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KULTURRING HEILBRONN E.V. www.kulturring-heilbronn.de

»PERSPEKTIVEN HEILBRONN« KONZERTREIHE FÜR NEUE MUSIK —

TRIO CORIOLIS (MÜNCHEN) — Sonntag, 29. April 2018, 18.00 Uhr Städtische Museen Heilbronn


»PERSPEKTIVEN HEILBRONN« KONZERTREIHE FÜR NEUE MUSIK — Konzert IV — Sonntag, 29. April 2018, 18.00 Uhr Städtische Museen Heilbronn —

TRIO CORIOLIS (MÜNCHEN) THOMAS HOFER, Violine KLAUS-PETER WERANI, Viola HANNO SIMONS, Violoncello Programm:

ERNST TOCH (1887 -1964) Streichtrio op. 63 (1936) Allegro - Adagio - Allegro

PHILIPPE MANOURY (*1952) Gestes (1992) Pause

GEORGES APERGHIS (*1945) Faux Mouvement (1995)

PASCAL DUSAPIN (*1955) Microgrammes (2010)

Gefördert:


Für THOMAS HOFER (Violine), KLAUS-PETER WERANI (Viola) und HANNO SIMONS (Violoncello) ist die Corioliskraft Sinnbild für die Summe der Energie, welche jeder dieser eigenen Sichten innewohnt. Alle drei Musiker sind Mitglieder im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Durch Ausbildung und Werdegang sind sie sowohl in alter als auch in neuester Musik zu Hause. Bei renommierten Lehrern wie Igor Ozim, Ana Chumachenco, Kurt Guntner, Walter Nothas und Martin Ostertag an den Musikhochschulen in Wien, Köln, Karlsruhe und München erfolgte ihre musikalische Ausbildung.

ERNST TOCH wurde am 7. Dezember 1887 als Sohn eines jüdischen Ledermachers in Wien geboren. Er studierte zunächst Philosophie und Medizin in Wien und Heidelberg. Der Ge-winn des ersten Preises bei einem Kompositionswettbewerb mit einem Streichquartett, das ein Schulfreund ohne Tochs Wissen eingereicht hatte, und der Mozart-Preis der Stadt Frank-furt für seine Kammersinfonie F-Dur (1906) ermöglichten ihm 1909 das Klavier- und Kompositionsstudium. Von 1913 bis 1929 lehrte er an der Musikhochschule in Mannheim und avancierte in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg zu einem der gefragtesten Komponisten Deutschlands. Nach der NS-Machtergreifung fand diese Erfolgskarriere ein jähes Ende. Toch emigrierte 1936 nach Los Angeles, war dort aber nur bedingt erfolgreich und konnte sich nicht wie erhofft als Filmkomponist in Hollywood etablieren. Toch schrieb u.a. sieben Sinfonien (die 2. als Albert-SchweitzerSinfonie bezeichnet, die 3. wurde 1956 mit dem Pulitzer Prize ausgezeichnet), 13 Streichquartette, Klavierwerke (Der Jongleur 1923), Vokalwerke (Die chinesische Flöte 1923), zwei Opern (Die Prinzessin auf der Erbse 1927, Der Fächer 1930) und Filmmusiken (Heidi). Ernst Toch starb am 1. Oktober 1964 in Los Angeles. Am 1. Dezember 1942 richtete die Musikwissenschaftlerin Anneliese Landau, einst treibende Kraft im Jüdischen Kulturbund Berlin, aus dem amerikanischen Exil einen Brief an Ernst Toch, in dem sie ihn um Auskunft über verschiedene Fragen grundsätzlicher und biographischer Art bat. Zu den letzteren merkte Toch am 18. Dezember 1942 an: ‘Ich verließ Deutschland im April 1933 und ging nach London, wo ich bis September 1934 lebte. […] In die USA kam ich im September 1934 durch einen Ruf an die New School


of Social Research, an der ich zwei Jahre lang Komposition unterrichtete. Im August 1936 ging ich nach Kalifornien. Dort unterrichtete ich Komposition an der University of Southern California.’ In jenem Jahr 1936 - Toch hatte die erste Komposition für einen Hollywood-Film abgeschlossen, die zweite unmittelbar vor sich - schrieb er sein Streichtrio op. 63. Es ist ein Exilwerk, denn es sicherte und verhallte. Es verhallte, denn es konnte erst 1955 veröffentlicht werden. Es sicherte vor allem das Vertrauen des Komponisten in seinen eigenen Weg. Das Streichtrio ist dreisätzig. Die Form des ersten Satzes entsteht aus variierenden Kreisläufen seiner Grundgedanken. Tochs Musik spricht jedoch heftiger, schärfer, leidenschaftlicher. Die Durchführung der Themen droht stellenweise auszubrechen, als wären zentrifugale Kräfte am Werk. Den zweiten Satz entwickelt Toch aus einem Geflecht gesanglicher Linien, weit gespannt die einen, fast eingezwängt eng die anderen; er steigert sie in erregte Bewegung, bei der die Parts eigene Wege einzuschlagen scheinen. Auch hier operieren zentrifugale Kräfte. Im Finale wirkt der Vitalismus der Zwanzigerjahre gebrochen durch Passagen des Innehaltens und verdichtet durch eine höhere Komplexität des Tonsatzes. In der Mitte verdämmert die Musik fast, zieht sich in die Tiefe eines Cello-Solos zurück. Die Reprise des Anfangsgedankens setzt danach wie in einem Filmschnitt ein.

PHILIPPE MANOURY gilt als einer der wichtigsten französischen Komponisten und als Forscher und Wegbereiter auf dem Gebiet der Musik mit Live-Elektronik. Trotz seiner intensiven Ausbildung als Pianist und Komponist (er studierte unter anderem beim Schönberg-Schüler Max Deutsch, bei Gérard Condé, Michel Philippot und Ivo Malec) sieht er sich als Autodidakt: „Die Komposition muss aus einer inneren Sehnsucht heraus geboren werden und erfordert kein Gepäck an Vorbedingungen.“ Nach zweijähriger Lehrtätigkeit an brasilianischen Universitäten führt ihn sein komposito-risches Interesse für mathematische Modelle ans Pariser IRCAM: Hier arbeitet er ab 1981 gemeinsam mit dem Mathematiker Miller Puckette an MAX/MSP, einer Programmiersprache für interaktive LiveElektronik. Aus dieser Forschung heraus komponiert er zwischen 1987 und 1991 den Zyklus Sonus ex machina, der sich der Interaktion zwischen akustischen Instrumenten und computergenerierten Klängen in Echtzeit widmet – ein The-


ma, das ihn bis heute immer wieder in seinem künstlerischen Schaffen und seinen musiktheoretischen Texten beschäftigt. Das Moment der Interaktion prägt auch seinen Zugang zum großen Orchester: Er macht es zu einem Klanglaboratorium, in dem neue Möglichkeiten des Zusammenspiels erprobt werden. Dazu gehört zunehmend die räumliche Disposition der Klänge im Konzertsaal. In seinem 2013 in Donaueschingen uraufgeführten und mit dem Orchesterpreis ausge-zeichneten Werk In situ beispielsweise teilt er das Orchester in Gruppen auf, die um das Publikum herum platziert sind. Angeregt von François-Xavier Roth, der die Uraufführung dirigierte, erweitert Philippe Manoury die Komposition zu einem großangelegten RaumwerkeTriptychon für das Gürzenich-Orchester Köln: Über vier Jahre hinweg erklingen die einzelnen Teile der Köln-Trilogie, deren erster Teil Ring bereits im Mai 2016 mit großem Erfolg uraufgeführt wurde und im September 2017 seine französische Erstaufführung erfährt. Der erneuten Aufführung von In situ im November 2017 folgt 2019 der abschließende Teil, besetzt mit Orchester, Chor, Sängersolisten und Schauspielern und inszeniert von Nicolas Stemann. Der Saisonbeginn 2017/18 steht ganz im Zeichen von Kein Licht: eine musiktheatrale Zusammenarbeit mit dem Regisseur Nicolas Stemann, die sich als work-in-progress zwischen Musikund Sprechtheater entwickelt. Die Grundlage bildet der Text Kein Licht von Elfriede Jelinek, welcher sich auf die Reaktorkatastrophe von Fukushima bezieht. Nach der Premiere bei der RuhrTriennale 2017 finden weitere Aufführungen in Straßburg, Paris, Zagreb und Luxembourg statt. Im Juli 2018 spielt Emmanuel Pahud mit dem Gürzenich-Orchester Köln unter François-Xavier Roth ein neues Flötenkonzert. Gestes beinhaltet acht kurze Sätze für Streichtrio, die sich auf eine musikalische „Universal-Geste“ zurückführen lassen. Es entstand als Auftragswerk für das Pariser Théâtre du Châtelet und wurde am 28. April 1994 dort uraufgeführt.


GEORGES APERGHIS, als Sohn des Bildhauers Achille Aperghis und der Malerin Irène Aperghis in Athen geboren, bildete sich weitgehend autodidaktisch als Maler und Komponist aus. 1963 übersiedelte er nach Paris, wo er 1965 die Schauspielerin Édith Scob heiratete. Musikalisch wurde er von Komponisten wie Pierre Schaeffer, Pierre Henry und Iannis Xenakis, John Cage und Mauricio Kagel beeinflusst. 1971 erschien mit La Tragique histoire du nécromancien Hieronimoet et de son miroir sein erstes Werk für das Musiktheater. 1976 gründete er die Theatergruppe Atelier Théâtre et Musique (ATEM) in Bagnolet (seit 1991 am Théâtre des Amandiers in Nanterre). Hier wurden bis zur Auflösung der Gruppe mehr als zwanzig Stücke aufgeführt, darunter La bouteille à la mer (1976), Conversations (1985), Enumérations (1988), Jojo (1990), H (1992), Sextuor (1993) und Commentaires (1996). 2011 erhielt er den Mauricio Kagel Musikpreis der Kulturstiftung NRW, 2016 den Preis der Christoph-und-StefanKaske-Stiftung.

PASCAL DUSAPIN, geboren am 29. Mai 1955 in Nancy, studierte Kunst und Ästhetik an der Université de Paris IVSorbonne, gleichzeitig war er Student bei Olivier Messiaen am Pariser Konservatorium. Er besuchte von 1974 bis 1978 die Seminare von Iannis Xenakis, den er als seinen „musikalischen Vater“ bezeichnet, Edgar Varèse nennt er seinen „musikalischen Großvater“. Später besuchte Dusapin die Kurse von Franco Donatoni. Dusapin war 1981-83 Stipendiat der Académie de France à Rome. Im Jahr 2000 war er „compositeur en résidence“ in Strasbourg, 2006/07 Professor am Collège de France. Pascal Dusapins Schaffen ist in besonderem Maße angeregt durch außermusikalische Inspirationen aus den Bereichen der Literatur, des Theaters sowie der bildenden Künste. Bedeutsam ist in diesem Zusammenhang seine Zusammenarbeit mit Dominique Bagouet, Olivier Cadiot sowie James Turrell. Die starke Betonung des kompositorischen Handwerks schlägt sich nieder in Partituren, in denen sich Polyphonie als Resultat sorgsam gezeichneter Stimmverläufe und ins Einzelne verästelter Kontrapunktik ergibt. Er schafft rhythmisch hochkomplexe, für die Musiker aufwendig zu erlernende Partituren. Seine Musik lässt sich der mathematisch-intellektuellen Strömung zuordnen.


Herausgeber: Kulturring Heilbronn e.V. Geschäftsstelle: Heilbronner Reisebüro Böhm Sülmerstr. 13 / Tel. 0 71 31/62 40 17 Texte: Lothar Heinle / Die Komponisten Gestaltung: www.wsk-werbung.de


Konzerte der Abonnementreihe im Theodor-Heuss-Saal der Festhalle Harmonie, Beginn 19.30 Uhr Donnerstag, 12. Oktober 2017

Streichquartett

CUARTETO CASALS

Dienstag, Ensemblekonzert 28. November 2017 OXALYS Donnerstag, 11. Januar 2018

Liederabend

Dienstag, 06. Februar 2018

Saxophon-Quartett mit Violine

Freitag, 09. März 2018

Klavierabend

Mittwoch, 18. April 2018

Klavierduo

Mittwoch, 02. Mai 2018

Cello-Klavier-Duo

ANDRÈ SCHUEN, Bariton DANIEL HEIDE, Klavier ARCIS CLAIRE HUANGCI LUCAS & ARTHUR JUSSEN EDGAR MOREAU, Violoncello DAVID KADOUCH, Klavier

Konzerte der Reihe »Perspektiven Heilbronn« in den Städtischen Museen Heilbronn, Beginn in der Regel 19.30 Uhr Mittwoch, 25. Oktober 2017

MATTHIAS LORENZ (Dresden), Violoncello

NATASHA LÓPEZ (Stuttgart), Sopran Mittwoch, 06. Dezember 2017 ULRICH SCHLUMBERGER (Stuttgart), Akkordeon Sonntag, 04. März 2018, 18.00 Uhr

_ELEKTRONISCHE MUSIK_

Sonntag, 29. April 2018 18.00 Uhr

TRIO CORIOLIS (München)

Trio Coriolis  
Trio Coriolis  
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