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KULTURRING HEILBRONN E.V. www.kulturring-heilbronn.de

LIEDERABEND

ANDRÈ SCHUEN, BARITON DANIEL HEIDE, KLAVIER DONNERSTAG, 11. JANUAR 2018 19.30 UHR


Liederabend

ANDRÈ SCHUEN, Bariton DANIEL HEIDE, Klavier 3. Veranstaltung der Kulturring-Konzertreihe 2017/2018, Theodor-Heuss-Saal, 19.30 Uhr Programm ROBERT SCHUMANN 1810–1856 Liederkreis, op.24 und ausgewählte Lieder Text: Heinrich Heine Morgens steh‘ ich auf und frage – Nr. 1 Es treibt mich hin – Nr. 2 Ich wandelte unter den Bäumen – Nr. 3 Lieb’ Liebchen – Nr. 4 Schöne Wiege meiner Leiden – Nr. 5 Warte, warte wilder Schiffmann – Nr. 6 Berg’ und Burgen schaun herunter – Nr. 7 Anfangs wollt ich fast verzagen – Nr. 8 Mit Myrten und Rosen – Nr. 9 Lehn deine Wang’ – op. 142, 2 Dein Angesicht – op. 127, 2 Mein Wagen rollet langsam – op. 142, 4 Tragödie I, Entflieh’ mit mir, op. 64, 3a Tragödie II, Es fiel ein Reif, op. 64, 3b Du bist wie eine Blume – op. 25, 24

PAUSE HUGO WOLF 1860 –1903 Ausgewählte Goethe-Lieder Harfenspieler I (Wer sich der Einsamkeit ergibt) – Nr. 1 Harfenspieler II ( An die Türen will ich schleichen) – Nr. 2 Harfenspieler III (Wer nie sein Brot mit Tränen aß) – Nr. 3

FRANK MARTIN 1890 –1974 Sechs Monologe aus dem »Jedermann« Text: Hugo v. Hofmannsthal Ist alls zu End das Freudenmahl – Nr. 1 Ach Gott, wie graust mir vor dem Tod – Nr. 2 Ist als wenn eins gerufen hätt – Nr. 3 So wollt ich ganz zernichtet sein – Nr. 4 Ja! Ich glaub: solches hat er vollbracht – Nr. 5 O ewiger Gott! O göttliches Gesicht – Nr. 6


Guten Abend, schon früh erhielt Andrè Schuen verschiedene Preise; 2016 wurde er für seine erste CD als »Nachwuchskünstler des Jahres« mit dem ECHO Klassik ausgezeichnet. Zusammen mit seinem Partner am Klavier, Daniel Heide, der bei Christa Ludwig und Dietrich Fischer-Dieskau wertvolle Anregungen erhielt und schon so bekannte Künstler wie Christoph Prégardien, Roman Trekel, Antje Weithaas, Tabea Zimmermann oder Julian Steckel begleitet hat, wird er Lieder von Robert Schumann, Hugo Wolf und Frank Martin nach romantisch-ironischen Heinegedichten, den Harfnerliedern von Johann Wolfgang von Goethe aus dem „Wilhelm Meister“ und dramatisch verzweifelten Monologen aus dem «Jedermann« von Hugo von Hofmannsthal vortragen. Ein gutes, gesundes Jahr 2018 voller Zufriedenheit für Sie und heute einen schönen Abend mit Andrè Schuen und Daniel Heide! Die Texte zu diesem Liederabend finden Sie auch auf der Seite des Kulturrings www. kulturring-heilbronn.de.

Gefördert von der Stadt Heilbronn


ANDRÈ SCHUEN

Der Bariton Andrè Schuen stammt aus dem ladinischen La Val (Südtirol, Italien) und wuchs dort dreisprachig auf – ladinisch, italienisch und deutsch, eine Vielseitigkeit, die sich in seinem jetzigen Gesangsrepertoire widerspiegelt. Obwohl lange Jahre das Cello sein Hauptinstrument war, entschied er sich für ein Gesangsstudium an der Universität Mozarteum Salzburg bei Professor Horiana Branisteanu sowie Lied und Oratorium bei Professor Wolfgang Holzmair. Die Saison 2017/2018 beginnt Andrè Schuen in seiner Paraderolle als Don Giovanni zunächst in einer Neuproduktion an der Opéra National de Lorraine in Nancy und kurz darauf am Grand Théâtre de Luxembourg. Im März debütiert er in der Neuproduktion von Leoncavallos I Pagliacci an der Oper Genf als Silvio und schließlich zum Ende der Saison am Teatro Regio in Turin, wo er den Guglielmo singt. Liederabende führen ihn zum Bayerischen Rundfunk nach München, und außerdem zum Amsterdamer Concertgebouw. Im nächsten Jahr ist er infolge seiner mit großer Begeisterung aufgenommenen Liederabende bei der Schubertiade gleich viermal zu Gast in Hohenems und Schwarzenberg. Am Konzerthaus Dortmund residiert er nun in der dritten Saison als »Junger Wilder«. Im Mai 2018 wird er bei den Salzburger Pfingstfestspielen als Solist im


Brahms-Requiem in der Londoner Fassung für Soli, Chor und Klavier zu vier Händen mit dem Intendanten Markus Hinterhäuser selbst am Klavier sowie PierreLaurent Aimard auftreten. Dort ist Andrè Schuen schon seit 2010 bekannt, damals zunächst als Mitglied des Young Singers Project und in der Folge bei verschiedenen Produktionen der Salzburger Festspiele unter Simon Rattle und Riccardo Muti. Auf der Konzertbühne ist Andrè Schuen in dieser Saison außerdem u. a. in Gabriel Faurés Requiem mit dem NHK Symphony Orchestra erstmals in Japan zu erleben, mit den Wiener Symphonikern unter Philippe Jordan und auch mit dem Orchestre National de France unter Trevor Pinnock in Bachs Weihnachtsoratorium. Vergangene Highlights auf der Konzertbühne waren Auftritte mit den Berliner Philharmonikern unter Simon Rattle, beim WDR Sinfonieorchester unter Jukka-Pekka Saraste oder beim Swedish Radio Symphony Orchestra und den Bamberger Symphonikern unter Daniel Harding. Von 2010 bis 2014 war Andrè Schuen Ensemblemitglied der Oper Graz. Andrè Schuen war einer der wenigen Sänger, der gleich dreimal im Da Ponte-Zyklus von Nikolaus Harnoncourt am Theater an der Wien zu hören war: als Figaro, Don Giovanni und Guglielmo, woraufhin er den ORF-Publikumspreis des Österreichischen Musiktheaterpreises erhielt. Andrè Schuen ist dem Theater an der Wien weiterhin eng verbunden. Dort begeisterte er gleichermaßen Publikum und Fachpresse unter anderem in Giovanni Paisiellos Il Barbiere di Siviglia (Titelpartie) unter René Jacobs, als Don Fernando in Beethovens Fidelio, als Graf in Strauss‘ Capriccio und zuletzt in der Titelpartie der Uraufführung von Anno Schreiers Hamlet in der Regie von Christof Loy. Weitere Rollendebüts führten ihn in der letzten Saison nach Genf als Marcello (La Bohème) sowie mit einer Neuproduktion von Mozarts Le Nozze di Figaro als Conte nach Angers und Nantes. Mit dem Pianisten Daniel Heide führten ihn Auftritte unter anderem in die Wigmore Hall in London, nach Oxford, zum Heidelberger Frühling sowie ans Wiener Konzerthaus. Auch Gerold Huber zählt zu seinen


Liedpartnern, mit dem er sein Debüt bei der Schubertiade in Hohenems gab. Im Sommer 2017 feierte Andrè Schuen sein USA-Debüt mit Liederabenden beim renommierten Tanglewood-Festival sowie beim Aspen Music Festival gemeinsam mit Andreas Haefliger. Auf seinen ersten beiden vorliegenden Lied-CDs präsentiert sich Andrè Schuen mit Liedern von Schumann, Wolf und Martin gemeinsam mit dem Pianisten Daniel Heide sowie mit Werken von Beethoven, die er mit dem Trio Boulanger aufgenommen hat.

DANIEL HEIDE Der aus Weimar stammende Pianist Daniel Heide zählt zu den gefragtesten Liedbegleitern und Kammermusikern seiner Generation. Seit seinem Studium an der Franz-Liszt-Hochschule seiner Heimatstadt bei Prof. Ludwig Bätzel und wegweisenden Anregungen bei Christa Ludwig und Dietrich Fischer-Dieskau konzertiert er in ganz Europa und Asien. Zu seinen ständigen Partnern zählen Sänger und Sängerinnen wie Andrè Schuen, Christoph Prégardien, Simone Kermes, Ingeborg Danz, Britta Schwarz, Roman Trekel und Tobias Berndt. Ausserdem spielt er Liederabende mit Fatma Said, Sophie Harmsen, Sophie Klussmann, Marie Seidler, Hanno Müller-Brachmann, Luca Pisaroni, Melanie Diener, Ruth Ziesak, Johannes Weisser, Christian Immler, Stephan Genz, Sebastian Noack und Hans-Jörg Mammel. Mit der deutsch-griechischen Mezzosopranistin Stella Doufexis verband ihn eine enge Zusammenarbeit. Ihre gemeinsam aufgenommene CD »Poemes« mit Liedern von Claude Debussy erhielt den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Als Partner in Sonatenabenden konzertierte er mit Solisten wie Tabea Zimmermann, Antje Weithaas, Wolfgang Emanuel Schmidt, Jens Peter Maintz, Friedemann Eichhorn, Barbara Buntrock, Julian Steckel, Isang


Enders, Konstanze von Gutzeit, Benoit Fromanger, Danjulo Ishizaka u. a.. Einen wichtigen Impuls für seine Karriere als Liedbegleiter stellt 2011 die Gründung der Konzertreihe »Der lyrische Salon – Liederabende auf Schloss Ettersburg« dar. Als pianistischer Partner einer Vielzahl renommierter Gesangssolisten hat er dort schon in über 40 Liederabenden mitgewirkt. Seine aktuelle CD mit Liedern von Robert Schumann, Hugo Wolf und Frank Martin, die er gemeinsam mit dem Südtiroler Bariton Andrè Schuen aufgenommen hat, ist 2016 mit dem ECHO Klassikpreis in der Kategorie »Bester Nachwuchssänger« ausgezeichnet worden.

SCHUMANN LIEDERKREIS OP. 24 Es war eines der produktivsten Jahre in Robert Schumanns (1810-1856) Künstlerleben: das Jahr 1840. Es war vor allem ein Jahr der Lieder. In dem Dichter Heinrich Heine hatte Schumann einen verwandten Geist gefunden. Als Gipfel seiner Auseinandersetzung mit Heine entstand schließlich die »Dichterliebe«. Aber auch im wenige Monate zuvor komponierten Liederkreis op. 24 klingt schon vieles an, was später den Liedkomponisten Schumann ausmacht. Der Liederkreis op. 24 ist schwärmerischer erster Ausdruck einer neuen Hochstimmung Schumanns und eines bislang kaum gekannten Tatendrangs. »Ach, Clara, was das für eine Seligkeit ist, für Gesang zu schreiben; die hatte ich lang entbehrt«, schreibt Schumann an seine Braut. Noch im selben Jahr 1840, das künstlerisch und privat so wichtig ist für den Komponisten, wird er Clara heiraten. Schumanns Vertonungen schlagen meist einen viel sanfteren, hoffnungsvolleren Ton an als Heines Gedichte, in denen es doch vor allem um gescheiterte und schmerzvolle Liebe geht, und aus denen oft eine gewisse Bitterkeit spricht.


Durch das ganze Opus 24 zieht sich das Thema des Wanderns, und der verschiedenen Landschaften, denen man auf seinem Weg begegnet – Liebeslandschaften natürlich, aber auch echte Landschaften. Die Sammlung der neun Lieder beginnt mit der beunruhigten Frage des verschmähten Liebenden, ob seine Angebetete wohl kommen wird. Schumann fasst Heines Text in sehnsuchtsvoll träumerische Klänge, die im zweiten Lied einer fieberhaften Ungeduld weichen. Die Wanderung durch die Seelenlandschaft des verzweifelt Liebenden führt durch die Trostlosigkeit in »Ich wandelte unter Bäumen« bis zur Todessehnsucht, wenn in »Lieb‘ Liebchen, leg’s Händchen« die Herzschläge des Wanderers mit dem Hämmern eines Sargbauers gleichgesetzt werden – das Klavier klopft gleichsam die Nägel ins Holz. Die beiden nächsten Lieder bilden den schmerzerfüllten, zentralen Höhepunkt des Zyklus: Bevor Sarkasmus, Ironie und Verbitterung triumphieren, lässt Schumann den Schmerz in Heines Lyrik noch einmal in einer wunderbar wiegenden Melodie fast

als sanftes Liebeslied erklingen. Am Ende des Zyklus leitet schließlich ein kurzes, letztes stoisches Verzagen in das Schlusslied über: »Mit Myrten und Rosen«. Der Dichter verschließt seine von unglücklicher Liebe durchdrungenen Lieder in einem Totenschrein. Während aus Heines Versen Resignation spricht, klingt in Schumanns Musik eine versöhnliche Zukunftsvision an, die sich in nostalgische Träumerei auflöst. Und der Zyklus schließt sich auch im harmonischen Sinne, wenn Schumann am Ende zur Anfangstonart D-Dur zurückfindet. Mit Schumann und Heine haben zwei große romantische Geister zueinandergefunden. Schumann widmet seinen Liederkreis op. 24 einer künstlerischen Weggefährtin, der Sängerin Pauline Viardot. Auch an Heine schickt er ein Exemplar, bekommt jedoch keine Antwort, und es ist nicht sicher, ob der Dichter die Aus-


gabe überhaupt erhalten hat. Diese neun frühen Lieder können durchaus als Vorstufe der wenige Monate später entstandenen »Dichterliebe« verstanden werden, in der sich Schumann noch intensiver mit Heine auseinandersetzt.

SCHUMANN HEINE-LIEDER Schumann stellte die Sammlung op. 142 im Jahr 1852 zusammen. Die beiden Heine-Vertonungen, »Lehn deine Wang an meine Wang« und »Mein Wagen rollet langsam« waren ursprünglich für den Zyklus »Dichterliebe« vorgesehen. Im Lied »Lehn deine Wang an meine Wang« wird die ironische Übersteigerung durch die Musik betont: Vorandrängende Triolenfiguren der Begleitung und eine komplexe Steigerung beider Strophen. Das Ende mit seiner melodischen Gegenbewegung, der Öffnung zur Dominante und dem ausschwingenden Nachspiel bringt den erwarteten befreienden Abschluss. Vier der Fünf Lieder und Gesänge des Opus 127 wurden 1840 komponiert – Schumanns »Jahr des Liedes«, in dem er mindestens 137 Gedichte vertonte. Unter diesen sind die 16 der »Dichterliebe«, op. 48, alle Vertonungen von Heinrich Heine (1797-1856). Insgesamt schrieb Schumann 41 Lieder aus Heines Gedichten. »Dein Angesicht« betrachtet das Antlitz eines Menschen, den der Dichter kürzlich in einem Traum gesehen hat. Er kommentiert, wie süß und hübsch sie ist und wie rot ihre Lippen sind, aber bald »küsst sie bleich der Tod«. Beim »Todeskuss« bewegt sich Schumann in dunklere Harmonien, kehrt aber dann zum Charakter des Anfangs zurück. Robert Schumanns »Mein Wagen rollet langsam op. 142/4« entstand 1840. In dem Lied erzählt der Sänger von seiner Reise durch üppige Wälder und Täler, in denen Erinnerungen an die Liebe angenehme «Geister« in seinen Wagen bringen. Die größte Stärke von »Mein Wagen« liegt in seinem brillanten Klavierpart,


der allerdings leider die Gesangslinie etwas überschattet. Arpeggierte Klavierakkorde bilden das langsame, regelmäßige Rollen der Wagenräder nach. Der einzige Heine-Text, den Robert Schumann übernimmt und der nicht aus dem Buch der Lieder stammt, war die romantische Trilogie »Tragödie« (op. 64/3) aus: »Taschenbuch für Damen«. Im ersten Lied (Rasch und mit Feuer) ist die Einladung des Protagonisten an seine Geliebte in der ersten Strophe fast identisch mit der dritten Strophe, und beide beschwören eine Art Nationalhymne bei der Erwähnung des »Vaterlands« herauf. Der mittlere Abschnitt verwendet, wie die anderen beiden, Synkopen, um die Gesangslinie anzutreiben, die in diesem Abschnitt die ersten Crescendi des Werks erhält, um die Intensität der Emotionen des Protagonisten zu betonen. Im Nachspiel folgen neun kühne Takte, immer noch in der ursprünglichen Tonart in Dur, dem letzten Satz des Sängers; die Änderung des Tongeschlechts nach Moll im zweiten Lied ist absichtlich abrupt. Ohne Verzögerung geht die Komposition zum dramatischen zweiten Gedicht über. Es erzählt davon, wie das Paar umgekommen ist, nachdem es zusammen geflohen ist. Das Klavier eröffnet mit ein paar fallenden Pianissimo-Akkorden und bleibt bis zum Nachspiel auf diesem dynamischen Niveau. Nach zwei weichen Versen beruhigt sich der Sänger, um dem Pianissimo der Begleitung zu entsprechen, und liefert dann die herzzerreißende Schlussfolgerung. Natürliche Melodik, sprechender Ausdruck und zarte Stimmung zeichnet das Lied »Du bist wie eine Blume« (op. 25, 24) aus. Der Septimenfall bei »so hold« wirkt so innig, wie der Quintfall in der nächsten Zeile bei »Wehmut« schmerzlich klingt. Am Schluss wird das

Klavier zum ebenbürtigen Partner, der auch den versonnenen Epilog »spricht«.


WOLF GOETHE-LIEDER Von den 51 Stücken, in denen Hugo Wolf (1860-1903) Goethe-Texte vertonte, sind zehn aus dem »Wilhelm Meister« entnommen; davon singt Andrè Schuen drei Harfner-Lieder. Der erste Gesang (Wer sich der Einsamkeit ergibt) wird von einem trauermarschartigen Vorspiel eingeleitet, dem sich die Singstimme leise deklamierend hinzugesellt. Die Akkordbrechungen des Klaviersatzes erinnern an eine Harfe; der Mittelteil ist von einer schwebenden Triolenfigur beherrscht, die Wiederkehr des Hauptthemas wirkt fast wie eine Erlösung, der Dominantklang des Schlusses klingt aber nicht aufhellend, sondern eher wie eine offene Frage. Der zweite Gesang des Harfenspielers (An die Türen will ich schleichen) ist das Lied des Bettlers, einfach, monoton melodisiert, fast ausdruckslos, von einem chromatischen Klagemotiv des Klaviers umrahmt. Der Durschluss wirkt seltsam leer. Das bedeutendste ist das dritte Lied (Wer nie sein Brot mit Tränen aß); hier klingt nach einem chromatisch abwärts sinkenden Einleitungsthema (Tränen) die Harfe in vollen Akkorden, der Gesang wird gebundene Melodie. In der Schlusszeile greift Wolf auf den ausdrucksvollen neapolitanischen Sextakkord zurück; der Tredezimensprung als Auftakt zum Nachspiel ist wie ein Seufzer trostloser Verzweiflung.

MARTIN LIEDER AUS »JEDERMANN« Der Schweizer Frank Martin (1890-1974) hat von Arnold Schönbergs Zwölftonmusik viele Anregungen erhalten, allerdings nicht in seinen 6 Monologen aus »Jedermann« für Bariton und Orchester (1943) nach Hugo von Hofmannsthal. Dort verwendet er eine durch Chromatik und Gegenklänge komplizierte Dreiklangsharmonik.


Die Monologe sind als selbständiger Konzertzyklus zu verstehen, nicht als Schauspielmusik. Sie bezeichnen die Stationen der Entwicklung, die der reiche Jedermann in seiner Sterbestunde durchmacht, seine Angst, sein trügerisches Vertrauen auf sein Gold, seine Reue und sein Bekenntnis zu Christus. Der erste Monolog setzt mit seinen harten Akkorden ein, als die fröhlichen Gefährten den vom Tod Angerufenen verlassen: »Ist alls zu End das Freudenmahl«. Der zweite »Ach Gott, wie graust mir«, Allegro agitato, ist ein wildes Aufbegehren; er endet mit der Beschwörung des Mammon im stampfenden Walzertakt. Der dritte gilt dem Andenken der Mutter mit einer rührenden chromatischen Melodie. Der vierte Monolog spricht in schneidenden Dissonanzen von den Qualen der späten Reue, der fünfte und sechste sind Gebete. Die Singstimme verharrt durchweg in ausdrucksvoller Deklamation, die Tonsprache des Komponisten verbindet sich gut mit dem Ernst des Textes.


Herausgeber: Kulturring Heilbronn e.V. Geschäftsstelle: Heilbronner Reisebüro Böhm Sülmerstraße 13 / Tel. 0 71 31/62 40 17 Text: Ulrich Heffter / Gestaltung: www.wsk-werbung.de


Konzerte der Abonnementreihe im Theodor-Heuss-Saal der Festhalle Harmonie, Beginn 19.30 Uhr Dienstag, 06. Februar 2018

Saxophon-Quartett mit Violine

Freitag, 09. März 2018

Klavierabend

Mittwoch, 18. April 2018

Klavierduo

Mittwoch, 02. Mai 2018

ARCIS MARTIN FUNDA CLAIRE HUANGCI LUCAS & ARTHUR JUSSEN Cello-Klavier-Duo

EDGAR MOREAU, Violoncello DAVID KADOUCH, Klavier

Konzerte der Reihe »Perspektiven Heilbronn« in den Städtischen Museen Heilbronn, Beginn 18.00 Uhr Sonntag, 04. März 2018

_ELEKTRONISCHE MUSIK_

Sonntag, 29. April 2018

TRIO CORIOLIS (München)

Schuen-Heide  
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