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T HE ALPS Auf den Spuren Hannibals

Oberstdorf Entfernung

E5 2014

Meran Höhenmeter

Zurückgelegte Kilometer 120

Aufstieg 7.306 Abstieg 6.578

Länder

Höchster Punkt

Deutschland, Östereich, Italien

befindet sich auf 3.019 Meter


2014 A NDI

T INA

218 vor Christus zog der karthagische Heerführer Hannibal mit einem Teil seines Heeres von der iberischen Halbinsel nach Italien, um einem römischen Angriff auf Spanien und Nordafrika zuvorzukommen. Sein Kontrahent, der Konsul und Feldherr Publius Cornelius Scipio, erfuhr in Massilia von Hannibals Zug und versuchte vergeblich, ihn an der Rhône abzufangen. Hannibal führte anfänglich etwa 50.000 Soldaten, 9.000 Reiter, 25.000 Fußsoldaten, 12.000 Reiter und 37 Kriegselefanten mit sich. Vermutlich zog er über das Tal der Rhône und dann möglicherweise das Tal der Isère weiter in die Alpen. Bei den Elefanten handelte es sich um nordafrikanische Waldelefanten. Von der Rhône an dauerte der gesamte Aufstieg neun Tage. Berichtet wird die Irreführung Hannibals durch verräterische Führer. Es kam zu Kämpfen mit den Allobrogern. In den Bergen führte auch das schlechte Wetter zu Verlusten. Auf dem Pass musste das Heer drei Tage lagern, bis Geröll auf der Abstiegsseite beseitigt war. Berichtet wird von einem Blick in die Po-Ebene, die sich den Soldaten beim morgendlichen Aufbruch über den Pass bot. Den Abstieg beschrieb Livius als verschneit und rutschig. Von den Elefanten überlebte die Alpenüberquerung nur ein Tier mit Namen Suru. Die Überquerung der Alpen dauerte insgesamt 16 Tage.


2014 A NDI

T INA

218 vor Christus zog der karthagische Heerführer Hannibal mit einem Teil seines Heeres von der iberischen Halbinsel nach Italien, um einem römischen Angriff auf Spanien und Nordafrika zuvorzukommen. Sein Kontrahent, der Konsul und Feldherr Publius Cornelius Scipio, erfuhr in Massilia von Hannibals Zug und versuchte vergeblich, ihn an der Rhône abzufangen. Hannibal führte anfänglich etwa 50.000 Soldaten, 9.000 Reiter, 25.000 Fußsoldaten, 12.000 Reiter und 37 Kriegselefanten mit sich. Vermutlich zog er über das Tal der Rhône und dann möglicherweise das Tal der Isère weiter in die Alpen. Bei den Elefanten handelte es sich um nordafrikanische Waldelefanten. Von der Rhône an dauerte der gesamte Aufstieg neun Tage. Berichtet wird die Irreführung Hannibals durch verräterische Führer. Es kam zu Kämpfen mit den Allobrogern. In den Bergen führte auch das schlechte Wetter zu Verlusten. Auf dem Pass musste das Heer drei Tage lagern, bis Geröll auf der Abstiegsseite beseitigt war. Berichtet wird von einem Blick in die Po-Ebene, die sich den Soldaten beim morgendlichen Aufbruch über den Pass bot. Den Abstieg beschrieb Livius als verschneit und rutschig. Von den Elefanten überlebte die Alpenüberquerung nur ein Tier mit Namen Suru. Die Überquerung der Alpen dauerte insgesamt 16 Tage.


FACTS EQUIPMENT 14

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RUCKSACK ANDI

RUCKSACK TINA

3.000 m 2.500 m 2.000 m 1.500 m 1.000 m

Spielmannsau

Holzgau

Materialseilbahn

Simms-Wasserfall

Unterlochalm (1.556 m) Seescharte (2.599 m) Vernetbahn Zams

Roßgumpen Alm (1.329 m) Kemtner Hütte (1.844 m)

Memminger Hütte (2.242 m)


00 // HANNOVER // OBERST DORF // 665 KM // 01 // OBERSTDORF // KEMPTNER HUETTE // 8,5 KM // 1.100 M // 02 // KEMPTNER HUETTE // MEMMINGER HUETTE // 9 KM // 1.794 M // 03 // MEMMINGER HUETTE // ZAMS // 12,5 KM // 2.300 M // 04 // ZAMS // BRAUNSCHWEIGER HUETTE // 17 KM // 3.070M // 05 // BRAUNSCHWEIGER HUETTE // JAGDHUETTE VENT // 16,5 KM // 1.980 M // 06 // JAGDHUETTE VENT // MERAN (VERNAGT) // 11,9 KM // 2.200 M //

VON A NACH B

DER WEG IST DAS ZIEL

Hannover // Oberstdorf

Gesamtstrecke 125 km

Oberstdorf // Meran

Höhenmeter Auf 8.644 m

Meran // München

Höhenmeter Ab 7.937 m

München // Hannover

Höchster Punkt 3.019 m Niedrigster Punkt 760 m

Bushaltestelle Wenns

Endhaltestelle Mittelberg

Jagdhütte Vent (2.100 m)

Similaun-Hütte

Vernagt-Stausee

Gletscherstübele Braunschweiger Hütte (2.727 m)

Martin-Busch Hütte (2.485 m)


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Auf gehts – ab gehts 655 km

Anreise

Sonne

ANKUNFT IN OBERSTDORF

Mit dem Zug ging es Richtung Oberstdorf. Den Blick auf das Unerwartete gerichtet, freuten wir uns auf das, was kommen mag. In Oberstdorf angekommen ging es traditionell erst mal in den Biergarten – ein ordentliches Maß wollten wir uns nicht entgehen lassen. Und dann aber schnell einen Schlafplatz suchen. Wir zogen los und liefen die ersten Kilometer. Ein kleines, stilles Plätzen im Wald sollte es sein, hier ließen wir uns nieder. Dann hieß es Zelt aufbauen, Kocher anschmeißen und ankommen.

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Das Abenteuer beginnt 8,5 km

1.100 Hm

Sonne

OBERSTDORF KEMPTNER HUETTE

Nach unserer ersten Nacht in der „Wildnis“ Bayerns wurden wir vom Läuten der Kuhglocken geweckt. Nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns auf den Weg. Kurzen Fußes später entdeckten wir ein kleines Paradies. Der türkis-grüne Christlesee zog uns einfach magisch an. Wir genossen diesen wundervollen Ort und füllten frisches Wasser auf. Wir zogen weiter Richtung Spielmannsau. Mit einem leichten Auf und Ab bereiteten wir uns auf unseren ersten Aufstieg vor.

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Spielmannsau 1.071 meter

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Spielmannsau in Sicht

Wir erreichten unser erstes Etappenziel – die Spielmannsau, die auf 1.071 Meter liegt. An der letzten Berghütte deckten wir uns noch mit frischem Bergkäse und Worscht für eine Brotzeit ein und zogen von dannen. Wir verließen endlich den Asphaltweg und hoch über der Trettach, die von zahlreichen Schneefeldern bedeckt war, beginnt der Anstieg. Schnell merken wir – das ist nicht der Harz .

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Nach etwa einer weiteren Stunde wurde es Zeit für eine Brotzeit, denn unsere Mägen meldeten sich zu Wort. Am Ufer des Sperrbaches suchten wir uns ein Plätzchen zum Rasten. Hier wurden genüsslich unsere Mitbringsel vertilgt, ein Schlückchen frisches, klares Bergwasser rundeten die Mahlzeit ab. Nun hießt es aber weiterziehen und über einen Metallsteg stiegen wir in Kehren steil bergauf zur Wallfahrtskapelle „Maria am Knie”. Kurz nach der Kapelle senkte sich der Weg wieder hinab zum Sperrbach, den wir über einen Holzsteg zur linken Bachseite querten. Uns erwartete die letzte Stunde Aufstieg durch den oberen Sperrbachtobel zur Hütte. Der Weg ist hier abwechslungsreich in den Fels gesprengt. Mit Erreichen der ersten grünen Grashänge sehen wir bald rechts oberhalb die Kemptner Hütte beim Kratzerfeld.

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The Place to be

Mit Erreichen der Kemptner Hütte hatten wir unsere erste Reifeprüfung hinter uns gebracht. Die Hütte liegt eingebettet in einen grandiosen Felskessel, umgeben von 2.300 m hohen, felsigen Bergen (Kratzer 2.428 m, Fürschießer 2.271 m, Oberes Mädelejoch 1.974 m). Fürs Erste interessierte uns die schöne Aussicht nicht, denn unser erster Gedanke war – Schuhe aus, Radler rein. Nach den ersten drei erfrischenden Schlucken konnten wir nun auch den Ausblick auf die uns umgebenden Allgäuer Alpen genießen. Nach einer stärkenden Flädlesuppe machten wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz für die Nacht. Wir fanden auf einem kleinen Plateau unweit der Kemptner Hütte den epischen Platz zum Zeltaufschlagen. Mit den letzten Sonnenstrahlen zogen wir uns ins Zelt zurück und ließen uns zufrieden und glücklich vom Grollen des Berges in den Schlaf wiegen.

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Vom Nebel in die Sonne 9 km

1.794 Hm

Sonne

14 km

KEMPTNER HUETTE MEMMINGER HUETTE

Nach einer ruhigen Nacht fiel unser erster Blick aus dem Zelt auf eine Nebelwand. Wir packten unsere sieben Sachen zusammen und beschlossen ohne Frühstück loszuziehen, um die ersten Höhenmeter der langen Etappe hinter uns zu bringen. Wir stiegen in südlicher Richtung gemütlich zum Mädelejoch hinauf. Vorbei am Kratzer und Muttlerkopf überquerten wir die Grenze nach Österreich. Über Stock und Stein ring es weiter bergab.

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Einmal Speckknödelsuppe, bitte.

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Zum Glück lichtete sich langsam der Nebel und die Sonne erleichterte uns den anspruchsvollen Abstieg über viel Geröll und Wurzelkram zur Roßgumpen Alm (1.329 m). Da sich nun langsam der Hunger bemerkbar machte zogen wir unsere Mittagspause einfach vor und gönnten uns eine kräftige Speckknödelsuppe; die gab uns neue Kraft um den weiteren Abstieg bis nach Holzgau zu meistern. Um unseren Weg weiter fortsetzen zu können, mussten wir es mit einer Herde Kühen aufnehmen, die meinten, die Straße für sich in Anspruch zu nehmen. Danach ging es aber weiter auf dem Fahrweg durch das Höhenbachtal.


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Am Simms-Wasserfall bricht das Höhenbachtal steil in einer engen, dunklen Schlucht ins Lechtal ab, bevor man Holzgau – ein Tiroler Bilderbuchdorf – erreicht. Bereits wenige Meter nach dem Ortseingang erwartete uns am Gasthof Bären das Taxiunternehmen „Feuerstein“, das uns zur Materialseilbahn der Memminger Hütte brachte. Um unseren Rücken eine kleine Auszeit zu gönnen, ließen wir unsere Rucksäcke nach oben transportieren.

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LECHTALER ALPEN 2.242 meter

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Hütte in Sicht

Kurz hinter der Materialseilbahn überquerten wir den Parseierbach und stiegen in steilen Kehren durch Latschenkiefern hinauf unter die Nordflanke des Seekogels. Wir überquerten den Seewibach mit seiner Steilstufe, über die das Wasser gut 70 Meter in die Tiefe stürzt und legten hier eine kurze Pause ein, um uns am frischen Wasser des Baches zu erfrischen. Ab hier ging es steil eine Schlucht hinauf, bis wir die Hochfläche erreichten. Nach einem weiteren kurzen Stück am Bach entlang überblickten wir den hochgelegenen Talkessel, umgeben von Seen und Wasserläufen, in dem die Memminger Hütte (2.242 m) thront. Die Hütte liegt umschlossen von zackigen Graten und gleicht einem natürlichen Amphitheater. Hier hat man das Gefühl in Mittelerde angekommen zu sein. Pferde, die auf saftigen Wiesen grasten, der See, der friedlich vor uns lag und die Sonne, die ihre letzten Strahlen über den traumhaften Felsgarten, der so wild und schön zugleich war, schickte. Sollte sich hier aber ein Gewitter zusammenbrauen – dann gnade Gott. Zum Glück wurden wir in unserem Zelt nur Zeuge eines kleinen Grummelns.

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Die Seescharte – das Tor Richtung Süden 12,5 km

2.200 Hm

Dauerregen

MEMMINGER HUETTE ORTSCHAFT ZAMS

Nachdem wir unsere Sachen zusammengepackt hatten und es ein leckeres, typisches Bircher Müsli gab, ging es südöstlich auf die bereits sichtbare Seescharte zu. Wir umkreisten den kleinen Seewisee, überquerten den Zufluss und stiegen links in das Kar hinauf. Über einen schottrigen Karsthang ging es steil hinauf zum höchsten Punkt der vergangenen Tage, der Seescharte (2.599 m). Hier war Vorsicht geboten, denn es war neblig und rutschig.

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LECHTALER ALPEN 2.242 meter

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„Es regnet Katzen und Pipapo“ (Xabier Montero)

Beim Schritt durch das schmale Felsentor der Seescharte erwartete uns erneut eine Nebelfront. Der steile, steinige Weg von der Seescharte hinab ins Lochbachtal war kein großes Vergnügen. Für die nächsten fünfeinhalb Stunden ging es im strömenden Regen nur bergab. Wir kamen nach dreieinhalb Stunden völlig durchnässt an der Unterlochalm (1.580 m) an. Unsere Illusion nach einer warmen Hütte und einer heißen Schokolade wurde genauso im Regen ertränkt wie Andis Boxershorts . Nach einem kurzen Klamottenwechsel und einer heißen Tasse Tee ging es auch schon weiter. Die nächsten zwei Stunden trotteten wir wie in Trance auf einem Saumpfad immer tiefer ins Zammer Loch. Doch es war höchste Konzentration geboten, denn der extrem schmale Abstieg verwandelte sich in einen rutschigen und gefährlichen Pfad. Zams war bereits früh sichtbar aber wirklich näher kam der Ort (gefühlt) nicht. In Serpentinen geht es weiter durch einen Nadelwald, dem Ziel entgegen.

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In Zams angekommen suchten wir uns ein Dach über dem Kopf und gönnten uns ein fürstliches Abendessen. Völlig erschöpft und heilfroh, gut angekommen zu sein, fielen wir ins Bett. Deutschland musste ohne uns Brasilien mit einem 7:1 aus der WM kicken.

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Wo sind die Berge? 17 km

3.070 Hm

Graupel

Seilbahn

31,5 km

ORTSCHAFT ZAMS BRAUNSCHWEIGER HUETTE

Ausgeschlafen und mit einem ordentlichen Frühstück begann der Tag wieder regengetränkt. Mit der Venetbahn ging es auf den Krahberg (2.208 m). Hier bot sich ein umfassender Rundblick auf die Ötztaler Alpen im Süden, das Pitztal und das Kaunertal – wenn die Wolken nicht gewesen wären.

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Die heißersehnte Schoki

Oben angekommen, wurde nochmal eingehend die Lage gecheckt und die Mützen tief ins Gesicht gezogen – hier oben zog ein eisiger Wind durch unsere Jacken. Da sich die Berge partout nicht zeigen wollten, wählten wir eine Alternativroute und schlugen den direkten Weg zur Galfunalm (1.961 m) ein. Von der Glanderspitze führte uns der Weg im leichten Bogen nach Nordosten über das Wannejöchl zum Kreuzjoch (2.464 m). Leicht durchnässt kamen wir an der Galfunhütte an und sollten hier nun endlich unsere lang ersehnte, heiße Schoki mit Schlag bekommen. Nach einer kurzen Aufwärmpause zogen wir auch schon weiter und trafen auf unsere drei Wanderfreunde, die sich uns anschlossen. Wir wiederum schlossen uns der Bergschule an, die uns anbot, von Wenns aus im Bus mitzufahren. Dort begann die etwa einstündige Fahrt nach Mittelberg am Ende des Pitztals.

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Ganz hoch hinaus

Am Ausläufer des Mittelberg Ferners (1.736 m) begann unser Zustieg zur Braunschweiger Hütte. Wir erreichten die Gletscherstube (1.891 m), die letzte Einkehrmöglichkeit vor dem heutigen Etappenziel. Von hier aus „nur“ noch etwa drei Stunden zur Braunschweiger Hütte. Auf dem Gletscherweg folgten wir dem alten E5 durch eine bizarre Landschaft. Nun wurde es steil und wir ereichten die Schneegrenze. Plötzlich ein lautes Grollen und Tosen. Erschrocken schauten wir uns um und wurden Zeugen einer Lawine die gegenüber am Berg in die Tiefe stürzte. Von Weitem ganz nett anzusehen ...

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Jetzt wurde die Luft dünner und somit wurde es noch mal richtig steil und anstrengend bevor die Hütte endlich in Sichtweite kam. Doch dann zeigt sie sich im Sonnenlicht und wir konnten einen kurzen Blick auf die weißbedeckten Berge und den blauen Himmel erhaschen – was aber nur ein sehr kurzweiliges Erlebnis war, denn mit dem nächsten Wimpernschlag zogen die dicken Wolken wieder an uns vorbei.

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Sündigen auf höchstem Niveau

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Das hatten wir uns nun reichlich verdient. In lustiger Runde saßen wir mit unseren drei Bergfreunden zusammen und genossen das gigantische Schnitzel. Obendrauf gab es zum Nachtisch noch eine ordentliche Portion Kaiserschmarrn – die Folgen kamen später . An den Nachbartischen machte sich Unruhe breit, da es die ganze Nacht durchschneien sollte und der Pass voraussichtlich unpassierbar werden würde – wir ließen uns überraschen.


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KARLESKOPF 2.901 meter

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Schnee, nichts als Schnee 16,5 km

1.980 Hm

Schnee/Nebel

4 km

BRAUNSCHWEIGER HUETTE JAGDHUETTE VENT

Die Nacht brachte einen halben Meter Neuschnee, nichtsdestotrotz machten wir uns auf den Weg. Wir 端berquerten das Schneefeld und stiegen hinauf zur Steinmauer unterhalb der Liftanlagen. Teilweise mit Drahtseilen gesichert, erreichten wir nach etwa einer Stunde das Rettenbachjoch (2.990 m).

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Rodeln mitten im Sommer

Durch den Tiefschnee stiegen wir hinab Richtung Parkplatz am Rettenbachgletscher (2.684 m). Die einen zu FuĂ&#x; unterwegs, die anderen auf ihrem Poncho . Was ein kurioses Bild. Mit ein bisschen Schnee hatten wir ja schon gerechnet, aber nicht mit der Rodelpartie mitten im Sommer. Unten angekommen hieĂ&#x; es Abschied nehmen von unseren drei Bergfreunden. Von hier brachte uns das Taxi in acht Minuten durch den Rosi-Mittermeier-Tunnel auf die andere Bergseite. Dann begann der Abstieg in Richtung Vent.

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OETZTALER ALPEN 2.900 meter

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Andi der Hirte

Der Weg brachte uns leicht abfallend oberhalb des Venter Tals in vier Stunden nach Vent. Am Weißkarsee (2.658 m) bot sich nach etwa zwei Stunden ein schöner Rastplatz. Leider war es auch hier wieder stürmisch und regnerisch, also zogen wir schnell weiter. Wir kämpften uns durch die Wolken und vernahmen plötzlich aus dem Nichts ein Klingeln und vor uns stand eine Herde Bergschafe. Die fanden großen Gefallen an Andi und begleiteten ihn – nein, sie verfolgten ihn, bis wir hinter der nächsten Biegung verschwunden waren. Über einige kleine Gegenanstiege stiegen wir weiter talwärts. Links von uns blickten wir auf die Stubaier Alpen, vor uns das Venter Tal mit der Kreuzspitze (3.455 m), dem Hausberg der Martin-Busch-Hütte. Dann mündete unser Pfad in einen asphaltierten Fahrweg, der uns in 30 Minuten nach Vent (1.896 m) brachte. Sogar die Sonne begrüßte uns.

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VENT 1.896 meter

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Glück gehabt!

Da wir hörten, dass die Martin-Busch-Hütte wegen Umbauarbeiten überfüllt sein soll, freuten wir uns wieder auf eine Nacht im Zelt und beschlossen, auf halber Strecke zur Hütte zu nächtigen. Aber erst gönnten wir uns eine ausgiebige Pause mit einer anständigen Brotzeit. Im Venter Kaufhäusel konnten wir unsere Vorräte auffüllen. Mit dem Kassierer hielten wir einen kleinen Plausch und informierten uns über die Wetterlage in der Nacht. Er wurde etwas hellhörig als er erfuhr, dass wir wild campen wollten und erklärte uns mit erhobenem Zeigefinger, dass dieses streng verboten ist. Na toll, da sind wir genau an den richtigen geraten. Andi hatte ausgerechnet den Jagdpächter angequatscht. Da wir aber scheinbar so vertrauenswürdig aussahen, erlaubte er uns auf seinem Gelände unser Zelt aufzuschlagen und sogar den Brunnen an seiner Jagdhütte zu nutzen – Glück gehabt!

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Romantikfeeling pur

Weiter ging es ins Niedertal Richtung Martin-Busch-Hütte. Wir liefen ca. eine Stunde Richtung neue Schäferhütte und erspähten die versteckte Jagdhütte. Hier fanden wir einen romantischen Platz zum Schlafen. Sogar der blaue Himmel war seit langem mal wieder zu sehen und die Berge zeigten sich schüchtern. Wir waren also guter Dinge für die bevorstehende Nacht – doch der Schein trog. Nach einer heißen Tasse Tee zogen wir uns ins Zelt zurück und vernahmen ein leichtes Tröpfeln; aber das sollte nur der Anfang sein.

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Die Nase voll vom Regen 12,5 km

2.200 Hm

Regen/Schnee

Trampen

JAGDHUETTE VENT ZIEL MERAN ERREICHT

Nach einer sehr nassen Nacht waren wir froh, weiterziehen zu können. Wir wollten endlich Wärme und Sonne! Unsere Sachen packten wir provisorisch zusammen und suchten Schutz bei einer kleinen Kapelle (Am Kaser 2.150 m). An der alten Schäferhütte vorbei, kämpften wir uns im Regen weiter Richtung Martin-Busch-Hütte (2.501 m). Hier gab es eine kurze Rast.

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Die letzten Kräfte aktivieren

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Von der Martin-Busch-Hütte zogen wir weiter durch das Niederjochtal, hinauf zur Similaunhütte (3.019 m), dem Übergang ins Süddtiroler Schnalstal. Wir stiegen steiler hinauf auf die Seitenmoräne des Niederjochferners. Zu guter Letzt kämpften wir uns noch durch ein großes Schneefeld das die letzten Kräfte in Anspruch nahm. Dann sahen wir rechts oberhalb das ehemalige Zollhaus. Nach etwa zwei Stunden erreichten wir das Niederjoch mit der Similaunhütte, der höchste Punkt unserer Alpenüberquerung. GESCHAFFT – das war der letzte Aufstieg unserer Tour. Jetzt erst mal aufwärmen, trocknen und glücklich sein! Bevor es zur letzten Etappe ging, gönnten wir uns noch eine heiße Schoki und eine Speckknödelsuppe.


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Das Ziel vor Augen

Nach den ersten Metern sahen wir bereits unser Zwischenziel – den grün schimmernden Vernagt-Stausee. Bei diesem Anblick war der Süden förmlich zu spüren und in greifbarer Nähe. Wir stiegen hinab Richtung Schnalstal. Der Abstieg war für die ersten 45 Minuten recht steil, felsig und ausgesetzt. Dann wurde der Weg breiter und flacher und führte uns über Almwiesen und durch einen Lärchenwald. Je näher wir unserem Ziel kamen, um so mehr streikten die Beine. Aber jetzt noch mal Zähne zusammenbeißen und weiter mit dem Ziel vor Augen. Dann erreichten wir das Örtchen Vernagt (1.690 m). Wir ließen uns völlig erschöpft auf die Bushaltestellenbank fallen und hofften auf ein schnelles Weiterkommen Richtung Meran. Aber was tun, wenn der Bus nicht kommt? Daumen raus und warten ... Doch das war nicht nötig, da binnen Sekunden ein Auto hielt und uns direkt nach Meran bis vor die Haustür brachte. Auf unserem Balkon angekommen, konnten wir es immer noch nicht glauben, wir haben es geschafft – die Alpen wurden erfolgreich überquert! Jetzt ein kühles Bier, Schuhe aus und das Gesicht in die Sonne halten – perfekt! Und ja, wir sind schon ein wenig stolz!

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VERNAGT-STAUSEE 1.689 hoehenmeter

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Es sich richtig gut gehen lassen Partanes Hof

Meran

Sonne

SIE HABEN IHR ZIEL ERREICHT

Welch eine Wohltat. Kein Weckerklingeln, die Sonne zeigte sich von ihrer besten Seite, wohltuende 25 Grad und dazu ein Frühstück, das keine Wünsche offen ließt. Perfekter könnte so eine Alpenüberquerung nicht enden. Noch ein paar erfrischende Runden durch den Pool und dann auf nach Meran. Mit dem Drahtesel erkundeten wir das traditionsreiche Örtchen, das sich über die Hänge und in der Ebene im Schnittpunkt von Vinschgau, Passeier und Etschtal erstreckt.

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Es gab viel zu entdecken

Wir liefen die Sommerpromenade Fluss aufwärts des Passer entlang, streiften durch die kleinen Gässchen und genossen unser Eis. Zum krönenden Abschluss gab es ein fürstliches Abendessen und wir ließen die Tour Revuepassieren. Doch am Himmel braute sich was zusammen. Von unserem Balkon konnten wir ein Naturspektakel sondergleichen erleben. Es schepperte in alle Richtungen und der Donner hallte durch die umliegenden Berge. Gut eineinhalb Stunden öffneten sich die Schleusen. Von den Bergen war nichts mehr zu sehen. Vom Bett aus ganz nett anzusehen. In der Früh machten wir uns auf in Richtung Heimat.

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2014 A NDI

T INA

218 vor Christus zog der karthagische Heerführer Hannibal mit einem Teil seines Heeres von der iberischen Halbinsel nach Italien, um einem römischen Angriff auf Spanien und Nordafrika zuvorzukommen. Sein Kontrahent, der Konsul und Feldherr Publius Cornelius Scipio, erfuhr in Massilia von Hannibals Zug und versuchte vergeblich, ihn an der Rhône abzufangen. Hannibal führte anfänglich etwa 50.000 Soldaten, 9.000 Reiter, 25.000 Fußsoldaten, 12.000 Reiter und 37 Kriegselefanten mit sich. Vermutlich zog er über das Tal der Rhône und dann möglicherweise das Tal der Isère weiter in die Alpen. Bei den Elefanten handelte es sich um nordafrikanische Waldelefanten. Von der Rhône an dauerte der gesamte Aufstieg neun Tage. Berichtet wird die Irreführung Hannibals durch verräterische Führer. Es kam zu Kämpfen mit den Allobrogern. In den Bergen führte auch das schlechte Wetter zu Verlusten. Auf dem Pass musste das Heer drei Tage lagern, bis Geröll auf der Abstiegsseite beseitigt war. Berichtet wird von einem Blick in die Po-Ebene, die sich den Soldaten beim morgendlichen Aufbruch über den Pass bot. Den Abstieg beschrieb Livius als verschneit und rutschig. Von den Elefanten überlebte die Alpenüberquerung nur ein Tier mit Namen Suru. Die Überquerung der Alpen dauerte insgesamt 16 Tage.


ENTWEDER MAN FINDET EINEN WEG, ODER MAN SCHAFFT EINEN WEG. - Hannibal (247/246–183 v. Chr.), Feldherr und Staatsmann Karthagos -


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THE ALPS  

Alpenüberquerung auf dem Fernwanderweg E5 von Oberstdorf nach Meran 2014. // Crossing the alps on the european long distance path E5 from O...

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Alpenüberquerung auf dem Fernwanderweg E5 von Oberstdorf nach Meran 2014. // Crossing the alps on the european long distance path E5 from O...

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