Page 1

Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen

reihe ... Vortragsreihe ... Vor Studiengang Architektur 2009 bis 2012

carte blanche 25


Mit dieser Ausgabe von carte blanche wird die Dokumentation der Vortragsreihe am Studiengang fortgesetzt, die mit carte blanche 11 begonnen wurde. Zusammen gestellt sind die Inhaltsangaben und Biographien der Referenten der Vortragsreihe des Studienganges Architektur von 2009 bis 2012. Sie stand unter dem Thema «von der Idee zum Material». Je ein Programm wurde vom Zentrum Konstruktives Entwerfen und Zentrum Urban Landscape zusammengestellt. Hubert Mäder, März 2013


Vortragsreihe Studiengang Architektur 2009 bis 2012


Gestaltung Architektur, Gestaltung Bauingenieurwesen und Bauingenieurwesen

Vortragsreihe Herbstsemester 2009/10 Zentrum Konstruktives Entwerfen Blauer Montag - jeweils 17.30 Uhr Halle 180 Tössfeldstrasse 11, Winterthur

Starke Strukturen Struktur als architektonischer Ausdruck Ueli Brauen, Architekt, Lausanne Montag, 12. Oktober 2009 Transformationen Florian Schlüter, Claudia Meixner, Architekten, Frankfurt Montag, 26. Oktober 2009 Faltwerk Manuel Bieler, Antoine Robert-Grandpierre, Laurent Saurer, Architekten, Lausanne Montag, 23. November 2009 Fliessende Raumfolgen Philipp Fischer, Architekt, Zürich Montag, 7. Dezember 2009

Herbstsemester 2009/10 Starke Strukturen Ueli Brauen Florian Schlüter, Claudia Wendt localarchitecture (Manuel Bieler, Antoine Robert-Grandpierre, Laurent Sauer) Philipp Fischer

www.archbau.zhaw.ch

Gestaltung Architektur, Gestaltung Bauingenieurwesen und Bauingenieurwesen

Vortragsreihe Frühlingssemester 2011 Zentrum Urban Landscape Blauer Montag - jeweils 17.30 Uhr Halle 180 Tössfeldstrasse 11, Winterthur

Städtebauliche Positionen – vier Exponenten Michael Koch Montag, 2. Mai 2011 Matthijs Bouw Montag, 9. Mai 2011 (Vortrag in englischer Sprache) Pier Vittorio Aureli Montag, 16. Mai 2011 (Vortrag in englischer Sprache) Urban-Think Tank Montag, 23. Mai 2011 (Vortrag in englischer Sprache)

www.archbau.zhaw.ch

2

Frühlingssemester 2011 Städtebauliche Positionen – Vier Exponenten Michael Koch, Matthijs Bouw, Pier Vittorio Aureli, Urban-Think-Tank (Hubert Klumpner)


Frühlingssemester 2007/2008 von der Idee zum Material – Modelle Matthias Noger Fabio Reinhart Felix Lehner Bazon Brock

Herbstsemester 2010/2011 von der Idee zum Material – Handwerk Richard Jussel Adrian Knüsel Bijoy Jain Andreas Hild

3


4


Herbstsemester 2011/12 Von der Idee zum Material – Bauen unter ungewohnten Verhältnissen Wolfang Fiel Ariel Huber Martin Rauch Lutz Konermann

Frühlingssemester 2012 von der Idee zum Material – Bauen unter ungewohnten Bedingungen Andres Lepik Mackenzie Stagg De Vylder, Vinck, Taillieu Raul Pantaleo

Herbstsemester 2012/13 von der Idee zum Material the making of ... Kindergarten Ithuba Bauen mit Backstein – Charles Pictet Sporthalle Esplanade, Biel (Prix Acier) Le paysage intérieur – Pierre Maillard

5


Herbstsemester 2009/10

Starke Strukturen Struktur als architektonischer Ausdruck Ueli Brauen, Architekt, Lausanne Montag, 12. Oktober 2009 Transformationen Florian Schl端ter, Claudia Meixner, Architekten, Frankfurt a.M. Montag, 26. Oktober 2009 Faltwerk Manuel Bieler, Antoine Robert-Grandpierre, Laurent Saurer Architekten, Lausanne Montag, 23. November 2009 Fliessende Raumfolgen Philipp Fischer, Architekt, Z端rich Montag, 7. Dezember 2009

6


Struktur als architektonischer Ausdruck Die Struktur in den Projekten von Brauen + Wälchli wird oft zum Protagonisten ihrer Architektur. Sie ist nicht Ausdruck einer modischen Laune oder eines narzisstischen Ingenieurtricks, sondern wird als probates Mittel zum starken Dialog mit dem Umfeld eingesetzt. In ihrer Expressivität prägt die Struktur die Identität eines Baus. Etwa beim Geschäftshaus «La Miroiterie» in Lausanne mit seiner experimentellen Luftkissen-Fassade oder beim jüngsten Werk, der Orientierungsschule in Carouge. Dort erinnert das sich nach oben verjüngende und verästelnde Tragwerk an eine Baumreihe. Ueli Brauen, *1954, Architekt und Ingenieur, betreibt seit zwanzig Jahren ein Architekturbüro mit Doris Wälchli in Lausanne. Ihre Bauten im Inund Ausland sind auf selbstverständliche Weise in der Architektur- und Ingenieurkultur verankert.

Transformationen

der Università degli Studi, Florenz (DAAD Stipendium). Seit 1987 Zeichnung und Malerei, div. Ausstellungen und Beteiligungen. 1991-95 freie Mitarbeiterin und Projektpartnerin bei Wörner+Partner, Frankfurt und freischaffende Tätigkeit. 1991-94 wissenschaftliche Mitarbeiterin für Baukonstruktion und Entwerfen Prof. G. Pfeifer, TH Darmstadt. 1995-96 Aufenthalt Villa Massimo, Rom. Seit 1997 Bürogemeinschaft Meixner Schlüter Wendt Architekten, seit 2005 Städtebaubeirat der Stadt Frankfurt. Florian Schlüter, *1959, 1980-88 Architekturstudium TH Darmstadt, Plastik am Lehrstuhl Prof. W. Grizmek. 1985-86 Studium an der Università degli Studi, Florenz (DAAD Stipendium), 198895 freier Mitarbeiter und Projektpartner bei Wörner+Partner, Frankfurt und freischaffende Tätigkeit. Seit 1988 Stahlplastik, Zeichnung, Radierung; Teilnahme an Ausstellungen. 1993-98 wissenschaftlicher Mitarbeiter für Plastisches Gestalten Prof. F. Bodini, TH Darmstadt. Seit 1997 Bürogemeinschaft Meixner Schlüter Wendt Architekten. 2001 Professur-Vertretung Universität Siegen.

Den sehr unterschiedlichen Projekten liegt eine gemeinsame Entwurfsstrategie zu Grunde: Zu den Besonderheiten von Ort und Aufgabe bzw. Funktion werden spezifische Assoziationen entwickelt. Diese Assoziationen entstehen oft aus der Beobachtung und Analyse bestehender alltäglicher Dinge bzw. Anordnung von Dingen. Dies können stadträumliche Situationen, möblierte Innenräume, gefüllte Kisten, Gegenstände etc. sein. Diese selbstverständlich entstandenen räumlichen Konstellationen haben eine eigene Authentizität und bergen menschliche Erfahrung und Aktion in sich. Sie werden grafisch, plastisch und architektonisch transformiert. Aus dieser konzeptuellen Struktur ergeben sich unterschiedliche Strategien für Material und Konstruktion, sei dies der Rück- und Umbau einer Kirche, ein Wohnhaus mit mechanisch verstellbarem Vordachflügel, die radikale Transformation eines Chalets oder das neue Ordnungsamt der Stadt Frankfurt am Main.

Die provisorische Kapelle für die Diakonissengemeinschaft in St-Loup steht im Zentrum des Vortrages. Das kleine, expressiv geformte Gebäude verbindet sich auf subtile Weise mit der Landschaft. Die Holzstruktur liegt parallel zum Tal in West-Ost-Richtung, ist an beiden Enden offen und lässt viel Licht herein. Der Entwurf interpretiert das traditionelle Muster reformierter Kirchen mittels einer Serie von origamiartigen Faltwerken, die in Breite und Höhe variieren. Beim Eingang horizontal lagernd, verjüngt sich das Volumen gegen den Altar hin und streckt sich in die Vertikale. Tageslicht strömt durch die transparenten Kunststoffpaneele, die mit Stoff behängt sind, in den Raum und gibt ihm eine kontemplative Stimmung. Jede Faltung der Fassaden reflektiert das Licht anders und betont damit die Abfolge und Veränderung des Volumens.

Claudia Meixner, *1964, 1983-91 Architekturstudium TH Darmstadt, 1987-88 Studium an

Manuel Bieler, *1970, Architekt EPFL/SIA, Diplom 1996, 2002 Master in Construction Eco-

Faltwerk

7


nomy und Management, 2006 Schweizer Korrespondent der Zeitschrift A10. Seit 2002 Bürogemeinschaft localarchitecture in Lausanne. Antoine Robert-Grandpierre, *1972, Architekt EPFL/SIA, Diplom 1996. 2004 Assistent bei Thorbjörn Andersson, 2005 bei Philippe Meier, 2006 bei Jonathan Sergison & Stephen Bates, 2007-09 bei Harry Gugger, alle EPF Lausanne. Seit 2002 Bürogemeinschaft localarchitecture. Laurent Saurer, *1971, Architekt EPFL/SIA, Diplom 1998. 2008-09 Ass. Director des Workshops 15x10, Lausanne. Seit 2002 Bürogemeinschaft localarchitecture. Fliessende Raumfolgen Anhand von drei Projekten werden die verschiedenen Programmansätze erläutert, die dank unterschiedlichen Entwurfsstrategien zu Projekten mit starken Strukturen führten. Mittelschule Wil (Wettbewerb 1998): In den viergeschossigen kompakten Holzständerbau mit fliessenden Raumfolgen ist ein Körper mit komplexem Innenraumgefüge aus Sichtbeton eingeschoben. Der Betonkörper steht im Dialog zu den weichen, gestapelten Holzkuben der Nutzräume. Oberstufenzentrum Herti (Wettbewerb 2002): Cluster bestehend aus Klassenzimmern, Gruppenräumen und gemeinsamem Forum bilden aneinandergereiht und gestapelt die primäre Gebäudestruktur. Umbau des Postbetriebsgebäudes zur Universität Luzern (2005-11): Diverse Eingriffe in die bestehende Grundriss- und Schnittstruktur schaffen verschiedene geschossübergreifende Beziehungen, erlauben vielfältige Durchblicke und generieren, trotz grosser Gebäudetiefe, einen hohen Anteil an natürlich belichteten Flächen. Philipp Fischer, *1968 in Genf, Diplom am Technikum Winterthur 1992, danach für drei Semester Fachhörer an der ETHZ. Seit 1994 Büro mit Evelyn Enzmann in Zürich. Ausgeführte Projekte: Armeeausbildungszentrum Luzern, Kantonsschule Zug, Primarschule Steinmürli Dietikon, Wohnsiedlung EBG Luzern. ganzseitige Illustrationen: Innenaufnahmen Blauer Saal

8


9


Frühlingssemester 2010

von der Idee zum Material zum Thema: Modelle Vom Bau von Raumschiffen Matthias Noger, Architekt/Szenenbildner, St. Gallen Montag, 22. März 2010 Modelle, Ideen, Materialien Fabio Reinhart, Architekt, Lugano Montag, 19. April 2010 Grosser Bär und kleine Palme – Materialiät und Massstäblichkeit in der Kunst Felix Lehner, Leiter Kunstgiesserei, St. Gallen Montag, 3. Mai 2010 Das Modell als Arché der Architektur Bazon Brock, Prof. em. für Ästhetik und Kulturvermittlung, Wuppertal Montag, 17. Mai 2010

10


Vom Bau von Raumschiffen

Modelle, Ideen und Materialien

Um eine Geschichte zu erzählen, die in der Zukunft spielt, braucht es zunächst eine Vorstellung, wie sich die Gesellschaft und deren Umfeld entwickeln könnten. Dienen Raumschiffe als Fortbewegungsmittel, wohnt die Menschheit in Raumstationen und so weiter? Damit sich die Geschichte glaubhaft entfalten kann, muss dieses Zukunftsmodell im Film möglichst realistisch dargestellt werden. Natürlich werden für einen Film keine funktionierenden Raumstationen oder Raumschiffe gebaut, sondern lediglich Modelle davon. Diese reichen je nach Bedarf vom klassischen Miniaturmodell bis zur 1:1–Kulisse oder sind vollständig computergeneriert. Der ScienceFiction-Film wird so zu einem Sammelsurium von Modellen. Zusammen mit Sound- und Special-Effects entsteht so im Science-Fiction-Film die Illusion einer Zukunftswelt. Am Beispiel des Schweizer Science-FictionFilms «Cargo» von Ivan Engler berichtet Matthias Noger von seinen Erfahrungen als Szenenbildner und dem Entwerfen von Raumschiffen.

Die Art, wie meine Mutter über Personen sprach, denen man zufällig begegnet oder über Freunde, die man regelmässig trifft, ist eine perfekt geeignete Methode, um das Thema der Modelle generell anzugehen. Sie weist klar auf die problematischen Aspekte hin und bedient sich gleichzeitig des hilfreichen Schatzes persönlicher Erfahrungen. Ich fasse dies in drei Punkten zusammen, eine Klammerbemerkung vorausschickend: - Ähnlich wie jedes materielle Objekt und jede immaterielle Grösse können alle als Beispiel dienen. - Die Beispiele können sowohl positiv als auch negativ sein. - Jedes Beispiel kann sowohl gut als auch schlecht angewendet werden. Grundsätzlich stellen sich zwei Probleme: Einerseits gilt es, die Qualität der Beispiele beurteilen zu können und andererseits, sie korrekt anzuwenden. Um diese Fragen angehen zu können, muss zuerst klargestellt werden, was mit «Modell» gemeint ist, denn dieser Begriff hat sowohl im Italienischen als auch im Deutschen mehrere Bedeutungen. Im Besonderen verwendet der Architekt diesen Begriff für verschiedene, oft ganz unterschiedliche, wenn nicht sogar gegensätzliche Realitäten. Ich werde mich mit vier Bedeutungen des Begriffes befassen. Das Modell als: - Referenzbegriff für ein nachahmenswertes Beispiel (dessen Auswahl Teil der Planungs‑ arbeit ist) - Prototyp (nachzubildendes Objekt) oder Typ (zu interpretierendes Objekt) - Reproduktion in verkleinertem Massstab - theoretisches Schema für die Darstellung einer Klasse von Phänomenen. Ich werde mit dem letzten Punkt beginnen, dem theoretischen Schema, mit dem sich meines Erachtens das architektonische Phänomen am besten erklären lässt. Anschliessend werde ich andere mögliche Bedeutungen des Begriffes betrachten, wobei ich von der Erfahrung der Casa Croci ausgehe.

Matthias Noger, *1976, 1992-1997 gestalterischer Vorkurs und Hochbauzeichnerlehre in St.Gallen, 1998-2002 Architekturstudium an der ZHW Winterthur, 2002-2004 Aufbaustudiengang als Szenenbildner an der Hochschule für Fernsehen und Film München, seit 2005 als selbstständiger Architekt und Szenenbildner tätig, 2007 Gründung der Eigen GmbH zusammen mit Stefan Meile, 2003-2009 Szenenbildner des ScienceFiction-Films «Cargo» (CH, 2009, Atlantis Pictures, Regie: Ivan Engler)

Szenenaufbau für den Film «Cargo»

Fabio Reinhart, *1942, Architekt mit vierzig Jahren Berufserfahrung, die auch die Tätigkeit als Kritiker beinhaltet. Im Verlaufe des Werdeganges 11


überlagerten und beeinflussten sich Planungssowie Umbau- und Renovationsarbeiten, theoretische Betrachtungen und Lehrtätigkeit gegenseitig – ein Abenteuer im Alleingang, streckenweise in Begleitung von hervorragenden Kollegen: Bruno Reichlin (Mitinhaber des Architekturbüros während beinahe zwanzig Jahren), Aldo Rossi, Eraldo Consolascio, Luca Ortelli, Santiago Calatrava, Gabriele Geronzi, Ivo Trümpy, Luciano Crespi … und viele andere mehr. Die besten Arbeiten sind vielleicht die Casa Tonini, die Casa Cavalier Pellanda und Riva, die Restaurierung in Sornico und die nicht realisierten Restaurierungen in Rheinfelden und des Castel Grande in Bellinzona, die Darstellung von «La città analoga», die Projekte für das Teatro Carlo Felice in Genua und für den Spandauer Bahnhof, die Vorschläge für die Koch-Friedrichstrasse in Berlin und für den Königsplatz in München. Nach Professuren an der Scuola Tecnica in Lugano, an der ETH Zürich und an der Gesamthochschule Kassel, beendete er seine Unterrichtstätigkeit an der SUPSI (Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana) in Lugano am Studiengang Innenarchitektur.

Grosser Bär und kleine Palme – Materialität und Massstäblichkeit in der Kunst Das Entstehen eines Kunstwerkes ist ein schwer planbarer Prozess. Fortlaufendes Überprüfen, Tes­ten und Ändern bilden den Kern eines suchenden Arbeitsprozesses. Immer wieder tauchen dabei komplexe Problemstellungen auf, die nur durch präzises Forschen und Experimentieren mit unkonventionellen Materialanwendungen und Verarbeitungstechniken zu lösen sind. Die Skalierung von Gegenständen und Texturen führt bestenfalls zu einer beabsichtigten Verschiebung der Wahrnehmung. Letztendlich bestimmt die Frage nach der richtigen Massstäblichkeit und Materialität die Form des Kunstwerks. Anhand mehrer Beispiele wird versucht, die Bandbreite vom Handwerk bis zum High TechMaschineneinsatz in der Kunstgiesserei St.Gallen zu zeigen. Felix Lehner (*1960) gründete 1985 die Kunstgiesserei in Beinwil am See. 1994 erfolgte der Umzug in die grösseren Werkhallen im Sittertal in St.Gallen. Der Betrieb wurde seither ständig erweitert und kontinuierlich mit einer ausgesuchten Infrastruktur ausgestattet. Das Tätigkeitsgebiet der Kunstgiesserei umfasst hauptsächlich die Umsetzung und Restaurierung plastischer Kunstwerke nationaler und internationaler Künstler.

Autoritratto Architettonico Bruno Reichlin & Fabio Reinhart Selbstbildnis, Autoritratto Architettonico, 1980 Gemischte Technik auf Papier, 700 x 900 mm für die Biennale in Venedig «La presenza del passato», 1980

Felix Lehner auf dem Teddy mit Lampe von Urs Fischer

12


Das Modell als Arché der Architektur Schon namentlich ist Arché-tektur als stabilitas, als Festigkeit auf letztem Grund und somit als Letztbegründung für Menschen als den Behausten eine Grundlagendisziplin. Aber nicht ein Fels als Urgrund ist gemeint, wie er im Namen Petrus griechisch und lateinisch die Gründung der Christenheit bezeichnet, sondern die Tatsache, dass Architekten Weltmodellbildner sind. Ihre technisch-gestalterische Kunst beweist sich als Übersetzungsverhältnis des Kleinen ins Grosse, der Aufsicht in die Untersicht, von Ideen in Form, von Symbolen in materielle Realität, von Holz in Stein, von einem Massstab in andere Massstäbe. Der Inbegriff der Übersetzung als Modell ist die transzendentale Brücke von Virtualität und Realität, von Antizipation als Wirkursache und technischer Manipulation in consecutio temporum, als dem kontinuierlichen Arbeitsprozess also. Mit dem Einsatz des Werkzeugs Computer, etwa bei Frank Gehry, Zaha Hadid und den Blob-Architekten, droht nun dieser Modellbau als Grundlegung der Arché-tektur ausgelöscht zu werden, weil bei besagten Architekten die Differenz von Modell und Ausführung aufgehoben wird.

BB auf Lustfahrt

Prof. Dr. s.c. t.c. h.c. Bazon Brock, *1936 in Stolp, Pommern. Studium der Germanistik, Philosophie, Kunstgeschichte und Politikwissenschaften in Hamburg, Frankfurt, Zürich. Ausbildung und Tätigkeit als Dramaturg. Ab 1959 erste Happenings und Action Teachings. 1965-1978 Professor für nichtnormative Ästhetik an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg, 1978-1981 Professor für Gestaltungslehre an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien, 1981-2001 Professor für Ästhetik und Kulturvermittlung an der Universität Wuppertal, zuletzt Dekan des Fachbereichs Design. Heutiger Arbeitsschwerpunkt: Neuronale Ästhetik, Imaging Sciences.

13


Herbstsemester 2010/11

von der Idee zum Material zum Thema: Handwerk Holzhandwerk im digitalen Zeitalter Richard Jussel, Bereichsleiter Wohn- / Industriebau Blumer-Lehmann, Gossau Dienstag, 26. Oktober 2010 Vom goldenen Boden zum Alltag der Werkstatt Adrian Knüsel, Leiter Kurszentrum Ballenberg Montag, 1. November 2010 Dialogue and Discovery – Studio Mumbai Bijoy Jain, Architekt, Mumbai Dienstag, 23. November 2010 (Vortrag in englischer Sprache) Wie gehen Häuser? Andreas Hild, Architekt, München Montag, 29. November 2010

14


Holzhandwerk im digitalen Zeitalter Mit dem Golfclub Hasley Nine Bridges in Yeoju in Südkorea von Shigeru Ban konnte die Firma Blumer-Lehmann ein erstes Freiformprojekt realisieren. Die Herstellung komplexer Formen und Freiformflächen - von digitalen Modellen bis hin zur computergesteuerten Fertigung der einzelnen Bauteile und deren Zusammenbau - stellt höchste Anforderungen an alle Beteiligten. Richard Jussel wird in seinem Vortrag über die Realisierung des Projektes für den Golfclub in Yeoju berichten. Von der aufwendigen Produktion der 3500 Einzelteile mit knapp 500 verschiedenen Geometrien im Werk in Gossau über den Transport und den anspruchsvollen Zusammenbau vor Ort in Südkorea durch die eigenen Zimmerleute, die mit ihrem Handwerk einen entscheidenen Beitrag zur Realisierung dieses Projektes beigetragen haben. Richard Jussel (* 1960), nach einer Zimmermannslehre in Rorschach, folgten nacheinander die Ausbildung zum Gruppenleiter, Polier, Holzbautechniker und der Abschluss als Zimmermeister an der Holzfachschule in Biel. Von 1986 bis 1997 arbeitete er bei der Blumer AG in Waldstatt und seither bei Blumer-Lehmann AG in Gossau. Richard Jussel ist Leiter der Sparte Wohn- und Industriebau und Mitglied der Geschäftsleitung.

Vom goldenen Boden zum Alltag in der Werkstatt ... oder Handwerk zwischen Tradition und Innovation – Einsichten eines Praktikers Das Sprichwort «Handwerk hat goldenen Boden» wird der Realität des Arbeitsalltags und den realen Bedingungen gegenübergestellt. Ist die Rückkehr an die Werkbank die logische Folge unseres «computer aided life»? Adrian Knüsel, selbst ausgebilderter Keramiker, zeigt Arbeitsbeispiele und gibt Einblick in seine Entwicklung als Gestalter. Nach fünfzehnjähriger selbstständiger Tätigkeit wechselte er 1997 in die Vermittlungsarbeit. Die Leitung des Kurszentrums Ballenberg und die Fördertätigkeit im Rahmen des «Prix Jumelles» sind heute seine Tätigkeitsfelder. Adrian Knüsel (*1957) 1976 Matura, 1976 -77 Vorkurs Schule für Gestaltung, Luzern, 1977-80 Ausbildung zum Keramiker, B.A. unter John Colbeck an der Bath Academy of Art, England, 198182 Honorary Fellowship der Bath Academy mit Lehrauftrag, 1984 eigenes Atelier, 1989 Eidgen. Stipendium für angewandte Kunst, 1991-1997 Präsident der Arbeitsgemeinschaft Schweizer Keramiker ASK, seit 1991 Lehrauftrag an der Hochschule für Kunst und Design Luzern, seit 1997 Leitung Kurszentrum Ballenberg, Stiftungsrat und Gründungsmitglied der Fondation Jumelles zur Förderung zeitgenössischen Schaffens und Gestaltens mit traditionellen Handwerkstechniken und klassischen Werkstoffen.

Vormontage der Dachkonstruktion für den Golfclub Hasley Nine Bridges in Yeoju (www.blumer-lehmann.ch)

Teilnehmer eines Kurses auf dem Ballenberg (www.ballenbergkurse.ch)

15


Dialogue and Discovery

Wie gehen Häuser?

Auf dem Gelände seines Privathauses betreibt er (Bijoy Jain) eine Werkstatt, in der alle Holzarbeiten für seine Projekte angefertigt werden. Auch ein eigenes Bauteam hat das «Studio Mumbai». Insgesamt beschäftigt Jain etwa hundert Mitarbeiter. Viele von ihnen hat der Architekt aus Rajasthan, Orissa und anderen Bundesstaaten herangeholt, weil es vor Ort an qualifizierten Kräften mangelt. «Das Management ist eine echte Herausforderung», sagt Jain. «Die Leute kommen aus unterschiedlichen Kasten und Religionen. Hindus, Muslime, Jains. Alle haben ihre eigene Tradition, Diät, Lebensweise. Wenn ich nicht ständig da bin, sabotieren sich alle gegenseitig.» Dennoch hat der Perfektionist den Schritt nie bereut. Wenn alles in seiner Hand liegt, muss er wenigstens nicht für die Fehler anderer gerade stehen. Ungenauigkeit und Gedankenlosigkeit bei der Arbeit stören ihn am meisten. Der Mann der sich selbst als «langsamsten Architekten Indiens» bezeichnet und der mindestens drei Jahre braucht, um ein Gebäude fertig zu stellen, hadert damit, wenn andere nicht eben so sorgsam sind. (Britta Petersen in AD Architectural Digest)

Eine Frage die aus einer Kindersendung zu sein scheint, und doch so einfach gar nicht zu beantworten ist. Häuser sind komplexe technische und soziale Konstrukte mit vielen Schwierigkeit auf dem Weg ihrer Entstehung. Es braucht wesentlich mehr als nur technisches Wissen Häuser herzustellen, und auch der Architekt ist nur einer von sehr vielen die in dem Prozess der Herstellung beteiligt sind. Der Vortrag versucht anhand eines Beispiels zu erläutern, worin diese Schwierigkeiten bestehen und welche Strategien zur Realisierung eines komplexen Gebäudes notwendig sind.

Bijoy Jain, 1965, geboren in Mumbai (Indien); 1990 M. Arch. an der Washington University in St. Louis; 1989-91 Mitarbeit im Büro von Richard Meier and Partner in Los Angeles; 1996 Gründung des eigenen Büros Bijoy Jain + Ass. in Mumbai; 2005 Gründung von Studio Mumbai.

Andreas Hild, 1961, geboren in Hamburg, 1987 Studium an der ETH Zurich; 1989 Diplom an der TU München; 1992-1998 bis zum Tod von Tillmann Kaltwasser gemeinsames Büro Hild und Kaltwasser; 1996-1998 Vertretungsprofessur an der Universität Kaiserslautern; ab 1999 HildundK Architekten München in Partnerschaft mit Dionys Ottl; 1999-2001 Vertretungsprofessur an der FH München; 2000-2002 Vorsitzender des BDA Kreisverbandes München/Oberbayern; 2003-2004 Gastprofessur an der Akademie der Bildenden Künste Hamburg; 2005-2006 Professor an der TU Graz; 2005-2008 Mitglied des Gestaltungsbeirats in Bregenz; 2005-2009 Mitglied der Stadtgestaltungskommission München; seit 2008 Mitglied des Gestaltungsbeirats in Regensburg; 2008-2009 Gastprofessor an der TU Darmstadt; Gastvorträge und Gastkritiken in Porto, Nancy, Delft, Harvard GSD, Boston und Deutschland

Palmyra House Nandgaon, Indien www.studiomumbai.com

Hotel Louis, München

16


17


Frühlingssemester 2011

Städtebauliche Positionen – vier Exponenten Michael Koch, Hamburg Montag, 2. Mai 2011 Matthijs Bouw, Amsterdam Montag, 9. Mai 2011 (Vortrag in englischer Sprache) Pier Vittorio Aureli, Rotterdam Montag, 16. Mai 2011 (Vortrag in englischer Sprache) Urban-Think Tank Hubert Klumpner, Zürich Montag, 23. Mai 2011 (Vortrag in englischer Sprache)

18


Städtebauliche Positionen Die gebaute Stadt entwickelt sich aufgrund von gesellschaftlichen Konfrontationen und Aushandlungsprozessen zwischen vielfältigen Akteuren. Ökonomische Kräfte auf lokaler und globaler Ebene, politische Zielsetzungen und Opportunitäten, Planer mit ihren Ideen und Konzepten, betroffene Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlichen Lebensvorstellungen, kulturelle Eigenheiten, gesetzliche Rahmenbedingungen und Verfahren wirken auf die Raumproduktion ein. In einer demokratischen Gesellschaft befinden sich diese Kräfte in einem labilen, vorübergehenden Gleichgewicht. Unvorhersehbare gesellschaftliche Dynamiken bringen scheinbar gefestigte Konstellationen ins Wanken und führen laufend zu neuen Allianzen. Vor diesem Hintergrund stellt die Vortragsreihe eine Bandbreite unterschiedlicher städtebaulicher Positionen, Rollenbilder und Instrumente zur Diskussion. Angesichts der Rahmenbedingungen heutiger Raumproduktion sehen sich die Planer mit zwei zentralen Fragen konfrontiert: Welche Rolle übernehmen sie in den beschriebenen Aushandlungsprozessen? Mit welchen methodischen Instrumenten und Verfahren können sie sich auf letztlich nicht absehbare Entwicklungen vorbereiten? Eingeladen sind vier Exponenten, die dazu in ihrer praktischen oder akademischen Tätigkeit eigenständige Antworten erarbeitet haben. Prof. Dr. Michael Koch (*1950) ist Professor für Städtebau und Quartierplanung an der HafenCity Universität in Hamburg, Mitbegründer des Büros AGSTA in Hannover und Mitinhaber des Büros yellow z in Berlin und Zürich. Das Spektrum seiner praktischen Tätigkeit reicht von der Erarbeitung von Strategien und Konzepten für die Stadtentwicklung über städtebauliche Richtund Rahmenplanungen, Quartier- und Gestaltungsplanungen, Öffentlichkeitsarbeit, Konzeptplanungen für öffentliche Bauten und Anlagen bis zum architektonischen Entwurf. In zahlreichen Veröffentlichungen setzt er sich seit langem auch theoretisch mit städtebaulichen Themen auseinander. So vergleicht er beispielsweise als Mitverfasser von «Zwischenstadt entwerfen» un-

terschiedliche konzeptionelle Strategien für den Umgang mit dem virulenten urbanen Phänomen der «Zwischenstadt» und unterzieht klassische Planungsansätze einer kritischen Diskussion. Matthijs Bouw (*1967) ist Inhaber des Amsterdamer Büros One Architecture, welches mit seinen Bauten (z.B. Gesundheitszentrum St. Jozef in Deventer), aber auch dank einer eindrücklichen Serie städtebaulicher Projekte und Planungen bekannt geworden ist (Szenarien Randstad 2040, Masterplan für Paris / Les Halles mit OMA und XDGA, Masterpläne für Tbilisi, Gouda und Deventer, Olympische Hauptstruktur Niederlande 2028). One Architecture integriert strategisches Denken und eine eigenständige Analyse der Tiefenstruktur zeitgenössischer Planungsprozesse in seine Entwurfsarbeit. Dabei geht es nicht allein darum, ikonische Bauten oder schöne Fassaden zu entwerfen. Architektur soll vielmehr mithelfen, Kultur zu schaffen, wirtschaftlichen Mehrwert zu erzeugen, Organisationen zu verändern: Architektur soll auch politisch sein. Pier Vittorio Aureli (*1973) studierte Architektur und Städtebau am Instituto Universitario di Architettura di Venezia sowie am Berlage Institute in Rotterdam und doktorierte am Berlage Institute und an der Delft University of Technology. Mit Martino Tattara gründete er das Büro DOGMA und gewann unter anderem einen städtebaulichen Wettbewerb für die Neugründung einer Stadt mit 500000 Einwohnern in Süd-Korea. Pier Vittorio Aureli unterrichtete als Gastprofessor an der AA London, an der Columbia University, an der Delft University of Technology und an der Accademia di Architettura di Mendrisio. Am Berlage Institute ist er verantwortlich für das Forschungsprogramm Research on the City, welches sich unter anderem mit den Städten Moskau, Brasilien, Brüssel, Seoul oder Rom befasst. Aurelis Arbeiten fokussieren die Zusammenhänge zwischen architektonischer Form, politischer Theorie und der Städtebaugeschichte. Dieser Thematik widmet er sich unter anderem auch in «The Project of Autonomy: Politics and Architecture Within and Against Capitalism».

19


Alfredo Brillembourg (1961) und Hubert Klumpner (1965) sind Professoren für Architektur und Städtebau an der ETHZ und leiten zusammen die interdisziplinäre Bürogemeinschaft UrbanThink Tank (U-TT). Brillembourg und Klumpner unterrichteten vor ihrer Berufung an die EHTZ an der Columbia University und gründeten dort das Sustainable Living Urban Model Laboratory (S.L.U.M. Lab). Seit 2010 sind die Partner Mitglieder des SIA und haben nach Ihrer Ankunft in der Schweiz den Urban-Think Tank Zürich ins Leben gerufen. Zentral in ihren Arbeiten ist die partizipative Einbindung lokaler Akteure im Rahmen informaler Raumproduktionen, insbesondere auch in Entwicklungsländern. Dabei verbinden Brillembourg und Klumpner Arbeitsweisen der Architektur, Ingenieurtechnik, Umweltplanung, Landschaftsarchitektur und Kommunikationswissenschaften und entwickeln städtebauliche Lösungen, die soziale, ökologische und ästhetische Aspekte vereinen. Zu ihren wichtigsten Bauten zählen Gimnasio Vertical, Metro-Cable (Caracas), FAVA Schule für Autistische Kinder (Caracas) und das derzeit in Bau befindliche CASM (Centro de Acción Social por la Música) in Sao Paulo, Brasilien.

20


21


Herbstsemester 2011/12

von der Idee zum Material Bauen unter ungewohnten Umständen Orientalism revisited the making of ... Portrait Studio Mumbai Wolfgang Fiel, Architekt/Künstler, Wien Montag, 17. Oktober 2011 Unter ungewohnten Bedingungen – Fotografische Annäherung an Indien Ariel Huber, Architekt/Fotograf, Lausanne Montag, 31. Oktober 2011 Bauen mit Lehm Martin Rauch, Lehmbauer, Schlins Montag, 21. November 2011 Dharavi, Slum for Sale Film von Lutz Konermann Filmvorführung in Anwesenheit des Regisseurs anschliessend Diskussion Montag, 5. Dezember 2011

22


Orientalism Revisited Das 1978 unter dem Titel «Orientalismus» erschienene Buch des US-amerikanischen Literaturwissenschaftlers Edward W. Said gilt als Abrechnung mit dem vom Westen gepflegten Bild einer Gesellschaft, die bis dahin im besten Fall als exotisch, meistens aber als rückständig oder unkultiviert beschrieben worden war. Was der Sohn palästinensischer Christen mit seinem Buch angeprangert hat, war der unter dem Deckmantel wissenschaftlicher Objektivität beförderte Anspruch, die koloniale Machtordnung dauerhaft ins kollektive Bewusstsein der Betroffenen einzuschreiben. Ausgehend von den Erfahrungen bei den Vorbereitungen zur Ausstellung über das indische Kollektiv Studio Mumbai, die bis vor kurzem im Vorarlberger Architekturinstitut zu sehen war, geht der Vortrag der Frage nach, mit welchen Methoden, Übersetzungs- und Darstellungsformen die spezifischen Charakteristika eines neuen Kontexts analysiert und interpretiert werden können, ohne dabei eingefahrene Muster zu replizieren. Eine vorurteilsfreie Annäherung hängt von der Bereitschaft ab, vorhandene Unterschiede als Möglichkeit zur Initiierung eines Wissenstransfers zu begreifen, der in beide Richtungen offen ist. Wolfgang Fiel (*1973 in Alberschwende / A) studierte Architektur und Regionalplanung an der Technischen Universität Wien, Architectural Design an der Bartlett, University College London und promovierte am Planetary Collegium der Universtät von Plymouth/UK. Er ist Mitgründer von tat ort, eine in Wien ansässige Organisation für kollaborative und transdisziplinäre Arbeit und Forschung zu Fragen räumlicher Aneignung, Partizipation und politischen Handelns. Er ist unter anderem Herausgeber der Consequence Book Series und einer Monografie zum Werk von Eckhard Schulze-Fielitz mit dem Titel «Metasprache des Raums». Er unterrichtet als Senior Artist an der Universität für angewandte Kunst Wien.

Unter anderen Voraussetzungen Die Architektur in Indien folgt anderen Gesetzen als wir es uns in Europa gewohnt sind. Die Ökonomie hat in Indien ein anderes Gleichgewicht. Soziale, religiöse und historische Faktoren tragen das Ihre bei, um die Verhältnisse in der indischen Architektur für unsere Augen komplett auf den Kopf zu stellen. Eine fotografische Forschungsreise durch das Land, seine gegensätzlichen Realitäten und Architekturen. Ariel Huber (*1971 in Bern) hat an der ETH Zürich und der ETSA Barcelona Architektur studiert und diplomierte 1998 an der ETH. 19982001 Arbeit bei Daniel Libeskind und Barkow Leibinger Architekten in Berlin. Seit 2001 von Zürich aus tätig als freischaffender Fotograf in Europa und Indien, in den Bereichen Architektur, Urbane Landschaften und Kunstdokumentation. Seit 2009 wohnhaft in Lausanne. Viele Reisen nach Indien seit 2003 haben ein grosses Interesse für die Architektur und die rasante Entwicklung der Städte des Landes geweckt. Über die Jahre sind daraus zahlreiche Projekte und Zusammenarbeiten entstanden. Im Zentrum stehen die imposanten Strukturen des Bauingenieures Mahendra Raj sowie aktuelle Entwicklungen in der indischen Architektur.

Altamount Road Mumbai Foto Ariel Huber (http://photo.edit-bilder.ch/)

23


Bauen mit Lehm Durch die Neubelebung des Lehmbaus und der Verbindung mit heutiger Bautechnologie birgt der Stampflehmbau ein hohes und interessantes Entwicklungspotenzial für Unternehmer wie auch für Architekten. Das Spektrum ist breit, von der technologischen bis zur künstlerischen Umsetzung. Die Grenzen der Machbarkeit sind fliessend, immer neu zu entwickeln und individuell anzupassen an den Nutzer. Im Vortrag wird anhand verschiedener Projekte, Lehm als Baustoff vorgestellt, der kreatives Verhalten sowohl in gestalterischer wie auch in technischer Hinsicht geradezu herausfordert. Bei diesen Projekten werden die Aspekte Herstellung vor Ort und Vorfertigung ausführlich beschrieben. Es wird deutlich, wie die Architektur das Handwerk prägt und auch die Architektur durch die handwerkliche Umsetzung geprägt wird. Lehm ist ein Baustoff der unbegrenzt zur Verfügung steht, eine lange Tradition aufweist und zeitgemäss eingesetzt wieder enorm an Aktualität gewinnt. Beispielsweise beim Bau des Projektes Lehmhaus Rauch in Schlins in Kooperation mit Roger Boltshauser, war das grundlegende Leitmotiv eine schlichte Lehmhütte, angepasst an europäischen Anspruch und Lebensstandard. Martin Rauch (*1958), 1978-83 Universität für Angewandte Kunst, Wien. 1983 Preis des Bundesministeriums für Wirtschaftsförderung BMfWF. Durch zwei Jahrzehnte Forschung in Theorie und Praxis ist es gelungen, traditionelle Stampflehmtechniken zu aktualisieren und in moderne Architektur sowohl in gestalterischer, wie auch in technischer Hinsicht einzubinden. 1999 gründete er die Firma «Lehm Ton Erde Baukunst GmbH» in Schlins, mit der er sehr erfolgreich zahlreiche internationale Projekte umsetzte, 2007 dann die Firma «Erden Lehmbau», eine Kooperation von Martin Rauch und Nägelebau (www.lehmtonerde.at). Seit April 2010 ist Martin Rauch Honorary professor of the UNESCO Chair «Earthen architecture, building cultures and sustainable development».

24

Lehmbau-Workshop mit BASEhabitat in Bangladesh (www.lehmtonerde.at)

Dharvavi, Slum for sale Bombay, Indiens Tor zum Westen, hat sich neu erfunden und in Mumbai verwandelt. In eine moderne, selbstbewusste Handelsmetropole. In einen Magneten für die Hoffnungen von Arm und Reich. Stadtgrenzen und Einwohnerzahl lassen sich nur noch schätzen, bald dürfte die 20-Millionen-Schwelle überschritten sein. Schon jetzt ist mehr als die Hälfte der Bevölkerung gezwungen in Slums zu leben, in den Zwischenräumen der offiziellen Stadt. Der grösste dieser Slums heisst Dharavi. Mit seinen rund achthunderttausend Einwohnern ist es der am dichtesten besiedelten Flecken der Erde. Früher lag Dharavi weit vor den Toren der Stadt, heute befindet es sich im Herzen einer rund herum wuchernden Metropole, flankiert von Verkehrsadern und in direkter Nachbarschaft zu Mumbais neuem Finanzdistrikt. Das ehemalige Sumpfgelände hat sich in lukrativen Baugrund verwandelt – Nährboden für ehrgeizige urbanistische Visionen. Vor zehn Jahren ist der in den USA ausgebildete Architekt Mukesh Mehta nach Mumbai zurückgekehrt, um eine radikale Wende in der Slumsanierungspolitik seiner Heimatstadt einzuläuten. «Public Private Partnership» heisst die Formel, mit der er Milliardengewinne verspricht, falls eine Kahlschlagsanierung Dharavis in die Hände privater Unternehmen gelegt wird. Die Regierung ist überzeugt von seinen Argumenten. Hunderttausenden von Slumbewohnern aber droht die Vertreibung.


Lutz Konermann (*1958 in Bardenberg/Deutschland) ist Regisseur, Autor sowie Kameramann von diversen Kino- und Fernsehfilmen. Er verbrachte seine Kindheit im Rheinland, besuchte jedoch später die Deutsche Schule in Mailand. Danach absolvierte er den Studiengang für Spielfilm und Fernsehspiel an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Für seine Arbeiten wurde er mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet. Seit 1991 ist er Lehrbeauftragter an der Filmakademie Baden-Württemberg und seit 1994 leitet er den Diplomstudiengang «Szenischer Film». Seit 1992 unterrichtet Lutz Konermann im Auftrag der Stiftung für Weiterbildung Film und Audiovison FOCAL auch in der Schweiz und leitet dort u.a. als Dramaturg Stoffentwicklungsprogramme für Film und Fernsehen. Er ist Vorstandsmitglied im Verband Filmregie und Drehbuch Schweiz und Mitglied der Deutschen Filmakademie sowie der Schweizer Filmakademie. Seine jüngst fertig gestellten Projekte sind der Dokumentarfilm «Dharavi, Slum for Sale» über den größten Slum Indiens und die Tragikomödie «Der Fürsorger», frei nach der Lebensgeschichte des Schweizer Anlagebetrügers Hanspeter Streit. Lutz Konermann ist Vater einer Tochter und lebt in Zürich.

Still aus dem Film «Dharavi, Slum for Sale»

25


Frühlingssemester 2012

von der Idee zum Material Bauen unter ungewohnten Umständen Moderators of Change Andres Lepik, Berlin Graduate School of Design,
Harvard University Montag, 12. März 2012
 RURAL STUDIO: The Education of the Citizen Architect (Vortrag in englischer Sprache) Mackenzie Stagg, Auburn (USA) Montag, 26. März 2012
 About (Vortrag in englischer Sprache) De Vylder, Vinck, Taillieu, Architecten, Gent Donnerstag, 12. April 2012
 Sustainability stands for simplicity (Vortrag in englischer Sprache) Raul Pantaleo, Studio Tamassociati, Venezia Montag, 14. Mai 2012

26


Moderators of Change - Soziales Engagement in der Architektur der Gegenwart

Rural Studio - the Education of the Citizen Architect

Die zeitgenössische Architektur steht an einem entscheidenden Wendepunkt: Angesichts globaler Migrationen, explosiv wachsender MegaCities und einem ständig wachsenden Anteil der Weltbevölkerung, der in Slums und Favelas lebt, muss sich die Architektur als Disziplin der Frage nach ihrer gesellschaftlichen Relevanz stellen. Ist sie zunehmend nur für einen sehr kleinen und privilegierten Anteil der Gesellschaft tätig oder kann sie aktiv an der Verbesserung von Lebensumständen mitwirken? Eine Reihe von Architektinnen und Architekten widmet sich gegenwärtig sozial engagierten Projekten. Sowohl durch Einbeziehung der späteren Nutzer im Planungs- oder Bauprozess, aber auch durch genaue Recherche der lokalen Bedingungen und vielfach mit hohem persönlichen Einsatz realisieren sie Projekte, die sowohl eine herausragende Gestaltung als auch einen dauerhaften und vielseitigen Nutzen bieten. Sie definieren damit die Rolle des Architekten neu: von Top-down-Planern zu Moderatoren sozialen Wandels. Die Ausstellung «Small Scale, Big Change» am Museum of Modern Art in New York markierte 2010 einen wichtigen Schritt in der öffentlichen Wahrnehmung dieses Wandels.

Rural Studio ist ein sogenanntes design/buildProgramm der Auburn University of Alabama, das 1993 von Samuel Mockbee ganz bewusst als Aussenstation in einer stark von Arbeitslosigkeit und Armut geprägten Region in Newbern im Westen Alabamas angesiedelt wurde. Hier können die Studierenden praktische Erfahrungen im Bauen sammeln und gleichzeitig ein Bewusstsein für die sozialen Probleme in ihrer nächsten Umgebung entwickeln.
Mit ihren Projekten, die sie selbst entwickeln, bauen und für deren Finanzierung sie besorgt sind, leisten sie im Lauf der Ausbildung einen Beitrag an die direkte Hilfe vor Ort. Dem Beispiel von Rural Studio sind mittlerweile zahlreiche Schulen u.a. auch in Deutschland und Österreich gefolgt.

Dr. Andres Lepik (*1961) studierte Kunstgeschichte und Germanistik an den Universitäten Augsburg und München. Von 1994 an war er Kurator an der Neuen Nationalgalerie in Berlin, von 2004 bis 2007 Leiter der Architektursammlung 20. / 21. Jahrhundert an der Kunstbibliothek. Von 2007 bis 2011 arbeitete er als Curator am Department for Architecture and Design im Museum of Modern Art, New York. Zur Zeit ist er Loeb-Fellow an der Graduate School of Design der Harvard University. 
Er hat u.a. folgende Ausstellungen kuratiert: «Architekturmodelle der Renaissance» (1995), «Renzo Piano» (2000), «Mies in Berlin» (2001, in Kooperation mit MoMA), «Content/Rem Koolhaas und OMA/ AMO» (2003/4). Am Museum of Modern Art kuratierte er: «Small Scale, Big Change. New Architectures of Social Engagement» (2010/2011).

Mackenzie Stagg, geboren 1985, studierte Architektur an der Auburn University in Alabama, wo sie 2008 diplomierte. Im Laufe ihres Studiums war sie selbst Studentin im Rural Studio. Nach einigen Jahren in der Praxis, kehrte sie 2010 zu Rural Studio zurück und ist dort zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Zudem war sie beteiligt am Entwurf und Bau von zwei sogenannten 20K-Houses (Häusern für 20‘000 $) und an der Betreuung mehrerer Thesis-Projekte.

Rural Studio Newbern, Hale County (Alabama / USA) (http://apps.cadc.auburn.edu/rural-studio/Default.aspx)

27


About

Sustainability stands for simplicty

«About» lautet bislang der Titel all unserer Vorträge oder man kann es auch einen langen Vortrag nennen, der nun über Jahre dauert und jedes Mal ein bischen anders ist, wenn wir über unsere Arbeit sprechen sollen.
Wovon handelt «About»? Kann man einfach über dieses und jenes sprechen? Über das Eine und das Andere? Über viele Dinge, die nichts miteinander zu tun haben – und später dann doch. Und immer ein bischen anders, als das, was vorgängig erzählt wurde. «About» ist eine sehr herausfordernde Frage, aber gleichzeitig die Antwort auf die immer wieder gestellte Frage: «About».

Studio Tamassociati ist ein italienisches Architekturbüro in Venedig, das von Raul Pantaleo gegründet wurde und sich auf die Realisierung sozialer Projekte spezialisiert hat. In Zusammenarbeit mit Emergency, einer italienischen NichtRegierungs-Organisation, die kostenlose medizinische und chirurgische Behandlung mit hohem Standard für zivile Kriegsopfer in Krisengebieten anbietet, haben Tamassociati bereits zahlreiche Spitalbauten im Sudan, Sierra Leone, Zentralafrika und Lybien realisiert.
Tamassociati definieren ihre Arbeit in der kreativen Interaktion in den Bereichen Politik, Design und Technologie und versuchen innovative Lösungsansätze in jedem der drei Bereiche zu finden und zu verwirklichen.
Ein wichtiger Grundsatz bei ihrer Arbeit ist der der Einfachheit. Aufgrund der extremen Bedingungen in unwirtlichen Gegenden und vom Krieg gezeichneten Ländern, unter denen diese Projekte realisiert werden, muss jede Entscheidung unter dem Gesichtspunkt der Einfachheit gefällt werden, ohne dass dabei das Ziel hochwertiger medizinischer und architektonischer Standards aus den Augen verloren geht. Das Arbeiten unter solchen Bedingungen verlangt aber auch nach neuen innovativen Entwurfskriterien und grundsätzlichen Überlegungen zu ethischen Fragestellungen.

Jan de Vylder hat Jahrgang 1968, studierte Architektur an der Sint-Lucas School in Gent und arbeitete u.a. bei Stéphane Beel. 2000 eröffnete er ein Büro mit Trice Hofkens und 2008 unter seinem eigenem Namen, 2010 gemeinsam mit Inge Vinck und Jo Taillieu. Seit 2005 unterrichtet er an der Sint-Lucas School in Gent.
Inge Vinck, geboren 1973, studierte ebenfalls an der Sint-Lucas School in Gent und arbeitete ebenfalls bei Stéphane Beel. 2011 unterrichtete sie an der Ecole Superieure de Paysage de Lille und war 2011/12 Gastprofessorin an der TU Delft.
Jo Taillieu hat Jahrgang 1971 und studierte Architektur wie seine beiden Kollegen an der Sint-Lucas School in Gent und arbeitete u.a. auch im Büro von Stéphane Beel. Er unterrichtete an der TU Delft. Von 2004 bis 2009 betrieb er ein eigenes Büro und seit 2010 gemeinsam mit Jan de Vylder und Inge Vinck.

House Rotelen Berg (Foto: Filip Dujardin) (http://www.architectendvvt.com/)

28

Raul Pantaleo ist 1962 in Mailand geboren und hat am IUAV der Universität Venedig Architektur studiert und ist ausgebildeter Grafiker. Ausserdem besitzt er ein Nachdiplom in Umweltwissenschaften der Universität Padua. 
Er ist einer der Gründer von Studio Tamassociati, einem Archikekturbüro, das im Auftrag der italienischen Non-Governmental Organization Emergency des Chirurgen Gino Strada, vorwiegend soziale Projekte in Krisenregionen in Nord- und Zentralafrika realisiert.


Kinderklinik Emergency in Nyala, Darfur (Sudan)

29


Herbstsemester 2012/13

von der Idee zum Material The making of ... Kindergarten Ithuba Studierende: Cédric Bär, Philippe Bourgaux, Fabian Brockhage, Gian-Marco Deplazes, Désirée Flury, Alexandra Gamper, Stephan Jud, Rémy Landert, Viktor Maimik, Tobias Trachsler, Olivia Wyss, Benjamin Ziegler Dozenten: Beat Waeber, Daniel Meyer, Stefan Zopp et al. Montag, 15. Oktober 2012
 Bauen mit Backstein Charles Pictet, Architekt, Genève Montag, 19. November 2012 Sporthalle Esplanade (im Zusammenhang mit der Ausstellung Prix Acier) Yves Milani, GXM Architekten; Moris Monga, Deuring & Oehninger Ingenieure Montag, 26. November 2012
 Le Paysage Intérieur Dokumentarfilm von Pierre Maillard Montag, 3. Dezember 2012

30


Kindergarten Ithuba Ein Gruppe von Studierenden der ZHAW hat einen Kindergarten in Südafrika geplant, selbst Geld für die Finanzierung aufgetrieben und ihn diesen Sommer auch selbst gebaut. Der Vortrag zeigt die Entstehungsgeschichte des Projektes vom ersten Treffen mit dem Vertreter der NGO «s2arch» über die Planung bis hin zur Ausführung und Übergabe an die Benutzer.

Charles Pictet, *1963 in Genf, 1996 Diplom an der Ecole d’architecture de Genève; 1992-93 Praktikant, 1996-1997 Projektleiter bei Klaus Theo Brenner in Berlin; 1998-2001 Ausführung mehrer Projekte gemeinsam mit François Frey; 2002 Gründung des eigenen Büros Charles Pictet Architecte in Genf; 2011 Dozent Hochschule für Technik, Stuttgart; 2011-12 Gastprofessor an der Ecole polytechnique fédérale de Lausanne EPFL.

Studierende: Cédric Bär, Philippe Bourgaux, Fabian Brockhage, Gian-Marco Deplazes, Désirée Flury, Alexandra Gamper, Stephan Jud, Rémy Landert, Viktor Maimik, Tobias Trachsler, Olivia Wyss, Benjamin Ziegler Dozenten: Beat Waeber, Stefan Zopp, Daniel Meyer / Projektleiter vor Ort: Niko Nikolla, Toni Winiger sowie Peter Tschudin.

Orangerie und Pferdeställe, Vandoeuvres (www.pictet-architecte.ch)

Sporthalle Esplanade, Biel

Gruppenfoto vor dem neuen Kindergarten im Juli 2012

Bauen mit Backstein Der architektonische Ausdruck entsteht im Zusammenspiel von Grundriss, Schnitt, Ansicht und der Konstruktion, welche diese Elemente zu einer Einheit fügt. «The making of ...» geht der Frage nach, wie die einzelnen Bestandteile ihren selbstverständlichen Platz im architektonischen Ausdruck des Gebäudes finden. Thema des Vortrags ist das Bauen mit Backstein. Er ist dabei jedoch nie Ausgangspunkt für den Entwurf. Da das letztlich gewählte Material ein Mittel zum Ausdruck ist, stellt es nur eine Möglichkeit unter vielen dar.

Das Stahlbau Zentrum Schweiz hat mit dem Prix Acier 2011 drei herausragende Schweizer Stahlbauten sowie acht weitere Bauwerke mit einer Anerkennung ausgezeichnet, darunter die Sporthalle Esplanade in Biel. Der Fachjury gehörten neben anderen auch die beiden ZHAW-Dozenten Christoph Gemperle und Daniel Meyer an. Der Preis wird alle zwei Jahre für herausragende Bauwerke verliehen, bei denen der Baustoff Stahl als architektonisches Ausdrucksmittel eingesetzt wurde. Ziel ist die Förderung der Schweizer Stahlbaukompetenz und die Sensibilisierung für das technische Potenzial und die architektonische Ausdrucksstärke des Stahlbaus. Auf einem denkmalgeschützten Areal mit Werkhofcharakter in Biel steht als städtebaulicher Schwerpunkt die Sporthalle Esplanade. Das Bauwerk zeichnet sich durch eine klare Formensprache und eine schnörkellose Direktheit im konstruktiven Detail aus. Seine pragmatische städtebauliche Haltung und eine entsprechende 31


formelle Ausprägung werden in Anlehnung an den Industriebau in diesem Kontext verständlich. Im Vortrag werden Architekt und Bauingenieur die Entstehungsgeschichte des Baus aus ihrer Sicht vorstellen. (GXM Architekten, Zürich / Ingenieur: Dr. Deuring + Oehninger AG, Winterthur) Yves Milani, *1966 in Delémont, Matura Typ C in Porrentruy; 1985-92 Architekturstudium an der ETH Lausanne und Zürich, 1992 Diplom an der ETHZ, Mitarbeiter in verschiedenen Architekturbüros u.a. Roos & Schregenberger und von 1995-2000 bei Bétrix & Consolascio als projektleitender Architekt; 2001 Gründung des eigenen Architekturbüros GXM Architekten in Zürich gemeinsam mit Alexandra Gübeli, 2006-08 Entwurfs- und Diplomassistent am Lehrstuhl Christian Kerez. Moris Monga, *1982 in Como, Gymasium in Lugano, 2002-07 Bauingenieur-Studium und Diplom an der ETHZ, seit 2007 Bauingenieur und Projektleiter im Büro Deuring + Oehninger AG in Winterthur; seit 2010 Inhaber und Geschäftsführer der Agentur für Ingenieure Hess & Monga zur Beratung von akademisch ausgebildeten Ingenieuren bei der Personal- und Stellenvermittlung.

Le paysage intérieur F/d 83‘ Dokumentarfilm von Pierre Maillard, 2010 Durch die Augen von Yumiko Yamada, einer jungen, in Lausanne wohnhaften Architektin aus Japan, der der Film auf Schritt und Tritt folgt, macht der Zuschauer Bekanntschaft mit den Akteuren eines bedeutenden architektonischen Abenteuers: des Baus des Rolex Learning Centers an der EPFL. Durch Yumikos Begegnungen erfahren wir, welche architektonische und technische Glanzleistung dieses avantgardistische, vom japanischen Architekturbüro SANAA entworfene Gebäude darstellt und wie wichtig pädagogische, symbolische, finanzielle und politische Erwägungen für dieses Vorhaben waren. (Quelle: Swissfilms) 32

Pierre Maillard, *1954 in Genf, Filmemacher, Autor mehrer Langspielfilme und zahlreicher Dokumentarfilme. 2006 über Alain Tanner Sein Spezialinteresse gilt der Beziehung von Architektur und Film - zweier Künste, die sich im Raum, im Licht und der Zeit entwickeln. Er hat zahlreiche Dokumentarfilme über Architektur für das Westschweizer Fernsehen TSR realisiert. Erwähnt seien neben anderen «Les grandes manœuvres du bonheur» (1989), der sich mit dem Urbanismus von Freizeitparks beschäftigt und «Architecture, l‘exception quotidienne» (1990), der anhand zeitgenössischer Beispiele aufzeigt, wie Architektur die Lebensweise radikal verändern kann.

Film-Still aus «Le paysage intérieur»


33


Architekturvorträge am Studiengang Architektur 2001–2012 Wintersemester 2001/02 Utpal Sharma, Vasthu Shilpa Foundation, Ahmedabad: Current Projects in Gujarat and Hyderabad; Don Murphy, VMX Architects, Amsterdam: Negotiating interests in the architecture of housing; JeanClaude Ludi: FORSCHUNG und forschung im Gebiet der Architektur; Josep Parcerisa, Barcelona: Blocks on the Background Sommersemester 2002 nunatak architects, Chervaz & Vassaux: Referat zur Eröffnung der Ausstellung «Architekturpreis Beton 2001»; Egle Navickiene, Vilnius: The old City of Vilnius; Jean-Lucien Bonillo, Marseille: Eröffnungsreferat zur Ausstellung «Fernand Pouillon – architecte méditerranéen» Wintersemester 2002/03 ckert, neuere Arbeiten

Knapkiewicz & Fi-

Sommersemester 2003 Eugen Brühwiler: Alexandre Sarrasin – penser béton armé – Kreativität im konstruktiven Betonbau Wintersemester 2003/04 Axel Fickert: Bericht Japanreise; René Hochuli: Projekte und Arbeiten von Edoardo Gellner; François Renaud: Vom idealen Objekt zur vielschichtigen Verschränkung; Claude Lichtenstein: R. Buckminster Fuller – der Blick von aussen auf die Architektur; Ralph Thut: «Über den Raum-Begriff der Architektur und über die Konsequenz von Entscheidungen im Arbeitsprozess»; Sylvain Malfroy: Das photographische Panorama und die Erfahrung des Grenzenlosen Sommersemester 2004 Gion Caminada: Architektur und Geschichte; Yatin Pandya, Vasthu Shilpa Foundation, Ahmedabad: Indian Architecture – Tradition and Modernity; Luis Falcón, Barcelona: Hicat – Hyper-catalunya Wintersemester 2004/05 Peter Swinnen, Space Producers, Bruxelles: Big in Belgium; Christian Frost, London: The English Horizon – Some Thoughts on the Poetics of Architecture 34

Sommersemester 2005 Manuela Pfrunder: Neotopía – Atlas zur gerechten Verteilung der Welt; Frank Mayer, Christoph Keller: Chiesa Parrochiale a Baranzate, Milano; Christian Waldvogel: Globus Cassus; Daniel Bosshard, Meritxell Vaquer: Zwei Konzepte – ein Feld Wintersemester 2005/06 Roger Boltshauser: Rammed Earth – zwei Lehmbauprojekte; Bruno Zimmerli: Hancock Tower Boston – Schaden mit Potential; Jürg Weber: Lentos Kunstmuseum, Linz; Christian Kerez: Über die Veränderung der Entwurfsgrundlagen in der Architektur; Dieter Jüngling: Erweiterung der Graubündner Kantonalbank, Chur; Monica Studer, Christoph van den Berg: Aus dem digitalen Steinbruch Sommersemester 2006 Joseph Schwartz: Haus Forsterstrasse – ein Produkt interdisziplinärer Zusammenarbeit; Florian Nagler, München: Zwei Kirchen in Riem; Pia Durisch & Aldo Nolli: Das m.a.x.Museo, Lugano; Christoph Gantenbein: Schweizerisches Landesmuseum – eine kreative Rekonstruktion; Philippe Rahm, Paris: Unmittelbare Architektur; Regina Irman & Dieter Jordi: Inventionen – Bemerkungen zur Erfindung von Musik Wintersemester 2006/07 Topografien der Stadt: Heiri Leuthold, Geograf, Zürich: Die soziale Gliederung urbaner Räume der Gegenwart; Fred van der Kooj: Filmautor/Filmwissenschaftler, Zürich: Stadt Film; Orhan Esen, Stadtforscher, Istanbul: Transformationen am Bosporus Sommersemester 2007 Silvio Frigg: Seelenwärmer unter dem Vergrösserungsglas; Bettina Köhler: Körper.Wohnen; Kazunari Sakamoto, Hannes Rössler: Werkbundsiedlung München; Berthold Rothschild & Jasmin Grego: Blick hinter die Vorhänge; Hermann Czech: Alles ist Umbau Herbstsemester 2007/08 Marko Bakker: Heimwerken; Walter Angonese: Weiterbauen; Jean Odermatt: Zentrum – Peripherie; Anne Lacaton: Transformer – Faire plus et mieux


Frühlingssemester 2008 Adolf Krischanitz: Museum Rietberg – Umbau und Erweiterung; Frank und Patrik Riklin: Atelier für Sonderaufgaben; Yvonne Farell: Extension of the Bocconi University, Milano Herbstsemester 2008/09 Andreas Bründler: Hüllenmaterial; Rolf Mühlethaler: Stahlbauten; BIG Jakob Lange: VM Bjerget; Kopenhagen; Angel Alonso: Casa Vars; Jürg Conzett: Isambard Kingdom Brunel Frühlingssemester 2009 Gottfried Müller: Schwermut und Abenteuer des Hausbaus; Emilio Caravatti: Gewölbedächer aus Lehm; Mario Botta: Architettura et territorio; Barkow Leibinger, Lukas Weder: Honeycomb Herbstsemester 2009/10 Ueli Brauen: Struktur als architektonischer Ausdruck; Florian Schlüter, Claudia Meixner: Transformationen; localarchitecture – Manuel Bieler, Antoine-Robert Grandpierre, Laurent Saurer: Faltwerk; Philipp Fischer: Raumfolgen

Frühlingssemester 2012 Andres Lepik: Moderators of Change; Rural Studio, Mackenzie Stagg: The Education of the Citizen Architect; De Vylder, Vinck, Taillieu Architecten: About; Raul Pantaleo: Sustainability stands for simplicity Herbstsemester 2012/13 Studierende: Cédric Bär, Philippe Bourgaux, Fabian Brockhage, Gian-Marco Deplazes, Désirée Flury, Alexandra Gamper, Stephan Jud, Rémy Landert, Viktor Maimik, Tobias Trachsler, Olivia Wyss, Benjamin Ziegler / Dozenten: Beat Waeber, Daniel Meyer, Stefan Zopp et al: Kindergarten Ithuba; Charles Pictet: Bauen mit Backstein; Yves Milani, GXM Architekten / Moris Monga, Deuring & Oehninger Ingenieure: Sporthalle Esplanade (im Zusammenhang mit der Ausstellung Prix Acier); Pierre Maillard: Le Paysage Intérieur

Frühlingssemeser 2010 Matthias Noger: Vom Bau von Raumschiffen; Fabio Reinhart: Modelle, Ideen, Materialien; Felix Lehner: Grosser Bär und kleine Palme – Materialität und Massstäblichkeit in der Kunst; Bazon Brock: Das Modell als Arché der Architektur Herbstsemester 2010/11 Richard Jussel: Holzhandwerk im digitalen Zeitalter; Adrian Knüsel: Vom goldenen Boden zum Alltag der Werkstatt; Bijoy Jain: Dialogue and Discovery – Studio Mumbai; Andreas Hild: Wie gehen Häuser? Frühlingssemester 2011 Städtebauliche Positionen – Vier Exponenten: Michael Koch; Mattijs Bouw; Pier Vittorio Aureli; Urban-Think Tank Herbstsemester 2011/12 Wolfgang Fiel: Orientalism revisited – the making of ... Portrait Studio Mumbai; Ariel Huber: Unter ungewohnten Bedingungen – Fotografische Annäherung an Indien; Martin Rauch: Bauen mit Lehm; Lutz Konermann: Dharavi, Slum for Sale

35


36


carte blanche Idee dieser Schriftenreihe ist, persönliche Vorlieben von Mitarbeitern der Bauschule einem engeren und weiteren Publikum bekannt zu machen. Die Verantwortlichen publizieren im Rahmen einer vorgegebenen Struktur ihre Beiträge. 12 Exemplare werden als Farbkopien ausgedruckt, zwei gehen in die Bibliothek, die übrigen werden signiert und verteilt. Die Dokumentation wird dann als pdf-Datei auf dem Server öffentlich zugänglich gemacht. c.b. erscheint 4-mal im Jahr. c.b. 1: Interieurs – Skizzen von Stephan Mäder, Januar 2007 c.b. 2: ... da und dort – Fotos von Stephan Mäder, Juli 2007 c.b. 3: Aquarium, Einbau in der Halle 180, Oktober 2007 c.b. 4: Exterieurs – Skizzen von Stephan Mäder, Dezember 2007 c.b. 5: Master of Arts ZFH in Architektur, Januar 2008 c.b. 6: Druckgraphiken – Abzüge in Ätzverfahren von Stephan Mäder, April 2008 c.b. 7: Neues aus Berlin – Studentenarbeiten und Bilder aus dem Jahr 2007, Juni 2008 c.b. 8: Halle 180 – Architekturschule in einer Industriehalle, Oktober 2008 c.b. 9: alte Sachen – Stephan Mäder, März 2009 c.b. 10: entsorgte Modelle – Mäder + Mächler, Juli 2009 c.b. 11: Vorträge „Blauer Montag“ – Hubert Mäder, Oktober 2009 c.b. 12: Bilder einer nie gemachten Weltreise – Stephan Mäder, November 2009 c.b. 13: Libro Nero – Meine Skizzen zu Vorlesungen im Entwurfsunterricht, Peter Quarella, Januar 2010 c.b. 14: BCN – Alongside Pere IV – 54 Students – 4 Teachers – 16 Weeks – Summer 2009, Februar 2010 c.b. 15: Extra muros, Bilder von Studienreisen – Stephan Mäder, Juni 2010 c.b. 16: Köln – Nordrhein-Westfalen, Dozentenreise 2010 – Toni Winiger, September 2010 c.b. 17: Chioggia – Isola dei Cantieri, Das Wesen des Wohnens – Januar 2011 c.b. 18: Kvarner Bucht, Kroatien – Stephan Mäder, März 2011 c.b. 19: Transformation – Paul Bürki, November 2011 c.b. 20: Sofia, Bulgarien – Peter Jenni, Dezember 2011 c.b. 21: Japan, Sudienreise der HSZ–T 2010 – Rudolf Moser, März 2012 c.b. 22: 13 ’ manthan [west] – Beat Consoni, Juli 2012 c.b. 23: Lange Häuser, 25 lange und ein hohes – Stephan Mäder, Oktober 2012 c.b. 24 a/b: Konstruiert ?/ Mathematik verbindet, Doppelnummer – Karl Weber / Martin Huber, Dezember 2012 c.b. 25: Vortragsreihe ... „Blauer Montag“ – Hubert Mäder, März 2013 37


c.b.25|mder Impressum Herausgeber: Redaktion: Druck: Publikation:

ZHAW Departement Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen Hubert Mäder CLC, Auflage: 12 Exemplare pdf-Datei cf. www.archbau.zhaw.ch

Ausgabe:

Nr. 25 – März 2013

carte blanche 25, reihe ... Vortragsreihe ... Vor  

Studiengang Architektur 2009 bis 2012. Dokumentation der Vortragsreihe des Studienganges Architektur von 2009 bis 2012.