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Lyrik


Heinrich Heine Frühlingsbotschaft Leise zieht durch mein Gemüt Liebliches Geläute. Klinge, kleines Frühlingslied, Kling hinaus ins Weite. Kling hinaus, bis an das Haus, Wo die Blumen sprießen. Wenn du eine Rose schaust, Sag ich laß sie grüßen.


Eduard Mörike Septembermorgen Im Nebel Ruhet noch die Welt, Noch träumen Wald und Wiesen: Bald siehst du, Wenn der Schleier fällt, Den blauen Himmel Unverstellt, Herbstkräftig Die gedämpfte Welt In warmem Golde fließen.


Georg Trakl Ein Winterabend Wenn der Schnee ans Fenster f채llt, Lang die Abendglocke l채utet, Vielen ist der Tisch bereitet Und das Haus ist wohlbestellt. Mancher auf der Wanderschaft Kommt ans Tor auf dunklen Pfaden. Golden bl체ht der Baum der Gnaden Aus der Erde k체hlem Saft. Wanderer tritt still herein; Schmerz versteinerte die Schwelle. Da erglanzt in reiner Helle Auf dem Tische Brot und Wein.


Kurt Tucholsky Augen in der Großstadt Wenn du zur Arbeit gehst am frühen Morgen, wenn du am Bahnhof stehst mit deinen Sorgen: da zeigt die Stadt dir asphaltglatt im Menschentrichter Millionen Gesichter: Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick, die Braue, Pupillen, die Lider – Was war das? vielleicht dein Lebensglück... vorbei, verweht, nie wieder. Du gehst dein Leben lang auf tausend Straßen; du siehst auf deinem Gang, die dich vergaßen. Ein Auge winkt, die Seele klingt;


du hast‘s gefunden, nur für Sekunden... Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick, die Braue, Pupillen, die Lider – Was war das? Kein Mensch dreht die Zeit zurück... Vorbei, verweht, nie wieder. Du musst auf deinem Gang durch Städte wandern; siehst einen Pulsschlag lang den fremden Andern. Es kann ein Feind sein, es kann ein Freund sein, es kann im Kampfe dein Genosse sein. Er sieht hinüber und zieht vorüber... Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick, die Braue, Pupillen, die Lider – Was war das? Von der großen Menschheit ein Stück! Vorbei, verweht, nie wieder.


Bettina Wegner Kinder Sind so kleine Hände winzige Finger dran. Darf man nie drauf schlagen die zerbrechen dann.

Sind so klare Augen die noch alles sehn. Darf man nie verbinden könn sie nichts verstehn.

Sind so kleine Füße mit so kleinen Zehn. Darf man nie drauf treten könn sie sonst nicht gehen.

Sind so kleine Seelen offen und ganz frei. Darf man niemals quälen gehen kaputt dabei.

Sind so kleine Ohren scharf, und ihr erlaubt. Darf man nie zubrüllen werden davon taub.

Ist son kleines Rückgrat sieht man fast noch nicht. Darf man niemals beugen weil es sonst zerbricht.

Sind so schöne Münder sprechen alles aus. Darf man nie verbieten kommt sonst nichts mehr raus.

Grade, klare Menschen wärn ein schönes Ziel. Leute ohne Rückgrat hab’n wir schon zu viel.


Johann Wolfgang von Goethe Gefunden Ich ging im Walde so für mich hin, und nichts zu suchen, das war mein Sinn. Im Schatten sah ich ein Blümchen stehn, wie Sterne leuchtend, wie Äuglein schön. Ich wollt es brechen, da sagt‘ es fein: Soll ich zum Welken Gebrochen sein? Ich grub‘s mit allen den Würzlein aus, zum Garten trug ich‘s am hübschen Haus. Und pflanzt‘ es wieder am stillen Ort; nun zweigt es immer und blüht so fort.


Ernst Jandl My own song ich will nicht sein so wie ihr mich wollt ich will nicht ihr sein so wie ihr mich wollt ich will nicht sein wie ihr so wie ihr mich wollt ich will nicht sein wie ihr seid so wie ihr mich wollt ich will nicht sein wie ihr sein wollt so wie ihr mich wollt nicht wie ihr mich wollt wie ich sein will will ich sein nicht wie ihr mich wollt wie ich bin will ich sein nicht wie ihr mich wollt wie ich will ich sein nicht wie ihr mich wollt ich will ich sein nicht wie ihr mich wollt will ich sein ich will sein


Gestaltet von: Annemarie Dietze 2010


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