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NEW YORK Leidenschaft Broadway: It‘s a Sister Act MAURITIUS Spitzenhotellerie im Indischen Ozean

JERUSALEM Von überwältigenden Gefühlen und der Gefahr, den Verstand zu verlieren

ISSN 1662-8551

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Zürich–New York im Taktfahrplan. Wir bieten Ihnen ab sofort noch mehr Flüge in die Stadt, die niemals schläft. Und mit der neuen Nonstop-Verbindung nach Newark sind Sie erst noch schneller in Manhattan. Erfahren Sie mehr über unser Flugangebot mit weltweit 72 Zielen – im Reisebüro oder auf swiss.com

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EDITORIAL

A RTUNDREISE | A PRIL 2012

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L’ART DE VOYAGER – L’ART DE VIVRE VON MARKUS WEBER

Ein Geheimtipp ist sie nicht: Die R-Lounge im Hotel Renaissance am Times Square. Und dennoch ist sie am späten Nachmittag erstaunlich leer. Eigentlich schade. Denn wer hier seinen Red Stag Manhattan schlürft oder an einem Sparkling Strawberry Cosmo nippt, wird mit einer fantastischen Aussicht auf den Times Square belohnt. Der Blick auf das rege Treiben lohnt sich doppelt. Von der Bar aus lässt sich die Schlange am Schalter von TKTS, wo der Theatre Development Fund vergünstigte Karten für Musical-Vorführungen des gleichen Abends verkauft, besonders gut überschauen. Statt zwei Stunden im Gedränge zu stehen, ist die R-Lounge die ideale Oase, um den ersten grossen

Ansturm zwischen 15 und 17 Uhr genussvoll an sich vorbeiziehen zu lassen. Wer bezüglich der Vorstellungen fexibel ist, wird auch um 18 Uhr noch einen guten Platz bekommen. Zumindest in der Nebensaison. Lesen Sie dazu den Beitrag von Angela Pietzsch auf der Seite 10. Das Messias-Phänomen ist auch in unserem Land bekannt. Nicht nur religiöse Spinner sind davon betroffen. Auch respektierte Zeitgenossen fühlen sich immer wieder dazu berufen, die Schweiz zu retten. In der Ursprungsstadt zweier Weltreligionen ist man den Umgang mit verblendeten Eiferern gewohnt und spricht in diesem Zusammenhang vom (heilbaren) Jerusalem-Syndrom. Wieso Besucher in

der heiligen Metropole leicht ihren Verstand verlieren, lesen Sie im Beitrag von Reto Wild auf Seite 28. Die Mauritier sind so, wie wir gerne wären, nämlich freundlich, tolerant, respektvoll. Und ausserdem sind sie geborene Gastgeber. Stefanie Schnelli hat die Insel der Sehnsucht bereist und ist begeistert zurückgekehrt. Ihre Beiträge ab Seite 32 bilden den Schwerpunkt in diesem Heft. Wer von einer Reise zurückkehrt, gleicht einem aufwachenden Träumer. Um das Erwachen möglichst sanft zu gestalten, geht «artundreise» auch auf die schönen Seiten des Lebens zu Hause ein. «L’art de voyager» bedeutet schliesslich immer auch «art de vivre». Und umgekehrt. Wir freuen uns, dass wir im Lifestyle-Bereich auf die Mitarbeit der Online-Redaktion von www.clack.ch zählen dürfen. Seraina Mohr startet die Artikelserie mit einer augenzwinkernden Anleitung, wie Frau und Mann das erotische Minenfeld am Arbeitsplatz schadlos überstehen. Viel Spass beim Lesen.

Sister Act am Broadway: Packende Musik, Leidenschaft und Lebensfreude.

P.S. «artundreise» ist kürzlich an den ApalisVerlag übergegangen. Die Änderung der Besitzverhältnisse hat auch zu einem Wechsel in der Redaktion geführt. Die Zusammenarbeit mit den bisherigen Autorinnen und Autoren wird dagegen weitergeführt, ebenso die Kooperation mit dem LZ Fachverlag und der Multicolor Print AG von der NZZ-Gruppe. Der bisherigen Redaktion danken wir für die ausgezeichnete Arbeit in den vergangenen Jahren.


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INHALT

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L’ART DE VOYAGER

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Leidenschaft am Broadway

Packende Musik, überbordende Lebensfreude: Amerika lässt sich am besten in einem oder – noch besser – mehreren Musicals erleben.

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New York Drei Musicals in vier Tagen New York mit Kindern

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Irland Rau und wunderschön

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Peru Der Amazonas ruft

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Jerusalem Das Jerusalem-Syndrom kann gefährlich sein

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Mauritius Die geborenen Gastgeber

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Oman Ein Märchen aus 1001 Nacht Interview mit dem CEO von Oman Air

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Ägypten Soma Bay – ein Ferienziel der Spitzenklasse

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Jerusalem

Wieso die heilige Metropole Israels zu den interessantesten Städten der Welt zählt.

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Mauritius-Special

Die Mauritier sind so, wie wir gerne wären: Freundlich, respektvoll und tolerant.

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INHALT

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L’ART DE VIVRE

Wenn Kinderträume wahr werden Ein Tag im Leben eines richtigen Cowboys 54 Spurensuche in Trun Legendäre Kinderbücher, grandiose Kunstwerke: Besuch in Alois Carigiets Heimat

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Immer schön cool bleiben Der Arbeitsplatz als erotisches Minenfeld

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Weinanbau in der Schweiz Die jungen Wilden kommen

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Eine Augenweide Offene Fahrfreude im BMW Z4

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62 60

Ganz schön heiss

Die jungen Wilden

Leidenschaft, Experimentierfreudigkeit und Innovationskraft prägen die neue Winzergeneration.

Wenn’s am Arbeitsplatz knistert, empfiehlt es sich, cool zu bleiben.

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Alois Carigiet

Schellenursli, Flurina, Zottel, Zick und Zwerg haben unsere Kindheit schöner gemacht. Das Hotel Waldhaus Flims verbeugt sich vor dem grossen Maler und lädt zu einer Spurensuche ein.

IMPRESSUM ä9HUODJXQG+HUDXVJHEHUApalis GmbH, Cornel Merki, Markus Weber ä5HGDNWLRQMarkus Weber, Chefredaktor, markus.weber@artundreise.ch Corina Issler Baetschi, corina.issler@artundreise.ch ä)UHLH0LWDUEHLWHUGLHVHU$XVJDEHAngela Pietzsch, Nina Toepfer, Werner Knecht, Reto E. Wild, Stefanie Schnelli, Alexandra Karle, Seraina Mohr ä/D\RXW Karin Haslimann, Multicolor Print AG ä$Q]HLJHQYHUNDXIMarion Lehmann, Tel. 043 501 23 27, marion.lehmann@apalis.ch ä$Q]HLJHQYHUZDOWXQJinfo@apalis.ch ä$ERVHUYLFHTel. 043 501 23 23, abos@artundreise.ch ä9HUODJVXQG5HGDNWLRQVDGUHVVHartundreise, Apalis GmbH, Seestrasse 49, 8820 Wädenswil, 043 501 23 23 ä5HGDNWLRQVPDLO redaktion@artundreise.ch ä3URGXNWLRQ Multicolor Print AG, Sihlbruggstrasse 105a, 6341 Baar ä7LWHOELOG The Broadway Collection


APRIL 2 012 | A RTUNDREISE

© Hester + Hardaway

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AKTUELL

TAGEN WIE REAGAN UND GORBATSCHOW

MIT HELVETIC AIRWAYS DIREKT NACH BRISTOL

Mit dem «Annenberg Retreat at Sunnylands» wurde ein historisches Anwesen inmitten der kalifornischen Wüste bei Palm Springs wieder eröffnet. Es wurde vom früheren amerikanischen Botschafter und Medienunternehmer Walter Annenberg und seiner Frau Leonore erbaut, um Staats- und Regierungschefs in entspannter Atmosphäre zusammenzuführen. Architekt Frederick Fisher hat das Anwesen nun zusammen mit Innenausstatter Michael Smith modernisiert, der für Präsident Barack Obama auch das Weisse Haus eingerichtet hat. Kunstwerke aus dem Besitz der Annenbergs schmücken die Räume, in denen sich in den 1980er-Jahren der US-Präsident Ronald Reagan mit dem sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow traf. Sunnylands steht allen Besuchern als Ruheoase offen. Auf Touren erhalten sie einen Einblick in die Geschichte, die Kunstsammlung sowie die Architektur des Hauses. www.sunnylands.org

Seit Dezember 2011 fliegt die Helvetic Airways nach Bristol, der zweitgrössten Stadt Südenglands. Durch die hügelige Landschaft, die Nähe zum Meer und die vielen schönen, alten Gebäude zählt Bristol zu den schönsten Städten des Landes. Einzigartige Ausflugsmöglichkeiten bieten der historische Ort Bath oder die Grafschaften Devon und Cornwall, bekannt aus den zahlreichen Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen. Golfsportler wissen die erstklassigen Anlagen und einmaligen Spielgelegenheiten in Bristol und Umgebung zu schätzen. «Mit Bristol haben wir eine wirtschaftlich starke Region auf den Britischen Inseln erschlossen. Mit drei Flügen pro Woche ermöglichen wir Geschäftsreisenden und Touristen eine schnelle und komfortable Anbindung an Zürich», sagt Bruno Jans, CEO von Helvetic Airways, die aktuell 180 Mitarbeiter beschäftigt und sechs Fokker 100 betreibt. www.helvetic.com

GEBURTSSTÄTTE DER MALEDIVENREISEN Kurumba Maldives, das erste Hotel der Malediven, feiert einen runden Geburtstag. Auf dem Programm stehen vierzig Veranstaltungen, deren Höhepunkt ein Galaabend am 3. Oktober sein wird. An diesem Tag wurde Kurumba Maldives 1972 von vier jungen Maledivern auf der unbewohnten Kokosnussinsel Vihamanafushi gegründet. Damit setzten sie den Startschuss für den Tourismus auf den Malediven. Die ersten dreissig Hütten wurden aus Korallen, Kokosnussholz und Palmenblättern erbaut. Die Gäste waren Rucksacktouristen, die von ihren Gastgebern mit selbst zubereiteten Speisen verwöhnt wurden. In der Anfangszeit gab es nichts, keine Banken, keinen Flughafen, kein Telefon. Der Koch war gleichzeitig Gärtner und für den Zimmerservice zuständig. Während damals knapp tausend Touristen nach Kurumba Maldives kamen, besuchen heute rund 850 000 Gäste die über hundert Resorts der Inselgruppe. Kurumba Maldives ist noch immer ein maledivisches Unternehmen in Privatbesitz mit 180 luxuriösen Unterkünften sowie acht Restaurants mit internationalen und lokalen Spezialitäten. www.kurumba.com


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ENTSPANNTE KLEINSTADT Seit über 30 Jahren veröffentlicht die USZeitschrift «International Living» Informationen über die besten Ruhestandsorte in Übersee und kürt die weltweit attraktivsten Länder für das Leben nach der Pensionierung. Top-Ruhestandsland 2011 ist zum dritten Mal in Folge Ecuador. Ausschlaggebend sind dabei unter anderem die niedrigen Lebenshaltungskosten und Grundstückspreise. Die attraktivste Stadt zum Leben im Alter ist die Kolonialstadt Cuenca in den südlichen Anden. Die drittgrösste Stadt Ecuadors verbindet entspanntes Kleinstadttempo mit erstklassigen Kulturangeboten und der Gesundheitsfürsorge einer Grossstadt. Vier Flüsse schlängeln sich durch Cuenca und sorgen in der gebirgigen Umgebung für viel Grün. Kolonialkirchen und Herrenhäuser, schattige Parkanlagen und von Pflanzen umsäumte Plätze haben der Stadt weltweite Anerkennung gebracht. Das milde Klima mit einer durchschnittlichen Tagestemperatur von 21 Grad und frischen Nächten sorgt für ein ganzjährig komfortables Leben.

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WELLNESS AM BÄRENGRABEN Die mehrmonatigen Bauarbeiten im neuen Spa-Bereich des Hotels Schweizerhof Bern sind erfolgreich abgeschlossen. Im Sous-Sol des Fünfstern-Hauses am Berner Bahnhofplatz, dort wo einst Musikgrössen im hoteleigenen Jazz-Club «Jaylin’s» aufspielten, kommen die Gäste ab sofort in den Genuss einer luxuriösen Wellness-Welt, die sich nahtlos in das prägnante Interior Design des traditionsreichen Hotels einfügt. Neben einem Verwöhn-Pool mit Jacuzzi und Sprudelliegen, einer finnischen Sauna, Hamam, Ruheraum mit Wasserbettliegen, Erlebnisduschen und einem 24-Stunden-Fitnessraum bietet der Schweizerhof-Spa fünf Behandlungsräume. Ein vielfältiges Angebot an kosmetischen Behandlungen und Mas-

sagen erfüllt sämtliche Bedürfnisse einer anspruchsvollen Spa-Kundschaft. Die Gäste des Spa-Bereichs tauchen in eine moderne, urbane und ruhige Welt der Erholung ein, die das Gefühl vermittelt, vom Alltag und der Hektik der Stadt losgelöst zu sein. www.schweizerhof-bern.ch

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BELIEBT WIE NIE ZUVOR Reisen nach Deutschland werden immer beliebter, wie die Zahlen der Deutschen Zentrale für Tourismus zeigen: 63,7 Millionen ausländische Übernachtungen konnten 2011 verbucht werden. Das sind 5,7% mehr als im Vorjahr. Zum Wachstum haben massgeblich Schweizer Reisende beigetragen. Mit 4,8 Millionen Übernachtungen belegt die Schweiz hinter den Niederlanden erstmals Platz 2 im Ranking der wichtigsten Auslandsmärkte. Auch bei den europäischen Reisenden ist Deutschland beliebt wie nie zuvor und liegt an zweiter Stelle vor Frankreich und knapp hinter Spanien. Nebst Geschäftsreisen spielt das Thema «Weinkultur und Natur – Lebensfreude und Genuss» eine zentrale Rolle. Die 13 deutschen Weinregionen verfügen über ein einzigartiges kulinarisches Angebot sowie eine ausgeprägte Eventkultur. Neuste Anbaumethoden und modern gestaltete Kellereien ermöglichen einmalige Erlebnisse rund um das Thema Wein und Genuss. ZZZJHUPDQ\WUDYHO

ARTENSCHUTZ AUF BORA BORA Das St. Regis Bora Bora hat es sich zur Aufgabe gemacht, seinen Gästen nicht nur traumhafte Ferien zu bereiten, sondern auch die einzigartige Natur und Artenvielfalt Französisch-Polynesiens zu erhalten. Gemeinsam mit BoraEcoFish widmet sich das 5-Sterne-Resort einem langfristigen Schwerpunkt: dem Schutz seltener Hai-Arten. Die Partnerschaft entstand 2009, als BoraEcoFish nach einem Sturm das empfindliche Ökosystem

in der hoteleigenen Lagune wieder herstellte. Auf dem Areal des St. Regis Bora Bora entstand in der Folge eine 150 Quadratmeter grosse Anlage, die bedrohten Hai-Arten ausreichenden und artgerechten Platz bietet. Schwarzflossen- und Ammenhaie, die aufgrund ihrer Lebensgewohnheiten am häufigsten in der Anlage vorzufinden sind, leben hier im Beisein von Stachelrochen und vielen anderen Gattungen. Darüber hinaus hat BoraEcoFish ein Ökotourismus-Konzept entwickelt, das Besuchern des St. Regis Bora Bora wie auch Einheimischen die Möglichkeit bietet, sich einen umfangreichen Eindruck über das Ökosystem Französisch-Polynesiens zu verschaffen. www.boraecofish.com www.stregis.com/borabora


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AKTUELL

APRIL 2 012 | A RTUNDREISE

MIT STERNEKÖCHEN UNTERWEGS

OMANISCHES UNDERSTATEMENT

Hapag-Lloyd-Kreuzfahrten sorgt auch 2012 mit unterschiedlichen Gourmetreisen für kulinarischen Hochgenuss. Mit der EUROPA, ausgezeichnet mit dem «Kreuzfahrt Guide Award 2011» für die beste Gastronomie an Bord, werden erneut namhafte Spitzenköche in See stechen. Michelin-Sterne und Gault-Millau-Hauben sind zudem auch auf der COLUMBUS 2 zu finden, die ab April in die Flotte aufgenommen wird. Hier präsentieren die Sterneköche Galamenüs an Bord, lassen die Passagiere an der Entstehung ihrer Kreationen teilhaben und zeigen ihnen im persönlichen Gespräch so manchen Profitrick. Die Stars unter Europas Köchen, Winzern, Chocolatiers, Pâtissiers und Fromagiers kommen Mitte Juni bei EUROPAs Beste, dem Festival für Geniesser, in Antwerpen zusammen. Gemeinsam mit EUROPA-Küchenchef Stefan Wilke verwandeln sie dann das Lido-Deck in eine Genussmeile. www.hlkf.de

Das neue Design-Spa des The Chedi Muscat ist nicht nur für Wellnessfans, sondern auch für Puristen und Ästheten ein Muss. Das Luxushotel hat neben dem grössten Spa der omanischen Hauptstadt auch den längsten Pool der Arabischen Halbinsel zu bieten. Der im Herbst 2011 neu eröffnete Spa setzt äusserlich auf Understatement und besticht durch innere Werte. Im kubistischen Bau befinden sich 13 grosszügige Spa-Suiten, in denen die Gäste ein vielfältiges Angebot geniessen. Damit die Aromatherapie- oder Ayurveda-Behandlungen auch immer sanft ausklingen, hat der belgische Star-Architekt Jean-Michel Gathy eine Entspannungslounge der Extraklasse geschaffen: Auf asiatischen Betten lässt man den Blick über den Golf von Oman schweifen und wer mag, nimmt anschliessend noch ein Energie aufbauendes Bad im 103 Meter langen, neuen Pool. www.chedimuscat.com

AMOR IM ARIENRAUSCH Die Liebe ist 2012 das Leitmotiv der Arena di Verona und zum ersten Mal steht in der grössten Freilichtoper der Welt mit Don Giovanni auch eine Mozart-Oper auf dem Spielplan. Erwin Schrott, der 2011 in Salzburg als Leporello brillierte, wird abwechselnd mit Ildebrando D’Arcangelo die Rolle des Don Giovanni übernehmen. Auf diese Premiere folgt Aida, der Klassiker der Arena. Den Taktstock schwingen Opernlegenden wie Placido Domingo, Daniel Oren und Marco Armiliato. Ebenfalls ein Klassiker ist Georges Bizets Carmen, die in Verona von Julian Kovatchev dirigiert wird. Und wenn es um die Liebe geht, darf in der Heimatstadt des wohl berühmtesten Liebespaars der Welt natürlich Roméo et Juliette von Charles Gounod nicht fehlen. Mit Puccinis Turandot oder Tosca findet die hochkarätig besetzte Opernsaison schliesslich ihr Ende. www.arena.it


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,1/8)7,*(5+Â&#x2DC;+( Im Bett den Sonnenuntergang Ăźber der Stadt geniessen? Was wie ein Traum klingt, wird in den hĂśchsten Hotels der Welt Wirklichkeit. Das Reiseportal HolidayCheck.de präsentiert zehn Häuser fĂźr himmlische Aufenthalte. Spitzenreiter ist das Ritz-Carlton Hongkong. Es belegt die Etagen 102 bis 118 des International Commerce Center in Kowloon und bietet eine grandiose Sicht auf Hongkong Island und das Finanzzentrum. Den Titel ÂŤHĂśchstes reines Hotelgebäude der WeltÂť trägt das Rose Rayhaan by Rotana in Dubai. Seine 72 Stockwerke garantieren ein traumhaftes Panorama Ăźber die KĂźsten- und WĂźstenlandschaft des Emirats sowie die benachbarten Hochhäuser. Auch das Burj al Arab und die Jumeirah Emirates Towers in Dubai, das Park Hyatt und Grand Hyatt Shanghai, das Baiyoke Sky Hotel in Bangkok, das SwissĂ´tel The Stamford Singapur, das Radisson Royal in Moskau sowie das Grand Lisboa zählen zu den Top Ten der Wolkenkratzer-Hotels. www.holidaycheck.de

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HINGUCKER IN BANGKOK An erstklassiger Lage im zentralen Geschäftszentrum von Bangkok entsteht das neue Park Hyatt Bangkok. Der Neubau mit aussergewÜhnlicher Architektur erinnert an eine verdrehte Spirale und wird kßnftig als Wahrzeichen der Stadt aus der Skyline herausragen. Die ErÜffnung des 173 Zimmer und 49 Suiten umfassenden Hotels ist fßr 2014 vorgesehen. Im Multifunktionsgebäude werden auch mehrere Restaurants und Lounges sowie eine Sky Bar mit atemberaubendem Blick auf die quirlige Metropole zu finden sein. Zusätzlich bietet das neue Hotel 1441 Quadratmeter Veranstaltungsflächen sowie einen Spa, ein Business Center, einen Fitnessraum und ein Schwimmbad. Das Park

Hyatt Bangkok verdeutlicht unser Engagement, unseren Gästen die Marke Park Hyatt an herausragenden Orten auf der ganzen Welt zugänglich zu machen, sagt Stephen Haggerty, Global Head of Real Estate and Development fßr die Hyatt Hotels Corporation. Die spektakuläre Aussenarchitektur wird die lange Geschichte innovativer Designs der Park Hyatt Hotels unterstreichen. www.parkhyatt.com


IT’S A SISTER ACT Wie viele Musicals passen in vier Tage New York? Drei funktionieren prima. Welche, entscheidet allerdings TKTS, an dessen Kiosk der Theatre Development Fund vergünstigte Tickets anbietet. TEXT ANGELA PIETZSCH BILDER THE BROADWAY COLLECTION


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NEW YORK

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Sister Act: Patina Miller (ganz rechts) lässt als umwerfende Deloris Van Cartier Whoopi Goldberg vergessen.

S

o viel vorab: Die Schlange ist lang. Der TKTS Ticket Shop am Times Square ist umringt von neugierigen Touristen, die wissen wollen, für welche Musicals und Theaterstücke es heute Discount-Tickets gibt. Während es sich die einen auf den Stühlen der gefühlsmässig nach wie vor neuen Fussgängerzone auf dem Times Square bequem machen und die Atmosphäre auf einem der berühmtesten Plätze der Welt geniessen, reihen sich andere in die Schlange ein.

Whoopi wer? Zehn Stunden später ist die halbe Stunde Warterei vergessen. Genauso wie die Tatsache, dass sich ausserhalb des Broadway Theatre die Traumstadt New York City befindet. In Wahrheit schreibt man 1978 und das Leben findet in Philadelphia statt. Deloris Van Cartier spielt darin die Hauptrolle, sie bangt, sie lacht – und vor allem singt sie atemberaubend. Die

27-jährige Amerikanerin Patina Miller feierte mit ihrer Rolle als Deloris in Sister Act ihr Broadway-Debüt, gewann mit ihrer Performance gleich einen Theatre World Award und wurde unter anderem für den Tony Award als beste Schauspielerin in einem Musical nominiert. Bereits bei der Europa-Premiere des Musicals in London hatte sie 2009 viel Lob eingeheimst. Zu Recht. Denn schon nach dem ersten Song möchte man fragen: Wer war schon wieder Whoopi Goldberg? Alan Menken trägt einen grossen Anteil an der kurzzeitigen Realitätsverschiebung, die sich an diesem Abend im Broadway Theatre vollzieht. Die Musik, die er für die Musical-Adaption des Filmhits Sister Act komponiert hat, nimmt mit und berührt. Die Umgebung tut ihr Übriges: Das Broadway Theatre ist eine von nur fünf Spielstätten, die tatsächlich an der Strasse namens Broadway stehen. 1924 eröffnet, hat es als Kino unter anderem 1939 die Premiere von Disneys Fantasia miterlebt,

in den 1950er-Jahren tanzten Stars wie Sammy Davis Jr. über seine Bühne und 1979 feierte das britische Musical Evita hier seine Broadway-Premiere, das gerade im Marquis Theatre mit Ricky Martin in einer der Hauptrollen wieder aufgenommen wurde.

Ab in den Süden Spätestens am nächsten Morgen hat einen die Realität wieder. Gestern war die Schlange doch kürzer, oder nicht? Egal. Ein Cinnamon Dolce Latte Low Fat in der Hand und die Sonne im Gesicht machen das Anstehen gleich viel leichter. Welche Tickets heute wohl on sale sind? Memphis? Nie gehört. Macht nichts, in New York muss man immer offen für Neues sein. Das Shubert Theatre, in dem Memphis gespielt wird, ist hingegen alles andere als neu. Es wurde vor fast hundert Jahren am 21. Oktober 1913 eröffnet und ist heute denkmalgeschützt. Seinen Namen


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Memphis: Südstaaten-Sound der 50er-Jahre.

erhielt es von Sam S. Shubert, dem mittleren Sohn der berühmten Theaterfamilie. Von 1975 bis 1990 schrieb hier A Chorus Line Broadway-Geschichte und auch die Shubert Organization, die älteste professionelle Theatergesellschaft der USA, hat heute noch ihren Sitz hier. Die Fassade des Shubert Theatre hält sich an die Standards venezianischer Renaissance, doch sobald sich der Vorhang hebt, ist Rock’n’Roll angesagt. Und zwar aus den Südstaaten der 1950er-Jahre. Die Story: Der weisse Huey Calhoun liebt schwarze Musik und schafft es sogar, einen Job als DJ zu ergattern, um sein Publikum für seine Lieblingsmusik zu begeistern. Er verliebt sich in die schwarze Sängerin Felicia Farrell und bringt sie im Radio gross raus. Huey bekommt eine eigene TV-Show und beide sollen nach New York ziehen, wo sie laut Felicia auch ihre Liebe nicht länger verstecken müssen. Doch Huey will in Memphis bleiben und lässt Felicia ziehen. Diese verlobt sich in

New York mit einem anderen Mann, wird zum nationalen Star und kehrt für einen letzten gemeinsamen Auftritt mit Huey nach Memphis zurück. Die «New York Times» gab dem Stück von David Bryan (Musik und Text) und Joe DiPietro (Buch und Text) nicht die allerbesten Noten. Doch die Hauptdarsteller Montego Glover als Felicia sowie Chad Kimball als Huey (inzwischen ersetzt durch Adam Pascal) ernteten Lob, und einen Tony Award für das beste Musical gab es 2010 ebenfalls.

FLÜGE NACH NEW YORK/NEW JERSEY Seit dem 31. März 2012 bedient die Swiss neben dem John F. KennedyAirport (JFK) auch Newark mit einem ihrer regulären Flugzeuge. Der Flughafen in New Jersey war bis anhin von einem Business Jet der PrivatAir angeflogen worden. Für den Flug nach «JFK» verwendet die Swiss weiterhin einen Airbus 330-300. Nach Newark wird ein Airbus 340-300 eingesetzt. Der Transfer nach Manhattan ist von beiden Flughäfen etwa gleich lang.

Der Mittlere Westen ruft Zurück aus dem Süden, sieht der Times Square am nächsten Morgen wieder genau gleich aus. Touristen soweit das Auge reicht. Vor allem vor der TKTS Discount Booth. Auf geht’s, ein letztes Mal. Wohin die Reise wohl heute geht? In den Mittleren Westen. Doch wer nach Chicago möchte, muss einen Umweg über das Ambassador Theatre in Kauf nehmen. 1921 eröffnet,

wirkt es von aussen unscheinbar. Von innen verwirrt die Architektur zunächst: Das Interieur wurde diagonal zum Grundstück angelegt, um möglichst vielen Gästen Platz zu bieten. Seit 2003 ermöglicht das Ambassador Theatre eine Zeitreise ins Chicago der 1920er-Jahre. Dort ermordet die Vaudeville-


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Sinnlich, verrucht und verdammt cool: Das Musical Chicago.

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NEW YORK TIPPS

TKTS Discount-Musical-Tickets gibt es in New York an drei Locations und via neuer iPhone-App: www.tdf.org Sister Act Tickets bei TKTS, online unter www.sisteractbroadway.com, telefonisch unter (212) 239-6200 und beim Box Office des Broadway Theatre, 1681 Broadway (zwischen 52nd und 53rd Street), Montag bis Samstag 10.00 bis 20.30 Uhr, Sonntag 12.00 bis 18.00 Uhr Memphis Tickets bei TKTS, online unter www.memphisthemusical.com, telefonisch unter (212) 239-6200 und im Box Office des Shubert Theatre, 225 West 44th Street, Montag bis Samstag 10.00 bis 20.00 Uhr, Sonntag 12.00 bis 18.00 Uhr Chicaco Tickets bei TKTS, online unter www.chicagothemusical.com, telefonisch unter (212) 239-6200 und beim Box Office des Ambassador Theatre, 219 West 49th Street, Montag bis Samstag 10.00 bis 20.00 Uhr, Sonntag 12.00 bis 19.00 Uhr. (YLWD Tickets bei TKTS, online unter www.evitaonbroadway.com, telefonisch unter (877) 250-2929 und beim Box Office des Marquis Theatre, 1535 Broadway at West 45th Street, Montag bis Dienstag 10.00 bis 20.00 Uhr, Mittwoch bis Samstag 10.00 bis 20.30 Uhr, Sonntag 12.00 bis 18.00 Uhr New York by Bike Zu Gast bei einem New Yorker Künstlerpaar und zu Fuss oder mit dem Velo die Stadt erleben. www.imbach.ch

Das am längsten gespielte US-Musical am Broadway: Chicago.

Tänzerin Roxie Hart ihren Liebhaber und baut sich aus dem Gefängnis heraus eine neue Karriere auf. Chicago ist der Klassiker unter den US-Musicals und mittlerweile das am längsten gespielte amerikanische Musical der Broadway-Geschichte überhaupt. In der Originalinszenierung von 1975 führte Bob Fosse Regie, der bereits 1973 einen Oscar für die beste Regie für Cabaret mit Liza Minelli gewonnen hatte. Im gleichen Jahr bekam er

auch einen Tony Award für die Musicals Pippin und Sweet Charity sowie einen Emmy für Liza with a «Z». Dieses Triple schaffte nach und vor ihm nie wieder ein Regisseur. Fast 40 Jahre später hat Fosses Inszenierung nichts an Spannung eingebüsst, und die Musik von John Kander und Fred Ebb ist immer noch sexy, verrucht und vor allem verdammt cool. Und Bianca Marroquin als Roxie sowie Amra-Faye

Wright als Velma Kelly singen, als ginge es tatsächlich um ein Leben in Freiheit. Das kann man vom Piano-Spieler und Sänger bei Da Marino hingegen nicht gerade behaupten. Der Klassiker unter den italienischen Restaurants in New York liegt genau gegenüber des Ambassador Theatre und ist ein Must für das After-ShowDinner. Auch wenn es für einen Besuch dort leider keine Discount-Tickets bei TKTS gibt. O


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Nicht nur wenn Captain Buzz Lightyear heranfliegt â&#x20AC;&#x201C; wie hier am letzten Thanksgiving Day â&#x20AC;&#x201C;, verwandelt sich New York zeitweise in ein Disneyland.

0$/./(77(5Â&#x2020;))&+(1 MAL PRINZESSIN Von einem ungezogenen GĂśr im Luxushotel, von dem schier unerschĂśpflichen Angebot der City, nimmermĂźden Stadtgängern und einer Idee, die dabei eine Rolle spielt. TEXT 1,1$72(3)(5 BILDER SHUTTERSTOCK

D

ie Kinder verschwinden hinter der Speisekarte, dabei hatten sie sich ein bisschen genauer frisiert als auch schon. Hoch Ăźber ihnen wĂślbt sich der Lichthof des Palm Court. Man sitzt am späten Breakfast oder beim frĂźhen Afternoon Tea. Ab und an kommt jemand mit einer Kamera zu einem jungen Mann am Nachbartisch und fragt: Darf ich? Der junge Mann nickt und lächelt hĂśflich ins Bild. Derweil sich eine Kellnerin mit den Kindern Ăźber ihr Essen bespricht â&#x20AC;&#x201C; mit einer perfekten Mischung aus Bestimmtheit und Offensein-fĂźr-welche-WĂźnsche-auch-immer.

Das Plaza ist eines der edlen Hotels New Yorks, eine Touristenattraktion und ein Haus mit berßhmter Geschichte. Immerhin sind hier die Beatles auf ihrer ersten Amerika-Reise abgestiegen. Auch Eloise gehÜrt zu den prägenden Gästen des Fßnfsternhotels.

EichhĂśrnchen fĂźttern in der Skyline Eloise ist sechs, wohnt hier, und jeder, der selber schon einmal das VergnĂźgen hatte im ÂŤPlazaÂť, kennt sie, ihre SchildkrĂśte Skipperdee, Hund Weenie, und Nanny, mit der Eloise lebt, derweil es Ăźber die Mutter die

entscheidenden Informationen darĂźber gibt, dass sie winzige FĂźsse hat und Coco Chanel kennt. Das ist alles unterhaltsam, aber das Beste an Kay Thompsons Kinderbuch ÂŤEloiseÂť von 1955, dem das ungezogene GĂśr entspringt, sind natĂźrlich Dinge wie Rosinen fĂźr Skipperdee beim Room Service bestellen und sich im DeckengewĂślbe des Grand Ballroom verstecken. Welches andere FĂźnfsternhotel kann sich schon rĂźhmen, ein so freches wie liebenswertes Kind als Botschafterin zu haben â&#x20AC;&#x201C; und, natĂźrlich, heute auch: als Merchandising-Instrument mit eigener Eloise-Boutique und Eloise-Suite. Zu New York passtâ&#x20AC;&#x2122;s


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bestens. Dass sich die Stadt auch Kindern als tolle Destination anbietet, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Hinzufügen könnte man: Vielleicht gerade weil hier Erwachsene und Kinder gleichzeitig auf ihr Vergnügen kommen – was zählt denn sonst in den Familienferien. Die Stadt entdecken? Da gibt es Doppeldeckerbusse und Bootsfahrten rund um die Insel Manhattan. Ein Favorit ist der Spaziergang über die Brooklyn Bridge, über den East River Richtung Manhattan, ausgehend von Dumbo in Brooklyn, wo der ungefähr beliebteste New Yorker tire swing, eine Pneuschaukel, erst einmal einen längeren Zwischenhalt erfordert. Dafür gibt’s Glace auf den Weg, die Skyline im Blick, und die Freiheitsstatue taucht etwas weiter weg links unten auf. Plötzlich sind Distanzen kein Thema mehr. Auf der anderen Seite fressen einem Eichhörnchen aus der Hand – Attraktion Nummer siebenundzwanzig auf der Strecke.

geschätzte tausende andere Tiere im American Museum of Natural History. Man könnte im Schneckenhaus des Guggenheim erfahren, dass Garagen und Museen auch etwas gemein haben. Oder im Moma sehen, wie ein Helikopter im Eingang hängt, um nur eines der Augenspektakel im Namen der Kunst zu nennen. Die unendlich grosse Schatztruhe des Metropolitan Museum könnte man wenigstens auf dem Weg zu seinem Dach durchstreifen.

Unendlich grosse Schatztruhe Oder auf der anderen, der Westseite Manhattans, da bietet die neue High Line spektakuläre Aussichten in die Stadt und Richtung New Jersey. Den neuen Park, gebaut auf einer stillgelegten erhöhten Zuglinie, verdankt New York ursprünglich einer Initiative zweier Anwohner. Zwischen Spazierweg und angedeuteten Schienenstücken wachsen Gräser, Blumen, Sträucher, kleine Wasserwege versprechen den Füssen Kühlung in der Sommerhitze, riesige «Schaufenster» rahmen das urbane Treiben auf der Strasse zum Live-Kino der besonderen Art. Auf der High Line ein paar Meter über dem Pflaster schlägt der Puls der Stadt einen Tick langsamer, wo Grün und kletterfähiges Gerät zusammenkommen, kann es dabei aber keinesfalls langweilig werden, die Sonnenuntergänge über dem Hudson sind mit im Programm. Allein die Klassiker sind in einem City Break nicht zu schaffen, das sieht man bei einem schnellen Blick in jeden New-YorkReiseführer. Wie soll man sich nur schon bei den Museen entscheiden? Es gibt lebensgrosse Dino-Skelette, ein Wal und

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York Aquarium etwa? Bronx Zoo? Chinatown? Uno-Hauptgebäude? Shopping wie in ziemlich kühnen Träumen? Zu den Leuchtreklamen von Times Square ein perfektes Musical wie etwa «Lion King»? Der Botanische Garten in Brooklyn? Der Sport- und Spielplatz an den Chelsea Piers? Wie viele Stunden hat schon wieder der Tag, und wie viele Tage der Trip? Praktischerweise lohnt es, sich nach Stadtteilen zu organisieren. Obschon man sich leicht von A nach B bewegt, sind die Distanzen doch nicht immer kurz. Gut zu wissen: Wer mit dem Kinderwagen unterwegs ist und Subway fährt, was schnell und praktisch ist, gelangt nicht immer an eine Rolltreppe oder einen Lift. Wofür man sich in jedem Fall unbedingt Zeit nehmen sollte, ist die Musse. Denn bei all dem fantastischen Angebot sind die New Yorker selber nicht zu verpassen. Eine der treffendsten Ansichten hierzu hat einmal eine Journalistin der «New York Times» formuliert: Mehr als alles andere ist New York eine Idee, schrieb sie, deshalb funktioniert die MillionenMetropole überhaupt. Es mag etwas weit hergeholt sein, aber vielleicht kann man es so sehen: Selbst die verwöhnte Eloise könnte lernen, sich im «Plaza» zu benehmen.

Als Prinz oder Prinzessin Ein Spaziergang über die Brooklyn Bridge darf nicht fehlen.

Von dort blickt man auf den Central Park, der ungefähr so gross ist wie das Meer, zumindest sieht man nicht bis zum anderen Ende. Allein der Park, von all diesen Museen leicht zu erreichen, ist natürlich eine Geschichte für sich. Strawberry Fields, die Gedenkstätte für John Lennon, Alice in Wonderland als Bronzeskulptur sind nur zwei der (Kinder-)Highlights.

1HZ<RUNHUQLFKWYHUSDVVHQ Oder lieber ein Tag am Atlantik: Coney Island, mit verträumter Chilbi und das New

Im Band «The Golden Rules of Etiquette» steht alles, was man dazu wissen muss. Dass man die Drehtür zum Hotel nicht mit einem Karussell verwechseln sollte, welches der vielen Besteckteile beim Dinner zuerst dran kommt, und dass man den kleinen Finger beim Teetrinken nicht zu spreizen braucht. Das kann man hoffnungslos elitär und konservativ finden oder als nützliche Hinweise durch die verwirrende Situation eines etwas ausführlicheren Erwachsenen-Essens zur Kenntnis nehmen. Oder einfach ausprobieren, als Teil des Spiels, einmal auf Bäume zu klettern, ein andermal zwischen Silbergabeln zu sitzen, ganz Prinz oder Prinzessin. Kinder wissen es ja: Dazwischen müssen nicht Welten liegen. O


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APRIL 2 012 | A RTUNDREISE

UND WIEDER SCHEINT DIE SONNE

Die grüne Insel ist auf der touristischen Landkarte zurück. Sachte, sachte erholt sich die gebeutelte Wirtschaft nach der schweren Bankenkrise. Auch der Tourismus hat das Formtief überwunden. TEXT WERNER KNECHT

I

rland bemüht sich darum, dass die wirtschaftlichen Negativmeldungen abgelöst werden durch positive Schlagzeilen über landschaftliche, kulturelle und historische Besonderheiten der Feriendestination. Das ist keine ganz leichte Aufgabe, wie ein Blick in die Gazetten zeigt, auch wenn es manchmal nur diskrete Indikatoren für die allgemeine Lage sind. Da heisst es beispielsweise, das Statistische Amt Irlands habe zum Jahresbeginn den Warenkorb zur Bemessung der Konsu-

BILDER SHUTTERSTOCK

mentenpreise angepasst und dabei den bisherigen Champagner weggelassen, neu hingegen einen Velohelm aufgenommen. Doch Irland spürt langsam wieder Boden unter den Füssen. So ist die grüne Insel als einziges englischsprachiges Euro-Land – zudem noch gesegnet mit einer jungen, gut ausgebildeten Bevölkerung – attraktiv geblieben für amerikanische Multis, die kräftig investieren, sodass die multinationalen Exporte für eine allmähliche Wiedererstarkung der gebeutelten Wirtschaft sorgen.

Auch und gerade die Tourismusverantwortlichen wissen um die Bedeutung des Fremdenverkehrs. Dementsprechend putzen sich die Regionen und Städte heraus. Beispielsweise die pittoreske mittelalterliche Hafenstadt Kinsale mit ihrem stimmungsvollen historischen Zentrum, dessen knallig bunte Häuserfassaden eine fast mediterrane Heiterkeit verströmen. Überhaupt zelebriert man hier an der Südwestküste Irlands die Freuden des Lebens und hat sich selbstbewusst zur Gourmet-


Grafschaft Kerry A RTUNDREISE | A PRIL 2012

Hauptstadt der Grafschaft Cork, ja von ganz Irland ausgerufen. Was ist darunter zu verstehen? Einer der Organisatoren, Hal McElroy von der Kinsale Chamber of Tourism, meint im Gespräch: «Unser Land leidet kulinarisch nach wie vor unter einem schlechten Ruf; dem wollen wir entgegen-

wirken und zeigen, dass wir nicht nur Landschaft, Strände, Museen und eine wechselvolle Geschichte haben, sondern eine vielfältige, gesunde und naturnahe Küche.» Sagt’s und lässt eine leckere Platte mit Meeresfrüchten auffahren, die gleich um die Ecke geerntet worden sind. Der

kühle Muscadet fehlt ebenso wenig wie der abschliessende Kaffee. Man fühlt sich wie am Mittelmeer und staunt über den kulinarischen Quantensprung. Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins verstärkt sich noch beim Blick auf den idyllischen Jachthafen und die wie eine Perlenkette

IRISH WHISKEY

Der Ruf der irischen Pubs ist legendär.

Hin und wieder landet auch irischer Whiskey auf dem Tisch. Mehrere Destillerien zeigen Interessierten den komplexen Gewinnungsprozess, wobei zwischen Herstellung und Reife etliche Jahre verstreichen. Wird amerikanischer Bourbon normalerweise nur einmal und schottischer Whiskey meist nur zweimal destilliert, beruht die irische Variante auf dreimaliger Destillation. Damit, so werden wir belehrt, werden das Aroma und die Qualität gesteigert. Die aus Amerika, Spanien und Portugal importierten Fässer wurden zuvor zur Reifung von Bourbon, Sherry und Portwein verwendet, was zum vielfältigen Geschmacksbouquet irischen Whiskeys beiträgt. Und wer doch lieber irischen Süssmost geniesst, läuft auch nicht Gefahr, dass ihm später ein hartnäckiger Kater um die Beine streicht.


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IRL AND

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Rau und unglaublich schĂśn: Die Landschaften Irlands.

aufgereihten schmucken Boutiquen, die neben Firlefanz auch recht ansprechendes Kunsthandwerk aus der Gegend anbieten: vor allem Keramik und Glaswaren vom nahen Waterford.

3UHLVZHUWH)UHXGHQGHV/HEHQV Was in der Grafschaft Cork auf Anklang stĂśsst, ist kein Einzelfall. In ganz Irland fin-

den Food-Festivals statt, gibt es besuchenswerte Wochen- und Bauernmärkte, Käse- und Weinausstellungen, Kochkurse und -schulen. Fast ßberall dominiert die ungekßnstelte rustikale Note, und das ist gut so. Weder die Wochen- und Bauernmärkte noch die Restaurants, Pubs und CafÊs sind Austragungsorte ßbersteigerten Raffinements, sondern Spiegelbild der

von der Wirtschaftslage hart betroffenen BevÜlkerung. Die Bankenkrise wirft immer noch Schatten. Da besinnt man sich auf die preiswerten Freuden des Lebens. Auch die immer populärer werdenden Märkte gehÜren dazu. Wir besuchen den Country Market in Skibbereen, der sßdlichsten Stadt Irlands, der vor 35 Jahren erstmals durchgefßhrt

Herrschaftlich wohnen im Liss Ard Estate

Jeder Gast wird aufmerksam gemustert.

TIPP

Besuchenswerte Restaurants in Skibbereen 2YHUWKH0RRQ 46 Bridge Street '\QDVW\&KLQHVH5HVWDXUDQW 31 Bridge Street Empfehlenswerte Hotels in Skibbereen Liss Ard Estate Bantry House and Garden 6HDYLHZ+RXVH+RWHO West Cork Hotel The Maritime Channel View Bed & Breakfast Rathmore House


IRL AND

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Der imposante Ben Bulben, ein 527 Meter hoher Tafelberg, ist etwa zehn Kilometer nördlich der Stadt Sligo zu finden.

wurde und seither eine enorme Popularität erlangt hat. Hausfrauen und lokale Produzenten verkaufen hier jeden Freitag zwischen 12 und 14 Uhr ihre eigenen Erzeugnisse. Früchte, Gemüse, eigenes Brot, Wähen, Honig, Süsswaren, Chutneys, Konfitüre, Gestricktes, Gemaltes, Schmuck. Man kennt sich, tauscht Neuigkeiten aus, probiert kleine Häppchen

und erfreut sich am Charme des Provinziellen.

Sauerstoff ins Gehirn Ein etwas anderes Kaliber hat der gleichenorts gelegene Liss Ard Estate. Dieser gediegene Herrensitz liegt inmitten einer 80 Hektar grossen Gartenanlage mit Brücken, Stegen, Wäldern und dem 20 Hektar

grossen See «Lough Abisdealy». Es handelt sich um einen der stilvollsten und exklusivsten Rückzugsorte, einen alten Herrensitz, der umfassend renoviert und restauriert worden ist – und sich in Schweizer Hand befindet. Roman Stern, ein ehemaliger Schweizer Banker, hat Liss Ard Estate zusammen mit seiner Frau gekauft und unter anderem eine exklusive, «slow food»-

MEIN GEHEIMTIPP:

Ein Ausflug von Galway, der jungen, lebhaften Stadt im Westen Irlands, nach Clifden, der heimlichen Hauptstadt von Connemara. Die etwa 80 km lange Strecke ist geprägt von der rauen Natur Westirlands auf der einen Seite und dem Atlantik auf der anderen Seite. Auf der Fahrt trifft man immer wieder auf schöne Strände, die einen Stopp wert sind. Aber Vorsicht! Auf der kurvigen Strasse wird man auch gerne von Schafen überrascht, die in dieser Gegend frei herumlaufen und grasen. Zum Abschluss kann ich

einen Lunch oder ein Abendessen in Mitchell’s Restaurant in der Marketstreet in Clifden empfehlen. Ein familiär geführtes Restaurant, auf dessen Speisekarte man sowohl fangfrische Meeresgerichte als auch Sandwiches findet und wo man während des Essens den Blick aufs Meer geniessen kann.

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,UODQG6SH]LDOLVWLQYRQ 7UDYHOKRXVHÚ)DOFRQWUDYHO Sabine Jehle Telefon 056 269 75 75 E-Mail: sabine.jehle@travelhouse.ch www.falcontravel.ch


      

   544+3'7'*/+-+.+/34/8;522++-+4*/4$+89/72'4*;+7+/49+/48'3+#E2+7*:412+5578++4 :4*;/+2#7'*/9/54/+7867+).+4*/++:9+45).E2/8).:4*6A+-+4/.77':).9:3.7).'73'49+7 !+/8+2+/9+7.7/89/'4+7-+71+449*/+!+-/54</+1':3+/4'4*+7+7:4*,F.79"/+-+15449*:7). 8+/4+$'.2.+/3'9 

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inspirierte Küche integriert. Eindrücklich ist auch der Irish Sky Garden, der sich wie ein aus Erde und Stein geformter Krater präsentiert. Hier legt man sich in der Mitte auf einen Steinsockel, betrachtet am Tag den irischen Himmel und des Nachts die eindrucksvolle Sternenwelt: mystisch, entrückt, jenseits des nervenaufpeitschenden Geschäftsalltags und erfreut darüber, dass man sich hier Sauerstoff ins Gehirn fächern kann. Und dann der beruhigende Gedanke: In Irland scheint wieder die Sonne. O www.discoverireland.com www.lissardestate.com Schwindelfreie Besucher haben einen Vorteil: Die Cliffs of Moher – ein Naturspektakel.

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'(5'6&+81*(/.˜1,* Das Amazonasgebiet in Peru bietet jede Menge Stoff für Legenden – und auch heute noch handfeste Abenteuer. TEXT ANGELA PIETZSCH

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L ATEINAMERIK A

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Fitzcarraldo kennt keine Hürden: Er lässt Einheimische sein Schiff durch den Dschungel schleppen, um die wilde Natur zu besiegen.

E

r schreit, fuchtelt wild mit den Armen und steigt einen Erdhaufen hinauf und wieder herab. Um Klaus Kinski herum stehen Einheimische und trauen ihren Augen kaum: Der Schauspieler hat einen seiner berüchtigten Wutausbrüche und kann sich kaum beruhigen. Man schreibt das Jahr 1981 und Regisseur Werner Herzog hat sich eine Mammutaufgabe vorgenommen: Im peruanischen Dschungel dreht er mit dem exzentrischen deutschen Star sowie Claudia Cardinale und hunderten Laiendarstellern den Film «Fitzcarraldo».

Rohstoff transportieren will. Doch weil die Kautschuk-Felder und der Amazonas von Stromschnellen getrennt sind, muss er sich etwas einfallen lassen. Er lässt sein Schiff von Einheimischen über einen Bergrücken ziehen – und scheitert schliesslich kläglich an deren Sicht der Dinge.

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Das Schiff erklimmt den Hügel. Doch dann platzt der Traum vom grossen Opernhaus.

Was heute nach Spezialeffekten schreit, war für Herzog Anfang der 1980er-Jahre noch eine Frage der Ehre. Der Regisseur wollte kein «Modellschiff aus Plastik über einen Studiohügel» ziehen, schreibt er in seinen später veröffentlichten Tagebuchaufzeichnungen. Wegen der «Stilisierung eines grossen Opernereignisses» kam für ihn keine andere Lösung in Frage, als das Schiff tatsächlich über den Bergrücken ziehen zu lassen. Gesagt, getan. Noch heute sind die Überreste des Dampfers im Dschungel zu sehen. Und die deutsche Filmgeschichte ist um eine Legende reicher.

Oper im Dschungel

Vom Kautschuk zum Tourismus

Er handelt vom Abenteurer und Opernliebhaber Brian Sweeney Fitzgerald, der von den Einheimischen Fitzcarraldo genannt wird. Sein Traum: Ein Opernhaus wie in Manaus – aber mitten im Dschungel. Fitzcarraldo will es in Iquitos errichten, einer peruanischen Stadt am Amazonas, die bis heute nicht mit dem Auto zu erreichen ist. Den Bau will er finanzieren, indem er Kautschuk anbaut. Er kauft einen alten Flussdampfer, mit dem er den Gummi-

Wer nach Iquitos kommt, wandelt nicht nur auf den Spuren von Herzog und Kinski, sondern folgt auch denjenigen des echten Fermín Fitzcerrald. 1862 geboren, galt er bereits mit 26 Jahren als einer der reichsten Kautschuk-Barone der Region Ucayali. Auch er liess ein Schiff über einen Berg transportieren – allerdings war es vorher in Einzelteile zerlegt worden. Der Kautschuk-Boom endete genauso abrupt wie Fitzcerralds Leben: Der Unternehmer er-


Wir sind die Spezialisten fĂźr SĂźdamerika

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Der Dschungel Perus ist Heimat zahlloser Affen.

Die Aqua (links) und die Delfin II bieten ein Amazonaserlebnis vom Feinsten.

trank mit nur 35 Jahren und Kautschuk wurde zum Leidwesen Südamerikas ab Anfang des 20. Jahrhunderts auch in Asien und Afrika angebaut. Iquitos versuchte mit dem Anbau von Bananen und Tabak an die glanzvolle Kautschuk-Ära anzuknüpfen. Doch erst ErdölFörderung, Holzwirtschaft und Tourismus wurden ab den 1960er-Jahren zu stabilen Einnahmequellen. Gäste lassen sich heute von den kolonialen Bauten begeistern und nutzen die Stadt als Startpunkt für Ausflüge in den Dschungel und ins Naturschutzgebiet Pacaya-Samiria. Dort lassen sich vom Boot aus Palmen und Orchideen ebenso gut beobachten wie Affen, Schildkröten und der berühmte Amazonasdelfin. Das grösste Naturschutzgebiet Perus hat sich jüngst dem Ökotourismus verschrieben und ist besonders bekannt für seine vielen Seen und Gewässer, in denen unter anderem der angeblich grösste Süsswasserfisch der Welt, der Paichefisch, lebt.

dualität schätzt, wählt für seine Dschungeltour die Delfin I. Dieses Schiff bietet maximal Platz für acht Passagiere, während das Schwesternschiff Delfin II über 14 Suiten verfügt. Auf beiden Schiffen entdeckt man ab Iquitos das Yanalpa-Privatreservat, den Dorado-Fluss, den Atun-PozaSee sowie den Pacaya-Fluss und geht ebenfalls für Wanderungen, Tierbeobachtungen sowie Besuche bei Einheimischen von Bord.

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Zurück in der 400 000-Einwohner-Stadt Iquitos lohnt es sich, die Kirche auf der Plaza de Armas zu besichtigen. Weitere Sehenswürdigkeiten sind das Hotel Palace und das Casa de Fierro, das Eisenhaus, das der französische Architekt Gustave Eiffel entworfen hat. Wer Musik liebt, sucht allerdings vergeblich nach einem Opernhaus. Da haben wohl sämtliche Schimpftiraden Klaus Kinskis nichts geholfen. O

UNTERWEGS IN IQUITOS

Anreise Iquitos ist nur per Luft oder Boot zu erreichen. Zwei Fluggesellschaften fliegen die Stadt im peruanischen Dschungel von Lima aus an: LAN (www.lan.com) und Star Perú (www.starperu.com).

übernachten will, ist im Camiri Floating Hostel and Bar Lounge bestens aufgehoben. Hier geht es rustikal, ehrlich und gut zu. Buchungen u.a. über www.jugendherbergen.eu

Iquitos

Bootstouren

Die grösste Stadt der Welt, die nicht auf einer Strasse erreicht werden kann, übt auch heute noch eine ungebrochene Anziehungskraft aus. Unbedingt besichtigen: das Casa de Fierro, den Plaza de Armas mit der Kirche und das Hotel Palace.

Amazon Tours & Cruises bietet mehrtägige Schiffsausflüge auf dem Amazonas an: www.amazontours.net

Luxus auf dem Amazonas Besonders luxuriös wird die Fahrt auf den vielen Flüssen des Amazonas-Gebiets an Bord der Aqua und des Schwesternschiffs Aria. Ab Iquitos geht es für vier bis acht Tage in den Dschungel Perus, den man zum einen vom grosszügigen Sonnen- und Observationsdeck aus erlebt. Zum anderen wandert man durch die wilde Natur, um Einheimische zu besuchen und in der Dunkelheit Kaimane aufzuspüren. Wer Indivi-

Am Abend Wer ein Bier auf dem Amazonas geniessen möchte oder dort auch gleich

Südamerika für Kenner Die Südamerika-Spezialisten der Schweizer Reisebranche kennen die Wege abseits der grossen Touristenströme – und zwar nicht nur in Iquitos: www.dorado-latintours.ch


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DAS JERUSALEM-SYNDROM .$11*()†+5/,&+6(,1 In Jerusalem konkurrieren sich die besten Hotels Israels, Synagogen, Moscheen und Kirchen. Manche werden in der heiligen Stadt von ihren Gefühlen überwältigt und verlieren den Verstand. TEXT UND BILDER RETO E. WILD

W

er von der Partymetropole Tel Aviv am Mittelmeer die Autobahn nach Jerusalem hochfährt, taucht nach weniger als einer Stunde Fahrzeit und einer Höhendifferenz von 800 Metern in eine komplett andere Welt ein mit mehr als 1000 Synagogen, 158 Kirchen und

73 Moscheen. Sofort fallen die vielen orthodoxen Juden mit ihren schwarzen Kleidern auf. Soldaten der israelischen Armee mit kugelsicheren Westen erinnern daran, dass sich die israelische Hauptstadt mit ihren gegen 800 000 Einwohnern mitten in einem Konfliktgebiet befindet. Am Sabbat, der vom Sonnenuntergang am Freitag bis

zum Eintritt der Dunkelheit am folgenden Samstagabend dauert, wirkt die sonst so belebte Jaffa-Strasse im Westen wie ausgestorben. Die zahlreichen Boutiquen, Souvenirläden und Bars sind geschlossen. Es fahren weder Busse noch das neue Hightech-Tram, das für eine Strecke von 14 Kilometern fast eine Milliarde Franken


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verschlang. In der «Stadt des Friedens», was Jerusalem auf Deutsch heisst, respektiert die Mehrheit der jüdischen Einwohner den Sabbat, so, wie es in der Bibel steht.

Jerusalem soll internationales Tourismusziel werden Auch Gabriel Strenger (46) hält sich an den jüdischen Ruhetag. Der Basler, der vor gut 20 Jahren nach Jerusalem ausgewandert ist, wohnt heute in Ost-Talpiot, rund 15 Fahrminuten von der Altstadt mit der bekannten Klagemauer und der goldenen Kuppel des Felsendoms entfernt. Der Vater zweier Söhne und zweier Töchter ist ein weltlicher, religiöser Schweizer Jude. Trotz seiner Liebe zur Schweiz bezeichnet der Dozent der Hebrew University Jerusalem als seine Heimat. An ihr schätzt er, die «fantastischen Winter mit viel Sonnenschein, das grosse Angebot an koscheren Restaurants sowie die Nähe zum Toten Meer». Den abflusslosen See, 420 Meter unter dem Meeresspiegel gelegen, erreicht man tatsächlich in 40 Fahrminuten. Über all dem steht für Strenger jedoch die kulturelle Atmosphäre Jerusalems. Bürgermeister Nir Barkat erklärte, er wolle Jerusalem, das kulturelle Zentrum und der Sitz der israelischen Regierung, als internationales Tourismusziel aufbauen. «Hier findet fast jeden Abend ein Vortrag über Judentum, Geschichte, Kunst, Philosophie oder Film statt», sagt Strenger.

7LSSI¾U)RWRJUDIHQ $XI]XP˜OEHUJDP0RUJHQ Und am 16. März ist erst zum zweiten Mal der Startschuss zum internationalen Marathon und Halbmarathon gefallen, was Hobbyläufer Barkat besonders gefreut hat. Die Sportler sind durch die verschiedenen Stadtteile Jerusalems gerannt, was das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der Hauptstadt fördern sollte. Dies ist auch bitter nötig, denn die jüdische Mehrheit und die arabische Minderheit leben nicht miteinander, sondern nebeneinander. Schulsysteme und kommunale Dienstleistungen laufen weitgehend separat. Mit ruhiger

Neben Juden und Muslimen beanspruchen auch Christen Jerusalem für sich.

Orthodoxe Juden prägen das Bild an der Klagemauer.

Stimme führt Strenger seine Erläuterungen fort: «Den Ölberg und seine arabische Nachbarschaft, wo meine Grosseltern begraben sind, kann ich als religiöser Jude nur in Begleitung bewaffneter Sicherheitsbeamter besuchen. Ich wünsche uns verbesserte Beziehungen zu unseren arabischen Mitbewohnern.» Die Verarbeitung von Terroranschlägen gehört für ihn zum Alltag, betreut er doch als Psychologe Angehörige von Opfern. Just der für christliche Pilger wichtige Ölberg bietet einen fantastischen Blick auf die Altstadt Jerusalems – und am Morgen bestes Licht für Fotografen. Obwohl Jerusalem ausser am Sabbat ein permanenter Verkehrsinfarkt droht, bietet die grösste israelische Stadt viel Lebensqualität. Dazu beigetragen hat die verkehrsfreie Mamilla Shopping Mall. Sie befindet sich in der Nähe des Jaffa-Tors der Altstadt und wurde vor drei Jahren unter anderem mit Läden von Rolex, H. Stern, Nike, Ahava (Kosmetikprodukte wie Handcremes vom Toten Meer) oder der israelischen Modelinie Castro eröffnet. Die Mauern der Gebäude strahlen im sandfarbenen Jerusalemstein. So schreibt es das Gesetz vor. «Mamilla war einst ein Armutsviertel.

Auf dem Weg zur Altstadt trinke ich dort gerne einen Kaffee», sagt Strenger. In Jerusalem wird notabene wie in ganz Israel die alte Kaffeehauskultur Europas gepflegt. Das mag ein Grund sein, weshalb Starbucks 2003 sämtliche sechs Filialen mangels Erfolg aufgab.

Vier Luxushotels innerhalb YRQZHQLJHQ0HWHUQ Die Umgebung von Mamilla ist gleichzeitig das Epizentrum der schicksten Hotels des Landes. Die Bar des luxuriösen Lifestyle-Hotels Mamilla gehört zu den angesagtesten Treffpunkten. Mit dem David Citadel, dem altehrwürdigen King David Hotel sowie dem Waldorf Astoria, das erst in diesen Wochen eröffnen wird, buhlen gleich vier Luxushotels innerhalb von wenigen 100 Quadratmetern um Gäste mit einer grossen Brieftasche. Von diesen Hotels aus erreicht man in nur zehn Fussminuten via die Jaffa-Strasse gleich eine weitere Fussgängerzone: In Nahalat Shiva befinden sich Dutzende von kleinen Galerien und Läden, die Kunstschmuck verkaufen, sowie Restaurants und Cafés. Das Quartier hat Geschichte geschrieben, weil hier sieben Juden 1867


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die ersten Häuser ausserhalb der Altstadt bauten. Im oberen Teil der Jaffa-Strasse befindet sich der Machane-Yehuda-Markt, wo Gabriel Strenger Früchte, Gemüse, Kräuter oder Oliven einkauft. Zum Essen mag er auch die Restaurants in der EmekRefaim-Strasse, wo im Südwesten der Stadt am Freitag ein Flohmarkt stattfindet. Am selben Tag zieht es Strenger manchmal zum Geburtsort Johannes des Täufers, ins dörfliche Ein Karem, und danach in den Jerusalemer Wald auf einen Spaziergang. Dort sucht der Heimwehschweizer nach dem, was er von seiner alten Heimat am meisten vermisst: Ruhe und Sicherheit. Fisch, Fleisch, Früchte, Gemüse und Restaurants: der Machane-Yehuda-Markt im Westen Jerusalems.

9RUVLFKWYRUGHPP\VWHUL¸VHQ Jerusalem-Syndrom Dafür liegt in Jerusalem etwas Spezielles in der Luft. Die Stadt ist gesättigt von Heiligkeit. Überall gibt es Zeichen der Gegenwart Gottes. Nicht alle Besucher können damit umgehen und verlieren den Verstand – zumindest zeitweise. Strenger kennt diesen Zustand als «Jerusalem-

Syndrom». Dabei handelt es sich um eine psychische Störung, die mit Wahnvorstellungen oder Erlösungsfantasien einhergehen. Normale Touristen halten sich plötzlich für biblische Figuren, kleiden sich seltsam und beginnen, die Ankunft Gottes zu verkünden. Ungefähr 20 Menschen

erkranken jährlich an diesem (heilbaren) Syndrom. Das sollte aber niemanden von einer Reise in die heilige Stadt abhalten, schwärmt doch Strenger: «Es gibt so viele schöne Dinge in Jerusalem zu sehen. Und die meisten kommen und gehen als ganz normale Touristen.» O

DIE BESTEN ADRESSEN FÜR JERUSALEM Anreise

bucht, am Rand des gleichnamigen Marktes, Tel. 00972 2 533 34 42); Chakra (etwas versetzt zur bekannten King George Street; das «Tasting Dinner» mit unzähligen Speisen kostet 170 Schekel/40 Franken, Tel. 00972 2 625 27 33); Barood (eigentlich ein Pub, Essen im Stil spanischer Juden und Atmosphäre sind ein Erlebnis, im Feingold-Haus hinter der Jaffa-Strasse 31, Tel. 00972 2 625 90 81).

Swiss (oft mit dem Airbus A-340!) und die israelische Fluggesellschaft El Al fliegen teilweise mehrmals täglich ab Zürich und Genf nach Tel Aviv. Die Flugzeit beträgt rund vier Stunden. Preiswerte Alternative: Basel–Tel Aviv mit EasyJet. Vom Flughafen Ben Gurion ist man mit einem Taxi in gut einer halben Stunde in Jerusalem (Preis gut 300 Schekel/75 Franken). Spartipp: Sammeltaxis in Minibussen kosten ab Ben Gurion nur 50 Schekel/Person.

Reisezeit Ganzjährig. Im Hochsommer kann es in Jerusalem allerdings über 40 Grad werden. Immerhin ist die Hitze erträglich, weil sie trocken ist. Über Ostern und Weihnachten sind die Hotels teilweise doppelt so teuer.

Hotels Mount Zion (Gebäude aus der ottomanischen Zeit mit atemberaubender Sicht auf die Altstadt, Doppelzimmer ab 180 Franken, 4 Sterne, www.mountzion.co.il); Mamilla

Diverses Hotel (zentrale Lage in der Nähe der Altstadt und am Ende der gleichnamigen Einkaufsmeile, derzeit das Lifestyle-Luxushotel, ab 350 Franken, www.mamillahotel.com); Alegra Boutique (15 Minuten vom Stadtzentrum entfernt, historisches Haus aus dem Jahr 1850 im Dorf Ein Karem mit Gourmetrestaurant, ab 400 Franken inklusive Halbpension, www.hotelalegra.co.il).

Restaurants Machane Yehuda (mediterrane Speisen, offene Küche, Wochen im Voraus ausge-

Moderne Kunst findet sich in der Galerie Eden, www.eden-gallery.com. Ebenfalls kostenlos ist der Eintritt in die HolocaustGedenkstätte Yad Vashem. Sie zeigt alles vom Antisemitismus im Mittelalter bis zu den Gräueln des Naziterrors im 2. Weltkrieg, www.yadvashem.org (freitags nur bis 14 Uhr geöffnet, samstags geschlossen).

Allgemeine Informationen Israelisches Verkehrsbüro, D-Berlin, Tel. 0049 30 203 99 70, www.goisrael.com


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Mauritius

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MAURITIUS

MAURITIUS Die erstklassigen Resorts in Mauritius sind legendär. Nur am Strand zu liegen, ist jedoch schade. Zu schön ist die Landschaft, zu viel ist zu entdecken. TEXT STEFANIE SCHNELLI


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MAURITIUS

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ie vom Wege Abgekommene – La Traviata. Im wortwörtlichen Sinn das passende Stück für ein Opernfestival auf Mauritius. Wird doch die Insel mit ihren traumhaften Stränden, dem erstklassigen Service und der friedlichen Multi-Kulti-Gesellschaft nicht gerade mit Verdi und Co. in Verbindung gebracht. Doch der Eindruck täuscht. Mauritius verfügt über eine mehr als 200 Jahre alte Operntradition. Noch in den 1950er-Jahren gab Joan Sutherland ein Gastspiel auf Mauritius. Der Musikliebhaber Paul Olsen wollte es nicht bei dieser ruhmreichen Vergangenheit belassen. 2009 hat der Mauritier ein internationales Opernfestival ins Leben gerufen. Nun findet die «Opera Mauritius» im September zum dritten Mal statt. Auf dem Programm steht, im J&J Auditorium in Phoenix, La Traviata – mit der mauritischen Sopranistin Véronique ZuëlBungaroo in der Rolle der Violetta und der deutschen Sopranistin Katrin Caine als Flora. Das Orchester kommt von La Réunion, der Chor aus Mauritius.

Kulturen entdecken Eine Tropeninsel als historischer Schauplatz für Opern – Mauritius ist voller sol-

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cher Überraschungen. So schön die Resorts auch sind – wer auf Mauritius Ferien macht, sollte auch vom Liegestuhl aufstehen und die Hotelanlage hinter sich lassen, um die Insel zu entdecken. Das fängt schon im kleinen Dorf um die Ecke an. Auf Mauritius leben die Nachfahren von Europäern, Afrikanern, Indern und Chinesen friedlich zusammen – und alle haben ihre kulturellen Hintergründe bewahren können. Besucher, die Interesse daran zeigen, finden schnell Gesprächspartner. Die offene und herzliche Art der Einheimischen und ihr gutes Englisch und Französisch machen es leicht, mit ihnen in Kontakt zu kommen.

Geschichten lauschen Die beste Möglichkeit, diese Vielfalt der Religionen in ihrer ganzen Pracht zu erleben, ist der Unabhängigkeitstag am 12. März, wo jede religiöse Gemeinschaft ihren Teil zum Fest beiträgt. Einen Einblick in die mauritische Seele aber gewinnt, wer bei einem Pferderennen dabei ist. Bis zu 30 000 Zuschauer versammeln sich an einem solchen Spektakel, die jeweils von Mai bis November stattfinden. Auch das hat Tradition: Der Mauritius Turf Club feiert 2012 sein 200-Jahre-Jubiläum.

ADRESSEN UND FLÜGE Opernfestival: www.operamauritius.com Pferderennen: www.mauritiusturfclub.com Zuckermuseum: www.aventuredusucre.com Teeroute: lesaintaubin@intnet.mu Rum: www.rhumeriedechamarel.com Château de Labourdonnais: www.unchateaudanslanature.com Abenteuerpark Chamarel: www.parc-aventure-chamarel.com Allgemeine Infos: www.tourism-mauritius.mu

FLÜGE Der Flug nach Mauritius dauert rund elf Stunden. Edelweiss Air fliegt zu den Hauptreisezeiten wöchentlich ab Zürich. Air Mauritius fliegt bis Ende Oktober noch nach Genf, nachher muss via Paris oder London geflogen werden.

Geschichte also ist allgegenwärtig, wird am schönsten im Séga erzählt, der Gesangs- und Tanzform, die ihre Wurzeln in der Musik der afrikanischen Sklaven hat. Informativer sind die zahlreichen Museen zu fast jedem Thema aus der Vergangenheit und Gegenwart Mauritius’: L’Aventure du Sucre, die Teeroute, das BriefmarkenMuseum oder die Rhumerie de Chamarel. In Häusern wie dem Château de Labourdonnais aus dem Jahr 1859, das aufwendig restauriert wurde, wird der Glanz der Kolonialzeit sichtbar.

Natur erleben

Die unterschiedliche Herkunft der Mauritier zeigt sich bei religiösen Feiern besonders schön.

Weniger glatt ist die Natur Mauritius’. An der Küste ist sie zwar, mit warmem Wasser und weichem Sand, sanft und lieblich. Ein Paradies für Taucher und Schnorchler, Surfer und Segler. Golfer finden unter den acht 18-Loch-Anlagen bestimmt einen neuen Lieblingsplatz. Im Landesinneren aber zeigt sich der vulkanische Ursprung, die zerklüftete Landschaften geformt hat. Vor allem das kühlere zentrale Hochland lädt zum Wandern, Mountainbiken oder Klettern ein. Dabei darf man auch ruhig vom Weg abkommen. O


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Prominente Läufer

3. MAURITIUS-MARATHON AM 15. JULI 2012

LAUFEN IM PARADIES Zum dritten Mal wird auf Mauritius ein Marathon ausgetragen. Unter Kennern gilt der Parcours als einer der schönsten der Welt. Allein der Start zwischen Le Morne und türkisfarbenem Meer bietet ein unglaubliches Panorama.

Obwohl Mauritius im Tropengürtel liegt, sind die Temperaturen im Juli geradezu ideal für einen Marathon. Die ambitionierte Sportveranstaltung richtet sich nicht

nur an einheimische Läufer, sondern auch an sportlich interessierte Feriengäste. Der Event mit gemeinnützigem Hintergrund – es soll möglichst viel Geld für SOS-Kinderdörfer zusammenkommen – hat bereits eine grosse Fangemeinde. Ferien mit einem sportlichen Anlass und einem sozialen Engagement zu verbinden, ist für eine wachsende Zahl von Gästen eine interessante Option. Ein Besuch in einem der SOS-Kinderdörfer gehört denn auch zum Rahmenprogramm des Marathons.

Auf der Liste der gemeldeten Läufer sticht vor allem ein Name besonders hervor: Fauja Singh, der 100-jährige Marathonläufer, hat seine Teilnahme bestätigt. Interesse hat auch Tegla Loroupe, die ehemalige Weltrekordhalterin und Grande Dame des Marathon-Sports, bekundet. Ob sie am Rennen definitiv teilnehmen wird, stand bei Redaktionsschluss allerdings noch nicht fest.

Packages ab der Schweiz In der Schweiz bietet der Mauritius-Spezialist Stohler Tours ein interessantes Gesamtpaket an. Darin inbegriffen sind die Anreise, der Aufenthalt im gewünschten Hotel mit Halbpension sowie die Teilnahme am Marathon und am Rahmenprogramm. www.mauritiusmarathon.com www.stohler.com

Gratis Unterkunft für die Gattin und gratis Mittagessen für das Ehepaar.

1 Woche

Long Beach: ab CHF 1’890.- pro Pers. Le Touessrok : ab CHF 2’090.- pro Pers. Inbegriffen: Flug mit Emirates ab Zürich/Genf - Mauritius (via Dubai) in Economy Klasse, Privattransfers Flughafen – Hotel – Flughafen, 6 Nächte Superior (Long Beach) oder Junior Suite (Le Touessrok) Doppelzimmer mit Vollpension, Stohler Tours Betreuung vor Ort, 1 Tag Kreuzfahrt. Nicht inbegriffen: Annullations- und Rückreisekostenversicherung, Dossiergebühren vom Reisebüro. Flughafen- und Sicherheitstaxen, Treibstoffzuschlag (CHF 110.-). Gültigkeit: Preis gültig für Aufenthalte zwischen 1.5 und 15.7.2012 (Min. 5 Nächte). Gültig bis 9 Monate nach der zivilen Trauung. Zuschläge: Aufenthalte 16.7-30.9.12: Long Beach: +CHF 10.-/Pers/Nacht, Le Touessrok: +CHF 21.-/Pers/Nacht. Preise in CHF. Programm- und Preisänderungen vorbehalten. Unsere allgemeinen Vertrags- und Reisebedingungen kommen zur Anwendung.

Ferien vom Feinsten

Stohler Tours: www.stohler.com - info@stohler.com - Zürich - 044-421 70 70 - Genf - 022-715 19 04 - Lausanne - 021-614 38 80


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GEFÜHRTE WANDERUNG IM VALLÉE DE FERNEY

SCHLAFENDE BÄUME UND FEHLENDE WEIBCHEN Eigentlich sollte ein Highway mitten durch das Vallée de Ferney führen: Die Regierung wollte den Osten der Insel besser an den Flughafen anbinden. Umweltschützer haben dies verhindert. So ist ein uralter Schatz erhalten geblieben.

Louis Sergio Belle arbeitet seit einem Jahr als Guide im Naturschutzpark Vallée de Ferney. Doch den Baum, vor dem er stehen bleibt, hat er noch nie mit Früchten gesehen. Und auch wenn er bereits fünf Jahre hierherkäme – es wäre das Gleiche. «Das sind die faulsten Bäume der Inseln», sagt Sergio. «Sie schlafen für Jahre.» Zwar wächst die Pflanze, aber um Früchte zu produzieren, muss sie kräftig wachgerüttelt werden. Dafür genügt kein Sturm. Das erfordert einen Zyklon. Solche Wirbelstürme peitschen sporadisch über Mauritius. Die Menschen sind in ihren Häusern inzwischen gut geschützt. Die Pflanzen aber mögen den Winden nicht standhalten. Wie Strohhalme

werden sie umgeknickt, zersaust und zerfetzt. Aber nicht alle. Ein paar halten selbst den wütendsten Wirbelstürmen stand. Es sind die Arten, die seit je auf Mauritius wachsen. Zu ihnen gehört auch der «Sleeping tree». Und weil der letzte Zyklon zehn Jahre zurückliegt, hatte er schon ziemlich lange seine Ruhe. «So schlimm ist das nicht», sagt Sergio. «Seine Früchte sind ungeniessbar – wie alle Früchte der ursprünglich auf Mauritius heimischen Pflanzen.» Sergio schützt sie trotzdem. Er arbeitet mit dem Team des Vallée de Ferney daran, einen Waldabschnitt im Naturschutzpark zu renaturieren. Sprich: von allen hierher eingeschleppten Pflanzen zu befreien. Und von denen

Louis Sergio Belle kennt die Baumgeschichten.

Nicht mächtig, aber stark: endemische Bäume.

gibt es viele: Mangobäume, den Zimtbaum oder die Travellers Palm. Letztere hat die Prinzessin von Madagaskar eingeführt. Vier Stück waren es damals. Heute ist die Palme überall anzutreffen.

Stärke durch Langsamkeit Finanziert wird das Projekt Vallée de Ferney der Organisation Ciel & Nature auch durch die Einnahmen aus begleiteten Wanderungen. Äusserst unterhaltsam erklären die Guides dabei die Flora und führen zu Bäumen, wo Grossvater, Vater und Sohn nebeneinanderstehen und ihr Alter durch Streifen auf der Rinde verraten. Oder zu einem einsamen Junggesellen, wie Sergio das eher mickrige Exemplar am Wegrand nennt. «Von dieser Art gibt es auf Mauritius noch drei Bäume, und sie sind alle männlich. Sie wird aussterben.» Nur noch zwei Prozent der Gesamtfläche Mauritius’ sind mit Primärwald bedeckt. Die endemischen Bäume darin sind erkennbar an ihren nach oben gerichteten Blättern. «Diese Bäume wachsen langsam, sind aber stark. So überstehen sie Zyklone und werden bis zu tausend Jahre alt», sagt Sergio. Höhepunkt der Wanderung ist ein Aussichtspunkt, der den Blick bis ans Meer freigibt. Das Blätterdach ist beeindruckend und wird abgesucht nach Blättern, die nach oben der Sonne entgegen wachsen. www.valleedeferney.com


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APRIL 2 012 | A RTUNDREISE

NEWS

60. Geburtstag Paar Angebot

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Angsana Balaclava eröffnet Angsana Hotels & Resorts hat vor kurzem ihr erstes Haus auf Mauritius eröffnet. Das Boutique-Resort mit insgesamt 51 Suiten und einer Imperial Villa bietet viel Privatsphäre und damit den idealen Rahmen für eine romantische Auszeit zu zweit.

Familien Angebot Honeymoon und Hochzeitsangebot

St. Regis am Fusse des Le Morne Am 15. September öffnet das St. Regis Mauritius seine Pforten. Am Fusse des Le Morne liegt es nahe der besten Tauchspots und Kitesurf-Strände der Insel. Das Design der 172 Suiten ist von der Geschichte inspiriert und ausgerichtet auf Entspannung und Privacy.

Sun Resorts bald mit neuem Hotel Die mauritische Hotelgruppe Sun Resorts erweitert ihr Angebot auf Mauritius mit dem Vier-Sterne-Hotel Ambre Resort & Spa in Belle Mare. Zurzeit wird das Hotel mit 297 Zimmern für rund zehn Millionen Euro umgebaut. Die ersten Gäste sollen im Herbst einchecken können.

Schöne Aussicht bei Missoni Hotel Missoni, die luxuriöse Lifestyle-Marke der Rezidor Hotel Group, kommt nach Mauritius. Hoch über dem Dorf Baie du Cap gelegen, wird das Hotel Missoni Mauritius 80 Luxussuiten bieten. Die Eröffnung ist für 2014 geplant.


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LUX* BELLE MARE

FÜR WERTVOLLE AUGENBLICKE

Im Lobby-Sofa versunken und müde von der langen Reise fällt ein morgendliches Geräusch im LUX* Belle Mare plötzlich besonders auf. Eine Kaffeemaschine brummt, eine Tasse klirrt auf einen Unterteller. Im hinteren Bereich der Lobby hängt eine grosse Wanduhr über der Bar … «Kaffee?», fragt der Kellner freundlich, als sich die Blicke treffen. Serviert wird die hauseigene, biologische «Island Blend»-Mischung. Die Bohnen werden eigens im Hotel frisch geröstet. Vielleicht schärft die grosse Uhr das Bewusstsein noch, wie kostbar ein solcher Moment ist. «Each moment matters», wird Paul Jones, CEO von LUX* Island Resorts, später im Interview an dieser Bar sagen.

Die Insel erleben Das Café LUX* ist eine von 50 sogenannten Szenen, also Erlebniswelten, die den Zauber der neuen LUX* Island Resorts ausmachen. Seit Dezember heissen die Naiade Resorts im Indischen Ozean LUX* Island Resorts. Das neue «Island Light»-Konzept definiert Luxus nicht durch Statussymbole und Konsumüberdruss, sondern durch eine unkomplizierte Umgebung und authentische Erlebnisse. Dafür wird eher auf oldschool statt auf hypermodern gesetzt. Beim «Ici»-Stand mit frischen Glaces aus Inselfrüchten sind die Sorten auf einer Tafel aufgelistet, das Telefon der Szene «Phone Home» für Gratis-Telefonate nach Hause

hat Schnur und Wählscheibe. Viele der Szenen sind mauritisch, wie «Island Kitchen», wo Frauen aus dem Dorf aus ihren Kochtöpfen schöpfen. «Die Gäste sollen die Insel erleben. Wir wollen sie mit Einheimischen in Kontakt kommen lassen, ihnen zeigen, was die Menschen hier essen, trinken und wie sie feiern», erklärt Jones die Idee der Szenen. Einladungen für kleine Glücksmomente, Luxus für die Sinne. LUX* kommt dabei vom lateinischen Wort für Licht. Um mehr Licht zu schaffen, wurden die Villen und Zimmer sowie Restaurants und Bar des ehemaligen Beau Rivage renoviert und zum LUX* Flaggschiff Belle Mare. Die Hauptfarbe ist strahlendes Weiss. Schnörkel fehlen, dafür gibt es Natürlichkeit. Nichts lenkt vom Wesentlichen ab. Und was ist das Wesentliche? «Der Moment, das Leben zu feiern», sagt Paul Jones.

Strahlend weiss: Die neu renovierten Zimmer.

Lust auf Genuss: Die «Ici»-Szene-Glacestand.

Einer der grössten Pools der Insel.

Im Dezember 2011 wurden aus den Naiade Resorts im Indischen Ozean die LUX* Island Resorts. Mit dem Namenswechsel geht ein neues Konzept einher, das wahren Luxus in den kleinen Dingen des Lebens sieht.


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CONSTANCE LE PRINCE MAURICE

LE SAINT GÉRAN

ROYALER LUXUS

VON SPOON ZU PRIME

Zu Ehren des niederländischen Prinzen Moritz von Nassau hat Mauritius seinen Namen erhalten. Und weil es in einem Jubiläumsjahr der Insel eröffnet wurde, trägt auch das Constance-Haus Le Price Maurice den edlen Namen. Dieser verpflichtet, und das FünfSterne-Resort mit zwei 18-Loch-Golfplätzen erfüllt alle Erwartungen. Seinem Namen treu verströmt es Eleganz, Luxus und einen Hauch Geschichte. Die Farben und Düfte im Hotel orientieren sich an den Gewürzen, die die Seefahrer auf ihrem Weg von Indien nach Europa auf die Insel brachten. Kurkuma, Chili und Zimt – warme Farben, die sich mit dem Blau des Ozeans mischen. Honeymooner, Golfer und Familien spüren schon beim Gang über die TeakholzBrücke in die grosszügige Lobby mit Marmorboden und plätschernden Brunnen, in was für einem Haus sie sich aufhalten. Grosse Erwartungen weckt auch der Weg zum schwimmenden Restaurant Le Barachois. Ein langer Holzsteg führt über eine kleine Insel und Wasser, das sowohl süss als auch salzig ist: Zwei Flüsse laufen hier zusammen und münden ins Meer. Das Gebiet ist geschützt, die Aussicht atemberaubend.

Im Le Saint Géran, dem «Dolder» von Mauritius, trifft sich die europäische Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Seit seiner Eröffnung vor dreissig Jahren zählt das legendäre Haus zur Spitze der mauritischen Hotellerie. Bis vor Kurzem haben Alain Ducasse (drei Michelin-Sterne) und Vineet Bathia (zwei Michelin-Sterne) dafür gesorgt, dass die «Grande Dame» auch kulinarisch zu den führenden Adressen der Insel zählt. Das «Spoon des Iles» und das «Rasoi by Vineet» galten lange Zeit als die beiden besten Restaurants der Insel. Während die Zusammenarbeit mit Vineet weitergeführt wird, hat sich die Führung des Hotels im letzten Jahr dazu entschlossen, mit dem «Spoon» einen neuen gastronomischen Weg einzuschlagen und die Zusammenarbeit mit Alain Ducasse zu beenden. «Prime» heisst nun das neue Restaurant. Neben einer innovativen Seafood-Küche werden saftige Gourmet-Steaks vom Grill angeboten. Das stimmungsvolle Ambiente und die Einrichtung sind sehr «stylish» und erinnern eher an eine Lounge als ein Restaurant. Geöffnet wird abends, jeweils donnerstags bis sonntags von sechs Uhr bis Mitternacht.

Die Einrichtung orientiert sich an den Farben von Gewürzen.

Stimmungsvolles Ambiente für saftige Steaks und Seafood.


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LONG BEACH & LE TOUESSROK

HIP UND URBAN, ELEGANT UND ROMANTISCH Mit dem Long Beach, auf dem Gelände des ehemaligen Coco Beach, setzt die SunResorts-Gruppe betreffend Modernität und Design neue Massstäbe. Le Touessrok hingegen ist für seinen Charme bekannt – und für zahlreiche Auszeichnungen.

Immer wieder gleitet der Schirm in die Luft, unermüdlich setzt das kleine Schiff zur nächsten Runde an. Paragliding scheint an diesem Nachmittag das Vergnügen schlechthin zu sein unter den Gästen des Long Beach. Die Aussicht lohnt sich bestimmt: Klares, türkisfarbiges Wasser, einer der längsten Sandstrände der Insel und ein brandneues Resort dahinter. In seinem Design mit grossen Fenstern, klaren Formen und teils zweistöckigen Appartements (somit haben alle Suiten Meersicht) sieht es wie ein modernes, schickes Stadtviertel aus. Wer gegen Ende des Tages Sonnenbrille, Buch und Tuch einpackt und dem Strand den Rücken kehrt, taucht in die stylische Welt dieses Resorts ein, bei dem Unterhaltung, Sport und Lifestyle genauso zum Konzept gehören wie ein unberührtes Korallenriff und der Garten mit endemischen Pflanzen. Das Herz der Nacht schlägt im Long Beach dabei auf der Piazza. Umrandet von den Restaurants, einer Bar und Shops, bildet sie das Zentrum der Anlage. Eltern, die tagsüber mit ihren Kindern im Wasser plantschten, gehen hier aus. Junge Paare schlendern Hand in Hand zum Ape-

ritif. Später tanzen sie im Nachtclub Bombora. Musik ist im Long Beach nicht auf eine Tageszeit beschränkt. Oft wird live gespielt – von den heissesten Hits bis zu alten Klassikern.

Die edle Schwester Das Long Beach ist das jüngste Kind der Sun-Resorts-Gruppe, die unter anderem für das 5-Sterne-Haus Le Touessrok bekannt ist. Die beiden Resorts verbindet der Golfplatz, den die Gäste des Long Beach kostenlos mitbenutzen können. In ihrem Stil und der Ambiance unterscheiden sie

sich aber stark. Während das Long Beach Urbanität und eine moderne Lässigkeit ausstrahlt, sticht das Le Touessrok, das als eine der besten Unterkünfte der Insel zählt, durch seine entspannte Eleganz und seinen Charme hervor. Drei Inseln gehören zur Anlage, auf einer davon, der Île aux Cerfs, dehnt sich der 18-Loch-Championship-Golfplatz von Bernhard Langer aus. Sie ist nur mit dem Boot erreichbar. So wie auch die nur für Hotelgäste zugängliche romantische Robinson-Insel Mangénie, die gerne für Badeausflüge genutzt wird. Bekannt ist das Le Touessrok aber vor allem für seinen Service und zahlreiche Auszeichnungen. Bei letzterem kann die junge Schwester noch nicht mithalten – Long Beach wurde erst vor einem Jahr eröffnet.

Zwei ungleiche Schwestern: Im Stil unterscheiden sich das Long Beach (oben) und Le Touessrok.


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TROU AUX BICHES RESORT & SPA

EDLE WASSER UND NEUER GOLFPLATZ Vor allem am frühen Abend, wenn die meisten Gäste sich in ihren Suiten für das Nachtessen zurechtmachen, lockt der Hauptpool des Trou aux Biches zum Schwimmen. Im Abendlicht macht er beinahe dem Meer Konkurrenz, das hier immerhin an einen der schönsten Strände der Insel plätschert. Dem Infinity-Effekt sei dank, lässt sich beides verbinden, und bei den Zügen im Süsswasser mitverfolgen, wie die Sonne sich für ihr Bad dem Ozean nähert. Wasser spielt im Trou aux Biches seit je eine Rolle. Seinen Namen verdankt das

Beachcomber-Hotel den Hirschkühen, die einst auf das Gelände kamen, um ihren Durst am Wasserloch zu löschen. Heute baden vor allem schicke Europäerinnen in einem der 106 Pools, die das Resort seit der Wiedereröffnung 2011 zählt. Und im Gegensatz zu den Hirschweibchen teilen sie das Vergnügen mit ihren Männern. Sie kommen für den Honeymoon, mit der Familie oder in einer Gruppe. Einige Villen- und Suitenkategorien verfügen über exklusive Bademöglichkeiten, die anderen Pools sind, im Garten unter Palmenhainen, für alle offen. So tau-

chen bei einem Spaziergang durch die Anlage immer wieder solche Badeplätze zwischen den Suiten-Bungalows auf. Die Anlage erinnert an ein idyllisches Dorf, dessen Wege durch einen tropischen Garten führen, an sechs Restaurants vorbei, zu einem Clarins-Spa, einem Sportcenter und Tennisplätzen. Und bald kann auch wieder Golf gespielt werden: Beachcomber hat im Norden von Mauritius mit dem Bau eines 18-Loch-Golfplatzes begonnen. Dieser wird auch den Gästen des Trou aux Biches zur Verfügung stehen. Er wird aber frühstens 2013 eröffnet.

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A RTUNDREISE | A PRIL 2012

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FOUR SEASONS RESORT AT ANAHITA

SHANTI MAURICE

PRIVATE ELEGANZ

MEDITATIVE SCHÖNHEIT

Dass der Weg zur eigenen Villa zu Fuss lang sein kann, stört im Four Seasons at Anahita zumindest Gartenliebhaber nicht im Geringsten. Zu hübsch sind all die Blumenköpfe, die sich in perfekt gepflegten Beeten in allen Formen und Farben präsentieren. Nichts wird dem Zufall überlassen, Sorten und Arten ergeben ein komponiertes Gesamtbild. Dieser Perfektionismus ist dem Four Seasons eigen und steht in schönem Kontrast zur Umgebung, die üppig und natürlich erscheint. Das Resort liegt in einer der grössten Lagunen von Mauritius, ein Teil der Unterkünfte auf einer für Four Seasons exklusiven Insel. Hier unterbrechen Mangroven die Sandstrände. So sind hübsche, abgeschiedene kleine Buchten entstanden, die viel Intimsphäre versprechen. Lärm und Ablenkung verursacht hier höchstens ein lauter Vogel. Wer gar niemandem begegnen will, bleibt in der Villa mit eigenem Pool und Garten. Abends jedoch lohnt es sich, in einem der vier Restaurants, alle à la carte, oder der Bar zu verweilen. Die Grosszügigkeit der Räumlichkeiten, das moderne Design und die gediegene Atmosphäre verströmen Eleganz und fast ein bisschen Stadtgefühl.

Wer glaubt, innere Ruhe sei etwas langsam Einkehrendes, könnte im Shanti Maurice überrascht werden. Der erste Blick über den Strand genügt, um die Nerven zu besänftigen, den Puls zu drosseln. Die Schönheit der Umgebung im noch unberührteren Süden der Insel lässt demütig werden. Das Licht spielt im Türkis der Lagune, der helle Sand glänzt im Kontrast zu schwarzen Lavasteinen und die Hügel in der Ferne schimmern im sanften Grün des Zuckerrohrs. Wer kein Yogi ist, könnte hier einer werden. Das hat sich wohl auch die Ananda-Gruppe gedacht, als sie das Resort für Ayurveda-Gäste gebaut hat. Später hat jedoch Nira das Hotel übernommen und 2010 nach einer kleinen Renovierung als Shanti Maurice wiedereröffnet. Geblieben ist die Ruhe, die Harmonie und der Frieden, den das Resort ausstrahlt, sowie auch der professionelle Ayurveda-Spa. Der Arzt und die Therapeuten stammen aus Südindien. Sonst dominiert der mauritische Stil, auch in der Küche der drei Restaurants. Die Kräuter und das Gemüse dafür werden im eigenen Garten gezüchtet. Authentizität ist Pflicht – und macht glücklich.

Ruhige Eleganz: Eine Villa im Four Seasons at Anahita.

Zweihändig und authentisch: Ayurveda-Massage im Shanti Maurice.


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APRIL 2 012 | A RTUNDREISE

SCHWEIZER MAURITIUS-SPEZIALISTEN

DIE EMPFEHLUNGEN DER PROFIS Sie kennen jeden Winkel der Insel und entdecken gerne Neues – die Geheimtipps der Insider

COCKTAILS SCHLÜRFEN IM «L57»

Irene Ackermann

Der Besuch des belebten Marktes in der Hauptstadt Port Louis ist für jeden MauritiusReisenden ein «Must». Hier findet man unzählige, frische kreolische Köstlichkeiten, fein schmeckende Gewürze (von Vanille über Curry bis zu Kokosnussöl), bunte Tücher und handgeflochtene, typische mauritische Souvenirs. Der Markt hat täglich geöffnet und lockt Einheimische und Touristen gleichermassen an. Auch Port Louis selbst und vor allem China Town lohnen sich für eine Entdeckungstour. Ebenfalls absolut einen Abstecher wert ist das «L57», ein trendiges kleines Lokal mit privatem Swimmingpool im Norden der Insel bei Pointe aux Canonniers, in der Nähe des lebhaften Dorfes Grand Baie. Die Bar/Lounge lädt zum Verweilen ein, zum Geniessen, Baden, Cocktails schlürfen und Relaxen. Und das alles in sehr stylischer Atmosphäre. Manta Reisen AG, www.manta.ch

EIN REISGERICHT VON KATY FÜR DEN BÄRENHUNGER NACH DEM SURFEN

Marc Roth

Mauritius und vor allem Le Morne ist eine begehrte Adresse unter Surfern und eine der wichtigsten Destinationen für Spinout SportTours. Direkt unter dem Berg Barbant – liegt einer der schönsten und vielfältigsten Surfspots weltweit. Hier können sich Kite- und Windsurfer wie auch Wellenreiter aller Könnerstufen austoben. Das Revier befindet sich an einem 900 m langen Strandabschnitt und ist durch ein vorgelagertes Riff begrenzt. In der Lagune kann man über flaches Wasser surfen oder über eine kleine Welle reiten, die sich im Innenriff bildet. Für Wellencracks ist One Eye mit seinen haushohen Wellen immer wieder eine Herausforderung. Den Bärenhunger nach der Surfsession stillt man am besten in einer der kleinen Imbissbuden nahe beim Kitespot. Besonders angetan hat es uns der charmante «Katy Fast Food»-Stand, wo es hervorragende einheimische Reisgerichte gibt. Spinout SportTours, www.spinout.ch

DIE PRIVATSPHÄRE DER VILLEN IM LE PARADIS UND TROU AUX BICHES

Rolf Weber

Unser Geheimtipp sind die Villen der beiden Tophotels Le Paradis Hotel & Golf Club und des Trou aux Biches Resort & Spa. Die exklusiven Unterkünfte der beiden Häuser garantieren viel Privatsphäre und Luxus und liegen an den schönsten Stränden von Mauritius. Immer ein besonderes Erlebnis ist auch ein Tag an Bord der «Isla Mauritia». Der Zweimaster aus dem 19. Jahrundert steht exklusiv unseren Gästen zur Verfügung. Von Grand Baie aus führt der Segeltrip an die Nord- und Westküste zu den schönsten Buchten. Die Reisenden können dort baden und schnorcheln, später gibt es ein Picknick. Ein romantischer, unvergesslicher Ausflug. Apropos Romantik: Für Hochzeitsreisen haben wir einen speziellen «Honeymoon»Prospekt und immer wieder Honeymoon-Specials im Angebot, im Moment für das Long Beach und das Le Touessrok Resort. Stohler Tours, www.stohler.com


PRW

Mauritius – Berge inklusive…! Natürlich müssen Sie in Mauritius nicht auf die Berge kraxeln, wenn Sie dies nicht möchten. Aber eine Idylle darf nun einmal nicht eintönig sein. Mauritius ist gerade auch wegen der facettenreichen Landschaft wohl einzigartig: glasklares Meer (geschützt von einem Korallenriff), weisse, unberührte Strände, üppige Flora,

Informationen: MAURITIUS TOURISM Kirchenweg 5, 8032 Zürich, Tel. 044 388 41 18, Fax 044 388 41 03 info@prw.ch, www.tourism-mauritius.mu

Hügellandschaften mit Wasserfällen und eben auch prägnante Berge. Die Begegnung mit der liebenswürdigen multikulturellen Bevölkerung und die perfekten Leistungen der legendären Qualitätshotels lassen Ihre Ferien (mit oder ohne Bergsteigen) zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Follow your dream!


MÄRCHENHAFTER OMAN Im Sultanat Oman auf der Spitze der arabischen Halbinsel kann man das authentische Arabien erleben. Hier fühlt sich der Tourist noch als Entdeckungsreisender. TEXT ALEXANDRA KARLE BILDER MANUELA BURKHALTER

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as Kunstwerk sticht sofort ins Auge und beherrscht den ganzen Raum des Museums. Grossflächig, bunt, dreidimensional. Es fasziniert in der Machart und Struktur aus Stahl, Spiegeln und Ölfarbe. Es könnte im Guggenheim Museum in New York hängen oder im Zürcher Kunsthaus. Aber es ist im Bait Al Zubair Museum in Muscat ausgestellt. Während der Betrachter staunend davorsteht, tritt eine Frau hinzu. Auch sie eine beeindruckende Erscheinung mit ihren wallenden Kleidern und blondem Haar. Sarah White, General Managerin des Museums. Ganz nebenbei erzählt sie, dass sie dieses Werk geschaffen hat. Es sei ein Spiegel ihrer selbst und trägt den Titel «a life eclectic», also ein ungewöhnliches Leben. Das trifft auf Sarah White mit Sicherheit zu. Seit 25 Jahren lebt und arbeitet die Britin im Oman. Sie ist für die

grösste Sammlung zeitgenössischer Kunst des Landes verantwortlich und für den Rest des Museums, der das kulturelle Erbe des Landes widerspiegelt: alte Drucke und Landkarten, archäologische Fundstücke, antiker Schmuck, Münzen, Silberdolche und Gewehre. Mohammed Al Zubair, einer der renommiertesten Unternehmer Omans, hat sein Elternhaus als Museum für diese Sammlung zur Verfügung gestellt.

Schlafen im Palast Der Zubair-Familie gehört auch einer der grössten und vermutlich schönsten Hotelkomplexe des Landes: das «Shangri-La Barr al Jissah Resort und Spa» im Süden von Muscat, das in einer privaten Bucht liegt und gleich drei Hotels umfasst: das gehobene «Al Bandar» (die Stadt), das Herzstück des Resorts für Geschäftsreisende und anspruchsvolle Feriengäste. Daneben das Familienhotel «Al Waha» (die

Oase) und das luxuriöse «Al Husn» (die Burg). Verbunden sind die Häuser durch eine Strandpromenade, alle Gäste können die unterschiedlichen Pool-Landschaften und Restaurants nutzen. Nur manche Bereiche des «Al Husn» sind exklusiv für Clubgäste reserviert. Ein weiteres Hotel-Highlight in Muscat ist der nahe gelegene «Al Bustan Palace». Dieser achteckige Bau liegt auch direkt am Strand, dahinter die steil aufragenden Hajar-Berge – eine spektakuläre Kulisse. Die Lobby des gigantischen Hotels wird von einer 33 Meter hohen Kuppel beherrscht, die an das Innere des Petersdoms in Rom erinnert. Das «Al Bustan Palace» wurde mehrfach zum «Best Hotel in the Middle East» gekürt. Sultan Quaboos liess den Palast ursprünglich für das 1985 stattfindende Treffen des Golfkooperationsrates bauen. Erst später wurde es zum Hotel umgewandelt und diente dann als Vorlage


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Sarah White, Künstlerin und Museums-Managerin, vor ihrem Werk «a life eclectic».

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Blick vom Festungsturm auf die Oasenstadt Nizwa.

für das berühmte Emirates Palace Hotel in Abu Dhabi. Wer hingegen puristische Architektur und modernes Design versetzt mit arabischen Elementen schätzt, sollte sich in dem luxuriösen Designhotel «The Chedi» einbuchen. Das Haus hat nicht nur eine legendäre Showküche, sondern auch ein grosses Spa-Angebot.

Malerisches Muscat Nicht nur wegen der wunderbaren Hotels lohnt es sich, einige Tage in Muscat zu verbringen, bevor man zu seiner Rundreise durch den Oman aufbricht. Zwei portugiesische Festungen dominieren die Bucht von beiden Seiten. Die weissen Häuser und Paläste sind auf mehrere Hügel verteilt. Strassen, Gassen und Plätze wirken wie blank geputzt. Muscat gilt als eine der saubersten Städte der Welt, was jeder Taxifahrer stolz erzählt. Sehenswert ist vor allem die grosse Sultan-Qaboos-Moschee. Mit ihren reich verzierten Gebets- und Säulenhallen ist sie die einzige Moschee im Oman, die auch Nicht-Muslime betreten dürfen. Danach empfiehlt sich ein Bummel durch den alten Souk von Muttrah, die Besichtigung des Sultan-Palastes sowie der Besuch eines der vielen Festivals in der Stadt.

Begegnung mit dem Orient Der Oman ist trotz der steigenden Touristenzahlen sehr ursprünglich geblieben. Für Besucher bedeutet das glücklicherweise, dass sie hier noch authentisches arabisches Flair erleben können. Die Omanis sind sehr aufgeschlossen und gastfreundlich und das Land gilt als sicher. Auch alleine im Mietwagen fühlt man sich auf dem hervorragend ausgebauten und gut beschilderten Strassennetz wohl. Die Fahrt ins Landesinnere führt viele Besucher zuerst nach Nizwa, der ehemaligen Hauptstadt des Sultanats im Südwesten von Muscat: eine Oase, die von einem monumentalen Fort dominiert wird. Vom 35 Meter hohen Festungsturm hat man einen beeindruckenden Blick auf die Kuppel der grossen Moschee und die dahinter liegende Bergkette mit dem über 3000 Meter hohen Jebel Akhar, dem «grünen Berg». Jeden Freitagmorgen geht es in Nizwa hoch her, denn dann findet vor den Toren der Altstadt der regionale Viehmarkt statt. Lastwagen und Pickups parken dicht an dicht, vollgeladen mit Ziegen, Schafen, Hühnern und Kälbern. Dazwischen handeln, tauschen, lachen und schimpfen die Männer – und bereiten nebenher Tee auf kleinen Gaskochern zu.

INFOS ZU OMAN Anreise: Zum Beispiel mit Oman Air viermal pro Woche direkt von Zürich nach Muscat. www.omanair.com Hotels: The Chedi Muscat www.the-chedi-muscat.de Shangri-La’s Barr Al Jissah Resort&Spa (Al Husn, Al Bandar und Al Waha Hotel) www.shangri-la.com Al Bustan Palace Hotel www.al-bustan-palace.de Sahab Hotel, Jabal Al Akhdar www.sahab-hotel.com 1000 Nights Camp, Wahiba Sands 1000nightscamp.com www.omantourism.de

Abgelegene Bergwelt Etwa 50 Kilometer entfernt liegt Al Hamra, «die Rote» (Klein-)Stadt, die ihren Namen von dem rötlich schimmernden Lehm der Umgebung hat. Sofort ins Auge stechen die kunstvoll geschnitzten Holztüren der zwei- bis dreistöckigen Häuser aus Lehmziegeln. Al Hamra ist eines der schönsten Dörfer im Inneren des Oman, auch wegen seines traditionellen Souks. Auf engen


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OMAN AIR Die 4*-Fluggesellschaft Oman Air fliegt 4 × wöchentlich non-stop Zürich nach Muscat mit besten Verbindungen nach Bangkok, Kuala Lumpur, Malediven, Zanzibar, Colombo, Kathmandu, Indien und zu vielen weiteren Destinationen.

Business Class:

Economy Class:

Die zwei Meter langen Sitze lassen sich in ein komplett flaches Bett verwandeln und verfügen über einen Sitzabstand von über zwei Metern. Damit bieten sie mehr Raum als die First Class vieler Fluggesellschaften. Grosse Bildschirme an jedem Platz machen das Erlebnis über den Wolken perfekt. Als Ergebnis dieser Bemühungen hat Oman Air im Sommer 2011 die Auszeichnung «bester Business Class Sitz der Welt» von Skytrax erhalten.

Auch die Economy Class bei Oman Air setzt Massstäbe. Rekordverdächtig und weit über Standard liegt der Sitzabstand von 86 Zentimetern. Neben viel Platz geniessen Sie das Unterhaltungs-System mit Live-TV, DVD- und Videothek und der Möglichkeit der Internet- und Handynutzung. Verwöhnt werden Siemit Menüs Ihrer Wahl und durch den persönlichen Service der Flugbegleiter.


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Serpentinen geht es weiter zu dem kleinen Bergdorf Misfah, das an einem steilen Hang klebt. Hier scheint die Zeit vor hundert Jahren stehen geblieben zu sein: der Ortskern ist nur zu Fuss erreichbar und vollständig aus Natursteinen erbaut. Frauen tragen ihren Abwasch in Blechbehältern auf dem Kopf zum Brunnen, Kinder spielen in den Wasserkanälen, die die terrassenförmig angelegten Palmen- und Obstgärten durchziehen. Alte, ehrwürdige Männer betrachten die Touristen mit freundlicher Verwunderung und Distanz. Das Sayq-Plateau mit dem Jebel Akhdar und dem Jebel Shams, dem höchsten Berg des Landes, beeindruckt nicht nur Bergfreunde. Die grau-braune Gebirgslandschaft wird von einer tiefen Schlucht durchzogen, die an den Grand Canyon im Südwesten der USA erinnert.

Weite Wüsten Ganz anders ist die Landschaft im Süden von Muscat. Auf der Küstenstrasse fährt man vorbei an kleinen Fischerdörfern und schönen Wadis bis nach Sur, einer kleinen Hafenstadt mit langem Sandstrand, einem kleinen Hafen samt pittoreskem Leuchtturm. In den Werften werden noch immer die traditionellen Dhaus gebaut: Ein- oder Zweimaster aus Holz, die früher als Handelsschiffe dienten und heute dem Fischfang. Weiter westlich im Landesinneren beginnt die Sandwüste Wahiba und damit für die meisten Besucher des Landes das wahre Oman-Feeling mit hohen Dünen, wilden Kamelen und Sandpisten, die ins

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Ein beliebtes Souvenir: verzierte Silberdolche.

Nirgendwo zu führen scheinen und dann doch in einem der Touristen-Camps aus Beduinen-Zelten enden. Abenteuer à la Lawrence of Arabia.

Heimat des Weihrauchs 1000 Kilometer Wüstenautobahn oder eine Flugstunde von Muscat entfernt liegt ganz im Süden des Oman die Stadt Salalah in der Region Dhofar. Hier verbringen auch viele Omanis ihre Ferien, weil das Klima selbst im Sommer angenehm ist. Überall gibt es weitläufige Palmenhaine, Bananenund Papayaplantagen. Berühmt sind aber vor allem die Weihrauchbäume der Region. Deshalb wird Dhofar auch «Land of Frankincense», das Land des Silberweihrauchs, genannt. Gleich drei Orte hat die UNESCO

in Dhofar zum Weltkulturerbe erklärt: ausserhalb gelegen im Norden von Salalah das Wadi Dawkah, ein Naturschutzgebiet, in dem eben diese Weihrauchbäume wachsen. In der Stadt selbst die Siedlungsreste von Al-Baleed, dem ältesten Teil Salalahs, und dann noch etwa 30 Kilometer ausserhalb des Zentrums den alten Weihrauchhafen Samharam, den schon Marco Polo in seinen Schriften erwähnt hat. Eine Reise in den Oman ist wie das Eintauchen in eine längst vergessene Märchenwelt, denn hier lässt sich die Faszination des Orients hautnah erleben. Das Sultanat setzt seit Jahren auf einen nachhaltigen und exklusiven Tourismus. Das macht sich bezahlt, für die Besucher, aber vor allem für die Omanis selbst. O

Z.B.: 6 Nächte Al Husn Hotel ab CHF 699.– p.P., 15.5.–1.9.12, oder Al Bustan Palace Hotel ab CHF 709.– p.P., 1.5.–1.10.12. Direktflüge mit Oman Air ab CHF 621.– in Economy oder ab CHF 2255.– in Business Class. für

sten peziali Zum S in Oman: .ch Ferien lidaymaker o .h w w w

Uraniastrasse 34, 8021 Zürich, T 044 215 30 80, F 044 215 30 81, info@holiday-maker.ch


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INTERVIEW MIT WAYNE PEARCE, CEO VON OMAN AIR

«UNSER GEHEIMNIS IST OMAN SELBST» Wayne Pearce zur neuen Strecke Zürich–Muscat von Oman Air. TEXT STEFANIE SCHNELLI

Herr Pearce, Sie sind seit Januar neuer CEO von Oman Air. Wie fühlen Sie sich?

Wayne Pearce: Grossartig! Ich hatte einen guten Start und freue mich sehr, für Oman Air das Amt des CEO ausführen zu dürfen. Bevor ich zu Oman Air kam, war ich für Etihad in Abu Dhabi tätig. Die Golfregion ist mir sehr bekannt, aber Oman ist anders als seine Nachbarländer. Es ist sehr angenehm, in Muscat zu wohnen. Wir haben uns gut eingelebt. Inwiefern unterscheidet sich Oman denn von den anderen Ländern in der Region?

Oman ist sehr authentisch geblieben. Wenn Sie sich im Oman aufhalten, treffen sie auch auf Omanis. Die Menschen sind unglaublich freundlich und offen. Bei einem Spaziergang durch die Stadt oder

dem Besuch eines Souks kommen Sie leicht mit den Einheimischen in Kontakt. Das gefällt mir. Das können jetzt auch Schweizer einfacher erleben – seit Dezember fliegt Oman Air Zürich an. Welches Potential sehen Sie in der Schweiz?

Oman Air bietet ein erstklassiges Produkt und besten Service. Für diese Leistungen hat die Airline in kurzer Zeit mehrere Awards gewonnen. Wir sind überzeugt, damit sehr gut in den Schweizer Markt zu passen. Zudem verbinden wir Oman durch die neue Route mit einem der weltweit grössten Finanzzentren. Heisst das, Sie sprechen mit der neuen Verbindung vor allem Businessreisende an?

Nein, nicht nur. Denken Sie beispielsweise an den Ruf der Schweiz als WinterferienDestination. Zürich ist für Sportbegeisterte das ideale Tor zu den Alpen – im Sommer und im Winter. Gleichzeitig bin ich davon überzeugt, dass Oman als Feriendestination viel zu bieten hat für Schweizer. Bis jetzt gibt es vier wöchentliche Verbindungen, wobei der Flug am Sonntag über Mailand führt …

Nicht mehr! Seit Ende März sind alle vier Flüge direkt. Zürich ist nach Frankfurt, München, Mailand, Paris und London für Oman Air die sechste Destination in Europa. Das Streckennetz wurde in den vergangenen zwei Jahren stark ausgebaut. Muscat soll, gemäss Presseangaben,


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OMAN AIR UND WAYNE PEARCE Oman Air ist die nationale Fluggesellschaft des Sultanats Oman und gilt nach Skytrax-Richtlinien als offizielle 4-SterneAirline. Nach eigenen Angaben gehört Oman Air zu den am schnellsten wachsenden Airlines der Welt. Gegründet wurde die Fluggesellschaft im Jahr 1993. Sie ist aus dem Ground-Handling-Unternehmen Oman International Services entstanden, die seit 1970 besteht und enge Verbindungen zu Gulf Air hegte. Heute betreibt Oman Air eine Flotte von 15 Jets vom Typ Boeing 737-700/800, vier Airbusse A330-200, drei Airbusse A330-300 und zwei Embraer E 175. Für den inländischen Flugverkehr werden zusätzlich zwei Turboprop-Flugzeuge vom Typ ATR 42-500 eingesetzt. Mit dem Australier Wayne Pearce hat Oman Air einen erfahrenen Airliner als CEO gewonnen. Pearce war bei mehreren Airlines in unterschiedlichen Führungspositionen tätig. Unter anderem hat er bei Qantas und Etihad gearbeitet.

zu einem bedeutenden, internationalen Drehkreuz werden. Wie will Oman Air neben der starken Konkurrenz in der Golfregion diese Position erreichen?

Oman Air hat sich als eine der führenden Luxus-Airlines etabliert und in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte erzielt. Im vergangenen Jahr erreichten wir eine Pünktlichkeit von 89 Prozent. Wir bieten unseren Gästen exzellente Reiseerfahrung. Das zeichnet uns aus und hat uns, wie bereits erwähnt, auch zahlreiche Awards eingebracht. Der Sitz in der Business Class von Oman Air wurde von Skytrax zum besten der Welt erklärt und übertrifft die FirstClass-Produkte vieler Fluggesellschaften. In der First bieten wir die längsten Flachbettsitze der kommerziellen Luftfahrt, die Mini-Suiten schaffen viel Privatsphäre. Aber auch in der Eco bieten wir mit 86 Zentimetern Abstand zum nächsten Sitz viel Beinfreiheit und grossen Komfort. Zudem hat Oman Air eine Pionierrolle bei der Handy-Nutzung und Internet an Bord gespielt. Wir bieten in allen Klassen Wi-Fi und Telefonverbindung an. Nicht zu ver-

Wayne Pearce, CEO von Oman Air.

gessen sind auch unsere neuen Lounges für die First und Business Class am Muscat International Airport. All diese Punkte sind von der Produkteseite her unser USP. Das grösste Geheimnis von Oman Air aber ist Oman selbst: Das Land und die Menschen sind einzigartig, das touristische Potential gross. Von Europa aus ist Oman in rund sechs Stunden erreichbar, die Zeitverschiebung ist mit drei Stunden gering. Es gibt über 500 Schlösser in Oman, 300 Vogelarten, eine reiche Geschichte – diese unzähligen Geheimnisse sollten entdeckt werden.

Kong, Singapur, Penang sowie Manchester, Belfast, Edinburgh und Aberdeen. Ebenfalls haben wir unser regionales Programm stark ausgebaut. Welche Destinationen fliegt Oman Air in der Region an?

Zu unseren Zielen in der Golfregion gehören unter anderen Abu Dhabi, Bahrain, Doha, Ras Al Khaimah, Dubai, Kuwait und Riad. Übrigens sind in Oman selbst fünf neue Flughäfen geplant in den kommenden Jahren. Welche Expansionspläne hat Oman Air?

Was macht Muscat als Hub für Schweizer interessant?

Zum Beispiel unsere Verbindungen nach Colombo, Male, Bangkok, Kuala Lumpur und Kathmandu. Alleine in Indien fliegen wir zehn Destinationen an. Zudem gehören Kairo, Islamabad, Lahore, Beirut, Amman, Daressalam und Sansibar zu unserem Streckennetz. Durch Codeshare-Partnerschaften mit bmi und Malaysia Airlines reicht unser Streckennetz bis nach Hong

Es gibt Pläne, es ist aber noch zu früh, um darüber zu sprechen. Klar ist, dass unsere Flotte stark ausgebaut wird. 2009 wurden fünf Embraer-175-E-Jets für den Regionalflugverkehr bestellt, die ersten beiden Flugzeuge sind 2011 ausgeliefert worden. Zudem sind sechs Grossraumjets des Typs Boeing 787 Dreamliner bestellt. Die Auslieferung ist für 2015 geplant. O www.omanair.com


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SOMA BAY Ein Ferienziel der Extraklasse. TEXT UND BILDER ALEXANDRA KARLE

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leich wird er sich den Finger abschneiden. Das ist der erste Gedanke, der einen durchzuckt, wenn man den flinken Händen von Fathy Bohgaddy zuschaut. Mit unglaublicher Geschwindigkeit zerkleinert er mit grossem Messer Petersilie, Minze, Tomaten, Zwiebeln und was man sonst noch für ein anständiges Tabouleh braucht. Der zweite Gedanke: Selbst wird man das so nie hinbekommen. Trotzdem macht die «Arabian Cooking Class» bei Fathy grossen Spass. Er ist in der Küche des Kempinski Hotels Soma Bay in Ägypten einer der drei Souschefs und normalerweise zuständig für die Vorspeisen. Weil Fathy aber auch die Lehrlinge ausbildet, hat er die Verantwortung für eine Handvoll neugieriger Gäste, die hinter die Kulissen schauen wollen. Und tatsächlich: Nach zwei Stunden in der über-

aus sauberen und gut organisierten Küche des Edelhotels hat man zumindest eine Idee, wie manche der Köstlichkeiten des riesigen Buffets hergestellt werden. Denn für das gute Essen ist das Kempinski bekannt. Auch deshalb kommen 20 Prozent der Gäste immer wieder gerne hierher.

Hoffen auf den Herbst Auch das Kempinski Soma Bay hat ein schweres Jahr hinter sich. Nach der offiziellen Eröffnung 2010 lief es in der ersten Wintersaison hervorragend, doch dann stellte die Revolution alle Pläne auf den Kopf. Die Auslastung des Fünf-SterneHauses, die im Dezember noch bei 95 Prozent gelegen hatte, fiel im Februar 2011 auf zwei Prozent. In den Folgemonaten sah es nicht viel besser aus. Trotzdem hat General Manager Hany Abdelmoneim das Haus nicht geschlossen und seine über

300 Angestellten behalten. Sein Optimismus wurde belohnt, bereits im vergangenen Herbst kamen die Gäste wieder. Doch dann sorgten Mitte Dezember erneut Bilder von Unruhen auf dem Tahrir-Platz in Kairo für Stornierungen. Inzwischen sind die Parlamentswahlen ohne grössere Zwischenfälle beendet worden, bald soll es eine neue Verfassung und einen neuen Präsidenten geben. Nicht nur die Verantwortlichen in der Tourismusbranche blicken deshalb optimistisch in die Zukunft, was die Entwicklung Ägyptens und somit auch die Rückkehr der Touristen anbelangt. Auch Abdelmoneim scheint sicher, dass 2012 ein gutes Jahr wird. Soma Bay liegt circa 45 Autominuten südlich von Hurghada und hat so gar nichts mit dem Zentrum des Massentourismus am Roten Meer gemein. Einst


ÄGYPTEN

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militärisches Sperrgebiet, wirkt die Halbinsel heute wie eine Oase der Ruhe, die vor allem durch das Zusammenspiel der Farben begeistert: das türkisblaue (Rote) Meer, der gelbe feine Sand, die rot schimmernden Berge im Hintergrund, dazu das Grün des Golfplatzes. Fünf hochklassige Hotels unterschiedlichster Natur gibt es hier: Das erwähnte Kempinski Hotel im maurischen Stil direkt am Strand mit einer eindrucksvollen PoolLandschaft auf 7000 Quadratmetern. Daneben, über eine Uferpromenade erreichbar, das Sheraton Soma Bay Resort, das mit seiner nachgebauten Allee der Sphinx an die antike Prachtstrasse zwischen Luxor und Karnak erinnern soll. Etwas legerer und vor allem bei sportbegeisterten Gästen überaus beliebt der Robinson Club und die etwas neuere Breakers Diving Lodge, die «nur» vier Sterne hat und mit einem coolen Lounge-Konzept vor allem jüngere Kitesurfer und Taucher anzieht. Über allem thronend dann das elegante Résidence des Cascades inmitten eines 18-Loch-Golfkurses, designed von Ex-Champion Gary Player. Hier befindet sich auch eines der weltbesten ThalassoZentren. Ein kostenloser Minibus-Transfer zwischen allen Hotelanlagen bringt die

Segeln und Surfen vor traumhafter Kulisse.

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Gäste ohne Probleme von einem Hotel zum anderen. Neben Wellness- und Golfliebhabern zieht Soma Bay vor allem Wassersportler an.

Auf und unter Wasser Taucher und Schnorchler können vom Strand des Breaker Hotels aus über einen langen Holzsteg direkt bis an die Steilkante eines vorgelagerten Riffs laufen. Nur wenige Zentimeter unter der Wasseroberfläche sieht man bereits leuchtende Korallen, Anemonen, zahlreiche Clownund andere Fische. So, wie man sich die Unterwasserwelt des Roten Meeres immer vorgestellt hat. Optimale Bedingungen gibt es auch für Segler, Surfer und Kitesurfer. Gerade Letztere finden in einer Bucht etwas abseits der Hotels flaches und sehr ruhiges Wasser mit einem kräftigen, meist ablandigen Wind. Selbst Anfänger wagen sich mit schnell auf das Brett. Im KiteHouse direkt am Strand chillen zum Sunset aber nicht nur coole Surfer aus dem Breakers, sondern auch Gäste der anderen Hotels. Dazu legt ein DJ die neuesten Beats auf. Es ist gerade die Mischung des Publikums und die Möglichkeit, alle Anlagen und Restaurants zu nutzen, die den Reiz von Soma Bay ausmachen.

Eigentümer Farid Saad hat grosse Pläne mit Soma Bay.

Grosse Pläne Bislang werden nur rund 20 Prozent des insgesamt zehn Quadratkilometer grossen Areals von Soma Bay genutzt, sagt der Mitinhaber der Abu Soma Investment Company Dr. Farid Saad. Ihm und zwei weiteren Investoren gehören das Land und die Hotels. Saad hat die Halbinsel 1991 gekauft und mit der Planung begonnen, 1998 wurde der Robinson Club eröffnet, ein Jahr später folgten bereits das Sheraton und das Clubhaus der Golfer, das später zur Résidence des Cascades ausgebaut wurde. Vor zwei Jahren kamen dann noch das Kempinski und das Breakers dazu. Weitere Hotels sollen folgen. Geplant sind ein weiteres Club-Hotel, diverse Strandvillen und Apartmenthäuser, ein europäisches Hotel im griechischen Stil und ein weiterer 18-Loch-Golfplatz. Noch in diesem Jahr soll mit dem Bau begonnen werden. Das alles geht natürlich nur, wenn Ägypten in diesem Jahr Stabilität beweist, doch darauf setzt auch Farid Saad. Soma Bay scheint sowieso Lichtjahre vom politischen Geschehen in Kairo entfernt. Wenn man nachts in den unglaublichen Sternenhimmel über der Wüste blickt und in die Stille lauscht, wird einem schnell klar, warum die meisten Gäste so gerne wiederkommen. Dann verzeiht man auch die Vielzahl von Superlativen in den Prospekten der Hotels. Die feinsten Sandstrände, das grösste Thalasso-Zentrum, einen der besten Golfplätze, das schönste Korallenriff - hier in Soma Bay ist all das wirklich zu finden. O


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DEN WESTEN IM BLUT Cowboy zu werden war Tom McCombs Bubentraum. Auf der Ranch at Rock Creek teilt er seine Leidenschaft mit Touristen. AUFGEZEICHNET VON STEFANIE SCHNELLI


PORTR ÄT

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Wie in alten Zeiten: Moderne Hilfsmittel gibt es für Cowboys wenige.

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as Leben eines Cowboys ist taff. Wer einen leichten, easygoing-Job sucht, sollte einen anderen Beruf wählen. Die tägliche Arbeit als Cowboy auf einer Ranch hat sich sehr wenig verändert im Laufe der Zeit. Es gibt keine Abkürzungen. Cowboys müssen fähig sein, alleine zu arbeiten, ein Arbeitstag beginnt mit Sonnenaufgang und endet nicht vor Sonnenuntergang – sieben Tage die Woche. Trotzdem gibt es für mich keinen schöneren Beruf. Mit meiner Anstellung als Cowboy ist mein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. Als ich acht Jahre alt war, habe ich zu meiner Mutter gesagt,dass ich Cowboy werden will. Es hat zwanzig Jahre gedauert, bis ich nach Montana aufbrechen und mir diesen Wunsch erfüllen konnte. Heute bin ich Cowboy auf der Ranch at Rock Creek in Montana, in der Nähe von Philipsburg. Wir sind eine Luxury Guest Ranch und ermöglichen unseren Gästen das authentische Erlebnis der Montana Rocky Mountains: unberührte Natur, unglaubliche Weiten und typische Aktivitäten wie beispielsweise lange Ausritte oder Fliegenfischen. Als Cowboy erledige ich viele der täglich anfallenden Arbeiten auf der Ranch, die nichts mit unseren Gästen direkt zu tun haben. Aber ich liebe die Möglichkeit, meine Liebe und Leidenschaft für das Western-Leben, die Rocky Mountains und

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Tom McCombs: «Ich liebe meine Pferde, meine Berge und die Grizzlys.»

die reiche Geschichte dieser Region Amerikas mit ihnen zu teilen. Sie sollen eine Ahnung bekommen von den Pflanzen und Tieren, dem Western Reitstil, dem Lassowerfen und dem Alltag eines Cowboys.

«The Real Deal» Mein Arbeitstag beginnt früh. Ich stehe um 4:45 Uhr auf und bin bereits um 5:30 Uhr beim Korral, dem Fanggehege. Zwei meiner Wrangler, also Pferdetreiber, treffen mich dort. Nachdem wir unsere Pferde gesattelt haben, brechen wir auf in die Montana Rocky Mountains, zu unserer Pferdeherde. Wir treiben die rund 80 Tiere zusammen und bringen sie zum Korral. Dort wählen wir ca. 20 Pferde aus, fangen sie, striegeln und satteln sie. Wir machen sie bereit für den Ausritt dieses Tages. Am Abend bringen wir die ganze Herde wieder zurück in die Rocky Mountains. Was ich an meinem Job so mag? Ich liebe meine Pferde, meine Berge, die Grizzlybären und Wölfe, die ganzjährig mit Schnee bedeckten Gipfel, die mich täglich umgeben. Ich liebe die körperlichen Herausforderungen als Cowboy. Ich liebe die Ranch at Rock Creek und den Besitzer Jim Manley. Mr. Manley ist, was wir Cowboys «The Real Deal» nennen: Er ist ein starker, taffer Ranchboss mit hohen Anforderungen. Er gibt uns, was wir brauchen, um unseren Job zu machen, und er weiss, wir werden ihn erledigen.

RANCH AT ROCK CREEK Mit 57 Jahren hat sich der Investmentbanker Jim Manley einen Traum erfüllt: Den der eigenen Ranch. 2010 wurde die «Ranch at Rock Creek» in Philipsburg eröffnet. Das Gelände umfasst rund 26 Quadratkilometern mit Wäldern und Wiesen und liegt mitten in den sanften Hügeln Montanas. Die Gäste können wählen, ob sie in einer der Luxussuiten im Haupthaus Granite Lodge, in authentischen Blockhütten oder in einem der luxuriösen Zelte entlang des Flusses übernachten wollen. Zur Ranch gehören ein 185 Quadratmeter grosser Spa und ein Gourmetrestaurant.

Ursprünglich stamme ich aus Virginia. Dieser Bundesstaat hat eine lange Tradition als Ort, von wo Männer in den Westen ziehen, um ihre Bubenträume zu erfüllen. Lewis und Clark, die ersten beiden Entdecker, die auf dem Weg von der Ost- an die Westküste nach Montana gelangten, waren beide aus Virginia. Und auch Thomas Jefferson, der Präsident der Vereinigten Staaten, der Lewis und Clark auf ihre Reise schickte, stammte aus Virginia. Heute können nur wenige Menschen von sich sagen, dass ihre tägliche Arbeit ihrem Kindheitstraum entspricht und dass das, was sie in ihrem Herzen fühlen, wirklich auch ihre Berufung ist. Ich vergesse nie, wie glücklich ich mich schätzen kann, dass das mein Leben ist. O


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AUF DEN SPUREN VON ALOIS CARIGIET Das Grand Hotel Waldhaus Flims widmet dem Schöpfer des Schellen-Ursli eine Dauerausstellung und bringt Gäste in Carigiets Heimatdorf Trun. TEXT STEFANIE SCHNELLI

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BILDER WALDHAUS FLIMS, MUSEUM SURSILVAN, FIDEL ALIG

wei Engel, kindlich und mit freundlichen Gesichtern, schweben am Grabkreuz von Alois Carigiet. Ihre weissen Gewänder und das blonde Haar bilden einen schönen Kontrast zum dunklen Grau des Anthrazitsteins, an dem das Kreuz befestigt ist. Der Stein steht im Kies, an der

Mauer eines typischen Surselva-Hauses mitten im Dorf Trun. Es ist das Haus, indem Alois Carigiet 1902 geboren wurde. Hier hat er mit seinem jüngeren Bruder Zarli im Dachstock oft Theater gespielt, bis die Familie 1911 nach Chur zog. Zarli Carigiet wurde später Schauspieler, Alois einer der bekanntesten Maler

der Schweiz. Heute stehen die Grabsteine der Brüder Seite an Seite vor dem Elternhaus. Gieri Schmed betrachtet die Grabmäler ruhig, bevor er zu sprechen beginnt. Er kennt Carigiets Kreuz bis ins Detail. Er war es, der es nach Carigiets Intentionen bemalt und beschriftet hat. Eine der letzten


KUNST

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Maler, Zeichner, Lithograf und Kinderbuchautor: Vor seinem Schritt zum Kunstmaler war Alois Carigiet als Plakat- und Dekorationsmaler bekannt, vor allem durch seine Arbeit für das Cabaret Cornichon, das er mitgegründet hatte.

Aufgaben, die er nach dem Tod von Alois Carigiet 1985 für seinen Lehrer tun konnte. Bis vor Kurzem zumindest: Seit einem Jahr bringt Schmed Carigiets Werk Gästen des Waldhaus Flims Mountain Resort & Spa näher. Zusammen mit Schmed gehen sie in Trun auf Spurensuche – in dem Dorf, in dem Carigiet die ersten Jahre seiner Kindheit verbrachte, wohin er sich nach der Arbeit für die Landesausstellung 1939 ermüdet zurückzog und den Schritt vom Grafiker zum Kunstmaler wagte, und wo er auch seine letzte Schaffensperiode verbrachte.

Wandbilder und Szenen aus der Tierwelt, Bräuchen sowie Harlekinaden umfasst. Es sind Malereien zu sehen, aber auch Lithographien – 24 Originalwerke insgesamt, eine Leihgabe aus der «La Collection du Dr. M. Bahro».

Ein Querschnitt durch ein Leben

Schmed erzählt die Geschichten hinter den Bildern, identifiziert Personen und ermuntert zum nahen Hinsehen. Er ist selber Künstler. Ein ruhiger Mann, ein Bergler. Er hat Carigiet gut gekannt und viel mit ihm zusammengearbeitet, als dieser 1960 definitiv nach Trun zurückkehrte. Im Geburts-

Gestartet hat Schmed seine Führung noch im Grand Hotel Waldhaus Flims. In einer Dauerausstellung wird dort ein Querschnitt durch das Werk Carigiets gezeigt, das neben den bekannten Kinderbilderbüchern auch Landschaftsbilder, grosse

haus seiner Mutter hat Carigiet damals ein Atelier eingerichtet und unter anderem drei seiner Kinderbilderbücher gezeichnet. Das bekannteste davon, allerdings schon von 1945, ist der Schellen-Ursli mit dem Text von Selina Chönz.

Retourkutsche an die Kirche Aber auch im Dorf selbst ist Carigiets Handschrift immer wieder sichtbar. Wandmalereien, ein Brunnen und der Kreuzweg in der Kapelle des Pflege- und Altersheims Casa sogn Martin zeugen von Carigiets Zuneigung für seine Heimat. Schmed führt die Gäste durch Trun an die Kunstwerke und erzählt Anekdoten dazu. So zum Beispiel die Geschichte der fauchenden Katze am Haus Cathomen am Kirchplatz. Sie streckt ihr Hinterteil der Pfarrkirche St. Martin zu. Angeblich soll das Carigiets Retourkutsche gewesen sein,


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KUNST

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REICHE TRADITION ALS KULTURHOTEL

Am Kirchplatz von Trun steht das Geburtshaus von Alois Carigiet. Die Familie hatte elf Kinder.

weil bei der Renovierung der Kirche in früheren Jahren seine Entwürfe für die Glasfenster abgelehnt wurden. In der Totenkapelle hängt hingegen das Werk Carigiets, das als sein letztes gilt. Er hat es der Kirchgemeinde vermacht. An der Wand der Sennerei von Trun begegnen die Gäste Flurina, der Schwester von Schellen-Ursli. Die ganze Geschichte von Flurina und ihrem Wildvögelein ist mit etwas Glück im

Museum Sursilvan zu sehen. Die Originalzeichnungen von vier Carigiet-Kinderbüchern sind dort, jedes Jahr wird ein anderes Buch ausgestellt. Zum Abschluss der Führung lässt es sich so nochmals eintauchen in die intakte Welt aus Carigiets Kindheit – und in die eigene, falls Flurina, Zottel, Zick und Zwerg darin, wie bei so vielen Kindern, eine Rolle gespielt haben. O

Das Waldhaus Flims Mountain Resort & Spa vereint Kunst, Kultur und Tradition gekonnt. Das Haus selbst kann auf eine 135-jährige Geschichte zurückblicken und macht diese auch für seine Gäste sichtbar. Im eigenen «Hotelmuseum» sind Originalgegenstände, die bis auf die Eröffnung des Hotels zurückgehen, zu sehen. Besonders lohnenswert sind die Museums Dinner Events, wo in den sieben Ausstellungsräumen des Hotelmuseums ein Sieben-Gang-Menü mit sieben Weinen serviert wird. Dazwischen werden kurze Anekdoten aus der Hotelgeschichte erzählt. Jeder dieser Events, die an einzelnen Wochenenden das ganze Jahr über stattfinden, hat ein eigenes Thema. «All’italiana – Sonne auf dem Teller» oder «Eine lukullische Weinreise durch Graubünden» stehen dieses Jahr beispielsweise auf dem Programm. Ebenso historisch wie das Museum ist der Jugendstil-Festsaal des Waldhaus Flims aus dem Jahre 1903. Er wird im Sommer zum dritten Mal einer von mehreren Schauplätzen der WaldhausKonzerte, die 2012 vom 26. Juli bis am 5. August stattfinden. International gefeierte Stars der Klassikszene wie Al Ayre Español und das Bennewitz Quartett werden erwartet. Zudem wird die Waldhaus Arena, im Winter eine der modernsten Curlingarenen Europas, zum ersten Mal zur Opernbühne: Auf dem Programm steht die konzertante Opernaufführung von Richard Strauss’ «Elektra». Die Dauerausstellung der 24 Werke von Alois Carigiet sowie der geführte Spaziergang «Auf den Spuren von Alois Carigiet» runden das Kulturprogramm ab. Neben der Kunst und Kultur ist das Waldhaus Flims, das mit dem Grandhotel zu den Leading Hotels of the World zählt, vor allem für seine erstklassigen Restaurants und den Spa-Bereich sowie für seine Architektur bekannt: Drei Gästehäuser, alle mit unterschiedlichen Kategorien und anderem Stil, stehen im grössten Hotelpark der Schweiz. www.waldhausflims.ch

Ein Besuch des Museums Sursilvan lohnt sich nicht nur wegen dem Carigiet-Raum.


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KUNST

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Den Sternsingern von Alois Carigiet begegnen G채ste am Schulhaus in Trun.


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DER ARBEITSPLATZ ALS EROTISCHES MINENFELD Affären im Büro sind unvermeidlich – aber auch gefährlich. Und Emanzipation und Gleichstellung machen die Sache nur noch komplizierter. TEXT SERAINA MOHR BILDER SHUTTERSTOCK

D

reissig Prozent der Ehen bahnen sich gemäss Statistiken am Arbeitsplatz an. Je stärker die Grenzen zwischen Arbeitsund Berufsleben verschwinden, desto weniger lässt sich auch das Liebesleben aus dem Arbeitsalltag raushalten. Ging es früher um den Schutz der leicht erregbaren Männer durch die Verführerinnen im Vorzimmer, werden Beziehungen heute unter dem Aspekt der Corporate Governance betrachtet. Will heissen: Ist es heikel, wenn der Personalchef mit einer Abteilungsleiterin liiert ist? Der CEO mit der Chefjuristin Verhandlungstisch und Bett teilt? Oder der ehemalige CEO seine Frau in den Vorstand hievt?

Liebe in Zeiten der Corporate Governance Ein Grossteil der Beziehungen am Arbeitsplatz findet unter hierarchisch Gleichgestellten statt. Da damit die Produktivität und die Arbeitslust steigt, wird das durchaus gerne gesehen. Dünner wird die Luft in höheren Etagen. Da wird die Beziehung schnell zum Thema der internen Richtlinien oder heizt die Gerüchteküche an. Im Zusammenhang mit der Übernahme der Bank Wegelin wurde die Partnerschaft zwischen Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz und seine Beziehung zur Chefjuristin Nadja Ceregato kritisch diskutiert. Als letzte Woche der neue Leiter der Herzchirurgie am Kinderspital Zürich vorgestellt wurde,

fehlte die Anmerkung in der Presse nicht, dass seine Frau, die ebenfalls eine Spezialistin auf dem Gebiet ist, keine Anstellung erhält.

Die Vorzimmer – einst Orte der Begegnung Die Angst, die Corporate-GovernanceRegeln zu verletzen, ist bei den einen allgegenwärtig, auch wenn sich die anderen darum foutieren. So will der VW-Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch seine Frau Ursula in ein Aufsichtsgremium wählen lassen, und die Sonntagspresse berichtete genüsslich von den Parallelen der ehemaligen Kindermädchen Friede Springer und Ursula Piëch, die heute machtvolle


LEBEN

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Positionen innehaben. Ungewohnt ist höchstens, dass der ehemalige Arbeitsort der beiden das Kinderzimmer war und nicht das Vorzimmer. Denn dieses war traditionell der Ort, an dem die Beziehungen entstanden. Heute lebt es vor allem in den amerikanischen Fernsehserien wieder auf. In «Mad Men» oder der StewardessenSerie «Pan Am» – ein richtiger Chef hat eine adrette Sekretärin, die nicht nur das Tippen, sondern auch Po-Wippen draufhat und die Überstunden versüsst.

Die ewige Verführerin und der Triebgesteuerte Dieses Bild zeichnet auch die amerikanische Historikerin Julie Berebitsky in ihrem «Sex and the Office». Seit es weibliche Angestellte in Büros gibt, seien diese als Verführerinnen dargestellt worden, schreibt sie. Postkarten, Frauenzeitschriften oder Ratgeber-Literatur – die Historikerin hat sich zahlreicher Quellen bedient, um die Geschichte vom Sex im Büro zu erzählen. Sie berichtet über Sekretärinnen, die in zweideutiger Pose zum Diktat erscheinen. Stenotypistinnen-Pools, in denen die Damen sich in langen Röcken mit hochgeschlossenen Blusen und im separaten Zimmer möglichst reizlos zeigen sollten, um den Chef nicht in Versuchung zu führen, oder eine Illustration, auf der eine Schreibkraft in einem überdimensionierten Käfig steckt, um ihren Vorgesetzten auf Abstand zu halten. Oder aber sie setzten auf ihren Charme und hofften darauf, sich als Frau des Chefs aus dem Büroalltag zu verabschieden. «Sich hochschlafen» wurde zum festen Begriff und der Aufstieg von der Sekretärin zur Frau Direktor gehörte zu den realistischeren Frauenkarrieren. Sexuelle Erfüllung – gerade auch am Arbeitsplatz, das propagierte in den 60erJahren Helen Gurley Brown, langjährige Chefredaktorin der «Cosmopolitan» und Fürsprecherin in Sachen Sex für Stewardessen, Sekretärinnen und Singles. Spass soll es machen, genug soll man davon bekommen und keine Hemmungen haben. Ihr Buch, ebenfalls mit dem Titel «Sex and the Office», war ein Ratgeber für den

Umgang mit Affären im Büro. Gurley Brown wird heute eher widerwillig eine gewisse Bedeutung von Feministinnen eingeräumt. Und heute? Seit die Sekretärinnen als Berufsgruppe etwas ausser Mode geraten sind und Executive Assistents beiderlei Geschlechts übernehmen, hat sich die Lage verändert. Geblieben sind die Vorurteile. Vier von zehn Mitarbeitenden gaben bei einer Befragung zu, dass es bei Frauen, die schnell aufsteigen, interne Gerüchte gab, dass sie sich hochgeschlafen hätten. Und wiederum jeder Vierte von denen ist der Überzeugung, dass das stimmt. Ungeachtet dessen, dass die Soziologin Catherine Hakim darauf hinweist, dass Männer ihr erotisches Kapital heute viel gekonnter einsetzen als Frauen. Die Gleichungen «Mann = triebgesteuert + mächtig», «Frau = verführerisch + bedeutungslos» gehen heute so nicht mehr auf. Mit der steigenden Zahl beruflich erfolgreicher Frauen hat auch eine Trendwende in den Betten stattgefunden.

Gleiche Voraussetzungen in der Horizontalen Denn nicht nur auf der Leinwand, sondern auch in der Realität kommt es immer häufiger vor, dass sich auch Männer beim Koitus am Arbeitsplatz nach oben orien-

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tieren und damit zunehmend für Gleichstellung in der Horizontalen sorgen. In einer amerikanischen Befragung gab ein Viertel derjenigen, die eine Beziehung am Arbeitsplatz hatten, an, dass dies mit jemandem in einer höheren Hierarchiestufe der Fall war, der Frauenanteil betrug 35 Prozent, verglichen mit 17 Prozent bei den Männern. Keine schlechte Quote – verglichen mit anderen. Die Frage ist heute vielmehr, wo lernt man sich überhaupt noch kennen, wenn kaum mehr Meetings und Kaffeepausen stattfinden, sondern die Leute zwischen den Wäschebergen oder am Strand arbeiten? Und wie kommt das heraus, wenn die Gleichstellung in dem Bereich voranschreitet? Ein mögliches Modell wird im Film «Up in the Air» eingeführt. Vielflieger George Clooney, der über einen virtuellen Arbeitsplatz und reelle Triebe verfügt, trifft auf sein weibliches Pendant Alex, die ihm nach einer Liebesnacht zu seiner Verblüffung mitteilt: «I’m just like you. Only with a vagina.» Das wollte er definitiv nicht hören – aber so ist das eben manchmal mit der Gleichstellung. O

Mehr Artikel finden Sie unter www.clack.ch

«Office at night» – ein Ort der Verführung. Bild von Edward Hopper, eine Phantasie von vielen.


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Pasquale Chiapparini ist mit Leib und Seele Winzer.

FRISCHER WIND BEI DEN SCHWEIZER WINZERN Sie nennen sich selbstbewusst «Junge Schweiz – neue Winzer». Der junge Verein geht neue Wege beim Weinmachen. Ihr Präsident heisst Pasquale Chiapparini. TEXT RETO E. WILD

A

n der Weinmesse Expovina Primavera in Zürich sorgte die damalige Gruppe «Junge Schweiz – neue Winzer» (JSNW) mit ihrem ersten öffentlichen Auftritt für Aufsehen. Das war vor bald einmal zwei Jahren mit einem Gemeinschaftsstand. Aus der Gruppe wurde ein Verein mit 21 Winzern aus den Kantonen Aargau, Freiburg, Graubünden, Schaffhausen, Thurgau, Waadt, Wallis und Zürich sowie dem 37-jährigen Präsidenten Pasquale Chiapparini.

Vom Radio- und TV-Elektroniker zum Winzer Sein Werdegang steht symbolisch für die JSNW, dessen Mitbegründer er ist: Er lernte Radio- und TV-Elektroniker und ist erst seit dem Jahr 2000 Winzer. «Ich war ein Quereinsteiger im Gastgewerbe und wollte eine Zweitausbildung, die mir wirklich Spass macht», begründet er den exotischen Berufswechsel. Chiapparini ist mit Leib und Seele dabei und hat mit den Weinen seine Passion gefunden. Das wichtigste, was er bei seiner Winzerlehre in

Wädenswil ZH gelernt habe: «Weinmachen ist nicht einfach ein Handwerk, sondern eine Lebenseinstellung, die mit Genuss, aber auch viel Arbeit zu tun hat.» Seine ausbildungstechnische Wanderschaft führte ihn von der Crone ins Tessin, ins schaffhauserische Uhwiesen, ins piemontesische Monferrato und zu Hanspeter Lampert nach Maienfeld GR, bis der damalige NeoWinzermeister 2005 ein halbes Jahr lang ein Weingut am Gardasee leitete. 2006 machte er sich selbständig, nachdem er in Wädenswil ein Inserat gesehen


GENUSS

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hatte, pachtete Land in Rafz und produziert heute jährlich 10 000 bis 15 000 Flaschen. Diese zeichnen sich durch ihren eigenen Charakter aus und heben sich wohltuend von Einheitssäften aus der Neuen Welt ab (siehe Kästchen «Weinfreude aus dem Zürcher Unterland»). Das grosse Geld macht der Weinmacher mit seinen drei Weissund zwei Rotweinen sowie dem schmackhaften roten Schaumwein «so prickelnd» aus den Sorten Léon Millot, Maréchal Foch und Regent trotzdem nicht. «Ich lebe mehr schlecht als recht, kann mir keine Ferien leisten. Im Winter habe ich in einer Bar in Laax GR gearbeitet», sagt Chiapparini. Die Rechnung geht auf, weil ihn seine Eltern und sein Umfeld unterstützen.

Messeauftritte und Weissweinpartys Der JSNW-Präsident will in seiner verbleibenden Amtszeit (Mitglieder dürfen nicht älter als 39 Jahre alt sein) «die Welle, die wir ausgelöst haben, weiter ziehen». Damit meint er Messeauftritte wie an der Expovina Primavera, die Ende März wieder im Puls 5 in Zürich stattfindet, Wine & DineAnlässe mit den Weinen der jungen Winzer oder Weissweinpartys, wie sie letztes Jahr im «In»-Club Hive in Zürich durchgeführt wurden. Die Aktivitäten haben alle das gleiche Ziel: das Image des Schweizer

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Innovation und Leidenschaft zeichnen die jungen Winzer aus.

Weins «wieder salonfähig zu machen», wie sich Chiapparini ausdrückt. Er weiss: Nur 39 Prozent der Weine, die in der Schweiz getrunken werden, sind heimische Produkte. Konsumenten hätten an der Expovina den JSNW-Gemeinschaftsstand besucht und Komplimente gemacht. «Genau solche Reaktionen wollen wir fördern», sagt der Weinmacher aus Rafz bestimmt und schiebt fast ein wenig kleinlaut nach: «Unser grosses Vorbild im Marketing sind die österreichischen Winzer.» Nachwuchssorgen muss der Präsident keine haben, denn das jüngste JSNW-Mitglied ist der gerade mal 22-jährige Raphael Käser aus dem Kanton Aargau. Pasquale Chiapparini beabsichtigt, sich in Zukunft noch mehr aufs Weinma-

chen zu konzentrieren und sich ein wenig aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Dabei möchte er in einem weiteren Schritt seine Weine biologisch zertifizieren lassen – so wie das seine Partnerin bereits seit einem Jahr auf ihrem Weingut handhabt. Chiapparini sagt von sich, er arbeite seit fünf Jahren bionah und setze keine Herbizide oder künstliche Dünger ein. Insektizide gegen Pilzkrankheiten benütze er nur minimal. Auch das entspricht durchaus einem Schweizer Trend. O Bezugsquelle: Pasquale Chiapparini verkauft wie die anderen JSNW-Mitglieder in erster Linie ab Hof (Hegi 13 in Rafz). Zudem sind seine Weine jeden Freitagnachmittag ab 17 Uhr bei der Amboss-Rampe an der Zollstrasse 80 in Zürich erhältlich.

WEINFREUDE AUS DEM ZÜRCHER UNTERLAND Vom Rafzerfeld bis zur nördlichen Stadtgrenze von Zürich erstreckt sich eine abwechslungsreiche, von Hügeln und Tälern geprägte Landschaft. An klimatisch begünstigten Südlagen wachsen Reben mit viel Frucht und Eleganz. Aus dieser Region stechen zwei Weinmacher des Vereins «Junge Schweiz – neue Winzer» hervor: Pasquale Chiapparini (37) aus Rafz sowie Andreas Schwarz (34) aus Freienstein, der seine Sporen in Australien, in Bordeaux sowie im elterlichen Betrieb abverdiente. Schwarz zeigt sich mit neuen Kreationen wie dem Cuvé Schwarzer König (Syrah, Merlot, Dornfelder) oder einem reinen Malbec experimentierfreudig. Gekostet haben wir folgende Weine: – Solar 2007 von Chiapparini, 12,5% Alkohol, 21 Franken: ein 100-prozentiger Pinot Gris, der zehn Monate im Barrique war.

Er verblüfft durch seine orange-gelbe Farbe, erinnert in der Nase an einen trockenen Sherry, hat dezente Röstaromen und Hefenoten, kein Schmeichler, sondern ein Wein für Liebhaber, die ihn zu gebratenem Fisch, Hartkäse oder hellem Fleisch an Rahmsaucen geniessen. Trinkreif bis Ende 2012. – Sorot 2008 von Chiapparini, 12% Alkohol, 20.50 Franken: eine Assemblage aus Pinot Noir (50%) sowie den wenig bekannten Traubensorten Regent (20%), Maréchal Foch und Léon Millot (je 15%). Die Hälfte des Ausbaus erfolgte in gebrauchten Barriques. Ein eleganter, leichtfüssiger und fruchtiger Wein mit einem zurückhaltenden Duft nach Waldbeeren. Ideal zu Aufschnitt- und Käseplatten oder zum Wochenendausklang. Trinkreif bis Ende 2013.

– Pinot Noir Elevé en futs de chêne 2008 von Schwarz, 13,2% Alkohol, 19.50 Franken (super Preis-Genuss-Verhältnis!): ein gehaltvoller, kräftiger Blauburgunder, der ein Jahr im Eichenfass heranreifte. Kein Wunder gehörte dieser Wein bereits 2004 am Grand Prix du Vin Suisse zu den sechs Besten in der Kategorie Schweizer Pinot Noir. Eignet sich hervorragend zu Fleisch, Wild, Käse. Ideale Trinktemperatur bei 16 Grad. Trinkreif bis Ende 2013.

An der Frühlingsweinmesse Expovina Primavera (29.03.–04.04.2012, Puls 5, Zürich) kann man diese Weine kostenlos degustieren. www.weinmacher.ch www.weingutschwarz.ch


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OFFENE FAHRFREUDE Frühlingsgefühle sind Cabrioletgefühle. Jedenfalls bei Automobilenthusiasten. Ein besonders schöner Roadster ist der BMW Z4. Wir haben ihn getestet. TEXT MARKUS WEBER

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oadster oder Coupé? Am liebsten beides! Dank des versenkbaren Aluminium-Hardtops ist der Z4 ein Auto für 365 Tage im Jahr. Aber bei strahlendem Sonnenschein, wenn sich das Dach in nur 19 Sekunden vollständig verstauen lässt, zeigt sich der Z4 erst von seiner schönsten Seite. Die lange Motorhaube, die kurzen Überhänge und die für einen Roadster typischen flachen Proportionen verleihen dem Wagen eine unverwechselbare Ästhetik. Der Z4

ist aber nicht nur elegant, cool und sexy – er hat auch innere Werte. Was bei BMW keine Überraschung ist. Ein kultivierter durchzugsstarker Motor zählt schliesslich zu den Kernkompetenzen der Ingenieure aus München. Der Z4 sDrive28i, der uns als Testfahrzeug diente, hat allerdings nicht – wie es die Bezeichnung suggerieren könnte – einen 2,8-Liter-Motor, sondern er ist mit einem Vier-ZylinderTwinPower-Turbo-2,0-Liter-Aggregat ausgerüstet. Aber kann der Roadster damit

auch BMW-Fans überzeugen, die auf sechs Zylinder schwören? Und erfüllen Sound und Drehmoment die Ansprüche eingefleischter BMW-Enthusiasten? Kernig und satt ist er, der Ton. Und wenn man bereit ist, das Gaspedal durchzudrücken, ist durchaus Rock’n’Roll angesagt. Der Motor, so ist man geneigt zu glauben, will es so. Obwohl das Triebwerk nach Werksangaben bereits bei 1250 Umdrehungen pro Minute ein maximales Drehmoment von 350 Newtonmetern bietet und


AUTO

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Aus einem Guss: Der BMW Z4.

entspanntes, schaltfaules Cruisen angesagt wäre, liegt dem Wagen eine Fahrweise in höheren Drehzahlen. Die Fahrleistungen sind denn auch exzellent. BMW berichtet von einer Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h und einer Beschleunigung von 5,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Selbstverständlich haben wir diese Angaben nicht überprüft. Getestet haben wir aber die Strassenlage des Roadsters. Und diese ist sensationell. Auch in engen Kehren bewegt sich der Z4 wie auf Schienen. Das kraftvolle Herausbeschleunigen aus Kurven ist eine wahre Freude. Wie ein Go-Kart klebt der Schönling auf dem Boden, und auch die stilvoll verarbeiteten Ledersitze geben dank des guten Seitenhalts das Gefühl, in einem echten Sportwagen zu fahren. Aufgrund des leistungsstarken Motors und der beeindruckenden Fahrleistungen würde man jedenfalls nie darauf schliessen, dass sich BMW seit Längerem auf

eine Nachhaltigkeitsstrategie ausgerichtet hat. Den Ingenieuren aus München ist es gelungen, seit 1995 die CO2 -Emissionen ihrer europäischen Neuwagenflotte um etwa 30 Prozent zu senken. Doch wie bei BMW zu erwarten, bedeutet die Senkung von Verbrauch und Emissionen keine Beeinträchtigung der Fahrdynamik. Im Gegenteil. Automobilenthusiasten nehmen von dieser Entwicklung gerne Kenntnis. Und werden sich wohl weiterhin ohne schlechtes Gewissen für einen Sechs-ZylinderMotor entscheiden, Freunden und der eigenen Frau aber selbstverständlich den Vierzylinder empfehlen. Er ist schliesslich die vernünftigere Wahl. Auch wenn der Verbrauch des Testwagens sich nicht bei den Werksangaben von 6,8, sondern bei 9 Litern pro 100 Kilometer einpendelte. Aber Frauen fahren bekanntlich sparsamer als Männer. O

BMW Z4 sDrive28i Zylinder / Hubraum: 4 / 1997 ccm Motorleistung:

180 kW (244 PS) / 350 NM

Türen / Plätze:

2/2

Leergewicht:

1475 kg

Grundpreis:

CHF 67 400

Preis Testwagen:

CHF 83 400

www.bmw.ch


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KOLUMNE

APRIL 2 012 | A RTUNDREISE

ICH PACKE MEINEN KOFFER … «artundreise» fragt Helen Issler

Auf was ich in meinen Ferien gut verzichten kann: Auf Schweizer Touristen, die sich im Ausland wie Kolonialisten aufführen und sich über Banalitäten beklagen.

Den Sommer verbringe ich am liebsten … Am und im Zürichsee und anderen Schweizer Gewässern – auch zur Abkühlung nach einer Bergwanderung. Schwimmen ist eine echte Passion von mir. Den Winter verbringe ich am liebsten … In Graubünden auf Langlaufloipen und Skipisten. Besonders schätze ich das kleine aber feine Bio- und Ökohotel Ucliva in Waltensburg direkt bei Busstation und Sessellift. Dort fühlen wir uns wie zu Hause. Wohin geht Ihre nächste Ferienreise? Ich plane, bald wieder in einem spanischsprachigen Ort am Meer einen Sprachkurs zu besuchen. Dabei lerne ich viel über Land und Leute und fühle mich als «Schülerin» total jugendlich. Ihr liebstes Reiseland? Es gibt noch so vieles auf der Welt zu entdecken! Besonders gut gefallen haben mir Brasilien, La Réunion, Guadeloupe und Barbados. Auch weil dort der Graben zwischen Arm und Reich nicht (mehr) extrem ist. Und ein unvergessliches Erlebnis waren Grönland und der Kilimandscharo.

Auf was ich in meinen Ferien auf keinen Fall verzichten kann: Sauberes Hotel, schöne Badegewässer, angenehmes Klima, Entdeckungsreisen, gute Bücher und liebe, unternehmungslustige Begleitung.

und erlebe ich das Land intensiv. Für Reiseziele in Übersee schätze ich aber auch komfortable Flugzeuge. Als Urlaubslektüre empfehle ich: Spannende Bücher, die etwas mit dem Leben und der Geschichte des Landes zu tun haben – z.B. Jorge Amado für Brasilien oder Bruce Chatwin für Australien.

Was war Ihre weiteste Reise? Australien. Dort haben wir beruflich das Solarrennen über 3000 km von Darwin nach Adelaide begleitet und uns nachher am «Great Barrier Reef» erholt. Wo ich schon immer mal hin wollte: Nach Costa Rica, weil dort Natur und Kultur unendlich reich sein sollen, Spanisch gesprochen wird und ich auch meine Freude am Schwimmen ausleben kann. Was ist für Sie ein gutes Hotel? Ein gepflegtes Haus an sicherer und attraktiver Lage mit freundlichen Gastgebern. Würden Sie auch campen? Lieber nicht. Das ist mir zu eng und unbequem. Wie reisen Sie am liebsten? Per Flugzeug, Auto, Bahn, zu Fuss oder mit dem Schiff? In der Schweiz, in Europa sowie auch innerhalb der Feriendestinationen wenn möglich mit Bahn und Schiff. Da sehe

Helen Issler ist in Basel aufgewachsen und verbrachte ihre Ferien als Kind oft im appenzellischen Alpsteingebiet. Nach der Matura und einem Amerikajahr liess sie sich zur TV-Redaktorin und Moderatorin beim Schweizer Fernsehen ausbilden. Sie war in der Abteilung Information tätig und dort eine der ersten Journalistinnen am Bildschirm. Ab 1990 war sie Redaktionsleiterin von «Schweiz aktuell», von 1999 bis 2007 Leiterin von «Menschen Technik Wissenschaft», dann Ausbildungsverantwortliche und Autorin von Dokumentarfilmen. Seit Herbst 2009 arbeitet sie als freie Journalistin und Gesprächsleiterin. Sie hat zwei Töchter, vier Enkelkinder und lebt mit ihrem Partner in Zürich.


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"artundreise" März 2012  

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