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30. November 2011

Vergessene Haushaltstechniken:

Die Milcherzeugung/-verarbeitung

Teil 2

Melkutensilien Beim Melken wurden den Kühen oft die Beine mit einem Rinderstrick zusammengebunden, um sie am Treten zu hindern. Wurden sie auf dem Feld gemolken, dann wurden die Milcheimer mit einem gutsitzenden Schulterjoch, an dem ihre Henkel mit längs verstellbaren Ketten eingehakt wurden, zum Hof transportiert. Beim Transport mußte man die Eimer gut festhalten, damit die Milch nicht überschwappte. In der Melkstube wurde die Milch zunächst in Holzbottichen gekühlt, dann seihte man sie durch. Anschließend wurde sie zum Bahn- oder Straßentransport in Kannen abgefüllt. Diese Kannen trugen oft den Namen des Bauern. Der Milchmann füllte die Milch mit einer geeichten Schöpfkanne in die Milchkanne der Hausfrau ab.

Dieses System der „Stadt-Höfe“ wurde allerdings schon abgeschafft, als ich noch ein Kind war. Fortan lieferten die Bauern die Milch für die Städter auf den ländlichen Bahnstationen ab. Der Milchzug zwang die Bauern, jeden Morgen um vier oder fünf Uhr aufzustehen, die Kühe zu melken und mit überschwappenden Milchkannen zur Station zu fahren. Damals gab es noch keine Pasteurisierung, was bedeutete, daß die Milch absolut frisch sein mußte. Die Melkutensilien mußten sterilisiert und die Milch nach dem Melken sofort gekühlt werden, damit keine Mikroorganismen sie verderben konnten.

Der Milchvertrieb Mitte der dreißiger Jahre arbeitete ich auf einer walisischen Farm, die auch Milch erzeugte. Jeden Morgen um fünf Uhr mußte ich aufstehen, melken, die Milch kühlen und sie in saubere Kannen abfüllen. Nach dem Frühstück fuhr der Bauer in die nahe gelegene Stadt und lieferte die Milch aus. Fiel er einmal aus, mußte ich diese Aufgabe übernehmen. Vor den Haustüren unserer zahlreichen Kunden in der Stadt standen kleine Milchkannen. Vor jeder Tür hielt ich das Pony an, schüttete zwei oder drei halbe Liter in die Kanne und gab noch einen Nachschlag dazu - nach der Bibel soll das Maß überlaufen.

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30.11.2011-mar  
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