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8.März Internationaler

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*+(%,’-#%-#$%.#/+0123 „Sexismus war immer mehr als das, was in der nichtsagenden Geschmeidigkeit politischer Rhetorik die `Benachteiligung der Frau` heißt oder was Soziologen verharmlosend mit 'traditioneller Rollenverteilung' bezeichnen. Sexismus war immer Ausbeutung, Verstümmlung, Vernichtung, Beherrschung, Verfolgung von Frauen. Sexismus ist gleichzeitig subtil und tödlich und bedeutet die Verneinung des weiblichen Körpers, die Gewalt gegenüber dem Ich der Frau, Achtlosigkeit gegenüber ihrer Existenz, die Enteignung ihrer Gedanken, die Kolonisierung und Nutznießung ihres Körpers, den Entzug der eigenen Sprache bis zur Kontrolle ihres Gewissens, die Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit, die Unterschlagung ihres Beitrags zur Geschichte der menschlichen Gattung.“ So definierte die Schriftstellerin Marie-Louise-JanssenJurreit 1976 den Begriff des Sexismus und dessen Auswirkungen. Im alltäglichen Gebrauch bedeutet Sexismus die Benachteiligung und Diskriminierung eines Menschen allein aufgrund seiner Geschlechtszugehörigkeit. Heute hört man selbst von Frauen, dass die Gleichberechtigung doch erreicht sei und das Problem des Sexismus gebannt. Wer der Meinung ist, dass dieses Problem plötzlich aufgehört hat zu existieren, der irrt gewaltig... Betrachtet man die Arbeitswelt einmal genauer, herrscht dort alles andere als Gleichbehandlung. Nach wie vor existieren sogenannte Männerdomänen, zu denen Frauen nur schwer Zugang erhalten. Auch sind es vor allem Frauen, die im Rahmen von Mini-Jobs und anderen unsicheren Arbeitsverhältnissen überrepräsentiert sind. Bei Frauen in gewöhnlichen Arbeitsverhältnissen zeigt sich die Diskriminierung meist über die Entlohnung ihrer Arbeitskraft. Sie erhalten bei gleicher Leistung durchschnittlich 20% weniger Lohn als ihre männlichen Kollegen. Diese Fakten einmal zusammengenommen lässt leicht das Bild entstehen Frauen befänden Demo zu Frauentag am 8. März 2005 in Wien sich zumeist eher auf einem eher niederen Bildungsniveau. Seit 1994 besuchen allerdings mehr Frauen als Männer das Gymnasium. Die Selektion von Frauen nimmt erst prozentual zu je höher die Position ist. So üben zum Beispiel nur knapp 12% hochqualifizierte Tätigkeiten aus und lediglich knapp zwei Prozent der Frauen haben im Bereich der Wirtschaft Führungspositionen inne. Die Arbeitswelt ist allerdings nur ein Beispiel in dem offensichtliche und nachweisbare Diskriminierung und Ausbeutung stattfindet. Auch in Werbung, Serien, Musik, finden sich überall Mechanismen wieder, die Frauen in die Rolle des braven Hausmütterchens drängen, die ein unrealistisches Schönheitsideal schaffen und die Frauen als Sexobjekt des Mannes stigmatisieren. Im Bereich des Privaten treffen all diese Mechanismen dann leider allzu oft auf fruchtbaren Boden. Jede dritte Frau weltweit ist mindestens einmal in ihrem Leben Opfer sexueller Gewalt geworden. In Deutschland ist jede siebte betroffen. Doch das ist nur die Spitze. Vorher erfährt die Frau oft verbale und psychische Gewalt, oder auch nicht sexualisierte körperliche Gewalt. Doch natürlich sind Männer auf Grund ihres Geschlechtes keine triebgesteuerten Primaten.

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Auch sie haben in dieser Gesellschaft ein Rollenbild zu erfüllen, mit denen die wenigsten wirklich dauerhaft zurecht kommen. Immer der Starke zu sein, der alles unter Kontrolle hat, ist für manch einen Druck, dem er nicht standhalten kann. Teile der feministischen Psychologie nehmen an, dass Männer genau an diesem Punkt Gewalt gegenüber Frauen und Kindern anwenden, um sich selbst wieder stark und machtvoll zu fühlen. Dies soll allerdings auf keinen Fall als Rechtfertigung angesehen werden, sondern lediglich ein Versuch sein männlich dominierendes Verhalten zu analysieren. Doch kann man bei der Analyse nicht stehen bleiben. Frauen müssen aktiv werden, aus der ihr zugeschriebenen Opferrolle ausbrechen und auch bei den Männern eine Sensibilisierung für ihr Rollenverhalten wecken. Der Kampf gegen den Sexismus und die Gesellschaft die von ihm profitiert kann nur erfolgreich sein, wenn Männer und Frauen ihn gemeinsam führen.

Über uns... Wir, die Antifaschistische Linke Fürth [ALF] haben uns im Juni 2005 gegründet. Unserem Zusammenschluss vorausgegangen war das immer häufigere Auftreten von Alt- und Neonazis in Fürth. Seit der NPD-Kreisverband Fürth gegründet wurde, versucht die NPD zunehmend mit Infotischen und Verteilaktionen den gerechtfertigten Protest gegen den Sozialkahlschlag für sich zu instrumentalisieren und mit verlogenen Parolen die Leute auf ihre Seite zu ziehen. Wir akzeptieren diese rassistische und menschenverachtende Propaganda nicht, sondern treten Nazis aktiv entgegen. Wir engagieren uns mit Flugblattverteilungen gegen die rechte Szene in Fürth, informieren an Ständen in der Fussgängerzone veranstalten kreative Aktionen, wie z.B ein Strassentheater zum Aufruf zur Courage gegen Rassismus. Wir leisten nicht nur gegen Faschismus Widerstand, sondern auch gegen die aktuell ungerechte Sozialpolitik. Wir verteilen Flugblätter gegen Sozialraub, wir setzen uns gegen das Ausreisezentrum in Fürth ein, wir solidarisieren uns mit sozial Benachteiligten, wie beispielsweise mit den ehemaligen AEG-Beschäftigten, und wirken in regionalen Bündnissen mit. Wir rufen jeden dazu auf sich gegen Nazis zu organisieren und werden der rechten Szene auch weiterhin aktiv entgegentreten!

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!"#$%&#’()#$#*’( +),-,.)#/*00 Was ist die Sicherheitskonferenz? Am 9-11.Februar war es wieder soweit, zum 55. mal trafen sich rund 270 Spitzenpolitiker und – militärs auf der Münchner Sicherheitskonferenz, um Militärstrategien und ökonomische Interessen aufeinander abzustimmen. Organisiert wird die Sicherheitskonferenz von Horst Teltschik, Vorstandsmitglied bei BMW und finanziert von der Bundesregierung. Horst Teltschik, der seit 1998 die Kriegstagung in München organisiert, ist bereits im Vorfeld unangenehm aufgefallen. Er beantwortete die Frage, was er von den Protesten gegen die SiKo halte, mit, "es ist die Tragik jeder Demokratie, dass bei uns jeder seine Meinung öffentlich vertreten darf und dass man politisch Verantwortliche in einer Demokratie schützen muss. In Diktaturen würde so etwas nicht passieren." Die Proteste Seit 5 Jahren organisieren Zusammenhänge, Gruppen und Einzelpersonen den Protest gegen die SiKo. Damals war der G8-Gipfel in Genua 2001 der Auslöser für den Protest von tausenden Menschen und auch dieses Jahr steht der G8-Gipfel, der in Heiligendamm stattfindet, im Fokus des Geschehens vieler Demonstrationen. So hat auch das „ Anti G8-Bündnis für eine revolutionäre Perspektive“, zu einem „Internationalistischen Block“ unter dem Motto „SiKo & G8 angreifen“ mobilisiert. An diesem Block beteiligten sich circa 1000 AntkapitalistInnen. Insgesamt protestierten rund 7000 Menschen am 10.Februar auf der Großdemonstration gegen die SiKo. An der bereits am Vortag stattgefundenen Kundgebung und anschließenden Fahrraddemo beteiligten sich ungefähr 500 Menschen.

Auch die [ALF] beteiligte sich an den Protesten gegen die SiKo

Die Demo Um circa 13:15 Uhr setzte sich die Großdemo stimmugsvoll in Bewegung und zunächst verlief alles friedlich. Doch als der „Internationalistische Block“ die laut Auflagenbescheid verbotenen Seitentransparente auspackte, da dieses Verbot eine erhebliche Einschränkung der Meinungsfreiheit bedeutet, hatte die Polizei einen Vorwand die Demo immer wieder brutal anzugreifen. Es kam im Verlaufe der Demo immer wieder zu Schlagstock- und Pfeffersprayeinsatz gegen die DemonstrantInnen. Insgesamt wurden am kompletten Protestwochenende von der Polizei, die mit 3500

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BeamtInnen im Einsatz waren, 46 Menschen festgenommen. Um 17:00 Uhr wurde die Demonstration von der Demoleitung am Karlsplatz aufgelöst, um weitere Übergriffe der Polizei zu verhindern. Die Repressionen im Vorfeld Die brutalen Übergriffe, der Polizei während der Demo waren jedoch nur eine Fortsetzung einer bereits seit Wochen anhaltenden Repressionswelle gegen AntikapitalistInnen. Am 17.1.2007, durchsuchte die Münchner Polizei 8 Objekte. Dabei handelte es sich um 3 Privatwohnungen, die selbstverwalteten Räume im “Ehemaligen Tröpferlbad“, die BasisBuchhandlung in der Adalbertstraße, der Kulturladen und eine Druckerei im Westend sowie benachtbarte Büroräume. Beschlagnahmt wurden Computer, diverse Schriftstücke und Broschüren… Begründet wurden diese „Kontrollen“ mit dem angeblichen Aufruf zu Straftaten in dem Flyer gegen die NATO-Sicherheitskonferenz und den G8 Gipfel. Und auch in Erlangen wurde das selbstverwaltete Jugendhaus von der Polizei durchsucht weil auch dort die Aufrufe gegen die SiKo auslagen. Aber es blieb nicht nur bei diesen Durchsuchungen, denn die für die Demo anreisenden Busse aus Berlin, Tübingen, Reutlingen und Stuttgart wurden kurz vor München ebenfalls durchsucht. Insgesamt wurden bei diesen Durchsuchungen 9 Personen vorläufig festgenommen. Von München nach Heiligendamm Die Proteste gegen die SiKo waren jedoch nur der Anfang der Antiglobalisierungsproteste für dieses Jahr, denn den ultimativen Höhepunkt stellt wohl der G8-Gipfel in Heiligendamm dar. Er findet vom 6-8.Juni statt. Die Mobilisierung gegen den Gipfel laufen nun schon seit einer Weile auf Hochtouren. Proteste werden von evangelischen Organisationen bis hin zu revolutionären antikapitalistischen Gruppen aus In-und Ausland angekündigt. Die verschiedenen politischen Strömungen einigten sich bereits auf einen gemeinsamen Fahrplan der Proteste: Samstag 2.Juni: Internationale Großdemonstration Sonntag 3.Juni: Internationale Auftaktveranstaltung, Wiederaneignung des Bombodromgeländes, Feldbefreiung durch „Gendreck-Weg“ Montag 4.Juni: Aktionstag Migration Dienstag 5.Juni: Blockade des Flughafens Rostock-Laage, Anreise der Gipfelteilnehmer, Beginn des Gegengipfels Mittwoch 6.Juni: Massenblockaden, Beginn des G8-Gipfels Donnerstag 7.Juni: Dezentrale Blockaden, Demonstration nach Heiligendamm, Grönemeyer Konzert Freitag 8.Juni: Ende des G8-Gipfels Während des kompletten Zeitraumes der Proteste wird es weitere kulturelle Ereignisse wie Konzerte und Partys geben. Doch nicht nur die Proteste formieren sich, nein, auch die Polizei stellt sich seit Monaten auf den Gipfel ein. Es werden mehr als 16000 PolizistInnen im Einsatz sein um die G8 zu beschützen. Auch wurde bereits Anfang des Jahres ein Kilometer langer Zaun, der circa 12 Millionen Euro kostete, um Heiligendamm gebaut um ein Eindringen in die rote Zone unmöglich zu machen.

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Vom Fankult über staatliche Repressionen zur Auflösung Nach fast 9-jährigem Bestehen haben sich die Ultras Fürth 1998, die wohl aktivste Fan-Gruppierung des Zweitligisten SpVgg Fürth am Anfang dieses Jahres aufgelöst. Die Stadt verliert damit eine aktive Jugendgruppe, die es nicht nur innerhalb des Stadions verstand, für Aufsehen zu sorgen. Um die Gründe für die Trennung, sowie einige Informationen über die UF zu erfahren, sprach die FAZ mit einem der ehemaligen Vorstände. Hallo, gib uns doch zunächst einen kurzen Überblick über die Geschichte der ehemaligen Ultras Fürth! Gegründet wurde die Gruppe 1998. Faktoren hierfür waren wie bei fast allen deutschen Ultra-Gruppierungen die seit Jahren fallende Stimmung sowohl akustisch, als auch optisch wieder anzuheben. An mehr dachte man zunächst eigentlich nicht. Im Laufe der ersten Jahre gab es deshalb auch keine Versuche etwas im Verein zu bewegen. Etwa ab dem Jahr 2002 versuchte man dann auch mithilfe von Choreographien über die ganze Nordtribüne für mehr Farbe und Leben im Ronhof zu sorgen. Schnell wurden wir zu der Gruppe, die im Stadion den Ton angab, auch wenn das manche Fanclubs bis heute immer noch nicht hören wollen. Wir legten als UF Wert darauf, dass die Fans für den Verein alles geben und sich nicht für Spieler, Sponsoren oder das Fernsehen prostituieren lassen, was wir in einem Flyer (4-seitig), der die letzten Jahre regelmäßig zu Spielen erschien, auch wiederholt klarstellten. Wir brachten auch seit 2 Jahren halbjährig ein Fanzine raus, leider brachte es “die Beichte” logischerweise nur auf 4 Ausgaben, die jedoch sehr lesenswert geworden sind. Im letzten Jahr der UF fielen vor allem die “Rebeldes Mocosos” (spa. für 'rebellische Grünschnäbel) auf, da sich die Älteren mehr und mehr zurückzogen. Leider war aber auch hier zu beobachten, dass Leute teilweise nur Mitglied der Ultras werden wollten um damit im Freundeskreis besser dazustehen, sich also zu profilieren, anstatt wirklich den Ultragedanken zu verfolgen. Das ist aber wohl in ganz Ultra-Deutschland so. Zu erwähnen ist hier noch, dass es 1992 schon einmal den Versuch gab eine Gruppe mit dem Namen “Ultras Fürth 92” entstehen zu lassen, das verlief damals aber leider im Sand.

Heimspiel der SpVgg Fürth gegen Dresden 2005 Was waren bei der Gründung die Ziele und wie haben sie sich im Vergleich zu denen der letzten Zeit geändert? Ich denke, dass am Anfang der Ultras Fürth 1998 die optische Unterstützung durch pyrotechnische Artikel an erster Stelle stand, man wollte auf sich aufmerksam machen und weniger auf die Fanszene der SpVgg, so ergaben sich natürlich schnell Probleme mit Verein und Polizei (1312!). In den letzten Jahren der UF 98 lag das Hauptaugenmerk eher in Sachen Fanpolitik und Steigerung der akustischen Unterstützung. Da man in der Zeit von 1998 bis 2001 eher nur durch Abrennen von Pyro aufgefallen ist, wollte/musste man die ”Nord” aber auch anders verschönern. So ergaben sich dann in den letzten Jahren wirklich schöne Choreographien, die wir meistens aus eigener Taschen oder manchmal auch durch Spenden aus der Fanszene bastelten. Man kann also sagen, dass Bengalos und Rauchpulver zuhause durch Blockfahnen und Folienbahnen ersetzt wurden. Das Hauptziel einer Ultragruppe, die Schaffung einer möglichst freien Kurve war natürlich ebenfalls ein wichtiger Punkt. Polizei, Sponsoren & Co sollten in unserem Block nichts zu suchen haben. Ganz aus dem Stadion konnte man diese Probleme natürlich nie halten, aber das schaffen ja nicht einmal große Gruppen z.B. in Frankfurt. Der Fußball sollte einfach so “eventfrei” wie möglich gehalten werden.

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Außerdem nahm man häufig an Vereinstreffen oder Fanclub-Sitzungen teil. Sicherlich wollte man in den letzten Jahren auch das Ansehen und die Akzeptanz innerhalb der Fanszene steigern, was aber niemals dazu führte, dass wir von unserer, doch etwas “anderen” und radikaleren Auffassung des Fußballs abkamen. Was war die Ursache für die Auflösung? Hierfür gab es zwei Hauptgründe. Einerseits lag die liebe Polizei, die sich mit ihrem Vorgehen nicht nur noch auf das Geschehen vor, am und nach dem Spiel befasste. So hatte man etliche Male am Wochenende auch Kollegen in Zivil an der Backe, die das Privatleben doch sehr beeinflussten. Sicher waren wir keine Unschuldslämmer was wir auch nie behauptet hätten, jedoch kann man bis jetzt nicht verstehen, wie die örtliche Polizei gegen Leute vorgeht. Unter anderem wurden wegen Bagatelldelikten wie 'Aufkleber kleben' Hausdurchsuchungen im großen Stil durchgeführt, bei denen u.a. Computer beschlagnahmt wurden. So eine Art der Repression kannte man bisher nur in der politischen Szene. Das könnte daran liegen, dass es hier in Fürth kaum Jugenbewegungen gibt, die noch für Aufruhr sorgen. Bestes Beispiel ist wohl die Zerschlagung der Graffitti-Szene 1997. Auch die hohe Anzahl an Stadionverboten dezimierte unsere Gruppe sehr, wir dachten zwar zunächst, dass man diese locker wegstecken könnte, doch merkte man sehr schnell wie die Jungs daran litten und sich auch zum Teil, verstänlicherweise, zurückzogen. Zu viele ältere Mitglieder waren es Leid sich Wochenende für Wochende kriminalisieren lassen zu müssen. Der zweite Grund für die Auflösung ist die Entwicklung ”unseres” Vereins, der SpVgg Fürth. Man kann einfach nur noch sagen, dass unser der ”moderne” Fussball kaputt gemacht hat. Die jetztige Fführung legt einfach keinen Wert mehr auf die glorreiche Geschichte und die damit verbundene Tradition des Vereins. Stattdessen gibt es Maskottchen, Wappenänderungen und Fusionen. Für diesen Präsidenten gibt es keine 'SpVgg Fürth' mehr. In den Medien heisst es nur noch ”Greuther”, doch das ist FALSCH, der Verein kommt nicht aus Greuth, wir waren immer schon “das Kleeblatt” oder einfach die ”Fädder”. Jahrelang hat man es nach dem Aufstieg hingenommen und akzeptiert, doch sind es heute einfach zu viele Punkte, die gegen diesen Verein wie er jetzt geführt wird sprechen, es hat sich mit der Zeit ins Unendliche gehäuft. Es ist natürlich nicht ganz einfach zu verstehen, wie man 10 Jahre lang diesem Kunstprodukt die Treue halten kann. Man muss dazu sagen, dass es nicht immer so war, denn das Kult-”Gärtla” (Kneipe im Stadion, Anm. der Red.) ist auch erst seit ein paar Jahren weg und man legte in den ersten Jahren nach dem Aufstieg auch noch nicht so viel Wert auf das Produkt ”Greuth” und den EventCharakter des Fußballs. Auch gingen viele schon vor der Fusion in den Ronhof und wuchsen buchstäblich mit dem Verein auf. In den letzten Monaten ließen sich die Schläge ins Gesicht aber nicht mehr hinnehmen. Zusamengefasst kann man sagen, dass wir vor der Polizei kapitulieren mussten und uns an diesem Verein und wie er seit einigen Jahren geführt wird, nicht mehr viel liegt. Wie stand UF zur Polizei? Wie zur Überwachung? Tja, UF und Polizei, das ist so ne Sache! Man kann sagen, dass seit 98 immer ein gespanntes Verhältnis gegeben war. Lag natürlich auch an unseren “illegalen” Pyro-Aktionen in den Anfangsjahren. Doch war das nichts zu dem, wie es in den letzten Jahren war. Man versuchte sogar einige Male, sich mit der Polizei an einen Tisch zu setzen, dies hat das Verhältnis aber insgesamt nur noch verschlimmert. Die Herren SKB´s versuchten es auch einige Male mit der ”Guter Polizist – Schlechter Polizist” - Masche ...aber war wohl nix! Zum Thema Überwachung kann man einiges sagen, Besuche daheim oder sogar auf dem Arbeitsplatz kamen nicht selten vor. Auch eine eigene Bildermappe von einem Großzeil der ehemaligen UF98 liegt der Polizeit vor. Und die Bespitzelung in der Stadt und nach Auswärtsspielen durch Zivilbeamte waren lästige Nebeneffekte. Das Verhältnis in dem was wirklich passiert ist und wie die Exekutive gegen uns vorging, stand in keinster Weise in Relation zueinander. Auch die Total-Überwachung in den neuen Stadien Deutschlands sahen wir stets sehr kritisch, wird die persönliche Freiheit dadurch doch beträchtlich eingeschränkt. Genauso ist es auch mit der Überwachung in anderen öffentlichen Räumen. Wie stark waren die Ultras Fürth von Repressionen betroffen? Und inwiefern gab es wenn es zu Repressionen kam, Solidarität in der Gruppe bzw vom Verein? Die stärksten Einschnitte durch die Polizei/Verein sind natürlich die Stadionverbote. Diese trafen uns jedes Mal aufs neue ziemlich hart. Bis in das Jahr 2011 müssen noch ehem. Mitglieder vor den Toren aller Stadien

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bis in Liga 3 stehen. Das sagt schon alles, egal was die jenigen angestellt haben mögen, sowas kann und will man keinem Anhänger zumuten. Für alle ist das die Faszination, zusammen im Stadion zu feiern und zu singen und das wird dann z.B. wegen einem umgeknickten Verrkehrsschild (Wert ca. 60 Euro) zunichte gemacht. Vor Gericht war einem dann, wenn man etwas mit den UF zu tun hatte, von vorneweg ein härteres Urteil des örtlichen Jugendrichters E. sicher, einfach aus dem Grund, dass er uns nicht mochte. Von einem “Rechtsstaat” konnt man da wie so oft nicht sprechen. Solidarität gab es von Seiten des Vereins nicht. Die ehem. UF 98 machten auf die Missstände in Flyern, Aufkleber, Spruchbänder, Parolen aufmerksam. Leider konnte man nur teilweise die Fanszene für dieses Thema und Problem interssieren. Zu sehr sind die Otto-Normal-Fans durch die Medien geblendet, die aus jedem aktiven Fan, der dazu noch kritisch und vielleicht auch noch an die Gesellschaft aneckt, einen rechtsradikalen besoffenen Hooligan machen. Intern gab es jedoch diverse Spendenaktionen bzw Soli-Partys um die Betroffenen zu stärken. Erkläre uns mal kurz die Parole "Gegen den modernen Fussball"! Das ist in einigen kurzen Stichpunkten, GEGEN die wir uns aussprache recht schnell getan: - Verkauf von Vereins- und Stadiennamen - Änderung von traditionsreichen Vereinssymbolen - Vollkommenen Überwachung und Kriminalisierung von Fussballfans - Stadien werden zu Event-Arenen - Geldgeile Funktionäre steuern den Ligaalltag - Allgemein völlige Missachtung von Fanrechten - usw. Eine genau Definition gibt es nicht, es ist eben eine einschlägig bekannte Parole in den euopäischen Stadien. Kann man die Ultrabewegeung im Allgemeinen als 'antikapitalistisch' bezeichnen? Das könnte man so sagen, man wehrt sich ja schließlich gegen die Auswüchse des Kapitalimus, dessen einziges Ziel es ist, viel Geld zu machen, wobei auf nichts und niemanden Rücksicht genommen wird. Hierzu könnten man viel schreiben, dies würde aber hier den Rahmen sprengen! In der Realität gibt es allerdings auch Gruppen, die ein stückweg ihre Ideale verkaufen und selbst mit Merchandising um sich schmeißen, um den schnellen Euro zu machen, ein gutes Beispiel dafür gibt es ja in unserer Nachbarsstadt zu bewundern. Es ist allerdings davon auszugehen, dass auch bei diesen Gruppen immer etwas “Höheres” dahintersteckt. Ist die Auflösung von UF der Anfang vom Ende für die deutsche Ultra-Szene? Das sicher nicht. Wir waren einge kleine Gruppe, die sehr leicht angreifbar war. Einige großen Gruppen wie in Frankfurt und auch Nünberg haben es da leichter. Doch denke ich schon, dass viele Gruppen, die gleichen Probleme wie wir haben. Sie wollen es sich vielleicht nur noch nicht eingestehen. Mit Repressionen haben so gut wie alle zu kämpfen, wir haben halt den Nachteil der im Verhältnis zu anderen, recht kleinen Stadt. Trotzdem fürchte ich, dass wir leider nicht die Letzten sind, die kapitulieren werden/müssen. Wie viel Einfluss hatten die UF im Verein und wie hat sich das gezeigt? Unser Einfluss war größer als mancher dachte. Man hatte ja auch lange recht guten Kontakt zum Verein und so kann man sagen, dass man für eine 40-Mann starke Gruppe mehr Einfluss hatte, wie alle offziellen Fanclubs zusammen. Vereinsinterne Informationen, zB der Stadion-Neubau wurden uns vor allen anderen mitgeteilt. Allerdings benutzte der Verein im Gegenzug desöfteren Choreos und andere Aktionen als Werbemittel in eigener Sache. Im Stadion kann man jetzt nach der Auflösung sehen, dass es die Fanszene nicht mehr schafft einen halbwegs akzeptablen Support auf die Reihe zu kriegen. Man muss sehen, wie sich das entwickelt, das kann sich ja ändern. Den Gesamt-Einfluss wollte fast keiner wahrhaben oder akzeptieren, doch ignorieren konnten sie ihn niemals. Wie wichtig war euch Streetart, also die "Verschönerung" eurer Stadt durch Aufkleber, Graffiti usw? Was heißt 'wichtig', es gehört in einem bestimmten Rahmen zu dieser Jugenbewegung dazu, sich auch selbst darzustellen und zu zeigen ”wer man ist” und ”von wo man kommt”. Man sieht es ja im Stadtgebiet. Doch nahmen es einige zu wichtig Aufkleber zu basteln und Tags zu bewundern. Denn diese ”Streetart” ist nur ein Nebeneffekt und sollte nicht zum Hauptaugenmerk der Ultrabewegung werden. Ich denke, dass viele Gruppierungen in Deuschland sehr viel Wert auf diese ”Nebensächlichkeiten”, legen was meiner Meinung nach der falsche Weg ist. UF war im Stadion unpolitisch, jedoch ließen manche Fahnen/Banner eine eher linke Prägung erkennnen. Gab es innerhalb der Gruppe politische Strömungen? Man muss dazu sagen, dass es früher auch mal ”anders” war, es war damals ”cool” einen leichten rechten Touch zu haben (ohne dabei politisch aktiv zu sein), doch das ging relativ schnell vorbei. So kann man sagen, dass wir unpolitisch waren. Natürlich hatte jeder seine eigenen Meinungen und Auffassungen, die am Spieltag jedoch nicht zählten. Eine linke Prägung würde ich es nicht nennen, doch lag es uns am Herzen, dass unsere Stadt, die auch durch ihr internationels Flair geprägt ist, auch so

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bleibt. Rechte Dumpfbacken waren und sind, im Gegensatz zur Nachbarsstadt nicht gerne gesehen im Ronhof. Die eine oder andere Fahne, die darauf hätte schließen können, dass wir ”links” seien kam von dem jüngen Klientel der ehem. UF98. Im Großen und Ganzen kann man schon sagen, dass eine antifaschistische Haltung vorhanden war, was denke ich keine politische Richtung vorgibt, sondern eher zum gesunden Menschenverstand dazugehören muss, man gibt ja auch sein Gehirn nicht am Eingang des Stadions ab, wenn man es betritt! Man bertrieb Politik allerdings auf andere Weise. Für uns war das Fanpolitik. Wir setzten uns für Fanrechte und mehr Selbstbestimmung ein und nahmen an diversen Veranstaltungen, Tagungen und Demos teil die sich mit Fanbelangen beschäftigten. Der oftgehörte Satz “football without politics” hatte unserer Meinung nach keine Bedeutung mehr im deutschen Fußball, zu oft ist man von Repressionen betroffen. Wie geht es jetzt weiter? Werden ehemalige UF'ler eine neue Gruppe gründen? Gute Frage... auf jeden fall war unser Schritt zu 100 %, das bedeutet, es gibt kein Zurück - es wird definitv keine Ultras mehr in Fürth geben. Man wird sehen, inwiefern einige Jugendliche noch Bock haben, etwas auf die Beine zu stellen. Es gibt sicher auch einige der älteren ehem. Mitglieder, die gar nicht mehr zur “SpVgg GREUTHER Fürth” gehen. Man kann noch nicht genau sagen, wie es für jeden Einzelnen weiter gehen wird, sofern er überhaupt ins Stadion darf. Alles in allem ist es doch eine sehr bedenkliche Entwicklung. Danke für das Interview! Auflösungserklärung unter www.ultras-fuerth.de

Die UF 98 kurz vor ihrer Auflösung am 19. Januar 2007

?787). Die Szenerie erscheint im ersten Moment unwirklich. Eine Gerichtsverhandlung in einem Hinterhof von Bamako, durch den, während Vertreter der afrikanischen Zivilgesellschaft ihre Plädoyers verlesen, Hochzeitsgesellschaften ziehen, Kinder zwischen den Beinen der Richter spielen und Ziegen und Hühner gehalten werden. Die Anklage richtet sich gegen die Institutionen der Weltbank, des internationalen Währungsfonds IWF und des G8-Gipfels, die mit ihrer Politik das Land zugrunde richten. Doch der Film ist keine stumpfe Schuldzuweisung an die westlichen Herrscher. Beeindruckend zeigt der Regisseur Abderrahmane Sissako mit dem Kontrast zwischen dem Alltag der Bevölkerung der Hauptstadt Malis und der Gerichtsverhandlung, wie die nördliche Welt mit der südlichen umgeht. So wenig wie das Leben der Menschen im Hinterhof von der Gerichtsverhandlung berührt wird, ist es den allzu abstrakt arbeitenden Institutionen kaum möglich, ihr Leben zu verbessern. Der afrikanische Kontinent versucht immer verzweifelter zwischen Verschuldung, Anpassung und Überlebenskampf seine Identität zu bewahren. Umso wichtiger wird es, im Namen aller derer zu sprechen, die nicht die Möglichkeit haben sich Gehör zu verschaffen. (Mali/Frankreich 2006, 115 Min.) ab 15.03. im Babylon Kino, Nürnberger Str. 3, Fürth, mehr unter www.babylon-kino.de Proteste gegen den G8-Gipfel im Sommer in Heiligendamm siehe S. 3

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Freiheit

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für Mumia Abu-Jamal!

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Am 9. Dezember 1981 wurde Wesley Cook, besser bekannt als Mumia Abu- Jamal, in den USA verhaftet und im Mai 83 wegen Mordes an einem Polizisten zur Todesstrafe verurteilt. Mumia war seit seinem 14 Lebensjahr politisch aktiv. Damals wurde er bei eine antirassistischen Kundgebung verhaftet und misshandelt. Daraufhin gründete er mit Freunden den Black Panthers Ortsverein Philadelphia. Die Black Panther Party war eine Organisation die alltägliche Polizeigewalt, rechtliche Diskriminierung und die Benachteiligung der schwarzen Bevölkerung nicht länger hinnehmen wollte und sich dagegen mit revolutionären Mitteln zur Wehr setzte. Gegen Ende der 70er Jahre machte sich Mumia als Radiojournalist einen Namen und wurde als unerbittlicher Kritiker der Stadtpolizei von Philadelphia bekannt, deren rassistische und brutale Übergriffe gegen Afroamerikaner und andere ethnische Minderheiten er immer wieder öffentlich scharf verurteilte. Trotz der dauernden Überwachung durch das FBI konnte man ihm nie eine Straftat nachweisen. Aus FBI Akten geht außerdem hervor das man ihm schon einmal einen Mord anhängen wollte, dies aber Fehlschlug da Jamal ein hieb- und stichfestes Alibi vorzuweisen hatte. In der Nacht im Dezember 81 beobachtete der Revolutionär Mumia Abu- Jamal, wie sein Bruder William bei einer Verkehrskontrolle durch den Polizeibeamte Daniel Faulkner misshandelt wurde, so dass er diesem zu Hilfe kommen wollte. Dabei soll Mumia laut Gerichtsurteil den Polizisten durch zwei Schüsse ermordet haben. Der Prozess gegen Mumia wurde damals zum Schauprozess, bei dem der amerikanische Staat ein rassistisches Exempel statuierte. Beweismittel wurden vernichtet, ZeugInnen verschwanden, wurden erpresst oder einfach bestochen. Außerdem befand sich in der Jury nicht ein einziger Schwarzer. Politische Gegner einfach aus dem Weg zu schaffen war damals gang und gebe in den USA. So wurde der erst 21 Jahre alte Black Panther Aktivist Fred Hampton im Dezember 69 durch ein Polizeikommando, im Auftrag des FBI, im *+,$-)./+01-,-2 Schlaf ermordet. Seit fast 25 Jahren sitzt Mumia nun in der Todeszelle. Immer wieder stand seine Hinrichtung kurz bevor, konnte aber stets im letzten Moment durch Berufungsanträge und ähnliches verhindert werden. Das Jahr 2007 wird nun sicherlich ein Entscheidendes. Wie sein Anwalt Robert R. Bryan auf der diesjährigen Rosa-Luxemburg-Konferenz erläuterte besteht die Möglichkeit zur Wiederaufnahme des Verfahrens gegen den ehemaligen Rundfunkjournalisten, der aus politischen und rassischen Gründen verurteilt wurde. Das Urteil ob es eine „neuen“ Prozesse geben wird, wird in diesem Frühjahr erwartet. Es ist wichtig erneut eine breit verankerte, weltweite Solidaritätsbewegung zu schaffen damit Mumia einen „neuen“ Prozess bekommt. Denn die zweite Möglichkeit des Urteils lautet: „Bestätigung der Todesstrafe“ die dann nur noch durch den Supreme Court gekippt werden könnte. Der Kampf um die Freiheit und das Leben von Mumia Abu Jamal ist auch ein Kampf gegen den Rassismus, die Unterdrückung und Diskriminierung der kapitalistischen Staaten dieser Erde. Nur gemeinsam können wir diesen internationalen Kampf um Gerechtigkeit gewinnen.

Sie tragen schwarz. Schwarze Sonnenbrille, schwarzer Kapuzenpullover und schwarze Basecap. Manche haben auch noch ein Palituch um. Wenn Mensch sich dieses Bild vorstellt, denkt er sofort an einen Autonomen, und zwar an einen linksradikalen. Doch bei diesen Personen handelt es sich um Nazis, die das machen was sie am besten können: Lifestyles kopieren. Sie nennen sich „Autonome Nationalisten“. Auf Demos reihen sie sich in einen sogenannten „schwarzen Block“ ein. Meistens tragen sie eine umgedrehte USA Fahne mit sich und schreien „Frei, sozial und national“. Sie nennen sich Antiimperialisten und Antikapitalisten und sind für einen sozialrevolutio nären K u r s. Wenn diese Leute eine Demo organisieren, kann das Demo Motto schon mal „Smash the System“ lauten. Außerdem spielen diese „Autono8*49#"5#8)6-:$7)$,)2$5;#5).+&454,#57&<2# men“ k e i n e Marschmusik, Balladen oder die „Schulhof CD“ wie üblich auf Nazi-Aufmärschen, sondern Hip Hop und (deutsch-) Punk dröhnen aus dem Lautsprecherwagen. Dass kann schon mal Pop Bands wie Juli /Silbermond, genauso wie die linken Dödelhaie oder Ton Steine Scherben treffen. Denn es kommt natürlich bei den Jugendlichen nicht auf den Musikgeschmack oder den Lifestyle an, sondern auf die Einstellung, und deshalb kann man ihrer Meinung nach auch diese Musik hören, sich im Hip Hop Outfit kleiden und trotzdem rechtsextrem sein. Selbst sehen sie sich natürlich als Nationalsozialisten. Der bekannteste Vertreter dieses neuen Zusammenschlusses ist Christian Worch. Die „Autonomen Nationalisten“ sehen ihre politischen Vorbilder, anders wie bei den anderen Nazis, eher bei den „gemäßigteren“ NSDAP’lern Otto und Gregor Straßer, die später von der NSAP Führung bei der „innerparteilichen Säuberungsaktion“ ermordet wurden. Diese Aussage entsetzt natürlich die strammen NSDAP Anhänger. So kam es in den letzten Jahren, als die Gruppierung der AN’ler an Einfluss gewann, dazu dass Nazis Foren von „Autonomen Nationalisten“ versuchten zu hacken, und ihnen mit Gewalt drohten. Es gab daraufhin in einigen internen Foren der Naziszene heftige Auseinandersetzungen von Autonomen Nationalisten und den „Ewiggestrigen“. Die „Autonomen Nationalisten“ bezeichnen sich als unabhängig und frei. Sie sind gegen eine schwarz-weiß-rote Deutschtümelei und eine 1933er Romantik. Sie meinen man sollte sich von der Möglichkeit die Macht durch einen Wahlerfolg einer Partei zu erreichen distanzieren, und mit diesem „ewiggestrigen Gelaber“ aufhören. Die Autonomen Nationalisten sehen sich auch als gezielte Provokateure der Alt-Nazis und nennen sich selbst „moderne nationale Sozialisten“. Den „Konservativen“ sind solche Äußerungen natürlich überhaupt nicht recht und sie stören sich an der gewollten Ähnlichkeit des Symbols der „N.SB.A.“ mit dem „Antifaschistischen Aktionszeichen“ (siehe Bild), was nur ein weiteres Mal bestätigt, dass Nazis sich immer öfter linker Symbolik bedienen. Genau dass wird den Autonomen Nationalisten auch vorgeworfen.

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Sie setzten auf die Mittel der Antifas um einen Erfolg zu verbuchen, doch dieser ist nach den Aussagen eines NPDKaders bei den „linksextremen“ Autonomen nicht zu verbuchen und außerdem würden sie so die Bürger abschrecken. Denn die Bürgers könnten ja meinen „Was wollen denn die? Die sind ja von dem was sie zu bekämpfen vorgeben, gar nicht zu unterscheiden.“ Auf Demos an denen der „nationale schwarze Block“ teilnimmt, wollen sie die Altnazis abschirmen und von der Demo ausschließen. In einem Beitrag des rechtsextremen „Störtebecker Netz“, schreiben die Macher des Netzwerkes, es sei ein „Faschingsgehabe“ und „dass die geistigen und kulturellen Krebsschäden in der bundesdeutschen Gesellschaft wohl doch noch tiefer sitzen als bisher gedacht, wenn sich jetzt schon Leute, die sich selber als „national“ bezeichnen, ausstaffieren wie ihre Gegner und deren Subkultur unisono übernehmen.“ . Man solle sie laut ihrer Aussage zwar „tolerieren“, aber nicht „akzeptieren“. Trotz dieser Streitereien im rechtsextremistischem Lager sollte man es aber weiterhin nicht unterschätzen. Obwohl diese offenen Anfeindungen eine tiefführende Spaltung erahnen lassen, ist immer öfter auch eine Zusammenarbeit der „Autonomen Nationalisten“ mit den „Alt-Nazis“ zu erkennen. Egal ob sie sich bürgerlich geben oder autonom nennen, die Grundlage stellt bei beiden eine rassistische und menschenverachtende Ideologie dar, die es zu bekämpfen gilt.

!"#$% &’()*+,-.,#(&//0(1(2//0 Zum 1. November 2007 jährt sich die erste urkundliche Erwähnung Fürths zum 1000. Mal und selbstverständlich freuen sich die meisten Bürger über dieses besondere Jubiläum. Auch die Stadt freut sich, nachdem sie besonders kräftig die Werbetrommel rühren darf und von JubiläumsBriefmarke bis Jubiläums-Prosecco alle erdenklichen Artikel im eigens eingerichteten Jubiläums-Shop vertreiben kann. Erfreulich ist auch eine, im Gegensatz zu anderen Großstädten, besondere Gegebenheit in der Fürther Stadtgeschichte, die seit 1528 mit dieser einhergeht: Die Geschichte der jüdischen Bevölkerung und deren besondere Stellung in Fürth. Zwar werden Juden in der Historie der Stadt bereits in den Jahren1440-1449 erwähnt, dann bricht die Überlieferung jedoch wieder ab. Die bleibende Ansiedlung beginnt 1528, als der Markgraf von Ansbach, einer der drei Herrscher von Fürth, einem Juden gegen ein hohes Schutzgeld erlaubt, sich in Fürth niederzulassen. Die jüdische Gemeinde war somit groß genug, um sich eigene Einrichtungen, wie einen Friedhof (1607) zu schaffen. Im selben Jahr wurde auch ein eigener Rabbiner bestellt. Zehn Jahre später wurde eine Synagoge gebaut, die im christlichen Teil der Bevölkerung keineswegs auf Ablehnung stieß. Daraufhin begann auch der zweite Machthabende in Fürth, der Dompropst von Bamberg mit der gezielten Aufnahme von Juden in Fürth, was jedoch ausschließlich wirtschaftliche Gründe hatte. Im Jahre 1600 gab

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es so neben 321 christlichen, auch 22 jüdische Familien in der Stadt, was eine verhältnismäßig hohe Anzahl darstellte. Auch lebten die Juden nicht, wie sonst üblich, in dafür vorgesehenen „Judengassen“, sondern mitten in Fürth, unter den christlichen Bürgern. Sie genossen zudem nahezu Gleichberechtigung und konnten sogar zum Bürgermeister gewählt werden. Als Fürth im 30-jährigen Krieg 1634 zerstört wurde, war die jüdische Bevölkerung mit ihren weitreichenden Handelsbeziehungen maßgeblich am Wiedererstehen der Stadt beteiligt. 1719 verfasste der Dompropst von Bamberg, zusammen mit zwei Vertretern der jüdischen Gemeinde (was durchaus etwas besonderes war und die außergewöhnliche Stellung der Juden verdeutlicht), das „Reglement für gemeine Judenschafft“, ein Abkommen, dass ihnen 39 Rechte, wie Religionsfreiheit etc, gewährte. Im 18. Jahrhundert stellt Fürth eine Hochburg jüdischer Gelehrsamkeit dar, die viele Studierende in die örtlichen Talmudschulen zog. Durch die Notwendigkeit von Schriftstücken für diese Schulen wurden zudem viele Druckereien eröffnet. Doch mit der Eingliederung Fürths in das Königreich Bayern im Jahre 1806 und des 1820 in Fürth eingeführten „Edikt die Verhältnisse der jüdischen Glaubensgenossen im Königreiche Baiern betreffend“ änderte sich die bislang gute Position der Juden. So gab es Vorschriften, die besagten, dass ausschließlich der älteste Sohn jüdischer Familien heiraten durfte und das auch nur im Todesfalle des Vaters. Solche Vorschriften dienten allein der Reduzierung der jüdischen Bevölkerung, so sank der Anteil an Juden in Fürth bis 1900 von 21% auf 5,5%. Mit der Spaltung der jüdischen Gemeinden in orthodoxe und reformierte im 19.Jahrhundert, kam es zur Wahl eines reformierten Oberrabbiners, der sich stark der christlichen Kirche annäherte. Nach einem Gespräch von diesem mit König Ludwig II kam es 1868 zu einer völligen rechtlichen Gleichstellung in ganz Bayern. In der Zeit der Industrialisierung keimte jedoch der Antisemitismus in ganz Deutschland auf und macht auch vor Fürth nicht halt. Der erste Weltkrieg verschärfte diese Lage noch. Auch im zweiten Weltkrieg blieb die Fürther Judengemeinde nicht vor den verabscheuungswürdigen Verbrechen der Nazis verschont. Pogrom und schließlich Deportation wurden auch in Fürth durchgeführt. Am Ende des Weltkrieges war die jüdische Gemeinde auch in Fürth zerstört, es lebten nur noch 23 Juden in der Stadt in sogenannten „Mischehen“. Der Wiederaufbau der Gemeinde geschah hauptsächlich durch Jean Mandel und durch den Rabbiner David Spiro. Doch trotz ihrer Bemühungen verlief die Entwicklung der jüdischen Gemeinde nicht immer gut. In den 60er Jahren versuchte die Stadt sich mit Denkmälern und anderen Aktionen vermehrt d e n vertriebenen Juden anzunähern. I m Jahr 2 0 0 5 zählte die jüdische Gemeinde in Fürth wieder 5 0 0 Mitglieder. 34,(!"#$%,#(56789*9,(:&;&0(1(<’&&’&<=>?

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+++POLITIK+++

AAABC)DE/-F)*@/G/B%*AAA +++MUSIK UND KULTUR+++ Do., 01.03., 20:00 Uhr, E-Werk, Erlangen Hans Söllner Sa., 03.03., Archiv Metroproletan Soliparty der Antifaschistischen Linken Fürth Do., 08.03., DESI Positive Maßnahmen! - Party zum 8. März - exclusiv für Frauen ab Do., 15.03., Babylon Kino, Nürnberger Str. 3, Fürth Filmvorführung - "Bamako" mehr auf Seite 5 und unter www.babylon-kino.de Do., 22.03.. DESI Filmvorführung - "Tod in der Zelle" anschl. barDJing - dj8 hits g8: battle deine Top 8 Sa., 24.03., (Ex)KOMM BEAT.EM.DOWN FESTIVAL The Shocks, Guerilla,The Confession, Dean Dirg,... mehr unter www.beatemdown.de Mi., 18.04., DESI Italienischer Streetpunk mit Los Fastidos Sa.-So., 20.-22.04., Maria Berlin Move Against G8-Festival: Gegen den G8-Gipfel 2007 Solifestival zu den Aktivitäten gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm mit Panteon Rococo, Los Fastidios, Pbrint Pas, Brigada Flores Magon, Mad Caddies, Talco,... mehr unter www.move-against-g8.org

Fr., 02.03., 19:00 Uhr, ArTelier, Knauerstr. 3 cena cubana - Soli-Menü für cuba und die jW Sa., 17.03., 11:00 Uhr, Würzburg Demonstration unter dem Motto: “Freiheit stirbt mit Sicherheit” Do.-So., 06.04 - 09.04., Leipzig 30. Kongress der Bundeskoordination Internationalismus Der diesjährige Kongress der BUKO steht unter dem Motto “Macht Netze gegen Machtnetze” und wird sich aus gegebenen Anlass mit der G8 beschäftigen Mai/Juni, Deutschland/Nürnberg Aktionen und Veranstaltungen zum G8-Gipfel (6.-8. Juni 2007) in ganz Deutschland. Mehr zu Terminen in Fürth und Nürnberg findet ihr unter www.redside.tk oder www.antifa-fuerth.de.vu

+++REGELMÄßIGE TERMINE+++ Montag, 19.00 Uhr Schwarze Katze Vokü & Kneipe Dienstag, 19.30 Uhr Archiv Metroproletan vegane Punkrock Vokü Mittwoch, ab 14.00 Uhr Schwarze Katze Nachmittagscafe +Selbsthilfe für Erwerbslose Mittwoch, 19.30-20.00 Uhr Anlaufstelle [`SOLID] Nürnberg Donnerstag, 19.00-22.00 Uhr Metroproletan Archiv&Bibliothek Donnerstag, 19.00-20.00 Uhr Schwarze Katze Anlaufstelle Antifaschistisches Aktionsbündnis Donnerstag,19.30 Uhr Desi Vokü Jeden 1. Mittwoch im Monat, 20.00 Uhr Schwarze Katze Rote Hilfe Jeden 1. Sonntag im Monat, 15.00 Uhr Schwarze Katze Jugendantifa-Cafe der Autonomen Jugend Antifa

+++VERANSTALTUNGSORTE+++

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Stadtteilladen Schwarze Katze Mittlere Kanalstr. 19, Nürnberg-Gostenhof Metroproletan Archiv & Bibliothek Eberhardtshoferstr.11, Hinterhaus, Nürnberg-Gostenhof Stadtteilzentrum Desi, Brückenstr. 23, Nürnberg-Johannis Rotes Zentrum, Reichstr. 8, Nürnberg-Johannis Zentralcafé im (Ex)KOMM, Königstr.93, Nürnberg-Altstadt Kunstverein im Z-Bau, Frankenstr. 200, Nürnberg Nachbarschaftshaus Gostenhof Adam-Klein-Str. 6, Nürnberg-Gostenhof Kunstkeller O27, Ottostr. 27, Fürth Gewerkschaftshaus Fürth, Königswarterstr. 16, Fürth

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Hey Leute, wir sind angewiesen auf Spenden um unsere Arbeit weiterzuführen und bitten euch uns dabei zu unterstützen.

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e-mail: Antifa-Fuerth@web.de www.antifa-fuerth.de.vu

ViSdP: Miriam Rüttler, Schwanthalerstr. 23, Nürnberg

Postanschrift: Antifaschistische Linke Fürth c/o Libresso Bauerngasse 14 90443 Nürnberg

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Fürther Antifa Zeitung (FAZ) #3  

Veröffentlichungen und Reden der Antifaschistischen Linken Fürth [ALF].

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