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pl9_cover_druck_200712_end Freitag, 20. Juli 2012 13:42:40


Axel Klingenberg und Andreas Reiffer (Hg.): The Punchliner Nr. 9 Redaktion: Axel Klingenberg, Marcel Pollex und Andreas Reiffer Umschlaggestaltung : Patrick Schmitz (www.pottzblitz.com) Satz/Layout: Andreas Reiffer Lektorat: Max Lüthke 1. Auflage, November 2012, Originalausgabe Alle Rechte des Gesamtwerkes beim Verlag Andreas Reiffer Alle Rechte an den Einzelwerken bei den Autorinnen und Autoren, Zeichnerinnen und Zeichnern bzw. deren Verlagen Druck und Weiterverarbeitung: CPI books, Leck ISBN 978-3-934896-97-0 The Punchliner erscheint unregelmäßig, aber mindestens einmal im Jahr. Verlag Andreas Reiffer, Hauptstr. 16 b, D-38527 Meine www.verlag-reiffer.de www.facebook.com/thepunchliner

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The Punchliner Nr. 9

Inhalt

Vorwort .................................................................................................................... 6 Tinnef, Tand und Trödel

mit Beiträgen von Thomas Behlert, Anna Breitenbach, Fossi, Gerald Fricke, Jörg Herbig, Björn Högsdal, Tobias Kunze, Andreas Reiffer ............ 8 Illustration von Markus Magenbitter .................................................................. 11

Stories

Heiko Werning: Meine eindruckvollsten Gerüche .......................................... 12 Sabrina Schauer: Wie angelt Frau sich einen Mann ........................................ 16 Xóchil A. Schütz: Wie ich mal mein eigenes Süppchen kochen wollte ....... 19 Michael Jakob: Spieleabend ................................................................................. 21 Micha-El Goehre: In love with satan ........................................................... 24 Mit einer Illustration von Attik Kargar Ninia LaGrande: Stadtkind .................................................................................. 27 Max Lüthke: Der schwarze Hulk ........................................................................ 30 Mit einer Illustration von Attik Kargar Kersten Flenter: Mittelschmidt macht eine Therapie und es ist schwierig ... 36 Sven Stickling: Die Glücksbärchi-Pädagogik ................................................... 41 Sebastian Hahn: Ehrlichkeit währt am längsten ........................................... 44 Illustration von Johannes Floehr ........................................................................ 46 Andreas Weber: Action-Andy und die Busfahrer ........................................... 47 Wupke Flash: Ich habe viel mit Schwänzen zu tun ... ............................ 50 Andy Strauß: Märchen haben nicht zwangsläufg recht ... ....................... 52 Michael Wehram: Warum ich lieber beim Biobauern einkaufe ... ................. 55 Tobias Kunze: Ungebetene Fachbesuche ........................................................... 57 Björn Högsdal: Langweilig .................................................................................... 63 Alex Gräbeldinger: Bald ist Weltuntergang, bitte weitersagen! .................... 65 Mit Illustrationen von Arne Kulf Peter Schanz: Hans-Günther im Glück .............................................................. 69 Vier Illustrationen von Thomas Glatz ................................................................. 72 Daniel Terek: Der Kreisel des Todes ................................................................ 74 Mit einer Illustration von Attik Kargar Björn Högsdal: Gebete .......................................................................................... 79 Mit einer Illustration von Attik Kargar Johannes Floehr: Mal Nachrichten .................................................................... 81 Sven Stickling: Occupy China .......................................................................... 83

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Axel Klingenberg: Wenn ich Bundeskanzlerin wäre ...................................... 86 Helge Goldschläger: H und G im Forstbestand ............................................ 87 Hauke Trustorff: Seltsame Sportarten ............................................................ 89 Mit Illustrationen vom Autor Axel Klingenberg: 7 Regeln für den erfolgreichsten Film aller Zeiten ....... 92 Mit einer Illustration von Attik Kargar Robert Rescue: E3, Wasser ... ................................................................................ 94 Marcel Pollex: Roland Kaiser und Udo Jürgens ... ....................................... 97 Illustration von Sascha Dettbarn ......................................................................... 99

Poetry

Gerrit Wilanek: Am Beckenrand ................................................................... 100 Anna Breitenbach: Stallwärme ......................................................................... 104 Marian Heuser/Der Marian: Hab Geduld .................................................... 106 Illustration von Thomas Glatz ......................................................................... 107 Torsten Wolff: Ich schwöre auf Möhre ...................................................... 108 Thomas Glatz: Ein ordinärer Waldspaziergang ........................................... 110 Karsten Lampe: Was der industrielle Komplex so denkt .......................... 111 Lasse Samström: Die soße Grindflut .............................................................. 114

Serien

Re und Contra: Von Axel Klingenberg und Sascha Mühlenbeck .............. 116 Gute Nachrichten: Von Marcel Pollex ............................................................ 120 Pratajev im Punchliner: Pratajevs größter Hit ................................................ 121 Letzte Worte: Von Fossi ...................................................................................... 123

Viten und Mythen ........................................................................................... 124

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Micha-El Goehre

In love with satan Aufwachen, Anlage an. Höre den Soundtrack zu meinem neuen Lieblingsfilm: »Jesus Fistus – Die Faust Gottes. Er nagelt sie und legt sie aufs Kreuz.« Hab meinen freien Tag, also lese ich erst mal ein bisschen. Friedrich Nietzsches »Antichrist«. Ne, is gelogen, ich lese ‘n Pornoheft. Na ja, eigentlich ist es ein Lustiges Taschenbuch. Killcommander ruft an. Ob ich gerade wieder Lustiges Taschenbuch lese und mir Daisy Duck nackig vorstelle. Nein, lüge ich und ziehe meine Hose hoch. Killcommander sagt, dass ich krank und pervers und er stolz auf mich sei. Ich frage, was anliegt, und er sagt, ich soll abends zu ihm kommen, die Zweckgemeinschaft will grillen. Ich schaue auf den Kalender. 15. Januar steht da, und ich sag, okay, Grillen klingt gut. Wir grillen nur im Winter. Das ist true. Nord-ost-nordnorwegisches Barbeque nennen wir das. Kein Feuer, nur Mett. Und Met. Muss aber vorher in die Stadt. Hasse mich gerade durch die Einkaufspassage, als ich einen Typ mit Corpsepaint sehe. Cool, ein Kollege, denke ich und geh zu ihm rüber. »Hass, Alter«, sage ich, aber er sagt nix. Kein Wunder, er kann mich nicht verstehen, zwischen uns ist eine dicke Scheibe, an der er rumpatscht. Denke ich zumindest, aber als ich klopfen will, ist da nix. Was für ein Arsch. »HÖRMA!«, sag ich, »VERARSCHEN KANN ICH MICH ALLEINE!« Und gebe dem Kollegen mal gepflegt eins auf die Zwölf, was anwesende Kinder als Anlass nehmen, loszuheulen. Die Erwachsenen applaudieren und gratulieren mir, ich hätte ihren Traum gelebt, von wegen Pantomime umwemmsen und so. Soviel Zuwendung ist nichts für mich, also flüchte ich mich in die nächste Schlachterei und besorge Mett und Rinderblut. Zum Einreiben. Abends bin der Letzte, der bei Killcommander antanzt. Die Zweckgemeinschaft ist schon vollständig anwesend und damit beschäftig rumzustehen. Alle ziehen eine angefressene Miene, und keiner sagt was. Coole Party, denke ich und sage: »Voll scheiße hier.« Killcommander sagt danke und zeigt auf einen mir unbekannten Rücken. »Kennt ihr euch schon?«, fragt er,

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und ich sag, nö, wer ist der Kerl, und wie auf Kommando dreht der sich um und ist ne Sie. Sie sagt: »Hi«, und ich antworte wahrheitsgemäß »Hmpflbrrrt«. Blöde Antwort, denke ich. Aber ein guter Bandname. Apropos Name, ich sag ihr meinen. Sie sagt, ihr Name wäre Gruftmuschi, und ich solle mich verpissen. Und schlägt mir mit Schmackes in den Magen. Krümme mich auf dem Boden, kotze ein bisschen und fühle mich ganz komisch. Ich glaub, ich bin verliebt. Obwohl, geht ja gar nicht. Bin doch true, und Liebe ist völlig untrue. Aber das Gefühl ist da, das lässt sich nicht leugnen. Vom Erbrechen mal abgesehen, kribbelt es in meinen Innereien. Fühlt sich an, als hätte ich Raben im Bauch, wenn ich nur an Gruftmuschi denke. Aber Liebe geht nicht, ich brauche ein anderes Wort dafür. Anti-Hass ist gut. Anti und Hass in einem, das ist true.

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Wanke zu ihr hin. »Hallo, ich nochmal«, sag ich. »Du bist scheiße«, sagt sie. »Du bist zum Kotzen«, sag ich, und so kommen wir ins Gespräch. Reden über Satan und diverse Weltuntergangsszenarien, Lieblingsfriedhöfe und so. Vergleichen unsere favorisierten Hassobjekte und sind uns einig, dass wir die Menschheit hassen: Kinder, Popper, Rapper, Deppen, Sonnenaufgänge und Berliner mit Pflaumenmusfüllung. Bei letzteren sind wir uns besonders einig, Berliner mit Pflaumenmusfüllung geht gar nicht, das ist irgendwie Verarsche. Verabreden uns zum gemeinsamen Backen. Wollen Berliner machen. Als Füllung nehmen wir pürierte Ziegenleber. Zugegeben, schmeckt unglaublich beschissen. Ist aber true wie nix. Sie muss los. Wir beleidigen uns noch ein bisschen, dumme Nutte sie, impotenter Wichser ich. Telefonieren am nächsten Abend und verabreden uns für Mitternacht, ein bisschen Wein trinken, labern, Satan preisen und vielleicht noch eine Folge Scrubs gucken. Bei Scrubs wird bei uns nur gelacht, wenn einer stirbt. Wir lachen oft. Ist zwar nur ein paar Stunden hin, aber für mich fühlt es sich an wie 666. Ich muss wirklich verantihasst sein, wenn ich so scharf darauf bin, Gruftmuschi wiederzusehen. Slayer of Innocent Virgins befürchtet, dass ich bald nicht mehr mit ihm um die Häuser ziehen und unschuldige schlachtbare Jungfrauen suchen werde, und Misanthropic Hellchild nennt mich eine Pussy und sagt, ich wäre ja wohl ein Verräter und voll nicht true. Mag sein, denke ich. Vielleicht bin ich untrue. Aber dafür kriege ich endlich mal Sex. Und das wiederum finde ich persönlich äußerst true.

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Johannes Floehr

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Wupke Flash

Ich habe viel mit Schwänzen zu tun Aus dem Tagebuch einer Lehrerin

Es ist Montag. Montage finde ich irgendwie nicht so cool. An Montagen sind die Busse immer zu spät und auch mein Fahrrad. Und so auch ich. Aber das macht nichts. Von den Schülern ist eh noch keiner da. Ein akademisches Viertel zu spät sitze ich also im Klassenraum und hake schön ab, wer so durch die Tür kommt. Marco, 10 Min V für Verspätung, Jana-Micaela 15 Min, Horst 20 Min und so weiter. Das mache ich dann bis zum Ende der Doppelstunde bzw. Anfang der 3. Stunde und trage dann die ein, die meinen, für Englisch lohne es sich sowieso nicht aufzustehen und lieber die Schule schwänzen, als in ihr rumzupimmeln. Vera kommt erst am Mittag. Am Dienstag sind ich und die Hälfte der Schüler pünktlich. An der Tafel steht, so einmal quer rüber: »Good morning, Ms Flash, I have a huge cock.« »Wer war das?!«, schreie ich in den Raum. Keine Meldung. Ich versuche, meine Begeisterung für das Formulieren eines ganzen Satzes ohne Fehler – und das auch noch in einer Fremdsprache! – für mich zu behalten. Aber dann bricht es heraus: »Mensch Leute, super, ein ganzer Satz, und »huge« haben wir noch gar nicht nicht im Unterricht durchgenommen, das müsst ihr euch in eurer Freizeit angeeignet haben!!!« Awesome! Gorgeous! Brilliant! Da meldet sich Than. Er ist auch ein bisschen stolz, und ich trage ihm in meinen Lehrerkalender eine 1 für die heutige Mitarbeit ein. Mittwoch. Ich frage Than, wie es seinem riesigen Hahn geht. Ich formuliere es extra deutlich: »How is your huge cock?« und verdeutliche durch Zeichensprache, was mit »huge« gemeint ist, denn so prägen sich neue Vokabeln besser ein, aber Than scheint nicht zu wissen, wovon ich rede, oder er will nicht antworten. Na, vielleicht haben seine Eltern den auch in den Kochtopf gepackt, man weiß ja nie, bei den Asiaten! In der Pause bricht Scarlet unter Tränen zusammen. Ich frage sie, warum sie die Lehranstalt im letzten Monat nicht aufgesucht hatte. Sie sei schwanger von einem Drogendealer aus Wolfsburg. Wolfsburg, na, da würde ich aber auch heulen!

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Donnerstag: Klassenbuch weg. Ich befrage die Schüler einzeln und in Gruppen und wende dabei Verhörtechniken an, die ich im Referendariat erlernt habe. Irgendwann wird schon jemand einbrechen. Ende der 5.Stunde erliegt Scarlet meinen Psychotricks und gesteht unter Tränen: »Luke war‘s!« Das Klassenbuch ist in der Vertäfelung der Tafel. Der Hausmeister schraubt die Tafel auseinander und es kann weitergehen. Ich bin froh, normalerweise werden Klassenbücher verbrannt, aber es ist noch nicht Ende des Schuljahres, und die Fehltage liegen bei den meisten Schülern erst so bei 30 von 50. In der 6. Stunde schreiben wir eine Arbeit, wir wollen über Umweltverschmutzung schreiben. Paul gibt sich richtig Mühe. »The people destroy the living room of the animals.« Ich find das super. Ich schreibe drunter. »Wo sollen die dann ihren Fernseher hinstellen?!« Und lache mich schlapp. Ich liebe meinen Beruf und ich bin eine gute Pädagogin. Da bin ich mir sicher. Freitag fällt Luke schon wieder unangenehm auf. Er hat IQ 0 an die Tafel geschrieben und da drüber »Scarlet«. Scarlet heult schon wieder, und diesmal beruhigt sie sich nicht so schnell. Ich verlange, dass er sich bei ihr entschuldigt und das wegwischt. Er weigert sich, droht mir und Scarlet Prügel an und begründet das folgendermaßen: »Von Frauen lasse ich mir nix sagen!« Ich sehe das ein und setze meine Darth Vader-Maske auf, die ich für die Karnevalsfeier gekauft hatte: »Ich bin dein Vater, Luke«, röchel ich, »wisch das weg!« »Ja, Papi«, antwortet Luke kleinlaut. Puh, Glück gehabt, es gibt nix auf die Fresse, für heute jedenfalls.

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Marian Heuser/ Der Marian

Hab Geduld Graziös, so lehnst du am Geländer und streckst dein Antlitz in die Sonne, auf dass sie vor Neid die Farbe änder`. Dich zu seh`n, welch eine Wonne! Weiblichkeit hat einen Namen, und deinen Duft verteilt der Wind. Du bist Gottes schönste Gabe, du bist Gottes schönstes Kind. Bist filigran und doch so stark, dass man dich nur bewundern mag. Und ich ersehne schon den Tag, an dem den letzten Schritt ich wag. Ja, du funkelst wie die Sterne, saugst in dir auf die Sonnenwärme. Dich zu pflegen, mach ich gerne. Was gibt es Schön`res auf der Erde? Frohlockend schaust du zu mir rüber, doch musst noch warten mit dem Tanze! Erst im Herbst sind wir vereint, nur du und ich, Cannabispflanze.

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The Punchliner Nr. 9