Begleitpublikation zur Ausstellung «Ave Caesar»

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23. Oktober 2022 – 30. April 2023 Römer, Gallier und Germanen am Rhein www.antikenmuseumbasel.ch

Ave Römer,Caesar!Gallier und Germanen am Rhein

Eine Ausstellung des Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig 23.10.2022 – 30.04.2023

DieMedienpartner:Ausstellung

gedruckt mit freundlicher Unterstützung der Berta Hess-Cohn Stiftung, Basel

Wir bedanken uns herzlich bei den nachfolgend aufgeführten Organisatio nen und Mäzenen sowie jenen, die nicht erwähnt werden möchten, ohne deren grosszugiges Engagement diese Sonderausstellung nicht zustande gekommen wäre:

«Ave Caesar! Römer, Gallier und Germanen am Rhein» ist Teil eines grenzüberschreitenden Museumsprojekts, das zwischen Herbst 2022 und Sommer 2023 in Deutschland, Frankreich und der Schweiz insgesamt 38 Ausstellungen zum Thema Rhein präsentiert: dreilaendermuseum.euDiesePublikationwurde

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Liestal, Archäologie und Museum Baselland

Marcus Reuter; Korana Deppmeyer

Mainz, GDKE –LandesmuseumDirektionMainz

Marc Zehntner; Andrea Casoli; Stefan Bürer

Thorsten Valk; Ralf W. Schmitz; Susanne Willer

Brugg, Kantonsarchäologie Aargau Regine Fellmann Brogli; Debora Tretola

Birgit Heide; Ellen Riemer

Avenches, Site et Musée romains Sophie Bärtschi Delbarre; Sandrine Bosse Buchanan

Basel, Historisches Museum

Augst, Römerstadt Augusta Raurica Dani Suter; Lilian Raselli; Barbara Pfäffli; Thomas Hufschmid; Maya Wartmann

Bern, Bernisches Historisches Museum

Guido Lassau; Norbert Spichtig; Andrea Hagendorn; Dagmar Bargetzi; Johannes Wimmer

Basel, BodenforschungArchäologischeBasel-Stadt

Thomas Paul-Gabi; Gudrun Föttinger; Vanessa Haussener

Wiesbaden, Landesamt für Denkmalpflege Hessen Daniel Usher

Bonn, LVR-LandesMuseum

Konstanz, LandesmuseumArchäologischesBaden-Württemberg

Barbara Theune-Großkopf

Basel, Integrative Prähistorische und Naturwissenschaftliche Archäologie Sabine Deschler-Erb; Örni Akeret; Simone Häberle; Sandra Pichler; Lucia Wick

Leiden, Rijksmuseum van Oudheden Wim Weijland; Robert Ritter

Andreas Fischer

Trier, Rheinisches Landesmuseum –Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz

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Wir danken unseren Partnern und Leihgebern:

Biesheim, Musée Gallo-Romain de Biesheim Bénédicte Viroulet

Freiburg i. B., Archäologisches Museum Colombischlössle Beate Grimmer-Dehn

Inhaltsverzeichnis 7 Römer, Gallier und Germanen am Rhein: die Anfänge Europas A. Bignasca19 Das Oberrheintal und der Süden in vorrömischer Zeit M. Guggisberg 31 Der südliche Oberrhein zur Zeit Caesars. Eine archäologischenSiedlungslandschaftimSpiegelderQuellenA.Hagendorn–N.Spichtig43CaesarundderRheinE.Dozio13 Der Rhein in der Antike – Eine Einführung E. Dozio

71 Der Rhein als vorfrühgeschichtlicheundVerkehrsachseR.Bockius 97 Basel in spätkeltischer und römischer Zeit: Ein Überblick D. Bargetzi – J. Wimmer 57 Augusta Raurica – Typisch römisch, aber dennoch anders als in Rom B. Pfäffli – L. Raselli 49 Rom macht sich breit. Der Oberrhein von der militärischen Sicherung der Rheingrenze bis zur EinrichtungStrukturenzivilerE.Deschler-Erb 83 Geschichte der Umwelt und der Nutzung von Pflanzen und Tieren am Rhein(knie) Ö. Akeret – S. Deschler-Erb –S. Häberle – R. Jagher –Ph. Rentzel – L. Wick

Andrea

Von nun an stellt der grosse europäische Fluss ein mehr oder weniger durchlässiges Grenzgebiet zwischen den gallischen, römisch besetzten Territorien am linken Ufer und den germanischen Stämmen jenseits des Flusses dar. Dank komplexen politisch-militärischen Allianzen ist die Lage zunächst stabil, sie verändert sich jedoch kontinuierlich im Laufe der Zeit, bis das römische System ab dem späten 4. Jahrhundert n. Chr. von grös seren Migrationen aus dem Norden und dem Osten überrannt wird und schliesslich kollabiert.

Gallier und Germanen am Rhein: die Anfänge Europas

(Kaiser Mark Aurel, Selbstbetrachtungen, 161–180 n. Chr.)

Zwischen 58 und 52 v. Chr. erobern römische Legionen unter Caesars Führung grosse Teile des heutigen Frankreichs, Belgiens, der Niederlande und der Schweiz. Die dort ansässigen gallischen Stämme sind unterworfen. Am Rhein macht Caesar vorläufig halt. Jede zusätzliche Expedition im Norden hätte seine politischen Ambitionen in Italien nur verzögert. Zwei Mal al lerdings lässt er in wenigen Tagen eine Holzbrücke über den Rhein bauen, um seine technologische wie militärische Überlegenheit zu untermauern und auch Germanien zu plündern.

Für den europäischen Kontinent bedeutet die Ankunft der Römer bei Weitem nicht nur eine Epoche der Eroberungskriege, sondern des grundlegen den Wandels, des Kennenlernens, des Austauschs und – letztendlich – der Akkulturation und des Fortschritts. Die historische Rekonstruktion ist heute zu sehr von der römischen Perspektive geprägt, da lateinische Schriftquel

◁ Abb.1

Porträt 160Offiziersrömischeneinesumn.Chr.

«Das Leben ist Krieg und Wanderung in einem fremden Land.»

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Römer,Bignasca

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len und herausragende materielle Hinterlassenschaften überwiegen. Dabei wuchs das Konzept der «Barbarei», je weiter man sich vom Mittelmeer raum entfernte: So galten die im hohen Norden angesiedelten Iren als noch grausamer als die Britannier. In der römischen Auffassung waren sie nicht nur Kannibalen, sondern sie vergnügten sich angeblich auch sexuell mit ihren Müttern und Schwestern. Die lateinische Bezeichnung barbarus hat zwar für die Römer eine negative Konnotation gehabt, jedoch – und im Gegensatz zu heutigen Rassisten – waren die Römer auch überzeugt, dass die «Barbaren» zivilisiert werden konnten. Der Historiker Tacitus hatte für die Germanen sogar eine unverhohlene Bewunderung. Sein Schwieger vater Agricola, Statthalter von Britannien von 78 bis 84 n. Chr., förderte den Bau öffentlicher Gebäude, das Erlernen der lateinischen Sprache und das Tragen der Toga. Allmählich gewöhnten sich die Britannier ans römische Luxusleben in öffentlichen Bädern und bei üppigen Banketten. Sie nannten dies «Zivilisation», ohne zu merken – wie Tacitus schreibt –, dass es ein Aspekt ihrer neuen Knechtschaft war (Tacitus, Agricola 21).

Als Kaiser Caracalla 212 n. Chr. allen freien Einwohnern des Imperiums das Bürgerrecht verlieh, stammten die meisten neuen römischen Bürger von Menschen ab, die früher als Germanen oder Gallier betrachtet worden waren. Die Akkulturation war bereits weit fortgeschritten.

Erst die Ankunft neuer Nomadenstämme aus Zentralasien im Schwarz meergebiet – Hunnen und Alanen – in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhun derts n. Chr. brachte die bestehenden, bereits stark gemischten Strukturen in Europa noch mehr durcheinander, trieb die germanischen Stämme

Anführer wie Arminius oder Vadomarius waren nur die berühmtesten Germanen, die in den Dienst der Römer traten. Viele römische Truppen kontingente trugen den Namen der alamannischen Kantone, aus denen die Soldaten rekrutiert worden waren. Die Franken arbeiteten im engen Austausch mit den Römern zusammen und 355 n. Chr. waren sie am Hof des Kaisers «zahlreich und einflussreich» (Ammianus Marcellinus, Historiae, 15, 5, 11). Gegen Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. waren viele von ihnen in hohe militärische und administrative Ämter der Römer gestiegen. Im 4. Jahrhundert n. Chr. waren Franken und Alamannen so gut in die Wirt schaft des Reichs integriert, dass sie keine wirkliche militärische Bedrohung mehr darstellten.

massenhaft über den Rhein und verursachte schliesslich den Zusammen bruch des Weströmischen Reichs.

Aber was davon war wirklich zusammengebrochen – und wer hatte wen überrannt? Beim Grab des Childericus in Tournai, des 481 n. Chr. verstor benen Königs der Franken, fragt man sich aufgrund der architektonischen Anlage und der Grabausstattung, ob ein Germane oder ein Römer bestat tet Vorwar.diesem

Am vorliegenden Ausstellungsprojekt haben sich mehrere Leihgeber mit bedeutenden Werken aus ihren öffentlichen und privaten Sammlungen beteiligt. Allen voran ist die Römerstadt Augusta Raurica zu erwähnen, die sehr partnerschaftlich auch an der Konzeption und an der Begleitpublika tion teilgenommen hat. Zu den Leihgebermuseen gehören – neben Augst – das Rijksmuseum van Oudheden in Leiden, das Landesmuseum in Mainz, das Rheinische Landesmuseum Trier, das LVR-LandesMuseum Bonn, das Archäologische Landesmuseum Baden-Württemberg, das Archäologische Museum Colombischlössle in Freiburg, das Site et Musée romains d’Aven ches, die Kantonsarchäologie Aargau in Brugg, das Bernische Historische Museum, Archäologie und Museum Baselland in Liestal, die Archäologi sche Bodenforschung Basel-Stadt, das Musée Gallo-Romain de Biesheim,

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komplexen historischen Hintergrund skizziert die vorliegende Ausstellung die vielfältigen Akkulturationsprozesse zwischen Römern, Galliern und Germanen am Rhein. Die militärischen Auseinandersetzungen sind zwar die Nachricht, die in der römischen Propaganda am meisten Platz einnimmt, jedoch bei Weitem nicht die wichtigste. Vielmehr inter agieren die involvierten Akteure untereinander in mannigfacher Art und Weise – im Handel, im Austausch von Menschen, Ideen und Technologien, auf der Ebene der Religion und der eigenen Bräuche. Die Entwicklung hin zu einer stark durchmischten Gesellschaft ist eindrücklich. Noch im 1. Jahrhundert n. Chr. verherrlicht der römische Dichter Papinius Statius den unter der Ägide Roms rein militärisch geeinten Kontinent: «Wer möchte nicht unzählige Völker und ihre Anführer sehen, die ganze Macht und Ehre Europas, die gemeinsam und freiwillig auf unsere gerechten Waffen schwört?» (Achilleis II, 799 ff.). Drei Jahrhunderte später sind zivile und militärische Strukturen, Infrastrukturen sowie durchmischte ethnische Voraussetzungen geschaffen, die in den folgenden Epochen zur ersten Herausbildung der heutigen Konstellationen führen werden.

Die Realisierung der Ausstellung wäre ohne finanzielle Unterstützung durch Drittmittel undenkbar gewesen. Das Projekt wurde dank der gross zügigen Finanzierung von mehreren privaten Stiftungen und Mäzen*innen sowie von den Donator*innen unseres Museums ermöglicht. Ich bedanke mich zutiefst für diese grossartige Unterstützung.

Dem gesamten Team des Antikenmuseum Basel bin ich für die sehr enga gierte Arbeit und die enthusiastische Umsetzung unter der Projektleitung von Kurator Esaù Dozio und Gestalterin Trinidad Moreno sehr verbunden. Einmal mehr ist es allen involvierten Mitarbeitenden des Antikenmuseums gelungen, ein anspruchsvolles Thema wissenschaftlich fundiert, gestalte risch wie marketingtechnisch innovativ und betrieblich einwandfrei für das grosse Publikum umzusetzen. Herzlichen Dank!

Andrea DirektorBignasca

◁ Abb.2

Porträt des Kaisers Lucius Verus (161–169 n. LeihgabeChr.),

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das Institut für Prähistorische und Naturwissenschaftliche Archäologie Basel, das Historische Museum Basel sowie Daniel Usher in Wiesbaden, Stefano Bolla in Lugano, Carlo-Maria Fallani und Ludovic Marock.

Der Rhein als Kontaktweg

▽ Abb.2

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DerDozioRhein in der Antike –Eine Einführung

Im Jahre 2019 wurden in den Basler Rheinhäfen ungefähr 9 Prozent der schweizerischen Importe und Exporte umgeschlagen. Knapp 6,1 Millionen Tonnen verschiedenster Waren erreichten auf diesem Weg die Schweiz oder sind von hier aus in die Welt transportiert worden. Die wirtschaftliche Bedeutung des Rheins in der Antike war aber womöglich noch grösser. Damals bildeten Flüsse die mit Abstand effizienteste und günstigste Ver bindungsachse im Binnenland (Abb. 1). Nicht nur aus wirtschaftlicher Perspektive prägten sie die antike Welt: Zusammen mit Rohstoffen und Luxuswaren beförderten antike Flussschiffe auch Personen, die ihrerseits Ideen, religiöse Vorstellungen und kulturelle Errungenschaften zwischen den verschiedenen Regionen des Kontinents transportierten. Der Rhein war somit nie eine unüberwindbare Trennlinie zwischen den nordalpinen Kulturgebieten, ganz im Gegenteil: Er stellte eine wichtige Verbindungs achse dar, die die Kontakte innerhalb des antiken Europas vereinfachte und somit stark ankurbelte.

Esaù

Der Kulturaustausch zwischen den einheimi schen Bevölkerungen und den Hochkulturen des Mittelmeergebiets wurde erheblich von der Flussschifffahrt ermöglicht. Vor allem ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. nutzten griechische Händler das Flusssystem der Rhone, um bis weit ins euro päische Binnenland zu gelangen (Abb. 2). Durch die Rhone selbst und ihre Nebenflüsse Saône und Doubs erreichten mediterrane Produkte die so genannte Burgundische Pforte westlich vom heu tigen Basel: Nur eine schmale Landbrücke trennte sie noch vom Rhein und seinem mächtigen Fluss

Der Rhein vor der Begradigung: BaselKunstmuseumBasel,wärtsklotzvomBirmann,PeterBlickIsteiner-rheinaufgegenum1812.

Die GalliensFlüsse

◁ Abb.1

▷ Abb.3 Relief BonndesMuseumChr.JahrhundertdesPersonifikationmitRheins,2.n.LVR-Lan 14

system. Ein zweiter bedeutender Handelsweg führte über die Alpenpässe: Auch in diesem Fall bildete der Rhein die natürliche Verlängerung dieser Handelsroute bis zur Nordsee. Die Kontrolle der Handelswege garantierte Macht und Reichtum: Daher trug sie auch am Rhein zur Herausbildung einer lokalen Oberschicht und mächtiger Herrschaftszentren bei. Diese Fürstensitze lagen an strategisch günstigen Orten, die leicht zu verteidi gen waren und die Handelsrouten dominierten. Aus der Mittelmeerwelt stammten auch kulturelle Einflüsse, die zum Beispiel zur Verwendung von Münzen und zu einer einsetzenden Urbanisierung der lokalen Siedlungen Derführten.Rhein als Schlachtfeld und Grenze

Ab dem 3. und vor allem 2. Jahrhundert v. Chr. erweiterte Rom seine direkte Kontrolle über Norditalien und Südfrankreich und somit auch über die wichtigsten Handelswege mit dem Norden. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Römer auch das Rheingebiet eroberten. Innenpolitische Streitigkeiten zwischen den keltischen Stämmen boten die passende Ge legenheit dazu. Zwischen 58 und 52 v. Chr. unterwarf Gaius Julius Caesar sämtliche Gebiete westlich des Rheins. Dank Caesars Berichten über seine Militärkampagnen liegen uns aber auch die ersten ausführlichen Beschrei bungen dieses mächtigen Flusses und der Bewohner seiner Ufer vor. Dem Rhein kam nach der römischen Eroberung ganz Galliens ein Grenzcharak ter zu. Er bildete zwar weiterhin keine unüberwindbare Grenzmarke, stell te aber vielmehr die neue politische Abgrenzung des römischen Einflussgebiets dar. Die römische Eroberung bedeutete aber für das Rheingebiet keinen Umbruch. Höchstens hat die direkte Präsenz der Römer am Rhein die bereits aktiven kulturellen Prozesse beschleunigt.

Der Rhein in römischer Zeit

In den folgenden Jahrzehnten errichteten die Römer zahlreiche Militär basen am linken Rheinufer und bauten die gesamte linksrheinische Infrastruktur aus (Abb. 3). Ein modernes Strassensystem garantierte die Versorgung der Rheingrenze. Die Militäranlagen entlang des Flusses sicherten einerseits die von Caesar eroberten Gebiete vor Einfällen der rechtsrheinischen Germanen, andererseits dienten sie als Ausgangsbasis für Feldzüge, die bis zur Elbe reichten. Auf politischer Ebene stützten sich

Eine multikulturelle Gesellschaft am Rhein

Die Römer pflegten einen geschickten Umgang mit den bestehenden gesellschaftlichen Strukturen. Am Rhein profitierten sie von der langen Tra dition von kulturellen Kontakten mit dem Süden, um das Zusammenleben zwischen ihnen und der lokalen Bevölkerung zu gestalten. Die Eroberung bedeutete keineswegs einen Bruch mit den einheimischen Traditionen. Die römischen Truppen am Rhein, die aus allen Provinzen des Reichs stammten, sowie die neuen Siedler in den Kolonien brachten zwar ihre kulturellen Erfahrungen mit in das Rheingebiet. Sie siedelten aber in einem lebendigen kulturellen Umfeld mit eigenen Bräuchen. Aus diesem multikul turellen Schmelztiegel bildete sich eine einmalige Konstellation heraus, die wir heute die «gallorömische Kultur» nennen. In allen Bereichen des täglichen Lebens lassen sich gegenseitige Einflüsse ausmachen. Die Krise des

die Römer auf die bestehende gesellschaftliche Struktur der keltischen Oberschicht: Sie begünstigten loyale einheimische Adlige und mischten sich dann so wenig wie möglich in lokale Angelegenheiten ein. Durch die Kooperation zwischen der einheimischen Elite und den Römern, die Rekru tierung von keltischen Soldaten für die römische Armee und die Gründung von römischen Kolonien am Rhein waren die Weichen für eine stabile politische Lage in dieser Region gestellt. Unter den Römern verstärkte sich zusätzlich die Bedeutung des Rheins als Verkehrsachse und Lebensader der neu eroberten Gebiete, die um 85 n. Chr. zu regulären römischen Provin zen wurden. Neue Kanäle und Häfen wurden gebaut, eine Militärflotte patrouillierte auf dem Rhein und Transportschiffe pendelten zwischen den neu gegründeten Kolonien und den militärischen Stützpunkten. Sie liefer ten Rohstoffe, Baumaterial sowie Produkte aus dem Mittelmeergebiet, um der Nachfrage Zehntausender römischer Soldaten an der Grenze und der neu angesiedelten Veteranen zu entsprechen. Auch die einheimische Elite übernahm Aspekte der römischen Lebensweise als Distinktionsmittel, um ihre ungebrochene, obschon jetzt in den Dienst der Römer gestellte Macht zu markieren. Beliebte Zutaten der mediterranen Küche wurden in noch grösserem Umfang importiert; manche produzierte man aber auch an Ort und Stelle. Unter den Römern verbreiteten sich am Rhein Weinreben und neue Obstsorten. Die Verbesserung von Landwirtschaft und Viehzucht lie ferte mehr Nahrungsmittel für die steigende Population; die Urbanisierung und die neue, einheitliche Währung kurbelten den Handel an.

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römischen Reichs liess den Rhein schliesslich wieder zu einer umkämpften Grenze werden, aber auch jetzt lassen sich keine Umbrüche, sondern eher langfristige Transformationsprozesse feststellen, die die Geschichte dieses Flusses bis heute ohne Unterbruch geprägt haben.

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Die Geschichte des Rheins in der Antike wurde von verschiedenen, äus serst aktuellen Phänomenen beeinflusst. Der Bedarf nach Rohstoffen, Natur- und Luxusprodukten kurbelte damals wie heute den internationalen Handel an. Die Konsequenz davon waren engere Kontakte zwischen den verschiedenen Gebieten und somit gegenseitige kulturelle Einflüsse. Die Kontrolle von Handelsrouten und Ressourcen war in diesem Zusammen hang von entscheidender strategischer Bedeutung, was gelegentlich auch zu militärischen Auseinandersetzungen führte. Der Fluss übernahm in diesem Zusammenhang verschiedene Funktionen, mal war er eine Verbin dungsachse, mal ein Schlachtfeld, mal eine Grenze. Er war aber stets der Protagonist einer langen und durchaus modernen Geschichte.

MARTIN GUGGISBERG

◁ Abb.1

Die Glasschale aus dem Prunkgrab von Ihringen, frühes 5. Jahrhun dert v. Chr., Archäologisches Lan desmuseum Baden-Württemberg.

Das Oberrheintal und der Süden in vorrömischer

Zeit19

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▽ Abb.2 Karte Eisenzeit.dermitOberrheintalsdesGräbernälteren

Seit der späten Bronzezeit mehren sich im Norden der Alpen die Hinweise auf eine Intensivierung der Kontakte mit der Mittelmeerwelt. Archäologisch lassen sich diese Fernbeziehungen am deutlichsten in der wachsenden Zahl von mediterranen Gütern ablesen, die zunächst sporadisch, ab dem 7. Jahr hundert v. Chr. jedoch in steigender Zahl in den Gräbern der lokalen Eliten und – seltener – in den zugehörigen Siedlungen in Mitteleuropa in Er scheinung treten. Vor allem in den Gräbern finden sich nebst diesen Importen häufig weitere Beigaben aus kostbaren und teils exotischen Materialien, Objekte aus Gold, Bernstein, Glas oder Elfenbein, aber auch aus Buntmetall und Eisen. Lange Zeit war in diesem Zusammenhang von «Fürstengräbern» und parallel dazu für die Siedlungen von «Fürstensitzen» die Rede. Beide Begriffe erscheinen heute problematisch, weil sie sich an der Herrschafts- und Sozialstruktur einer um vieles jüngeren Epoche orientieren, jener des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Nichtsdestotrotz zeugen die Funde aus dem 7. und 6. Jahrhundert v. Chr., der sogenannten Hallstattzeit, von der Entstehung örtlicher Macht zentren und der Herausbildung lokaler Eliten in Mittel europa, die dank ihrer militärischen, politischen und ökonomischen Ressourcen in der Lage waren, Kontakte und Austausch mit ihren südlichen Standesgenossen aufzubauen und zu pflegen. Über die Art und Weise, wie diese Netzwerke funktionierten und wer mit wem Kontakt hatte, wissen wir wenig. Es darf jedoch davon ausgegangen werden, dass der Austausch in erster Linie über regionale Verbindungen lief und die mediterranen Güter nicht direkt, sondern über Zwischenstationen in den Norden gelangten, wobei sie wohl nicht selten auch ihre Besitzer gewechselt haben. Während einzelne Objekte ihren Weg bis nach Mitteleuropa fanden, blieben andere unterwegs zurück. Verbreitungskarten zeigen den Verlauf des Gütertransfers mit zwei Schwerpunkten durch das Rhonetal und über die Pässe der Zentralalpen. Obschon Schriftquellen fehlen, geht man in Analogie zu Aus tauschprozessen in anderen Regionen der Mittelmeer welt davon aus, dass die Güter mehrheitlich nicht als gewöhnliche Handelsware, sondern als politische «Ge schenke» zwischen den Mächtigen der Zeit zirkulierten.

des21

Das Oberrheintal hat in diesem transeuropäischen Beziehungsgeflecht von Anfang an eine wichtige Rolle gespielt, als Zone des Durchgangs und des Umschlags von Gütern und Personen einerseits, möglicherweise aber auch aufgrund seiner naturräumlich und klimatisch günstigen Lage, die den hier ansässigen Bevölkerungsgruppen einen gewissen Wohlstand ver schaffte. Dabei stand weniger das Rheinknie bei Basel im Fokus als vielmehr die nördlich angrenzende Region zwischen den Vogesen und dem Schwarz wald. Eine besondere Rolle spielten das südliche Elsass und das gegenüber liegende Südbaden, die über die sogenannte Burgundische Pforte bei Besançon mit dem Tal des Doubs und damit direkt mit der Saône und der Rhone verbunden waren. Hier konzentrieren sich in der Hallstatt- und Frühlatènezeit verschiedene regionale Machtzentren, die durch ihre Lage in der Nähe von Wasserwegen die Bedeutung der Region als wichtige Ver kehrsdrehscheibe unterstreichen.

Sowohl rechts als auch links des Rheins prägen in der Hallstattzeit kleinere Siedlungen mit den zugehörigen Gräberfeldern das Bild (Abb. 2). Prunkvolle Waffen, Wagen und andere Grabbeigaben zeugen von einer hierarchisch strukturierten Gesellschaft. Gegen Ende der Epoche, in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts v. Chr., ist eine allmähliche «Konzentration der Macht» zu beobachten, wobei rechts des Rheins das Siedlungszentrum auf dem Münsterberg von Breisach zur dominierenden Kraft wird, während im Elsass der Britzgyberg bei Illfurth an Bedeutung gewinnt. Im Umkreis beider Zentren dürfte es kleinere ländliche Siedlungen und Gehöfte gegeben haben, die sich archäologisch vor allem anhand der zugehörigen Gräberfelder identi fizieren lassen. Ihre Lage zeugt von der strategischen Erschliessung

Ebenso wenig wie über die Organisation des Warenverkehrs wissen wir letztlich über die Ursachen, die diesen weiträumigen Austausch angestossen haben, und über die Absichten, die damit verbunden waren. Unklar ist bis heute auch, welche Gegenleistungen von Norden nach Süden diffundierten. In jedem Fall zeugen die Funde von Beziehungsgeflechten, die die Menschen diesseits und jenseits der Alpen zunehmend enger miteinander verbanden. Rohstoffe, Luxusgüter und neue Technologien, aber auch politische Allianzen, Sklaven und Söldner werden als Antriebsfedern der Kontakte vermutet. Darüber hinaus darf angenommen werden, dass die Herausbildung grösserer und somit gesellschaftlich komplexerer Machtzentren im Norden und die Erstarkung der Städte im Süden die Kontaktaufnahme mit den Nachbar kulturen ihrerseits befördert haben.

Raumes. Auffällig ist etwa die Lage von besonders reichen Gräbern entlang des Flusslaufes der Ill. Auf der Höhe von Colmar ist eine Verdichtung der Fundorte zu beobachten, die nun auch nach Osten, zum Rhein hin, aus greifen. Zu ihnen gehört unter anderem das kleine Gräberfeld von Appenwihr, das in nur gerade 13 Kilometern Luftdistanz zu Breisach liegt und wohl von seiner Nähe zum Rhein und einer möglichen Furt über den Fluss profitiert hat. Es ist sicher mehr als ein blosser Zufall, dass gerade hier eines der reichsten Gräber der Region mit besonders frühen Importen aus dem Süden entdeckt wurde.

Das Grab wurde am Ende des 7. oder zu Beginn des 6. Jahrhunderts v. Chr. in einen bereits bestehenden Tumulus der Bronzezeit eingetieft. Neben einem sogenannten Kegelhalsgefäss aus Ton und zwei lokalen Bronzegefässen enthielt es gleich mehrere Objekte, die aus Italien stammen (Abb. 3). Sie gehören mit zu den ältesten Zeugnissen des Güteraustauschs zwischen Mitteleuropa und der Mittelmeerwelt. Im Vordergrund steht ein büchsen artiges Gefäss aus Bronze, eine Pyxis, die im 7. Jahrhundert v. Chr. in Etrurien geschaffen wurde. Das Gefäss, das zur Aufbewahrung von Kosmetika oder Spezereien gedient haben dürfte, weist deutliche Spuren nachträglicher «Verschönerung» auf. So wurde ihm ein «neuer» Griff in Form eines wiederver wendeten Beckenhenkels aufgesetzt. Ebenfalls sekundären Ursprungs dürfte der Raubkatzen-Fries auf dem Deckel sein. Er findet seine stilistisch besten Vergleiche im Umkreis der am Alpensüdfuss beheimateten Este-Kultur. Beide Merkmale sprechen dafür, dass das Gefäss zum Zeitpunkt, als es einer keltischen Persönlichkeit mit ins Grab gelegt wurde, bereits ein gewisses Alter besass und vermutlich nicht direkt, sondern über mindestens eine Zwischenstation am Alpensüdfuss nach Norden gelangte. Ihre exotische Herkunft und ihr Alter dürften die Pyxis bereits in der Hallstattzeit zu etwas Aussergewöhnlichem gemacht haben, zu einem Gegenstand mit einer be sonderen Geschichte, die das Ansehen seines letzten, keltischen Besitzers mehrte. Wann und auf welchem Weg die Pyxis, die unter den Funden nörd lich der Alpen bis heute ein Unikat ist, ins Elsass gelangt ist, lässt sich kaum mehr bestimmen. Umso wichtiger ist die Präsenz zweier weiterer Import gefässe im gleichen Grab, einer Rippenschale und eines Siebes. Die Schale gehört zu einer Gattung von Bronzegefässen, die ab dem späten 8. Jahr hundert v. Chr. in Etrurien produziert wurden, das Sieb besitzt seine besten Parallelen in der norditalischen Este-Kultur des 8. Jahrhunderts v. Chr.

◁ Abb.3

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Pyxis, Sieb tasse Colmar.d’Unterlinden,v.Jahrhundertspäteswihr,vonausRippenschaleunddemGrabAppenElsass,8.–7.Chr.Musée

Die Zahl der südlichen Importe verdichtet sich im Verlaufe des 6. Jahr hunderts. Vorab mediterranes Trinkgeschirr aus Bronze ist bei den keltischen Machthabern des Rheintals beliebt. Es dürfte gewissermassen die Beifracht zu einem Produkt darstellen, das noch viel kostbarer und begehrter war: Wein, dessen Import ab dem späten 6. Jahrhundert v. Chr. durch den Fund von mediterranen Transportamphoren in zahlreichen Machtzentren der Hall statt- und Frühlatènezeit nachgewiesen ist. Mit einem Leergewicht von ca. 20 Kilogramm und einem Fassungsvermögen von etwa 18 bis 25 Litern, stellen diese Behälter wahrhaft schwergewichtige Importgüter dar, die man bevorzugt auf dem Wasserweg transportiert haben dürfte. Ihre Konzentration im Rhonetal scheint diese Annahme zu bestätigen. Bezogen auf die beiden Fundstellen im südlichen Elsass und in Südbaden (Britzgyberg und Breisach) liegt es nahe, für den Transport an die Wasserläufe der Rhone, der Saône, des Doubs und nicht zuletzt der Ill zu denken. Über dieses Wassersystem war das Oberrheintal also via die Burgundische Pforte direkt mit dem Mittelmeer verbunden. Der beschwerlichere Weg über die Alpen und durch das Schweizer Mittelland wurde zweifelsohne ebenfalls genutzt. Allerdings scheint er erst später, im 5. und 4. Jahrhundert, zu einer intensiv frequentierten Verkehrsachse geworden zu sein.

Ob die drei Importe bei einer einzigen Transaktion in den Besitz ihres letzten, keltischen Eigentümers gelangt sind oder ob sie im Rahmen eines kontinuierlichen Kontaktes mit dem Süden erworben wurden, lässt sich nicht mehr sagen. In jedem Fall verdeutlicht ihre Präsenz im südlichen Elsass die Rolle der Region als kulturelle Drehscheibe. Die Nähe der Fundstelle zum Rhein erscheint dabei mehr als blosser Zufall, zumal eine weitere, mit der Rippenschale von Appenwihr eng verwandte Bronzeschale aus der Nähe von Frankfurt die Frequentierung des Rheintals durch Kontaktpersonen aus dem Süden in dieser frühen Zeit unterstreicht.

Während zu Beginn der Kontaktaufnahme südliche Güter unterschied lichster Art in den Norden gelangten, konzentriert sich das Spektrum der Importe im Laufe des 6. und 5. Jahrhunderts v. Chr. zunehmend auf Trink geschirr aus Bronze und Keramik sowie auf den Wein, dessen Konsum als Medium der Selbstdarstellung für die keltischen Eliten immer wichtiger wurde. Bis heute ist in der Forschung umstritten, ob und – wenn ja – in wieweit sich die keltischen Trinksitten den mediterranen Gebräuchen an genähert haben. Jüngste naturwissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass in den griechischen Trinkgefässen, die ab dem späten 6. Jahrhundert das

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Gros der Importe bilden, nicht nur Wein konsumiert wurde. Der Nachweis von Rückständen von pflanzlichen Lipiden aus Öl- und anderen Pflanzen in attischen Trinkschalen und Krateren vom Mont Lassois scheint dafür zu sprechen, dass das keltische Importgeschirr nördlich der Alpen polyvalent verwendet wurde und neben griechischem Wein auch gekochte Speisen enthalten konnte. Nichtsdestotrotz darf davon ausgegangen werden, dass der gemeinschaftliche Konsum von alkoholischen Getränken bei festlichen Gelagen ein wichtiges Medium der sozialen Kohäsion der keltischen Eliten war. Aber auch im Austausch mit Fremden scheint das Prinzip der Gast freundschaft eine wichtige Rolle gespielt zu haben. Sie bildet – unter dem griechischen Begriff der xenía – das zentrale Format zur Etablierung von Kontakten zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft und stellt somit eine wichtige Voraussetzung für die Entstehung von weitläufigen Handelsund Austauschnetzwerken dar, die sich zu Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr. über die gesamte Mittelmeerwelt und das angrenzende Mitteleuropa aus gebreitet haben.

Dass sich die mediterranen Importgüter fast ausschliesslich auf Gefässe und Gerätschaften beschränken, die beim Bankett eine Rolle spielten, kommt daher nicht von ungefähr. Mit ihnen konnten die keltischen Anführer (und Anführerinnen) ihre Teilhabe an einem globalen Elitenetzwerk visualisieren, das sich vom Burgund bis in die Levante erstreckt. Zugleich diente das mediterrane Trinkgeschirr zusammen mit dem Wein den Händlern und Reisenden aus dem Süden als Medium der Kontaktaufnahme selbst. Es ist anzunehmen, dass ein Grossteil der Importe nicht als gewöhnliche Handelsware, sondern als «Geschenke» nach Norden gelangten, mit denen politische und ökonomische Beziehungen etabliert und gefestigt werden sollten.

Einiges spricht dafür, dass das Spektrum der Importe somit einem differenzierten Auswahlprozess unterstand, der sowohl von den Absendern der Waren als auch von den Adressaten mitbestimmt wurde. Nicht jedes Objekt war für den Transport nach Norden gleichermassen geeignet. Dies gilt nicht nur für die Form und die Qualität der Güter, sondern auch für ihr Dekor. So fällt auf, dass unter den zahlreichen attischen Keramikgefässen der schwarz- und rotfigurigen Technik kaum eines ist, das mit einer erkenn baren Szene aus der griechischen Mythologie geschmückt ist. Die griechischen Sagen scheinen die keltischen Adressaten wenig interessiert zu haben. Um gekehrt sticht ins Auge, dass der griechische Weingott Dionysos besonders häufig auf den Gefässen dargestellt ist. In diesem Zusammenhang

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Eine wesentliche Frage, die die Forschung seit dem Bekanntwerden der ersten Importe beschäftigt, gilt der Rezeption südlicher Lebensformen in der keltischen Welt. Wurden mit dem Wein auch die religiösen und sozialen Praktiken des griechisch-etruskischen Symposions übernommen? Wurden gesellschaftliche Normen und Wertvorstellungen aus dem Süden rezipiert? Welche Auswirkungen hatte der Kontakt auf die künstlerische und ideelle Schöpfungskraft der Kelten? Es ist an dieser Stelle nicht möglich, die komplexen Wechselbeziehungen zwischen den beiden grossen Kultur räumen eingehender zu besprechen. Unbestritten ist jedoch, dass die Be gegnung mit dem Süden tiefgreifende Veränderungen in der keltischen Ge sellschaft befördert hat, die letzten Endes im frühen 5. Jahrhundert v. Chr. in der Genese einer neuen keltischen Kultur mündeten, der sogenannten Latènekultur.Währendes

namentlich auf die Wandscherbe einer attisch-schwarzfigurigen Amphora vom Breisacher Münsterberg verwiesen (Abb. 4): Von Dionysos ist hier nur gerade noch das mit einem Efeukranz geschmückte Hinter haupt erkennbar. Er dürfte ursprünglich stehend im Profil nach rechts mit zurück gewandtem Haupt inmitten seiner ekstatischen Trabanten, der Satyrn und Mänaden, dargestellt gewesen sein (Abb. 5). Doch nicht allein die Wirkung des Weines ist durch die Darstellung des Gottes und seiner Begleiter thematisiert, sondern auch dieser selbst in Form einer mächtigen Weintraube, die – wie ein Markenzeichen für den Inhalt des Gefässes – hinter dem Haupt des Gottes an einem Rebstock emporwächst. Die den Kelten unbekannte Frucht unterstreicht damit zusätzlich zur fremden Gottheit den exotischen Charakter des Produktes, das im Mittelpunkt von Gelage und Gastmahl stand.

△ Abb.4

temberg.Baden-WürtLandesmuseumlogischesChr.,berg,sach,kenundvonmitgenschwarzfigurieinerWandfragmentattisch-AmphoraDarstellungDionysosWeinranausBreiMünster-um510v.Archäo

bei Siedlungsfunden nur selten möglich ist, ihre Verwendung exakt zu bestimmen, bieten Grabbeigaben durch ihre Vergesellschaftung mit anderen Objekten die Möglichkeit zu einem besseren Verständnis der mit den jeweiligen Gegenständen verbundenen Vorstellungswelt. Bezogen auf die mediterranen Importe in Mitteleuropa ist dabei in den vergangenen Jahren immer deutlicher geworden, dass diese von den Kelten oftmals um

▷ Abb.5 mitrigeschwarzfiguAttisch-AmphoraderDarstellung des Diony sos, um 500 v. Chr., Museum.vonburg,WürzMartinWagner

gedeutet und in eigener Manier weiterverwendet wurden. Besonders deut lich wird dies etwa im Zusammenhang mit den Funden aus einem späthall stattzeitlichen Prunkgrab bei Ihringen. Das Grab enthielt die Überreste eines erwachsenen Mannes, der durch einen goldenen Halsring und einen Armring aus demselben Material als Angehöriger der lokalen Führungsgruppe aus gewiesen ist (Abb. 6). Eine Lanze aus Bronze charakterisiert ihn als Krieger. Von besonderem Interesse ist im vorliegenden Zusammenhang jedoch das Geschirrensemble, das an seiner rechten Körperseite niedergelegt war. Es besteht aus vier Bronzegefässen, einer Kanne, zwei Becken und einem grossen Kessel sowie einer bis heute im Norden der Alpen völlig singulären Glasschale (Abb. 1). Material und Form legen die Annahme nahe, dass das Gefäss in Kleinasien oder dem östlichen Mittelmeerraum entstanden ist. Dass es die Reise bis an den Oberrhein, auf welchem Weg auch immer, heil überstanden hat, grenzt an ein Wunder. Bemerkenswert ist jedoch auch sein Fundort. Es lag direkt neben dem grossen Bronzekessel und dürfte ursprüng lich auf dessen Rand bzw. auf der womöglich mit einem Textil oder einem Deckel aus organischem Material verschlossenen Mündung gestanden haben. Der Funktionszusammenhang zwischen Schale und Kessel ist in jedem Fall evident, während die Kanne, mit der man die Schale als Trinkgefäss nach mediterraner Sitte am ehesten in Verbindung gebracht hätte, in grösserer Distanz dazu gefunden wurde. Die Fundlage der Schale stimmt auffällig überein mit derjenigen anderer Schalen aus keltischen Prunkgräbern. So wurde etwa im berühmten Grab von Hochdorf eine Schale aus Gold im Innern des grossen Bronzekessels gefunden. Als Trinkgefässe dürften in

◁ Abb.6 Ihringen, hundertfrühesdernergrabesPlanschwarzwald,Breisgau-HochKreisdesMän-mitGlasschale,5.Jahrv.Chr.

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diesem Fall die neun Trinkhörner gedient haben, die an der Wand der Grab kammer aufgehängt waren. Die feine Goldschale, die wohl ursprünglich ebenfalls auf dem Kesselrand stand, wird hingegen mit rituellen Handlungen verbunden und als Spendeschale angesprochen. Obschon wir nur wenig über derartige Praktiken der Kelten wissen, legt der Befund von Hochdorf die Annahme nahe, dass auch die Glasschale von Ihringen in analoger Weise als Schöpf- und Spendegefäss verwendet wurde. Ihre ursprüngliche Zweck bestimmung als luxuriöses Trinkgefäss scheint auf jeden Fall nicht mehr im Vordergrund gestanden zu haben.

Mit dem Übergang zur Latènezeit verändern sich die kulturellen Para meter am Oberrhein. Auch wenn anzunehmen ist, dass weiterhin Menschen und Güter auf dem Weg in den Süden bzw. in umgekehrter Richtung das Rheintal passiert haben, haben diese in der Region zwischen Strassburg und Basel kaum mehr sichtbare Spuren hinterlassen. Erst im späteren 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. manifestieren sich neue Spuren des Kontaktes mit der Mittelmeerwelt im Oberrheintal. Nun rückt ein neues Zentrum in den Fokus der transkontinentalen Beziehungen: das keltische Oppidum von Basel-Gas fabrik.

29

◁ Abb.1

ANDREA HAGENDORN, NORBERT SPICHTIG

Römische Weinamphore aus der Siedlung Basel-Gasfabrik. Der obere Teil ist ergänzt. In diesem Transportbehälter wurden etwa 20 Liter Wein aus Mittelitalien importiert.

Der OberrheinsüdlichezurZeitCaesarsEineSiedlungslandschaftimSpiegelderarchäologischenQuellen31

Oberrhein.amFundstellenAusgewähltesüdlichen

▷ Abb.2

32

Archäologisch sind für die jüngere Latènezeit, also für das 2. und 1. Jahr hundert v. Chr., mehr als 160 Fundstellen bekannt, von denen etwas mehr als die Hälfte als Siedlungen angesprochen werden können (Abb. 2). Dazu kommen Gräber, Rohstoffabbaustellen, Gewässerfunde, mögliche Kultorte und Deponierungen sowie nicht näher bestimmbare Fundstellen. Aufgrund archäologischer Kriterien lassen sich die Siedlungen in drei Kategorien untergliedern. Diese zwar etwas schematische Einteilung vermag verschiedene Funktionen und Abhängigkeiten sichtbar zu machen. Dabei wird deutlich, dass dieses Siedlungsgefüge ein stark vernetztes System darstellt, in dem jedes Element zum Funktionieren und zur Stabilität beiträgt. Die ursprünglich zahlenmässig wichtigste, archäologisch aber aufgrund der wenig markanten Spuren im Boden zumeist am schwersten fassbare Kategorie bilden Gehöfte, die hauptsächlich der landwirtschaftlichen Produktion dienten. Sie dürften sich breit über Zonen mit guten Bedingungen für die Bodenbewirtschaftung verstreut haben. Die Verteilung einer Vielzahl an Gütern geschah über mittlere Zentren, die sich über mehrere Hektaren ausdehnen konnten. In ihnen wurden ausserdem verschiedene Handwerke ausgeführt, wobei ins besondere die spezialisierte Töpferei blühte. Weiter übernahmen sie eine Scharnierfunktion zwischen Gehöften und zentralen Siedlungen. Als Zentral orte können zunächst offene, später ausnahmslos befestigte Siedlungen angesprochen werden, in denen ein breites Spektrum an differenzierten und hochstehenden Handwerken ausgeübt wurde, wie die Verarbeitung von Buntmetall und Eisen, die Keramikproduktion und die Herstellung von Arm ringen und Perlen aus Rohglas aus dem Nahen Osten oder spezieller Objekte aus Bein. Landwirtschaftliche Aktivitäten lassen sich dagegen kaum belegen, dafür innerhalb des Siedlungsperimeters die Haltung von Kleinvieh und ein intensiver Gartenbau. Damit wird deutlich, dass solche zentralen Orte auf ein stabiles Netzwerk angewiesen waren: einerseits für den Erhalt von Land wirtschaftsgütern als Nahrungsgrundlage oder für Rohstoffe, anderseits für

Im Gebiet des südlichen Oberrheins entwickelte sich im 2. Jahrhundert v. Chr. ein komplexes und differenziertes Siedlungsgefüge, nachdem zuvor weitgehend kleinere, agrarisch geprägte Einzelsiedlungen bestanden hatten. Verkehrsgeografisch bildet die Burgundische Pforte die wichtigste Verbindung nach Ostfrankreich und damit schon in der Antike einen Anschluss über das Rhonetal an das Mittelmeer. Durch das Hochrheintal oder über den Schwarzwald via Dreisamtal besteht eine Verbindung an die obere Donau. Juraübergänge binden das Gebiet an den zentralen und westlichen Teil des schweizerischen Mittellandes an.

33

Keltische Gasfabrik.SiedlungKopfmitmetallmünzeBunt-stilisiertemausderBasel-

▽ Abb.4

Blühende Zentren, florierender Handel

34

die Distribution handwerklich ver edelter Produkte in das Umfeld. Einen Einblick in dieses differenzierte System vermögen Rotationsmühlen aus einem spezifischen, gut für das Mahlen von Getreide geeigneten Gestein geben (Abb. 3). Sie wurden bei Schopfheim im Wiesental (D) vor Ort hergestellt sowie über Basel-Gasfabrik und dann andere zentrale Orte und mittlere Siedlungen transportiert, um an schliessend weiter über die ganze Region verteilt zu werden, sodass dieses Alltagsgerät eine weite Ver breitung fand.

Auch wenn es in unserer Region bisher noch nicht wirklich gelang, wie andernorts in den zentralen Siedlungen Infrastrukturen wie Versammlungs orte, Warenumschlagplätze oder Heiligtümer archäologisch nachzuweisen, die in Zusammenhang mit wirtschaftlichen, politischen oder religiösen Zentrumsfunktionen stehen, weist das Fundgut nicht nur anhand der häufigen Münzfunde (Abb. 4), sondern auch durch den Nachweis von deren lokaler Herstellung, den Beleg auf Schriftverwendung (Abb. 5) oder durch vielfältige Zeugnisse des religiösen Lebens dennoch deutlich in diese Richtung. Damit werden Eigenschaften fassbar, die – aus rückblickender Sicht – mit städtischen Merkmalen in Verbindung gebracht werden können. Auch Güter aus weiter entfernten Gebieten konzentrieren sich in den zentralen Plätzen. Zu nennen sind etwa Wein aus Mittelitalien zusammen mit Gefässen sowie Gerätschaften, die zum Weingenuss gehören (Abb. 1), Graphit tonkeramik aus dem östlichen Mitteleuropa oder Tongefässe aus dem heutigen Ostfrankreich. Dem Konsum von Wein kam eine wichtige Rolle im gehobenen gesellschaftlichen und im religiösen Leben zu. Allerdings scheint nicht einfach die mediterrane Sitte kopiert worden zu sein, sondern der Konsum dieses alkoholischen Ge tränks wurde in kreativer Weise in den eigenen sozialen Kontext integriert. Zentrale Plätze stellten für Güter aus

Im 2. Jahrhundert v. Chr. und zu Beginn des 1. Jahrhunderts v. Chr. stellten Basel-Gasfabrik und Breisach-Hochstetten (D), beide an der Verkehrsachse Rhein gelegen, die prominentesten Zentral siedlungen im südlichen Oberrheingebiet dar. Kirchzarten-Rotacker (D) kontrollierte den Zugang durch den Schwarzwald. Im Elsass fehlt bisher der Nachweis eines Zentralortes. Die mittleren Siedlungen lagen in der Ebene beidseits des Rheins, jeweils etwa 20 Kilometer von den zentralen Orten entfernt. In SierentzLandstrasse (F) entwickelte sich die Siedlung entlang einer Durch gangsstrasse, an der durch Gräben abgegrenzte Areale angelegt wurden. Die archäologisch eher schwer fassbaren Gehöfte, die wenige Gebäude, einzelne andere Installationen und oft Um fassungsgräben als Abgrenzung zum Umland aufweisen, finden sich in landwirtschaftlich günstigen Zonen.

fernen Gebieten aber nicht nur wesentliche Abnahme- und Konsumations orte dar, sondern spielten gleichzeitig eine bedeutende Rolle für die weitere Verteilung über grössere und kleinere Distanzen. Zugleich waren sie damit auch in den Strom an Informationen, Ideen und Neuerungen eingebunden, die in vielen Bereichen zu dynamischen Entwicklungen beitrugen.

Nicht nur die naturräumliche Situation des südlichen Oberrheins, sondern auch das engmaschige Beziehungsnetz weist auf eine zusammengehörende Siedlungslandschaft hin. Da sich Unterschiede in der Sachkultur zwischen dem südlichen und dem nördlichen Oberrheingebiet zeigen, deuten sich hier zwei verschiedene latènezeitliche Siedlungskammern an. Inwieweit sich die südliche bereits für das 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. mit den erst durch jüngere Schriftquellen deutlicher lokalisierbaren Raurikern verbinden lässt, kann letztlich mit archäologischen Mitteln nicht geklärt werden. Immerhin zeichnet sich trotz der dynamischen Entwicklung des Siedlungsgefüges gesamthaft gesehen nirgends eine markante Zäsur bis in frührömische Zeit ab.

Breisach-35

Im frühen 1. Jahrhundert v. Chr. änderte sich die Siedlungsland schaft massiv, indem auf der rechten Rheinseite die Besiedlung verschwand. Die bisher offenen Zentralsiedlungen wurden komplett aufgegeben und deutlich kleinere, befestigte Siedlungen in strategischen Lagen direkt am Rhein gegründet. Der Fluss wurde somit weitgehend zur Grenze. Basel-Münsterhügel und

▽ Abb.5 werden.oderkorrigiertTafelbeschichteteneinerTeilspatelförmigenbrik».«Basel-GasfadergriffelseinesBruchstückSchreib(?)ausSiedlungMitdemkonnteaufwachsdieSchriftgelöscht

◁ Abb.3 imSchopfheimAbbaustellesteinenvonHalbfabrikateZahlreicheMühlinderbei(D)Jahre1975.

Kontinuität, Wandel und Bruch

△ (S. 36-37) Abb.6

38

Und was berichten die schriftlichen Quellen?

Abbrechen der rechtsrheinischen Besiedlung im frühen 1. Jahrhundert v. Chr. manifestiert sich nicht nur im südlichen Teil der Oberrhein ebene, sondern lässt sich auch weiter nördlich, ja sogar in grossen Teilen des heutigen Süddeutschlands beobachten, auch wenn archäologisch durch aus eine gewisse zeitliche Spanne dieses Vorgangs fassbar zu werden scheint. Dennoch mag sich hier eine historische Entwicklung abzeichnen, in die mög licherweise auch das Auftauchen Ariovists als wesentlicher Akteur im gallischen Raum einzugliedern ist und die letztendlich zu grundlegenden Umwälzungen im nord- und später inneralpinen Gebiet mit einer Ein gliederung ins römische Reich führte.

Zu welchem Zeitpunkt Caesar die einzelnen Bücher geschrieben hat, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Auch die Überlieferungsgeschichte der «Commentarii de bello Gallico» ist noch nicht völlig erforscht. Möglich wäre,

Die einzige zeitgenössische schriftliche Quelle zur Situation am südlichen Oberrhein ist das von Gaius Julius Caesar verfasste Werk «Commentarii de bello Gallico». Er war von 58 bis 51 v. Chr. Prokonsul der Provinz Illyrien sowie der Provinzen Gallia Cis- und Transalpina. In dieser Zeit unterwarf er alle noch nicht dem Imperium Romanum zugehörigen gallischen Gesellschaften nördlich der Gallia Transalpina bis zum Rhein (Abb. 6). Die Feldzüge gegen die Gallier gingen als Gallischer Krieg (Bellum Gallicum) in die Geschichts schreibung ein. Die wichtigste Quelle dieser Ereignisse ist das aus acht Büchern bestehende Werk «Commentarii de bello Gallico». Das achte Buch wurde nicht von Caesar, sondern von seinem Vertrauten und hohen Offizier Aulus Hirtius verfasst.

hügel.Das

Die ZeitSituationpolitischezurCaesars. Münsterberg (D) scheinen nun ähnliche Funktionen übernommen zu haben wie die offenen Vorgänger. Diese neuen, mit aufwendigen, aber auch repräsentativen Holz-Erde-Befestigungen versehenen Anlagen werden in der archäologischen Forschung als Oppida bezeichnet, auch wenn sie nur kleinflächige Ausprägungen dieses Siedlungstyps darstellen. Die mittleren Zentren östlich des Rheins verschwanden ebenfalls; es blieben nur diejenigen in der elsässischen Ebene und in der Schweiz übrig. Im Laufe des 1. Jahr hunderts v. Chr. begannen sich diese stärker zu profilieren. Für die zentralen Plätze scheint dagegen die weitere Entwicklung fatal zu sein, denn sie ver schwanden alle ab augusteischer Zeit mit Ausnahme von Basel-Münster

Die Schilderungen Caesars können nicht mit den archäologischen Quellen in Übereinstimmung gebracht werden. Nur ganz vereinzelt weisen Funde auf die Präsenz von germanischen Bevölkerungsgruppen am südlichen Ober rhein und am Hochrhein hin. Germanische Siedlungen wurden bislang nicht entdeckt. Ariovist hatte sich gegenüber Caesar gerühmt, dass er und seine germanische Gefolgschaft seit 14 Jahren kein Dach über dem Kopf gehabt hätten (BG I 36,7). Möchte man dem folgen, könnte die Diskrepanz

Politische Bündnisse mit Folgen

Interessant für die Situation am südlichen Oberrhein und am Hochrhein ist besonders das erste Buch der Commentarii. Hier verweist Caesar auf Gebiete der Germanen, die sich rechts des Rheins befinden (qui trans Rhenum incolunt, BG, I,28,4). Er fasst hierbei mehrere rechtsrheinische Be völkerungsgruppen unter dem Begriff der Germanen zusammen. Die politischen Entwicklungen am südlichen Oberrhein wurden im 1. Jahrhundert v. Chr. offenbar von den Vormachtsbestrebungen mächtiger gallischer Ge sellschaften beeinflusst, die zur Erreichung ihrer politischen Ziele wechsel hafte Bündnisse eingingen. Gemäss Caesar war Ariovist, der Führer der Germanen, um das Jahr 71 v. Chr. mit seinem Gefolge von den gallischen Arvernern und Sequanern angeworben worden, die im Streit gegen die romfreundlichen Häduer Unterstützung suchten. Die Germanen besiegten die Häduer und machten sie tributpflichtig. Die Sequaner mussten, laut Caesar, Ariovist einen Drittel ihres Gebiets überlassen. Aufgrund des Zuzugs weiterer Germanen beanspruchte Ariovist ein noch grösseres Gebiet, wes halb Caesar von den Häduern und den Sequanern zu Hilfe gerufen worden war (BG I 31,1–16).

△ Abb.7 Denar aus Silber, Prägung des Gaius Julius Caesar (49–48 v. Chr.), ge funden bei Caesar.Prägungseldiehandeltmuseums.desErweiterungderAntikenEssichumersteinBagefundenevon

dass sie erst nach dem Ende des Kriegs auf Grundlage von Einzel berichten zusammenhängend abgefasst, redigiert und heraus gegeben worden sind. Als Zeitpunkt kommt hierfür der Winter 52/51 v. Chr. in Frage, nach der Niederschlagung des letzten grossen gallischen Aufstands vor Alesia. Mit diesem Sieg hatte Caesar die Herrschaft Roms in Gallien gesichert. Caesar rang in dieser Zeit zur Sicherung seines politischen Überlebens um eine Verlängerung seiner Amtszeit als Prokonsul. Indem er in den Commentarii für sich in Anspruch nahm, in Gallien einen gerechten Krieg (bellum iustum) geführt zu haben, so wie es die römische Tradition verlangt, wollte er sein politisches Ansehen in Rom stärken und die Ent scheidungen des römischen Senats zu seinen Gunsten beeinflussen (Abb. 7).

zwischen39

Bericht waren die Germanen für die gallischen Gesell schaften und für die Interessen Roms eine ernst zu nehmende Bedrohung (BG I 33,3–4). Die Präsenz der Germanen in Gallien, am südlichen Oberrhein und am Hochrhein war sicher real, denn die Feldzugteilnehmer Caesars hätten ansonsten seine Glaubwürdigkeit in Frage gestellt. Dennoch muss bei Caesars Schilderungen zu Ariovist auch seine familiäre Herkunft und politische Zielsetzung berücksichtigt werden. Caesar war mit Gaius Marius verwandt, der sich 102/101 v. Chr. mit dem Sieg über die germanischen Kimbern und Teutonen einen Namen machte. Auf ihrer Suche nach neuen Siedlungsgebieten hatten diese versucht, nach Norditalien einzuwandern. In den Besitzansprüchen von Ariovist im Gebiet der Sequaner sah Caesar eine Bedrohung der römischen Provinz Gallia Transalpina. Im Hinblick auf den im öffentlichen Bewusstsein noch gegenwärtigen Krieg gegen die Kimbern und Teutonen versuchte er seine politische Position zu stärken, indem er vorgab, das Imperium Romanum vor den Germanen schützen zu müssen. Aus heutiger Sicht kann nicht beurteilt werden, inwieweit tatsäch lich eine Bedrohung durch die Germanen bestanden hatte. Augenfällig ist aber, dass Caesar in seinen Commentarii erstmalig in der Geschichts

schriftlichen und archäologischen Quellen aufgelöst werden, wenn man annimmt, dass die germanischen Bevölkerungsgruppen nicht permanent anwesend, sondern sich wiederholt am südlichen Oberrhein und Hochrhein aufgehalten haben: als militärischer Bündnispartner der Sequaner, um Tribute einzufordern, mit Raubzügen Präsenz zu zeigen und schliesslich, um ihren machtpolitischen Einflussbereich zu vergrössern und um Land und Besitz zu beanspruchen.GemässCaesars

40

△ Abb.8 20/15Gaeta,OrlandodemPlancusdesGrabinschriftMunatiusaufMontebeiumv.Chr.

gegründet.41

▽ Abb.9 Anhänger in Form Phalluseinesaus der Siedlung kanischerinscherPräsenzErMünsterhügel.Basel-belegtdierömi-SoldatenspätrepubliZeit.

schreibung den Rhein in geopolitischer und kultureller Hinsicht als Grenze zwischen den Germanen und Galliern festlegt. Die verschiedenen rechts rheinischen Gesellschaften werden von ihm quasi als Gegenpol zu dem Be griff «Gallier» als «Germanen» bezeichnet.

Die politische Situation in Gallien und am südlichen Oberrhein erforderte offenbar Sicherungsmassnahmen, um die neu eroberten Gebiete nach innen und aussen zu schützen. Kurz vor seiner Ermordung erwirkte Caesar die Ernennung von Lucius Munatius Plancus als Statthalter des von ihm eroberten Teil Galliens, der Gallia Comata. Dieser gründete 44/43 v. Chr. auf dem Ge biet der Rauriker die Colonia Raurica, in der römische Veteranen angesiedelt werden sollten (Abb. 8). Eine Colonia hatte ein urbanes Zentrum (Caput Coloniae) und verfügte über ein eigenes Territorium. Für die Gründung der Colonia mussten die Rauriker einen Teil ihres Landes abtreten. Das Territorium wurde bei einem in allen Einzelheiten vorgegebenen rituellen Akt vermessen und parzelliert. Auch wenn eindeutige Hinweise fehlen, kann mit einer ge wissen Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass die Caput Coloniae auf dem Basler Münsterhügel, wohl im Vorgelände des Oppidums, gegründet wurde (Abb. 9). Die Colonia Raurica sollte wohl einer der Kristallisationspunkte werden, mit der bis zur Etablierung einer Provinzver waltung die eroberten Gebiete kontrolliert werden konnten. Linksrheinisch verlief nahe am Rhein und damit an der von Caesar fest gelegten Grenze zwischen Galliern und Germanen eine wichtige Strasse zur Burgundischen Pforte. Südlich des Hochrheins führte eine wichtige Strassenverbindung bis an den Bodensee. Vom Rheinknie aus konnte die Sicherung beider Strassenverbindungen gewährleistet werden. Der Aufbau der Kolonie wurde allerdings sehr wahrscheinlich bereits im Herbst 44 v. Chr. mit Beginn des römischen Bürgerkriegs unterbrochen. Erst in augusteischer Zeit wurde sie als Colonia Augusta Raurica in Augst neu

Eine neue Zeit bricht an

Caesar und der

Porträt von Gaius Julius Caesar aus einem Legionslager bei Nijmegen. Marmor, Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. Rijksmuseum van Oudhe den, Leiden

Rhein43

◁ Abb.1

ESAÙ DOZIO

Im Jahre 58 v. Chr. wurde Gaius Julius Caesar (100–44 v. Chr.) (Abb. 1) Statthalter der römischen Provinz Gallia Narbonensis, die sich von Toulouse bis Nizza und im Norden bis zum Genfersee erstreckte. Sie war die ideale Ausgangsbasis für einen ausgedehnten Feldzug gegen die angrenzenden keltischen Gebiete. Dadurch erhoffte sich Caesar sowohl Ruhm als auch finanzielle Profite, da die Finanzierung seiner bisherigen politischen Karriere sehr kostspielig gewesen war. Die nötigen militärischen Mittel dafür hatte er sich bereits während seines Konsulatjahres 59 v. Chr. zusprechen lassen. Nun fehlte ihm nur noch ein passender Vorwand, um seinen Angriff politisch zu rechtfertigten. Da er in seiner Position nicht befugt war, einen Aggressions krieg zu beginnen, kamen ihm schliesslich Streitigkeiten zwischen gallischen Stämmen

44

in Gallien keinerlei feindliche Regung, und das ganze Land erfreute sich völliger Ruhe. Der friedliche Zustand blieb aber nicht erhalten, vielmehr kam zuerst ohne sein Zutun ein Krieg auf ihn zu, und ein anderer schloss sich ihm an, sodass Caesars grösster Wunsch in Er füllung ging und er während der ganzen Dauer (seines Kommandos) Krieg führen und Erfolge erzielen konnte.» (Dio. hist. 38, 31)

«Indessenentgegen:fandCaesar

In Caesars Kriegsberichten bildet der Rhein die Kulturgrenze zwischen den linksrheinischen Kelten und den rechtsrheinischen Germanen. Dies ent spricht nicht der tatsächlichen Konstellation im Rheingebiet zur Zeit der Eroberung. Einerseits handelt es sich dabei um eine grobe Vereinfachung,

Der Machtkampf zwischen dem Stamm der Häduer auf der einen und jenen der Arvernern und Sequanern auf der anderen Seite war aber bereits um 70 v. Chr. eskaliert. Die Sequaner hatten rechtsrheinische Germanen um Hilfe gebeten. Unter der Führung von Ariovist hatten diese in grosser Zahl den Fluss überquert, die Häduer besiegt und sich im heutigen Elsass niedergelassen. Diese instabile politische Lage hatte die Helvetier und die Rauraker dazu gezwungen, ihre Stammesgebiete im schweizerischen Mittelland und am Rhein zu verlassen und nach Südwesten auszuwandern. Allmählich wurden die Germanen aber auch für die Sequaner selbst zur Gefahr. Der Häduer Diviciacus bat daraufhin Caesar um Unterstützung. Der römische Feldherr hatte nun gleich zwei plausible Begründungen für den von ihm gewünschten Krieg: Die Verteidigung seiner Provinz gegen die angebliche, von den umherziehenden Helvetiern verursachte Gefährdung und die Unter stützung der mit Rom verbündeten Häduer gegen Ariovist.

um den römischen Lesern eine Orientierungsmöglichkeit zu geben. Anderer seits diente diese Aussage dazu, Caesars Ansprüche auf sämtliche links rheinischen Gebiete zu rechtfertigen.

«Caesar war aus den erwähnten Gründen entschlossen, über den Rhein zu gehen, doch meinte er, ein Übergang mit Schiffen biete weder genügend Sicherheit noch sei er mit seiner und des römischen Volkes Würde vereinbar. Wenn sich also ein Brückenschlag wegen Breite, reissender Strömung und Tiefe des Flusses auch als äusserst schwierig erwies, meinte er doch, er müsse ihn versuchen.» (ebenda).

Der erste Sieg der Römer gegen die Germanen erfolgte 58 v. Chr. am Rhein, vermutlich unweit von Mulhouse. Obwohl sich die sonstigen militärischen Operationen meist weit von diesem Fluss entfernt abspielten, überquerte ihn Caesar in den Folgejahren gleich zwei Mal:

hatten die Germanen manche seiner Forderungen mit der Be gründung abgelehnt, «Roms Herrschaft finde am Rhein ihre Grenze». (Caes. gall. 4, 16, 1–4). Zu diesem Zweck liess er 55 und 53 v. Chr. jeweils eine Holzbrücke bauen, eine Meisterleistung römischer Ingenieurskunst:

«Denn ausser seinen Siegen in den Bürgerkriegen fielen durch ihn im Kampfe 1'192'000 Menschen; das aber will ich ihm nicht zum Ruhme an rechnen, dieses so grosse, wenn auch notgedrungen, der Menschheit zu gefügte Leid.» (Plin. nat. 7, 92–93).

45

«Am Ende des Germanenkrieges entschloss sich Caesar aus vielen Gründen, den Rhein zu überschreiten. Der Hauptgrund war sein Wusch, auch die Germanen, die, wie er sah, sich so leicht verleiten liessen, in Gallien einzufallen, sollten um ihre Habe bangen müssen, wenn sie sähen, das Heer des römischen Volkes habe Macht und Mut genug, über den Rhein zu gehen.»Zudem

Im Jahre 52 v. Chr. stand ganz Gallien unter römischer Herrschaft und der Rhein bildete die neue Grenze der römischen Macht. Caesars Kriege kosteten Galliens Bewohner immense Verluste an Menschenleben (Abb. 2). Die Schätzungen römischer Autoren gehen von 400'000 Toten und genau so vielen Versklavten bis hin zu über einer Million Toten:

46

△ Abb.2 Kopf d’Avenchesmuséen.JahrhundertBronze,austoteneinesBarbarenAvenches.2.Chr.Siteetromains

Trotzdem gelang Caesar die diplomatische Meisterleistung, die lokale Oberschicht in die politische Verwaltung der neu eroberten Gebiete zu in volvieren. Jene keltischen Aristokraten, die auf Caesars Seite gestanden hatten, behielten weitgehend ihre Macht, die sie aber nun in den Dienst der Römer stellten. Durch die gekonnte Verwendung der bestehenden sozialen Strukturen gelang es den Eroberern, riesige Gebiete mit verhältnismässig wenigen Truppen zu kontrollieren. Das sollte sich während der römischen Bürgerkriege (49–30 v. Chr.) bewähren: Trotz des Abzugs der meisten Legionen blieb die Lage im soeben eroberten Gallien ruhig. Dies mag auch erklären, warum Caesars Feldzüge für das Rheingebiet kein kultureller Wendepunkt gewesen sind. Abgesehen von einer Zunahme der Importe aus dem Süden, stellt diese Zeit keine abrupte Zäsur dar. Dennoch stationierte Caesar römische Soldaten an strategischen Orten, so zum Beispiel auf dem Basler Münsterhügel und dem Breisacher Münsterberg, um die Verteidigung der neuen Rheingrenze zu überwachen.

Abb.4

4).47

BaselschesChr.Silber,Caesar.Darstellung(Denar)SilbermünzeRömischemitdes43v.Histori-Museum

Römische Gold münze (Aureus) von MuseumHistorischesGold,JuliuscusMunatiusLuciusPlanundGaiusCaesar.45v.Chr.Basel

Abb.3

Um die Stabilität in Gallien zusätzlich zu sichern, gründeten die Römer Kolonien in den neu eroberten Gebieten. Lucius Munatius Plancus gründete 44/43 v. Chr. römische Kolonien in Lyon und – am Oberrhein – die Colonia Raurica (Abb. 3). Diese zweite Kolonie befand sich wohl auf dem Basler Münsterhügel, hat aber keine gesicherten archäologischen Spuren hinter lassen. Der Grund dafür könnten unter anderem auch die mit Caesars Er mordung 44 v. Chr. einsetzenden römischen Bürgerkriege sein, die vermut lich zum Abzug der hier soeben angesiedelten Veteranen führten (Abb.

Der Oberrhein von der militärischen Sicherung der Rheingrenze bis zur Einrichtung ziviler

Rom

sichmachtbreit

Abb.1

Strukturen49

ECKHARD DESCHLER-ERB

Augst BL / Augusta Raurica. Bruch stück einer Ehreninschrift mit Nen nung des offiziellen Stadtgründers von Augusta Raurica, L. OCTAVIO, der hier als augusteischer Neubegründer (NUNCUPATOR) der spätrepublikanischen COLONIA RAURICA des Munatius Plancus auftritt.

▽ Abb.2 Kaiser Tiberius. Die Zuweisung ist nicht LudwigundseumAntikenmugezogen.inTiberius,dem(38–9Drususeinegesichert;ganzsolchezuMaiorv.Chr.),BruderdeswirdErwägungBaselSammlung

In mehr oder weniger unmittelbarer Reaktion auf die Niederlage des Varus gegen die Germanen unter Arminius im Jahre 9 n. Chr. sorgte Kaiser Tiberius für eine umfassende Sicherung der Grenze am Rhein. Kleinere Militärposten innerhalb bestehender einheimischer Siedlungen wie zum Beispiel auf dem Basler Münster hügel oder aber innerhalb des Keltengrabens in Windisch AG wurden aufgelöst und durch eine Kette regulär er richteter Anlagen ersetzt. Dies umfasste am Hoch- und Oberrhein die Legionslager von Windisch-Vindonissa (Legio XIII Gemina) und Strassburg-Argentorate (Legio II Augusta) sowie von Ost nach West unter anderem die

50

Aus Augusta Raurica, dem heutigen Augst BL, kennen wir seit Grabungen aus dem Jahr 1967 die Fragmente von zwei Ehreninschriften aus Bronze. Diese waren mit Sicherheit an den Basen oder Sockeln für Statuen be deutender Personen für die Stadtgeschichte angebracht und wohl auf dem Forum aufgestellt. Die eine Inschrift (Abb. 1) benennt einen Lucius Octavius, der als «Nuncupator» (Neubenenner) bezeichnet wird. Es dürfte sich dabei um einen Verwandten aus dem Kaiserhaus des Augustus gehandelt haben, der im kaiserlichen Auftrag eine feierliche Neugründung der Koloniestadt Augusta Raurica durchgeführt hatte. Weitere Teile dieser und der zweiten Inschrift dürften dann den vollständigen und offiziellen Namen dieser Stadt – COLONIA PATERNA MVNATIA FELIX APOLLINARIS AVGVSTA EMERITA RAVRICA – aufgeführt haben. Die Neugründung scheint dabei auf eine erste COLONIA RAURICA Bezug zu nehmen, die aller Wahrscheinlichkeit nach durch Munatius Plancus, ab 44 v. Chr. Statthalter in Gallien, im selben Jahr in Basel auf dem Münsterhügel gegründet worden war (vgl. Beitrag Dozio).

Die Verlegung und Neugründung von Augusta Raurica steht am Beginn einer Neuorientierung und Umplanung der römischen Herrschaft am Ober rhein. Diese war nach den ersten caesarischen Versuchen einer Einverleibung der Stammesgebiete der Rauraker am Oberrhein nötig geworden und vor allem nach dem Scheitern der augusteischen Pläne einer Ausweitung der römischen Herrschaft in die rechts rheinischen Gebiete. Die Reorganisation, die vor allem durch Kaiser Tiberius (14–37 n. Chr.) initiiert wurde (Abb. 2), umfasste militärische und verwaltungstechnische Schritte.

Gürtel51

▽ Abb.3

Die Kaiseraugs ter Unterstadt in den nachJahrzehntenerstenChristiGeburt mit Überbauung.militärischeneiner

Darüber hinaus weisen zwei besonders verzierte Beschläge, wohl von einem Gürtel stammend, auch auf die Anwesenheit von Fusstruppen hin, am ehesten Legionäre. Auf die Reliefverzierung dieser beiden

Auxiliarlager in Zurzach AG, Kaiseraugster Unterstadt AG und Oedenburg bei Biesheim (Elsass). Das Lager in der Kaiseraugster Unterstadt sei beispiel haft etwas genauer betrachtet (Abb. 3): Die sicher mehrphasige Anlage befindet sich auf einer leichten Anhöhe direkt über dem Violenbach und der Einmündung der Ergolz in den Rhein. Von hier aus konnte der Verkehr auf dem Rhein und wohl auch ein erster Hafen im Mündungsgebiet der Ergolz überwacht werden. Von den Anlagen sind einzig die Spitzgräben und die Reste einer Holz-Erde-Mauer bekannt. Zumindest das jüngere Militärlager ist in seinem Umfang recht gut zu beschreiben. Es ist ca. 142 Meter lang und 91 Meter breit und hat damit eine Fläche von ca. 1,3 Hektaren. Falls die Rekonstruktion des Umrisses stimmt, würde es sich bei diesem Lager um eines der ersten handeln, das eine rechteckige Form mit abgerundeten Seiten aufweist, den sogenannten «Spielkarten-Umriss». Diese Grundform römischer Militärlager entwickelte sich ab tiberischer Zeit zu einem Standardtyp. Bis in die Spätantike hinein wurden die meisten Kastelle in diesem Grundriss er baut. Aufgrund mehrerer Inschriften gehen wir davon aus, dass in den Militärlagern der Kaiseraugster Unterstadt Reitertruppen stationiert gewesen sind: unter anderem die Ala I Hispanorum.

▷ Abb.5 logieKantonsarchäotenreliefverziergen,einesFragmentenScheidereliefverzierterTypEindonissaWindisch-VinAG.GladiusMainzinmitzugehöri-ebenfallsGürtels.Aargau.

beschläge (sogenannte Pressbleche) soll im Weiteren etwas ausführlicher ein gegangen werden (Abb. 4): Das rechte Gürtelblech zeigt ein Relief mit einem zentralen Kreisfeld (Schild?), um das herum sich ein lotusblumenartiges Kranz motiv zieht. Die Deutung dieser Darstellung ist nicht ganz klar. Am ehesten dürfte es sich um eine etwas abgewandelte und vom Künstler nicht mehr verstandene Darstellung einer Jagdszene handeln. Eindeutig ist dahingegen die Szene, die auf dem linken Gürtelblech zu sehen ist. Dargestellt ist die Gründungs legende Roms mit der Wölfin (Lupa Romana), die die Zwillinge Romulus und Remus säugt. In Abwandlung der ursprünglichen Legende finden sich über der Lupa Romana noch zwei wilde Tiere, wohl Eber und Bär. Diese Darstellung weist eindeutig einen ideologischen Charakter auf, der sehr gut das imperiale Selbstverständnis von Armee und Kaiser in den Nordwestprovinzen tiberischclaudischer Zeit wiedergibt. Zum besseren Verständnis seien weitere Parallelen hinzugezogen. Am besten geeignet ist der sogenannte «Vindonissa-Gladius» (Abb. 5). Dieser stammt aus einer Grube im Bereich von Kasernenbauten des Legionslagers der 21. Legion (stationiert ab claudischer Zeit). Erhalten haben sich dabei die Schwertklinge in einer reliefverzierten Scheide und Reste eines darum herumgewickelten Gürtels mit fünf mehr oder weniger gut erhaltenen reliefverzierten Gürtelblechen. Die Gladius-Scheide (Gladius Typ Mainz) zeigt von oben nach unten einen gefesselten Barbaren zwischen zwei Tropaia mit keltischen Waffen, die Faust Jupiters mit dem Blitzbündel, einen siegreichen Reiter über einem Barbaren und ein abschliessendes Tropaion. Die zugehörigen Gürtelbleche zeigen eine Lupa Romana mit den Zwillingen und den wilden Tieren (vgl. Abb. 4 links) sowie einen Kaiserkopf (Tiberius?) über einem Globus und gerahmt von zwei Füllhörnern, das Blitzbündel Jupiters, eine fragmentarisch erhaltene Naturszene mit Akanthusstauden und eine ebenfalls nur fragmentarisch erhaltene Jagdszene. Mit diesen Reliefs lässt sich die imperiale Propaganda der

◁ Abb.4 gustaRömerstadtliefverzierung.figürlicherGürtelwohlbeschläge,ZweiUnterstadtKaiseraugsterAG.BronzevoneinemmitRe-AuRaurica.

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Mit Jupiter für den Kaiser und Rom zum Besten der Provinzen.

Es ist auch in der Tat festzuhalten, dass durch die oben genannten militärischen Massnahmen die Grenze am Rhein völlig abgesichert und bereits wenige Jahrzehnte später (siehe unten) weit über das Oberrheintal hinaus ausgedehnt werden konnte.

Bis zur Einrichtung der Provinz Germania Superior um ca. 85 n. Chr. befand sich die Region am Oberrhein noch offiziell unter einer militärischen Verwaltung; der Ausbau ziviler Strukturen wurde aber beständig intensiviert. Dazu gehörten neben der oben beschriebenen Neugründung der Colonia Augusta Raurica auch die Anlage neuer Strassen, die Neu gründung von Siedlungen und der Ausbau der Landwirtschaft. Bei den Strassen ist neben der bereits lange vor den Römern genutzten links rheinischen Nord-Südachse den Rhein entlang – Augusta Raurica, Basel Münsterhügel, Kembs-Cambete (F), Biesheim-Argentovaria (F) – die Einrichtung einer rechtsrheinischen Verbindung zu postulieren. Diese hatte ihren Beginn bei Augusta Raurica, wo sie wohl recht früh mit einer Brücke über den Fluss geführt worden sein dürfte, um über Herten/Wyhlen (D) und Weil am Rhein (D) nach Norden in Richtung Kaiserstuhl zu verlaufen – vor allem nach Riegel (D). Dabei dürfte bei Kembs-Cambete (F) eine Querspange über den Rhein existiert haben; von dort aus mit einer Ver bindung nach Westen in Richtung der Burgundischen Pforte. Mit dem Aufstieg von Augusta Raurica geht der Niedergang des ehemaligen Oppidums auf dem Basler Münsterhügel einher, dem späteisenzeitlichen Zentrum der Rauriker. Zurück bleibt, für die nächsten 300 Jahre, ein ein facher kleiner «vicus», der sich zu Füssen des Münsterhügels an der von Norden nach Süden verlaufenden linksrheinischen Rheintalstrasse orientiert. Neben diesen Siedlungen mit eisenzeitlicher Tradition treten nun aber auch neu gegründete «vici», die als Subzentren zum

neuen53

frühen Kaiserzeit optimal umschreiben. Es liegen Elemente der Staatsmytho logie (Blitz des Jupiters, Lupa Romana), dynastische Propaganda (Tiberiusblech), historische Darstellungen (Reiterkampf, Gefangene unter Tropaia mit keltischen Waffen) und Naturbeschreibungen (Rankenornamentik, Jagdszenen) vor. Zusammengefasst sollte hier der Bevölkerung in der Provinz gezeigt werden, dass der Kaiser und seine Armee unter göttlichem Schutz die Provinzen beschützen und ernähren sowie glückliche Zeiten anbrechen lassen:

▷ Abb.6 Kaiser Clau dius. Abguss eines Marmor kopfs aus der Ny Ludwig.undseumAntikenmuKopenhagen.GlyptothekCarlsberg-BaselSammlung

54

Ab der Zeit von Kaiser Claudius (41–54 n. Chr.) (Abb. 6) ist ein weiterer Ausbau römischer Herrschaft zu beobachten. Vom Militärlager in Biesheim ausgehend wurde eine Strasse über den südlichen Schwarzwald hinweg nach Hüfingen an die Donau geführt und damit der gesamte rechtsrheinische Oberrhein inklusive der Region um den Kaiserstuhl in römische Herrschaft überführt. In dieser Zeit endete mehr oder weniger die militärische Sicherung durch Militärlager entlang des Rheins (inklusive der temporären Aufgabe eines Legionslagers in Strassburg) und für die nächsten Jahrhunderte befand sich der Oberrhein inmitten einer friedlich prosperierenden Region, die ab ca. 85 zu einem Herzstück der Provinz Germania Superior wurde. Politisch gesehen zählte der Oberrhein zur sogenannten Civitas Rauracorum und orientierte sich damit vom Umfang am Siedlungsgebiet der keltischen Rauriker (vgl. Beitrag Hagendorn/Spichtig). Als Hauptort ist die Colonia Augusta Raurica anzusehen, wobei auch der Siedlung in Oedenburg bei Biesheim-Argentovaria eine gewisse Bedeutung innerhalb der Civitas zu gesprochen wird.

Zentrum in Augusta Raurica für eine Versorgung der Region mit Waren und Handwerkserzeugnissen jeglicher Art sorgten. Zu nennen wären unter anderem Kembs-Cambete und vor allem Oedenburg bei BiesheimArgentovaria. Letztere Siedlung ist vor allem auch im Zusammenhang mit dem dort befindlichen Militärlager zu sehen, umfasst aber auch einen um fangreichen heiligen Bezirk, dem eventuell eine überregionale Bedeutung zugekommen ist. Wichtig ist abschliessend vor allem die landwirtschaftliche Erschliessung der Region durch neu eingerichtete Gutshöfe (villae rusticae). Diese fanden sich linksrheinisch häufig an der gleichen Stelle wie ihre eisen zeitlichen Vorgänger; rechtsrheinisch ist aber von einer wirklichen Neuaufsiedlung auszugehen. Zu nennen wären hier beispielsweise Grenzach-Wyhlen (D), Weil am Rhein (D), Auggen (D) und Heitersheim (D). Alle diese ländlichen Ansiedlungen hatten ihren Bezugspunkt in den linksrheinischen vici.

Buchstabe aus der Weihinschrift des Tempels auf dem Forum von Augusta Raurica.

Abb.1

dennochAugustaRASELLIRauricaTypischrömisch,aberandersalsinRom57

BARBARA PFÄFFLI, LILIAN

Vor der Gründung der Colonia Augusta Raurica

Nach den Alpenfeldzügen und der Eroberung der Zentralalpen während der Regierungszeit von Kaiser Augustus setzte die eigentliche Romanisierung in der Region ein. Damals muss eine eigentliche Neu gründung der Colonia Augusta Raurica stattgefunden haben, von der sich ergänzende Bruchstücke zweier Ehreninschriften zeugen (Abb. 2). Im vorletzten oder letzten Jahrzehnt vor Christus sind dann im Gebiet von Augusta Raurica erste Bautätigkeiten nachgewiesen. Ausschlaggebend für diesen Stand ort scheint die ausgezeichnete verkehrstechnische Lage gewesen zu sein – eine direkte keltische Vor gängersiedlung ist jedenfalls nicht bekannt.

58

Auf der «grünen Wiese» gebaut

Diese Geschichte ist schnell erzählt: Vor der römischen Eroberung siedelte im Raum Basel ein keltischer Volksstamm, die Rauriker. Sie zogen 58 v. Chr. zusammen mit den Helvetiern und weiteren keltischen Stämmen Richtung Westen, um sich in der Gegend von Bordeaux (F) niederzulassen. Dieser «Auszug der Helvetier» wurde unter dem Kommando von Gaius Julius Caesar gestoppt. Die keltischen Auswanderer wurden in der Schlacht bei Bibracte (F) vom römischen Heer vernichtend geschlagen und dazu gezwungen, in ihre Heimatgebiete zurückzukehren – Vorgänge, die durch Caesars Schilderungen in De bello Gallico bekannt sind. Im Laufe der Zeit kamen alle Gebiete links des Rheins unter römische Oberhoheit und um 44 v. Chr. gründete der Statthalter von Gallien, Lucius Munatius Plancus, eine Koloniestadt im Stammesgebiet der Rauriker: die Colonia Raurica. Allerdings blieb es damals wohl beim Gründungsakt – ein Aufschub, der wohl auf die bürgerkriegsähnlichen Wirren nach der Ermordung Caesars zurückgeht.

Koloniestädte wurden als «Klein-Rom» gebaut, um die städtische, römische Kultur in den neu er oberten Gebieten zu etablieren. Von Beginn an war ein Forum mit Tempel vorgesehen (Abb. 1), wo sich auch der Ausgangspunkt der Stadtver

Nach dem Vorbild Roms

Aus Kelten werden Römer

◁ Abb.2 KoloniedererstenrigeMilitärangehöaberGründungbeiranenkolonieaufRaurica»gustaApollinaris(?)na«ColoniaKolonienamerekonstruierteergänzen.sichinschriften,zweierFragmenteEhrendieinhaltlichDerPater(?)MunatiaFelix(?)AuEmeritadeuteteineVetedererstenoderaufvieleunterdenSiedlernzweitenhin.

messung befand. Davon ausgehend wurde die Stadt in einem festgelegten Strassenraster mit rechteckigen Stadtquartieren (insulae) geplant, die im Laufe der Zeit mit privaten und öffentlichen Gebäuden überbaut wurden. Auch die städtische Verwaltung war derjenigen Roms nachempfunden: Der aus etwa 100 Decurionen bestehende Stadtrat tagte unter dem Vorsitz von zwei duumviri, entsprechend dem Senat in Rom mit seinen beiden Konsuln an der Spitze. Der Decurionenrat kontrollierte die Beamten, verfügte über den Boden, verpachtete Land oder stellte es zur Verfügung.

Wie die heute «Romanisierung» oder «Romanisation» genannte Integration in den vielfältigen Lebensbereichen, den verschiedenen Be völkerungsgruppen und den unterschiedlichen Regionen des römischen Reiches vonstattenging, wird in der archäologischen Forschung rege dis kutiert. Eine Grundlage für den im Rückblick «schnell» vollzogenen Wandel war zweifellos die geschickte römische Gesellschaftspolitik: Indem sie das römische Bürgerrecht direkt vom Kaiser erhielten, wurden die einheimischen Eliten rasch ins römische Reich eingegliedert. Sie behielten so Status und Ansehen und blieben an der Spitze ihrer «Landsleute», die nach der römischen Okkupation zu Peregrinen, «Fremden», degradiert worden waren. Da Peregrine gegenüber römischen Bürgern vor allem auch juristische Nachteile erlitten, war das Bürgerrecht begehrt. Die römischen Kaiser wiederum förderten den Zuwachs an römischen Bürgern, indem das Bürgerrecht «ver dient» werden konnte, zum Beispiel durch das Durchlaufen einer Ämterlauf bahn oder langjährigen Dienst in der Armee. Neben Zuzüglern aus dem Süden vermutet Ludwig Berger als erste Bewohner der Stadt denn auch vornehme Rauriker oder einheimische Veteranen des römischen Militärs, denen das römische Bürgerrecht verliehen worden war. Aber auch peregrine Rauriker zogen als Handwerker und Bedienstete in die aufblühende Stadt oder wurden vielleicht vom Oppidum auf dem Basler Münsterhügel nach Augusta Raurica verlegt. Das regelmässige Auftreten keltischer Elemente im Fundgut erstaunt deshalb nicht. Es ist beispielsweise in tradierten Keramik formen, Trachtbestandteilen (Fibeln), Schutzamuletten oder auch in kugel förmigen Keramikrasseln für Kinder fassbar – Gegenstände aus dem privaten Bereich, die weiterbenutzt worden sind.

Entwicklung der Koloniestadt

Zu Beginn waren die Gebäude noch vorwiegend aus Holz gebaut, aber um die Mitte des 1. Jahrhunderts setzte eine rege Bautätigkeit ein und

inner59

Unter der Regierungszeit des Kaisers Vespasian wurde das «Dekumatenland» erschlossen und die Grenze des römischen Reiches über den Rhein gegen Norden verschoben. Mit erbeuteten Waffen und gefesselten Kriegs gefangenen geschmückte Siegesdenkmäler verkörperten den Herrschafts anspruch Roms (Abb. 5). Im Laufe der Zeit entwickelte sich Augusta Raurica zu einer blühenden Handwerker- und Handelsstadt mit einer Infrastruktur, wie sie in einer Kolonialstadt erwartet werden durfte, mit öffentlichen Bädern und Brunnen und natürlich einem Amphitheater. Um 200 n. Chr.

halb weniger Jahrzehnte wurde die Stadt grösstenteils in Stein ausgebaut, einer Tendenz im gesamten römischen Reich folgend. In dieser Phase wurde das Forum erneuert (Abb. 3) und bedeutende Neubauprojekte wurden in Angriff genommen. So entstand um ca. 70 n. Chr. im Stadtzentrum ein erstes Theater und auf dem gegenüberliegenden Schönbühl-Hügel wurden mehrere kleine Vierecktempel durch einen Podiumstempel nach römischem Vorbild ersetzt (Abb. 4). Das Ensemble lässt auf einen Kult im Rahmen der imperialen Propaganda schliessen, die schiere Grösse könnte auch auf einen feierlichen Rahmen im Zusammenhang mit einem Landtag der raurakischen Gemein schaft hindeuten. Das Heiligtum in der Grienmatt, ein bedeutender Sakralbau mit angegliedertem Heilbad, entstand ebenfalls in dieser Zeit.

60

◁ Abb.3 Das Forum von Raurica.Augusta ▷ Abb.4 Theater und Tempel Gesamtanlage.aufwendigebildetenSchönbühlaufeine

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Über die Bilderwelt in den keltischen und gallischen Gebieten kurz vor der römischen Eroberung ist wenig bekannt. Einige erhaltene Holzstatuen lassen aber darauf schliessen, dass man von einigen Göttern und Helden Bildnisse kannte. Caesar benennt dann im Bellum gallicum die wichtigsten gallischen und germanischen Götter, verwendet aber dafür Namen passender Charaktere der römischen Götterwelt. Der römische Historiker Tacitus be zeichnete diese Gleichsetzung als Interpretatio romana. Nach der römischen Übernahme

Interpretatio romana – Verschmelzung von lokaler und römischer Götterwelt

erreichte das Stadtgebiet seine grösste Ausdehnung, die Oberstadt umfasste rund 77 Hektaren, die Unterstadt weitere 29 Hektaren und die Bevölkerungs zahl war auf rund 15'000 Einwohner angestiegen. Ab dem 3. Jahrhundert wurde das römische Reich von zahlreichen wirtschaftlichen und politischen Wirren und Kriegen, aber auch Angriffen auf die äusseren Grenzen in Atem gehalten. Diese Krisen führten ab der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts auch in Augusta Raurica zu einem massiven Bevölkerungsrückgang und schliesslich zur Aufgabe der bisher bewohnten Stadtgebiete.

◁ Abb.5

Im Reigen heraus.InterpretationraurakischenseinerWeihreliefeinlungenMerkurdarstelderstichtkleinesmitlokalen

Bei dem auf einem handeln.einenteBarbarendargestelltendenkmalSiegeskönnessichumKelten

62

▽ Abb.6

63

Die Frage, wer genau die Menschen waren, die Augusta Raurica gründeten, bauten und bewohnten, woher sie ursprüng lich stammten, wie sie lebten und woran sie glaubten, kann hier natürlich nicht abschliessend beantwortet werden. Im Folgenden seien jedoch einige archäologische Beispiele vorgestellt, die Ein blick in die Bevölkerung von Augusta Raurica ermöglichen.

Geschichten, die das Leben schrieb

Minerva mit Helm pelindiesprünglichInsulagefundenBrustpanzer,undbei37.UrwarBüstewohleinemTemaufgestellt.

▽ Abb.8

▷ Abb.7

Die Statuette der Victoria auf dem Heiligtum.städtischenwohlursprünglichSieaufgefunden.beiStrassengrabenwurdeimJupiterbüsteglobusHimmelsmitSchildineinemInsula18standineinem wurden die einheimischen Götter figuren nach griechisch-römischen Vor bildern gestaltet. Die Götterbildnisse in unserer Gegend lassen daher meist nicht eindeutig erkennen, ob sie ein heimische oder doch römische Gott heiten darstellen. Caesar berichtet, dass die Gallier und Germanen Merkur am meisten verehrten (Abb. 6), gefolgt von Apollo, Minerva, Jupiter und Mars. Auch in Augusta Raurica ist Merkur am häufigsten vertreten und bestätigt so Caesars Beobachtung. Weitere römische Gottheiten wie Minerva und Victoria sind mit Bildnissen heraus ragender Qualität vertreten (Abb. 7, Abb. 8). Die monumentale Büste der Minerva lässt vermuten, dass diese Göttin eine besondere Stellung im lokalen Kult eingenommen hat. Ob es sich auch hier um eine lokale Interpretation handelt, kann nicht eindeutig geklärt werden. Aufgrund der Häufigkeit gefundener Victoriabildnisse wird angenommen, dass sie ebenfalls nichtrömische Vorstellungen verkörperte – und dies trotz der eindeutig römischen Ikonografie. Durch Funde aus dem Heiligtum in der Grienmatt sind Weihungen an die römischen Heilgötter Hercules (Abb. 9), Apollo und Aesculapius Augustus sowie an Sucellus, den keltischen Gott des Waldes und der Fruchtbarkeit, belegt. Dieser einheimische Gott ist in Augusta Raurica überdies durch mehrere Statuetten ver treten (Abb. 10).

△ Abb.9

In der Frühzeit der augusteischen Kolonie stellte ein gewisser «Fronto» in Augusta Raurica Keramikgeschirr her. Überreste dieser ältesten bekannten Töpferei im Stadtgebiet, ein Töpfer ofen samt Bedienungsgrube und zugehörige Abfallschichten, wurden 1975 bei Ausgrabungsarbeiten für einen Lärmschutzwall entlang der heutigen Autobahn von Zürich nach Basel entdeckt (Abb. 11). In den Abfallschichten fanden sich zahlreiche «Fehl brände», Ausschussware, deren Auswertung es erlaubte, das Produktionsprogramm der Töpferei zu bestimmen. Die Werk statt stellte verschiedene Arten von Keramik her, unter anderem Sigillata-Imitationen, Nachbildungen von Schälchen und Tellern, wie sie damals als Importe aus dem italischen Gebiet geschätzt wurden. Einige der Teller waren mit «FRONTO» gestempelt, einem auch in Gallien häufigen Namen, der in Lateinisch «der Breitstirnige» bedeutet. Die Handwerker dieser Werkstatt imitierten aber nicht nur «typisch» römische Keramik, sondern stellten auch Gefässe in einheimisch-keltischer Tradition her und sogar Gefässformen nach gallo-belgischem Vorbild. Bemerkenswert ist auch die Lage der Werkstatt am südlichen Stadtrand an einer schon in der Grundvermessung der Stadt angelegten Hauptstrasse. Diese Lage begünstigte die unkomplizierte Versorgung der Werkstatt mit Rohstoffen wie Lehm und Holz und den Vertrieb der produzierten Ware ins Umland und ins Stadtinnere. Ausserdem scheinen bei der Standortwahl die Windverhältnisse eine entscheidende Rolle gespielt zu haben, wie Debora Schmid feststellte: Der Wind blies wohl auch damals schon vornehmlich aus Westen und trieb so gefährliche Funken, die beim Betrieb von Brennöfen unvermeidlich sind, vom Stadtgebiet weg. Die für den Absatzmarkt der Werkstatt und die Sicherheit der Stadt günstige Lage der Töpferei deuten darauf hin, dass die Stadtverwaltung einheimische Hand werker von Beginn an überlegt und vorteilhaft in die entstehende Stadt eingliederte.

Fronto, Keramikproduzent, 10 v. bis 10 n. Chr.

Im letzten Viertel des ersten Jahrhunderts wurde im «Nordwestgräber feld» an der Ausfallstrasse nach Basilia (Basel) ein Grab angelegt, dessen mächtiger Grabstein den Verstorbenen in einem qualitätsvollen Relief zeigt (Abb. 12). Es ist eine der seltenen Darstellungen von einheimischen Zivil personen im Gebiet der heutigen Schweiz. Der Mann trägt einen typisch

Händler im Cucullus, verstorben zwischen 75 und 100 n. Chr.

Statue des Her cules mit Lö wenfell, Keule (rechts unten) und Höllenhund aus dem Heilig tum in Grienmatt.der

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Der Sucellus aus scheanerinnertschecharakteristiJupiter,GöttervatersTypuserscheintAugstimdesseineKleidungjedochseinegalliHerkunft. keltischen Wollmantel mit Kapuze, eine Paenula mit Cucullus, und hält eine Schreibtafel in seinen Händen. Der untere Teil der Stele illustriert seinen Beruf: Laut der gut erkenn baren Waage mit Gewichten, den beiden spitz zulaufenden Roheisenbarren und einem Packen aufeinandergeschichteten Eisenbarren (?) könnte er Eisenhändler gewesen sein. In der Antike waren Handel und Handwerk eng ver bunden – möglicherweise stammte der Wohl stand des Verstorbenen deshalb nicht nur aus dem Handel, sondern auch aus dem Betrieb einer Werkstatt. Auf dem heute blanken Mittelfeld in Form einer Tabula ansata, einer Inschrift tafel mit dreieckigen Ansätzen an den Schmal seiten, waren ursprünglich neben dem Namen des Mannes wahrscheinlich auch Meilensteine seines Privat- und Geschäftslebens aufgemalt. Davon ist heute leider nichts mehr erhalten. Die Darstellung des Händlers im traditionellen Kapuzenmantel lässt den Schluss zu, dass er einheimisch-keltischer Abstammung war. Damit ist er nicht allein, denn laut den Untersuchungen von Benjamin Hartmann bezeichnen auch 80 Prozent der 51 bestimmbaren Grabinschriften aus Augusta Raurica Verstorbene mit keltischen Wurzeln, wovon 25 Peregrine waren und 16 römische Bürger. Ob auch der Händler ein Peregriner war und ob er sich, hätte er das römische Bürgerrecht besessen, in der nur Bürgern vor behaltenen Toga hätte darstellen lassen, wissen wir nicht. Ausführ liche Untersuchungen der in den Nordwestprovinzen häufigeren Berufsdarstellungen auf Grabdenk mälern vermerken aber, dass sich erfolgreiche Händler und Hand werker häufig in einheimischer Kleidung abbilden liessen, selbst

1975.Ausgrabungwährend«Fronto»-Warevonder 65

▷ Abb.10

▽ Abb.11

Töpferofen zur Produktion

Aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. stammt die im Fundament des Castrum Rauracense aufgefundene Weihinschrift des Lucius Ciltius Cossus an Mercurius Augustus (Abb. 13). An seinem dreiteiligen Namen ist erkennbar, dass Cossus das römische Bürgerrecht besass. Ausserdem war er sevir augustalis, ein Mitglied der kaiserlichen Sechserherren, eines geachteten Kollegiums für die Ausübung des Kaiserkultes. Lucius Ciltius Cossus ging aus der einheimischen Be völkerung hervor, und er lässt diesbezüglich keine Zweifel offen. Im Gegenteil: Durch die Nennung seines Vaters Celtillus, der offen bar ein peregriner Kelte war, und durch seinen davon abgeleiteten Familiennamen Ciltius betont er seine keltische Herkunft geradezu. Oft wurden Familiennamen damals anders abgeleitet, nämlich von der Person, auf deren Initiative das Bürgerrecht verliehen worden war. Über dies galt seine Weihung dem Mercurius Augustus, verband also den Namen des römischen Kaisers mit dem bereits keltisch verehrten Gott Merkur – ein weiterer Aspekt dieser Inschrift, der die Verschmelzung von einheimischkeltischen mit «typisch» römischen Traditionen eindrücklich zeigt.

Ehepaar (210–250 n. Chr.)

Lucius Ciltius Cossus, Bürger und Sechserherr, 1. Jahrhundert n. Chr.

1962 wurde bei Bauarbeiten im Kastellareal von Kaiseraugst ein auf fallend kleiner Grabstein mit Darstellung eines Ehepaars gefunden (Abb. 14). Der Mann wird durch den über der Schulter mit einer Scheibenfibel ver schlossenen Mantel und den Gürtel mit Ringschnalle als Militärangehöriger dargestellt, als Centurio, wie die vitis, der Stock in seiner Hand, zeigt. Frisur, Bart und Darstellungsart entsprechen dem Zeitstil des 3. Jahrhunderts. Er staunlicherweise trägt die Frau nicht die damals übliche Haartracht mit im Nacken zu einem flachen Nest zusammengebundenen Haarzöpfen. Ihr Haar ist in der Mitte gescheitelt und fällt glatt auf die Schultern herab. Auf

wenn sie das römische Bürgerrecht besassen. Die in den Händen gehaltene Schreibtafel ist einerseits ein für einen Händler typisches Attribut, zeigt aber zusammen mit dem heute leeren Schriftfeld auch den selbstverständlichen Umgang des Verstorbenen (und seiner Nachkommen) mit der Schrift – einem bei den Kelten vor römischer Zeit noch weitgehend unbekannten Medium. Auch die Sitte, steinerne Grabmäler entlang der Ausfallstrassen zu errichten, kam erst durch die römische Okkupation in den Norden.

△ Abb.12

66

Grabstein gestellt.barrenundeinedesunterenHändlers.einheimischeneinesImTeilReliefssindWaageRoheisen(?)dar

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58 v. Chr. besiegte Gaius Julius Caesar auf seinen Eroberungszügen die Rauriker und schickte sie in ihre Heimatgebiete zurück. Nur etwa zwei Generationen später führten ehemalige Kelten wie Fronto in der im Aufbau begriffenen Koloniestadt Augusta Raurica an geeigneter Lage im Stadtgebiet gut funktionierende, für den einheimischen Markt produzierende Werk stätten. Persönliche Objekte wie zum Beispiel Schutzamulette (Rädchen, Geweihrosen) waren weiterhin in Gebrauch. Weitere 50 bis 100 Jahre später fassen wir Personen mit keltischem Ursprung, wie den auf einem Grabstein dargestellten Händler mit lukrativen Geschäften, die sich unverkrampft der Schrift bedienen und mit aller Pracht in römischer Weise bestatten lassen. Oder wie den Sechserherrn L. Ciltius Cossus – Stützen der städtischen Ge sellschaft – die als römische Bürger den Kaiserkult fördern und sich auf Weihinschriften römischer Formeln bedienen.

gallorömischen Grabstelen werden ähnlich einfache Frisuren manchmal von Angehörigen der Unter- und Mittelschicht getragen. Die Frisur könnte aber auch als Zeichen der Trauer gedeutet werden. Falls die Frau als Trauernde dargestellt ist, weist dies darauf hin, dass sie das Grabrelief in Auftrag ge geben hatte.

Fazit

▷ Abb.13 gestelltzurcurionenratesschlussInschriftAufstellungPlatzzeigt,D(ecurionum)D(ecreto)L(ocus)deramDieAugustus.anCiltiusBürgersdesWeihinschriftrömischenL(ucius)CossusMercuriusFormelSchlussInschriftD(atus)dassderfürdiederaufBe-desDeVerfügungwar.

68

▷ Abb.14 einesGrabreliefEhepaars.

Es fällt auf, wie selbstbewusst diese Gallorömer ihre keltischen Wurzeln herausheben, sei es durch typische Bekleidung oder mittels Namen keltischen Ursprungs. Um 200 n. Chr. lässt sich sogar im Zierstil von gewissen Keramikund Bronzegegenständen ein Wiederaufleben des keltischen Erbes fest stellen (sogenannte Latènerenaissance). Weshalb das keltische Element in der römischen Stadt Augusta Raurica so wichtig geblieben ist, wissen wir nicht – eine Rolle dabei gespielt haben könnte, dass die Rauriker nicht, wie viele andere Stammesverbände, umgesiedelt wurden und sie deshalb ihre stammesgeschichtliche lokale und ethnische Verbundenheit einfacher wahren konnten.

Mit diesen Beispielen einer «gelungenen Integration» ins römische Reich fassen wir Personen, die zu Wohlstand kamen. Dieser schlug sich im archäologischen Befund nieder und dadurch sind uns Auszüge ihrer Lebens geschichte überliefert. Bestimmt gab es bei politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen dieser Grössenordnung auch Verlierer. Vielleicht dienten diesen Unzufriedenen die Monumente mit dargestellten, gefangenen Bar baren als Warnung und Abschreckung.

frühgeschichtlicheundVerkehrsachse71

◁ Abb.1 Mainz, Wrack 5 vor der Bergung.

RONALD BOCKIUS Rhein als vor-

Der

Wie andere grosse Landgewässer wird der Rhein mal als Grenze oder gar als «Scheidelinie zwischen Vorstellungswelten» wahrgenommen; mal zieht er eine gerade oder gewundene Bahn, formt Täler und Auen, tief und schmal oder weitläufig und flach, die Verkehr anzuziehen scheinen. Wechselnde Land schaftsbilder begleiten den Fluss, Waldgebirge, erst ganz nah, dann in der Ferne, die in Hügelland übergehen, bis harter Fels den Fluss in Schluchten zwingt. Wenn dann der Strom in die Ebene eintritt, deren Terrassen er mit geformt hat, verliert er seine Dynamik, fächert sich schliesslich im Tiefland auf, um zusammen mit der Maas ein gemeinsames Delta zu bilden. Hier ist der prähistorische Strom am wenigsten wiederzuerkennen.

Sich einstellende Vertrautheit mit der Landschaft und die Begegnung mit Menschen lässt Bedürfnisse wachsen, fördert Austausch, birgt aber auch Konkurrenz und Risiko. Der zu teilende Verkehrsraum kann Markt und Lebens welt sein, oder er ermuntert zum Aufbruch und bietet segmentierten Durchlass für andere Formen der Mobilität: Die Kulturgeschichtsforschung ist beim Blick in die Vergangenheit bemüht, kenntlich zu machen, auf welchen Wegen älteste Prestigegüter, etwa mediterrane Meeresschnecken oder Muscheln (spondylus gaederopus), westalpine Jadeit-Beile oder kupfernes Schwergerät in Meso lithikum und Jungsteinzeit über grosse Distanzen hinweg durch die mittel europäischen Waldgebiete distribuiert wurden. Sie macht dabei immer wieder die grossen Flusssysteme als Leitbahnen aus, tut sich jedoch schwer beim Er

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Wir sehen den Rhein heute als Verkehrsträger, als Wasserstrasse und Land verbindung zugleich, die andere bedeutende Fernwege aufnimmt – ihrerseits Flusstäler, die entfernte Räume und Regionen des europäischen Kontinents erschliessen: allen voran die wasserreiche Aare und der Main, aber auch Neckar, Lahn, Mosel und Lippe. Wir sehen Kulturlandschaften mit Infrastruktur, Siedlungsagglomerationen, Wirtschaftsflächen, darin eingebettet das mehr oder minder breite Fliessgewässer, das den Verkehr zum Nachbarn trägt und danach noch andere Länder und Menschen passiert, um dann seine Wassermassen ins entfernte Meer zu entlassen. Wer lange vor unserer Zeit ohne tiefere geografische Kenntnisse jenem Korridor gefolgt ist, gelangte von einem fast unüberwindlichen Hochgebirge an einen «Ozean», nahm Klimawechsel wahr und staunte über diverse Angebote einer Natur, die zu temporärem oder dauer haftem Verweilen ermunterte, sofern nichts dazu zwang, den von fluviatilen Landmarken gesäumten Weg zu verlassen – wissend, dass sich seine Spur leicht wieder aufnehmen lässt, dass hier Nahrung und Wasser auf ihn warten, anders als vielleicht in unbekanntem Terrain abseits vom Fluss.

Als Kommunikationsachse und Revier schon lange vor dem Beginn unserer Warmzeit durchstreift und jagdlich genutzt, seit der Jungsteinzeit bevorzugt an seinem Hochgestade besiedelt, veränderten sich die prä historischen Flusslandschaften des Rheins kaum, sein Abflussgebiet indes streckenweise drastisch und permanent. Boten die bewaldete Aue und das Gewässer selbst Nahrungsquellen, stellten sie auch Herausforderungen: Flussfunde, zur mittleren und späten Bronzezeit namentlich am nördlichen Ober- und am Mittelrhein in beträchtlichem Umfang bezeugt, sind häufig männlich konnotiert (Waffen, Rasiermesser), oder sie reflektieren

messen, ob Transporte zu Wasser oder zu Lande stattgefunden haben, ob hier von Handel die Rede sein kann oder ob doch eher mit komplexen Aus tauschmechanismen zu rechnen ist, mit einem Weiterreichen von Hand zu Hand etwa oder explorativem Beschaffen durch Personen, die, von ihrer Gemeinschaft von der Subsistenzbeteiligung entpflichtet, entsandt wurden. Dasselbe gilt – über das Neolithikum hinaus – für die Rohstoffaneignung, für unverzichtbares lithisches Material, nicht zuletzt aber auch für Kupfer, Zinn und GeradeBernstein.diesich

im 3. Jahrtausend v. Chr. rasant fortentwickelnde Metallurgie liess ein Potenzial hoch verdichteter Kommunikationsnetzwerke und wissensgebundener Elitenbildung entstehen, deren wirtschaftlicher Erfolg und Prestige auch von der Mobilität abhingen. So lässt sich das Aufeinandertreffen von schnurkeramischer Kultur und Glockenbecher-Leuten mit ihrer klar abgegrenzten Symbolik und Identität nicht allein mit der Attraktivität des Rheintals als Siedlungs- und Wirtschaftsraum erklären. Sollte der mit dem Glockenbecher-Phänomen verwobene, als «Amesbury Archer» bekannt gewordene Bestattete aus der Umgebung von Stonehenge im heutigen Süddeutschland oder in der nordalpinen Schweiz aufgewachsen sein, wie es die Sauerstoffisotopie einer Zahnschmelzprobe nahelegt, dann kann er auf seiner Reise ins südenglische Wiltshire, wo ihm eine für die Epoche grandiose Grabzurüstung und zweifelsohne hohe Wertschätzung gewährt wurden, durchaus der Rheinstrecke gefolgt sein; oder gelangte er über Westeuropa nach Britannien, über Zwischenstationen und über einen langen Zeitraum hinweg dorthin? Ein ausgebauter Fernweg hat in vorrömischer Zeit nicht existiert, doch deuten sich am Hochufer und in der Aue durch Aufreihung bronze- und ältereisenzeitlicher Grabhügel Trassen an, die, etwa im Oberelsass und am Niederrhein, als Teil eines überregionalen Alt strassensystems darstellbar sind.

Versorgung73

Vom vorgeschichtlichen Wasserfahrzeug, wie es sich in Mitteleuropa selbst an kleinsten Fliessgewässern seit dem 8. Jahrtausend v. Chr. verbreitet als Stammboot («Einbaum») erschliesst (Abb. 2), fehlt am Rhein, abseits vom Bodenseegebiet, bis zur römischen Epoche jede Spur. Wollte man daran seine schifffahrtliche Bedeutung messen, ginge das archäologisch-historische Urteil gänzlich an der Wirklichkeit vorbei. Es muss aber Gründe dafür geben, warum sich etwa im Schweizer Mittelland Einbaumfunde der Jungsteinzeit und der Bronzezeit häufen, der Rheinlauf indes auf rund 1000 km Strecke

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(Sichel) bzw. die individuelle Sphäre (Trachtgegenstände). Zweifelsohne an das Numinose adressiert, häuft sich Material, auch diachron, an Flussab schnitten, wo bedeutende Zuflüsse Tore in Aussenwelten öffnen (zum Beispiel Mainz mit der Mainmündung). Oder man trifft sie an Stellen an, die dem Menschen bis in die Gegenwart hinein Furcht einflössen und zugleich Faszination auslösen vor der Urgewalt des Flusses und seiner Gefahren (Quarzitriff «Binger Loch» bzw. Binger Pforte). Auch mögen im Altertum Fluss übergänge, Furten oder günstige Fähr stellen Orte gewesen sein, wo Ver senkungsopfer göttlichen Schutz und gute Omina bewirken sollten. Zudem werden an frequentiert genutzten Passagen nicht selten persönliche Gegenstände auch einfach verloren ge gangen sein. «Schiffsladungen» oder «Händlerdepots», wie sie etwa an Brucherz bzw. Metallschrott zu erkennen wären, sucht man hier vergeblich. Indes mag das eine oder andere neolithische Beil und bronzezeitliche Schwert an sicher erscheinenden Plätzen abgelegt worden sein, wo man es wieder zufinden hoffte, wenn es sich denn nicht um abgeschwemmte Relikte aus ufernahen Siedlungen und Gräbern handelte. Die Überlieferungsbedingungen jener Gewässerfunde, die häufig bei Baggerarbeiten, Auskiesung oder durch Aufsammlung bei Niedrigwasser zum Vorschein kommen und zudem mit der Geschiebefracht des Flusses disloziert worden sein können, erschweren die historische Interpretation.

△ Abb.2

Chr.).Jahrtausend(8.EinbäumeneolithischerbismesolithischerVerbreitungmittel–spätes5.v.

buchstäblich gar nichts zu bieten hat. Schaut man auf andere europäische Flüsse ähnlichen verkehrsgeografischen Ranges, wie Loire und Rhone im Westen oder Donau und Weichsel im Osten, ist das nicht grundsätzlich anders. Um im Westen zu bleiben: Durch die Verbreitung mediterraner Produkte sowie die ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. auf Innergallien Bezug nehmende historische Überlieferung wissen wir um die Rolle der beiden französischen Flüsse bei der Bewältigung von Handel. Anfangs getragen durch die phokäische Kolonie Massalia, kündigt sich dort intensiver Waren verkehr mit Kunden und Partnern aus der westlichen Keltiké an. Eingedenk der gesellschaftlichen Verhältnisse im latènezeitlichen Mitteleuropa ist hier für den Rhein, über fischerei- und jagdtypische Bootsnutzung hinaus, mit einem kleinräumig skalierten, auf kürzere Strecken innerhalb von Stammes territorien ausgerichteten Transport auf dem und entlang des Flusses zu rechnen. Warenbeförderung rechnet man in der Region vernetztem Gewerbe zu, das sich an Ferntransporten beteiligte, wo Angebot, Nachfrage und zu treibender Transportaufwand den Preis bestimmten. Von der keltischen Elite seit dem späteren 6./5. Jahrhundert v. Chr. geschätzte Luxusgüter waren im Milieu späthallstatt-frühlatènezeitlicher Fürstensitze Südwestdeutschlands geläufige attische Keramik, griechische und etruskische Bronzen, Koralle, nicht zuletzt Wein, der zunächst aus Südgallien exportiert wurde; wie bis an den Mittelrhein und Südengland verbreitete Amphoren vom graecoitalischen Typ sowie der Form Dressel 1 bezeugen, seit dem späteren 2. Jahrhundert v. Chr. auch aus Mittelitalien. Ihr Binnentransport erfolgte auf Flüssen, an den Oberläufen mit Wasserscheiden dann streckenweise über Land (sogenannte Schleppstrecken; Portages). So viel lässt sich anhand entlang der Rhone, der Saône sowie des Doubs und Oberrheins aufgedeckter archäologischer Rückstände bis hin zu den Abnehmern und Konsumenten am Neckar-Mittellauf, in der Pfalz und in Rheinhessen nachzeichnen. Das Umladen auf Wagen ebenso wie den archäologisch anklingenden Wein handel mit italischen Kaufleuten erwähnt um die Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. der sizilische Geschichtsschreiber Diodor (V, 26, 3). Ein ähnliches Zeugnis liefert wenige Jahrzehnte später der Geograf Strabo (geogr. IV, 1, 14), indem er die Verkehrsgunst Galliens mit weit verzweigten, bis in die Oberläufe schiffbaren und dort von relativen kurzen Landstrecken getrennten Flüssen erwähnt – benannt werden Rhone, Saône, Doubs, Loire und Seine, folglich Wasserwege, die das zur mediterranen Kultur zählende Südgallien mit dem Atlantik (via Loire), mit der Kanalküste (via Seine) und, über Saône und Doubs durch die Burgundische Pforte, mit dem Oberrhein

verbanden.75

76

△ Abb.3 spitzbarren.undlicherkarteVerbreitungseisenzeitBarrenDoppel

▷ Abb.4 desnau.Mainz-WeiseGrabsteinkeltischen nauta Landesmuseumn.1.bodenschiffes,einesDarstellungRückseiteAusschnittBlussus.dermitPlatt-JahrhundertChr.Mainz,

Zwischen Alpenrand und RheinMain-Gebiet in sehr grosser Zahl ge fundene, darüber hinaus schütter zwischen Atlantik und Ostseegebiet verteilte eisenzeitliche Doppelspitz barren fallen durch ihre besonders hohe Rate an Gewässerfunden ins Auge (Abb. 3), darunter An sammlungen in der Grössenordnung von bis zu einer Vierteltonne. Die Konzentration der Verbreitung in der südwestdeutschen Mittelgebirgszone legt nahe, dort Produktionsstätten zu unterstellen und für ihre Distribution auch den Wasserweg anzunehmen. Umso mehr gilt das für die seit der Urnenfelderzeit bevorzugt stromab ihres Herstellungszentrums bis in die Niederlande gelangten Mahlsteine aus Mayener Basaltlava, die sogenannten «Napoleonshüte», nicht zuletzt für die jüngerlatènezeitliche Drehmühle, die spätestens zur römischen Epoche vom Stapelplatz Andernach aus verschifft wurde. Ein weiterer Kandidat für die eisenzeitliche Binnenfracht war Salz. Mit Blick auf die historische Überlieferung kommt als zeitgenössisches Be förderungsmittel in erster Linie das Stammboot in Betracht (Polybios, hist. III, 42, 2–3), das gemäss Relikten in England und Slowenien seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. beachtliche Dimensionen erreichen und über die kleine Besatzung hinaus etliche 100 Kilogramm bis gegen eine Tonne Fracht auf nehmen konnte. Einbäume liessen sich gemäss archäologischem wie historischem Zeugnis zu Fähren mit aufgelegter Plattform koppeln, die zum Übersetzen von Vieh und Wagen genügt haben – in den Tagen Hannibals waren es an der Rhone gar Kriegselefanten. Mit nennenswerter Infrastruktur ist selbst innerhalb der Oppida-Zivilisation abseits mediterraner Zentren und griechischer Emporien Galliens noch kaum zu rechnen, wohl aber mit weit sichtiger, Bezugsquellen und Märkte würdigender Organisation und Ver netzung, zweifelsohne auch mit gewinnorientierten Transportgeschäften keltischer Unternehmer. Die Häufung gallorömischer Ortsnamen am Rhein, besonders solche mit dem lateinischen Grundwort magus – aus dem Keltischen abgeleitet für «Feld» oder «Ebene» – wird als Hinweis gesehen auf eine keltische Besiedlung der Uferzone und daraus abgeleitete Handels

Die wohl schon gegen Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. angelegte römische Fernstrasse über den Grossen St. Bernhard passierte Avenches, um bei Augst den Rhein zu erreichen, von wo sie weitgehend hochwasserfrei dem Fluss folgend über Mainz und Köln bis in die römisch besetzten Nieder lande verlief. Was als strategische Streckenplanung begann und wohl auch vorhandene ältere Wegesysteme integriert hatte, diente nicht allein der Truppenverschiebung und -versorgung sowie der Kommunikation (cursus publicus), sondern beschleunigte auch die kulturelle Durchdringung der nachmaligen Provinzen. Die in tiberisch-claudischer Zeit einsetzenden epi grafischen Zeugnisse zur gallorömischen Rheinschifffahrt bezeichnen mit «nauta/nautae» den mit Transportgeschäften befassten Eigner bzw. Reeder aus den gehobenen wirtschaftlichen Schichten der Bevölkerung, nicht aber den ausführenden Schiffer (Abb. 4). Inwiefern sich hier landestypische Ver hältnisse aus vorrömischer Zeit widerspiegeln, sei dahingestellt. Doch ahnt man, dass hier das unternehmerische Rad nicht neu erfunden werden musste. Seit dem frühen Prinzipat sind am Rhein wasserbautechnische Massnahmen, wie Kanalanlagen für die Schifffahrt (Fossa Drusiana, Fossa Corbulonis) und Uferbefestigungen umgesetzt worden (Abb. 5), anders als keltische Brücken nun auch über den Rhein geschlagen. An wirtschaftlich bedeutenden Plätzen, wie etwa Köln, kam es zu beträchtlichen Ver änderungen an der Ufertopografie. Die sich nun sprunghaft entwickelnde Rheinschifffahrt zeigt eine zivile, dann aber auch eine militärlogistische und taktischeEtlicheSeite.Rückstände

teils beträchtlich grosser Plattbodenschiffe, gefunden in Mainz sowie am deutsch-niederländischen Flussabschnitt, künden von einem quantitativ und qualitativ stark expandierenden Trans portgeschehen. Die bis gegen 40 Meter langen Prahme waren teilweise ausgelegt auf Beladung im RoRo-Verfahren, sei es für zu rollende Fässer, sei es auf Lastwagen oder Karren, aber auch für manuelles Stauen oder Kranen (Abb. 6). So weit bekannt, wurden über Getreide hinaus vor allem Baumaterial,

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▽ Abb.5 derts n.desbefestigungHölzerneHolzstrasse.Mainz,Ufer1. JahrhunChr.

aktivitäten. Zwar lassen sich für jene Orte teils auch vorrömische Wurzeln belegen, aber nicht überwiegend, und Namenskontinuität niemals.

De Meern, Kr. Utrecht. Gut er haltenes hunderts,desnachgebaut(DebodenschiffPlatt-Meern1),kurzderMitte2. Jahrin situ nach Freilegung.der

privatwirt79

△ Abb.6

aber auch Massen- bzw. Schwerlastgüter be fördert, darunter die für die Heeresversorgung wichtigen, in der Voreifel gefertigten TephritDrehmühlen, weiters auch in nicht zu gering zu veranschlagendem Umfange Steinmaterial für den Bau und Unterhalt römischer Städte wie Köln und Xanten, darunter Tuff aus dem Um land von Mayen und Andernach und Trachyt vom mittelrheinischen Drachenfelsmassiv. Be merkenswert ist, dass mit der römischen Be setzung des Rheingebiets in der Region zuvor unbekannte Zeugen antiker Binnenschifffahrt in den Fluss gelangt waren; namentlich Anker mediterranen Typs, teils eiserne Stockanker, teils schwere, auf grosse hölzerne Kompositanker zurückgehende Bleiankerstöcke. Lassen sich letztere schlüssig als Relikte hydrotechnischer Massnahmen, von Pionierarbeiten wie Behelfs brückenbau oder als Zubehör schwimmenden Geräts erklären, fallen an beiden Objekt gattungen die Namenskürzel solcher römischen Legionen auf, die von rheinischen Standorten hinlänglich bekannt sind. Bootsfunde aus den Niederlanden und Mainz (Abb. 1) legen offen, dass die römische Armee auf dem Fluss nicht nur mit logistischen Aufgaben befasst war, sondern mit der Überwachung des Verkehrs zu Wasser, der Sicherung und Begleitung von Konvois, Grenzkontrollen und amphibischen Operationen mindestens bis zum Ende des 4. Jahrhunderts auch taktische Aufträge erfüllte. Besonders für die frühe Kaiserzeit zeichnet sich die intensive Beteiligung der Truppe an ihren Standorten durch den starken Zustrom mediterraner Techniktraditionen ab (Abb. 7). Hohe Mobili tät und Zuzug von Fachkräften leisteten ein Übriges zur Verbreitung von Importen und zur Aneignung fremden Know-hows. Über die Verteilung regionaler Produkte hinaus, etwa der Terra-Sigillata-Manufakturen, Toreutik und Tuche, rangierte die Binnenschifffahrt auf dem Rhein als Träger eines Warenflusses, der bis nach Britannien wirkte. Besonders nachgefragte Trans portgüter waren Wein, Öl und Fischsauce, zuweilen auch Getreide, wenn die einheimischen Ressourcen nicht genügten. Für die Distribution kleinerer Ladungen erschliessen sich in den gallisch-germanischen Provinzen verbreitet nachzuweisende kanuartige Plankenfahrzeuge, deren Betrieb

▷ Abb.7 nikBootsbautechmediterranerVerbreitungamRhein. schaftlich unterlegt war und das aus dem vorrömischen Gallien bekannte Geschäftssystem mutmasslich fortsetzte. Nach wie vor trifft man auf das altertümlich anmutende Stammboot, sodann auf Mischformen, baulich er weiterte monoxyle Rümpfe mit morphologischen Anklängen an die grossen Plattbodenschiffe. Beide hinterliessen technikgeschichtliche Fährten, die noch an schiffbaulichen Relikten der deutlich bescheideneren karolingischen Rheinschifffahrt abzulesen sind. So, wie bekanntermassen das römische Strassensystem, Brücken und andere ufernahe Infrastrukturen im Frühmittel alter zwar noch genutzt, aber kaum gepflegt worden sind, so drastisch stellen sich die Veränderungen am Rhein dar. Diesem die für das römische Altertum erstmalige Bedeutung als europäische Verkehrsachse zu be scheinigen, ist keineswegs übertrieben. Es kündigt sich vielmehr an, dass wir die Verhältnisse in der prähistorischen Vergangenheit des Stroms nicht unterschätzen sollten. 80

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Rhein(knie)am83

◁ Abb.1 Luftaufnahme von Basel mit dem Rheinknie.

ÖRNI AKERET, SABINE DESCHLER-ERB, SIMONE HÄBERLE, RETO JAGHER, PHILIPPE RENTZEL, LUCIA WICK

Geschichte der Umwelt und der Nutzung von Pflanzen und Tieren

Auf den nächsten Seiten soll die Geschichte der Wechselwirkung von Land schaft und Menschen in unserer Region – dem Dreiländereck – erzählt werden. Welche Umwelt fanden die Menschen früherer Zeiten hier vor, welche Ressourcen konnten sie nutzen, und wie haben unsere Vorfahren diese Landschaft mit gestaltet? Wann fängt die Geschichte überhaupt an? Setzen wir den Ausgangs punkt vor 65 Millionen Jahren? Damals begann sich nämlich ein Graben einzu senken zwischen Vogesen und Schwarzwald, durch den schliesslich «unser» Rhein floss. Oder fängt sie mit dem Eiszeitalter an? Dieses beginnt vor gut zweieinhalb Millionen Jahren und endet (vorläufig?) vor 11'500 Jahren. Auch diese Zeit ist entscheidend, wenn man verstehen will, weshalb die Topografie in und um Basel so aussieht, wie sie heute aussieht. Oder starten wir mit dem Auftauchen der ersten Menschen? Früheste Spuren lassen sich in unserer Region vor etwa 250'000 Jahren feststellen, sind aber noch sehr spärlich. Der Schwerpunkt dieses Kapitels wird – in Übereinstimmung mit dem Ausstellungsthema – in der Römerzeit liegen, aber es lohnt sich, etwas weiter auszuholen (Abb. 1).

Zur Erforschung dieser Geschichte brauchen wir die Erkenntnisse ver schiedener Wissenschaftsdisziplinen. Die Archäologie sucht nach den Spuren der Menschen von ihrem ersten Auftreten bis in die Neuzeit. Die Geoarchäologie untersucht Geländeformen, die Zusammensetzung von Sedimenten und anhand von Dünnschliffen auch feinste Veränderungen in den Böden. Die Archäozoo logie untersucht hauptsächlich Knochen von Wirbeltieren, aber auch Mollusken schalen oder Insektenpanzer. Die Archäobotanik befasst sich vorwiegend mit Samen, Hölzern, Pollenkörnern. Die Archäoanthropologie rekonstruiert anhand von Menschenkochen, wie unsere Vorfahren gelebt haben. Analytische Methoden wie die Isotopenanalyse oder die Genetik ergänzen das Bild. An der Universität Basel arbeiten all diese Disziplinen unter einem Dach: in der Integrativen Prähistorischen und Naturwissenschaftlichen Archäologie IPNA.

Der Rhein – von den Römern Rhenus genannt – ist von Basel und der Region im Dreiland nicht wegzudenken. Wie oben bereits angedeutet, fliesst er zwar nicht schon seit jeher, aber doch schon seit Millionen von Jahren durch unsere Region. Sein Lauf hat sich früher ständig verändert. Eine wichtige Rolle spielte dabei das Eiszeitalter, das durch eine Abfolge von kalten und wärmeren Perioden gekennzeichnet war. Die Gletscher haben Basel auch in den kältesten Phasen nicht bedeckt; von den Alpen her erreichten sie maximal das Möhliner Feld, und Eiskappen überzogen Schwarzwald und Vogesen. Ihr Einfluss war aber auch darüber hinaus spürbar. Das Schmelzwasser brachte grosse Mengen von alpinem

▷ Abb. 2

Der Basel.Rheinlaufehemaligein

Die Entstehung des Rheins

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Gestein mit und das Rheintal füllte sich mit Kies. In den wärmeren Zeit abschnitten wurde ein Teil davon vom Fluss wieder weggetragen, aber die nächste Eiszeit brachte wieder neuen Kies. So entstand ein bis zu 30 Meter mächtiger Schotterkörper, der heute als Grundwasserspeicher, aber auch als Baumaterial wichtig ist. Die Erosionswirkung des Rheins ist für die charakteristische treppenförmige Terrassenlandschaft bei Basel verantwort lich. Ebenfalls während der Kaltzeiten lagerten sich am Talrand und den angrenzenden Hochflächen feinkörnige Windstaubelemente ab, die man als Löss bezeichnet. Dieser ist heute typisch für die fruchtbaren Ackerböden im Sundgau oder Markgräflerland, aber auch bei Allschwil oder auf dem Bruder holz. Das heute so prägnante Rheinknie gab es in dieser Form übrigens nicht schon immer. Bei Bauarbeiten im rechtsrheinischen Gebiet zwischen Riehen und Kleinhüningen kamen schon mehrfach dicke Eichenstämme zum Vorschein, die der Fluss früher bei Hochwasser dort abgelagert hatte. Sie zeigen, dass der Fluss früher einmal eine Abkürzung nahm, etwa zwischen dem Stausee Birsfelden und dem Dreiländereck. Noch im 16. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung floss er auf diesem Weg. Erst im späteren Verlauf der Bronzezeit verlegte er seinen Lauf weiter westwärts und näherte sich dem heutigen Flussbett an (Abb. 2). Als die Römer auf dem Münsterhügel siedelten, blickten sie also auch schon auf das Rheinknie.

Klima- und Vegetationsgeschichte

Die frühen, noch nicht sesshaften Menschen hatten wenig Einfluss auf die Entwicklung der Vegetation. Vor etwa 7'000 Jahren erfolgte der Über gang zur bäuerlichen Lebensweise und die Menschen begannen, Wälder zu roden, Äcker zu bestellen und Haustiere zu halten. Sie fingen also an, die

Von den Eiszeiten war schon die Rede weiter oben; das Klima hat sich also in der Vergangenheit wiederholt verändert. Und mit dem Klima waren auch die Pflanzen- und Tierwelt einem starken Wandel unterworfen. Pollenuntersuchungen zeigen, dass unsere Region in den kältesten Phasen der letzten Eiszeit, also vor etwa 20'000 Jahren, völlig baumfrei war. Hier wuchsen Pflanzen, die heute in Steppengebieten oder in der Arktis, oder auch oberhalb der Baumgrenze in den Alpen vorkommen. Als es langsam wärmer wurde, wanderten als erste Bäume die Birke, gefolgt von der Föhre ein. Und als die Eiszeit vor 11'500 Jahren endgültig zu Ende ging, breiteten sich weitere Gehölze aus; erst die Hasel, dann verschiedene Laubbäume wie Eiche, Linde, Ulme, Esche und Ahorn. Noch später folgten die Buche sowie die Weisstanne und schliesslich die Hagebuche.

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Umwelt für ihre Bedürfnisse zu verändern. Die ersten Anzeichen dafür sind in den Umweltarchiven noch sehr diskret, aber im Verlauf der Jahrtausende werden sie immer deutlicher. Die weit verbreitete Vorstellung, dass die Römer am Rhein auf einen Urwald trafen, ist falsch. Schon in der Eisenzeit waren die Wälder weit zurückgedrängt worden, und die Kelten lebten in einer mehrheitlich offenen Kulturlandschaft mit Getreideäckern, Wiesen und Weiden. Beispielhaft erkennt man dies im Pollenprofil von RheinfeldenHäxeplatz, unweit von Augusta Raurica.

▽ Abb.3 Detail MuseummanischesRömisch-GerumsaiksDionysos-ModesvonKöln,230n.Chr.Köln 87

Nutzpflanzen

Was die Getreide angeht, haben die Römer bei uns kaum etwas am Artenspektrum geändert, wie es schon von den Kelten bevorzugt wurde. Einzig der Roggen kommt neu, und zwar aus dem Norden und nicht vom römischen Mutterland her. Der Getreideanbau wurde aber intensiviert durch die Produktion auf spezialisierten Gutshöfen. Die römischen Neuerungen zeigen sich bei anderen Nutzpflanzen. Den Weinbau verbinden viele mit den Römern, und tatsächlich wurde er nördlich der Alpen ab dem 1. Jahrhundert etabliert (Abb. 3). Eine ganze Reihe weiterer Fruchtgehölze kommt ebenfalls mit den Römern zu uns: Walnuss, Esskastanie, Kulturapfel und -birne, Kirsche, Zwetschge, Pfirsich, Maulbeere sowie die in Vergessenheit geratene Mispel. Den Obstgehölzen ist gemein, dass es nicht reicht, eine neue Art einzuführen, es braucht auch das Wissen, wie man sie durch Veredelungsmethoden vermehrt. Auch im Gartenbau brachten die Römer neue Impulse. Zwar hatten auch die Kelten schon Gärten; dies zeigen unter anderem die archäobotanischen Untersuchungen in der keltischen Siedlung Basel-Gasfabrik. In der Römerzeit wurde die Palette an Gemüse- und Gewürzarten aber wesentlich erweitert. Geschmacklich wurde das Essen deutlich abwechslungsreicher mit Arten wie Bohnenkraut, Dill, Fenchel, Koriander, Knoblauch und Sellerie.

Das gut ausgebaute Handelsnetz erlaubte es in der Römerzeit auch, exotische Nahrungsmittel zu importieren. So finden sich in archäologischen Fundstellen dieser Zeit manchmal Pinienkerne oder Granatäpfel aus dem Mittelmeergebiet (Abb. 4) oder Datteln aus Nordafrika. Und sogar von ausserhalb des römischen Reichs gelangten Güter zu uns: Der Pfeffer wurde damals von seinen Anbaugebieten in Südindien via Rotes Meer bis in die römischen Provinzen transportiert.

△ Abb.4

Haustiere waren aus dem Alltag von Kelten und Römern nicht wegzu denken. Sie unterstützten die Menschen bei der Arbeit oder begleiteten sie in der Freizeit, lieferten Nahrung und Rohstoffe für die Handwerker und fungierten als Opfertiere oder Symbolträger. Auch wenn sich die Nutzung bzw. Bedeutung der Tiere in beiden Kulturen grundsätzlich sehr ähnlich waren, gab es dennoch kulturspezifische Unterschiede, aufgrund derer man von einem keltischen und einem römischen Mensch-Tier-Verhältnis sprechen kann.Zum

eisenzeitlichen Haustierbestand gehörten Rind, Schaf, Ziege, Schwein, Pferd, Hund und Huhn. Erst unter römischem Einfluss kamen

Haustierwelt im Wandel

88

Granatapfel auf einem römi schen Mosaik aus El Djem, erste Hälfte des 3. Jahrhunderts n. Chr. El schesArchäologiDjem,-Museum

▷ Abb.5 Maultier auf einem Mo saik aus dert n.2. JahrhunOstia,Chr.

weitere Arten dazu wie Esel und Maultier, Katze und Hausgeflügel wie Gans, Ente und Taube. Bei den meisten Haustieren, besonders aber bei den Rindern, ist unter römischem Einfluss eine allmähliche Zunahme der Körpergrösse festzustellen. Wie dies zustande kam, ist in der Forschung umstritten. Zur Diskussion stehen eine veränderte, auf viel Proteinen basierende Fütterung (Hülsenfrüchte) und der Import von grösseren Zuchttieren. Die Körper zunahme stand in Zusammenhang mit einer intensiveren Nutzung der Tiere.

Obwohl das Fleisch von Rindern, Schafen und Ziegen nach einem oft langen und arbeitsamen Leben nicht mehr das zarteste war, wurde es trotz dem kulinarisch genutzt. In keltischer Zeit ass man gelegentlich auch Fleisch von Hunden und Pferden. In römischer Zeit war das Fleisch junger Schweine und Hühner (Abb. 6) am begehrtesten. Unter den Abfällen des

frührömischen89

Rinder, Schafe und Ziegen wurden vielseitig genutzt: Rinder waren als Zugtiere wichtig im Verkehr und in der Landwirtschaft, lieferten aber auch Dünger für die Felder. Schafe produzierten Wolle und Ziegen Haare. Von allen drei Tierarten nutzte man auch die Milch. Hausschweine wurden hin gegen nur ihres Fleisches wegen gehalten. Pferde setzte man in erster Linie als Reittiere ein und Maultiere als Lasttiere (Abb. 5).

Basel-Stadtdenforschunglogischen.1.Münsterhügel,vomSchreibgriffelBaslerJahrhundertChr.ArchäoBo

Eine weitere Veränderung der Römerzeit war die deutlich häufigere Ver arbeitung tierischer Rohstoffe durch die Handwerker. So haben die Römer in unserer Region die quasi industrielle Knochenverarbeitung eingeführt. Neben einem standardisierten Rohmaterialmanagement ist auch die An wendung neuer Techniken wie das Knochendrechseln zu beobachten. Her gestellt wurde eine enorme Vielfalt an Typen. Ein Beispiel sind die so genannten Stili – Schreibgriffel – die eine weitere römische Innovation belegen: die Schriftlichkeit (Abb. 8).

△ (rechts) Abb.7 ren.mitausZiegenknochenKaiseraugstHackspu

90

△ (links) Abb.6

Fischfang und Fischkonsum

Militärs fanden sich aber auch relativ viele Knochen von Schafen oder Ziegen. Ein in Kaiseraugst gefundener Inschriftenstein erwähnt eine ala hispanorum, eine spanische Reitertruppe, die in der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts hier stationiert war. In Spanien wurde das Fleisch kleiner Wiederkäuer viel häufiger konsumiert als in unserer Region und die Soldaten haben offenbar auch in der Ferne nicht auf diese Gewohnheit verzichtet (Abb. 7).

knochenHühner

Wenden wir den Fokus nun noch einmal auf den Rhein. Nebst seiner Rolle als Wasserlieferant, Transportweg oder natürliche Grenze versorgte er die Bewohner seiner Ufer auch mit Nahrung in Form von Fischen. Die Fischerei gehörte in der Römerzeit grundsätzlich zur Allmend, daher durfte jeder, der wollte, in den Gewässern fischen. Mit Funden von Fischfang geräten als auch mit Beschreibungen von antiken Autoren oder Darstellungen von Fischfangszenen auf Reliefs, Wandgemälden oder Mosaiken sowie auf Geschirr, Münzen oder Öllampen können römische Fangmethoden re konstruiert werden. Die meisten bildlichen Darstellungen stammen jedoch aus dem Mittelmeerraum und sind der Meeresfischerei gewidmet. So ver mittelt etwa das Mittelbild der Meerstadtplatte vom berühmten Silberschatz

▷ Abb.8

Kaiseraugst.aus

verschiedener antiken Autoren können wir entnehmen, dass es punkto Fischverzehr Vorlieben und Abneigungen gab. Die Fischreste von den hiesigen Fundstellen weisen darauf hin, dass man diese Empfehlungen auch in den Provinzen umzusetzen versuchte. Im Mutterland standen die Meeresfische kulinarisch an erster Stelle. Ins Binnenland transportierte man Abb.9 platteMeerstadtaus gustaRömerstadt330/350deNetzenmitunterenbildDasSilberschatz.KaiseraugsterdemMittelzeigtimBereichAngelnundfischen-Eroten.Umn.Chr.Au-Raurica

von Kaiseraugst einen Eindruck über den Einsatz verschiedener Fanggeräte (Abb. 9), die sicherlich auch im Binnenland verwendet wurden. Davon zeugen Funde bronzener Angelhaken (Abb. 10) oder Netznadeln (Abb. 11) aus der Koloniestadt Augusta Raurica, aber auch aus weiteren römischen Siedlungen am DenRhein.Schriften

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▷ Abb.12

Fischfunden aus den Fundstellen am Ober- und Mittelrhein zufolge wurden Arten aus der Familie der Lachsartigen bevorzugt wie Lachs, Forelle, Felchen, Äsche oder auch der Flussbarsch. Schriftliche Quellen lassen vermuten, dass bei der Auswahl der Fischarten vor

Drei zusammengehörende Wirbel einer rund 40 Zentimeter langen Mittelmeermakrele. Fund aus Biesheim (F). Während der mittig liegende Wirbel vollständig vor liegt, sind die beiden anliegenden Wirbel weniger als hälftig vorhanden. Diese wurden wohl durch einen sauberen Schnitt zerteilt, was vermuten lässt, dass es sich einst um eine Tranche aus dem hinteren Körperbereich handelte. Musée Gallo-Romain de Biesheim

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diese in konservierter Form, wie die zerstückelten Mittelmeermakrelen (Abb. 12), die Fisch saucen in Amphoren oder auch die Austern, die ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. als Export waren von der Mittelmeerregion in Siedlungen der Nordwestschweiz gelangten (Abb. 13). Man musste aber auch auf die im Mutterland eher unbeliebten Süsswasserfische zurück greifen.Den

◁ (oben) Abb.10 gustaRömerstadtkeneinemca,AugustaAngelhaken5grosseUnterschiedlich(3,5bisZentimeter)ausRauri-eineristmitWiderhaversehen.AuRaurica

◁ (unten) Abb.11 gustamerstadtRaurica.zederundzumNetznadelnKnüpfenReparierenFischernetausAugustaRöAuRaurica

Noch besser als der Lachs kommt bei Ausonius der Flussbarsch weg. Er schreibt: «Dich auch, Barsch, Du Tafeljuwel, darf ich nicht übergehen; unter den Flussfischen kommst Du allein dem Seefisch an Rang gleich …». Fische aus stehenden, trüben, nährstoffreichen Gewässern jedoch fallen bei der kulinarischen Bewertung von Ausonius durch. So weiss er vom Hecht zu berichten: «… Ihn wird niemand erwählen fürs Mahl an erlesener Tafel; nur

allem der Lebensraum der Fische eine Rolle spielte, der sich unweigerlich auf Qualität und Geschmack auswirkt. Und tatsächlich haben die oben genannten Fische eines gemeinsam: Sie präferieren sauerstoffreiche, klare und kalte Gewässer. Die Vorliebe von Fischen aus guter Gewässerqualität findet sich insbesondere im Gedicht von Ausonius über die Mosel wieder, dem zweitgrössten Nebenfluss des Rheins. In seiner um 371 n. Chr. verfassten «Mosella» schreibt er etwa über den Lachs: «… bist Du bei Tisch ein Gericht, das die Wahl auch dem Feinschmecker schwer macht.» Die Lachsfischerei im Rhein war eine bedeutende saisonale Tätigkeit, die eine wichtige Protein ressource in der kalten Jahreszeit erschloss, also dann, wenn andere Nahrungsressourcen knapp wurden. Knochen von stattlichen Lachsen zwischen 75 und 150 Zentimetern aus Abfallgruben der keltischen Siedlung Basel-Gasfabrik (150–80 v. Chr.) belegen, dass die aus dem Meer alljährlich aufsteigenden Lachse wohl schon zur Eisenzeit in grossen Mengen ab gefangen wurden.

◁ Abb.13

Fragment einer Amphora RauricastadtChr.hin,KaisersSklavenlungaufInschriftDieKaiseraugst.ausaufgemaltedeutetdieBestelfüreinendesCaligulaum40n.RömerAugusta

in verräucherter, miefender Kneipe mag man ihn kochen». Tatsächlich tritt der Hecht in den untersuchten Fundstellen nur vereinzelt oder gar nicht auf. In Ausnahmefällen scheint man jedoch auch für ihn eine Ver wendung gefunden zu haben, so zum Beispiel in einem rituellen Kontext vom Basler Münsterhügel. In frührömischer Zeit wurde dort der Kopf eines Hechtes neben einem ganzen Huhn und dem Vorderlauf eines Schweines zusammen mit mehreren Keramikgefässen und Mühlesteinen am Strassenrand deponiert. Wieso dieses Ensemble dort sorgfältig abgelegt wurde, ist zwar ungewiss, auffällig bleibt trotzdem der intentionelle Einbezug des sonst anscheinend kulinarisch bedeutungslosen Hechtes (Abb. 14).

△ Abb.14

Links: Wirbel eines Vergleichstiers.einesWirbelsäuleAusschnitttext.logischendemHechtesjungenausarchäo-KonRechts:derrezenten

Wahrscheinlich war die Fischselektion nach «mediterranem Gusto» vor allem einem wohlhabenden Personenkreis vorbehalten. Insgesamt aber hinterlassen die römerzeitlichen Fischfunde den Eindruck, dass auch beim Fischkonsum die Traditionen des Mutterlandes in die Provinzen Einzug hielten und in etwas «modifizierter» Art gelebt wurden.

Überblick97

◁ Abb.1 Die Siedlung Basel-Gasfabrik um 100 v. Chr.

D. BARGETZI – J. WIMMER Basel in spätkeltischer und römischer Zeit: Ein

Für die Siedlung kann eine gehöftartige, lockere Bebauung rekonstruiert werden, die durch Wege und Strassen erschlossen wurde. Zahlreiche Graben abschnitte dienten der Abgrenzung einzelner Areale und leiteten Ober flächenwasser ab; einige Brunnen lieferten Trinkwasser. Zwischen den Ge bäuden in Holz-Lehm-Bauweise befanden sich immer wieder Freiflächen, auf denen unter anderem Gärten angelegt wurden (Abb. 1). Im späteren Verlauf der Besiedlung wurden ausserhalb der Gebäude voluminöse Gruben ausgehoben, die als Keller oder Silos der Vorratshaltung im grossen Stil dienten. Nach der Aufgabe dieser Gruben wurden sie in halb verfülltem Zustand oft als Werkplätze für handwerkliche Tätigkeiten genutzt. Die Quartiere bestanden aus kombinierten Wohn- und Wirtschaftseinheiten. Zum Siedlungsrand hin dünnte die Bebauung allmählich aus; eine eigentliche Siedlungsgrenze zum Beispiel in Form einer Befestigung war nicht vor handen.Warum

Die Fundstelle Basel-Gasfabrik befindet sich in hochwassersicherer Lage am linken Rheinufer unmittelbar nördlich der Dreirosenbrücke. Sie besteht aus einer rund 17 Hektaren grossen Siedlungsfläche und zwei nördlich davon gelegenen Gräberfeldern. Da der keltische Name nicht überliefert ist, wurde sie nach dem städtischen Gaswerk benannt, das sich bei ihrer Entdeckung 1911 auf diesem Areal befand.

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Die unbefestigte Zentralsiedlung Basel-Gasfabrik

Aus der Hallstatt- und Frühlatènezeit (8. bis 3. Jahrhundert v. Chr.) sind in Basel nur sehr wenige archäologische Zeugnisse in Form von Einzelfunden sowie eine Handvoll Gräber bekannt. Darunter befindet sich ein Körpergrab mit Schwertbeigabe (um 300 v. Chr.) aus dem Bereich des alten Rheinhafens St. Johann. Diese Funde zeigen, dass das Rheinknie in dieser Zeit besiedelt war, auch wenn die Standorte der zugehörigen Siedlungen nicht bekannt sind. Die grossen Siedlungszentren befanden sich in dieser Epoche auf dem Breisacher Münsterberg westlich von Freiburg im Breisgau und dem Illfurther Britzgyberg südlich von Mulhouse. Dies änderte sich ab dem Beginn des 2. Jahrhunderts v. Chr.: Dann entstand die älteste Zentralsiedlung am Rheinknie.

die Siedlung Basel-Gasfabrik aufgelassen wurde, kann heute nicht mehr geklärt werden. So liegen keine Hinweise auf ein gewaltsames Ende – wie etwa Brandschichten – vor. Dennoch erstaunt es, dass die Besiedlung scheinbar in ihrer Blütezeit abbricht, ohne dass sich ein vorangehender Niedergang abzeichnen würde. Möglicherweise steht die Auflassung mit

heraus99

Das befestigte Oppidum auf dem Münsterhügel Unmittelbar danach oder mit kurzer Verzögerung wurde auf dem Münsterhügel ein sogenanntes Oppidum (stadtähnliche, befestigte Siedlung) gegründet. Auch von ihr kennen wir den keltischen Namen nicht. Dank dem Zufluss des Birsig in den Rhein befindet sich dieser Standort in einer Sporn lage mit auf drei Seiten steil abfallenden Abhängen. Richtung Südosten wurde der Zugang durch eine monumentale Befestigungsanlage abgeriegelt, sodass die Siedlung gegen alle Seiten gut geschützt war. Mit 5,5 Hektaren wies sie allerdings eine kleinere Innenfläche auf als die Vorgängersiedlung. Auch waren der 25 Meter tiefer liegende Rhein sowie das Umland mit seinen Ackerflächen und Ressourcen merklich schwieriger zu erreichen.

△ Abb.2 Die Siedlung auf dem Münsterhügel.Basler einer geopolitischen Krise im benachbarten Baden-Württemberg zu Beginn des 1. Jahrhunderts v. Chr. im Zusammenhang.

Das Innere der Siedlung wurde durch eine Strasse erschlossen, die ent lang der heutigen Achse Rittergasse–Augustinergasse verlief. An ihr orientierten sich die verschiedenen Bauten, die anhand von Pfosten stellungen, Feuerstellen und Gruben ausschnitthaft rekonstruiert werden können. Mit 16 Meter Breite war die Strasse grosszügig dimensioniert und besass neben der Fahrbahn einen seitlichen Streifen für Güterumschlag und Marktstände (Abb. 2). Zudem wurden bereits einige Jahrzehnte vor der Er oberung römische Bautechniken wie etwa Branntkalk zur Festigung der Fahrbahn verwendet. Damit war die Strasse ungewöhnlich aufwendig konzipiert und kann als «Lebensader» der Siedlung verstanden werden. Richtung Südosten führte sie durch ein Zangentor aus der Siedlung

und stellte somit den einzigen Zugang dar. Das Tor war Teil der Befestigungs anlage, eines sogenannten murus gallicus (Abb. 3). Sein rund 5,5 Meter hoher Wallkörper bestand aus einem mehrlagigen Gitter aus Holzbalken und aufgeschüttetem Erdmaterial. Als Front diente eine Trockenmauer aus Kalk steinen mit eingelassenen Holzpfosten. Vorgelagert befand sich ein Graben von beachtlichen Dimensionen. Dieses imposante Bauwerk bot nicht nur Schutz, sondern war auch weitherum gut sichtbar.

Nach der Eroberung im Gallischen Krieg änderte sich im Oppidum vorerst wenig. Für das Jahr 44/43 v. Chr. ist am Rheinknie inschriftlich die Gründung einer römischen Kolonie durch Munatius Plancus verbürgt, die zwar auf dem Münsterhügel vermutet wird, sich aber archäologisch nicht sicher fassen lässt. Für diese Zeit ist aber die Anwesenheit von keltischem und – in kleinen Kontingenten – auch römischem Militär nachgewiesen.

△ Abb.3 gasse.heutigenimgungsanlagederRekonstruktionBefestiBereichderRitter

100

umfasste101

Dank dem direkten Zugang zum Rhein konnten mit kleinen Booten Waren- und Personentransporte durchgeführt sowie Fischerei betrieben werden. Während der Oberrhein die zentrale Verbindungsachse mit der umliegenden Siedlungslandschaft darstellte, gelangte man über den Hoch rhein ins heutige Süddeutschland. Via Burgundische Pforte bestand über die Flüsse Doubs, Sâone und Rhone zudem ein Zugang zum mediterranen Raum, über welchen unter anderem Amphoren mit italischem Wein in grosser Zahl importiert wurden. Dank dieser verkehrstechnisch günstigen Lage ent wickelte sich der Siedlungsstandort am Rheinknie zu einem Handelszentrum von regionaler und überregionaler Bedeutung. Dies zeigt sich unter anderem anhand der nachgewiesenen Münzherstellung, der aus dem heutigen Ost frankreich eingeführter Grobkeramik sowie durch die im Wiesental abgebauten und über Basel weiterverhandelten Mühlsteine. Von diesen Handelsbeziehungen profitierten diverse spezialisierte Handwerke wie die Buntmetall- und Eisenverarbeitung, die Glasschmuckherstellung sowie die Töpferei, die teilweise eingehandelte Rohstoffe verarbeiteten und ihre Produkte innerhalb und ausserhalb der Siedlung weiterverkauften. Daneben spielte die Landwirtschaft eine wichtige Rolle, wovon ausgedehnte Flächen ertragreichen Ackerlandes im direkten Umfeld zeugen. Dennoch waren diese Grosssiedlungen auf eine Versorgung aus dem umliegenden, ländlichen Raum angewiesen; so scheinen etwa Produktionsüberschüsse hier zentral eingelagert worden zu sein. Damit einhergehend wurden ab dem Beginn des 2. Jahrhunderts v. Chr. grosse Waldflächen gerodet und die Landwirt schaft stark intensiviert. Das wichtigste Nahrungsmittel stellte Getreide dar, aber auch Fleisch von Haustieren sowie seltener Hirse und Fisch standen auf demNebenSpeiseplan.derBedeutung

für Handel, Handwerk und Landwirtschaft spielten die beiden Zentralsiedlungen auch in politischen und möglicherweise religiösen Belangen eine wichtige Rolle. Davon zeugt die Anwesenheit von Eliten, die sich beispielsweise anhand wertvoller Einzelfunde wie Toiletten besteck, Schreibgriffeln und Feuerböcken sowie auch Waffen und Reit zubehör nachweisen lässt. Religiöse und kultische Handlungen lassen sich in Basel-Gasfabrik in Form von sogenannten Deponierungen fassen. Dabei handelt es sich um einzelne oder mehrere Artefakte, die bewusst beim Ver füllen von gewissen Gruben niedergelegt und so – chthonischen Glaubens vorstellungen folgend – der Erde übergeben wurden. Die reichste dieser Deponierungen stammt aus dem alten Rheinhafen St. Johann und

Leben und Sterben im spätkeltischen Basel

Der römische vicus an der Fernstrasse

neben einem Set aus Keramikgefässen diverse Gerätschaften aus Metall (Abb. 4). Bauliche Überreste von Heiligtümern sind hingegen – wenn auch nur ausschnitthaft –vom Münsterhügel bekannt. So wurden dort im Umfeld architektonisch auffälliger Strukturen zwei Pferde niedergelegt (Abb. 5). Die Bestattungsformen waren in spät keltischer Zeit sehr divers. Ab dem späten 3. Jahrhundert v. Chr. wurden im Norden der Siedlung Basel-Gasfabrik für einen kleinen Teil der Bewohnerschaft Körpergräber an gelegt. Während Kinder oft reich ausgestattet wurden, waren die Gräber der Er wachsenen meist beigabenlos. Vornehmlich in der Siedlung wurden hingegen die Neu geborenen beigesetzt. Dennoch finden sich auch dort in Gruben- und Brunnenver füllungen einige Bestattungen von Erwachsenen. Auch wenn diese teilweise in achtlos anmutenden Positionen niedergelegt wurden, weisen sie sorgfältig arrangierte Grabausstattungen auf. Zusätzlich treten in der Siedlung regel haft menschliche Einzelknochen auf, die einen mehrstufigen Bestattungs prozess durchlaufen haben und wiederholt in rituelle Handlungen ein gebunden wurden. Im 1. Jahrhundert v. Chr. änderten sich die Bestattungssitten; abgesehen von den Einzelknochen sind archäologisch praktisch keine Bestattungen mehr fassbar.

△ (oben) Abb.4

Gegen Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. hatte die befestigte spätkeltische Siedlung auf dem Münsterhügel ihre ursprüngliche Bedeutung verloren und wurde grundlegend umgestaltet. Die spätkeltische Wallanlage, der murus gallicus, wurde dem Verfall preisgegeben und die Strasse und Gebäude im Inneren wurden einplaniert. Obwohl die zentrale Strassenachse und die Be bauung danach erneut aufgebaut wurden, verlagerte sich die nun offene Siedlung zunehmend ins Vorgelände des Münsterhügels (Abb. 6).

In der neu konzipierten Siedlung hatten sich verschiedene Bevölkerungs gruppen niedergelassen. Anhand unterschiedener Fundgattungen lässt sich

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brik.Basel-GasfainDeponierungderSiedlung △ (unten) Abb.5 Münsterhügel.aufPferdeskelettenvonDeponierungzweidemBasler

Römischer vicus (Dorf) um 200 n. Chr. Im Gärten.angrenzendenfenhäusererrichtetebauweiseinhauptsächlichgungverzweiderUmkreisStrassenstehenFachwerk-Streimit

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▽ Abb.6

◁ Abb.8

◁ Abb.7

Der Anhänger aus überliefert.sendeninderwird«TitusTorius»(«EinheitnungMitscheneinesdasmarkierteGeweiheinstGepäckrömiSoldaten.derNenT.TORIdesoderTorius»)erstmalsNameeinesBaselanweRömers

Das Antikenmuseum be findet sich im Gebiet des rö mischen vicus. Während dokumentiert.geborgenundreichewurdenimdesErweiterungschungBodenforlogischenderAusgrabungderArchäobeiderMuseumsJahr1999zahlFundeBefundeund

neben der einheimischen Bevölkerung zu Beginn auch römisches Militär – vermutlich ein kleiner Militärposten mit einer berittenen Einheit – nachweisen (Abb. 7). Am Rückgang der Militaria im Fundmaterial lässt sich ab lesen, dass die Militäreinheiten bis nach 20 n. Chr. vom Münsterhügel abgezogen wurden. Zu dieser Zeit wurde am Rhein bei Kaiseraugst ein Hilfstruppenlager ge gründet, das nun die militärische Kontrolle der Grenze am Oberrhein übernahm.

Mit der weiteren Vergrösserung des römischen Reichs ging auch eine Phase des inneren Friedens einher und in der Mitte des 2. Jahrhunderts erreichte das Imperium Romanum im Norden seine grösste Aus dehnung. Die Grenze befand sich nun rund 200 Kilo meter nordöstlich von Basel und wurde durch den Obergermanisch-Rätischen Limes gebildet. Die Siedlung auf dem Basler Münsterhügel lag weit im Hinter land des römischen Reichs. Wie dieser vicus, dieses Dorf, damals genannt wurde, wissen wir nicht. Erst im Jahr 374 n. Chr. wird der Name «Basilia» für die spätrömische Siedlung überliefert.

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Wie bereits in der spätkeltischen Epoche gibt es auch in der frühen Kaiser zeit zahlreiche, allerdings weitaus kleinere Gruben. Einzelne mit Lehm aus gekleidete Gruben könnten als Zisternen für die Trinkwasserversorgung ge dient haben. Sodbrunnen sind erst aus späterer Zeit bekannt. Das Nutzwasser wird man wohl wie bereits zuvor grösstenteils von ausserhalb der Siedlung geholt haben. Ebenso ist eine Nutzung einzelner Gruben für die kühle Lagerung von Vorräten wahrscheinlich. Mit der Zeit wurden die

Der römische vicus war gut in das überregionale Strassennetz eingebunden. Die von Augusta Raurica kommende Fern strasse verzweigte sich im Vorfeld des Münsterhügels, wobei der eine Strang auf den Münsterhügel führte und der andere entlang der Westflanke des Hügels verlief und dann dem Rhein entlang bis an die Nordsee folgte. Durch seine Lage an der Fernstrasse und auch am Rhein (Wasser strasse) dürfte er eine gewisse wirtschaft liche Bedeutung besessen haben. Die hier lebenden Menschen fanden sicherlich durch den vorbeiziehenden Verkehr mit Handel und Dienstleistungen ein Aus kommen. Ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. nahm die Siedlungstätigkeit um diese Strassengabelung zu, wohingegen auf dem Münsterhügel bis in die Spät antike praktisch keine Spuren einer Besiedlung mehr vorhanden sind (Abb. 8).

Im Innern der Siedlung

△ Abb.9 wurde.ausgegrabenderkeller,einemZiegeldachSockel,gemauertenaufFachwerkbaustionRekonstruk-eineseinemmitundVorratswieesinRittergasse

Vom Inneren der Siedlung sind Reste von Häusern bekannt, die wie bereits in keltischer Zeit in Holz- und Lehmbauweise erstellt waren. Um die Lebensdauer zu erhöhen, wurden die Fundamente teilweise aus Trocken steinmauerwerk errichtet. Für das 2. Jahrhundert sind auch Häuser belegt, die zumindest teilweise als gemörtelte Steinbauten errichtet waren. Die Dächer dürften noch bis mindestens in der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. mit Holzschindeln gedeckt worden sein, später sind auch Dachziegel belegt. Im Innern sind Stampflehm- oder Mörtelgussböden und mit Ziegel aus gekleidete Feuerstellen nachgewiesen und unter den verputzten Wänden auch selten schlichte Wandbemalungen (Abb. 9).

Erdgruben105

Abb.10

Vor dem Kunstmuseum liessen sich in den Jah ren bestatten.WohnhausgeborenestorbeneBrauch,vomstattungSäuglingsbedortfassen.schenReste2018–2021derrömiSiedlungEinegefundene-zeugtrömischenverNeubeimzu

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Im Gegensatz zur keltischen Epoche verbrannte man die Toten meist auf Scheiterhaufen und bestattete den Leichenbrand in Urnen oder direkt in Gruben, oft zusammen mit mehr oder weniger umfangreichen Grabbeigaben, die mit verbrannt oder bei der Bestattung deponiert wurden. In unserer Region setzten sich Körpergräber erst wieder ab der Spätantike durch. Eine Ausnahme bildeten Neugeborene und Säuglinge, die beim oder im Wohn haus bestattet wurden.

durch Schächte ersetzt, die mit Trockenmauern ausgekleidet wurden, und gegen Mitte des 1. Jahrhunderts sind mit Mörtel gemauerte Keller belegt. Diese befanden sich meist im Hinterbereich der Häuser (Abb. 10).

Bestattungsplätze

◁ Abb.11

Blick seumsAntikenmugeschossimn.JahrhundertKellergekleidetenmauernmiteineninderTrockenaus-(1.–2.Chr.),dieUnterdes in situ erhalten sind.

Aus der Frühzeit der römischen Siedlung wurde bis anhin noch kein ein ziges Grab gefunden. Doch im Laufe der Zeit entwickelten sich mindestens zwei Bestattungsareale entlang der Zufahrtsstrassen zum Münsterhügel (St. Alban-Vorstadt und Aeschenvorstadt) (Abb. 11). Im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. bestand ein (zusätzlicher?) Bestattungsplatz am Ausgang des vicus in Richtung der heutigen Freien Strasse.

Hinweise auf Sakralbauten sind kaum vorhanden. Das Fragment eines floral verzierten Stirnziegels könnte von einem Tempel oder öffentlichen Gebäude stammen. Ein in ein Tuch gewickelter Militärdolch, der gemeinsam mit einem Welpen in einer Grube deponiert wurde, dürfte kultisch zu deuten sein.

Die Versorgung der römischen Stadt Augusta Raurica und der kleineren Siedlungen wie dem vicus auf dem Münsterhügel mit pflanzlichen und tierischen Nahrungsmitteln wurde durch landwirtschaftliche Betriebe im Umland sichergestellt. Beidseits des Rheins sind bereits in den ersten Jahr zehnten des 1. Jahrhunderts kleine Gehöfte (villae rusticae) belegt. An den wichtigsten Verkehrsachsen – vor allem auch rechts des Rheins – entstanden im Verlauf des 2. Jahrhunderts grössere Gutsbetriebe. Zu den grösseren Anlagen, mit gehobener Ausstattung des Wohnbereichs (Wohnräume mit Bodenheizungen und Mosaikböden) gehörte im Gebiet des Kantons BaselStadt die villa rustica beim Landauerhof (heute Friedhof Hörnli). Weiter sind kleinere Gutsbetriebe in der Breite und in Riehen beim Hinterengeli und am Artelweg bekannt, die bisher aber noch kaum untersucht sind.

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Florierendes Umland

△ Abb.12 Nahe rechtsrheiniderschen Agrarland.weitestgehendn.GegenddieWiesentalganzeWierigempelUmgangstemgallorömischerPfaffenlohimstrasseFernstandGebietdeseinmitzugehöTheater.dasunterstewarRiehenerum200Chr.noch

Anders als im vicus sind auf der rechtsrheinischen Seite auch Sakralbauten nachgewiesen. Am Pfaffenlohweg in Riehen stand nahe der rechtsrheinischen

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Spätestens nach der endgültigen Rückverlegung der Grenze des römischen Reichs an den Rhein wurden die rechtsrheinischen Nieder lassungen aufgegeben und die Bevölkerung wanderte in die besser ge schützten angrenzenden Gebiete ab. Nach den wenigen datierenden Funden wurden sowohl die villa beim Landauerhof wie auch diejenige beim Hinterengeli im 3. Jahrhundert aufgegeben.

Vom vicus zur Vorstadt

Fernstrasse ein Tempelbezirk mit einem gallorömischen Umgangstempel und einem halbkreisförmigen Annex, bei dem es sich wahrscheinlich um ein Kulttheater handelt (Abb. 12). Ein weit einfacherer Tempel ist zudem auf dem Riehener Maienbühl bekannt.

Bisher ging man davon aus, dass zu dieser Zeit der im Vorgelände ge legene vicus- Bereich wieder aufgegeben und eingeebnet wurde. Jüngste Untersuchungen der auf Ausgrabungen geborgenen Münzen deuten aber auf eine Siedlungskontinuität im Vorgelände hin. Ausserhalb der spät römischen Befestigung scheint eine eigentliche Vorstadt (suburbium) ent standen zu sein. Bisher konnten jedoch aufgrund schlechter Erhaltungs bedingungen keine Reste von den dort zu erwartenden einfachen Holzgebäuden dokumentiert werden.

Nach einer langen Phase des Friedens erschütterten im Verlauf des 3. Jahrhunderts n. Chr. Krisen und Umbrüche das Imperium Romanum. Ein Brandherd im Norden war die kriegerische Auseinandersetzung mit germanischen Völkern – den sogenannten Alamannen. Zum Schutz und zur Verteidigung der Zivilbevölkerung wurden in den Nordprovinzen im letzten Drittel des 3. Jahrhunderts n. Chr. deshalb viele Städte und Siedlungen be festigt – so auch der Basler Münsterhügel. Die neu errichtete Befestigungs mauer entstand in etwa an der gleichen Stelle, wo sich einst die keltische Befestigung an der Rittergasse befand.

Der südliche Oberrhein zur Zeit Caesars

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Das Oberrheintal und der Süden in vorrömischer Zeit

Augusta Raurica Typisch römisch, aber dennoch anders als in Rom

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Terra-SigillagallischeneinerFragmentesüdgefunden.Kunstmuseumvombeim2018–2021ta-Schüssel,BauParking

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akg-images Album / Prisma: 87; Bildarchiv Steffens: 77; De Agostini Picture Lib. / G. Dagli Orti: 89; euroluftbild.de/GAF AG: 82; Gilles Mermet: 88. Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig Tommaso Donati: 6; Ruedi Habegger: 55; Andreas F. Voegelin: 50. Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt 39, 99, 102; Digitale Archäologie, Freiburg i. B.: 96, 100; Fabian Bubendorf: 107; Heidi Colombi: 35, 103, 105; Marco Bernasconi, archaeolab.ch: 108; Peter von Holzen: 33, 36–37, 85; Philippe Saurbeck: 41, 91, 104 oben, 115; Udo Schön: 104 unten; Michael Wenk: 106. Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg Manuela Schreiner: 18. GDKE Rheinland-Pfalz, Landesarchäologie Mainz 78. Historisches Museum Basel 40, 47; Peter Portner: 30, 34 unten. INTERFOTO / Alamy Stock Foto 15. IPNA Simone Häberle: 95; Stefanie Jacomet: 93 unten. Kantonsarchäologie Aargau Béla A. Polyvás: 53. Kunstmuseum Basel 12. Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart 28. Linguae, Wikimedia Commons

Römer,AveImpressumCaesar!Gallier und Germanen am Rhein

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Eine Ausstellung des Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig 23.10.2022 – 30.04.2023

Projektteam

Multimedia

Ludwig

Helvetia Swiss Insurance Company Ltd.

Javier Alberich

Isabel AurélieAitkenGorgerat, Anteatrad Sandy KorrekturbüroAndreaHämmerleStettlerKommazwerg

Ausstellung

Giorgia Imber – Grafik

Auviso – audio visual solutions ag

Übersetzungen & Korrektorat

Benjamin Negri – Betrieb

Gestaltung

Publikation

Koordination

Gesamtleitung

Steudler Press, gedruckt auf CO2-neutralem Papier

Esaù Dozio

Annegret Schneider – Bildung & NicoleVermittlungSalvi – F&B, Shop und Events

Antikenmuseum Basel und Sammlung

ISBN 978-3-905057-42-3 © Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig, 2022

Trinidad Moreno – Szenografie & Grafik

Kurt Bosshard – Restaurierung & AlexandraKonservierungMaurer – Marketing & BrigitteKommunikationNicosia– Finanzen & Services

Herausgeber

Javier Alberich – Grafik

Möbel Transport AG HizkiaHasenkampVanKralingen

Michel Pompanin – Geschäftsführender Direktor

Alexandra Maurer Druck

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Esaù Dozio – Kurator, Projektleitung

Lektorat

Korrekturbüro Kommazwerg

Konzept

Versicherung

Andrea Bignasca – Direktor

Transport

Marketing, Kommunikation und Vermittlung

Team Antikenmuseum

André Wiese (Leiter); Esaù Dozio; Laurent Gorgerat; Anna Laschinger; Tomas Lochman; Kurt Bosshard; Olivier Berger; Susanne Dürr

Alexandra Maurer (Leiterin); Javier Alberich; Tine Dittmar; Claudia Manser Stoll; Trinidad Moreno; Céline Sax; Annegret Schneider; Florence Anliker; Annina Banderet; Anna Dorothea Haesen; Thomas Hofmeier; Charlotte Hunkeler; Judith Meier; Efi Rompoti; Brigitte Schaffner Senn; Daniela Scharf Jakob; Jasmin Tanner

Irena Rudic (Leiterin); Burak Damar; Julia Leuenberger; Irene Mitsas; Brigitte Nicosia; Ines Sommerbauer; Mette Avgeris-van Bebberen; Sara Veseli

(Stand 31. August 2022)

Dauersammlung und Sonderausstellungen

Direktion

Food & Beverage, Events Nicole Salvi (Leiterin); Mariana Märki; Daria Merz; Thorsten Natter; Renata Osterwalder; David Schmied; Samira Di Pino; Olivia Hasler; Pilar Lerch; Lucas Liechti; Céline Sax; Aurélie Salamin; Rahel Sesto; Utta Wördenweber; Christina Borgulya-Falcigno; Josiane Gerum; Oskar Kälin; Rebecca Loeb; Christina Snopko; Mike Stoll

Finanzen & Services

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Andrea Bignasca (Direktor); Michel Pompanin (Geschäftsführender Direktor); Kristina Schäublin; Simone Stöckli

Benjamin Negri (Leiter); Abdeslam Achlhi; Marianne Borer; Urs Kaufmann; Anna Maria Knechtli-De Nardo; Christoph Kölliker; Peter Lerch; Brigitta Moor; Michael Müller; Martin Nobs; Bernhard Oberhauser; Martial Schilliger; Richard Sieber; Christine Stucki; Linh Tran; Hanspeter Witschi

Betrieb

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