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FAMILIENANDACHT Wie können wir als Familie gemeinsam Gott verehren? 1

Prolog: John Paton (1824-1907)1

„ Im Alter von siebzehn oder achtzehn Jahren hatte der junge James einige besondere Erfahrungen durchgemacht und folgte von da an dem Herrn Jesus Christus. Er war ein außergewöhnlich selbständiger junger Christ, der erst nach eingehender Prüfung der verschiedenen Kirchen und ihrer Lehren eine Entscheidung für eine Gemeinde traf. Seine Eltern überzeugte er davon, die bis dahin nur sonntags gehaltene Familienandacht in eine tägliche gemeinsame Zeit vor Gott auszuweiten, so daß morgens und abends Gebet und Bibellesen die Tage eröffnen und beschließen sollten. Der Vater, ein alter Soldat, stimmte umso williger zu, als James auch bereit war, die Familienandacht zu leiten. Von seinem achtzehnten Lebensjahr bis zu seinem Tod, das heißt sechzig Jahre lang, behielt James die Gewohnheit des gemeinschaftlichen Gebetes bei. Es gab für ihn keinen Grund, diese Gewohnheit auch nur einen Tag auszusetzen, weder Eile noch Arbeit noch Handel, weder die Ankunft von Freunden oder Gästen, noch Angst und Sorge, weder Freude noch Traurigkeit. Es blieb nicht aus, daß er auch anderen damit zum Segen wurde. Ergel obt e,daß‚ wennerSöhnehabens ol l t e,ers i eohneRüc khal tdem Herrn und seinem Dienste weihen wolle, wenn dieser sie brauchen könnt e und di e Wege öf f nen wür de‘ .( Dr eis ei nerf ünfSöhne gi ngen diesen Weg!)“ Drei seiner Söhne aus zweiter Ehe wurden Pastoren:2  Robert Peter (1865-1911)  Frederick James (1867-1941)

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John Paton, Autobiographie: John Paton –Missionar unter Südseekanibalen (Bielefeld: CLV, 1988), S. 12-13. 2

John Gibson Paton war zweimal verheiratet. Die erste Frau, Marry Ann Robson (1840-1859), verstarb bereits am 3. März 1859, elf Monate nach der Hochzeit (2. April 1858) und der Geburt des ersten Sohnes Peter Robert (11. Februar 1859), der kurz nach seiner Mutter ebenfalls verstarb. Aus der zweiten Ehe mit Margarete (Maggie) Whietecross (1841-1905), die am 17. Juni 1864 geschlossen wurde, gingen zehn Kinder hervor, wobei vier von ihnen schon als Säuglinge oder Kleinkinder verstarben.

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FAMILIENANDACHT – Wie können wir als Familie gemeinsam Gott verehren?

 Frank Hume Lyall (1870-1938)

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Familienandacht: Worum geht es? (Definition)

Familie? Andacht? 2.1

Familie

Was ist eigentlich eine Familie? Diese Frage wird heute sehr unterschiedlich beantwortet. 2.1.1 Moderne Definitionen3

 klassisch: Vater, Mutter, Kind  Familie ist dort, wo Kinder leben.

2.1.2 Biblische Definition

„ HauptundGl i eder “

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Grafik aus: Alexander vom Stein, Creatio: Biblische Schöpfungslehre (Lychen: Daniel Verlag, 2005), S. 59.

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FAMILIENANDACHT – Wie können wir als Familie gemeinsam Gott verehren?

Mann –Frau (1Mose 3,16; 1Kor 11,3; Eph 5,21-24) 1KORINTHER 11,3

Ich will aber, dass ihr wisst, dass der Christus das Haupt eines jeden Mannes ist, das Haupt der Frau aber der Mann, des Christus Haupt aber Gott. Eltern –Kinder (Eph 6,1-2; Kol 3,20; Spr 1,8; 6,20; 23,22) In einer Familie gibt es ein von Gott verordnetes Haupt (gewöhnlich der Vater) und einen oder mehrere andere Personen, für die dieser Verantwortung trägt. Im Hebräerbrief lesen wir, dass die Pastoren einmal Rechenschaft dafür ablegen müssen, wie sie über die Seelen der Gemeindeglieder gewacht haben. Dies lässt sich ohne Einschränkung auch auf die Verantwortung der Familienhäupter übertragen: H EBRÄER 13,7.17 7

Gedenkt eurer Führer, die das Wort Gottes zu euch geredet haben! Schaut den Ausgang ihres Wandels an, und ahmt ihren Glauben nach! … 17 Gehorcht und fügt euch euren Führern! Denn sie wachen über eure Seelen, als solche, die Rechenschaft geben werden, damit sie dies mit Freuden tun und nicht mit Seufzen; denn dies wäre nicht nützlich für euch. Unser Herr warnt uns auch davor, dass wir anderen –insbesondere Kindern –einen Anlass zur Sünde bieten, ihnen ein schlechtes Vorbild sind. MATTHÄUS 18,1-6 1

In jener Stunde traten die Jünger zu Jesus und sprachen: Wer ist denn der Größte im Reich der Himmel? 2 Und als Jesus ein Kind herbeigerufen hatte, stellte er es in ihre Mitte 3 und sprach: Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr keinesfalls in das Reich der Himmel hineinkommen. 5 und wenn jemand ein solches Kind aufnehmen wird in meinem Namen, nimmt er mich auf. 6 Wenn aber jemand einem dieser Kleinen, die an mich glauben, Anlass zur Sünde gibt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde. Ausnahmen: Ungläubiger Mann –gläubige Frau übernimmt die Aufgabe des geistlichen Hauptes Beispiel: Timotheus Apg 16,1; 2Tim 1,5 + 3,14-15

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FAMILIENANDACHT – Wie können wir als Familie gemeinsam Gott verehren? A POSTELGESCHICHTE 16,1

Er gelangte aber nach Derbe und Lystra. Und siehe, dort war ein Jünger mit Namen Timotheus, der Sohn einer jüdischen gläubigen Frau, aber eines griechischen Vaters. 2TIMOTHEUS 1,5

?Denn? ich erinnere mich des ungeheuchelten Glaubens in dir, der zuerst in deiner Großmutter Lois und deiner Mutter Eunike wohnte, ich bin aber überzeugt, auch in dir. 2TIMOTHEUS 3,14-15 14

Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und wovon du überzeugt bist, da du weißt, von wem du gelernt hast, 15 und weil du von Kind auf die heiligen Schriften kennst, die Kraft haben, dich weise zu machen zur Rettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist. vgl. 1Kor 7,14; Apg 16,13-15 (?) 2.2

Andacht

Das ganze Leben ist ein Gottesdienst. 1KORINTHER 10,31

Ob ihr nun esst oder trinkt oder sonst etwas tut, tut alles zur Ehre Gottes! R ÖMER 12,1

Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer, was euer vernünftiger Gottesdienst ist. Familienandacht ist ein besonderer Gottesdienst.  persönlicher Got t esdi enst( „ St i l l eZei t “ )  Got t esdi ensti nderFami l i e( „ Fami l i enandacht “ )  öffentlicher Gottesdienst (Gemeinde) „ Vi el mehrsol lGot tüber al li nGei s tundWahr hei tangebet etwer den,täglich im engsten Kreise der Familie, im Verborgenen von jedem für sich selbst und um so ernsthafter in den öffentlichen Gemeindeversamml ungen. . . “Das baptistische Glaubensbekenntnis von 1689 (22,6)

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FAMILIENANDACHT – Wie können wir als Familie gemeinsam Gott verehren?

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Familienandacht: Was lehrt die Bibel

3.1

Biblische Vorbilder

3.1.1 Adam und Eva G ENESIS 4,26

Und dem Set, auch ihm wurde ein Sohn geboren, und er gab ihm den Namen Enosch. Damals fing man an, den Namen des HERRN anzurufen. Damals muss die Anbetung Gottes im Rahmen der Familie stattgefunden haben. 3.1.2 Abraham G ENESIS 18,19

Denn ich habe ihn erkannt, damit er seinen Söhnen und seinem Haus nach ihm befehle, dass sie den Weg des HERRN bewahren, Gerechtigkeit und Recht zu üben, damit der HERR auf Abraham kommen lasse, was er über ihn geredet hat. Beachte: Biblische Glaubensvermittlung hat Generationen vor Augen! 3.1.3 Mose

Zur Zeit Moses wurde der öffentliche Gottesdienst in Israel strikt geregelt. Die Stiftshütte wurde zum Ort der besonderen Gegenwart Gottes, wo er verehrt werden sollte. War dies das Ende für den Gottesdienst in der Familie? Keineswegs! DEUTERONOMIUM 6,6-9 6

Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollen in deinem Herzen sein. 7 Und du sollst sie deinen Kindern einschärfen, und du sollst davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt und wenn du auf dem Weg gehst, wenn du dich hinlegst und wenn du aufstehst. 8 Und du sollst sie als Zeichen auf deine Hand binden, und sie sollen als Merkzeichen zwischen deinen Augen sein, 9 und du sollst sie auf die Pfosten deines Hauses und an deine Tore schreiben. Das Passah wurde in den Familien gefeiert:4 E XODUS 12,24-28 24 25

Darum sollt ihr dieses Wort ewig halten als Ordnung für dich und deine Kinder. Und es soll geschehen, wenn ihr in das Land kommt, das euch der HERR geben

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Foto in der Präsentation aus: J. A. Thompson, Hirten, Händler und Propheten (Giessen/Basel: Brunnen, 1992) S. 343.

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wird, wie er geredet hat, dann sollt ihr diesen Dienst ausüben. 26 Und es soll geschehen, wenn euch eure Kinder fragen: Was bedeutet dieser Dienst für euch?, 27 dann sollt ihr sagen: Es ist ein Passahopfer für den HERRN, der an den Häusern der Söhne Israel in Ägypten vorüberging, als er die Ägypter schlug, unsere Häuser aber rettete. Da warf sich das Volk nieder und betete an. 28 Und die Söhne Israel gingen hin und machten es, wie der HERR Mose und Aaron geboten hatte, so machten sie es. 3.1.4 Josua J OSUA 24,15

Ist es aber übel in euren Augen, dem HERRN zu dienen, dann erwählt euch heute, wem ihr dienen wollt: entweder den Göttern, denen eure Väter gedient haben, als sie ?noch? jenseits des Stroms waren, oder den Göttern der Amoriter, in deren Land ihr wohnt! Ich aber und mein Haus, wir wollen dem HERRN dienen! Beachte: Josua spricht nicht nur für sich selbst, sondern auch für sein Haus. Als Haupt des Hauses trägt er die Verantwortung für seine Familie und sorgt für den rechten Gottesdienst in seiner Familie. 3.1.5 Hiob H IOB 1,5

Und es geschah, wenn die Tage des Gastmahls reihumgegangen waren, da sandte Hiob hin und heiligte sie: Früh am Morgen stand er auf und opferte Brandopfer nach ihrer aller Zahl. Denn Hiob sagte ?sich?: Vielleicht haben meine Söhne gesündigt und in ihrem Herzen Gott geflucht. So machte es Hiob all die Tage ?nach den Gastmählern?. Beachte: Hiob tritt als geistliches Haupt für seine Kinder ein. 3.1.6 Psalmen

Die Söhne Korachs: P SALM 44,2

Gott, mit unseren Ohren haben wir gehört, unsere Väter haben uns erzählt die Großtat, die du gewirkt hast in ihren Tagen, in den Tagen der Vorzeit. Asaph: P SALM 78,3-6 3

Was wir gehört und erfahren und unsere Väter uns erzählt haben, 4 wollen wir nicht verhehlen ihren Söhnen und dem künftigen Geschlecht erzählen die Ruhmestaten des HERRN und seine Macht und seine Wunder, die er getan hat. 5 Denn er hat 6


FAMILIENANDACHT – Wie können wir als Familie gemeinsam Gott verehren?

ein Zeugnis aufgerichtet in Jakob und ein Gesetz aufgestellt in Israel und gebot unseren Vätern, sie ihren Söhnen kundzutun, 6 damit das künftige Geschlecht sie kenne, die Söhne, die geboren werden sollten, und ?auch? sie aufständen und sie ihren Söhnen erzählten. Die biblische Lehre wird in allererster Linie an die nachfolgenden Generationen einer Familie vermittelt. Die Väter tragen als Haupt der Familien die Verantwortung dafür. 3.1.7 Timotheus 2TIMOTHEUS 1,5

?Denn? ich erinnere mich des ungeheuchelten Glaubens in dir, der zuerst in deiner Großmutter Lois und deiner Mutter Eunike wohnte, ich bin aber überzeugt, auch in dir. 2TIMOTHEUS 3,14-15 14

Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und wovon du überzeugt bist, da du weißt, von wem du gelernt hast, 15 und weil du von Kind auf die heiligen Schriften kennst, die Kraft haben, dich weise zu machen zur Rettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist. Timotheus hatte seine Glaubenserziehung in der Familie empfangen! 3.2

Biblische Vorgaben

Zur Familienandacht gehören im Grunde dieselben Elemente, wie zum öffentlichen Gottesdienst: Gottes Wort, Gebet und Gesang. MATTHÄUS 18,20

Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte. 3.2.1 Gottes Wort KOLOSSER 3,16-17 16

Das Wort des Christus wohne reichlich in euch; in aller Weisheit lehrt und ermahnt euch gegenseitig! Mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern singt Gott in euren Herzen in Gnade! 17 Und alles, was ihr tut, im Wort oder im Werk, alles tut im Namen des Herrn Jesus, und sagt Gott, dem Vater, Dank durch ihn! Kinder empfangen zu Hause biblische Unterweisung:

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FAMILIENANDACHT – Wie können wir als Familie gemeinsam Gott verehren? DEUTERONOMIUM 6,6-9 6

Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollen in deinem Herzen sein. 7 Und du sollst sie deinen Kindern einschärfen, und du sollst davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt und wenn du auf dem Weg gehst, wenn du dich hinlegst und wenn du aufstehst. 8 Und du sollst sie als Zeichen auf deine Hand binden, und sie sollen als Merkzeichen zwischen deinen Augen sein, 9 und du sollst sie auf die Pfosten deines Hauses und an deine Tore schreiben. E PHESER 6,4

Und ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern zieht sie auf in der Zucht und Ermahnung des Herrn! 2TIMOTHEUS 3,14-15 14

Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und wovon du überzeugt bist, da du weißt, von wem du gelernt hast, 15 und weil du von Kind auf die heiligen Schriften kennst, die Kraft haben, dich weise zu machen zur Rettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist. S PRÜCHE 1,8

Gehorche, mein Sohn, der Zucht deines Vaters und verwirf nicht die Weisung deiner Mutter!

Frauen empfangen zu Hause biblische Unterweisung: Epheser 5,21-33 E PHESER 5,25-26 25

Ihr Männer, liebt eure Frauen! wie auch der Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat, 26 um sie zu heiligen, ?sie? reinigend durch das Wasserbad im Wort … 1KORINTHER 14,35

Wenn sie aber etwas lernen wollen, so sollen sie daheim ihre eigenen Männer fragen; denn es ist schändlich für eine Frau, in der Gemeinde zu reden. 3.2.2 Gebet

Gemeinsames Gebet sollte eine Selbstverständlichkeit sein. 1THESSALONICHER 5,17

Betet unablässig!

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FAMILIENANDACHT – Wie können wir als Familie gemeinsam Gott verehren? E PHESER 6,18

Mit allem Gebet und Flehen betet zu jeder Zeit im Geist, und wachet hierzu in allem Anhalten und Flehen für alle Heiligen.

Gebet vor dem Essen (Psalm 128,3 + 1Timotheus 4,4-5; 1Samuel 9,13; Matthäus 6,11; 14,19; 15,36; Apostelgeschichte 27,35) Gebet von Mann und Frau: 1P ETRUS 3,7 (VGL. 1KOR 7,5)

Ihr Männer ebenso, wohnt bei ?ihnen? mit Einsicht als bei einem schwächeren Gefäß, dem weiblichen, und gebt ?ihnen? Ehre als ?solchen?, die auch Miterben der Gnade des Lebens sind, damit eure Gebete nicht verhindert werden! 3.2.3 Gesang KOLOSSER 3,16-17 16

Das Wort des Christus wohne reichlich in euch; in aller Weisheit lehrt und ermahnt euch gegenseitig! Mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern singt Gott in euren Herzen in Gnade! 17 Und alles, was ihr tut, im Wort oder im Werk, alles tut im Namen des Herrn Jesus, und sagt Gott, dem Vater, Dank durch ihn!

Die Heilige Schrift ist voll von Aufforderungen Gott mit Gesang zu preisen: P SALM 92,2-3 2 3

Es ist gut, den HERRN zu preisen und deinen Namen, du Höchster, zu besingen; am Morgen zu verkünden deine Gnade, und deine Treue in den Nächten.

Gesang in der Familie (vgl. Mt 26,30): P SALM 118,15

Klang von Jubel und Heil ist in den Zelten der Gerechten. Die Rechte des HERRN tut Gewaltiges. Aufforderung zum Gesang an alle Kreatur: P SALM 147,1

Halleluja! Ja, es ist gut, unserem Gott zu spielen! Ja, ein Lobgesang ist schön, ist lieblich. 9


FAMILIENANDACHT – Wie können wir als Familie gemeinsam Gott verehren? P SALM 96,1

Singt dem HERRN ein neues Lied, singe dem HERRN, ganze Erde! P SALM 98,4

Jauchzt dem HERRN, alle Welt! Seid fröhlich und jauchzt und spielt! P SALM 150,6

Alles, was Atem hat, lobe Jah! Halleluja!

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Familienandacht: Wie geht das?

4.1

Prinzipien

 ungestörte Atmosphäre  keine Ablenkungen und Unterbrechungen  z. B. Telefon ausstellen  Ziel: aufmerksame Hörer (Sprüche 4,1.20; 5,1.7; 7,24) S PRÜCHE 4,1.20 1

Hört, ihr Söhne, auf die Zucht des Vaters und merkt auf, um Einsicht zu kennen! … 20 Mein Sohn, auf meine Worte achte, meinen Reden neige dein Ohr zu! S PRÜCHE 5,1.7 1

Mein Sohn, horche auf meine Weisheit, zu meiner Einsicht neige dein Ohr. … Nun denn, ihr Söhne, hört auf mich und weicht nicht ab von den Worten meines Mundes! 7

S PRÜCHE 7,24

Nun denn, ihr Söhne, hört auf mich und horcht auf die Worte meines Mundes! 4.2

Ort?

Viel Freiheit: DEUTERONOMIUM 6,7

Und du sollst sie deinen Kindern einschärfen, und du sollst davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt und wenn du auf dem Weg gehst, wenn du dich hinlegst und wenn du aufstehst. J OHANNES 4,20-24 20

Unsere Väter haben auf diesem Berg angebetet, und ihr sagt, dass in Jerusalem der Ort sei, wo man anbeten müsse. 21 Jesus spricht zu ihr: Frau, glaube mir, es kommt 10


FAMILIENANDACHT – Wie können wir als Familie gemeinsam Gott verehren?

die Stunde, da ihr weder auf diesem Berg, noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. 22 Ihr betet an, was ihr nicht kennt; wir beten an, was wir kennen, denn das Heil ist aus den Juden. 23 Es kommt aber die Stunde und ist jetzt, da die wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden; denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter. 24 Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten. Fester Ort hat Vorteile:  Liederbücher, Bibel etc. sind dort deponiert.  Kinder finden sich leichter zurecht. 4.3

Zeit

Regelmäßige Zeit im Tagesablauf:  morgens  abends  morgens und abends (= Opfer im Alten Bund)  morgens, mittags und abends angemessene Länge  je nach Alter der Teilnehmer (ca. 10-30 min.)  Tipp: klein anfangen 4.4

Inhalt?

Der Inhalt richtet sich nach den Teilnehmern. Feste Bestandteile sollten sein: Gottes Wort, Gebet und Gesang.  Bibel lesen nach Plan  Kinderbibel  Katechismus  Auswendiglernen von Bibelversen und Liedern (Lied des Monats)  Bibelkommentar  christliche Klassiker (z. B. Pilgerreise)  Biografien  Kirchengeschichte 4.5

Form?

Gottesdienst im Kleinen 11


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mögliche gottesdienstliche Elemente:  apostolisches Glaubensbekenntnis  Zehn Gebote  Vater unser  Segen

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Literatur  Jerry Marcellino, Der verlorene Schatz der Familienandacht (2006)  Terry Johnson, The Family Worship Book (1998)  James Alexander, Thoughts on Family-Worship (1847/1991)  Anweisung für den Familiengottesdienst (englisch 1647)

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Epilog

6.1

Auszug aus dem 1677 verfassten Vorwort zum baptistischen Glaubensbekenntnis von 16895

Und wahrlich, es gibt eine Quelle und Ursache für den Verfall der Religion in unserer Zeit –die wir hier nur kurz erwähnen können –die, wie wir mit aufrichtigem Drängen bitten, beseitigt werden möge, nämlich die Vernachlässigung des Gottesdienstes in den Familien, durch diejenigen, denen die Obhut und Führung derselben aufgetragen ist. Kann nicht die ungeheuerliche Unkenntnis und Labilität vieler Leute zusammen mit der Weltlichkeit anderer zurecht auf ihre Eltern und Meister zurückgeführt werden, die sie, als sie noch jung waren, nicht in dem Weg erzogen haben, in dem sie leben sollen, sondern die häufigen und ernsten Befehle vernachlässigt haben, die ihnen der Herr gegeben hat, nämlich sie mit dem Katechismus zu belehren und sie zu unterweisen, damit sie in ihren zarten Jahren an die Erkenntnis Gottes, wie sie in der Heiligen Schrift geoffenbart ist, gewöhnt werden. Haben nicht auch ihre eigene Unterlassung des Gebets und anderer religiöser Pflichten in ihren Familien, zusammen mit dem schlechten Vorbild ihres leichtfertigen Redens, sie zuerst an die Vernachlässigung und schließlich an die Geringschätzung jeglicher Frömmigkeit und Religion gewöhnt? Wir wissen, dass dies die Blindheit oder Gottlosigkeit von niemandem entschuldigt, aber es

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Das baptistische Glaubensbekenntnis von 1689, Robert Kunstmann (Hg.) (Hamburg: RVB, 2002), S. 21-22.

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wird gewiss schwer auf die zurückfallen, die so Anlass dazu gegeben haben. Jene sterben wahrlich in ihren Sünden, aber wird nicht ihr Blut von denen gefordert werden, unter dessen Fürsorge sie standen, und die es ihnen erlaubten, ohne Warnung fortzufahren, ja, die sie auf den Pfad des Verderbens brachten? Und wird nicht die Sorgfalt von Christen vergangener Zeiten, die diese Pflichten gewissenhaft ausgeübt hatten, im Gericht gegen viele aufstehen und sie verdammen, die heute diese Ehrenstellung bekleiden sollten? Wir wollen mit unserem ernsten Gebet schließen, dass der Gott aller Gnade das Maß des Heiligen Geistes auf uns ausgießen möge, wodurch bei uns das Bekenntnis der Wahrheit vom aufrichtigen Glauben und der eifrigen Glaubenspraxis begleitet wird, auf dass sein Name in allen Dingen verherrlicht werde, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen 6.2

Hugenotten in Frankreich (Ende 17. Jh.)6

„ Ein Großteil der Zwangsbekehrten, die sie, um einer Verfolgung zu entgehen, vielfach nach außen hin blieben, wandte sich, einem starken Bedürfnis folgend, mit neuer Hingabe und Begeisterung wiederum dem hugenottischen Glaubensleben zu. Scheinbar waren sie katholische Kirchgänger und die Kinder gehorsame Schüler katholischer Schulen geworden, während bei ihnen zu Hause immer mehr und eifriger noch als früher der alte hugenottische Brauch wiederaufgenommen und gepflegt wurde. Familienandachten wurden abgehalten, die Kinder mit der Bibel vertraut gemacht und in die protestantische Glaubenslehre eingeführt. Die Heranwachsenden schenkten ihren Eltern mehr Vertrauen als den katholischen Priestern in der Schule. Die große Bedeutung, die die Protestanten der häuslichen Glaubenserziehung ihrer Kinder zumaßen, um in ihnen die Liebe zur hugenottischen Religion zu vertiefen, erkannten die Priester bald. So schrieb Bi sc hofFl échi ervonNî mes:‚ Di er el i gi öseUnt er wei sungi ndenhugenottischen Häusern verdrängt sehr rasch, was den Schülern im katholischen Schulunterricht beigebracht wurde, und so wird von Vätern und Müttern zu Hause wiederum zerstört, was unsere Priester ihren Kindern mühsam bei gebr achthat t en. ‘ I m gl ei chenSi nneschr i ebei nhoherOf f i z i erdem Kr i egs mi ni s t er :‚ Vi el e der jungen Leute können sich nicht erinnern, je einen protestantischen Pfarrer gesehen zu haben. Wie in aller Welt konnten sie dennoch derart hugenottisch werden? Es ist fraglos das Werk ihrer Väter und Mütter, die

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Emil Ernst Ronner, Die Lerchen Gottes: Die drei Hirten von Bourdeaux –Aufstand der Karmisaden (Stuttgart: Hänssler, 1993), S. 147-148.

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FAMILIENANDACHT – Wie können wir als Familie gemeinsam Gott verehren?

sich eifrig bemühen, ihre Kinder daheim im protestantischen Glauben zu erziehen, während nach außen hin die meisten von ihnen zur Messe gehen,al ssei ensi ewi r kl i cheKat hol i ken. ‘ “

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Familienandacht  

Wie können wir als Familie gemeinsam Gott verehren?