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Grenzg채nger Hart aber herrlich: Faszination Wettkampf-Skibergsteigen


Grenzg채nger Hart aber herrlich: Faszination Wettkampf-Skibergsteigen


To ride this mountain, you must first earn your turns.


Voll am Anschlag Von einer harten Sportart mit hohem Suchtfaktor Die Beine brennen, das Herz pumpt mit 190 Schlägen pro Minute. Im Mund der Geschmack von Eisen. Die Lungen kämpfen um jedes Millimol Sauerstoff und der Kopf läuft auf Autopilot. Die Komfortzone? Liegt irgendwo in einer anderen Galaxie. Auf diesem Planeten bestimmen Schweiß und Milchsäure das Klima. Skitourenrennen sind kompromisslos und nichts für Weicheier. Denn hier ist der ganze Alpinist gefragt: Steile Anstiege, anspruchsvolle Kletterpassagen, ruppige Abfahrten – oft über vierstellige Höhenmeter und bei eisigen Temperaturen. Sie bringen Athleten und ihr Material an die äußersten Grenzen der

Belastbarkeit. Wer hier bestehen will, braucht eine große Portion Masochismus: Ohne Leidensfähigkeit, extreme Ausdauer und eine ordentliche Skitechnik läuft hier gar nichts. Doch zwischen totaler Erschöpfung und absoluter Glückseligkeit liegt ein schmaler Grat. Und wer darauf zu balancieren weiß, wird das Suchtpotenzial des Wettkampf-Skibergsteigens verstehen: Der Kampf gegen die Zeit, den Gegner, die Naturgewalten und immer wieder gegen sich selbst. Die Belohnung? Wenn alles stimmt, ein Platz auf dem Treppchen – auf jeden Fall aber ganz besonders intensive Erlebnisse am Berg.


Und das Virus greift immer weiter um sich: Mittlerweile messen sich neben den Top-Athleten immer mehr ambitionierte Hobbysportler auf den anspruchsvollen Strecken von Klassikern wie Trofeo Mezzalama, Pierra Menta oder der Patrouille des Glaciers. Die Anzahl der Rennen steigt ständig und auch die Medien tragen den Sport immer öfter in die heimischen Wohnzimmer. Bis zu 300.000 Höhenmeter im Jahr – auf Ski, zu Fuß oder auf dem Rad: Für Ottonormal-Sportler eine unvorstellbare Zahl, für die Mitglieder der DAV-Nationalmannschaft Skibergsteigen normaler Trainingsalltag. Ein Pensum, das sich nur bewältigen

lässt, wenn man für seinen Sport so brennt wie die Beine nach einem langen Trainingstag. Ihre Leidenschaft für die Berge, unzählige Liter Schweiß und ihr Talent haben unsere Athleten an die Weltspitze gebracht. Ihren Leistungen und Erfolgen widmen wir dieses kleine Buch und huldigen damit einem großartigen Sport, der uns schon unzählige Glücksmomente beschert hat.


Heiß auf Schnee Steil ist geil: Ihr Herz schlägt für Höhenmeter

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Dezember im Juni Oder: Der Winter dauert 10 Monate Im Skibergsteiger-Kosmos ticken die Uhren anders: Durch knarzenden Tiefschnee schnaufen, während andere noch im Tiefschlaf liegen. Schneebedeckte Berge suchen, wenn andere längst auf Sommer, Sonne, Strand umgeschaltet haben. Den Gipfel aus eigener Kraft erobern, während sich andere entspannt in der Gondel räkeln. Wer einmal die Sonne über den Bergen hat aufgehen sehen, der weiß, warum er die Strapazen auf sich nimmt. Denn spätestens oben sind alle Schmerzen vergessen: Bei der ersten Abfahrt des Tages durch jungfräulichen Pulverschnee. Sie ist die Krönung, das Allerhöchste, das Hochamt der Skibergsteiger.


Is doloreptiis aliquam sit occullorrum, ut audam quiasit facerro earum num sumet ut volo comnita tempedi alicae velignihil et aut dolo eos doloria eosa audigna tiatur sedi optur, siminum que postis essuscit amus re ne vene nimet aut estis


Macht auch sĂźchtig, ist aber garantiert legal: das weiĂ&#x;e Pulver der Skibergsteiger


Die Medaille hat immer zwei Seiten Sobald der erste Schnee fällt, heißt es: Ski aus dem Keller und Felle drauf! Bis zu 4.000 TrainingsHöhenmeter spulen unsere Kader-Athleten pro Tag ab, manche neben ihrem Fulltime-Job. Zehn Monate im Jahr stehen sie auf Ski, obwohl die Wettkampfsaison nur vier Monate dauert – von Mitte Dezember bis Ende April. Um für die Rennen fit zu sein, stehen lange und harte Ausdauereinheiten auf dem Plan, das ganze Jahr über. Und wenn gerade mal nirgendwo Schnee liegt, dann geht’s aufs Rad oder in die Laufschuhe. Der Berg ruft. Eigentlich immer.

Doch bei aller Leistungsorientierung: Für unsere Profis sind die Berge mehr als nur ein Sportgerät. Jede freie Minute verbringen sie da draußen. Und trotz Trainings-Tunnelblick sind sie noch lange nicht blind für die Reize der Natur – auch nicht nach der 1.000. Skitour. Das Gefühl für das Erhabene, es stumpft nicht ab. Grenzerfahrung und Genuss, Faszination und Schmerz sind die zwei Seiten dieser Medaille. Und der Respekt vor den Bergen und ihren Gewalten bleibt ständiger Begleiter auf jeder Tour.


Verdammt, wo bleibt der dritte Mann mit der Brotzeit?


„Sixtas Doni, do hintn liftln's, die oarmen Hund'...“


Toni Palzer auf der Suche nach der verlorenen Zeit.


For Experts only: Mit Rennlatten im Bruchharsch


Endlich! Ein Baum zum Pieseln...


Was f端r eine Fototapete!


Eine starke Truppe Mehr als nur eine Mannschaft

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Kein Platz für Diven Einer für alle – alle für einen Mariah Carey läuft nur über rote Teppiche. Madonna verlangt geweihtes Kabbala-Wasser, einen Meditationsraum und neue Toilettensitze. Jennifer Lopez besteht auf einer komplett weißen Garderobe, während sich Lady Gaga ein Sauerstoffzelt hinter die Bühne bestellt. Letzteres wäre im Zielbereich von SkitourenRennen vielleicht manchmal angebracht – Extrawürste werden in diesem Sport jedoch niemandem gebraten. Auch nicht den „Stars“ der Szene. Denn hier fahren die Weltmeister noch selbst den Bus.


Mobile Home, Sweet Home Während der Rennsaison sind Sie fast jedes Wochenende in der Weltgeschichte unterwegs. Der Protagonist in ihrem Roadmovie: Der DAVBus. Basecamp auf dem Weg zu den Rennen und mehr als ein profanes Fortbewegungsmittel: Er

ist Wohnzimmer, Umkleidekabine, Materiallager, Besprechungsraum, Therapieplatz, Schlafstätte und immer Zeuge und Begleiter von großen Erfolgen und bitteren Niederlagen. Und wenn’s mal nicht vorwärts geht, packen alle mit an.


Wer sein Material nicht ehrt… Gute Vorbereitung ist die halbe Medaille! Einmal Schleifen, Wachsen, Bürsten bitte! Wer an vorderster Front mitlaufen möchte, sollte sein Material hegen und pflegen wie den eigenen Astralkörper. „Light and fast“ lautet die Devise: Gerade mal 700 Gramm bringen ein Rennski oder ein Rennschuh auf die Waage. Jedes Gramm zuviel kostet wertvolle Sekunden, die am Ende über Sieg oder Niederlage entscheiden.


Damit die ultraleichten Latten im Rennen ordentlich spuren, werden sie von unseren Athleten im mobilen Ski-Beauty-Salon im Hotelzimmer einem aufwändigen Pflegeprogramm unterzogen. Und wenn der hautenge Rennanzug mal schwächelt,

schwingen sie statt den Carbon-Stöcken auch schon mal gekonnt Nadel und Faden. In einem kleinen Team ist eben jeder der persönliche Assistent des anderen.


Wenn’s mal zwickt… …kommen die Männer mit den magischen Händen Schmerzen? Gehören zum Rennen wie Schnee zum Winter. Im Wettkampf übernehmen noch die Endorphine den Job des Schmerzstillers. Aber hinterher, wenn alles vorbei ist, meldet es sich mit voller Wucht: das Stechen, Brennen und Krampfen. Dann schlägt die Stunde der Physios: Sie massieren, mobilisieren, dehnen, tapen und kühlen bis müde Muskeln und blockierte Gelenke wieder locker und beweglich sind – eingehüllt in den ätherischen Geruch von Massageöl, oft bis tief in die Nacht hinein und bei Platzmangel schon mal mit der Massageliege auf dem Hotelgang. Und auch bei emotionalen Schieflagen leisten sie Erste Hilfe, denn sie sind einfach verdammt nah dran an den Sportlern.


50% Skills 10% Glück 15% Wille 15% Spaß 20% Schmerz Macht 110% Einsatz im Rennen!

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Mann gegen Mann Und plötzlich läuft die Uhr unerbittlich Das Herz rast, der Körper ist vollgepumpt mit Adrenalin, die Muskeln sind zum Zerreißen gespannt. Dann endlich: Der erlösende Startschuss. Jetzt heißt es Vollgas geben und die Anspannung in Starkstrom umwandeln, um einen guten Platz im Feld zu ergattern. Bis zu 1.500 Höhenmeter in der Stunde können Spitzenläufer im Wettkampfmodus zurücklegen. Damit sind sie schneller als so manche Bergbahn.


Hohe Berge – hohe Ziele Im Wettkampf läuft jeder sein eigenes Rennen. Jetzt werden die Früchte einer intensiven Vorbereitung geerntet: Unzählige Höhenmeter in den Beinen, die Technik sitzt, das Material auch und in der Wechselzone stimmt jeder Handgriff – zumindest

im Idealfall. Missgeschicke und Patzer passieren natürlich immer wieder, kleine wie große. Und weil Sicherheit beim Rennen oberstes Gebot ist, sind Sonde, Schaufel und LVS-Gerät immer mit im Gepäck, wenn’s auch eine Abfahrt gibt.


Die Wettkampf-Disziplinen Kurz und heftig oder lang und schmerzhaft? Rauf und runter? Oder nur rauf? Alleine oder zu zweit? Oder sogar zu dritt oder viert? Skitourenrennen werden in verschiedenen Disziplinen ausgetragen, die die Athleten auf ihre ganz eigene Weise herausfordern: Team: Die traditionellste Form des Rennens. In Zweier- oder Dreierteams sind mindestens drei Aufstiege und Abfahrten mit 2.000 bis 4.000 Höhenmetern mit Tragepassagen zu bewältigen. Individual: Ein Athlet meistert im Alleingang mindestens drei Aufstiege und Abfahrten mit rund 2.000 Höhenmetern in 1,5 bis 2 Stunden.

Sprint: Standardisierter Rundkurs über rund 100 Höhenmeter in ca. 3 Minuten. Im K.-o.-System kommen die Schnellsten eine Runde weiter, nach der Qualifikation in 6er-Gruppen gegeneinander. Staffel: Nur bei den Weltmeisterschaften. Viererteams durchlaufen nacheinander einen Rundkurs mit rund 150 Höhenmetern. Vertical: Wie der Name schon sagt: Es geht nur bergauf, bis zu 1.000 Höhenmeter. Wer also nach dem Rennen die Abfahrt nicht mehr packt, kann sogar mit der Gondel zurück ins Tal….


Die Ringe rufen wieder Der Traum von Olympia Die Olympischen Spiele sind das Größte für jeden Sportler. Auch die Skibergsteiger können seit der IOC-Anerkennung im Jahr 2014 davon träumen, mit ihrer Sportart eines Tages wieder beim größten Sportereignis der Welt dabei zu sein. Denn Skibergsteigen war in seiner Pionierzeit schon einmal Teil des olympischen Programms: In den Jahren 1924-1948 noch als „militärischer Patrouillenlauf“. Seitdem ist viel passiert: Die Variante mit Gewehr auf dem Rücken und Skiern an den Füßen heißt mittlerweile Biathlon und findet in eher talnahen Regionen statt. Beim Skibergsteigen sind Ski und Oberschenkel die einzigen Waffen. Insider bescheinigen dem Sport gute Chancen, bald wieder dabei zu sein.


Wenn Toni Palzer seine Waffe zieht, zittert die Konkurrenz.


Daily Business Routine ist Teil des Geschäfts Bevor der Startschuss fällt, muss jeder Athlet seine Hausaufgaben machen – ganz unspektakulär: Registrierung, Materialvorbereitung, Streckenbesichtigung, Athletenbriefing und ganz zum Schluss das persönliche Aufwärmprogramm. Jeder pflegt hier seine eigenen Riten und Routinen. Man trifft die üblichen Verdächtigen, mit denen man später an der Startlinie zittert. Man kennt sich und weiß um die Stärken und Schwächen der anderen, denn die Rennszene ist klein und überschaubar. Und mit dem Startschuss verwandeln sich Freunde in Konkurrenten – zumindest bis zum Einlauf ins Ziel.


Auf dem Weg zur Arbeit


Mist, wieder den Fellkleber mit dem Sekundenkleber verwechselt...


High Voltage am Start‌


‌und Rock'n'Roll nach dem Schuss


Auffi, obi oder ummi? Das weiĂ&#x; nur der Mann mit der versteckten Kamera...


Suchbild: Wo ist Toni?


Mausefalle light


Und grade noch mal die Kurve gekriegt


Andrang am Anfang vom Hang.


Ausnahmsweise mal neben der Spur.


Zefix! Schon wieder mit 80 Sachen geblitzt!


Toni Palzer auf dem Weg zum Weltcupsieg.


Erfolg ist das beste Schmerzmittel Hinterher sind alle Leiden vergessen Im Rennen ist jeder auf sich gestellt. Teamplayer werden zu Einzelkämpfern, die das Maximale aus sich herausholen, um ganz vorne mitzulaufen. Der Flirt mit den eigenen Grenzen ist ein sensibles Spiel, das die Athleten beherrschen müssen. Denn nur so erreichen sie am Ende die Ziellinie und ihre persönlichen Ziele: Ein Meistertitel, eine Medaille oder die Wunschplatzierung – sie sind die Belohnung für das harte und entbehrungsreiche Training und lassen die Qualen im Rennen schnell vergessen.


Von wegen „Männer können seine Gefühle nicht zeigen“...


Und am Ende hat jeder alles gegeben.


Kleines Team mit großen Erfolgen Klein und überschaubar, aber schlagkräftig ist sie, die DAV Nationalmannschaft Skibergsteigen. In den vergangenen Jahren ist es ihr immer wieder gelungen, die Phalanx der „großen Nationen“ Italien, Frankreich, Schweiz und Spanien zu durchbrechen und sich an die internationale

Spitze der Skibergsteiger zu setzen: Mit Weltund Europameistertiteln, Weltcupgesamtsiegen und -podien sowie hervorragenden Top 5 und Top 10 Platzierungen – bei den Senioren wie im Jugendbereich und in allen Disziplinen.


Foto: Willi Seebacher


We are Family Im Ziel werden aus Konkurrenten wieder Freunde

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Eine starke Verbindung Erfolg ist mehr als nur hartes Training In der Wettkampfsaison verbringen die Athleten viel Zeit miteinander: Sie teilen nicht nur Hotelzimmer, Frühstückstisch und den Bus miteinander, sondern auch psychische und physische Krisen, Siege und Niederlagen. Das schweißt zusammen: Wer über Stunden auf der Autobahn seinen Polyesterschweiß miteinander geteilt hat, kennt keine Geheimnisse mehr voreinander. Vielleicht liegt in der Übermacht des Testosterons auch der Grund, warum sich nur wenige Frauen in Deutschland den Herausforderungen des Wettkampfskibergsteigens stellen? Doch ob mit oder ohne Frauen: Gute Vibes, Teamgeist, Fairness und viel Spaß an der Sache sind für den Erfolg der Mannschaft mindestens so wichtig wie die Summe der gelaufenen Höhenmeter.


Schneeballweitwurf als idealer Ausgleichssport im Winter


Hey Toni, wo bleibt eigentlich dein Apfelstrudel?


Und wir Manns


sind die schaft


Bernhard Bliemsrieder Team Manager und Coach Seine Lieblingsdisziplin ist die Mannschaft. Und die erfordert Vielseitigkeit: Team Manager „Bliemsi“ sorgt dafür, dass die Athleten zur rechten Zeit am rechten Ort sind, kümmert sich um Anreise und Unterkunft, besichtigt die Strecke, gibt Tipps für die richtige Renntaktik, reicht Stöcke, feuert an, ist „Mädchen für alles“ und noch viel mehr. Im Notfall springt

er auch schon mal selbst im Wettkampf ein – so geschehen beim Staffelrennen bei der WM 2013 in Pelvoux. Dank seiner ehemaligen Leistungssportkarriere im Biathlon und seiner Teilnahme an internationalen Skitourenrennen geht dem 25-jährigen Medizinstudenten aus Innsbruck bei solchen Spontaneinsätzen definitiv nicht die Puste aus.


Seppi Rottmoser Das Rosenheimer Sprinttier Nach Aussagen der Team-Physios hat er die dicksten Oberschenkel im Team: Kein Wunder also, dass der 25-jährigen Garten- und Landschaftsbaumeister aus Rosenheim im Sprint am meisten Dampf auf die Ski bringt, wenn es um kurze und knackige Anstiege geht. 2015 haben ihm seine Quadrizepse in seiner Paradedisziplin den Vizeweltmeistertitel beschert, 2013 den Weltmeistertitel und Weltcupgesamtsieg, 2012 staubte er den Europameistertitel ab. Lange Aufstiege sind weniger seine Sache, dafür lange und schwierige Abfahrten umso mehr: Als Kind früh auf

die Ski gestellt (erste Skitour mit 7 Jahren auf abgesägten Alpinski mit Silvretta 305 Rahmenbindung), ist er heute ein begnadeter Abfahrer, der sich auf Rennlatten in Steilrinnen stürzt, die selbst eingefleischten Freeridern den Atem stocken lassen. Ins Jugendnationalteam Skibergsteigen führte ihn 2007 der pure Zufall: Eigentlich wollte Seppi zum DAV Expeditionskader. Nachdem er hier das Sichtungscamp verpasst hatte, ging er einfach zum Jugendcamp Skibergsteigen in Praxmar – und gewann prompt das Rennen. Damit war sein weiterer Weg vorgezeichnet.


Toni Palzer „Da Doni“ oder die Ramsauer Rakete Sein Ziel ist klar: „Ich will weltbester Skibergsteiger werden.“ Als amtierender Jugendweltmeister, Gesamtweltcupsieger 2015 bei den Espoirs (U23) in allen Disziplinen und als Vizeweltmeister im Vertical bei den Senioren ist er davon nur noch wenige Sekunden entfernt. Seit 2009 hat Toni bei jedem internationalen Jugendrennen in allen Disziplinen Gold nach Hause getragen – sieht man von drei auch nicht zu verachtenden 2. Plätzen ab. Mit dieser Titelausbeute kann man ihn zweifellos als erfolgreichsten Nachwuchsskibergsteiger aller Zeiten bezeichnen. Und auch den Übergang in die Erwachsenenklasse hat er 2015 nahtlos gemeistert: Gleich im ersten Jahr bei den Herren gingen zwei Weltcupsiege auf Tonis Konto. Die Berge sind sein Leben. Und das kommt nicht von ungefähr: Aufgewachsen in der Ramsau

im Berchtesgadener Land, nimmt sein Vater (ebenfalls Deutscher Meister im Skibergsteigen von 2003) ihn mit zarten 5 Jahren auf die erste Skitour auf die Watzmann Gugl. Nur ein Jahr später läuft er sein erstes Rennen beim Götschenfuchs in Bischofswiesen. So wurde ihm die Leidenschaft fürs Skibergsteigen und für den Berglauf (2013 wurde er auch hier Deutscher Meister) quasi in die Wiege gelegt. Seit 2013 ist Toni Sportsoldat bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr. Seitdem kann sich der 22-jährige gelernte Feinwerkmechaniker 100-prozentig auf seinen Sport konzentrieren und sich täglich neuen Herausforderungen am Berg stellen. Denn für ihn ist es das Größte, draußen in der Natur ans körperliche Limit zu gehen.


Toni Lautenbacher „Toni L.“ – der laufende Konditor Zu frühes Aufstehen und hartes Training vertragen sich nicht. Deshalb hat Toni Lautenbacher 2014 seine Arbeit als Konditor vorerst an den Nagel gehängt, um sich anstatt Torten und Kuchen voll und ganz anderen Spezialitäten zu widmen: Dem Skibergsteigen und dem Berglauf. Seit 2014 ist der 24-Jährige aus Benediktbeuern Sportsoldat bei der Bundeswehr und knetet nun nicht mehr im Morgengrauen den Teig, sondern abends seine Waden und Oberschenkel. Sympathisches Understatement beschreibt sein Wesen

vielleicht am besten: So wollte er 2015 bei den internationalen Rennen eigentlich nur unter die Top-20 laufen und landete bei der Weltmeisterschaft im Vertical Race auf dem sensationellen 7. Platz und beim Weltcup im Martelltal auf Platz 3 im Sprint. Damit hat der amtierende Deutsche Meister nicht nur sein Team, sondern wohl am meisten sich selbst überrascht. Und es werden sicher noch einige Überraschungen folgen – auf seinen selbst gemachten Apfelstrudel wartet das Team allerdings immer noch.


Corni Unger Kein Berg zu steil Höhenangst kennt Corni Unger garantiert keine: Als gelernter Zimmermann, Kletterer und passionierter Gleitschirmflieger ist er in schwindelnden Höhen zuhause. Und auch in der vergangenen Wettkampfsaison ging es für den 22-jährigen Bundeswehrler aus Schönau am Königssee steil nach oben: Mit einem 5. Platz bei den Espoirs im Sprint bei der WM in Verbier hat

er den Sprung aufs Podium fast geschafft und auch in den Jugendklassen ist er international schon mehrfach unter die Top 5 gelaufen. Seine Stärke sind steile Tragepassagen, flache Vertical Rennen mag er dagegen nicht so gerne. Inmitten traumhafter Berglandschaft an seine Grenzen gehen – für Corni ist das das Größte am Skibergsteigen.


Philipp Schädler Der Newcomer Er ist in den verschiedensten Bergsportdisziplinen zuhause: In Schnee und Eis, am Fels und auf wilden Trails. Seine sportliche Laufbahn startete der 28-Jährige Allgäuer allerdings als Alpinskifahrer. Dann merkte er, dass die umgekehrte Fahrtrichtung durchaus auch ihre Reize hat: Über seine Platzierungen bei nationalen Skitourenrennen und Bergläufen machte der staatlich geprüfte

Skilehrer auf sich aufmerksam und feierte 2015 sein Weltcup-Debüt im Skibergsteigen. Als Kanadischer Meister und Deutscher Vizemeister im Individual, mit Top 10-Platzierungen bei Sella Ronda und Mountain Attack sowie Platz 2 bei der Trophée du Muveran im Team mit Toni Lautenbacher hat Philipp ein hervorragendes erstes Jahr hingelegt und ist ab 2016 fester Bestandteil der Mannschaft.


Engelbert Fuchs „Da Engei”: Physio und Lebensberater Beim Physiotherapeuten ist es vielleicht ein bisschen wie beim Friseur: Hat man erstmal eine entspannte Position eingenommen, sprudeln die intimen Details ganz von alleine. Und so verwundert es nicht, dass Chef-Physio Engelbert Fuchs für unsere Jungs nicht nur der Mann ist, der die Muskeln und Faszien lockert – er gibt auch schon mal schlaue Tipps, wenn’s mit den Mädels nicht so richtig läuft. Seine Kernkompetenz ist es jedoch, mit ganzheitlichen physiotherapeutischen und osteopathischen Methoden die Athleten wieder fit zu machen. Und das tut er nicht nur bei den Wettkämpfen:

Das ganze Jahr über begeben sich die Sportler auf die heilenden Liegen in seiner Praxis in Bad Reichenhall. Mit ihren Problemzonen ist er also bestens vertraut. Apropos Liege: Sie ist das widerspenstige Stiefkind im Team – zu groß für den Bus, zu sperrig fürs Flugzeug, zu lang fürs Hotelzimmer. Sie unterzubringen ist oft schlimmer als der stärkste Wadenkrampf. So muss manchmal eben auf dem Hotelgang behandelt werden. Und noch ein Experten-Tipp zum richtigen Kinesio-Tape: Engelbert empfiehlt Leopardenoptik – das macht schnell.


Matthias Schöndorfer Der zweite Mann im Physio-Team Beschwerdefreiheit nach der ersten Behandlung – manchmal vollbringt der 23-jährige Physiotherapeut und Osteopath aus Schönau am Königssee solche Heilwunder. Und auch wenn’s mal länger dauert, liegt sein Erfolgsgeheimnis darin, für jeden Patienten die individuell passende Behandlungsform zu finden. Von

den Kaderathleten verbringen Seppi R. und Toni P. am meisten Zeit auf seiner Liege, die er bevorzugt mit osteopathischen Techniken wieder fit macht für den nächsten Renneinsatz. Sein Tipp zur Verletzungsprophylaxe: Ein gutes Aufwärmtraining zahlt sich immer aus.


Story and Photos by Andrés Beregovich - Designed and Edited by Ekko Images Words by Eva Hammächer Ekko Images Publishing Correspondence: andres@ekkoimages.com Website: www.ekkoimages.com Eva Hammächer Website: www.movingtext.de First published in Germany 2015 by Ekko Images Publishing for the DAV (Deutscher Alpenverein) Copyrights 2015 DAV - Deutscher Alpenverein e.V. All rights reserved Grenzgänger 2015 Copyrights 2015 DAV and Ekko Images. All rights reserved. No part of this book can be reproduced in any form or by any means, without the prior written consent of the publisher or the DAV. All artwork, unless stated otherwise, is Copyright of Andres Beregovich. All artwork that is not copyright to the DAV or Ekko Images is marked accordingly. Every effort has been made to ensure the credits and contact information listed is correct. However, if any errors have occurred the editors, publishers and the DAV disclaim any liability and respectfully direct people to their website www.alpenverein.de for any updated information or corrections needed. Printed in Germany


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