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Karriere

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Text: ANGELINA GROMES * Namen geändert Fotos: GORG J.LAPOTA

ÄRTZLICHER BEREITSCHAFTSDIENST HILFE AUF ABRUF Eine Praxis kommt für einige Medizinstudierende nicht infrage. Sie wollen Akutmedizin praktizieren, schnell Entscheidungen treffen. Doch dies ist auch im ärztlichen Bereitschaftsdienst gefragt.

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ie Knöpfe im Fahrstuhl sind mit einem schwarzen Edding beschmiert. Dr. med. Elisabeth Martin findet dennoch die Zehn und fährt zügig in die zehnte Etage des Hochhauses. Es muss schnellgehen: Denn Frau Khamasmi* hat Schmerzen in der Lunge. Sie kann nicht vernünftig Luft holen und hat deshalb den Bereitschaftsdienst angerufen. Den ärztlichen Bereitschaftsdienst gibt es deutschlandweit, er wird von der jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigung organisiert. Jeder niedergelassene Arzt in Deutschland ist prinzipiell verpflichtet, daran teilzuneh-

Deutsches Ärtzteblatt Studierende WS 2012

men. Berlin bildet jedoch eine Ausnahme. Die Ärzte können sich dort freiwillig für den Dienst melden. Eine dieser Freiwilligen ist Martin, Allgemeinmedizinerin mit einer Praxis in Berlin-Reinickendorf. Heute ist sie den ganzen Tag im Bereitschaftsdienst unterwegs und versorgt Menschen, die medizinische Hilfe brauchen. Sie ist eine zierliche Frau, die oft lacht. Sie trägt keinen weißen Kittel, sondern sportliche Alltagskleidung. Oben im zehnten Stock öffnet Herr Khamasmi* die Tür. Im Wohnzimmer läuft laut der Fernseher. Auf dem Fernsehtisch liegen eine

Packung Zigaretten und ein Inhaliergerät. „Ich bin Asthmatiker“, sagt Herr Khamasmi. Er raucht dennoch. Auch nach zwei Herzinfarkten. „Selbst kurz vor der Operation habe ich noch eine geraucht“, erzählt er lachend. Elisabeth Martin erklärt ihm kurz die Konsequenzen des Rauchens. So viel Zeit muss sein. Jetzt muss sie sich um die eigentliche Patientin kümmern: Frau Khamasmi liegt auf der Couch im Wohnzimmer, ist 40 Jahre alt und übergewichtig. Sie hustet und stöhnt. Zwischen dem Luftholen will sie der Ärztin erklären, wo es schmerzt. Martin kann

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