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▸Abb.5 Steffen Penschow (mitterechts), Alexander Bahls (ganz rechts), und Begleiter beim DST-Prozess gegen Redeker/Penschow

▸Abb.6 Neonazi-Besucher beim DST-Prozess

Schwerdt der Herausgeber und Brandt machte den Lokalteil.

der NPD-Funktionärin Mandy Schmidt zusammen. Dem Treiben von D.S.T. setzte der Wirbel zunächst kein Ende und die Behörden mussten einräumen, dass es im November 2007 einen Auftritt von „X.x.X“ also D.S.T., „Legion of Thor“ (Berlin), „Burn Down“ (Potsdam), „Blitzkrieg“ (Sachsen) und „Painful Awakening“ (Mecklenburg-Vorpommern) in Königs Wusterhausen (lt. Verfassungsschutz) bzw. in Berlin (lt. Neonazi Internetforum thiazi) gegeben hat. Die Band ersetzte in einer leicht veränderten Form der CD das inkriminierte Lied durch ein strafrechtlich nicht relevantes. Im Januar 2008 wurden in fünf Bundesländern im Zuge von Ermittlungen gegen „X.x.X.“ und „Burn Down“ wegen Liedern, die den nationalsozialistischen Völkermord leugnen, wiederum Wohnungen durchsucht. Verbotene Texte versuchten „X.x.X.“ und „Burn Down“ durch Auslassungen zu vermeiden, wobei durch die Reime der Sinn deutlich wurde. Zum Beispiel: „Das Kriegsbeil das wir nie begruben ist reserviert für all die ...“ Gemeint ist „Juden“ an dieser Stelle wird „Juhuhu“ gesungen. Ende November 2011 erfolgte die nächste Razzia wegen CDs der Band „X.x.X./D.S.T.“ bei Peter Brammann und seiner Freundin Daniela M. in Berlin-Kreuzberg. Auch die Keller- und Gewerberäume und ein CD-Depot im brandenburgischen Velten von Robert Wolinski (24) in Velten wurden durchsucht. Wolinski ist Mitglied der JN Brandenburg. Peter Brammann (geb. 1969) wurde bundesweit bekannt, als er am 23. August 2003 anläßlich eines illegalen Neonazi-Konzertes in Struppen (Sachsen) sein linkes Augenlicht verlor. Hier hatte u.a. die Berliner Neonazi-Band „Legion of Thor“ (L.O.T) gespielt. Der Band war Peter Brammann zusammen mit Marion Nippert und Thorsten Frank Jänsch nach Sachsen gefolgt. Auch die Berliner Blood & Honour Aktivistin Dorothee Bünger wollte L.O.T. hier live sehen. Nach dem Eintreffen der Polizei wurde durch die Neonazis die selbst installierte Sromversorgung abgeschaltet, um mit Flaschenwürfen massiv gegen die Polizeibeamten vorzugehen. Bei dieser Aktion wurde auch Peter Brammann durch einen Flaschenwurf am Auge verletzt.

Durchsuchungen Am 14. Februar 2007 wurden fünf Wohnungen in Berlin, Szeneläden in Berlin und Hennigsdorf („On the Streets“) sowie die Räume des Produzenten Schlaffer in Wismar durchsucht. In Wismar stießen die Beamten als Zufallsfund auf eine scharfe Pumpgun. In Hessen und Nordrhein-Westfalen waren CD-Presswerke betroffen, dort wurden Geschäftsunterlagen und eine Master-CD gefunden. Auslöser der Razzia war die bereits Jahre zuvor veröffentlichte D.S.T CD („Antwort aufs System“) mit antisemitischen Texten. Die Band veröffentlichte ihre „Antwort aufs System“ beim deutschen Label „NorthX“ (Wismar). Die Hersteller und Vertreiber dieser CD gerieten jedoch erst relativ spät ins Visier der Ermittler. Den D.S.T. Proberaum fanden die Ermittler offenbar nicht. Gründe gegen die Band vorzugehen gab es spätestens seit der 2001 erschienen CD „Deutsches Volk erwache“, dort heisst es: „Deutsche wehrt euch, stellt den Juden an die Wand!“ Die danach veröffentlichte CD „Gift für die Ohren“ verzichtete hingegen auf offenen NS-Bezug. Etwa einen Monat nach den ersten Durchsuchungen wurden erneut drei Wohnungen in Berlin sowie ein „Szeneladen“ in Brandenburg durchsucht und die CDs u.a. wegen öffentlicher Aufforderung zu Straftaten beschlagnahmt. Das neue Album war als eine Koproduktion mit „Burn Down“ (Potsdam) entstanden. Anfang August 2007 durchsuchte die Polizei in Berlin die Wohnung des Berliner Polizeibeamten Andreas Tanjsek, der im Verdacht stand an der CD mitgewirkt zu haben. Bei ihm, sowie in der Wohnung seiner Lebensgefährtin, der Berliner NPD-Funktionärin Michaela Zanker, fanden die Beamten Beweismittel. Zanker ist die Witwe von Alexander Scholz, ehemaliges Führungsmitglied der „Heimattreuen Deutsche Jugend“. Das dürfte nicht die einzige Querverbindung zwischen NPD und Hammerskins gewesen sein. So wohnte das D.S.T.-Bandmitglied Alexander Bejach zeitweise mit ▸Abb.8 Frank Lutz und Uwe Menzel

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▸Abb.7 Hartmut Spengler (in den 1990er Jahren)

Prozesse mit Freisprüchen Im Mai 2007 wurde Alexander Willibald Bahls, Schlagzeugers der Berliner Neonazibands „Spreegeschwader“ und D.S.T. wegen eines Überfalls im Oktober 2006 auf den Neonazimusikhändler Philip Schlaffer in Wismar (siehe AIB 74: „Neonazi Händler beraubt Neonazi Händler“) zu drei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Vor Gericht standen 2009 Peter Marko Brammann (Sänger), sein Bruder Alexander Brammann („Der Neffe“) sowie Alexander Daniel Hogh für eine ältere Musikproduktion. Die drei sollen 2002 zusammen mit Alexander Willibald Bahls und Alexander Bejach als Bandmitglieder von D.S.T. (bzw. den Aliasnamen „X.x.X.“ und „Dr. Sommer Team“) die-CD „Ave et Victoria“ im Ausland produziert haben. Auf dem Cover waren u.a. Hakenkreuze zu sehen. Den Vertrieb der illegalen Produktion übernahmen hierbei Protagonisten des „Hammerskin“-Netzwerkes, u.a. Steffen Penschow und Malte Redeker (Gjallarhorn Klangschmiede, siehe AIB 82: „Ankla▸Abb.9 Alexander Bahls (links) und Percy Sauer (rechts)

▸Abb.10 Peter Brammann

▸Abb.11 Robert Wolinski

Fight Back #5 - 2013  

Antifaschistische Recherche-Zeitschrift - Berlin/Brandenburg

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