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Die Studierenden haben das Wort Tektonik

Fragen um den Begriff der am Beispiel von Studiengang ARB 12 Herbstsemester 2013/14

Avola


Palast des Dareios I. Persepolis 500 v. Chr.

Vorwort der Dozenten (geschrieben von Axel Fickert)

Was für ein Abenteuer! Gewöhnlich haben wir als Dozenten einen kleinen Wissensvorsprung bei der Betreuung von Studentenarbeiten – das sollte sich diesmal etwas anders darstellen. Die Wahl des Themas „Tektonik“, dazu noch als Einstieg ins Semesterprojekt führte nicht nur zu regen Diskussionen unter uns Dozenten, sondern auch zu ungewohnt unsicheren Positionen bei den Tischkritiken. Selbst die Lektüre von Kenneth Frampton’s „Studien zur Kultur des Tektonischen“ half uns nur bedingt weiter, da dieses Buch dermassen kompliziert geschrieben ist, dass man ohne profundes kunstgeschichtliches Wissen kaum tiefer in die Materie eindringen kann. Wir mussten uns also selbst Gedanken über

die Frage machen, was den Begriff der Tektonik ausmacht, und welche Rolle er bei unseren gegenwärtigen Problemen spielen könnte. Dies hatte zur Folge, dass wir (Dozenten) an den Tischkritiken oftmals in die Situation kamen, wo wir anhand einer entwerferischen Fragestellung nicht sofort und eindeutig den richtigen Weg weisen konnten, sondern selbst erst einen Zugang zum vorliegenden Problem finden mussten. Die Herausforderung und auch die Chance dieser ungewohnten Lage war, dass man fast auf gleicher Augenhöhe in die Problemlösung eintreten musste, und sich damit tatsächlich in so etwas wie einer „Laborsituation“ wiederfand, wo kein Rezept sondern nur die Innovation hilft.


Was uns aus der Literatur und Architekturgeschichte schon bekannt war, ist die Erkenntnis, dass der Begriff der Tektonik keineswegs nur das Zeigen oder Offenlegen des tatsächlichen konstruktiven Aufbaues meint, sondern sehr viel mit Darstellung und Wahrnehmung zu tun hat. Die Bemerkung in der Einführung von Kenneth Frampon’s Buch, Tektonik sei die „Poesie des Fügens“, beschreibt kurz und treffend den komplizierten Sachverhalt: es geht offenbar um die visuelle Verständlichkeit dessen, was man ausdrücken will, und dessen, was davon wahrgenommen und verstanden wird. Damit diese Kommunikation tatsächlich funktioniert, braucht es eine gemeinsame Grundlage, und die kann nur die gemeinsame geschichtliche Erfahrung sein. Das Lasten und Tragen als Grunderfahrung jeglicher Bautätigkeit will im architektonischen Ausdruck wiedergefunden werden, und stellt die Frage nach dem Wesen der wichtigsten Bauteile: der Stütze, dem Balken, der Wand, dem Sockel, dem Dach. Bei dieser Suche nach dem Wesen eröffnete sich auch immer mehr die Einsicht, dass die Hierarchie dieser Bauteile bei der Anwendung im Raum in verschiedenen Kulturen sehr unterschiedlich gesehen wird: während im Abendland sicher das Dach und dessen Abstützung in Vordergrund stehen, gilt im Morgenland (vorderer Orient) das Hauptinteresse der Wand und dem wesensverwandten Gewölbe, das gut als Verlängerung der Wand gelesen werden kann. Wir können aus diesem Fundus, schöpfen, auswählen und auch mischen – nur sollten wir uns immer im Klaren über den Sinn der Anwendung sein. Dies verhindert, dass unsere Architektursprache auf das reine Zitat oder Motiv beschränkt bleibt. Was immer wir im Sinne einer Fügung von Bauteilen auch unternehmen: Wir werden immer zu einer Klärung der Struktur und deren Einbindung in eine genaue geometrische Ordnung verpflichtet sein. Die Geometrie als Grundlage eines Projektes ist ungleich wichtiger als eine ausgiebige Ausstattung mit tektonischen Details. Es ist ja ohnehin die Frage welches Ausmass an solchen Details ein Architektur - und Raumgebilde überhaupt erträgt ohne davon erdrückt zu werden. Eine gemauerte und verputzte Wand hat als solche keine tektonischen Details, ausser sie müsste mit Risaliten oder Pfeilern verstärkt werden. Aber sie gibt - vom Mass der Backsteins ausgehend – klare Bedingungen für die Dimensionen und Geometrie der Wandstellungen vor. Alle Fragen der Tektonik kristallisieren sich am Ort des Wanddurchbruchs, also an den Fenstern, Türöffnungen und Übergängen im allgemeinen. Dieser Sachverhalt wurde mit besonders bewusst anlässlich

eines Vortrags über Persepolis. Dort wurde unter anderem ein Foto vom Palast des Dareios I. gezeigt. Seine Ruine besteht heute eigentlich nur noch aus den Grundmauern und einzelnen hochragenden Portalen, Türen und Fenstern. Da diese aus Stein gebaut sind haben sie die Zeiten überdauert, alle Mauern hingegen – sie waren aus Lehmziegeln – sind verschwunden. Eine Mauer muss also als „weich“ bezeichnet werden, ein Portal oder Fenster als „hart“. Um den Durchbruch oder Übergang zu bewältigen, braucht man ein „hartes“ Bauteil um die „verletzte“ Stelle wieder zu befestigen. Hier zeigen sich notwendigerweise alle Elemente, die das Thema des Lastens und Tragens in sich tragen. Die Vorstellung einer „weichen“ Mauer gewinnt in unserer Zeit besondere Aktualität. Eine heutige Kompaktfassade, deren Aufbau das Verhältnis von tragender, also massiver Schicht und isolierender Umkleidung mittlerweile umkehrt, kann man nur noch als „weich“ bezeichnen. Tatsächlich ist auch hier das Problem einer Befestigung des Wanddurchbruchs gestellt, und mit eine massiven Einfassung durchaus lösbar. Wir müssen nur noch Strategien zur tektonischen Gliederung dieser Teile finden. Manchmal führt der Rückgriff auf 2500 Jahre alte Methoden auf den Pfad der Innovation. Aber nun genug der Ausführungen - jetzt haben die Studierenden das Wort.


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1 2 3 9 1 4 01 5 1 12 6 17 18 13 7 19 1 8 26 4 20 1 27 5 21 16 28 2 29 22 35 30 32 36 31 42 3 32 5 44 7 33 38 45 34 39 46 4 47 53 48 0 41 4 5 49 62 4 55 5 50 2 43 63 6 51 57 64 52 58 65 71 5 72 66 9 6 7 67 81 68 0 61 82 3 74 7 69 83 57 70 84 67 85 77 86 87 87 98 88 0 89 90

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115


Studienjahrgang ARB 12 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45

Blumer Markus Grössl Michael Cavadini Dario Alessandro Schild Jessica Samira Freie Parzelle Spitzer Roger Kohlik Gina Schwartz Fabian Mauricio Rocca Giuseppina Kohler Ion Buxcel Marcel Gurtner Miro Frodl Patrick Häni Sascha Olivier Freie Parzelle Zweifel Tamara Maria Riedo Stephanie Wittwer Florian Samuel Kummer Roman Freie Parzelle Ehrat Jil Alyssa Koller Tobias Durot Mélanie Elisabeth Hagen Lena Maria Marlies Bezel Maria Andrea Steinmann Samuel Freie Parzelle Kutlacic Mila Galm Tanja Premraj Paritteepan Leucker Murielle Chantal Flepp Anna Tina Jud Reto Fabian Kuster Pascal Olivier Grünig Max Linus Steinmann Simon Marojevic Gabrijel Freie Parzelle Deuber Martin Salihu Trëndelina Meier Claudia Beatrice Bartholdi Dimitri Dario Marcelo Cherry Bee Kienberger Franziska Martina Borter Silvio

Klasse A Klasse A Klasse D Klasse B Klasse B Klasse A Klasse A Klasse C Klasse B Klasse A Klasse B Klasse C Klasse D Klasse B Klasse B Klasse A Klasse C Klasse D Klasse B Klasse D Klasse B Klasse B Klasse C Klasse A Klasse C Klasse A Klasse B Klasse D Klasse D Klasse D Klasse B Klasse D Klasse A Klasse A Klasse D Klasse C Klasse A Klasse D Klasse B Klasse A

Klasse A: Kaschka Knapkiewicz und Stephan Popp Klasse B: Barbara Burren und Axel Fickert

46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90

Honegger Patrik Blaser Michael Burgherr Delia Selina Pedrett Silvano Thomas Vellone Emanuela Freie Parzelle Knecht Marius Christian Widmer Pascal Marc Fehr Pascal Cédric Sutter Stefan Christian Bajrami Elora Leuenberger Christoph Freie Parzelle Alitovic Emina Tümer Berivan Dietz Marion Michel Viviane Lea Freie Parzelle Wipf Cyrill Bader Jennifer Mathys Luca Schlauri Robin Jürg Aliesch Martin Christian Freie Parzelle Sturzenegger Mark Hegi Vanessa Maria Funk Davy Meili Dominique Nicole Vonlanthen Christian Schallberger Sebastian Lars Freie Parzelle Tobler Pascal Kägi Pascal Kurt Civale Lorella Keller Martina-Isabelle Nyfeler Markus Oliver Freie Parzelle Grüter Seline Jeannette Gautschi Nathalie Freie Parzelle Hilber Patrik Schmidli Jonas Freie Parzelle Flühmann Simone Lea Gaudenz Michaela

Klasse D Klasse C Klasse D Klasse C Klasse A Klasse C Klasse C Klasse A Klasse B Klasse B Klasse C Klasse A Klasse D Klasse B Klasse A Klasse D Klasse C Klasse B Klasse C Klasse B Klasse A Klasse C Klasse B Klasse D Klasse B Klasse A Klasse C Klasse A Klasse A Klasse C Klasse B Klasse C Klasse C Klasse D Klasse D Klasse C Klasse D

Klasse C: Pascale Guignard und Martin Saarinen Klasse D: Nicole Deiss und Christian Dill


Nordwestfassade 1:50

S端dwestfassade 1:50

Erdgeschoss 1:50

Obergeschoss 1:50


Markus Blumer, Parzellennummer 01 Die vielen Diskussionen, die ausgelöst wurden, beim Versuch den Begriff der Tektonik zu erklären, zeigen auf, wie schwierig es ist, dieses Thema in wenigen Sätzen zusammenzufassen. So wurde meine Verwirrung zu Beginn des Semesters noch grösser, wenn hitzige Wortwechsel nach Vorlesungen auch unter Dozenten entstanden und unterschiedliche Auffassungen darüber hervorgebracht wurden, was Tektonik denn sei. Erst mit der Zeit und mit der Fülle an selbstgeführten Disputen, bildete sich nach und nach für mich ein Verständnis für den Begriff der Tektonik. Immer wieder habe ich versucht die neusten Erkenntnisse in die Entwurfsübung mit einfliessen zu lassen. Dies führte in meinem Projekt dazu, bei der Lösung von Übergängen, z.B. von Innen – zu Aussenraum, neben den technischen/konstruktiven Problemen auch neue und vertiefte Überlegungen miteinzubeziehen, über den Ausdruck der einzelnen Teile, der beim Fügen zwangsläufig erzeugt wird. Diese Wirkung ganz bewusst zu kontrollieren und in einem Gesamtkonzept, einen Gesamtausdruck, zu vereinen, hat meine Verständnis für die der Lösung des Details im Entwurf grundsätzlich verändert. Erst mit dieser neuen Anschauung habe ich richtig verstanden was, es bedeutet und worin die Chancen des parallelen Entwerfens liegen, die uns zu Beginn der Übung nahegelegt wurden. Im Verlauf des Entwurfsprozesses, in den ich gut gestartet bin, sind mir jedoch diverse Probleme zum Verhängnis geworden, die mich in zeitaufwendige Konstruktion

Unterzüge die auf jeweils zwei Stützen aus Beton zu einem U-Profil gefügt werden, bilden die allgemeine Grundkonstruktion. Ergänzend dazu sorgt ein betonierter Kern in der Aussenecke der Parzelle für die nötige Aussteifung und die damit verbundene Erdbebensicherheit. So werden die einzelnen Abschnitte seitlich durch Betonwände begrenzt. Holzverkleidungen im Bereich der Stützen fassen das Holzfenster und den Sonnenschutz zu einem Element zusammen, und generieren je nach Himmelsrichtung unterschiedlich tiefe Pufferzonen. So wird auch die Randzonendämmung der durchlaufenden Betonunterzüge in dieses Element integriert. Die Tonhourdis-decken werden im Bereich der Pufferzonen durch Betondecken ersetzt, um eine zusätzliche Aussteifung in Querrichtung zu erhalten.

Dachaufbau:

mm

60 Kies 20 Kunstoffdichtung 2 Lagig 160 Wärmedämmung Dampfbremse 40 - 100 Überbeton Gefälle Tonhourdis 180 Kalkputz 10

Deckenaufbau:

mm

Kalksteinplatten Unterlagsboden Bodenheizung Trennlage Dämmung Überbeton Tonhourdis Kalkputz

20 60 20 20 180 10

Bodenaufbau:

mm

Kalksteinplatten Unterlagsboden Bodenheizung Trennlage Wärmedämmung Dampfbremse Betonboden Magerbeton

20 80 100 250 50

Bodenaufbau: Kalksteinplatten Splitt Trennflies Geröllbett

Fassadenschnitt 1:20

mm 40 60

Sackgassen geführt haben. Somit habe ich in meinem Entwurf nicht in allen Punkten den Detailierungsgrad erreicht, den ich mir vorgestellt habe. Dies führte dazu, dass ich meine Überlegungen zur Tektonik nicht in der gewünschten Tiefe auf mein Projekt adaptieren konnte. Am Ende der Übung glaube ich nun, dass, wenn ich die Aufgabe nach all den gewonnen Erkenntnissen nochmals antreten könnte, diese in vielen Punkten anders, sinnvoller und strukturierter angehen würde. Ich deute das als ein “gutes Zeichen“ und lege die Übung darum als sehr lehrreich und somit als gelungen ad acta.


EG

EG

OG

OG


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Michael Grössl, Parzellennummer 2 In der Architekturtheorie bedeutet Tektonik das Zusammensetzen von Bauteilen zu einem Gefüge. Tektonik habe ich somit überall erlebt. Das Wichtigste war mir, in meinem Projekt ein Raumgefüge zu finden, welches dem Bewohner eine beschützende Atmosphäre gibt: Massive, unverrückbare Wände, darauf ein sichtbarer Träger/Sturz der die Kräfte der gewölbten Decke auf die Wände ableitet und Mauerdurchbrüche, Türen, Fenster oder sogar Querräume erlaubt. Auf dem Sturz lagert das gemauerte massive Tonnengewölbe. Fünf gleich breite Gewölbestränge verteilen sich senkrecht zur Strasse über das Grundstück. Diese einfache Raumstruktur erleichtert den Entwurfsprozess wesentlich. Eine wichtige Lektion war für mich, dass Konstruktion und Ausdruck nicht immer gleich sein müssen. Die konsequente Gewölbestruktur erzeugte stark gerichtete Räume. Durchbrüche und Öffnungen in den Wänden werden nun so angeordnet, dass Räume entstehen, die quer zur Hauptrichtung liegen und die stark gerichteten Räume neu lesbar und erfahrbar machen. Durch Konstruktion und Ausbildung der Elemente wird dieses Konzept unterstützt. Nischen z.B. fassen die Querräume wandseits. Wo Nischen nicht möglich sind, kann man durch einen Materialwechsel, wie etwa glasierten Keramikplatten, Tiefe erzeugen, da sie durch ihre glänzende, spiegelglatte Erscheinung fast transparent wirken. Die Hauptfassade ist auch doppeldeutig. Sie wirkt mit den Bogen und all den Balkonen und Terrassen zwar sehr offen zur Strasse. Durch die vielteiligen Sichtschutzelemente davor, wirkt sie aber auch verschlossen und intim.

2.5 cm 49cm 1.5 cm

16cm 5cm 19cm 2cm 1cm 8cm 2cm 19cm 2cm 1cm 6cm 10cm 25cm 5cm

Die Nonnengitter in Noto waren für mich hier die Inspiration für die Ausbildung dieser Gitterabschlüsse. Viele Elemente meines Entwurfs, wie Betten, Zwischenwände und Schränke sind darauf ausgelegt, den Gewölberaum nicht zu unterbrechen. Sie sollen dagegen als Möbel im Raum, als Parasit an der Wand, als Fremdkörper oder als eher sekundäres Element wahrgenommen zu werden. Wie hier nur einige Beispiele zeigen, wurde mir dieses Semester bewusst, dass man sich ganz genau im Klaren sein muss, was man wie ausdrucken will. Mit Hilfe von Skizzen kann ich mich an Lösungen herantasten, die konzeptionell sowie auch ästhetisch stimmig sind. Danach suche ich nach einer Konstruktiven Lösung. Nach meiner Erfahrung im Semester, ist es sehr schwierig, etwas zum Funktionieren zu bringen. Referenzprojekte und Bauten haben mir sehr viel dabei geholfen, da ich dadurch Vorbilder für Problemlösungen gefunden habe. Darauf aufbauend erarbeitete ich dann meine Projekte. Durch mehrmaliges Überarbeiten und Überzeichnen wird dann der Entwurf vertieft und verfeinert. Dadurch entstehen häufig wieder neuen tektonische Probleme und Ansatzpunkte. Dieses Semester habe ich sogar das ganze Konzept meines Projektes direkt von einer Referenz genommen. Das Projekt wurde dadurch einerseits vielschichtiger und ich konnte andererseits direkt von den Erfahrungen und Qualitäten des Referenzprojektes profitieren.


Honegger Patrik, Parzellennummer 03 Was ist Tektonik? Zu Beginn des Semesters herrschte grosse Unklarheit über diese Fragestellung. Ich versuchte mich langsam an das Thema heranzutasten und hörte einige unterschiedliche Meinungen. Mir fiel auf, dass das Thema am stärksten auf der Konstruktionsebene diskutiert wurde. Das heisst: füge eine Balkendecke in das Projekt ein und du hast Tektonik. Doch im Verlauf des Semesters wurde mir immer klarer, dass mit Tektonik ein viel grösserer Themenbereich abgedeckt wird. In meinem Entwurf beschäftigte ich mich vor allem mit der Frage, wie Körper gefügt werden, in welcher Beziehung Räume zueinander stehen und wie Übergänge von Boden, Wand, Decke und Dach ausformuliert sein könnten. Die Grundkonzeption des Projektes weist zwei unterschiedliche Geometrien auf – ein radiales und ein orthogonales System. Die Frage der Tektonik stellte sich besonders an den Übergängen. Ich versuchte während dem Semester verschiedene Lösungen zu finden, wie diese Körper gefügt werden können. Zuerst suchte ich nach einer Lösung wie beide Elemente zu einem

Körper verbunden werden können. Im weiteren Verlauf hinterfragte ich diese Haltung und überlegte mir, ob es richtig ist, zwei so starke Systeme, die im Wesentlichen für sich selbst stehen möchten, zusammenzubinden. Daraus entstand die Idee den Übergang so auszuformulieren, dass klar hervorgeht wie an diesem Punkt zwei Körper aufeinander treffen. Das Semesterthema hat mich dazu angeregt, mir Gedanken über die obengenannten Themen zu machen. Die daraus entstandenen Fragestellungen haben sich teils beantwortet, teils sind sie noch unklar. Jedoch haben sich auch einige neue Themenbereiche geöffnet, welche mich weiterhin beschäftigen werden. Ich denke den Begriff Tektonik zu erklären fällt auch jetzt noch allen enorm schwer und das Resultat dieses Semester wird sich wahrscheinlich erst in unseren folgenden Arbeiten tiefergehend zeigen.


ERDGESCHOSS 1:200

ERDGESCHOSS 1:200

OBERGESCHOSS 1:200


Schild Jessica, Parzellennummer 4

ZIMMER 15.4 m2

HOF 5.4 m2

ESSEN 17.1 m2

BAD 6.0 m2

A

HOF 35.9 m2

1

B

WOHNEN 17.1 m2

Die Aufgabe dieses Herbstsemesters war es, ein „Haus mit Hof“ in Avola, Sizilien zu entwerfen. Das Haus musste mindestens einen Hof umfassen, sollte sich in die Umgebung Südsiziliens einpassen und ein vorgegebenes Raumprogramm berücksichtigen. Der Schwerpunkt wurde dabei jedoch auf die „Tektonik“ gelegt, welche während des ganzen Herbstsemesters zur Diskussion stand. Zum Start des Semesterprojekts war es nicht so einfach, auf Anhieb das Thema „Tektonik“ und dessen Bedeutung zu verstehen. Mit den verschiedenen Vorlesungen, Konstruktionsgesprächen, der Seminarreise und den Tischbesprechungen mit den Dozenten, fiel mir dies mit der Zeit aber leichter. Bei meinem Projekt entschied ich mich Aussenund Innenräume aneinanderzufügen indem ich sie schichtete, und somit eine Verbindung der Räume - auch teilweise über mehrere dieser Schichten herzustellen. Die Schichten von Wohnraum und Hof haben alle eine Verbindung miteinander, welche durch die gleichmässige und symmetrische Anordnung der Fenster unterstützt wird. Während der Arbeit am Projekt stellten sich Grundriss auch OGFragen wie 1:50 z.B: wie entwerfe ich Räume so, dass jeder Raum für sich gefasst ist? Dabei stellte ich fest, dass ein Raum auch ohne Decke als solcher wahrgenommen werden kann, was anhand meines Hofes gut nachzuvollziehen ist. Dadurch wurde auch deutlich, dass der Begriff „Tektonik“ nicht nur mit der Fügung der Räume zu tun hat, sondern ebenso mit der Konstruktion des Gebäudes. A

1

Schnitt B 1:50

B

C

2

Während des Semesters wurde mir ebenfalls klar, dass ein Entwurf, in Bezug zur Tektonik, immer weiter bearbeitbar sein wird. Auch bekannte Architekten beschäftigten sich in der Vergangenheit ausgiebig mit dem Thema Tektonik, doch eine einheitliche und eindeutige Definition des Begriffs ist bis heute nicht gefunden worden. Im Rückblick auf das ganze Herbstsemester war es eine sehr intensive und anstrengende Zeit, bei der man sich jede Woche neuen Herausforderungen und Problemen stellen musste. Mein Blick auf die Architektur eines Gebäudes hat sich durch dieses Semesterprojekt geändert in dem mir klar geworden ist, dass man nicht nur auf das Äusserliche und Ästhetische achten, sondern sich auch mit dem Fügen der Teile auseinandersetzen soll. ANKLEIDE 9.5 m2

BAD 5.5 m2

ZIMMER 17.1 m2

ZIMMER 17.1 m2

A

TERRASSE 27.5 m2

B

KÜCHE 9.5 m2

STRASSE

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C

B

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1


Spitzer Roger, Parzellennummer 06 Ich könnte jetzt damit beginnen im Detail zu erklären, wie all meine Elemente wie Stützen, Unterzüge, Platten und alle anderen Teile gefügt sind. Aber ist das Tektonik? Ich denke, wenn wir von Tektonik sprechen meinen wir mit diesem Begriff viel mehr als nur das Fügen von Teilen. Seit der karibischen Ur-Hütte von Semper hat er sich stark weiterentwickelt. Als Beispiel: die Tektonik zu Beginn könnte man vergleichen mit dem Prinzip mit dem ein Kind Bauklötze empirisch aufeinandersetzt und plötzlich merkt, in welcher Lage der Turm stabil wird. Nun hat sich das Kind weiterentwickelt und merkt plötzlich, dass der Turm auch stabil sein kann, ohne stabil auszusehen. Und genau das ist der Punkt, bei dem aus einfachem Fügen Poesie wird.

Die Poetik (altgriechisch : poietike [techne] - die schaffende, dichtende [Kunst]) bezieht sich vor allem auf die Literatur. Mit einfachen Buchstaben bildet man Worte, diese Worte werden zu Sätzen „gefügt“ und die Poesie liegt darin, mit diesen Sätzen eine Geschichte zu erzählen, welche ein Bild im Kopf des Lesers erzeugt. Nun zu meinem Projekt: Meine Worte sind die gerichteten Stützen, die Blenden aus Holz, die offen verlegten Pflastersteine und die Fenster, welche den Raum zum Hof öffnen. Zusammen erzählen sie die Geschichte eines Hauses, das durch seine modern-mediterrane Ausstrahlung die Atmosphäre von Sizilien auszudrücken versucht.


Schni a-a


Gina Kohlik, Parzellennummer 7 Von Anfang an, befassten wir uns in diesem Semester mit der Tektonik. Das heisst, dass – in den Worten von Gottfried Semper- „die Kunst des Zusammenfügens starrer, stabförmig gestalteter Teile zu einem in sich unverrückbaren System“ im Vordergrund stand. Dies war für mich eine vollkommen neue Herangehensweise. Wenn wir üblicherweise mit Betrachtungen zur Nutzung und Organisation des Gebäudes begonnen haben, um uns erst in späteren Stadien mit der Tektonik zu befassen, sollte sie bei dieser Entwurfsübung von Beginn weg wichtiger Bestandteil unserer Überlegungen sein. Dies von Anfang an umzusetzen war nicht einfach. Das überschaubare Raumprogramm half, sich nicht in einer Vielzahl von Räumen zu verlieren. Und trotzdem begann ich meinen Entwurfsprozess mit Überlegungen zur Organisation des Gebäudes, was natürlich nicht das gewünschte Ergebnis brachte. Die Tischgespräche halfen jedoch, sich die richtigen Fragen zu stellen: Durch was wird ein Raum überhaupt gebildet und gegliedert? Welche Proportionen sollte ein Raum oder eine Öffnung haben? Wie entsteht der Bezug zwischen innen und aussen? Wie wird dies konstruktiv am besten umgesetzt? Durch die Konzentration auf meine Hauptraumgruppe konnten diese Fragen vertieft und geklärt werden. Natürlich war auch das Entwerfen unter diesen Voraussetzungen kein linearer Prozess. Die Änderung einer Öffnung oder einer Raumproportion führte dazu, dass Veränderungen am ganzen Gebäude vorgenommen

werden mussten, um wieder ein in sich stimmiges Erscheinungsbild zu erhalten. Und so war es nicht erstaunlich, dass von Woche zu Woche zum Teil über gänzlich unterschiedliche Details diskutiert wurde. Aspekten, welchen die Woche davor keine Beachtung geschenkt wurde, standen plötzlich negativ hervor und passten nun nicht mehr ins Konzept. Diese grosse Anzahl an unterschiedlichen Anregungen galt es richtig zu verstehen, richtig zu interpretieren, um sie schlussendlich auch richtig umsetzen zu können. Lange Zeit wurde bei meinem Projekt über das Raumkonzept diskutiert, ohne bis zu konstruktiven Fragen vorzudringen, welche im tektonischen Sinn für den Entwurf eine grosse Rolle spielen. Meine Entscheidungen wurden aus bestimmten Gründen gefällt. Aber ob sie alle wirklich aus tektonischer Sicht begründbar sind, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Denn auch nach diesem Semester und nach der intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema Tektonik kann ich keine Definition des Begriffes Tektonik geben. Standen wir zu Beginn nicht alle vor dem grossen Begriff Tektonik und konnten ihn nicht richtig greifen? Dass jeder dem Verständnis des Begriffs Tektonik näher kam aber unterschiedlich definiert, zeigen die verschiedenen Entwürfe, welche auf der Suche nach der Tektonik entstanden sind.


Fabian Schwartz, Parzellennummer 8 Zu Beginn des Semesters habe ich mich immer wieder im Kreis gedreht und unzählige Entwürfe neu angegangen. In dieser Zeit habe ich mich so sehr unter Druck gesetzt, mit dem Gedanken auf nächste Woche unbedingt etwas liefern zu müssen, dass ich den Gedanken an die Sache selbst verloren habe. Im Verlauf der Wochen habe ich erstaunlicherweise gemerkt, dass ich mit meinen ersten Gedanken zum Wohnen in Avola schon auf dem richtigen Weg lag. Ich musste wohl einfach einen Prozess von schlaflosen Nächten hinter mich bringen um erst einmal zu verstehen was es heisst in einem Grundriss zu leben. Trotz meiner Lehre als Hochbauzeichner musste ich mich als erstes mit dem Thema grundsätzlich beschäftigen. Wie lebt man in einem drei Meter breiten Schlafzimmer oder wie gross muss ein Badezimmer dimensioniert werden? Ich habe gleichzeitig begonnen zu analysieren wie Räume möbliert und bewohnt werden. Trotzdem bin ich persönlich noch nicht in der Lage Grundrisse einfach so ‚hinzuwerfen’. Auf der anderen Seite hat mein Projekt mit zunehmendem Fortschritt, neben meiner Raumanordnung und durch den Besuch von Sizilien, begonnen ein eigenes Thema zu entwickeln. Die Thematik mit dem Umgang von Stilelementen. Um mein Projekt mehr in Sizilien zu verankern habe ich bei meiner Fassadengestaltung darauf geachtet ortstypische Elemente wie stehend proportionierte, bodenlange Fenster, Ziegelgesimse, Sockelverblendung usw. in meiner muralen Fassade zu verwenden. Diese Elemente sind alle zeitlos und dennoch haben sie in Kombination miteinander eine historisierende Wirkung.

Aber wie „modernisiert“ man zeitlose Elemente. Jedes Element hat eine Aufgabe, trotzdem kann ich nach der Schlusskritik noch nicht sagen wie man zeitlose Elemente noch weiter vereinfacht um zeitgemäss zu sein. Dies scheint mir eine Aspekt in meiner Arbeit zu sein der mich bestimmt weiter beschäftigen wird. Aber nun zur Frage was für mich Tektonik im Zusammenhang mit meinem Entwurf bedeutet. Zu dieser nicht einfachen Frage fällt mir spontan eine Diskussion mit meinen Dozenten ein. Sie kommentierten meine Holzbalkendecke sinngemäss mit der Aussage, dass eine Holzbalkendecke aus primären und sekundären Tragelementen besteht. Holz ist nicht wie Beton bei dem die Tragstrukturen in einer Schicht sind. Der Holzbalken läuft in der Regel nicht einfach in eine Wand, man sieht den Balken und die tragende Pfette, welche wiederrum auf der Wand aufliegt. Mitunter aus diesem Grund würde ich sagen ist Tektonik für mich das Erarbeiten einer klaren Tragstruktur und das Fügen von Bauteilen.


Hauptraum

N

Erdgeschoss

N

Obergeschoss

N


Rocca Giuseppina, Parzellennummer 9 Dieses Semester befassten wir uns von Beginn an intensiv mit der Frage der Tektonik. Aber was ist nun genau Tektonik? Und was bezeichnet diese in der Architektur? Grundsätzlich versteht man in der Architekturtheorie unter Tektonik das Zusammensetzen von Bauteilen zu einem Gefüge. Gottfried Semper definierte den Begriff als die „Kunst des Zusammenfügens starrer, stabförmig gestalteter Teile zu einem in sich unverrückbaren System“. Beim Entwurf des Wohnhauses in Avola stand für uns demzufolge nicht die Nutzung und deren Organisation von Räumen in einem vorgegebenen Raumprogramm, sondern die Raumkonzipierung in den Vordergrund. Als aller Erstes stellte ich mir die Frage: Was gehört denn alles zur Konzeption eines Raumes? Sind es die Proportionen, die Position der Öffnungen, die Relationen oder mehr die Art der Aneinanderreihung mehrerer Räume, welche die Tektonik des Raumes ausmachen? Mein Hauptraum spielte eine wesentliche Rolle zur Bearbeitung dieser Fragen. Anstatt von Beginn an alles integrieren zu versuchen, bin ich die einzelnen Themen Schritt für Schritt durchgegangen und habe so mein Projekt stets weiterentwickelt. Am Anfang viel es mir jedoch schwer, mich überhaupt mit solchen Fragen zu beschäftigen. Da der Begriff Tektonik für mich nicht wirklich greifbar schien. Vor dieser Aufgabe hatte ich mir nie die Frage gestellt, wie und durch welche Teile ein Raum eigentlich entsteht. Denn eine Wand mit Durchbrüchen kann beispielsweise als massive Wand oder auch als Stützen mit ausgefüllten Zwischenräumen wahrgenommen werden. Es ist nur

eine Frage der Fügung der Teile. Sind die Durchbrüche oder Öffnungen so hoch, dass sie einen Sturz dabei bilden? Ist der Anteil dieser Durchbrüche in der Wand so gross, dass die Restflächen eher wie Stützen und nicht mehr wie Scheiben erscheinen? Je nach dem für welche Gliederung der Wand wir uns entscheiden, kann der Raum anders wirken. Mit der Zeit wurde mir klar, dass eine präzise Konzipierung der Bauteile und deren Fügung erforderlich sind für eine schöne räumliche Formulierung. Die Bezüge zwischen Innen und Aussen, sowie auch zwischen Haupt- und Nebenräumen wurden in meinem Entwurf dadurch sehr wichtig. Ich überlegte mir wie die einzelnen Räume wirken sollten und wie diese zueinander stehen. Somit entwickelten sich Hierarchien zwischen den einzelnen Räumen, welche mich zu der Erleuchtung brachten, dass ausdrucksstarke Architekturelemente nicht nur Konklusionen über die statischen Vorgänge geben sondern auch als Ganzes Räume bilden können. Tektonische Elemente tragen aber meiner Meinung nach nicht nur der Raumwirkung oder der Atmosphäre eines Raumes bei, sondern helfen auch einen Raum genau zu definieren und zu fassen. Rückblickend betrachtet war es ein sehr intensives Semester. Ich kann von mir behaupten, dass ich in der Folge immer mehr dahinter kam was Tektonik eigentlich bedeutet, wobei sicherlich die stetige Fragestellung der Tektonik weiterhin interessante, anregende und tiefsinnige Fragen aufwerfen wird.

Dachaufbau Kies Schutzmatte Abdichtung, Polymerbitumen Holzschalung Sparrenlage (Durchlüftungsraum) Wärmedämmung Dampfsperre Holzschalung Deckenbalken

5cm 2-lagig 2.7cm 2x12cm 16cm 2.7cm 12x30cm

Bodenaufbau OG Terrazzoboden Unterlagsboden mit BH PE-Folie Trittschalldämmung Wärmedämmung Holzschalung Deckenbalken

3cm 8cm 2cm 2cm 2.7cm 12x24cm

Tragwerk (Haupträumen) Holzkonstruktion Pfosten und Zangen Prinzip

Fensterfront (Umhangfassade) Holzfenster mit je 2 FLügel Flügel weiss gestrichen

Bodenaufbau EG Terrazzoboden Unterlagsboden mit Bodenheizung PE-Folie Trittschalldämmung Wärmedämmung Betonbodenplatte, Stahlbeton Magerbeton Terrain

3cm 8cm 2cm 16cm 25cm 5cm


Ion Kohler, Parzellennummer 10 Die Vorlesungen und besonders der Besuch von Sizilien gaben mir Ideen und viele Einblicke in die Tektonik. Ich denke, um die Tektonik besser zu verstehen, braucht es Erfahrungen, die man nur vor Ort sammeln kann. Für mich jedenfalls ist es schwierig, die Lösungen in Texten zu suchen. Das half mir sicher auch das Projekt in tektonischen Belangen aufzubauen.

Die Parabel als Form für den Bogen wählte ich, um eine gewisse Ehrlichkeit zu den Geometrien des Bogen selbst beizubehalten. Was zu gleich auch die Erfahrung in dieser Arbeit mitbringt, die Tektonik auch an das Raumgefühl anzupassen und nicht umbedingt strikt an die Konstruktion selbst.

Als Erstes suchte ich eine Grundidee, sozusagen einen Leitfaden, welcher mir half, das Projekt zu entwickeln. Eine Möglichkeit fand ich in der Ordnung der statischen Struktur. In Projekten, welche wir in Sizilien angeschaut haben und auch in denen von Mitstudenten, sah ich immer wieder geometrische Grundordnungen. Meiner Meinung nach lässt sich die Tektonik anhand von Ordnungen und Strukturen besser aufbauen und erklären. Solche Ordnungen leiten Projekte stark in die eine oder andere Richtung. Was bei meiner Wahl von den Bögen aus Beton stark in die formale Richtung geht, da aus Beton fast alles geformt werden kann ohne auf die Tektonik zu achten. Doch kann der Bogen als ein Teil angeschaut werden, der mit anderen Bögen zu einer transparenten Wand gefügt wird. Also bildet nicht der einzelne Bogen die Tektonik, sondern erst die Reihung von mehreren Bögen aus Beton.

in anderen Massstäben unterstützen die Bogenformen. Sie sollten aber nicht überformt sein um nicht aufdringlich zu wirken, also eine gewisse Hierarchie aufweisen. Die Transparenz, die diese Hauptelementen aufweisen, unterstützt die Typologie des Mittelsaales, indem sich die durch den Saal getrennten Räume wieder mehr verbunden fühlen. So behaupte ich, dass die Tektonik auch als Mittel zur Fügung von Räumen verwendet werden kann. Schlussendlich merkte ich, dass beim Entwerfen die tektonischen Fragen unausweichlich sind. Meist konnte ich die Fragen bewusst lösen, doch waren auch unbewusste Handlungen dabei. Es sind Handlungen, die erst später im Projekt positive Entwicklungen bringen. Speziell durch die unbewussten kommt dann auch die Frage des Glückes...


Erdgeschoss

Erdgeschoss

Obergeschoss Obergeschoss


Buxcel Marcel, Parzellennummer 11 Das Herbstsemester 2013 war für mich eine sehr lehrreiche und interessante Zeit. Die Semesterbroschüre bot mir wichtige Informationen zur Herangehensweise. Die Ziele und wichtigen Punkte zur Entwurfsphase waren darin enthalten. Diese versuchte ich in meinem Entwurf zu integrieren. Kon¬kret waren dies: Die Gestalt der Räume, die Bezüge der Räume untereinander, das Ausbilden einer Hauptraumgruppe, das Tragwerk, das Sichtbarmachen der aufeinander wirkenden Kräfte, Voll und Hohl und schliesslich das Korrespondieren aller Punkte in einem stimmigen Gesamten. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, musste ich in der Entwurfsphase zwischen Detailpla¬nung und Raumanordnung wechseln. Zum Beispiel generierte ich aus dem Leibungsdetail des Fens¬ters meine Wandabwicklung mit Nischen im Innenraum. Später erkannte ich eine Stimmig¬keit zwischen den einzelnen Fenstern und entwickelte aus diesen mein Tragsystem. Die Gefahr bei einer solchen Herangehensweise besteht darin, sich im Detail zu verlieren. Mehrere Male versuchte ich über die Abstraktion wieder Ordnung in mein Konstruktionssystem zu bringen. Auch folgende Fragen haben mich beschäftigt: Was trägt? - Was ist über- oder untergeordnet? - Passen die Materialien aufeinander? - Wie entsteht eine gesamtheitliche Qualität? Um zu prüfen, was dick sein soll und was nicht, entwi¬ckelte ich einen negativen Plan ( Masse weiss - Leere schwarz). Mit diesem konnte schnell feststellt werden an welchen Punkten „Masse“ fehlt. Eine weitere Erkenntnis in diesem Semester war für mich die Wichtigkeit des Schnittes aber auch der Fassade. Viele Fragen zur Fügung von einzelnen Bauteilen und deren Verbindungen können im Grundriss nur

teilweise wahrgenom¬men werden. Viele Disharmonien sind erst in der dritten Dimension erkennbar. Dabei können exakte Modelle und Visualisierungen der Raumabfolgen helfen, diese Probleme zu lösen. Eine zusätzlich spannende Frage in diesem Semester war für mich die Ausarbeitung der Räume. Die Thematik des Feinen und des Groben und deren Verhältnisse zueinander. Für mich beinhaltet Tekto¬nik auch diese Aspekte. Gibt es keine Unterscheidung, verliert der Raum an Charme und eine Mo¬notonie tritt ein. Im ungünstigsten Fall kommt das Gefühl eines kahlen, toten Rohbaues auf. Aus meiner Sicht ist die Tektonik ein wichtiger Begriff und gültig für alle entwurfsrelevanten Aspekte, von der Raumeinteilung und Materialwahl, bis zur letzten Befestigungsschraube eines Holzbalkens. Tektonik ist auch kein Begriff aus der modernen Architektur. Der Beweis dafür sind für mich die vielen antiken Gebäude aus der Zeit der Griechen und Römer, die wir auf unserer Seminarwoche in Avola besichtigten.


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Gurtner Miro, Parzellennummer 12

Die Tektonik ist für mich der Ausdruck, wie ein Gebäude gefügt ist und wie es dadurch im Ganzen wie im Detail erscheint. Nachdem meine Konzeptidee stand und das Gebäudevolumen festgelegt war, ging es nun um die passende Anmutung für mein Projekt. Um dieser Erscheinung auf die Spur zu kommen, standen Fragestellungen der Tektonik im Vordergrund. Als erstes überlegte ich mir, was für einen Charakter mein Projekt haben sollte. Sollte es massiv und fest erscheinen, also alles schwer aufeinander liegen, oder aber sollte man eher Leichtigkeit anstreben? Immer mehr versuchte ich eine gewisse Feingliedrigkeit in der Fassadenstruktur zu erhalten, die Lisenen schmaler zu dimensionieren und in kürzeren Abständen zu positionieren. Alles erschien zwar leicht, doch das Ganze lief Gefahr in der Unübersichtlichkeit endloser Unterteilungen zu verblassen. Es ist immer ein Ausprobieren, bis der gewünschte Ausdruck erreicht werden kann. Gegen Ende des Semesters, habe ich begriffen, dass Tektonik der Raumwirkung eine gewisse Sicherheit und Geborgenheit geben kann. Man soll nicht das Gefühl haben, dass eine Wand kippen oder die Decke herunterstürzen könnte. Deshalb wollte ich beispielsweise die rohe Betondecke des Hauptraumes im EG mit Unterzügen ausstatten (und damit das Tragwerk sichtbar machen), damit man nicht meint, das ganze, darüberliegende Haus könnte einem auf den Kopf fallen. Damit wäre dieser Raum, der zum beidseitig angrenzenden Aussenbereich auf seiner ganzen Länge geöffnet werden kann, durch Längsunterzüge besser gefasst worden.

Ich studierte auch viel über Brandmauern nach, z.B: wie kann eine allein stehende Wand überhaupt stehen? In meinen Augen brauchen rohe Brandmauern eine plastische Struktur, damit sie als stabiles Element wahrgenommen werden können. Bei einer glatten, hohen Wand, empfinde ich, dass sie kippen könnte. Doch mit Lisenen - habe ich bemerkt - kann die Wand im Verband verstärkt werden, und sie wirkt dann optisch stabil. In der Bearbeitung der Teile, ist mir aufgefallen, dass eine tektonische Gestaltung die Kräfteverhältnisse in den Bauteilen aufzeigt. Die Lisenen einer Wand verdeutlichen in meinen Augen den Kraftabtrag in die Erde – ein Eindruck, der durch ihren konischen Zuschnitt noch verstärkt werden kann, da die Kraft nach unten auf eine grössere Fläche, verteilt werden muss. Aber es könnte auch von visueller Bedeutung sein, dass eine Wand oder ein Haus nach unten breiter dasteht, während sie/es nach oben zum Himmel hin schlanker, höher und leichter erscheint. Eine tektonische Gestaltung kann das Innere eines Hauses nach aussen tragen - oder umgekehrt. Für mich können für Innen und Aussen auch zwei unterschiedliche Anmutungen angestrebt werden. Bei meinem Projekt soll die äussere Haut eine Schutzmauer (Kruste) darstellen, die mit ihren strebenartigen Lisenen den Eindruck einer Festung wiedergibt, während das Innere offen und leicht formuliert wird. Es zeigt sich in seiner Ausstattung mit Parkett und Leichtbauwänden weitgehend unabhängig von aussen. Diese Erscheinung versuchte ich mit den Mitteln der Tektonik zu unterstützen, ohne das Gefüge mit Teilen zu überladen. Manchmal ist es aber trotzdem unverzichtbar, Dinge zu zeigen, die nicht von tragender Notwendigkeit sind.

DACHAUFBAU Splitt Dachpappe Betondecke Schwarzanstrich Dämmung Schaumglas mineralischer Putz weiss

3cm 1.5cm 18cm 14cm

15cm

WANDAUFBAU mineralischer Putz hellorange Backstein Dämmplatten Misapor mineralischerPutz weiss

15cm

15cm 14cm

15cm

Bodenaufbau OG Parkett (Fischgrad) Unterlagsboden Trennfolie Dämmung Steinwolle druckfest Stahlbetondecke roh

1.5 cm 6cm 14cm

20cm

WANDAUFBAU mineralischer Putz hellorange Backstein Dämmplatten Misapor mineralischerPutz weiss

15cm

15cm 14cm

15cm

Bodenaufbau OG Parkett (Fischgrad) Unterlagsboden Trennfolie Dämmung Steinwolle druckfest Stahlbetondecke roh

1.5 cm 6cm 14cm

20cm

BODENAUFBAU EG (Beheizt) Kalktuffplatten 3cm Unterlagsboden 6cm Trennfolie 16cm Dämmung Schaumglas Beton 20cm Magerbeton 5cm

BODENAUFBAU EG Pflästerung Beton Magerbeton

SCHNITT HAUPTRAUM 1:20

8x8cm 20cm 5cm


Frodl Patrick, Parzellennummer 13 Nach der Woche in Sizilien, in der wir unglaublich viel gesehen, gelernt und erfahren haben und in der über Architektur gesprochen wurde, wie ich es zuvor kaum gehört hatte, änderte sich vieles in meiner Ansicht, wie wir Architektur angehen sollen. Ich versuche zu verstehen, was die Werke grosser Meister und der Antike die der heutigen Architektur unterscheidet. In den 60er Jahren verglich man Le Corbusier und Mies van der Rohe noch mit einem Da Vinci oder Michelangelo. Heute wagt niemand mehr solch einen Vergleich. Da stellt sich die Frage, weshalb. Ich stellte meinen begleitenden Dozenten die Frage, wie wir über Architektur sprechen sollen und wie wir sie angehen müssen. Sollen und dürfen wir denken wie im Barock? Dürfen wir uns zum Ziel setzen, uns irgendwann mit Borromini, Guarini oder Caravaccio in eine Reihe zu stellen? Soll unsere Arbeit von Regeln und Goldenen Schnitten geprägt sein oder sollen wir diese Lehren nur auf uns wirken lassen und interpretieren? Sollen wir die Zweckdienlichkeit des Werkbundes anstreben oder die Poesie Le Corbusiers? Dieses Semester stellte mich vor viele Fragen, sodass ich oft grosse Änderungen an meinem Projekt vornahm, um verschiedenste Ansätze auszuprobieren. Der erste Ansatz bestand darin, mein Haus mit den städtebaulichen Ideen von Avola zu entwerfen: ein quadratischer Platz definiert die umliegenden Gebäude. In meinem Entwurf steht der Hauptraum für den Platz. Seine umliegenden Raumzellen wie Küche, Treppe, Werkstatt sind die umliegenden in sich geschlossenen Körper, deren Aussenfassade meinen Hauptraum gliedern. Ein weiterer Versuch war es, ein Netz von Trägern, Säulen und Sockeln zu schaffen. Dieses Netz soll sich wie ein

Mäander wiederholen und durch das ganze Haus führen. Die Aufgabe des Mäanders ist es, die für die Tragstruktur wichtigen Elemente mit den nichttragenden zu verbinden. Ein nächster Ansatz bestand darin, eine Verbindung zwischen schweren tragenden Teilen und leichten und membranartigen Teilen zu schaffen. All diese Versuche warfen neue Fragen auf, aber lösten nur wenige meiner Hauptfragen. Dieses Semester mit dem Schwerpunkt der Tektonik lehrte mich, wie man Architektur lesen kann, wie man Teile fügt und wie beides zu einem wird. Die Ansätze, die wir in Vorlesungen gesehen haben, lassen mich vieles verstehen und waren eine grosse Hilfe beim Entwerfen. Und so entwarf ich weiter: Ein Trägersystem aus Beton, der durch seine geformten Träger die volle Länge überspannen kann, sich aber mit dem Querträger zur Aussteifung verbindet und auf Säulen lastet, die den Raum in seiner Orientierung trennen. Man orientiert sich zum Hof oder zur weiss gestrichenen Betonwand, die Oben und Unten als Lichtträger verbindet. Der Backstein trennt Innen und Aussen. Er gibt den Nebenräumen eine andere Sprache als dem Hauptraum und verbindet sie mit dem Aussenraum. Das Holz als leichtes, wandelbares Material teilt die Räume als Membran und gibt ihnen einen mit Schiebetüren versehenen Stauraum. Das Fügen der Elemente, die Auseinandersetzung mit dem Material und das Verbinden von Räumen sind die Grundsatzfragen jedes Entwurfes. Durch die Reise nach Sizilien hat dies für mich jedoch noch viel mehr an Bedeutung und Wichtigkeit gewonnen.


Häni Sascha , Parzellennummer 14 Das Thema des Herbstsemesters 2013 war die Tektonik. Aber was bedeutet dieser Begriff überhaupt? In der Architekturtheorie versteht man unter Tektonik das Zusammensetzen von Bauteilen zu einem Gefüge. Zu Beginn des Semesters bereitete es mir grosse Mühe, den Begriff Tektonik einzuordnen und damit zu arbeiten. Doch mit der Zeit und der Auseinandersetzung mit dem Thema, hat sich der Begriff für mich zunehmend geklärt. Tektonik ist nicht nur das Beschreiben des wahren Aufbaus und er ist mitnichten gleichzusetzen mit dem Begriff der Konstruktion. Das heisst die hervorgerufene Vorstellung vom konstruktiven Aufbau muss nicht mit der tatsächlichen Baukonstruktion übereinstimmen. Es ist vielmehr die sinnbildliche oder symbolische Erscheinung des Gebäudes, die man vermitteln möchte. Es muss nicht zwingend das abgebildet werden, was im Innern auch geschieht. Tektonik soll eine klar nachvollziehbare Geschichte erzählen, sodass es Dritten möglich ist, die Gliederung, beispielsweise einer Fassade, nachzuvollziehen. Die Logik von Tragwerk und Hülle im Wechselspiel mit den Materialien und dessen Fügung ist die Grundsubstanz der sinnlichen Wahrnehmung und somit eine unverzichtbare Grundvoraussetzung für die Tätigkeit des Architekten. Bereits in einem frühen Stadium meines Entwurfsprozesses spielte die geometrische Grundordnung in Abhängigkeit von den tragenden Baustoffen eine wichtige Rolle für die Lösung der architektonischen Aufgabe. Aber auch das Entwickeln von alternativen Varianten

oder das Verwerfen von Ansätzen bestimmten den Alltag. Im Austausch mit den Dozenten haben die Studenten ihre Arbeitsprozesse aufbereitet und präsentiert, was nachfolgend gemeinsam diskutiert wurde. Ausserdem wurden Fragen aufgeworfen, um Entscheide zu werten oder hinterfragen. Daraus entstanden teilweise heftige Diskussionen zwischen Studierenden und Dozenten über wesentliche Aspekte wie Typologien, Tragwerke und Fassadenbild, was wiederum zu ganz neuen Impulsen führte. Dies hat oftmals einen neuen Anstoss für eigene Überlegungen bewirkt. Abschliessend bleibt zu sagen, dass ich durch das Semester eine ganz andere Sichtweise über die Abbildung von Kräften und die Fügung von Bauteilen erhalten. Gleichzeitig wurde mir bewusst, dass das interessante und anspruchsvolle Thema der Tektonik mich auch noch durch die nächsten Semester und darüber hinaus begleiten und beschäftigen wird. Ich freue mich auf diese Herausforderung.


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Zweifel Tamara, Parzellennummer 16 Dieses Semester beschäftigten wir uns mit dem Begriff Tektonik. Tektonik kann auf verschiedene Arten definiert werden, zum Beispiel über die Proportionen und die Ausarbeitung eines Raumes, aber auch über das Zusammenfügen von Bauteilen zu einem Ganzen. Dadurch wurde die Aufgabe, in unserem Entwurf die Tektonik zum Ausdruck zu bringen, sehr komplex. Mir wurde in dieser Zeit bewusst, dass Tektonik ein Hilfsmittel für die Architekten sein kann, aber auch für die Bewohner. Sie hilft dem Architekten, den Entwurf zu ordnen, die wesentlichen Elemente zu erkennen und zu betonen, oder auch Strukturen zu begründen. Der Bewohner profitiert später von der Tektonik, indem er die Räume und deren statische Konstruktion in den Bauteilen ablesen kann, was ihm ein sicheres und angenehmeres Wohngefühl verleiht. In meinem Entwurf versuchte ich die Tektonik für Klarheit in meinem Konzept zu nutzen. Zu Beginn gestaltete es sich für mich schwierig, einen klaren Grundriss zu entwerfen. Die Haupträume sollten in einer direkten Beziehung zueinander stehen und zugleich das „Wandern“ zulassen, also das Aufsuchen des angenehmsten Ortes im Haus je nach Jahreszeit. Mit dem Platzieren des Hauptraums zwischen zwei Höfen, versuchte ich dies zu lösen. Die restlichen Räume versuchte ich in einer klaren und prioritätsbezogenen Abfolge im Wohntrakt zur Strasse anzuordnen. Der Hauptraum sowie der Wohntrakt wird zu den Höfen grossflächig geöffnet, wodurch eine intensive Beziehung vom Haus zu den Höfen entsteht.

Beim Versuch, die Tektonik eines Bauwerks über die Konstruktion darzustellen, entsteht heute das Problem, dass die tragenden Bauteile hinter einer Schicht Wärmedämmung versteckt werden. Somit kann nicht mehr wie früher die eigentliche Tragstruktur gezeigt werden. Die Tektonik wird darum heute auch sinnbildlich zum Verständnis der gefügten Bauteile eingesetzt. Ich versuchte dies auf mein Projekt anzuwenden, indem ich die Höfe allseitig mit Stützenreihen definierte. Im Innern des Wohn- und Essraumes bildete ich eine Verdickung der Deckenkonstruktion, um ersichtlich zu machen, wie die Kräfte abgeleitet werden. In diesem intensiven Semester wurde mir klar, dass Tektonik ein wichtiges Gestaltungsmittel sein kann, um den Entwurf zu begründen, dass es jedoch immer verschiedene Arten gibt, wie sie gelesen werden kann. Dadurch entstanden an der Schlusskritik zwischen den Dozierenden spannende und lehrreiche Gespräche.


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GRUNDRISS ERDGESCHOSS 1:50

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GRUNDRISS OBERGESCHOSS 1:50

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Riedo Stephanie, Parzellennummer 17 TEKTONIK - als poetisches Ausdruckspotential der Konstruktion Am Anfang stand ein Konzept. Massgebend für die Entwicklung dieses Konzeptes waren Werkstoff, Werkzeug und natürlich der Entwurf. Inspiriert von der iranischen Architektur entstand ein Wohngebäude, dessen Haupträume sich auf einen zentralen Hof orientieren und mit der klaren Hierarchie von öffentlichen und privaten Bereichen eine deutlich wahrnehmbare Raumfigur zeichnen. Der introvertierte Grundriss reagiert auf das warme Klima in Avola. Die Wahl des Werkstoffes soll die Lesbarkeit der Raumfigur unterstützen, aber ebenso in Einklang mit der Tragkonstruktion, und Eigenheiten des Ortes sein.

Demnach geht es bei der Auswahl von Konstruktionsweisen nicht nur darum, eine technisch sinnvolle Lösung zu finden, sondern diese auch in Bezug auf die Raumerfahrung anzuschauen. Sichtbare Fugen und Elemente sollen ihre Funktion zum Ausdruck bringen und nicht hinter Verkleidungen versteckt werden. Es geht um das Zusammenspiel des architektonischen Erscheinungsbildes mit der Sinnfälligkeit der konstruktiven Ausführung- und der Wirtschaftlichkeit der Mittel. Die Fügung der konstruktiven Teile ist also ein wichtiger Bestandteil der Raumgestaltung und bestimmt diese aktiv mit.

Die Gestaltung der Raumabschlüsse und Raumübergänge ist unterschiedlich und beeinflusst die Wahrnehmung der Räume. Dämmbackstein als Aussenhülle und fast ebenso dicke Backsteinwände im Inneren mit Nischen sollen überall Massivität zum Ausdruck bringen. Eine Hourdisdecke aus Tonelementen hat im Gegensatz zu einer Betondecke den Vorteil ebenfalls mit Kalkputz verputzt werden zu können, und ergänzt die allseitig verputzten Wände zu einer umfassenden Raumhülle. Das hinterlüftete Kaltdach dient als Wärmepuffer. Hinzu kommt die Fügung der Bauteile, das Zusammenspiel der einzelnen Tragelementen und der Werkstoffe. DACHAUFBAU Flachdach | Kaltdach - Kies - Abdichtung - Trennlage - Holzschalung im Gefälle - Belüftungsraum (Lattung und Konterlattung) - Wärmedämmung - Dampfsperre - Ausgleichsschicht im Gefälle - Beton - Tragschicht Hourdisdecke - Deckenputz

5cm

23cm 18cm 5cm 20cm 1,5cm

DACHAUFBAU Gewölbe - Liapor verfestigt - Trennlage - Backstein gemauert

10cm

DECKENAUFBAU warm | warm -Plattenbelag 2cm - Unterlagsboden 8cm - Trennlage - Trittschalldämmung 2cm - Beton 5cm - Tonhourdisdecke 20cm - Deckenputz 1,5cm

DECKENAUFBAU kalt | warm -Plattenbelag - Unterlagsboden - Trennlage - Trittschalldämmung - Beton - Tonhourdisdecke - Wärmedämmung - Deckenputz

2cm 8cm 2cm 5cm 20cm 10cm 1,5cm

WANDAUFBAU Dämmstein - Aussenputz | Wandplatten - Dämmstein - Innenputz | Wandplatten

BODENAUFBAU - Plattenbelag - Unterlagsboden - Trennlage - Trittschalldämmung - Wärmedämmung - Beton - Magerbeton

2cm 8cm 2cm 8cm 25cm 5cm

3cm 42,5cm 1-2cm


Zonierung Hauptraum

Schnitt Hauptraum

Erdgeschoss

Obergeschoss

Kontur Hauptraum


Wittwer Florian, Parzellennummer 18 Meine eigene Semesterarbeit analysierend bemerke ich, dass mich die Frage zur Fügung einzelner Bauteile schon lange begleitet und begeistert. Sei es die Faszination welche man als Kind verspürt beim Bau von Gewölben mit Kappla-Klötzchen oder jene, etwas später als Hochbauzeichner-Lehrling, welche man verspürt wenn beim Modellbau die Kartonplatten so zusammengesetzt sind dass es ‚stimmt’. Die Aufgabe, ein Wohnhaus in Avola zu planen und dabei den Fokus auf die Tektonik zu richten, hat mich dazu gebracht, so bewusst wie nie zuvor mit diesem Thema zu arbeiten. In einem ersten Schritt ging es vorwiegend darum, ein Verständnis für den Begriff der Tektonik zu entwickeln. Da die Tektonik als solches nicht einfach erklärt oder gelernt werden kann arbeitete ich zu Beginn gefühlsmässig. Es fand eine Wechselwirkung zwischen dem Verständnis für Tektonik und der räumlichen Projektidee statt. Durch das tektonische Fügen einzelner Teilen kann etwas Ganzes entstehen, welches eine architektonische und räumliche Ordnung hat. Dazu ein einfaches Beispiel: Eine Nische wird als Loch in der Wand ausformuliert und mit einem anderen Material ausgekleidet. Wir verstehen, dass die Nische nicht direkt zum Raum gehört sondern ein addierter Teil ist. Würde man anders vorgehen ist die Lesbarkeit auch eine andere. Zuordnen bedeutet auch Entscheidungen treffen. Die daraus resultierende Ordnung ist wichtig für das Raumverständnis. Es muss also zuerst eine räumliche Idee vorhanden sein, damit diese tektonisch interpretiert zum Ausreizvoll sein, eine Andeutung vorzunehmen, eine Mehrdeutigkeit zu generieren, nicht absolut zu sein! Denn absolut richtig kann ein Detail nie gelöst werden, es dürfen jedoch keine Widersprüche zwischen räum-

licher Absicht und tektonischer Fügung vorhanden sein. Ein Raum lässt sich also durch die Fügung von eines Details erhält durch eine übergeordnete Ordnung eine gewisse Wichtigkeit. Daraus schliesse ich, dass es von grosser Bedeutung ist zu wissen was ein Detail vermitteln soll und dementsprechend auch verständlich oder irreführend gelöst werden kann. Subjektive Wahrnehmung, individuelle Assoziation unterschiedliche Leseweisen bzw. Interpretationen verwischen diese Grenzen jedoch wieder. Zur Schaffung von Raumcharakteren sind nebst den tektonischen Fragestellungen jene zur Struktur, zu Proportion, Licht, Geometrie, Material und funktionale Aspekte zentral. Mit gezieltem Einsatz aller Mittel gelingt es, eine Raumidee zu übersetzen und als solche selbstverständlich zu machen. Wird die Tektonik nicht als blosses Abbild der Konstruktion verstanden, kann es uns gelingen dem Herzen der Tektonik auf die Spur zu kommen. Die Tektonik kann erst dann poetisch werden, wenn unser Verständnis über das funktionale Abbild der Konstruktion hinauswächst und anfängt dem Betrachtenden eine Geschichte zu erzählen. Für mich bleibt es interessant, Fragen der Fügung nicht nur auf die Fügung einzelner Bauteile zu beziehen, sondern auch auf Räume selbst. Dies liest sich am besten an der Hauptraumgruppe ab, welche eine Folge einzelner Raumsequenzen ist, die sowohl im Grundriss wie auch im Schnitt versetzt aneinandergereihtZonierung werden. Hauptraum Die ‚weiche’ Raummasse resultiert aus Kontur Hauptraum der klaren Kontur der Hauptraumgruppe. Nach diesem Semester fühle ich mich dem Wesen meiner Vorstellung von Architektur sehr nahe. Diese des Wohnungsbaus und der Tektonik zu tun.

Schnitt Hauptraum


Roman Kummer, Parzellennummer 09 Unsere Aufgabe war es, ein Hofhaus in Avola in Sizilien zu Entwerfen. Das Haus musste mindestens einen Hof haben, sollte sich in die südsizilianische Umgebung einpassen und ein vorgeschriebenes Raumprogramm beinhalten. Das Hauptaugenmerk wurde aber auf die Tektonik gelegt, welche während dem ganzen Herbstsemester zur Diskussion stand. Ehrlich gesagt war mir anfangs der Begriff Tektonik sehr fremd und ich konnte sehr wenig mit diesem Wort anfangen, gesc ies probierte ich in meinen Entwurf umzusetzen und einfließen lassen. Wie ist die Tragkonstruktion miteinander verbunden und wo werden die entstandenen Lasten abgetragen, waren meine Grundfragen. Mein Entwurf beinhaltet durch die Raumabfolge eine originelle Deckenkonstruktion einer Kappeldecke, bei der ich die Konstruktion gezielt zeige. Das Auflager der Stahlträger muss tektonisch gesehen lesbar sein und sich von der Wandscheibe abheben. Da meine Innenwand aus Sichtbackstein ist, entschied ich mich für ein Betonauflager, welches sogleich auch den Sturz für die Fensterfronten bildet. Um die Konstruktion nicht nur in den Innenräumen zu zeigen, werden vorfabrizierte Elemente auch im äußeren Bereich montiert, um das ganze Gebäude tektonisch gesehen verständlich zu machen. Auf das ganze Semester rückblickend, war es eine sehr intensive und anstrengende Zeit, bei der man sich

Schnitt D 1:20

jede Woche neuen Herausforderungen und Problemen stellen musste. Durch die einzelnen Vorlesungen wurde man immer weiter in das Thema eingeführt und man bekam neue Einblicke zum Thema Tektonik in der Architektur.


Luftraum Wärmedämmung Holzschalung Balken

150mm 24mm 200mm

Bodenaufbau EG Parkett Klebeschicht Unterlagsboden Trennlage (Kunstfolie 1mm) Wärmedämmung XPS Trittschalldämmung Betonüberzug im Verbund Holzschalung Balkenlage 20/20

15mm 10mm 50mm 25mm 25mm 70mm 21mm 200mm

Bodenaufbau EG Gang Terrazzo Unterlagsboden Trennlage (Kunstfolie 1mm) Wärmedämmung XPS Trittschalldämmung Wärmedämmung Betonfertigelement

30mm 100mm 25mm 25mm 100mm 200mm

Wandaufbau | 2-Schalenmauerwerk Klinker 25/12/6.5 Hinterlüftung Wärmedämmung Backsteinmauerwerk B 25/15/7 Innenputz

Schnitt Hauptraum, Mst.: 1:20

Bodenaufbau EG Innen Terrazzo Unterlagsboden Trennlage (Kunstfolie 1mm) Wärmedämmung XPS Stahlbeton Magerbeton

Bodenaufbau EG Aussen 30mm 100mm 150mm 250mm 50mm

Terracottaplatten Kies Magerbeton

40mm 50mm 50mm

120mm 40mm 100mm 150mm 10mm


Ehrat Jil, Parzellennummer 21 Zu Beginn des Semesters war der Begriff der Tektonik in seiner Definition, wie auch in seiner Umsetzung schwierig für mich zu deuten. Die Auseinadersetzung mit dem Raumprogramm und den damit geforderten Aussenräumen hat mich zu meiner Grundidee des zentralen Hof geführt, welcher von einem zweigeschossigen Haus umgeben ist. Die konzeptionelle Konsequenz aus nur einem zentralen Hof wären unbelichtete resp. unbelüftete Eckräume. Aus diesem Grund entschied ich mich dafür, die Ecken aufzulösen. Während dieser Anfangszeit habe ich mich intensiv mit dem Thema des Lichtes beschäftigt. Im Verlauf des Prozesses wurde von den Dozenten eine gerichtete Decke vorgeschrieben. Aus dieser Vorgabe ergab sich für mich eine weitere konstruktive Auseinandersetzung. Mit meinem Entscheid für ein Holzbalkensystem kam die Frage auf, wie diese Decke gerichtet sein sollte. Wie wirkt sich dies auf meine Räume aus? Wie muss der Raum wirken? Ich habe mich entschieden alle Räume gleich zu behandeln. Die unverkleideten Holzbalken werden in ihrer Längsseite zum zentralen Hof ausgerichtet. Bei dem zentral gelegenen Hof habe ich mich am intensivsten mit dem Thema Tektonik befasst. Anfangs hatte ich auf vertikale Elemente verzichtet. Der Hof, wie auch der geschützte Laubengang, wurde nur durch die Sitzbank, die auskragenden Decke und die Aussenwände zu einem Raum gefasst. Um die Auskragung statisch zu lösen war ein relativ massiver Betonkranz

notwendig. Die Frage nach Stützen, und damit verbundene Definition des Raumes, kam auf. Aufgrund dieser Kernfrage habe ich mich lange Zeit mit den Stützen in meinem Hof auseinandergesetzt. Wie viele Stützen sind notwendig? Wo stehen sie? Wie müssen sie räumlich dimensioniert sein? Und welche Form wäre wohl am geeignetsten? Ich begann mit runden Stützen, welche in den vier Ecken platziert waren. Hier ergab sich die Frage, ob mit dieser Variante, die Teile richtig gefügt sind. Rund auf eckig, ohne einen oberen oder unteren Übergang , war nicht jenen Ausdruck, welchen ich anstrebte. Bald darauf kam ich auf das Ergebnis, die Ecken aufzulösen und jeweils zwei Stützen auf jeder Seite der Sitzbank zu platzieren. Ich entschied mich ausserdem für eine neue Stützenform, welche rechteckig und bündig mit dem Betongurt und der Sitzbank sein sollten. Neu werden die Stützen als Weiterführung des Untergurtes gelesen, aufgrund ihrer Dimension und derselben Materialität. Mit der Positionierung der Stützen habe ich mich bis am Ende schwer getan. Trotz der eher mittigen Ordnung habe ich die Wirkung des Raumes, welche ich angestrebt habe, erreicht. Mir scheint, dass die Frage der Tektonik auf verschiedene Arten interpretiert werden kann. Bei meiner Schlusskritik tauchte die Frage auf, ob es nicht sein könnte, dass die Stützen vorstehend anstatt bündig mit dem Betongurt resp. Sitzbank sein könnten und somit eine weniger eingespannte Wirkung erzielen. Ich fand dazu keine Antwort und daher wäre es interessant, dieser Idee weiter nachzugehen.


Grundst端ck Grundst端ck 22 22

G 1:200 EG 1:200

OG 1:200 OG 1:200


Koller Tobias, Parzellennummer 22 Das Augenmerk auf die Tektonik, sowie die Gestaltung der Räume nach innen und aussen waren die zentralen Themen der Entwurfsaufgabe. Der Entwurf eines Hofhauses für eine Italienische Familie mit optimalen Nutzungsmöglichkeiten, sowie die Berücksichtigung des südländischen Klimas waren die Ausgangsbedingungen. Die Gestaltung des Grundrisses in Bezug auf die Tektonik empfand ich anfangs als sehr schwierig, da der Begriff für mich nicht wirklich „greifbar“ erschien. Bis anhin war „Tektonik“ stets unklar oder unterschiedlich interpretiert worden, so dass ich mich zu Beginn schwer tat, ein Hofhaus mit diesem Begriff im Nacken zu entwerfen. Als Hilfe für den Entwurfsprozess - vor allem im Anfangsstadium - nutzte ich das Ordnungsprinzip der Symmetrie als Grundlage für das „Fügen der Räume“. Das bewusste Setzen der Räume, und deren Gruppierung mit dem Ziel einer Raumfigur, wurden intensiv in Gesprächen diskutiert und flossen stetig in den Prozess ein. Grosse Beachtung schenkte ich den Übergängen von Raum zu Raum, da diese nicht nur die Räume trennen oder verbinden, sondern sich auch darüber definieren. Über die Fügung der Teile, sprich das Aneinanderreihen, Verdoppeln, Versetzen und Verschieben der einzelnen Elemente eines Hauses, definierte sich der Begriff immer mehr. Die Auswirkung dieser Möglichkeiten auf den architektonischen Ausdruck , und die Konsequenzen auf die Auswahl der Materialien, wurden

immer wichtiger. Eine weitere Frage, welche mich in Zusammenhang mit dem Begriff „Tektonik“ durch das Semester hindurch beschäftigte, war die Fassung der Teile – und in der Folge: wie werden Räume gelesen und wahrgenommen? Beispielsweise mit Hilfe des Bodenbelags versuchte ich dies klarer zu strukturieren und lesbar zu machen. In den Haupträumen umfasst ein dunklerer Plattenbelag den hellen Terrazzo Boden und gibt dem Raum damit eine klare Geometrie. Auch sind die Übergänge zwischen den Räumen und ebenso alle Fenster mit Holz eingefasst. Damit sind sämtliche Durchdringungen der Wände in gleicher Weise behandelt, und stellen mit ihrer Rahmung eine „Befestigung“ der Öffnung dar. Rückblickend betrachtet war es ein intensives Semester wobei die stetige Fragestellung der Tektonik durch Vorträge, der Semesterreise und den Diskussionen untereinander immer wieder interessante, anregende und nachdenkliche Fragen aufwarf.

GALERIE

TREPPE

HAUPTRAUM ESSEN


e | Dozierende: Deiss Nicole, Dill Christian


Durot Mélanie, Parzellennummer 23 Zu Beginn des Semesters gab es mehrere Diskussionen über die Tektonik. Was ist überhaupt Tektonik und wie macht man die Tektonik sichtbar? Aus den Diskussionen heraus entstand die Erkenntnis, dass es mehrere Sichtweisen gibt in Bezug auf das Verständnis der Tektonik. Die Mehrdeutigkeit der Tektonik machte es für mich schwierig, das Thema gezielt in den Entwurf einfliessen zu lassen. Aufgrund der Diskussionen und den gezeigten Beispielen in den Vorlesungen schien mir das Thema der Fügung der Teile vor allem mit einem Stützenraster sichtbar zu werden. Aus diesem Grund entschied ich mich anfänglich für einen Stützenraster als Konstruktionsprinzip. In der weiteren Projektentwicklung habe ich verstanden, dass Wandscheiben für meinen Entwurfsgedanken entsprechender sind als ein Stützenraster. Bei der Deckenkonstruktion entschied ich mich für eine Betonrippendecke, weil bei dieser Konstruktion die Struktur räumlich sichtbar wird. Ist das nun schon Tektonik? Es ist sicherlich eine rein konstruktive Sichtweise, was Tektonik auch beinhaltet. Durch meinen Entwurfsprozess habe ich verstanden, dass das Fügen der Teile nicht nur die Konstruktion sichtbar macht, sondern auch die Raumstimmungen prägt. So habe ich bewusst mit dem Betonkranz, auf welchem die Rippendecke aufliegt, den Raum gefasst, damit die Grundrissidee der Flügel verdeutlich wird. Entsprechend ist der Bodenbelag mehrfachgerichtet verlegt und mit einem umlaufenden Fries gefasst. In den Diskussionen spielte die Tektonik in der Fassade ebenfalls eine wesentliche Rolle.

Ich probierte daher die Tektonik im Innern auf die Fassade zu übertragen, jedoch in einer übersetzten Art. Die Schwierigkeit lag genau in dieser Übersetzung der Tektonik. Die Fassade sollte die Sprache des Innenraumes sprechen bzw. es sollte eine Verbindung erkennbar sein zwischen der Fassade und den Innenräumen. Dies bedeutete neue oder abgeänderte Elemente in der Fassade. Diese Verbindung zwischen Innenraum und Fassade richtig zu definieren ist/war eine grosse Herausforderung. Dabei stellte ich mir Fragen wie z.B.: Wie genau muss die Verbindung erkennbar sein? Welche Elemente dürfen abweichen und wie darf die Veränderung aussehen? Für mich war es wichtig, dass eine Verbindung zwischen Innenraum und Fassade sichtbar ist, jedoch hat eine Fassade andere Anforderungen wie ein Innenraum und kann daher neue Elemente enthalten. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich hauptsächlich vom Innenraum ausgegangen bin und nicht von Anfang an den Ausdruck der Fassade gedacht habe. Durch die Gespräche mit den Dozenten und den Mitstudenten gelang es mir, ansatzweise die Frage der Tektonik zu verstehen. Jedoch die Frage der richtigen Sichtweise kann ich für mich noch nicht beantworten.


Hagen Lena, Parzellennummer 24 Neues Semester, neue Dozenten, neue Aufgabe: Tektonik. Ein Begriff dem ich bis dahin nur im Zusammenhang mit Geologie begegnet war. Die Aufklärung durch die Dozenten klang mindestens so rätselhaft wie der Name selbst. Die Definition von Tektonik wird auf Wikipedia folgendermassen beschrieben: Die Tektonik ist die Fügung von Bauteilen. Sie beschreibt nicht nur den konstruktiven Aufbau, sondern auch dessen symbolische oder sinnbildliche Erscheinung. Wir sollten also ein Haus in Avola, Italien, entwerfen und dabei nicht wie üblich mit dem Grundriss sondern mit der Frage der Tektonik beginnen. Eine grosse Herausforderung, wenn man noch immer nicht wirklich verstanden hat, was nun unter Tektonik genau gemeint ist. Anfangs war dies ziemlich schwierig doch im Laufe der Aufgabe wurde klarer, was von einem erwartet wird. Auch begann dieser Begriff etwas Kontur anzunehmen. Wie und in welcher Form sollte ich die Tektonik in meinem Projekt zum Ausdruck bringen. Dies war die Frage die mich stets begleitete. Viele Entscheidungen mussten getroffen und viele Ideen verworfen werden, bis ich schliesslich zu einer mir entsprechenden tektonischen Ausdrucksform kommen sollte. Ein Stützenraster im Hauptraum und auf der Terrasse darüber erstreckt sich bis an die Fassade. Die Stützen und Fensterstürze sind in Beton ausgebildet, die Füllungen bestehen aus verputztem Backstein. Die Stützen im Innenraum tragen

eine Betonkassettendecke, die zwar verputzt aber in ihrer Struktur klar erkennbar ist. Die Konstruktion der Strassenfassade besteht aus einem Zweischalenmauerwerk, die Fensterstürze, -brüstungen und -laibungen sind aus Betonfertigteilen. Die Fügung der Teile und die konstruktive Hierarchie habe ich durch Materialwechsel versucht darzustellen. Nach Abschluss der Arbeit stellt sich nun die Frage, ob der gewählte Weg auch der richtige war, oder ob man vielleicht doch andere Lösungen hätte bevorzugen sollen. Aber dies ist eine Frage die sich bei jedem Projekt stellen wird. Die Aufgabe war trotz ihrer bestehenden Schwierigkeit sehr spannend und abwechslungsreich.


Schnitt B-B 1:50

Schnitt C-C 1:50

Dachaufbau

Kies 8-15 cm Abdichtung 2 cm Betonausgleichschich Holzwerkstoffplatte 2 Hinterlüftung 8 cm Wärmedämmung zwis Dampfbremse Holzverkleidung 2 cm

Deckenaufbau

Parkett 2 cm Unterlagsboden 8 cm Trittschalldämmung 2 Wärmedämmung 2 cm Überbeton 5 cm Hourdiselemente verp

Wandaufbau

Aussenputz 2 cm Dämmbackstein Unip Innenputz 1.5 cm

Bodenaufbau

Kalktuffplatten 3 cm Unterlagsboden 8 cm Trittschalldämmung 2 Wärmedämmung 16 c Bodenplatte Beton 30

Schnitt A-A 1:20


Bezel Mara, Parzellennummer 25 Das Hauptthema dieses Semesters war die Tektonik. Der Entwurf sollte nicht mit der Nutzung, sondern mit der Struktur und der Tektonik begonnen werden. Am Anfang des Semesters lernten wir, was Tektonik überhaupt ist: Die Fügung der einzelnen Teile eines Bauwerks. Es sollte sichtbar gemacht werden, wo die Teile aufliegen und wie die Kräfte fliessen. Für eine Person im Raum muss auf den ersten Blick klar sein, wie die Kräfte abgetragen werden. Nur so entsteht ein Gefühl der Sicherheit. Es muss verhindert werden , dass man das Gefühl hat, die Decke fällt einem auf den Kopf. Die Wahl der Konstruktion und der Materialien spielte eine zentrale Rolle. In meinem Projekt entschied ich mich für das massive, verputzte und unstrukturierte Einsteinmauerwerk als eines der wichtigsten Elemente. Nur an Stellen wo mehr Lasten abgetragen werden müssen, wird es durch Pilaster verstärkt.

Die Fügung der einzelnen Backsteine zu einem Mauerwerk ist wegen dem Verputz nicht ersichtlich, die Wand erscheint als ein Element. Die Räume werden vor allem durch die Tonhourdisdecke strukturiert. Diese neue Methode einen Entwurf anzugehen, nämlich mit der Struktur zu beginnen, bereitete mir einige Mühe. Es dauerte ziemlich lange, bis ich eine einfache, klare Ordnung gefunden hatte. Schlussendlich entstand ein Wohnhaus mit einer einfachen Struktur und einer klaren Raumordnung.


Steinmann Samuel, Parzellennummer 26 Tektonik - Gottfried Semper definierte diesen Begriff einst in einem Satz. Um ihn zu verstehen reicht das Lesen dieses einen Satzes jedoch kaum. Im Verlaufe des letzten Semesters versuchte ich durch ständiges Hinterfragen meiner Entwicklungsschritte dem Begriff auf die Spur zu kommen. Immer wieder stellte sich bei meinem Projekt die Frage, wie stark das Fügen der einzelnen Bauteile abstrahiert werden kann, um noch von Tektonik sprechen zu können. Oder anders gefragt, durch welche Massnahmen kommt die Tektonik einer Wand oder einer Decke zum Vorschein. Im Zusammenhang mit meiner Semesterarbeit befasste ich mich intensiv mit Mauer- und Gewölbekonstruktionen. Im Grunde genommen handelt es sich dabei um Gesamtgefüge, bestehend aus einer Vielzahl kleiner Teile, welche aufgrund ihres handlichen Formates leicht zu Grossem aufeinandergeschichtet werden können. Im Prinzip ist ein Gewölbe nichts anderes als die Weiterführung der Wand. Es umschliesst den Raum gegen oben auf eine sanfte Weise. Im Zusammenhang mit den Trompenkuppeln, welche die einzelnen Räume meiner Hauptraumgruppe überspannen, befasste ich mich mit dem Übergang von der Wand zum Gewölbe. Wird ein Gewölbe auch als Fortführung der Wand wahrgenommen, wenn der Übergang nicht fliessend, sondern als leichte Kante ausgeführt ist. Reicht der

Putz als einheitliches Kleid, um Wand und Gewölbe zu vereinen. Die Mauer erhält ihre Stabilität durch die Verzahnung der einzelnen Steine. Wird nun eine Wand als Sichtmauerwerk ausgeführt, muss deshalb auch dem Fugenbild Beachtung geschenkt werden. Auch Nicht-Architekten erscheint eine Mauer, bei der die Stossfugen direkt übereinanderliegen, als instabil. Wie gross muss nun dieser Versatz der Stossfugen sein, um dem Betrachter das Bild des Ineinandergreifens und der damit verbundene Ausdruck von Stabilität zu vermitteln. Nach intensiver Auseinandersetzung mit diesem Thema hat sich herausgestellt, dass sowohl das Muster des Fugenbildes, als auch das Steinformat diesen Ausdruck massgeblich beeinflussen. Als Summe dieser Überlegungen entstanden schlussendlich die zwei Strassenfassaden. Wie aus dem obigen Text zu entnehmen ist, sah ich mich während dem ganzen Semester ständig mit Fragen zur Tektonik konfrontiert. Einige konnten beantwortet werden. Ein grosser Teil davon steht noch im Raum. Es ist zu hoffen, dass sich in meiner weiteren Laufbahn als Architekt weitere Fragen zum Thema klären, damit ich in Zukunft schneller die richtigen Entscheidungen treffe.


Schnitt 3 Schnitt  3

Schnitt 3 Schnitt  3

Schnitt 1 Schnitt  1

Schnitt 1

Schnitt 1

Schnitt 1

Schnitt 1

Schnitt 2 Schnitt  2

Schnitt 3

Schnitt 2 Schnitt  2

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Schnitt 3 Schnitt  3

Schnitt 1

Schnitt 2

Schnitt 3

Schnitt 1 Schnitt  1

Schnitt 3

Schnitt 1

Schnitt 2


Kutlacic Mila, Parzellennummer 28

Schnitt 3

Ursprünglich war die Überdachung des Hauptraumes als Tonnengewölbe gedacht; weder der Übergang vom Gewölbe in die tragenden Wände noch die hochliegenden Öffnungen in den Seitenwänden waren befriedigend. Es war einige Zeit nötig bis ich das grundlegende Problem erkannt hatte: „Es waren nicht die Wandscheiben sondern die Dachform, welche nicht passte. Ich beschloss, die grundlegende Frage: „Ist mein Dach gerichtet oder ungerichtet?“ zu klären. Ich entschied mich für die ungerichtete Form. Dieser Entscheid hat es mir ermöglicht, die Tektonik in meinem Hauptraum besser zu sehen und die einzelnen Fügungen besser zu begreifen – so ruht nun das Gewölbe auf vier vorstehenden Wandverstärkungen welche die vier Türme gegen die Raummitte auszeichnen. Auf dieser Erkenntnis konnte ich aufbauen und tiefer ins Detail NLOLU,ZÄLSTPYWS€[aSPJOSLPJO[LYkMMU\UNLU9HOTLnelemente oder Gliederungen vorzunehmen. Für mich war es wichtig, Symmetrien zu schaffen und dies konsequent anzuwenden, mich aber trotzdem nicht von den persönlich aufgestellten Regeln zu sehr beherrschen zu lassen.

Schnitt 3

Das Hauptaugenmerk beim Wohnhaus in Avola gilt der Tektonik in der Architektur im Bezug auf die inhaltliche Bedeutung sowie die räumliche und konstruktive Umsetzung. Bereits nach kurzer Zeit wurde mir bewusst, dass die Tektonik als Begriff ein enorm breites Spektrum besitzt. Nach einigen Recherchen und mehreren Vorlesungen konnte ich mich an dieses Thema herantasten und so begreifen, dass ich es in meinem Entwurf bewusst anwenden konnte. Das Optische – sprich die räumliche Wahrnehmung - spielt die Hauptrolle. Anfänglich lasse ich mich über visuelle und auch unbewusste Entscheide leiten. Später gelingt es mir besser, durch das bewusste Zeigen der Konstruktion, diese plausibel einzusetzen. In meinem Entwurf war es eine grosse Herausforderung die Fensteröffnungen in den massiven Mauern zu setzen. Es war schwierig, eine passende Öffnung zu erstellen, welche sich in den Raum fügt und gleichzeitig zur Massivität der Wände passt. Insbesondere waren die Seitenwände, welche an den Höfen angrenzen, ein grosses Problem.

Schnitt 1

Schnitt 2

Schnitt 2

Schnitt 2

Schnitt 2

Schnitt 2

Schnitt 3

Schnitt 1

Schnitt 3

Schnitt 1


Galm Tanja, Parzellennummer 29 In diesem Semester ging es um die Tektonik der Architektur. Ein spannendes, aber auch ein schwieriges Thema. Es geht um die Zusammensetzung von Bauteilen zu einem Gefüge. Jedes Teil braucht sein Gegenstück, um im Gesamten zu bestehen. So entsteht ein zusammenhängendes System, welches nicht mehr auseinandergenommen werden kann. Ich entschied mich für einen grossen Hof, der sich bis zur Strasse erstreckt. Es entstand also ein U-förmiges Gebäude, dessen Hof naheliegenderweise den Eingangsbereich bildet. Von einem Laubengang im Aussenbereich tritt man geschützt in das Gebäude ein. Er findet im Obergeschoss des Hauses seine innere Entsprechung. Es entstand die Idee, die Laubengänge mit Stützen zu begrenzen, was einerseits einladend und andererseits raumbildend und abschliessend wirkt. Dasselbe Konzept der Umschliessung eines Raumes mittels Stützen wendete ich auch beim Hauptraum an, da dieser ein wichtiger Bestandteil des Projektes war und deswegen besonders betont werden sollte. Im Grundriss offenbart sich die Stützenstruktur, aber an der Fassade und im Innenraum wirken sie als Lisenen, welche auch raumbildend wirken können. Diese werden durch eine Kassettendecke verbunden. Die Stützen aus eingefärbten Fertigsichtbetonelementen bilden die vorderste Wand-Ebene. Die verputzten Füllungen dazwischen sind zurückversetzt. In meinem Projekt sind die Stützen die bedeutendsten Bauteile. Deshalb war es mir auch wichtig, diese zu betonen und alle Elemente im gleichen Material und

mit der gleichen Dimension auszubilden. Sofern die Stützen nicht freistehend sind, befinden sich WandFenster-, oder Türfüllungen dazwischen. Über den Fenstern existieren Stürze, welche ebenfalls aus Beton bestehen. Dieser erzeugt die beste Stabilität und kann gut mit den Betonstützen verbunden werden. Der Dachrand wird durch Abschluss-Elemente gebildet, welche an der Strassenfassade als Sockel wiederkehren. Diese Elemente betonen den unteren und oberen Abschluss des Gebäudes. Abschliessend kann ich sagen, dass ich das Thema „Tektonik“ einerseits als ein spannendes Semesterthema empfand, andererseits ist es aber auch sehr komplex und man stand immer wieder vor neuen Fragen, welche nicht deutlich zu beantworten waren. Dies macht die Tektonik aber auch so interessant und faszinierend.


Premraj Paritteepan, Parzellennummer 30 Der erste Eindruck dieser Aufgabenstellung schien mir einfach und simpel, doch im Verlauf der Entwicklung wurde mir zunehmend die Schwierigkeit bewusst. In meiner bisherigen Architektur-Ausbildung waren die ersten Erklärungen über die Tektonik sehr schwammig. Meiner Meinung nach konnten weder die Baufachlehrer noch die Dozenten in kurzen und prägnanten Sätzen erklären was diese Definition bedeutet. Immer wieder stüt zte man sich auf die Erklärung von Gottfried Semper „Kunst des Zusammenfügens starrer, stabförmig gestalteter Teile zu einem in sich unverrückbaren System“. Rückblickend gesehen war das Verständnis nicht dasselbe. Für die Semesterarbeit in Avola war man gezwungen, sich mit dieser Thematik intensiv auseinander zu setzen. Für das Verständnis waren die Vorlesungen sehr hilfreich, da man endlich durch einfache und präzise Beispiele erklären konnte, was der Begriff Tektonik beinhaltet. Ich persönlich kann am einfachsten Tektonik in der Zimmermannsarbeit erklären, da die Teile für die statische Tragfähigkeit meiner Meinung nach in der logischen tektonischen Ordnung zusammengefügt sind. Mein Raumkonzept ordnet das Wohnhaus um den zentralen Hof. Im Süden das Wohnhaus, gegenüberliegend die Nutzräume im Zwischenklima und darüber die gedeckte Terrasse mit der Aussenküche. Der Hof mit der Terrasse und der Veranda bilden die Hauptraumgruppe. Alle drei Wohneinheiten werden mit einem Rundgang und der Galerie in Holzkonstruktion miteinander verbunden. Die Galerie schützt den inneren Wohnbereich vor direkter Sonneneinstrahlung und der Witterung. Der Rundgang im oberen Bereich bietet Sichtschutz für die einzelnen Räume. Wie breit die Stützen im Verhältnis zu den Balken sein sollten und ob eine Verblendung

konstruiert werden soll oder nicht, sind meiner Meinung nach wichtige Fragen welche meinen Hauptraum in seiner Wirkung prägen. In der ersten Phase stand die Ausarbeitung der Hauptraumgruppe mit den tektonischen Mitteln und deren Qualität im Vordergrund. In meiner Entwicklungsphase stütze ich mich auf die Idee, alle Konstruktionen, die benötigt werden, auch sichtbar zu lassen. Mich beschäftigt die Aussage eines Dozenten während eines Konstruktionsgespräches, welche er über die Minimalisten bzw. Puristen machte, was denn die Puristen überhaupt noch für Ausdrucksmittel haben, wenn sie alle Elemente verbergen oder diese ineinander verbinden und zu einem Element fügen. Dieses Statement brachte mich dazu, die Aufgabe nochmals zu überdenken und die Bauteile besser auszuwählen. Mit dem Fortschreiten des Projektes kamen die konkreten Konstruktionsfragen, da stellte sich mir die Frage, ob man hier auf Kosten der tektonischen Lesbarkeit bzw. Raumgliederung Elemente hinzufügen kann, obwohl diese keine statischen Nutzen haben? Die Vorlesung von Herrn Frei über die japanische Baukultur brachte mich weiter. Es stellte sich z.B. die Frage, in wie weit eine Rippendecke ‚nur’ die statischen Bedingungen abbilden soll oder ob zur verbesserten Lesbarkeit des Raumes das System verändert werden soll. Gegen Ende des Projektes und gerade an der Schlusskritik wurde mir aufgezeigt, dass die tektonischen Elemente verschieden lesbar sind. Es gibt nur die gefühlte Wahrnehmung und diese ist subjektiv. Aus dem Herbstsemester kann ich viele Erkenntnisse mitnehmen, unter anderem, dass es auch in der heutigen Zeit möglich ist, mit unseren modernen Baumethoden die Tektonik eines Hauses oder eines Raumes sichtbar zu machen, welches enorm viel zum Lebensgefühl und Komfort in einem Raum beiträgt.


Atelier / Abstellfl채che 22.2 m2


Leucker Murielle, Parzellennummer 31 Beim Projekt „Wohnhaus in Avola“ war die Auseinandersetzung mit Raum und Tektonik zentraler Teil der Semesterarbeit. „Die Kunst des Zusammenfügens starrer, stabförmig gestalteter Teile zu einem in sich unverrückbaren System“, wie sie von Gottfried Semper definiert wurde, war von Anfang an mit dem Konzept zu entwickeln. Die Tektonik sollte in Zusammenhang stehen mit Raum, Licht und Statik. Doch was verstehen wir unter Tektonik? Und wie geht man konzeptuell mit tektonischen Fragen um? Dies galt es während dem ganzen Semester und in allen Schritten des Entwurfs zu untersuchen. Ein grobes Raumprogramm wurde uns von den Dozenten vorgegeben, doch die Organisation der einzelnen Räume war klar der gänzlichen Raumkonzipierung untergeordnet. Die Nutzung der Räume sollte weder einschränken noch die tektonischen Fragen und Problemen in den Schatten stellen. Durch Themen wie die Fügung der einzelnen Teile, Platzierung der Öffnungen im Raum, die Wahl der Materialität, und vor allem das Sichtbarmachen beziehungsweise das bewusste Verstecken der Elemente, sollten neue und spannende Raumorganisationen entstehen. Nicht nur die oben erwähnten Themen der Tektonik waren zentral bei meinem Entwurf, sondern auch die Frage der Proportionen und Massstäbe. Die Grösse des Menschen in Zusammenhang mit Raumproportionen führte zum Konzept sowohl die

Aussenräume als auch Innenräume im Verhältnis der Fibonacci-Folge zu entwickeln. Das puristisch gehaltene Wohnhaus setzt gezielt die Materialität ein, um die Verhältnisse der Räume und ihre Bezüge zur Tektonik darzustellen. Die Rauheit und Farbe des Betons im Aussenraum soll einerseits den Kontrast bilden zur weissen Oberfläche der Wände im Innenraum, aber auch die Wände statisch voneinander unterscheiden. Im Inneren der Hauses übernehmen die Innenwände und drei Stahlstützen die tragende Funktion, während die Hülle des Gebäudes aus Beton eine andere Funktion hat. Diese bewusste Unterscheidung der Funktion der einzelnen Elemente ist gezielt im Zusammenhang mit der Fügung der Teile zu verstehen. Die drei Stahlstützen im Inneren, die bewusst nicht direkt bei der Wand platziert sind, sollen sowohl den Raum fassen aber auch die Statik im Wohnhaus sichtbar machen. Die grösste Stütze im quadratischen Hauptraum wirkt wie eine vertikale Durchdringung in einem sonst minimalistisch gehaltenen Raum und definiert so den Raum in einer zusätzlichen Dimension. Der Umgang mit tektonischen Fragestellungen in Zusammenhang mit räumlichen und gestalterischen Themen war anfangs nicht einfach, doch immer mehr konnte ich von tektonischen Elementen Gebrauch machen und sie als Vorteil interpretieren im ganzen Konzept.


B Eingang

K端che

A

A

C

C

Wohnhof

Wohnzimmer

B端ro

B

Essen


Anna Tina Flepp, Parzellennummer 32 Nach der Aufgabenstellung musste ich mich zuerst nach der Bedeutung des Begriffs „Tektonik“ erkundigen. Der Begriff ist jedoch nicht einfach zu verstehen. Ich konnte die Tektonik im Entwurf nur schwer umsetzen. Erst im Verlauf des Semesters verstand ich die Fragestellung besser und konnte anfangen, das Thema in der Planung umzusetzen. Tektonik ist das Fügen der Teile. Etwas, was erst bei der Konstruktion behandelt werden musste, dachte ich anfangs. So begann ich den Entwurf ohne gross die Tektonik zu beachten. Das Thema wurde immer wieder in den Vorlesungen behandelt und war bei mir präsent. Bald wurde mir jedoch klar, dass Tektonik nicht nur in der Konstruktion eine Rolle spielt, sondern das ganze Gebäude beeinflussen kann. Die Teile des Fügens können auch Räume, Geschosse oder Elemente sein. Schon in der ersten Entwurfsphase war mein Projekt so eingeteilt, dass sich im Erdgeschoss nur unbeheizte Nebenräume befanden und die anderen Geschosse auf diese untere Schicht aufgesetzt waren. Nach mehrmaligem Hinterfragen und Beobachten fiel mir auf, dass dies mit Tektonik zu tun hatte. Die Wirkung wurde verdeutlich, indem ich das Erdgeschoss anders behandelte als die Obergeschosse. An dieser Stelle wurde die Tektonik zum ersten Mal bewusst in mein Projekt mit einbezogen. Von da an verstand ich die einzelnen Teile immer als Elemente, welche zu einem Ganzen zusammengesetzt sind – ich sah das Ganze

nicht mehr (wie bisher) als eine ‚Verschmelzung’ von Einzelteilen. Später im Semester trennte ich den Terrassenbau vom Wohngebäude: die Terrasse wurde als Skelettbau und das Wohngebäude als Massivbau entworfen. Durch Unterscheidung der Materialien stehen beide Teile für sich; es sind zwei selbständige Objekte, welche in einem bestimmten Verhältnis zueinander stehen. Beim Bearbeiten der Details war die Frage der Tektonik sehr präsent. Sie leitete mich zum Beispiel in der Frage, wie die Holzbalken der Decke aufliegen sollen. Mein Anliegen war es, dass der Betrachter versteht, wie die Teile geschichtet sind. Im Boden-/Dachbereich zum Beispiel ist die Schwelle jeweils sichtbar und der Betrachter sieht, wie die Balken darauf auflagern. Und der Sockel soll zeigen, dass das Gebäude nicht direkt aus der Erde erwächst, sondern dass es auf einem Fundament steht. In meinem Projekt verstehe ich die Tektonik als ein bewusstes ‚Setzen der Teile’. Die Auseinandersetzung mit der Tektonik war nicht in allen Projektphasen gleich stark präsent. Ich habe mich immer wieder damit beschäftigt und erst im Zusammenhang mit dem Entwerfen des Gebäudes verstanden, worum es geht.


Reto Jud, Parzellennummer 33 Der Begriff Tektonik war für mich zu Beginn des Semesters eine Thematik mit vielen offenen Fragen. Jedoch konnte ich, je tiefer ich in das Thema eintauchte, mir immer mehr darunter vorstellen. Würde mich allerdings jemand bitten, die Tektonik in einem Satz auf den Punkt zu bringen, käme ich arg an die Grenzen. Gleichwohl glaube ich aber, genau dies verstanden zu haben. Tektonik ist niemals als absoluter Begriff zu betrachten, denn er birgt so viele Facetten, wie es auch Meinungen gibt. Bei der Arbeit an meinem Entwurf habe ich versucht, mir diesen Begriff immer wieder vor Augen zu führen und die gemachten Schritte zu überprüfen. Dafür war für mich der Satz ‚Tektonik ist die Poesie der Fügung der Teile’ das Leitmotiv für meinen Entwurf. In dieser Aussage, denke ich, sind einige wichtige Ansätze enthalten. Zum einen ist es das Sichtbarmachen der Fügung der Teile im wörtlichen Sinne: wie sind die Teile mit- oder zueinander gefügt? Welche Techniken werden verwendet? Wie werden Kräfte abgeleitet oder übertragen und welche Materialien eignen sich, um den gewünschten Ausdruck zu bestätigen? Welches sind die richtigen Mittel, um der Struktur gerecht zu werden? Um diese Fragen im Entwurf zu lösen, war ein exaktes Arbeiten und Überprüfen bis ins Detail nötig. Es war aber eine große Herausforderung, mit diesen Erwartungen den Gesamt-Ausdruck eines Raumes nicht aus den Augen zu verlieren. Und hier rückt für mich der Begriff Poesie in den Vordergrund. Dieser drückt für mich etwas Einfaches, Rhythmisiertes und Ausgewogenes aus. Gerade in Bezug auf die Parzellengrösse und die damit verbundene Dimension des Hauses, war es für mich wichtig, das Fügen der Elemente in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen und nicht zu überzeichnen.

Um diese Gedanken zu verdeutlichen, möchte ich Bezug nehmen auf einige Teile in meinem Entwurf: die quer zur Straße gerichtete massive Schottenstruktur ist das Hauptmerkmal. Die Schotten stehen in einem bestimmten, sorgfältig austarierten Rhythmus zueinander auf einem massiven Betonsockel, der sie vom spröden Stadtboden abhebt. Sie sind aus Sichtbacksteinen ‚gewoben’ (erstellt) und werden oben jeweils mit einem schweren Betonelement beschwert. Mittels eines unverputzten katalanischen Gewölbes werden die Schotten zusammengefasst. Es war mir ein Anliegen, die Anzahl der verwendeten Materialien und technischen Massnahmen niedrig zu halten, um dem Ausdruck des Raumes Gleichgewicht zu verleihen. Die Betonelemente zeigen einerseits die Kraftübertragung des Gewölbes auf die Wand und visualisieren deren auseinanderweichende Kräfte, welche von den Zugbändern wieder zurückgehalten werden. Andererseits gibt die Form des Gewölbes dem Raum auch eine vertikale Orientierung. Für diejenigen Wände, welche quer zu den Schotten liegen, habe ich mich für ein dünnes und leichtes Material entschieden, da sie förmlich dazwischengespannt werden. Obwohl sie größtenteils geschlossen sind, sollen sie Offenheit respektive Transparenz zum Ausdruck bringen. Die Auseinandersetzung mit dieser Thematik hat mich zu einigen neuen Fragestellungen geführt, ein paar wenige vielleicht beantwortet - vor allem aber hat sie mir interessante Wege aufgezeigt, um der Architektur einen Schritt näher zu kommen.


Schnitt A-A

Mst. 1:20

Betonelemente Umgang

B

B B

B

Dachaufbau: Klosterziegel Dachlattung Lattung / Hinterlüftung Unterdach Holzschalung Wärmedämmung Holzschalung Sparrenlage

WC

60/30 mm 70 mm 27 mm 140 mm 27 mm 240/180 mm

WC

Schnitt A-A

Kochen

Betonelemente Umgang:

Mst. 1:20 Kochen Zimmer

Sichtbeton mit Zementschlemmezuschlag Oberflächen: Bogenelemente / Stützen Element Geschosstrennung

Zimmer

gestrahlt gestockt

Wandaufbau OG Zimmer: Holzverkleidung Lattung Wärmedämmung Wärmedämmstein Kalkputz (Aussen)

20 mm 27 mm 100 mm 365 mm 35 mm

Wandaufbau EG Wohnen: Kalkputz (Innen) Wärmedämmstein Kalkputz (Aussen)

Wohnen

Wohnen

35 mm 490 mm 35 mm

Wohnen/Essen

Wohnen/Essen DU/WC

DU/WC

Bodenaufbau OG Umgang: Sandsteinplatten Überzug im Gef. Abdeckvlies Dichtungsbahn Betonelement

40 mm 110-100 mm

Ostf

800-250 mm

Bodenaufbau OG Zimmer:

A

Parkett Unterlagsboden PE-Folie Trittschalldämmung Holz-Beton-Verbunddecke: Beton Feuchtigkeitsschutz Holzschalung Füllung (Kies) Rieselschutz Holzlattung Sparrenlage

A

10 mm 60 mm 2x20 mm 70 mm

A

27 mm 60 mm

A

A

A Zimmer

Zimmer

A

A

27 mm 240/180 mm

Bodenaufbau EG Umgang: Sandsteinplatten Überzug im Gef. Abdeckvlies Bitumendichtungsbahn Beton

40 mm 65-50 mm 350 mm

Bodenaufbau EG Wohnen: Klinkersteinplatten Unterlagsboden PE-Folie Trittschalldämmung XPS-Wärmedämmung Beton

20 mm 70 mm 20 mm 140 mm 250 mm

Werkstatt

Werkstatt

Zimmer

Zimmer

Gast/Arbeiten

DU/WC

DU/WC

Zimmer

Zimmer

B

B B

B

Erdgeschoss Erdgeschoss

Gast/Arbeiten

Obergeschoss Obergeschoss

Sch


Kuster Pascal, Parzellennummer 34 Der Entwurf mit speziellem Augenmerk auf die Tektonik erfordert ein intensives und genaues Arbeiten. Dies beginnt bereits bei der Recherche nach Inspiration. Wie ist Beispielsweise die Fügung der Teile beim traditionellen Bogenbau und wie kann ich diese für mein Projekt anwenden und übersetzen. Soll ich sie im herkömmlichen Stil übernehmen oder ist es möglich sie in ein modernes Element umzuwandeln. Im Entwurfsprozess haben sich mir diverse Fragen der Fügung gestellt. Entsprechen meine Holzeinbauten im Obergeschoss der Grundkonstruktion in Einsteinmauerwerk. Wie sind die Auflager konstruiert. Wie wirkt die Anordnung und die Fugen der Betonelemente auf das Raumbild meines Hofumganges. Welche Stimmung vermittelt das Fugenbild im Hof. Nebst den ästhetischen Fragen beschäftigten mich aber auch die konstruktiven Fragestellungen im Bezug auf die Tektonik. Ein stimmiges Bild der einzelnen Teile auch konstruktiv zu fügen erschien mir als äusserst schwierig. Statisch wichtige Elemente wie ein umgehender Betonsturz für das Balkenauflager als sichtbares und raumbildendes Element zu gestalten war für mich eine durchaus positive Erfahrung und ermöglicht

eine neue Sichtweise auf das Gestalten der tragenden Elemente. Ich lernte zudem, dass auch die kleinsten Teile wie Fensterbrüstungen oder Sockelleisten einen Raum extrem prägen und verändern können. Das Zusammenspiel aller Gestaltungselemente bestimmt letztendlich die Raumwirkung und das Gefühl, das darin entsteht.


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- Kalkputz aussen 2cm - Dämmbackstein 36cm - Kalkputz innen 2cm

- Kalkputz aussen 2cm - Backstein 36cm - Kalkputz innen 2cm

- Kalkputz aussen 2cm - Backstein 12cm - Wärmedämmung 12cm - Backstein 20cm - Kalkputz innen 2cm -> Die Innere Backsteinschicht liegt auf einem 18cm, HÜhe 1m, zur Aussteiffung der auskragenden Ecken

- Nicht begehbar: Kiesschßttung 10cm - Begehbar: Kunststeinplatte 4cm & Kiesschßttung 6cm - Polimerbitumen 2-Lagig 1cm - XPS 16-25cm (Gefällsschicht) - Dampfbremse - Beton 25cm - Kalkputz Innen 2cm

- Zimmer: Parkett Nussbaumholz 2cm Zementunterlagsboden 8cm - Gang: Zementboden 10cm - PE-Folie - Trittschall- & Wärmedämmung 5cm - Betonplatte 40cm (Bei Auskragungen 35cm)

- Begehbar: Kunststeinplatte 4cm & Kiesschßttung 6cm - Polimerbitumen 2-Lagig 1cm - XPS 16-20cm (Gefällsschicht) - Dampfbremse - Beton 25cm - Kalkputz Innen 2cm

- Hauptraum: Kalkterrazzo 3cm Zementunterlagsboden 7cm - Nebenräume: Zementboden 10cm - PE-Folie - Trittschalldämmung 5cm - Wärmedämmung 15cm - Abdichtung - Betonplatte 25cm

Rabitznetz

Schnitt A (1/20)

Rabitz ist die Bezeichnung fßr Drahtputz, welcher aus einer tragenden Unterkonstruktion aus Metall, dem Putzträger und dem PutzmÜrtel besteht.


Simon Steinmann, Parzellennummer 36 Zu Beginn der Aufgabe stand dieses neue Wort im Raum: „Tektonik“. Um ehrlich zu sein: ich konnte zu Beginn damit nicht viel anfangen... In unseren bisherigen Projektarbeiten wurde nie grossen Wert darauf gelegt. Umso schwerer erschien mir das Einarbeiten in die Thematik. Mir wurde klar, dass ich eine ganz neue Herangehensweise finden und nun viele, bisher einfach gedachten ‚Dinge’ wie Wände oder Decken hinterfragen musste. Nach ein bis zwei Leerläufen in den ersten Wochen, hatte ich ein Grundkonzept gefunden, auf dem ich aufbauen konnte. Der Entwurf baut auf einem L-förmigen Hof auf, welcher sich mit dem Grundriss des Gebäudes überlagert. Ueber den Kreuzungspunkt dieser Überlagerung, welcher gleichzeitig das Zentrum des Hauses ist, setzte ich einen überhohen, überdachten Aussenraum in Form eines Turmes. Ein wichtiger Punkt, die Tektonik besser verstehen zu lernen, war meiner Meinung nach der Umstand, dass alltägliche Konstruktionsmöglichkeiten (wie beispielsweise ungerichtete Betondecken) verboten wurden. Dadurch musste ich mich viel mehr mit der eigentlichen Materie beschäftigen und hatte mit Problemen zu kämpfen, welche man mit der Betondecke nicht gehabt hätte. Zudem hat mir die Reise nach Sizilien sehr viel Inspiration gebracht. Während der verschiedenen Exkursionen oder gar in unserer Unterkunft in Siracusa konnte ich Eindrücke sammeln, deren Interpretation mir in der weiteren Projektarbeit sehr dienlich war. Wenn ich nun zurückblicke und andere Arbeiten mit

meiner vergleiche, bin ich einerseits zufrieden mit meinem Projekt, jedoch – so glaube ich - wäre tektonisch noch mehr drin gelegen. In unseren Besprechungen wurde das Augenmerk zuerst auf den Grundriss, die Fassade und die Konstruktion gelegt. Erst später wurde über Tektonik gesprochen. Meiner Meinung nach wäre es besser gewesen, bereits zu Beginn der Projektarbeit den Begriff Tektonik in diese Themenbereiche einfliessen zu lassen. Zusammengefasst muss ich sagen, dass mich dieses Semester einen grossen Schritt weitergebracht hat. Das Thema hat mich sensibilisiert und mir eine komplett neue Sichtweise auf die Architektur ermöglicht.


G채ste / B체ro

Zimmer Eltern

Lichthof

K체che

Zimmer

Eingang

Winterwohnzimmer

Winteresszimmer

Bad Kinderzimmer

Qa`a

Hof

Werken Sommerwohnzimmer

Sommeresszimmer


Marojevic Gabrijel, Parzellennummer 37 Was ist Tektonik? Ich habe über das ganze Semester eine Antwort auf die Frage gesucht. Mein Fazit ist, dass es nicht nur eine Antwort gibt sondern verschiedene. In dem ich mich während der Entwurfsarbeit immer wieder fragte was Tektonik sei, lernte ich gleichzeitig über sie. Meiner Meinung nach hat die zeitgenösische Architektur die Tendenz, die Tektonik auf das Minimum zu reduzieren. Teilweise frage ich mich ob die Tektonik heute einfach nicht von Interesse ist. Wenn ich mir alte Bauten wie zum Beispiel die der antiken Griechen oder Römer ansehe fällt es mir leichter den Begriff Tektonik zu erahnen. Jedes Bauteil, jedes Gebilde und jede Form tragen dazu bei was ein Bauwerk ist und was es aussagt. Vor diesem Semester war für mich das Fügen von Bauteilen etwas technisches. Jetzt bin ich der Meinung dass ich eine falsche oder nicht gewollte architektonische Aussage mache wenn ich der Tektonik nicht die notwendige Achtung schenke. Ich denke, dass jedes Bauteil und jede Formgebung, in meinem Wohnhaus, eine Aufgabe in dem Gesamtwerk übernehmen in Bezug wie sie aussehen sollen aber auch in konstruktiver Hinsicht. Durch die Geometrie eines Raumes schafft man eine Hierarchie. Mit dieser Basis habe ich zuerst die Haupträume und dann die Nebenräume entworfen. Es ist wichtig, wie die Räume miteinander verbunden sind, und wie die Raumübergänge aussehen. Gehe ich direkt von einem Raum in den nächsten oder sind diese mit einem Erschliessungsraum verbunden? Wie stark muss ein Raum gefasst sein, damit ich ihn lesen kann und wie weit möchte man ihn öffnen

um einen Bezug zum Angrenzenden zu schaffen.? Für mich war es eine neue Aufgabe ein Hofhaus zu entwerfen. Ein Haus mit Aussenräumen, wo sich das Leben hauptsächlich aussen abspielt. Es war mir schwierig mich in die Lage des Bewohners zu versetzen. Bis anhin war ich der Meinung dass ein Grundriss durch die Addition von Räumen entsteht. Nun habe ich gelernt, dass man Räume auch subtrahieren kann. Es war für mich wichtig zu erkennen, wie die Raumwirkung jedes einzelnen Raumes ist. Es ist also keine Aneinanderreihung von Wänden, sondern eine Art des entwerfens wo jeder Raum einzeln angeschaut wird. Bei der Bildung der Aussenräume machte ich mir die Überlegung welche architektonische Elemente überhaupt notwendig sind um einen Raum zu definieren. Dies war bei dieser Aufgabe ein wichtiger Punkt, da die Aussenräume von den angrenzenden Räumen gebildet werden. Es ist wichtig wie hoch eine Mauer ist, und wie die Mauerkrone ausgebildet wird. Wenn ich heute durch die Strassen gehe so hat sich die Art, wie ich Bauwerke ansehe, verändert. Plötzlich begreife ich Sachen, welche ich schon des öffteren gesehen, aber nie verstanden habe.

Kinderzimmer

Winterwohnzimmer

Hof

Sommerwohnzimmer


Deuber Martin, Parzellennummer 79 Rückblickend glaube ich, dass das Thema der Tektonik ein spannendes, reichhaltiges und elementares, jedoch auch schwieriges Thema war. Die Tektonik war für mich ein neuer Aspekt der Architektur, welcher ich nur schwer definieren konnte oder immer noch nicht kann. Es war daher zu Beginn schwer, dem Entwurf eine Richtung zu geben ohne genau zu wissen wohin er sich bewegen soll. Erkenntnisse kahmen erst durch verschiedene Diskussionen und Vorlesungen und dann mit der Bearbeitung des Projektes. Dieses Suchen und Ergründen des Themas während des Entwurfsprozesses machte die Arbeit schon eher zu einer Forschungsarbeit ohne Vorgaben, was richtig oder falsch sei. Dies empfand ich als sehr spannend. Es barg aber auch Risiken, da man sich im Kreis drehen konnte oder Richtungen einschlug die nicht zu einer befriedigenden Lösung führen konnten. Jedes tektonische Problem im Projekt ergab zwar wieder neue Probleme, die wiederum gelöst werden mussten, öffnete mir aber gleichzeitig auch weiteren Möglichkeiten in der Entwurfsarbeit und die Erfahrung, was Tektonik sein könnte. Dieser learning-by-doing Prozess bedingte auch, dass ich das Projekt immer wieder hinterfragen musste und neue Erkenntnisse alte Entscheidungen vernichteten.

Heute glaube ich, dass die Tektonik nicht zwingend der Beginn des Entwurfes sein muss. Sie kann auch in der Ausarbeitung liegen. Diese Erkenntnis am Ende hätte mir vielleicht den Anfang erleichtert. Die Tektonik ist aber auf jeden Fall ein elementarer Bestandteil eines Gebäudes und ist unmöglich zu umgehen da die Tektonik in Allem vorhanden ist. Deshalb glaube ich, ist es richtig dieses Thema zu behandeln. Es hat unsere Auffassung für Architektur bereichert und ich glaube, dass man dies auch in den Projekten erkennen kann.


Schnitt 7

Schnitt 6

Schnitt 4

Schnitt 3

Schnitt 2

Schnitt 1

Visualisierung des Wohnzimmers in Richtung Eingang und Esszimmer

Bad

Du - Nische

Ankleide - Nische

6.87 m2

4.46 m2

4.21 m2

Schnitt 7

Schnitt 6

Schnitt 7

Vorraum

Zimmer 1

4.10 m2

18.37 m2 + Nischen 8.67m2

Halle

Terrasse

29.23 m2

69.74 m2

Schnitt 6


Meier Claudia, Parzellennummer 41 Das Wort Tektonik in der Architektur war für mich am Anfang ein Rätsel mit sieben Siegeln. Zwar kannte ich den Begriff aus der Geologie (Schichtung von Gesteinen unserer Erde), aber nicht als einen Begriff der Architektur. Auch Recherchen im Internet erbrachten nicht den erhofften Erfolg, also liess ich mich auf das Wort ein. Mein Entwurf basierte anfänglich sehr auf Geometrie mit goldenem Schnitt als Raumproportionen, doch mit Tektonik hatte dies nichts zu tun. Mit der Zeit verfeinerte sich mein Entwurf und ein wichtiges Element kam dazu: Ein Tragwerk aus Stützen und Unterzügen, welches die Haupträume einfasste. Ab nun konnte ich mich damit befassen, wie die verschiedenen Elemente an diese Träger angeschlossen werden sollten. Die Raumwirkung änderte sich stark, wenn man das Schrankelement bündig zu den Stützen, bzw. versetzt einfügte. Es spielte eine Rolle, ob der Sockel auf der gleichen Ebene wie der Schrank war oder nicht. Bündig wurde der Sockel mit dem Schrank zu einer Fläche, die vor den Stützen stand, zurückgesetzt wirkte der Sockel als Abschluss des Bodens und der Schrank wie ein Teil der Wand, unterbrochen durch die Stützen. Jede Fügung und Verbindung schaute ich einzeln im 3D-Modell oder in der Perspektive an und entschied mich für die „richtige“ Wirkung, welche ich erzeugen wollte. So entstand Schritt für Schritt ein Gefüge, ein Netz über das ganze Gebäude.

12 | E+K arinen

2014

vorfab. Betonfensterumfassungen

Stakettengeländer

wasserdurchlässiger Asphalt (Abstellplatz / Lager)

Nussbaumholz (Schränke)

Weissputz

Schnitt 3-3 (MST: 1:20)

Mir wurde bewusst, dass genau dies für mich die Tektonik der Architektur ausmacht. Ein Gefüge von verschieden Bauteilen. Diese Bauteile können sowohl statisch wichtig sein oder auch nicht. Ihre Verbindung zueinander macht den Bau aus und beschreibt, ob wir ihn verstehen, er uns anspricht oder verwirrt oder gar abschreckt. Die Tektonik gestaltet und zeichnet ein Gebäude aus.


Bartholdi Dimitri, Parzellennummer 42 Im Verlaufe unserer Entwurfsübung setzten wir uns mit dem Thema der Tektonik auseinander. Schnell wurde klar, dass es keine endgültige Antwort auf die Frage gibt, was unter Tektonik genau zu verstehen sei. Auch unter den Dozenten gibt es unterschiedliche Auffassungen. Wie eng soll Tektonik ausgelegt werden? Für mich wurde im Verlauf des letzten Semesters folgendes klar: Es kann nicht ausschliesslich um das blosse Fügen von Bauteilen gehen. Vielmehr geht es um die Frage nach einem für den Betrachter sinnvollen und angenehmen Ausdruck der Fügung, quasi um eine Komposition, ein Gedicht. Ob dieses Ziel nur mit konstruktiven Mitteln oder mit Verblendungen und ‚falschen’ Pilastern erreicht wird ist dabei nicht der springende Punkt. Allerdings empfinde ich grosse Sympathie für den Gedanken, dass durch die Konstruktion eines Gebäudes ein Grossteil seines Ausdrucks bereits generiert wird. Alles Zusätzliche ist dann nur noch der Feinschliff.

Doch könnte ich mir auch vorstellen gerade umgekehrt zu arbeiten, sprich ein Gefüge von Bauteilen nur aufzutragen, bar jeglichem Bezug zur eigentlichen Konstruktion. Diese Arbeitsweise empfinde ich jedoch als sehr anspruchsvoll, da die Erklärung des zu gestaltenden Ausdrucks nicht einfach über die Konstruktion zu begründen ist. Man bewegt sich dann auf einer sehr intellektuellen Ebene der Architektur welche zwar ungeahnte Möglichkeiten in sich birgt, jedoch die Gefahr mit sich bringt, für Laien schnell nicht mehr fassbar zu sein. Ich vermute dass die Verschmelzung der genannten Ansätze am ehesten zu einem interessanten Ergebnis führt. Fest steht, dass ich in diesem Semester eine völlig neue Arbeitsweise gelernt habe. Die Konstruktion wird als Teil des Ausdrucks verstanden und nicht nur als Mittel dazu. Diese Erkenntnis wird mich sicher auch weiterhin begleiten und in zukünftige Arbeiten einfliessen.


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Marcelo Cherry bee, Parzellennummer 43 Die Entwurfsaufgabe bestand darin, ein Hofhaus im südsizilianischen Avola, nach den Vorgaben eines Raumprogrammes zu entwerfen. Das Hauptaugenmerk wurde auf die Tektonik gelegt und begleitete uns während des ganzen Herbstsemesters. Anfangs war der Begriff der Tektonik schwierig zu fassen. Eine klare Definition schien es nicht zu geben. Erst durch Vorlesungen in Entwurf und Konstruktion und durch die Tischkritiken mit den Dozenten, wurde der Begriff etwas klarer. Tektonik ist weit mehr als das blosse Fügen von starren Teilen. Es ist eine Ausdrucksform der Architektur. Der Arbeitsprozess brachte mich dem Begriff Tektonik etwas näher. Erst entstand ein Projekt, basierend auf einer Grundidee, gezeichnet in schematischer Form eines 1:100 Grundrisses. Mit der Wahl eines geeigneten Tragsystems, bei mir dem Zweischalenmauerwerk, entstand die erste Auseinandersetzung mit der Tektonik. Wie werden Anschläge, Übergänge und Abschlüsse gelöst? Je höher der Detaillierungsgrad wurde, umso nachvollziehbarer wurde der Begriff Tektonik. Man überlegte sich wo welches Material eingesetzt wird, wie man die Übergänge gestalten kann, um unschöne Fugen und

Dilatationsfugen zu vermeiden. Jedes Material hat unterschiedliche Eigenschaften, Vor- und Nachteile und die Einsatzmöglichkeiten sind breit gefächert. Alles hat eine Funktion und nichts ist überflüssig, ansonsten ist es nicht effizient. Es geht also nicht nur darum konstruktiv eine optimale Lösung zu finden, sondern diese auch kreativ umzusetzen und auf die Eigenschaften des eigenen Entwurfs anzuwenden, um ein angenehmes Raumempfinden zu generieren. Denn ein gelungener Bau ist weit mehr als ein stimmiger Grundriss. Es geht darum die technischen und die gestalterischen Möglichkeiten auf einen Nenner zu bringen und die Raumwahrnehmung aktiv mitzubestimmen.


Grundriss EG 1:200

Grundriss OG 1:200


Kienberger Franziska, Parzellennummer 44 Dieses Semester lag der Fokus auf der Tektonik unseres Entwurfes. Die Aufgabe, ein Hofhaus in Avola, Sizilien, wurde deshalb anders angegangen als sonst ein Projekt. Tektonik beschreibt die Fügung der Bauteile, sie beschreibt den konstruktiven Aufbau und deren Erscheinung. Wir haben dieses Mal also nicht begonnen, unseren Entwurf von Anfang an aufgrund einer optimalen Nutzung aufzubauen, sondern haben uns sofort auf die räumlichen Fragen der Tektonik konzentriert. Für mich war es ein langer Weg bis zu dem Projekt, das sich bis zur Schlusskritik entwickelt hat. Auf die Frage nach den Proportionen, den Grössen und den Beziehungen der verschiedenen Räume habe ich keine zufriedenstellende Antwort gefunden. Schliesslich hatte ich mich so festgefahren in einem Projekt, das weder Symmetrie noch Ordnung oder sonst etwas hatte und ich beschloss, so gut wie neu zu beginnen. Dieses Mal wollte ich nicht nochmal denselben Fehler machen. Das Einzige, was ich aus dem alten Konzept übernommen habe, waren die zwei Höfe, die miteinander in Beziehung stehen sollten. Den Rest habe ich neu angedacht, immer mit der Frage nach der Tektonik. So entstand der Entwurf mit einer Raumgruppe bestehend aus zwei Höfen und einer überhohen Eingangshalle. Konstruktive Elemente wie Stützen oder Fensterstürze heben sich im Aussenraum ab, denn sie sind aus Beton und nicht wie die Wand verputzt. Die Stützen bilden den Übergang vom Eingangshof in den Eingangsraum und weiter in den Wohnhof. Sie

Schnitt 1:20

zeigen aber auch wie das auskragende Obergeschoss abgestützt wird. Die Materialisierung der tragenden Elemente soll dies unterstützen. Es soll für das Auge nachvollziehbar sein, wie die Teile gefügt sind, und damit das Verhältnis der Teile zum Ganzen verständlich werden – also ein tiefgreifendes Verständnis des Raumes eröffnen, das nicht zuletzt das Wohlbefinden darin fördern soll. So haben wir es gelernt. Weiter war mir ein Anliegen, dass beim zweiten Anlauf im Grundriss eine klare strukturelle Ordnung herrschen soll - deshalb die Symmetrie und eine disziplinierte Anordnung der Räume rund um die Höfe, mit einer Eingangshalle als Zentrum, die sich zweigeschossig ins OG erstreckt. Die Beziehungen der Räume wurden so deutlich klarer. Die Tektonik als Thema war eine spannende Erfahrung, trotz der Schwierigkeiten. Ich brauchte einen Anlauf, der völlig schief ging, um neu anzufangen und dieses Projekt von Grund auf neu zu denken.

Schnitt A 1:50


Silvio Borter Parzelle 45


Borter Silvio, Parzellennummer 45 Im Herbstsemester 2013 haben wir uns intensiv mit den Fragen der Tektonik auseinandergesetzt. Es war kein einfaches Thema, dafür ein umso lehrreicheres. Unter Tektonik verstehe ich den ehrlichen Umgang mit Bauteilen. Das heisst, Baumaterialien sollen nur dort gebraucht werden, wo sie sinnvoll eingesetzt und ihren Eigenschaften entsprechend bearbeitet werden können. Mein Fassadenrelief zum Beispiel funktioniert für mich nur aus Putz. Dämmbacksteine zusammen mit Putz sind geeignete Materialien, um das Relief in meinen Fassaden zu erzeugen. Ein solches Relief wäre für mich aus Naturstein nicht möglich. Denn das Steinrelief wirkt härter als der Putz und ist auch mühevoller zu bearbeiten. Mühevoll ist auch mein Verhältnis zu Verkleidungen. Vor allem auch dann, wenn die Konstruktion darunter aus einem anderen Material besteht. So würde ich etwa Betonstürze niemals mit Natursteinplatten verkleiden oder verputzen. Ein Betonsturz über einem Fenster ist sehr wichtig für den Ausdruck der Fassade. Denn der Sturz zeigt, dass über dem Fenster Kräfte abgeleitet werden müssen. Öffnungen in verputzten Fassaden können aber auch ohne sichtbaren Sturz existieren. Dank einer homogenen Konstruktion mit Stahltonstürzen, die einfach verputzbar sind, wären sichtbare Betonstürze in meinem Projekt fehl am Platz und „zu viel des Guten“. Ausserdem verstehe ich unter dem Begriff Tektonik die Beziehung der Bauteile untereinander. Wie, und in welchem Material, diese zueinander in Verbindung treten, spielt dabei eine wichtige Rolle. Eine Betondecke kommt zum Beispiel besser zur Geltung, wenn sie mit einem leichteren Material in Verbindung gebracht wird.

Darum setze ich in meinem Haus die Sichtbetondecke mit den verputzten Wänden und den hölzernen Fensterleibungen in Verbindung. Es ist sofort klar, dass die Betondecke auf den Wänden, und nicht auf dem Holz Decke auf Holzwände zu stützen. Holz ist zu leicht, um Beton zu tragen. Zusätzlich könnten Pilaster helfen, den Kräfteverlauf zu verdeutlichen. Sie sind für mich aber nicht zwingend nötig und können je nach Objekt weggelassen werden. Mit Pilastern muss man genau so vorsichtig umgehen wie mit allen anderen Teilen in der Architektur. Zu schnell vergisst man die wirkliche Bedeutung vieler Bauteile und missbraucht diese. Zur Tektonik gehören neben den bereits erwähnten Punkten auch raumzonierende Teile. Fragen, mit welchen Mitteln beispielsweise ein Raum von einem zweiten abgetrennt oder zoniert werden kann, sind sehr wichtig. Wo und wie kann ich eine oder mehrere Säulen für die Zonierung eines Raumes verwenden? Was bewirkt eine Säule, und welche Bedeutung hat sie im Raum? Wo brauche ich einen Sturz, und wann kann ich auf diesen verzichten? Die runden Säulen in meinem Hauptraum sollen die zentrale Halle und den Essraum zonieren : Beide bilden zusammen einen durchlaufenden Raum, werden aber gegliedert durch die Säulen und verstärkt durch Stürze. Diese wiederum verwende ich im ganzen Haus zur Gliederung der Räume und gleichzeitig über allen Fenster- und Türöffnungen. Tektonik ist das „Fügen von Teilen“. Dank diesem Semester wähle ich Baumaterialien vorsichtiger aus und füge diese mit mehr Obacht zusammen.


konstruktion dach abdichtung beton unterzug

--200 200

mm mm mm

dachterrasse baden plattenbelag mosaik leichtbetonelement zementunterlagsboden abdichtung wärmedämmung beton betonunterzug

bodenaufbau zimmer 015

mm

080 --080 200 200

mm mm mm mm mm

terrazzo pe-folie trittschall beton betonunterzug

wandaufbau dachterrasse baden

wandaufbau zimmer

aussenputz wärmedämmung backstein ausfachung innenputz

holzelemente mit wärmedämmung Fenster

015 080 120 015

mm mm mm mm

080 --020 200 200

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150

mm

bodenaufbau küche / essen / wohnen plattenbelag zementunterlagsboden pe-folie wärmedämmung abdichtung beton betonunterzug

section_2

1_20

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facade_südost

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level_og1

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1_50

facade_nordost

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020 080 -080 -200 200

mm mm mm mm mm mm


Cavadini Dario, Parzellennummer 46 Tektonik Was ist das? Was ‚Tektonik’ ist und wie sie mein Projekt beeinflusst hat, kann ich noch immer nicht genau deuten. Die Beschäftigung mit der Hierarchie der Stütze und der Bedeutung des Daches für mein Projekt vielleicht? Wie werden die Übergänge von Boden zu Wand, von Wand zu Decke empfunden und konstruiert? Welchen Ausdruck bekommt die Wand, die das Skelett und seine Füllung zeigt? bei diesen Fragestellungen war ich vielleicht auf der Spur der Tektonik respektive bei der Frage, wie diese Teile zueinander stehen und wie sie gefügt werden sollen; oder auch bei der Frage der Aufteilung der Räume und deren Positionierung (Verschachtelung) in diesem Skelett. Dabei bin ich immer wieder auf Probleme gestossen; zum Beispiel: Was für eine Aussage soll hinter der Wand, der Decke, des Daches und des Bodens stecken. Wie stehen die einzelnen Teile zueinander?

Ich habe mich dabei auch gefragt, ob die Tektonik einfach das Abbild der Konstruktion sei. Meiner Meinung nach nicht, denn auch eine ‚unehrliche’ Architektur, die nicht alles Gefügte zeigt, hat mit Tektonik zu tun; zum Beispiel gerade in meinem Projekt verdeckt ja die

Aussenwärmedämmung die dahinterliegende Konstruktion. Doch wie gesagt: ich versuchte auch im Innern eine Atmosphäre zu schaffen, die das Gerüst des Hauses zeigt. Für mich ist es auch nach dieser Aufgabe noch schwierig, den Begriff der Tektonik zu verstehen. Vielleicht entsteht Tektonik durch Hierarchisierung der Elemente und durch Geometrisierung des Raumes, durch Ausdruck und Stimmung sowie Geschichte?


Blaser Michael, Parzellennummer 47 Die Sichtbarmachung des inneren Gefüges eines Gebäudes wird durch deren zunehmende Verpackung zu Polystyrolboxen verunmöglicht. Wenn ich durch die Strassen der Schweizer Agglomerationsgürtel spaziere sehe ich oft nicht mehr als das Abbild des energetischen und wirtschaftlichen Zwangs. Die Struktur des Gebäudes, die Fügung der Bauteile oder das Wesen des Materials bleibt mir verborgen. Tektonik bedeutet für mich nicht nur die technische Verbindung der Bauteile, sondern die damit verbundene optische Wirkung. Zudem bin ich der Meinung, dass heute nicht alles der konstruktiven Logik folgen muss, wenn der Ausdruck einer transformierten Richtigkeit entspricht. Ich denke dabei zum Beispiel an die Verkleidung oder die Ausbildung der Rollschicht eines Sturzes. Also wie kann ich eine Idee, einen Ausdruck oder ein gewisses Element auf die heutige Zeit übertragen ohne den damit verbundenen Sinn zu verraten? Bei meinem Entwurf habe ich versucht eine Struktur in die Grundrisse zu bringen, welche in den Räumen erkennbar werden sollte. Dabei war es mir wichtig, dass tragende Bauteile anders hierarchisiert werden als Füllungen und Einbauten. Auch beschäftigten mich die Übergänge zwischen verschiedenen Materialien und Bauteilen. Ich versuche dies anhand des Innenraumes zu erklären: der Bodenbelag wird durch ein umlaufendes Fries gefasst; dieses bildet den Raumübergang und wird bei den Wänden zum Sockel; dieser wiederum zeigt den Übergang von Boden zu Wand, welcher im Bereich der Füllungen räumlich in die Leibung läuft;

die Wand baut sich bis zum umlaufenden Ringanker auf, welcher das Gebäude zusammenhält, die Kräfte verteilt und zugleich den Sturz bildet; darauf liegt die Holzbalkenstruktur der Decke und schliesslich die Verbundkonstruktion auf. In der Hierarchie steht der Sockel leicht vor, die Füllungen sind in der Leibung zurückversetzt und der Ringanker steht der Wand vor. Ausserdem versuchte ich verdoppelte Bauteile zu minimieren und ihnen einen mehrfachen Nutzen zu geben. In meinem Projekt zeigt sich dies zum Beispiel am Ringanker, welcher zum Sturz wird oder am äusseren Fenstersturz, der das Fenster vor Witterung schützt und gelichzeitig dem Sonnenschutz dient. Die Exkursion nach Sizilien hat in mir unzählige Fragen aufgeworfen und mir erneut gezeigt, wie wichtig das Verständnis der Geschichte ist. Es ist alles bereits vorhanden, man muss dies nur erkennen, verstehen und weiterentwickeln. Le Corbusier: „La clé, c‘est: regarder, observer, voir, imaginer, inventer, créer“


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Obergeschoss Mst. 1:200

Obergeschoss Mst. 1:200

Erdgeschoss Mst. 1:200


Burgherr Delia, Parzellennummer 48 Als uns zum Einstieg des Herbstsemesters das neue Thema vorgestellt wurde, das uns das nächste halbe Jahr begleiten sollte war ich sehr gespannt. Ich habe mich noch nie wirklich mit der Tektonik auseinander gesetzt. Der Umstand, dass die Dozenten ebenfalls ein didaktisch, unbekanntes Gebiet mit den Klassen behandeln werden, liess die Spannung auf das Semester steigen. Am Anfang war es das Ziel so schnell wie möglich ein gutes und stabiles Konzept zu erarbeiten, um dies bei den Tischgesprächen weiter zu verfolgen. Jedoch war das nicht einfach mit dem vorgeschriebenen Raumprogramm. Deshalb ging es bei mir länger um die Idee umzusetzen, denn ich wollte einen zentralen Hof, der von meinem Haus umschlossen ist, aber trotzdem von der Gasse ersichtlich ist. Als ich so weit war konnte ich mich mit der Materialität und Konstruktion befassen. Zu Beginn war mir eigentlich klar, dass ich ein Flachdach mit einer Betondecke gestalte. Im Verlauf des Prozesses wurde von den Dozenten eine gerichtete Decke vorgeschrieben. Dies führte zu einem ganz anderen Ausdruck in meinen Räumen. Ich entschied mich für eine Hourdisdecke im Erdgeschoss und eine Holzbalkenlage im Dachgeschoss. Bei der Holzbalkenlage habe ich mir die Frage gestellt, ob ich sie verkleiden oder zeigen soll. Aber was liegt da näher, als die Konstruktion zu zeigen und die Architektur zu entkleiden, um sie als Struktur, in ihrem Wesentlichen zu zeigen und sichtbar zu machen, wie sie gefügt ist. Durch die Erarbeitung einer regelmässigen Balkenlage habe ich den Zusammenhang von

primärer und sekundärer Struktur verstanden. Eine weitere Erkenntnis, die ich für mich gemacht habe, ist, dass die einzelnen Balken nicht nahtlos in der Wand verschwinden. Zeigt man das Auflager zeigen, auf dem sie befestigt sind, so verändert sich die Erscheinung. Vor allem in der Fassade beschäftigte ich mich mit der Tektonik. Ich wollte eine feine Gliederung schaffen, indem die Geschossdecken in der Fassade durch horizontale Konsolen aus Fertigbetonteilen sichtbar gemacht werden. Durch diese Massnahme konnte ich gleichzeitig einen Sturz sowie eine Fensterbank in der Aussenhaut einbinden. Die geschosshohen Fenster, sind vertikale Elemente, die die Fassade gliedern, und dabei von der konstruktiven Struktur abgeleitet oder auf sie abgestimmt sind. Zusätzlich wird der Sockel klar betont. Der Begriff der Tektonik beschreibt nicht nur den wahren konstruktiven Aufbau, sondern auch dessen sinnbildliche oder symbolische Erscheinung. Die dabei hervorgerufene Vorstellung vom konstruktiven Aufbau muss mit der tatsächlichen Baukonstruktion nicht unbedingt übereinstimmen. Es ist wichtig, dass zumindest jedes Element ein festes Auflager hat und einen gewissen Abschluss besitzt. Es lässt sie abschliessend sagen, dass die Architektur länger lebt als der Architekt und sich deswegen nicht am modischen orientieren sollte, sondern sich auf das wesentliche konzentriert und nicht versucht dies zu verstecken.


Silvano Pedrett, Parzellennummer 49 Die Tektonik ist ein Begriff, welcher erstmals gehört, verständlich und nachvollziehbar scheint. Doch beim zweiten oder spätestens beim zehnten Mal, bei welchem man sich Gedanken über die Tektonik an einem Einfamilienhaus macht, erscheint die ‚Tektonische Frage‘ alles andere als einfach. Wenn man eine Baumhütte baut, ist die Tektonik offensichtlich, da man sich einfachsten Mitteln bedient und diese sichtbar sind. Doch wie gehe ich mit Tektonik in Bezug auf den zeitgemässen Wohnungsbau um? Einen Wohnungsbau, der aus energetischen sowie ökonomischen Überlegungen nach einer kompakten Hülle strebt? Als ich begann, mich mit dieser Frage auseinander zu setzen, wurde mir früh klar, dass ich die Thematik der Tektonik nutzen möchte, um einen ehrlichen und aufs Material bezogen, minimierten Bau zu entwerfen. Also ein Gebäude, welches dank der Auseinandersetzung mit der Tektonik, dem Fügen von Teilen, dem Tragen und Lasten auf das Wesentliche reduziert ist. Aus dieser Überlegung entschied ich mich bereits in der Startphase für ein Einsteinmauerwerk. In seiner Einfachheit, erlangt durch reines Schichten einzelner Steine, ist es für mich eine der ehrlichsten und ursprünglichsten Arten, Wände zu formen. Und obschon sich unsereins unter einer tektonischen Wand gut etwas anderes vorstellen kann als eine nicht gegliederte, flache Wandscheibe, empfand ich diese Bauweise gerade in Hinblick auf die bauphysikalischen Eigenschaften mit der integrierten Dämmung als adäquat. Tektonik soll dort sichtbar werden, wo sie sichtbar werden will. Aus diesem Leitsatz entwickelte ich unter anderem ein Deckensystem, welches aus raumüberspannenden Fertig-Betonkassetten besteht und in ihrem Querschnitt äusserst minimiert ist. So erreichte ich, von den verstärkten Zonen abgesehen, eine Ge-

samtaufbauhöhe von 22cm im Deckenbereich, was der rohen Stärke einer Betonflachdecke nahe kommt. Ähnliches Vorgehen wendete ich bei den freistehenden Brandwänden im Aussenbereich an. Diese gliederte ich in eine Wand von 25cm Stärke mit rhythmisch wiederkehrenden Lisenen. Diese Interpretation der tektonischen Frage ermöglichte mir den Entwurf eines effizienten Gebäudes, welches ich nicht nur in der Konstruktion wiederspiegeln wollte. Getrieben von der Effizienz, arbeitete ich an einem Grundriss, welcher an dem dortigen Lebensstil angepasst und optimiert sein sollte. Ein Grundriss, welcher klar strukturiert und auf die Abläufe der Bewohner Rücksicht nehmen sollte. So versuchte ich einen räumlichen Bezug vom Wohnzimmer über den Hof zum Esszimmer zu schaffen, wo doch dem Essen und dem Leben im Freien in Italien eine so grosse Bedeutung zugeordnet wird. Ich entwarf eine Küche, welche als Kochküche funktionieren sollte und daher abgeschlossen ist, über eine grosse Abstellkammer verfügt, viel Arbeitsfläche aufweist und einen direkten Zugang zum Hof anbietet. Ich setzte an Stellen, an welchen der Durchgang nicht behindert werden sollte, auf nach aussen öffnende Fenster, zur optimierten Lüftung und Förderung des Bezugs Innen-Aussen. Zudem war es mir wichtig, die Erschliessung in der Vertikalen, sowohl im Freien als auch im Inneren, anzubieten. All dies waren Entscheidungen, welche dem Grundgedanken der tektonischen Bauweise entsprungen waren. Natürlich fragte ich mich immer wieder, ob das dann ein möglicher Umgang mit dem Thema sei, welches ich persönlich schnell mal z.B. mit der Gotik in Verbindung bringe. Und doch bin ich bis heute der Ansicht, dass gerade im einfachen Einfamilienhausbau, ein einfacher, reduzierter Umgang mit der Thematik eine mögliche Interpretation sein kann.


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Emanuela Vellone, Parzellennummer 50 Die Frage zu Tektonik und Raum ist von Beginn an ein grundlegender Bestandteil bei meinem Entwurf des Wohnhauses in Avola gewesen. Nicht die Nutzung von Räumen in einem vorgegebenen Raumprogramm, sondern die Raumkonzipierung steht im Vordergrund und führt zu einem neuen Ansatz der Grundrissorganisation. Dabei spielt der Hauptraum bzw. Die Hauptraumgruppe eine wichtige Rolle zur Entwicklung der Raumproportionen. Die Bezüge von Haupt- zu Nebenräumen sowie von Innen- und zu Aussenräumen, werdenüber die Stellung der Pfeiler und mittels Perforationen der Wände hergestellt, wobei grundlegende Entscheide der Tektonik eine präzise Ausformulierung der Bauteile und deren Fügung erfordern. Unterschiedliche Fragestellungen regen mich dazu an, diese bewusst zu untersuchen: Ist eine durchbrochene Wand nun als solche erkennbar, oder ist der Anteil der Öffnungen nun so hoch, dass es sich um Stützen handelt? Wie wird der Sturz dabei ausgebildet? Dürfen sich Stützen im Raum befinden, obschon sie statisch nicht erforderlich sind? An welchen Stellen sind Unterzüge zur Raumgliederung erforderlich? Am Anfang des Semesters war ich abgeneigt Gebrauch von solchen Elementen zu machen, da ich beispielsweise die Notwendigkeit einer Stütze nur im statischen Sinne kannte und mit der Nacktheit einer Wand vertraut war. Mit der Erkenntnis, dass tektonischen Elementen viel mehr können, als nur Rückschlüsse über die statischen Vorgänge zu geben und in der Gesamtheit als Gefüge Räume bilden, konnten

Bezüge hergestellt werden. Somit entwickelte sich eine normale Brandmauer, welche ursprünglich bloss den Hofraum umschloss, zu einer gegliederten räumlichen Fläche, deren Pilaster sich auf die Raumordnung im Hauptraum bezogen. Oder der vermittelnde Eingangsbereich zwischen Wohn- und Essraum konnte sowohl zur jeweiligen Raumgruppe als auch mittels eingesetzter Stützen und Unterzüge als definierten Raum gelesen werden. Während des Entwurfsprozesses begriff ich somit immer mehr was Tektonik in der Architektur bedeutet und bedeuten kann. Der Grundsatz von Gottfried Semper über die Tektonik, die als „Kunst des Zusammenfügens starrer, stabförmig gestalteter Teile zu einem in sich unverrückbaren System“ geht meiner Meinung nach noch einen Schritt weiter und befasst sich nicht nur mit der Frage des Fügens der Bauteile. Vielmehr sollten raumgliedernde tektonische Elemente, wie Stützen oder Pilaster sowie Unterzüge etc. räumliche Ideen unterstreichen und damit Räume definieren und fassen.


Knecht Marius, Parzellennummer 52 Der Begriff „Tektonik“ sagte mir zu Beginn des Semesters noch nicht sehr viel. Man berief sich zwar immer auf die Definition von Gottfried Semper, wonach Tektonik die „Kunst des Zusammenfügens starrer, stabförmig gestalteter Teile zu einem in sich unverrückbaren System “ sei. Jedoch ist mir erst im Nachhinein bewusst geworden, wie breit gefächert Gottfried Sempers Definition tatsächlich ist. Rückblickend gesehen wurde ich erstmals mit dem Begriff der Tektonik konfrontiert, als ich auf die Suche nach einem geeigneten Grundriss ging. Ich überlegte mir dabei, wie gross die jeweiligen Räume sein müssten und in welcher Beziehung sie zueinander stehen müssten, damit ein spannendes und gleichzeitig auch funktionales Gebilde entsteht. Projektspezifisch war es mir stets sehr wichtig, so am äusseren Ausdruck des Gebäudes zu arbeiten, dass das Hauptsächliche, Wesentliche durch die Konstruktion selbst hervorgerufen wird und nicht dazu im Gegensatz steht. Dabei ist ein klares Konzept erforderlich bzw. hilfreich, wenn es darum geht, Lösungen zu tektonischen Problemen zu finden. Eine klare „Problemstelle“ war für mich insbesondere der Umgang mit dem Balkenauflager. Sowohl am Anfang und vereinzelt auch gegen das Ende der Arbeit war es so, dass die Kraftabtragung zwischen dem Balken und der Wand nicht so abgebildet wurde, dass sie offensichtlich war. Vielmehr wurde jeweils ohne Verstärkung der Wand bzw. ohne ein zusätzliches Element gearbeitet. Die Konstruktion konnte deshalb nicht eindeutig nachvollzogen werden. Meiner Meinung nach sollte der Begriff „Tektonik“ nicht nur ein Spezialausdruck für Fachleute sein, der ausschliesslich von diesen verstanden wird, sondern er sollte auch von normalen Leuten, d.h. den Bauherren, nachvollzogen werden können. Denn nur dann, wenn auch diesen Personen klar wird, auf welche Art und Weise sich die einzelnen Teile zum Ganzen zusammenfügen, kann ihnen ein sicheres und nachvollzieh-

bares Gefühl beim Betrachten des Gebäudes vermittelt werden. Denn oft glaubt ein Betrachter, schon auf den ersten Blick hin zu wissen, wie z.B. eine Wand in sich funktioniert, obwohl man ohne spezifisches Hintergrundwissen nicht in der Lage ist, tatsächlich beurteilen zu können, wie diese effektiv aufgebaut ist. Natürlich kann man auch die Auffassung vertreten, dass ein Bauteil unter tektonischen Aspekten nur zeigen darf, wie es wirklich funktioniert. Meiner Meinung nach ist es jedoch legitim, bei einem Bauteil nicht nur dessen tatsächlichen konstruktiven Aufbau, sondern auch die sinnbildliche bzw. symbolische Bedeutung zum Ausdruck zu bringen. Die dabei hervorgerufene Vorstellung des konstruktiven Aufbaus muss dabei nicht unbedingt mit der tatsächlichen Baukonstruktion übereinstimmen. Dies insbesondere dann, wenn es aus architektonischen Gründen beispielsweise erwünscht ist, eine Wand zu gliedern, ein bisschen dem Ausdruck nachzuhelfen und ein konstruktiv nicht notwendiges Bauteil miteinzubeziehen. Das dadurch erzeugte Bild darf jedoch nicht kontraproduktiv sein, sondern muss die Konstruktion unterstützen. In der Architektur gab es früher mit den bautechnischen Mitteln nur die Möglichkeit, die Bauteile tektonisch zu fügen. Heutzutage geht es mit den steigenden Ansprüchen einher, dass die Konstruktion nicht mehr zwingend offengelegt werden muss. In diesem Sinne wird ein Gebäude z.B. aus Kostengründen oder aufgrund der wärmetechnischen Anforderungen vermehrt „eingepackt“, sodass dessen Konstruktion nicht mehr ersichtlich ist. Dies, obwohl es auch in der heutigen Zeit möglich wäre, beide Aspekte zu berücksichtigen. Mitnehmen aus diesem sehr intensiven Herbstsemester werde ich für mich sicher die Erkenntnis, dass es auch in der heutigen Zeit möglich ist, mit unseren Baumethoden das tektonische Bild sichtbar zu machen, welches enorm viel für das Lebensgefühl in einem Raum beiträgt.


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Pascal Widmer, Parzellennummer 53 Das Thema unseres Semesters, der Entwurf eines Hof-Hauses in Avola, Sizilien hatte ein Hauptaugenmerk auf das Fügen von Elementen und Räumen. Als ich anfangs Semester von diesem Hauptthema erfuhr, Tektonik und Raum, war mir auch nach der einleitenden Vorlesung nicht direkt klar, was hiermit von uns verlangt wird. Durch recherchieren wurde mir klar, dass dies ein Thema ist, dass mich in Bezug zur Architektur beschäftigt und auch immer beschäftigen wird. Die Herangehensweise an die Entwurfsaufgabe war herausfordernd, da wir ausgehend von einem Hauptraum oder einer Hauptraumgruppe unseren Grundriss aufbauen mussten. Zur Weiterbearbeitung meines Entwurfsprojektes muss ich allerdings sagen, dass die Frage der Tektonik in den Tischkritiken mit meinen Dozenten nicht immer zur Sprache kam. Viel diskutierten wir zwar über den Grundriss im Allgemeinen doch hätten uns die Dozenten rückblickend mehr auf die Frage der Tektonik dringen dürfen. Sehr interessant und hilfreich im Bezug auf die Tektonik aber auch ganz allgemein waren die Vorlesungen unserer Dozenten über Baustile und das Wohnen in verschiedensten Regionen der Welt.

Als grossen Pluspunkt empfand ich die Seminarreise nach Sizilien, die Bauten aus unterschiedlichsten Epochen waren besonders in Bezug zur Tektonik höchst lehrreich, aber auch Städte wie Noto waren städtebaulich sehr interessant. In meinem Entwurf empfand ich vor allem in den Haupträumen die Tektonik als klar aufgebaut. Sicherlich gibt es noch viel Verbesserungspotential im Bezug auf das ganze Haus. Das Zusammenfügen der Bauteile würde ich nach der letzten Kritik vor allem in der Fassade nochmals genauestens überprüfen. Rückblickend kann ich sagen, dass ich in diesem Semen kann. Die Frage der Tektonik hat mich einerseits sensibilisiert, anders auf die Architektur zu schauen, aber auch anders an die Architektur im Entwurfsprozess heranzugehen.


Pascal Fehr, Parzellennummer 54 Als das Semesterthema vorgestellt wurde, war ich sehr gespannt. Vor allem auch da die Dozenten selbst bekannt gaben, dass sie sich dabei auf unbekanntes Terrain begeben würden und selbst noch Erfahrungen sammeln müssten. Zu Beginn der Übung war es sehr wichtig so schnell wie möglich ein passendes und solides Konzept zu finden, in das man das vorgeschriebene Raumprogramm integrieren konnte und auf dem man aufbauen konnte. Meine Idee war, die Räume im Erdgeschoss so anzuordnen, dass ein quadratischer Hof entsteht, der einen direkten Zugang zur Gasse hat. Wichtig war mir auch, dass man sich von Raum zu Raum bewegen kann und dadurch ein Rundgang um den Hof entsteht. Durch den Hof werden aber zugleich auch alle Haupträume direkt erschlossen. Da die Gestaltung der Raumproportionen ein wichtiger Teil des Semesterthemas war, wollte ich, dass Wohn- und Essraum unterschiedliche harmonische Proportionen haben und dass deshalb die Breite des Raumes auch der Höhe entspricht. Dadurch entstanden Dachflächen auf unterschiedlichen Höhen, die man als weitere Aussenflächen nutzen konnte, besonders auch, wenn man sie zusätzlich mit einer Pergola beschattete. An der ersten Zwischenkritik, vier Wochen nach dem Start der Übung, stand mein Entwurf bereits und wurde auch von meinen begleitenden Dozenten unterstützt. Aus diesem Grund konnte ich mich bereits von diesem Zeitpunkt an mit dem Ausdruck meines Gebäudes beschäftigen. Dabei spielte die Tektonik eine sehr grosse Rolle, wie ich von Woche zu Woche lernte. In meinem Projekt setzte ich mich stark mit der Gliederung der Fassaden auseinan-

E+K1

der und verwendete dafür Pilaster, Gesimse, Fensterbänke, Fensterstürze, Sockel und Dachrandabschlüsse. Dabei ist es immer wichtig, dass jedes Element ein festes Auflager und einen gewissen Abschluss besitzt, ob dies nun rein optisch formuliert ist oder tatsächlich eine kräfteübertragende Funktion übernimmt, spielt nicht eine so grosse Rolle. Die Teile müssen für den Betrachter logisch und sicher zusammengefügt sein. Ein Beispiel dafür sind die Pilaster. Diese sollten nicht ohne einen Sockel auf dem Boden stehen, denn ansonsten hätte man das Gefühl, dass diese versinken würden. Ebenfalls brauchen sie einen oberen Abschluss durch einen Gesims oder Ähnlichem, um so zu zeigen, dass sie eingespannt sind und nicht einfach kippen können, wie man sonst meinen könnte. In einer späteren Bearbeitungsphase des Projektes lernte ich auch einiges über das Gliedern und Fassen von Innenräumen. Die Holzbalkendecke spielt dabei in meinem Projekt eine wesentliche Rolle. Die Balken brauchen etwas auf dem sie aufliegen können, sie sollten nicht einfach ohne Übergang in einer Wand verschwinden. Das Auflager wird z.B. durch eine Deckleiste auf der Wand unterhalb der Balken dargestellt und verändert und klärt dadurch den optischen Ausdruck schon wesentlich. Ich könnte nun noch weitere Beispiele aufzählen, dies würde den Umfang dieses Textes jedoch überschreiten, daher möchte ich zum Schluss nur noch sagen, dass ich dieses Semester einiges dazugelernt habe und ich nun viele Punkte in der Architektur genauer und kritischer betrachten kann.

Entwurfsübung 1 in Avola, Sizilien, Schlusskritik

Gassaenfassade 1:50

Schnitt d-d 1:50

Schnitt e-e 1:50


erdgeschoss erdgeschoss

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Stefan Sutter, Parzellennummer 55 Eigentlich hörte sich dieses Thema für mich am Anfang einfach und simpel an, doch im Verlauf des Semesters wurde mir erst klar, wie komplex und ausgedehnt diese Thematik wirklich ist. So habe ich mir am Anfang vorgestellt, dass die Tektonik nur das Fügen von Bauteilen sei, aber schlussendlich wurde mir klar, dass man dieses Thema auch auf die Anordnung von Räumen oder bezüglich der Ausgestaltung von Räumen anwenden kann. In der ersten Phase stand das Anordnen der Räume zu einer Hauptraumgruppe im Vordergrund - und natürlich auch deren Qualität. In meinem Entwurfsprozess musste ich zuerst lernen, was Qualität für eine solche Raumgruppe überhaupt bedeuten könnte, : beispielsweise eine Dreiecksbeziehung der einzelnen Raumteile, deren räumlicher Bezug zueinander immer erhalten bleibt – auch wenn der Essplatz im Sommer nach draussen verlegt werden sollte. Leider konnte ich in meinem Entwurf diese Dreiecksbeziehung nicht einbauen - dafür entwickelte sich eine klare Raumfolge dieser drei Haupträume - auch in Bezug auf den Aussenraum. Das Projekt entwickelte sich weiter und auf einmal kam die Frage der Konstruktion – also die Frage nach dem Fügen der Bauteile. Gerade am Anfang war ich sehr darauf fixiert, die konstruktiven Elemente abzubilden und zum Teil sogar überspitzt darzustellen, das heisst beispielsweise bei einer Hourdis-Decke statisch unnötige Unterzüge einzuführen, einerseits um die Decke

selbst zu strukturieren, andererseits um das Auflager der Decke zu thematisieren. Ich habe lernen müssen, dass es konstruktiv weit wichtiger ist, dass die Wände der Geschosse aufeinander zu stehen kommen, das gesamte Tragsystem also klar strukturiert ist, und damit auch in wirtschaftlichem Rahmen bleiben kann. Strukturierungen aus eher gestalterischen Gründen, wie beispielsweise eine Kassettierung der Deckenuntersicht oder ein Fries im Übergang zu den Wänden können einen statischen Hintergrund haben – sie müssen aber nicht. Ob tatsächliche Konstruktion oder Verkleidung: sie sollen immer eingesetzt werden zu einer besseren Lesbarkeit des Raumes. Gerade an der Schlusskritik wurde mir aufgezeigt, dass das Thema Tektonik nicht beim Haus aufhört. So ist es wichtig, auch die Umgebung - in meinem Fall den gesamten Hofbereich - in die Betrachtung einzubeziehen und dabei auf eine passende Anordnung der äusseren raumbildenden Elemente, wie Pergolen und Remisen, zu achten. Ein weiterer Punkt ist die städtebauliche Einbindung, denn eigentlich gelten die Fragestellungen der Tektonik genauso im öffentlichen Raum der Strasse.


Bajrami Elora, Parzellennummer 56 Mit der Aufgabenstellung war ich zu Beginn ein wenig überfordert, denn ich hatte bisher nicht wirklich viel über Tektonik gehört. Das Durchstöbern von verschiedenen Büchern und die Tischkritiken haben mich ein wenig in das Thema eingeführt, jedoch kann ich immer noch nicht so genau sagen, was Tektonik wirklich ist, da sie verschiedene Bedeutungen haben kann. Ich bin sehr langsam vorangekommen mit der Frage, wie ich die Tektonik in meinem Projekt zum Ausdruck bringen kann. Ich wusste nicht so richtig, in welchem Teil der Projektierung die Tektonik schon wichtig ist und wo noch nicht Deshalb habe ich mich auch lange Zeit im Kreis gedreht, bei der Materialwahl und der Konstruktion meines Projektes. Tektonik ist für mich ein sehr schwieriges Thema. Ich verstand es zu Beginn so, dass ich die Konstruktion zeigen muss, die hinter dem ganzen Gebäude steckt. Dies ist jedoch nicht die ganze Wahrheit. Mit der Zeit fand ich heraus, dass ich z.B. einen Balken nicht 1:1 zeigen muss, sondern ihn auf einer anderen Höhe abbilden kann. So entstand bei mir die Vermutung, dass Tektonik nicht nur etwas mit der Konstruktion zu tun haben muss, sondern auch mit dem Gefühl, das man im Raum haben soll. Eine Idee dafür zu entwickeln, welches Gefühl ein Raum auslösen soll, wenn man ihn betritt, ist vermutlich ein wichtiges Mittel, um das Gefühl oder den Ausdruck eines Raums zu stärken Ich finde dieses Thema vom Fügen der Teile ist äusserst interessant und ein wichtiger Bestandteil des Entwurfs. Auch wenn in unserer Gruppe die Tektonik viel mehr diskutiert worden ist, als so in manch ande-

ren Gruppen, denke ich, hätte man sie noch intensiver besprechen können. Sehr gut waren die Literaturhinweise und die verschiedenen Bücher, die von uns Studenten extra eingescannt und verschickt worden sind. Sie haben sehr geholfen, sich mit dem Thema zu befassen und werden es auch in Zukunft tun.


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Christoph Leuenberger, Parzellennummer 57 Die Erfahrungen mit der Tektonik während diesem Semester können in 3 Phasen gegliedert werden. Als Erstes war der Begriff Tektonik rein konstruktiv, später wurde das Thema auf das Sinnbildliche erweitert und zum Schluss kam auch noch das ‚Spielerische‘ der Tektonik dazu. Der erste Grundgedanke beim Entwurf war, die im Projekt verwendeten Materialien nur dort einzusetzen, wo sie ohne technische Hilfsmittel in ihrer ursprünglichen Form auch wirklich verbaut werden können. Sehr schnell entstand da der Leitgedanke ‚Stellen und Legen‘. Die Wände werden gemauert und darauf kommen Betonstürze zu liegen. Auf diese Weise ist jedes Material dort eingesetzt, wo seine Eigenschaften am besten zur Geltung kommen. Beim Bearbeiten der Fassadenstrukturen und Deckensysteme wurden Ordnungsstrukturen, Massbezüge und verschiedene Raster entworfen. Mit dem Steigern der Komplexität und der Genauigkeit wurde sehr schnell klar, dass gewisse Ideen, die zu Beginn des Entwurfes gemacht wurden, nicht mehr umsetzbar sind. Es wurde darüber nachgedacht, welche Elemente mehr und welche weniger das tektonische ‚Bild‘ prägen dürfen oder sollen. Auf einmal durfte ein Betonsturz, der vorhin das Fenster vom Oblicht trennte und so ein Feld in der primären Struktur zusätzlich teilte, kein Auflager mehr haben, um die Massivität der Stütze nicht zu beeinträchtigen. Um den Materialien

gerecht zu werden, wurde dieser später aus Holz gefertigt und wurde so mit dem Fenster und dem Oblicht zu einem Element, was wiederum das Fassadenbild wesentlich veränderte. So veränderte sich das gesamte Projekt bis schliesslich alle Teile so gefügt waren, dass sie sowohl konstruktiv als auch sinnbildlich am richtigen Ort waren. Bei der Fassade half in einer weiteren Phase eine tektonisch bewusst unlogische Erscheinung, wesentliche strukturelle Probleme zu lösen. Die Fassade besteht aus drei Elementen: Pilaster, die eine statische Funktion haben, Pilaster ohne statische Funktion und Ausfachungen. Die zwei Eckpilaster und die vier Pilaster, die den Eingangsbereich mit der darüber gelegenen Terrasse bilden, haben eine statische Funktion. Diese Pilaster liegen in beiden Geschossen und dem Dachkranz übereinander. So können auch sinnbildlich die Kräfte abgeleitet werden. Alle übrigen Pilaster sind vertikal zueinander verschoben. Der Versatz zwischen den horizontalen Teilungen lässt darauf schliessen, dass es nur Showelemente sind, welche die Fassade gliedern, jedoch keine statische Funktion haben. Der Versatz dieser wenigen Pilaster lässt die ganze Fassade verspielt wirken. So wird einerseits die asymmetrische Lage des Eingangsbereichs und des Hofes überspielt, andererseits wird das Problem der Garagenöffnung im Erdgeschoss gelöst. Die Ausfachungen haben ein textiles Muster. Dies verdeutlicht, dass es nur Füllungen sind, welche zur Tragstruktur nichts beitragen.


Emina Alitovic, Parzellennummer 59 Was ist Tektonik? Diese Frage musste ich mir während diesem Semester einige Male stellen. Anfangs interpretierte ich sie als etwas Konstruktives, Technisches. In diesem Sinne beschrieb sie für mich nur das Gefüge von Bauteilen. Um Tektonik darzustellen, sollten demnach die Bauteile möglichst roh belassen werden. Materialien sollten unverhüllt bleiben und sich mit ihrer das nicht vollkommen richtig war. Je weiter das Semester fortschritt, desto besser lernte ich den Begriff der Tektonik kennen. Je mehr ich aber versuchte die Thematik zu verstehen, desto anspruchsvoller wurde sie. Dieser Begriff wurde immer vielschichtiger, je länger ich mich damit befasste. Ich erfuhr, dass sich der Begriff nicht nur mit der Konstruktion auseinandersetzt. Er befasst sich auch mit dem Raumgefüge, dem Zusammenfügen von Bauteilen, dem Darstellen von tragenden und nichttragenden Bauteilen und vielen weiteren Faktoren. Diese Themen wollte ich auf mein Projekt übertragen. Es war sehr anspruchsvoll die genannten Themen auf ein Einfamilienhaus zu übertragen. Wenn allem Beachtung geschenkt werden sollte, drohte bei meinem Entwurf, dass Fassaden und Räume dahinter schnell monumental wirkten. Das Gebäude verlor dadurch den Charakter eines Wohnhauses. Während dem gesamten Semester bewegte ich mich auf diesem schmalen Pfad, den angemessenen Ausdruck für mein WohnDa mein Projekt stark von den Kreuzstützen geprägt wird, war es teilweise schwierig, diese Elemente in meinem Raumkozept zu integrieren.

Die Kreuzstützen boten mir viele Möglichkeiten die Tektonik darzustellen. Sie gliedern meinen Hauptraum in Kammern und grenzen dadurch das Wohnzimmer vom Esszimmer ab. Durch ihre Verjüngung nach oben machen sie in meinem Projekt das statische Prinzip sichtbar und auch verständlich. So war es mir möglich, mit einem Bauelement verschiedene Aspekte der Tektonik auszudrücken. Ich lernte mit unterschiedlichen Materialien zu arbeiten. Es muss nicht immer Beton sein, auch eine verputzte Wand kann tragen. Es muss auch nicht immer alles offen gezeigt werden. Verhüllte, verputzte oder mit keramischen Platten bedeckte Bauelemente können Tektonik darstellen. So kann eine mit Platten bedeckte Wand transparent wirken. Obwohl sie massiv nen textilen Charakter. Da Tektonik sich mit Fügen beschäftigt, sprachen wir bei den Tischkritiken auch oft vom Fügen der Räu-

mich bei der Arbeit und öffneten mir den Blick für etwas Unkonventionelles. Tektonik ist ein sehr breitgefächerter Begriff. Es ist eines der Themen, die mich auch in meinen nachfolgenden Projekten begleiten und leiten werden. In Zukunft wird es mir ein Anliegen sein, die tektonischen zu lassen.


Tümer Berivan, Parzellennummer 60

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Die Öffnung vom Wohnraum zum Hof war das Hauptthema dieses Projektes. Diese Öffnung wiederholt sich zweigeschossig um den ganzen Hof, egal ob sich dahinter bewohnte Räume, kalte Nebenräume oder auch nur eine Brandmauer befindet. Die Hoffassade ist selbsttragend und wird durch die Dämmung von der inneren Tragstruktur getrennt. Die Hoffassade hat im wesentlichen nur zwei verschiedene Elemente. Die vertikalen Betonelemente, die über beide Geschosse gehen und die horizontalen Elemente wie zu unterst ein Fensterbank, ein Sturzelement indem der Fensterbank für das Fenster im Obergeschoss integriert ist und als Abschluss oben ein Sturzelement, das rings um den ganzen Hof geht, wie ein Anker der alle Elemente zusammen hält oder auch wie ein Himmelsgesims wahrgenommen wird. Dieser hat auch einen Einschnitt in der Mitte, wo sich eine Regenrinne befindet. In den vier Ecken befindet sich je ein Fallrohr, der das Regenwasser runter in die zentrale Zisterne leitet. Die restlichen vertikalen Elemete werden mit Kletterpflanzen bewachsen, die oben zur Pergola übergehen. Im Hof befindet sich auch ein Brunnen mit der man z.B. die Kletterpflanzen begiessen kann. Auf den inneren Backsteinwänden gibt es die primären Elemente die ringsum gehen, darauf werden die vorfabrizierten Betonrippenelemente gelagert.

Das Thema ‚Tektonik’ hat meine Wahrnehmung geschärft und wird vermutlich in Zukunft meine Projektarbeit vermehrt mitbestimmen. B

Schema Tragwerk EG

Schema Tragwerk OG

Schnitt A - A 1:50

Zu Beginn des Semesters glaubte ich, dass der Begriff ‚Tektonik’ bedeute, dass die Konstruktion sichtbar gemach werden muss. Im Verlauf des Semesters klärte sich der Begriff immer mehr. Tektonik kann auch irgendeine Geschichte erzählen, solange sie logisch nachvollziehbar ist, muss sie nicht die Wahrheit abbilden.

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E & K I Schlusskritik I 06.01.2014 Studentin: Berivan Tümer begleitende Dozenten: Nicole Deiss, Christian Dill

Um diese Elemente auch gut nutzen zu können, trägt das ‚Himmelsgesims’ auch die Regenrinne. In den vier Ecken des Hofes befindet sich je ein Fallrohr, welches das Regenwasser nach unten, in die zentral gelegene Zisterne leitet. Die lateralen Vertikalelemente sind mit Waschbetonplatten ausgekleidet, damit die Pflanzen an der rohen Oberfläche besser hochklettern können und oben - wo die Stelen durch ein Netz von T-Trägern miteinander verbunden wieder in die Horizontale übergehen und so den Hofraum pergolaartig abschliessen - zusammenwachsen können. All diese vorfabrizierten Elemente bilden durch ihre Reliefartige Anordnung im Hof eine raumhaltige Fassade; im Obergeschoss entsteht so bei den raumhohen Fenstern je ein kleiner Balkon. A

Mein Objekt besteht aus einem kalten und einem warmen Gebäudeteil. Das Hauptthema der Entwurfsaufgabe war das Zusammenfügen der Bauteile zu einem Bauwerk. Die ersten Fragen, die sich mir stellten und denen ich mich widmete, bezogen sich darauf, wie die Decke auf der Wand aufgelagert sein soll oder auch wie die Fassade gegliedert ist. Es war meine Absicht, dass die Zusammensetzung der einzelnen Elemente auch für einen Laien lesbar und nachvollziehbar gemacht werden solle. Hofhaus in Avola, Sizilien Ziemlich bald wurde die Öffnung in der Wand vom Wohnraum zum Hof sehr wichtig. Diese Öffnung wiederholt sich in gleichmässigem Rhythmus zweigeschossig um den ganzen Hof, egal ob sich dahinter bewohnte Räume, kalte Nebenräume oder auch nur eine Brandmauer befindet. Die Hoffassade ist – wo nötig - durch die Dämmung vollständig von der inneren Tragstruktur gelöst und somit prinzipiell auch selbsttragend. Der Übergang von der Backsteinwand zur Betonrippendeckenstirn wird durch ein Betonauflager gelöst. Dieser Bauteil dient im Bereich der Öffnungen gleichzeitig als Sturzelement. Die Hoffassade ist im wesentlichen nur aus zwei elementaren Bauteilen aufgebaut: aus dem vertikalen (stehenden) Betonelement, das über beide Geschosse verläuft und aus dem horizontalen (liegenden) Sturzelement, das gleichzeitig als Fensterbank wie auch als oberer Abschluss der Fassade dient und rings um den ganzen Hof gehend wie ein Anker alle Elemente zusammenhält und vielleicht auch wie ein Himmelsgesims wahrgenommen werden kann.


Marion Dietz, Parzellennummer 61 Den Begriff Tektonik kannte ich aus einer Vorlesung von Martin Tschanz im ersten Studienjahr. Schon in dieser Vorlesung wurde der Begriff weit gespannt und ging in seiner Bedeutung über das Fügen von Teilen hinaus. Für mich ist der Begriff schwer zu beschreiben. Nichtsdestotrotz habe ich für mich eine Definition gefunden. Tektonik ist für mich ein Begriff, der unterschiedliche Dinge zusammenfasst. So ist ein Teil der Tektonik für mich das Bewusstsein vom Bauen, also das tatsächliche handwerkliche und maschinelle Bauen, das in den Entwurf einfliesst. Zudem hat sie auch etwas mit der Benützung eines Hauses zu tun. Welche Teile werden betreten, berührt? Welche Teile schützen? Welche tragen? Wie wird das gezeigt? Der Konstruktion wird beim Thema Tektonik ein besonderer Stellenwert zugeschrieben. Sie sollte in sich selber Sinn machen und nicht mehr Probleme schaffen als sie löst. Durch das Zusammenfügen von Bauteilen entsteht ein Gebäude.

AnkunftsAnkunftsund Abstellplatz und Abstellplatz

Was bedeuten denn all diese Worte konkret fur den Entwurf? Bei der Benutzung anknüpfend, war es für mich wichtig, ein Gebädude zu schaffen, welches eine Bühne für das alltägliche Leben anbietet. Nicht der Bau steht im Mittelpunkt sondern die Bewohner. Die Bauteile sollten aus einer selbstverständlichen Einfachheit das Gebäude bilden. In meinem Entwurf habe ich versucht mit wenigen Massnahmen möglichst viele Probleme auf einmal zu lösen. So wird z.B. das unbeheizte Sockelgeschoss vom beheizten Obergeschoss mit einer sichtbaren Deckenstirne getrennt. Diese löst das Problem der Fuge des Materialwechsels, kragt in Balkone aus und zeigt optisch wo das Wohnen anfängt und wo der Eingang ist. Diese Mehrdeutigkeit der Bauteile ist mir nicht überall gelungen. Für mich ist aber schlussendliche genau dies Tektonik: Wenn Konstruktion, Funktion und Ausdruck eine Symbiose bilden.


Michel Viviane, Parzellennummer 62 Die Auseinandersetzung mit dem Thema Tektonik in der Architektur während dem Wohnbauprojekt in Avola war intensiv und anstrengend. Die Tektonik ist ein sehr aufwändiges, detailreiches und teils auch schwieriges Themengebiet, da es stark in die Tiefe geht. Es ist gleichwohl ein sehr spannendes Thema, denn es setzt sich stark mit der räumlichen und innenräumlichen Gestaltung auseinander und bedingt die herrschende Atmosphäre im Raum. Wenn ich das Thema Tektonik auf zwei Ebenen betrachte, der gestalterischen und der konstruktiven Ebene, hat mir bei meinem Projekt die konstruktive Ebene einiges mehr Mühe bereitet. Wo Tektonik und Konstruktion aufeinander treffen hatte ich teils Schwierigkeiten, weil mir die nötige Erfahrung in der Entwicklung und Ausarbeitung von konstruktiven Lösungen und Details noch etwas fehlt. Der gestalterische Umgang mit Tektonik fällt mir hingegen leichter, da ich mich schon seit längerem mit gestalterischen Kriterien und Grundprinzipien auseinander setze. Ich habe deshalb versucht, den Zugang zum Projekt eher über den gestalterischen Weg zu finden. Trotzdem habe ich mich der konstruktiven Herausforderung gestellt, und versucht, auch die konstruktiven Aspekte meiner speziellen achteckigen Haupträume adäquat zu lösen. Die Schnittstelle zwischen Tektonik, Konstruktion und Gestaltung ist die Stelle an der ich anzuknüpfen versuchte. Um die konstruktiven Problemstellen in meinem Projekt zu lösen brauchte ich, aufgrund meines noch geringeren Vorwissens, einiges länger als ande-

re Mitstudenten. So wurde es für mich ein sehr zeit-, energie- und arbeitsaufwändiges Projekt. Aber das Projekt bildet eine gute Grundlage, um mich genau mit diesem Bereich, also dem Thema Konstruktion, weiter auseinander zu setzen, um mein Wissen in diesem Bereich zu vergrössern und somit diese Wissenslücke immer weiter zu füllen. Ich habe deshalb das Gefühl, sehr viel über das Gebiet Tektonik und vor allem auch über Konstruktion in der Architektur gelernt zu haben. An einer so praktischen Aufgabe wie diesem Projekt herauszufinden, wie Konstruktion und Gestaltung zusammenhängen können, war eine extrem aufwändige, aber auch lehrreiche und spannende Erfahrung. Ich habe wohl selten in einem Semester so viel gelernt wie bei diesem Projekt, da es mich auf konstruktiver Ebene vor eine enorme Herausforderung stellte, mich aber teils auch menschlich an meine Grenzen brachte. So beinhaltet das Gelernte nicht nur Aspekte der Konstruktion, sondern beispielsweise auch, wie ich an ein so intensives Projekt herangehen kann. Ich lernte neue Möglichkeiten zum Umgang mit Problemen und Schwierigkeiten kennen, sowie auch zum Umgang mit Stress und Zeitdruck.


Wipf Cyrill, Parzellennummer 64 Zu Beginn des 3. Semesters bekamen wir Studenten die Aufgabe, ein Wohnhaus in Avola (Sizilien) zu entwerfen. Der Aufgabe beigelegt war ein Raumprogramm, welches uns helfen sollte, die Nutzung und die Organisation des Hauses aufzustellen. Üblicherweise beginnt der Arbeitsprozess damit, ein Grundriss-Lay-Out zu formen und anschliessend das Raumgebilde daraus zu entwickeln. Die Aufgabe wurde von den Dozenten aber so angepasst, dass die Herangehensweise an das Projekt zuerst über die Konzipierung der Räume erfolgen sollte. Doch was gehört alles zur Konzeption eines Raumes? Sind es die Abmessungen, die Aufteilung, die Setzung der Öffnungen, die innere Gliederung, die Art der Aneinanderreihung mehrerer Räume (Raumfolge)? Diese Fragen führten dazu, dass wir Studenten bereits zu Beginn des Semesters zum Kern aller räumlichen Fragen kamen: zur Tektonik des Raumes. Als ich erstmals von dieser Bezeichnung hörte, konnte ich mir nicht vorstellen, wie umfassend dieser Begriff ist. Mit der Zeit wurde mir klar, dass mit der „Tektonik“ das Zusammensetzen von Bauteilen zu einem Gefüge, bzw. einem Bauwerk verstanden wird. Gottfried Semper definierte den Begriff als die „Kunst des Zusammenfügens starrer, stabförmig gestalteter Teile zu einem in sich unverrückbaren System“.

Während des Arbeitsprozesses konzentrierte ich mich stark auf die Proportionen des Hauptraumes, bzw. der

Hauptraum-Gruppe. In den jeweiligen Tischkritiken wurde in Zusammenarbeit mit den begleitenden Dozenten über die Thematik der Tektonik gesprochen. Meiner Empfindung nach wurde dabei unterschiedlich stark in den Klassen über das Thema gesprochen, was vielleicht auch zeigt, wie komplex dieses Thema ist. So war für mich nicht wirklich immer nachvollziehbar, wie ich die Raumproportionen und die Organisation im Haus weiterentwickeln könnte. Mich persönlich hat dabei der Austausch unter den Studenten teilweise stärker gefördert als die Tischkritiken dies taten. Gleichzeitig wurde ich durch die verschiedenen Meinungen und Ansichten verunsichert. Diese Unsicherheiten klärten sich für mich oft über die Zwischenkritiken. Dort fand jeweils ein Austausch mit einem Dozenten statt, welcher das Projekt vorhin nicht kannte. So entstanden neue Aussagen, aufgrund welcher ich mein Haus weiterentwickeln konnte. Mittels diese Aufgabestellung konnte ich mir ein Grundgerüst zum Thema ‚Tektonik’ erarbeiten. Aufgrund der kurzen Projektierungszeit liess ich die vielfältigen Inhalte jedoch nur teilweise in meine Arbeit einfliessen. Rückblickend auf die Aufgabe bin ich der Ansicht, dass ich die wesentlichen Inhalte der Semesteraufgabe trotzdem verstanden habe.


Bader Jennifer, Parzellennummer 65 Anstelle des Formens von Objekten, stand die Raumkonzeption im Vordergrund der Arbeit. Der Entwurfsprozess wurde in diesem Semester „umgedreht“ und vom Kleinen zum Grossen gearbeitet. Geht der Entwurf vom Detail aus, so stellt sich bald die Frage der Tektonik. Für Gottfried Semper bedeutete die Tektonik „die Kunst des Zusammenfügens zu einem unverrückbaren System.“ Aus dieser Einheit ist es nicht möglich, einen Teil zu entfernen. Jedes Fragment ist ein unverzichtbarer Teil des gesamten Gefüges. Doch welches Mass an tektonischer Ausformulierung soll ein Gebäude aufweisen? Hinsichtlich meines Projektes beschloss ich, dem massiven Ring aus verputztem Einsteinmauerwerk durch Hourdisdecken nur eine dezent sichtbare Tektonik zu verleihen. Der Kern des Hauses hingegen zeigt jede Fügung der Holzkonstruktion. In Anlehnung an die vorangegangene Analyse des Shokin-tei Teehauses in Japan sind die Funktionen der einzelnen Hölzer klar ersichtlich und strukturieren durch ihre Anordnung die Fassaden des Atriums. Das „Verbot“ der Flachdecke in unserer Klasse zog weitere Überlegungen mit sich. Auseinandersetzungen mit den Materialeigenschaften und der Hierarchie innerhalb der Konstruktion folgten. Entscheide hinsichtlich des tektonischen Ausdrucks übten ihren Einfluss bis auf die Grundrissdisposition aus. Die Arbeit lehrte uns eine andere Entwurfsmethode. Durch das stete Hinterfragen der Tektonik entstanden

Entwürfe fernab von konturenlosen Gebäuden, deren Kompaktfassaden die innere Logik der Konstruktion verstecken. Vergleicht man das Haus mit dem Menschen, so war das Ziel der Arbeit, die Muskulatur wieder zum Vorschein zu bringen und den Bewegungsapparat lesbar zu machen.


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Mathys Luca, Parzellennummer 66 Das Ziel, das Thema Tektonik zu verstehen, habe ich dieses Semester definitiv noch nicht erreicht, obwohl ich Fortschritte sehe was meine Toleranz diesem gegenüber Thema anbelangt. Allerdings habe ich im letzten Semester auch gespürt, dass Tektonik von jedem anders verstanden werden kann und es kein richtig oder falsch gibt, wenn es um diese Thematik geht. In der Entwurfsphase meines Projekt tat ich mich schwer, tektonische Elemente in mein Gebäude zu integrieren, weil ich persönlich eher einer dieser Menschen bin, die mit einer schlichten Innenraumgestaltung die Tektonik zum Verschwinden bringen möchten. Dieses Semester war in dieser Hinsicht sehr gut für mich, da ich durch die Aufgabe eine andere Sichtweise auf dieses Thema erhalten habe und so meinen Horizont erweitern konnte. Ich kann aber schlussendlich nicht behaupten, man könne die Konstruktion in meinem Entwurf gut lesen. Ich habe allerdings versucht aufzuzeigen wo die Kräfte durchlaufen. Das heisst für mich zum Beispiel, dass alle Wände für sich allein stehen könnten. Für mich ist die Tektonik, also die „Fügung der verschiedenen Bauteile“ ein Weg, um dem Betrachter die Möglichkeit zu geben, die Konstruktion des

Gebäudes zu verstehen. Und damit sie verstanden werden kann muss sie gezeigt werden. In welchem Mass sie gezeigt wird und an welcher Stelle ist dann eben das Spielen mit dem Thema Tektonik und dieses Spielen führt oft zu Diskussionen. Eben gerade weil es da kein richtig gibt. Es gibt zwar ein falsch aber es gibt vor allem einen grosse Spielraum für die Architekten. Der Umgang mit dem Thema Tektonik will gelernt und vor allem geübt sein und ich bin nach dem letzten Semester gewillt und auch motiviert mehr damit zu arbeiten und mehr Erfahrungen zu sammeln.


Schlauri Robin, Parzellennummer 67 Anfangs Semester wurde uns Studierenden mitgeteilt, dass wir uns mit einem „Haus mit Hof“ beschäftigen. Als Grundthema, worauf der Entwurf aufbaut, ist der Fokus auf das Thema „Tektonik“ zu legen. Zu diesem Begriff wusste ich zu Beginn, dass dies etwas mit dem „Gefüge der Teile“ zu tun hat. Wie das Ganze aber zu betrachten ist und damit umgegangen wird, war mir völlig unklar. Mittels der Vorlesungen, Diskussionen in den Konstruktionsgesprächen, der Seminarwoche in Sizilien und den Entwurfsbesprechungen konnte ich mir jedoch immer mehr unter dem Begriff „Tektonik“ vorstellen und dies in meinen Entwurf bzw. meine entwerferischen Absichten einfliessen lassen. Ich entschied mich also für eine Konstruktion mittels eines Stützenrasters, was sich im Bezug zur Tektonik gut anbietet. Das Setzen und Legen der einzelnen Bauteile ohne die eigentliche Verwendung von Stahlbeton interessieren mich. Doch der Begriff „Tektonik“ zeichnet sich nicht nur in der Konstruktion ab, sondern auch in der Fügung der einzelnen Baukörpervolumen. Das heisst, wie füge ich Räume so zusammen, dass sie nicht nur konstruktiv stimmen, sondern auch jeder Raum für sich gefasst ist? Mit dieser Frage habe ich mich von Beginn weg befasst und nach Antworten gesucht. Genau diese Frage stellten sich auch bekannte Architekten wie zum Beispiel Mies van

der Rohe. Wie sieht eine Eckausbildung tektonisch richtig aus? Solche Fragen wurden oft behandelt in diesem Semester und haben mich weiter gebracht, doch suche ich und sucht man heute noch nach der richtigen und korrekten Lösung. Ein Entwurf ist nie fertig und das wurde mir vor allem mittels des Themas „Tektonik“ richtig bewusst. Ich machte mir oft Gedanken über Dinge wie zum Beispiel die Fenster, Sturzausbildungen, Schwellen, etc. wo ich mir nie hätte vorstellen können, dass die Tektonik so viele Fragen aufwerfen und Zeit in Anspruch nehmen kann. Ich finde das Thema der „Tektonik“ sehr spannend und grundlegend für die Architektur. Deshalb finde ich es auch sehr passend, dies im 3. Studiensemester zu bearbeiten. Ich sehe die Architektur nun mit anderen Augen und lernte die Architektur besser zu verstehen. Der Umgang mit der „Tektonik“ wird aber nie fertig gelernt sein.


Aliesch Martin Christian, Parzellennummer 68 Um ein Projekt mit dem Hauptthema der Tektonik zu beginnen und zu bearbeiten, musste ich mir zu Beginn selbst die Frage stellen, wie denn der Begriff grundsätzlich zu verstehen ist, und was er für mich selbst überhaupt darstellen könnte. Ich wusste zwar annähernd, was Tektonik ist. Aber doch zu wenig genau, um ein Projekt mit expliziter Aufgabenstellung der Tektonik angehen zu können. Was nun der Begriff darstellt, stellte sich in den ersten Wochen während der Analyseübung heraus. Tektonik umfasst demnach nicht nur das Lösen von konstruktiven Fragen und die Fügung der Bauteile in konstruktiver Hinsicht. Es ist ebenso wichtig diese Sachverhalte in optisch und ästhetischem Sinn dem Auge sichtbar zu machen. Nicht zuletzt betrifft der Begriff aber auch die Frage nach der Fügung von Räumen, die eine Beziehung zueinander eingehen sollen. Daher versuchte ich bei meinem Projekt die Frage der Tektonik in einem ersten Schritt als Fügung der Räume zu sehen und mir selbst im Kopf ein Idealbild herzustellen - mit Hilfe von Referenzbildern. Dieses Idealbild stellte ich mir so vor, dass man zuerst einen Hof betritt, bevor man ins Innere des Hauses gelangt. Dieser Hof zeigt dann bereits die Fügung der Räume und erklärt dem Eintretenden das Haus. Es ist erkennbar, dass der Hof das zentrale Element des Hauses bildet, an welchem die Räume angelagert werden – dies immer innerhalb einer klaren geometrischen Ordnung. Dieser Grundgedanke und dieses Bild haben mich dann zu den weiteren Schritten in meiner Semesterarbeit geführt.

So bildet eine Gruppe aus Wohn- und Essraum, der Küche und dem gedeckten Aussensitzplatz zusammen mit dem Hof die zentrale Raumfigur. In der Fügung der Räume im Erdgeschoss verbindet nicht nur der Hof selbst die Räume, sondern auch die Küche, welche als Gelenk zwischen dem Innen- und Aussenessraum dient. Im Obergeschoss werden die Räume alle über einen Laubengang erschlossen, dessen Überkragung in Form einer Deckenkehle den Hofraum einfasst, und deshalb im Erdgeschoss stark in Erscheinung tritt. Der Laubengang ist dort spürbar einkragend, also aus tektonischer Sicht eine wichtige Stelle. Er wird deshalb so leicht wie möglich konstruiert, und dementsprechend soll seine Erscheinung den Eindruck vermeiden, mit einer gewaltigen Last das Erdgeschoss optisch zu erdrücken. Das Semester hat mir gezeigt, wie wichtig und kompliziert, aber auch interessant das Thema der Tektonik ist und sein kann. Besonders an den Tischkritiken lernte man sehr viel über die Bedeutung und die Fragestellung der Tektonik, was sie darstellt und wie sie bei den Projekten angewendet werden könnte. So hatte die Frage der Tektonik grossen Einfluss auf fast jeden Entscheid während des Semesters – auch immer in Bezug auf die Frage, welches Konzept nicht nur konstruktiv, sondern auch optisch, also für das Auge Sinn macht.


Sturzenegger Mark, Parzellennummer 70 Der Begriff der Tektonik braucht meiner Meinung nach viel Zeit, um ihn nur annährend zu verstehen. Die intensive Auseinandersetzung auf vier verschiedenen Ebenen (Theorie, Plan, Modell, 3D) während des Entwurfsprozesses führt mich schrittweise an den Begriff heran. In einem ersten Annäherungsversuch beschäftige ich mich hauptsächlich auf der theoretischen Ebene mit dem Begriff. Die Worte der Dozierenden und die aufgezeigten Anschauungsbeispiele sind grundsätzlich verständlich und können schnell aufgenommen werden. Trotzdem bleibt das wirkliche Verständnis in diesem Anfangsstadium aus. Dies, obwohl im Entwurf typische Themen der Tektonik, wie zum Beispiel die Holzbalkendecke, bereits wesentliche Bestandteile sind. Es werden mögliche Auflager der Holzbalkendecke auf ihre räumliche Wirkung intensiv diskutiert. Auf der Ebene der räumlichen Aspekte des Entwurfs tue ich mich weiterhin schwer, das Fügen der Bauteile und dessen Auswirkungen auf den architektonischen Ausdruck wie auch auf die Raumstimmung zu verste-

hen. Im Modell werden mir die räumliche Wirkung der verschiedenen Bauelemente und das Zusammenspiel ihrer Dimensionierungen verständlich. Der signifikante Erkenntnisgewinn kommt für mich erst mit dem Aufbau des 3D-Modells. Hier musste jedes Element entworfen, dimensioniert und materialisiert werden. Durch das Ersetzen der einzelnen Elemente konnte ich auf experimentelle Art und Weise verschiede Varianten erproben. Der Hauptraum nimmt so ganz konkrete Formen an und aus verschiedenen Blickwinkeln kann die Raumstimmung untersucht werden. Insgesamt betrachtet kratze ich erst an der Oberfläche dieser äusserst spannenden Thematik. Bereits nach der Schlusskritik hätte ich am liebsten den Entwurfsprozess weitergeführt. Die intensive Auseinandersetzung mit der Tektonik am Wohnhaus in Avola hat mich sensibilisiert. Meine Wahrnehmung bei der Fortbewegung durch die Stadt ist verändert. Ich achte viel mehr darauf wie Bauteile bei Gebäuden gefügt sind und wie das Ganze aus Teilen zusammengesetzt ist.


Vanessa Hegi, Parzellennummer 71 Hofhaus in Avola Zu beginn dieser Arbeit fiel es mir sehr schwer, mich einzudenken. Was ist Tektonik? Was wird überhaupt gefragt? Wo soll ich beginnen? Es braucht immer eine gewisse Zeit bis ich ein Thema gefasst habe und wenn ich nun so zurück schaue, so habe ich das Gefühl ich hätte alles erdenkliche ausprobiert. Vor allem glaube ich, dass ich mich vorerst stark verkrampft habe, etwas «speziell italienisches» zu machen. Als wir dann vor Ort waren, und ich die Gebäude und deren Erscheinungsbild studieren konnte, merkte ich, dass deren Ausdruck es etwas ganz natürliches hat. Eigentlich ist diese Architektur komplett logisch, den Bedürfnissen der Menschen und des Auges angepasst. Wenn ich also von den Bedürfnissen des Auges spreche, so meine ich die Tektonik. Ich habe gelernt, dass Tektonik nicht nur Konstruktion bedeutet, sondern auch dass es für das Auge stimmt, sodass man zum Beispiel nicht das Gefühl hat, das etwas nicht halten könnte, sondern, dass es stimmig ist - eben ganz natürlich - auf den ersten Blick klar. Als wir dann von der Studienreise zurück kamen ging ich das ganze Thema viel lockerer an. Es hat mir geholfen zu sehen wie unbefangen man mit dem Thema Tektonik umgehen könnte, obwohl es auf den ersten Blick unglaublich schwer zu verstehen scheint. Ich versuchte also alle meine Gedanken zu ordnen, nicht im-

mer zu viel zu wollen. Kill your darlings. Für mich war es jedoch wichtig, gesehene Elemente nicht einfach zu übernehmen weil ich es schön fand oder weil man es so gemacht hat, sondern das ganze auch zu verstehen und in eine zeitgemässe Version zu bringen. Das Projekt ist schliesslich von Heute und ich finde das darf man auch sehen. Rückblickend kann ich also sagen, dass es mir extrem geholfen hat vor Ort zu sein und zu sehen wie alles einen Sinn hat. Es hat mich geprägt und ich denke, dass diese Bauweise nicht nur in den Süden gehört, denn man kann dies bei älteren Bauwerken auch überall erkennen.


Funk Davy, Parzellennummer 72 Alles begann in Sizilien Siracusa, Noto, Avola, all diese einzigartigen Städte und Dörfer haben mich unglaublich beeindruckt. Dieser typisch italienische Charakter und das mächtige Erscheinungsbild der Häuser brachte mich dazu diese Architektur zu lieben.

in einer starken Ordnung zueinander stehen. Unterschiedlich dimensionierte Öffnungen der Innenwände lassen die Räume offen oder eher geschlossen wirken. Grosszügige Aussenräume durchdringen das innere und erhellen diese mit Licht aus wechselnden Richtungen und unterschiedlicher Intensität.

Zurück in Winterthur änderte ich die bisherigen eher unsicheren Entscheide meines Entwurfes und festigte sie durch die Elemente welche ich von Sizilien mitgenommen hatte. Jedoch stellt sich jetzt die Frage, was wurde überhaupt geändert? Was beeindruckte mich eigentlich so stark an dieser Architektur? Es war die Macht der Symmetrie. Es war die Macht des Wohngefühls. Es war die Macht des Ausdrucks. Diese grundsätzlichen Dinge waren festzuhalten, und durch das Fügen geeigneter Elemente zu übersetzen. Damit sind wir auch schon beim Thema der Tektonik angelangt des tragenden Themas unseres Semesters.

Zurück zur Tektonik. Die erwähnte Macht des Ausdrucks ist mir in Sizilien anhand der Fassaden aufgefallen. Diese Kraft versuchte ich in meinen Höfen vereinfacht wiederzuspiegeln. Ziel war es mit einem Sockel die Verbindung zur Erde herzustellen und mit einer Dachkrone einen Abschluss zu definieren. Dadurch entstand ein Fügen und Schichten der Elemente. Die Wiederholung der gleichen Elemente in den Innenräumen liess Aussen und Innen noch mehr zusammenwachsen und verwischte die Grenzen. Nicht zuletzt konnte die Standardisierung der Elemente das Projekt wesentlich vereinfachen.

Mein Grundgedanke war es, ein introvertiertes Hofhaus zu entwerfen. Einerseits ergab sich dies, da meine Parzelle dreiseitig umbaut, also nur die Strassenfassade wirklich frei gelegen ist, und zum anderen, weil die südländischen Wohnhäuser durch ihren privaten Aussenraum ein hohes Mass an Wohnqualität besitzen. Die Raumabfolge sowie die Symmetrie war ein wichtiges Thema. Diese Idee wurde durch Kamschnitt b-b 1.50 merung der Räume verstärkt. Alle Innenräume sollen

Obwohl zu Beginn des Semesters unter uns eine Diskussion wegen der dem ersten Jahr allzu ähnlichen Aufgabenstellung entstand, bin ich mit dem Fortschritt sehr zufrieden, der durch diese Aufgabenstellung ermöglicht wurde.

n

u

! ! ! ! wassersperrschicht! im gef.! ! ! tssperre e!! ! ! !

10cm 20cm 30cm

au, einsteinmauerwerk

! ! rex! ! z! !

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2cm 49cm 2cm

aussenwand ech 5x5cm!!

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hutz, stoffvorhang (aussen) k, beton im gef.

s eingefärbter sichtbeton!! t)

au

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4cm 8cm

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u, einsteinmauerwerk

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2cm 49cm 2cm

au, gegen erdreich

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8cm 30cm 10cm 5cm

schnitt 1.20

schnitt c-c 1.50


Schnitt


Meili Dominique, Parzellennummer 73 Die Semesteraufgabe für den Entwurf eines Einfamilienhauses im sizilianischen Avola erwies sich als sehr spannende Aufgabe. Ich war sehr motiviert und freute mich auf die Herausforderung. Letztere kam auch schneller als erwartet; bereits in der ersten Woche bekundete ich einige Mühe, einen guten Anfang hinzukriegen. Dass der Schwerpunkt der Aufgabe auf das Thema ‚Tektonik’ und nicht auf den Entwurf des Grundrisses gelegt worden war, verunsicherte mich zusätzlich, da wir ja auch im ersten Studienjahr das Entwerfen eines Wohnungsgrundrisses noch nicht geübt hatten. Dementsprechend wusste ich kaum wie ich beginnen sollte. Ich durchforstete mehrere Bücher, konnte aber auch dort keine Lösung finden. Nach einigen Wochen in denen ich mich mehrheitlich im Kreis drehte, das heisst irgendwas machte, ohne genau zu wissen was ich mache, legte ich meinem Grundriss

einen Raster zugrunde. Dieser Raster hat mir geholfen, eine gewisse Struktur zu bekommen. Im weiteren Verlauf des Entwurfes konnte ich mich dann allmählich wieder von diesem Raster lösen. Geblieben ist jedoch ein symmetrischer Grundriss, welcher ihn noch erahnen lässt. Die Frage nach dem „wieso mache ich was?“ hat mich das ganze Semester hindurch begleitet. Gerade bei den Überlegungen zur Tektonik war das sehr wichtig. Auch wenn ich nicht immer genau wusste, ob ich auf meine Fragen die richtigen Antworten gefunden hatte, habe ich doch einiges dazugelernt. Schlussendlich bin ich mit meiner Arbeit ziemlich zufrieden, auch wenn ich jetzt schon wieder bessere Lösungen sehe. Aber ich denke das ist normal und wird auch später im Berufsalltag nicht anders sein...


Erdgeschoss Erdgeschoss

1. Obergeschoss 1. Obergeschoss


Vonlanthen Christian, Parzellennummer 74 Ich kann nicht behaupten, dass ich alles begriffen hätte, was wir während des Semesters behandelt haben, jedoch habe ich einige Erkenntnisse gesammelt und es wurde uns auch im Verlauf des Semester immer mehr erläutert, wie man Tektonik definieren und verstehen kann. Vor allem wurde der Begriff greifbarer, sobald wir uns konkreter und detaillierter im Entwurf darauf einliessen. Es wäre sicher spannend herauszufinden, wie die Analysearbeiten herausgekommen wären, hätten wir uns erst nachträglich mit den Analyseobjekten befasst. Als Begriffsdefinition konnte ich für mich herausschälen, dass Tektonik ein Sichtbarmachen des Fügens und Tragens ist, jedoch muss dieses Aufzeigen nicht unbedingt der eigentlichen Konstruktion entsprechen. Es sollte dem Auge des Betrachters vermitteln, wie eine Konstruktion trägt und wie sie gefügt wird. Also ein Verbildlichen ohne plumpes Abbilden. Jedoch kann Tektonik noch viel Mehr sein und lässt sich kaum auf eine einzige Definition reduzieren. Ein weiterer wichtiger Punkt, den ich gelernt habe, betrifft die Geschichtlichkeit der Tektonik. Im ersten Kapitel über die Reichweite des Tektonischen im Buch „Grundlagen der Architektur“ von Kenneth Frampton, habe ich einen Satz für mich unterstrichen, der mir bemerkenswert scheint. Nämlich, im Gegensatz zu den Techno-Wissenschaften, die die Vergangenheit als überholten Moment im Sinne des voranschreitenden Fortschritts verstehen, verstehen die Geisteswissenschaften, zu denen auch die Architektur gezählt wird, diese verflossenen Momente als Erlebnis, und diese

werden in der Gegenwart wieder kritisch integriert. Dies war mir eigentlich aus den Vorlesungen schon klar und auch, dass man für seine Entwürfe Referenzen suchen soll, jedoch wurde es mir erst in diesem Satz in der ganzen Tragweite bewusst: die Herausforderung, sich den heutigen Problemen und Gegebenheiten zu stellen, jedoch immer im Bewusstsein der Geschichte. Also nichts zu erfinden und auch nicht blind zu kopieren, sondern zu versuchen, Vorheriges in die heutige Zeit zu übersetzen, finde ich etwas vom Spannendsten und zugleich Schwierigsten. Es überrascht mich nicht, dass bei den Schlusspräsentationen die interessantesten Diskussionen gerade anhand jener Entwürfe entstanden, die Architekturstile von früheren Epochen zitierten und nachahmten. Wo ich bei meinem Entwurf am meisten dazugelernt habe, ist bei der Organisation des Grundrisses und den Beziehungen der Räume zu einander. Ich habe gemerkt, dass die Geometrie einen ersten Halt geben kann, wenn man nicht weiss, wie man den Grundriss organisieren soll. Dabei habe ich gelernt, auf einiges Acht zu geben, wie zum Beispiel die Übergänge von Raum zu Raum, und weiter: dass ein Raum so gestalten werden soll, dass er im Laufe der Zeit mehrere Funktionen übernehmen kann. Und noch vieles mehr. Die wichtigste Lektion scheint mir jedoch, dass man nicht gegen das Leben bauen kann und den Bewohnern nicht vorschreiben kann, wie sie zu leben haben. Die wichtigste Lektion scheint mir jedoch, dass man nicht gegen das Leben bauen kann und den Bewohnern nicht vorschreiben kann, wie sie zu leben haben.


Pascal Tobler, Parzellennummer 77 Bereits im Assessmentjahr bin ich dem Begriff Tektonik begegnet. Im dritten Semester setzten wir den Schwerpunkt nun auf dieses Thema. In der Analysearbeit untersuchte ich mit meiner Gruppe das Sommerhaus von Alvar Aalto in Muuratsolo. Dort wurde mir klar, wie schwierig es ist, Tektonik zu definieren. Das Fügen der verschiedenen Materialien in der Fassade brachte uns aber auf eine Spur. Besonders die Übergänge von der Fassade zum Innenhof waren aufwendig inszeniert. Im Innenraum wurde eine Galerie an die Steildachkonstruktion gehängt und so speziell hervorgehoben. Die Entwurfsarbeit welche darauf folgte, stellte mich vor ähnliche Probleme wie Aalto sie hatte. Nachdem ich eine räumlich ansprechende Form gefunden hatte, konzentrierte ich mich auf das Fügen der Bauteile. Ich experimentierte mit unterschiedlichen Konstruktionsmöglichkeiten und Materialien. Da mein Hof eine Art von Atrium war, kam ich auf einen Säulengang, den ich aus Betonstützen bildete. Nach dem Prüfen einiger Raster entschied ich mich für einen feinen, da dieser flexibler war. Den Raum zwischen den Stützen füllte ich mit Fenster und Wänden, damit ich Raum bilden konnte. Die Stützen treten deshalb als Lisenen in den Raum. Damit die Stützen nicht kippen können, erstellte ich ein Band in der Form eines Sturzes, welche alle Stützen verbindet. Auf den Stützen liegen Betonbalken auf. Diese bilden mit den Stützen zusammen eine Art Rahmen. Es war für mich nicht einfach, dass dieses

Gebilde auch konstruktiv funktioniert. Auf diesem Rahmen liegt schlussendlich eine Balkenkonstruktion, die mein Dach trägt. Somit ist mein Raum vollständig geschlossen. Der Hof hingegen öffnet sich zum Himmel. Durch das Steildach ist der Innenraum auf einer Seite doppelgeschossig und auf der anderen Seite eingeschossig, was eine ganz spezielle Stimmung erzeugt. Fühlt sich der Beobachter im niedrigen Bereich geborgen, so ist er im hohen Bereich erstaunt über die Grösse des Raumes. Dieser Effekt wird noch unterstrichen, indem ein Cheminée beim niedrigen Teil für zusätzliche Geborgenheit sorgt. Im höheren Teil des Raumes befindet sich eine Galerie, welche die Doppelgeschossigkeit unterstreicht.


Kägi Pascal, Parzellennummer 78 Was ist Tektonik? Wie zeigt sie sich in der Architektur. Für mich beschreibt die Tektonik das Fügen von Bauteilen und die optische Abtragung von Lasten. Aus diesem Grund wollte ich dieses Fügen und Abtragen auch in der Fassade meines Wohnhauses zeigen. In mehreren Prozessschritten und Entwicklungsstufen entwarf ich eine von der Renaissance inspirierte Struktur mit einem Sockel, Pilastern und Gebälk. Zudem versuchte ich die Qualität der Räume hinter der Fassade auch nach aussen sichbar zu gestalten, indem ich die Pilaster im Erdgeschoss dorisch gestaltete, im Obergeschoss ionisch und zuoberst im Dachgeschoss korinthisch. Von unten nach oben wurden die Pilaster edler, genau wie die Räume dahinter. Mit der Zeit entwickelte ich meinen Entwurf weiter und baute auf dieser Pilasterstruktur auf. Natürlich konnte ich im Avola des 21. Jahrhunderts keinen Renaissancepalast errichten und vereinfachte die typischen Stilelemente und abstrahierte nach und nach die alten Verzierungen. Doch obwohl die äussere Erscheinung meines Projektes immer weniger den anfänglichen Entwürfen glich, blieben die Grundstruktur und ordnungsgebenden Ideen dahinter erhalten. Man kann es nicht wirklich in Worte fassen, man spürt einfach eine gewisse Richtigkeit im Ausdruck. Besondere Freude empfand ich vor allem gegen Ende meines Entwurfprozesses, als es darum ging, den Hauptraum mit der Galerie und der Bibliothek präziser zu formulieren. Aus diesem Grunde analysierte ich

die Stiftsbibliothek von St. Gallen und beschäftigte mich daneben intensiv mit Metallarbeiten wie Geländer und Konsolen. Das Ergebnis ist ein zweigeschossiger Wohnraum, welcher sich über eine Voute nach oben verengt. Diese formale Bewegung wird von einem Staketengeländer aufgenommen und weiter bis an die darüberliegende Holzdecke geführt. Auf der Voute befindet sich eine Galerie mit einer Bücherablage auf dem Geländer in angenehmer Lesehöhe. Dahinter folgt die Bibliothek mit rundum laufenden Büchergestellen, welche sich bis in die Fensterleibung und über deren Sturz erstreckt. Diese beiden übereinander gefügten Räume, Wohnraum und Bibliothek, sind einerseits durch die Voute von einander getrennt, bilden aber durch das geschwungene, filigrane Geländer optisch wiederum einen gemeinsamen Raum. Die Bibliothek wird zur Krone des Wohnraumes. Abschliessend kann ich sagen, dieses Semester hat mir ganz neue Perspektiven der Architektur gezeigt und mich sehr vieles gelernt. Seit diesem Semester betrachte ich die mich umgebende Architektur mit ganz anderen Augen. Ich verstehe, oder glaube zu verstehen, was hinter den Fassaden gedacht wurde und wieso gewisse Elemente genau so gefügt wurden. Für mich war dieses Semester ein persönlicher Gewinn.


Civale Lorella, Parzellennummer 79 In diesem Semester habe ich vieles über Architektur gelernt - das Fügen von einzelnen Elementen war dabei ein wichtiger Teil der Arbeit. Am Anfang des Semesters war das Thema ‚Hofhaus’ für mich wie eine Repetition des ersten Jahreskurses. Doch schnell habe ich gemerkt, dass es kein leichtes Thema ist, obwohl wir uns damit ja schon intensiv befasst haben. Mir wurde auch bewusst, dass sich zwar immer wieder die gleichen Probleme stellen, aber vor allem dann auch neue, unbekannte Probleme, die sich nicht immer gleich gut und schnell lösen lassen. Da das Thema dieses Semesters die Tektonik war, musste der Entwurf des Hofhauses im wesentlichen in wenigen Wochen abgeschlossen sein, um sich dann mit dem Kernthema befassen zu können. Einerseits fand ich es gut, dass man sich nur mit dem Hauptraum des Entwurfes befassen sollte, und das schwierige Thema nicht auf das gesamte Gebäude anwenden musste. Doch fand ich es andererseits schade, die Vertiefung des Themas nur auf den Hauptraum zu begrenzen. Das fiel mir schwer, da ich nicht genau wusste, wo ich beginnen soll und wo aufhören. Das Raumkonzept war zwar da, doch war es noch nicht auf das Beste ausgereift. Obwohl es eine riesige Arbeit war, parallel den Entwurf und die tektonische Ausgestaltung der Räume zu bearbeiten, habe ich diesen Ansatz sehr spannend gefunden. Dabei konnte ich lernen, den Entwurf des Hofhauses auf eine neue Weise zu betrachten. Der Hausentwurf stand nicht mehr im Mittelpunkt der Bearbeitung, sondern die Bauweise und die Konstrukti-

on beschäftigten uns daneben intensiv während dem ganzen Semester. Ich habe mich intensiv in die Probleme der Konstruktion meiner Räume vertieft, und dabei vieles, was mich interessierte, in Büchern nachgeschaut und gefunden (wie z.B. Hourdisdecken und Zweischalenmauerwerke in Italien). Das alles, wird mir in Zukunft viel helfen. Ich habe versucht, wo möglich, die Bauweise Süditaliens in mein Projekt einfliessen zu lassen. Ich denke, das habe ich gut hinbekommen. Da nicht nur wir Studenten, sondern auch die Dozenten, Avola, unseren Entwurfsort, nicht wirklich gut kannten, entstanden während den Tischkritiken oft Diskussionen, die auf eine gute Weise ausdiskutiert wurden, und wo niemand behaupten konnte, dass er recht hat oder genau weiss, wie sich die Sache verhält. Jeder hat sich dann die folgende Woche damit befasst und möglichst viel recherchiert, um dann in der nächsten Besprechung zu zeigen, was die Nachforschung ergeben hat wie die Probleme zu lösen sind. Die Arbeit im Semester war ein fortlaufender Prozess. Alle Dozenten und Studenten konnten voneinander sehr viel lernen. Das habe ich eine gute Sache gefunden. Das ganze dritte Semester habe ich im Grossen und Ganzen als sehr spannend empfunden, ich habe sehr viel gelernt und ich freue mich auf das vierte Semester, um dann in einem weiteren Projekt meine Erfahrungen ausleben zu können.


Martina Keller, Parzellennummer 80, Ecke Ein Hofhaus in Avola, Sizilien zu entwerfen und dabei den Fokus auf die Tektonik zu legen, war eine sehr komplexe Aufgabe. Im Verlauf des Semesters habe ich einige Erkenntnisse gesammelt und versucht, diese in meinen Entwurf einzubinden. Die Fassadenkonstruktion meines Projektes besteht aus einem Zweischalenmauerwerk. Aussen sorgt ein sichtbarer, beiger Klinker mit hellen Fugen für einen südländischen Ausdruck und innen lässt das verputzte Backsteinmauerwerk die Möglichkeit offen, den Ausdruck des Raumes mit Sockel und Decke zu definieren. Die Fassadenabschlüsse bestehen vorwiegend aus quergelegten Steinen. Wo dies konstruktiv nicht möglich gewesen ist oder wo das Fügen sichtbarer Teile meinen ästhetischen Ansprüchen nicht genügt hätte, habe ich mit Klinker verblendete Betonelemente verwendet. Tektonik bedeutet dabei nicht „Ehrlichkeit“, da die tragenden Elemente, wie zum Beispiel die Betonfensterstürze, unsichtbar sind. Den Sockel hingegen habe ich gezeigt wie er ist: Aus eingefärbtem Sichtbeton als Schutz gegen das aufsteigende Wasser. Das Geländer bei den raumhohen Fenstern im Obergeschoss sowie der Blickschutz beim Bad bestehen aus Fassadenklinker, bei dem jeder zweite Stein weggelassen ist. Somit ist der Blickschutz bei gleichzeitigem Lichteinlass gewährleistet. Zu Beginn hatte ich aussen ein verputztes BN-Mauerwerk mit Leibungen, Stürzen und Fensterbänken aus vorfabrizierten Betonelementen. Horizontale Friese gliederten die Fassade. Nach etlichen gestalterischen Versuchen habe ich erkannt, dass ich diese nicht brau-

Strassenfassade

che wenn ich anstatt des verputzen Mauerwerkes ein Sichtmauerwerk verwende. Die gesamte Konstruktion ist nun viel einfacher, in gewisser Weise sogar „ehrlicher“ und auch ökonomischer. Die Zwischendecken und das Dach bestehen aus einem Hourdis-System: Die primäre Tragfunktion übernehmen sichtbare, vorfabrizierte, eingefärbte Betonträger, welche zur Kräfteverteilung auf einem im Innern sichtbaren Betonkranz liegen. Dazwischen sind verputzte Tonelemente gehängt, welche mit einer dünnen Betonschicht miteinander verbunden sind. Bei der Decke wird nichts vertuscht, sondern alles gezeigt. Man kann mit einem Blick nach oben die gesamte Konstruktion erfassen. Die Pergola im oberen Bereich des Hofes besteht aus einem vorgefertigten Betonelement auf einem Betonkranz. An der Schlusskritik wurde bemängelt, dass der gestalterische Ausdruck mit der Konzeption, bzw. der Tektonik des Hauses wenig zu tun hat. Dieser Kritik gebe ich Recht, ich hätte mit einzelnen Betonbalken arbeiten sollen, damit die Fügung und die Kräfteverteilung sichtbar gewesen wäre. Als Bodenbelag habe ich innen und aussen einen hellbeigen Travertin gewählt. Im Innenbereich sind die Fugen gleichfarbig, im Aussenbereich offen, damit das Regenwasser ablaufen kann. Innen wird der Travertin seitlich auf eine Höhe von 40 cm hochgezogen, wodurch ein überhoher Sockel entsteht. Er bereichert den Raum aufgrund einer gut proportionierten Unterteilung der eher hohen Räume.

Schnitt A-A


Nyfeler Markus, Parzellennummer 81 Was ist Tektonik? Was bedeutet „die Fügung der Teile“? Diese Fragen beschäftigten uns das gesamte Semester. Schon zu Beginn war die Tektonik massgebend. Zwar nicht im Zusammenhang mit der Konstruktion und der Fügung der einzelnen Bauteile, sondern vielmehr beim Fügen der Räume. Es war ungewohnt, den Entwurf mit einzelnen Räumen zu beginnen und nicht mit dem Bauvolumen. Doch im Nachhinein ergibt es Sinn, denn die Räume und deren Qualität sollten im Vordergrund stehen und nicht der Gesamteindruck von aussen, obwohl dieser auch entscheidend ist für das Projekt. Schon früh im Semester beschäftigte ich mich mit der Konstruktion und dem Lösen der Details. Dies ist zwar nichts Neues für einen gelernten Hochbauzeichner, doch neu war die Herangehensweise. Die Details sollten nicht nur nach den Regeln der Baukunst funktionieren, sondern vielmehr in ihrem tektonischen Ausdruck zur Raumatmosphäre beitragen. Dadurch wurde jedes einzelne Element und jede einzelne Fuge nicht einfach nur gezeichnet sondern genauestens hinterfragt. Diese, für mich neue, Herangehensweise an Details prägte mein Projekt ungemein. Ich wollte auch nicht bekannte 0815 Details verwenden, sondern versuchte, massgeschneiderte Lösungen zu suchen, welche den tektonischen Ausdruck und damit die Qualität des Projektes untermauern. So verwendete ich zum Beispiel keine herkömmliche Flachdecke, obwohl dies wahrscheinlich die einfachste Lösung gewesen wäre, sondern setzte auf eine

gerichtete Rippendecke. Ich musste feststellen, dass die Deckenkonstruktion enorm zur Raumatmosphäre beiträgt und oftmals unterschätzt wird. Ich versuchte zudem, das Potential der Bauteile auszunützen und durch konstruktive Überlegungen den architektonischen Ausdruck zu stärken. Deshalb sind beispielsweise die Sturzelemente der Fenster nicht einfach bündig auf den Backstein aufgelegt, sondern in einer tieferen Ebene in die Mauer eingeführt. Dadurch wird nicht nur die Fuge geschützt, sondern auch die Fassade gegliedert. Ich denke, man kann keine pauschalen Antworten auf die zu Beginn gestellten Fragen geben. Jedoch habe ich in diesem Semester gelernt, was Tektonik alles sein kann und wie ich durch sie meinen Entwurf stärken kann.

dachaufbau Schmutzschicht kies 6cm polymerbitumendichtungsbahn 2-lagig vollfächig verklebt Wärmedämmung eps 16cm im gefälle ortbeton 7.5cm bretterschalung eiche 25/150 fertigbetonträger 14x 16cm sichtbeton

wandaufbau klinkermauerwerk 2-lagig 25cm drainageschicht steinwolle 16cm modulbackstein 12cm grundputz 1cm abrieb 0.5cm gestrichen

bodenaufbau terrazzo 2cm zementestrich 10cm bodenheizung pe-trennlage wärmedämmung pur 12cm trittschall 2cm feuchtigkeitssperre bodenplatte 25cm magerbeton 5cm

bodenaufbau hof klinkersteine 12cm fugen gesandet splitt 4cm gerällschicht 30cm


Seline Grüter, Parzellennummer 83 Tektonik war anfangs für mich sehr schwierig fassbar. Es ist ein sehr breit gelagertes Thema und auf viele verschiedene Arten zu verstehen. Zu Beginn meines Entwurfes habe ich mir ein Raster, sozusagen ein konstruktives System, überlegt. Vier tragende Schotten, welche senkrecht zu der Strassenfassade platziert sind. Dies gab mir eine Hilfestellung, um die Räume in eine gewisse Struktur zu bringen. Die darüber aufgelagerten Rippendecken ermöglichten mir, die restlichen Wände frei zu positionieren. Ich habe versucht das Fügen der Bauteile auf eine selbstverständliche Weise zu zeigen. Die verputzte tragende Schicht aus einem Einsteinmauerwerk worauf ein sichtbarer Rippenkranz liegt, zeigt klar das Fügen der Decke zur Wand. Der Kranz steht einige Zentimeter über die Wand hinaus, sodass das Fügen erleichtert wird und ein solider Abschluss für den Putz gewährleistet ist. Aussen dient der Versatz als Schiene für den Sonnenschutz. Die nicht tragenden Wände - also die parallel zur Strasse liegenden Wände - bestehen aus einem an-

deren Material. Dies zeigt klar, welche Wände tragen und welche nicht. Dies wurde an meiner Schlusskritik hitzig diskutiert, denn für den Raum sei diese Information nicht wichtig. Fühlt man sich wirklich wohl in einem „zweigeteilten“ Raum oder löst er sich so eher auf? Für mich war dies ein wichtiger Aspekt der Tektonik meines Projektes, jedoch soll dieser sich nicht negativ auf die Räume selber auswirken. Ich habe mich während dieser Entwurfszeit ein wenig in der Regelhaftigkeit meiner Struktur verloren. Es war schwierig die Räume sinnvoll darin anzuordnen und es stellte sich die Frage, wie stark ich die tragenden Schotten öffnen kann und deren Erkennbarkeit dennoch zu erhalten. Schlussendlich habe ich, trotzdem ich nicht ganz zufrieden bin mit meinem Projekt, sehr viel gelernt und werde die Entwurfsarbeit im nächsten Semester anders beginnen. Wichtig war für mich die Reise nach Sizilien. Sie hat mir Klarheit verschafft. Es scheint mir wichtig, zukünftig schon von Anfang an mehr vom Kontext in den Entwurf einzubeziehen.


Gautschi Nathalie, Parzellennummer 84 Nach einem Semester intensiver Arbeit und Forschung über die Tektonik wurde mir bewusst, dass mit diesem Begriff nicht nur die Konstruktion eines Gebäudes gemeint ist. Vielmehr geht es um die symbolische aber klar aufgebaute Erscheinung. Dabei muss die Vorstellung der Konstruktion mit dem tatsächlichen konstruktiven Aufbau nicht zwingend übereinstimmen, darf aber gezeigt werden. In meinem Entwurf wird der Grundriss stark durch die Organisation des Gebäudes strukturiert. Im Erdgeschoss befinden sich zwei Gebäudetrakte, welche im Obergeschoss mit einer Loggia verbunden werden. Ferner öffnet sich im Erdgeschoss ein Hof, der einen zweiten Aussenraum bildet. Gängige, unveredelte Baumaterialien, wie Beton, Backsteine und Holz, werden spannungsvoll zueinander in Beziehung gesetzt. Das Gebäude steht auf einem Sockel dessen tragende Wirkung betont werden soll. Als Gegenspiel erscheint ein feines Dachfries, welches das Gebäude fassen soll. Sockel und Fries sind die primären Elemente der Fassadengliederung. Hinzu kommen Konsolen, die den Dachbereich einfassen und das Gefühl vermitteln, das Dach zu tragen. Konsolen kommen aus demselben Grund auch unter den Balkonen zum Vorschein, wodurch die Fassade noch stärker gegliedert wird. Im Innern werden die Räume nicht nur durch Ihre Lage zueinander geordnet. Ein Betonring umrahmt jeden Raum sorgfältig und lässt so eine Kontinuität zwischen den Räumen entstehen. So findet die äussere Fassade auch im Innern eine Entsprechung. Die Tektonik kommt in meinem Projekt symbolisch

zum Vorschein, lässt aber auch die Konstruktion wahrnehmen. Dieses Zusammenspiel war wichtig. Tektonik nur als eine Erscheinung darzustellen, die von der tatsächlichen Konstruktion völlig losgelöst und in diesem Sinne „unwahr“ ist, lässt für mich Zweifel entstehen über die Offenheit und Wahrhaftigkeit eines Projektes. Viel spannender ist es doch, die Tektonik so zu offenbaren, dass sie den Tatsachen entspricht oder diese vielleicht überhöht zum Vorschein bringt. Im Wesentlichen geht es also nicht nur darum, ein Gebäude zu entkleiden, um dessen Struktur sichtbar zu machen, sondern vielmehr sich auf die Elemente der Architektur selbst zu beziehen.


Wohnhaus in Avola, Sizilien

Schlusskritik - HS13 ARB12 Student: Patrik Hilber Begleitende Dozenten: Nicole Deiss, Christian Dill Abgabe: 06. Januar 2014

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Wohnhaus in Avola, Sizilien

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Schlusskritik - HS13 ARB12 Student: Patrik Hilber

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Rohbaukonstruktion

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Innenhof


Patrik Hilber, Parzellennummer 86 Das Objekt besteht aus zwei Gebäudeteilen, die parallel zur Strasse liegen. Vom Gebäudeteil an der Strasse gelangt man ins Hinterhaus. Das Haus besteht aus einer inneren und einer äusseren Konstruktion. Die vorfabrizierten Betondeckenelemente verlaufen Parallel zur Strasse. Rechtwinklig dazu stehen massive Wandscheiben, auf denen die Deckenelemente mit einem Sturzelement aufgelagert sind. Die Fassadenkonstruktion wird unabhängig davon selbsttragend mittels vorfabrizierter Betonelemente aufgebaut. Auf vier Stützen pro Fassade sind die Sturzelemente und die Dachrinnen aufgelagert. Zu Beginn des Semesters war ich der Meinung, ‚Tektonik’ bedeute das Sichtbarmachen der Konstruktion in dem Sinne, dass der Verlauf der Kräfte ersichtlich werden soll. Meiner Ansicht nach, war der Begriff Tektonik Anfangs auch für viele Dozenten schwierig zu verstehen. Im Verlauf des Semesters wurde die Frage der Tektonik aber immer mehr geklärt. Es stellt die Fügung der Teile dar; Wände, Fassaden, Öffnungen, Decken und Böden sollen ein logisches Relief erhalten – und zwar

nicht zwingend einfach durch Vor- und Rücksprünge der Fläche, sondern zum Beispiel auch durch einen Materialwechsel. Die Tektonik soll die Idee der Raumgestaltung, des Konzeptes, der Übergänge unterstützen, sie aber nicht bestimmen. genden Teile“ erklärt es für mich am besten. Tektonik kann auch eine Geschichte erzählen wenn sie logisch nachvollziehbar ist. Doch so schwierig dies zu erklären und zu verstehen ist, so schwierig ist es auch für mich, Die Tektonik wird vor allem durch die Geschichte der Architektur erklärt. Als Student im dritten Semester ist man diesbezüglich natürlich noch nicht sehr weit fortgeschritten...

hat meiner Meinung nach sehr viel zu meinem eigenen Wahrnehmen der Struktur am Bau beigetragen. Ich eine gute Methode ist, die Studierenden zu sensibilisieren.

Innenhof

Schnitt A - 1:20

Schlusskritik - HS13 ARB12, Patrik Hilber

Schnitt C - 1:50

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Schnitt B - 1:50

Strassenfassade - 1:50

Schlusskritik - HS13 ARB12, Patrik Hilber

Situation

Übersicht - 1:200

Rohbaukonstruktion


EG

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Schmidli Jonas, Parzellennummer 87 Für mich war es sehr schwer den Begriff der Tektonik richtig einzuordnen. Auf dem Weg ins 3. Semester bin ich ihm zwar einige Male begegnet, das ich ihn in den ersten beiden Semestern in meinem Entwurfsprozess aber wirklich ernst genommen und benutzt habe, glaube ich nicht. Auch in unserer diesjährigen Entwurfsarbeit, dem Wohnhaus in Avola, war es für mich zu Beginn schwer, mein Projekt mit der Tektonik in Verbindung zu bringen. Ich war sehr lange damit beschäftigt ein gutes Grundkonzept und einen Grundriss zu erarbeiten. Dadurch blieb mir relativ wenig Zeit, mit meinem Dozententeam über die Tektonik meines Projektes zu sprechen. Trotzdem glaube ich, ich habe einiges zum Begriff Tektonik in diesem Jahr lernen können. Speziell auf unserer Studienreise in Sizilien konnte ich profitieren. Ich denke dass diese praktisch orientierten Ausflüge uns Studenten sehr viel bringen. Auch für die Weiterführung im Entwurf konnte ich durch die Erfahrung, welche wir in Sizilien zum Thema Tektonik gemacht haben, viel mitnehmen.

Ich habe durch dieses Semester gelernt, dass der Übergang von Bauteilen, zum Bespiel der Übergang von Wand zu Decke, ein räumlich wichtiges Element ist. Dass ein Gebäude nicht immer aus verputzten Wänden, welche in eine verputzte Flachdecke laufen und darauf noch irgendwie Sparren liegen, bestehen muss.

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Wohnen

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Küche

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Atelier / Gast

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Schnitt B

Schnitt C

Ansicht Hof

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ung AVOLA - ARB12 - 1:500


N


Simone Flühmann, Parzellennummer 89 Die Schwerpunkte meines Projektes sind die offene Struktur und die Einfachheit des Grundrisses. Diese orientieren sich an der Aussicht mit Blick auf das Meer und sollen auch dem entsprechen, was man vielleicht als „natürliche italienische Art“ bezeichnen könnte. Dabei verknüpfen sich öffentliche, gemeinschaftliche und persönliche Räume in der Horizontalen und Vertikalen über transparente Raumschichten und als Filter gedachte Gebäudestrukturen. Durch Martin Tschanz, unseren ArchitekturgeschichteDozent, war mir das Thema Tektonik schon vertraut. Er hatte uns diese im ersten Semester am Beispiel griechischer Tempel erklärt, an welchen das „Fügen von Bauteilen zu einem Ganzen“ gut ersichtlich ist. Dieses Konzept eines architektonischen Ausdrucks von tragenden und lastenden Elementen versuchte ich in der Folge in meinen Entwurf zu übertragen. Anfangs experimentierte ich mit einer Schottenstruktur, welche die Länge meines Riegels gliederte. Aussen fungierte eine Brise-Soleil als Schattenspender. Mit der Zeit entwickelte sich diese von einem engmaschigen massiven Netz zu einer offenen Struktur, die gleichzeitig Aussenraum und Sonnenschutz ist. Ein wichtiger Wendepunkt war meine Entscheidung, das innenliegende Tragwerk und die äussere Struktur der Brise-Soleil auf ein Element zu reduzieren. Dieses wurde zur lastabtragenden Element für das ganze Haus und

setzt sich aus präfabrizierten und vor Ort betonierten Elementen zusammen. Der Gedanke dabei war, durch ein Zusammensetzen von Bauteilen ein tektonisch gefügtes Ganzes zu erreichen. Mittels zeitgenössischer Bautechnologien lagern die Deckenträger auf der Fassade. Der Auflageknoten über der Dämmschicht und die präfabrizierten Deckenelemente zeigen dem Betrachter die Zusammensetzung des Gebäudes. Allerdings fehlte mir dadurch im Innern eine Strukturierung der Glasfassade. Meine Idee war, mittels Holzpfosten, die an den Fenstern angebracht werden, das Tragwerk auch Innen abzubilden. Sie wurde an der Schlusskritik jedoch als zu massiv und konstruktiv unnötig empfunden. Das offene Raumkonzept des Gebäudes verlangte nach einer filigranen und von der Raumstruktur unabhängigen Statik. Der zu Beginn des Entwurfs entstandene freie Grundriss wird über die rhythmisierte Fassade und die strukturierte Decke gegliedert und definiert. Die tiefe Fassade vermittelt über die filigrane Fensterschicht das äussere Gefüge in den Innenraum. Tragstruktur und Raumstruktur stehen so physisch nebeneinander, definieren sich aber gegenseitig präzise.


Michaela Gaudenz, Parzellennummer 90 Bei meinem Projekt sollen vor allem der Bezug zum Hof sowie die Betonung der Eckräume klar erkenntlich sein. Die dazwischenliegenden Räume, welche direkten Bezug zum Hof haben, sollen sich auch baulich von den Eckräumen unterscheiden. Um dieses räumliche Konzept zu unterstützen, soll die Fügung der Teile möglichst sorgfältig formuliert werden und müssen die den Raum prägenden Elemente bezüglich Dimension und Materialisierung sinngemäss unterscheiden; dies führt dazu, dass Mauerstärke, Raumproportionen, Deckensysteme etc. variieren. Zudem soll jedes dieser Elemente nebst seiner funktionalen auch eine gestalterische Bedeutung haben. Die Wände sollen Massivität zeigen und vor Wärme und Kälte schützen. Die Eckräume des Hauses sollen von möglichst dicken Mauern umschlossen sein. Die Zwischenräume werden anders gewichtet als die Eckräume. Daher haben deren Mauern eine geringere Stärke und bilden somit einen kleinen Rücksprung. Die Decken in den Eckräumen sollen allseitig auf den Wänden auflagern und als ungerichtet wahrgenommen werden, während die Decken in den Zwischenräumen sich zum Hof hin öffnen. Zusätzlich sollen die Decken im Erdgeschoss mehr Massivität aufweisen als diejenigen im Obergeschoss. Dementsprechend wählte ich für die Überspannung der Zwischenräume im Erdgeschoss ein Backsteingewölbe und im Obergeschoss eine Holzbalkendecke. Die Eckräume im Erdgeschoss sind mit einer Betondecke, im Obergeschoss mit einer Holz-Kassettendecke überspannt.

Die sichtbaren Auflager sollen den Kräfteabtrag zeigen und gleichzeitig einen Wandabschluss bilden. Bei der Hoffassade bildet das Fundament eine Art Betonkranz, auf welchem die Fassade steht. Über dem Terrain zeichnet es sich als Sockel ab. Im Erdgeschoss ist die Fassade allseitig von jeweils drei Öffnungen durchbrochen. Ein Betonkranz dient als Sturz über den Öffnungen und bildet den Übergang zum Obergeschoss. Die Fenster stehen auf dem Betonkranz. Sie sind als Ädikula formuliert. Ein Gesims bildet den oberen Abschluss der Fassade; es trägt gleichzeitig die Regenrinne. Die Strassenfassade steht auf einem Sockel, der auch dazu dient, das Gefälle auszugleichen. Im Bereich des Hofes springt die Fassade zurück. Im Bereich der Eckräume ist die Fassade leicht überhöht. Dort wo sich die Haupträume befinden, stehen die Fenster vor, den Fassadenabschluss bildet ein Gesims.


Ende DOKU Idee und Ausf端hrung: Die Dozenten und Studierenden des Studiengangs ARB 12 Herausgeber:

Die Studierenden haben das Wort  

Fragen der Tektonik am Beispiel von Avola. Studiengang ARB 12, Herbstsemester 2013/14.

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