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KULTURRING HEILBRONN E.V. www.kulturring-heilbronn.de

»PERSPEKTIVEN HEILBRONN« KONZERTREIHE FÜR NEUE MUSIK —

_ELEKTRONISCHE MUSIK_ — Sonntag, 04. März 2018, 18.00 Uhr Städtische Museen Heilbronn


»PERSPEKTIVEN HEILBRONN« KONZERTREIHE FÜR NEUE MUSIK — Konzert III — Sonntag, 04. März 2018, 18.00 Uhr Städtische Museen Heilbronn —

_ELEKTRONISCHE MUSIK_ LOTHAR HEINLE (HEILBRONN), KLANGREGIE

HANS THOMER (MANNHEIM), TONTECHNIK Programm:

CHARLOTTE SEITHER (*1965) hymn / schatten (1993/2014) UA ERNST HELMUTH FLAMMER (*1947) diskursiv – mit drängender Entgegnung (1998/99) RAINER BÜRCK (*1957) Improvisation PCV (1997) Pause

YORK HÖLLER (*1944) Horizont (1972)

LOTHAR HEINLE (*1965) Nachtstück III (2017) UA CLEMENS VON REUSNER (*1957) Sphären der Untätigkeit (2013)

— Gefördert durch die Stadt Heilbronn


CHARLOTTE SEITHER, geboren 1965 in Landau/Pfalz, studierte Komposition, Klavier, Musik-wissenschaft und Germanistik in Hannover und Berlin. Als Artist in residence lebte und arbeitete sie auch in der Cité des Arts Paris (1999), in der Akademie Schloss Solitude Stuttgart (1995), in der Villa Aurora Los Angeles (2000) und im ArtLab Johannesburg (2015). Sie erhielt u.a. den 1. Preis im Internationalen Kompositionswettbewerb Prager Frühling (1995), den 1. Preis im Internationalen Kompositionswettbewerb Ciutat de Palma (2004) und den Förderpreis des Ernst von Siemens Musikstiftung (2002). Im August 2013 kam ihr Orchesterstück Language of Leaving bei den BBC Proms in London zur Uraufführung. Charlotte Seither ist Preisträgerin des Deutschen Musikautorenpreises 2014. Hymn entstand aus Kontrabass-Klängen. Die Nähe zum „kontrabassistischen Klangraum“ ist mitunter noch zu spüren, auch wenn dieser hochgradig „eingeschmolzen“ und in eine eigenständige, lavaartige Physiognomie überführt worden ist. Das Stück war als zehnminütiges Werk geplant. Bedingt durch einen Absturz der Festplatte im Elektronischen Studio der TU Berlin ist es ein dreiminütiges Fragment geblieben. Die verlorenen Teile konnten nicht mehr rekonstruiert werden. Auch die Uraufführung hat in der vorliegenden Fragment-Form stattgefunden. 2014 wurde das Fragment von Lothar Heinle (Heilbronn) ergänzt und in eine formal schlüssige Form gebracht.

ERNST HELMUTH FLAMMER wurde am 15. Januar 1949 in Heilbronn geboren. Nach einem Studium der Mathematik und Physik in den Jahren 1969-1972 wandte er sich zunächst der Musikwissenschaft mit den Nebenfächern Kunstgeschichte und Philosophie zu, wenig später schloß sich ein Musikstudium an. Von 1973-79 studierte er Kontrapunkt und Musiktheorie bei Peter Förtig und von 19721980 Musikwissenschaft bei Hans Heinrich Eggebrecht in Freiburg, wo er mit einer Dissertation zum Thema Politisch engagierte Musik als kompositorisches Problem, dargestellt am Beispiel von Luigi Nono und Hans Werner Henze promovierte. Seit 1976 studierte er zudem Komposition bei Klaus Huber und Brian Ferneyhough, zwischenzeitlich auch bei Paul-Heinz Dittrich. 1980-81 hatte er einen Lehrauftrag für Musiktheorie, Kontrapunkt und musikalische Formenlehre und -analyse an der Staatlichen Hochschule für Musik


Trossingen, 1982 bis 1985 einen an der Universität Freiburg. Seit 1980 ist Flammer freischaffend tätig. 1985-87 hatte er einen Beratervertrag mit der Stadt Mönchengladbach als künstlerischer Leiter des dortigen Festivals „Ensemblia“. 1985-90 betreute er das von ihm mit aufgebaute „ensemble recherche freiburg“. 1993 begründete er das Internationale Pianoforum „…antasten…“ in Heilbronn, ein weltweit einmaliges Festival für zeitgenössische Klaviermusik, das bis 2003 im Zweijahreszyklus stattfand. Von 2003 bis 2012 war Ernst Helmuth Flammer Lehrer für Komposition und Musikwissenschaft an der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ in Dresden. Viola-Klänge, transformiert in flirrende, irreale, visionäre, virtuelle Sphären. Verschiedene Arten von Transformationen, solche der Artikulation, der Textur, solche des Melodischen und Harmonischen. Ebenso erfahren die eingespielten Klänge und Passagen Stauchungen und Dehnungen; teilweise erfolgt deren Verwandlung bis ins scheinbar Unkenntliche. Schließlich geschieht die zeitgleiche Schichtung und Überlagerung verschiedener und verschiedenartiger Transformationen… Dabei wurde auf rein elektronisch erzeugtes Tonmaterial als Basis der Komposition vollständig verzichtet. Der zweite und abschließende Arbeitsgang war die Konzeption und Organisation des zeitlichen Ablaufs, wobei sich jeweils zwei musikalische Strukturen verschiedenen Charakters als Dialogpartner in den Entwicklungsabschnitten gegenüber-stehen. In den Kopf- und Schlußabschnitten sowie in den refrainartigen Passagen ist der Dialogpartner jeweils des Themas eigene Antwort, vergleichbar mit dux und comes einer Fuge. Auf dem Kompositionsprinzip der Fuge ist das ganze Stück aufgebaut. Gegen Schluß erfolgen die Antworten immer rascher, schließlich in Engführung, fast überlagert, drängend, verfremdet, durch Zeitgleicheit im Diskurs. Dies könnte als ein Zeichen unserer Zeit, unseres Rasens mit der Zeit verstanden werden. Eine Reprise weist schließlich auf die Ursprünge hin, sie allerdings bleibt durch Einwürfe mehrschichtig.

RAINER BÜRCK studierte Klavier und Komposition in Stuttgart sowie Elektroakustische Musik in Nürnberg bei Wilfried Jentzsch. Auftritte als Pianist für zeitgenössisches Repertoire u.a. in Birmingham, Huddersfield, Rom, Zürich, Salzburg. 2000 gründete er das Trio TRIONYS mit seinem Bruder Martin Bürck (Percussion) und Günter Marx (Klavier). Als Kompo-


nist hat sich Rainer Bürck in den letzten Jahren auf elektroakustische Musik konzentriert. Seine Werke wurden für Aufführungen bei der SEAMUS Konferenz in Kansas City und beim Electroacoustic Music Festival in Gainesville/ Florida ausgewählt, ebenso im Juli 1999 für die 6. Computer Music Conference in Rio de Janeiro sowie 2000 für die International Computer Music Conference (ICMC) in Berlin. Improvisation PCV basiert auf Live-Aufnahmen des Improvisationsprojekts „Improvisation for Piano, Cello and Voice“, das ich seit 1995 gemeinschaftlich mit dem Stuttgarter Musiker und Improvisationskünstler Roland Graeter betreibe. Das aufgezeichnete Material wird zerschnitten, die „Schnipsel“ werden dann mit Sound-Designing-Software bearbeitet (u.a. Filter, Ringmodulation, pitch-andtime Transposition, Multi-Delay) und anschließend zu neuen Texturen zusammengefügt.

LOTHAR HEINLE wurde 1965 in Heilbronn geboren. Während des Studiums der Musikwissenschaft war Lothar Heinle für die Medienabteilung an der Universität Tübingen im Bereich Veranstaltungstechnik tätig und kuratierte dort auch das wissenschaftliche Filmarchiv. Er realisierte elektronische Klangkonzepte für Ausstellungen der Vogelmann-Preisträger Roman Signer (2008), Franz Erhard Walther (2011) und Thomas Schütte (2014) in den Städtischen Museen Heilbronn und der Kunsthalle Vogelmann. 2012 entstanden elektronische Raummusiken für den Lichtkünstler Jan van Munster und die Doppelausstellung Wolfgang Ganter / Hans Schüle in der Galerie Rieker Heilbronn. Internationale Aufführungen erfolgten in Schweden (Midvinterfestivalen Pitea 2012), Italien (Italian Composers Forum Milano 2013) und der Ukraine (International Music Festival Karkhiv 2014). 2014 entstand die Klanginstallation „stunde 0 / geh… denken“ zum 70. Jahrestag der Zerstörung Heilbronns für die dortige Ehrenhalle. Von 24. April bis 19. Juni 2016 war die Klanginstallation „quasi cinis“ in der Marienkirche von Frankfurt (Oder) zuhören, begleitend zur Ausstellung „brennend“ des Künstlerbund Heilbronn. Seit Januar 2010 ist Lothar Heinle künstlerischer Leiter der „Perspektiven Heilbronn – Konzertreihe für Neue Musik“ des Kulturring Heilbronn e.V.


YORK HÖLLER wurde in Leverkusen geboren und studierte in Köln u.a. bei Bernd Alois Zimmermann, Herbert Eimert und Alfons Kontarsky. Die Teilnahme an den Analyse-Seminaren von Pierre Boulez bei den Darmstädter Ferienkursen 1965 regte ihn zur Auseinandersetzung mit der seriellen Musik an. Nach vorübergehender Tätigkeit an der Bonner Oper arbeitete er 1971-72 am Studio für Elektronische Musik des WDR, dessen künstlerische Leitung er von 1990 bis 2000 innehatte. Er lehrte über lange Jahre in Köln sowie in Freiburg, England und Finnland, wurde 1993 als Professor für Komposition an die Berliner Hochschule für Musik Hanns Eisler und 1995 an die Musikhochschule Köln berufen. In seiner Tonbandkomposltion Horizont wollte Höller ohne vorgefertigten Formplan mit relativ eingeschränktem, rein elektronisch generiertem und transformiertem Material eine stilistisch einheitliche, prozessartig sich entfaltende und vor allem „eigene, sehr persönliche Klangwelt“ schaffen. Mit der Schnittlinie von Endlichem und Unendlichem beschreibt der Werktitel die intendierte Verbindung von mathematischer Konstruktion mit musikalischer Expression bzw. den Formverlauf des Stücks als „imaginären Kreis, der Geschlossenheit und Offenheit zugleich repräsentiert.“

CLEMENS VON REUSNER, geboren 1957, Komponist und Klangkünstler. Nach dem Studium (Musikwissenschaft, Musikpädagogik, Schlagzeug bei Abbey Rader und Peter Giger) Tätigkeit als Komponist und Musiker in verschiedenen Ensembles sowie als Musiklehrer, Dozent und Autor. Seit Ende der 1970er Jahre Auseinandersetzung mit elektronischer Musik, Hörspielen und SoundscapeKompositionen. Ende der 1980er-Jahre Entwicklung der Musiksoftware KANDINSKY MUSIC PAINTER. Clemens von Reusner lebt im niedersächsischen Wendland. Sphären der Untätigkeit basiert auf einer vielfach subharmonisch gefilterten Klangentwicklung, deren spektrale Beschaffenheit wiederum auf Proportionen des Goldenen Schnitts gründet und die ihre ursprüngliche Gestalt erst am Ende des Stückes wiedererlangt. Die einzelnen Klanggestalten verbinden sich in einer langsamen Wellenbewegung. In Kontrast dazu stehen in ihrem


Zeitablauf und in ihrer klanglichen Beschaffenheit stark veränderte Impulse, die in unterschiedlichen akustischen Räumen erscheinen.

Herausgeber: Kulturring Heilbronn e.V. Geschäftsstelle: Heilbronner Reisebüro Böhm Sülmerstr. 13 / Tel. 0 71 31/62 40 17 Texte: Lothar Heinle / Die Komponisten Gestaltung: www.wsk-werbung.de


Konzerte der Abonnementreihe im Theodor-Heuss-Saal der Festhalle Harmonie, Beginn 19.30 Uhr Donnerstag, 12. Oktober 2017

Streichquartett

CUARTETO CASALS

Dienstag, Ensemblekonzert 28. November 2017 OXALYS Donnerstag, 11. Januar 2018

Liederabend

Dienstag, 06. Februar 2018

Saxophon-Quartett mit Violine

Freitag, 09. März 2018

Klavierabend

Mittwoch, 18. April 2018

Klavierduo

Mittwoch, 02. Mai 2018

Cello-Klavier-Duo

ANDRÈ SCHUEN, Bariton DANIEL HEIDE, Klavier ARCIS CLAIRE HUANGCI LUCAS & ARTHUR JUSSEN EDGAR MOREAU, Violoncello DAVID KADOUCH, Klavier

Konzerte der Reihe »Perspektiven Heilbronn« in den Städtischen Museen Heilbronn, Beginn in der Regel 19.30 Uhr Mittwoch, 25. Oktober 2017

MATTHIAS LORENZ (Dresden), Violoncello

NATASHA LÓPEZ (Stuttgart), Sopran Mittwoch, 06. Dezember 2017 ULRICH SCHLUMBERGER (Stuttgart), Akkordeon Sonntag, 04. März 2018, 18.00 Uhr

_ELEKTRONISCHE MUSIK_

Sonntag, 29. April 2018 18.00 Uhr

TRIO CORIOLIS (München)

el. musik  
el. musik  
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