Issuu on Google+

Jahresbericht 2010

Zentrum ÜBERLEBEN Behandlungszentrum für Folteropfer Berlin e. V. Turmstraße 21 10559 Berlin Tel +49 (30) 30 39 06 - 0 Fax +49 (30) 30 61 43 71 www.ueberleben.org Spendenkonto 312 47 00 Überleben – Stiftung für Folteropfer Bank für Sozialwirtschaft BLZ 100 205 00

Zentrum

ÜBERLEBEN Wege in eine menschenwürdige Zukunft

Jahresbericht 2010


Editorial

3

Ambulante Abteilung für Erwachsene

4

Ambulante Abteilung für Kinder und Jugendliche

8

Wohnverbund für Migrantinnen

11

Tagesklinik

14

Internationales

18

Forschungsabteilung

21

Bibliothek

24

26. 06.: UN Tag zur Unterstützung von Folteropfern – Tag der Offenen Tür

27

bzfo Zahlen und Daten – Haushalt

28

bzfo Zahlen und Daten – Patientinnen und Patienten

30

Herkunftsländer der Patientinnen und Patienten

32

Zentrum für Flüchtlingshilfen und Migrationsdienste

34

Statistische Daten zfm Projekte (Auswahl)

40

Vorstand und Beirat bzfo

41

Mitarbeiterteam bzfo und zfm

42

bzfo Dank

47

Überleben – Stiftung für Folteropfer

48

Catania – Hilfe für traumatisierte Opfer

52

Catania Zahlen und Daten – Haushalt

56

Fundraising

57

Spendenaufruf

59

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

1


Empfang f端r das World Doctors Orchestra im bzfo

2

Tag der Offenen T端r zum UN Tag zur Unterst端tzung von Folteropfern am 26. Juni


Editorial

Der Bedarf an medizinischer, psychotherapeutischer und psychosozialer Versorgung von Flüchtlingen wächst kontinuierlich. Nur die Rangfolge der Länder ihrer Herkunft hat sich 2010 geändert: Erstmals stammten die meisten Patienten nicht aus der Türkei, sondern sie kamen aus Tschetschenien. Auf dem dritten Rang der Hauptfluchtländer unserer Patienten stand wieder der Iran. Die Mehrzahl unserer Patienten sind inzwischen neu eingereiste Flüchtlinge. Wie dieser Rechenschaftsbericht zeigt, war das Jahr 2010 aber auch durch neue Projekte und Aufgaben geprägt: So hat unser Zentrum für Flüchtlingshilfen und Migrationsdienste (zfm) eine erste Behandlungsstelle für psychisch traumatisierte Flüchtlinge im Land Brandenburg eröffnet. Die Einrichtung in Fürstenwalde wird in Kooperation mit dem Diakonischen Werk betrieben. Der Schwerpunkt des Engagements der Abteilung Internationales des bzfo lag 2010 im Nordirak. Die drei großen Rehabilitationszentren für Opfer von Folter und anderen Menschenrechtsverletzungen, die das bzfo dort mit Hilfe internationaler Geldgeber betreibt, bauten ihre Hilfsangebote für traumatisierte Frauen weiter aus. Zudem wurde eine Behandlungseinrichtung speziell für Kinder in der Stadt Chamchamal eröffnet. In Halabja, einem Ort, der 1988 durch ein Bombardement der irakischen Armee mit Giftgas traurige Bekanntheit erlangte, wurde ein neues Zentrum eingerichtet, zu dem auch ein Mobilteam gehört. Unsere Bibliothek hat ihren umfangreichen Bestandskatalog im Frühjahr über das Internet zugänglich gemacht. Die neue Recherchemöglichkeit in dieser deutschlandweit einmaligen Materialsammlung fand sofort großen Anklang. Die Forschungsabteilung schloss eine große Studie zu Schmerzstörungen nach traumatischen Erlebnissen ab. Die dabei entwickelten Behandlungskonzepte gehören bereits zum therapeutischen Angebot des bzfo.

Die gemeinnützige GmbH Catania, die sich im Zentrum ÜBERLEBEN besonders für die Versorgung von Opfern häuslicher Gewalt sowie für Projekte zur Gewaltprävention einsetzt, hat 2010 dank Förderung des Bundesfamilienministeriums mit der Entwicklung eines speziellen Beratungsangebotes begonnen: Unter dem Titel „pflegen-und-leben.de“ wird im Sommer 2011 eine psychologische Online-Beratung für pflegende Angehörige in Betrieb gehen. Wie Sie im Rechenschaftsbericht erfahren, wächst der Bedarf an Unterstützung für traumatisierte Flüchtlinge. Entsprechend notwendig ist es, kontinuierlich die finanzielle Basis für diese Arbeit einzuwerben. Sehr gefreut haben wir uns über einen schönen Betrag, den das World Doctors Orchestra (WDO) mit Beethovens 9. Sinfonie im Konzerthaus am Gendarmenmarkt für uns eingespielt hat. Ein wunderbarer Erfolg war zudem die zwölfte Kunstauktion zugunsten der „Überleben — Stiftung für Folteropfer“. Große Resonanz fand auch unser Tag der offenen Tür, den wir am UN-Tag zur Unterstützung von Folteropfern veranstaltet haben. Zahlreiche neue Kontakte wurden geknüpft. Besonderen Dank möchten wir all denen sagen, die unsere vielfältige Arbeit durch ihre kontinuierliche Unterstützung möglich machen. Ohne Ihre Hilfe, ohne die kleinen und großen Spenden und Sachleistungen, ohne Ihr freiwilliges Engagement und ohne Ihre Ideen könnten wir unsere Aufgaben im Dienste der Opfer von Krieg, Gewalt, Verfolgung und Flucht nicht im notwendigen Umfang leisten. Der Jahresbericht dokumentiert die effiziente Verwendung der uns gewährten Mittel. Er beschreibt zugleich unsere Arbeit, in deren Mittelpunkt immer der einzelne Mensch steht. Wir sind zuversichtlich, dass er Ihre Zustimmung findet. Darüber hinaus hoffen unsere Teams sowie unsere Patientinnen und Patienten, dass Sie unsere Arbeit weiterhin wohlgesonnen und großzügig begleiten und fördern. Im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

Dr. Mercedes Hillen

Richard Grünberg

Editorial

2010 ist im Zentrum ÜBERLEBEN ein arbeits- und ereignisreiches Jahr gewesen. Viele Hundert traumatisierte Patientinnen und Patienten wurden behandelt. Im Behandlungszentrum für Folteropfer (bzfo) stieß die Ambulanz für Erwachsene ebenso an ihre Kapazitätsgrenzen wie auch die Abteilung für Kinder und Jugendliche. Ein Großteil der Hilfesuchenden musste an andere Einrichtungen verwiesen werden. Der Wohnverbund für Migrantinnen war das ganze Jahr über vollständig ausgelastet.

3


Ambulante Abteilung für Erwachsene

Ambulante Abteilung für Erwachsene

• Allgemeine Aktivitäten des bzfo

4

Die Kapazitäten des bzfo sind begrenzt. Daher wird ständig versucht, für weniger schwere Fälle auch Behandlungs- und Therapieplätze im Regelgesundheitssystem zu erschließen. Dafür veranstaltete das bzfo auch 2010 zahlreiche Fortbildungen, Fachberatungen und Supervisionen. Daneben werden Beratungsstellen und Initiativen für psychosoziale Zentren in den neuen Bundesländern unterstützt, ihre Kompetenzen für den Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen weiter zu entwickeln. 2010 wurde gemeinsam mit der Berliner Ärztekammer, der Berliner Psychotherapeutenkammer und Xenion eine modulare Fortbildungsveranstaltung durchgeführt. An insgesamt sechs Tagen ging es dabei um Diagnostik, Begutachtung und Behandlung von traumatisierten Flüchtlingen und Folteropfern. Ebenso fand in Zusammenarbeit mit der Hilfsorganisation Weißer Ring mehrfach ein Fortbildungscurriculum zur Begutachtung in Opferentschädigungsverfahren statt. Durch wissenschaftliche Vorträge und Veröffentlichungen sowie durch regelmäßige Pressearbeit wurden auf breiter Ebene gesundheitliche und soziale Probleme von Folteropfern und traumatisierten Bürgerkriegsflüchtlingen öffentlich gemacht. Auswirkungen der aktuellen Lebenssituation auf den psychosomatischen Gesundheitszustand der Betroffenen wurden erläutert und Lösungsmöglichkeiten konkretisiert. In politischen Gremien und Berufsfachverbänden thematisierte das multiprofessionelle Team des bzfo die Besonderheiten der Behandlung von traumatisierten Flüchtlingen sowie Fragen ihrer Versorgungslage. So wurde immer wieder auf die Notwendigkeit der Menschenrechtsarbeit auch in Deutschland hingewiesen, da sie ein wichtiges Element der Prävention einer Chronifizierung der Störungen bei traumatisierten Flüchtlingen und Folteropfern

ist. Auch international engagierte sich das Team in der Präventionsarbeit gegen Folter und Menschenrechtsverletzungen. Mitarbeiterinnen des bzfo beteiligten sich an einem Parallelbericht der Allianz für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte in Deutschland (wsk-Allianz) zum deutschen Staatenbericht über die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte. Außerdem standen sie 2010 im regelmäßigen Austausch mit Institutionen und Organisationen wie etwa dem European Center for Constitutional and Human Rights, dem Deutschen Institut für Menschenrechte, Amnesty International, der IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung), dem Berliner Flüchtlingsrat, dem Forum Menschenrechte, dem Dachverband der Behandlungszentren für Folteropfer (BAfF), dem Bundesfachverband für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und dem DRK. Prof. Christian Pross, der ehemalige Leiter und Mitbegründer des bzfo, wurde in das Subcommittee on Prevention of Torture der Vereinten Nationen gewählt. Daneben stellt das bzfo mit Dr. Mechthild Wenk-Ansohn, Leiterin der ambulanten Abteilungen im bzfo, ein Mitglied für das International Rehabilitation Council for Torture Victims (IRCT), in dem weltweit 146 Behandlungs- und Rehabilitationszentren zusammenarbeiten. Gemeinsam mit der Generalsekretärin Brita Sydhoff sowie fünf weiteren europäischen IRCT-Council-Mitgliedern wurde für die Belange der Flüchtlinge und die Finanzierung der Behandlungszentren für Folteropfer Lobbyarbeit beim Europäischen Parlament in Brüssel betrieben.


• Ambulante Abteilung für Erwachsene

Ein vermehrter Zustrom von Flüchtlingen nach Deutschland und insbesondere nach Berlin sowie der Umstand, dass die Zentrale Aufnahmestelle (ZAA) in unmittelbarer Nachbarschaft des bzfo untergebracht ist, sorgten für eine weiterhin starke Nachfrage nach Behandlungsplätzen. Darunter auch von Hilfesuchenden, die teilweise auch ärztlich notversorgt werden mussten. Das Auf-

• An einem Dienstag um die Mittagszeit . . . Bereitschaftsdienst — Erstkontakt mit Dr. Tanja Waiblinger, Ärztin und Psychotherapeutin, und Marit Cremer, Dolmetscherin für Russisch: Frau A., eine 32-jährige Tschetschenin mit vier Kindern im Alter zwischen ein und sechs Jahren, ist vom Erstaufnahmewohnheim Motardstraße an das bzfo weitergeleitet worden. Sie weint, die Kinder wirken verstört. Frau A. beruhigt sich während des Gesprächs. Sie sei lange mit ihren Kindern unterwegs gewesen und jetzt seit einer Woche in Berlin. Ihr Ehemann sei von Sicherheitskräften verschleppt worden, sie habe keine Nachricht von ihm. Frau A. fürchtet, er sei getötet worden. Sie selbst habe man wiederholt zum Verhör mitgenommen und ihr „schlimme Dinge“ angetan. Sie weint wieder. Sie habe Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Ängste, Alpträume und denke immer an die „schlimmen Dinge“. Für die Kinder habe sie kaum noch Kraft, könne laute Stimmen nicht ertragen. — Wegen der kleinen Kinder ist eine Aufnahme in die Tagesklinik des bzfo nicht möglich, der Wohnverbund für Migrantinnen ist belegt. Ein Erstgespräch in der ambulanten Abteilung für Erwachsene wird geplant. Die Sozialarbeiterin der Kinder- und Jugendlichenabteilung wird gebeten, die Frau wegen möglicher Hilfen für die Betreuung der Kinder zu beraten.

nahmesystem der Ambulanz mit dolmetschergestützten Erstgesprächen, an denen je eine Kraft aus der Therapie und eine aus der Sozialarbeit beteiligt sind, ermöglichte eine zeitnahe Diagnostik, Indikationsabklärung und Beratung. Aufgrund der begrenzten Kapazitäten des bzfo konnten nur ca. 10% der Hilfesuchenden zur Behandlung aufgenommen werden. Das Team der Erwachsenenambulanz, zu dem zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehören, empfand es als sehr belastend, dass ein Großteil der Anfragenden nur beraten und weiter verwiesen werden konnte. Dies umso mehr, als insbesondere die Versorgungslage in den umliegenden neuen Bundesländern weiterhin äußerst unzureichend ist. Die folgende Momentaufnahme soll hier Einblick in die vielschichtige Arbeit mit den Patientinnen und Patienten der Ambulanz geben.

Erstgespräch mit Lisa Hundhausen, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Andrea Ahrndt, Sozialarbeiterin, und Selim Büsse, Dolmetscher für Kurdisch: Herr B., 27 Jahre alt, ist Yezide aus dem Irak. Die Yeziden sind eine kurdische Volksgruppe mit eigener Religion. Herr B. ist verheiratet, Vater von drei Kleinkindern und seit drei Wochen in Berlin. Er berichtet, dass er und seine Familie als Yeziden im Nordirak wiederholt Drohungen und Demütigungen fundamentalistischer muslimisch-arabischer Banden ausgesetzt gewesen seien. Seine Frau sei bedroht, er selbst geschlagen und mit dem Tod bedroht und ihr Vieh gestohlen worden. Mitglieder der Großfamilie seien umgebracht worden. Er könne nicht mehr. Er sei den Kindern gegenüber gereizt, habe Rücken- und Kopfschmerzen sowie Alpträume. Herr B. ist Analphabet und es fällt ihm schwer, sich in der Stadt zurechtzufinden. Er wünscht sich, dass seine Schmerzen und Ängste verschwinden. Herr B. wird als Patient angenommen, muss jedoch etwa drei Monate auf einen freiwerdenden Behandlungsplatz warten. Eine sozialpädagogische Unterstützung und Einleitung medizinischer Behandlung beginnen umgehend. Körperliche Untersuchung in der diagnostischen Phase mit Dr. Mechthild Wenk-Ansohn, Allgemeinmedizinerin, Psychotherapeutin und Leiterin der ambulanten Abteilungen, und Mansour Bidariannejad, Dolmetscher für Farsi:

Ambulante Abteilung für Erwachsene

In der Ambulanz für Erwachsene erhielten 405 durch Folter, Verfolgung, Bürgerkrieg und andere Gewalt traumatisierte Flüchtlinge im Jahr 2010 Diagnostik und Behandlung. Zusätzlich wurden in der wöchentlichen Telefonsprechstunde oder im persönlichen Gespräch 459 (2009: 277) Beratungen durchgeführt. Dies betraf sowohl direkte Anfragen von Betroffenen als auch Fachberatungen von Kolleginnen und Kollegen und Beratungsstellen.

5


Ambulante Abteilung für Erwachsene

Herr C. ist 30 Jahre alt und vor wenigen Wochen aus Iran gekommen. Er berichtet, dass er kurz vor seiner Flucht bei einer Demonstration verhaftet und zwei Wochen lang im Gefängnis gewesen sei. Dort sei er wiederholt — auch sexuell — gefoltert und an den Armen aufgehängt worden. Herr C. klagt über Schmerzen in den Schultern. Die körperliche Untersuchung deutet auf eine Läsion der Schultergelenke hin, die ein Orthopäde behandeln muss. Herr C. berichtet weiter, dass er zwei Jahre zuvor wegen des Vorwurfs einer unehelichen Beziehung von so genannten Sittenwächtern des Iran ausgepeitscht worden sei. Auf seinem Rücken sind noch einzelne ältere strichförmige Narben sichtbar. Der Befund passt zu seinen Angaben. Die Narben werden fotographisch dokumentiert. Nach der Entbindung von der Schweigepflicht werden seine Anamnese sowie die körperlichen und psychischen Befunde für eine aufenthaltsrechtliche Stellungnahme erhoben.

6

Um die Mittagszeit im Dolmetscherraum

Anfangsphase einer Psychotherapie mit Blanka Conze, Psychologische Psychotherapeutin, und Amerkhan Varaev, Dolmetscher für Tschetschenisch: Der 35-Jährige Herr D. aus Tschetschenien berichtet, dass ihn traumatische Erinnerungen aus der Vergangenheit immer wieder einholen. Auch während der ersten Therapiesitzung springt er plötzlich auf, als draußen ein knallartiges Geräusch zu hören ist. Ein so genannter Flashback: Herr D. fühlt sich plötzlich wieder im Kreuzfeuer von Scharfschützen. Nur langsam findet er mit Hilfe der Therapeutin wieder in die Gegenwart zurück, indem sie ihn unterstützt, seine Aufmerksamkeit auf Gegenstände im Raum zu lenken. Mit der Imaginationsübung „sicherer Ort“ endet die erste Sitzung. Dabei stellt sich Herr D. einen Ort der Sicherheit und Geborgenheit vor, zu dem er künftig in Stresssituationen zurückkehren kann, um sich besser zu beruhigen. Therapiesitzung mit Matthias Polifka, Psychologischer Psychotherapeut, und Elif Camyar, Dolmetscherin für Türkisch: Die Therapie mit Herrn E., einem 26-jährigen Kurden aus der Türkei, ist in eine Phase gekommen, in der es

nun darum geht, die traumatisch erlebte Folter emotional durchzuarbeiten. Der Patient fixiert eine Wand im Raum, praktisch als Leinwand, und lässt das traumatische Ereignis dort gedanklich wie einen Film ablaufen. Die Konfrontation ist belastend, und es ist notwendig, den Patienten zu unterstützen, das „Bild“ kleiner werden zu lassen und zwischendurch auch zu stoppen. Herr E. stellt am Ende der Sitzung fest, dass er die Gedanken an die Haftsituation jetzt weniger angstbesetzt erlebt. Langzeittherapie mit Gisela Scheef-Maier, Psychologische Psychotherapeutin, und Ivanka Kasnar, Dolmetscherin für Bosnisch: Frau F. aus Bosnien, die mit ihrer Familie in Brandenburg lebt, befindet sich in einer Langzeittherapie im bzfo. Sie wurde während des Massakers von Srebrenica schwerst traumatisiert und leidet an einer chronifizierten und komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung. Es ist ihre 66. Therapiesitzung. Ihre Symptomatik hat sich bereits erheblich verbessert. Durch verhaltenstherapeutisches Selbstständigkeitstraining kann sie inzwischen allein zur Therapie nach Berlin fahren. Vor einigen Monaten bekam Frau F. Arbeit in einer Fabrik, was ihr Lebensgefühl erheblich verbesserte und zur Stabilisierung und Integration beitrug. Probleme bei der Aufenthaltsverlängerung sorgen aktuell jedoch wieder für eine Zunahme von Unruhe, Alpträumen und Suizidgedanken. Erneut sind stabilisierende therapeutische Maßnahmen notwendig. Soziale Arbeit mit Claudia Kruse, Sozialarbeiterin und Gestalttherapeutin: Herr G. ist 33 Jahre alt und kommt aus dem Gazastreifen, der unter der Verwaltung der Palästinensischen Autonomiebehörde steht. Er ist seit zwei Monaten Patient im bzfo und erscheint unangemeldet und sehr aufgeregt mit einem Brief der Ausländerbehörde. Zufällig ist Olaf Berger, ein Dolmetscher für Arabisch, im Hause. Herr G., der über Griechenland nach Deutschland eingereist war, wird von der Behörde aufgefordert, sich am nächsten Tag zur Abschiebung nach Griechenland einzufinden. Da in Griechenland zurzeit weder Asylverfahren noch die Behandlung von Flüchtlingen nach Europäischen Standards gewährleistet sind, was auch deutsche Gerichte so beurteilt und Rückschiebungen bereits verhindert haben, wird umgehend ein Rechtsbeistand vermittelt. Herr G. hat große Angst. Er bekommt für den nächsten Tag einen weiteren Termin zur Krisenintervention.


auf das Gymnasium. Belastend war für ihn zuletzt die Krankheit der Mutter im Heimatland, die er nicht besuchen kann. Er hat Blumen mitgebracht und zeigt stolz seinen deutschen Pass. Die Einbürgerung gibt ihm endgültige Sicherheit, nicht mehr nach Syrien zu müssen, wo er Folter erlebt hatte.

Das Angebot für Folteropfer und traumatisierte Kriegsflüchtlinge in der ambulanten Abteilung für Erwachsene umfasst: • Erstdiagnostik und Beratung • allgemeinmedizinische, psychologische, psychiatrische und soziale Diagnostik sowie Indikationsstellung, Dokumentation der gesundheitlichen Schäden und Menschenrechtsverletzungen • Stellungnahmen und Gutachten in aufenthaltsrechtlichen Verfahren und für soziale Belange • Sozialarbeit und sozialtherapeutische Begleitung • allgemeinmedizinische und psychosomatische Grundversorgung und psychiatrische Behandlung • Psychoedukatives Gruppenangebot in der Anfangsphase der Therapie • Psychotherapie, einzeln und in der Gruppe • Physiotherapie, Schmerztherapie (mit Biofeedback) • Kunst- und Gestaltungstherapie • paar- und familientherapeutische Interventionen • Fallkonferenzen zur Berücksichtigung des Wohls und der Entwicklung von Kindern traumatisierter Eltern (Kindermonitor) • Nachsorge, Kriseninterventionen Psychoedukative Gruppe Von Anfang März bis Ende Juni 2010 gab es eine Psychoedukative Gruppe für Farsi sprechende Patienten aus Iran und Afghanistan, die auf einen Einzeltherapieplatz warteten. Die psychischen Beschwerden machten den Patienten oftmals Angst, sie fürchten, verrückt zu werden. In der Psychoedukativen Gruppe werden Informationen über die Symptomatiken vermittelt. Dadurch kann der Umgang mit ihnen für die Betroffenen leichter werden. Die Gruppe war geprägt von gegenseitiger Unterstützung, regem Austausch und der entlastenden Erkenntnis, mit den Symptomen nicht allein zu sein.

Nachsorgegruppe Eine Gruppe ehemaliger Patientinnen und Patienten aus Kosovo, Tschetschenien und Libanon sowie Kurden aus der Türkei und Syrien trifft sich alle 14 Tage im bzfo. Diese Gruppe wird von den Sozialarbeiterinnen Andrea Ahrndt und Claudia Kruse geleitet. Das Leben im Exil sowie Zukunftsperspektiven in Deutschland sind das verbindende Thema. Das Ziel ist, die Teilnehmer aus ihrer Isolation herauszuholen und neue Möglichkeiten für das Leben in Deutschland gemeinsam zu erarbeiten. Die Gruppe unternimmt auch Ausflüge in Berlin, um die Stadt und ihre Geschichte kennenzulernen und gemeinsam etwas Schönes zu erleben. Bei einem Ausflug nach Berlin Mitte lernten sie die Geschichte des Französischen Doms kennen, die eng verknüpft ist mit Flucht und Schutz von verfolgten Minderheiten. Daraus ergab sich eine angeregte Diskussion über eigene Fluchterfahrungen und die Anfangsschwierigkeiten in Deutschland.

Ambulante Abteilung für Erwachsene

Nachsorgegespräch Herr H., Kurde aus Syrien, hat einen Termin mit Frau Kruse im Rahmen der Nachsorge. Er braucht keinen Dolmetscher mehr. Seine Behandlung war vor drei Jahren abgeschlossen worden. Herr H. hat eine Anerkennung nach der Genfer Flüchtlingskonvention und besitzt heute einen kleinen Laden. Seine beiden Töchter gehen

7


Ambulante Abteilung für Kinder und Jugendliche

Ambulante Abteilung für Kinder und Jugendliche

8

Gewalt, Verfolgung und Flucht machen auch vor den Jüngsten nicht halt: In der Kinder- und Jugendlichenabteilung (KJA) des bzfo werden die Folgen ihrer oft schweren seelischen Verletzungen durch Kriegs- und Gewalterlebnisse behandelt. Ziel der therapeutischen und sozialpädagogischen Betreuung ist es, die altersgerechte Entwicklung der jungen Menschen zu fördern und sie bei der Bewältigung ihres Lebens im Exil zu unterstützen. 2010 fanden insgesamt 80 junge Patientinnen und Patienten Unterstützung. Die Behandlungsdauer beträgt im Durchschnitt etwa 24 Monate. 2010 wurden mit 64 Kindern und Jugendlichen diagnostische Erstgespräche geführt. Bei 43 wurde eine weitere Diagnostik oder Behandlung eingeleitet. 14 wurden für eine Therapie neu aufgenommen, die anderen wegen der begrenzten Kapazitäten der KJA an spezialisierte externe Praxen und Einrichtungen überwiesen. Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich die Zahl der Behandlungsanfragen in der Kinder- und Jugendlichenabteilung im Jahr 2010 erhöht. Das ist auf die insgesamt erhöhte Zahl der einreisenden Asylbewerber zurückzuführen. Die Mehrzahl der insgesamt 103 Anfragen betraf unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, von denen viele aus Afghanistan, Guinea, Iran und Tschetschenien stammen. Zahlreiche weitere Anfragen betrafen Kin-

der aus Flüchtlingsfamilien, in denen die Eltern durch Krieg, Folter oder andere Gewalt schwer traumatisiert sind. Häufig entwickeln Kinder und Jugendliche in solchen Familien selbst eine psychische Symptomatik durch so genannte sekundäre Traumatisierung: Die Belastungen der Eltern werden durch deren entsprechendes Verhalten im Familienalltag zur Belastung für die Kinder und Jugendlichen. • Musiktherapie – Stiftung „Musik hilft“ Dank finanzieller Unterstützung der Stiftung „Musik hilft“ konnten in der Kinder- und Jugendlichenabteilung fünf Einzelplätze für Musiktherapie eingerichtet werden. Musiktherapie ist ressourcenorientiert, zielt auf die inneren Potenziale des Menschen und eröffnet spielerische und kreative Ausdrucksmöglichkeiten. Die musikalischen Aktivitäten fördern bei Kindern und Jugendlichen ein altersgerechtes Spielverhalten. Zugleich werden traumatisch bedingte Symptome wie beispielsweise Anpassungsschwierigkeiten, emotionaler Rückzug oder Unsicherheit im sozialen Kontakt im Spiel offengelegt und können therapeutisch bearbeitet werden. In dem musikalisch-sozialen Kontakt zur Therapeutin können Ängste vermindert und Gefühle ausgedrückt werden.


• Ramad aus Afghanistan – Fallbeispiel (anonymisiert) aus der Musiktherapie

Zunächst wirkte Ramad in der Musiktherapie sehr verunsichert. Regelmäßiger Blickkontakt und eigene Vorschläge zur Gestaltung der Sitzung fielen ihm schwer. Musikalische Vorgaben der Therapeutin schienen ihm zur Orientierung lieber. Bei musikalischen Handlungen wirkte er eher pflichtbewusst und wertete sein Spiel oft mit Verweis auf vermeintliche „Fehler“ stark ab. DenDie Musiktherapie ist darauf ausgerichtet, die „gesunden“ Ressourcen des Patienten individuell zu stärken und sich kreativ auszudrücken. Dadurch werden Selbstbewusstsein, Selbstwahrnehmung und Selbstachtsamkeit positiv gefördert. Die Musiktherapie im bzfo hat bereits besondere Anerkennung gefunden: Sie wurde aufgenommen in das Kompendium der Vereinten Nationen „Music As A Natural Resource: Solutions for Social and Economic Issues“. Durch eine Anschlussfinanzierung der Stiftung „Musik hilft“ konnte die musiktherapeutische Arbeit auch über den Herbst 2010 hinaus fortgeführt werden. • Psychosoziale Hilfen für traumatisierte unbegleitete Flüchtlingsjugendliche Das Programm „Psychosoziale Hilfen für traumatisierte unbegleitete Flüchtlingsjugendliche“, das von der „Aktion Mensch“ unterstützt wird, verknüpft verschiedene Schwerpunkte: Einzelberatung in Übergangsphasen, wie z.B. Schule und Beruf oder Therapie und Nachsorge. Dazu gehört auch ein Freizeitangebot. Die sozialpädagogisch angeleiteten Gruppenangebote zielen besonders auf das Training sozialer Kompeten-

noch positives Feedback auf bestimmte Umsetzungen überraschte ihn. Beim Spiel auf verschiedenen größeren Trommeln war anfangs ebenfalls eine starke Anpassung an die Vorgaben und ein Bedürfnis nach Begleitung durch die Therapeutin bemerkbar. Erst im Verlauf wagte Ramad in kleinen Schritten musikalische „Alleingänge“. Der bisherige Therapieverlauf kann als stabilisierend bezeichnet werden. Schlafstörungen und Intensität der Alpträume sind spürbar abgeklungen. Die Musiktherapie unterstützt Ramad, durch Kreativität eigene Fähigkeiten zu erkennen. Die sind notwendig, um geeignete Strategien für den Umgang mit dem Trauma zu entwickeln. Inzwischen gelingt es ihm auch zunehmend, gestalterische musikalische Prozesse einfach laufen zu lassen, ohne sich ständig einer unverhältnismäßig selbstkritischen Bewertung zu unterwerfen. Er spielt mit deutlich weniger Unterbrechungen. Diese Stärkung und Stabilisierung seiner Persönlichkeit hilft Ramad, sich den schulischen und sozialen Anforderungen im Exil besser zu stellen. Parallel kommt Ramad zu traumaorientierten psychotherapeutischen Einzelsitzungen in der KJA. zen. Von November 2009 bis Juni 2010 bildeten sechs unbegleitete minderjährige Flüchtlinge eine Gruppe. Die zwei Mädchen und vier Jungen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren stammen aus Guinea, Kenia, Nigeria und Sierra Leone. Das Kompetenztraining erfolgt in verschiedenen Modulen wie zum Beispiel „Was ist typisch deutsch?“, „Was ist Talent? Welche Talente habe ich?“, oder „Selbstsicherheit“. Nach dem Talent-Modul wurde eine eigene Talentshow innerhalb der Gruppe durchgeführt: Einige Jugendliche orientierten sich an bekannten TV-Formaten, einer zeigte Fußballtricks, ein anderer spielte Klavier und ein Mädchen trug ein selbstverfasstes Gedicht vor. Im vertrauten Gruppenrahmen scheuten sie sich nicht ihre Talente zu zeigen. Sie gaben sich gegenseitig positives Feedback, was der Wertschätzung untereinander Ausdruck verlieh. Abgerundet werden die Gruppenangebote der KJA durch gemeinsame Freizeitaktivitäten wie Sport, Besuche von Kino, Konzerthalle oder Fußballstadion und einem Grillabend. Seit November 2010 gibt es eine neue Gruppe mit sieben Jugendlichen aus Guinea, Iran, Kenia und Syrien.

Ambulante Abteilung für Kinder und Jugendliche

Der heute 17-jährige Ramad kam erst im vergangenen Jahr unbegleitet aus Afghanistan nach Deutschland. Ramad ist Waise. Seine Mutter war ermordet worden, als er sechs Jahre alt war. Einige Jahre später verlor er auch seinen Vater, als dieser bei einem Anschlag der Taliban ums Leben kam. Danach lebte er ohne weitere Angehörige als Straßenkind. Mehrfach wurde er von der Polizei aufgegriffen und misshandelt. Ramad hat einen Suizidversuch in Afghanistan hinter sich und einen schwierigen Fluchtweg über Griechenland. Von der betreuten Wohneinrichtung für unbegleitete minderjährige Flüchtlingsjugendliche wurde er wegen Schlafstörungen sowie Angst- und Schmerzzuständen an das bzfo verwiesen.

9


Ambulante Abteilung für Kinder und Jugendliche

In der Einzelberatung der Jugendlichen, die das Programm anbietet, geht es häufig um Fragen der Ausbildungsplatzsuche und um die geeignete Bewerbung dafür. Besondere Bedeutung gebührt der Nachsorge der betreuten Kinder und Jugendlichen, weil Hilfen über die Jugendämter meist mit dem 18. Geburtstag enden. Ziel ist es, weiterhin Ansprechpartner für ehemalige Patientinnen und Patienten zu bleiben. 2010 wurden im Rahmen der Nachsorge 35 junge Menschen im Alter bis zu 23 Jahren kontinuierlich beraten. Sie kamen aus Afghanistan, Angola, Guinea, Iran, Kenia, Libanon, Liberia, Nigeria, Sierra Leone, Syrien, Tschetschenien und der Türkei.

10

• Hassib aus Afghanistan – Fallbeispiel (anonymisiert)

Heute ist Hassib 16 Jahre alt und besucht eine deutsche Regelschule: Seine Leidensgeschichte begann vor gut zehn Jahren. Als er fünf war, flohen seine Eltern mit ihm und einem jüngeren Bruder aus Afghanistan in den Iran. Sein Vater wurde von den Taliban verfolgt. Nach sieben Jahren als illegale Flüchtlinge im Iran wurden Hassib und sein Vater abgeschoben und in Afghanistan von den Taliban unter Druck gesetzt. Der Junge, inzwischen zwölf Jahre alt, wurde geschlagen und musste auch die Misshandlung seines Vaters miterleben. Nach drei Wochen in Haft wurden beide entlassen. Ihnen gelang die abermalige Flucht in den Iran. Als Hassib 14 war, beschlossen die Eltern, den Iran zu verlassen. Zu Fuß und auf LkwLadeflächen flohen sie über das Gebirge in die Türkei und quer durch das Land bis ans Ägäische Meer im Westen. Dort wurde die Familie getrennt, als sie nachts per Boot auf eine griechische Insel übersetzen wollte. Hassib musste allein auf ein Schlauchboot, in dem etwa 40 weitere Flüchtlinge saßen. Die Eltern und sein Bruder blieben zurück, um auf ein weiteres Boot zu warten. Seither hat der Junge von seiner Familie nichts mehr gehört. Der 14-Jährige wurde am Strand einer griechischen Insel festgenommen und für mehrere Wochen in einem militärisch bewachten Lager interniert. Unterstützung und rechtliche Beratung gab es dort nicht. Stattdessen wurden Flüchtlinge, die sich über die katastrophalen Zustände in dem Lager beschwerten, misshandelt.

Nach einiger Zeit wurde der Junge nach Athen gebracht und erhielt die Aufforderung, Griechenland binnen 14 Tagen zu verlassen. Hassib lebte mehrere Wochen mit anderen „gestrandeten“ afghanischen Jugendlichen in Athen und verdiente etwas Geld durch das Sammeln von Pfandflaschen. Versteckt auf einem Lkw gelang ihm schließlich die Einreise nach Deutschland. Nach einigen Wochen in einem Quartier für die Erstaufnahme unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge lebt er heute in einer Jugendhilfeeinrichtung und hat inzwischen eine befristete Aufenthaltserlaubnis erhalten. Hassib wurde im bzfo wegen massiver Schlafstörungen, Alpträume und innerer Unruhe vorgestellt. Er litt unter Konzentrationsstörungen, weil seine Gedanken ständig um die Frage kreisten, wo seine Familie sein könnte. Der schmerzliche Verlust führte immer wieder zu Gedanken von Lebensüberdruss. In der Psychotherapie gelang es, ihn durch ressourcenstärkende Interventionen zu stabilisieren. Sein Selbstvertrauen nimmt zu, und er berichtet vermehrt über seine traumatisierenden Erlebnisse in Afghanistan, im Iran und auf der Flucht. Sein Schlaf wird weiterhin durch Alpträume gestört. Allerdings beginnt er, Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Nach erfolgreichem Sprachkurs erlebt er inzwischen auch durch die Integration in eine deutsche Regelschule Erfolg und Unterstützung. Um den Verbleib von Hassibs Familie zu klären, hat sich der Suchdienst des DRK eingeschaltet.


Wohnverbund für Migrantinnen

In den Herkunftsländern der Patientinnen und in ihren Kulturen hat die Frauengemeinschaft einen hohen Stellenwert und trägt stark zur Persönlichkeitsentwicklung bei. Der Wohnverbund knüpft an diese vertrauten sozialen Strukturen an, ermöglicht Kontakte zu anderen Frauen, die ähnliche Erfahrungen machen mussten und bietet somit einen Raum, der von gegenseitiger Achtung und Wertschätzung geprägt ist. Die Gemeinschaft und der Austausch der Patientinnen tragen dazu bei, eigene Scham- und Schuldgefühle zu mindern und erleichtern das Bearbeiten der traumati-

sierenden Geschehnisse im Verlauf des therapeutischen Prozesses. Die Erkenntnis, aufgrund des Erlebten nicht abgelehnt zu werden und Akzeptanz in der Gruppe zu finden, ist die Basis dafür, wieder Vertrauen in sich selbst und andere Menschen fassen zu können. Gemeinsam ist den Frauen neben Diskriminierung und Traumatisierung außerdem der Verlust ihrer kulturellen Identität, den sie als „Entwurzelung“ erleben. Durch ihre Flucht in ein fremdes Land mussten sie ihr bisheriges soziales und familiäres Umfeld verlassen. Viele von ihnen haben darüber hinaus auch ihre berufliche Identität verloren. Die Integration in das hiesige Gesellschaftssystem ist aufgrund der Krankheitssymptomatik und des kulturellen Hintergrundes oft schwer. Aber auch Vorurteile und rechtliche Barrieren hierzulande behindern die Integration. Dadurch fällt es schwerer, zur Ruhe zu kommen und ein Sicherheitsgefühl zu erlangen — beides wichtige Voraussetzungen für die Genesung. Viele der Patientinnen sind mit Mann und Kindern aus ihrem Heimatland geflohen, in dem sie aus unterschiedlichsten Gründen nicht mehr bleiben konnten. Das Familiensystem spielt für die Frauen eine konträre Doppelrolle — es ist wichtige Ressource für die Gesundung und Belastungsquelle zugleich. Die meisten Patientinnen haben berechtigte Angst, etwa bei Bekanntwerden erlittener sexueller Übergriffe aus dem verbliebenen familiären oder sozialen Verbund ausgeschlossen zu werden. Krankheitssymptome und Somatisierung wer-

Wohnverbund für Migrantinnen

2010 wurden im Wohnverbund für Migrantinnen insgesamt 29 Frauen im Alter zwischen 18 und 58 Jahren aus 11 Ländern – die meisten Patientinnen kommen aus Bosnien-Herzegowina, Iran, Kroatien, Tschetschenien und der Türkei – betreut und behandelt. Die meisten litten unter starken Depressionen, Symptomen einer Postraumatischen Belastungsstörung sowie anderen psychischen Erkrankungen. Der Wohnverbund ist eine therapeutische Einrichtung des bzfo für Frauen ab 18 Jahren, die eine geschlechtsspezifische Betreuung und Behandlung benötigen. Die Krankengeschichten der Patientinnen rühren meistens von erlittener Gewalt, von Folter, Verfolgung und sexuellen Übergriffen. Der Wohnverbund stellt eine Art Schutzraum für die Frauen dar und bietet neben einer therapeutischen Wohngemeinschaft mit vier Plätzen hauptsächlich betreutes Einzelwohnen in den Wohnungen der Frauen in BerlinMitte.

11


Wohnverbund für Migrantinnen

• Sommerfahrt

12

den durch das überlebensnotwendige Verschweigen aufrechterhalten und verstärkt. Andererseits trägt die Familie als soziales Netz aber auch zur Gesundung bei. Ein Verbleib in der eigenen Wohnung bei gleichzeitiger hoher Betreuungsdichte durch das Team des Wohnverbundes soll die Wiedererlangung alltagspraktischer Fähigkeiten und sozialer Kompetenz ermöglichen und die Integration in der neuen Heimat fördern. • Betreuung und Behandlung Im Wohnverbund für Migrantinnen setzte sich 2010 ein Team von sieben Festangestellten und vier Praktikantinnen für die Belange der Frauen ein. Im Rahmen von psychologischer Psychotherapie und Unterstützung bei Schriftverkehr, Behördengängen, Arztbesuchen sowie in aufenthaltsrechtlichen Fragen wurde den Patientinnen geholfen, sich in der neuen Umgebung zurecht zu finden und Schritt für Schritt mehr Selbstständigkeit zu erlangen. In Krisensituationen konnten sie jederzeit das „Notfall-Handy“ der Betreuerinnen erreichen. Das Betreuungs- und Behandlungsangebot des Wohnverbundes umfasste neben tagesstrukturierenden Elementen außerdem ein breites Spektrum an wöchentlichen Gruppenangeboten. Dazu gehörten Deutschkurse, eine Sportgruppe, eine Kreativgruppe, eine Psychoedukative Gruppe, eine Gartengruppe, eine Fotogruppe, eine Entspannungsgruppe sowie Frühstücks- und Kochgruppen.

Zu den Höhepunkten im Veranstaltungskalender des Wohnverbundes gehörte außer der jährlichen Weihnachtsfeier besonders die Sommerreise. Im August 2010 fuhren 13 Patientinnen in Begleitung von drei Betreuerinnen und drei Praktikantinnen für eine Woche auf die Insel Rügen. Auch neun Kinder zwischen drei und elf Jahren konnten sich vom anstrengenden Berliner Großstadtgetümmel erholen. Das Ferienhaus in Bobbin, einem kleinen Dorf am Meer, gesäumt von Kornfeldern und Blumenwiesen, bot den Frauen einen Ort der Stille und Erholung. Ein großer Garten lud zum Spielen und Entspannen ein und wurde von allen gern genutzt. Neben Strandtagen nach dem Frühstück im Garten gehörten auch verschiedene Ausflüge zum Programm. So ging es per Schiff zur Kreideküste oder zu Fuß durch den nahen Dinosaurierpark. Ausgedehnte abendliche Spaziergänge rundeten die Tage ab. Jeden Abend kochte eine andere Gruppe von Frauen, so dass täglich wechselnde Gerichte aus aller Welt auf den Tisch kamen. Zu späterer Stunde wurde oft zu arabischer, türkischer und westlicher Musik getanzt. Trotz der unterschiedlichen Muttersprachen und meist geringen Deutschkenntnissen war zu beobachten, dass anfängliche Schüchternheiten schnell abgelegt wurden und innerhalb einer Woche eine starke Gemeinschaft entstand. Kleinere Zwischenfälle — einen Tag gab es nur kaltes Wasser zum Duschen, und die Spülmaschine fiel öfter aus — wurden humorvoll aufgenommen und schweißten die Gruppe noch mehr zusammen.


Die Alltagssorgen rückten in diesen Tagen etwas in den Hintergrund. Die Frauen fanden viel Ablenkung und Verständnis durch die Gemeinschaft. Auch Monate später waren die Reiseerlebnisse immer noch gegenwärtig und sorgten weiter für positive Rückmeldung. Die Frauen erzählten von ihren schönen Erinnerungen und schauten sich gern die Fotos von den sommerlichen Ferientagen auf Rügen an. Der Wohnverbund für Migrantinnen bietet ein umfassendes, patientenzentriertes Betreuungs- und Behandlungsangebot, das auf den Genesungsprozess und die Integration der Frauen positiven Einfluss nimmt. Der Fall von Frau B. zeigt exemplarisch, wie das Konzept greift:

Frau B., 30 Jahre alt, wurde in Tschetschenien geboren. Das Verhältnis zu ihren Eltern und den Geschwistern war sehr eng, der Zusammenhalt stark. Die Mutter, eine warmherzige und verantwortungsbewusste Frau, kümmerte sich sehr um das Wohl und die Sicherheit der Kinder. Der Vater, der zeitlebens unter einer chronischen körperlichen Erkrankung litt, hatte ebenfalls eine liebevolle Beziehung zu Frau und Kindern. 1994, nach dem Beginn des ersten Krieges mit Russland im Gefolge der Ausrufung Tschetscheniens als unabhängige islamische Republik, war Frau B. 13 Jahre alt. Bei Angriffen versteckte sich die Familie im Keller. Russische Soldaten bedrohten die Familie, die fortan Tag und Nacht von Furcht und Schrecken begleitet wurde. Mit 15 Jahren erlebte Frau B., wie eine Verwandte bei einem Bombenangriff in Stücke gerissen wurde. Die Bilder des zerfetzten Körpers und die Versuche ihrer Mutter, die Körperteile wieder zusammenzusetzen, kann sie nicht vergessen. Bis heute wird sie immer wieder von ihnen heimgesucht. Da es in der Kriegszeit häufig zur Vergewaltigung von Mädchen und jungen Frauen durch Soldaten kam, versuchte die Mutter von Frau B., ihre Tochter durch Verheiratung zu schützen. So wurde sie nicht aus Liebe, sondern zu ihrem Schutz verheiratet. Dass ihr Mann als Widerstandskämpfer galt, wusste Frau B. vor der Heirat nicht. Erst später erfuhr sie, dass er bereits von Russen gefoltert worden war und schwere Verletzungen erlitten hatte. Immer wieder musste er sich verstecken und besuchte seine Frau nur selten, um sie nicht in Gefahr zu bringen.

Frau B. gebar einen Sohn. Ein Jahr später drangen drei Männer auf der Suche nach ihrem Ehemann in ihr Zimmer ein. Sie drohten ihr, sie zu vergewaltigen und das Haus anzuzünden, wenn sie nicht sagen würde, wo ihr Mann sich aufhalte. Sie wurden handgreiflich. Die Furcht, dass ihr und ihrem Kind etwas geschieht, war so stark, dass sie das Bewusstsein verlor. Was dann geschah, weiß sie nicht und wagt auch gar nicht, sich dazu etwas vorzustellen. Zurück blieb große Angst. Dieser Vorfall war der Auslöser für die Flucht. Im Herbst 2005 floh Frau B. mit ihrem Mann und dem Kind nach Deutschland. In Deutschland verschlechterte sich jedoch der Zustand ihres Mannes rapide. Gepeinigt von Schmerzen und quälenden Erinnerungen verlor er häufiger die Beherrschung und tat seiner Frau Gewalt an. Frau B. flüchtete in den Frauenwohnverbund des bzfo und es gelang ihr, die Trennung von ihrem Mann durchzusetzen, der später aus Deutschland abgeschoben wurde. Ihr kleiner Sohn geht inzwischen in den Kindergarten und spricht perfekt deutsch. Auch Frau B. lernt fleißig die Sprache und kommt allmählich zur Ruhe. In der Einzeltherapie arbeitet sie ihre Geschichte auf. In Alpträumen holt die Vergangenheit sie jedoch immer noch häufig ein. Auch vermisst sie ihre Familie sehr. Zurück nach Tschetschenien möchte sie aber keinesfalls, da sie Angst hat, dass ihr Ex-Mann und seine Verwandten den kleinen Sohn holen könnten. Frau B. ist glücklich, dass der Junge hier Freunde gefunden hat. Auch sie lebt sich allmählich ein.

Wohnverbund für Migrantinnen

• Frau B. aus Tschetschenien – Fallbeispiel (anonymisiert)

13


Tagesklinik

Tagesklinik

14

Flüchtlinge, die durch Kriegsgewalt und Folter so schwer traumatisiert sind, dass eine ambulante Behandlung zur Genesung nicht ausreicht, werden in der Tagesklinik des bzfo versorgt. 45 Patientinnen und Patienten wurden dort 2010 behandelt. Die durchschnittliche Behandlungsdauer verkürzte sich von rund einem Dreivierteljahr auf ein gutes halbes Jahr. Zurückzuführen ist diese positive Entwicklung auf die räumliche und personelle Erweiterung der Tagesklinik in den beiden vergangenen Jahren. Die zwei zusätzlichen Behandlungsräume und ein Ruheraum sowie eine weitere Krankenpflegekraft trugen auch 2010 spürbar zur Steigerung der Effizienz der psychiatrisch-psychotherapeutischen teilstationä­ ren Behandlung bei. Ebenso hatte die zunehmende Erfahrung des Behandlungsteams der Tagesklinik daran großen Anteil.

Die 45 Tagesklinik-Patienten im Jahr 2010 waren im Schnitt 40 Jahre alt, der jüngste 20, der älteste 58 Jahre. Es handelte sich um 23 Männer und 22 Frauen. 20 von ihnen stammten aus der Kaukasusregion, darunter neun aus Tschetschenien. Die nächste größere Patientengruppe bildeten Iraner mit sieben Patientinnen und Patienten. Jeweils vier kamen aus dem Irak und den Balkanländer sowie drei aus der Türkei. Weitere Patienten kamen aus dem Libanon, Syrien, Sri Lanka und Kamerun. Ein Großteil der Patientinnen und Patienten von 2010 litt gleichzeitig unter mehreren komplexen psychiatrischen Störungen. Mit 29 Fällen waren schwere Rückfälle bei Depressionen die häufigste Diagnose, gefolgt von 17 Fällen einer Posttraumatischen Belastungsstörung.

Montag

Dienstag

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

Frühstück

Frühstück

Frühstück

Frühstück

Frühstück

10:00-11:00

Deutschunterricht

Deutschunterricht

Deutschunterricht

Deutschunterricht

Beratungen/ Visite

11:00-12:00

Deutschunterricht

Deutschunterricht

Deutschunterricht

Deutschunterricht

Ausflug

Orga-Gruppe

PEGGruppe A

Garten Gruppe A

PEGGruppe A

Ausflug

13:00-14:00

Mittagessen

Mittagessen

14:00-15:00

KBT Gruppe A und B

Sport Gruppe A

15:00-16:00

KBT Gruppe A und B

Physiotherapie/ Sport Gruppe A und B

09:00-10:00

12:00-13:00

Garten Gruppe B

Musiktherapie Gruppe B

Mittagessen Psychth Gruppe B

Garten Gruppe B

Mittagessen

Mittagessen

Garten

Nachsorge

Ergoth Gruppe A

Psychth Gruppe B

Musiktherapie

Physiotherapie Sport

Ergoth Gruppe A

Physiotherapie Sport

Ausflug Ausflug


Die Behandlungsdauer Patientinnen und Patienten • Herr S. aus Dagestander – Fallbeispiel in der (anonymisiert) Tagesklinik lag zwischen sechs Wochen und knapp 16 Monaten. 17 der 45 Patienten des Jahres 2010 waren Besonders lange dauerte die Behandlung von Herrn S. — fast 16 Monate. Als er erstmals in Begleitung von Helfern in die Tagesklinik gebracht wurde, war er stumm und reagierte nicht auf direkte Ansprache. Sein Schweigen hatte keine organischen Ursachen, sondern beruhte auf einer psychogenen Kommunikationsstörung. Der heute 28-jährige Herr S. wirkte abgestumpft, fast ohne jedes Gefühl, gelegentlich lächelte er — oft in unpassenden Momenten. Später begann er, einsilbig auf einige Fragen zu antworten. Herr S. stammt aus der Kaukasusregion und war auf einem Bauernhof aufgewachsen, den er als einziger Sohn gemeinsam mit der Mutter bewirtschaftet hatte. Der Vater war früh gestorben. Weitere Fragen, auch zu möglichen Gründen für die Flucht nach Deutschland, führten zunächst zu keinen weiteren Antworten.

Nach der Aufnahme in die Tagesklinik zeigte sich Herr S. unter Medikation nach kurzer Zeit gegenüber seiner Umgebung deutlich aufgeschlossener und angemessener im Umgang. Seine Stimmungslage hellte auf, im Affekt wirkte er wieder schwingungs- und modulationsfähig. Er offenbarte zunehmend freundliche Zuwendung und hohe Motivation im Therapieprogramm. Bereits nach sechs Wochen war Herr S. in der Lage, die Fahrten zur Tagesklinik und zurück allein zu bewältigen. Das Bild hat Herr S. gegen Ende der Behandlung in der Tagesklinik des bzfo angefertigt. Es zeigt eine Ansicht auf seinen heimischen Bauerhof mit dem Blick auf die Berge des Kaukasus.

Tagesklinik

Somatisierungsstörung (13 Fälle), Anpassungsstörung (11), schizophrene Störung (4), Borderline Persönlichkeitsstörung und generalisierte Angststörung (je 2) sowie andauernde Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung und demenzielle Entwicklung bei neurologischer Grunderkrankung (je 1) waren die weiteren psychiatrischen Diagnosen. Außerdem wurden bei der umfangreichen allgemeinmedizinischen Diagnostik körperliche Erkrankungen wie arterieller Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Hepatitis B und C sowie in einem Fall eine schwere Herzkrankheit bei Mitralklappeninsuffizienz und in einem anderen Fall ein Schilddrüsenkarzinom festgestellt.

schon im Vorjahr aufgenommen worden und mussten weiterbehandelt werden, 28 kamen 2010 neu hinzu. In insgesamt 16 Fällen dauerte die Behandlung länger als sechs Monate.

15


Tagesklinik

• Dissoziative Amnesie

16

Auch im Deutschunterricht der Tagesklinik beteiligte Herr S. sich intensiv und machte gute Fortschritte. Er erinnerte sich auch daran, früher in seiner Schule Deutsch gelernt zu haben. Die weitere Erinnerung an seine Vorgeschichte schien dagegen vollständig ausgelöscht. Patienten mit psychischen Traumafolgestörungen leiden häufig unter einer partiellen dissoziativen Amnesie, die sich meistens auf die traumatischen Erlebnisse bezieht. Herr S. hatte jedoch eine dissoziative Amnesie für fast seine komplette Biographie. Durch stetes Befragen kamen allenfalls kleine Erinnerungsfragmente aus der Schulzeit von Herrn S. wieder zurück. Im Umgang mit den Mitpatienten zeigte Herr S. sich freundlich, unbeschwert und recht aufgeschlossen. Sonst in Gruppentherapien öfter auftretende Konflikte, die Hinweise auf psychodynamische Konfliktlagen in den Herkunftsfamilien bieten können, gab es für Herrn S. nicht. Unberührt von Ängsten, Neid oder Konkurrenzgefühlen pflegte er einen kindlich-arglosen Umgang mit den Menschen seiner Umgebung. Dies konnte als Beleg betrachtet werden, dass sein Gedächtnisverlust keine Simulation war. Herr S. lebte einfach nur im Hier und Jetzt. Auch zukunftsbezogene Fragen wurden von ihm arglos, unbestimmt oder mit einem Schulterzucken beantwortet.

Das tagesklinische Therapieprogramm für Herrn S. wurde auf die Rekonstruktion des biographischen Gedächtnisses ausgerichtet. Daran arbeitet er intensiv und motiviert mit. Er begann, sich mit schöner Handschrift zu Hause die Bruchstücke wiederkehrender Erinnerungen zu notieren. Auch las er wieder russische Literatur, von der er einige Kenntnisse zu haben scheint. Bei handwerklichen Arbeiten im Rahmen der Ergotherapie und bei der Gartenarbeit zeigte Herr S. großes Geschick. Sein prozedurales Gedächtnis schien im Wesentlichen erhalten geblieben zu sein. Nach vielen Monaten intensiver Therapie hat Herr S. allmählich die Erinnerung an größere Teile seiner Biographie und damit seine Identität wiedergefunden. • Vorgeschichte Geboren und aufgewachsen ist Herr S. in einem Dorf im Kaukasus, wo seine Eltern eine Landwirtschaft betrieben. Nach seiner Erinnerung war der Vater im Alter von 55 Jahren an den Folgen eines Herzleidens gestorben. Damals sei er 15 Jahre alt gewesen und habe neben der Schule mit der Mutter den Bauernhof bewirtschaftet. Geschwister habe er nicht gehabt. Von den Kühen, Schafen und Hühnern habe man gut leben können. Nach dem Tod des Vaters habe er fortan jeden Tag frühmor-


• Traumaanamnese Erst nach Monaten mühevoller Kleinarbeit gelang die Traumaanamnese: Herr S. begann, sich an seine „Abwesenheit“ zu erinnern. Rund drei Jahre sei er in Geiselhaft gewesen — in einem Waldgebiet vermutlich in Tschetschenien an der Grenze zu Dagestan. Mit zwei anderen Mitgefangenen habe er sich ein kleines unterirdisches Verlies teilen müssen, das nur durch eine Luke von oben zugänglich war. Tageslicht gab es in dem Verlies nicht. Die Nahrung bestand aus Brot, Konserven und Wasser. Zur Verrichtung der Notdurft mussten die Wächter gerufen werden, um die Luke nach draußen zu öffnen. Einmal in der Woche gab es Gelegenheit, sich draußen zu waschen. Die täglichen Arbeitseinsätze für die drei Gefangenen bestanden darin, Gräben, Verliese und Tunnel in den Wäldern auszuheben. Man habe bis zum Umfallen gearbeitet und sei dann wieder in das Erdverlies gebracht worden. Die Entführer, der Sprache nach zu urteilen vermutlich Tschetschenen, hätten ihn frühmorgens aus seinem Dorf verschleppt, als er die Kühe auf die Weide brachte. Nach Schlägen und mit einer Schusswaffe am Hinterkopf sei er bewusstlos geworden und erst wieder zu sich gekommen, als man ihn in das Verlies warf. Aus den Schilderungen der beiden anderen Gefangenen erfuhr er, dass er sich auf eine längere Gefangenschaft einrichten müsse. Für Fluchtversuche wurde der Tod angedroht. Er habe sich den Verhältnissen angepasst. Nach etwa drei Jahren hätten die Wärter eines Nachts ver-

gessen, die Luke des Verlieses abzuschließen. Da sei er geflohen. Die beiden anderen seien aus Furcht zurückgeblieben. Am nächsten Morgen habe er eine größere Straße erreicht. Ein Lastwagen habe ihn mitgenommen und mittags sei er zu Hause gewesen. Seine Mutter sei völlig überrascht und glücklich gewesen und habe alle Nachbarn zusammengerufen. Nach der ersten Freude über das unverhoffte Wiedersehen sei allen klar gewesen, dass er aus dem Ort weg müsse. Die Dorfbewohner fürchteten sich vor möglichen Repressalien der Entführer. Drei Tage habe er sich bei einem Nachbarn versteckt. Dann sei ihm dank der Ersparnisse seiner Mutter die Flucht nach Deutschland gelungen. • Vier Phasen Herr S. war gut 15 Monate im bzfo in tagesklinischer Behandlung. Für ihn gab es vier Phasen: In der ersten lebte er ohne biographisches Gedächtnis und ohne großen Leidensdruck arglos und unbehelligt im Hier und Jetzt. In der zweiten Phase packte ihn ein starkes Heimweh mit den ersten wiederkehrenden Erinnerungen an seine Familie und den Bauernhof. Er wurde depressiv und litt erheblich. In der dritten Phase entwickelte er mit der zunehmenden Wiedererinnerung an die traumatischen Erfahrungen der Gefangenschaft eine Posttraumatische Belastungsstörung. Begleitet wurde sie von Alpträumen und paranoiden Ängsten, die Entführer könnten seinen neuen Aufenthaltsort erfahren. In der vierten Phase stabilisierte sich Herr S. und wurde aktiver und ausgeglichener. Die paranoiden Ängste und die Depressionen verschwanden. Wenn seine traumatischen Erfahrungen thematisiert wurden, kam es nur noch zu leichten dissoziativen Abwesenheiten. Seine Gedanken richteten sich vermehrt auch auf die Zukunft. Inzwischen hat Herr S. wieder Kontakt zu seiner Mutter gefunden. Längere Zeit hat er als Helfer auf einem Kinderbauernhof in Berlin gearbeitet. Sein Wunsch ist es, nach erhaltener Aufenthaltserlaubnis in Brandenburg Arbeit in der Landwirtschaft zu finden.

Tagesklinik

gens vor Schulbeginn die Kühe gemolken und die Ställe sauber gemacht. Nach der Schule habe er die Kühe von der Weide geholt. Dann sei er längere Zeit „abwesend“ gewesen, und die Mutter habe den größten Teil der Landwirtschaft nach und nach verkauft. Auf alle Fragen nach dem Zeitpunkt und der Dauer seiner „Abwesenheit“ sowie nach seinen Erlebnissen während dieser Zeit reagierte Herr S. über Monate weitgehend stumm. Die weitere Erhebung der Anamnese musste wiederholt vertragt werden.

17


Internationales

Internationales

18

Schwerpunkt der internationalen Arbeit des bzfo ist die Sicherung elementarster Rechte in Staaten, die ihre Menschen verfolgen, foltern oder anderweitig misshandeln. Am wirkungsvollsten gelingt dies vor Ort. Dafür baut das bzfo Rehabilitationszentren in Verfolgerstaaten auf und arbeitet eng mit etablierten Organisationen vor Ort zusammen, die in der Menschenrechtsarbeit erfahren sind. 2010 stand besonders die Arbeit im Irak im Fokus: Das bzfo und das 2005 von ihm gegründete Behandlungszentrum Kirkuk Center for Torture Victims bauten ihr Engagement für Opfer von Folter und anderen Menschenrechtsverletzungen im Nordirak weiter aus. Insgesamt wurden dort 2700 Patientinnen und Patienten 2010 versorgt und betreut. • Kirkuk, Sulaymaniyah und Erbil Mit finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amtes und der Europäischen Union hat das bzfo drei Rehabilitationszentren in den nordirakischen Großstädten Kirkuk, Sulaymaniyah und Erbil aufgebaut. Alle drei Zentren bieten neben psychotherapeutischer und sozialer Unterstützung auch medizinische Versorgung von Folteropfern. Zusätzlich unterhält jede Einrichtung separate Abteilungen für traumatisierte Kinder und Frauen. Die Abteilungen leisten alters- und geschlechtsspezifische Unterstützung und konzentrieren sich besonders auf Familientherapie. In der Stadt Kirkuk wurden, wie bereits im vergangenen Jahr, Männer, Frauen und Kinder behandelt, die aufgrund von Folter, Verfolgung, Krieg, Terror oder häuslicher Gewalt traumatisiert sind. Im Jahr 2010 versorgte

das rund 40-köpfige Team fast 2000 Patientinnen und Patienten. Die hohe Zahl spiegelt den enormen Bedarf an Rehabilitation in einer Region wider, deren Bewohner bis heute unter den Folgen Gewalt leiden. Das Team des Kirkuk Center erweiterte sein Angebot für die wachsende Zahl von Binnenflüchtlingen aus anderen Regionen des Landes und für Opfer von Terroranschlägen. Die Behandlungszentren in Sulaymaniyah und Erbil beschäftigen mittlerweile insgesamt rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter Ärzte, Psychiater, Psychologen, Sozialarbeiter, Pädagogen, Forscher und administrative Kräfte. Seit der Gründung wurden in beiden Zentren ca. 700 Patienten behandelt. Um dem enormen Bedarf an Therapie und Behandlung in den ländlichen Gebieten gerecht zu werden, wurde auch im Sulaymaniyah Center damit begonnen, mit Mobilteams die Menschen in den entlegenen Dörfern aufzusuchen. Alle drei Zentren haben 2010 ihr Hilfsangebot für traumatisierte Frauen besonders verstärkt. Insgesamt wurden in dem Jahr mehr als 800 Frauen behandelt. Das entspricht 32 Prozent aller Behandlungen. „Therapien mit Opfern von häuslicher Gewalt müssen häufig abgebrochen werden, weil der Ehemann oder ein anderer Angehöriger der Klientin den Besuch des Zentrums verbieten”, sagt Dr. Noora Erfan, Therapeutin aus Kirkuk. „Zudem ist das Konzept der Familientherapie im Irak noch unbekannt. Daher versuchen wir immer, das Vertrauen aller Angehörigen zu gewinnen.” In psychoedukativen Gruppen lernen Frauen ihre Rechte kennen und ihre Situation zu verstehen. In Diskussionsgruppen bestärken sie sich gegenseitig in ihren Anstrengungen, ein


selbstbestimmtes Leben zu führen. Um ein Bewusstsein für frauenspezifische Themen zu schaffen, veranstalten alle Frauenabteilungen regelmäßig Aufklärungsseminare und Vorträge in Schulen, in Gefängnissen und in anderen öffentlichen Einrichtungen. • Mobilteams und Gefängnisarbeit Die Menschenrechtsverletzungen der vergangenen 30 Jahre trafen im Irak oft die ländliche Bevölkerung. Zugleich zeigen sich die Langzeitfolgen traumatischer Erfahrungen in zerstörten Familiensystemen, so dass manchen Kindern und Jugendlichen ein fester Bezug fehlt und sie leicht straffällig werden. Aus diesen Gründen hat das Kirkuk Center seine Angebote auf dem Lande sowie in Jugend- und Frauengefängnissen verstärkt.

halt. Viele Kinder und Jugendliche werden durch die Erlebnisse ihrer überforderten Eltern mitgeprägt und leiden darunter in besonderem Maße. Die Rehabilitation von Kindern und Familien ist nicht nur von Bedeutung für das individuelle Wohlbefinden, sondern sie ist zugleich eine wesentliche Bedingung für gesellschaftliche Entwicklungs- und Versöhnungsprozesse. Da Kinder und Jugendliche in der Stadt Kirkuk zudem bis heute weiter Opfer von Terroranschlägen oder Kidnapping werden, bieten alle Einrichtungen des Kirkuk Center kinderspezifische Therapien nach dem Vorbild der Kinderabteilung des bzfo an. Dazu gehören Spiel-, Sand-, Kunst-, Musik- und Beschäftigungstherapie. Außerdem wurde in Kirkuk eine Reihe von gruppentherapeutischen Maßnahmen für Kinder mit Schulangst gestartet, die sehr ermutigende Erfolge erzielte. Insgesamt wurden im Jahr 2010 in allen Zentren fast 1000 Kinder behandelt.

In den Städten Kirkuk, Sulaymaniyah und Erbil besuchten drei Teams wöchentlich Jugendgefängnisse, um inhaftierten Kindern und Jugendlichen soziale und therapeutische Rehabilitation zu ermöglichen. Die meisten inhaftierten Jugendlichen leiden unter schweren Familienproblemen, waren Opfer von häuslicher Gewalt oder Vernachlässigung. Die Therapeuten der Gefängnisteams veranstalten deshalb regelmäßig psychoedukative Gruppensitzungen, in denen der Umgang mit Aggressionen, soziale Verhaltensweisen und Zukunftsperspektiven diskutiert werden. Zudem werden in Einzelsitzungen und durch familientherapeutische Maßnahmen Rehabilitationsmöglichkeiten erarbeitet. Im Jahr 2010 konnten die Teams fast 300 Kinder und Jugendliche beraten und therapieren. • Programme für Kinder und Jugendliche und das Kinderzentrum in Chamchamal Die Auswirkungen traumatischer Gewalterfahrungen machen auch vor der nachfolgenden Generation nicht

Im Mai 2010 gründeten das Kirkuk Center und das bzfo in der Stadt Chamchamal ein Zentrum zur Behandlung traumatisierter Kinder. Die kleine Stadt liegt auf halbem Weg zwischen Kirkuk und Sulaymaniyah und gehört zu den meistvernachlässigten und ärmsten Städten im Nordirak. Hatte die Stadt vor der Anfal-Kampagne (siehe Infokasten) nur etwa 20.000 Einwohner, so wuchs die Zahl im Zuge von Verfolgungen und Deportationen auf mehr als 100.000 Einwohner an. Viele Vertriebene sind ehemalige Bauern, die damals alles verloren haben und heute in größter Armut leben. Die desolate Situation in der Stadt führt zu großen sozialen Problemen. Häusliche Gewalt und Ehrenmorde sind an der Tagesordnung. Das Chamchamal Center hat sich binnen kurzer Zeit zu einem wichtigen Anlaufpunkt für Kinder, Jugendliche und Familien entwickelt, die Beratung und Therapie benötigen.

Internationales

Das Mobilteam des Kirkuk Center war regelmäßig in fünf Orten in der Region Kirkuk, die in besonderer Weise von einer traumatisierenden Vergangenheit und von Armut betroffen sind. 2010 wurden dort 655 neue Patientinnen und Patienten aufgenommen. Die Arbeit mit diesen stark traumatisierten Menschen, die in den vergangenen 30 Jahren keinerlei Zugang zu therapeutischer Hilfe hatten, stellt eine große Belastung für das Team aus Ärzten und Therapeuten dar. Aus diesem Grund wechseln die jeweils sechs Teammitglieder in einem Schichtsystem und werden durch Supervision begleitet.

19


• Darûn – Fallbeispiel (anonymisiert) Als Darûn erstmals in das Zentrum in Chamchamal kommt, ist er etwa 20 Jahre alt, leidet unter schweren Schlafstörungen, Ängsten und nässt immer noch das Bett ein. Seine Mutter brachte ihn ins Zentrum, weil er sozial auffällig ist und zu Aggressionsausbrüchen gegen seine Eltern neigt. Die Mutter berichtete von der Zerstörung ihres Heimatdorfes in der Nähe von Kirkuk durch die irakische Armee. Die Familie verlor alles. Auf der Flucht nach Chamchamal wurde der damals fünfjährige Darûn mehrere Male von seiner Mutter und seinen Geschwistern getrennt.

Internationales

Darûn ist leicht irritierbar und nervös. Später berichtet er von zahllosen traumatischen Erfahrungen, die sein Vertrauen in die Menschen erschüttert haben. So wurde seine Familie auf der Flucht misshandelt und schikaniert. Später erlebte er, wie seine Schwester durch eine Bombe starb, während er sie an der Hand hielt. Seither stottert er. Einige Zeit danach musste er ansehen, wie sich eine verzweifelte Frau an einem Checkpoint selbst verbrannte.

20

Die wöchentlichen psychotherapeutischen Sitzungen haben bereits eine deutliche Verbesserung von Darûns Schlafstörungen bewirkt sowie seine Alpträume und die häufige Gereiztheit vermindert. Die weitere therapeutische Behandlung wird ihm helfen, die Vielzahl erlittener Traumatisierungen zu verarbeiten und seine Ängste zu verringern.

• Hilfe für Opfer der Giftgasanschläge von 1988 Im Juni 2010 gründete das bzfo mit Hilfe des Auswärtigen Amtes ein Projekt zur Unterstützung der Opfer der Giftgasanschläge von 1988. Bis heute leiden die Opfer unter den körperlichen Folgeschäden der Angriffe und benötigen langfristige und kostenintensive Behandlungen. Aufgrund physischer und auch psychischer Beeinträchtigungen können viele der Überlebenden nicht arbeiten und sind auf die Unterstützung von Angehörigen angewiesen. Zudem sind sie häufig mit dem Stigma angeblicher Unfruchtbarkeit belastet. Hilfe erhalten die Opfer in einem Behandlungszentrum in Halabja und durch ein Mobilteam, das die umliegenden Dörfer aufsucht. In den Monaten August bis Dezember 2010 behandelte das 17-köpfige Team mehr als 400 Menschen, von denen etwa 70 Prozent Frauen waren. Aufgrund des enormen Andrangs musste zum ersten Mal seit der Gründung des Kirkuk Center eine Warteliste für

Patienten eingerichtet werden. Das Projekt in Halabja weckte seit dem ersten Tag große Aufmerksamkeit in der Region und wurde großzügig von lokalen Entscheidungsträgern und den Medien unterstützt.

Eröffnung des Behandlungszentrums in Erbil v. l. n. r.: Dr. Oliver Schnakenberg (Deutscher Generalkonsul), Asos Najib Abdullah (Ministerin für Arbeit und Soziales), Nihad Latif Qoje (Bürgermeister von Erbil)

• Infokasten Anfal-Kampagne

Im Zuge der so genannten Anfal-Kampagne zerstörte die irakische Armee systematisch mehr als 5000 Dörfer. Der mehrheitlich von Kurden bewohnte Ort Halabja erlangte traurige Berühmtheit nach der Bombardierung mit Giftgas am 16. und 17. März 1988. Etwa 5000 Menschen kamen direkt durch die Angriffe mit Senf- und Nervengas ums Leben. Bis zu 10000 Menschen wurden so schwer verletzt, dass sie später starben oder immer noch unter schweren gesundheitlichen Problemen wie Lungenschäden, Erblindungen oder Hautkrankheiten leiden. Rund 17000 Menschen flohen damals in den Iran. Viele von ihnen fanden nach ihrer späteren Rückkehr zerstörte Häuser vor, wurden deportiert oder inhaftiert. Aufgrund der Zerstörung der Infrastruktur und der Familienbande ist die Region Halabja heute eine der ärmsten im Irak und geprägt von Arbeitslosigkeit, sozialen Konflikten und häuslicher Gewalt. • Ausblick Für das kommende Jahr wird das Kirkuk Center sein Engagement für Opfer von Menschenrechtsverletzungen im Nordirak noch weiter ausbauen. So ist geplant, im Laufe des Jahres ein Rehabilitationszentrum in der Region Dohuk zu eröffnen, das u. a. Hilfen für verfolgte Minderheiten anbieten soll. In der Region Dohuk leben viele Christen, die aus Bagdad, aus Mosul und aus der Ninive-Ebene geflohen sind und aufgrund der erlebten Verfolgung traumatisiert sind. In der Stadt Chamchamal soll zudem ein Heilgarten aufgebaut werden, um Kindern und ihren Familien einen Raum für Erholung und zusätzliche Rehabilitationsmöglichkeiten zu bieten.


Forschungsabteilung

Die weiteren großen Forschungsprojekte der Abteilung sind eine Schreibtherapie für ältere Menschen (Lebenstagebuch), eine Verlaufsstudie zur Retraumatisierung sowie zwei internationale Studien: Zum einen wurde das Verhältnis von Versöhnungsbereitschaft und psychischer Gesundheit bei Opfern von Menschenrechtsverletzungen untersucht. Zum anderen ging es um die Frage, ob die Folgen der traumatischen Erfahrungen auch in die nachfolgenden Generationen hineinreichen. Für beide Studien wurden Befragungen in Kambodscha durchgeführt. Ein weiterer internationaler Schwerpunkt liegt im arabischen Sprachraum: Dort wird Trauma-Opfern mit einer Schreibtherapie übers Internet (Ilajnafsy) Hilfe angeboten. Durchführung und Erfolgskontrolle werden von der Forschungsabteilung wissenschaftlich begleitet und ständig analysiert. Neben der reinen Forschungsarbeit besteht eine weitere wesentliche Aufgabe der Abteilung auch im fachlichen Austausch unter Experten. Die Leiterin der Forschungsabteilung, Dr. Christine Knaevelsrud, ist zur Juniorprofessorin für klinisch-psychologische Intervention am Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie der Freien Universität (FU) Berlin berufen worden. Dadurch hat sich die wissenschaftliche Vernetzung mit der FU deutlich intensiviert.

Vorläufige Ergebnisse der Evaluation des Lebenstagebuchs zeigen eine deutliche Verbesserung der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) bei den meist über 70-jährigen Patientinnen und Patienten. Es konnte nicht nur eine Verbesserung der Symptomatik der Traumafolgestörungen, sondern auch eine Stärkung ihrer eigenen Ressourcen erzielt werden. Die Therapieerfolge konnten auch zwölf Monate nach der Behandlung nachgewiesen werden. Auch nach Abschluss der Behandlung kamen weiter positive Rückmeldungen in Form von Berichten über Reisen an den Geburtsort oder Dialoge mit den Kindern und Enkelkindern. Die Behandlung umfasst elf 45-minütige Schreibsitzungen, in denen nach therapeutischer Anleitung die persönliche Lebensgeschichte der Teilnehmer, das Trauma und seine Auswirkungen auf die Biographie thematisiert werden. Der Dialog zwischen Therapeutin und Patienten findet vorzugsweise per E-Mail statt. Vorteile der Therapie via Internet sind die visuelle Anonymität und ein leichter Zugang auch für Menschen mit eingeschränkter körperlicher Mobilität. Ziel ist es, eine Biographie zu erarbeiten, die eine Integration des belastenden Erlebnisses in die Lebensgeschichte des Patienten erlaubt. In Kooperation mit der Universität Dresden findet eine linguistische Analyse der Lebenstagebuch-Texte statt: Es soll untersucht werden, ob sich eine positive Veränderung der Symptomatik auch in den Texten der Teilnehmenden widerspiegelt. • Versöhnungsstudie II

21

• Lebenstagebuch Das Lebenstagebuch ist eine Schreibtherapie für ältere Menschen, die als Kinder im II. Weltkrieg traumatische Erlebnisse hatten und bis heute unter den Folgen leiden. Die Resonanz auf das Projekt war seitens der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bislang durchweg positiv und fand auch in den Medien ein großes Echo. Bis Ende 2010 waren rund 80 Therapien abgeschlossen. Das Projekt läuft weiter (www.lebenstagebuch.de).

Forschungsabteilung

Die Forschungsabteilung des bzfo begleitet die therapeutische Arbeit des bzfo wissenschaftlich, um Diagnostik und Behandlung stetig zu optimieren. Parallel werden eigene Forschungsprojekte durchgeführt: So wurde eine mehrjährige Schmerzstudie 2010 erfolgreich abgeschlossen. Die Erforschung von Schmerzstörungen nach traumatischen Erlebnissen mündete in die Entwicklung wirksamer Behandlungskonzepte durch eine biofeedbackgestützte Schmerztherapie. Sie ist inzwischen fester Bestandteil im therapeutischen Angebot des bzfo.

Eine neue Untersuchung von Versöhnungsbereitschaft und psychischer Gesundheit bei Opfern von Menschenrechtsverletzungen hat die Forschungsabteilung in Kambodscha durchgeführt. Sie setzt auf den Ergebnissen einer ersten großen Versöhnungsstudie auf, die


2008 und 2009 stattgefunden hatte. Die Versöhnungsstudie II will hauptsächlich untersuchen, wie sich die Einrichtung des internationalen Tribunals zur Aufarbeitung der Verbrechen der Roten Khmer und die erste Verurteilung eines Täters auf die psychische Gesundheit und die Versöhnungsbereitschaft der Opfer auswirken.

Forschungsabteilung

Vor dem Gebäude unseres Kooperationspartners TPO Cambodia

22

Von den im Jahr 2008 befragten mehr als 1000 überlebenden Opfern des Roten Khmer Regimes hatte sich etwa ein Viertel für eine zivile Nebenklage am Sondertribunal „Extraordinary Chambers in the Courts of Cambodia“ (ECCC) in Phnom Penh beworben. Das Tribunal bringt die Gräuel der Roten Khmer aus der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre zur Anklage. Für die Versöhnungsstudie II wurden jetzt etwa 250 Überlebende ein zweites Mal interviewt, die sich als Nebenkläger beworben hatten. Die Befragungen fanden nach dem Urteilsspruch im Fall Nr.1 statt: Mitte 2010 war der frühere Leiter des Foltergefängnisses S-21 schuldig gesprochen und zu einer Strafe von 35 Jahren Haft verurteilt worden.

Die Ergebnisse der bzfo-Studie wurden im Dezember 2010 in Phnom Penh auf einer Konferenz zur Opferbeteiligung am ECCC vorgestellt und stießen auf großes Interesse (Konferenztitel: Victim Participation and Psycho-Social Needs in the Context of the ECCC). Dank Förderung der Konferenz durch das Auswärtige Amt und den Deutschen Entwicklungsdienst konnten nationale und internationale Expertinnen und Experten mit ECCC-Mitgliedern und Vertretern von Nicht-Regierungsorganisationen (NGO) weitere Studienergebnisse austauschen und über die Belange und psychosoziale Versorgung der Opfer diskutieren. Die Versöhnungsstudie II wurde aus Mitteln des Auswärtigen Amtes finanziert. Wie schon bei der ersten Studie wurde sie wieder mit unserem kambodschanischen Partner, der „Transcultural Psychosocial Organisation“ (TPO Cambodia), durchgeführt. Ein Mitarbeiter des bzfo war während der Studie ständig vor Ort in Phnom Penh. Die Studienergebnisse sind in einem Online-Report veröffentlicht (www.bzfo.de/angebote/forschung.html).

• Transgenerationale Weitergabe von Traumafolgen Die Studie ergab, dass die Symptome psychischer Folgeerkrankungen der traumatischen Erlebnisse bei den Befragten durch das Tribunal und das erste Urteil unverändert geblieben waren. Jedoch war im Vergleich zu der Befragung vor dem Tribunal die Bereitschaft zur Versöhnung mit den ehemaligen Roten Khmer nach dem ersten Urteil leicht angestiegen. Die Studie zeigte weiter, dass die Befragten generell zufrieden mit dem Tribunal sind und ihm auch eine positive Wirkung auf den Versöhnungsprozess zubilligen. Das Interesse am Tribunal ist groß, leidet jedoch etwas unter der eingeschränkten Infrastruktur, insbesondere auf dem Lande. Ein Medienzugang, über den die Informationen hauptsächlich fließen, ist hier nicht immer gewährleistet. Festgestellt wurde weiter, dass die Überlebenden des Roten Khmer Regimes bislang kaum professionelle Hilfe im Zusammenhang mit den Folgen ihrer traumatischen Erlebnisse in Anspruch nehmen.

Ebenfalls in Kambodscha wurde bis Ende Dezember 2010 eine weitere Studie durchgeführt: Sie sollte klären, ob es auch in Kambodscha eine andernorts wiederholt beobachtete Weitergabe von Traumafolgen an die nächsten Generationen gibt und durch welche Faktoren diese Weitergabe beeinflusst wird. Dafür wurden in vier Provinzen des Landes insgesamt mehr als 800 Eltern, die das Rote Khmer Regime überlebt hatten, sowie jeweils eines ihrer erwachsenen Kinder getrennt befragt. Dabei ging es um die traumatischen Erlebnisse, um psychische Traumafolgestörungen (wie Posttraumatische Belastungsstörung, Depression), um Erziehungsverhalten und Gewalt in der Familie sowie um die Kommunikation über die Erlebnisse der Eltern. Außerdem wurde untersucht, wie es um die Aufklärung und das Wissen über das Regime und dessen Hintergründe in beiden Generationen steht. Erste Ergebnisse: Kinder wissen sehr wenig über das Regime, und auch


Chum Mey, Überlebender des Foltergefängnisses S-21

Auch diese Untersuchung wird aus Mitteln des Auswärtigen Amtes finanziert und vor Ort gemeinsam mit TPO Cambodia durchgeführt. • Verlaufsstudie zur Retraumatisierung Bis Ende 2010 sind rund 160 Patientinnen und Patienten nach erfolgreicher Therapie im bzfo in eine Verlaufsstudie einbezogen worden, die vorrangig die Auswirkungen erneuter, für die Patienten als traumatisch empfundener Erlebnisse untersucht. Die Studie bestätigt die Wirksamkeit der therapeutischen Interventionen im bzfo: Über die Zeit nehmen Posttraumatische Belastungsstörung, Angst und Depression deutlich ab. Allerdings führen traumatisch empfundene Ereignisse nach der Migration häufiger erneut zu einer Verschlechterung der Symptomatik. Die Studie zeigt, dass die ursächlichen Stressoren, beispielsweise gewalttätige Auseinandersetzungen im Heimatland, Angst um dortige Angehörige und Freunde, aber auch der unsichere Aufenthaltsstatus im Exil, destabilisierend wirken und direkt nach dem Erleben zu einem neuerlichen Anstieg der posttraumatischen Belastungssymptomatik führen können. Die Ergebnisse zeigen, dass der Symptomanstieg innerhalb von drei Monaten wieder auf die Höhe der Symptomatik vor dem Erleben zurückgeht, und dass das Prozedere der Anhörung zum Asylverfahren zu einem Anstieg der Wiedererinnerungen an die traumatischen Erlebnisse führt. Die Aufforderung, erlebte traumatische Erlebnisse, die zur Flucht führten, möglichst detailliert wiederzugeben, ist ebenso belastend wie das Gefühl, dass einem nicht geglaubt wird. Je belastender die Anhörung erlebt wird, desto größer ist die Gefahr einer neuerlichen Verschlechterung der Symptomatik.

• Schmerzstudie Die Studie zur Erforschung und Behandlung von somatoformen Schmerzstörungen bei Flüchtlingen nach traumatischen Erlebnissen abgeschlossen. Das primäre Ziel, die Verbesserung im Umgang mit den Schmerzen, wurde durch eine biofeedbackgestützte kognitive Verhaltenstherapie erreicht. Die Ergebnisse zeigten eine Verbesserung in der PTBS- und Angstsymptomatik sowie auch eine Reduzierung der Schmerzintensität. Verstärkt wurden die positiven Effekte durch zusätzliche körperliche Aktivität der Patientinnen und Patienten. Dies führte zu einer stabilen Verbesserung im Umgang mit Schmerzen. Die im Rahmen der Studie entwickelten Behandlungskonzepte sind inzwischen fester Bestandteil des therapeutischen Angebots. Die Schmerzstudie war ein multizentrisches Projekt, an dem neben dem bzfo auch das Ambulatorium für Kriegsund Folteropfer (afk) an der Universität Zürich, die Schmerzambulanz der Charité Berlin und die Schmerzambulanz der Universität Dresden beteiligt waren. • Ilajnafsy Ilajnafsy – Psychotherapie auf Arabisch – ist eine Schreibtherapie für traumatisierte Menschen aus dem arabischen Sprachraum. Der therapeutische Bedarf ist groß, allerdings mangelt es an Fachkräften vor Ort. Von Berlin aus führt ein arabischsprachiges Team die Schreibtherapie über das Internet durch. 2010 meldeten sich mehr als 1000 Betroffene an und nahmen an einem so genannten Eingangsscreening teil, das Symptomatiken wie PTBS, Angst, Depression abfragt. Im Bedarfsfall schliesst sich die traumafokussierte Schreibtherapie an. Die meisten Anfragen kamen von Hilfesuchenden aus dem Irak, die noch dort lebten oder in Länder wie Syrien, Ägypten oder Jordanien geflohen waren. Die häufigsten geschilderten traumatischen Ereignisse: Vergewaltigungen, häusliche Gewalt, Folter und Unfälle. Regelmäßige Kontrollen der Gruppe der Behandelten zeigen eine deutliche Verminderung der posttraumatischen Belastungssymptomatik. Auch psychosomatische Beschwerden nahmen ab und die Lebensqualität stieg an. Die positiven Ergebnisse deuten darauf hin, dass Ilajnafsy im arabischen Kulturraum anwendbar und effektiv bei der Behandlung posttraumatischer Störungen ist. Finanziert wird das Projekt bis Mitte 2011 vom katholischen Hilfswerk Misereor.

Forschungsabteilung

die Eltern sind teilweise kaum über die aktuellen Aufarbeitungsprozesse informiert. Die Eltern reden wenig über ihre Erlebnisse. Die Auswertung der Befragungen erfolgt 2011.

23


Bibliothek

Bibliothek

Die Bibliothek des bzfo verfügt über einen deutschlandweit einzigartigen Bestand an Medien und Materialien zu Themen wie Folter, Verfolgung und anderer Gewalt sowie zu deren Folgen für die körperliche und psychische Gesundheit der Opfer. Im Jahr 2010 ist der Gesamtbestand der Spezialbibliothek auf mehr als 38.000 Medieneinheiten angewachsen, die vor Ort verfügbar sind. Neben mehr als 5000 Büchern befinden sich Fachartikel, Aufsätze, Broschüren, Zeitungsausschnitte, Kongressberichte sowie Audio- und Video-Dokumente zum Thema Traumatisierung sowie angrenzenden Bereichen im Präsenzbestand. Rund 100 Zeitschriften werden kontinuierlich gehalten. Die Bibliothek ist zugleich das Archiv des bzfo, in dem die Arbeit der verschiedenen Abteilungen dokumentiert wird. Daraus ergibt sich auch ihre wichtige Funktion für die Entwicklung neuer wissenschaftlicher Arbeiten und Projekte unter dem Dach des Zentrums ÜBERLEBEN.

24

Die Nutzungszahlen der Bibliothek sind 2010 weiter angestiegen. Dies gilt nicht nur für die interne Nutzung durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Zentrums ÜBERLEBEN, sondern auch für die externe. 20 externe Anfragen pro Woche sind keine Seltenheit. Die Zahl neuer Besucherinnen und Besucher, die zunächst eine Einführung in den Bestand und das Ordnungssystem der Bibliothek benötigen, musste auf zwei pro Woche begrenzt werden. Selbst für den Mitarbeiterkreis wurden wegen des großen Andrangs, an Spitzentagen bis zu 30 Anfragen, feste Öffnungszeiten eingeführt. 2010 machte die Bibliothek ihren Bestandskatalog auch online zugänglich. Diese neue Recherchemöglichkeit wurde gut angenommen, wie 37.000 Abfragen und Zugriffe ab Mai belegten. Allerdings zeigten sich noch Schwächen in der Anpassung der Bibliothekssoftware ABCD. Die Benutzerfreundlichkeit des kostenlosen Open-Source-Programmes muss verbessert werden. An einer Lösung wird gearbeitet. Auch an dem großen internationalen Projekt „Thesaurus of Torture Terminology“ (T3) ging es 2010 in kleinen Schritten voran. Eine erste Version konnte erst zu Jahresende vorgestellt werden. Der Thesaurus soll ein systematisiertes Vokabular zum komplexen Thema Folter bieten, nach dem Dokumente praktisch normiert erfasst, abgelegt und wiedergefunden werden können.

Große Resonanz fand im Juni 2010 der „Tag der offenen Tür“ auch in der Bibliothek. Weit mehr als 50 Besucher informierten sich vor Ort. Darunter waren nicht nur Fachleute aus der Flüchtlingsarbeit, aus Behörden sowie niedergelassene Psychologinnen und Psychologen, sondern auch zahlreiche interessierte Privatpersonen. Sehr nutzbringend verlief eine Studienreise von Bibliothekaren aus dem gesamten Bundesgebiet nach Straßburg. Ziel waren die Menschenrechtsinstitutionen des Europarates. Geführt von der Bibliothekarin des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte kam es zu einem regen Austausch mit Bibliothekaren und Dokumentaren verschiedener Abteilungen des Europarates — der Parlamentarischen Versammlung, der Informations Life Cycle Division, der Europäischen Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI), der Europäischen Sozialcharta (ESC), dem Europäischen Komitee zur Verhütung von Folter (CPT) und dem Menschenrechtskommissariat. Durch die neu gewonnenen Kontakte werden sich für die Arbeit der bzfo-Bibliothek weitere Möglichkeiten eröffnen.


Bestenliste 2010 (im Jahr erschienen und am meisten eingesehen) Psychoedukation bei posttraumatischen Störungen: Manual für Einzel- und Gruppensetting ; Geleitw. von Andreas Maercker / Liedl, Alexandra ; Schaefer, Ute ; Knaevelsrud, Christine. - Stuttgart : Schattauer, 2010.XII, 171 S. : Ill. - ISBN: 978-3-7945-2727-4 Ein Handbuch für Traumatherapeuten, klärt verständlich und fundiert auf und bietet Hilfe für den Therapiealltag

Gutes schulenübergreifendes Lehrbuch zur Behandlung komplexer Traumafolgestörungen Atlas of torture: use of medical and diagnostic examinations results in medical assessment of torture / Özkalipci, Önder ; Sahin, Ümit ; Baykal, Türkcan ; Fincanci, Sebnem Korur ; Akhan, Okan ; Öztop, Fikri ; Lök, Veli. - Istanbul : Human Rights Foundation of Turkey, 2010.X,237 S.: Ill. - Iskence Atlasi <engl.> - ISBN: 978-9757217-76-3 Letztes Jahr schon auf Türkisch erschienen, nun ins Englische übersetzt und damit einem breiten Publikum zugänglich Introjekt und Trauma: Einführung in eine integrative psychoanalytische Traumabehandlung / Rosenberg, Frank. - 1. Aufl.- Frankfurt am Main : 2010.- 297 S. : graph. Darst. - ISBN: 978-3-86099-680-5 Sehr spezielles gutes Fachbuch zum Verständnis traumatischer Verlaufsprozesse Zweimal Überleben: von Auschwitz zu den Müttern der Plaza de Mayo :. die Geschichte der Sara Rus / Eisenstaedt, Eva. - 1. Aufl.- Wien : Mandelbaum, 2010.- 147 S. : Ill. - Sobrevivir dos veces <dt.> - ISBN: 978-3-85476345-1

Wie gestaltet sich die Bewältigung traumatischer Erlebnisse im Exil?: Eine qualitative Studie zu Möglichkeiten der Traumabewältigung und der psychosozialen Unterstützung von Flüchtlingen in Deutschland / Brandmaier, Maximiliane. - Trier : Author, 20100727.147 Bl. - Trier, Universität, Diplomarbeit, 2010. Eine sehr gute Diplomarbeit zu einem oft nachgefragten Thema. Als Buch: ISBN 3-978-643-11103-6 Flüchtlingskinder in Deutschland nach der Rücknahme der Vorbehalte: Kindeswohl oder Ausgrenzung? / Kauffmann, Heiko [Hrsg.] ; Riedelsheimer, Albert [Hrsg.] ; Pro Asyl. - Orig.-Ausg., 1. Aufl.- Karlsruhe : von Loeper, 2010.- 269 S. - ISBN: 978-3-86059-432-2 Die beiden Autoren zeigen auf, wie schlecht es um die Rechte von Flüchtlingskindern bestellt ist: Obwohl die Kinderrechtskonvention nun auch in Deutschland gilt, kann sie aufgrund der bestehenden Ausländergesetze immer noch nicht voll umgesetzt werden. Seelische Trümmer: geboren in den 50er- und 60erJahren: die Nachkriegsgeneration im Schatten des Kriegstraumas ; mit einem Nachw. von Anna Gamma / Alberti, Bettina. - München : Kösel, 2010.- 207 S. ISBN: 978-3-466-30866-8 Diese einfühlsamen Falldarstellungen zeigen wie lange Krieg noch nachwirkt. Memory, war and trauma / Hunt, Nigel C.. - Cambridge: Cambridge Univ. Pr., 2010.- XI, 232 S. - ISBN: 978-0-521-71625-3

Lesen! Eine grundlegende Abhandlung zum Verständnis von Kriegstraumatisierungen und die kulturellen und individuellen Facetten der Erinnerung

Bibliothek

Schonende Traumatherapie: ressourcenorientierte Behandlung von Traumafolgestörungen ; mit 15 Tabellen / Sack, Martin. - Stuttgart : Schattauer, 2010.- XVI, 232 S. : graph. Darst. - ISBN: 978-3-7945-2648-2

25


Veröffentlichungen in 2010

Haenel, F.: Probleme bei der psychiatrischen Begutachtung psychisch reaktiver Stalking-Folgen im sozialen Entschädigungsrecht (2010). In: Weisser Ring e.V. (Hrsg.): Stalking. Baden-Baden : Nomos, S. 95-100. [plus Diskussion] Haenel, F.: Zu Begutachtungsstandards bei posttraumatischer Belastungsstörung (2010). in: Nervenarzt, 81 (5), S. 609-11. Haversiek-Vogelsang, Sabine: Sekundäre Traumatisierung bei Kindern in Flüchtlingsfamilien – Prävention von Sekundärschäden bei Kindern traumatisierter Flüchtlinge (2010). in: Zeitschrift für Psychotraumatologie, Psychotherapiewissenschaft, psychologische Medizin, 8 (1), S. 53-60. Haversiek-Vogelsang, Sabine ; Laue, Y.: Ehemalige Kindersoldaten in Deutschland - spezifische Problematik und Implikationen für die Betreuung (2010). in: Dieckhoff, Petra (Hrsg.): Kinderflüchtlinge. Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften, S. 141-48.

Bibliothek

Jahresbericht 2009

26

Knaevelsrud, C. ; Liedl, A. ; Maercker, A.: Posttraumatic growth, optimism and openness as outcomes of a cognitive-behavioural intervention for posttraumatic stress reactions (2010). In Journal of Health Psychology, 15 (7), S. 1030-1038. Knaevelsrud, C. & Maercker, A.: Long-term effects of an Internet-based treatment for posttraumatic stress disorder. Cognitive Behaviour Therapy, 39 (1), S. 72-77. Liedl, A.: Post-traumatische Belastungsstörung und chronische Schmerzen. Diss., Berlin, Freie Universität, 2010. 153 S. Liedl, A. ; Schäfer, U. ; Knaevelsrud, C.: Psychoedukation bei posttraumatischen Störungen : Manual für Einzel- und Gruppensetting. – Stuttgart : Schattauer, 2010. ISBN 978-3-7945-2727-4

Pross, C.: NS-Medizin: Die Sicht deutscher Emigrantenärzte auf die NS-„Rassenhygiene“ (2010). – in: Deutsches Ärzteblatt, 107 (50), S. A2494—6. Pross, C. ; Schweitzer, S.: The culture of organisations dealing with trauma : sources of work related stress and conflict (2010). in: Traumatology Ms ID TMT-07-09-088 Pross, Christian: The attitude of German émigré doctors towards medicine under national socialism (2010). in: Social history of medicine, 22 (3). S. 531-52. Schock, Katrin ; Rosner, R.; Wenk-Ansohn, M., & Knaevelsrud, C.: Retraumatisierung – Annäherung an eine Begriffsbestimmung (2010). in: Psychotherapie - Psychosomatik - Medizinische Psychologie, 60 (7). S. 243-49. Schön, Leyla: Wissen hilft : die Bibliothek des Behandlungszentrums für Folteropfer (2010). in: OPL Arbeitskreis Berlin/Brandenburg (Hrsg.): One Person Libraries Berlin : 10 Jahre Arbeitskreis OPL Berlin/ Brandenburg. Berlin : BibSpider, S. 48-53. Stammel, Nadine ; Bockers, Estelle ; Taing, Sopheap; Knaevelsrud, Christine: The Survivors’ needs: opinions on reparations for victims of the Khmer Rouge regime in Cambodia (2010). in: Traumatic stress points 24 (6). S. 7-9. Stammel, Nadine ; Burchert, Sebastian ; Taing, Sopheap ; Bockers, Estelle ; Knaevelsrud, Christine: The survivors‘ voices: attitudes on the ECCC, the former Khmer Rouge and civil party participation(2010). - Berlin : bzfo, Dez. 2010. - 70 S. Symonowicz, Malgorzata: Islamofobia (2010). in: Branki, M. (Red.): Edukacja antidyskryminacjna. Kraków : Villa Decius, S. 155-66


Tag der Offenen T端r

26. Juni 2010 Internationaler Tag zur Unterst端tzung von Folteropfern Tag der Offenen T端r

27


Zahlen und Daten: Haushalt Behandlungszentrum für Folteropfer Gewinn- und Verlustrechnung für die Zeit vom 01.01. bis 31.12.2010 Mittelzufluss (Ertrag) Zuwendungen nicht-öffentlicher Träger Stiftungen Andere nicht-öffentliche Zuwendungsgeber davon Deutsches Rotes Kreuz Spenden Gesamt davon zweckgebundene Spenden Öffentliche Zuschüsse Landesmittel Bundesmittel davon Auswärtiges Amt davon Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend davon Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit davon Bundesverwaltungsamt Europäische Kommission UNVFVT *) US - State Department Entgelte (Ärztliche und therapeutische Leistungen)

bzfo Zahlen und Daten: Haushalt

Sonstige Erträge (Bußgelder, Vereinsmitgliedsbeiträge etc.) Summe Mittelzuflüsse (Ertrag)

28

Mittelverwendung Honorare / Aufwandsentschädigungen Personalaufwand Löhne und Gehälter, inkl. Soziale Abgaben und Aufwendungen für Altersversorgung

2010 Euro

2009 Euro

240.878,10 156.938,22 25.000,00 220.365,29 18.277,92

292.791,51 152.065,69 25.000,00 213.691,08 2.145,00

191.810,35 2.031.053,54 771.100,00

18.380,00 1.370.698,52 117.000,00

465.250,00

455.000,00

145.292,84 495.833,64

16.666,00 337.461,55

510.575,00 56.167,15 246.154,83 1.376.236,88

402.215,75 58.320,37 78.665,83 1.053.689,80

21.214,96

38.526,30

5.051.394,32

3.679.044,85

370.152,00

280.095,88

2.238.902,50

1.923.940,57

37.282,94

18.487,22

253.725,48 280.199,76 39.178,89 110.795,22 7.259,53 1.125.192,39 193.705,09

219.121,09 121.096,46 43.799,44 101.098,54 7.188,26 548.579,25 191.344,68

0,00

15.564,07

2.113,69 137,55 0,00 -96,82 4.654.320,84

3.872,32 297,16 100,00 -100,00 3.466.740,30

Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen Sonstige betriebliche Aufwendungen Untersuchungs- und Behandlungskosten Raumkosten Fundraising und Öffentlichkeitsarbeit Reise-, Unterkunfts-, Verpflegungskosten Versicherungen, Beiträge und Abgaben Projektförderungen **) verschiedene betriebliche Kosten ***) Einstellung in die Pauschalwertberichtigung zu Forderungen sonstige Zinsen und ähnliche Erträge Zinsen und ähnliche Aufwendungen außerordentliche Aufwendungen außerordentliches Ergebnis Summe Mittelverwendung (Aufwand)

*) United Nations Voluntary Fund for Victims of Torture **) Weiterleitungsmittel an Projektpartner ***) Büro- und Betriebsbedarf, Telefon- und Faxkosten, Porto, Literatur etc. Vom Jahresüberschuss flossen 350.000 EUR in die freien Rücklagen nach § 58 Nr. 7a AO.


Zahlen und Daten: Haushalt Bilanz zum 31. Dezember 2010 Aktiva

31. Dezember 2010 Euro

31. Dezember 2009 Euro

46.457,23

40.066,23

74.519,75

44.938,25

148.910,45 61.322,00 210.232,45 1.070.395,02 2.269,42 1.403.873,87

126.546,09 6.472,60 133.018,69 949.374,46 2.214,00 1.169.611,63

31. Dezember 2010 Euro

31. Dezember 2009 Euro

26.113,00 1.088.555,22 68.539,63 1.183.207,85

26.113,00 738.555,22 21.466,15 786.134,37

B. Sonderposten für zweckgebundene Zuwendungen zum Anlagevermögen

47.530,68

39.775,68

C. Rückstellungen

35.699,23

29.152,28

10.000,00

219.000,00

64.502,74

35.437,18

62.933,37 137.436,11

60.112,12 314.549,30

1.403.873,87

1.169.611,63

A. Anlagevermögen I. Immaterielle Vermögensgegenstände gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten II. Sachanlagen Betriebs- und Geschäftsausstattung B. Umlaufvermögen I. Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände 1. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 2. sonstige Vermögensgegenstände II. Kassenbestand, Guthaben bei Kreditinstituten C. Rechnungsabgrenzungsposten Passiva A. Vereinsvermögen I. Erbschaften und Vermächtnisse II. Freie Rücklagen §58 Nr. 7a AO III. Mittelvortrag Folgejahr Summe Vereinsvermögen

D. Verbindlichkeiten 1. Verbindlichkeiten gegenüber Zuwendungsgebern - davon mit einer Restlaufzeit bis zu einem Jahr EUR 10.000,00 (EUR 219.000,00) 2. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen - davon mit einer Restlaufzeit bis zu einem Jahr EUR 64.502,74 (EUR 35.437,18) 3. sonstige Verbindlichkeiten - davon aus Steuern EUR 33.436,92 (EUR 31.389,49) - davon im Rahmen der sozialen Sicherheit   EUR 5.376,45 (EUR 4.767,39) - davon mit einer Restlaufzeit bis zu einem Jahr   EUR 62.933,37 (EUR60.112,12) Ausgaben Bibliothek

0,9%

Diagnose und Behandlung

65,6%

Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising

2,8%

Verwaltung

6,9%

zfm

23,7%

bzfo Zahlen und Daten: Haushalt

Behandlungszentrum für Folteropfer

29


Zahlen und Daten: Patientinnen und Patienten des bzfo

• Behandlungsprofil 600

80 70 60 50 40 30 20 10 0

2010

500

30

weiblich 252

Beratung Bezugsperson Bescheinigung/Bericht Diagnostik Gruppe KBT Kreativtherapien incl. Heilgarten Krisenintervention Lebenstagebuch Nachsorge Paar- oder Familienintervention Physiotherapie Psychiatrische Behandlung Psychotherapie Schmerztherapie Sozialarbeit Stellungnahme/Gutachten Tagesprogramm Telefonische Fachberatung Kontaktdienst/Beratung von Anfragen

9 15 1 1 +60 unbekannt

2010 männlich 279

weiblich 234

männlich 253

• Herkunftsstaaten (aufgeführt ≥5 Patienten)

2010

• Leistungseinheiten Ausfälle Begleitende Maßnahmen Beratung

2009

531 487

aus 27 weiteren Ländern 48 Russische Föderation 5 Palästinensische Hoheitsgebiete 5 Dagestan 5 Aserbaidschan 5 Angola 5 Kamerun 8 Deutschland 9 Bosnien-Herzegowina 12 Bosnien-H. (Föderation) 12 Armenien 13 Guinea 15 Afghanistan 17 Irak 20 Libanon 25 Syrien 28 Kosovo (Serbien) 29 Iran 63 Türkei 80 Tschetschenien 83

Allgemeinmedizin

11 11 74 37 61 46 54 78 43 46 0-15 16-25 26-35 36-45 45-60

211 224 647 754 116 106 160 182 70 67 39 90 583 725 503 1993 51 7 126 145 84 71 494 45 145 96 28 15 373 311 970 983 1986 1777 114 34 2634 4067 49 27 3104 3479 335 254 277 459

2009

Gesamt

2010

13099

15911

Gesamt 487

5000

433 398

+60

weiblich

4000

89

11 12 59 35 62 47 64 72 60 50 0-15 16-25 26-35 36-45 45-60

80 70 60 50 40 30 20 10 23 36 0 unbekannt

2010 männlich

3000

98

0

Zahlen und Daten: Patientinnen und Patienten des bzfo

0

weiblich

2000

100

Patienten gesamt

200

Neuaufnahmen

300

Weiter­behandlungen

400

2009 männlich

1000

2009

• Alters- und Geschlechterverteilung


• Kontaktdienst/Beratung von Anfragenden: Telefonische oder persönliche Beratung von Anfragenden und Fachberatungen von Kollegen/anderen Institutionen (werden nicht in der Patientenstatistik erfasst, Dauer 5-50 Minuten, u.U. mit Dolmetscher) • Allgemeinmedizin: allgemeinmedizinische Diagnostik (einschl. neurologische Untersuchung u. evtl. Labordiagnostik) oder Behandlung, psychosomatisch orientiertes Gespräch (Dauer: 15-50 Min. plus 10 Min. Nachgespräch mit Dolmetscher/-in) • Begleitende Maßnahmen: z.B. Vermittlung in Deutsch-Kurs oder andere Maßnahmen im Hause, Unterstützung bei Bewerbungsschreiben oder Arbeitssuche, Begleitung durch Dolmetscher zu niedergelassenem Arzt oder bei Aufnahme in ein Krankenhaus • Beratung: persönliche Beratung zu sozialen medizinischen oder psychologischen Belangen, (Dauer 15 -30 Min.) • Beratung Bezugsperson: Beratung von Eltern, Vormündern oder Betreuern im Rahmen von KJHGTherapien und Nachsorge (Dauer 50 Min.) • Bescheinigung/Bericht: Atteste, Kurzberichte oder Epikrisen an Ärzte, Kurzberichte an Rechtsanwälte, Ausländerbehörde etc. (Umfang: 1-2 Seiten) • Diagnostik: allgemeinmedizinische, psychiatrische, klinisch-psychologische, testpsychologische oder sozialarbeiterische Diagnostik (Dauer: 50 Min. plus 10 Min. Nachgespräch mit Dolmetscher/-in) • Gruppe: Gruppenpsychotherapie, kreative Therapie oder Konzentrative Bewegungstherapie im Gruppensetting, Sportgruppe, psychoedukative Gruppe, sozialtherapeutische Gruppe Arbeit und Gesundheit (Dauer: 90 -120 Min. plus 10 Min. Nachgespräch mit Dolmetscher/-innen) • Konzentrative Bewegungstherapie: Körperorientierte, psychotherapeutische Methode, bei der das ganzheitliche Körpererleben im Mittelpunkt steht. (Dauer 60 Min.) • Kreativtherapien inkl. Heilgarten: Kunst- und Gestaltungstherapie, Musiktherapie, Ergotherapie, kreative Beschäftigung und Bewegung im Heilgarten (Dauer: 50-100 Min.) • Krisenintervention: psychotherapeutische oder psychiatrische Intervention in Krisensituation (Dauer: 50 Min. plus 10 Min. Nachgespräch mit Dolmetscher/-in) • Lebenstagebuch: Internetbasierte kognitiv-behaviorale Schreibtherapie für Menschen über 65 Jahre, die im bzw. unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg trau-

matisiert wurden und unter psychischen Langzeitfolgen leiden. • Nachsorge: psychotherapeutische, psychiatrische oder sozialarbeiterische Betreuung von ehemaligen Patienten des bzfo (niederfrequente stützende Kontakte bzw. bei Bedarf, z.B. in erneuten Belastungs­ situationen). (Dauer: 50 Min. evtl. plus 10 Min. Nachgespräch mit Dolmetscher/-in) • Paar- und Familienintervention: Beratung oder psychotherapeutische Sitzung mit Patient und Familienangehörigen (Dauer 50-80 Min. plus 10 Min. Nachgespräch mit Dolmetscher/-in) • Physiotherapie: physikalische Anwendungen, Massage, manuelle Therapie, Krankengymnastische Übungsbehandlung, Fitnesstraining (Dauer: 30-50 Min.) • Psychiatrische Behandlung: psychiatrische Diagnostik (einschl. neurologische Untersuchung) oder Behandlung (einschl. Laborkontrollen), psychiatrisch orientiertes Gespräch (Dauer: 15-50 Min. plus 10 Min. Nachgespräch mit Dolmetscher/-in) • Psychotherapie: psychotherapeutische Einzelsitzung (Dauer: 50 Min. plus 10 Min. Nachgespräch mit Dolmetscher/-in ) • Schmerztherapie: Psychoedukation bzgl. des Zusammenhangs von chronischen Schmerzen und posttraumatischen Belastungssymptomen, biofeedbackgestütztes Einüben individueller Entspannungsverfahren und kognitive Umstrukturierung dysfunktionaler Gedanken • Sozialarbeit: persönliche Beratung zu sozialen Belangen, Einleitung von Maßnahmen im sozialen Bereich (Dauer: 15 – 50 Min. plus 10 Min. Nachgespräch mit Dolmetscher/-in) • Stellungnahme/Gutachten: Abfassung einer Stellungnahme oder eines Gutachtens im Asylverfahren oder sozialgerichtlichen Belangen (Umfang Stellungnahme: 3-10 Seiten, Auftragsgutachten für Gericht: 15-20 Seiten, Bericht an Gutachter Krankenkasse, Medizinischer Dienst: 3 Seiten) • Tagesprogramm der Tagesklinik: tagesklinische Behandlung (Dauer tgl. 9-16 Uhr) • Telefonische Fachberatung: telefonische Beratung von Patient oder mit involvierten Bezugspersonen (Ärzte, Rechtsanwälte, Beratungsstellen). (Dauer: 5-15 Min.) • Ausfälle: bei kurzfristigen Absagen von Patienten oder dem bzfo entstehen Dolmetscherkosten für eine Therapiestunde von 60 Min.

Legende

Legende:

31


Herkunftsländer Im bzfo sind 2010 Menschen aus rund 50 Ländern behandelt worden, die vor Folter, Verfolgung und anderen Menschenrechtsverletzungen aus ihren Heimatländern geflohen sind. Die Informationen über die politische Situation und die Menschenrechtslage in fünf exemplarisch ausgewählten Ländern, aus denen zahlreiche unserer Patientinnen und Patienten kamen, stammen aus verschiedenen öffentlichen und offiziellen Quellen (z.B. Amnesty International, Human Rights Watch, Auswärtiges Amt). • Iran – 63 Patienten Die Islamische Republik Iran ist geprägt durch das Fehlen jeglicher Trennung von Staat und Religion. Die Scharia, das islamische Recht, dient als gesetzliche Grundlage. Exekutive, Justiz und Gesetzgebung in dem 75-MillionenEinwohner-Staat werden von der religiösen Führung kontrolliert. Die Abkehr vom Islam steht unter Todesstrafe, religiöse Minderheiten sind erheblichen Schikanen ausgesetzt. Übergriffe von Polizei und Sicherheitskräften insbesondere auch gegen Menschenrechtsaktivisten, Oppositionelle und Journalisten sind an der Tagesordnung. Freie Meinungsäußerung und Berichterstattung sind in Iran massiv eingeschränkt.

Deutschland

Nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen 2009, bei denen keine internationalen Beobachter zugelassen waren, hatte es bei Großdemonstrationen mehrere Tote durch den Gewalteinsatz von Sicherheitskräften gegeben. Auch im Jahr danach haben sich Übergriffe gegen Regimegegner und deren Familien, Inhaftierungen und unfaire Prozesse fortgesetzt. Weiterhin wird von erzwungenen Geständnissen, von Folter und Misshandlungen in Gefängnissen sowie vom häufigen Vollzug der Todesstrafe berichtet.

Bosnien

Koso

Angehörige oppositioneller politischer Gruppierungen sind besonders von Folter und Todesurteilen bedroht. Aber auch sexuelle Minderheiten werden verfolgt, und selbst Minderjährige — also in Iran Mädchen unter 13 und Jungen unter 15 Jahren — sind vor Verurteilungen zum Tode nicht sicher.

Guinea

Herkunftsländer

Sierra Leone

32

• Syrien – 28 Patienten Kamerun Die Arabische Republik Syrien versteht sich als demokratisch und sozialistisch. Trotz einer leichten politischen Entspannung zu Beginn des Jahrtausends nach dem Amtsantritt des heute noch herrschenden Staatspräsidenten Bashar Al-Assad ist die Staatsstruktur weiterhin autoritär. Tendenzen zu einer Öffnung der Gesellschaft wurden früh argwöhnisch überwacht und teilweise auch unterdrückt. Die zunehmend strengere Kontrolle allen zivilgesellschaftlichen Engagements durch den staatlichen Sicherheitsapparat schränkte bürgerliche und politische Rechte auch 2010 stark ein. Dies gilt besonders für die Meinungsfreiheit. Die Menschenrechtslage in Syrien war auch 2010 weiter durch den 1963 verhängten Ausnahmezustand geprägt. Es gab weiterhin willkürliche Verhaftungen und umstrittene Verurteilungen. Auch über Fälle von Folter und Misshandlungen wurde unverändert berichtet, ebenso über das plötzliche Verschwinden von Oppositionellen. Politische Parteien, die die Interessen religiöser oder ethnischer Minderheiten vertreten, sind nicht erlaubt. Besonders kritisch ist die Situation staatenloser Kurden im Land. Häufig genügen das Tragen kurdischer Farben, der Besitz kurdischer Texte oder das Singen kurdischer Lieder, um unvermittelt festgenommen und inhaftiert zu werden. In der Verfassung ist die Gleichberechtigung der Frauen verankert, im religiös geprägten Alltag sieht die Praxis jedoch oft anders aus. Etwa drei Viertel der Bevölkerung sind Moslems. Die Arbeit lokal aktiver Menschenrechtsorganisationen in Syrien wird toleriert. Gleichwohl sind gegen zahlreiche Aktivisten Ausreisesperren verhängt worden, etliche sitzen in Gefängnissen. Aus Europa abgeschobene Syrer werden nach ihrer Rückkehr häufig inhaftiert. Sie können allein schon für „Republikflucht“ bestraft werden. Trotz Rückübernahmeabkommens mit Syrien prüft Deutschland daher jeden Fall einer Abschiebung.

Angola


• Afghanistan – 17 Patienten Die Sicherheitslage in der Islamischen Republik Afghanistan ist trotz des bald zehn Jahre währenden internationalen ISAF-Einsatzes allgemein schlecht. Bei den Parlamentswahlen 2010 soll mehr als jedes zehnte Wahllokal geschlossen geblieben sein, weil Taliban-Milizen mit Anschlägen gedroht hatten. Die islamistischen Taliban, die den zentralasiatischen Staat von 1996 bis 2001 regiert hatten, bis sie von einer US-geführten Allianz gestürzt wurden, überzogen das Land auch 2010 weiter mit Terroranschlägen aus ihren Rückzugsgebieten im benachbarten Pakistan. Die Zahl der Angriffe auf afghanische und internationale Truppen nahm im Wahljahr zu. Hauptsächlich richteten sich die Anschläge jedoch direkt gegen die Zivilbevölkerung. Über 75 Prozent der weit mehr als 2000 zivilen Opfer in Afghanistan gingen 2010 auf Anschläge der Taliban zurück, berichtet die Afghanistan Independent Human Rights Commission. 2010 wurde zudem vermehrt über gezielte Angriffe der Taliban auf Mädchenschulen und Frauen berichtet.

Tschechenien

ovo Turkei Libanon

Armenien

Aserbaidschan

Dagestan

Iran

Syrien

Afganistan Irak

Die Lebensbedingungen sind hart: Der so genannte Human Development Index der Vereinten Nationen, der neben dem Pro-Kopf-Einkommen auch Ernährung, Bildung, Gesundheitsfürsorge und andere Faktoren des Lebensstandards berücksichtigt, attestierte Afghanistan 2010 den 155. Rang unter 169 Ländern. 60 Prozent der männlichen und 85 Prozent der weiblichen Bevölkerung Afghanistans gelten als Analphabeten.

Im hoch verschuldeten Libanon haben sich im Vergleich zu anderen arabischen Ländern durchaus rechtsstaatliche Elemente entwickelt. Diverse Menschenrechtsorganisationen können weitgehend ungehindert arbeiten und zahlreiche Zeitungen können frei berichten. Gleichwohl wird immer wieder über einzelne Verletzungen der Menschenrechte und über Misshandlungen in Gefängnissen sowie über Eingriffe des Staates in demokratische Freiheiten berichtet. Frauen haben im Libanon zwar mehr Rechte als in anderen arabischen Ländern, werden in ihren Möglichkeiten aber häufig durch konfessionelle Regeln stark behindert und als billige Arbeitskräfte ausgebeutet. In dem 4,1-Millionen-Einwohner-Staat leben kurdische und irakische Flüchtlinge. Die Rechte der mehr als 400.000 palästinensischen Flüchtlinge sind insbesondere bei der Berufsausübung und beim Eigentumserwerb stark eingeschränkt. • Republik Dagestan - 5 Patienten Die Republik Dagestan gehört zur russischen Föderation und bildet deren südlichsten Zipfel westlich des Kaspischen Meeres. Geopolitisch wird die weitgehend autonome Republik dem Nordkaukasus zugerechnet. Die rund 2,7 Millionen Einwohner Dagestans gehören mehr als 100 verschiedenen Völkern an. In der großen Mehrzahl bekennen sie sich zum Islam. Frauen sind im gesamten Nordkaukasus häufig Opfer von Vergewaltigung und häuslicher Gewalt. Das politische System der Republik ist von Korruption und Wahlbetrug geprägt. Seit Jahren entfallen bei allen Konflikten im Nordkaukasus die meisten Todesopfer auf die Republik Dagestan. Nach Informationen des Internetportals „Caucasian Knot“ kamen 2010 bei 148 bewaffneten Zwischenfällen, 112 Terroranschlägen und 18 Entführungen insgesamt 378 Menschen in Dagestan ums Leben. Menschenrechtsaktivisten und Journalisten werden verfolgt und bedroht. Tschetschenische Islamisten versuchen immer wieder, Teile der russischen Republik durch Selbstmordattentate, bewaffnete Überfälle und Sabotageakte unter ihre Kontrolle zu bringen.

Herkunftsländer

• Libanon – 25 Patienten Staatsform der Libanesischen Republik ist gegenwärtig die parlamentarische Demokratie, stark geprägt durch ein konfessionelles Proporzsystem. Das libanesische Modell einer Konkordanzdemokratie zielt darauf, möglichst viele der 18 anerkannten Konfessionen im Land in den Prozess der politischen Konsensbildung einzubeziehen. Es gibt zahlreiche politische Parteien, die sich über die Religionszugehörigkeit ihrer Mitglieder definieren. Nach Jahrzehnten von Bürgerkriegen, israelischen Angriffen, syrischer Einflussnahme und innenpolitischen Auseinandersetzungen herrschte 2010 eine äußerst fragile Stabilität im Land. Zwei politisch halbwegs gleich starke Blöcke stehen sich gegenüber — ein pro-westliches („14. März“) und ein antiwestliches Lager („8. März“).

33


Zentrum für Flüchtlingshilfen und Migrationsdienste

Zentrum für Flüchtlingshilfen und Migrationsdienste

34

Im Jahr 2010 hat das Zentrum für Flüchtlingshilfen und Migrationsdienste (zfm) Flüchtlingen, ausländischen Arbeitnehmern und nachziehenden Familienangehörigen verschiedene Beratungs-, Betreuungs- und Qualifizierungsmaßnahmen angeboten. Entsprechend den persönlichen Ausgangsvoraussetzungen der Teilnehmenden sollten sie insbesondere deren Integration in die Gesellschaft erleichtern. Nach einem Erstkontakt in der Asylverfahrensberatung nahmen die Betroffenen in der Folge häufig therapeutische Angebote wahr und nutzten zudem Sprachkurse, berufliche Qualifizierungen, ausbildungsbegleitende Hilfen und sozialpädagogische Gruppenangebote des zfm. 2010 wurden insgesamt 3797 Menschen vom zfm beraten und unterstützt. Sie stammten besonders aus Afghanistan, BosnienHerzegowina, Iran, dem Kosovo, Libanon, der Russischen Förderation, Serbien und der Türkei. 2010 baute das zfm seine Kooperationen mit verschiedenen Wirtschaftsunternehmen weiter aus. Diese Kooperationen ermöglichten die berufliche Integration von Teilnehmern der zfm-Qualifizierungsangebote. Dies ist zugleich ein Zeichen für die zunehmende gesellschaftliche Bereitschaft, auch die Potenziale von Migranten und Flüchtlinge auszuschöpfen. An den gesellschaftlichen Diskursen zu dieser positiven Entwicklung beteiligte sich das zfm mit der Entwicklung innovativer Projekte, Fortbildungstätigkeit und Lobbyarbeit. • Offene Beratung zu Aufenthalts- und Sozialrecht und Arbeitsmarktintegration In der offenen Beratung zu Aufenthalts- und Sozialrecht sowie dem Arbeitsmarkt wurden 2840 Flüchtlinge

und Migranten über behördliche Verfahrensweisen und Entscheidungsaspekte informiert. Da viele Betroffene oftmals aus sprachlichen Gründen nicht in der Lage sind, ihre Interessen schriftlich zu artikulieren, wurden sie beim Abfassen von Anträgen und Widersprüchen unterstützt. Häufig ging es darum, drohende Abschiebungen abzuwenden. Die Befürchtung, in Krisengebiete oder in Heimatregionen zurückkehren zu müssen, in denen eine menschenwürdige Existenz für sie nicht möglich ist, belastet viele Betroffene. Mit Anträgen gemäß der Bleiberechtsregelungen für Flüchtlinge mit bereits langer Aufenthaltsdauer oder nach den Kriterien der Härtefallkommission konnte zahlreichen beschäftigten Flüchtlingen und Jugendlichen in Ausbildung sowie psychisch beeinträchtigten Flüchtlingen geholfen werden, einen dauerhaften Aufenthaltstatus zu erreichen. Im Mittelpunkt der Beratung und Vermittlungstätigkeit des zfm zum Arbeitsmarkt standen die Qualifizierungsmaßnahmen. Interessenten informierten sich über die Angebote des zfm in der Pflege und im kaufmännischen Bereich. Absolventen dieser Qualifizierungen wurden in Arbeit oder weiterführende Bildungsmaßnahmen vermittelt. • Ermittlung und Versorgung besonders schutzbedürftiger Flüchtlinge Im Jahr 2010 hat das zfm als Koordinator einer Partnerschaft von sechs Nicht-Regierungsorganisationen (NGO) und in Kooperation mit den für die Flüchtlingsarbeit im Land Berlin zuständigen öffentlichen Stellen das Berliner Modell zur Ermittlung, Feststellung und Versorgung besonders schutzbedürftiger Flüchtlinge umgesetzt. Als besonders schutzbedürftige Flüchtlinge gelten Traumatisierte, Behinderte, Alte, Alleinerziehende, Schwangere und Minderjährige. In deren Ermittlung sind auch die zuständigen Sozialämter, das Erstaufnahmewohnheim sowie zahlreiche weitere NGO einbezogen. Im Auftrag des Landes Berlin stellen die sechs Träger des „Berliner Netzwerkes für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge“ (BNS) in diagnostischen Verfahren die tatsächliche Zugehörigkeit der Betroffenen zur jeweiligen Gruppe fest. Das zfm ist an diesen Prozessen als Fachstelle für traumatisierte Flüchtlinge und für Jugendliche beteiligt. Dafür wurden Fragebögen und


2010 war das zfm intensiv an Verhandlungen mit der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales über die Leistungen für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge beteiligt. Zur Klärung der aus der EU-Aufnahmerichtlinie von 2003 und dem Asylbewerberleistungsgesetz resultierenden Rechtsansprüche hat das zfm ein Rechtsgutachten erstellen lassen. Dieses kommt zu dem Schluss, dass Betroffene weitgehende Rechtsansprüche haben und öffentliche Stellen verpflichtet sind, entsprechende Leistungen zu erbringen. Die Senatsverwaltung ist zwar grundsätzlich bereit, den Bedarf besonders Schutzbedürftigen anzuerkennen, die Festsetzung der Leistungen sollen aber im Ermessen der Sozialämter liegen. Seit Juli 2010 ist das zfm im europäischen Projekt „PROTECT“ an einer transnationalen Partnerschaft von Beratungs- und Behandlungszentren für Flüchtlinge in Frankreich, den Niederlanden, Ungarn, Bulgarien, Deutschland und Dänemark beteiligt. Ziel der gemeinsamen Arbeit ist es, ein Instrument zu entwickeln, das die frühzeitige Erkennung der Opfer von Gewalt und Missbrauch unter Flüchtlingen gewährleistet. Ein einfach zu handhabender Frage- und Beobachtungsbogen soll helfen, besonders schutzbedürftige Flüchtlinge zu ermitteln. Zudem soll ein Verfahren für die tägliche Praxis erarbeitet werden, mit dem sichergestellt wird, dass die Betroffenen entsprechend der EU-Aufnahme-

richtlinie Versorgung und Behandlung erhalten. Dazu wurde in einem ersten Schritt ein Ländervergleich als Bestandsaufnahme zur bisherigen Umsetzung der Aufnahmerichtlinie erstellt. Im Rahmen seiner Arbeit in Projekten zur Ermittlung und Versorgung besonders schutzbedürftiger Flüchtlinge will das zfm dafür Sorge tragen, dass die Verfolgungs- und Fluchtschicksale der Betroffenen Eingang in asylrechtliche Entscheidungen finden. • Behandlungsstelle für traumatisierte Flüchtlinge im Land Brandenburg Im Januar 2010 hat die „Behandlungsstelle für traumatisierte Flüchtlinge“ in Fürstenwalde ihre Arbeit aufgenommen. Die Diagnose- und Behandlungsstelle ist ein Projekt des zfm und wird in Kooperation mit dem Diakonischen Werk Niederlausitz betrieben. Zielsetzung der Einrichtung ist es, die gesundheitliche Verfassung von traumatisierten Flüchtlingen in Brandenburg durch psychosoziale Beratung und Psychotherapie zu verbessern.

Zentrum für Flüchtlingshilfen und Migrationsdienste

weitere Materialien der Erstdiagnostik entwickelt und angewandt. Betroffene erhalten entsprechende Bescheinigungen über ihre Gruppenzugehörigkeit und über ihren gesundheitlichen und materiellen Bedarf, der dann bei den Sozialhilfeträgern beantragt werden kann. Die Fälle werden in einer Datenbank gesammelt, um den Erfolg der Arbeit dokumentieren zu können. Im Jahr 2010 wandten sich 1.338 Asylbewerber und Geduldete an alle sechs Netzwerkpartner. Das zfm hat davon 505 Flüchtlinge beraten und betreut. Von den 1.338 Personen waren 893 besonders schutzbedürftig. Vom zfm wurden 255 besonders Schutzbedürftige betreut (152 psychisch Traumatisierte und Beeinträchtigte; 103 Minderjährige). Im gesamten Netzwerk wurden 324 und vom zfm 137 Bescheinigungen über eine besondere Schutzbedürftigkeit ausgestellt. Da die europäische Aufnahmerichtlinie neben Folter- und Gewaltopfern auch für andere Schutzbedürftige offen ist, konnten auch Personen berücksichtigt werden, die an sonstigen psychischen Erkrankungen litten.

35

Das Diakonische Werk ermittelt in der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Brandenburg in Eisenhüttenstadt unter den neueinreisenden Flüchtlingen diejenigen, bei denen Hinweise auf psychische Beeinträchtigungen vorliegen. Die Betroffenen werden an die Behandlungsstelle in Fürstenwalde weitergeleitet und dort in ein diagnostisches Verfahren sowie im Bedarfsfall in eine Psychotherapie aufgenommen. Die erste spezielle Einrichtung zur Behandlung psychisch traumatisierter Flüchtlinge im Land Brandenburg fand bei ihrer feierlichen Eröffnung im Juni 2010 im Rathaus Fürstenwalde starke öffentliche Beachtung.


Zentrum für Flüchtlingshilfen und Migrationsdienste

Im November 2010 informierte sich Günter Baaske, Brandenburgs Minister für Arbeit und Soziales, vor Ort über das Projekt und seine Arbeit. In Brandenburg wird von bis zu 1200 psychisch beeinträchtigten Flüchtlingen ausgegangen. Vor diesem Hintergrund setzen alle Beteiligten auf die Ausweitung des Behandlungsangebots und auf die Weiterentwicklung der Einrichtung zu einem Brandenburger Kompetenzzentrum zur Behandlung traumatisierter Flüchtlinge. Seit Beginn der Arbeit haben bereits rund 200 Betroffene Kontakt mit der Diagnose- und Beratungsstelle aufgenommen.

36

Sowohl im Rahmen des „Berliner Netzwerkes für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge“ (BNS) als auch in der Behandlungsstelle Fürstenwalde bietet das Psychologen-Team des zfm beeinträchtigten Flüchtlingen in sechs psychotherapeutischen Gruppen Hilfe an. Es gibt zwei Gruppen für kosovarische Frauen, und je eine Gruppe für kosovarische Männer, für tschetschenische Frauen sowie für afghanische Männer und afghanische Frauen. Die Gruppen haben die Funktion, eine Art Schutzraum zu bieten, in dem Vertrauen aufgebaut werden kann. Neueingereiste Flüchtlinge, die durch Krieg, Folter und andere Formen von Gewalt traumatisiert sind, finden hier eine Gemeinschaft, in der sie sich zunächst im therapeutisch geleiteten Gespräch entlasten können. In den Gruppen wird Betroffenen geholfen, Ursachen und Folgen ihrer Traumata verstehen zu lernen, um besser mit ihnen umgehen zu können.

Entwicklung sprachlicher und sozialer Kompetenzen auf frühzeitige Gewaltprävention ab sowie auf Toleranz und Verständnis für das interkulturelle Zusammenleben.

Ein weiterer Höhepunkt der Jugendkulturarbeit war die Aufführung des Films „Na klar hab‘ ich getanzt“ im Arsenal-Kino. Eine Gruppe junger Menschen, deren Eltern vor mehr als zehn Jahren aus dem Kosovo nach Deutschland geflüchtet waren, hatte sich über mehrere Monate mit Fragen ihrer Herkunft, ihrer Zugehörigkeit sowie ihrer Situation in Deutschland beschäftigt. Der Film portraitiert die Gruppe und die pädagogische Arbeit gleichermaßen. Gegen eine Schutzgebühr ist der Film beim zfm erhältlich. Einige der Beteiligten nahmen später an einer Dokumentarfilmreise in den Kosovo teil.

• Sozialpädagogische Kulturarbeit mit Jugendlichen Jenseits von Beratung, Betreuung und beruflicher Qualifizierung war das zfm 2010 in der sozialpädagogischen Arbeit mit jungen Migrantinnen und Migranten aktiv. In drei theater- und medienpädagogischen Gruppen wurden 40 Jugendlichen verschiedenen Alters soziale und kulturelle Entwicklungsmöglichkeiten geboten. In Kooperation mit der Jugendfreizeiteinrichtung Lynar in Berlin war eine Gruppe speziell auf Mädchen ausgerichtet. Die theaterpädagogische Arbeit zielte mit der

• Kurse: Alphabetisierung, Integration und Fachsprache Sowohl für neueingereiste Flüchtlinge als auch für jene, die schon viele Jahre in Berlin leben, bietet das zfm Alphabetisierungs-, Integrations- und Fachsprachkurse an.


Etliche Absolventinnen und Absolventen der Integrationskurse nahmen anschließend die Angebote des zfm zur fachsprachlichen und berufsbezogenen Weiterqualifizierung wahr. Im Kurs „Deutsch für die Gesundheitsarbeit“ werden Sprach- und Pflegeunterricht erfolgreich verschränkt. Die Themen des Deutschunterrichts, der 2010 jeweils an zwei Tagen pro Woche stattfand, beziehen sich auf die Lerninhalte des Pflegeunterrichts, der dreimal wöchentlich abgehalten wurde. Dadurch konnten die gelernten Sprachlektionen gleich in der beruflichen Qualifizierung praktisch angewendet und vertieft werden.

Große Resonanz fand im Sommer 2010 das Projekt „Stadtspaziergänge durch Berlin“. Die Spaziergänge dienten nicht nur der besseren Orientierung in der Stadt, sondern sie öffneten auch den Blick für ihre vielfältigen Angebote. Die Exkursionen führten unter anderem auch in kulturelle und soziale Einrichtungen der Stadt und inspirierten manchen Teilnehmer, Museen und andere Stätten künftig auch in Eigenregie zu besuchen. Das Projekt der Stadtspaziergänge wurde vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mit dem Titel „Best Practice“-Projekt auszeichnet. Im Integrationskurssystem wurden 2010 neun Kurse durchgeführt. Dazu gehörten auch zwei Alphabetisierungskurse. Aufgrund der unterschiedlichen sprachlichen Voraussetzungen der Teilnehmenden wurden sowohl Förderkurse als auch Regel-Integrationskurse angeboten. Die Förderkurse richten sich an so genannte fließend Falschsprecher, Menschen, die in der Regel schon länger in Deutschland leben, über einen großen Wortschatz verfügen, jedoch geringe Grammatikkenntnisse haben. Der Förderkurs bietet durch zusätzliche 300 Unterrichtseinheiten die Möglichkeit, intensiv auf so genannte fossilierte Fehler einzugehen. In den allgemeinen Integrationskursen wurden bei den Abschlusstests nach 600 Unterrichtseinheiten im Schnitt sehr gute Ergebnisse erzielt: 85 Prozent erreichten das Zielniveau der Integrationskurse – d.h. verstehen, lesen, sprechen und schreiben zu einfachen Zusammenhängen und Themen. Erstmals wurde 2010 ein reiner Jugendkurs erfolgreich durchgeführt: hier erreichten alle Teilnehmenden das Zielniveau.

Zentrum für Flüchtlingshilfen und Migrationsdienste

Nach zwei Jahren lief Ende 2010 das Alphabetisierungsund Forschungsprojekt „ABC — Arbeit und Grundbildung zur Chancenerhöhung“ aus. In diesem Projekt wurden insgesamt 17 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in zwei Grundbildungskursen erfolgreich alphabetisiert. Wesentliche Bestandteile des Curriculums waren eigens entwickelte E-Learning-Module (elektronisches Lernen). Sie boten den Teilnehmenden die Möglichkeit, den Schwierigkeitsgrad der Aufgaben und die Lerngeschwindigkeit selbst festzulegen. Dieser enorme Zuwachs an Lernautonomie wurde zusätzlich dadurch positiv unterstützt, dass gemachte Fehler von den anderen unbemerkt blieben. Auch für die Lehrkräfte waren diese Module hilfreich, da sie dem jeweiligen Leistungsniveau des Einzelnen entsprechende Übungen auf den virtuellen Schreibtisch legen konnten. Der Erfolg der Grundbildungskurse zeigte sich auch daran, dass drei der Teilnehmer schon während des Kurses Arbeit fanden. Fünf konnten später auf dem ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden und weitere fünf besuchten anschließend einen Integrationskurs.

37

• Berufliche Integration für Flüchtlinge im zfm Im Rahmen verschiedener Projekte hat das zfm 2010 die berufliche Integration von Flüchtlingen und Migranten gefördert. Dabei wurden gute Erfolge im Pflegebereich und im kaufmännischen Sektor erzielt. Zielsetzung des Arbeitsfeldes „Berufliche Integration“ im zfm ist es, durch berufs- und ausbildungsvorbereitende Maßnah-


Zentrum für Flüchtlingshilfen und Migrationsdienste 38

men, durch Vermittlungstätigkeit und durch ausbildungsbegleitende Hilfen die faktische Diskriminierung junger Migrantinnen und Migranten am Ausbildungsund Arbeitsmarkt zu überwinden. Zentrales Element sind Kooperationen mit Unternehmen, die sich für die interkulturelle Öffnung entschieden haben und die Beschäftigung von jungen Flüchtlingen fördern wollen. Seit 2006 wird dieser Ansatz der beruflichen Integration im Bereich Gesundheit und Pflege verfolgt. 2010 wurden am zfm zwei Pflegebasiskurse aus dem Vorjahr beendet und fünf neue durchgeführt. Insgesamt nahmen 153 Migrantinnen und Migranten 2010 an den Pflegeassistentenqualifizierungen teil. Die 100 Frauen und 53 Männer absolvierten jeweils eine dreimonatige Unterrichtsphase und ein zehnwöchiges betreutes Praktikum. Außerdem erhielten sie Bewerbungstrainings und Unterstützung bei der Vermittlung in Arbeit oder weiterführende Ausbildung. Mehr als 50 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bekamen nach den Kursen eine Anstellung als Pflegehilfskraft im ambulanten oder stationären Bereich oder fingen eine Ausbildung am Vivantes Institut für berufliche Bildung im Gesundheitswesen (IbBG) an. Durch eine neue Kooperation mit der Vivantes Forum für Senioren GmbH konnte das zfm die Quote der Vermittlungen in Arbeit weiter erhöhen und zugleich auch das Spektrum der beruflichen Perspektiven erweitern. Wer eine dreijährige Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger beginnen wollte, wurde auf das Bewerbungsverfahren am IbBG vorbereitet. 2010 resultierten aus den Pflegebasiskursen sieben Einstellungen für ei-

nen Ausbildungsplatz am IbBG. Seit Beginn der Kooperation mit dem IbBG im Jahr 2006 ist die Zahl der dort Auszubildenden aus den Kursen des zfm heraus auf 44 gestiegen. 2010 waren es bereits 13 „Ehemalige“, die dort ihr Examen in der Gesundheits- und Krankenpflege bestanden hatten. 2010 unterstützte das zfm 29 junge Migrantinnen und Migranten am IbBG durch ausbildungsbegleitende Hilfen bei fachlichen, aufenthaltsrechtlichen und psychosozialen Problemen in insgesamt 103 Einzelterminen. Zudem wurden Examenskandidaten durch Prüfungscoaching unterstützt.

Das zfm und das IbBG werden ihre Kooperation ausweiten: Mit dem im September 2011 beginnenden Ausbildungsgang Sozialassistent/Pflege sollen die Ausbildungsinhalte gemeinsam gestaltet werden. Aufgrund der erfolgreichen Kooperation zwischen dem zfm und Vivantes wurde das IbBG im Oktober 2010 mit dem Integrationspreis des Landesbeirats für Integration und Migration ausgezeichnet.


2010 erklärte die Firma Hornbach-Baumarkt-AG ihre Bereitschaft, junge Migrantinnen und Migranten in eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann aufzunehmen. Daraufhin richtete das zfm für 16 junge Flüchtlinge eine sechsmonatige ausbildungsvorbereitende Qualifizierungsmaßnahme ein, um sie auf eine Ausbildung bei Hornbach vorzubereiten. Auch die Firma Gegenbauer

Für die drei an Hornbach und zwei an Gegenbauer vermittelten Auszubildenden und die bereits in Ausbildung befindlichen Migrantinnen und Migranten geht es nun darum, Ausbildungsabbrüche zu vermeiden. Um dies zu fördern, bietet das zfm seit September 2010 in Kooperation mit dem Türkischen Bund Berlin-Brandenburg (TBB) ausbildungsbegleitende Hilfen im kaufmännischen und im gewerblich-technischen Bereich für Auszubildende mit Migrationshintergrund bei den Firmen Gegenbauer Service GmbH, der Hornbach-BaumarktAG, dem KOC-Dienstleistungsbüro und dem Kfz-EUROMarkt. Insgesamt 16 Auszubildende dieser Unternehmen, die aus den Qualifizierungsmaßnahmen des zfm kamen, wurden durch Nachhilfe unterstützt und sozialpädagogisch begleitet. Dafür fanden auch regelmäßige Treffen mit den Ausbildungsleitern der Unternehmen und den Berufsschullehrern statt.

• Dokumentarfilmreise in den Kosovo Eine Woche lang für Filmaufnahmen in den Kosovo reisen — das war 2010 das etwas andere Bildungsprojekt des zfm. Dank einer Förderung von der „Aktion Mensch“ konnte eine Gruppe von sieben jungen Leuten mit deutsch-kosovo-albanischen Wurzeln für acht Tage in das Herkunftsland ihrer Eltern fliegen. Den Kosovo, der den Gruppenmitgliedern gleichermaßen nah wie fremd war, neu zu entdecken, war das Ziel der Reise. Der Bezug dieser zweiten Migranten-Generation zum Herkunftsland ihrer Eltern ist wichtig, aber auch konfliktreich. Über mehrere Wochen hatten sich die Mitglieder der Reisegruppe zuvor Grundkenntnisse des Filmens und der Interviewtechnik angeeignet. Im Kosovo führte die Tour nach Prizren, der zweitgrößten Stadt der Republik Kosovo, zu den Wasserfällen von Mirusha, nach Gjakova und Peja und schließlich in die Hauptstadt Pristina. Mit Film- und Theaterleuten sowie mit Menschen auf der Straße wurde über das alltägliche und kulturelle Leben im Kosovo gesprochen. Die Arbeit mit Mikrofon und Kamera schuf eine besondere Konzentration bei der Wahrnehmung der Umgebung und förderte eine bewusste Verarbeitung der Erfahrungen. Aus dem Material soll ein Dokumentarfilm produziert werden. Doch wichtiger war, dass die Reise bei den jungen Leuten dazu beigetragen hat, den eigenen Bezug zum Land und der Kultur ihrer Eltern weiter zu klären. Das ist auch bedeutsam für ihr Leben in Berlin, denn es hilft, einen selbstbewussten Umgang mit der eigenen familiären Herkunft zu entwickeln.

Zentrum für Flüchtlingshilfen und Migrationsdienste

Service GmbH zeigte Interesse, Kursabsolventen und einen Ausbildungsplatz suchende Flüchtlinge in die Ausbildung zum Gebäudereiniger aufzunehmen. Die Interessenten machten jeweils ein mehrwöchiges Praktikum in den Hornbach Märkten und bei Gegenbauer und einige nahmen am Bewerbungsverfahren teil. Auch wenn nur ein Drittel der Interessenten in Ausbildung und Beschäftigung vermittelt werden konnte, so wurden für die Zukunft mit den Unternehmen Hornbach und Gegenbauer doch wertvolle Kooperationsstrukturen entwickelt.

39


Statistische Daten zfm Projekte Gesamtzahl der beratenen, betreuten und qualifizierten Klienten und Teilnehmenden: • Klienten der aufenthaltsrechtlichen und sozialrechtlichen Beratung 886 TN • Psychologische Beratung und Betreuung 514 TN • Beratung zu Bildung und Arbeitsmarkt 1.824 TN • Teilnehmende in Gruppen, Kursen und Qualifizierungsmaßnahmen 573 TN davon: Asylbewerberkurse, Alphabetisierungskurse, Integrationskurse, Fachsprachkurse 238 TN Pflegeassistentenkurse 153 TN Berufsvorbereitende kaufmänische Kurse und ausbildungsbegleitende Hilfen im kfm. Bereich 32 TN Niedrigschwellige psychotherapeutische Gruppen* 112 TN Sozialpädagogische Gruppen 38 TN Summe 3.797 TN *Niedrigschwellige psychotherapeutische Gruppen 1. Gruppe für jüngere kosovarische Frauen 2. Gruppe für kosovarische Frauen und Männer 3. Gruppe I für ältere kosovarische Frauen 4. Gruppe II für ältere kosovarische Frauen 5. Gruppe III für ältere kosovarische Frauen 6. Gruppe für kosovarische Männer 7. Gruppe für afghanische Männer (Strausberg) 8. Gruppe für afghanische Frauen (Strausberg) 9. Gruppe für russisch sprechende muslimische Frauen aus dem Nord-Kaukasus

20 TN 15 TN 8 TN 18 TN 8 TN 7 TN 7 TN 6 TN 23 TN

zfm statistische Daten

Ausbildungs- und berufsvorbereitende Qualifizierung in der Pflege

40

• 7 Kurse Pflegeassistentenqualifizierung (6 Monate einschl. 2 Monate Praktikum) Teilnehmer insgesamt: 153 Geschlechterverteilung:

Altersstruktur:

W 107 M 43

unter 25 26 – 65

Aufenthaltstitel: Asylgestattung/Duldung Aufenthaltserlaubnis Niederlassungserlaubnis Deutsche

37 116

Erfolgsquote: 46 76 24 7

Erfolgreicher Kursabschluß mit Zertifikat Vorzeitiger Kursabbruch Vermittlung in Arbeit im Pflegebereich Vermittlung in Ausbildung zum IbBG

118 TN 32 TN 68 TN 7 TN

Ausbildungsbegleitende Hilfen am Institut für beruflichen Bildung im Gesundheitswesen (IbBG/Vivantes) • Teilnahme von jungen Auszubildenden mit Migrationshintergrund an Lernberatung und Nachhilfeunterricht im Projekt zfm/IbBG • zfm-Absolventen schließen die 3jährige Krankenpflegeausbildung am IbBG ab

29 TN 3 TN


Uwe Krautzig Vorsitzender Rechtsanwalt und Notar Berlin

Anne Springer Stellvertretende Vorsitzende Psychoanalytikerin DGPT Berlin

Gabriele Thöne Schatzmeisterin Kaufmännischer Vorstand Zoologischer Garten Berlin AG Kaufmännische Geschäftsführerin Tierpark Berlin Friedrichsfelde GmbH Staatssekretärin a.D.

Claudia Frank Beisitzerin Rechtsanwältin Berlin Heinz Knoche Beisitzer DRK Generalsekretariat Team Migration- Interkulturelle Öffnung- Inklusion Berlin

Beirat Stand April 2011 ANTOINETTE Malerin Berlin

Jürgen Hardt Ehem. Landesgeschäftsführer der Barmer Ersatzkasse Berlin

Frauke Baumgarten Berlin

Prof. Dr. med. Andreas Heinz Direktor Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Charité Campus Mitte Berlin

Klaus Uwe Benneter Rechtsanwalt und Notar Berlin Leopold Bill von Bredow Berlin Prof. Dr. jur. Herta Däubler-Gmelin Bundesministerin a. D. Berlin Jan Eder Hauptgeschäftsführer Industrie- und Handelskammer Berlin Soscha Gräfin zu Eulenburg Ehem. Vizepräsidentin des DRK Berlin Prof. Dr. med. Hellmuth Freyberger Emeritierter Direktor der Abteilung Psychosomatik Medizinische Hochschule Hannover Hannelore Gadatsch Journalistin, im Ruhestand Baden-Baden Werner Gegenbauer Unternehmer Berlin Dr. jur. Heiner Geißler Bundesminister a.D. Dahn Angelika Graf, MdB Bundestagsausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe Berlin

Prof. Johannes Heisig Maler Berlin Prof. Dr. Jörg D. Hoppe Präsident der Bundesärztekammer Köln Dr. Günther Jonitz Präsident der Ärztekammer Berlin Prof. Dr. Thomas Kersting Berlin Prof. Dr. Ernst Kraas Chefarzt Zentrum für Minimal-Invasive Chirurgie DRK-Kliniken Westend Berlin Peter Kurth Präsident Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoff­ wirtschaft e.V. Berlin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger Bundesministerin der Justiz Berlin Wilfried Lösche Ehem. Präsident des Landessozial­ gerichts Berlin Berlin

Vorstand • Beirat

Vorstand Stand April 2011

41


Team 2010 Stand April 2011 Prof. Dr. Dr. Andreas Maercker Psychopathologie und Klinische Intervention Universität Zürich

Beirat • bzfo Team

Dr. Frank Ulrich Montgomery Vorsitzender und Menschenrechts­beauftragter Bundesärztekammer Hamburg

42

Sissy von Westphalen Journalistin Havelaue Oliver Zimmermann Niederlassungsleiter Merck Finck & Co. Privatbankiers Berlin

Hier sind alle Personen aufgelistet, die in dem Zeitraum vom 1. Januar 2010 bis 30. April 2011 im bzfo und zfm gearbeitet haben. • Geschäftsführung Richard Grünberg Geschäftsführer Kaufmännischer Leiter

Rolf Dieter Müller Ehem. Vorsitzender des Vorstands der AOK Berlin

Dr. med. Mercedes Hillen Geschäftsführerin Ärztliche Leiterin

Herrn Walter Müller Leiter Mercedes-Benz Niederlassung Berlin

• bzfo Team

Peter Nägele Rechtsanwalt Frankfurt

Salah Ahmad Kinder- und Jugendlichenpsycho­ therapeut Projektleiter Kirkuk Center for Torture Victims

Prof. Dr. med. Georg Neff Technische Orthopädie Consult GmbH Berlin

Andrea Ahrndt Sozialarbeiterin Ambulante Abteilung für Erwachsene

Dr. med. Wolfram von Pannwitz Facharzt für Neurologie Kaufmännischer Centrumsleiter des C15 Charité Berlin

Nora Balke Psychologische Psychotherapeutin Supervisorin (DGSv), Frauenwohnverbund, Supervisoren­ ausbildung

Prof. Dr. med. Hans Reinecker Klinische Psychologie Universität Bamberg Hermann Schmitt Landesgeschäftsführer der Barmer Ersatzkasse Berlin Dr. Alexandro Tassinopoulos Leiter Bundesagentur für Arbeit Berlin

Sebastian Burchert Wissenschaftlicher Mitarbeiter Kambodschastudie Forschungsabteilung Blanka Conze Psychologische Psychotherapeutin Ambulante Abteilung für Erwachsene Ruth Dahners Bibliotheksmitarbeiterin Dr. rer. oec. Doris Felbinger Referentin für Fundraising und Öffentlichkeitsarbeit


Katrin Göhde Kinder- und Jugendlichenpsycho­ therapeutin Ambulante Abteilung für Kinder und Jugendliche Renata Gottschling Reinigungskraft Gordana Granel Krankenschwester Tagesklinik Matthias Günther Krankenpfleger Tagesklinik Iris Habicht Physiotherapeutin Ambulante Abteilung für Erwachsene Dr. med. Ferdinand Haenel Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie Leiter der Tagesklinik Leif Hinrichsen Projektmitarbeiter Internationale Projekte Susanne Höhne Psychologische Psychotherapeutin Leiterin Frauenwohnverbund Lisa Hundhausen Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie Ambulante Abteilung für Erwachsene Katja Javaid Krankenschwester Tagesklinik

Britta Jenkins Referentin für Öffentlichkeitsarbeit Veranstaltungsmanagement

Sorin Piroi Sozialarbeiter Tagesklinik

Anett Kasten Verwaltungsmitarbeiterin

Matthias Polifka Psychologischer Psychotherapeut Ambulante Abteilung für Erwachsene

Prof. Dr. phil. Christine Knaevelsrud Psychologin Leiterin Forschungsabteilung Claudia Kruse Sozialarbeiterin Ambulante Abteilung für Erwachsene Verónica Labbé Psychologische Psychotherapeutin Frauenwohnverbund Yvonne Laue Sozialarbeiterin Ambulante Abteilung für Kinder und Jugendliche Martina Lehmann Sozialarbeiterin Frauenwohnverbund Michael Lehmann Projektmanager Internationale Projekte Natalia Martyushova Sozialarbeiterin Frauenwohnverbund Anzhela Melkomyan Psychologin Soziale Arbeit Frauenwohnverbund Judith Moser Sozialarbeiterin Wohnverbund Gordana Pietruszewski Buchhalterin

Prof. Dr. med. Christian Pross Supervisor (DGSv) Friederike Regel Projektkoordinatorin Irak Gisela Scheef-Maier Psychologische Psychotherapeutin Ambulante Abteilung für Erwachsene Leyla Schön Bibliothekarin Heidi Shehab Verwaltungsmitarbeiterin Nadine Stammel Psychologin Wissenschaftliche Mitarbeiterin Forschungsabteilung Malgorzata Symonowicz Psychologin Soziale Arbeit Frauenwohnverbund Dr. med. Tanja Waiblinger Ärztin – Psychotherapie – Ambulante Abteilung für Erwachsene und Tagesklinik Dr. med. Mechthild Wenk-Ansohn Fachärztin für Allgemeinmedizin Psychotherapie Leiterin der ambulanten Abteilungen Johanna Winkler Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie Fachärztin für Allgemeinmedizin Tagesklinik

bzfo Team

Korinna Fritzemeyer Psychologin Koordinatorin Kinder- und Jugend­ lichenprojekte Irak

43


• Team „Ilajnafsy“ Internetbasierte arabische Schreibtherapie

Bahia Hasnaoui Psychologin

Esat Ramadani Belkize Rushiti Safie Seyda Denis Shatov Sara Sohrabi Nadarajah Susiananthan Amerkhan Varaev Ljudmila Wendel Halime Yakut Raeda Younes Nasira Zwain-Anbar

Dr. Abdel Hakim Helmy Psychologe

• Freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Amir Korak Sozialpädagoge

Cornelia Abdullahi Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache

Salma Mustafa Mohammed Sozialpädagogin

Patricia Braak Musiktherapeutin

Khaled Omari Sozialpädagoge

Angelika Fischer Ergotherapeutin

Wassima Schulz Psychologin Koordinatorin

Sabine Haversiek-Vogelsang Kinder- und Jugendlichenpsycho­ therapeutin

• Dolmetscherinnen und Dolmetscher (Freie Mitarbeit)

Frances Hill Internationale Projekte

Denis Aubert Agunik Avetissian Bahrije Aygar Bella Barry Inparani Bejach Olaf Berger Mansour Bidariannejad Selim Büsse Elif Camyar Marit Cremer Shqipe Hoxha Aram Ibrahim Ivanka Kasnar Zarema Khasukhanova Selver Mersin Adel Moustafa Farzaneh Yousefi Mehri Pursarhang

Sylvia Karcher Therapeutin für Konzentrative Bewegungstherapie (HPG)

Helen Betar Psychologin

bzfo Team

Janine Brand Psychologiestudentin

44

Dr. phil. Alexandra Liedl Psychologin Ilajnafsy Projekt Ulrike Schuhose Kunstauktion Eva Stahl Psychologische Psychotherapeutin Carolin Tschiesche-Zimmermann Kunst- und Gestaltungstherapeutin

• Praktikantinnen und Praktikanten Caroline Bach Sozialarbeit Frauenwohnverbund Sonia Barkowski Psychologie Frauenwohnverbund Rike Beckmann Sozialarbeit Frauenwohnverbund Jasmin Bleimling Psychologie Frauenwohnverbund Katarina Bodrozic-Selak Sozialarbeit Frauenwohnverbund Maria Cordt Sozialarbeit Frauenwohnverbund Maria Teresa Diaz Gómez Psychologie Forschungsabteilung Marie Dietz Psychologie Frauenwohnverbund Adrian Golatka Sozialarbeit Ambulante Abteilung für Erwachsene Veronika Gottschling Fundraising, Öffentlichkeitsarbeit Eva Hammerer Sozialarbeit Ambulante Abteilung für Kinder und Jugendliche Tarek Hildebrandt Psychologie Forschungsabteilung


Johanna Laskawi Psychologie Frauenwohnverbund

Kathleen Prußok Psychologie Frauenwohnverbund

Rebecca Link Sozialarbeit Frauenwohnverbund

Julia Wölfel Ambulante Abteilung für Erwachsene

• Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen Cristina Barón Martin Bibliothek Anna Wulff Lehrerin

• Diplomandinnen und Diplomanden Jil Mittag Psychologie Frauenwohnverbund Vanessa Pietruszewski Auszubildende im Verbund Verwaltung Ardjani Puig Boedler Sozialarbeit Erwachsenenambulanz

Hanna Küstner Psychologie Retraumatisierungsstudie

Sarah Zimmermann Psychoanalytikerin

Katrin Wilhelm Psychologie „Lebenstagebuch“ Internetbasierte Integrative Testimonial Therapiestudie • Doktorandinnen

Verena Schoke Fundraising, Öffentlichkeitsarbeit Gregor Schueler Internationale Projekte Maria Wassermann Psychologie Frauenwohnverbund • Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Ausbildung (PIA) Juliane Dieckman Forschungsabteilung Myriam Hinkelammert Frauenwohnverbund Janina Kugele Frauenwohnverbund Moritz Machleb Tagesklinik

Maria Böttche Psychologie „Lebenstagebuch“ Internetbasierte Integrative Testimonial Therapiestudie Estelle Bockers Psychologie Reviktimisierungsstudie Carina Heeke Psychologie Kambodschastudie Lea Hermann Medizin Studie zur schauspielerischen Verarbeitung des Traumas von Haft- und Zersetzung in der SED-Diktatur Katrin Schock Psychologie Retraumatisierungsstudie

bzfo Team

Jenny Reichel Sozialarbeit Frauenwohnverbund

45


• zfm Team Dr. phil. Gerlinde Aumann Psychologin Ilona Beyer Verwaltungsmitarbeiterin Mervete Bobaj Sozialarbeiterin Anja Doms Sozialarbeiterin Nadine Essmat Juristin, Sozialarbeiterin Karsten Feick Verwaltungsmitarbeiter Dr. phil. Boris Friele Psychologe Hatidza Hadzic Reinigungskraft

zfm Team

Marco Hahn Medizinpädagoge Leiter berufliche Ausbildung Gesundheit/Pflege

46

Marek Ikawy Sozialarbeiter Nesrin Kocadag Verwaltungsmitarbeiterin Noemi Majer Sozialarbeiterin Gabriele Mixner Grundschulpädagogin Koordinatorin der Integrations­ kurse Irena Petzoldova Psychologische Psychotherapeutin Nadja Rödel Verwaltungsmitarbeiterin

Joachim Rüffer Koordinator des zfm Sabine Teweleit Koordinatorin für Mitarbeiter­ fortbildung Lucie Vieth Pädagogin Leiterin der Deutsch- und Integrations­kurse Jane Wegener Verwaltungsmitarbeiterin

• Pflegekurse Ali Allam Dirk Bastian Rainer Centmayer Nadine Czarnyan Oliver Jänig Mohammed Jouni Annegret Khalil Anne Krüger Alejandro Lorente Angelika Müller Volker Voß • Kaufmännische Kurse

Ksenia Yakovleva Sozialarbeiterin • Praktikantinnen und Praktikanten und gemeinnützige Beschäftigung Mehmet Aksoy Daniel Kwon Fanni Stolz • Freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Mabere Berisha Majda Kovac Joaquin Loredo Anette Lützel Franziska Nedelmann Shahin Payam Lioba Reckfort Shkurte Smajlaj • Deutschkurse (Deutsch als Fremdsprache) Katarzyna Cejrowska Angelika Ezzeldin Andreas Fröde Nalan Graf Dr. Anvita Gulgule Patricia Gusovius Ingrid Knoblauch Luis Alfonso Romero Leonel Veronika Ludwig Katharina Papadakis Elena Vasendina

Lianne Seidel Ingo Stuwe • Ehrenamtlicher Mitarbeiter Ismet Hadzic Hausmeister


Aktion Mensch Bonn Amnesty International, Aktionsnetz Heilberufe Berlin ART PASSEPARTOUT, Rudolf Borkenhagen und Stefan Rueff Berlin Auswärtiges Amt Berlin Heinrich Beuscher, Landesbeauftragter für Psychiatrie, Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin Bezirksamt Berlin-Mitte Senatorin Carola Blum, Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales Berlin Heinrich Böll Stiftung Berlin Botschaft der Schweizerischen Eidgenossenschaft Berlin Brillenwerkstatt, Norbert Kähler Berlin Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Nürnberg Bundesministerium für Arbeit und Soziales Berlin/Bonn Bundesministerium für Bildung und Forschung Berlin/Bonn Deutsches Rotes Kreuz, Generalsekretariat Berlin, Dr. Rudolf Seiters, Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg, Tobias Nowoczyn Berlin Deutsches Rotes Kreuz, Landesverband Berlin Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. Berlin Elisabeth und Johannes Elsner Esslingen Europäische Kommission, European Instrument for Democracy and Human Rights Brüssel Europäischer Flüchtlingsfonds Nürnberg Europäischer Sozialfonds Brüssel Freie Universität, Klinische Psychologie und Psychotherapie, Prof. Dr. Babette Renneberg Berlin Klaus Hillmann, Tandem Lagerhaus und Kraftverkehr Kunst GmbH Frechen Werner Gegenbauer Berlin Prof. Dr. med. Andreas Heinz, Direktor, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Charité Campus Mitte Berlin Elisabeth Höhensteiger München Staatssekretär Dr. Benjamin-Immanuel Hoff, Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin Dipl.-Kfm. Mario Krabbe, Prof. Dr. med. Bodo Paul, Schlossparkklinik Berlin Senatorin Katrin Lompscher, Senatorin für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin MISEREOR Aachen Rolf Dieter Müller, ehem. Vorsitzender der Allgemeinen Ortskrankenkasse Berlin Stiftung Musik Hilft GmbH, Sandra Seel, Christoph Becker Berlin Günter Piening, Beauftragter des Senats von Berlin für Integration und Migration, Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales Berlin Psychology Beyond Borders Austin, Texas Prof. Dr. Peter Raue Berlin Prof. Dr. Jan Philipp Reemtsma, Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur Hamburg Dr. F. Samimi-Stiftung Berlin Bundesministerin Dr. Kristina Schröder, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Berlin/Bonn Dr. Eric Schweitzer, Präsident der IHK Berlin Wolfgang Thierse, Schirmherr des bzfo, Vizepräsident des Deutschen Bundestages Berlin United Nations Voluntary Fund for Victims of Torture Genf UNO–Flüchtlingshilfe e.V. Bonn U.S. Department of State Washington D. C. World Doctors Orchestra, Prof. Dr. med. Stefan Willich, Dr med. Anne Berghöfer Berlin

bzfo dankt

Wir danken allen unseren Unterstützerinnen und Unterstützern, Spenderinnen und Spendern und Zuwendungsgebern

47


Überleben – Stiftung für Folteropfer

Unter dem Dach des Zentrums ÜBERLEBEN setzt sich die „Überleben – Stiftung für Folteropfer“ seit 1997 für die umfassende Betreuung von schwer traumatisierten Gewaltopfern ein. Auch die Rehabilitation und Integration von Flüchtlingen sowie die wissenschaftliche Erforschung von Zusammenhängen von Krieg, Folter und Verfolgung mit posttraumatischen Störungen gehören zu ihren Aufgaben. Diese Satzungszwecke erfüllt die Stiftung insbesondere durch die finanzielle Förderung des Behandlungszentrums für Folteropfer.

Überleben – Stiftung für Folteropfer

• Projekte und Veranstaltungen

48

Die vielen Beteiligten der Kunstauktion zugunsten der „Überleben – Stiftung für Folteropfer“ können mit Stolz auf eine Tradition und auf eine fortwährende Erfolgsgeschichte zurückblicken: Jahr für Jahr erzielt die Benefizveranstaltung in den Räumen der Industrie- und Handelskammer zu Berlin Rekorderlöse. So auch bei der 12. Kunstauktion am 1. Adventssonntag 2010. Obwohl die Zahl der versteigerten Kunstwerke diesmal etwas niedriger war als im Vorjahr, wurde das gleiche Spitzenergebnis erzielt wie im Jahr 2009: 131.000 Euro. Der Erfolg der Benefizveranstaltung hat viele Garanten: Prof. Dr. Peter Raue weiß die Versteigerung seit vielen Jahren als Auktionator immer wieder unterhaltsam und kenntnisreich zu neuen Rekordergebnissen zu führen. Die Kunstschaffenden, die den Erlös aus der Versteigerung ihrer Arbeiten der Stiftung spenden. Ohne sie und die Galerien gäbe es keine Auktion. Das gilt gleichermaßen auch für die großzügigen Kunstfreundinnen und Kunstfreunde. IHK-Präsident und Hausherr Dr. Eric Schweitzer betonte in seiner Begrüßung, dass die Auktion zwar in Berlin stattfinde, ihr Erfolg aber Tausende Kilometer entfernt besonders zu spüren sei. Genauer gesagt, im Irak. Er bezog sich damit auf Passagen eines Briefes, den ein

Therapeut von einem Patienten aus dem Irak erhalten hatte: „Gott sei Dank, mir geht es viel besser als früher. Was hat diese Therapie mit mir gemacht? Es ist wie Zauberei. ... Ich danke dir.“ Bis in diese fernen Regionen, so der IHK-Präsident weiter, „schickt das Behandlungszentrum mit der Internet Schreibtherapie „Ilajnafsy“ (siehe auch Seite XX) Hoffnungsstrahlen für traumatisierte Menschen, für die es vor Ort keine oder nur sehr wenig psychologische Betreuung gibt.“ Mit den Erlösen der Kunstauktion unterstützte die Stiftung 2010 die Arbeit des Behandlungszentrums für Folteropfer, insbesondere die Psychoedukative Gruppe. Hierfür wurden Dolmetscherkosten übernommen, Material wie Papier, Stifte, Hefte und Flipcharts angeschafft sowie ein kleines Abschlussfest für die Teilnehmenden organisiert. In bis zu 12 wöchentlich stattfindenden Sitzungen lernten die Teilnehmenden, was ein Trauma ist, welche Folgen es für die Patienten und Patientinnen mit sich bringt und wie sie im Alltag mit diesen Symptomen umgehen können. Die Musik- und Kunsttherapie sowie der Interkulturelle Heilgarten für die Patientinnen und Patienten der Ambulanten Abteilung und der Tagesklinik im bzfo waren auch 2010 weitere Schwerpunkte der Unterstützung von Folterüberlebenden durch die Stiftung Überleben. Auf dem 4. Berliner Stiftungstag stellte sich die Stiftung Überleben einer breiteren Öffentlichkeit vor. Im Großen Saal des Roten Rathauses hatten etwa 2500 Besucherinnen und Besucher Gelegenheit, mehr über die Zielsetzung und die Arbeit der Stiftung zu erfahren und mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen. Mit dem am Stand der Stiftung aufgestellten Biofeedbackgerät bestand die Möglichkeit, eine im bzfo erprobte und ebenfalls durch die Stiftung finanzierte Schmerztherapie in der Praxis kennenzulernen.


Werner Gegenbauer Vorsitzender Unternehmer Berlin Prof. Dr. med. Christian Pross Stellv. Vorsitzender Zentrum ÜBERLEBEN Berlin

Prof. Dr. Jörg D. Hoppe Präsident der Bundesärztekammer Köln Ulrike Poppe Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur Land Brandenburg Ulrich Vincenz von Heinz Rechtsanwalt und Notar Berlin

• Vorstand Uwe Krautzig Vorsitzender Rechtsanwalt und Notar Berlin Anne Springer Psychoanalytikerin DGPT Berlin Sissy von Westphalen Journalistin Havelaue

Überleben – Stiftung für Folteropfer

• Kuratorium Stand April 2011

49


50

Überleben – Stiftung für Folteropfer


51

Überleben – Stiftung für Folteropfer


Catania

Die gemeinnützige GmbH Catania setzt sich seit 2005 für die Prävention häuslicher Gewalt ein. Zugleich fördert sie die nachhaltige Verbesserung der medizinischen und psychosozialen Versorgung traumatisierter Kinder, Jugendlicher und Erwachsener in Deutschland. Häusliche Gewalt ist kein gesellschaftliches Randphänomen, sondern sie findet sich in allen sozialen Schichten. Wegen der verbreiteten Tabuisierung des Themas ist davon auszugehen, dass die Zahl der tatsächlichen Fälle weit größer ist als die Zahl der bekannt werdenden Fälle. Zwischenmenschliche Gewalt hinterlässt nicht nur körperliche Verletzungen, sondern auch tiefe seelische Narben.

Zentrale Schwerpunkte der Arbeit von Catania waren 2010: • Konzeption und Entwicklung des Online-Projektes „pflegen-und-leben.de“ zur Angehörigenberatung und Gewaltprävention • Fortbildungen für Ärzte, Psychotherapeuten, sozialpädagogische Fachkräfte und andere Berufsgruppen, die in der täglichen Praxis mit Gewaltopfern konfrontiert sind • Beratung von Opfern häuslicher Gewalt • Finanzierung von Kreativtherapien für Kinder, die durch Gewalt Traumata erlitten haben

Catania

• Psychologische Online-Beratung für pflegende Angehörige: „pflegen-und-leben.de“

52

Catania hat im September 2010 mit der Entwicklung eines psychologischen Beratungsangebotes im Internet für pflegende Angehörige begonnen. Für das Modellprojekt „pflegen-und-leben.de“ wird ein Internetportal entwickelt, das pflegenden Angehörigen psychologische Unterstützung bei seelischem Stress- und Belastungserleben bieten wird. Das Portal bietet neben Informationsangeboten vor allem eine individuelle Online-Beratung.

Die Betreuung und Pflege eines älteren Menschen ist für Angehörige oder auch Freunde, Bekannte und Nachbarn eine sehr verantwortungsvolle und herausfordernde Aufgabe. Nicht selten bringt die Fürsorge für einen pflegebedürftigen Menschen die Angehörigen und Freunde auf Dauer an die eigenen seelischen Belastungsgrenzen. Oft gestehen sich pflegende Angehörige erst sehr spät ein, dass sie überfordert sind. Häufig erst dann, wenn sie von der Belastung allmählich selbst krank werden. Der Zeitmangel infolge der Pflegearbeit, die in der Regel parallel zum eigenen Berufs- und Privatleben geleistet wird, aber häufig auch die intime und schambesetzte Problematik sorgen oft dafür, dass entsprechende Hilfs- und Beratungsangebote immer noch zu selten angenommen werden. Diese spezielle Bedürfnislage von pflegenden Angehörigen will das Modellprojekt „pflegen-und-leben.de“ berücksichtigen. Der einfache und zügige Informa­ tionszugang per Internet sowie die zeitliche und räumliche Unabhängigkeit des Beratungsangebotes sind wichtige Voraussetzungen für die Akzeptanz seitens der Pflegenden. Auch die visuelle Anonymität des Dialogs in der individuellen Online-Beratung ist ein weiterer Vorteil: Vielen fällt es so leichter, schwierige oder schambesetzte Fragestellungen offen anzusprechen. Zentrales Ziel des Modellprojekts ist die Verbesserung der häuslichen Pflegesituation. Die gesundheitliche, psychische und emotionale Stabilität der pflegenden Angehörigen ist die wichtigste Voraussetzung für die bestmögliche Qualität der Pflege. Vom Wohlbefinden der pflegenden Angehörigen profitieren unmittelbar auch die pflegedürftigen, meist älteren Menschen. Ein weiteres Ziel besteht in der Optimierung der Pflegesituation zur primären Prävention von Aggression und Gewalt in der Pflege. Ständige Überforderung ist die Hauptursache für Aggression und Gewalt im Pflegealltag. Das Modellprojekt will diesem relativ häufigen, aber stark tabuisierten Phänomen vorbeugen und Orientierung für den richtigen Umgang mit eigenen und zwischenmenschlichen Konflikten bieten. Kommt es im Pflegealltag bereits zu Gewaltanwendungen in körperlicher oder psychischer Form, soll das Online-Angebot von „pflegen-und-leben.de“ dem Angehörigen helfen, Lösungswege zum Abbau der aggressiven Verhaltensweisen aufzuzeigen. Das Modellprojekt zielt damit auch auf sekundäre Präventionsarbeit.


• Beratung und Unterstützung für Helfer und Betroffene Für medizinische und therapeutische Berufsgruppen, besonders aber auch für Betroffene und Angehörige von traumatisierten Menschen bietet Catania Beratung zu Diagnostik, Behandlung und Therapie von Traumafolgestörungen an. Dies geschieht in der Regel telefonisch und per E-Mail. Kontakte zu spezialisierten psychotherapeutischen Praxen werden ebenso vermittelt wie zu Beratungseinrichtungen in Wohnortnähe der Betroffenen. 2010 wurde dieses Angebot von Catania aus allen Regionen der Bundesrepublik rund hundert Mal abgerufen. Die Anfragen reichten von der einfachen Kontaktvermittlung bis hin zum emotionalen Entlastungsgespräch. • Förderung kreativer Therapien für traumatisierte Kinder Wenn junge Opfer von häuslicher oder sexualisierter Gewalt Hilfe in Form von Kreativtherapien benötigen, diese jedoch von Krankenkassen oder Jugendämtern nicht übernommen werden, springt Catania im Rahmen ihrer Möglichkeiten unter bestimmten Voraussetzungen ein. Die Teilnahme an Kunst-, Musik-, Reit- und Tanztherapien hat sich als wirkungsvoll erwiesen. Diese kreativen Therapien unterstützen Kinder und Jugendliche beim Wiederaufbau emotionaler Stabilität und bei der Rückgewinnung des Vertrauens in den Kontakt zu anderen Menschen. Sofern die jungen Patienten in regeltherapeutischer Behandlung oder Begleitung sind, finanziert Catania die Teilnahme an Kreativtherapien. 2010 hat Catania dies für elf Kinder in Berlin, Thüringen und Baden-Württemberg getan.

• Fortbildungen • Supervisionsausbildung Supervision ist eine Beratungsform, die einzelne Teams, Gruppen und Organisationen bei der Verbesserung ihres beruflichen Handelns begleitet. Supervision stammt aus dem sozialen Bereich und wird teilweise auch in der Wirtschaft angewendet. Je nach Supervisionsvereinbarung stehen die Rollen- und Beziehungsdynamik zwischen Supervisand und Klient, der Arbeitsauftrag, die Zusammenarbeit im Team bzw. in der Organisation des Supervisanden im Fokus. Durch den Blick des Supervisors von außen und eine gemeinsame Reflexion wird eine Optimierung der Arbeit erreicht. 2010 wurden 15 Supervisorinnen und Supervisoren bei Catania erfolgreich ausgebildet, von denen mehr als die Hälfte nicht aus Berlin, sondern aus anderen Bundesländern, einer sogar aus Österreich kam. Die Eingangsvoraussetzungen zur Teilnahme waren hoch: ein abgeschlossenes Hochschulstudium, mindestens fünf Jahre Berufspraxis, umfangreiche Zusatzausbildungen aus den Bereichen Gesundheit und Sozialwesen sowie Erfahrungen als Teilnehmer an Supervisionen. Das Curriculum, an dem namhafte Dozenten beteiligt waren, erstreckte sich über 18 Monate. Seine Abschlussarbeit musste jeder Teilnehmer jeweils vor der gesamten Gruppe verteidigen. Die Arbeiten zu aktuellen Themen sollen in einem Sammelband veröffentlicht werden. Die Ausbildung bei Catania ist von der Deutschen Gesellschaft für Supervision (DGSv) zertifiziert. Auch Ärztekammern und Psychotherapeutenkammern erkennen den Kursus an. Damit können Absolventinnen und Absolventen in den unterschiedlichsten Bereichen supervisorisch tätig werden. Als Dozenten lehrten die international bekannten niederländischen Experten Johan Lansen und Ton Haans in diesem Kursus. Beide sind im Bereich der Traumatherapie und als Supervisoren im interkulturellen Kontext tätig. Christian Pross, der zum Gründungsteam des Behandlungszentrums für Folteropfer gehört, ist sowohl in der Ausbildungsleitung als auch als Dozent tätig. Zu den weiteren Lehrkräften gehörten die Psychodramatikerinnen Hilde Gött und Katharina Larondelle sowie Michael Janßen, Organisationsberater mit Erfahrungen im Non-Profit-Bereich und in Wirtschaftsunternehmen. Hans Leitner, seit Jahren als Teamsupervisor tätig, lehrte Teamdynamik und

Catania

Die Online-Beratung von „pflegen-und-leben.de“ wird im Sommer 2011 den Betrieb aufnehmen – professionell, anonym, datensicher und kostenfrei. Von da an wird das Catania-Team mit seinen speziell ausgebildeten Psychologinnen und Psychologen für alle Fragen, Sorgen und Gedanken pflegender Angehöriger zur Verfügung stehen. Gefördert wird das dreijährige Modellprojekt vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Danach soll es in ein reguläres Beratungsangebot überführt werden.

53


Teamstrukturen. Hauptverantwortlich im Leitungsteam der Ausbildung und zugleich Dozentin ist die Psychologische Psychotherapeutin Nora Balke. Im Mai 2011 beginnt der vierte Kurs für die supervisorische Ausbildung bei Catania. • Begutachtung psychisch reaktiver Traumafolgen Wie bereits in den Vorjahren hat Catania auch 2010 eine Fortbildung zur Begutachtung psychisch reaktiver Traumafolgen im sozialen Entschädigungsrecht angeboten. Die von den Ärztekammern zertifizierte Fortbildung wurde gemeinsam mit dem bzfo durchgeführt und richtete sich an medizinische und therapeutische Berufsgruppen, die Kausalitätsgutachten erstellen oder Patienten mit psychischen Traumafolgestörungen behandeln. 2010 nahmen 27 Ärzte und Psychotherapeuten an der Fortbildung teil, die von Dr. med. Ferdinand Haenel, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. phil. Doris Denis geleitet wurde.

2010 erfolgreich fortgesetzt worden. Nachdem die Opernsängerin Friederike Meinel die Konzertreihe 2008 ins Leben gerufen hatte, wurde sie in ihrem Engagement bald tat- und finanzkräftig vom Kiwanis-Club Deutschland unterstützt. Bei den Konzerten der Reihe zeigen Musikschülerinnen und -schüler bundesweit ihr Können und zusammen mit ihren Musikschulen zugleich ihr soziales Engagement. Bei den Konzerten werden Spenden gesammelt, um Kindern musiktherapeutische Hilfe zu ermöglichen. 2010 fanden Konzerte in Karlsruhe, Ueckermünde, Augsburg und Düsseldorf statt. Dabei kamen insgesamt 8000 Euro an Spenden zusammen, die für die Förderung von Kreativtherapieplätzen für traumatisierte Kinder verwendet werden.

Catania

• Qualifizierung „Kinderschutz“ für Erzieherinnen und Erzieher der Kindertagesbetreuung

54

Catania hat im Jahr 2010 das Sozialpädagogische Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg (SFBB) dabei unterstützt, die 2009 begonnene Fortbildung zur Multiplikatorin beziehungsweise zum Multiplikator „Kinderschutz“ fortzusetzen. An der Qualifizierung nahmen 18 Erzieherinnen und Erzieher aus Einrichtungen der Kindertagesbetreuung in Kita und Grundschule/Hort teil. An insgesamt 20 Tagen wurden sie unter anderem darin geschult, die Anzeichen einer Gefährdung des Kindeswohls zu erkennen sowie Belastungsfaktoren zu identifizieren und geeignete Bewältigungsstrategien anzuwenden. Ein weiterer Ausbildungsschwerpunkt bestand in der kollegialen Beratung und in der Kooperation und Vernetzung mit beteiligten Diensten und Ämtern. Die im September 2009 gestartete Fortbildung endete im Oktober 2010 mit der Aushändigung der SFBB-Zertifikate.

• Dank

Für den Nachfolge-Kurs im Jahr 2011 boten die leitenden Dozentinnen Renate Jakobs (SFBB) und Katharina Larondelle im November eine Informationsveranstaltung an, die von 45 Interessentinnen und Interessenten besucht wurde.

• Gesellschafter Überleben – Stiftung für Folteropfer Berlin Prof. Dr. med. Christian Pross Potsdam Mathias Reinhardt Stuttgart

• Kinder helfen Kindern Die Konzertreihe „Kinder helfen Kindern — Musik schafft Zukunft“ zugunsten von Catania ist im Jahr

Catania dankt allen Unterstützerinnen und Unterstützern, Spenderinnen und Spendern! • Unterstützerinnen und Unterstützer Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Berlin/Bonn Kiwanis International Distrikt Deutschland e. V. Friederike Meinel Berlin Catania bedankt sich darüber hinaus bei allen Personen, die im Rahmen der Benefizkonzerte sowie der Spendendosen-Aktion „Kleine Knochen brechen leise“ einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung von traumatisierten Opfern geleistet haben.


• Geschäftsführung Richard Grünberg Geschäftsführer Dr. med. Mercedes Hillen Geschäftsführerin Dr. Mercedes Hillen und Richard Grünberg, hauptamtliche Geschäftsführer des Behandlungszentrums für Folteropfer e.V., leiten die Geschäfte der gemeinnützigen Catania GmbH unentgeltlich.

• Dozentinnen und Dozenten, Referentinnen und Referenten Nora Balke Psychologische Psychotherapeutin, Supervisorin Dr. phil. Doris Denis Psychologische Psychotherapeutin Hilde Gött Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Ton Haans Psychotherapeut, Supervisor

• Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Maria Böttche, Dipl-Psych. Projekt pflegen-und-leben.de Dr. rer. oec. Doris Felbinger Fundraising, Öffentlichkeitsarbeit Mathias Klasen, Dipl.-Psych. Projekt pflegen-und-leben.de Kristina Köhler, Dipl.-Psych. Projekt pflegen-und-leben.de Anne Krüger, Dipl.-Pflegepädagogin Projekt pflegen-und-leben.de Michael Lehmann, M.A. Projektleiter Carlotta Schneller, Dipl.-Psych. Projekt Gewaltprävention in Migrantenfamilien

Sabine Haversiek-Vogelsang Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Michael Janssen Diplom-Psychologe, Psychodramatiker Johan Lansen Facharzt für Psychiatrie, Psychoanalytiker, Gruppenpsychotherapeut Katharina Larondelle Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, Supervisorin Hans Leitner Diplom-Pädagoge, Erzieher Prof. Dr. med. Christian Pross Arzt für Allgemeinmedizin – Psychotherapie, Supervisor • Beirat

Maria Wassermann, cand. Dipl-Psych. Organisation Supervisionsausbildung Imke Wolf, Dipl.-Psych. Projektleiterin pflegen-und-leben.de Nora Balke, Dr. Doris Felbinger und Michael Lehmann, hauptamtliche Mitarbeiter/innen des Behandlungszentrums für Folteropfer e.V., unterstützen das Team der gemeinnützigen Catania GmbH unentgeltlich.

Prof. Dr. med. Andreas Heinz Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Charité – Universitätsmedizin Berlin Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe Präsident der Bundesärztekammer, Mitglied des Kuratoriums der Überleben – Stiftung für Folteropfer Prof. Dr. med. Christian Pross Honorarprofessor an der Charité Universitätsmedizin Berlin Mitgründer des Behandlungszentrums für Folteropfer

Catania

Nora Balke, Dipl.-Psych. Ausbildungsleiterin Supervision

Dr. med. Ferdinand Haenel Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie

55


Zahlen und Daten: Haushalt Catania gemeinnützige GmbH Gewinn- und Verlustrechnung für die Zeit vom 01.01. bis 31.12.2010

Catania Zahlen und Daten: Haushalt

1. Umsatzerlöse 2. Spenden und sonstige betriebliche Erträge 3. Aufwendungen für bezogene Leistungen 4. Personalaufwand Löhne und Gehälter, incl. soziale Abgaben und Aufwendungen für Altersversorgung 5. Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen 6. sonstige betriebliche Aufwendungen a) Raumkosten b) Versicherungen, Beiträge und Abgaben c) Reparaturen und Instandhaltungen d) Werbe- und Reisekosten e) verschiedene betriebliche Kosten f) Verluste aus dem Abgang von Gegenständen des Anlagevermögens 7. sonstige Zinsen und ähnliche Erträge 8. Zinsen und ähnliche Aufwendungen 9. Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit 10. Steuern vom Einkommen und vom Ertrag 11. Gewinnvortrag aus dem Vorjahr

2010 Euro 181.105,76 74.425,68 53.243,43

2009 Euro 122.226,92 18.104,45 56.779,41

73.906,00

52.772,74

35.467,86

29.191,31

6.226,49 616,45 4.394,01 11.598,92 50.415,69

6.149,00 1.399,80 3.316,84 17.170,17 10.451,40

847,00

0,00

298,61 4,77 19.109,43 8.069,17 0,00

352,15 0,00 -36.547,15 0,00 2.590,39

Im Geschäftsjahr 2010 wurden 11.040,26 EUR in die freien Rücklagen eingestellt. Catania gemeinnützige GmbH Bilanz zum 31. Dezember 2010 Aktiva

A. Anlagevermögen I. Immaterielle Vermögensge genstände 1.  gewerbliche Schutzrechte und  ähnliche Rechte und Werte 56  sowie Lizenzen an solchen  Rechten und Werten II. Sachanlagen Betriebs- und Geschäftsausstattung B. Umlaufvermögen I. Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände 1. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 2. sonstige Vermögensgegenstände II. Kassenbestand, Guthaben bei Kreditinstituten C. Rechnungsabgrenzungsposten

31.12.2010 Euro

31.12.2009 Euro

Passiva A. Eigenkapital I. Gezeichnetes Kapital II. Freie Rücklagen §58 Nr. 7a AO Summe Eigenkapital

38.301,34

24.844,34

63.280,00

63.802,00

23.226,69

3.182,56

439,09 23.665,78

1.829,55 5.012,11

145.370,58

93.788,85

1.512,36 272.130,06

228,48 187.675,78

B. Sonderposten für Zuschüsse    und Zulagen C. Rückstellungen I. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen II. Verbindlichkeiten gegenüber Zuwendungsgeber III. Sonstige Verbindlichkeiten

31.12.2010 Euro

31.12.2009 Euro

25.000,00 151.901,63 176.901,63

25.000,00 140.861,37 165.861,37

23.470,53

0,00

13.390,31

16.938,53

35.482,80

0,00

11.720,50

1.805,71

272.130,06

187.675,78


Fundraising 2010, Zentrum ÜBERLEBEN

• Spendenentwicklung

• Entwicklung der Spenderzahlen

Die Gesamtspendensumme für das Behandlungszentrum für Folteropfer ist 2010 im Vergleich zu 2009 um 3% gestiegen.

Erfreulicherweise stieg 2010 auch die Zahl der Spenderinnen und Spender um knapp drei Prozent – unter anderem wegen der guten Resonanz auf den Spendenaufruf im newsletter 4/2010. In den letzten beiden Monaten des vergangenen Jahres haben sich gut fünf Prozent der Spender/innen nach über 24 Monaten wieder mit einer Spende im Kreis der Unterstützer des bzfo zurückgemeldet. Seit 2007, dem Jahr mit den wenigsten Spenderinnen und Spender im vergangenen Jahrzehnt, konnte das bzfo den Kreis der Spender damit um fast ein Viertel erweitern. Ebenfalls um knapp ein Viertel stieg die Anzahl derjenigen, die über das Online-Spendenportal des bzfo spendeten. Mit dem Online-Spendenmodul der Bank für Sozialwirtschaft bietet die bzfo-Website eine sichere Möglichkeit, unkompliziert zu helfen.

Betrachtet man die Entwicklung in den einzelnen Spendenkategorien, so verzeichnet das bzfo im Bereich der Spenden über 500 Euro eine leichte Steigerung (Bereich „500 bis 4999 Euro“: plus 6%, Bereich „5000 +“: plus 2%). Während im Bereich der mittleren Spendenhöhen (Bereich „100 bis 499 Euro“) das Aufkommen um gut 13% sank, stieg das Spendenvolumen bei den Kleinspenden (Bereich „1 bis 99 Euro“) um 24%.

• Spendenentwicklung bzfo nach Spendenhöhe 180.000,00 € 160.000,00 € 140.000,00 € 120.000,00 € 1 bis 99 100 bis 499

80.000,00 €

500 bis 4999

60.000,00 €

500 +

40.000,00 € 20.000,00 € 0,00 € 2007

2008

2009

2010

• Das bzfo im deutschlandweiten Vergleich Laut der „Bilanz des Helfens“ für das Jahr 2010 der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK, Quelle: Deutscher Fundraisingverband) hat sich das Private Geldspendenvolumen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um 8,8% auf 2.282 Mio. Euro erhöht, im Bereich der Humanitären Hilfe sogar um gut 11%. Betrachtet man jedoch die Spendenentwicklung nach inhaltlichen Schwerpunkten, zeigt sich eine Verschiebung hin zu stärkerem Engagement im Bereich der Not- und Katastrophenhilfe. Hier stieg der Anteil an den gesamten Spenden für den humanitären Bereich vor allem aufgrund des Erdbebens auf Haiti und der Flut in Pakistan von 17,7% auf 26,6%. Der Anteil von Organisationen wie Amnesty International oder Pro Asyl (in der Bilanz des Helfens unter „Sonstiges“) an den Spenden für Humanitäre Hilfe sank dagegen in 2010 im Vergleich zu 2009 von 4,2% auf 3,0%. Damit verzeichnete das bzfo in 2010 mit einer leichten Steigerung des Spendenaufkommens eine Entwicklung gegen den Trend.

• Entwicklung Fördermitglieder 200 180 160 140 120 100 80 60 40 20 0

Anzahl Fördermitglieder

2007

2008

2009

2010

Leicht aber kontinuierlich nach oben entwickelt sich seit 2007 die Zahl der Fördermitglieder, die das bzfo regelmäßig per Dauerauftrag oder Einzugsermächtigung unterstützen. (Antrag auf Fördermitgliedschaft in diesem Jahresbericht auf S. 59 oder unter www.bzfo.de/ spenden/foerdern.html). Die Beiträge entwickelten sich nicht parallel zur Zahl der Fördermitglieder. Nach einem Einbruch in 2009 verzeichnete das bzfo einen erneuten Anstieg der dauerhaften Zuwendungen in 2010. Regelmäßig eingehende Spenden ermöglichen uns eine gute Planbarkeit für Angebote, die wir nicht aus anderen Mitteln finanzieren können wie z.B. die Kreativtherapien oder auch die Fahrtkostenhilfe für unsere Patientinnen und Patienten.

Fundraising Zentrum ÜBERLEBEN

100.000,00 €

57


• Entwicklung Fördermitgliederbeiträge 60.000,00 € 50.000,00 € 40.000,00 € 30.000,00 €

Summe Fördermitgliederbeiträge

20.000,00 € 10.000,00 € 0,00 € 2007

2008

2009

2010

Wir freuen uns zudem über die jährlich wiederkehrenden Kollektenspenden verschiedener Berliner Kirchengemeinden, die dem bzfo schon lange verbunden sind. In 2010 waren es über 2.700 Euro, die Gemeindeglieder zugunsten traumatisierter Folterüberlebender spendeten. Eine weiterer Weg, den 2010 mehrere Unterstützerinnen und Unterstützer gewählt haben, sind Anlassspenden wie z.B. runde Geburtstage oder Jubiläen. Die Spenden wurden entweder persönlich gesammelt und dann an das bzfo überwiesen. Oder die Gäste haben mit einem vorher vereinbarten Kennwort auf das Konto des bzfo gespendet.

Fundraising

• Benefiz und Sachspenden

58

Auch 2010 spielte das World Doctors Orchestra wieder in Berlin zugunsten gemeinnütziger Organisationen, diesmal im Konzerthaus am Gendarmenmarkt. In diesem Jahr teilten sich drei Organisationen den Erlös. Neben der schon im letzten Jahr bedachten Hugo-Tempelman-Stiftung und dem bzfo kamen die Eintrittsgelder des Konzertabends dem Centre Intégré de Recherches Biocliniques d’Abidjan (CIRBA) zu Gute. Dank des gut besuchten Konzerts erhielt das bzfo 7.764 Euro für die Rehabilitation von Folterüberlebenden. Ein erfreuliches Ergebnis erbrachte auch der Weihnachtsbasar der Evangelischen Dreifaltigkeitsgemeinde Berlin-Lankwitz. Zu Gunsten des bzfo konnten knapp 3.400 Euro erlöst werden. Zu Weihnachten freuten sich die Frauen aus dem Wohnverbund sehr über die gespendeten Kosmetikartikel von Weleda und Calla Naturkosmetik. Die Vermittlung von Freikarten durch Rouven Brunnert vom UNHCR Berlin bescherte den Patienten der Tagesklinik spannende Stunden bei Spielen von Alba Berlin und den Berliner Eisbären.

Weihnachtsfeier im Frauenwohnverbund

Die Konzertreihe „Kinder helfen Kindern“, die 2010 in Karlsruhe, Ueckermünde, Augsburg und Düsseldorf fortgesetzt wurde, erbrachte 8.000 Euro für die Kreativtherapien der gemeinnützigen Catania GmbH. Damit können auch weiterhin bundesweit traumatisierte Kinder aus sozial benachteiligten Familien Musik-, Reitoder Tanztherapie in Anspruch nehmen. • Stiftungsförderung Auch 2010, und damit seit über 10 Jahren, unterstützte die Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur die Forschung des bzfo. Einen Teil der Kosten für die Sprachmittlung durch Dolmetscherinnen und Dolmetscher finanzierte wieder die Dr. F.-Samimi-Stiftung, aufgrund von sinkenden Stiftungserträgen mit einem weniger als halb so großen Betrag wie in 2009. Die Mädchen und Jungen im bzfo profitierten vom erneuten Engagement der Stiftung Musik Hilft, die auch 2010 die Kosten für das musiktherapeutische Angebot in unsere Kinder- und Jugendlichenabteilung übernahm. Wir danken allen Spenderinnen, Spendern, Förderern, Stiftungen und Sponsoren. Durch Ihr Engagement tragen Sie dazu bei, die in diesem Jahresbericht vorgestellten Arbeitsbereiche und Projekte zu unterstützen – insbesondere dort, wo es für unsere Patientinnen und Patienten keine alternative Finanzierung durch Sozialämter oder Krankenkassen gibt. Fragen rund um das Thema Spenden und Unterstützungsmöglichkeiten beantwortet Ihnen gerne unsere Fundraiserin Dr. Doris Felbinger d.felbinger@ueberleben.org (030) 30 39 06 -28


ÜBERLEBEN Wege in eine menschenwürdige Zukunft

Werden Sie Wegbereiter! So unterstützen Sie die Arbeit im Zentrum ÜBERLEBEN Die Überleben – Stiftung für Folteropfer verfolgt seit der Gründung im Jahr 1997 ihre Zwecke insbesondere durch die Förderung des Behandlungszentrums für Folteropfer, zu dem seit 2005 auch das Zentrum für Flüchtlingshilfen und Migrationsdienste (zfm) mit seinen Angeboten zur Integrationsförderung gehört. Um die Erfahrungen des bzfo in der Behandlung von Opfern von Folter und Kriegsgewalt auch für traumatisierte Gewaltopfer aus Deutschland anbieten zu können, gründete die Stiftung ebenfalls 2005 die gemeinnützige Gesellschaft Catania. Als Spenderin und Spender oder als Fördermitglied der Überleben – Stiftung für Folteropfer können Sie die Arbeit des gesamten Zentrums ÜBERLEBEN unterstützen. Nicht zweckgebundene Spenden ermöglichen uns professionelle Hilfe entsprechend der jeweiligen Dringlichkeit. Sollte Ihnen die gezielte Förderung einer unserer Einrichtungen oder eine Zweckbindung an ein bestimmtes Projekt am Herzen liegen, können Sie uns gerne auf dem Formular unten ein Stichwort nennen. Als Fördermitglied der Überleben – Stiftung für Folteropfer unterstützen Sie die Arbeit im Zentrum ÜBERLEBEN dauerhaft. Sie erhalten regelmäßig unseren Jahresbericht und unsere newsletter. Ihr Förderbeitrag ist steuerlich absetzbar. Ihre Fördermitgliedschaft können Sie jederzeit kündigen – schriftlich, per E-Mail und auch telefonisch.

Ja, ich möchte spenden Bitte buchen Sie von meinem Konto:

Ja, ich möchte Fördermitglied werden!

59

einmalig Betrag: Euro

Tag der (ersten) Abbuchung

Kontonummer

Bankleitzahl

monatlich (mind. 5 Euro) jährlich (mind. 60 Euro)

Stichwort

Name des Kreditinstitutes

Name des Kontoinhabers

Ort, Datum, Unterschrift

Spendenaufruf

Wie Ihre Spende hilft, können Sie auf der Rückseite lesen!


ÜBERLEBEN Wege in eine menschenwürdige Zukunft

Jede Spende hilft! Eröffnen Sie gemeinsam mit uns Wege in eine menschenwürdige Zukunft. So unterstützen Sie einen Mann, eine Frau, einen Jugendlichen oder ein Kind ganz konkret: Ihre 5 € decken die Fahrtkosten zur wöchentlichen Therapiestunde oder zum Deutschkurs. Ihre 10 € lindern Schmerzen durch die Versorgung mit Medikamenten. Ihre 20 € ermöglichen Lebensfreude durch die Anschaffung von Rhythmusinstrumenten. Ihre 70 € ermöglichen das Entdecken neuer Kräfte durch einen Nachmittag Kunst- oder Gartentherapie.

ÜBERLEBEN • Wege in eine menschenwürdige Zukunft

Ihre 100 € bauen sprachliche und kulturelle Brücken, indem Sie einen Monat lang die Begleitung der wöchentlichen Therapiestunde durch Dolmetscher ermöglichen. Ihre 250 € schaffen Orientierung, Selbstvertrauen und Erfolgserlebnisse, denn Sie ermöglichen einem Jugendlichen die Teilnahme an einer Gruppenreise. Ihre 500 € erlauben es, fernab der Heimat ein neues Leben in Würde zu beginnen und sich in unserer therapeutischen Wohngemeinschaft für Frauen einzurichten. Ihre 1000 € helfen gegen schmerzhafte Gefühle wie Angst, Wut und Verzweiflung, denn Sie finanzieren ein Jahr lang Musiktherapie. Ihre 3000 € ermöglichen psychotherapeutische Hilfe für ein ganzes Jahr.

60 Name/Firma Vorname Straße, Hausnummer/Postfach

Zentrum ÜBERLEBEN GSZ Moabit Turmstr. 21

PLZ, Ort

10559 Berlin

Telefon/Fax e-mail Geburtsdatum (Angabe freiwillig)


Impressum: Copyright 2010 Herausgeber: Behandlungszentrum für Folteropfer e.V. im Zentrum ÜBERLEBEN GSZ Moabit, Haus K Turmstr. 21 10559 Berlin Tel +49 (30) 30 39 06-0 Fax +49 (30) 30 61 43 71 info@ueberleben.org www.ueberleben.org

Redaktion: Doris Felbinger Richard Grünberg (verantwortlich) Mercedes Hillen Britta Jenkins Michael Lehmann Redaktionelle Mitarbeit: Matthias Heining Fotos: bzfo Mathias Klasen Gestaltung und Satz: galindo • medien & gestaltung Dipl. I. Des. Edmundo Galindo www.design-galindo.de Gefördert durch:

Jahresberichte 2008 – 2010 als PDF-Dateien unter www.ueberleben.org


Jahresbericht 2010

Zentrum ÜBERLEBEN Behandlungszentrum für Folteropfer Berlin e. V. Turmstraße 21 10559 Berlin Tel +49 (30) 30 39 06 - 0 Fax +49 (30) 30 61 43 71 www.ueberleben.org Spendenkonto 312 47 00 Überleben – Stiftung für Folteropfer Bank für Sozialwirtschaft BLZ 100 205 00

Zentrum

ÜBERLEBEN Wege in eine menschenwürdige Zukunft

Jahresbericht 2010


Jahresbericht 2010