POOL

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PRE-FALL 2018

POOL

ISSUE #1

FOR BOYS N‘ GIRLS


Gekommen um zu bleiben Wir geh‘n nicht, aber wenn wir geh‘n, dann geh‘n wir in Scheiben Entschuldigung, ich sagte: „Wir sind gekommen, um zu bleiben!“ - Wir sind Helden

Wir sprechen über so viele Dinge und doch über so viele nicht oder nicht richtig. Selbstzweifel prägen Generationen und man fühlt sich oft in der Masse der Menschen auf der Welt so unwichtig. Aber vieles teilt man oder weiß man nicht. Es wird immer abertausende Geschichten neben Deiner geben, ob witziger, komplizierter, um einiges schlechter oder besser. Anders wird sie allemal sein, doch haben viele an manchen Stellen Ähnlickeit. Und plötzlich ist man nicht mehr alleine. Anonymität bleibt, aber vielleicht reden wir dann auch mehr und intensiver mit denen in unserer unmittelbaren Nähe. Das Heilmittel so vieler Probleme ist Reden. Mit Toleranz und Akzeptanz, weltoffen, realistisch und kritisch denkend. Veränderungen akzeptierend. Deshalb setzen wir uns mit all dem auseinander, mit dem sich kaum jemand, aus irgendwelchen Gründen auseinandersetzt oder zeigen Geschichten und Vielfalt. Die Obsttheke deiner Wahl, dein Pool - of thoughts, dein Print-Porno, dein Info-Pool und der ist ganz ganz tief. Bitte ruhig durchatmen, Welt abschalten und lesen. Anna Pommer, Herausgeber


Gekommen um zu bleiben Wir geh‘n nicht, aber wenn wir geh‘n, dann geh‘n wir in Scheiben Entschuldigung, ich sagte: „Wir sind gekommen, um zu bleiben!“ - Wir sind Helden

Wir sprechen über so viele Dinge und doch über so viele nicht oder nicht richtig. Selbstzweifel prägen Generationen und man fühlt sich oft in der Masse der Menschen auf der Welt so unwichtig. Aber vieles teilt man oder weiß man nicht. Es wird immer abertausende Geschichten neben Deiner geben, ob witziger, komplizierter, um einiges schlechter oder besser. Anders wird sie allemal sein, doch haben viele an manchen Stellen Ähnlickeit. Und plötzlich ist man nicht mehr alleine. Anonymität bleibt, aber vielleicht reden wir dann auch mehr und intensiver mit denen in unserer unmittelbaren Nähe. Das Heilmittel so vieler Probleme ist Reden. Mit Toleranz und Akzeptanz, weltoffen, realistisch und kritisch denkend. Veränderungen akzeptierend. Deshalb setzen wir uns mit all dem auseinander, mit dem sich kaum jemand, aus irgendwelchen Gründen auseinandersetzt oder zeigen Geschichten und Vielfalt. Die Obsttheke deiner Wahl, dein Pool - of thoughts, dein Print-Porno, dein Info-Pool und der ist ganz ganz tief. Bitte ruhig durchatmen, Welt abschalten und lesen. Anna Pommer, Herausgeber


Inhalt Androgyny Fotoserie Seite 10-21

Androgyny Wie sich die androgyne Mode entwicktel hat

Gender Dictionary Was ist jetzt Trans/Bi/Intersexuell?

Seite 28-29

Seite 22-23

My Body hair Warum sich fast Jeder enthaart? Seite 32-35

Me & my Innies Das Geheimniss um den invertierten Nippel Seite 38-41 WINE VS: WEED Wieso überhaupt ein Unterschied?

Seite 44-45

Seite 48-49

Interview featured VICE Eine Bachelorabriet: Warum Menstruation immernoch so ein Tabuthema ist. Seite 46-47 Dream Klarträume & Träume beeinflussen Wunderwerk Penis Was man in einer 43min Penis-Doku alles lernen kann Seite 50-53

BOY‘S BOY‘S BOY‘S Fotoserie Seite 56-73

Warum kriegen wir die Krise? Das Phänomen Quarterlife-Crisis Seite 68-69

Tattoo und alt werden?! Schlaffe Haut und Lebensfreude? Passt das? Seite 54-55

Erwachsen ≠ Ich Ab wann muss ich was erreicht haben in meinem Leben? Seite 66-67


Inhalt Androgyny Fotoserie Seite 10-21

Androgyny Wie sich die androgyne Mode entwicktel hat

Gender Dictionary Was ist jetzt Trans/Bi/Intersexuell?

Seite 28-29

Seite 22-23

My Body hair Warum sich fast Jeder enthaart? Seite 32-35

Me & my Innies Das Geheimniss um den invertierten Nippel Seite 38-41 WINE VS: WEED Wieso überhaupt ein Unterschied?

Seite 44-45

Seite 48-49

Interview featured VICE Eine Bachelorabriet: Warum Menstruation immernoch so ein Tabuthema ist. Seite 46-47 Dream Klarträume & Träume beeinflussen Wunderwerk Penis Was man in einer 43min Penis-Doku alles lernen kann Seite 50-53

BOY‘S BOY‘S BOY‘S Fotoserie Seite 56-73

Warum kriegen wir die Krise? Das Phänomen Quarterlife-Crisis Seite 68-69

Tattoo und alt werden?! Schlaffe Haut und Lebensfreude? Passt das? Seite 54-55

Erwachsen ≠ Ich Ab wann muss ich was erreicht haben in meinem Leben? Seite 66-67


Man vs. Woman #shoppingedition Seite 74-79

Dorfleben Was man als Stadtschnösel im Leben verpassen kann... Seite 84-85

Kameruns Tabuthema Die Sex-App Seite 90-91

SEX & FINANZEN Same but different Seite 100-101

Statistiken Unsere Welt in Fun Facts Seite 80-81

1/3 Erst allein, dann zu zweit & plötzlich zu dritt Seite 86-89

Vorurteile Same but different Seite 94-99

Sex-Tipps á la 1894 Seite 104-105

(X)ANXIENTY Wenn man noch schwerer als von Heroin davon wegkommt... Seite 106-109 HIV-Positiv Was jetzt? Seite110-111 GAY featured VICE „Was Männlichkeit für mich als schwulen Mann bedeutet“ Seite 112-116 DOKU AT ITS BEST Dokumentationen sind die neuen Blockbuster Seite 118-119


Man vs. Woman #shoppingedition Seite 74-79

Dorfleben Was man als Stadtschnösel im Leben verpassen kann... Seite 84-85

Kameruns Tabuthema Die Sex-App Seite 90-91

SEX & FINANZEN Same but different Seite 100-101

Statistiken Unsere Welt in Fun Facts Seite 80-81

1/3 Erst allein, dann zu zweit & plötzlich zu dritt Seite 86-89

Vorurteile Same but different Seite 94-99

Sex-Tipps á la 1894 Seite 104-105

(X)ANXIENTY Wenn man noch schwerer als von Heroin davon wegkommt... Seite 106-109 HIV-Positiv Was jetzt? Seite110-111 GAY featured VICE „Was Männlichkeit für mich als schwulen Mann bedeutet“ Seite 112-116 DOKU AT ITS BEST Dokumentationen sind die neuen Blockbuster Seite 118-119




Andro gyny „Menschen die sich trauen“ Eine Fotostrecke über: Androgynität als Fashion-Statement


Andro gyny „Menschen die sich trauen“ Eine Fotostrecke über: Androgynität als Fashion-Statement












US-Zensur zu Opfer fiel. Mit derartigen Veränderungen medial und gesellschaftlich konnte die skandalöse Damen-Hose von 1913 immer mehr akzeptiert werden.

Androgyny is simply flowing between the opposites.

Androgyny Androgynität beschreibt laut Definition nur die tertiären (äußeren) geschlechterübergreifenden Merkmale wie die Frisur, Bekleidung oder das Verhalten eines Menschens. Unsere Gesellschaft hat bestimmte Geschlechterrollen festgelegt um Menschen besser kategorisieren zu können wie Transsexuell, Intersexuell, Pansexuell, Homosexuell, Genderqueer, Transgender, Androgyn uä. (Gender). Doch sollte man Androgynität nicht mit Hermaphroditen verwechseln, auch bekannt als Intersexuelle/Zwitter. Sie können primäre und/oder sekundäre körperliche Merkmale beider Geschlechter aufweisen.

22

Im Androgynen stecken zwei unterschiedliche Lebensformen. Zum Einen, sich wirklich andersgeschlechtlich zu fühlen oder sich aus modischen wie auch aus anderen Gründen entgegen seines Geschlecht zu kleiden. Wie Coco Chanel seit 1913 die Mode bis Heute beeinflusst hat und so, ohne sich selbst eine Feministin zu nennen, Kleidung für die moderne, unabhängige Frau kreierte. Coco‘s Kleidung entsprach ihren Gefühlen, sich einfach nur in ihrer Kleidung bewegen zu können und nicht nach den gesellschaftlichen Vorgaben, wie Geschlechter sich zu fühlen haben. Und mit ihren ersten Damen-Hosen ohne männliche Silhouette, begann die Evolution der androgynen Mode im 20ten Jahrhundert. 1930 eroberten Katharine Hepburn und Marlene Dietrich Hollywood. Sie gehörten der ersten Generation nach dem I. Weltkrieg an und wurden somit durch die Furcht und ihre viele Verluste unabhängig wie auch unerschrocken. So zeigte sich z.B. Marlene Dietrich männlich gekleidet und eine Frau küssend, auf der Leinwand wobei diese Scene fast der

Jedoch blühte in den 50ern die Zeit der Hausfrau, vor allem in Amerika, auf und es folgte eine zweite Welle des Feminismus, welche sich gegen diese starken Stereotypen wehrte. In primär Europa war der II. Weltkrieg Grund dafür, dass beide Geschlechter ähnlichen Rollen nachgingen. 1966 betraht Yves Saint Laurent die Bildfläche der Fashion-Branche mit radikaler neuer Mode. Verwirklicht durch eine maskuline und aggressive Frauen-Mode, die Geburtsstunde des Tuxedo. Die späten 1960er waren von Jimi Hendrix und Mick Jagger geprägt, welche einen bestimmten Sexappeal in eigentlich viel zu bunter, geschmückter und weiblicher Kleidung mitunter mit Make-Up verströmten. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sich Frauen immer mit androgyner Mode dem strikten Rollenbild der Zeit entzogen und nun bahnte sich der Beginn der sexuellen Revolution an. So wurde in z.B. Großbritannien Homosexualität entkriminalisiert. Männer wollten nun aus den alten Konventionen ausbrechen und ihre Individualität ausleben können mit z.B. langem Haar, Eyeliner oder femininen Silhouetten. Auf diese Weise begann die „Peacock Revolution“ der 60er Jahre, in welcher die Bekleidung der homosexuellen Szene von den heterosexuellen Männern aufgenommen wurde. In den 80ern wurde Prince in sei-

ner eigentlich unmaskulinen Art für Viele ein Sex-Symbol und Grace Jones bewegte sich perfekt zwischen sexy und Maskulinität und gab ihre Gefühle sowohl als Frau wie auch als Mann eine Stimme. So wurde sie mit ihrer Androgynität zu einem wichtigen Symbol des Feminismus. Der Grunge der 90er ließ schließlich die Geschlechter miteinander verschwimmen, ohne das gleich die eigene Sexualität in Frage gestellt wurde. Die Trends der unterschiedlichen Jahrzehnte wiederholen sich auf den Laufstegen der Metropolen immer und immer wieder in den unterschiedlichsten Formen und Kombinationen. Androgyne Mode stand so lange nur für Feministen und Anhänger der LGBTQA-Gemeinschaft. Während heutzutage viele Stücke aus der ursprünglichen Herren-Abteilung in der Damen-Mode ihren ganz eigenen Platz gefunden haben. So gibt es gerade heute viele als unisex betittelte Kleidungstücke, also solche welche für beide Geschlechter designed sind. Und durch Frauen in der heutigen Zeit, welche sich weigern ihre Achselhaare weg zu rasieren oder sich für die „Free your nippel“-Bewegung einsetzen, zeigen, dass wir uns auch weiterhin nicht an gesellschaftliche Konventionen halten wollen. Viele Rollenbilder und Verhaltensweisen sind nicht mehr zeitgemäß. So wie die Menschen der jüngeren Generationen oft andere oder neue Ansichten haben. Und auch in der Mode-Welt wächst der Markt für Model-Agenturen und Designer, welche alles andere als Stereotypen suchen. Dies fördert auch die ethnische Vielfalt in der Branche. Das neue Ideal in der Männer-Mode lässt die Grenzen der Geschlechter noch weiter verschwimmen.

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US-Zensur zu Opfer fiel. Mit derartigen Veränderungen medial und gesellschaftlich konnte die skandalöse Damen-Hose von 1913 immer mehr akzeptiert werden.

Androgyny is simply flowing between the opposites.

Androgyny Androgynität beschreibt laut Definition nur die tertiären (äußeren) geschlechterübergreifenden Merkmale wie die Frisur, Bekleidung oder das Verhalten eines Menschens. Unsere Gesellschaft hat bestimmte Geschlechterrollen festgelegt um Menschen besser kategorisieren zu können wie Transsexuell, Intersexuell, Pansexuell, Homosexuell, Genderqueer, Transgender, Androgyn uä. (Gender). Doch sollte man Androgynität nicht mit Hermaphroditen verwechseln, auch bekannt als Intersexuelle/Zwitter. Sie können primäre und/oder sekundäre körperliche Merkmale beider Geschlechter aufweisen.

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Im Androgynen stecken zwei unterschiedliche Lebensformen. Zum Einen, sich wirklich andersgeschlechtlich zu fühlen oder sich aus modischen wie auch aus anderen Gründen entgegen seines Geschlecht zu kleiden. Wie Coco Chanel seit 1913 die Mode bis Heute beeinflusst hat und so, ohne sich selbst eine Feministin zu nennen, Kleidung für die moderne, unabhängige Frau kreierte. Coco‘s Kleidung entsprach ihren Gefühlen, sich einfach nur in ihrer Kleidung bewegen zu können und nicht nach den gesellschaftlichen Vorgaben, wie Geschlechter sich zu fühlen haben. Und mit ihren ersten Damen-Hosen ohne männliche Silhouette, begann die Evolution der androgynen Mode im 20ten Jahrhundert. 1930 eroberten Katharine Hepburn und Marlene Dietrich Hollywood. Sie gehörten der ersten Generation nach dem I. Weltkrieg an und wurden somit durch die Furcht und ihre viele Verluste unabhängig wie auch unerschrocken. So zeigte sich z.B. Marlene Dietrich männlich gekleidet und eine Frau küssend, auf der Leinwand wobei diese Scene fast der

Jedoch blühte in den 50ern die Zeit der Hausfrau, vor allem in Amerika, auf und es folgte eine zweite Welle des Feminismus, welche sich gegen diese starken Stereotypen wehrte. In primär Europa war der II. Weltkrieg Grund dafür, dass beide Geschlechter ähnlichen Rollen nachgingen. 1966 betraht Yves Saint Laurent die Bildfläche der Fashion-Branche mit radikaler neuer Mode. Verwirklicht durch eine maskuline und aggressive Frauen-Mode, die Geburtsstunde des Tuxedo. Die späten 1960er waren von Jimi Hendrix und Mick Jagger geprägt, welche einen bestimmten Sexappeal in eigentlich viel zu bunter, geschmückter und weiblicher Kleidung mitunter mit Make-Up verströmten. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sich Frauen immer mit androgyner Mode dem strikten Rollenbild der Zeit entzogen und nun bahnte sich der Beginn der sexuellen Revolution an. So wurde in z.B. Großbritannien Homosexualität entkriminalisiert. Männer wollten nun aus den alten Konventionen ausbrechen und ihre Individualität ausleben können mit z.B. langem Haar, Eyeliner oder femininen Silhouetten. Auf diese Weise begann die „Peacock Revolution“ der 60er Jahre, in welcher die Bekleidung der homosexuellen Szene von den heterosexuellen Männern aufgenommen wurde. In den 80ern wurde Prince in sei-

ner eigentlich unmaskulinen Art für Viele ein Sex-Symbol und Grace Jones bewegte sich perfekt zwischen sexy und Maskulinität und gab ihre Gefühle sowohl als Frau wie auch als Mann eine Stimme. So wurde sie mit ihrer Androgynität zu einem wichtigen Symbol des Feminismus. Der Grunge der 90er ließ schließlich die Geschlechter miteinander verschwimmen, ohne das gleich die eigene Sexualität in Frage gestellt wurde. Die Trends der unterschiedlichen Jahrzehnte wiederholen sich auf den Laufstegen der Metropolen immer und immer wieder in den unterschiedlichsten Formen und Kombinationen. Androgyne Mode stand so lange nur für Feministen und Anhänger der LGBTQA-Gemeinschaft. Während heutzutage viele Stücke aus der ursprünglichen Herren-Abteilung in der Damen-Mode ihren ganz eigenen Platz gefunden haben. So gibt es gerade heute viele als unisex betittelte Kleidungstücke, also solche welche für beide Geschlechter designed sind. Und durch Frauen in der heutigen Zeit, welche sich weigern ihre Achselhaare weg zu rasieren oder sich für die „Free your nippel“-Bewegung einsetzen, zeigen, dass wir uns auch weiterhin nicht an gesellschaftliche Konventionen halten wollen. Viele Rollenbilder und Verhaltensweisen sind nicht mehr zeitgemäß. So wie die Menschen der jüngeren Generationen oft andere oder neue Ansichten haben. Und auch in der Mode-Welt wächst der Markt für Model-Agenturen und Designer, welche alles andere als Stereotypen suchen. Dies fördert auch die ethnische Vielfalt in der Branche. Das neue Ideal in der Männer-Mode lässt die Grenzen der Geschlechter noch weiter verschwimmen.

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Gender Dictionary Romantische & Sexuelle Orientierung Die sexuelle & romantische Orientierung eines Menschen muss nicht miteinander übereinstimmen. So ist es möglich, dass man emotional & körperlich sich zu unterschiedlichen Gendern hingezogen fühlt.

qui tet voluptis dendant reped molupta quaspiduscid quiae vollabore officium reperumquae volorerovit et, qui ut lab iumquam, volorrovid quia nimaios est quae aut liquaerum et re volorepudi ute nobit, volor aut que parum cum volupta parcias estibus quoditi aturibustrum alit eum eatur aliquas sum harumque magnien isinveliam ad ut a corepel maxim rae quaeruptatur mi, officid untur? Oluptas autendi optate volupta perum ius ulliquo id quibus, cullendae

Heterosexualität Sexuelles Begehren & romantische Liebe wird hier ausschließlich für das andere Geschlecht empfunden. So entstehen immer Beziehungen zwischen Mann & Frau. Homosexualität Das sexuelle & romantische Interesse gilt dem eigenen Geschlechts. Mann & Mann, Frau & Frau. Bisexualität Empfindungen können beiden Geschlechtern gegenüber empfunden werden, sowohl gegenüber einer Frau oder einem Mann.

Immer all diese vielen Begriffe für Sexuelle und Romantische Orientierungen?! Wir schaffen kurz & knackig Klarheit für alle die Jenigen, die es interesseiert.

Asexualität Asexuelle haben kein Interesse an Sex. Sie verzichten nicht extra auf Sex, obwohl sie sexuelle Motivation verspüren, sondern empfinden keinen sexuellen Drang. Asexualität schließt jedoch romantische Nähe nicht aus. Asexuelle Personen können so auch hetero-/homo-/ biromantisch sein. Nur erotisches Verlangen & das Bedürfnis danach fällt weg. Polysexualität Poly bedeutet viele & erklärt das Interesse an (biologischen) Frauen & Männer wie auch an Transsexuellen, Intersexuellen & Menschen, die sich selbst keiner dieser Sexualitäten zuordnen. Dabei fühlen sich polysexuelle Menschen nicht zwingend von allen Sexualitäten angezogen. Pansexualität Die Weiterführung von Polysexualität. Sie können sich in Jeden unhabhängig vonjeglicher Geschlechtsidentität verlieben.

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Cis-Gender Alle die sich mit ihrem eigenen & urpsrünglichen Geschlecht identifizieren sind Cisfrauen & Cismänner.

Intersexualität Aus genetischen, anatomischen & hormonellen Gründen besitzten sie das weibliche sowie das männliche Geschlecht. Sie sind folglich biologisch weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuzuordnen. Transsexualität Sie verändern ihr biologisches/ursprüngliche Geschlecht um sich wie sie selbst fühlen zu können. Gemeint damit ist aber nicht die jeweilige sexuelle Ausrichtung. Eine Transfrau beschreibt so jemanden, die mit männlichen Geschlechtsmerkmalen geboren wurde, sich aber als Frau identifiziert & ein Transmann ist mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen geboren, fühlt sich aber als Mann. Transgender Definition eines sozialen Geschlechtes, wobei Transgender Identität, Benehmen, Ausdruck, Selbstempfinden, Selbstgestaltung, Gedanken & Einstellungen des eigentlich biologisch Andersgeschlechtlichen aufweist. Und haben so eine andersgeschlechtliche oder geschlechtsneutrale Geschlechtsidentität. Aber Transgender beschreibt nicht die sexuelle Orientierung. Bigender Sie identifiszieren sich mit beiden biologischen Geschlechtern gleichermaßen. Gender Queer Ein Sammelbegriff für alle die Jenigen, welche nicht Heterosexuell oder Cis sind.

Demigender Sie definieren sich nur teilweise als Frau oder Mann. Demisexuell Sexuelles Verlangen entsteht erst nach einer emotionalen Bindung. Skoliosexualität Sie haben nur gelegentlich ein sexuelles Verlangen. Grey-(a)sexuell Man ist zu romantischer Liebe fähig, aber Gefühle sollten nicht erwidert werden. Lithoromantisch Ist die sexuelle Anziehung zu nicht binär definierten Menschen, also zu welchen sich nicht als männlich oder weiblich bekennen (keine Cis). Und beschreibt so keine allgemeine Anziehung zu spezifischen Genitalien oder Geburtsmerkmalen. Polyamorie Es bezeichnet keine sexuelle Ausrichtung oder Geschlechts-Identität sondern ist eine offene Beziehungsform mit den verschiedensten Liebes-Konstellationsmöglichkeiten. Wie z.B. mehrere Menschen, welche alle eine Beziehung zu jedem von ihnen haben/ ein Einzelner, welcher Verliebtheit & Zärtlichkeit mit anderen teilt oder eine Gruppe, die nur romantische & keine sexuelle Bindung eingeht. Alle Beteiligten sind nicht auf bestimmte Orientierungen eingeschränkt, aber müssen mit ihrer Situation einverstanden sein.

Unti atqui quaerorpos ma evelit, quibust exerect emporatet facia de doluptu repeditem sum accum explita dolupic tet perio cuption sequis is vendant landam, as volestorepta sitist dolesed que pre laborrum quo maiost evero consendae doluptate ma conseditium resci ullit recto ea dusapiendis magnatet qui berum velesci doluptaque mo erem iducietur, omnia doluptatem acessimus que nis coressime sint unt ipiet, simporest, sin non perferum, sumquiatis est lam, con conecti occum res untende stetur, veris volenis atet latur solut

Wer will schon und wer ist auch und wer kann schon? quo enit, autaest aut adi auda pro torest, que nitat occatiat. Ugitistium quia solupta tiatia volendest ea vel mollaute veriat eum, solorrore vero et, nobis reseque latiorum dolut et hil et eatem ab ipicilia is mo quibus exernatum as volore de endi que nim aliqui nihil ex eum velestem exerfernam ipicipsam dolor rem volo corporiate pa se

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Gender Dictionary Romantische & Sexuelle Orientierung Die sexuelle & romantische Orientierung eines Menschen muss nicht miteinander übereinstimmen. So ist es möglich, dass man emotional & körperlich sich zu unterschiedlichen Gendern hingezogen fühlt.

qui tet voluptis dendant reped molupta quaspiduscid quiae vollabore officium reperumquae volorerovit et, qui ut lab iumquam, volorrovid quia nimaios est quae aut liquaerum et re volorepudi ute nobit, volor aut que parum cum volupta parcias estibus quoditi aturibustrum alit eum eatur aliquas sum harumque magnien isinveliam ad ut a corepel maxim rae quaeruptatur mi, officid untur? Oluptas autendi optate volupta perum ius ulliquo id quibus, cullendae

Heterosexualität Sexuelles Begehren & romantische Liebe wird hier ausschließlich für das andere Geschlecht empfunden. So entstehen immer Beziehungen zwischen Mann & Frau. Homosexualität Das sexuelle & romantische Interesse gilt dem eigenen Geschlechts. Mann & Mann, Frau & Frau. Bisexualität Empfindungen können beiden Geschlechtern gegenüber empfunden werden, sowohl gegenüber einer Frau oder einem Mann.

Immer all diese vielen Begriffe für Sexuelle und Romantische Orientierungen?! Wir schaffen kurz & knackig Klarheit für alle die Jenigen, die es interesseiert.

Asexualität Asexuelle haben kein Interesse an Sex. Sie verzichten nicht extra auf Sex, obwohl sie sexuelle Motivation verspüren, sondern empfinden keinen sexuellen Drang. Asexualität schließt jedoch romantische Nähe nicht aus. Asexuelle Personen können so auch hetero-/homo-/ biromantisch sein. Nur erotisches Verlangen & das Bedürfnis danach fällt weg. Polysexualität Poly bedeutet viele & erklärt das Interesse an (biologischen) Frauen & Männer wie auch an Transsexuellen, Intersexuellen & Menschen, die sich selbst keiner dieser Sexualitäten zuordnen. Dabei fühlen sich polysexuelle Menschen nicht zwingend von allen Sexualitäten angezogen. Pansexualität Die Weiterführung von Polysexualität. Sie können sich in Jeden unhabhängig vonjeglicher Geschlechtsidentität verlieben.

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Cis-Gender Alle die sich mit ihrem eigenen & urpsrünglichen Geschlecht identifizieren sind Cisfrauen & Cismänner.

Intersexualität Aus genetischen, anatomischen & hormonellen Gründen besitzten sie das weibliche sowie das männliche Geschlecht. Sie sind folglich biologisch weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuzuordnen. Transsexualität Sie verändern ihr biologisches/ursprüngliche Geschlecht um sich wie sie selbst fühlen zu können. Gemeint damit ist aber nicht die jeweilige sexuelle Ausrichtung. Eine Transfrau beschreibt so jemanden, die mit männlichen Geschlechtsmerkmalen geboren wurde, sich aber als Frau identifiziert & ein Transmann ist mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen geboren, fühlt sich aber als Mann. Transgender Definition eines sozialen Geschlechtes, wobei Transgender Identität, Benehmen, Ausdruck, Selbstempfinden, Selbstgestaltung, Gedanken & Einstellungen des eigentlich biologisch Andersgeschlechtlichen aufweist. Und haben so eine andersgeschlechtliche oder geschlechtsneutrale Geschlechtsidentität. Aber Transgender beschreibt nicht die sexuelle Orientierung. Bigender Sie identifiszieren sich mit beiden biologischen Geschlechtern gleichermaßen. Gender Queer Ein Sammelbegriff für alle die Jenigen, welche nicht Heterosexuell oder Cis sind.

Demigender Sie definieren sich nur teilweise als Frau oder Mann. Demisexuell Sexuelles Verlangen entsteht erst nach einer emotionalen Bindung. Skoliosexualität Sie haben nur gelegentlich ein sexuelles Verlangen. Grey-(a)sexuell Man ist zu romantischer Liebe fähig, aber Gefühle sollten nicht erwidert werden. Lithoromantisch Ist die sexuelle Anziehung zu nicht binär definierten Menschen, also zu welchen sich nicht als männlich oder weiblich bekennen (keine Cis). Und beschreibt so keine allgemeine Anziehung zu spezifischen Genitalien oder Geburtsmerkmalen. Polyamorie Es bezeichnet keine sexuelle Ausrichtung oder Geschlechts-Identität sondern ist eine offene Beziehungsform mit den verschiedensten Liebes-Konstellationsmöglichkeiten. Wie z.B. mehrere Menschen, welche alle eine Beziehung zu jedem von ihnen haben/ ein Einzelner, welcher Verliebtheit & Zärtlichkeit mit anderen teilt oder eine Gruppe, die nur romantische & keine sexuelle Bindung eingeht. Alle Beteiligten sind nicht auf bestimmte Orientierungen eingeschränkt, aber müssen mit ihrer Situation einverstanden sein.

Unti atqui quaerorpos ma evelit, quibust exerect emporatet facia de doluptu repeditem sum accum explita dolupic tet perio cuption sequis is vendant landam, as volestorepta sitist dolesed que pre laborrum quo maiost evero consendae doluptate ma conseditium resci ullit recto ea dusapiendis magnatet qui berum velesci doluptaque mo erem iducietur, omnia doluptatem acessimus que nis coressime sint unt ipiet, simporest, sin non perferum, sumquiatis est lam, con conecti occum res untende stetur, veris volenis atet latur solut

Wer will schon und wer ist auch und wer kann schon? quo enit, autaest aut adi auda pro torest, que nitat occatiat. Ugitistium quia solupta tiatia volendest ea vel mollaute veriat eum, solorrore vero et, nobis reseque latiorum dolut et hil et eatem ab ipicilia is mo quibus exernatum as volore de endi que nim aliqui nihil ex eum velestem exerfernam ipicipsam dolor rem volo corporiate pa se

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My

Körperhaar wächst wo und wie es will und „stört“ nur noch. Obwohl Jeder betroffen ist, redet man nicht darüber. Wir rasieren/waxen/stutzen einfach weiter. Aber wieso? Woher kommt das Idealbild eines glatten, haarlosen Körpers ?

Body hair

Warum sich fast jeder enthaart?

Eigentlich ist der Mensch von Kopf bis Fuß behaart, doch inwieweit eine Körperbehaarung ausgeprägt ist ist abhängig vom Geschlecht, genetischen Veranlagungen und dem Hormonhaushalt. Im Durchschnitt hat der Mensch 120.000 Haare auf dem Kopf und ca. 300 Haare davon je Quadratzentimeter im Gesicht. Hauptsächlich ist dies ein leichter Flaum, auch Vellushaar genannt und unterscheidet sich vom dunkelpigmentierten, kräftigen und voll ausgebildeten Terminalhaar, welches sich in der Pubertät aus dem Vellushaar bildet. Bei Männern verändern sich bis zu 90% und bei Frauen ca. 25% vom Vellushaar zum Terminalhaar. Vor allem Kopfbehaarung, das meißt gestylte Körperhaar, wurde in der Gesellschaft Bestandteil der sozialen Kommunikation und steht für Gesundheit, Attraktivität, Weiblich- oder Männlichkeit.

Ursprünglich sollte ein Großteil der Körperbehaarung den menschlichen Körper schützen, doch mit der Evolution nahm die Notwenigkeit und so auch die Haardichte ab. Folglich stärken sie nun hauptsächlich die Berührungsempfindlichkeit der Haut. Die Aufgabe des zum Beispiel Schamhaares ist vor Fremdkörpern zu schützen und eine gewisse Temperatur beizubehalten. Doch was sind die Gründe der heutigen starken Körperhaarentfernung? Der britische Naturforscher, Charles Darwin, stellte eine passende Theorie auf: Bei der Partner-Auswahl bei Mensch und Tier bestimmen Selbstdarstellung durch ästhetische Künste und sexuelle Ornamente das Schönheitsbild. Diese sexuelle Ornamente sind Körpermerkmale, die besonders reizbar für das andere Geschlecht sind und so sexuell kommunizieren. Haut stellt ein Ganzkörper-Ornament dar, bei welchem der Mensch selektiv bestimmte behaarte Körperbereiche vom nicht-menschlichen Primaten abwählt. Das schönere Geschlecht hat dabei immer einen größeren Konkurrenzkampf zu gefallen, beim Menschen die Frau. Durch das Ganzkörper-Ornament, der Haut, kann sich der

Mensch von der Tierwelt „modisch“ abgrenzen. Die Summe aller Körper, die den Menschen umgeben, ergeben einen fiktiven Durchschnitt der eigenen Körperwahrnehmung und dieser ist heutzutage geprägt durch den Dauerkonsum von Bildern durch die Medien, welche ein falsches Körperbild mit Hilfe von bearbeiteten Model-Körpern - welche selbst schonunbearbeitet zu den Ausnahmeerscheinungen zählen - vermittelt. Seit dem stiegen Depressions- und Essstörungs-Raten und die Schönheitsindustrie profitiert von dem bestehenden absurden Körperbild der Gesellschaft. 1904 kam der erste Wegwerfrasierer von Gillette auf den Markt und ermöglichte so eine schnellere und eigenhändige Rasur auch zu Hause. Die Verkaufszahlen des Apparates stiegen nur langsam bis zum Ersten Weltkrieg, in diesem bestellte die US-Regierung 36 Millionen Rasierklingen für ihre Soldaten. Durch Trends der immer kürzer werdenden Damen-Beleidung wie der Mini-Rock in den 20ern und später der Bikini in den 60ern, wurde Körperbehaarung bei der Frau immer mehr zum Problem.

Auch die Pronoindustrie sowie die weibliche Emanzipationsbewegung beeinflusste das Körperbild. Wobei die Emanzipationsbewegung zwei Positionen vertrat. Zum einen gab es Frauen, welche sich jeglicher Rasur entzogen (auch Hippie/Emanze genannt), sie wollten ihre Sexualität selbst bestimmen und so auch kein Objekt männlicher Begierde sein. Zum anderen rasierten sich andere Frauen komplett im Intim-Bereich um mit ihren sexuellen Reizen zu spielen und dem jugendlichen Körper ähnlicher zu sehen. In den 80ern sah man keine Schambehaarung mehr in Modekatalogen, dem Playboy sowie immer mehr in der Pornografie. Und auch das Interesse der Männer für ihre Körperbehaarung wuchs von dort an, wobei der Ursprung von diesem Interesse in der Schwulen-Szene liegt. Dort spielte man anfangs durch das Trimmen oder Entfernen der Haare mit der eigenen sexuellen Identität. Auch neuartige Sex-Praktiken, wie Oral-Sex wurden mehr und mehr allgegenwärtig und machten Schamhaar mehr störend. Passend dazu fand eine US-Studie heraus, dass sexuell aktive Frauen sich auch in der Regel sorgfältiger enthaaren.

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My

Körperhaar wächst wo und wie es will und „stört“ nur noch. Obwohl Jeder betroffen ist, redet man nicht darüber. Wir rasieren/waxen/stutzen einfach weiter. Aber wieso? Woher kommt das Idealbild eines glatten, haarlosen Körpers ?

Body hair

Warum sich fast jeder enthaart?

Eigentlich ist der Mensch von Kopf bis Fuß behaart, doch inwieweit eine Körperbehaarung ausgeprägt ist ist abhängig vom Geschlecht, genetischen Veranlagungen und dem Hormonhaushalt. Im Durchschnitt hat der Mensch 120.000 Haare auf dem Kopf und ca. 300 Haare davon je Quadratzentimeter im Gesicht. Hauptsächlich ist dies ein leichter Flaum, auch Vellushaar genannt und unterscheidet sich vom dunkelpigmentierten, kräftigen und voll ausgebildeten Terminalhaar, welches sich in der Pubertät aus dem Vellushaar bildet. Bei Männern verändern sich bis zu 90% und bei Frauen ca. 25% vom Vellushaar zum Terminalhaar. Vor allem Kopfbehaarung, das meißt gestylte Körperhaar, wurde in der Gesellschaft Bestandteil der sozialen Kommunikation und steht für Gesundheit, Attraktivität, Weiblich- oder Männlichkeit.

Ursprünglich sollte ein Großteil der Körperbehaarung den menschlichen Körper schützen, doch mit der Evolution nahm die Notwenigkeit und so auch die Haardichte ab. Folglich stärken sie nun hauptsächlich die Berührungsempfindlichkeit der Haut. Die Aufgabe des zum Beispiel Schamhaares ist vor Fremdkörpern zu schützen und eine gewisse Temperatur beizubehalten. Doch was sind die Gründe der heutigen starken Körperhaarentfernung? Der britische Naturforscher, Charles Darwin, stellte eine passende Theorie auf: Bei der Partner-Auswahl bei Mensch und Tier bestimmen Selbstdarstellung durch ästhetische Künste und sexuelle Ornamente das Schönheitsbild. Diese sexuelle Ornamente sind Körpermerkmale, die besonders reizbar für das andere Geschlecht sind und so sexuell kommunizieren. Haut stellt ein Ganzkörper-Ornament dar, bei welchem der Mensch selektiv bestimmte behaarte Körperbereiche vom nicht-menschlichen Primaten abwählt. Das schönere Geschlecht hat dabei immer einen größeren Konkurrenzkampf zu gefallen, beim Menschen die Frau. Durch das Ganzkörper-Ornament, der Haut, kann sich der

Mensch von der Tierwelt „modisch“ abgrenzen. Die Summe aller Körper, die den Menschen umgeben, ergeben einen fiktiven Durchschnitt der eigenen Körperwahrnehmung und dieser ist heutzutage geprägt durch den Dauerkonsum von Bildern durch die Medien, welche ein falsches Körperbild mit Hilfe von bearbeiteten Model-Körpern - welche selbst schonunbearbeitet zu den Ausnahmeerscheinungen zählen - vermittelt. Seit dem stiegen Depressions- und Essstörungs-Raten und die Schönheitsindustrie profitiert von dem bestehenden absurden Körperbild der Gesellschaft. 1904 kam der erste Wegwerfrasierer von Gillette auf den Markt und ermöglichte so eine schnellere und eigenhändige Rasur auch zu Hause. Die Verkaufszahlen des Apparates stiegen nur langsam bis zum Ersten Weltkrieg, in diesem bestellte die US-Regierung 36 Millionen Rasierklingen für ihre Soldaten. Durch Trends der immer kürzer werdenden Damen-Beleidung wie der Mini-Rock in den 20ern und später der Bikini in den 60ern, wurde Körperbehaarung bei der Frau immer mehr zum Problem.

Auch die Pronoindustrie sowie die weibliche Emanzipationsbewegung beeinflusste das Körperbild. Wobei die Emanzipationsbewegung zwei Positionen vertrat. Zum einen gab es Frauen, welche sich jeglicher Rasur entzogen (auch Hippie/Emanze genannt), sie wollten ihre Sexualität selbst bestimmen und so auch kein Objekt männlicher Begierde sein. Zum anderen rasierten sich andere Frauen komplett im Intim-Bereich um mit ihren sexuellen Reizen zu spielen und dem jugendlichen Körper ähnlicher zu sehen. In den 80ern sah man keine Schambehaarung mehr in Modekatalogen, dem Playboy sowie immer mehr in der Pornografie. Und auch das Interesse der Männer für ihre Körperbehaarung wuchs von dort an, wobei der Ursprung von diesem Interesse in der Schwulen-Szene liegt. Dort spielte man anfangs durch das Trimmen oder Entfernen der Haare mit der eigenen sexuellen Identität. Auch neuartige Sex-Praktiken, wie Oral-Sex wurden mehr und mehr allgegenwärtig und machten Schamhaar mehr störend. Passend dazu fand eine US-Studie heraus, dass sexuell aktive Frauen sich auch in der Regel sorgfältiger enthaaren.

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Auch eine Studie der Universität Leipzig konnte anhand von Studenten zeigen, dass der Anteil an Frauen unter 35 Jahren, welche Bein-, Achsel- und Intimbehaarung entfernen, in den letzten 9 Jahren um 15% gestiegen ist und so etwa 70% der Teilnehmerinnen sich ein Großteil ihrer Körperbehaarung entfernen. Einen Anstieg bei Männern und älteren Altersgruppen sei inbegriffen.

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Dr. Aglaja Stirn, forschend in dem Gebiet, meint: „Frauen, die sich enthaaren, entfernen gewissermaßen ihre sekundären Geschlechtsmerkmale. Sie verwandeln sich rein optisch in präpubertäre Körper. Damit signalisieren sie vor allem eines: Reinheit und Ungefährlichkeit. [...] Das hat heute eine große Anziehungskraft. Die Sexualität soll vom Triebhaften gereinigt werden. Mit Haaren assoziiert man Tierisches: Schmutz, Geruch, Unreinheit.« So gibt es, zwei unterschiedliche Ansätze, wieso sich Frauen dazu entscheiden ihren Intimbereich zu rasieren. Beide unterliegen dem allgemeinen gesellschaftlichen Trend, welcher mit der immer freizügigeren Mode und der stärker werdenden Präsenz von Nackheit in den Medien zusammenhängt. Der Infantilisierungsansatz sieht ein vorpubertäres Aussehen als Zeichen von Sexualabwehr und damit signalisierende weibliche sexuelle Unreife und Ungefährlichkeit. Somit wird beim Mann das Überlegenheitsgefühl bekräftigt. Im Gegensatz zum Mann, welcher sich im Intimbereich rasiert um um mehr Größe und somit auch mehr Präsenz und Offensive zu zeigen. Ein anderer Ansatz sieht in der Intimrasur eine gesteigerte weibliche Emanzipation, in dem diese visuelle Anreize schafft, die Sichtbarkeit der eigenen Vagina Bewusstsein der eigenen Sexualität und somit ein gestärktes Selbstbewusstsein erzeugt, Schamhaar würde dahingegen visuellen Schutz bieten.

Die heutigen Schönheitsstandards für Geschlecht sowie Hautfarbe sind verzerrt. Körperbehaarung gilt ohne Ausnahme im Allgemeinen als männlich, unfeminin und damit weniger schön. Naheliegend könnte die Quelle aus diesem verallgemeinerten Körperbild in Transphobie und Rassismus liegen. Die Menschen erschufen das soziale Konstrukt der Gender, bei welchem nur zwischen Mann und Frau als Geschlecht unterschieden wird. Die Unterscheidung von Mode und Schönheit ist relativ strikt auf diese Geschlechterteilung aufgebaut.

Die Mode der heutigen westlichen Gesellschaft unterliegt, nach Kulturphilosoph Robert Pfaller, einem drastischen Reinigungprozess. Dieser differenziert sich von veralteten Genusstechniken wie Rauchen und Alkohol, welche immer mehr kritisiert werden. Das neue Ideal liegt im Fitness, Sport und der Gesundheit. Zeichen dafür sind entgiftete Lebensmittel wie Bier ohne Alkohol für „Genuss ohne Reue“. Im Bereich der Sexualität hieße das „Sex ohne Körper“ bzw. Sex mit dem Ideal des unschuldigen Körpers. Der Ekel, welcher von Vielen bei behaarten Körpern hervorgerufen wird bedeutet, dass man seinen Körper nicht unter Kontrolle hätte. Denn die Körperenthaarung unterliegt einer neuen Freiheit aus der Natur hin zu einem selbstbestimmten Körper. Durch die erhöhte Präsenz der Vagina in der Öffentlichkeit entstand also ein Trend, welcher wie jeder Andere wieder aus der Mode kommen könnte.

In den USA riefen etliche Frauen zum Hashtag #freeyourpits auf und Achselhaare um ihre Freiheit und Selbstbestimmtheit zu zeigen. Das Ziel ist es sich von den gesellschaftlichen Zwängen und den unerreichbaren Schönheitsidealen zu lösen. Die Bewegung steht in der Intention der Normalisierung von natürlicher weiblicher Körperbehaarung. So sollen freie Entscheidungen über das Handeln und den weiblichen Körper zelebriert werden. Gänzlich enthaart zu sein folgt so lediglich einem veralteten und sexistischen Stereotypen. Unverständnis kommt hauptsächlich von Menschen, welche selbst keine starke Körperbehaarung aufweisen, welchen eine behaarte Frau unbekannt ist und so nicht zu ihrem westlichen Standards und Körperbild passt. Unterstützung kommt meist von Frauen mit den gleichen „Problemen“, den gleichen Ansichten (oftmals Feminist(inn)en) oder auch anderen Gruppierungen der LGBTQ-Gemeinschaft, welche sich selbst auch unverstanden fühlen.

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Auch eine Studie der Universität Leipzig konnte anhand von Studenten zeigen, dass der Anteil an Frauen unter 35 Jahren, welche Bein-, Achsel- und Intimbehaarung entfernen, in den letzten 9 Jahren um 15% gestiegen ist und so etwa 70% der Teilnehmerinnen sich ein Großteil ihrer Körperbehaarung entfernen. Einen Anstieg bei Männern und älteren Altersgruppen sei inbegriffen.

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Dr. Aglaja Stirn, forschend in dem Gebiet, meint: „Frauen, die sich enthaaren, entfernen gewissermaßen ihre sekundären Geschlechtsmerkmale. Sie verwandeln sich rein optisch in präpubertäre Körper. Damit signalisieren sie vor allem eines: Reinheit und Ungefährlichkeit. [...] Das hat heute eine große Anziehungskraft. Die Sexualität soll vom Triebhaften gereinigt werden. Mit Haaren assoziiert man Tierisches: Schmutz, Geruch, Unreinheit.« So gibt es, zwei unterschiedliche Ansätze, wieso sich Frauen dazu entscheiden ihren Intimbereich zu rasieren. Beide unterliegen dem allgemeinen gesellschaftlichen Trend, welcher mit der immer freizügigeren Mode und der stärker werdenden Präsenz von Nackheit in den Medien zusammenhängt. Der Infantilisierungsansatz sieht ein vorpubertäres Aussehen als Zeichen von Sexualabwehr und damit signalisierende weibliche sexuelle Unreife und Ungefährlichkeit. Somit wird beim Mann das Überlegenheitsgefühl bekräftigt. Im Gegensatz zum Mann, welcher sich im Intimbereich rasiert um um mehr Größe und somit auch mehr Präsenz und Offensive zu zeigen. Ein anderer Ansatz sieht in der Intimrasur eine gesteigerte weibliche Emanzipation, in dem diese visuelle Anreize schafft, die Sichtbarkeit der eigenen Vagina Bewusstsein der eigenen Sexualität und somit ein gestärktes Selbstbewusstsein erzeugt, Schamhaar würde dahingegen visuellen Schutz bieten.

Die heutigen Schönheitsstandards für Geschlecht sowie Hautfarbe sind verzerrt. Körperbehaarung gilt ohne Ausnahme im Allgemeinen als männlich, unfeminin und damit weniger schön. Naheliegend könnte die Quelle aus diesem verallgemeinerten Körperbild in Transphobie und Rassismus liegen. Die Menschen erschufen das soziale Konstrukt der Gender, bei welchem nur zwischen Mann und Frau als Geschlecht unterschieden wird. Die Unterscheidung von Mode und Schönheit ist relativ strikt auf diese Geschlechterteilung aufgebaut.

Die Mode der heutigen westlichen Gesellschaft unterliegt, nach Kulturphilosoph Robert Pfaller, einem drastischen Reinigungprozess. Dieser differenziert sich von veralteten Genusstechniken wie Rauchen und Alkohol, welche immer mehr kritisiert werden. Das neue Ideal liegt im Fitness, Sport und der Gesundheit. Zeichen dafür sind entgiftete Lebensmittel wie Bier ohne Alkohol für „Genuss ohne Reue“. Im Bereich der Sexualität hieße das „Sex ohne Körper“ bzw. Sex mit dem Ideal des unschuldigen Körpers. Der Ekel, welcher von Vielen bei behaarten Körpern hervorgerufen wird bedeutet, dass man seinen Körper nicht unter Kontrolle hätte. Denn die Körperenthaarung unterliegt einer neuen Freiheit aus der Natur hin zu einem selbstbestimmten Körper. Durch die erhöhte Präsenz der Vagina in der Öffentlichkeit entstand also ein Trend, welcher wie jeder Andere wieder aus der Mode kommen könnte.

In den USA riefen etliche Frauen zum Hashtag #freeyourpits auf und Achselhaare um ihre Freiheit und Selbstbestimmtheit zu zeigen. Das Ziel ist es sich von den gesellschaftlichen Zwängen und den unerreichbaren Schönheitsidealen zu lösen. Die Bewegung steht in der Intention der Normalisierung von natürlicher weiblicher Körperbehaarung. So sollen freie Entscheidungen über das Handeln und den weiblichen Körper zelebriert werden. Gänzlich enthaart zu sein folgt so lediglich einem veralteten und sexistischen Stereotypen. Unverständnis kommt hauptsächlich von Menschen, welche selbst keine starke Körperbehaarung aufweisen, welchen eine behaarte Frau unbekannt ist und so nicht zu ihrem westlichen Standards und Körperbild passt. Unterstützung kommt meist von Frauen mit den gleichen „Problemen“, den gleichen Ansichten (oftmals Feminist(inn)en) oder auch anderen Gruppierungen der LGBTQ-Gemeinschaft, welche sich selbst auch unverstanden fühlen.

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Me & my Innies Was genau ist denn eine solche Schlupfwarze? Wie sieht ein solcher Nippel aus? Und sind sie wirklich so ungewöhnlich? Nippel hat Jeder und doch spricht keiner über sie. Jetzt ändern wir das.

Was um Himmels willen sollen Schlupfwarzen oder Hohlwarzen sein? Etwas völlig normales mit einem wirklich furchtbaren deutschen Namen, worüber wirklich viel zu selten offen gesprochen wird.

First things first: Jede Brustwarze, die mehr eingedrückt ist als sie hervorsteht, kann ein Innie sein. Einige Nippel sind nur manchmal nach innen gerichtet und wölben sich bei Temperaturänderungen oder bei Stimulation nach außen. Andere sind permanent nach innen gerichtet, egal was das Thermostat sagt. Es gibt auch „flache Brustwarzen“: Sie sind wonach sie klingen - Nippel, die flach an der Brustwarze liegen und nicht herausstehen oder einknicken. Obwohl Frauen jede Menge Druck verspüren, Brüste wie aus Pornos oder wie von Promis zu haben, sind Schlupfwarzen tatsächlich eine völlig natürliche und sehr häufige Brustvariation. Deine Nippel versuchen dich nicht zu ärgern, sie sind nur hier um sich zu amüsieren, wie alle anderen auch. Wie häufig sind Schlupfwarzen? 10-20% der Frauen haben tatsächlich Innies, was sie häufiger als blaue oder grüne Augen macht (und ja, Männer können sie auch bekommen). Also wenn du das in Public liest, schau

dich um. Ein Teil der Leute in diesem Café, deiner Bib oder sowieso deinem Leben haben auch Innies. Das bedeutet, wenn du Innies hast, solltest du dich nicht schämen, wenn du dich einem Partner zeigst - die Chancen stehen gut, dass sie schon zuvor welche gesehen haben (oder sie sogar selbst solche haben). Oh, und wenn nach Beispielen von berühmten Innies gesucht wird, zeigt Neve Campbell stolz ihre während einer Oben-ohne-Szene in dem Film „I Really Hate My Job“. Es gibt aber noch andere Kategorieen, bei welchen du vielleicht auch deine Nippel-Form erkennen kannst. Zum Beispiel Puffy bzw. geschwollene Brustwarzen, sie haben die gleichen Charaktaristika wie die „flache Brustwarze“, nur hebt sich bei dieser die Brustwarze kaum von der Areola ringsum ab. Zusammen bildet diese Fläche einen kleinen Hügel an der Spitze der Brust und wirkt so leicht geschwollen. Bei Stimulation oder durch Kälte stehen die Nippel dann aber deutlich ab. Innies selbst gibt es in drei unterschiedlichen Formen: Grade 1 Sie können durch Temperaturwechsel und Stimulation spitz werden. Sowie bei leichter Manipulation

beim Schnippsen gegen die Brustwarze und so sollte Stillen eher kein Problem darstellen. Grade 2 Sie können (zwar nicht so leicht wie bei Grade 1) durch Kälte und Stimulation manipuliert werden. Doch sie sind nicht in der Lage durch einfachere Manipulation hervor zu kommen. Stillen ist möglich, aber könnte Probleme bereiten. Grade 3 Diese Brustwarzen sind stark zurückgezogen, was bedeutet, dass sie nicht durch körperliche Manipulation herausgezogen werden können. Ihre Milchgänge neigen dazu, sich zu verengen, was das Stillen leider unmöglich macht. Was verursacht denn nun Innies? Ein vollständig nach innen gerichteter Nippel wird durch das Gewebe der Brust verursacht. Wenn Brustgewebe besonders fest an der Innenseite der Brustwarzenhaut sitzt, kann die Brustwarzenhaut den Nippel nach innen ziehen und eine Schlupfwarze erzeugen oder es kann sein, dass die Milchgänge verkürzt sind. Solche Brustwarzen sind in der Regel nur ein Teil des genetischen Make-Ups, die meisten Frauen haben sie ihr ganzes Leben lang oder sie entwickeln sich während der Pubertät. Also hast du selbst wirklich nichts

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Me & my Innies Was genau ist denn eine solche Schlupfwarze? Wie sieht ein solcher Nippel aus? Und sind sie wirklich so ungewöhnlich? Nippel hat Jeder und doch spricht keiner über sie. Jetzt ändern wir das.

Was um Himmels willen sollen Schlupfwarzen oder Hohlwarzen sein? Etwas völlig normales mit einem wirklich furchtbaren deutschen Namen, worüber wirklich viel zu selten offen gesprochen wird.

First things first: Jede Brustwarze, die mehr eingedrückt ist als sie hervorsteht, kann ein Innie sein. Einige Nippel sind nur manchmal nach innen gerichtet und wölben sich bei Temperaturänderungen oder bei Stimulation nach außen. Andere sind permanent nach innen gerichtet, egal was das Thermostat sagt. Es gibt auch „flache Brustwarzen“: Sie sind wonach sie klingen - Nippel, die flach an der Brustwarze liegen und nicht herausstehen oder einknicken. Obwohl Frauen jede Menge Druck verspüren, Brüste wie aus Pornos oder wie von Promis zu haben, sind Schlupfwarzen tatsächlich eine völlig natürliche und sehr häufige Brustvariation. Deine Nippel versuchen dich nicht zu ärgern, sie sind nur hier um sich zu amüsieren, wie alle anderen auch. Wie häufig sind Schlupfwarzen? 10-20% der Frauen haben tatsächlich Innies, was sie häufiger als blaue oder grüne Augen macht (und ja, Männer können sie auch bekommen). Also wenn du das in Public liest, schau

dich um. Ein Teil der Leute in diesem Café, deiner Bib oder sowieso deinem Leben haben auch Innies. Das bedeutet, wenn du Innies hast, solltest du dich nicht schämen, wenn du dich einem Partner zeigst - die Chancen stehen gut, dass sie schon zuvor welche gesehen haben (oder sie sogar selbst solche haben). Oh, und wenn nach Beispielen von berühmten Innies gesucht wird, zeigt Neve Campbell stolz ihre während einer Oben-ohne-Szene in dem Film „I Really Hate My Job“. Es gibt aber noch andere Kategorieen, bei welchen du vielleicht auch deine Nippel-Form erkennen kannst. Zum Beispiel Puffy bzw. geschwollene Brustwarzen, sie haben die gleichen Charaktaristika wie die „flache Brustwarze“, nur hebt sich bei dieser die Brustwarze kaum von der Areola ringsum ab. Zusammen bildet diese Fläche einen kleinen Hügel an der Spitze der Brust und wirkt so leicht geschwollen. Bei Stimulation oder durch Kälte stehen die Nippel dann aber deutlich ab. Innies selbst gibt es in drei unterschiedlichen Formen: Grade 1 Sie können durch Temperaturwechsel und Stimulation spitz werden. Sowie bei leichter Manipulation

beim Schnippsen gegen die Brustwarze und so sollte Stillen eher kein Problem darstellen. Grade 2 Sie können (zwar nicht so leicht wie bei Grade 1) durch Kälte und Stimulation manipuliert werden. Doch sie sind nicht in der Lage durch einfachere Manipulation hervor zu kommen. Stillen ist möglich, aber könnte Probleme bereiten. Grade 3 Diese Brustwarzen sind stark zurückgezogen, was bedeutet, dass sie nicht durch körperliche Manipulation herausgezogen werden können. Ihre Milchgänge neigen dazu, sich zu verengen, was das Stillen leider unmöglich macht. Was verursacht denn nun Innies? Ein vollständig nach innen gerichteter Nippel wird durch das Gewebe der Brust verursacht. Wenn Brustgewebe besonders fest an der Innenseite der Brustwarzenhaut sitzt, kann die Brustwarzenhaut den Nippel nach innen ziehen und eine Schlupfwarze erzeugen oder es kann sein, dass die Milchgänge verkürzt sind. Solche Brustwarzen sind in der Regel nur ein Teil des genetischen Make-Ups, die meisten Frauen haben sie ihr ganzes Leben lang oder sie entwickeln sich während der Pubertät. Also hast du selbst wirklich nichts

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falsch gemacht. Und nicht Jeder hat zwei gleiche Brustwarzen, denn es ist ziemlich üblich, dass ein Nippel nach innen gerichtet ist, während der andere hervorsteht. Sind alle Schlupfwarzen dauerhaft nach innen gerichtet? Sie können manchmal kommen und gehen. In der Tat wird ein Drittel der schwangeren Frauen zu einem Zeitpunkt in ihrer Schwangerschaft Innies haben, auch wenn sie vorher keine hatten (und vor allem bei der ersten Schwangerschaft). Umgekehrt erleben einige Frauen, die ihr gesamtes Leben Schlupfwarzen hatten, dass ihre Brustwarzen hervorstehen, sobald sie schwanger werden. Doch sollten Brustwarzen, welche sich plötzlich ohne Schwangerschaft und deutlich nach der Pubertät umkehren vom Arzt untersucht werden, denn die könnte ein Zeichen für Brustkrebs sein.

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Sind Innies weniger empfindlich? Sie sind genauso empfindlich wie hervorstehende Brustwarzen, also kannst du sicher sein, dass du nichts verpasst (egal ob im Bett oder in Sport-BHs aus komischem, juckendem Stoff).

Kann man mit Schlupfwarzen stillen? Da Babys sich während des Stillens auf die aufgerichtete Brustwarze stürzen, haben einige Frauen mit Schlupfwarzen Schwierigkeiten. Obwohl die meisten Frauen damit eher kein Problem haben. Aber selbst wenn es so wäre, gibt es jede Menge simple Techniken, die helfen. Wenn Schwangerschaft ein Thema wird, sollte die Situation mit dem Arzt oder der Hebamme besprochen. Sie können Übungen empfehlen, wie die „Hoffman-Technik“, welche die manuelle Manipulation der Brustwarze beinhalten. Hilfreich soll auch die Verwendung von Brusthütchen (eine Silikonhülle mit Löchern darin, die während der Fütterungen auf die Brustwarze gesetzt wird) sein. Oder Tricks wie Stimulation mit den Händen oder Eis. Möglich ist auch kurz vor der Fütterung die Brustwarze selbst heraus zu ziehen. Und im Notfall, können Frauen noch eine Pumpe verwenden um die Milch selbst abzupumpen. Braucht man wirklich Chirurgen, um Innies zu korrigieren? Schlupfwarzen sind einfach nur eine Variation unseres Körper von der

wunderbar unvorhersehbaren Natur erschaffen und betreffen meißt nicht die Gesundheit. Eine Operation ist daher rein kosmetisch und kann sie zudem auch weniger empfindlich werden lassen. Es sind deine Brustwarzen und du kannst entscheiden was du mit ihnen machen willst. Aber unsere Brüste sind so einzigartig wie wir selbst und sie kommen mit immer sich unterscheidenden Brustwarzengröße, der Warzenform, -farbe und Hauttextur. Jeder Busentyp ist für sich schön und Frauen sollten sich lieben wie sie selbst sind. Man kann sich immer mit Anderen vergleichen und immer etwas „Besseres/Schöneres“ finden, aber macht das glücklich und macht das wirklich Sinn? Nein. Innies können in ihrer Art auch variieren, wie zum Beispiel mit einem mittigen Akzent oder sie sind doppelt gebrochen. Sie sind Teil dessen, was dich (und deine Brüste deine Brüste) macht, und der einzige Standard, den sie messen müssen, ist dein eigener.

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falsch gemacht. Und nicht Jeder hat zwei gleiche Brustwarzen, denn es ist ziemlich üblich, dass ein Nippel nach innen gerichtet ist, während der andere hervorsteht. Sind alle Schlupfwarzen dauerhaft nach innen gerichtet? Sie können manchmal kommen und gehen. In der Tat wird ein Drittel der schwangeren Frauen zu einem Zeitpunkt in ihrer Schwangerschaft Innies haben, auch wenn sie vorher keine hatten (und vor allem bei der ersten Schwangerschaft). Umgekehrt erleben einige Frauen, die ihr gesamtes Leben Schlupfwarzen hatten, dass ihre Brustwarzen hervorstehen, sobald sie schwanger werden. Doch sollten Brustwarzen, welche sich plötzlich ohne Schwangerschaft und deutlich nach der Pubertät umkehren vom Arzt untersucht werden, denn die könnte ein Zeichen für Brustkrebs sein.

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Sind Innies weniger empfindlich? Sie sind genauso empfindlich wie hervorstehende Brustwarzen, also kannst du sicher sein, dass du nichts verpasst (egal ob im Bett oder in Sport-BHs aus komischem, juckendem Stoff).

Kann man mit Schlupfwarzen stillen? Da Babys sich während des Stillens auf die aufgerichtete Brustwarze stürzen, haben einige Frauen mit Schlupfwarzen Schwierigkeiten. Obwohl die meisten Frauen damit eher kein Problem haben. Aber selbst wenn es so wäre, gibt es jede Menge simple Techniken, die helfen. Wenn Schwangerschaft ein Thema wird, sollte die Situation mit dem Arzt oder der Hebamme besprochen. Sie können Übungen empfehlen, wie die „Hoffman-Technik“, welche die manuelle Manipulation der Brustwarze beinhalten. Hilfreich soll auch die Verwendung von Brusthütchen (eine Silikonhülle mit Löchern darin, die während der Fütterungen auf die Brustwarze gesetzt wird) sein. Oder Tricks wie Stimulation mit den Händen oder Eis. Möglich ist auch kurz vor der Fütterung die Brustwarze selbst heraus zu ziehen. Und im Notfall, können Frauen noch eine Pumpe verwenden um die Milch selbst abzupumpen. Braucht man wirklich Chirurgen, um Innies zu korrigieren? Schlupfwarzen sind einfach nur eine Variation unseres Körper von der

wunderbar unvorhersehbaren Natur erschaffen und betreffen meißt nicht die Gesundheit. Eine Operation ist daher rein kosmetisch und kann sie zudem auch weniger empfindlich werden lassen. Es sind deine Brustwarzen und du kannst entscheiden was du mit ihnen machen willst. Aber unsere Brüste sind so einzigartig wie wir selbst und sie kommen mit immer sich unterscheidenden Brustwarzengröße, der Warzenform, -farbe und Hauttextur. Jeder Busentyp ist für sich schön und Frauen sollten sich lieben wie sie selbst sind. Man kann sich immer mit Anderen vergleichen und immer etwas „Besseres/Schöneres“ finden, aber macht das glücklich und macht das wirklich Sinn? Nein. Innies können in ihrer Art auch variieren, wie zum Beispiel mit einem mittigen Akzent oder sie sind doppelt gebrochen. Sie sind Teil dessen, was dich (und deine Brüste deine Brüste) macht, und der einzige Standard, den sie messen müssen, ist dein eigener.

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WINE VS. WEED Kiffen? Saufen? Kiffen? Saufen? Eigentlich beides so gleich und doch so verschieden. Während die eine Droge legal ist, jährlich 74.000 Tode in Deutschland fordert, zu Gewalt führt und unseren Körper dehydriert. Ist die andere Droge hierzulande nur illegal erhältlich, forderte nie Tote, wird auch als Arzneimittel in jeglicher Form verkauft und macht an sich eher körperlich träge. Trinkt man mal zu viel Alkohol, hat man bereits die empfohlene Tagesdosis von Zucker und Natrium weit überschritten. Trinkt man also Fusel, gelangt dieser über die Dünndarmschleimhäute ins Blut und so in alle Bereiche des Körpers. Im Gehirn zum Beispiel werden Botenstoffe wie Dopamin ausgeschüttet, man ist euphorisiert und die Angst ist gehemmt. Doch schlägt es schnell um zu Aggressivität sowie weitere bekannte Begleiterscheinungen und schädigt als Zellgift die Organe an. Der Promillewert selbst hängt mit dem Fflüssigkeitswert im Körper ab, dementsprechend werden Frauen schneller betrunken. Der Übergang vom Alkoholmissbrauch zur Alkoholabhängigkeit erfolgt schleichend und entwickelt sich meist über einen längeren Zeitraum. Cannabis dahin gegen wirkt im wesentlichen auf das Gehirn ein mit zwei Wirkrichtungen. Zum einen kann es zedierend, beruhigend und Glückserzeugend wirken. Und durch

42

Halluzinogene gibt es eine Wahrnehmungsveränderung für viele der Sinne, aus diesem Grund schmeckt zum Beispiel plötzlich alles viel intensiever und der Eindruck vom freieren und kreativen Denken entsteht, denn die Hemmungen des Nervensystems sind wie belegt. Die andere Wirkrichtung ist schmerzstillend. Nachteile hat auch Cannabis, versteckte Gefühle, Antriebslosigkeit und Desorientiertheit können sich zeigen oder Menschen mit einer Anlage zur Psychose haben beim konsumieren für diese eine erhöhte Gefahr. Bei frühem Konsum bei Kindern und Jugendlichen, kann das rationale planerische Denken nachhaltig gestört werden. Und abhängig wird man eher psychisch. Wobei zu beachten ist, dass die Form des Cannabis konsumieren eine Rolle spielt, denn ein klassischer Joint beinhaltet Tabak und ist so ähnlich wie eine Zigarette gefährlich für die Lunge sowie Atemwegs- und Krebserkrankungen. Wenn doch so viele in Deutschland schon Grass konsumieren, wo liegt das Problem? Da es noch illegal ist, ist die Anschaffung nicht ganz ungefährlich, da Drogendealer, Drogendealer sind, es gefährlich gestreckt sein könnte und eine Cannabislegalisierung könnte mindestens 1,4 Mrd. Euro pro Jahr direkt in die Staatskassen fließen lassen. Und noch so vieles Mehr, informiert euch!

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WINE VS. WEED Kiffen? Saufen? Kiffen? Saufen? Eigentlich beides so gleich und doch so verschieden. Während die eine Droge legal ist, jährlich 74.000 Tode in Deutschland fordert, zu Gewalt führt und unseren Körper dehydriert. Ist die andere Droge hierzulande nur illegal erhältlich, forderte nie Tote, wird auch als Arzneimittel in jeglicher Form verkauft und macht an sich eher körperlich träge. Trinkt man mal zu viel Alkohol, hat man bereits die empfohlene Tagesdosis von Zucker und Natrium weit überschritten. Trinkt man also Fusel, gelangt dieser über die Dünndarmschleimhäute ins Blut und so in alle Bereiche des Körpers. Im Gehirn zum Beispiel werden Botenstoffe wie Dopamin ausgeschüttet, man ist euphorisiert und die Angst ist gehemmt. Doch schlägt es schnell um zu Aggressivität sowie weitere bekannte Begleiterscheinungen und schädigt als Zellgift die Organe an. Der Promillewert selbst hängt mit dem Fflüssigkeitswert im Körper ab, dementsprechend werden Frauen schneller betrunken. Der Übergang vom Alkoholmissbrauch zur Alkoholabhängigkeit erfolgt schleichend und entwickelt sich meist über einen längeren Zeitraum. Cannabis dahin gegen wirkt im wesentlichen auf das Gehirn ein mit zwei Wirkrichtungen. Zum einen kann es zedierend, beruhigend und Glückserzeugend wirken. Und durch

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Halluzinogene gibt es eine Wahrnehmungsveränderung für viele der Sinne, aus diesem Grund schmeckt zum Beispiel plötzlich alles viel intensiever und der Eindruck vom freieren und kreativen Denken entsteht, denn die Hemmungen des Nervensystems sind wie belegt. Die andere Wirkrichtung ist schmerzstillend. Nachteile hat auch Cannabis, versteckte Gefühle, Antriebslosigkeit und Desorientiertheit können sich zeigen oder Menschen mit einer Anlage zur Psychose haben beim konsumieren für diese eine erhöhte Gefahr. Bei frühem Konsum bei Kindern und Jugendlichen, kann das rationale planerische Denken nachhaltig gestört werden. Und abhängig wird man eher psychisch. Wobei zu beachten ist, dass die Form des Cannabis konsumieren eine Rolle spielt, denn ein klassischer Joint beinhaltet Tabak und ist so ähnlich wie eine Zigarette gefährlich für die Lunge sowie Atemwegs- und Krebserkrankungen. Wenn doch so viele in Deutschland schon Grass konsumieren, wo liegt das Problem? Da es noch illegal ist, ist die Anschaffung nicht ganz ungefährlich, da Drogendealer, Drogendealer sind, es gefährlich gestreckt sein könnte und eine Cannabislegalisierung könnte mindestens 1,4 Mrd. Euro pro Jahr direkt in die Staatskassen fließen lassen. Und noch so vieles Mehr, informiert euch!

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interview Die Erdbeerwoche, Besuch der roten Tante und „Ein guter Kapitän fährt auch durchs rote Meer“ – das sind alles umständliche bis bescheuerte Umschreibungen für etwas sehr Gewöhnliches: einmal im Monat fließt schleimiges Blut aus einer Vagina. Warum die Menstruation in unserer Gesellschaft zum Tabuthema gemacht wird erforscht Franziska Wartenberg in ihrer Bachelorarbeit. Das Ironische dabei: Selbst ihre Uni wollte die 23-Jährige anfangs nicht über Periodenblut schreiben lassen. Sie bekam letztendlich eine 1,3. Jetzt will ihre Uni unerkannt bleiben, da sie nicht als menstruations-unfreundliches Etablissement gelten will.

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Warum hast du dir ausgerechnet das Thema Menstruation für deine Arbeit ausgesucht? Ich finde es witzig, dass ich das so oft gefragt werde. Das klingt, als hätte ich über etwas extrem Abwegiges geschrieben wie prähistorische Gesteinsformationen oder georgischen Volkstanz. Dabei betrifft die Menstruation die Hälfte der Weltbevölkerung. Allein in diesem Moment menstruieren weltweit mehr als 330 Mio. Menschen. Das hat auch Auswirkungen auf die Umwelt oder die Wirtschaft: In Bangladesch gehen bis zu 70 % der Arbeiterinnen in Fabriken bis zu sechs Tage im Monat nicht zur Arbeit. In anderen Ländern gehen Mädchen während ihrer Periode nicht zur Schule, weil sie keine Hygieneartikel haben. Es hemmt also die Gleichberechtigung der Geschlechter, finanziell und sozial, und beeinflusst die Wirtschaft als Ganzes.

Deine Uni sah das deinem Facebook-Beitrag zufolge anders. Ich hatte mein Exposé an mehrere Lehrende geschickt, weil ich eine oder einen Betreuenden für die Arbeit brauchte. Ich dachte mir da schon, dass es schwierig werden könnte. Von 27 potenziellen Prüfern und Prüferinnen sind zwei weiblich. Ich bekam nur Absagen. Dann habe ich die Koordinatorin meiner Hochschule gebeten, mir einen Tipp zu geben, wen ich sonst noch fragen könnte. Sie meinte dann, mein Themenvorschlag sei nicht wissenschaftlich, und ich würde wahrscheinlich niemanden finden, der die Arbeit betreut. Am Ende sagte sie sogar: „Das Thema geht gar nicht, weil es ein Tabu ist.“ Das war ein Totschlagargument. Ich habe dann trotzdem nochmal allen Prüfenden geschrieben, die geantwortet hatten. Am Ende hat mich eine der Dozentinnen betreut.

Du hast Angewandte Medien studiert. Wie hast du das Periodenthema mit dem Fach verbunden? Ich habe mich damit beschäftigt wie Menstruation in den Medien dargestellt wird, und ob sie tabuisiert wird. Ich wollte wissen, was Tabuthemen mit der Gesellschaft machen. Dafür habe ich klassische und soziale Medien miteinander verglichen. Was hast du herausgefunden? Klassische Medien behandeln das Thema Menstruation sehr selten: In Unterhaltungsformaten kommt es höchstens vor, wenn eine Frau stereotypisch mit der Wärmflasche und einem Eimer Schokoeis gezeigt wird. In der Werbung wird die Periode mit blumiger Sprache umschrieben. Dadurch wird das Schamgefühl potenzieller Kundinnen anerkannt und die Periode als Tabuthema reproduziert. Und die sozialen Medien? Die spielen bei der Enttabuisierung eine wichtige Rolle: Dadurch, dass wir alle mitmischen und unsere Meinung mitteilen können, wird über mehr Themen wie die Menstruation gesprochen. Menschen, die mit dem Internet groß geworden sind, haben eine verminderte Tabuschwelle. Das wirkt sich irgendwann auf die gesamte Gesellschaft aus. Soziale Medien sind also eine große Chance, um Tabus abzubauen und ein gesellschaftliches Umdenken zu erreichen. Was muss sich ändern, damit der Umgang mit der Menstruation unverkrampfter wird? Das größte Problem sehe ich im Bildungsdefizit. Viele Schüler und Schülerinnen lernen überhaupt nicht, was Menstruation genau ist. Im Aufklärungsunterricht lernen wir, wie eine Eizelle befruchtet wird. Aber kaum jemand geht darauf ein, was bei einer Menstruation im Körper

passiert oder wie Tampons verwendet werden und was ein toxischer Schock ist. Ich glaube aber nicht, dass die Scham über die Periode angeboren ist. Es ist ein sehr komplizierter und langwieriger Prozess, wie ein Thema zum Tabu wird und wie dieses wieder überwunden wird. Die Reaktion meiner Hochschule zeigt, dass das Thema nicht nur auf gesellschaftlicher oder medialer Ebene unterrepräsentiert ist, sondern auch im wissenschaftlichen Bereich teilweise nicht erwünscht ist. Dabei sollten gerade Universitäten und Hochschulen ein Ort für gesellschaftliche Entwicklungen und akademische Freiheit sein. Wann hat dieser Prozess bei der Menstruation denn angefangen? Die Tabuisierung der Menstruation geht historisch sehr weit zurück. Der medizinische Irrglaube, dass Menstruierende eine schlechte Wirkung auf ihre Umwelt haben, hält sich seit 2.000 Jahren. Einflussreiche Katholiken erklärten die Periode als Strafe für die Verfehlung Evas. Im alten Testament steht, dass Menstruierende „unrein“ seien und nicht berührt werden dürften. Bis heute denken manche Frauen, dass sie keine Sahne steif schlagen sollten, wenn sie ihre Periode haben. In unseren Köpfen haftet dieser Gedanke, dass die Menstruation etwas Toxisches, Gefährliches oder Schlechtes sei, eben noch immer. Und so reproduzieren wir das Tabu bewusst oder unbewusst über Generationen hinweg weiter. „Diese Studentin hat erforscht, warum wir uns so schwer tun, über Menstruation zu sprechen“ - VICE-Interview mit Franziska Wartenberg

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interview Die Erdbeerwoche, Besuch der roten Tante und „Ein guter Kapitän fährt auch durchs rote Meer“ – das sind alles umständliche bis bescheuerte Umschreibungen für etwas sehr Gewöhnliches: einmal im Monat fließt schleimiges Blut aus einer Vagina. Warum die Menstruation in unserer Gesellschaft zum Tabuthema gemacht wird erforscht Franziska Wartenberg in ihrer Bachelorarbeit. Das Ironische dabei: Selbst ihre Uni wollte die 23-Jährige anfangs nicht über Periodenblut schreiben lassen. Sie bekam letztendlich eine 1,3. Jetzt will ihre Uni unerkannt bleiben, da sie nicht als menstruations-unfreundliches Etablissement gelten will.

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Warum hast du dir ausgerechnet das Thema Menstruation für deine Arbeit ausgesucht? Ich finde es witzig, dass ich das so oft gefragt werde. Das klingt, als hätte ich über etwas extrem Abwegiges geschrieben wie prähistorische Gesteinsformationen oder georgischen Volkstanz. Dabei betrifft die Menstruation die Hälfte der Weltbevölkerung. Allein in diesem Moment menstruieren weltweit mehr als 330 Mio. Menschen. Das hat auch Auswirkungen auf die Umwelt oder die Wirtschaft: In Bangladesch gehen bis zu 70 % der Arbeiterinnen in Fabriken bis zu sechs Tage im Monat nicht zur Arbeit. In anderen Ländern gehen Mädchen während ihrer Periode nicht zur Schule, weil sie keine Hygieneartikel haben. Es hemmt also die Gleichberechtigung der Geschlechter, finanziell und sozial, und beeinflusst die Wirtschaft als Ganzes.

Deine Uni sah das deinem Facebook-Beitrag zufolge anders. Ich hatte mein Exposé an mehrere Lehrende geschickt, weil ich eine oder einen Betreuenden für die Arbeit brauchte. Ich dachte mir da schon, dass es schwierig werden könnte. Von 27 potenziellen Prüfern und Prüferinnen sind zwei weiblich. Ich bekam nur Absagen. Dann habe ich die Koordinatorin meiner Hochschule gebeten, mir einen Tipp zu geben, wen ich sonst noch fragen könnte. Sie meinte dann, mein Themenvorschlag sei nicht wissenschaftlich, und ich würde wahrscheinlich niemanden finden, der die Arbeit betreut. Am Ende sagte sie sogar: „Das Thema geht gar nicht, weil es ein Tabu ist.“ Das war ein Totschlagargument. Ich habe dann trotzdem nochmal allen Prüfenden geschrieben, die geantwortet hatten. Am Ende hat mich eine der Dozentinnen betreut.

Du hast Angewandte Medien studiert. Wie hast du das Periodenthema mit dem Fach verbunden? Ich habe mich damit beschäftigt wie Menstruation in den Medien dargestellt wird, und ob sie tabuisiert wird. Ich wollte wissen, was Tabuthemen mit der Gesellschaft machen. Dafür habe ich klassische und soziale Medien miteinander verglichen. Was hast du herausgefunden? Klassische Medien behandeln das Thema Menstruation sehr selten: In Unterhaltungsformaten kommt es höchstens vor, wenn eine Frau stereotypisch mit der Wärmflasche und einem Eimer Schokoeis gezeigt wird. In der Werbung wird die Periode mit blumiger Sprache umschrieben. Dadurch wird das Schamgefühl potenzieller Kundinnen anerkannt und die Periode als Tabuthema reproduziert. Und die sozialen Medien? Die spielen bei der Enttabuisierung eine wichtige Rolle: Dadurch, dass wir alle mitmischen und unsere Meinung mitteilen können, wird über mehr Themen wie die Menstruation gesprochen. Menschen, die mit dem Internet groß geworden sind, haben eine verminderte Tabuschwelle. Das wirkt sich irgendwann auf die gesamte Gesellschaft aus. Soziale Medien sind also eine große Chance, um Tabus abzubauen und ein gesellschaftliches Umdenken zu erreichen. Was muss sich ändern, damit der Umgang mit der Menstruation unverkrampfter wird? Das größte Problem sehe ich im Bildungsdefizit. Viele Schüler und Schülerinnen lernen überhaupt nicht, was Menstruation genau ist. Im Aufklärungsunterricht lernen wir, wie eine Eizelle befruchtet wird. Aber kaum jemand geht darauf ein, was bei einer Menstruation im Körper

passiert oder wie Tampons verwendet werden und was ein toxischer Schock ist. Ich glaube aber nicht, dass die Scham über die Periode angeboren ist. Es ist ein sehr komplizierter und langwieriger Prozess, wie ein Thema zum Tabu wird und wie dieses wieder überwunden wird. Die Reaktion meiner Hochschule zeigt, dass das Thema nicht nur auf gesellschaftlicher oder medialer Ebene unterrepräsentiert ist, sondern auch im wissenschaftlichen Bereich teilweise nicht erwünscht ist. Dabei sollten gerade Universitäten und Hochschulen ein Ort für gesellschaftliche Entwicklungen und akademische Freiheit sein. Wann hat dieser Prozess bei der Menstruation denn angefangen? Die Tabuisierung der Menstruation geht historisch sehr weit zurück. Der medizinische Irrglaube, dass Menstruierende eine schlechte Wirkung auf ihre Umwelt haben, hält sich seit 2.000 Jahren. Einflussreiche Katholiken erklärten die Periode als Strafe für die Verfehlung Evas. Im alten Testament steht, dass Menstruierende „unrein“ seien und nicht berührt werden dürften. Bis heute denken manche Frauen, dass sie keine Sahne steif schlagen sollten, wenn sie ihre Periode haben. In unseren Köpfen haftet dieser Gedanke, dass die Menstruation etwas Toxisches, Gefährliches oder Schlechtes sei, eben noch immer. Und so reproduzieren wir das Tabu bewusst oder unbewusst über Generationen hinweg weiter. „Diese Studentin hat erforscht, warum wir uns so schwer tun, über Menstruation zu sprechen“ - VICE-Interview mit Franziska Wartenberg

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Dream

Klarträumen & Träume beeinflussen

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Ein Traum entsteht durch die Verbindung von Vorstellungen, Ereignisse, Erlebnissen und Bildern, oft inhaltlich ein totales Durcheinander und doch im Traum gefühlt real. Denn während sich das Gehirn im Schlaf erholt, wird das kritische Bewusstsein und so die Kontrollinstanzen für die Logik ausgeschaltet. Besonders aktiv werden dadurch aber die Gehirnareale, welche Gefühle produzieren. Einen Klartraum, auch luzider Traum genannt, hat man, wenn man sich wirklich bewusst ist während man träumt, dass man träumt. So kann man Träume bewusster wahrnemmen und manche auch selbst mitgestalten, ihn beeinflussen oder komplett steuern. Während also jede Super Helden Kraft ausprobiert werden kann, erreicht man sein Unterbewusstsein. Man versteht Zusammenhänge zwischen dem Traum und unterbewussten Gefühlen, wie etwa zu Vergangenem und innerlich noch nicht abgeschlossenen. Studien belegen, dass Klarträume das Wohlbefinden im Schlaf steigern, was sich wiederum positiv auf den Wachzustand überträgt. Bei Traumapatienten konnten so in einer Studie ihre Ängste reduziert werden und Sportler ihre Motorik verbessern.

Die sogenannten superluziden Träumer schrecken auch nicht im Schlaf davor zurück mathematische Formeln zu lösen oder eine Diskussion mit dem Chef einzustudieren. In den weltweit verschiedenen Kulturkreisen, wird Klarträumen mit diversen Zielen praktiziert. Ob zur Traumdeutung, Traumlenkung oder Meditation in das buddhistische Traumyoga. Es gibt die unterschiedlichsten Praktiken, in denen es darum geht sich bewusst zu machen: „Wann bin ich wach und wann schlafe ich?“. Es werden Reality-Checks vorgenommen, wie etwa sich mehrfach am Tag zum Beispiel auf die Hände zu sehen. Wäre ich am schlafen, könnte man nicht länger auf seine Hände schauen ohne das sich das Traumbild aus Erinnerungsfetzen verändert. Wenn du dir so angewöhnst, dich regelmäßig zu fragen, ob du wirklich in der Realität steckst, wirst du dich dies auch irgendwann beginnen im Schlaf zu fragen. Und Boom! Du bist drin! Du kannst fliegen oder durch Wände gehen, Situationen leicht herbei wünschen und diese beeinflussen. Nun bist du erfolgreich ein echter Oneironaut in deiner Traum-Galaxy geworden...

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Dream

Klarträumen & Träume beeinflussen

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Ein Traum entsteht durch die Verbindung von Vorstellungen, Ereignisse, Erlebnissen und Bildern, oft inhaltlich ein totales Durcheinander und doch im Traum gefühlt real. Denn während sich das Gehirn im Schlaf erholt, wird das kritische Bewusstsein und so die Kontrollinstanzen für die Logik ausgeschaltet. Besonders aktiv werden dadurch aber die Gehirnareale, welche Gefühle produzieren. Einen Klartraum, auch luzider Traum genannt, hat man, wenn man sich wirklich bewusst ist während man träumt, dass man träumt. So kann man Träume bewusster wahrnemmen und manche auch selbst mitgestalten, ihn beeinflussen oder komplett steuern. Während also jede Super Helden Kraft ausprobiert werden kann, erreicht man sein Unterbewusstsein. Man versteht Zusammenhänge zwischen dem Traum und unterbewussten Gefühlen, wie etwa zu Vergangenem und innerlich noch nicht abgeschlossenen. Studien belegen, dass Klarträume das Wohlbefinden im Schlaf steigern, was sich wiederum positiv auf den Wachzustand überträgt. Bei Traumapatienten konnten so in einer Studie ihre Ängste reduziert werden und Sportler ihre Motorik verbessern.

Die sogenannten superluziden Träumer schrecken auch nicht im Schlaf davor zurück mathematische Formeln zu lösen oder eine Diskussion mit dem Chef einzustudieren. In den weltweit verschiedenen Kulturkreisen, wird Klarträumen mit diversen Zielen praktiziert. Ob zur Traumdeutung, Traumlenkung oder Meditation in das buddhistische Traumyoga. Es gibt die unterschiedlichsten Praktiken, in denen es darum geht sich bewusst zu machen: „Wann bin ich wach und wann schlafe ich?“. Es werden Reality-Checks vorgenommen, wie etwa sich mehrfach am Tag zum Beispiel auf die Hände zu sehen. Wäre ich am schlafen, könnte man nicht länger auf seine Hände schauen ohne das sich das Traumbild aus Erinnerungsfetzen verändert. Wenn du dir so angewöhnst, dich regelmäßig zu fragen, ob du wirklich in der Realität steckst, wirst du dich dies auch irgendwann beginnen im Schlaf zu fragen. Und Boom! Du bist drin! Du kannst fliegen oder durch Wände gehen, Situationen leicht herbei wünschen und diese beeinflussen. Nun bist du erfolgreich ein echter Oneironaut in deiner Traum-Galaxy geworden...

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Wunderwerk

Penis

An einem Tag an dem nicht viel los ist, eine Dokumentation zu schauen, hat schon was an sich. Und wenn, warum nicht dann gleich richtig in die Vollen gehen mit einer netten Dokumentation des 3sat‘s über das männliche Glied? „Neues vom männlichen Zentralorgan“ ist der Untertitel der

der Doku und wäre es nicht praktisch jetzt, hier

und gleich die besten und interessantesten Fakten von mir gefiltert präsentiert zu bekommen? Der Mann, ach ja, er definiert seine Männlichkeit zu einem sehr großen Teil über seinen, aus Bindegewebe und Nerven bestehenden Penis. „Zu klein, zu groß, zu dick, zu dünn – der Penis ist der ganze Stolz, aber auch die größte Sorge des Mannes.“, so beginnt es und so stimmt es wohl in Deutschland, denn unsere Nation ist internationaler Spitzenreiter der Penisvergrößerung mit jährlich 2800 Eingriffen.

Wann ist denn ein Mann ein Mann? Das Status- und Männlichkeitssymbol des Mannes; immer soll es schneller, weiter und größer sein. Das sensible Tabuthema wird jetzt angeschnitten! Wie im Artikel „My Body hair“ (ab S. 32) bereits erklärt, bildet der Mensch einen Durchschnitt für die eigene Körperwahrnehmung aus der Summe des selbst Gesehenen. Wenn aber nur Medien wie Pornos nackte oder erigierte Penisse zeigen dürfen oder wollen, stellt dies bei Weitem nicht die ganze Bandbreite der verschiedenen Penis-Möglichkeiten dar. So ist auch verständlich, dass jeder zweite Mann mit seinem Stück unzufrieden ist, denn ein realistischer Vergleich fehlt und damit die eigene richtige Einschätzung. Dabei sei auch zu beachten, dass Deutschland der Weltmeister im Erotikkonsum ist, jedoch nicht in der Größe. Dies beweist eine britische Studie aus dem Jahr 2015 mit 15.500 männlichen Versuchteilnehmern zwischen 17 und 91 Jahren. So konnte die weltweite Durchschnittslänge von 9,16 cm im schlaffen und 13,12 cm im steifen Zustand bestimmt werden. Platz eins weltweit belegt Frankreich mit 10,7 cm, auf dem zweiten sind die Schotten mit 10,2 cm und auf dem dritten Platz die Italiener mit 9 cm im unerigierten Zustand. Deutschland schneidet mit 8,2 cm unterdurschnittlich ab (eregiert 14,48 cm).

Was man in einer 43 min Penis-Doku lernen kann... 50

Nur warum soll die Größe so wichtig sein? Unsere Vorfahren, die Affen besitzen selbst in Relation zu ihrer Körpergröße einen kleinen und dünnen Penis. Dieser wird aber bei manchen Affen-Arten durch einen Knochen verstärkt, welcher für eine schnellere und feste Erektion bei oftmals mehreren Weibchen hintereinander sorgt. Das erklärt wiederum auch ihre größeren Hoden und Borsten am Glied, denn diese Borsten sollen das Sperma des männlichen Vorgängers aus dem Affenweibchen heraus kratzen.

Nur was war in der Evolution so anders, dass der menschliche Penis sich so verändert hat? Dies erklärt die Partnerwahl in der Evolution, denn Frauen müssen Männer mit größeren und dickeren Penissen, welche längere Erektionen haben, bevorzugt haben. Auf diese Weise haben sich die dafür verantwortlichen Gene durchgesetzt. Die Doku hat es perfekt formuliert: „Frauen haben in der letzten 20 Millionen Jahren sozusagen große Penisse gezüchtet […] wie ein Haustier.“ Der Mann definiert seine Männlichkeit und Stärke durch sein Glied, doch was hat die Frau dazu bewegt es genetisch ihren Vorlieben anzupassen und was war einer Steinzeit-Dame wichtig? Das gute Stück diente der Frau sehr wahrscheinlich als Wissensquelle über den Gesundheitszustand des Mannes, denn es sollte sicher gestellt werden, dass der Jäger und Sammler ein zuverlässiger Ernährer für den Nachwuchs ist. Dazu kommt, dass ein Penis nur in der Lage ist sich gänzlich zu entfalten, wenn sexuelle Reize und Gefühle ins Spiel kommen. So war es der Steinzeit-Dame auch möglich das zwischenmenschliche Verhältnis bei ihrem Partner und sich festzustellen. Denn Treue war wohl damals schon ein wichtiges Thema, Beweisstück Nummer eins: die inexistenten Borsten am menschlichen Penis. Nummer zwei: der kleinere menschliche Hoden. Und was präferiert die Frau von heute so? Länge, Umfang oder doch die Technik? In einer Studie konnte heraus gefunden werden, je näher die Klitoris bei Frauen am Scheideneingang liegt, desto höher ist bei ihr die Wahrscheinlichkeit einen Höhepunkt zu bekommen. Ein größerer Penis-Umfang bewirkt also, dass die Öffnung der Vagina gedehnt bzw. gestreckt wird und damit näher an die Klitoris kommt. Ein Orgasmus ist dann zum greifen nahe.

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Wunderwerk

Penis

An einem Tag an dem nicht viel los ist, eine Dokumentation zu schauen, hat schon was an sich. Und wenn, warum nicht dann gleich richtig in die Vollen gehen mit einer netten Dokumentation des 3sat‘s über das männliche Glied? „Neues vom männlichen Zentralorgan“ ist der Untertitel der

der Doku und wäre es nicht praktisch jetzt, hier

und gleich die besten und interessantesten Fakten von mir gefiltert präsentiert zu bekommen? Der Mann, ach ja, er definiert seine Männlichkeit zu einem sehr großen Teil über seinen, aus Bindegewebe und Nerven bestehenden Penis. „Zu klein, zu groß, zu dick, zu dünn – der Penis ist der ganze Stolz, aber auch die größte Sorge des Mannes.“, so beginnt es und so stimmt es wohl in Deutschland, denn unsere Nation ist internationaler Spitzenreiter der Penisvergrößerung mit jährlich 2800 Eingriffen.

Wann ist denn ein Mann ein Mann? Das Status- und Männlichkeitssymbol des Mannes; immer soll es schneller, weiter und größer sein. Das sensible Tabuthema wird jetzt angeschnitten! Wie im Artikel „My Body hair“ (ab S. 32) bereits erklärt, bildet der Mensch einen Durchschnitt für die eigene Körperwahrnehmung aus der Summe des selbst Gesehenen. Wenn aber nur Medien wie Pornos nackte oder erigierte Penisse zeigen dürfen oder wollen, stellt dies bei Weitem nicht die ganze Bandbreite der verschiedenen Penis-Möglichkeiten dar. So ist auch verständlich, dass jeder zweite Mann mit seinem Stück unzufrieden ist, denn ein realistischer Vergleich fehlt und damit die eigene richtige Einschätzung. Dabei sei auch zu beachten, dass Deutschland der Weltmeister im Erotikkonsum ist, jedoch nicht in der Größe. Dies beweist eine britische Studie aus dem Jahr 2015 mit 15.500 männlichen Versuchteilnehmern zwischen 17 und 91 Jahren. So konnte die weltweite Durchschnittslänge von 9,16 cm im schlaffen und 13,12 cm im steifen Zustand bestimmt werden. Platz eins weltweit belegt Frankreich mit 10,7 cm, auf dem zweiten sind die Schotten mit 10,2 cm und auf dem dritten Platz die Italiener mit 9 cm im unerigierten Zustand. Deutschland schneidet mit 8,2 cm unterdurschnittlich ab (eregiert 14,48 cm).

Was man in einer 43 min Penis-Doku lernen kann... 50

Nur warum soll die Größe so wichtig sein? Unsere Vorfahren, die Affen besitzen selbst in Relation zu ihrer Körpergröße einen kleinen und dünnen Penis. Dieser wird aber bei manchen Affen-Arten durch einen Knochen verstärkt, welcher für eine schnellere und feste Erektion bei oftmals mehreren Weibchen hintereinander sorgt. Das erklärt wiederum auch ihre größeren Hoden und Borsten am Glied, denn diese Borsten sollen das Sperma des männlichen Vorgängers aus dem Affenweibchen heraus kratzen.

Nur was war in der Evolution so anders, dass der menschliche Penis sich so verändert hat? Dies erklärt die Partnerwahl in der Evolution, denn Frauen müssen Männer mit größeren und dickeren Penissen, welche längere Erektionen haben, bevorzugt haben. Auf diese Weise haben sich die dafür verantwortlichen Gene durchgesetzt. Die Doku hat es perfekt formuliert: „Frauen haben in der letzten 20 Millionen Jahren sozusagen große Penisse gezüchtet […] wie ein Haustier.“ Der Mann definiert seine Männlichkeit und Stärke durch sein Glied, doch was hat die Frau dazu bewegt es genetisch ihren Vorlieben anzupassen und was war einer Steinzeit-Dame wichtig? Das gute Stück diente der Frau sehr wahrscheinlich als Wissensquelle über den Gesundheitszustand des Mannes, denn es sollte sicher gestellt werden, dass der Jäger und Sammler ein zuverlässiger Ernährer für den Nachwuchs ist. Dazu kommt, dass ein Penis nur in der Lage ist sich gänzlich zu entfalten, wenn sexuelle Reize und Gefühle ins Spiel kommen. So war es der Steinzeit-Dame auch möglich das zwischenmenschliche Verhältnis bei ihrem Partner und sich festzustellen. Denn Treue war wohl damals schon ein wichtiges Thema, Beweisstück Nummer eins: die inexistenten Borsten am menschlichen Penis. Nummer zwei: der kleinere menschliche Hoden. Und was präferiert die Frau von heute so? Länge, Umfang oder doch die Technik? In einer Studie konnte heraus gefunden werden, je näher die Klitoris bei Frauen am Scheideneingang liegt, desto höher ist bei ihr die Wahrscheinlichkeit einen Höhepunkt zu bekommen. Ein größerer Penis-Umfang bewirkt also, dass die Öffnung der Vagina gedehnt bzw. gestreckt wird und damit näher an die Klitoris kommt. Ein Orgasmus ist dann zum greifen nahe.

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Eine andere Studie zeigte, dass Frauen generell einen größeren und breiteren Penis für One-Night-Stands präferieren, bei Langzeitbeziehungen ähnelt die Wunschvorstellung eher dem Durchschnittspenis und die Technik rückt in den Vordergrund. Also Männer, strengt euch an! OP wenn unzufrieden? Ist der Mann unglücklich mit seinem besten Stück, kann dies auf die Psyche schlagen. Wenn man(n) sich entscheidet ihn sich doch operativ vergrößern zu lassen, fallen Kosten bis zu 3.000€ an, welche im Normalfall nicht von der Krankenkasse übernommen werden. Nach dem Eingriff muss fünf Wochen auf Sport und Sex verzichtet werden und Erektionsstörungen können auftreten.

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Erektionsstörung? Ich nicht... natürlich nicht! Erektionsstörungen, ein unangenehmes Thema, doch laut einer Umfrage leidet jeder Fünfte über 30 daran. Zu 90 % entsteht diese Störung aus organischen Fehlfunktionen, die genauen Ursachen müssen ärztlich festgestellt werden. Seit 1998 ist die Wunder-Pille, Viagra im Handel. Nach 30-60 min wird durch das Anschwellen der Blutgefäße eine Erektion aufgebaut, die bis zu vier Stunden anhalten kann. Vermutet wird, dass so die Messlatte für den Mann stark gestiegen ist nie im Bett zu versagen, wenn er mal müde ist oder zu viel Alkohol hatte. Denn diese Gründe für eine fehlende Erektion sind nicht langanhaltend und die Annahme der Gesellschaft, die Erektionsprobleme bei Männern hätte zugenommen, kommt durch ein falsches Billd, welches vom Mann vermittelt wird: Der Mann der immer kann! In der chinesischen Medizin gibt es eine Praxis bei welcher schwere Gewichte an Glied und Hoden befestigt werden (höchstens 94kg). Das Testosteron soll dadurch steigen, doch der Arzt warnt, dass bei zu viel Training feste Erektionen mit Penetration ausbleiben können. In Asien generell gilt: Iss das was du stärken

willst. Das Todesurteil für Nashorn und Tieger, welche an den Rand des Aussterbens gedränt wurden. Die Jagd ist inzwischen verboten und so werden eher Delikatessen wie Pferdepenis aufgestischt. Wissenschaftlich bewiesen wurde, dass sich das alles nur im Kopf abspielt! Denn in der Sexualität ist der Placebo-Effekt immens hoch. Eine Studie beweist, dass 30-40% allen Probanden einer groß angelegten Studie eine signifikante Verbesserung ihrer Sexualität angegeben haben, obwohl sie Scheinmedikamente erhalten haben. Welche Mythen können dank der Doku aus der Welt geschafft werden? Zu enge Hosen mindern nicht das Erektionsvermögen, können aber durch das Einquetschen der Hoden die Zeugungsfähigkeit mindern. Ein Tritt in die Hoden ist schmerzhaft, aber mindert nicht die Potenz. Sowie bestimmte Nahrungsmittel nichts ändern, aber Ausdauersport. Er ist gut für die Potenz, denn er kurbelt Kreislauf und Durchblutung an. Dafür sind trainierte Mastubierer nicht leistungsfähiger beim Sex. Der Penis hängt für den Großteil der Männer stark mit ihrem Selbstbewusstsein zusammen. Wenn ein Mann eine Spontan-Erektion am morgen hat, kann er keine Hormon-, Durchblutungs- oder Innovations-Störung also zusammengefasst keine Erektionsstörung haben. Dann gibt es keine körperliche Ursache sondern es hat eine psychogene Ursache. Zum Beispiel Stress im Beruf oder der Partnerschaft und Angst zu Versagen. Mehr als 1300 US Soldaten verloren innerhalb der letzten 10 Jahre verloren bei Sprengstpoff-Anschlägen ihre Genitalien. Natürlich machen die Betroffenen ihre Verletzungen nicht öffentlich, obwohl dadurch nicht nur ein Körperteil verloren ist, es verletzt die tiefe Männlichkeit der jungen – oft in Familienplanung stehenden – Soldatn. Ein hoher Verlust der Intimsphäre: „Traum und Trauma ganz eng beieinander.“

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Eine andere Studie zeigte, dass Frauen generell einen größeren und breiteren Penis für One-Night-Stands präferieren, bei Langzeitbeziehungen ähnelt die Wunschvorstellung eher dem Durchschnittspenis und die Technik rückt in den Vordergrund. Also Männer, strengt euch an! OP wenn unzufrieden? Ist der Mann unglücklich mit seinem besten Stück, kann dies auf die Psyche schlagen. Wenn man(n) sich entscheidet ihn sich doch operativ vergrößern zu lassen, fallen Kosten bis zu 3.000€ an, welche im Normalfall nicht von der Krankenkasse übernommen werden. Nach dem Eingriff muss fünf Wochen auf Sport und Sex verzichtet werden und Erektionsstörungen können auftreten.

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Erektionsstörung? Ich nicht... natürlich nicht! Erektionsstörungen, ein unangenehmes Thema, doch laut einer Umfrage leidet jeder Fünfte über 30 daran. Zu 90 % entsteht diese Störung aus organischen Fehlfunktionen, die genauen Ursachen müssen ärztlich festgestellt werden. Seit 1998 ist die Wunder-Pille, Viagra im Handel. Nach 30-60 min wird durch das Anschwellen der Blutgefäße eine Erektion aufgebaut, die bis zu vier Stunden anhalten kann. Vermutet wird, dass so die Messlatte für den Mann stark gestiegen ist nie im Bett zu versagen, wenn er mal müde ist oder zu viel Alkohol hatte. Denn diese Gründe für eine fehlende Erektion sind nicht langanhaltend und die Annahme der Gesellschaft, die Erektionsprobleme bei Männern hätte zugenommen, kommt durch ein falsches Billd, welches vom Mann vermittelt wird: Der Mann der immer kann! In der chinesischen Medizin gibt es eine Praxis bei welcher schwere Gewichte an Glied und Hoden befestigt werden (höchstens 94kg). Das Testosteron soll dadurch steigen, doch der Arzt warnt, dass bei zu viel Training feste Erektionen mit Penetration ausbleiben können. In Asien generell gilt: Iss das was du stärken

willst. Das Todesurteil für Nashorn und Tieger, welche an den Rand des Aussterbens gedränt wurden. Die Jagd ist inzwischen verboten und so werden eher Delikatessen wie Pferdepenis aufgestischt. Wissenschaftlich bewiesen wurde, dass sich das alles nur im Kopf abspielt! Denn in der Sexualität ist der Placebo-Effekt immens hoch. Eine Studie beweist, dass 30-40% allen Probanden einer groß angelegten Studie eine signifikante Verbesserung ihrer Sexualität angegeben haben, obwohl sie Scheinmedikamente erhalten haben. Welche Mythen können dank der Doku aus der Welt geschafft werden? Zu enge Hosen mindern nicht das Erektionsvermögen, können aber durch das Einquetschen der Hoden die Zeugungsfähigkeit mindern. Ein Tritt in die Hoden ist schmerzhaft, aber mindert nicht die Potenz. Sowie bestimmte Nahrungsmittel nichts ändern, aber Ausdauersport. Er ist gut für die Potenz, denn er kurbelt Kreislauf und Durchblutung an. Dafür sind trainierte Mastubierer nicht leistungsfähiger beim Sex. Der Penis hängt für den Großteil der Männer stark mit ihrem Selbstbewusstsein zusammen. Wenn ein Mann eine Spontan-Erektion am morgen hat, kann er keine Hormon-, Durchblutungs- oder Innovations-Störung also zusammengefasst keine Erektionsstörung haben. Dann gibt es keine körperliche Ursache sondern es hat eine psychogene Ursache. Zum Beispiel Stress im Beruf oder der Partnerschaft und Angst zu Versagen. Mehr als 1300 US Soldaten verloren innerhalb der letzten 10 Jahre verloren bei Sprengstpoff-Anschlägen ihre Genitalien. Natürlich machen die Betroffenen ihre Verletzungen nicht öffentlich, obwohl dadurch nicht nur ein Körperteil verloren ist, es verletzt die tiefe Männlichkeit der jungen – oft in Familienplanung stehenden – Soldatn. Ein hoher Verlust der Intimsphäre: „Traum und Trauma ganz eng beieinander.“

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Tattoo & alt werden? Ein Tattoo ist eine Entscheidung, die dein ganzes Leben sichtbar bleiben wird. Und so erzählt es etwas über den Menschen selbst. Welche Interessen, Lebenseinstellungen oder Werte wichtig im Leben waren. So schleimig wie es auch klingen mag, aber eine so simple Entscheidung wird dann Teil deines Körpers und somit auch ein Teil von dir. Damit verbunden aber auch die Bedeutung für deine Identität in der Gesellschaft, je nach Motiv und tätowierte Körperstelle. Eine solche Entscheidung sollte gewissenhaft und bewusst entschieden werden. Und dann sollte man sich schon im Klaren sein, dass die Haut über die Jahre nicht straffer wird und das Tattoo nicht neuer. Aber was wirklich sexy ist, ist mit Würde und Freude zu altern und dazu gehört dein Körper. Und wenn dieser Körper von einem oder mehreren Tattoos geschmückt ist, bist du das eben, mit all den Anderen... Genau! Mit all den Anderen, denn wir werden alle alt sein und die die sich wirklich momentan real mit Tattoos beschäftigen sind alle in jüngeren Generationen. Oder schonmal ein Arschgeweih an einer 90 Jährigen gesehen? Und dann sind wir eben Alle alt. Alt und tätowiert, wahrscheinlich dann auch ganz normal. Tattoos sind Entscheidungen, aber auch Geschichten. Sowieso immer Gesprächsstoff. Und einfach ein kleines Kunstwerk für sich.

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Tattoo & alt werden? Ein Tattoo ist eine Entscheidung, die dein ganzes Leben sichtbar bleiben wird. Und so erzählt es etwas über den Menschen selbst. Welche Interessen, Lebenseinstellungen oder Werte wichtig im Leben waren. So schleimig wie es auch klingen mag, aber eine so simple Entscheidung wird dann Teil deines Körpers und somit auch ein Teil von dir. Damit verbunden aber auch die Bedeutung für deine Identität in der Gesellschaft, je nach Motiv und tätowierte Körperstelle. Eine solche Entscheidung sollte gewissenhaft und bewusst entschieden werden. Und dann sollte man sich schon im Klaren sein, dass die Haut über die Jahre nicht straffer wird und das Tattoo nicht neuer. Aber was wirklich sexy ist, ist mit Würde und Freude zu altern und dazu gehört dein Körper. Und wenn dieser Körper von einem oder mehreren Tattoos geschmückt ist, bist du das eben, mit all den Anderen... Genau! Mit all den Anderen, denn wir werden alle alt sein und die die sich wirklich momentan real mit Tattoos beschäftigen sind alle in jüngeren Generationen. Oder schonmal ein Arschgeweih an einer 90 Jährigen gesehen? Und dann sind wir eben Alle alt. Alt und tätowiert, wahrscheinlich dann auch ganz normal. Tattoos sind Entscheidungen, aber auch Geschichten. Sowieso immer Gesprächsstoff. Und einfach ein kleines Kunstwerk für sich.

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BOY‘S

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„unerschrocken & hungrig“ Eine Fotostrecke über: Jungs in ihrer freien Wildbahn ...


BOY‘S

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„unerschrocken & hungrig“ Eine Fotostrecke über: Jungs in ihrer freien Wildbahn ...










Erwachsen ≠ Ich Ich bin 22 Jahre alt und studiere. Wenn ich an meine Eltern oder Großeltern in dem Alter denke, frage ich mich: Was habe ich überhaupt schon ernsthaft in meinem Leben geschafft und erreicht? Denn in dem Alter hatten man „damals“ schon einen festen Job, eine eigene Wohnung und mindestens ein Kind. In meinem Freundeskreis dagegen ist es aber nicht ganz unnormal mit G9 das Abitur im Alter von 19 Jahren abzuschließen, dann erstmal 1-2 Jahre die Welt zu erkunden und wenn man danach nicht bei seiner gewünschten Uni landet, hängt man ganz schnell noch mit 21/22 Jahren im Elternhaus und der Kindheitsstadt fest. Also kann ich doch mit meiner eigenen kleinen, aber feine WG und einem (bis jetzt) halb durchgezognen Studium nicht so versagt haben?

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Das Lancet Child & Adolescent Health Journal gibt mir Hoffnung, denn die Wissenschaftler der dazugehörigen Studie gaben bekannt, dass die Adoleszenz nicht, wie früher angenommen, mit 19 endet sondern mit 24 Jahren. Die Erklärung hierfür liegt in der Definition des Erwach-

senseins, welche sich über die Zeit hinweg geändert hat. Heute setzen wir unsere Ausbildung länger fort, es werden später Kinder geboren oder Ehen geschlossen (wenn überhaupt…). Unsichere Lebenssituationen und fehlendes Kapital lassen kaum Raum um eine eigene Familie zu gründen. Allein das Durchschnittsalter der Eheschließung hat sich seit 1973 um acht Jahre erhöht. Grund dafür ist häufig eine Sinnfrage einer finanziell teuren Hochzeit und der gesellschaftliche Druck sowie die ökonomischen Motive schwinden immer mehr. Vorallem Schuld daran hat die moderne und emanzipierte Frau, welche selbstständig Karriere macht, selbst Geld verdient und so keine männliche Absicherung durch die Ehe mehr braucht um Hausfrau spielen zu können. Experten streiten sich darüber, ob die neue Definition der Adoleszenz nicht auch ein wesentlicher Teil zur Sicherung der Gesetze beiträgt oder nur die Bevormundung junger Menschen fördert. Na klar wird die uns zusätzliche gutgeschriebene Zeit genutzt um noch länger sein „junges Leben“ auszukosten, aber das kann

man uns ja nicht verübeln. Und biologisch gesehen entwickelt sich das Gehirn noch bis über das Alter von 20 Jahren und bei vielen kommen die Weisheitszähne auch erst mit 25 Jahren zum Vorschein. Prof. Susan Sawyer (Direktorin und Lehrende im Bereich „adolescent health“) schrieb zudem: „Obwohl viele rechtliche Privilegien (des Erwachseins) im Alter von 18 Jahren beginnen, erfolgt die Adoption von einer erwachsenen Rolle und Verantwortlichkeiten in der Regel erst später.“ Durch diese zeitliche Verzögerung besteht noch über dem Alter von 19 Jahren eine bestimmte Halb-Abhängigkeit, welche auch die Adoleszenz charakterisiert. Wie schon zuvor erläutert, erweitert die Verspätung von Partnerschaften, dem Eltern-werden und der wirtschaftlichen Unabhängigkeit die Halb-Abhängikeit zeitlich. Top! Dann haben wir ja jetzt offiziell fünf Jahre mehr um unsere unbefangene Jugend zu genießen.

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Erwachsen ≠ Ich Ich bin 22 Jahre alt und studiere. Wenn ich an meine Eltern oder Großeltern in dem Alter denke, frage ich mich: Was habe ich überhaupt schon ernsthaft in meinem Leben geschafft und erreicht? Denn in dem Alter hatten man „damals“ schon einen festen Job, eine eigene Wohnung und mindestens ein Kind. In meinem Freundeskreis dagegen ist es aber nicht ganz unnormal mit G9 das Abitur im Alter von 19 Jahren abzuschließen, dann erstmal 1-2 Jahre die Welt zu erkunden und wenn man danach nicht bei seiner gewünschten Uni landet, hängt man ganz schnell noch mit 21/22 Jahren im Elternhaus und der Kindheitsstadt fest. Also kann ich doch mit meiner eigenen kleinen, aber feine WG und einem (bis jetzt) halb durchgezognen Studium nicht so versagt haben?

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Das Lancet Child & Adolescent Health Journal gibt mir Hoffnung, denn die Wissenschaftler der dazugehörigen Studie gaben bekannt, dass die Adoleszenz nicht, wie früher angenommen, mit 19 endet sondern mit 24 Jahren. Die Erklärung hierfür liegt in der Definition des Erwach-

senseins, welche sich über die Zeit hinweg geändert hat. Heute setzen wir unsere Ausbildung länger fort, es werden später Kinder geboren oder Ehen geschlossen (wenn überhaupt…). Unsichere Lebenssituationen und fehlendes Kapital lassen kaum Raum um eine eigene Familie zu gründen. Allein das Durchschnittsalter der Eheschließung hat sich seit 1973 um acht Jahre erhöht. Grund dafür ist häufig eine Sinnfrage einer finanziell teuren Hochzeit und der gesellschaftliche Druck sowie die ökonomischen Motive schwinden immer mehr. Vorallem Schuld daran hat die moderne und emanzipierte Frau, welche selbstständig Karriere macht, selbst Geld verdient und so keine männliche Absicherung durch die Ehe mehr braucht um Hausfrau spielen zu können. Experten streiten sich darüber, ob die neue Definition der Adoleszenz nicht auch ein wesentlicher Teil zur Sicherung der Gesetze beiträgt oder nur die Bevormundung junger Menschen fördert. Na klar wird die uns zusätzliche gutgeschriebene Zeit genutzt um noch länger sein „junges Leben“ auszukosten, aber das kann

man uns ja nicht verübeln. Und biologisch gesehen entwickelt sich das Gehirn noch bis über das Alter von 20 Jahren und bei vielen kommen die Weisheitszähne auch erst mit 25 Jahren zum Vorschein. Prof. Susan Sawyer (Direktorin und Lehrende im Bereich „adolescent health“) schrieb zudem: „Obwohl viele rechtliche Privilegien (des Erwachseins) im Alter von 18 Jahren beginnen, erfolgt die Adoption von einer erwachsenen Rolle und Verantwortlichkeiten in der Regel erst später.“ Durch diese zeitliche Verzögerung besteht noch über dem Alter von 19 Jahren eine bestimmte Halb-Abhängigkeit, welche auch die Adoleszenz charakterisiert. Wie schon zuvor erläutert, erweitert die Verspätung von Partnerschaften, dem Eltern-werden und der wirtschaftlichen Unabhängigkeit die Halb-Abhängikeit zeitlich. Top! Dann haben wir ja jetzt offiziell fünf Jahre mehr um unsere unbefangene Jugend zu genießen.

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Warum kriegen wir die Krise? Gudrun Hermann (41), Pressesprecherin von LinkedIn und im Gespräch bei der Zeit Campus. Ihre Firma finanzierte die Studie mit insgesamt 7017 Teilnehmern. Frau Herrmann, die Midlife-Crisis kennen wir, das ist, wenn Papa plötzlich sein Leben infrage stellt und sich eine Harley kauft. Sie haben eine Studie veröffentlicht, die zeigt, dass 67 Prozent der Deutschen an einer Quarterlife-Crisis leiden. Was ist das? Menschen zwischen 25 und Anfang 30 stellen sich Fragen wie: Wo will ich leben? Was soll ich arbeiten? Was sind meine Fähigkeiten? Darauf nicht gleich eine Antwort zu wissen, ist für viele beängstigend. Manche kommen dem Berufseinstieg auch nicht mit den Arbeitszeiten von 9 bis 17 Uhr zurecht, mit einer Büropolitik oder Hierarchien. Das führt bei vielen zu einer Krise. Bei den Broten und Australiern sind sogar 75 Prozent betroffen. Ist die Quarterlife-Crises ein neues Phänomen? Nein, das ist nicht neu, aber heute ausgeprägter als früher, weil soziale Netzwerke mehr Vergleichsmöglichkeiten bieten. Hier werden vor allem Erfolge präsentiert. Das gibt vielen das Gefühl, dass ihr eigenes Leben nicht spannend genug ist, dass sie nicht genug leisten und andere besser sind. Was raten Sie Menschen, die in der Krise stecken? Man sollte sich nicht von anderen blenden lassen, sondern seine eigene Definition von Erfolg und Glück entwickeln. Um die eigene Leistung besser einschätzen zu können, hilft es, einen Mentor zu suchen. Beispielsweise jemanden, der in dem Bereich arbeitet, für den man sich interessiert.

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Warum kriegen wir die Krise? Gudrun Hermann (41), Pressesprecherin von LinkedIn und im Gespräch bei der Zeit Campus. Ihre Firma finanzierte die Studie mit insgesamt 7017 Teilnehmern. Frau Herrmann, die Midlife-Crisis kennen wir, das ist, wenn Papa plötzlich sein Leben infrage stellt und sich eine Harley kauft. Sie haben eine Studie veröffentlicht, die zeigt, dass 67 Prozent der Deutschen an einer Quarterlife-Crisis leiden. Was ist das? Menschen zwischen 25 und Anfang 30 stellen sich Fragen wie: Wo will ich leben? Was soll ich arbeiten? Was sind meine Fähigkeiten? Darauf nicht gleich eine Antwort zu wissen, ist für viele beängstigend. Manche kommen dem Berufseinstieg auch nicht mit den Arbeitszeiten von 9 bis 17 Uhr zurecht, mit einer Büropolitik oder Hierarchien. Das führt bei vielen zu einer Krise. Bei den Broten und Australiern sind sogar 75 Prozent betroffen. Ist die Quarterlife-Crises ein neues Phänomen? Nein, das ist nicht neu, aber heute ausgeprägter als früher, weil soziale Netzwerke mehr Vergleichsmöglichkeiten bieten. Hier werden vor allem Erfolge präsentiert. Das gibt vielen das Gefühl, dass ihr eigenes Leben nicht spannend genug ist, dass sie nicht genug leisten und andere besser sind. Was raten Sie Menschen, die in der Krise stecken? Man sollte sich nicht von anderen blenden lassen, sondern seine eigene Definition von Erfolg und Glück entwickeln. Um die eigene Leistung besser einschätzen zu können, hilft es, einen Mentor zu suchen. Beispielsweise jemanden, der in dem Bereich arbeitet, für den man sich interessiert.

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BOY‘S


BOY‘S


# shopping edition

MAN VS. WOMAN Typisch Mann, typisch Frau? Unsere Vorstellung davon, was männlich und was weiblich ist, prägt uns stärker, als wir wahr haben wollen. Auch wenn die Grenzen häufig (z.B. in der Mode) stark verschwimmen, bleibt ein gewisser Unterschied doch bestehen. Gender Marketing macht sich diesen Unterschied zunutze, indem typische Produkte mit typischen Verhaltensweisen in klaren Zusammenhang gesetzt werden und so gezielt für Frau oder Mann das richtige Produkt gefunden wird.

Nicht das was zählt, sondern das wie: so kaufen Frauen Kleider und Männer Fernseher.

Von Vanessa Lehmkuhl (Marketing- und Kommunikationswirtin) für „Marketing im Pott“ über die Unterschiede des weiblichen und männli-

74

chen Kaufverhaltens.

Überspitzt dargestellt: ein Pärchen geht in der Stadt shoppen. Er geht in einen, maximal zwei Läden und besorgt sich ein Shirt, das seinem alten zum Verwechseln ähnlich sieht und holt sich danach vielleicht noch einen Döner an der Ecke. Das Ganze dauert etwa 30 Minuten.

Sie durchquert mindestens eine komplette Einkaufspassage, probiert Kleider, Schuhe, ein paar Shirts an und kommt drei Stunden, einen Besuch im Sushirestaurant und einen Frappuccino mit der besten Freundin später schließlich mit zwei Tops, einem Pulli und passenden Sandalen zurück, denn die von letztem Jahr sind ja so was von 2017. Platzwechsel Elektronikhändler: während er noch Pixel- und Lumenwerte vergleicht, hat sie sich schon längst für das Modell mit dem schönsten Gehäuse entschieden, das am besten zur Wohnwand passt. Ungeduldig wartet sie darauf, dass er wie jedes Mal sowieso das Modell aus dem Regal zieht, für das er sich vorher nach stundenlanger Internetrecherche entschieden hatte.

Natürlich sind dies Stereotypen, dennoch: In den oben beschriebenen Beispielen finden sich durchaus wissenschaftlich erforschte Fakten wieder: Die ESB Business School Reutlingen verweist zum Beispiel auf eine US-

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# shopping edition

MAN VS. WOMAN Typisch Mann, typisch Frau? Unsere Vorstellung davon, was männlich und was weiblich ist, prägt uns stärker, als wir wahr haben wollen. Auch wenn die Grenzen häufig (z.B. in der Mode) stark verschwimmen, bleibt ein gewisser Unterschied doch bestehen. Gender Marketing macht sich diesen Unterschied zunutze, indem typische Produkte mit typischen Verhaltensweisen in klaren Zusammenhang gesetzt werden und so gezielt für Frau oder Mann das richtige Produkt gefunden wird.

Nicht das was zählt, sondern das wie: so kaufen Frauen Kleider und Männer Fernseher.

Von Vanessa Lehmkuhl (Marketing- und Kommunikationswirtin) für „Marketing im Pott“ über die Unterschiede des weiblichen und männli-

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chen Kaufverhaltens.

Überspitzt dargestellt: ein Pärchen geht in der Stadt shoppen. Er geht in einen, maximal zwei Läden und besorgt sich ein Shirt, das seinem alten zum Verwechseln ähnlich sieht und holt sich danach vielleicht noch einen Döner an der Ecke. Das Ganze dauert etwa 30 Minuten.

Sie durchquert mindestens eine komplette Einkaufspassage, probiert Kleider, Schuhe, ein paar Shirts an und kommt drei Stunden, einen Besuch im Sushirestaurant und einen Frappuccino mit der besten Freundin später schließlich mit zwei Tops, einem Pulli und passenden Sandalen zurück, denn die von letztem Jahr sind ja so was von 2017. Platzwechsel Elektronikhändler: während er noch Pixel- und Lumenwerte vergleicht, hat sie sich schon längst für das Modell mit dem schönsten Gehäuse entschieden, das am besten zur Wohnwand passt. Ungeduldig wartet sie darauf, dass er wie jedes Mal sowieso das Modell aus dem Regal zieht, für das er sich vorher nach stundenlanger Internetrecherche entschieden hatte.

Natürlich sind dies Stereotypen, dennoch: In den oben beschriebenen Beispielen finden sich durchaus wissenschaftlich erforschte Fakten wieder: Die ESB Business School Reutlingen verweist zum Beispiel auf eine US-

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Richtig interessant wird es, wenn klassische Ressorts aufgebrochen werden sollen. Zum Beispiel war Kosmetik für heterosexuelle Männer lange Jahre ein Buch mit sieben Siegeln. Trotzdem locken die Drogeriemärkte inzwischen deutlich mehr Männer an. Man konzentriert sich einfach nicht so sehr auf das was als das wie des Shoppingverhaltens. Die bestehenden Erkenntnisse sagen uns: einfach muss es sein und übersichtlich. Männerkosmetika wurden also optisch abgesetzt. Ganz anders als die pastelligen Modelle für ihre weiblichen Begleitungen leuchten Männerprodukte in Primärfarben. Gleichzeitig sorgt eine beschränkte Modellauswahl jedes Herstellers für eine schnelle Orientierung. Mit Begriffen wie Tuning-Shampoo werden die letzten Dämme zu den

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Studie, die herausgefunden hat, dass 65 Prozent der Männer das Produkt kaufen, das sie anprobiert haben, wohingegen nur 25 Prozent der Frauen so kurz entschlossen sind. Dies weist darauf hin, dass die männlichen Kunden mehr nach dem „sitzt, passt, wackelt und hat Luft-Motto“ eine akzeptable Lösung suchen, mit der sie schnell zufrieden sind. Frauen hingegen sind kritischer und mehr auf Optimierung bedacht. Deswegen wollen sie lieber noch einmal woanders nachsehen, ob es nicht ein vergleichbares preiswerteres oder attraktiveres Stück gibt. Hinzu kommt, dass Männer meist mit einer konkreten Absicht in ein Geschäft gehen, wie hier ein T-Shirt oder einen bestimmten Fernseher zu kaufen, wohingegen Frauen offener für Inspiration sind. Sie wollen sehen, was angeboten wird und die

Offerten vergleichen. Für die Werbenden bedeutet dies, sich zuallererst auf den Unterschied zwischen dem Einkaufen und dem Shoppen einzustellen. Letzteres hat zu dem den Event-Faktor. Dies äußert sich allein schon in der Existenz von Shopping-Malls, in denen neben reinen Läden auch Unterhaltungs- und Gastro-Angebote zu finden sind. Im Laden selbst geht es weiter. Vergleicht man einmal das Innendesign einer Modeboutique mit dem einer Elektronikmarktkette. Hier trifft auf die meist weibliche Zielgruppe abgestimmte Dekoration auf den Charme einer Industriehalle; cool gestylte Mannequins, die zeigen, was sich in diesem Frühling wie kombinieren lässt, stehen in Kontrast zu Wegweisern in schreienden Farben, die eindeutig sagen, wo es zu den Fernsehern geht.

“klassischen Machos” durchbrochen und dem Feierabend-GTI-Heimwerker wird endlich klar, dass die Körperpflege durchaus “männlich” sein kann.

Frauen bringen den meisten Umsatz, dominieren aber die Angebotsgestaltung nicht. Frauen bekommen heute passende “Frauenprodukte”, Männer dafür “Männerprodukte”, jeweils schön mundgerecht serviert. Also ist dann jetzt alles in Butter? Nicht ganz. Experten sehen das Gender Marketing noch in den Kinderschuhen, wenn es um die Berücksichtigung der weiblichen Kundschaft in vielen Bereichen geht. Immerhin treffen Frauen 80% aller privaten Konsumentscheidungen, das besagte eine Nielsen-Studie.

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Richtig interessant wird es, wenn klassische Ressorts aufgebrochen werden sollen. Zum Beispiel war Kosmetik für heterosexuelle Männer lange Jahre ein Buch mit sieben Siegeln. Trotzdem locken die Drogeriemärkte inzwischen deutlich mehr Männer an. Man konzentriert sich einfach nicht so sehr auf das was als das wie des Shoppingverhaltens. Die bestehenden Erkenntnisse sagen uns: einfach muss es sein und übersichtlich. Männerkosmetika wurden also optisch abgesetzt. Ganz anders als die pastelligen Modelle für ihre weiblichen Begleitungen leuchten Männerprodukte in Primärfarben. Gleichzeitig sorgt eine beschränkte Modellauswahl jedes Herstellers für eine schnelle Orientierung. Mit Begriffen wie Tuning-Shampoo werden die letzten Dämme zu den

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Studie, die herausgefunden hat, dass 65 Prozent der Männer das Produkt kaufen, das sie anprobiert haben, wohingegen nur 25 Prozent der Frauen so kurz entschlossen sind. Dies weist darauf hin, dass die männlichen Kunden mehr nach dem „sitzt, passt, wackelt und hat Luft-Motto“ eine akzeptable Lösung suchen, mit der sie schnell zufrieden sind. Frauen hingegen sind kritischer und mehr auf Optimierung bedacht. Deswegen wollen sie lieber noch einmal woanders nachsehen, ob es nicht ein vergleichbares preiswerteres oder attraktiveres Stück gibt. Hinzu kommt, dass Männer meist mit einer konkreten Absicht in ein Geschäft gehen, wie hier ein T-Shirt oder einen bestimmten Fernseher zu kaufen, wohingegen Frauen offener für Inspiration sind. Sie wollen sehen, was angeboten wird und die

Offerten vergleichen. Für die Werbenden bedeutet dies, sich zuallererst auf den Unterschied zwischen dem Einkaufen und dem Shoppen einzustellen. Letzteres hat zu dem den Event-Faktor. Dies äußert sich allein schon in der Existenz von Shopping-Malls, in denen neben reinen Läden auch Unterhaltungs- und Gastro-Angebote zu finden sind. Im Laden selbst geht es weiter. Vergleicht man einmal das Innendesign einer Modeboutique mit dem einer Elektronikmarktkette. Hier trifft auf die meist weibliche Zielgruppe abgestimmte Dekoration auf den Charme einer Industriehalle; cool gestylte Mannequins, die zeigen, was sich in diesem Frühling wie kombinieren lässt, stehen in Kontrast zu Wegweisern in schreienden Farben, die eindeutig sagen, wo es zu den Fernsehern geht.

“klassischen Machos” durchbrochen und dem Feierabend-GTI-Heimwerker wird endlich klar, dass die Körperpflege durchaus “männlich” sein kann.

Frauen bringen den meisten Umsatz, dominieren aber die Angebotsgestaltung nicht. Frauen bekommen heute passende “Frauenprodukte”, Männer dafür “Männerprodukte”, jeweils schön mundgerecht serviert. Also ist dann jetzt alles in Butter? Nicht ganz. Experten sehen das Gender Marketing noch in den Kinderschuhen, wenn es um die Berücksichtigung der weiblichen Kundschaft in vielen Bereichen geht. Immerhin treffen Frauen 80% aller privaten Konsumentscheidungen, das besagte eine Nielsen-Studie.

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Doch speziell auf das weibliche Konsumverhalten des Vergleichens und sich inspirieren Lassens gehen nur manche Branchen wie Bekleidung und Kosmetik gezielt ein. Klassische Männerdomänen, wie Autohäuser oder Finanzdienstleister hingegen haben für dieses Anforderungsprofil meist wenig zu bieten – und das obwohl Frauen auch immer mehr Einfluss auf klassische männliche Kaufdomänen nehmen. Eine mögliche Ursache wird darin gesehen, dass Frauen komplexer zu bewerben sind als Männer. Man geht davon aus, dass sich weibliche Kunden nicht so einfach mit ihren Geschlechtsgenossinnen über einen Kamm scheren lassen wie Männer. Während also ein Baumarkt mit einheitlichem Design eher geeignet ist, männliche Kunden aller Schichten von 15 bis 65 auf die gleiche Art und

78

Weise anzusprechen, müssen sich frauenspezifische Angebote stärker mit den Eigenschaften ihrer Zielgruppe wie Alter, kultureller Ausrichtung und gesellschaftlicher Stellung auseinandersetzen. Und das neben dem Geschlecht. Angesichts des großen weiblichen Einflusses auf die Kaufentscheidungen lohnt es sich deshalb auf jeden Fall, gerade das weibliche Publikum genau zu analysieren.

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Doch speziell auf das weibliche Konsumverhalten des Vergleichens und sich inspirieren Lassens gehen nur manche Branchen wie Bekleidung und Kosmetik gezielt ein. Klassische Männerdomänen, wie Autohäuser oder Finanzdienstleister hingegen haben für dieses Anforderungsprofil meist wenig zu bieten – und das obwohl Frauen auch immer mehr Einfluss auf klassische männliche Kaufdomänen nehmen. Eine mögliche Ursache wird darin gesehen, dass Frauen komplexer zu bewerben sind als Männer. Man geht davon aus, dass sich weibliche Kunden nicht so einfach mit ihren Geschlechtsgenossinnen über einen Kamm scheren lassen wie Männer. Während also ein Baumarkt mit einheitlichem Design eher geeignet ist, männliche Kunden aller Schichten von 15 bis 65 auf die gleiche Art und

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Weise anzusprechen, müssen sich frauenspezifische Angebote stärker mit den Eigenschaften ihrer Zielgruppe wie Alter, kultureller Ausrichtung und gesellschaftlicher Stellung auseinandersetzen. Und das neben dem Geschlecht. Angesichts des großen weiblichen Einflusses auf die Kaufentscheidungen lohnt es sich deshalb auf jeden Fall, gerade das weibliche Publikum genau zu analysieren.

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STATISTIK Einer von 70

Jungen mit unkonventionellen Vornamen haben eher mentale Probleme, als Jungs mit einem üblichen Namen. Mädchen haben dieses Problem nicht.

Menschen isst Popel.

Laut der amerikanischen Regierung haben die Menschen fast 28000 verschiedene Wege ausprobiert, um Gewicht abzunehmen.

Jeder 3te Deutsche

Im Schnitt werden täglich 12 Neugeborene den falschen Eltern übergeben. Im Durchschnitt haben Menschen mehr Angst vor Spinnen als vor dem Tod.

... schneidet selbst seine Haare. ... isst an Heiligabend Würstchen mit Kartoffelsalat.

In Deutschland gibt es genauso viele Kinder wie Hauskatzen (jeweils 12 Millionen). Wir haben 6-10 Sexpartner im Leben. Im Durchschnitt dauert Sex bei uns 17.36min.

Jede Frau in Deutschland verbraucht in ihrem Leben rund eine Badewanne voll Tampons (ohne Verpackung).

10%

der Männer sind Linkshänder

-nur 8%

der Frauen sind Linkshänder

85%

der Frauen trägt die falsche BH Größe.

56% der Video-Spiele-Käufer sind Erwachsene. 80

Nur 1/3

der produzierten Unterwäsche wird von Männern gekauft

In jedem Moment sind ca. 0.7% der Weltbevölkerung betrunken.

1/4 der Weltpopulation

lebt mit weniger als 250 Euro im Jahr und 90 Millionen Menschen überleben mit weniger als 100 Euro im Jahr.

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STATISTIK Einer von 70

Jungen mit unkonventionellen Vornamen haben eher mentale Probleme, als Jungs mit einem üblichen Namen. Mädchen haben dieses Problem nicht.

Menschen isst Popel.

Laut der amerikanischen Regierung haben die Menschen fast 28000 verschiedene Wege ausprobiert, um Gewicht abzunehmen.

Jeder 3te Deutsche

Im Schnitt werden täglich 12 Neugeborene den falschen Eltern übergeben. Im Durchschnitt haben Menschen mehr Angst vor Spinnen als vor dem Tod.

... schneidet selbst seine Haare. ... isst an Heiligabend Würstchen mit Kartoffelsalat.

In Deutschland gibt es genauso viele Kinder wie Hauskatzen (jeweils 12 Millionen). Wir haben 6-10 Sexpartner im Leben. Im Durchschnitt dauert Sex bei uns 17.36min.

Jede Frau in Deutschland verbraucht in ihrem Leben rund eine Badewanne voll Tampons (ohne Verpackung).

10%

der Männer sind Linkshänder

-nur 8%

der Frauen sind Linkshänder

85%

der Frauen trägt die falsche BH Größe.

56% der Video-Spiele-Käufer sind Erwachsene. 80

Nur 1/3

der produzierten Unterwäsche wird von Männern gekauft

In jedem Moment sind ca. 0.7% der Weltbevölkerung betrunken.

1/4 der Weltpopulation

lebt mit weniger als 250 Euro im Jahr und 90 Millionen Menschen überleben mit weniger als 100 Euro im Jahr.

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stay tuned

* durchatmen


stay tuned

* durchatmen


DORFLEBEN Was man als Stadtschnösel im Leben verpassen kann...

84

Alles entwickelt sich fortwährend weiter, ist immer in Bewegung und muss ganz schnell gehen. Das Leben in einer Großstadt gibt selten Raum um einfach mal Stille oder Natur zu genießen. Einfach mal Bäume umarmen und Kirschen pflücken. Abgeschieden vom Alltagsstress in Ruhe und Frieden, wo keiner stören kann. Gut das es ja jetzt „digital detox“ für Großstädter gibt. Sie machen extra Ferien im Funkloch und würden dabei noch nicht mal stören. Denn was es auf dem Land gibt ist jede Menge Platz für vergleichsweise wenig Geld und so kann wohl fast jedes Dorfkind mit einem großen Zuhause und mit einem noch größeren Garten sowie allen möglichen Tieren, prahlen. Familie wird noch großgeschrieben und alles scheint perfekt. Nur wenn du einmal dort lebst, ohne Führerschein, hast du kaum eine andere Möglichkeit. Deine Welt ist winzig klein und der Radius, in dem dein tägliches Leben abspielt, auf wenige Kilometer begrenzt. Der Nahverkehr kommt selten und fährt ewig, so werden Wege zur Schule, zu Freunden oder in die nächst größere Stadt zu langwierigen und mit hoher Wartezeit verbundenen Quälerei. Aber auf dem Land hält man ja schließlich zusammen. Ob am Stammtisch, auf Trecker Rallys oder dem Schützenfest. Dorffeste auf denen irgendwelche Königinnen gekrönt werden und es ordentlich Bier fließt gibt es immer irgendwie. Richtige Kultur- und Ausgehangebote sind dagegen eher inexistent, es gibt zwar viel Platz, aber zu wenig Publikum (dann wird sich wohl in den eigenen Partykeller geflüchtet). Ein Traum vom Landlust-Leben ohne Konflikte und Probleme. Realität: es herrscht Arbeitsmangel, Möglichkeiten Bestehendes zu halten und Neues aufzubauen fehlen. Ob Kinos, Theater, Clubs, Bankfilialen,

Supermärkte, Fachärzte… Idylle oder Ödnis? Kein Wunder also, dass die Jugend geht. Für eine gute Zukunft ist es auf dem Land zu schwierig geworden und auch wenn das Internet neue Möglichkeiten geschaffen hat, ist es in manchen Gemeinden ein Fremdwort und Breitfaserkabel kann man vergessen. Zeiten ändern sich, während viele Menschen städtisch leben wollen, sind sie neidisch auf die Wellness-Waldluft, sie stellen Baumstämme in Burger-Läden und trinken Birkenwasser. Natur als Designer-Handy-Hülle oder Duschvorhang. Als Heranwachsender auf dem Land befindest du dich quasi in einem Vielfrontenkrieg, denn neben den alltäglichen Sorgen des Erwachsenwerdens, musst du dich mit quälender Langweile, unzuverlässigen Transportmitteln sowie neugierigen und intoleranten Menschen herumschlagen. „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.“, und die kennen sehr viel nicht. Natürlich kann das auch seine Vorteile haben und du kannst vor Pseudo-Trends à la Hybrid Qinoa Chiasamen Superfood-Bowl mit Avocado und Grünkohl Smoothie, fliehen. Dennoch ist es schwierig, sich inmitten einer ZeroToleranz-Politik mit speziellen Modevorlieben und alternativen Lebensentwürfen auszuleben, zu experimentieren und sich selbst zu finden. Aber wozu sich selbst finden, wenn doch eh jeder jeden kennt. Die Nachbarin weiß über dein Liebesleben bescheid sowie jeder andere, dafür weisst du auch über wirklich alle potenziellen Sexualpartner bescheid. Die Auswahl ist sehr beschränkt und hoffentlich ist man dann nicht noch in irgend einer Weise miteinander verwandt. Denn die Familiengründung sollte schon so spätestens mit 28 Jahren abgeschlossen sein, damit du selbst ein großes Haus mit einem noch größeren Garten kaufen kannst.

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DORFLEBEN Was man als Stadtschnösel im Leben verpassen kann...

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Alles entwickelt sich fortwährend weiter, ist immer in Bewegung und muss ganz schnell gehen. Das Leben in einer Großstadt gibt selten Raum um einfach mal Stille oder Natur zu genießen. Einfach mal Bäume umarmen und Kirschen pflücken. Abgeschieden vom Alltagsstress in Ruhe und Frieden, wo keiner stören kann. Gut das es ja jetzt „digital detox“ für Großstädter gibt. Sie machen extra Ferien im Funkloch und würden dabei noch nicht mal stören. Denn was es auf dem Land gibt ist jede Menge Platz für vergleichsweise wenig Geld und so kann wohl fast jedes Dorfkind mit einem großen Zuhause und mit einem noch größeren Garten sowie allen möglichen Tieren, prahlen. Familie wird noch großgeschrieben und alles scheint perfekt. Nur wenn du einmal dort lebst, ohne Führerschein, hast du kaum eine andere Möglichkeit. Deine Welt ist winzig klein und der Radius, in dem dein tägliches Leben abspielt, auf wenige Kilometer begrenzt. Der Nahverkehr kommt selten und fährt ewig, so werden Wege zur Schule, zu Freunden oder in die nächst größere Stadt zu langwierigen und mit hoher Wartezeit verbundenen Quälerei. Aber auf dem Land hält man ja schließlich zusammen. Ob am Stammtisch, auf Trecker Rallys oder dem Schützenfest. Dorffeste auf denen irgendwelche Königinnen gekrönt werden und es ordentlich Bier fließt gibt es immer irgendwie. Richtige Kultur- und Ausgehangebote sind dagegen eher inexistent, es gibt zwar viel Platz, aber zu wenig Publikum (dann wird sich wohl in den eigenen Partykeller geflüchtet). Ein Traum vom Landlust-Leben ohne Konflikte und Probleme. Realität: es herrscht Arbeitsmangel, Möglichkeiten Bestehendes zu halten und Neues aufzubauen fehlen. Ob Kinos, Theater, Clubs, Bankfilialen,

Supermärkte, Fachärzte… Idylle oder Ödnis? Kein Wunder also, dass die Jugend geht. Für eine gute Zukunft ist es auf dem Land zu schwierig geworden und auch wenn das Internet neue Möglichkeiten geschaffen hat, ist es in manchen Gemeinden ein Fremdwort und Breitfaserkabel kann man vergessen. Zeiten ändern sich, während viele Menschen städtisch leben wollen, sind sie neidisch auf die Wellness-Waldluft, sie stellen Baumstämme in Burger-Läden und trinken Birkenwasser. Natur als Designer-Handy-Hülle oder Duschvorhang. Als Heranwachsender auf dem Land befindest du dich quasi in einem Vielfrontenkrieg, denn neben den alltäglichen Sorgen des Erwachsenwerdens, musst du dich mit quälender Langweile, unzuverlässigen Transportmitteln sowie neugierigen und intoleranten Menschen herumschlagen. „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.“, und die kennen sehr viel nicht. Natürlich kann das auch seine Vorteile haben und du kannst vor Pseudo-Trends à la Hybrid Qinoa Chiasamen Superfood-Bowl mit Avocado und Grünkohl Smoothie, fliehen. Dennoch ist es schwierig, sich inmitten einer ZeroToleranz-Politik mit speziellen Modevorlieben und alternativen Lebensentwürfen auszuleben, zu experimentieren und sich selbst zu finden. Aber wozu sich selbst finden, wenn doch eh jeder jeden kennt. Die Nachbarin weiß über dein Liebesleben bescheid sowie jeder andere, dafür weisst du auch über wirklich alle potenziellen Sexualpartner bescheid. Die Auswahl ist sehr beschränkt und hoffentlich ist man dann nicht noch in irgend einer Weise miteinander verwandt. Denn die Familiengründung sollte schon so spätestens mit 28 Jahren abgeschlossen sein, damit du selbst ein großes Haus mit einem noch größeren Garten kaufen kannst.

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Erst allein, dann zu zweit und plötzlich zu dritt

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1/3

Im Herbst 1980 besuchte Robert Shafran in New York ein College. Auf dem Campus sprachen ihn immer wieder Leute mit dem Namen „Eddy“ an. Klarheit kam mit dem Kommilitonen Edward Galland, sein Zwillingsbruder, von dem er bis dahin nichts wusste. Die Geschichte ging durch die Medien und so wurde David Kellman auf Shafran und Galland aufmerksam. Denn der 19-Jährige konnte sich auch in den Beiden widersehen und zuletzt wurden aus den Zwillingen sogar Drillinge. Doch waren sie alle früh von verschiedenen Familien adoptiert worden. Sie faszinierten die USA, traten in Film und Fernsehen auf. Die drei Familien hatten Fragen , weshalb sie von all dem nichts wussten und wieso man die Babys überhaupt voneinander getrennt hatte?

„Three Identical Strangers“ ist der neue Dokumentarfilm über die Brüder, welche in Wahrheit als Versuchspersonen in einem Experiment dienten. Es sollte Erkenntnisse zur Anlage-Umwelt-Debatte liefern und dementsprechend arbeitenden Psychiater des Child Development Center mit der Adoptionsagentur Louise Wise Services zusammen. Auf diese Weise wurden eineiige Zwillinge und Drillinge an Familien, die verschiedene Umfelder boten, vermittelt um ihre Entwicklung beobachteten zu können. Bis auf die Forscher weiss niemand wieviele Kinder von einer solchen Trennung betroffen waren, denn Ergebnisse dieser Forschung wurden nie veröffentlicht. Auch wenn der Leiter der Studie, der gebürtige Österreicher Dr. Peter Neubauer, 2008 starb, veran-

„Wenn mir jemand anderes diese Geschichte erzählen würde, dann würde ich sie nicht glauben. Aber sie ist wahr, bis ins kleinste Detail.“

lasste er, dass die Yale University alle Unterlagen bis 2065 unter Verschluss zu halten hat bis vermutlich alle Betroffenen nicht mehr am Leben seien. Auch wenn der neue Film versucht alle Fragen zu beantworten, gibt es noch viele Unklarheiten. Nach einem langen Vor und Zurück bekamen sie ihre Akten aus ihrem Geburtsjahr 1961 mit vielen geschwärzten Teilen. Viele gesammelte Daten in einem heillosen Durcheinander. So stellten 10.000 Seiten nur einen Bruchteil des Gesamten dar. Auf die neue Doku „Three Identical Strangers“ reagierten die Verantwortlichen mit Anwälten spezialisiert auf ärztliche Falschbehandlung. Interessant und noch interessanter: die Studie wurde teils von der Regierung finanziert.

Die 50er und 60er Jahre wollte man die Psychologie als seriöse Wissenschaft etablieren, sie befanden sich in einem Paradigmenwechsel und die Psychologie glich dem Wilden Westen. Andere Beispiele, welche heute undenkbar und unethisch wären, waren das Milgram-Experiment* oder das Stanford-Prison-Experiment**. Auch wenn es damals möglich war, wussten die Forscher was sie taten und sogar kontaktierte Adoptionsagenturen waren schlichtweg gegen eine Trennung von Zwillingen oder Drillingen. Denn es geht um Menschenleben, welche noch nachträglich beeinflusst werden. Auch wenn die Brüder anfangs nur in Freude schwelgten, fragten sich andere, ob sie nicht auch wütend auf ihre Trennung seien. Und erst später zeigte sich welche psychischen Symptome aus diesem Trauma entstehen würden. 1995 Edward Galland beging Suizid. Das Ausmaß des eigentlichen Schmerzes wurde erst im Laufe der Zeit klar. Vor allem bei Eddy. Viele Leben wurden zerstört und das völlig ohne Ergebnis.

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Erst allein, dann zu zweit und plötzlich zu dritt

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Im Herbst 1980 besuchte Robert Shafran in New York ein College. Auf dem Campus sprachen ihn immer wieder Leute mit dem Namen „Eddy“ an. Klarheit kam mit dem Kommilitonen Edward Galland, sein Zwillingsbruder, von dem er bis dahin nichts wusste. Die Geschichte ging durch die Medien und so wurde David Kellman auf Shafran und Galland aufmerksam. Denn der 19-Jährige konnte sich auch in den Beiden widersehen und zuletzt wurden aus den Zwillingen sogar Drillinge. Doch waren sie alle früh von verschiedenen Familien adoptiert worden. Sie faszinierten die USA, traten in Film und Fernsehen auf. Die drei Familien hatten Fragen , weshalb sie von all dem nichts wussten und wieso man die Babys überhaupt voneinander getrennt hatte?

„Three Identical Strangers“ ist der neue Dokumentarfilm über die Brüder, welche in Wahrheit als Versuchspersonen in einem Experiment dienten. Es sollte Erkenntnisse zur Anlage-Umwelt-Debatte liefern und dementsprechend arbeitenden Psychiater des Child Development Center mit der Adoptionsagentur Louise Wise Services zusammen. Auf diese Weise wurden eineiige Zwillinge und Drillinge an Familien, die verschiedene Umfelder boten, vermittelt um ihre Entwicklung beobachteten zu können. Bis auf die Forscher weiss niemand wieviele Kinder von einer solchen Trennung betroffen waren, denn Ergebnisse dieser Forschung wurden nie veröffentlicht. Auch wenn der Leiter der Studie, der gebürtige Österreicher Dr. Peter Neubauer, 2008 starb, veran-

„Wenn mir jemand anderes diese Geschichte erzählen würde, dann würde ich sie nicht glauben. Aber sie ist wahr, bis ins kleinste Detail.“

lasste er, dass die Yale University alle Unterlagen bis 2065 unter Verschluss zu halten hat bis vermutlich alle Betroffenen nicht mehr am Leben seien. Auch wenn der neue Film versucht alle Fragen zu beantworten, gibt es noch viele Unklarheiten. Nach einem langen Vor und Zurück bekamen sie ihre Akten aus ihrem Geburtsjahr 1961 mit vielen geschwärzten Teilen. Viele gesammelte Daten in einem heillosen Durcheinander. So stellten 10.000 Seiten nur einen Bruchteil des Gesamten dar. Auf die neue Doku „Three Identical Strangers“ reagierten die Verantwortlichen mit Anwälten spezialisiert auf ärztliche Falschbehandlung. Interessant und noch interessanter: die Studie wurde teils von der Regierung finanziert.

Die 50er und 60er Jahre wollte man die Psychologie als seriöse Wissenschaft etablieren, sie befanden sich in einem Paradigmenwechsel und die Psychologie glich dem Wilden Westen. Andere Beispiele, welche heute undenkbar und unethisch wären, waren das Milgram-Experiment* oder das Stanford-Prison-Experiment**. Auch wenn es damals möglich war, wussten die Forscher was sie taten und sogar kontaktierte Adoptionsagenturen waren schlichtweg gegen eine Trennung von Zwillingen oder Drillingen. Denn es geht um Menschenleben, welche noch nachträglich beeinflusst werden. Auch wenn die Brüder anfangs nur in Freude schwelgten, fragten sich andere, ob sie nicht auch wütend auf ihre Trennung seien. Und erst später zeigte sich welche psychischen Symptome aus diesem Trauma entstehen würden. 1995 Edward Galland beging Suizid. Das Ausmaß des eigentlichen Schmerzes wurde erst im Laufe der Zeit klar. Vor allem bei Eddy. Viele Leben wurden zerstört und das völlig ohne Ergebnis.

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MilgramExperiment* Der Sozialpsychologe Stanley Milgram forschte in den sechziger Jahren, inwieweit Menschen in der Lage sind sich Autoritäten so zu beugen, dass sie offensichtlich „unmenschliche Anordnungen“ befolgen. Angeregt durch die Grausamkeit des NS-Regimes im zweiten Weltkrieg. Hauptsächlich ging es um die Frage, ob es an einem grundsätzlichen Charakterfehler lag oder gibt es bestimmte Situationen und Umstände, unter denen jeder in der Lage wäre, jemand anderen zu quälen und sogar zu töten? Ein „Lehrer“ (eigentliche Versuchsperson) verursacht am Körper eines „Schülers“ (ein Schauspieler) bei einer inkorrekten beantworteten Antwort einen vermeintlichen elektrischen Schlag auf die Anweisung eines Versuchsleiters (auch Schauspieler), welcher bei jeder inkorrekten Antwort eine höhere Intensität des Elektroschocks anordnet.

Anlage-Umwelt-Debatte Formen Umwelteinflüsse oder doch eher Gene unsere Entscheidungsfindung sowie unser Selbst? Entscheidungen können von Ahnen oder Urahnen abhängen. Beim ersten Treffen der Drillinge hatten alle die gleichen Schuhe an ohne richtigen Kontakt zueinander zu haben. Solche Dinge passieren immer und immer wieder. Die Umwelt bildet dazu das Gegengewicht. Doch auch wenn uns unsere Gene in eine bestimmte Richtung treiben, rechtfertigt das nicht, was wir später aus uns machen und wer

Stanford-PrisonExperiment**

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(verfilmt 2015) Es sollte untersucht werden, wie leicht sich Menschen mit der Rolle eines Wärters oder Gefangenen identifizieren würden. Philip Zimbardo wollte so 1971 herausfinden, ob der Grund der Brutalität der amerikanischen Gefängnisswachen auf eine sadistische Persönlichkeit des Wächters oder auf die Gefängnisumgebung zurückzuführen war. So spielten 24 gewöhnliche Studenten nach dem Zufallsprinzip einen Wärter oder einen Gefangenen. Anonymität wurde durch Kleidung und Nummern anstelle von Namen erzeugt und die Wächter sollten alles tun, was sie für nötig hielten, um Gesetz und Ordnung im Gefängnis beizubehalten und den Respekt der Gefangenen zu sichern, körperliche Gewalt war nicht erlaubt. Das Experiment wurde nach sechs Tagen und damit acht Tage zu früh beendet. Grund war der fortschreitende Verlust von Kontrolle, denn schon am zweiten Tag gab es einen Gefangenenaufstand, welcher von den Wärtern mit Feuerlöschern aufgelöst wurde und als Strafe wurde ihnen ihre Kleidung entzogen, immer häufiger die Toilette sowie Essen verweigert und es kam zu Demütigungen. Speziell bei Nacht, wenn die Wärter dachten, sie würden nicht mehr anaylisiert, zeigten manche sadistische Verhaltensweisen. So mussten die Wissenschaftler selbst eingreifen.

wir werden.


MilgramExperiment* Der Sozialpsychologe Stanley Milgram forschte in den sechziger Jahren, inwieweit Menschen in der Lage sind sich Autoritäten so zu beugen, dass sie offensichtlich „unmenschliche Anordnungen“ befolgen. Angeregt durch die Grausamkeit des NS-Regimes im zweiten Weltkrieg. Hauptsächlich ging es um die Frage, ob es an einem grundsätzlichen Charakterfehler lag oder gibt es bestimmte Situationen und Umstände, unter denen jeder in der Lage wäre, jemand anderen zu quälen und sogar zu töten? Ein „Lehrer“ (eigentliche Versuchsperson) verursacht am Körper eines „Schülers“ (ein Schauspieler) bei einer inkorrekten beantworteten Antwort einen vermeintlichen elektrischen Schlag auf die Anweisung eines Versuchsleiters (auch Schauspieler), welcher bei jeder inkorrekten Antwort eine höhere Intensität des Elektroschocks anordnet.

Anlage-Umwelt-Debatte Formen Umwelteinflüsse oder doch eher Gene unsere Entscheidungsfindung sowie unser Selbst? Entscheidungen können von Ahnen oder Urahnen abhängen. Beim ersten Treffen der Drillinge hatten alle die gleichen Schuhe an ohne richtigen Kontakt zueinander zu haben. Solche Dinge passieren immer und immer wieder. Die Umwelt bildet dazu das Gegengewicht. Doch auch wenn uns unsere Gene in eine bestimmte Richtung treiben, rechtfertigt das nicht, was wir später aus uns machen und wer

Stanford-PrisonExperiment**

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(verfilmt 2015) Es sollte untersucht werden, wie leicht sich Menschen mit der Rolle eines Wärters oder Gefangenen identifizieren würden. Philip Zimbardo wollte so 1971 herausfinden, ob der Grund der Brutalität der amerikanischen Gefängnisswachen auf eine sadistische Persönlichkeit des Wächters oder auf die Gefängnisumgebung zurückzuführen war. So spielten 24 gewöhnliche Studenten nach dem Zufallsprinzip einen Wärter oder einen Gefangenen. Anonymität wurde durch Kleidung und Nummern anstelle von Namen erzeugt und die Wächter sollten alles tun, was sie für nötig hielten, um Gesetz und Ordnung im Gefängnis beizubehalten und den Respekt der Gefangenen zu sichern, körperliche Gewalt war nicht erlaubt. Das Experiment wurde nach sechs Tagen und damit acht Tage zu früh beendet. Grund war der fortschreitende Verlust von Kontrolle, denn schon am zweiten Tag gab es einen Gefangenenaufstand, welcher von den Wärtern mit Feuerlöschern aufgelöst wurde und als Strafe wurde ihnen ihre Kleidung entzogen, immer häufiger die Toilette sowie Essen verweigert und es kam zu Demütigungen. Speziell bei Nacht, wenn die Wärter dachten, sie würden nicht mehr anaylisiert, zeigten manche sadistische Verhaltensweisen. So mussten die Wissenschaftler selbst eingreifen.

wir werden.


Kameruns

Tabuthema Die Sex-App

Kamerun ist ein konservatives westafrikanisches Land und Sex dort ein absolutes Tabuthema. Für Eltern scheint es dort unmöglich zu sein ihre eigenen Kinder die nötige Aufklärung zu geben. So ist Valerie Akaba aus Kamerun auch beschämt als sie zum ersten Mal ihre Tage bekam, sie glaubt, die Blutung könne eine Krankheit sein. Mit 15 Jahren wird sie schwanger. „Ich war im vierten Monat und wusste es nicht. Die Regelblutungen hatten aufgehört und ich dachte, ich sei auf wundersame Art von einer Krankheit geheilt worden“, und sie ist kein Einzelfall. Valerie treibt illegal ab und verliert dabei fast ihr Leben.

90

Die Pubertät ist eine sehr intensive Zeit für den Menschen, vieles verändert sich emotional und körperlich. Ohne jegliche Aufklärung wird man mit den Veränderungen und wichtigen Entscheidungen über und für den eigenen Körper alleine gelassen wie zum Beispiel für die sexuelle Gesundheit. 2014 fand das Gutmacher-Institut heraus, dass etwa 40% aller Schwangerschaften in dem afrikanischen Land ungeplant waren und von diesen Mädchen und Frauen mehr als ein Drittel mit unsicheren Verfahren abtreiben mussten. Dazu kommt,

dass knapp 15% aller Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren mindestens einmal schwanger waren. Teenager haben kaum Wissen über HIV, Geschlechtskrankheiten, Familienplanung oder einfach nur Sex an sich. Mallah Tabot (28) entwickelte 2016 die App „Ndolo360“ mit welcher der Nutzer durch anonyme Fragen Hilfe zu Themen wie Sexualhygiene, sexuelle Gesundheit und Familienplanung in Englisch oder Französisch bekommen kann. Ärzte und Sozialarbeiter sind die Sexperten der App und Spiele, Quiz sowie eine landesweite Datenbank mit Einrichtungen für Jugendliche sind in dort zu finden. Der Name der App „Ndolo“ bedeutet „Liebe“ in der Sprache der Duala-Volksgruppe. „Ndolo360“ könnte Teenager-Schwangerschaften, die erhöhten HIV-Infektionsraten, Sterblichkeit und Erkrankungen senken. Potenzial, kulturelle Barrieren zu umgehen, könnte die App haben, meint auch Rogers Ajeh (Entwicklungsforschung in Kameruns). Er schlägt zudem vor, mit eingebauter Software statistische Daten zu sammeln, um den wirklichen Effekt der App zu messen.

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Kameruns

Tabuthema Die Sex-App

Kamerun ist ein konservatives westafrikanisches Land und Sex dort ein absolutes Tabuthema. Für Eltern scheint es dort unmöglich zu sein ihre eigenen Kinder die nötige Aufklärung zu geben. So ist Valerie Akaba aus Kamerun auch beschämt als sie zum ersten Mal ihre Tage bekam, sie glaubt, die Blutung könne eine Krankheit sein. Mit 15 Jahren wird sie schwanger. „Ich war im vierten Monat und wusste es nicht. Die Regelblutungen hatten aufgehört und ich dachte, ich sei auf wundersame Art von einer Krankheit geheilt worden“, und sie ist kein Einzelfall. Valerie treibt illegal ab und verliert dabei fast ihr Leben.

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Die Pubertät ist eine sehr intensive Zeit für den Menschen, vieles verändert sich emotional und körperlich. Ohne jegliche Aufklärung wird man mit den Veränderungen und wichtigen Entscheidungen über und für den eigenen Körper alleine gelassen wie zum Beispiel für die sexuelle Gesundheit. 2014 fand das Gutmacher-Institut heraus, dass etwa 40% aller Schwangerschaften in dem afrikanischen Land ungeplant waren und von diesen Mädchen und Frauen mehr als ein Drittel mit unsicheren Verfahren abtreiben mussten. Dazu kommt,

dass knapp 15% aller Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren mindestens einmal schwanger waren. Teenager haben kaum Wissen über HIV, Geschlechtskrankheiten, Familienplanung oder einfach nur Sex an sich. Mallah Tabot (28) entwickelte 2016 die App „Ndolo360“ mit welcher der Nutzer durch anonyme Fragen Hilfe zu Themen wie Sexualhygiene, sexuelle Gesundheit und Familienplanung in Englisch oder Französisch bekommen kann. Ärzte und Sozialarbeiter sind die Sexperten der App und Spiele, Quiz sowie eine landesweite Datenbank mit Einrichtungen für Jugendliche sind in dort zu finden. Der Name der App „Ndolo“ bedeutet „Liebe“ in der Sprache der Duala-Volksgruppe. „Ndolo360“ könnte Teenager-Schwangerschaften, die erhöhten HIV-Infektionsraten, Sterblichkeit und Erkrankungen senken. Potenzial, kulturelle Barrieren zu umgehen, könnte die App haben, meint auch Rogers Ajeh (Entwicklungsforschung in Kameruns). Er schlägt zudem vor, mit eingebauter Software statistische Daten zu sammeln, um den wirklichen Effekt der App zu messen.

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TOGETHER

STAY

* we are


TOGETHER

STAY

* we are


Vorurteile

Hässlich & fest verankert

Intolerant? Wer? Ich? Wer ist schon gerne intolerant gegenüber Ausländern in unserem tollen Land und gegenüber ihrer Religion. Gegen Schwule hat doch heute eigentlich auch keiner mehr was und die Frau? Die sind doch schon mehr als genug gleichgestellt. Akzeptanz für jeden und jede Lebensform ist vielleicht doch etwas schwerer als gedacht, wenn man sieht, dass 52 Prozent der Bevölkerung meinen, Deutschland sei in einem gefährlichen Maße überfremdet sowie das der Islam eine gefährliche und intolerante Religion sei. Zudem fordert die Mehrheit der Europäer, dass Frauen ihre Rolle als Ehefrau und Mutter ernster nehmen sollten. Es sind bestimmte Bilder, welche uns andere Menschen schneller einordnen beziehungsweise kategorisieren lassen, aber vielleicht nicht der Wirklichkeit entsprechen und ihnen gewisse, aber falsche Eigenschaften vermitteln. Sei es auch nur die dumme Blondine oder der verwöhnt reiche Erbe. Jeder hat Vorurteile und jeder kann selbst auch schnell in einer Schublade landen, denn Vorurteile sind eine zutiefst menschliche Eigenschaft und fest im Gehirn verankert. Wobei Vorurteile nicht der eigentlichen Realität entsprechen, sie sind ein Fehler der Wahrnehmung und so ein Aufmerksamkeitsphänomen, die Gesellschaft betreffend. Sie schaden dem sozialen Zusammenleben und kostet zudem der Wirtschaft Geld. Nur mit einem türkischen Namen und sonst den identischen Angaben, ist eine Chance auf ein Vorstellungsgespräch 24 Prozent geringer. Arbeitgeber lassen Stellen oft lieber unbesetzt als Hartz-IV-Empfänger einzustellen und zahlen Frauen bei gleicher Tätigkeit acht Prozent weniger Gehalt als den Männern. Und sei dies nicht genug, ergab eine Untersuchung der Universität Duisburg-Essen, dass regelmäßig diskriminierte Menschen häufiger erkranken, schlechtere Leistungen erbringen und das Interesse an ihrer Integration verlieren. Schaden nimmt die gesamten Volkswirtschaft und Roland Berger (Unternehmensberater) schätzt, dass deutsche Firmen jährlich 21 Milliarden Euro sparen könnten, wenn ihr Personal bunt gemischt wäre. Dies würde weiteres Wissen, sei es kulturelles oder über die Frau, bringen und somit neue Kunden.

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Vorurteile

Hässlich & fest verankert

Intolerant? Wer? Ich? Wer ist schon gerne intolerant gegenüber Ausländern in unserem tollen Land und gegenüber ihrer Religion. Gegen Schwule hat doch heute eigentlich auch keiner mehr was und die Frau? Die sind doch schon mehr als genug gleichgestellt. Akzeptanz für jeden und jede Lebensform ist vielleicht doch etwas schwerer als gedacht, wenn man sieht, dass 52 Prozent der Bevölkerung meinen, Deutschland sei in einem gefährlichen Maße überfremdet sowie das der Islam eine gefährliche und intolerante Religion sei. Zudem fordert die Mehrheit der Europäer, dass Frauen ihre Rolle als Ehefrau und Mutter ernster nehmen sollten. Es sind bestimmte Bilder, welche uns andere Menschen schneller einordnen beziehungsweise kategorisieren lassen, aber vielleicht nicht der Wirklichkeit entsprechen und ihnen gewisse, aber falsche Eigenschaften vermitteln. Sei es auch nur die dumme Blondine oder der verwöhnt reiche Erbe. Jeder hat Vorurteile und jeder kann selbst auch schnell in einer Schublade landen, denn Vorurteile sind eine zutiefst menschliche Eigenschaft und fest im Gehirn verankert. Wobei Vorurteile nicht der eigentlichen Realität entsprechen, sie sind ein Fehler der Wahrnehmung und so ein Aufmerksamkeitsphänomen, die Gesellschaft betreffend. Sie schaden dem sozialen Zusammenleben und kostet zudem der Wirtschaft Geld. Nur mit einem türkischen Namen und sonst den identischen Angaben, ist eine Chance auf ein Vorstellungsgespräch 24 Prozent geringer. Arbeitgeber lassen Stellen oft lieber unbesetzt als Hartz-IV-Empfänger einzustellen und zahlen Frauen bei gleicher Tätigkeit acht Prozent weniger Gehalt als den Männern. Und sei dies nicht genug, ergab eine Untersuchung der Universität Duisburg-Essen, dass regelmäßig diskriminierte Menschen häufiger erkranken, schlechtere Leistungen erbringen und das Interesse an ihrer Integration verlieren. Schaden nimmt die gesamten Volkswirtschaft und Roland Berger (Unternehmensberater) schätzt, dass deutsche Firmen jährlich 21 Milliarden Euro sparen könnten, wenn ihr Personal bunt gemischt wäre. Dies würde weiteres Wissen, sei es kulturelles oder über die Frau, bringen und somit neue Kunden.

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Aber wieso machen wir uns dieses gesamte Theater denn selbst so schwer? Die Schablonen des menschlichen Denkens bilden sich schon früh, denn sie sind Teil unserer Entwicklung. Wenn Kinder von ihrer Umgebung lernen und versuchen die Welt zu verstehen, ordnen sie sie in Gut und Böse ein. Auch als Erwachsene speichern wir Wissen in solchen assoziativen Netzen ab, ausgehend von den Konzepten in unserem Kopf. So kategorisieren wir spezifische Eigenschaften oder Verhaltensweisen, nur weil sie einer bestimmten Gruppe angehören. Martin Korte (Hirnforscher) erklärt: „Vorurteile sind Übergeneralisierungen unseres Gehirns“. So spart das Gehirn an Energie bei der Informationsverarbei-

tung, denn je schneller ein Mensch sein Umfeld einordnen kann, desto mehr Kapazitäten bleiben für andere Denkvorgänge. Und desto schneller kann er auf Gefahren reagieren. Kommt uns etwas sonderbar vor, wie etwa eine vermummte und dunkle Gestalt nachts auf der Straße, greift das Gehirn auf erlerntes zurück. Blitzschnell rechnen die Nervenzellen Wahrscheinlichkeiten durch und aktivieren die zuständigen Areale. Die Mandelkerne, welche im Gehirn emotional Bewerten und Wiedererkennen und mögliche Gefahren analysiert, externe Impulse verarbeitet und so dann eine nervliche Reaktion eingeleitet. Basalganglien, der Ort im Gehirn, an welchem eingespielte Bewegungsabläufe abgelegt sind, lassen uns fast automatisch den Schritt beschleunigen.

Entscheidend ist nicht die tatsächliche Gefahr, sondern die Bilder und Informationen, die im Gedächtnis gespeichert sind. Sie dienen als Interpretations- und Verhaltenshilfen, als Heuristik. Kleidung, Herkunft oder Beruf geben so schnell Hinweise, wie wir den Menschen für uns einordnen können. Andreas Zick (Prof. für Sozialpsychologie) erweiterte: „Der Mensch ist evolutionär noch nicht klug genug, die Umwelt so wahrzunehmen, wie sie ist. Er muss kategorisieren, um die Informationsflut zu reduzieren. Vor allem in der Not, wenn wir Angst haben oder gestresst sind, verfallen wir ihrer Klarheit und stabilisierenden Wirkung.“ Das sei einfach menschlich, aber entspricht nicht einer realistischen Wahrnehmung. Beim Anlegen der Denkschablonen saugt das Gehirn

je nach Häufigkeit und Intensität des Erlebens, dieses auf. Jedoch steht die Interpretation des Erlebten vor dem Wahrheitsgehalt der Informationen. Wenn nach einem Anschlag Medien und Politiker immer wieder von Selbstmordattentätern und dem Islam sprechen, speichert das Gehirn diese Verbindung ab und aktiviert das erlernte in ähnlichen Situationen, unabhängig davon wie rassistisch man eigentlich ist. Einmal verinnerlicht kontrollieren Vorurteile deine Informationsverarbeitung und sorgen so erneut für Bestätigung. „Was mit unseren Vorstellungen zusammenpasst, sehen wir schneller, gewichten wir stärker und glauben wir eher.“ Informationen, welche dem Erlernten widersprechen, werden eher als Ausnahme wahrgenommen.

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Aber wieso machen wir uns dieses gesamte Theater denn selbst so schwer? Die Schablonen des menschlichen Denkens bilden sich schon früh, denn sie sind Teil unserer Entwicklung. Wenn Kinder von ihrer Umgebung lernen und versuchen die Welt zu verstehen, ordnen sie sie in Gut und Böse ein. Auch als Erwachsene speichern wir Wissen in solchen assoziativen Netzen ab, ausgehend von den Konzepten in unserem Kopf. So kategorisieren wir spezifische Eigenschaften oder Verhaltensweisen, nur weil sie einer bestimmten Gruppe angehören. Martin Korte (Hirnforscher) erklärt: „Vorurteile sind Übergeneralisierungen unseres Gehirns“. So spart das Gehirn an Energie bei der Informationsverarbei-

tung, denn je schneller ein Mensch sein Umfeld einordnen kann, desto mehr Kapazitäten bleiben für andere Denkvorgänge. Und desto schneller kann er auf Gefahren reagieren. Kommt uns etwas sonderbar vor, wie etwa eine vermummte und dunkle Gestalt nachts auf der Straße, greift das Gehirn auf erlerntes zurück. Blitzschnell rechnen die Nervenzellen Wahrscheinlichkeiten durch und aktivieren die zuständigen Areale. Die Mandelkerne, welche im Gehirn emotional Bewerten und Wiedererkennen und mögliche Gefahren analysiert, externe Impulse verarbeitet und so dann eine nervliche Reaktion eingeleitet. Basalganglien, der Ort im Gehirn, an welchem eingespielte Bewegungsabläufe abgelegt sind, lassen uns fast automatisch den Schritt beschleunigen.

Entscheidend ist nicht die tatsächliche Gefahr, sondern die Bilder und Informationen, die im Gedächtnis gespeichert sind. Sie dienen als Interpretations- und Verhaltenshilfen, als Heuristik. Kleidung, Herkunft oder Beruf geben so schnell Hinweise, wie wir den Menschen für uns einordnen können. Andreas Zick (Prof. für Sozialpsychologie) erweiterte: „Der Mensch ist evolutionär noch nicht klug genug, die Umwelt so wahrzunehmen, wie sie ist. Er muss kategorisieren, um die Informationsflut zu reduzieren. Vor allem in der Not, wenn wir Angst haben oder gestresst sind, verfallen wir ihrer Klarheit und stabilisierenden Wirkung.“ Das sei einfach menschlich, aber entspricht nicht einer realistischen Wahrnehmung. Beim Anlegen der Denkschablonen saugt das Gehirn

je nach Häufigkeit und Intensität des Erlebens, dieses auf. Jedoch steht die Interpretation des Erlebten vor dem Wahrheitsgehalt der Informationen. Wenn nach einem Anschlag Medien und Politiker immer wieder von Selbstmordattentätern und dem Islam sprechen, speichert das Gehirn diese Verbindung ab und aktiviert das erlernte in ähnlichen Situationen, unabhängig davon wie rassistisch man eigentlich ist. Einmal verinnerlicht kontrollieren Vorurteile deine Informationsverarbeitung und sorgen so erneut für Bestätigung. „Was mit unseren Vorstellungen zusammenpasst, sehen wir schneller, gewichten wir stärker und glauben wir eher.“ Informationen, welche dem Erlernten widersprechen, werden eher als Ausnahme wahrgenommen.

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Wann wird aus Vorurteilen die Wirklichkeit? Das Denken in Vorurteilen verzerrt nicht nur die Wahrnehmung der Realität, es kann aus Vorurteilen sogar Wirklichkeit werden. Robert Rosenthal (Harvard-Psychologe) und Leonore Jacobson (Grundschuldirektorin) machten in den sechziger Jahren ein sozialpsychologisches Experiment, in wieweit positive Vorurteile Schülern helfen könnten. Die Forscher erzählten Lehrern, dass, nach wissenschaftlichen Tests, einige Schüler kurz vor einem intellektuellen Entwicklungsschub stünden, doch waren diese eigentlich willkürlich ausgewählt. Nach acht Monaten wurden die Leistungen der Schüler erneut verglichen und so schnitten sie in einem IQ-Test tatsächlich weit besser ab als zu Beginn der Studie. Die durch die Forscher veränderte Erwartung den Schülern gegenüber, veränderte den Umgang mit den Schülern und veränderte so auch Realität. Doch wirklich schade ist, dass wir uns von Vorurteilen über uns selbst beeinflussen lassen und unser Selbstbild ändert. Bei einem Leistungstest der Stanford University etwa, schnitten Afroamerikaner schlechter ab, wenn sie zuvor ihren Namen, ihr Alter sowie ihre Hautfarbe angeben mussten. Verinnerlicht dabei das gängige Bild der USA von Dunkelhäutigen. Hören zum Beispiel Männer bei einem Sprachtest, dass Geschlechterunterschiede gemessen werden sollen, lösen sie die Aufgaben viel langsamer und vorsichtiger, als wenn sie nicht an ihr Geschlecht und damit verbundene Erwartungen erinnert werden. Frauen geht es ebenso bei Mathematiktests und Fahrsimulationen. Und blonde Studentinnen, die vor einem Intelligenztest Blondinenwitze lesen, schneiden schlechter ab als diejenigen, die andere Witze lesen. Die Vorurteile, die die Kultur vermittelt, beeinflussen also unsere Leistungen, im Negativen wie im Positiven. In China gelten alte Menschen etwa als aktiv, weise und wichtig. Becca Levy (Yale-Forscherin) zeigte in mehreren Studien, dass sich dort die Gedächtnisleistungen junger und alter Menschen kaum unterscheidet, anders als in den USA.

98

Einfach mal Nachdenken Vorurteile ganz von sich fern zu halten ist unmöglich, doch zu verstehen welche Funktion sie haben und wie sie unserer Wahrnehmung trügen können, kann uns helfen verantwortungsbewusst mit ihnen umzugehen und so letztendlich auch bessere Entscheidungen zu treffen.

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Wann wird aus Vorurteilen die Wirklichkeit? Das Denken in Vorurteilen verzerrt nicht nur die Wahrnehmung der Realität, es kann aus Vorurteilen sogar Wirklichkeit werden. Robert Rosenthal (Harvard-Psychologe) und Leonore Jacobson (Grundschuldirektorin) machten in den sechziger Jahren ein sozialpsychologisches Experiment, in wieweit positive Vorurteile Schülern helfen könnten. Die Forscher erzählten Lehrern, dass, nach wissenschaftlichen Tests, einige Schüler kurz vor einem intellektuellen Entwicklungsschub stünden, doch waren diese eigentlich willkürlich ausgewählt. Nach acht Monaten wurden die Leistungen der Schüler erneut verglichen und so schnitten sie in einem IQ-Test tatsächlich weit besser ab als zu Beginn der Studie. Die durch die Forscher veränderte Erwartung den Schülern gegenüber, veränderte den Umgang mit den Schülern und veränderte so auch Realität. Doch wirklich schade ist, dass wir uns von Vorurteilen über uns selbst beeinflussen lassen und unser Selbstbild ändert. Bei einem Leistungstest der Stanford University etwa, schnitten Afroamerikaner schlechter ab, wenn sie zuvor ihren Namen, ihr Alter sowie ihre Hautfarbe angeben mussten. Verinnerlicht dabei das gängige Bild der USA von Dunkelhäutigen. Hören zum Beispiel Männer bei einem Sprachtest, dass Geschlechterunterschiede gemessen werden sollen, lösen sie die Aufgaben viel langsamer und vorsichtiger, als wenn sie nicht an ihr Geschlecht und damit verbundene Erwartungen erinnert werden. Frauen geht es ebenso bei Mathematiktests und Fahrsimulationen. Und blonde Studentinnen, die vor einem Intelligenztest Blondinenwitze lesen, schneiden schlechter ab als diejenigen, die andere Witze lesen. Die Vorurteile, die die Kultur vermittelt, beeinflussen also unsere Leistungen, im Negativen wie im Positiven. In China gelten alte Menschen etwa als aktiv, weise und wichtig. Becca Levy (Yale-Forscherin) zeigte in mehreren Studien, dass sich dort die Gedächtnisleistungen junger und alter Menschen kaum unterscheidet, anders als in den USA.

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Einfach mal Nachdenken Vorurteile ganz von sich fern zu halten ist unmöglich, doch zu verstehen welche Funktion sie haben und wie sie unserer Wahrnehmung trügen können, kann uns helfen verantwortungsbewusst mit ihnen umzugehen und so letztendlich auch bessere Entscheidungen zu treffen.

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SEX & FINANZEN

SAME BUT DIFFERENT

Alle machen es und keiner spricht darüber. Gerne wird geprahlt, aber es steckt nichts dahinter. Sich weiterentwickeln und lernen kann man nur in offener Kommunikation. Wenn man sich mit anderen vergleicht, geht es immer größer, besser, schneller.

Und auch wenn der personal finance-Thematik das Sexappeal fehlt, ist es auch so schon negativ genug belegt. Wobei attraktive Frauen mit wenig Bekleidung schnell mit Geld in Verbindung gebracht werden. Doch beide haben wohl mit ihrem Image zu kämpfen: Es ist verrucht, wenn man damit spielt.

100

Wieso halten wir uns so zurück? Sollte man nicht meinen, dass Freunde dafür da sind sein Herz bei ihnen auszuschütten? Und dabei bieten beide Bereiche so viel Mehrwert und Potential für Erfahrung, wenn man sich nur austauschen würde. Wieso man welche Entscheidung für sich trifft und sie vielleicht mit jemandem nochmal zu Überdenken. „Wer, wie, was. Wieso, weshalb, warum. Wer nicht fragt bleibt dumm!“ Und auch wenn wir alle mit dem Singsang der Sesamstraße aufgewachsen sind, wird nirgendwo auf der Welt so wenig über Geld gesprochen wie in Deutschland. Eine repräsentativen Umfrage der Postbank ergab, dass für etwa 64% der Deutschen Geld ein absolutes Tabuthema

ist, unabhängig vom Geschlecht. Aber seinen finanziellen Erfolg ungeniert zu zeigen, bringt in unserem Land auch schnell Neid und Missgunst. Der Deutsche, der notorische Nörgler, leicht unterkühlt, distanziert und ziemlich humorlos, steckt in seiner natürlichen Steifheit fest. Aber wer soll denn dann für einen nach einer Gehaltserhöhung fragen? Dein bester Wingman, der eigentlich deine Dates für dich klar macht? Aber wir können aufatmen, denn der jüngere Teil der Bevölkerung macht nicht so ein Tamtam um Finanzen. Wahrscheinlich auch durch die Anonymität in den sozialen Medien. Dabei halfen die ehrlichen Empfehlungen der Anderen bei der Entscheidungsfindung. Wobei 59 % in der Studie nicht wissen, was der eigene Partner verdient, haben sie einen sehr guten Überblick über ihre eigenen Finanzen. Der erste Ratschlag bei jedem Sextipp ist mit einander kommunizieren, sich austauschen, was gefällt und was nicht. Und auch wenn Sex in

Werbung und Medien nun allgegenwärtig ist, haben wir seltener Sex als noch in den Fünfzigern. Jedoch eine Steigerungsrate der bei der Masturbation. Traurig irgendwie. Und obwohl wir Deutsche entgegen unserer Klischees kontaktfreudiger sind als vermutet, sprechen nur knapp zwei von drei Deutschen kaum selbst mit guten Freunden über Sex. Aber vielleicht liegt es auch am heutigen Leistungsdruck und der mediale Bombardierung. Gründe, Gründe, Gründe… Aber schüttet doch einfach euer Herz bei euren Lieben aus, egal um welches Thema es geht! Vergleichen ist ungesund, auch wenn es dem Menschen eigentlich bei der Orientierung von Maßstäben hilft. Aber sobald wir unsere eigenen gefühlten Werte als Mensch vom Vergleich abhängig machen, stürzen wir uns in die Unzufriedenheit. Neid und Missgunst entstehen und wenn man in der Lage ist zu sagen: „ Das bin ICH, so wie ICH bin und das ist gut so!“, kann der eigene Selbstwert stabil bleiben.

Sexualität

64%

Finanzen

61%

Beziehungsprobleme

49%

Geldsorgen

48%

Familienprobleme Tod

39% 33%

Liebe/Zuneigung 25% Krankheit

22%

Religiösität 18% Politik

12%

101


SEX & FINANZEN

SAME BUT DIFFERENT

Alle machen es und keiner spricht darüber. Gerne wird geprahlt, aber es steckt nichts dahinter. Sich weiterentwickeln und lernen kann man nur in offener Kommunikation. Wenn man sich mit anderen vergleicht, geht es immer größer, besser, schneller.

Und auch wenn der personal finance-Thematik das Sexappeal fehlt, ist es auch so schon negativ genug belegt. Wobei attraktive Frauen mit wenig Bekleidung schnell mit Geld in Verbindung gebracht werden. Doch beide haben wohl mit ihrem Image zu kämpfen: Es ist verrucht, wenn man damit spielt.

100

Wieso halten wir uns so zurück? Sollte man nicht meinen, dass Freunde dafür da sind sein Herz bei ihnen auszuschütten? Und dabei bieten beide Bereiche so viel Mehrwert und Potential für Erfahrung, wenn man sich nur austauschen würde. Wieso man welche Entscheidung für sich trifft und sie vielleicht mit jemandem nochmal zu Überdenken. „Wer, wie, was. Wieso, weshalb, warum. Wer nicht fragt bleibt dumm!“ Und auch wenn wir alle mit dem Singsang der Sesamstraße aufgewachsen sind, wird nirgendwo auf der Welt so wenig über Geld gesprochen wie in Deutschland. Eine repräsentativen Umfrage der Postbank ergab, dass für etwa 64% der Deutschen Geld ein absolutes Tabuthema

ist, unabhängig vom Geschlecht. Aber seinen finanziellen Erfolg ungeniert zu zeigen, bringt in unserem Land auch schnell Neid und Missgunst. Der Deutsche, der notorische Nörgler, leicht unterkühlt, distanziert und ziemlich humorlos, steckt in seiner natürlichen Steifheit fest. Aber wer soll denn dann für einen nach einer Gehaltserhöhung fragen? Dein bester Wingman, der eigentlich deine Dates für dich klar macht? Aber wir können aufatmen, denn der jüngere Teil der Bevölkerung macht nicht so ein Tamtam um Finanzen. Wahrscheinlich auch durch die Anonymität in den sozialen Medien. Dabei halfen die ehrlichen Empfehlungen der Anderen bei der Entscheidungsfindung. Wobei 59 % in der Studie nicht wissen, was der eigene Partner verdient, haben sie einen sehr guten Überblick über ihre eigenen Finanzen. Der erste Ratschlag bei jedem Sextipp ist mit einander kommunizieren, sich austauschen, was gefällt und was nicht. Und auch wenn Sex in

Werbung und Medien nun allgegenwärtig ist, haben wir seltener Sex als noch in den Fünfzigern. Jedoch eine Steigerungsrate der bei der Masturbation. Traurig irgendwie. Und obwohl wir Deutsche entgegen unserer Klischees kontaktfreudiger sind als vermutet, sprechen nur knapp zwei von drei Deutschen kaum selbst mit guten Freunden über Sex. Aber vielleicht liegt es auch am heutigen Leistungsdruck und der mediale Bombardierung. Gründe, Gründe, Gründe… Aber schüttet doch einfach euer Herz bei euren Lieben aus, egal um welches Thema es geht! Vergleichen ist ungesund, auch wenn es dem Menschen eigentlich bei der Orientierung von Maßstäben hilft. Aber sobald wir unsere eigenen gefühlten Werte als Mensch vom Vergleich abhängig machen, stürzen wir uns in die Unzufriedenheit. Neid und Missgunst entstehen und wenn man in der Lage ist zu sagen: „ Das bin ICH, so wie ICH bin und das ist gut so!“, kann der eigene Selbstwert stabil bleiben.

Sexualität

64%

Finanzen

61%

Beziehungsprobleme

49%

Geldsorgen

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Familienprobleme Tod

39% 33%

Liebe/Zuneigung 25% Krankheit

22%

Religiösität 18% Politik

12%

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* echtsein

stay real

* echtsein

stay real


* echtsein

stay real

* echtsein

stay real


à la 1894

SEX-TIPPS

1894 veröffentlichte Ruth Smythers „Sex Tips For Husbands and Wives“ in England. Mit heutzutage skurrilen und unvorstellbaren Tipps wollte sie eigentlich jungen Ehefrauen bei der Verhütung helfen, da meißt die Methode der Vernunft, die einzige war. #1 Verweigerung unter allen Umständen Vorsicht: Männer fordern - wenn man sich ihnen nicht verweigert - jeden Tag (!) Sex ein. Unbedingt querstellen! #2 Passive Aggression Wenn der Mann versucht, ihre Lippen zu küssen, sollte die Frau ihren Kopf langsam zur Seite drehen, sodass seine Lippen stattdessen ihre Wange treffen. Wenn er ihre Hand küsst, sollte sie eine Faust machen. #3 Kopfschmerzen vortäuschen Müdigkeit und Kopfschmerzen sind die besten Freunde der Ehefrau! Am besten täuscht man sie abends eine Stunde vor der üblichen Schlafenszeit vor. #4 Er wird sich (hoffentlich) im Dunkeln wehtun Ist Sex nicht zu verhindern, sollte die Frau vor dem Mann im Schlafzimmer sein, alle Lichter ausmachen und sich ins Bett legen. Wenn er dann ins dunkle Zimmer tappt, sollte sie mucksmäuschenstill sein und ihn im Dunkeln umherirren lassen. Es besteht immer die Chance, dass er stolpern oder sich wehtun wird. So kann man dem Unheil vielleicht noch entgehen. #5 Licht aus und tot stellen Kommt es dennoch zum Sex, sollte er nur in totaler Dunkelheit passieren. Und die Ehefrau sollte sich dabei tot stellen! Jede noch so kleine Regung könnte vom Ehemann fälschlicherweise als Lust gedeutet werden. #6 Sex = Fortpflanzung Perfekt ist ein Ehemann, der sich seiner Frau nur für den Zweck der Fortpflanzung nähert. So viel Selbstlosigkeit sei aber von einem Mann in der Regel nicht zu erwarten.

#7 Nicht Missionarsstellung? Pervers! Männer sind von Natur aus eher pervers und wollen neben dem reinen Sexakt auch den weiblichen Körper abküssen. Außerdem wollen sie mitunter ihre eigene Abscheulichkeit ihrem Mund annähern. Bäh! #8 Niemals nackt zeigen Nacktheit ist unter allen Umständen zu vermeiden. Eine kluge Ehefrau wird es ihrem Ehemann niemals erlauben, sie nackt zu sehen, und wird es ihm auch nicht erlauben, sich vor ihr nackt zu zeigen. #9 Bloß keine Romantik Wenn Sex passieren muss, sollte die Frau dem Ehemann klar machen, dass der Akt ohne jede Emotion und Romantik stattfinden wird. Sie sollte ihm nur erlauben, ihren Schlafrock bis zur Hüfte hochzuschieben. Er selbst darf lediglich seine Pyjamahose aufknöpfen. #10 Über den Haushalt reden ... Dirty Talk: Während des Akts sollte die Ehefrau entweder absolut still sein ODER ohne Punkt und Komma über ihre Hausarbeit reden. #11 Wenn nichts hilft: pinkeln Wenn er ihren Schlafrock anhebt, um sie woanders als auf den Mund zu küssen, sollte sie schnell aus dem Bett springen und ankündigen, dass die Natur sie nötige, die Toilette aufzusuchen. Das wird sein Verlangen, sie dort zu küssen, dämpfen. #12 Nach dem Sex ungemütlich werden Ist der Sex vorbei, sollte die kluge Ehefrau verhindern, dass der Mann friedlich einschlummert. Vielmehr sollte sie lauthals darüber zetern, welche Aufgaben er am nächsten Tag zu erledigen habe.


à la 1894

SEX-TIPPS

1894 veröffentlichte Ruth Smythers „Sex Tips For Husbands and Wives“ in England. Mit heutzutage skurrilen und unvorstellbaren Tipps wollte sie eigentlich jungen Ehefrauen bei der Verhütung helfen, da meißt die Methode der Vernunft, die einzige war. #1 Verweigerung unter allen Umständen Vorsicht: Männer fordern - wenn man sich ihnen nicht verweigert - jeden Tag (!) Sex ein. Unbedingt querstellen! #2 Passive Aggression Wenn der Mann versucht, ihre Lippen zu küssen, sollte die Frau ihren Kopf langsam zur Seite drehen, sodass seine Lippen stattdessen ihre Wange treffen. Wenn er ihre Hand küsst, sollte sie eine Faust machen. #3 Kopfschmerzen vortäuschen Müdigkeit und Kopfschmerzen sind die besten Freunde der Ehefrau! Am besten täuscht man sie abends eine Stunde vor der üblichen Schlafenszeit vor. #4 Er wird sich (hoffentlich) im Dunkeln wehtun Ist Sex nicht zu verhindern, sollte die Frau vor dem Mann im Schlafzimmer sein, alle Lichter ausmachen und sich ins Bett legen. Wenn er dann ins dunkle Zimmer tappt, sollte sie mucksmäuschenstill sein und ihn im Dunkeln umherirren lassen. Es besteht immer die Chance, dass er stolpern oder sich wehtun wird. So kann man dem Unheil vielleicht noch entgehen. #5 Licht aus und tot stellen Kommt es dennoch zum Sex, sollte er nur in totaler Dunkelheit passieren. Und die Ehefrau sollte sich dabei tot stellen! Jede noch so kleine Regung könnte vom Ehemann fälschlicherweise als Lust gedeutet werden. #6 Sex = Fortpflanzung Perfekt ist ein Ehemann, der sich seiner Frau nur für den Zweck der Fortpflanzung nähert. So viel Selbstlosigkeit sei aber von einem Mann in der Regel nicht zu erwarten.

#7 Nicht Missionarsstellung? Pervers! Männer sind von Natur aus eher pervers und wollen neben dem reinen Sexakt auch den weiblichen Körper abküssen. Außerdem wollen sie mitunter ihre eigene Abscheulichkeit ihrem Mund annähern. Bäh! #8 Niemals nackt zeigen Nacktheit ist unter allen Umständen zu vermeiden. Eine kluge Ehefrau wird es ihrem Ehemann niemals erlauben, sie nackt zu sehen, und wird es ihm auch nicht erlauben, sich vor ihr nackt zu zeigen. #9 Bloß keine Romantik Wenn Sex passieren muss, sollte die Frau dem Ehemann klar machen, dass der Akt ohne jede Emotion und Romantik stattfinden wird. Sie sollte ihm nur erlauben, ihren Schlafrock bis zur Hüfte hochzuschieben. Er selbst darf lediglich seine Pyjamahose aufknöpfen. #10 Über den Haushalt reden ... Dirty Talk: Während des Akts sollte die Ehefrau entweder absolut still sein ODER ohne Punkt und Komma über ihre Hausarbeit reden. #11 Wenn nichts hilft: pinkeln Wenn er ihren Schlafrock anhebt, um sie woanders als auf den Mund zu küssen, sollte sie schnell aus dem Bett springen und ankündigen, dass die Natur sie nötige, die Toilette aufzusuchen. Das wird sein Verlangen, sie dort zu küssen, dämpfen. #12 Nach dem Sex ungemütlich werden Ist der Sex vorbei, sollte die kluge Ehefrau verhindern, dass der Mann friedlich einschlummert. Vielmehr sollte sie lauthals darüber zetern, welche Aufgaben er am nächsten Tag zu erledigen habe.


(X)ANXIENTY Wenn man noch schwerer als von Heroin davon wegkommt... Die Dosierung sollte vom Arzt kontrolliert werden und nie 6mg am Tag überschreiten. Dauer und Dosis sollten möglichst kurz gehalten werden, sonst kann es zu physischer und psychischer Abhängigkeit kommen. Ein abruptes Absetzten nach einer längeren Anwendung kann Entzugserscheinungen oder Wiederauftreten der einstigen Beschwerden, verursachen. Entzugserscheinungen sind verstärktes Zittern, Konzentrationsschwäche, Schlafstörungen, Ruhelosigkeit, Schwitzen, Kopfschmerzen, Angst, Muskelkrämpfe und psychische Verstimmung. So sollte die täglichen Einnahme über mehrere Wochen reduziert werden bis zum endgültigen Absetzen.

Xanax ist seit 1980 erstmals in der Schweiz zugelassen, heute bekommt man es rezeptfrei in deutschen Apotheken. Das Pharmazeutikum beeinträchtigt die Wirkung der Nervenbotstoffe im Gehirn (Neurotransmitter), welche an chemischen Synapsen die Erregung von einer Nervenzelle auf andere Zellen überträgt. Also wird die Erregbarkeit der Nervenzellen reduziert und so hat Xanax beruhigende, entspannende, angstlösende, enthemmende, dämpfende, antidepressive und euphorisierende Eigenschaften.

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Schon seit 1960 begannen amerikanische Ärzte Benzodiazepine zu verkaufen, in den Jahren danach kamen andere umstrittene Formen wie Valium, Klonopin, Xanax usw.. Heute gehört Xanax zu den meistverschriebenen Pharmazeutika in den Vereinigten Staaten. Der Benzo-Missbrauch ist in den USA der Höchste, so dass mehr als 5% der Bevölkerung es konsumiert und etwa 10-25% bei dauerhafter Nutzung abhängig sind. Seit dem Jahr 2000 gibt es einen Anstieg von 500% bei Überdosis und 2015 etwa 9.000 Todesfälle in Verbindung mit dem Arznei. Vor

allem in Kombination mit Opioiden ist Benzo tödlich und so macht diese Verbindung 2015, 8.000 der Todesfälle aus. Sogar wird bei ungefähr einem Drittel aller tödlichen Überdosierungen eine Form des Medikaments gefunden, denn die unterdrückten Neurotransmitter machen den Körper extrem anfällig für andere Substanzen. Elvis, Heath Ledger, Michael Jackson, Amy Winehouse und Whitney Houston starben alle mit Benzo in Verbindung. Doch am ehesten missbrauchen weiße 18-34 jährige Männer den Wirkstoff als Droge. Grund dafür ist ihre Wirkung zum herunterkommen und ihre Billigkeit. Vor allem nach langen Party-Nächten ist sie die Droge um von allen anderen Drogen runter zu kommen. Jemand nimmt dann das, was er für eine vernünftige Menge hält, bevor er Stunden oder Tage später zerstört aufwacht oder länger als geplant durchmacht. Der Unterschied zwischen einem Benzo- und einem Alkohol-Blackout ist, dass jemand mit einer gewissen Toleranz, nicht einzuschlafen sondern weiter funktionieren. „Batard“ nennen sich diejenigen, welche durch Xanax oder ähnliches ihre Story erzählen im Internet erzählen. Großbritannien hatte im Jahr 2015

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(X)ANXIENTY Wenn man noch schwerer als von Heroin davon wegkommt... Die Dosierung sollte vom Arzt kontrolliert werden und nie 6mg am Tag überschreiten. Dauer und Dosis sollten möglichst kurz gehalten werden, sonst kann es zu physischer und psychischer Abhängigkeit kommen. Ein abruptes Absetzten nach einer längeren Anwendung kann Entzugserscheinungen oder Wiederauftreten der einstigen Beschwerden, verursachen. Entzugserscheinungen sind verstärktes Zittern, Konzentrationsschwäche, Schlafstörungen, Ruhelosigkeit, Schwitzen, Kopfschmerzen, Angst, Muskelkrämpfe und psychische Verstimmung. So sollte die täglichen Einnahme über mehrere Wochen reduziert werden bis zum endgültigen Absetzen.

Xanax ist seit 1980 erstmals in der Schweiz zugelassen, heute bekommt man es rezeptfrei in deutschen Apotheken. Das Pharmazeutikum beeinträchtigt die Wirkung der Nervenbotstoffe im Gehirn (Neurotransmitter), welche an chemischen Synapsen die Erregung von einer Nervenzelle auf andere Zellen überträgt. Also wird die Erregbarkeit der Nervenzellen reduziert und so hat Xanax beruhigende, entspannende, angstlösende, enthemmende, dämpfende, antidepressive und euphorisierende Eigenschaften.

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Schon seit 1960 begannen amerikanische Ärzte Benzodiazepine zu verkaufen, in den Jahren danach kamen andere umstrittene Formen wie Valium, Klonopin, Xanax usw.. Heute gehört Xanax zu den meistverschriebenen Pharmazeutika in den Vereinigten Staaten. Der Benzo-Missbrauch ist in den USA der Höchste, so dass mehr als 5% der Bevölkerung es konsumiert und etwa 10-25% bei dauerhafter Nutzung abhängig sind. Seit dem Jahr 2000 gibt es einen Anstieg von 500% bei Überdosis und 2015 etwa 9.000 Todesfälle in Verbindung mit dem Arznei. Vor

allem in Kombination mit Opioiden ist Benzo tödlich und so macht diese Verbindung 2015, 8.000 der Todesfälle aus. Sogar wird bei ungefähr einem Drittel aller tödlichen Überdosierungen eine Form des Medikaments gefunden, denn die unterdrückten Neurotransmitter machen den Körper extrem anfällig für andere Substanzen. Elvis, Heath Ledger, Michael Jackson, Amy Winehouse und Whitney Houston starben alle mit Benzo in Verbindung. Doch am ehesten missbrauchen weiße 18-34 jährige Männer den Wirkstoff als Droge. Grund dafür ist ihre Wirkung zum herunterkommen und ihre Billigkeit. Vor allem nach langen Party-Nächten ist sie die Droge um von allen anderen Drogen runter zu kommen. Jemand nimmt dann das, was er für eine vernünftige Menge hält, bevor er Stunden oder Tage später zerstört aufwacht oder länger als geplant durchmacht. Der Unterschied zwischen einem Benzo- und einem Alkohol-Blackout ist, dass jemand mit einer gewissen Toleranz, nicht einzuschlafen sondern weiter funktionieren. „Batard“ nennen sich diejenigen, welche durch Xanax oder ähnliches ihre Story erzählen im Internet erzählen. Großbritannien hatte im Jahr 2015

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„Es mag so aussehen, als ob dein Leben mit etwas Benzo in Ordnung ist. Aber nur bis du aufhörst, sie zu benutzen. Dann wirst du wirklich sehen, wie mies du dich selbst erwischt hast.“

366 Tote durch Benzo-Überdosierungen. Mehr als durch Kokain, Speed ​​ oder MDMA, meistens verkauft und gekauft auf der Straße oder im Darknet.

108

Xanax wird aus Alprazolam-Pulver hergestellt, in Laboren zusammengebraut und im Darknet aus Großbritannien, China, Portugal und Kanada verkauft. Der Preis variiert, liegt aber etwa bei einem Gramm für 60 Dollar, zwei Pillen also nur 2,50. Gefahren bei illegalen Drogen ist dabei immer die falsch-Dosierung oder gefährlichen Streckmittel. Gründe? Der National Health Service (GB) investiert nur knapp 1% ihres Budgets in die psychische Gesundheit der britischen Kinder. Doch die ersten Anzeichen psychischer Erkrankung kommt mit 14 Jahren und wird zu 75% im Alter von 18 Jahren ausge-

prägt und komplexer sein. Die Wahrscheinlichkeit einer Epidemie von experimentierenden jungen Menschen mit Selbstmedikation ist also hoch. Aber nicht nur Jugendliche, welche sich mit ihren Gefühlen und Depressionen allein gelassen fühlen, greifen auf die Selbstmedikation mit Xanax oder Benzo zurück. Durch die sozialen Medien wird die Droge glorifiziert, der Druck nach einem bestimmten sozialen Status ist weltumfassender gestiegen und jeder versucht eine bessere Version seiner selbst darzustellen. So verbreitet sich der Trend medial immer weiter und wird so von immer mehr Menschen aufgenommen. Ein Trend der aus der eigentlichen Angst junger Erwachsener entstanden ist, es nicht in unserer Welt zu schaffen oder ihren Platz zu finden.


„Es mag so aussehen, als ob dein Leben mit etwas Benzo in Ordnung ist. Aber nur bis du aufhörst, sie zu benutzen. Dann wirst du wirklich sehen, wie mies du dich selbst erwischt hast.“

366 Tote durch Benzo-Überdosierungen. Mehr als durch Kokain, Speed ​​ oder MDMA, meistens verkauft und gekauft auf der Straße oder im Darknet.

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Xanax wird aus Alprazolam-Pulver hergestellt, in Laboren zusammengebraut und im Darknet aus Großbritannien, China, Portugal und Kanada verkauft. Der Preis variiert, liegt aber etwa bei einem Gramm für 60 Dollar, zwei Pillen also nur 2,50. Gefahren bei illegalen Drogen ist dabei immer die falsch-Dosierung oder gefährlichen Streckmittel. Gründe? Der National Health Service (GB) investiert nur knapp 1% ihres Budgets in die psychische Gesundheit der britischen Kinder. Doch die ersten Anzeichen psychischer Erkrankung kommt mit 14 Jahren und wird zu 75% im Alter von 18 Jahren ausge-

prägt und komplexer sein. Die Wahrscheinlichkeit einer Epidemie von experimentierenden jungen Menschen mit Selbstmedikation ist also hoch. Aber nicht nur Jugendliche, welche sich mit ihren Gefühlen und Depressionen allein gelassen fühlen, greifen auf die Selbstmedikation mit Xanax oder Benzo zurück. Durch die sozialen Medien wird die Droge glorifiziert, der Druck nach einem bestimmten sozialen Status ist weltumfassender gestiegen und jeder versucht eine bessere Version seiner selbst darzustellen. So verbreitet sich der Trend medial immer weiter und wird so von immer mehr Menschen aufgenommen. Ein Trend der aus der eigentlichen Angst junger Erwachsener entstanden ist, es nicht in unserer Welt zu schaffen oder ihren Platz zu finden.


HIV, ein Thema aus den 80ern oder? Jedem ist Safer-Sex ein Begriff, doch stets zu verhüten klappt nun mal in der Praxis

HIV-Positiv

nicht ganz so leicht. Und wer fragt auch in einer Beziehung gleich zu Anfang: „Schatz, kannst du dich nicht mal auf Geschlechtskrankheiten testen lassen?“. Ein immer noch sehr unangenehmes Thema, aber sind Vertrauen oder Schamgefühl wichtiger als Sicherheit?

Was jetzt?

Aber wie ist es überhaupt heutzutage HIV-positiv zu sein? Im Jahr 2016 lebten in Deutschland 84.700 mit HIV Infizierte und davon 12.600 unwissend. Das ist das Problem, bleibt HIV unbehandelt, folgen ein paar symptomfreie Jahre bis AIDS folgt. Daraufhin bricht das Immunsystem zusammen und man wird anfällig für Infektionskrankheiten wie zum Beispiel Lungenentzündungen oder Tumore. Der Tod ist nach wenigen Jahren unvermeidlich. Doch als HIV-Patient kann man heutzutage fast problemlos alt werden, wenn man mit der täglichen Medikation so früh wie möglich beginnt. Nebenwirkungen haben nur wenige mit Kopfschmerzen oder Durchfall, wobei eine Studie beweist, dass HIV-Positive dennoch öfter an Krebs erkranken.

110

Die Therapie an sich hemmt den Virus im Körper soweit, dass HIV im Körper nicht mehr nachweisbar ist. Zudem kann man mit der richtigen Medikation auch niemand anderen weiter anstecken. Von den jährlich in Deutschland 3000 Neuinvizierten, sind 2200 Homosexuell, 740 Hetero und etwa 120 durch Spritzen beim Drogenkonsum HIV-Positive. Übertragen wird die Krankheit über

Körperflüssigkeit wie Sperma, Blut, Vaginal- oder Analsekret. Andere Körpersekrete wie Speichel übertragen sie nicht. So stellt ungeschützter Analverkehr das höchste Risiko für eine Infektion dar, es entstehen schnell Verletzungen und beide der Schleimhäute sind besonders anfällig für den Virus. Die Zahl der Invizierten ist über die letzten Jahre wieder gestiegen, vor allem durch das unkomplizierte Kennenlernen in etwa Dating-Apps. Auch wenn es ein vorbeugendes Medikament gibt „PrEP“ um eine Ansteckung zu verhindern, ist dieses sehr teuer und nicht zu 100% sicher. Was ist also das größte Problem aus heutiger Sicht? Die Stigmatisierung von HIV-Positiven ist geblieben, sie stehen für viele Menschen noch für den Tod und so ist es nicht ganz unüblich, dass sie unter Ausgrenzung und Diskrimierung am Arbeitsplatz, im Freundeskreis, in der Familie oder Partnerschaft leiden müssen. Einem neuen Partner den Virus zu eröffnen löst bei uns immer noch pure Panik aus. Hauptsache ihr wisst bescheid! Einen HIV-Test kann man beim Arzt, Gesundheitsamt oder der Aidshilfe auch anonym für etwa 26€ machen.

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HIV, ein Thema aus den 80ern oder? Jedem ist Safer-Sex ein Begriff, doch stets zu verhüten klappt nun mal in der Praxis

HIV-Positiv

nicht ganz so leicht. Und wer fragt auch in einer Beziehung gleich zu Anfang: „Schatz, kannst du dich nicht mal auf Geschlechtskrankheiten testen lassen?“. Ein immer noch sehr unangenehmes Thema, aber sind Vertrauen oder Schamgefühl wichtiger als Sicherheit?

Was jetzt?

Aber wie ist es überhaupt heutzutage HIV-positiv zu sein? Im Jahr 2016 lebten in Deutschland 84.700 mit HIV Infizierte und davon 12.600 unwissend. Das ist das Problem, bleibt HIV unbehandelt, folgen ein paar symptomfreie Jahre bis AIDS folgt. Daraufhin bricht das Immunsystem zusammen und man wird anfällig für Infektionskrankheiten wie zum Beispiel Lungenentzündungen oder Tumore. Der Tod ist nach wenigen Jahren unvermeidlich. Doch als HIV-Patient kann man heutzutage fast problemlos alt werden, wenn man mit der täglichen Medikation so früh wie möglich beginnt. Nebenwirkungen haben nur wenige mit Kopfschmerzen oder Durchfall, wobei eine Studie beweist, dass HIV-Positive dennoch öfter an Krebs erkranken.

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Die Therapie an sich hemmt den Virus im Körper soweit, dass HIV im Körper nicht mehr nachweisbar ist. Zudem kann man mit der richtigen Medikation auch niemand anderen weiter anstecken. Von den jährlich in Deutschland 3000 Neuinvizierten, sind 2200 Homosexuell, 740 Hetero und etwa 120 durch Spritzen beim Drogenkonsum HIV-Positive. Übertragen wird die Krankheit über

Körperflüssigkeit wie Sperma, Blut, Vaginal- oder Analsekret. Andere Körpersekrete wie Speichel übertragen sie nicht. So stellt ungeschützter Analverkehr das höchste Risiko für eine Infektion dar, es entstehen schnell Verletzungen und beide der Schleimhäute sind besonders anfällig für den Virus. Die Zahl der Invizierten ist über die letzten Jahre wieder gestiegen, vor allem durch das unkomplizierte Kennenlernen in etwa Dating-Apps. Auch wenn es ein vorbeugendes Medikament gibt „PrEP“ um eine Ansteckung zu verhindern, ist dieses sehr teuer und nicht zu 100% sicher. Was ist also das größte Problem aus heutiger Sicht? Die Stigmatisierung von HIV-Positiven ist geblieben, sie stehen für viele Menschen noch für den Tod und so ist es nicht ganz unüblich, dass sie unter Ausgrenzung und Diskrimierung am Arbeitsplatz, im Freundeskreis, in der Familie oder Partnerschaft leiden müssen. Einem neuen Partner den Virus zu eröffnen löst bei uns immer noch pure Panik aus. Hauptsache ihr wisst bescheid! Einen HIV-Test kann man beim Arzt, Gesundheitsamt oder der Aidshilfe auch anonym für etwa 26€ machen.

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d

ure

t fea

-article

GAY

„Was Männlichkeit für mich als schwulen Mann bedeutet“

„Er ist halt extrem schwul“, erzählt mir eine Freundin beim Kaffee. Ich merke gleich, wie unangenehm ihr die eigene Wortwahl in diesem Moment ist und grinse nur belehrend. Wir hatten diese Diskussion schon so oft, heute bin ich einfach zu müde für einen Vortrag. Sie grinst unschuldig zurück. „Komm, du weißt ja, wie ich das meine“ – Ich schließe meine Augen und massiere demonstrativ meine Schläfen, um so meinen Unmut auszudrücken. Natürlich weiß ich, wie sie das meint. Dieser „extrem schwule“ Studienkollege, von dem sie mir gerade erzählt, hat einfach ein feminines Auftreten. „Schwul“ als Synonym für „weiblich“, „effeminiert“. „Schwul“ wurde erstmals im 19. Jahrhundert als Schimpfwort für homosexuelle Männer verwendet, erst später wurde der Begriff von der Community neu beansprucht und als feierliche Selbstbezeichnung umgemünzt. Neben der immernoch bestehenden beleidigenden Variante, laut einer Berliner Studie verwenden 62 % aller Grundschüler „schwul“ oder „Schwuchtel“ als Schimpfwort – wird die Bezeichnung aber auch verwendet, um jene homosexuellen Männer zu beschreiben, deren Auftreten in einer Weise weiblich anmutet. Extrem schwul eben.

So gesehen ist „schwul“ als Schimpfwort in seinem Kern nicht nur diskriminierend gegenüber Homosexuellen, sondern eigentlich auch – und vor allem – abwertend gegenüber Frauen. Jemand, der einen Mann „Schwuchtel“ schimpft, impliziert damit im Grunde genommen nichts anderes als eine Minderwertigkeit, die auf femininem Verhalten basiert. Zumindest ein Aspekt von Homophobie ist die Deklassierung von Weiblichkeit. Wenn allein die umgangssprachliche Bezeichnung für männliche Homosexualität gewissermaßen weiblich konnotiert ist, ist es schwierig, so was wie schwule Männlichkeit zu definieren. Zumal es an Sichtbarkeit mangelt: Wenn wir an stereotype „Männlichkeit“ denken, denken wir zuallererst an Männer wie Arnold Schwarzenegger, Bruce Willis oder Sylvester Stallone. Offen schwul lebende Schauspieler gibt es kaum – und der bekannteste von ihnen, Neil Patrick Harris, ist in erster Linie bekannt für seine Rolle als Bro-Archetyp Barney Stinson, was ihn lustigerweise mehr zum Hetero-Schutzpatron als sonst irgendwas macht. All diese Männer mögen vieles sein, aber nicht gerade das, was man unter Schwulenikonen versteht – die sind in der Regel weiblich.

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GAY

„Was Männlichkeit für mich als schwulen Mann bedeutet“

„Er ist halt extrem schwul“, erzählt mir eine Freundin beim Kaffee. Ich merke gleich, wie unangenehm ihr die eigene Wortwahl in diesem Moment ist und grinse nur belehrend. Wir hatten diese Diskussion schon so oft, heute bin ich einfach zu müde für einen Vortrag. Sie grinst unschuldig zurück. „Komm, du weißt ja, wie ich das meine“ – Ich schließe meine Augen und massiere demonstrativ meine Schläfen, um so meinen Unmut auszudrücken. Natürlich weiß ich, wie sie das meint. Dieser „extrem schwule“ Studienkollege, von dem sie mir gerade erzählt, hat einfach ein feminines Auftreten. „Schwul“ als Synonym für „weiblich“, „effeminiert“. „Schwul“ wurde erstmals im 19. Jahrhundert als Schimpfwort für homosexuelle Männer verwendet, erst später wurde der Begriff von der Community neu beansprucht und als feierliche Selbstbezeichnung umgemünzt. Neben der immernoch bestehenden beleidigenden Variante, laut einer Berliner Studie verwenden 62 % aller Grundschüler „schwul“ oder „Schwuchtel“ als Schimpfwort – wird die Bezeichnung aber auch verwendet, um jene homosexuellen Männer zu beschreiben, deren Auftreten in einer Weise weiblich anmutet. Extrem schwul eben.

So gesehen ist „schwul“ als Schimpfwort in seinem Kern nicht nur diskriminierend gegenüber Homosexuellen, sondern eigentlich auch – und vor allem – abwertend gegenüber Frauen. Jemand, der einen Mann „Schwuchtel“ schimpft, impliziert damit im Grunde genommen nichts anderes als eine Minderwertigkeit, die auf femininem Verhalten basiert. Zumindest ein Aspekt von Homophobie ist die Deklassierung von Weiblichkeit. Wenn allein die umgangssprachliche Bezeichnung für männliche Homosexualität gewissermaßen weiblich konnotiert ist, ist es schwierig, so was wie schwule Männlichkeit zu definieren. Zumal es an Sichtbarkeit mangelt: Wenn wir an stereotype „Männlichkeit“ denken, denken wir zuallererst an Männer wie Arnold Schwarzenegger, Bruce Willis oder Sylvester Stallone. Offen schwul lebende Schauspieler gibt es kaum – und der bekannteste von ihnen, Neil Patrick Harris, ist in erster Linie bekannt für seine Rolle als Bro-Archetyp Barney Stinson, was ihn lustigerweise mehr zum Hetero-Schutzpatron als sonst irgendwas macht. All diese Männer mögen vieles sein, aber nicht gerade das, was man unter Schwulenikonen versteht – die sind in der Regel weiblich.

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Zwischen Madonna, Cher und Britney ist man aber selbst immer noch ein Mann, und die Männer, zu denen man sich hingezogen fühlt, stehen ja auch auf Männer, also weiß man irgendwann gar nicht mehr, was Männlichkeit für schwule Männer eigentlich bedeuten soll. Und das kann dann wiederum dazu führen, dass man auch nach dem Comingout wieder in altbekannte Muster zurückfällt: Rollenspiele. Und ich meine nicht die gute Art. Das erste Jahr nach meinem eigenen Coming-out war genau deshalb eine einzige Sketch-Comedy: Ich hatte endlich ausgesprochen, was ich so lange versteckt hatte und musste nach all den Jahren nicht mehr so tun, als wäre ich jemand, der ich nicht bin. Trotzdem war ich plötzlich bemühter als je zuvor, mich möglichst männlich, möglichst straight-acting zu verhalten – weil ich die Akzeptanz, die man mir glücklicherweise von allen Seiten entgegengebracht hatte, immer als bedingt betrachtet hatte. Weil ich vermittelt bekam, dass man mir meine Sexualität „nicht sofort ansehen“ würde, und wie unproblematisch das deshalb für mein Umfeld sei. Weil man „nichts gegen Schwule“ hat, solange sie es einem „nicht unter die Nase reiben“. Weil schwule Männer immer noch – wenn überhaupt

– eine bessere Chance auf Akzeptanz haben, wenn sie heterosexuellen Normen entsprechen oder sich diesen beugen. Es scheint dieses allgemeine Verständnis zu geben, Heterosexualität – oder ein möglichst maskulines Auftreten, das auf Heterosexualität schließen lassen könnte – gehe mit einer Art Überlegenheit einher. Je eher du als schwuler Mann als Hetero durchgehst, desto männlicher und überlegener bist du, und desto niedriger ist auch die Wahrscheinlichkeit, auf Ablehnung zu stoßen. Das ist auch der Grund, warum Hetero-Männer alles tun würden, um nicht für schwul gehalten zu werden, während ich mich nahezu geschmeichelt fühle, wenn mich jemand fälschlicherweise für heterosexuell hält. Am einfachsten vergessen wir dabei, dass es eben auch schwule Männer gibt, die sich gar nicht erst verstellen müssen, um einer vermeintlich „männlichen“ Norm zu entsprechen, und dadurch vielleicht weniger oft angefeindet werden, sich allerdings innerhalb der Gay Community fehl am Platz fühlen. Die Doku The Butch Factor porträtiert Männer, die nicht auf den ersten Blick für schwul gehalten werden – Polizisten, Fußballer, Cowboys, Musiker. Für sie ist das


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Zwischen Madonna, Cher und Britney ist man aber selbst immer noch ein Mann, und die Männer, zu denen man sich hingezogen fühlt, stehen ja auch auf Männer, also weiß man irgendwann gar nicht mehr, was Männlichkeit für schwule Männer eigentlich bedeuten soll. Und das kann dann wiederum dazu führen, dass man auch nach dem Comingout wieder in altbekannte Muster zurückfällt: Rollenspiele. Und ich meine nicht die gute Art. Das erste Jahr nach meinem eigenen Coming-out war genau deshalb eine einzige Sketch-Comedy: Ich hatte endlich ausgesprochen, was ich so lange versteckt hatte und musste nach all den Jahren nicht mehr so tun, als wäre ich jemand, der ich nicht bin. Trotzdem war ich plötzlich bemühter als je zuvor, mich möglichst männlich, möglichst straight-acting zu verhalten – weil ich die Akzeptanz, die man mir glücklicherweise von allen Seiten entgegengebracht hatte, immer als bedingt betrachtet hatte. Weil ich vermittelt bekam, dass man mir meine Sexualität „nicht sofort ansehen“ würde, und wie unproblematisch das deshalb für mein Umfeld sei. Weil man „nichts gegen Schwule“ hat, solange sie es einem „nicht unter die Nase reiben“. Weil schwule Männer immer noch – wenn überhaupt

– eine bessere Chance auf Akzeptanz haben, wenn sie heterosexuellen Normen entsprechen oder sich diesen beugen. Es scheint dieses allgemeine Verständnis zu geben, Heterosexualität – oder ein möglichst maskulines Auftreten, das auf Heterosexualität schließen lassen könnte – gehe mit einer Art Überlegenheit einher. Je eher du als schwuler Mann als Hetero durchgehst, desto männlicher und überlegener bist du, und desto niedriger ist auch die Wahrscheinlichkeit, auf Ablehnung zu stoßen. Das ist auch der Grund, warum Hetero-Männer alles tun würden, um nicht für schwul gehalten zu werden, während ich mich nahezu geschmeichelt fühle, wenn mich jemand fälschlicherweise für heterosexuell hält. Am einfachsten vergessen wir dabei, dass es eben auch schwule Männer gibt, die sich gar nicht erst verstellen müssen, um einer vermeintlich „männlichen“ Norm zu entsprechen, und dadurch vielleicht weniger oft angefeindet werden, sich allerdings innerhalb der Gay Community fehl am Platz fühlen. Die Doku The Butch Factor porträtiert Männer, die nicht auf den ersten Blick für schwul gehalten werden – Polizisten, Fußballer, Cowboys, Musiker. Für sie ist das


innere Coming-out – das Bewusstwerden über die eigene sexuelle Orientierung – der wichtigste und gleichzeitig schwierigste Schritt im queeren Erwachsenwerden. Weil sie sich in keinem der gängigen Schwulen-Klischees wiedererkennen. Die Protagonisten sprechen über anfängliche Zweifel an ihrem eigenen Schwulsein, weil sie nun mal nichts mit Popkultur oder Mode anfangen konnten, oder weil sie eben nicht so aussahen wie die Typen auf den Paradewägen. Sie sprechen von Einsamkeit, darüber, wie sie sich innerhalb der Community als Außenseiter fühlen, obwohl sie von der breiten Masse generell Zuspruch erfahren würden.

116

The Butch Factor zeigt, wie wichtig Identifikationsfiguren für schwule Männer sind – und wie wichtig es ist, dass es sie in unterschiedlichen Variationen gibt. Menschen wie Frank Ocean, Troye Sivan, Conchita Wurst, Kevin Abstract oder Matt Bomer sind nur ein paar Beispiele dafür, wie vielfältig schwule Männlichkeit inzwischen aussehen kann. Von YouTube-Stars und Influencern will ich gar nicht erst anfangen. Welchen Unterschied Sichtbarkeit machen kann, zeigt sich in der Generation Z: Laut einer aktuellen Studie der J. Walter Thompson Inno-

vation Group identifizieren sich nur 48 Prozent der amerikanischen 13bis 20-Jährigen als eindeutig heterosexuell – die Jugend von heute (ha!) ist also deutlich queerer und aufgeschlossener gegenüber Sexualität und Geschlechterrollen als je zuvor. Angenommen, wir reißen die ohnehin schon bröckelnde Männlichkeit ein und besetzen sie neu. Mit Mut, der nicht darauf basiert, auf den höchsten Berg zu klettern oder den wildesten Löwen zu besiegen, sondern darauf, Gefühle zuzulassen, obwohl sie keiner sexuellen Ausrichtung und keinem Geschlecht zuzuordnen sind. Jene schwulen Männer, die keine stereotyp maskuline Schablone ausfüllen, könnten die Rollenbilder für eine neue Generation sein. Denn sie sind mutig. Die sind männlich. Und extrem schwul.

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innere Coming-out – das Bewusstwerden über die eigene sexuelle Orientierung – der wichtigste und gleichzeitig schwierigste Schritt im queeren Erwachsenwerden. Weil sie sich in keinem der gängigen Schwulen-Klischees wiedererkennen. Die Protagonisten sprechen über anfängliche Zweifel an ihrem eigenen Schwulsein, weil sie nun mal nichts mit Popkultur oder Mode anfangen konnten, oder weil sie eben nicht so aussahen wie die Typen auf den Paradewägen. Sie sprechen von Einsamkeit, darüber, wie sie sich innerhalb der Community als Außenseiter fühlen, obwohl sie von der breiten Masse generell Zuspruch erfahren würden.

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The Butch Factor zeigt, wie wichtig Identifikationsfiguren für schwule Männer sind – und wie wichtig es ist, dass es sie in unterschiedlichen Variationen gibt. Menschen wie Frank Ocean, Troye Sivan, Conchita Wurst, Kevin Abstract oder Matt Bomer sind nur ein paar Beispiele dafür, wie vielfältig schwule Männlichkeit inzwischen aussehen kann. Von YouTube-Stars und Influencern will ich gar nicht erst anfangen. Welchen Unterschied Sichtbarkeit machen kann, zeigt sich in der Generation Z: Laut einer aktuellen Studie der J. Walter Thompson Inno-

vation Group identifizieren sich nur 48 Prozent der amerikanischen 13bis 20-Jährigen als eindeutig heterosexuell – die Jugend von heute (ha!) ist also deutlich queerer und aufgeschlossener gegenüber Sexualität und Geschlechterrollen als je zuvor. Angenommen, wir reißen die ohnehin schon bröckelnde Männlichkeit ein und besetzen sie neu. Mit Mut, der nicht darauf basiert, auf den höchsten Berg zu klettern oder den wildesten Löwen zu besiegen, sondern darauf, Gefühle zuzulassen, obwohl sie keiner sexuellen Ausrichtung und keinem Geschlecht zuzuordnen sind. Jene schwulen Männer, die keine stereotyp maskuline Schablone ausfüllen, könnten die Rollenbilder für eine neue Generation sein. Denn sie sind mutig. Die sind männlich. Und extrem schwul.

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Channels on YouTube PAQ (male) Fashion & Street Style out of London i-D contemporary culture: fashion, cinema, music

This Ain‘t California (2012) Junge Skater in der alten BRD

Starbucks ungefiltert Die bittere Wahrheit hinter dem Erfolg ARTE

Wild Germany Subkulturen Deutschlands besucht Netflix

Das schaffst du nie! / PULS Reportage Challanges bewältigen Bayrischer Rundfunk Extra 3 Realer Irrsinn zum lachen & staunen

DOKU AT ITS BEST

CUT Truth or Drink/ Fear Pong

Chinas einsame Söhne Ein schwerer Heiratsmarkt 3sat

Wild Germany Subkulturen Deutschlands besucht Netflix

Dark Tourist ungewöhnliche & makabere Orte auf der ganzen Welt besucht Netflix

Girls Alone / Boys Alone (Social Experiment Documentary) Von de britischen Real Stories-Reihe Mädchen 5 Tage lang allein in einem Haus

7 Tage ... eintauchen in unterschiedliche Bereiche deutschlands NDR-Dokureihe

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Channels on YouTube PAQ (male) Fashion & Street Style out of London i-D contemporary culture: fashion, cinema, music

This Ain‘t California (2012) Junge Skater in der alten BRD

Starbucks ungefiltert Die bittere Wahrheit hinter dem Erfolg ARTE

Wild Germany Subkulturen Deutschlands besucht Netflix

Das schaffst du nie! / PULS Reportage Challanges bewältigen Bayrischer Rundfunk Extra 3 Realer Irrsinn zum lachen & staunen

DOKU AT ITS BEST

CUT Truth or Drink/ Fear Pong

Chinas einsame Söhne Ein schwerer Heiratsmarkt 3sat

Wild Germany Subkulturen Deutschlands besucht Netflix

Dark Tourist ungewöhnliche & makabere Orte auf der ganzen Welt besucht Netflix

Girls Alone / Boys Alone (Social Experiment Documentary) Von de britischen Real Stories-Reihe Mädchen 5 Tage lang allein in einem Haus

7 Tage ... eintauchen in unterschiedliche Bereiche deutschlands NDR-Dokureihe

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8 Streiche,

die uns unser Gehirn spielt.

1. Veränderungen bedeuten nie etwas Gutes Diesen Streich spielt uns der alte & primitive Teil unseres Gehirns, den wir von unseren Vohrfahen vererbt bekommen haben. War es für sie noch überlebenswichtig sich eine Zone aus Komfort & Vertrautheit zu schaffen, so nutzen viele Menschen diese steinzeitliche Tatsache heutzutage als Ausrede, um nichts in ihrem Leben zu verändern.

5. Es ist noch nicht der richtige Zeitpunkt Durch diesen Streich des Verstandes verfallen die Leute in eine Art Stand-by-Modus. Sie glauben, dass die Zeit dafür noch nicht reif sei. Dass sie nur noch etwas länger auf der Ersatzbank ausharren brauchen, bis es auch für sie endlich losgeht. Doch in Wahrheit versucht der Verstand mit diesem Streich lediglich den Mut zu kompensieren, an dem es ihnen fehlt.

2. Nur noch... Unser Verstand ist ein Junkie, der kurzfristige Highs liebt. So sind die meisten von uns gefangen in der ständigen Suche nach dem nächstbesseren Ding oder Person, die ihre grenzenlose Gier stillen und ihr Glück vollkommen machen soll. In Wahrheit ist das aber eine bloße Illusion & diese „Vollkommenheit“ kann niemals erreicht werden.

6. Dafür braucht man jede Menge Glück Um es erst gar nicht probieren zu müssen, hat sich unser Verstand des Konzepts von „Glück“ bemächtigt & setztz dieses nur zu gerne ein, um uns weis zu machen, dass wir irgendein Ziel oder einen Traum nicht erreichen können, weil es dafür jede Menge Glück braucht & unsere Chancen dieses zu haben fast schon null gehen.

3. Ich kann da nichts für/machen Schuld & Verabtwortung sind zwei Dinge, die unser Verstand scheut. Bevor er die Schuld für irgendetwas auf sich nimmt, schiebt er diese lieber auf andere Gegenstände, Umstände oder Personen. So ist es wesentlich einfacher, da damit auch die Verantwortung übergeben wird, Probleme zu lösen oder etwas selbst zu verändern.

7. Das war schon immer so & es bleibt auch so Viele Menschen glauben nicht aus ihren bisherigen Mustern ausbrechen & ihr Leben verändern zu können, weil die Dinge ihrer Ansicht nach schon immer so waren, wie sie sind & auch immer so bleiben. Aber nur weil etwas in der Vergangenheit eine bestimmte Form hatte, bedeutet das nicht automatisch, dass diese Form alle Zeiten überdauern wird. Veränderung ist die einzig wahre Konstante.

4. Ich hör bald damit auf... versprochen! Schlechte Gewohnheiten & Charakterzüge zu ändern, ist ein Prozess, der Kraft & Energie kostet. ALso ein Prozess, auf den unser Verstand gerne verzichtet, da er es liebt seine Energie zu sparen. So hat er sich mit der Idee von „bald“ einen netten kleinen Deckmantel geschaffen, der uns davon abhalten soll hinter seine Absicht zu kommen, in Wahrheit niemals irgendetwas verändern zu wollen.

8. Ich kann nicht... Der Verstand der meisten Menschen ist voll von limitierten Glaubenssätzen, die sie durch vergangene Erlebnisse & Beobachtungen gesammelt haben & die sie heute daran hindern, ihr volles Potenzial zu nutzen. Diese limitierten Glaubensansätze überzeugen tatsächlich davon, dass die Dinge, die man sich wünschen würden, nicht erreichen können, aus irgendwelchen welchen dummen Gründen.


8 Streiche,

die uns unser Gehirn spielt.

1. Veränderungen bedeuten nie etwas Gutes Diesen Streich spielt uns der alte & primitive Teil unseres Gehirns, den wir von unseren Vohrfahen vererbt bekommen haben. War es für sie noch überlebenswichtig sich eine Zone aus Komfort & Vertrautheit zu schaffen, so nutzen viele Menschen diese steinzeitliche Tatsache heutzutage als Ausrede, um nichts in ihrem Leben zu verändern.

5. Es ist noch nicht der richtige Zeitpunkt Durch diesen Streich des Verstandes verfallen die Leute in eine Art Stand-by-Modus. Sie glauben, dass die Zeit dafür noch nicht reif sei. Dass sie nur noch etwas länger auf der Ersatzbank ausharren brauchen, bis es auch für sie endlich losgeht. Doch in Wahrheit versucht der Verstand mit diesem Streich lediglich den Mut zu kompensieren, an dem es ihnen fehlt.

2. Nur noch... Unser Verstand ist ein Junkie, der kurzfristige Highs liebt. So sind die meisten von uns gefangen in der ständigen Suche nach dem nächstbesseren Ding oder Person, die ihre grenzenlose Gier stillen und ihr Glück vollkommen machen soll. In Wahrheit ist das aber eine bloße Illusion & diese „Vollkommenheit“ kann niemals erreicht werden.

6. Dafür braucht man jede Menge Glück Um es erst gar nicht probieren zu müssen, hat sich unser Verstand des Konzepts von „Glück“ bemächtigt & setztz dieses nur zu gerne ein, um uns weis zu machen, dass wir irgendein Ziel oder einen Traum nicht erreichen können, weil es dafür jede Menge Glück braucht & unsere Chancen dieses zu haben fast schon null gehen.

3. Ich kann da nichts für/machen Schuld & Verabtwortung sind zwei Dinge, die unser Verstand scheut. Bevor er die Schuld für irgendetwas auf sich nimmt, schiebt er diese lieber auf andere Gegenstände, Umstände oder Personen. So ist es wesentlich einfacher, da damit auch die Verantwortung übergeben wird, Probleme zu lösen oder etwas selbst zu verändern.

7. Das war schon immer so & es bleibt auch so Viele Menschen glauben nicht aus ihren bisherigen Mustern ausbrechen & ihr Leben verändern zu können, weil die Dinge ihrer Ansicht nach schon immer so waren, wie sie sind & auch immer so bleiben. Aber nur weil etwas in der Vergangenheit eine bestimmte Form hatte, bedeutet das nicht automatisch, dass diese Form alle Zeiten überdauern wird. Veränderung ist die einzig wahre Konstante.

4. Ich hör bald damit auf... versprochen! Schlechte Gewohnheiten & Charakterzüge zu ändern, ist ein Prozess, der Kraft & Energie kostet. ALso ein Prozess, auf den unser Verstand gerne verzichtet, da er es liebt seine Energie zu sparen. So hat er sich mit der Idee von „bald“ einen netten kleinen Deckmantel geschaffen, der uns davon abhalten soll hinter seine Absicht zu kommen, in Wahrheit niemals irgendetwas verändern zu wollen.

8. Ich kann nicht... Der Verstand der meisten Menschen ist voll von limitierten Glaubenssätzen, die sie durch vergangene Erlebnisse & Beobachtungen gesammelt haben & die sie heute daran hindern, ihr volles Potenzial zu nutzen. Diese limitierten Glaubensansätze überzeugen tatsächlich davon, dass die Dinge, die man sich wünschen würden, nicht erreichen können, aus irgendwelchen welchen dummen Gründen.


NEXT EDITION „Marihuana: keine illegale Droge mehr?“ Wissenschaftler und WHO-Experten sollen das erste Mal überhaupt Cannabis neu einstufen, anstelle einer gefährlichen Droge soll bei der Konferenz Marihuana, THC, CBD (Cannabidiol) und andere verwandte Stoffe neu bewertet werden. Und somit wäre Cannabis legal in Deutschland & Co..

„Frauen und ihre Spuren; der Kampf mit dem Tiger“ Keine Haut ist perfekt und das Leben zeichnet sich eben auf ihr ab. Auch Männer können Cellulite bekommen, eine „Hautkrankheit“ an der etwa 80% aller Frauen leidet und welche auch vor Promis keinen Halt macht. Aber wieso klagen immer nur Frauen über Dehungsstreifen und Cellulite. Und wieso bekommen wir den Mist überhaupt? Body-Positivity at its finest!

„Flucht“ Es gab schon immer Völkergruppen, welche aus ihrem Land flüchten mussten. Und auch wenn für viele das Thema ausgelutscht ist, sind es Menschen!

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Ein-Interview: Wie ist es als nicht Deutscher in Deutschland?

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NEXT EDITION „Marihuana: keine illegale Droge mehr?“ Wissenschaftler und WHO-Experten sollen das erste Mal überhaupt Cannabis neu einstufen, anstelle einer gefährlichen Droge soll bei der Konferenz Marihuana, THC, CBD (Cannabidiol) und andere verwandte Stoffe neu bewertet werden. Und somit wäre Cannabis legal in Deutschland & Co..

„Frauen und ihre Spuren; der Kampf mit dem Tiger“ Keine Haut ist perfekt und das Leben zeichnet sich eben auf ihr ab. Auch Männer können Cellulite bekommen, eine „Hautkrankheit“ an der etwa 80% aller Frauen leidet und welche auch vor Promis keinen Halt macht. Aber wieso klagen immer nur Frauen über Dehungsstreifen und Cellulite. Und wieso bekommen wir den Mist überhaupt? Body-Positivity at its finest!

„Flucht“ Es gab schon immer Völkergruppen, welche aus ihrem Land flüchten mussten. Und auch wenn für viele das Thema ausgelutscht ist, sind es Menschen!

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Ein-Interview: Wie ist es als nicht Deutscher in Deutschland?

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