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MAY 2012

ELEGANCE IS THE rEAL PUNK OdEr: WEr SICH SCHMÜCKT, dEM WACHSEN FLÜGEL


elegance is real the punk 01

KEIN HANSEATENSOHN Oder FREUNDIN AUS L.A. IM FLUR Text: Anselm Lenz mit Anna Fuchs, Mode: Anna Fuchs, Fotos: Fritz Jaenecke Hair & Make-Up: Udo Farnschl채der, Creative Director: Tanja Pfaff


elegance is real the punk 01

#1 WAS SoLL MAn dA AnTWorTen?

Staubpartikel tanzen in der Luft. In der Küche

Kann man das senden? Nein. Menschen

dudelt das Radio. Wann werden wir die »Hits

sind zu unterschiedlich, was ja in der Regel

der Nuller« endlich los? Der Duft von Kaffee.

Freude auslöst. Aber heute müssen meine

- Alles ist da. Die Wohnung, die Zeitung. Die

diversen Seelchen ohne mich irrlichtern. Mei-

Freiheit, mich wohl zu fühlen. Die Situation

ne Fingerspitzen lassen Buchstaben über die

gibt alles her. Kleinmut, Niedertracht und At-

Anzeige tanzen: »Die Zeitung knistert, der

titüde haben Pause. Das licht zeichnet wei-

Kaffee ist perfekt. Dieser Tag wurde für mich

che Schatten in den Raum.

allein gemacht.« Basta - und drücke auf senden. Nun denn. Das Croissant ist luftig, fettig

Wenn da nicht immer diese Nachrichten auf

und krümelt, wie herrlich gottlos.

dem ladypinkgeschützten iPhone wären. »OMG: Mein neuer Yogalehrer ist klasse. Er

Nix da. Es klingelt. Natürlich. Wie in einer die-

bringt mir das gute Leben bei. Word! Meine

ser TV-Soaps, in denen auch niemals nie-

Putzfrau kann ich mir nun allerdings nicht

mand einfach mal so im Sessel sitzt, Zeitung

mehr leisten. Knutsch � Deine Ulla«, »Hast Du

liest und Kaffee trinkt und man ihn oder sie

schon gehört, dass sie das Golem wieder

eine halbe Stunde lang dabei beobachten

zumachen wollen? Wo sollen wir nun hinge-

könnte. Fortsetzung folgt. Soll ich jetzt lachen

hen?«, »Hast Du nicht gesagt, Du bringst heu-

oder weinen? Vor der Tür wartet jedenfalls

te Ciabatta und Strauchtomaten in deinem

niemand auf Einlass. Bloß ein Zettel. Eine

Weidenkörbchen mit? Landliieebee x x x«.

Nachricht von Gregor. Drama, Baby, Drama!

Was soll man ihnen antworten? Der jogisierten Freundin, der Nachtfee, der Kollegin vom Landfrauenverein. Für sie alle drei gibt es heute nur eine Sammelantwort: »Fahrt zur Hölle. Ach, Ihr seid schon auf dem Weg? Für heute ohne mich.«

»heute müssen meine seeLchen ohne mich irrLichtern.«


»es kLingeLt. wie in einer Dieser tv-soaPs.«


»Drama, Baby, Drama.«


elegance is real the punk 01

#2 ScHWäBiScHer HAnSeATenSoHn

Er ist eines jener Opfer, wie sie hier überall

Wie bin ich nur auf die Idee gekommen, ihm

herumlaufen. Und doch hatte man etwas

meinen Wohnungsschlüssel zu überlassen,

gesehen und sich eingelassen. Denn diese

gleich nach dem ersten Sex?

Hoffnung ist zumindest gegeben, Männer könnten ja entwicklungsfähig sein. Gregor,

»Man hat sich bemüht« steht auf dem Pa-

ein halbwegs ansehnlicher Hanseatensohn

pier, dazu der Schlüssel. Lässig auf die Trep-

von Format, wie er selber denkt, denn man

pe gelegt, geklingelt, wohlwissend, dass ich

hört den schwäbischen Akzent kaum noch

da bin, und subito davongeschlurft in von

raus; er macht was mit Medien, lächelt gern

Kinderhand verleimten Turnschuhen in weiß,

und hat alles im Griff. Gemütsäußerungen

grün und blau. Der Typ hat Allüren – soll ich

sind ihm fremd, er gestikuliert nur sparsam, ist

auf die Straße hinausrennen und ihm nach-

vermutlich irgendwie gebildet (soweit waren

rufen? »Fahr zur Hölle, zu den Andern.«

wir noch gar nicht gekommen) und – man wollte nicht mehr alleine einschlafen und

Oder eine Nachricht schreiben? Das Spati-

samstags auf dem Wochenmarkt das Wei-

um blinkt auf dem Telefon - soll ich das sen-

denkörbchen selber tragen.

den? Das mobile Telefon bimmelt im Vintagesound. (Warum gibt es eigentlich noch

Ein zufälliges Treffen in einer präzis gewähl-

nicht Handyschoner aus dunkelgrünem

ten Szenebar mit relevanter Kandidatenaus-

Samt mit Kordelverzierung?)

wahl, ein routiniertes Lächeln, plänkeln, mit nach hause nehmen, eine Freundschaftsbe-

»Pizza bestellt?«

stätigung in Facebook (aber ohne den Be-

»Wie?«

ziehungsstatus zu ändern!). Er hatte mal eine

»Ich bin jetzt da, vor Deiner Tür!«

Ausstellung in dieser szenigen Off-Galerie

»Bella! Ich denke, du kommst morgen.«

oder so, ganz nette Fotos, das übliche: Indus-

»Nö, wieso?«

trieanlagen im Instagram, eine Kubanerin

»Los Angeles...«

vor einem Graffitto in Havanna, irgendwie im

»Ja, große Stadt.«

goldenen Schnitt gesetzt, dazu der übliche

»Warte, ich mach auf.«

Fitzelkram, wie er auf der Documenta oder an der städtischen Kunsthochschule abgefeiert wird. Er reist gern, auch beruflich … und hach.

»unD Doch hatte man sich eingeLassen.«


»Mann hat sich bemüht…«


»fahr zur höLLe, zu Den anDern.«


elegance is real the punk 01

»Lust auf seLBstverrauen.«

#3 FreUndin AUS L. A. iM FLUr

Steht sie so da, auf meiner Treppe. Hat keine Ahnung, dass sie gerade diesem schlechten Typen High Five hätte geben können. Ein wunderbar unpassender Moment, in dem sie ihr goldenes Köfferchen die Treppen hinaufklappert. Im Flur lehnt sie sich gegen die Kacheln. Sie will begrüßt und bewundert werden. Aber sicher doch. Was für eine willkommene Ablenkung. Die Zeitung von heute ist doch eh schon nicht mehr aktuell und Kaffee schmeckt bitter, wenn er kalt ist. Bella sieht fabelhaft aus mit ihrem Lollipop, tatsächlich erinnert sie mich an eine dieser alten Hollywood-Schönheiten, wie sie mir da entgegenschwebt. Sie scheint von Reisen wieder einmal alles mitgebracht zu haben, was uns hier abgeht. lebensfreude, einen Hang zur Pose, weil man sie kann, und weil sie nichts kostet, eine feierliche Alltagskultur jenseits von Authentizität. Und ein gewisse lust auf Selbstvertrauen. »Bella, Du siehst blendend aus.« »Du bist aber auch nicht schlecht.« »Ha, das will ich hören. Schön, dass du da bist. Komm rein.«


ÂťLebensfreude und ein hang zur Pose.ÂŤ


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#4 Mein Freund der BAum (Der alte Sack)

Bella zieht sich um, »frischt sich auf«, sie träl-

Als ich Bella im Haus rufen höre, bin ich schon

lert im Bad. Soviel Positivität überfordert mich

oben im Baum. Hier, ich bin hier.

jetzt. Soll sie machen, ich gehe raus, Blumen gießen. Gestern hat‘s geregnet, aber irgend-

»Was machst du denn da? Spannst du bei

was will passieren. »Man hat sich bemüht.«

den Nachbarn? »Nein, ich dachte, ich verschaffe mir mal ei-

»Ich möchte näher zu Gott, mein Freund,

nen Überblick über meine Gefühlslage.«

nimm mich in die Zweige und recke dich für

»Aha. Na klar, das geht ja auch besser, so

mich«, rede ich den Baum an. Aber der ant-

von da oben.«

wortet natürlich nicht, der alte Sack. Bella lacht. Soll man ihr erzählen was los ist? »Soll man dir erzählen was los ist?« »Huch? Ja, bitte.« »Also. Die Kurzform. Er heißt Gregor, und er hat mir heute meinen Wohnungsschlüssel und einen absurd kurzen Brief vor die Tür gelegt - und sich dann davon gemacht.« »Oh. Wie lange wart ihr denn zusammen? Den kenne ich ja noch gar nicht.« »Einen Monat oder so.« »Und dann hat er Deinen Wohnungsschlüssel?« »Hat sich so ergeben, wegen der Arbeit.« »Verstehe ich nicht, aber okay. Und jetzt ist Trauer angesagt?« »Nö. Aber Du bist quasi mit seinem Brief gekommen.« »Ach so.« »Du müßtest an ihm vorbeigelaufen sein.« »Der Smeagol?« »Vermutlich, ja.« »Okay, das mag so eine Notlösung gewesen sein. Du machst sonst doch auch alles alleine, das kennt man ja gar nicht von Dir. Jetzt komm mal wieder runter.« »Ich rege mich doch gar nicht auf!« »Nein, vom Baum.«

»Nimm mich in Deine Zweige und recke Dich für mich.«


Âťirgendwas will passieren.ÂŤ


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#5 Bella Balla

»Da die Sonne jetzt weg ist, können wir hier draußen was spielen, oder?« Bellas paradoxer Humor. Wir bauen das Croquet-Spiel auf. Ich bin etwas lustlos, aber Bella gibt sich alle Mühe. »Stellen Sie sich vor, Sie sind die Kugel. Sie müssen da durch, denn Sie wurden mit dem Schläger angebumst. Der Boden ist kultiviert, aber uneben. Alles Mögliche könnte Sie ablenken. Wenn Sie auf eine andere Kugel treffen, sind Sie am Zug. Wenn Sie ein Tor passieren, bleiben Sie am Zug. Nur die Wenigsten schaffen den Parcours in einer Runde, denn das ist fast unmöglich, würde das Zusammentreffen von extremem Glück, enormer Fähigkeit und besten Umständen erfordern. Alle Anderen müssen sich langsam von Tor zu Tor über den gestutzten Rasen arbeiten, Rückwärtsschläge machen, und hoffen, nicht von Anderen beiseite gemobbt zu werden. Sie können aber auch auf das große Glück spielen, weite Stöße versuchen und landen dann meistens im Abseits.« »Bella, du bist genial.« »Naja, H.G. Wells hat mal ein Buch über Croquet geschrieben, in dem er das Spiel mit Leben gleichsetzt. So frei nach...« Wir ziehen also heute das Abseits vor. Bella hat Rosé Crémant mitgebracht, sie hat sich überlegt, dass das ganz gut passen könnte zu unserer Gartenpartie und schenkt aus. Wir lachen darüber, wie wir so französische Salondamen spielen und sind auch gar nicht der Ansicht, dass wir von Manet gemalt werden sollten. »Malerisch, wie Du den Ball verballert hast.« »Ja, wieso?, ich hab doch ganz gut ins Aus getroffen!

»Mit Schmackes, BAby.«

Gibt´s jetzt Einwurf?« »Moment, wenn ich den Zielstab ziele, dann treffe ich vielleicht Gregor an den Hinterkopf!« »Mit Schmackes, Baby!« »Nee, Geschmacklos, der Schnuller!« »Soll das ein Wortspiel sein, Anna?« »Ach, egal, ich schwing jetzt den Hammer.« »Vorsicht, Du könntest einen Käfer treffen.« »Ha. Gregor? Den habe ich fast schon vergessen.«


»extremes Glück, enorme fähigkeiten, beste Umstände.«


#6 Smells like teen spirit

Es beginnt Spaß zu machen. Da wir die Klei-

»Mensch, Anna, was ich Dir mitbringe ist

der wechseln können, und somit unsere See-

mehr als eine Stadt. Das Leben ist eine Schei-

len gut geschützt zum Funkeln kommen, ler-

be. Alles darf nach Draußen, wenn das Drin-

nen wir wieder zu singen.

nen gut verpackt ist.« »Sing ich doch!«

Bella ist da nicht so engagiert und wehrt sich nicht gegen die Hooklines des Garagen-

Ich hole die E-Guitarre aus dem Schrank,

rocks, die ich anstimme. Bella ist der Ansicht,

schließlich hat man sich ja die Nägel lackiert,

dass Elvis Presley der größte Künstler aller Zei-

um sie zu benutzen. Ich kann noch drei Ak-

ten ist und wirft sich in die Hüfte. Das steht ihr

korde spielen und Bella improvisiert darauf

natürlich famos, weswegen ich sie frage, ob

eine kleine Weise von den JB‘s.

sie das aus Los Angeles mitgebracht habe. »Was können die, was wir nicht können?« »Wir sind Norddeutsche und haben uns das verboten?« »Na, dann können wir uns das doch auch wieder erlauben, oder?« »Machen wir doch schon.«

»man hat sich die Nägel lackiert, um sie zu benutzen « .


ÂťAlles darf nach draussen, wenn das drinnen gut verpackt ist ÂŤ .


ÂťDas Leben ist eine Scheibe ÂŤ .


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#7 Strassenfeger

»Krachend zerplatzt diese Torte an meinen Lippen«, äußert Bella, während das Kleid über ihren sich füllenden Bauch wallt. »Alright«, antworte ich kauend, »es schmeckt und soll sein, weil ich es liebe. Es gibt Sorbet, Kuchen, Donauwelle, vielleicht später noch ein Steak, oder?« »Ach, Bella, wenn der Glam in die Stadt reitet, dann klappen die Deutschen die Bürgersteige hoch und schließen die Fensterläden.« »Und wir fläzen hier elegant auf dem Sofa und fahren uns das Essen rein, ungerecht, oder?« »Nee, praktisch.« »Aber das Wort »praktisch« ist doch von der Anstandskleidung besetzt worden, wie sie von pseudo-skandinavischen Outdoorlabels in den Markt gedrückt wird.« »Na, aber so ein Taschenmesser in der khakifarbenen Kniekehlen-Baggie wäre ja schon praktisch jetzt.« »Im Kampf gegen die Raubtiere of the 21st Century oder was?« »Ja, dann fühlt man sich so erdverbunden.«

»Allright, es schmeckt und So soll es sein,


»Später noch ein Steak, oder?«


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#8 Moral, Demut, Diät

»Weißt Du, ich weiß nicht, ob man das so machen kann«, fragt Bella in einem kurzen Moment mit Selbstzweifeln vor dem Spiegel. »Was weißt Du nicht?« »Ist das alles richtig so?« »Was sollte denn richtig sein? Moral, Demut, Diät und Häuslichkeit?« »Ja, man könnte sonst meinen, wir seien durchgedreht.« »Weil wir Kleider tragen, ein Leben führen, essen, tanzen und singen? Na, wohl bekomm´s. Du bist fantastisch und einzigartig Bella, hörst Du?« Tatsächlich scheint es ja immer mal wieder Verdacht zu erregen, wenn Menschen beginnen, das Leben zu lieben. Wenn sie zu sich finden, eine Lebenslust in sich haben und sie sich auch gestatten. Aber in wessen Interesse ist es, das als Unbescheidenheit abzutun? Der Versuch führt doch nur in den muffigen Konsens und in ein Gleichgewicht der Schwäche, mit dem wir uns gegenseitig ärmer machen. Leider haben es Frauen noch immer am besten drauf, einander argwöhnisch zu belauern. Dagegen hilft nur eines: es eben nicht zu tun - und sich zu erlauben, sich selber und die Schöpfung zu feiern. »Gehen wir tanzen?«

»man könnte meinen, wir seien durchgedreht.« »Weil wir Kleider tragen, ein Leben führen, essen, tanzen und singen?«

»Erstmal errichten wir die Fassade. Weil wir es können. Und weil es Spaß macht.«


»Tatsächlich scheint es ja immer mal wieder Verdacht zu erregen, wenn Menschen beginnen, das Leben zu liebeN.«


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#9 DIE FASSADE WIRD ERRICHTET

»Weißt Du, immer wenn ich von woanders

»Neid entsteht aus Schwäche, Kleinmut,

herkomme, dann muss ich erstmal wieder

mangelndem Selbstvertrauen, selbstemp-

lernen, dass man hier bis vor Kurzem nicht im

fundener Unterlegenheit und überspanntem

Kleid einkaufen konnte. Die Frauen schienen

Ehrgeiz, deswegen verbirgt der Neider sei-

freiwillig in Funktionsbekleidung mit „Was-

nen unschönen Charakterzug schamhaft. Er

sersäule“ oder Steppjacke, Jeans und Ugg

lehnt lauthals ab, es dem Beneideten gleich-

Boots, in erdgetönten Farben, weil sie das ir-

zutun. Geht es ihm an den Kragen, genießt

gendwie natürlicher fanden.«

der Neider stille Schadenfreude. Das ist von

Bella steckt mir die Zigarette an.

Götz Aly, passt doch ganz gut.« Das ist von

»Ja, absurd, oder. Als würde man nur trocken

Götz Aly, passt doch ganz gut.

Brot essen, weil man dann integer rüberkommt. Aber diese düstere Zeit ist zum Glück

»Wollten wir nicht Schluss machen mit den

vorüber.«

gebrauchten Gefühlen? «

»Wir sollten etwas Richtiges essen.«

»Haben wir doch. Wir könnten in die Taverne des Lichts gehen. Wir könnten einen Club

»Wollten wir nicht SchluSS machen mit den gebrauchten Gefühlen?«

Und so machen wir Schluss mit den ge-

aufsuchen. Theater? Ich reserviere uns noch

brauchten Gefühlen und setzen uns. Bella

Karten fürs Theater, was meinst Du?«

zieht ein Buch aus dem Regal und liest vor:

»Hast du die Nummer?«


»Wir könnten in die Taverne des Lichts gehen.«


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#10 GEGEN DEN AUSGEHZWANG

Gelb und Rot. Schallplatte. Technics 1210.

Wir bereichern die Welt durch unsere Abwe-

Nachschminken. Das Knarzen aus den Laut-

senheit. Nichts brauchen wir mehr, als die

sprechern. Ein Tanz. Wir sehen gut aus, was

Angst zu verlieren, zu sein. Wir sind entschie-

kann uns passieren? Wir dürfen das machen,

den: Wir haben heute uns.

weil wir es wollen. Wer ist eigentlich Gregor? Wir werden die Welt nicht retten, wenn wir

Bella und ich bleiben. Sollen die Karten doch

uns in falscher Demut üben. Im Gegenteil.

verfallen, oder an andere gehen. Wir schmü-

Das Theater wartet auf uns. Wir werden aus-

cken uns heute nicht für den Anlass, wir ma-

gehen.

chen das für uns.

Nichts wartet. Gar nichts. Wir sind unser eige-

Sie dreht eine Pirouette mit dem Sektglas, ihr

nes Theater. Weil wir es können. Weil wir uns

Kleid flattert und es schwappt ein Schluck

das erlauben. Wir entscheiden lautlos, wir ge-

auf das Parkett. Weil es gut ist.

hen nicht hin. Magst noch was trinken?

»Wir sind unser eigenes Theater. Weil wir es können. Weil wir uns das erlauben.«


»Wir sehen gut aus, was kann uns passieren? Wir dürfen das machen, weil wir es wollen.«


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#11 ES LEBE DIE NUTZLOSIGKEIT von Anselm Lenz mit Anna Fuchs, Palermo und Hamburg Frühjahr 2012

Nun gilt die Liebe gemeinhin als

kommt dem Volk spanisch vor.

wiederbeleben und zitieren, nur

sie durchaus praktisch sein, auch

das am härtesten umkämpfte Gut

Dangerous! - Fremd und gefährlich!

um es wieder im Fluß der Schöp-

ohne, dass man gleich im Zeltstoff

fung hinter uns zu lassen.

mit allerlei Nottaschen am Revers

der Gesellschaft. Wer sich selbst liebt, wer sich schmückt, dem

Doch warum so verkniffen, warum

wachsen Flügel. Und wer so be-

so deutsch? Die Zweifel der Ge-

schwingt durchs Leben geht, der

meinschaft am Individuum mögen

wirkt anziehend. Und wer anzie-

hie- und da ihre Berechtigung ha-

hend wirkt, dem wächst die Auf-

ben, aber wenn wir über Musik,

merksamkeit der Anderen zu. Und

Mode, Leben, Humor, Freude und

mit der Aufmerksamkeit verlängert

Lebensart sprechen: was ist so

sich die zugestandene Redezeit,

schlecht, so verwerflich, so unver-

die Anerkennung, die Möglich-

schämt daran? Was ist gefährlich

keiten und letztlich der Spaß am

daran, sich modisch zu kleiden?

Leben – für alle Beteiligten. Diese

Die Mode kann der wunderbarste Ausdruck der Seele sein, ein Schutz zugleich und im FluSS der gesellschaftlichen Diskurse ein interessantes, wenn nicht das interessanteste Thema überhaupt.

sanfte Macht der Individualität, der

Was bewundert die Welt die Pa-

Die Mode ist ständige Entwick-

herumlaufen muss. Wenn die bei-

Schönheit, der ungewöhnlichen Er-

riserin, die Mailänderin, ach, fast

lung, Verfeinerung, Veränderung.

den Damen in den beschriebenen

scheinung, der besonderen Fähig-

alle

entwickelter,

Wer sie verbannen oder einfrie-

zehn Situationen das belegt ha-

keiten: all das wird volkstümlich in

westlicher Nationen. Ein Bekennt-

ren will, weil sie »zu nichts nut-

ben, wäre ja schon etwas gewon-

den Verdacht gezogen, magisch

nis zur Mode, zum Spiel, zum

ze« sei, der redet einer Gesell

nen, oder. Für den Moment darf

zu sein, Hexenwerk, nicht von die-

Theater, zur Welt als Bühne ist ein

schaft das Wort, die sich letztlich in

sich jedenfalls die Hoffnung auf

ser Welt. Wer so herausragt ohne zu

Bekenntnis zur Zivilisation, weil wir

die Selbstzerfleischung manövriert.

eine schönere Welt in feinem Stoff

leiden oder direkte Macht auszu-

in endlosen Diskursen unsere Ener-

Ganz abgesehen davon, dass

und einem tollen Schnitt in die Welt

üben kann keiner von uns sein. Da-

gien kanalisieren, Neues erschaf-

Mode auch ein bisschen ange-

setzen. - Kleiden wir uns?

ran muss etwas getürkt sein. Das

fen, Altes ersetzen, Vergangenes

nehm verfeinerte Politik ist, kann

Weibsbilder


elegance is real the punk 01

KLEID Moderella 390,00 Euro ›

KLEID Hubidubi 480,00 Euro

Mitarbeiter dieser Ausgabe

Hosenrock 220,00 Euro Anna Fuchs

Anselm Lenz

Modedesignerin

Autor

gründete mit 26 Jahren

studierte Philosophie, Ju-

Ihr eigenes Modelabel

risterei, Garagenrock und

Mantel Mad Man 500,00 Euro

mit der Absicht Frauen

schließlich, mit etwas mehr

zu ermutigen, Eleganz,

Ernst,

Sophistication und Savoir

und Kunstgeschichte. Da-

Overall Great gatsby 250,00 Euro

Vivre in ihr Leben zu lassen, ohne sich dabei

nach arbeitete er insgesamt sechs Jahre in

KLEID Beatrix 350,00 Euro

verkleidet , verniedlicht und unauthentisch zu

der Dramaturgie und Organisation für Staats-

fühlen. Die Idee zu diesem nahbaren, doku-

theater und Festivals. Schließlich, nach eige-

mentarischen Modeprojekt kam ihr, weil Sie

nen Stücken und kleinen und großen Produk-

spürt, dass es hierzulande noch viel zu viele

tionen, war er ab 2011 Gründungsmitglied

Ressentiments gegenüber Mode und femini-

der Bar „Golem“ am Hamburger Fischmarkt.

ner Kleider gibt. Sie wünscht sich, dass ihre

Er lebt zur Zeit in Palermo. Dort arbeitet er an

hose 110,00 Euro, Top 80,00 Euro

Rechnung aufgeht und mehr verstanden

verschiedenen Buchprojekten und Dramen.

Kleid Bebi 390,00 Euro

wird, was Kleider sein können: Schutz, Hei-

Kulturwissenschaft

lung und Haltung. ›

www.annafuchs.de

KLEID L´Heur bleu 250,00 Euro KLEID DangerMouse 390,00 Euro

KLEID Poppy 480,00 Euro ›

Overall La Garçonne 450,00 Euro overall big Apple 250,00 Euro

Bluse Poppy 110,00 Euro Rock Rocky 110,00 Euro

Fritz Jaenecke

Udo Farnschläder

Fotograf

Hair & Make-Up Artist

hat, wie so viele Kreative,

arbeitet seit Mitte der 90er Jahre als Stylist

große Probleme über sich

und Hair & Make-Up Artist für große und klei-

selbst Aussagen zu tref-

ne Mode- und Werbeproduktionen.

fen. Darum nur so viel: Er

mail@udo-farnschlaeder.de

lebt und arbeitet vorwiegend in Hamburg, ist ein super Fotograf, der

Tanja Pfaff

es immer wieder schafft, die Menschen mit

Grafikdesignerin

denen er arbeitet für das Projekt zu begeis-

entwickelt in ihrem hamburger Studio Ge-

tern. Dabei entstehen unter den widrigsten

staltungskonzepte, bei denen souverän und

Umständen als auch im Studio Fotografien,

überraschend die Grenzen zwischen, Kunst,

die die Netzhaut des geneigten Betrachters

Design, Produkt und Wirtschaft verschoben

berühren und zum Sehen einladen.

werden.

www.fritzjaenecke.com

www.pfaff-design.com

KLEID Charleston 450,00 Euro KLEID Night Fever 250,00 Euro

Dieses Projekt würde durch die Unterstützung der Hamburger Kreativgesellschaft ermöglicht.


Anna Fuchs KG Karolinenstrasse 27 D-20357 Hamburg Tel. +49 (0) 40 401 85 408 Fax +49 (0) 40 412 895 56 annafuchs.de

mit freundlicher unterst端tzung der Hamburger Kreativgesellschaft


Elegance is the real punk! Anna Fuchs S/S 12  

Die erste Anna Fuchs Magazin Ausgabe mit Fotos und Text im erzählerischem Stil.

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