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Datum: 26.01.2012

Gesamt Regio Aargauer Zeitung 5001 Aarau 058/ 200 58 58 www.aargauerzeitung.ch

Medienart: Print Medientyp: Tages- und Wochenpresse Auflage: 91'956 Erscheinungsweise: 6x wöchentlich

Themen-Nr.: 660.3 Abo-Nr.: 660003 Seite: 2 Fläche: 57'393 mm²

«Es war kein Persilschein» PwC Firmenchef Markus Neuhaus verteidigt das Gutachten im Fall Hildebrand

VON FLORENCE VUICHARD

Herr Neuhaus, bereuen Sie den Persilschein, den PwC Schweiz im Fall Hildebrand erstellt hat? Markus Neuhaus: Nein. Es war kein Persilschein, sondern eine gute Arbeit. Wir hielten aufgrund der Informationen, die wir im Dezember hatten, fest, dass die Transaktion reglementkonform, aber heikel war. Der Bankrat hat aber aus dem «heikel» ein «haltlos» gemacht Es ist nicht unsere Aufgabe zu kommunizieren. Wir haben darauf hingewiesen, dass es in diesem Fall Fragen gibt, die übers Reglement hinausgehen. Schon deshalb ist es völlig falsch, von einem Persilschein zu reden. Wir machen seriöse Arbeit, klären ab und geben Empfehlungen ab. Wir stehen zu diesem Gutachten.

Dennoch: PwC hat nie direkt mit Hildebrand über die umstrittene Dollartransaktion gesprochen. Das ist das übliche Vorgehen: Wir be-

kommen Unterlagen, stellen schriftliche Nachfragen, erhalten schriftliche Antworten.

«Ich erwarte keine Überraschungen. Die heikle Transaktion war eine einmalige Situation.» Hätte nicht mit etwas mehr Zeit ein besseres Gutachten erstellt werden können? Der Bankrat wollte rasch vorgehen. Wir haben am Freitag, 16. Dezember, um 15 Uhr den Auftrag erhalten, um 17 Uhr haben wir mit der Arbeit be-

gonnen. Eine Woche später lag der Bericht auf dem Tisch. Dass im Janu-

ar zusätzliche Informationen aufgetaucht sind, war für alle überraschend - und unangenehm. Zusätzliche Informationen müssen Markus Neuhaus, Chef von PwC Schweiz, weilt derzeit in Davos.

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HO

zusätzlich gewürdigt werden. Wir haben aber dazu keinen Auftrag.

ARGUS der Presse AG Rüdigerstrasse 15, Postfach, 8027 Zürich Tel. 044 388 82 00, Fax 044 388 82 01 www.argus.ch

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Dafür darf jetzt Ihre Konkurrentin scheiden. Der Entscheid liegt beim EUKPMG die Transaktionen der Direk- Parlament. Und übrigens steht auch

toriumsmitglieder seit 2009 neu die Kommission nicht geschlossen hinüberprüfen. Wird KPMG neue Über- ter seinem Projekt, genauso wenig wie viele Mitglieder des EU-Parlamentes raschungen aufdecken? Ich kenne den Auftrag nicht. Aber ich und breite Kreise der Wirtschaft.

kann sagen: Wir haben jährlich die Transaktionen der Mitglieder des erweiterten Direktoriums geprüft, ihre Konto- und Steuererldärungsauszüge sorgfältig angeschaut. Das ist Teil der jährlichen Prüfung, so steht es im Reglement. Deshalb erwarte ich keine

Frankreich, Barniers Heimatland, kennt diese Trennung. Das stimmt, aber sie hat sich international nicht durchgesetzt. Im Gegenteil: Dieses System hat Mängel. Kunden wollen, dass wir ihnen als Revisionsstelle nicht nur Probleme,

Überraschungen. Die heilde Transakti- sondern auch Lösungen aufzeigen. on war eine einmalige Situation. Aber Und so kommen Sie über die Buch-

ich möchte hier auch sagen: Wir ha- prüfung zu den lukrativeren, atben überprüft, was man uns gezeigt traktiveren Beratungsmandaten.

Hören Sie auf mit diesem Mythos! Das

hat.

Aber stecken Sie nicht in einem Revisionsgeschäft macht mit rund 53 grundsätzlichen Interessenskon- Prozent mehr als die Hälfte unseres flikt, schliesslich ist die National- «EU-Kommissar Bamier bank eine gute PwC-Kundin? Wir sind die unabhängigste Stelle, die hört nicht zu. Es scheint, es gegenüber der Nationalbank über- als sei er an einem Diahaupt gibt! Denn als Revisionsstelle haben wir eine gesetzliche Unabhängigkeitspflicht, die wir nachweislich immer eingehalten haben. Wenn jemand behauptet, es wir hätten ein Gefälligkeitsgutachten ausgestellt, ist das schlicht und einfach dumm.

log nicht interessiert.» Umsatzes aus, ist finanziell erfolgreich und zudem weniger volatil als das Beratungsgeschäft Zudem: Es gibt bereits heute Auflagen und Restriktionen: Wir dürfen nicht alle Beratungsmandate übernehmen bei Firmen, wo

Aber Hand aufs Herz. Kann man wir für die Revision zuständig sind. ein kritisches Gutachten erstellen, Barnier will weiter, dass Firmen die

wenn man damit riskiert, einen gu- Revisionsstelle alle sechs Jahre austen Kunden zu vergraulen? müssen. Aber sicher, und das ist genau das, wechseln Als eines der wenigen Länder kennt was die Kunden erwarten. Sie fragen uns, weil sie eine objektive Aussensicht wollen, alles andere nützt ihnen nichts. Die Auseinandersetzung mit komplexen Fragen gehört zu unserem Geschäft, inldusive der nachfolgenden Diskussion mit dem Kunden. EU-Binnenmarkt-Kommissar Mi-

heute Italien das System der Zwangs-

rotation. Aber deswegen hat Italien nicht das bessere Revisionssystem. In der Schweiz muss der leitende Revi-

sor alle sieben Jahre ausgewechselt werden. Das reicht vollkommen aus. Barnier ist diese Woche auch in Da-

vos. Werden Sie mit ihm über sei-

chel Barnier sieht das anders. Er nen Reformplan reden? will, dass PwC und Co. nicht gleich- Wir haben bereits mit ihm gesprozeitig Buchprüfungs- und Bera- chen, aber er hört nicht zu. Es tungsmandate halten können.

scheint, als sei er an einem Dialog

Herr Barnier kann das nicht allein ent- nicht interessiert.

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