zu lösen, ging man dazu über, Homosexualität

als Veranlagung (genetische Prädisposition) zu erklären. Dieser so genannte essentialistische Ansatz stellte Schwule und Lesben in ihrer Emanzipationsbestrebung den amerikanischen Schwarzen und dem Feminismus politisch gleich. Die Diskriminierung auf Grund dieser „künstlichen Identität“ zeigte sich beispielsweise in den 1980er Jahren. Für die Autoimmunerkrankung Aids hatte man sehr schnell den Namen Schwulenseuche gefunden. Dies führte dazu, dass z.B. in einigen Bundesstaaten der USA, nicht nur Schwule, sondern auch Lesben ihr Blut nicht mehr spenden durften, obwohl bis heute das Risiko der Übertragung des HIV bei lesbischem Sex als sehr gering eingestuft wird. Als man einsah, dass das Risiko nicht von der Präferenz der Geschlechtspartner, sondern von der sexuellen Praxis abhängt, richtete sich der Fokus der Safersex-Kampagnen auf ungeschützten Geschlechtsverkehr, was offensichtlich eine Handlung ist und unabhängig von der Identität zur Ansteckung führt. Es erscheint paradox, dass durch die Konstruktion einer gesellschaftlichen Klasse eine essentialistische Begründung notwendig wird, um die gesellschaftliche Akzeptanz wieder zu erlangen. Die Entwicklung lässt sich auch an den Bezeichnungen für gleichgeschlechtliches Begehren erkennen. „Homosexuell“ konnte die Assoziation mit krankhaftem Verhalten nicht abstreifen und wird aus diesem Grund langsam verdrängt. Im Anschluss daran etablierten sich im deutschen Sprachraum die damals sehr negativ besetzen Bezeichnungen „schwul“ und „lesbisch“, während


Photo: Jugendbildungsstätte Kurt Löwenstein

im englischen Sprachraum das Wort „queer“ für Beleidigungen der neuen Minderheit verwendet wurde. Die Anerkennungsbewegung gab sich im englischen Sprachraum die Bezeichnung „gay“, während im deutschen Sprachraum die Worte „schwul“ und „lesbisch“ selbstbewusst positiv belegt wurden. Die konstruktivistische Theorie führte dazu, dass ein neuer Begriff geschaffen werden musste, welcher jede Form des sexuellen Andersseins zusammenfasst. „Gay“ war hierfür nicht geeignet, da dieser Begriff mittlerweile zum Synonym für gleichgeschlechtliche männliche Liebe geworden war und lesbische Liebe unberücksichtig ließ. Somit belebte man den Begriff „queer“ neu, der sich inzwischen zu einem Modebegriff hochstilisiert hat. Da inzwischen ein Teil der Anerkennungsbewegung ihre

Vollendung in der Gleichstellung der Homo-Ehe zu begreifen scheint, ist der Einwand berechtigt, dass die gleichgeschlechtliche eheliche Verbindung in der Antike und vor dem christlichen Zeitalter nicht als Recht vorgesehen war. Die klassische Ehe wurde nicht als Liebesgemeinschaft, sondern als Produktions- und Reproduktionseinheit konzipiert. Eine Gleichstellung ist unter diesem Verbindungszweck für Schwule und Lesben natürlich sinnlos. Seit die Ehe aber als wirtschaftliche Verbindung zwischen zwei Menschen verstanden wird, welche sich im besten Fall auf Grund ihrer Liebe finden und durch die gegenseitige Führsorge steuerlich und rechtlich begünstigt werden, lässt sich leider nicht nachvollziehen, welchen Grund es für die Zurückweisung von Schwulen und Lesben gibt.

Mittlerweile sollte man verstanden haben, dass der Mensch in der Regel kein monogames Wesen ist, noch dass er ein stereotypisches Sexualverhalten an den Tag legt. Durch Ignoranz der Scheidungsraten, die Tabuisierung der Prostitution, die Verleugnung der gleichgeschlechtlichen Liebe, die Distanzierung zur Pornographie im Internet usw. wird es uns nicht gelingen, das idealisierte Menschenbild zu konservieren. John Locke hat in seiner zweiten Abhandlung über die Regierung bereits 1689 festgehalten, dass die klassische dauerhafte Verbindung zwischen Mann und Frau nur zum Zweck der Erziehung der Kinder bis zur Mündigkeit von Belang ist. Für alle übrigen Verbindungen wäre es doch vernünftig den Menschen selbst entscheiden zu lassen. > Dino Capovilla

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Männlich, Lehrer sucht... Freunde! Es ist oft ein langer Weg, bis man sich eingesteht, dass man schwul oder lesbisch ist. Einige schaffen es bereits im Teenager-Alter, einige mit Hilfe von Freunden, andere entdecken ihr Anders-Sein erst mit 40, wieder andere gar nicht, weil sie in ihrem sozialen Umfeld (meist Dörfern) mit ihren Fragen alleine da stehen. Für viele ist die Anonymität im Internet ein Segen, um sich auszutauschen. Und doch bleibt der Weg, mit seiner Homosexualität umzugehen und zu leben, oft ein langer, wie das Beispiel eines 36 Jahre alten Mannes zeigt, dem wir aus Gründen der Anonymität eine andere Identität gegeben haben.

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lang blieb sein Gefühl, von Männern angezogen zu sein, verborgen. Ja, es wurde in seinem sozialen Umfeld sogar unterdrückt.

„Freunde“ leuchtet es mir in hellem Grün entgegen, als ich mich kürzlich im Internet wieder auf die Suche nach interessanten Menschen mache. Andreas, 36, aus dem Pustertal hatte auf meine Anzeige geantwortet, die ich auf dem Internet-Portal Gayromeo. com geschaltet hatte. Seinem Profil nach war er auf der Suche nach Männern, die „gleich ticken wie er“.

„Homosexualität? Das gibt es in meinem Dorf einfach nicht!“ Und wenn, dann wurde das Wort „schwul“ immer nur im negativen Kontext gebracht – in seiner Schulzeit etwa, als er von seinen Mitschülern als „Schwuler“ gehänselt wurde. Andreas war seit jeher ein eher schüchterner Typ, erzählt er mir, kein FußballFan oder Frauen-Held. Wohl eher einer, der es verstand, bei seinen Mitschülerinnen Sympathie und Solidarität für seine Art die Dinge zu sehen zu erwecken - so gesehen ein Verlierer-Typ bei seinen neidischen männlichen Schulkollegen.

„Suche Gleichgesinnte für interessante Gespräche und gemeinsame Freizeitgestaltung. Bin kein Szene-Typ und auch nicht geoutet. Diskretion erbeten!!!“ stand da im Profiltext. Das machte mich neugierig: War er genau derjenige, mit dem ich meine Interessen teilen konnte? Und vor allem: Was veranlasst ihn dazu, so sehr nach Diskretion zu fragen? In einem längeren Schriftverkehr stellt sich heraus, dass Andreas in einem kleinem Dorf im Pustertal aufgewachsen war. Viele Jahre

Doch mit 25 hatte er sein AhaErlebnis, als er im Internet auf Foren stieß, in denen Hunderte von Menschen ihre Gefühle darlegten, was den Umgang mit dem gleichen Geschlecht anging – Erfahrungen, die er zum Teil selbst gemacht hatte. Über ein Forum lernte er dann auch seinen Freund kennen, einen aus dem Münchner Raum. Mit Markus, so sein Name, erkundete er schließlich dann auch die oft zitierte schwule Szene, mit all Ihren schönen und weniger schönen Seiten. Doch einen richtigen Freund

in seiner näheren Umgebung – fern von jeglicher schwulen Bar, Party oder Sauna – einen Freund, mit dem man ins Theater oder Kino gehen kann, an schönen Sommertagen an den See oder im Winter zum Skifahren in die Berge, mit dem man Erlebtes, Erfahrungen und Interessen austauschen oder auch politische oder gesellschaftliche Diskussionen führen kann – solch einen Freund hatte er noch nie.

„Ich brauche keine Szene. Die ist sowieso nur oberflächlich!“ schreibt er. „Und außerdem arbeite ich in einem Umfeld, das mir nicht erlaubt, offen schwul zu sein.“ Andreas ist Lehrer an einer Mittelschule. Die Angst, von seinen pubertierenden Schülern demontiert zu werden, ist groß. Noch viel größer ist die Angst, von den Eltern und seinen Lehrerkollegen kritisch beobachtet und womöglich als pädophiler Lehrer hingestellt zu werden. „Solche Vorurteile kann ich mir nicht leisten!“ Andreas‘ gesamte Existenz scheint in Gefahr zu sein, wenn jede noch so kleine Auffälligkeit an ihm zu einem Gerücht mutieren würde. Aber entschuldige: Könnte ich Andreas‘ Existenz wirklich in Gefahr bringen? Würde ich als Freund und guter Kumpel an seiner Seite als Schwul-Denkender und –Fühlender auffallen? „Wenn, dann können wir


uns an einem Ort verabreden, wo mich keiner kennt und wo ich mich doch einigermaßen frei fühle, so zu sein und so zu denken, wie ich bin.“ Vielleicht hat er auch deshalb einen Partner in Bayern.

Berufskollegen zu finden, meinte ich. Nur so könnte er vielleicht die Spannungen und Ängste in seinem Berufsleben ablegen. Andreas weiß, dass es an ein oder zwei Schulen in Südtirol Lehrer gibt, die sich ganz offen zu ihrer Homosexualität bekennen. Weder Schüler oder Eltern, noch Lehrer und Schulleiter hatten Probleme damit. „Trotzdem ist es jedem selbst überlassen zu entscheiden, wieviel Privatleben er öffentlich preisgibt.“

Internet werden kann – Diskretion hin oder her.“ Dennoch: Andreas hat sich bis heute nicht überwinden können, mich zu treffen. In einer seiner letzten Nachrichten schreibt er: „Es ist alles so verzwickt. Ich brauche einfach meine Zeit, mich in meiner Welt zurecht zu finden.“

Andreas hat mir in dieser Stunde am PC schon einiges über sich preisgegeben. Das weiß er auch: „Wenn ich jedes zweite Wochenende bei Markus verbringe, dann kann ich so sein, wie ich bin. In der Schule setze ich aber eine Maske auf. Das ist aber besser so.“ Besser wäre es, Kontakte zu schwulen

„Wäre mir der Wunsch, einen guten Freund kennenzulernen, nicht wichtig, würde ich dir das alles nicht niederschreiben. Und doch merke ich auch, wie offen man in einem anonymen Medium wie dem

> Stefan Windegger

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Gayromeo

gemeinsam einsam Stellen wir uns einen schwulen jungen Mann vor, der in einem Land lebt, in dem Schwulsein gefühlt nicht existiert. Den jungen Mann nennen wir Jakob und das Land Südtirol. Im schlimmsten Fall wird Jakob seine Sexualität verdrängen, eine klassische Familie gründen, ein radikaler Verfechter moralischer Werte werden und irgendwann Leserbriefe schreiben, um den Frust über sein unerfülltes Leben der Welt kund zu tun. Im besten Fall wird Jakob seinen Arbeitskollegen Franz besser kennen lernen, die beiden werden sich ineinander verlieben, sich selbst genügen und glücklich bis ans Ende ihrer Tage leben. Natürlich hat nicht jeder so viel Unglück wie Jakob im ersten Fall oder so viel Glück wie im zweiten Fall. Sehr wahrscheinlich wird sich Jakob im Internet auf die Suche nach seiner Identität machen und sehr bald auf das Portal GayRomeo stoßen. Er wird das Fenster zu dieser virtuellen Großstadt öffnen, in der mittlerweile eine verleugnete Subkultur heimisch wurde. In dieser Großstadt leben inzwischen rund 580.000 Schwule und mit ihren etwa 1.500 Neuzugängen pro Tag wächst sie schneller als die meisten anderen Metropolen. Im Oktober 2002 gründete eine kleine Gruppe Schwuler dieses Chat- und Kontaktportal mit dem Ziel Menschen wie Jakob aus ihrer Isolation zu befreien. In der Region Trentino-Südtirol zählt GayRomeo mittlerweile rund 1.250 Mitglieder, von denen einige ihr schwules Leben über diese Plattform organisieren. In seinem GayRomeo Profil, beim so genannten blauen Einwohnermeldeamt, wird Jakob zahllose persönliche bis hin zu intimen Details seines Lebens preisgeben, um den Grad der

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Anonymität zu verlassen und seinen Marktwert zu steigern. Andere Benutzer werden per Mausklick Jakobs Augenfarbe, Größe, Religion, Beruf, Körperbehaarung, Rauchgewohnheiten, Ausstattung, Sexvorlieben und vieles mehr feststellen können. Abgerundet wird diese virtuelle Identität durch persönliche Bilder und die Angabe des bevorzugten Beuteschemas. Auf Jakob werden täglich neue Angebote warten, die von Chatbekanntschaften bis Sexdates alles bieten. Seine ersten Erfahrungen wird er bald gesammelt haben und beim möglichen Überangebot wird er beginnen, seine potentiellen Bekanntschaften und Sexualpartner nach dem Muster eines Versandhauskatalogs anhand der detaillierten Angaben auszusuchen. Natürlich alles nicht ohne die Gefahr der Schnelllebigkeit. Im oberflächlichen Kontakt werden manchmal Freundschaften durch das Schließen eines Fensters beendet und so mancher Traumprinz scheitert an 2 Kilo zuviel. Doch nicht nur Neulinge wie Jakob sondern inzwischen auch alte Hasen ziehen GayRomeo den hart erkämpften Treffpunkten wie Cafes, Clubtreffs und Discos vor. Als Alternative zu teuren Getränken, Rauchverbot, bekannten Nasen und dem allein nach Hause gehen bietet GayRomeo täglich neue Gesichter und statt der komplizierten Balzrituale das Treffen mit der Person hinter dem vorher abgeglichenen Persönlichkeitsprofil direkt auf der Couch daheim. Die Plattform GayRomeo verändert gerade das komplette Sozialverhalten einer ganzen Szene. So kann Jakob Clubs gründen, oder bereits bestehenden Clubs beitreten, in denen die komplette Freizeit-, Abend- und

Nachtgestaltung geplant, diskutiert und belächelt wird. Bei politischen Anliegen kann er z.B. die virtuelle Bürgersprechstunde des deutschen Grünenpolitikers Volker Beck online besuchen. GayRomeo bietet über Stadtkarten mit schwulen Friseuren, schwulen Tante-Emma-Läden, Hautärzten, Reisebüros, Notaren etc. die Möglichkeit, in Metropolen ganz in einer schwulen Parallelwelt zu leben. Durch GayRomeo wurde die schwule Welt globalisiert. Durch internationale schwule Stellenund Wohnungsmärkte, zahllose Bed&Breakfast-Angebote und natürlich andere Schwule kann mit GayRomeo vor dem Umzug oder dem Urlaubsantritt das gesamte soziale Umfeld vorab errichtet werden. Angst, in der Provinz zu versauern oder sich in einer Großstadt nicht zurechtzufinden, ist inzwischen für Schwule Vergangenheit. Als kritische Bürger sollten wir fragen, warum Menschen bewusst eine derartige Sozialisationsform wählen. Diese Entscheidung gründet sich in der Regel nicht auf der Merkwürdigkeit des Schwulen selbst, sondern auf der Merkwürdigkeit der Gesellschaft und dem darin verfestigten Menschenbild. Ob GayRomeo und der damit verbundene Trend zur Akzeptanz schwuler Menschen in Südtirol beiträgt sei dahingestellt. Blieben früher Schwulencafes aufgrund der Intoleranz leer, sind sie es heute, weil niemand mehr das Haus verlassen muss, um Bekanntschaften zu machen. In ländlichen Regionen wie Südtirol ermöglicht GayRomeo die Entfaltung der schwulen Sexualität, verhindert aber gleichzeitig die Entwicklung eines öffentlichen sozialen Rahmens, der durch die wahrnehmbare Existenz entstehen


Regenbogenparade Wien, Photo: Conny Cossa

würde, was dem Schwulen die Entscheidung überließe, ob er seine Bekanntschaften in GayRomeo, im Ghetto, oder im echten Leben machen möchte. Mit anderen Worten würde Jakob vermutlich ohne GayRomeo in Südtirol kaum einen Schwulen kennen lernen und das aus dem Grund, dass GayRomeo schwule Treffpunkte verwaisen lässt und neue überflüssig macht. Jakob wird vermutlich einen hohen persönlichen Preis für die Mitgliedschaft in dieser Subkultur bezahlen. Im Schnitt verbringen GayRomeo Mitglieder 6 Stunden täglich vor dem Rechner, und damit wird diese Plattform zum zentralen Teil ihres Lebens. Das echte Sozialleben bleibt auf der Strecke, und es besteht eine hohe Gefahr der Vereinsamung, da reale Kontakte selten geknüpft werden. Durch das ultrapragmatische Datingverhalten und die radikale Zweckorientierung

findet eine tatsächliche Auseinandersetzung zwischen vielen Chatbekanntschaften nicht mehr statt. Freundschaften sind häufig nicht von Dauer und leicht substituierbar. Politisch betrachtet hat GayRomeo zu einem Rückschritt in den Anerkennungsbemühungen der vergangenen 40 Jahren geführt. Unter Schwulen macht sich eine erschreckende politische Selbstgenügsamkeit breit, was sich nicht zu letzt durch die unkritische Offenlegung der eigenen sensiblen Daten im Internet zeigt. Haben wir inzwischen so viel Vertrauen in die menschliche Vernunft gewonnen, um überzeugt zu sein, dass homophobe Religionsführer und intolerante Politiker entmachtet sind, oder sind wir einfach nur ein bisschen blauäugig? Es bleibt zu hoffen, dass auch Südtirol irgendwann beginnt,

sich mit der Existenz von schwulen, lesbischen, bisexuellen, transsexuellen und intersexuellen Menschen auseinander zu setzen. Diese würde nicht nur Jakob bei der Durchsetzung seiner Menschenrechte unterstützen, sondern auf Vernunft und Menschenliebe schließen lassen. Die politische Entwicklung in unserem Land spricht im Augenblick leider nicht dafür, aber trotzdem werden viele Schwule und Lesben weiterhin von einem Südtirol träumen, in dem Menschen wichtiger sind als gekreuzigte Frösche. (Zahlen entnommen gayromeo.com)

bei

www.

> Dino Capovilla, Simon Geimer

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Gayromeo

einsam gemeinsam Die Emanzipation von Schwulen und Lesben ging schon immer Hand in Hand mit den technischen Neuerungen der Zeit. Als 1825 die erste Eisenbahn zwischen Stockton und Darlington eröffnet wurde, war das Geschrei groß: zu schnell sei sie, gegen die Natur und ungesund – doch die befürchteten Nebenwirkungen ließen auf sich warten. Mit dem neuen Verkehrsmittel schrumpften die Distanzen, und die „weite Welt“ wurde, zumindest für die Menschen an der Eisenbahnstrecke, immer kleiner und greifbarer. Wie die

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Photo: Peter Viehweider, www.pit-pic.it

Eisenbahn machte auch die Erfindung des Telefons die Welt wieder ein Stück kleiner: plötzlich waren oft hunderte Kilometer entfernte Gesprächspartner ganz nah beieinander – nicht sich persönlich gegenüberstehend, doch ganz real kommunizierend. Im aufkommenden Tourismus waren Homosexuelle unter den ersten, die sich, wenn auch im Kleinen und oft versteckt, eigene „Refugien“ eroberten – wie etwa die beinahe mythischen Orte Capri und Taormina oder die glitzernden

Halbwelten der Großstadt. Die neuen Verkehrsmittel erlaubten es plötzlich, größere Zentren und deren lesBiSchwule Subkulturen einfach zu erreichen. Doch noch immer war es meist einer betuchten und selbstbewussten homosexuellen Oberschicht vorbehalten, jenen Hauch von Freiheit zu spüren – der Magd vom Tschurtschentalerhof oder dem Bergbauern aus Hintertupfental blieb diese Welt meist verschlossen. Als 1969 die Erfolgsgeschichte

unglaubliche des Internet


begann, wurde die Welt nicht nur wieder Schritt für Schritt kleiner – sie wurde auch ein Stück offener, durchlässiger und freier. Vielleicht hatte unser Bergbauer aus Hintertupfental bereits vorher in Zeitschriften oder im TV „von anderen Schwulen“ gehört, und unsere Magd vom Tschurtschentalerhof geahnt, dass sie „nicht die einzige Lesbe“ ist – doch diesen Hauch von Freiheit kannten sie nur vom Hörensagen. Das Internet öffnete den beiden plötzlich eine neue Welt: waren sie vorher am Rande der Gesellschaft, vielleicht alleine und einsam, auf Kontaktanzeigen, teure Telefonnummern, schummrige Bars oder halbdunkle Parks angewiesen, waren sie nun im Zentrum einer schnell wachsenden, beinahe grenzenlosen neuen Welt, in der es ihnen möglich war, ihre Erfahrungen und Gefühle, vielleicht anfangs zaghaft, mit anderen Menschen zu teilen, Menschen, die sie vielleicht verstehen würden, und von denen sie wahrscheinlich den einen oder die andere besser kennen lernen würden – ganz egal, wie viele tiefe Täler sich zwischen ihnen befanden. Wie Massenverkehrsmittel oder Telefon brachte auch das Internet einen zusätzlichen menschlichen Aspekt in die Globalisierung. Homosexuelle gehörten zu den ersten, die sich im wachsenden Internet einen Platz eroberten, und lange vor Second Life, StudiVZ, myspace oder facebook gab es funktionierende soziale Netzwerke wie rainbow.org, gaydar, gay.tv oder vor allem das berühmt-berüchtigte Gayromeo. Die „Blauen Seiten“, oft spöttisch „schwules Einwohnermeldeamt“ genannt, wurden von einer Gruppe

idealistischer Schwuler als NonProfit-Plattform gegründet, und sind noch heute im Gegensatz zu vielen anderen Netzwerken im Prinzip kostenlos. Den Gründern von Gayromeo lag weit mehr am Herzen als eine einfache schwule Dating-Plattform: hier sollte neben Unterhaltung, Diskussion und Small-talk auch Platz sein für Information, Gesundheitsfragen und politische Themen. Eines der wesentlichen Anliegen Gayromeos war es beispielsweise von Anfang an, auf die Situation von Homosexuellen in institutionell homophoben Ländern aufmerksam zu machen. Um auch Usern aus solchen Ländern eine gefahrlose Nutzung von Gayromeo zu ermöglichen, wurde ihnen ein verschlüsselter Zugang zur Verfügung gestellt. Zu Anlässen wie dem Welt-AidsTag klärte Gayromeo auf und leistete immer wieder – nicht zuletzt durch zahlreiche Clubs wie „Gay Politics“ oder „Gay Solidarity“ – einen wichtigen Beitrag zur Sensibilisierung der manchmal allzu selbstgefälligen „schwulen Welt“. Selbst Themen wie der Bareback-Thematik wich Gayromeo nicht einfach stillschweigend aus, sondern startete oder unterstützte konkrete Kampagnen wie das Dark Angel Projekt. Doch natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt – das Internet ist keine perfekte heile Welt, sondern ein Spiegel unserer komplexen und oft widersprüchlichen Gesellschaft mit all ihren Vorund Nachteilen. Vielen Gefahren, Vorurteilen und Problemen, die unserer Gesellschaft eigen sind, wird man auch im Internet immer wieder begegnen. Die

wachsende Bedeutung des Netzes verändert das Sozialleben vieler Menschen, und Internetsucht und Vernachlässigung der „äußeren Welt“ gehen damit hin und wieder Hand in Hand – doch sind diese bisweilen bedenklichen Nebenwirkungen keineswegs ein rein „homosexuelles“ Phänomen. Das Internet ist zum natürlichen Habitat vieler Menschen geworden, die ihre Art des Lebens und der Kommunikation nicht als unnatürliche Parallelwelt, sondern als Teil der „realen“ Welt empfinden – Kommunikation als Leben. Das Internet war ein riesiger Impuls für die „homosexuelle Welt“, die sich jetzt auch in der Provinz vernetzen konnte und „lebendig“ wurde. Man war nun nicht mehr auf die schwule Sauna der benachbarten Großstadt, die einmonatige Gay Disko oder dunkle Parks angewiesen, um andere Homosexuelle zu treffen – durch Gayromeo war die „schwule Welt“ plötzlich überall: man trifft sich auf Torte und Tee im Dorfcafé, macht eine Bergtour gemeinsam oder hat sein erstes Date bei einer Ausstellung, im Theater oder beim Schützenfest. Mag der einzelne Homosexuelle oft an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden – durch Gayromeo ist er mittendrin. Gayromeo ist Capri, Schenna, Taormina, Eppan, Mykonos, Durnholz, Versilia, Welschnofen, Sitges, Auer, Berlin, Antholz, Sydney, Sterzing, San Francisco, Burgeis, und mehr.

> Conny Cossa

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Gay und Medien Nicht immer eine konfliktfreie Beziehung Schwule sind in den Medien gerne präsent – Medien präsentieren gerne Schwule. Allerdings sind die Gründe völlig unterschiedlich. Schwule und Lesben hätten gerne eine Plattform, um sich und ihre Lebensziele (und auch das Umfeld) möglichst positiv darzustellen. Die Medien haben dagegen ein Interesse daran, möglichst viele Leser anzusprechen, und das geht immer noch über „ sex and crime“. Banal gesagt: ein schwules Opfer macht was her, noch besser ist ein schwuler Täter. Und wenn es mal nicht um Kriminalität geht, dann muss wenigstens eine schwülstige Atmosphäre für die nötige Spannung sorgen.

Ein Beispiel, wie die Wirtschaft mit dem Thema vorurteilsfrei umgeht (aus „il sole 24 ore“): Il riconoscimento delle coppie di fatto, circa 640mila in tutta Italia, è più avanti nella pratica che nella legge. La giurisprudenza ha in parte colmato il vuoto normativo esistente e, in alcuni ambiti, l‘avvicinamento alle tutele previste per le famiglie è già realtà. Recentemente hanno fatto scalpore i casi di un uomo al quale l‘assicurazione ha riconosciuto il danno morale in seguito alla morte

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del convivente per un incidente stradale e del risarcimento di una donna la cui compagna è deceduta a causa di un errore medico. Ma non si tratta di casi isolati. I giudici, già da alcuni anni, riconoscono ai conviventi il diritto di beneficiare del risarcimento dei danni morali, in caso di morte del partner per illecito (articolo 2043 del Codice civile). Diventa difficile invece, se non impossibile, cercare di far valere i diritti della coppia di fatto su una polizza infortuni: se non è stato indicato espressamente un beneficiario, prevale il diritto successorio a favore dei legittimi eredi o di quelli testamentari. Pure in ambito sanitario i diritti vengono estesi alle coppie di fatto: quasi tutte le Casse sanitarie permettono agli iscritti di chiedere prestazioni e rimborsi anche per i familiari, conviventi inclusi. La prima a prendere questa decisione è stata nel 1977 la Casagit dei giornalisti, che undici anni fa ha esteso gli stessi diritti anche alle coppie omosessuali. Ein Artikel aus „Gaynews.it“, der die reißerischen Bezeichnungen “ambienti omosessuali” und “delitti omosessuali” kritisiert: Con l‘ennesimo efferato assassinio di un omosessuale Roma si conferma capitale europea degli “omocidi” e dell‘emergenza omofobia. In seguito alla cattura dell‘assassino non possiamo non complimentarci con le forze dell‘ordine romane che ancora una volta hanno risolto in tempi assai brevi l‘ennesimo delitto antigay. Usiamo quest‘ultima parola non a caso, perché il linguaggio usato dalla stampa per descrivere il caso è del tutto fuori luogo e assai politicamente scorretto.

Ancora una volta si è parlato di inesistenti “ambienti omosessuali”, di “delitto gay” e oggi addirittura di “festino gay”. Quando un analogo fatto di cronaca avviene a carico di un eterosessuale non si parla mai di “ambienti eterosessuali”, di “delitto eterosessuale” o di “festino eterosessuale”. Aus „il messaggero“: die gayfeindliche Einstellung bestimmter Gruppen nimmt zu: Si è affacciata al balcone e le ha viste: quelle scritte lasciate con il pennarello nero sulle panchine - gay nei forni subito, via i froci dal quartiere - erano più che un’offesa, riaprivano delle ferite, delle umiliazioni. La signora ha fotografato gli insulti e ha portato quelle immagini ai proprietari del locale proprio sotto casa, una coppia gay che gestisce la gelateria nell’ormai nota e affollata via San Giovanni in Laterano-gay street. «Non capiamo chi e cosa possa aver spinto a scrivere quegli insulti - dicono i gestori - abbiamo ottimi rapporti con i residenti, siamo qui da anni ormai e mai era successa una cosa simile». Secondo le prime ricostruzionie le scritte potrebbero essere state fatte nel finesettimana di Ferragosto. Die „Berliner Zeitung“ schreibt im Mai über die serbische Schwulenszene und wie sie von Rechtsradikalen drangsaliert wird: „Smiley“ heißt das Schwulencafé am Belgrader Terazije-Platz, aber gelächelt wird hier wenig. Laut dröhnt die Rockmusik, ein Gespräch ist nicht möglich. Tritt jemand ein, drehen sich alle Köpfe zu ihm hin: Wer mag das sein? Überfälle in Klubs und Kneipen sind zwar seltener geworden, sagt


Boris Milicevic, Aktivist der „Gay Straight Alliance“ in Serbien. Aber jetzt geht es nach einem anderen Muster: „Jemand kommt herein, merkt sich Gesichter. Und auf dem Nachhauseweg wird man dann an der Ecke abgefangen und zusammengeschlagen.“ Homosexuelle leben gefährlich in Belgrad. Als 2001 einige Engagierte die erste Gay-Pride-Parade in Belgrad auf die Beine stellten, kamen sie nicht weit: An der ersten Ecke standen die Hooligans. Einen weiteren Versuch hat es nicht gegeben. Labris, die LesbenOrganisation in der serbischen Hauptstadt, hält ihren Treffpunkt bis heute ebenso geheim wie die Adresse eines Frauenhauses. Auch in Deutschland ist nicht alles so rosig: Gisela Notz in „Sozialistische Zeitung“, Sep. `08, www.soz-plus.de: von Islamismus und Wer von anderen religiösen Fundamentalismen spricht, muss auch den christlichen Fundamentalismus in Augenschein nehmen. Im Zentrum stehen die Aktivitäten der selbst ernannten „Lebensschützer“. Immer wieder gibt es Aktionen wie Gottesdienste für „Ungeborene Kinder“, Mahnläuten und das Aufstellen von „1000 Kreuzen für das Leben“. Abtreibung wird als der „neue Holocaust“ bezeichnet und die „sexuelle Freizügigkeit“ beklagt. Christliche Fundamentalisten gehen nicht nur gegen die Selbstbestimmung der Frau vor. Sog. „Lebensschützer“ und andere religiöse Eiferer versuchen, die „alte Ordnung“ mit der „heiligen Familie“ zu rekonstruieren. Zur „alten Ordnung“ gehört für die christlichen Fundamentalisten freilich auch die Heterosexualität.

Vom 30.März bis 4.April 2008 fand in Bremen das Christival statt. Die Jugendverbände der evangelischen Kirchen feierten - finanziert vom Bun desfamilienministerium - ein großes fröhliches Glaubensfest unter dem Motto „Jesus bewegt“, zu dem etwa 20000 Jugendliche kamen. Das aus diesem Anlass gegründete Bündnis „No Christival“ kritisierte vor allem zwei Seminare von den insgesamt 300 Veranstaltungen und Gottesdiensten: In einem sollte Homosexualität als therapierbare Störung dargestellt werden. Homosexualität sei aber „aus biblischer Sicht Sünde und keine zielführende Sexualität“, erklärte Pastor Olaf Latzel bei der Diskussion am Vorabend. Der Widerstand führte dazu, dass zumindest diese Veranstaltung abgesagt wurde.

Aus: „Kleine Zeitung“ Kärnten, Aug. `08:

Wörthersee auftauchen. „Bisher gab es nichts Vergleichbares“, so Gernot Riedel, Geschäftsführer der Wörthersee Tourismus GmbH (WTG) (...) Schwule und Lesben sollen vor allem das eine tun: Die Saison verlängern. Riedel hat schon die rosa Brille aufgesetzt: „Homosexuelle sind eine tolle Zielgruppe - einkommensstark und ferienunabhängig.“ Der „Standard“ (A) Juli 2008: Die EU-Agentur für Grundrechte hat mehr Befugnisse und energischere Maßnahmen gegen Homophobie eingemahnt. Gleichberechtigter Schutz durch die AntidiskriminierungsGesetzgebung der EU bleibe für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transsexuelle (LGBT) in vielen Teilen der EU „mehr Ideal als Wirklichkeit“, wurde in einem in Wien präsentierten Bericht kritisiert. Dem Bericht zufolge wird in 18 von 27 EU-Mitgliedstaaten eine künstliche „Hierarchie“ zwischen diskriminierten Personen vermieden, und die Mitglieder der LGBT-Gemeinschaft genießen dort Rechtsschutz und Rechte in den Bereichen Beschäftigung, Zugang zu öffentlichen Gütern und Dienstleistungen, Wohnungswesen und Sozialleistungen.

In Kärnten regiert zwar der Haider, aber die Wirtschaft hat auch hier die Kaufkraft der Gayszene entdeckt. Pörtschach sieht rosarot: Ein Festival namens „Pink Wave“ schlägt Wellen. Vier Tage treffen sich Homosexuelle aus aller Welt in Kärnten. Von 11. bis 14. September wechselt Pörtschach ans andere Ufer. Beim ersten internationalen Gay-Festival werden Schwulen und Lesben aus aller Welt am

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Zurück zu heimischen Meldungen. Im Frühjahr wurde ein Toter ohne Kopf am Rande der Autobahn gefunden. Neben verschiedenen Thesen durfte auch jene des schwulen Sexualmords nicht fehlen („Alto Adige vom“ 23.2.2008): In questo contesto si inserisce il secondo elemento nuovo che riguarda l’ambito sessuale. Quasi certamente il giovane (che era circonciso) aveva tendenze omosessuali o per lo meno avrebbe avuto una vita sessuale piuttosto intensa negli ambienti gay. Una convinzione a cui gli inquirienti sarebbero arrivati da alcuni particolari rilevati durante l’autopsia (non resi pubblici) e anche dalla meticolosa cura del corpo: il giovane, muscoloso e villoso, aveva le mani molto curate, il pube e le ascelle completamente depilate. Si tratta di un accorgimento (soprattutto per quanto riguarda la zona dei genitali) che solitamente prendono le persone a rischio infezioni legate ad una certa promiscuità sessuale, anche tra etero. Ein bisschen Politik darf nicht fehlen. Mara Carfagna beispielsweise sieht gay überhaupt nicht diskriminiert: E’ bufera su Mara Carfagna, neo ministro delle Pari opportunità, che nega il patrocinio al Gay pride perchè gli omosessuali non sono discriminati. «Credo che l’unico obiettivo di queste manifestazioni sia quello di arrivare al riconoscimento ufficiale delle coppie omosessuali magari equiparate ai matrimoni e su questo non posso essere d’accordo», dice nella sua prima intervista da ministro. Immediata la reazione dell’opposizione e delle associazioni omosessuali

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che accusano la destra di essere omofoba e fuori della realtà. Der Stil der mitte-rechtsfreundlichen Zeitung “il giornale” hat etwas für sich: man muss schon ein bisschen zwischen den Zeilen lesen, um die Stiche zu verstehen: Due milioni e mezzo di euro, quasi 5 miliardi di vecchie lire, da destinare a una campagna contro l’omofobia, per convincere chi «segue uno stile di vita religioso più ortodosso» della «normalità» dell’omosessualità. Li investirà dal 2008 al 2011 il governo olandese, che nei giorni scorsi ha annunciato il finanziamento. Dunque, chi segue uno stile di vita religiosamente «ortodosso» dovrà essere catechizzato e convinto che non c’è nulla di male o di riprovevole nel comportamento omosessuale. Ronald Plasterk, dallo scorso febbraio ministro dell’Educazione, proveniente da una famiglia cattolica, presentando il progetto ha ammesso che gli omosessuali godono in Olanda degli stessi diritti di qualsiasi altro cittadino, ma ha spiegato che «dal punto di vista sociale l’accettazione dell’omosessualità non è così automatica soprattutto presso alcune minoranze etniche o presso persone che seguono stili di vita religiosamente ortodossi». Nel mirino del governo sono innanzitutto i giovani musulmani, nelle scuole, nelle palestre e nelle associazioni. Ma è evidente che anche qualche cattolico potrebbe rientrare nelle categorie «a rischio», come chiunque altro abbia nel suo subconscio qualche obiezione alle pubbliche manifestazioni di omosessualità. Ein zweiter interessanter Artikel aus “il giornale”

Questo non è un articolo. Questo è un appello per sceneggiatori, registi, produttori di film e autori tv. Pensiamo che sia venuto il momento di un atto di coraggio contro le discriminazioni in campo sessuale. È ora di fare outing, l‘emarginazione dei diversi non è più tollerabile. Per una volta, allora, osate, rompete il conformismo dilagante: parlate anche dell‘amore fra un uomo e una donna. Ma sì, il normale e banale rapporto etero. Quello da cui (vi parrà strano, ma è così), a volte nascono in modo del tutto naturale dei figli. E se proprio siete in vena di una provocazione forte, spingetevi più in là, spezzate l‘ultimo tabù: parlate pure del matrimonio. Magari non otterrete il premio Zapatero al film festival omosessuale. Ma, se non altro, sarete originali. Di coppie gay, infatti, ormai ce ne sono fin troppe al cinema e in Tv.

Einige interessante Quellen zum nachblättern: http://www.gay-web.de/ pressespiegel/ http://www.homowiki.de/Hauptseite http://www.gaynews.it/ > Günther Telser


Schwul-lesbische berufliche Netzwerke Es begann im Sommer 1990 mit einer Kleinanzeige: „Kapitalistenknecht und Vorstands-Assi sucht Kapitalisten und andere Knechte für Austausch von Berufserfahrungen; ‚Selbsterfahrungsgruppe‘ für schwules Vitamin B ...”. Dieser Vo r s t andsassistent suchte schwule Führungskräfte, um Berufserfahrungen auszutauschen, um aus interessanten Begegnungen interessante Freundschaften werden zu lassen, sich vielleicht auch zu helfen, geschäftlich wie privat. Aufgrund dieser Anzeige und weiterer Aktivitäten in den nächsten zwölf Monaten fanden sich zwei Dutzend Männer, die am 14. September 1991 den Berufsverband “Völklinger Kreis e.V.” gründeten. Seit 1993 führt der Verband den Untertitel “Bundesverband Gay Manager”, um auch nach außen offensiv zu demonstrieren, wer sich hier zusammengeschlossen hat. 2004 wurde der Untertitel in „Bundesverband schwuler Führungskräfte“ geändert.

So stellt sich das schwule Netzwerk Völklinger Kreis (das bekannteste im deutschen Sprachraum) im Internet vor. Der Name wurde wegen des damaligen Wohnortes des Gründers gewählt. Zuerst gab es die Netzwerke für private Kontakte – in der Vor-Internet-

Ära waren das Organisationen wie Centaurus, wo man sich traf und Kontakte knüpfte – im Gegensatz zu den Bars waren diese Kontakte nicht nur von sexuellen Interessen geprägt. Sie führten vor allem zu gemeinsamen Freizeitaktivitäten, aber auch schon zu manch beruflichen Kontakten: Wer etwa für seine speziellen schwulen Probleme einen Anwalt oder Arzt suchte, fand diesen oft über solche sozialen Kontakte. Internet machte die Kontaktaufnahme leichter, man war nicht mehr auf die engste Umgebung eingeschränkt. Ein Beispiel für schwul-lesbische Netzwerke im privaten Bereich ist Gay Romeo, über das an anderer Stelle berichtet wird.

Sehr früh erkannten Homosexuelle, dass auch berufliche Kontakte wichtig sind – Heterosexuelle haben das schon sei Jahrhunderten vorgemacht. Genauso wie die Frauen mussten auch Schwule erst lernen, wie wichtig Netzwerke im beruflichen Leben sind. Der Völklinger Kreis beschreibt sich als ein Netzwerk auf beruflicher und privater Ebene. Die rund 700 Mitglieder organisieren sich in 20 Regional- und 9 Fachgruppen. Dort wird ein berufsübergreifender Erfahrungsaustausch sowie

gegenseitige Unterstützung im beruflichen und privaten Bereich gelebt. Der VK versteht sich als Forum für den Austausch zwischen schwulen Führungskräften. In den Fachgruppen bündelt der VK sein Fachwissen und macht es seinen Mitgliedern nutzbar. So ermöglicht er seinen Mitgliedern die Erweiterung der eigenen Kenntnisse in unterschiedlichen Bereichen mit einem vielfältigen Veranstaltungsangebot. Der Völklinger Kreis ist, wie viele andere, Mitglied im europäischen Dachverband „egma“, der sich so beschreibt: In der Zukunft wird die EU an Einfluss auf unser Leben gerade in gesellschaftlichen Fragen gewinnen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass sich die nationalen Managerverbände organisieren und gemeinsam um die Rechte homosexueller ArbeitnehmerInnen kämpfen. Aus diesem Grund wurde 2005 die egma als Dachverband europäischer homosexueller Managervereine gegründet und als Verein mit Sitz in Berlin eingetragen. Jährlich findet in einem der egma-Länder ein Treffen der egma-Vertreter der einzelnen Organisationen statt. Durch den regelmäßigen Erfahrungsaustausch wird der Aufbau des internationalen Netzwerks und die Abwicklung ge m e i n s a m e r europäischer Projekte gefördert. In Österreich gibt es den Verein AGPRO – austrian gay professionals-, der 1998 gegründet wurde. In Italien gab es mal die Organisation PrIMO, ihre Homepage ist aber nicht mehr zugänglich. Große internationale Netzwerke

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HOMED Homosexuelle im für Lesben und Schwule sind 6PC, Circa Club, JAKE oder Xing. ist die Zahl der Riesig berufsspezifischen Netzwerke, die von schwulen Polizisten und Ärzten (siehe Homed in dieser Ausgabe) über Transportarbeiter, Studenten, Journalisten und Lehrer bis hin zu Theolog(inn)en reicht. Eine gute Übersicht bietet die Linkseite des Völklinger Kreises: www.voelklingerbank.de/start.html

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Inzwischen erkennen immer mehr Firmen, wie wichtig es ist, dass auch die sexuellen Minderheiten unter ihren Mitarbeitern sich wohl fühlen. Ein Beispiel: Bei IBM sind weltweit rund 1.000 GLBT-Mitarbeiter im Netzwerk Eagle organisiert, darunter 45 Topmanager. Für das Unternehmen, so IBM, ist es nicht nur wichtig, ein „diskriminierungfreies, auf gegenseitigen Respekt basierendes Arbeitsumfeld für schwule, lesbische und transsexuelle Mitarbeiter zu schaffen“, sondern durch diese Haltung auch durch neue Vertragsabschlüsse zu profitieren. Dazu gibt es bei IBM in vielen Ländern ganz offiziell den „Business Development Executive GLBT“. Dessen Aufgabe ist es, dieses besondere Kundensegment zu entwickeln und über die

Netzwerke Geschäftskontakte anzubahnen. Studien in Europa und den USA haben ergeben, dass ein schwulenfreundliches Image ein wesentlicher Punkt bei Kaufentscheidungen ist. Zwar sind es noch wenige der großen Firmen, die sexuelle Identität und Orientierung so offen angehen, aber diese haben entdeckt, dass die Schwulennetzwerke auch bei der Mitarbeitersuche sehr hilfreich sein können. In Deutschland gibt es ein von der Bundesregierung gestartetes Projekt „Charta der Vielfalt“, mit der sich bisher rund 100 Firmen auf eine Unternehmensführung verpflichten, in der jeder Mitarbeiter seine Vielfalt leben kann, und da ist auch die sexuelle Orientierung eingeschlossen. Das funktioniert in der Praxis dann nicht immer wie geplant: laut einer Studie der Universität Köln halten 50 Prozent der Homosexuellen ihre sexuelle Identität gegenüber Vorgesetzten und Kollegen geheim. Auch da können die beruflichen GLBTNetzwerke helfen.

> Günther Telser

Marcos und Klaus waren in ihrem Auto auf dem Weg ins Krankenhaus. Marcos, der jüngere von beiden, war in extrem schlechtem Zustand, sodass er bei der Ankunft im Spital bereits bewusstlos war und sofort in die Intensivstation eingeliefert wurde. Klaus, sein Lebensgefährte, wollte von den Ärzten wissen, wie es um Marcos, seinen Partner stand und erhielt die lapidare Antwort, dass man nicht verpflichtet sei, einem „Fremden“ Auskunft zu erteilen. Informationen über den Gesundheitszustand erhalten nur die Eltern von Marcos, die allerdings in Südamerika leben. Dieser Vorfall ist in Wien vor wenigen Jahren passiert. HOMED hat erfolgreich bei den Ärzten interveniert – Klaus wurde als sein Lebenspartner anerkannt, erhielt unbeschränkten Zugang zu und Auskunft über Marcos. Karl, ein junger Kollege aus der Steiermark, studierte in Wien sehr erfolgreich Medizin. Als er sich mit 25 bei der zuständigen Magistratsabteilung für eine Fac harztausbildungsstelle anmelden wollte, hieß es einfach: „Sorry – nicht in Wien geboren, nicht in Wien maturiert, keine Wiener Ehefrau, daher keine Ausbildungsstelle!“ Nicht-Wiener erhielten bis zu diesem Zeitpunkt in Wien nämlich nur eine Ausbildungsstelle, wenn sie mit einer Wienerin oder einem Wiener verheiratet waren. HOMED intervenierte erfolgreich: ab diesem Zeitpunkt wurde eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft einer Ehe gleichgestellt. Karl steht inzwischen in der Ausbildung zum Facharzt. Christian suchte Hilfe bei HOMED, da er Anfang 30 mitten in seinem


Gesundheitswesen Coming-out stand. Die ganze Welt schien um ihn herum einzustürzen. In dieser Krise wandte er sich an HOMED. Er wurde an einen HOMED-Psychologen weitervermittelt. Das war vor einem knappen Jahr. Inzwischen lebt Klaus glücklich mit seinem Partner Thomas zusammen. Dies sind nur einige Beispiele, bei denen HOMED erfolgreich für schwule oder bisexuelle Männer interveniert hat. Bis zur Gründung von HOMED gab es weder eine Anlaufstelle für homosexuelle Ärzte, Pfleger, Psychotherapeuten oder andere im Gesundheitsbereich Arbeitende, noch für homosexuelle Patienten, wo man sich über Probleme, die aufgrund der gleichgeschlechtlichen Lebensweise im Gesundheitswesen entstehen, austauschen konnte. Seit Juni 2000 kämpft HOMED für die Rechte von gleichgeschlechtlich lebenden Personen im Gesundheitswesen. Schwule, die im medizinischen Bereich arbeiten, haben im Gegensatz zu anderen Berufen mit zusätzlichem Konfliktpotential umzugehen: Der Kontakt zwischen Arzt oder Pflegepersonal und Patient ist ein persönlicher und meist auch körperlicher. Vor allem einige Männer haben das Problem, dass sie glauben, jeder Schwule, der sie berührt, hat dabei erotische Empfindungen. Es gibt daher im wahrsten Sinne des Wortes Berührungsängste mit schwulen Ärzten und Pflegern – ein Grund mehr für viele ihr berufliches Coming-out zu scheuen. Das ist aber genauso, als würde man jedem heterosexuellen Arzt „eindeutige Absichten“ unterstellen, sobald er eine Frau untersucht.

HOMED setzt sich auch für die gesetzliche und soziale Gleichstellung von Homosexuellen ein. Mit zahlreichen Politikerinnen und Politikern aller Parteien wurden bereits Gespräche zu diesem Thema geführt. Auch in der Frage der eingetragenen Partnerschaft für gleichgeschlechtliche Paare ist HOMED bei den Verhandlungen mit den Politikern dabei. sei darauf Ausdrücklich hingewiesen, dass sich HOMED auch für homosexuelle Patienten einsetzt. Die Weitergabe von Adressen von niedergelassenen homosexuellen oder dem Thema offen gegenüberstehenden Medizinern und Therapeuten ist eine der Aufgaben, die sich HOMED gestellt hat. Für medizinische Anliegen, die im niedergelassenen Bereich nicht optimal behandelbar sind, finden sich auch Adressen von Ambulanzen, in denen es schwule Ansprechpartner gibt. Patienten können ausserdem über die HOMED-Homepage anonym Fragen zu jedem nur erdenklichen medizinischen Thema stellen. Zum Einwand, dass HOMED zur Ghettoisierung von Schwulen beiträgt, kann man sagen, dass in der heutigen modernen Medizin ganz bewusst auf den einzelnen Patienten eingegangen wird. Ein schwuler Mann hat verständlicherweise andere Bedürfnisse, Anliegen und Risikos für bestimmte Erkrankungen, als ein gleichaltriger heterosexueller oder ein alter Patient. Als Beispiel möchte ich nur die derzeitige Syphilispandemie anführen, die fast ausschliesslich in der schwulen Szene grassiert. Ein Syphilistest ist somit bei der Blutuntersuchung eines schwulen Mannes unerlässlich,

wird allerdings von den meisten heterosexuellen Ärzten so gut wie nie durchgeführt. Auch die Coming-Out-Probleme eines schwulen Mannes kann ein Arzt, der diese Erfahrungen bereits selbst gemacht hat, sicherlich besser verstehen und nachfühlen. Aus diesem Grund ist es sehr sinnvoll, dass man sich als schwuler Mann von einem schwulen oder zumindest schwulenfreundlichen Arzt behandeln lässt. Prinzipiell ist HOMED in ganz Österreich tätig. Bedauerlicherweise ist es uns bisher sehr schwer gefallen, außerhalb Wiens Mitglieder zu rekrutieren, obwohl der Bedarf an schwulen Ärzten, wie wir an den Patientenanfragen bemerken, sehr groß wäre. > Dr. Horst Schalk

HOMED – Homosexuelle im Gesundheitswesen c/o Dr. Horst Schalk (Obmann) Zimmermannplatz 1/4 A-1090 Wien Tel: 01/408 07 44 Fax: 01/408 07 44-6 E-Mail: info@homed.at Homepage: www.homed.at

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Am Rande der Gesellschaft? Die Rechte Homosexueller seien, so namhafte ÖVP Vertreter, kein Thema bei den Koalitionsverhandlungen mit der SPÖ – man habe wichtigeres zu diskutieren. Nicht nur in Österreich hat man den Eindruck, Homosexuelle seien „unwichtig“, eine Randgruppe, deren Rechte und Wohlbefinden wenig oder gar nichts mit der „normalen“ Gesellschaft zu tun hätten – „nur eine Nebenbühne“ im Geschehen der Welt, etwas „Anderes“, etwas „Fremdes“. Doch homosexuell liebende Menschen sind und waren schon immer Teil der Gesellschaft, mittendrin, in den Dorfgemeinschaften, bei der Freiwilligen Feuerwehr, in den Familien, beim Kirchenchor, in den Handwerkerzonen, bei der SVP, den Grünen, der Süd-Tiroler Freiheit oder dem PDL, im Kulturbereich, in der Pflege oder bei der Müllabfuhr – nur sichtbar wird dies in unserer heterosexuell geprägten Welt sehr selten. Wie viele Lesben, Schwule oder Bisexuelle unsere Welt mitgestalteten, prägten und noch immer prägen, wird für immer im Dunkeln bleiben – doch ab und zu treten Menschen aus dem Schatten des Versteckens oder der Heimlichkeit, Menschen wie:

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Von Bomben und bedrohten „Dip the apple in the brew / Let the sleeping death seep through.“ Wenn Schneewittchen nicht gestorben ist, dann lebt sie noch heute, denn sie wurde das vergiftete Stück Apfel rechtzeitig wieder los. Alan Turing hingegen hat seinen 42. Geburtstag nicht mehr erlebt. Der Apfel blieb ihm im Hals stecken. Seit etwa 35 Jahren ist nicht mehr top secret, was in Bletchley Park während des Zweiten Weltkriegs vor sich ging. Eine knappe Autostunde nordwestlich von London befindet sich dieses Anwesen mit seinem prächtigen Herrenhaus („The Mansion“), das heute ein Museum mit dem Namen National Codes Centre beherbergt. Hier entwuchs eine Wissenschaft ihren Kinderschuhen, beeinflusste auf ihrem Weg entscheidend den Ausgang des Weltkriegs – und rettete dabei vielen britischen Soldaten und Zivilisten das Leben: die Kryptologie. Alan Turing wurde im Juni 1912 in London geboren und gilt heute als einer der Väter von moderner Computerarchitektur und theoretischer Informatik. Er war das geniale Kind des britischen Beamten Julius und seiner Frau Ethel Turing, die sich vermutlich gewünscht hatten, ihrem Sohn wäre vor seinem Ableben die verdiente Ehre zuteil geworden. Turing konnte die Früchte seiner Arbeiten aber nur teilweise ernten. Denn einen großen Teil – darunter seine Aktivitäten in Bletchley Park – musste er zeitlebens geheim halten.

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Als 16jähriger verschlang und verstand er Einsteins Schriften – und er erfuhr gleichzeitig auch

seine erste Liebe. Alan und Christopher Morcom lernten einander auf der Sherborne School kennen, sie besuchten dieselbe Klasse. Kurz vor Ende des letzten Schuljahres musste Alan allerdings miterleben, wie Christopher am komplizierten Verlauf seiner Tuberkuloseerkrankung starb, einer für die damalige Zeit nicht ungewöhnlichen Todesart. Turing bezeichnete diesen sicherlich schmerzvollen Abschied später als den Punkt in seinem Leben, an welchem er der Religion den Rücken kehrte, was vielleicht auch seine negative Einstellung zum Unterricht in Geistes- und geistlichen Wissenschaften in der Schule erklärt. Seine Vorlieben lagen wohl anders: Nach seinem Schulabschluss entwickelte er in den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts auf den Universitäten in Cambridge und Princeton – mit Bezug auf wichtige Mathematiker und Logiker seiner Zeit wie etwa Kurt Gödel und Ludwig Wittgenstein – Modelle, Aussagen und Theorien der Naturwissenschaften. Er erschloss mit diesen und späteren Arbeiten seiner Nachwelt spannende neue Wege zur Erforschung unseres Universums. Zur Kryptologie kam Alan Turing 1938 über seinen Teilzeitjob bei der Government Code and Cypher School. Das Objekt, welches es zu knacken galt, an dem sich aber die halbe Welt die Zähne ausbiss, war die deutsche Ve r s c h l ü s s e l u n g s m a s c h i n e Enigma. In der Größe einer Schreibmaschine präsentierte sie sich geradezu winzig im Gegensatz zur polnischen „Bomba“, von der 200 Exemplare im abgeschotteten Bletchley Park vor sich hin tickten und dabei auf der Suche nach

den richtigen Schlüsseln waren. Sie machten ihre Arbeit fehlerlos, doch einen großen Haken hatte ihre Methode: Wenn man ihnen gar keinen Klartext fütterte, war ihre Suche erfolglos. Das Genie Alan Turing schaffte es nicht nur, die Bomba umzubauen, sodass sie den verschlüsselten feindlichen Funkspruch ohne manuelle Eingriffe übersetzte. Er entwickelte auch Maschinen, welche die codierten Texte aus den Maschinen Tunny (Thunfisch) und Sturgeon (Stör) lesbar machen konnte. Dieses Know-how wurde teilweise während des Krieges noch an andere Alliierte verbreitet. So erfolgreich Alan Turing beruflich war, so sehr litt sein Privatleben unter dem damaligen Zeitgeist, denn in England galt Homosexualität als Geisteskrankheit und Verbrechen. Und so verwundert es nicht, dass unter dem Aspekt „Schwulsein als Sicherheitsrisiko“ im Geheimdienst sogar überlegt wurde, Turing mit einem Anschlag zu töten. Ausgerechnet sein damaliger Freund, der 19jährige Arnold Murray, lieferte ihn 1952 ungewollt an die Behörden aus, als er von der Polizei als Komplize bei einem Einbruch in Turings Haus verhaftet wurde und dabei auch seine Liebesbeziehung preisgeben musste. Beim folgenden Prozess entschied sich Turing für die psychiatrische und hormonelle Behandlung als Alternative zur Haftstrafe – diese Behandlung kostete ihn wohl das Licht am Ende des Tunnels. Am 8. Juni 1954 wurde Turing von seiner Raumpflegerin neben einem halb angebissenen Apfel tot aufgefunden. Die anschließende Obduktion ergab Tod durch Zyanidvergiftung. > Artur Stransky


Fischarten

Alan Touring Memorial, Manchester (UK), Photo: Wikipedia Commons

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Schöne bunte Vielfalt

Die Frage nach der persönlichen Identität und Identifikation ist im Leben eines jeden Menschen sehr wichtig. Für lesbische Frauen hat die Auseinandersetzung mit dieser Thematik eine noch weitere Bedeutung, zumal die herkömmlichen Muster nicht unbedingt verwendbar sind. Frauen, Charaktere und Gruppen gibt es viele unterschiedliche. Anbei eine Ansammlung verschiedenster Gruppierungen ohne Anspruch auf Vollständigkeit und mit ein bisschen Witz untermauert. Im Grunde sind wir nämlich alle individuelle Menschen. Es trifft zwar die eine oder die andere Eigenheit zu, jedoch immer mit persönlichem Touch. Die Begriffe sind in ihrer vollständigen und ernsthaftenAusführung übrigens nachzulesen bei: www.homowiki.de

Berufslesbe: Achtung, sie muss gar nicht lesbisch sein, denn sie setzt sich nur berufsmäßig für die Antidiskriminierung, Beratung und Gleichberechtigung ein. Ob eine Heterofrau denn auch gut beraten kann?

Bindestrichlesbe: Kein Hinweis auf die Figur, sondern der Bindestrich soll die Vielfalt lesbischen Lebens besser zum Ausdruck bringen. Z.B. Jung-Lesbe, Land-Lesbe, Stadt-Lesbe, Müsli-Lesbe, … Wir bewegen uns hier auf eher theoretisch-linguistischem Terrain.

Birkenstock-Lesbe, auch Müsli-Lesbe bzw. Öko- oder Wollsocken-Lesbe (mit und ohne Bindestrich):

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Da ist alles klar! Grün, Öko, politischfeministisch interessiert. Sollte eine Frau der kreativen Wortakrobatik nicht ganz mächtig sein, dann lieber Finger weg! Das kann ganz schön kompliziert werden. Butch: sie kleidet sich maskulin und verhält sich auch so. Es kann auch vorkommen, dass sie ihre Brüste wegbindet, sodass sie gar nicht mehr zu erkennen sind.

Lederlesbe: Kleidet sich in Leder und fährt oft auch Motorrad!! Stellt sich denn hier niemand die Frage, ob die Motorradkluft in Leder wohl eher der Sicherheit dient? Ja ok, es schaut auch ganz cool aus. Und dann noch auf einem schönen Motorrad, eine Harley oder Honda Shadow, Sonnenschein, freie Bergstrassen … schmilz! Oh, Entschuldigung, bin wohl vom Thema abgekommen.

Also, gut hinschauen, Lesbe ist nicht gleich Lesbe!! > Helene Roschatt

Sandkastenlesbe: Ja wirklich, seit sie im Sandkasten spielte, wusste sie: Ich bin lesbisch! Ist doch toll, oder? Das glatte Gegenteil der Late Bloomer, der Spätberufenen. Woran sie zu erkennen ist, weiß ich allerdings nicht.

Business-Lesbe: Ha – da haben wir sie, die karrieregeile Frau im Nadelstreifkostüm und Ledertasche, mit Macht und Geld. Ob’s die bei uns wohl auch gibt? Kampflesbe (ohne Bindestrich): könnte auch als Emanze gemeint sein, besonders von neidischen Menschen, die nicht gewohnt sind, einer Frau zu begegnen, die nicht lange herumfackelt, sondern genau weiß, was sie will und das auch erreicht. Allerdings wird ihr nachgesagt, dass sie schon sehr männlich wirkt (und das mögen ganz richtige Lesben ja gar nicht, oder doch?)

Schrank- oder Klemmlesben: haben’s ganz schwer, da sie sich noch nicht trauen, zu ihrem Lesbischsein zu stehen und große Angst herrscht, entdeckt zu werden. Urlesbe: Nein, nein, sie ist nicht alt und schrumpelig wie der Ötzi. Sie weiß nur auch bereits seit ihrer ersten Lebensstunde, dass sie Frauen liebt.

Bilder aus: Anderes Ufer, andere Sitten, A. und B. Grundies, Deuticke 2007

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Hallo, Dr. Sexpert! Wie erkenne ich lesbische Frauen? Welche Erkennungsmerkmale verwendet ihr (falls ihr welche verwendet)? Oder welche Verhaltensweise nehmt ihr an, wenn ihr herausfinden wollt, ob die hübsche Frau vor euch gleichgesinnt ist oder nicht... Gibt es überhaupt den GayRadar? Wenn eine von euch diese göttliche Gabe hat, bitte bitte bitte, wäre es denn nicht möglich einen Erste-Hilfe-Kurs zu halten??? Danke... Liesi, 20, Meran

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Orientierungslose im Liebe Dschungel der schönen, aber uneindeutigen Frauen. Willkommen beim Lieblingssport fast aller Lesben und Schwulen – dem Erkennen(wollen) Gleichgesinnter. Gleich mehrere Möglichkeiten präsentieren sich hier den Einsteigerinnen: 1) Laut einer Studie über lesbische Frauen in Südtirol sind es weniger die sichtbaren und klassifizierbaren Erscheinungsmerkmale, die Lesben für andere Lesben erkennbar machen, sondern es passiert eher „aufgrund eines unerklärlichen Gefühls“. Wenn du dieses Gefühl (noch) nicht hast, verlass dich einfach darauf, dass dich über 50% der hiesigen Lesben erkennen werden. 2) Du gehst zur Frauenfete ins Plural (siehe Ankündigungen auf der Centaurus-Homepage) und machst Feldstudien, um deinen Radar zu schärfen: Falls eine Frau mit Kurzhaarschnitt und einem Bier in der Hand an der Theke steht, die andere Hand in der Hosentasche, sofern sie nicht (im

Freien) von einer Zigarette besetzt ist – und dieser Frau würdest du auch noch zutrauen, dass sie Reifenwechsel und Fußballspielen beherrscht – dann würde ich an deiner Stelle schon mal vermuten, dass das eine Lesbe sein könnte. Wenn du vorher noch Zeit hast, zieh dir ein paar Folgen der Serie „L-Word“ rein, dann wirst du bei dieser Gelegenheit auch bei den sogenannten „Lipstick-Lesben“ fündig, die außerhalb der Szene etwas schwerer einzuordnen sind. Hundertprozentige Sicherheit gibt es allerdings nur bei Taschen und TShirts mit eindeutigen Aufschriften und Doppelaxtohrringen. Achtung bei Regenbogenfähnchen. Manche Heteras könnten glauben, Friedenssymbole mit sich herumzutragen. 3) Mein persönlicher Erste-HilfeKurs: Grundsätzlich ist jeder Verdacht, den du hast, schon ein Hinweis - wenn du nicht gerade sexuell so ausgehungert bist, dass du „Helena in jedem Weibe“ erkennst. Probiere Blickkontakte. Schau die Frauen an: Wenn sie nicht

irritiert zur Seite sehen, sondern den Blick halten und dieser auch noch so etwas wie Überraschung und Neugierde verrät, hast du gute Chancen, eine Lesbe vor dir zu haben. Dies bei Passantinnen. Bei Frauen, mit denen du schon Kontakt hast, hängt viel davon ab, inwieweit du selbst bereit bist, dich zu erkennen zu geben. Lass in einer Konversation beiläufig mal was von Centaurus fallen, von LWord oder der eben erwähnten Pluralfete – so beiläufig, dass eine Hetera das überhören würde. Eine Lesbe überhört so was nie. Du siehst, den Radar gibt es wirklich, das Ganze will nur gut geübt sein. Viel Spaß beim nächsten Flanieren durch die Stadt oder Arbeitsessen mit der Kollegin wünscht dir deine Uli Sexpert Bei Fragen zum Thema Safer Sex konsultiert das Dr. Uli Sexpert-Team folgende Seiten: www.drgay.ch, www.aidshilfe.de www.muenchner-aidshilfe.de www.lesbengesundheit.de Mach auch Du das oder schreib direkt an uns: dr_sexpert@hotmail.com


Hallo Dr. Sexpert, stimmt es, dass es mehrere Arten von Hepatitis gibt? Wie erkenne ich eine Hepatitis? Wie kann ich die Formen auseinanderhalten? Wie kann ich mich bei schwulem Sex vor Hepatitis schützen? Christian, 23, aus dem Wipptal Es gibt sechs verschiedene HepatitisFormen; sie werden jeweils durch Buchstaben gekennzeichnet: A, B, C, D, E, G. In Europa, also auch in Südtirol kommen Hepatitis A, B, und C am häufigsten vor. Viele Menschen bemerken erstmals gar nicht, dass sie sich infiziert haben. Bei der Hepatitis C haben etwa 75 Prozent, bei der Hepatitis B ungefähr 60 Prozent der Erkrankten keine oder nur sehr geringe Symptome. Eine Infektion mit Hepatitis-AViren ist schwer zu übersehen, weil dann Symptome wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Muskelund Gelenksschmerzen und leichtes Fieber auftreten. Die Augen können sich gelb verfärben. Diese Erkrankungszeichen treten auch bei den anderen Formen auf, wenn sie eben überhaupt vorhanden sind. Aber ob man nun Symptome hat oder nicht, im Falle einer Infektion können andere angesteckt werden. Hepatitis A wird sehr leicht über verunreinigte Lebensmittel oder verschmutztes Trinkwasser und über direkte beziehungsweise indirekte Kontaktinfektionen übertragen. Ersteres bedeutet, dass Krankheitserreger durch direkten Kontakt, beispielsweise anal-orale Sexualkontakte übertragen werden. Sie können aber auch über Umwege übertragen werden, Hepatitis AViren können aus dem Kot über winzige Reste an den Händen auf

Handtücher oder Wasserhähne gelangen und von da aus auf die Hände anderer Menschen. Wenn diese Viren von da aus nun in einen Mund weiterkommen, können Hepatitis A-Viren übertragen werden. Hepatitis A ist zwar lästig, heilt aber immer nach einigen Wochen aus und hinterlässt keine Langzeitschäden. Außerdem kann man sich vorbeugend gegen Hepatitis A und B impfen lassen. Erkrankung durch Hepatitis B verläuft in fünf bis zehn Prozent aller Fälle chronisch, was unter Umständen nach Jahren zu einer Leberzirrhose und/oder Leberkrebs führen kann. Hepatitis B wird hauptsächlich sexuell übertragen. Das Virus befindet sich in fast allen Körperflüssigkeiten, d. h. im Blut, im Sperma, im Lusttropfen und im Speichel. Das Virus ist sehr widerstandsfähig und man geht davon aus, dass es 100 mal leichter übertragen wird, als beispielsweise HI-Viren. Bei allen Sexualpraktiken, bei denen du infektiöse Körperflüssigkeiten auf deine Schleimhäute oder

Photo: Peter Viehweider, www.pit-pic.it

verletzte Haut bekommst, kannst du dich infizieren. Aus diesem Grund stellen ungeschützter Anal- und Oralverkehr auch ohne Spermakontakt und schon heftiges Küssen ein Infektionsrisiko dar. Die Hepatitis C wird hauptsächlich über das Blut übertragen, eine Übertragung der Viren ist wie bei Hepatitis B möglich. Ungefähr 80 Prozent aller unbehandelten Infektionen verlaufen chronisch mit den gleichen möglichen Langzeitfolgen wie bei Hepatitis B. Gegen Hepatitis A und B kann und sollte man sich unbedingt impfen lassen; gegen Hepatitis C gibt es keine Impfung, hier hilft nur Safer Sex mit einigen Zusatzregeln. Zusätzlich zum Gebrauch von Kondomen beim Analverkehr und der Vermeidung von Spermakontakt bei Oralverkehr sollten bei Hepatitis grundsätzlich Kondome benutzt werden. Auf alle Fälle solltest Du das Thema Schutz und Sicherheit auch mit Deinem Partner besprechen. Dein Uli Sexpert

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Homosexualität und Altkatholizismus

Stefan Wedra ist Initiator einer kleinen Gemeinde von Altkatholiken in Bozen. Das Centaurus-Magazin war bei ihm zu Besuch, um die Positionen seiner Kirche zum Thema Homosexualität näher kennenzulernen. Herr Wedra, sind Sie in Ihrer Rolle als Initiator je mit dem Thema Homosexualität konfrontiert worden? Warum nicht, ist doch normal. Ist das Thema Homosexualität in Ihrer Gemeinde jemals offen diskutiert worden? Nein. Wieso denn? Wir gehen in unserer Gemeinde gemeinsam zum Altar und nicht ins Bett. Gibt es in Ihrer Gemeinde offen bekennende Schwule oder Lesben? Ja, aber das ist kein Thema. Da braucht man nicht drüber zu reden. Wir reden ja auch nicht über Heterosexualität.

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Wie steht Ihre Kirche zu diesem Thema? Ich finde es immer merkwürdig, wieviel auch hier in Südtirol von Sex und auch Homosexualität geredet wird und wie wenig man in der Bibel darüber findet. Die Bibel redet viel mehr für Gerechtigkeit, gegen

Armut, Gewalt und Unterdrückung. Wenn ich mir mal ansehe, wie oft hat Jesus in den Evangelien über Sex geredet? Fehlanzeige. Es gibt im Lukasevangelium die Episode, in der der Knecht des römischen Hauptmannes geheilt wird. Da sagt dieser „aber sprich nur ein Wort und mein „pais“ wird wieder gesund. Pais bedeutet Knecht, Junge. Dieses Wort zeigt, dass der Hauptmann seinen Knecht sehr gern hat. Man könnte es auch mit Burli oder ragazzo übersetzen. Da könnte man eine homosexuelle Beziehung hineininterpretieren – und Jesus? Der interpretiert nicht, der fragt nicht, der belehrt nicht, der hilft und heilt. Und nur daran kann sich Kirche orientieren. Ohne Ansicht und Hinterfragen der Person, Menschen zu helfen, zu akzeptieren und Gemeinschaft mit ihnen haben. Eine Gemeinschaft, die sie frei macht, dem Evangelium zu folgen und mit Gott und zu Gott ihren Lebensweg zu finden. Gibt es in Ihrer Kirche offen bekennende homosexuelle Priester? Ja, auch solche, die in einer gesegneten Partnerschaft leben. Das ist in den meisten Bistümern kein Problem. Herr Wedra, Sie sind Bundesdeutscher. Haben Sie den Eindruck, dass man in Deutschland eine tolerantere Haltung hat als in Südtirol bzw. in Italien? Ich sehe da keinen Unterschied. Was mich irritiert, sind manche konservative und pseudochristliche Gruppen, die in den Medien viele Leserbriefe über und gegen Homosexuelle schreiben und dabei einen breiten Raum bekommen. Was würde Jesus diesen sagen?

Vielleicht: Matthäus 12, 34: „Ihr Schlangenbrut! Wie könnt ihr Gutes reden, wo ihr doch böse seid! Denn wovon das Herz voll ist, davon redet der Mund.“ Ich weiß es nicht. Ich empfinde diese Leserbriefe aber so, dass hier der christliche Glaube missbraucht wird. Viele Schwule und Lesben bekennen sich als Atheisten, weil sie sich von ihrer Kirche nicht akzeptiert fühlen. Wieso sollten Homosexuelle Christen sein? Ich kann jeden dieser Menschen verstehen. Unsere sexuelle Orientierung macht einen wichtigen Teil unserer Persönlichkeit aus und wenn wir uns darin von anderen abgelehnt fühlen, stehen wir vor der Wahl uns zu verbiegen oder zu gehen. Sich verbiegen ist die falsche Lösung, zu gehen ist dann oftmals eine schmerzhafte Loslösung, aber eigentlich ein gesunder Vorgang. Ich habe schon viele Menschen eingeladen, bei uns am Gottesdienst teilzunehmen. Obwohl sie eigentlich vom Altkatholizismus angetan sind, sagen sie dann ab. Man spürt dabei eine gewisse Bitterkeit, die aus solchen Erfahrungen herrühren mag. Dennoch bin ich der Meinung, dass es sich lohnt, Christ zu sein. Ich persönlich habe einen Gott, der zu mir steht und mich bis in den letzten Winkel meiner Seele liebt und akzeptiert. Dabei bin ich auch mit meinen Fehlern angenommen. Dies erlaubt mir, auch die Unzulänglichkeiten anderer zu akzeptieren. Ich empfinde in meinem Glauben einen tiefen Reichtum und innere Freude. Dieses möchte ich mit anderen Menschen teilen. Und ich hoffe, dass der eine oder die andere ihren Reichtum im Glauben finden und ihn auch mit mir teilen. > Andreas Unterkircher


Omosessualitá ed Ebraismo Come i gay e le lesbiche anche gli ebrei sono stati vittime di persecuzioni nel corso della storia. Ma che rapporto hanno oggi gli ebrei con il tema dell’omosessualità? Per saperlo Centaurus-Magazine è andato a trovare Elisabeth Rossi-Innerhofer, Presidente della Comunità ebraica della Regione Trentino - Alto Adige. Si tratta di una comunità molto piccola, di appena 50 persone. Presidente, l’omosessualità è un tabù nel mondo ebraico? Le posizioni dell’ebraismo nei confronti dell’omosessualità si basano sulle citazioni del libro del Levitico. Qui i rapporti sessuali tra due uomini vengono esplicitamente definite “to’eva” cioè un abominio, da punire addirittura con la pena di morte: “Se uno ha rapporti con un uomo come con una donna, tutti e due hanno commesso un abominio; dovranno essere messi a morte; il loro sangue ricadrà su di loro.” (Levitico, 20:13) Comunque non esistono fonti a testimoniare che sia mai stata

comminata una sentenza di morte per rapporti sessuali tra due uomini. Il lesbismo invece non è espressamente menzionato nella Torah, viene però vietato dalla letteratura rabbinica in base al verso biblico: “Non farete come nel paese d’Egitto dove avete abitato, né farete come si fa nel paese di Canaan dove vi conduco, né imiterete i loro costumi.” (Levitico 18:3) La legge orale spiega questo verso con le presunte abitudini egiziane di praticare matrimoni tra donne. Quindi c’è un rifiuto totale? All’interno dell’ebraismo vi sono diverse correnti. L‘ebraismo ortodosso ha posizioni molto severe sul tema dell’omosessualità. Il cosiddetto ’”Ebraismo conservatore / Masorti” invece ha una visione più liberale, considerando che l’omosessuale ebreo semplicemente non adempie ad una delle 613 Mitzvoth (comandamenti) ed è dunque come un ebreo che guida di sabato. In Israele l’omosessualità è legale? La legge israeliana non vieta i rapporti sessuali tra persone dello stesso sesso. Tanto è vero che

l’anno scorso si è svolto il primo Gay-Pride a Gerusalemme, dove tra l’altro hanno partecipato molti Palestinesi. Tanti ragazzi gay provenienti da paesi arabi fuggono in Israele, proprio perché qui non subiscono persecuzioni. La comunità ebraica altoatesina è altrettanto liberale? Se un membro della comunità si dichiarasse omosessuale, potrebbe ancora partecipare alle cerimonie? “Finora non ci sono stati gay o lesbiche dichiarati nella nostra comunità, ma se ci fossero certo non verrebbero discriminati. Noi non siamo Bin Laden o i Talebani. Un omosessuale cristiano potrebbe dunque convertirsi all’ebraismo e diventare pure rabbino? La conversione all’ebraismo non è cosa facile. Un convertito deve dimostrare ad una giuria di tre rabbini di seguire tutte le Mitzvoth, ovvero i comandamenti mosaici. Come già detto tra le Mitzvoth c’è anche il divieto dell’omosessualità. Il rabbino inoltre deve essere sposato. > Andreas Unterkircher

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Quando il matrimonio gay er Un museo d’arte di Kiev espone una curiosa icona proveniente dal monastero di Santa Caterina sul monte Sinai. Vi sono raffigurati due santi cristiani avvolti in lunghe tuniche. Sta in mezzo a loro un pronubus (il tradizionale testimone di nozze nell’antica Roma), il quale sovrintende a quella che, in una classica icona romana, sarebbe stata una cerimonia nuziale con uno sposo e una sposa. Nell’icona il pronubus è rappresentato da Cristo. L’unico fatto insolito è che lo “sposo” e la “sposa” sono in realtà due uomini. Questa icona suggerisce forse che Cristo ha benedetto i “matrimoni” omosessuali? Il solo pensiero può di primo acchito lasciare interdetti. Una risposta esauriente al riguardo ci arriva da altre fonti che trattano dei due personaggi sopra citati, San Sergio e San Bacco, due soldati romani che divennero martiri cristiani. Se l’usanza di abbinare in coppia i santi è piuttosto diffusa, soprattutto nella tradizione paleocristiana, il legame fra questi due santi è tuttavia considerato particolarmente intimo. Nel sesto secolo Severo di Antiochia ammonì a “non separare nel verbo coloro [Sergio e Bacco] che furono uniti in vita,” mentre nella biografia definitiva dei due santi, contenuta in un manoscritto greco del 10° secolo, Sergio è descritto più esplicitamente come “dolce compagno e amante” di Bacco. In altre parole, ciò conferma quanto suggerito dall’icona, risalente ad un’epoca precedente, ovvero fa ritenere che i due santi avessero una relazione omosessuale. Le loro tendenze e il loro rapporto erano apertamente accettati dagli scrittori cristiani dell’antichità. Inoltre l’icona raffigura nientemeno che Cristo in veste di pronubus, ovvero di

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testimone che sovrintende alle loro “nozze” - un’immagine che per alcuni cristiani contemporanei potrebbe rasentare la blasfemia. L’idea stessa di un matrimonio omosessuale celebrato cristianamente può sembrare incredibile. Ma dopo dodici anni di ricerche in archivi ecclesiastici cattolici e ortodossi il professor John Boswell dell’Università di Yale è giunto alla conclusione che è effettivamente esistita fino al 18° secolo una sorta di “matrimonio” omosessuale cristiano. Contrariamente all’opinione comune, la concezione cristiana del matrimonio non è rimasta statica e monolitica dai tempi di Cristo fino ad oggi, ma ha subito un’evoluzione a livello concettuale e rituale. Il professor Boswell ha scoperto che in antichi documenti ecclesiastici e liturgici sono menzionate - accanto alle cerimonie nuziali eterosessuali e ben distinte da altri tipi di benedizioni non coniugali, come quelle di figli adottivi o di terre - delle cerimonie con varie denominazioni, fra cui “Uffizio dell’unione omosessuale” (in Grecia nel 10° e nell’11° secolo) e “Ordine per l’unione di due uomini” (11° e 12° secolo). Tutte queste cerimonie hanno in comune la simbologia che caratterizzava i matrimoni dell’epoca: una comunità riunita in chiesa, la benedizione della coppia davanti all’altare, le mani degli sposi unite come nelle nozze eterosessuali, la partecipazione di un sacerdote, l’Eucarestia e, per concludere, il banchetto di nozze. Tutti questi elementi si ritrovano nelle raffigurazioni d’epoca del matrimonio dell’imperatore bizantino Basilio I (867-866) con il suo compagno Giovanni. Analoghe

unioni omosessuali furono celebrate in Irlanda alla fine del 12° e all’inizio del 13° secolo, come riferisce il cronista Geraldo di Galles (Geraldus Cambrensis). Nell’Europa premoderna cerimonie di nozze omosessuali sono documentate nel dettaglio in antichi documenti ecclesiastici e liturgici. Un manoscritto greco del 13° secolo dal titolo “Ordine per la solenne celebrazione di un’unione fra due uomini”, dopo aver invocato San Sergio e San Bacco, fa appello a Dio affinché “conceda a questi suoi due servi la grazia di amarsi reciprocamente, di preservarsi dall’odio e di non essere causa di scandalo per tutti i giorni della loro vita, con l’aiuto della Santa Madre di Dio e di tutti i Santi.” Il manoscritto termina con le parole: “Gli sposi bacino il Santo Vangelo e si scambino un bacio. Il rito è concluso.” Un altro documento serbo del 14° secolo denominato “Uffizio dell’unione omosessuale” e riguardante l’unione di due uomini o di due donne, prevedeva che la coppia ponesse la mano destra sul Vangelo tenendo nella sinistra una croce. Dopo aver baciato il Vangelo, la coppia veniva invitata a scambiarsi un bacio. Infine il sacerdote innalzava l’ostia e impartiva alla coppia la comunione. Boswell ha scoperto resoconti di matrimoni omosessuali in vari archivi, fra cui quelli vaticani, di San Pietroburgo, Parigi, Istanbul e del Sinai, che coprono un periodo compreso fra l’ottavo e il 18° secolo. Ma non è stato il primo a fare questo tipo di scoperta. Il frate domenicano Jacques Goar (1601-1653) incluse infatti queste cerimonie in una raccolta a stampa di breviari greci. Sebbene l’omosessualità fosse


a un rito formalmente illegale già dalla tarda epoca romana, è soltanto attorno al 14° secolo che l’omofobia si diffuse in Europa occidentale. Ciò nonostante, anche in seguito continuarono ad essere celebrate unioni omosessuali. A Roma, a San Giovanni in Laterano, tradizionalmente considerata la chiesa parrocchiale del Papa, nel 1578 furono celebrate ben 13 messe nuziali per altrettante coppie omosessuali, a quanto pare con la collaborazione del clero locale. “Presero insieme la comunione, seguirono la stessa liturgia, dopodiché dormirono e mangiarono insieme,” come si evince da un resoconto dell’epoca. Un’altra unione fra due donne, anche questa documentata, fu celebrata in Dalmazia nel 18° secolo. Già in passato il nostro giornale ha dato più volte spazio a tesi storiche controverse riguardanti la Chiesa. Ma la ricerca accademica del professor Boswell è così approfondita e supportata da fonti storiche da porre le odierne gerarchie ecclesiastiche e gli eterosessuali credenti di fronte a un interrogativo riguardo al proprio atteggiamento nei confronti dell’omosessualità. Per la Chiesa, negare l’esistenza delle prove nei suoi stessi archivi sarebbe un escamotage assai poco dignitoso. Tali prove infatti smentiscono in maniera inequivocabile chi afferma che la Chiesa moderna avrebbe mantenuto da sempre immutate le proprie posizioni in tema di omosessualità. Dimostrano inoltre che per gran parte degli ultimi duemila anni, nelle chiese parrocchiali e nelle cattedrali di tutta la cristianità, dall’Irlanda ad Istanbul fino al cuore di Roma stessa, le relazioni omosessuali

furono accettate come una valida espressione della capacità, donataci da Dio, di amare e di donarci ad un’altra persona, e che questo amore fu celebrato, onorato e benedetto nel nome e per mezzo dell’Eucarestia al cospetto di Gesù Cristo. Jim Duffy è uno scrittore e uno storico. Riproduciamo il presente articolo originariamente pubblicato sull‘Irish Times del 11 agosto 1998 con il suo permesso del quale lo ringraziamo. > Jim Duffy (Traduzione: Paolo Pergher) COMMENTO DEL TRADUTTORE Con piacere ho accolto la richiesta della redazione di tradurre dall‘inglese l‘articolo „Quando il matrimonio gay era un rito“. Anche se non condivido appieno le tesi espresse dall‘autore, ritengo che ogni contributo al dibattito sulle questioni che ci riguardano meriti di essere pubblicato. Detto questo, vorrei evidenziare due lacune che ho riscontrato nell‘articolo: 1) l‘autore non cita le fonti, o lo fa in maniera troppo approssimativa, prestando così il fianco a critiche ed accuse di dilettantismo. Per ovviare a questa lacuna, consiglio a chi conosce l‘inglese e desidera

approfondire la questione di fare riferimento al sito internet del professor Boswell all‘indirizzo http://www.fordham.edu/halsall/ pwh/index-bos.html. 2) Per quanto interessante ed affascinante sia l‘argomento, trovo le conclusioni a cui giunge l‘autore un tantino ingenue: tutti sappiamo che nel corso della storia vi furono papi, vescovi e sovrani omosessuali, i quali, in virtù del loro potere, potevano permettersi questo ed altro, ma da questo ad affermare che la chiesa avrebbe dato la sua benedezione alle unioni omosessuali ce ne passa. Il matrimonio religioso omosessuale è sicuramente esistito nel corso della storia, ma era comunque un‘eccezione, appannaggio esclusivo di ricchi e potenti. Per contro vorrei ricordare tutti i „sodomiti“ di umile estrazione, molti dei quali giovanissimi, che vennero messi al rogo senza tanti complimenti durante il medioevo. Infine nell‘antichità la chiesa di Roma non poteva, per ovvi motivi, esercitare un controllo capillare su tutta la cristianità, cosa che invece oggi è possibile, come dimostrano i numerosi sacerdoti cattolici che in tutto il mondo hanno osato sfidare le gerarchie ecclesiastiche celebrando unioni omosessuali e che per questo sono stati costretti a lasciare l‘abito talare. > Paolo Pergher

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Homosexualität und christlicher Glaube

Vor einigen Jahren, es war im Herbst 2003, kamen einige homosexuelle Männer und Frauen aus Südtirol zu mir in das Pfarrhaus, weil sie einen religiösenArbeitskreis gründen wollten. Es ging um die Beschäftigung mit der Bibel und das gemeinsame Gebet. Sie hatten schon vorher in verschiedenen Pfarreien angefragt. Das Ergebnis war: Überall hinausgeworfen. Immer die gleiche Antwort: „Bei uns nicht!“ Auf die Nachfrage: „Wieso eigentlich? Viele von uns sind doch überzeugte Christen“, erklang es ökumenisch einstimmig: „Das ist schön und gut, aber ihr seid eben auch homosexuell!“ Schließlich haben die Männer und Frauen aus dem Centaurus Unterschlupf in der evangelischlutherischen Gemeinde in der Bozner Col-di-Lana-Strasse gefunden, mit Billigung und Beschluss des Kirchenvorstandes, also der Gemeindeleitung. In der Stadt hat das ein wenig Aufregung verursacht. Wieso war das gerade hier möglich? Natürlich hat es auch in der evangelischen Gemeinde heftige Diskussionen gegeben. Was sagt eigentlich der christliche Glaube zur Homosexualität? Und noch spezieller gefragt: Was sagt eigentlich die Bibel zu dieser Spielart

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menschlichen Lebens? Kommt Homosexualität überhaupt in der Bibel vor? Das Alte Testament lässt da nichts an Deutlichkeit zu wünschen übrig: „Wenn einer bei einem Mann liegt, wie man bei einer Frau liegt, so haben beide einen Gräuel verübt. Sie sollen getötet werden. Ihr Blut komme über sie“ (3. Mose 20,13). Scheint also eine klare Sache zu sein und niemand behaupte noch einmal, die Bibel enthielte keine klaren Anweisungen. Man bräuchte sie nur zu befolgen. Nur, müsste man dann nicht auch mit allen anderen Sätzen genauso verfahren? Etwa: „Eine Frau soll nicht Männersachen tragen und ein Mann soll nicht Frauenkleider anziehen, denn wer das tut, der ist dem Herrn, deinem Gott, ein Gräuel“ (5. Mose 22,5). Und, gibt es nicht im alten Testament die Polygamie als eine selbstverständliche Rechtsform? Aber, so kamen gleich andere auf die Idee, vielleicht sollte man besser mit dem Neuen Testament argumentieren. Paulus sagt doch ein klares Nein zu praktizierter Homosexualität (Römer 1,26-29). Aber sagt er nicht auch „Das Weib schweige in der Gemeinde?“ Und wir haben trotzdem evangelische Pfarrerinnen? Und in den Pfarrgemeinderäten sitzen doch überwiegend Frauen, die alles andere als schweigen. Und was ist mit den Religionslehrerinnen und Pastoralassistentinnen. Und überhaupt ist eine schweigende Frau in der Kirche nicht ganz und gar unangemessen? Letzter Versuch: Was sagt Jesus dazu? Erstaunlicherweise gar nichts. Aber eines ist jedenfalls auffällig: Sein liebevoller Umgang mit diskriminierten und unterdrückten Menschen. Diese Erkenntnis war entscheidend – und so fand die Arbeitsgruppe religiöser Lesben und Schwulen doch noch ein kirchliches Dach über dem Kopf. Nun war das natürlich nur ein Anfang

und hätte auch so ausgelegt werden können, dass eben im katholischen Land eine progressive evangelische Pfarrgemeinde den Homosexuellen so eine Art christliches Asylrecht gewährt. Es ging auf einmal um viel mehr, nämlich die Anerkennung und Akzeptanz ihrer Sexualität als eine verantwortliche Spielart menschlichen Partnerverhaltens.Dasklingtsoeinfach und schlicht, hat aber in Wirklichkeit eine lange, teils heftige Diskussion in der Gemeinde erfordert. Und dann lag konsequenterweise die Frage nah, wie denn entschieden werden würde, wenn zwei Homosexuelle kämen, weil sie um so etwas wie eine „Trauung“ bitten würden. Und auch dieser Schritt wurde im Vertrauen auf Gott gewagt. Der „Segnung einer homosexuellen Partnerschaft“ steht die evangelischlutherische Gemeinde zumindest aufgeschlossen gegenüber. Und damit wurde wohl auch die reformatorische, evangelische Theologie in unserer Zeit konkretisiert. Als Luther seine Käthe geheiratet hat, hat er damit nicht nur den Zölibat abgeschafft, der „entlaufene Mönch“ hat den Mut gehabt, die „entlaufene Nonne“ zu heiraten. Wir, im Vorstand der evangelischen Gemeinde, haben wahrscheinlich viel weniger gewagt. Aber, wie man weiß, ist die christliche Welt bekannt für eine große theologische Vielfalt. Auch mir haben militante evangelische und katholische Christen die Bibel wie eine Waffe unter die Nase gehalten. Es ist halt schwer, von Paulus zu lernen, dass der Geist lebendig macht und der Buchstabe tötet. Denn wenn man die Homosexuellenstellen in der Bibel wörtlich nehmen will, dann muss man wohl auch glauben, dass die Welt in sechs Tagen entstand und der Hase ein Wiederkäuer ist (3.Mose 11,6). > Sebastian Zebe, Evangelischer Pfarrer in Bozen


artSprung Eine künstlerische Auseinandersetzung mit den Themen Homosexualität und Migration wagen sechs KünstlerInnen, die sich in Köln zum Projekt „artSprung“ zusammengeschlossen haben. Die aus unterschiedlichen Ländern wie der Ukraine, Lettland oder dem Iran stammenden Lesben und Schwulen haben in Deutschland eine neue Heimat gefunden. Die Herkunft, die Hautfarbe, die Sexualität und die religiöse Zugehörigkeit spiegeln sich in ihren Kunstwerken wider. Unter dem Titel

„Sprung 1“ organisierte die Gruppe ihre erste Ausstellung, die im November in Köln eröffnet wurde. Dabei wurde wieder deutlich, wie eng der Zusammenhang zwischen Religion und Homophobie auch in Nicht-EU-Ländern ist. Der aus Russland stammende Künster Valerij Pabst setzt sich in seinem Bild “Their Rights? No problem! This ist Iran“ mit einem besonders krassen Fall auseinander: Nach 14 Monaten qualvoller Haft wurden am 19.

Juli 2005 der 18-jährige Ayaz Marhoni und der 16 Jahre alte Mahmoud Asgari öffentlich mit 228 Peitschenhieben bestraft. Unmittelbar danach wurden sie an einer Straßenkreuzung gehängt. Sie wurden der Homosexualität beschuldigt. Zahlreiche Schaulustige fanden sich bei der staatlichen Verurteilung ein. Freudig beklatschten sie den grausamen Mord an den beiden Minderjährigen und rechtfertigten ihn mit religiösen Argumenten. www.artsprung.info

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Küsse in Pink – Das lesbische Coming-Out-Buch, Silvy Pommerenke, 2008, Krug&Schadenberg, ISBN 978-3-930041-62-6

LIBRI BÜCHER

Küsse in Pink – Das lesbische Coming-Out-Buch

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Silvy Pommerenke hat eine Marktlücke entdeckt. Wahrscheinlich nicht als Einzige, denn außer ihr werden etliche junge Lesben und solche, die es werden wollen, nach diesem Buch über lesbisches Coming-out gesucht haben. Aber es gibt zu diesem Thema kein aktuelles Buch auf dem Buchmarkt, lediglich vergriffene Titel, die man nur noch antiquarisch erwerben kann. Sonst bleiben noch Broschüren der verschiedenen Beratungsstellen oder eben das Internet. Aber das kann schlecht mit unter die Bettdecke mitgenommen oder als großer Wink mit dem Zaunpfahl am familiären Küchentisch liegengelassen werden. Trotz der verstärkten Medienpräsenz von Lesben, trotz zunehmender gesellschaftlicher Anerkennung ist das Coming-out immer noch etwas sehr Persönliches – ein Schritt,

den jedes Mädchen, jede Frau erst einmal alleine machen muss. Das Buch „Küsse in Pink“ richtet sich in erster Linie an junge Frauen, die für ihr Coming Out Mut und Unterstützung brauchen – also alle, und immer wieder, denn das Coming Out ist ein Prozess, der wohl nie ein Ende findet. Diese Unterstützung kann sicher die Begegnung mit anderen lesbischen Mädchen bieten, die in „Küsse in Pink“ auf verschiedenen Ebenen stattfindet: Einerseits kommen die jungen Frauen in Interviews selbst zu Wort und schildern ihre ganz persönliche Coming-out-Geschichte. Viele kleine Lebensgeschichten und Interviews geben den Leserinnen einen Einblick in das Leben von Lesben, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Dadurch, dass die Autorin dabei stark zurücktritt und das Erzählte lediglich behutsam (und nur ganz selten etwas zu altklug) einrahmt, zeichnen sich diese Geschichten durch große Authentizität aus. Auffällig ist auch, aus welch unterschiedlichen Lebenszusammenhängen die interviewten Mädchen kommen: da trifft die Leserin beispielsweise auf eine Jüdin aus Tel Aviv, eine ungarische Lesbe, einen Drag King oder eben auf das „Mädchen von nebenan“. Diese Fülle der Identifikationsfiguren wird durch fiktionale, aber dennoch lebensnahe Geschichten komplettiert. In diesen Geschichten widmet sich Pommerenke verschiedenen Teilbereichen des Coming Outs und unterlegt sie mit theoretischen Reflexionen. So eröffnet sich schließlich ein Kaleidoskop von Figuren und Themen rund um das lesbische Leben, das weder Herzschmerz noch Schmetterlinge im Bauch, weder die Angst vor dem Eingestehen und

Aussprechen der eigenen Gefühle noch die Befreiung, endlich man selbst sein zu können, weder Gewalt in lesbischen Beziehungen noch Flirten und das erste Mal ausspart. Ergänzt wird diese Themenvielfalt durch ein theoretisches Kapitel über Lesbengeschichte sowie zahlreiche Internetadressen, Literatur- und Filmempfehlungen zum Thema. Die Autorin: „Es hat mir riesigen Spaß gemacht, mehr über das Leben dieser jungen Generation zu erfahren, und ich fühlte mich oftmals in meine eigene Jugend zurückversetzt, denn einige Dinge ähneln sich doch sehr.“ Wohl wahr, nicht nur jungen Lesben ist dieses Buch zu empfehlen, sondern allen, die sich an die eigene Geschichte erinnern wollen und noch einmal einen bestärkenden Zugang zur eigenen Identität finden wollen. Darüber hinaus bietet es auch für Eltern und Menschen aus dem näheren Umfeld junger Lesben sachliche und gute Information – soviel zum familiären Küchentisch. Der Spaß am Schreiben, das Wohlwollen der Autorin allen ihren Interviewpartnerinnen gegenüber ist auch beim Lesen spürbar. Das Buch liest sich leicht und spannend. Ganz klar ist die gute Absicht ersichtlich, mit diesem Buch Mut machen zu wollen. Aber diese gute Absicht stört nicht wirklich, sondern macht wirklich Mut. Eigenartig, wie ich selbst beim Lesen irritiert war, dass lesbisches Leben so selbstverständlich und positiv dargestellt werden kann. Erst war ich irritiert, dann habe ich mich gefreut.

> Ulrike Spitaler


Fun Home, Eine Familie von Gezeichneten, Alison Bechdel, 2008, Kiepenheuer & Witsch; ISBN 9783-462-03922-1 La traduzione italiana del libro è uscita nel 2007 con il titolo Fun Home - Una tragicommedia familiare, presso Rizzoli; ISBN 978 88 17 01608 7

Fun Home - Eine Familie von Gezeichneten Eines gleich vorausgeschickt: Auch wer Comics nicht mag, wird dieses Buch lieben. Alison Bechdel zeichnet nämlich in ihrer Biografie das mitfühlende Bild einer Familie, die für viele stehen kann: ein auf Perfektion bedachter Vater, der anscheinend keinen rechten Zugang zu seinen Kindern findet; eine angepasste Mutter, die sich mit der Gefühlskälte ihres Ehelebens abgefunden hat und drei kleine Kinder mittendrin, die versuchen, diese Welt der Erwachsenen zu verstehen und zu überleben. Bechdel selbst gelingt dies erst, nachdem sie sich fürs Studium von ihrer Familie entfernt und in die lesbische Szene und die politisch engagierte Frauenbewegung im New York der 80er Jahre gefunden hat. Den Weg aus der Enge ihrer Kindheit im ländlichen Pennsylvania in die Weite einer Großstadt und das Wiederfinden ihres Vaters

genau in dem Moment, in dem dieser bereits unerreichbar - weil tot - ist, beschreibt sie in nüchternen schwarz-weißen Bildern. Dabei wird die bittere Süße ihres Erzählstils bereits im Titel des Buches offenbar: wer sich im Fun Home ein Haus der Freuden erwartet, wird gleich darüber aufgeklärt, dass es sich ganz im Gegenteil um das mit „Funeral Home“ bezeichnete Bestattungsunternehmen der Familie handelt. Was Spaß für die Kinder aber überhaupt nicht ausschließt. Auch wer sich einen geradlinigen Aufbau der Spannung in dieser Geschichte wünscht, wird enttäuscht. Die Autorin nimmt nämlich bereits auf den ersten Seiten ihrer Erzählung vorweg, dass der Vater jung stirbt, kurz nachdem Alison sich an der Uni inskribiert und sich ihrer Mutter gegenüber als Lesbe geoutet hat. Dabei bleibt den LeserInnen wie der Familie selbst unklar, ob es sich um einen dummen Unfall gehandelt oder der Vater bewusst den Tod gesucht hat. Das Buch ist aber trotzdem bis zum Schluss spannungsgeladen, da die Autorin in geschickten Rückblenden, die sich im Beschreiben der Handlung immer wieder mit Ausblicken in die Zukunft abwechseln, langsam aufdeckt, was das eigentliche Geheimnis ihrer Familie war: Der Vater ist schwul. Eine Bestätigung dafür bekommt Alison von ihrer Mutter allerdings erst kurz vor dem Unfalltod des Vaters, wodurch aber das klärende Gespräch zwischen ihm und seiner lesbischen Tochter endgültig unmöglich wird. In der Analyse ihrer Kindheit, die in teils idyllischen, teils dramatischen Bildern beschrieben wird, geht Alison auf die Suche nach den Spuren für die Homosexualität ihres

Vaters und entdeckt dabei, wie logisch durch diese Offenbarung wird, was sie bisher nie verstehen konnte. Die Gefühlskälte zwischen den Eltern, die perfektionistische Beschäftigung des Vaters mit der stilgetreuen Einrichtung des viktorianischen Familienhauses, seine Unausgeglichenheit, sein Jähzorn, der sich mit Momenten voller Liebe zu den Kindern abwechselte, erhalten durch die Information über die wirkliche Identität ihres Vaters eine schlüssige Erklärung. Sogar der Ausflug, den der Vater mit den Kindern zur 200Jahr-Feier der Vereinigten Staaten nach New York gemacht hatte, entpuppt sich im nachhinein als heimlich schwules Wochenende in der damals wohl freizügigsten Metropole der westlichen Welt. Nach dem Tod des Vaters kann Alison jedoch nur mehr darüber spekulieren, wie schwer es für ihn gewesen sein muss, seine Homosexualität zu leben und gleichzeitig für seine Familie da zu sein. Andererseits ist sie sich bewusst, dass ein früheres Comingout ihn direkt in die Schwulenszene geführt hätte und sie selbst vielleicht nie geboren worden wäre. Und sein früher Tod zu Beginn der 1980er Jahre hat ihn wahrscheinlich auch davor bewahrt, eines der vielen Opfer von AIDS zu werden. Am Ende des Buches, am Ende von Zerrissenheit und Sprachlosigkeit, findet die Autorin jedoch einen versöhnlichen Schluss, der genauso bittersüß ist wie die ganze Erzählung.

> Jochen Pichler

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Chiamami col tuo nome, André Aciman, 2008, Guanda; ISBN 978 88 6088067 3 Das Buch erschien auf deutsch ebenfalls 2008 unter dem Titel „Ruf mich bei deinem Namen“ bei Kein&Aber, ISBN 978 3 0369 5515 5

inosservato. Il calore, il sole e le cicale riducono le loro chiacchierate a scambi di parole minimi: „Oliver, dormi?“ Silenzio. „No. Dormivo.“ „Scusami.“ Ma ben presto la conversazione tra i due ragazzi suggerisce al lettore che il loro torpore estivo nasconde sensazioni e sentimenti ben più profondi che prima o poi forse si faranno sentire con parole più esplicite.

Chiamami col tuo nome

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Un‘estate negli anni 80, da qualche parte sulla Riviera di Ponente. La famiglia del diciasettenne Elio, come ogni anno, aspetta il nuovo studente straniero che trascorrerà la sua vacanza studio nella loro villa al mare. E come al solito le giornate dovranno passare tra mattinate di studio e musica, pranzi frugali, riposi pomeridiani e cene interminabili con il giovane ospite, il padre professore universitario e la madre, qualche amico letterato o musicista di passaggio ed Elio. Qualche nuotata, le passeggiate in paese e, se la famiglia è fortunata, alla fine dell‘estate potrà dire di aver avuto un ospite che con la sua piacevole compagnia e il suo modo intelligente di fare conversazione, ha stimolato intellettualmente gli adulti e insegnato qualcosa al loro figlio. Per Elio invece sarà l‘ennesima scocciatura che inizia con il trasloco in una stanza molto più piccola dato che la sua

viene sempre ceduta all‘ospite. Proseguirà con l‘obbligatorio giro nel quale Elio dovrà far vedere all‘ospite la villa con il giardino e la piscina, la spiaggia e il paese, e terminerà solo in autunno quando l‘inizio della scuola è ormai vicino e ad Elio rimarranno solo pochi giorni per riprendersi la sua stanza, il suo giardino, la sua spiaggia, la sua estate ormai finita. Ma quest‘estate è diversa: infatti, Oliver, il laureando americano, pare essere diverso degli altri ospiti. Elio si sente subito confusamente attratto da lui, e il ritmo delle sue giornate si sintonizza quindi con quelle di Oliver: il mattino i ragazzi lo trascorrono nel giardino, a trascrivere pezzi di musica e correggere le bozze del libro che Oliver sta scrivendo. Le ore più calde prima del pranzo Oliver le passa sdraiato su un telo al bordo della piscina („Questo è il paradiso.“), con un grande cappello di paglia che gli copre il viso, mentre Elio continua i suoi studi al tavolo osservandolo credendosi

„Elio?“ „Sì?“ „Che stai facendo? „Leggo.“ „Non è vero.“ „Allora penso.“ „A cosa?“ Morivo dalla voglia di dirglielo. „Affari miei.“ „Non me lo vuoi dire?“ „Non te lo voglio dire.“ „Non me lo vuole dire.“ Arriverà il momento, in cui le cose verranno dette, e anche se non si scopre subito se la storia dei due ragazzi finirà in maniera drammatica o se è destinata a un lieto fine, rimane comunque la bella sensazione di poter assistere alla nascita di una storia d‘amore, anzi di quella prima storia d‘amore che anche se finisse, rimarrebbe sempre nel ricordo degli amanti come quella più importante della loro vita. E anche se dopo quell‘estate arriveranno altre estati con altri ospiti in Riviera, le stesse giornate cocenti, le solite cicale assordanti, niente sarà più come prima. > Jochen Pichler


News nella sua abbazia. „Nessuno sta al di sopra della legge, neanche il vescovo“, afferma il sindaco di Kerkrade.

www.volkskrant.nl

Paesi Bassi: Divieto di nozze in convento Il consiglio comunale di Kerkrade ha deciso di revocare all‘abbazia di Rolduc l‘autorizzazione a fungere da locale per la celebrazione di matrimoni civili. Come tanti altri edifici storici olandesi anche la biblioteca in stile rococò dell‘abbazia era stata utilizzata sin dal 1996 per la celebrazione di molti matrimoni da parte dell‘ufficiale di stato civile di Kerkrade i cui cittadini spesso la preferivano per la sua bellezza agli uffici moderni del municipio. A seguito dell‘introduzione del matrimonio gay nel 2001, la diocesi di Roermond quale proprietaria dell‘abbazia si è però rifiutata di far celebrare il matrimonio civile alle coppie dello stesso sesso invitandole invece a utilizzare i locali del municipio. Il sindaco, che in un‘intervista al Volkskrant aveva dichiarato che l‘amministrazione comunale non era a conoscenza di questa prassi „in contrasto con la Costituzione“, ha cercato inutilmente di far cambiare idea al vescovo. Il consiglio comunale ha quindi deliberato che finché la diocesi di Roermond non accetterà anche coppie dello stesso sesso, non ci saranno più celebrazioni di matrimoni civili

wir homophiles und heterophiles Zusammenleben als gleich wertvoll an, basierend auf den gleichen Werten. So machen wir es für Schwule und Lesben leichter, ihre Orientierung anzunehmen. Es gibt heute überall in Norwegen viele junge Menschen, die endlich das Gefühl haben werden, von der Gesellschaft völlig respektiert zu sein. Das ist wichtig für den Einzelnen. Das ist wichtig für uns als Gesellschaft. Nur so bekommen wir eine ehrbare Gesellschaft“, erklärte Kinder- und Gleichstellungsministerin Anniken Huitfeldt. w w w. n o r w e g e n . n o / p o l i c y / p o l i t i c a l n e w s /

Norwegen: Ehe für alle Mit einer satten Zweidrittelmehrheit hat der norwegische Reichstag Mitte Juni beschlossen, die Ehe auch für gleichgeschlechtliche PartnerInnen zu öffnen. Nach den Niederlanden, Belgien und Spanien ist Norwegen nun das vierte europäische Land, in dem die Ehe auch Homosexuellen zugänglich ist. Obwohl Norwegen bereits 1993 die eingetragene Partnerschaft eingeführt hatte, die Schwulen und Lesben eine weitgehende rechtliche Anerkennung ihrer Beziehung ermöglichte, befand die Regierung eine völlige Gleichstellung zwischen homosexuellen und heterosexuellen Partnerschaften als notwendig. Nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes voraussichtlich im Januar 2009 können somit auch gleichgeschlechtliche Paare heiraten, Kinder adoptieren und die künstliche Befruchtung in öffentlichen Einrichtungen in Anspruch nehmen. Wer bereits in den vergangenen Jahren eine eingetragene Partnerschaft eingegangen ist, kann sie in eine Ehe umwandeln lassen. „Durch das Gesetz erkennen

Neues+Ehegesetz.htm

Tirol: Bauernjugend für Homoehe Laut einer Studie, mit der die Tiroler Jungbauernschaft ein Innsbrucker Marktforschungsinstitut beauftragt hatte, ist eine satte Mehrheit der im ländlichen Raum Tirols lebenden Jugendlichen für die gesetzliche Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Bei der telefonischen Umfrage vertraten mehr als 60% der ca. 700 Befragten im Alter zwischen 16 und 25 Jahren die Ansicht, dass die gleichgeschlechtliche Ehe oder eingetragene PartnerInnenschaft in Österreich gesetzlich eingeführt werden solle. Immer noch mehr als die Hälfte von ihnen hat sich auch für die Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare ausgesprochen. In der in der Tageszeitung „Der Standard“ veröffentlichten Meldung wird der Landesobmann der Tiroler Jungbauernschaft Adi Moser dazu mit der Aussage zitiert: „Die Tiroler Landjugend präsentierte sich weltoffen und liberal“. www.derstandard.at

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News

USA: Da rivedere la legge del „Don‘t ask, don‘t tell“

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Approvata nel 1993 sotto la presidenza di Bill Clinton, la legge nota come „Don‘t ask, don‘t tell“ doveva migliorare la situazione di gay e lesbiche nelle forze armate statunitensi. Fino ad allora gli omosessuali non potevano neanche accedere all‘esercito, mentre la soluzione di compromesso raggiunta da Clinton li ammetteva finché nascondevano il loro orientamento. La legge vieta ai superiori di indagare sulle inclinazioni sessuali dei loro soldati (don‘t ask) imponendo allo stesso tempo a tutti i membri delle forze armate di tacere sul proprio orientamento sessuale (don‘t tell). I soldati che non rispettassero il divieto di rendere pubblica la loro identità sessuale sono immediatamente licenziati. Dato che dal 1993 i soldati e le soldatesse licenziati per omosessualità erano quasi 12.500 con gravi danni economici per il Dipartimento della difesa, un gruppo di studio dell‘Università della California composto da rappresentanti delle più alte cariche delle forze armate statunitensi in pensione, ha ora pubblicato una ricerca sugli effetti generali della politica del „Don‘t ask, don‘t tell“. Essa ha accertato che la legge costringe molti soldati

alla menzogna, rende più difficile ai soldati omosessuali di eseguire i loro obblighi e che l‘outing dei soldati non costituisce alcun rischio per la buona condotta, la morale, la disciplina e la coesione delle truppe. Raccomanda quindi di abolire la legge nella parte in cui impone ai membri delle forze armate il „don‘t tell“ consentendo in futuro ai soldati di vivere apertamente la loro identità sessuale. Raccomanda infine di eliminare dalle direttive disciplinari del Dipartimento della difesa ogni riferimento a bisessualità, omosessualità, condotta omosessuale, atti omosessuali ecc. introducendo regole di condotta espresse in termini neutri come il divieto di „contatti fisici inappropriati in pubblico al fine di soddisfare desideri sessuali“. Ogni decisione sulla riforma della legge spetterà comunque al prossimo governo degli Stati Uniti. www.palmcenter.org

Italia: Niente omofobo

affido

a

padre

Con una decisione sorprendente, ma lineare dal punto di vista giuridico, il Tribunale dei minori di Catanzaro ha deciso di non affidare un minore anche a suo padre in quanto razzista e omofobo. A seguito della riforma delle norme sull‘affidamento dei minorenni era stata abbandonata la prassi di affidare il minore esclusivamente ad un genitore (quasi sempre la madre) limitando il rapporto dell‘altro genitore alle poche ore in cui gli era permesso di esercitare il diritto di visita. Dopo la recente introduzione del cosiddetto affido condiviso, il bambino viene ora di regola affidato a entrambi i genitori. Solo nei casi in cui ciò sarebbe contrario agli interessi del minore, viene disposto il suo affidamento ad uno solo dei genitori. Nel caso concreto la sentenza di Catanzaro

ha accertato che l‘affidamento anche al padre era contro gli interessi del bambino motivando la sua decisione tra l‘altro anche con l‘atteggiamento omofobo del padre che si era detto d‘accordo che il figlio continuasse a stare con la mamma purché quest’ultima „eviti frequentazioni con persone omosessuali e drogati“. Secondo il tribunale si tratta di „una condotta che dovrebbe essere estranea al genitore, il quale deve educare il figlio verso la tolleranza, la cultura della diversità e l’avversione verso ogni forma di odio razziale“. www.altalex.it

Italia: Assicurazione vedovo gay

risarcisce

Dopo la morte del suo compagno ottantenne in un incidente stradale nel Lido di Venezia, un anziano gay si è visto riconoscere dalla società di assicurazione Generali, tenuta al pagamento del risarcimento del danno, gli stessi diritti che sarebbero spettati in una situazione analoga a una coppia sposata. Infatti, il signore, di nazionalità francese ma residente a Venezia da molti anni, era legato al suo compagno da un PACS concluso nel loro paese di origine che in sede di trattative con l‘assicurazione per la determinazione della misura del danno era stato pienamente riconosciuto dalle Generali come se si trattasse di una famiglia tradizionale. In questo modo il risarcimento concordato era quello che di solito spetta a chi perde un prossimo congiunto in un infortunio stradale, anche se dal punto di vista formale in Italia non vi era tra i due compagni alcun legame di parentela. www.agenziaitalia.it

Svezia: Adozioni omosessuali Secondo una recente ricerca della radio pubblica Sverige Radio, a cinque anni dall‘entrata in vigore della legge


che introduceva il diritto di adozione anche per le coppie omosessuali, gli operatori sociali svedesi addetti all‘applicazione pratica traggono un bilancio negativo: infatti, dal 2003 ad oggi solo una coppia omosessuale è riuscita a completare con successo l‘iter burocratico previsto per l‘adozione di un minore. Molte altre coppie omosessuali avevano ottenuto dalle istituzioni pubbliche il certificato di idoneità necessario per l‘adozione senza vedersi poi assegnato un bambino o una bambina. Ciò è dovuto al fatto che la maggior parte delle adozioni in Svezia riguarda bambini stranieri e che quasi sempre gli enti stranieri si rifiutano di affidare bambini del loro paese a coppie omosessuali svedesi a prescindere da ogni certificato pubblico sulla loro idoneità genitoriale rilasciato dalle autorità svedesi. La responsabile del Centro di adozione di Stoccolma critica però anche l‘atteggiamento dei suoi connazionali affermando che finché anche loro non assegnano un maggior numero di orfani a coppie omosessuali, sarà difficile convincere le autorità straniere a farlo. Spesso le verrebbe chiesto quante siano le adozioni di coppie omosessuali. „Finché devo continuare a rispondere Zero, siamo poco credibili.“ www.tagesspiegel.de/

Italia: Condanna per infezione da HIV Una recente sentenza del Tribunale di Savona ha condannato per lesioni gravissime un uomo che, pur sapendo di essere sieropositivo aveva avuto plurimi e ripetuti rapporti sessuali con la sua compagna senza usare il preservativo. La difesa aveva chiesto l‘assoluzione sostenendo tra l‘altro che l‘imputato avrebbe informato la sua compagna del suo stato di salute a lui stesso noto dal lontano 1986.

Non essendo emerse circostanze concrete che provassero che la compagna si era infettata con l‘HIV in altro modo, il Tribunale ha pronunciato la condanna specificando che anche se l‘imputato fosse riuscito a provare di aver riferito la sua sieropositività alla sua compagna ciò non avrebbe fatto venir meno l‘illiceità del suo comportamento. Infatti, essendo la salute un diritto individuale di cui nessuno può validamente disporre, l‘eventuale consenso del partner ad avere rapporti sessuali non protetti non esime il sieropositivo da responsabilità penale in caso di contagio. La sentenza conferma un indirizzo ormai consolidato della giurisprudenza italiana.

scienza nei confronti della sessualità degli animali, e smentiscono le posizioni di coloro che si ostinano a sostenere che l‘omosessualità sia contro natura. La mostra rimarrà aperta fino al 7 gennaio 2009. www.museodoria.it

www.altalex.it

Italia: Contro natura? Al Museo civico di Storia naturale „Giacomo Doria“ di Genova è stata inaugurata il 7 ottobre la mostra „Against nature?“. L‘esposizione proveniente dal Museo di Storia naturale dell‘Università di Oslo ed inserita nel Festival della Scienza di Genova dedicato quest‘anno alla diversità, mostra come l‘omosessualità non sia affatto un fenomeno umano di degenerazione culturale, ma è „naturalmente“ presente in molte speci animali. Per tutti gli animali osservati sia in cattività che in natura, dai papagalli ai leoni, dalle scimmie bonobo alle giraffe, l‘eterosessualità sembra essere solo uno dei tanti modi di vivere la sessualità. Gli scienziati hanno accertato inoltre che l‘omosessualità non si esprime solo in comportamenti ludici o comunque limitati al solo atto sessuale, ma che in molte specie si verificano vere e proprie relazioni stabili e monogame tra animali dello stesso sesso che possono durare per un‘intera esistenza. I dati scientifici presentati nella mostra hanno rivoluzionato l‘approccio della

Canada: candidato cristiano sostiene che i gay debbano essere uccisi David Popescu, un fondamentalista cristiano che si è candidato, come indipendente, alle elezioni federali canadesi, è stato invitato lo scorso 29 settembre a un dibattito pre-elettorale presso una scuola secondaria di Sudbury. Nel corso dell’evento, rispondendo a una domanda sui matrimoni omosessuali, ha sostenuto che “gli omosessuali dovrebbero essere giustiziati”. L’indomani, Popescu ha giustificato le proprie affermazioni affermando che la sua posizione è la medesima della Bibbia. Sulla vicenda è stata avviata un’inchiesta dalla polizia: le conclusioni saranno rese note nei prossimi giorni. La vicenda pare ancora più paradossale se si considera che in Canada il matrimonio tra persone dello stesso sesso è stato legalizzato nel 2005 con il Civil Marriage Act. www.uaar.it

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Schoolmates Nato nel 2006 come progetto dell‘ Arcigay di Bologna, Schoolmates si pone come obiettivo di fornire al personale scolastico e agli studenti strumenti e competenze per riuscire a prevenire o gestire situazioni di violenza psicologica e fisica nella scuola, non solo ma soprattutto contro persone gay e lesbiche o percepite come tali. In collaborazione con l‘Ufficio antidiscriminazione della città di Vienna, l‘associazione spagnola Colegas e la Campagna contro l‘omofobia KPH di Varsavia e con il sostegno della Commissione Europea, il progetto si è svolto a Bologna, Modena e Reggio Emilia e nelle città di Vienna, Varsavia e Madrid. Uno degli strumenti nati nell‘ambito di questo progetto sono gli opuscoli informativi che saranno ora distribuiti in Alto Adige in lingua italiana e tedesca dall‘associazione Centaurus. Vorurteile gegenüber homosexuellen Menschen sind leider auch in Europa weit verbreitet. Auch im schulischen Bereich werden dadurch immer wieder Jungen und Mädchen ausgegrenzt, bedroht, verletzt und damit in ihrer gesunden Entwicklung beeinträchtigt. Sogar LehrerInnen, die gegenüber den verschiedenen Möglichkeiten der sexuellen Orientierung aufgeschlossen wären, wissen oft nicht, wie mit solchen Situationen umzugehen ist. Viele sehen sogar weg oder sind voreingenommen, was bei den betroffenen Jugendlichen dazu führt, dass sie die Verantwortlichen gar nicht mehr über Übergriffe informieren und sich damit zusätzlich isolieren. Il primo manuale si rivolge a insegnanti e a chi lavora nelle scuole. Dopo aver fornito le

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informazioni essenziali relative da un lato all‘orientamento sessuale e ai vari modi di vivere la propria sessualità, dall‘altro al fenomeno del bullismo che ha come vittime non solo persone omosessuali, il testo presenta il progetto Schoolmates fornendo alle scuole una linea guida concreta per affrontare fenomeni di bullismo omofobo. L‘opuscolo propone piani di lezione e lavori di gruppo da fare con gli studenti dell‘istituto scolastico al fine di far emergere le problematiche che nascono in un gruppo a causa di fenomeni di emarginazione o violenza. Gli insegnanti avranno quindi a disposizione una serie di strumenti che li aiuteranno a rendere consapevoli i loro alunni dell‘incidenza negativa del bullismo sulla dinamica di gruppo nelle classi e lo sviluppo individuale dei giovani. Le istruzioni pratiche sono arricchite di informazioni storico-culturali sull‘omosessualità e di dati statistici sul bullismo nelle scuole italiane. Das Handbuch für StudentInnen erklärt hingegen den SchülerInnen in jugendgerechter Sprache, was Bullying ist und wie es im Klassenzimmer bekämpft werden

kann. Es wendet sich deshalb auf der einen Seite an jene Jugendlichen, die selbst Opfer von Bullying geworden sind. Ihnen gibt es praktische Ratschläge und vermittelt Strategien, wie sie sich in Zukunft besser zur Wehr setzen können. Die zweite Zielgruppe der Broschüre sind hingegen Jugendliche, die Bullying an ihrer Schule beobachten, aber nicht wissen, wie sie sich in solchen Situationen verhalten sollen. Am Ende werden schließlich auch diejenigen angesprochen, die selbst Bullys in der Klasse sind. Dabei geht es zwar in erster Linie um psychische und physische Gewalt gegen schwule oder lesbische SchülerInnen. Die Art, wie das Thema aber in den Broschüren behandelt wird, zeigt, dass die Strategien für jede Form von Bullying geeignet sein können. Denn an die Stelle von Ausgrenzung derjenigen, die als schwache Opfer wahrgenommen werden, tritt am Ende der Respekt vor dem, was anders ist: das können Ausländer genauso sein wie Menschen mit Behinderung oder eben Lesben und Schwule. > Jochen Pichler


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„Anche questo governo non farà Die Geschichte von Gustav und Luca geht um die Welt Berlin, Cordoba, Toronto, New York, Tel Aviv... 30 italienische Städte... und Bozen. Nicht einmal Brad Pitt und Angelina Jolie würden eine derartige Promotion-Tour für einen Film auf sich nehmen. Gustav Hofer und Luca Ragazzi tun es aber. Seit der Premiere ihres gemeinsamen Dokumentarfilms „Suddenly Last Winter – Improvvisamente l’inverno scorso“ im Februar 2008 auf der Berlinale sind sie Italiens Vertreter, die nur eine Botschaft an ihre Mitmenschen in die Welt hinaus tragen: dass sie sich lieben, seit acht Jahren zusammenleben, für den italienischen Staat aber nicht existieren. Für den gebürtigen Sarner Gustav Hofer, 32, und seinen römischen Lebenspartner Luca, 37, ein Grund mehr dieses Recht über den Film einzufordern; zu erklären, warum in einem europäischen Land wie Italien die Öffnung der Ehe oder eine Lebensgemeinschaft zwischen zwei Frauen oder Männern gesetzlich nicht vorgesehen ist. Zwei Jahre lang haben die beiden Journalisten an ihrem Film gearbeitet, die erfolglose Diskussion über die Einführung eines GesetzEntwurfes namens Pacs, später Dico verfolgt, mit Befürwortern und Gegnern gesprochen und Passanten, Kirchenvertreter, Rechtsradikale und Politiker interviewt. Herausgekommen ist ein sehr persönliches Tagebuch – mal heiter, mal bitter ernst – das einmal mehr deutlich macht, dass offen schwules Leben in der westlichen Welt noch längst nicht selbstverständlich ist. Das weiß auch Brad Pitt, der dafür zwar nicht ein ganzes Jahr mit einem Film darüber um die

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Welt reist, sich aber dennoch (zumindest in Kalifornien) für die gleichgeschlechtliche Ehe einbringt. Niemand habe das Recht, jemand anderem sein Leben zu verbieten, so sein Statement. Unzählige Menschen hat Gustav Hofers und Luca Ragazzis Film bereits erreicht – alleine in Italien waren es über 15.000 Zuschauer. Einige nationale und internationale Preise wurden ihnen zuteil, darunter der Preis der Stiftung Südtiroler Sparkasse „Bester Dokumentarfilm“ bei den Bozner Filmtagen im April 2008. Doch die beiden haben noch längst nicht ihr Ziel erreicht. Wir haben Gustav Hofer und Luca Ragazzi auf ihrer Promotion-Tour von Zürich nach Rio De Janiero begleitet. Gustav, was war die häufigste Reaktion, die ihr bisher auf den Film bekommen habt? Gustav: Am häufigsten wollten die Menschen ihren Augen nicht trauen. Jedenfalls im Ausland. Vielen war nicht bewusst, dass der Vatikan in der italienischen Innenpolitik dermaßen mitmischt. Auch die homophoben Aussagen haben viele schockiert und manche haben bereits angekündigt, demnächst ihre Ferien nicht mehr in Italien verbringen zu wollen. In Südkorea haben wir sogar den Grand Prix der Jury gewonnen, sogar dort wurde der Film verstanden und im TV ausgestrahlt. Hat es auch negative Reaktionen gegeben? Gustav: Negative Reaktionen gab es bisher nur ein Mal. Nach der Vorführung in Brescia meinte ein älterer Mann zu Luca, dass er im

Film kein „sich liebendes Paar“ sehen habe können. Luca war sehr verwirrt. Nach Ende des Abends haben ihm die Veranstalter gesagt, dass dieser Herr ein ehemaliger Priester war. Für alles gibt es also eine Erklärung. Luca, il Vostro documentario è riuscito a promuovere qualcosa nell‘ambito politico italiano? Luca: E‘ riuscito forse a creare un pò di imbarazzo fra i politici che continuano a ignorarci. Abbiamo presentato il film a Milano e prima della proiezione c‘è stato un dibattito con il ministro Rotondi. Purtroppo si capiva che parlava in politichese e che anche questo governo (N.B: il governo Berlusconi del 2008) e questo parlamento non farà alcuna legge. Cosa dovrà succedere secondo Voi affinchè una legge simile ai Dico proposti nell’era Prodi venga approvata? Luca: Se Dico fosse stata gestita meglio dalla stampa avrebbe anche potuto trovare una propria strada, invece si è cominciato a parlare di matrimonio, di adozioni ecc. All’inizio i sondaggi dicevano che il 65 per cento degli italiani era a favore, sopo tutta questa camapgna giornalistica i favorevoli erano scesi ai 35 per cento perché erano spaventati. Ma nella proposta di legge non si parlava di questo. Se questa legge venisse riproposta identica, ma senza retorica e propaganda, come una cosa che riconosce dei diritti alle persone, allora anche gli italiani sarebbero d’accordo. Voglio dire perché no, perché solo noi, l‘Austria e la Grecia non dobbiamo essere pronti? Se ci pensi è un paradosso, per la storia che hanno, che l‘Italia, l‘Austria e la Grecia, siano gli unici paesi


alcuna legge“ senza questa legge, forse perché continuiamo a guardare indietro, a farci belli del nostro passato e non siamo capaci di guardare avanti. Gustav: Unserer Meinung nach braucht es auch noch mehr Aufklärungsarbeit in der Öffentlichkeit. Leider bilden sich viele Bürger nicht ihr eigene Meinung und glauben, dass nur das, was sie in den Medien hören und lesen, Gültigkeit habe. Italien müsste die europäische Direktive einhalten. Es gibt vom Europäischen Parlament eine Direktive, die jedes Mitgliedsland beauftragt ein Gesetz einzuführen. Jene Länder, die diesem Auftrag noch nicht gefolgt sind, sind Italien, Griechenland und Österreich. Quali saranno i Vostri prossimi passi a favore di una legge contro l‘omofobia? Luca: Continuiamo a presentare il film, a creare dibattiti e cercare di portare l‘attenzione mediatica a questo tema. A Gennaio 2009 uscirà il DVD con il libro dove una bella parte sarà dedicata anche al tema dell‘omofobia in Italia. Sul nostro sito www.improvvisamentelin vernoscorso.it aggiorniamo sempre gli atti omofobi che continuano a succedere. Gustav, du bist einer der wenigen geouteten Südtiroler. Wie geht Deine Familie, die in Luttach im Ahrntal daheim ist, damit um? Gustav (lacht): Die Frage habe ich auch meinem Vater gestellt und er hat gesagt, dass er selbst froh ist über diesen Film. Denn endlich werden Fragen, ob sein Sohn, der in Rom lebt, verheiratet ist oder Kinder hat – solche Fragen wird es in Zukunft nicht mehr geben. Ich muss sagen: Meine Familie hat den Film schon vor der offiziellen

Präsentation gemocht und uns für den Mut gratuliert, den wir hatten. Was habt ihr in Eurem Leben noch vor? Umzug? Auswandern? Heiraten? Oder Globetrotter bleiben? Gustav: Wenn wir das wüssten! Die nächsten Monate werden wir ständig auf Achse sein. Wir wollen das Land noch nicht verlassen, da

wir noch hoffen, Dinge verändern zu können. Und irgendwann werden wir auch in Italien heiraten.

> Stefan Windegger

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KINO CINEMA Khastegi (Tedium) Iran, 2008, Motemedian

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minuti,

regia:

Bahman

Era l’opera prima „Khastegi“ (Tedium) del regista iraniano Bahman Motamedian, uno dei due film sorpresa che sono stati presentati nella sezione Orizzonti della 65. Mostra Internazionale d‘Arte Cinematografica di Venezia 2008. Ed è diventato un successo tra i cinofili. Tra fiction e documentario, l’opera racconta la storia di sette transessuali di Teheran, sei ragazzi con il desiderio di diventare donne ed una ragazza con l’anima e l’energia di un ragazzo. L’incompatibilità tra la loro identità interiore ed il loro corpo viene ritratta sullo schermo mettendo in evidenza il duro rapporto con le radici tradizionali della società iraniana. Il regista Bahman Motemedian mette in scena la solitudine dei suoi personaggi, non accettati neanche dalle loro stesse famiglie, con uno stile che annulla il confine tra fiction e realtà. Le vicende dei sette personaggi si intrecciano in un racconto che mira a farsi specchio della dura verità del paese mediorientale e che dunque trascende la tematica principale per proporre un discorso più ampio sull’integralismo religioso ed il tradizionalismo dell’Iran. Il risultato finale però non raggiunge il livello di pura denuncia. Il film infatti si limita a raccontare e a rappresentare, non esplicitando la critica culturale ma lasciandola immanente elemento sotterraneo della realtà cristallizzata sullo schermo. L’autore si focalizza sull’interiorità dei personaggi permettendogli tra l’altro di confessare in macchina i loro dissapori e la loro tristezza, il loro desiderio di scappare da una vita che non sentono propria. L’aspetto più convincente ai critici dell’opera è la costruzione del racconto in capitoli. Questa struttura infatti, pur assegnando ad ognuno di

essi il compito di focalizzarsi su una storia nello specifico, non spezza la narrazione in parti a sé stanti, ma interseca continuamente le diverse vicende dei personaggi ottenendo un risultato compatto che fa confluire le storie in un discorso unitario. Ciò che invece rappresenta l’aspetto negativo del film è una certa ripetitività delle situazioni che poteva essere evitata diminuendo la durata con qualche taglio, soprattutto nella parte finale. “Khastegi” rimane comunque un lavoro importante e coraggioso su un tema ostico, un film che possiede forza politica ed un’attenta sensibilità. Il regista Motamedian: “Fare un film sui transessuali e sui problemi che devono affrontare in Iran è stato tutt’altro che facile. Più mi accorgevo che mi stavo allontanando dal mio ruolo di regista per assumere

quello di chi si unisce alla lotta dei protagonisti, più capivo che la mia stava diventando una sorta di sfida; al tempo stesso, però, dovevo stare attento a non cadere nella trappola degli slogan politici del momento e riuscire inoltre a mettere in evidenza gli aspetti pluridimensionali e mutevoli della società in cui vivo con tutti i suoi fenomeni. In particolare volevo mostrare l’atteggiamento della società iraniana nei confronti dei transessuali, cosa non semplice vista la cultura profondamente tradizionale del paese. Khastegi è un film sulla “nostra identità” nel senso più ampio del termine”. Allo stesso Festival di Venezia, è stato assegnato a “Khastegi” il premio Brian, il premio degli atei italiani per il film che più degli altri porta i valori del laicismo sul grande schermo, un


premio che il regista però non poteva apprezzare. La motivazione del rifiuto, da parte del regista, è: ”Il mio film e lo scopo del mio film non ha nulla a che fare con la religione”. Non poteva gradire nel suo curriculum la menzione di un premio assegnato da una associazione di atei non solo per sottrarsi a sanguinarie fatwa, ma più semplicemente per evitare ritorsioni in termini di censura o difficoltà nella sua ulteriore carriera in termini di accesso alla distribuzione e alla produzione. Una decisione, che ha suscitato polemiche. Ma resta comunque il coraggio del regista di aver fatto un film del genere. XXY

Argentinien, 2007, 87 Minuten, Regie:Lucía Puenzo, Drehbuch: Lucía Puenzo (nach Cinismo, Kurzgeschichte von Sergio Bizzio), DarstellerInnen: Inés Efron, Ricardo Darín, Valeria Bertuccelli,Martín Piroyansky

Alex‘ Eltern sind von Argentinien an die Küste von Uruguay gezogen. Grund dafür war nicht nur Flucht vor der Großstadt und Naturliebe. Der Hauptgrund war ihr Kind Alex, das vor Diskriminierung geschützt werden soll, dem sie eine halbwegs „normale“ Kindheit ermöglichen wollten. Doch nun ist Alex 15 Jahre alt und will ihr Leben in die Hand nehmen. Scheinbar zufällig lädt Alex‘ Mutter Freunde aus Argentinien ein: einen Chirurgen mit seiner Frau und Teenager-Sohn Álvaro. Der Zweck des Besuchs, welcher Alex und ihrem Vater zunächst verheimlicht wird, ist es, die Möglichkeiten einer Operation zu diskutieren. Gleich bei ihrer ersten Begegnung verblüfft Alex den schüchternen Alvaro mit ihrer provozierenden Art. Sie sehe ihm an, dass er gerade gewichst habe und ob er mit ihr vögeln wolle, fragt sie ihn mit einem lauernden Lächeln. Alvaro reagiert sprachlos

auf die Anmache, doch der Anziehungskraft des rätselhaften Mädchens, das sich so offensiv wie scheu verhält, kann er sich nicht entziehen. Erst allmählich merkt Alvaro, dass Alex’ herausforderndes Verhalten ihr Schutz ist. Denn Alex entspricht nicht der Norm. Sie ist intersexuell, besitzt männliche und weibliche Geschlechtsmerkmale. Eine Laune der Natur, die gleich nach der Geburt operativ hätte korrigiert werden können. Doch ihre Eltern wollten das nicht, sind stattdessen vor dem Gerede und den wohlmeinenden Ratschlägen ans Meer geflohen. Doch mit 15 scheint eine Entscheidung notwendig, auch weil Alex aufgehört hat, die Medikamente zu nehmen, die ihre männliche Seite bisher unterdrückten. Soll aus Alex nun ein Mann oder eine Frau werden? Da aber Alvaro selbst auf der Suche nach seiner sexuellen Identität ist und sich peu à peu als tendenziell schwul entpuppt, bekommt die Liebe unerwartet doch eine Chance – auch wenn Álvaros Vater vorerst erleichtert ist, nachdem er hört, dass sein Sohn Alex attraktiv findet; er war besorgt, dass Álvaro homosexuell sein könnte. Am Ende des Films über diese schmerzhafte Identitätssuche, als Alex’ Vater ihr sagt, dass nur sie entscheiden könne, wie sie weiterleben will, antwortet Alex: «Und wenn es gar nichts zu entscheiden gibt?» Ein Satz, in dem der Aufbruch in ein selbstbestimmtes

Leben anklingt. Die argentinische Regisseurin Lucia Puenzo hat aus dem ungewöhnlichen Schicksal ihrer mit der androgynen Inés Efron ideal besetzten Protagonistin ein bewegendes Pubertätsdrama gemacht,fürdassielangerecherchiert hat und in dem sie weit über eine bloße Tolerierung des „Anderen“, der reinen Existenzanerkennung von Intersexualität hinausgehen will. Regisseurin Puenzo: „Es reicht nicht, dafür einzutreten, dass jeder in seiner physischen Ganzheit und sexuellen Orientierung zu achten ist. Es muss jedem Menschen das Recht eingeräumt werden, über seinen Körper und seine Identität selbst zu entscheiden. Der Film unterstreicht, dass gleich wer von einem Körper angezogen werden kann wie ihn Alex hat. Einer meiner Lieblingsdichter hat einmal geschrieben: „Wir wollen nicht respektiert werden, wir wollen begehrt werden.“ Die Suche nach der sexuellen wie jeder anderen Identität ist von größter Bedeutung im Leben jedes einzelnen.“ XXY hat zahlreiche positive Kritiken undPreiseerhalten.Besondersgelobt wurde „XXY“ nicht nur wegen der sehr gut besetzten DarstellerInnen, der berührenden Geschichte und den Landschaftsaufnahmen, sondern auch wegen der Kameraführung, die die Atmosphäre aus Distanz und Kälte unterstreicht, indem sie die Geschichte in ein diffuses blaugraues Licht taucht.

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Men in the Alps Die Geschichte hinter dem Kalender Seit 2006 erscheint heuer bereits zum vierten Mal der MännererotikKalender MEN IN THE ALPS. Was als Hobbyprojekt unter Freunden begonnen hat, ist spätestens mit der Edition für 2009 zu einem professionellen Unternehmen geworden, das an künstlerischer und grafischer Qualität anderen Fotokalendern in nichts nachsteht. Was sich in diesen Jahren nicht geändert hat, ist die Begeisterung, mit der die freiwilligen Mitarbeiter bei der Sache sind, und der gute Zweck, für den der Verkaufserlös regelmäßig bestimmt ist. Der gesamte durch den Verkauf des Kalenders erzielte Preis geht nämlich an gemeinnützige Einrichtungen. Zu Beginn des Projektes wurde das Haus Emmaus gefördert, in dem AIDS-Kranke betreut wurden, bis dessen Trägerverein Caritas laut Insidern nicht mehr mit der auf dem Kalender gezeigten nackten Haut in Verbindung gebracht werden wollte. Ein weiterer Teil des Geldes geht an die AIDS-Hilfe Pro Positiv, die sich für Aufklärung

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über AIDS und Vorbeugung gegen HIV-Infektionen einsetzt. Nach dem Ausstieg der Caritas wird der andere Teil des Netto-Erlöses an den Verein DEBRA weitergeleitet, der sich um Kinder kümmert, die an der extrem seltenen Hautkrankheit Epidermolysis bulosa leiden (sog. Schmetterlingskinder). Insgesamt konnten bis heute beinahe 20.000 Euro an diese drei Einrichtungen gespendet werden. Dies ist nur möglich, weil alle Mitarbeiter vom Fotografen zum Organisator auf eine Entlohnung für ihren Einsatz verzichten, genauso wie die Models keine Gage erhalten. Vom Verkaufspreis werden lediglich der Druck und die Versandkosten bezahlt, während der Hauptbetrag als Spende an die oben genannten Südtiroler Organisationen geht. Sowohl auf der Homepage von MEN IN THE ALPS als auch auf jenen der geförderten Vereine kann jeder nachlesen, wie viele Spendengelder in den vergangenen Jahren verteilt worden sind und für welche konkreten Projekte oder Maßnahmen die begünstigten Organisationen das Geld dann eingesetzt haben. Diese

Transparenz spricht ebenfalls für das Projekt und ist im Non-ProfitBereich leider nicht immer so selbstverständlich. Inzwischen ist aus der lockeren Gruppe von fotobegeisterten Freunden ein gemeinnütziger Verein geworden, was einerseits eine größere Verantwortung gegenüber den Spendenbegünstigten bedeutet, andererseits aber den Weg in die Professionalität weiterführt, der auch auf künstlerischer Ebene bereits eingeschlagen worden ist. Dass der Spaß an der Arbeit und die Freude am guten Zweck aber unter der Professionalisierung nicht gelitten haben, beweisen nicht nur die Kalenderfotos selbst. Auch ein Blick hinter die Kulissen zeigt, dass Macher und Models das Lachen nicht verlernt haben. Die Models selbst sind weiterhin junge Männer aus Südtirol und dem ganzen oberitalienischen Raum, die über Mundpropaganda oder über die Website auf das Projekt gestoßen sind. Jeweils mehr als vierzig haben sich in den letzten beiden Jahren um ein Shooting beworben. Die zwölf interessantesten davon finden sich dann auf den Monatsblättern des Kalenders wieder. Die Ausgabe für 2009 hat dabei ein besonderes Augenmerk nicht nur auf traditionelle Berufe gelegt, sondern zeigt die Männer immer wieder an charakteristischen Orten der Südtiroler Landschaft. Da der Kalender immer öfter auch im Ausland auf Interesse stößt, machen die erotischen Männerfotos als angenehmen Nebeneffekt auch noch Werbung für Südtirol als landschaftlich reizvolle und gesellschaftlich weltoffene Reisedestination.


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Um zu wachsen brauchen wir deine Hilfe. Als Steu-

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erzahler/in kannst du neben den 8 Promille auch 5 Promille der Einkommenssteuer für Organisationen zur Förderung des Sozialwesens bestimmen. Zu diesen zählt auch Centaurus. Der Betrag wird vom ohnehin geschuldeten Steuerbetrag abgeführt und erzeugt keine Mehrkosten. Es bedarf keiner Nennung des Vereins, so kannst du deinen Beitrag vollkommen anonym abgeben. Es genügt deine Unterschrift auf dem Steuervordruck CUD, 730 oder UNICO sowie die Angabe der hier genannten Steuernummer des Vereins. Auch wenn du keine Steuererklärung abgibst, kannst du dein CUD ausfüllen und in einem Umschlag bei Bank oder Post kostenlos abgeben. Der Umschlag ist mit „Wahl für die Zweckbestimmung von fünf Promille der IRPEF“ zu beschriften. Auch dein Name und die Steuernummer müssen dort angegeben werden.

contribuente potrai destinare, oltre all’8 per mille, anche il 5 per mille dell’IRPEF ad organizzazioni di promozione sociale, tra le quali è compresa anche Centaurus. L’importo da destinare rappresenta una quota dell’imposta e non costituisce per il contribuente alcun costo aggiuntivo. Non devi specificare alcun nome di associazione, così potrai dare il tuo contributo in modo assolutamente anonimo. Basta apporre la tua firma nel campo apposito del CUD, del mod. 730 o in quello dell‘UNICO ed indicare il codice fiscale dell’associazione sotto citato. Qualora non presenti la dichiarazione dei redditi puoi comunque compilare l’apposita scheda CUD e presentarla in busta chiusa allo sportello di una banca o di un ufficio postale. La busta deve recare l’indicazione “Scelta per la destinazione del cinque per mille dell’IRPEF” nonché il tuo nome, cognome e codice fiscale.

94039480218 Mit deiner Hilfe kann Centaurus stärker und gezielter für dich da sein, deine Rechte auf allen Ebenen verteidigen und dir mit Rat und Tat zur Seite stehen. Solltest du keine Möglichkeit haben, uns auf diesem Weg zu Hilfe zu kommen, bzw. möchtest du den Verein noch stärker unterstützen, kannst du auch an folgende Kontonummer eine Spende überweisen. Spenden an ONLUS-Vereine sind von der Steuer absetzbar. Südtiroler Sparkasse IBAN IT41 E 06045 11600 000005002701 BIC CRBZIT2B090

Grazie anche al tuo contributo l’associazione Centaurus potrà difendere ancora meglio i tuoi diritti ed essere dalla tua parte in ogni battaglia di civiltà e di giustizia. Se non hai la possibilità di usare questo sistema o vuoi dare un contributo maggiore all’associazione, puoi anche versare una donazione sul seguente conto corrente. Le offerte ad associazioni ONLUS sono detraibili dalle tasse. Cassa di Risparmio di Bolzano IBAN IT41 E 06045 11600 000005002701 BIC CRBZIT2B090

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Centaurus Magazine 07  

Rivista lgbt in italiano e tedesco dell'Alto Adige. La redazione Vi augura una lettura interessante e stimolante, come è stato per noi il l...

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