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9783934896925_umschlag Donnerstag, 5. Juni 2014 19:00:03


Monster, Monster Das Lexikon der Ungeheuer, Unholde und ungem端tlichen Zeitgenossen

Micha-El Goehre

Leseprobe

reiffer

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Micha-El Goehre Monster, Monster Das Lexikon der Ungeheuer, Unholde und ungemütlichen Zeitgenossen Umschlaggestaltung und Illustrationen: Patrick Schmitz (www.pottzblitz.de) Satz und Layout: Andreas Reiffer Lektorat: Max Lüthke 1. Auflage, 2014, Originalausgabe © Verlag Andreas Reiffer, 2014 Druck und Weiterverarbeitung: CPI books, Leck ISBN 978-3-934896-92-5 Verlag Andreas Reiffer, Hauptstr. 16 b, D-38527 Meine www.verlag-reiffer.de www.facebook.com/verlagreiffer

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I’ve got a monster in my closet Someone’s underneath my bed The wind is knocking at my window I’d kill it but it’s already dead Gnarls Barkley, »The boogy monster«

Inhalt Vorwort ...................................................... 5 Teil 1: Humanoide .................................. 7 Teil 2: Tierische ...................................... 65 Teil 3: Sonstige ....................................... 78 Autorenvita .............................................. 94

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Außerirdische Region: überall. Und ich meine wirklich ÜBERALL, nur nicht auf der Erde. Häufigkeit: vermutlich ziemlich zahlreich Sexyness: mal so, mal so Meuchelquote: mittel Verwandte: Nina Hagen Stars: Marsianer, Mr. Spock, Alien, Predator, Klaatu, Kal-El (Superman), Mork vom Ork, Blob, Alf Paradebeispiele: Krieg der Welten, Independence Day, Die dreibeinigen Herrscher, Mars Attacks, Die Körperfresser kommen, Das Ding aus einer anderen Welt, Astro TV Was muss ich wissen? Seit der Mensch kapiert hat, dass die lustigen kleinen Lichter am Nachthimmel keine Löcher in irgendeiner Kuppel (bei Katholiken setzte sich diese Erkenntnis ca. 1956 durch, aber so richtig überzeugt sind sie immer noch nicht), sondern Himmelskörper und damit möglicherweise auch Planeten wie unsere Erde sind, sinnieren sie darüber, ob es dort auch intelligentes Leben gibt. Oder Menschen. Meist reichte die Fantasie nur bis zu Mond, Mars und Venus, den uns nächsten Himmelskörpern, und ihre Bewohner stellte man sich durchweg als menschlich vor. Im 16. Jahrhundert stellte Giordano Bruno die These eines

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unendlichen Universums mit unendlich vielen Lebewesen auf, eine sehr moderne Ansicht, weswegen man ihn auch verbrannt hat. Als 1877 die angeblichen Marskanäle entdeckt wurden, kam die Fantasie der Künstler und sonstiger sympathischer Spinner richtig in Gang, und als 1898 H.G. Wells die Marsianer in dreibeinigen Kampfmaschinen auf die Erde losließ, gab es kein Halten mehr. Seither tummeln sich in der Science Fiction extraterrestrische Monster in einer solchen Vielfalt, dass eine auch nur annähernd vollständige Auflistung jeglichen Rahmen sprengen würde. Sie kommen in Form von Riesenkäfern (z.B. Starship Troopers), Nachgeburtentraumata (Alien), grauhäutigen anorektischen Entführern mit starkem Interesse an menschlichen Ani (Akte X, South Park: Cartman und die Arschsonde), gefräßigem Wackelpudding (Der Blob), Uschi Glas (E.T.), mordlustigen Pflanzen (Blumen des Schreckens), hochqualifizierten Pädagogen (Das Dorf der Verdammten) oder Agrarkünstlern (Signs). Ihre Intentionen sind ebenso vielfältig. Manche wollen die Menschheit einfach plattmachen, andere müssen die Erde im Zuge eines interstellaren Autobahnbaus sprengen. Einige sehen die Menschheit als lecker Essen oder gratis Arbeitskräfte (vergleiche auch »Arbeitplus Jobcenter«). Eine eher geringe Chance besteht, auf Außerirdische zu treffen, die neue Freunde finden oder nur mal eben telefonieren wollen. Im Großen und Ganzen wird Außerirdischen ein eher unsoziales Verhalten unterstellt. Getreu dem Motto ei-

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nes galligen Galliers aus Asterix: »Wir haben nichts gegen Fremde. Aber diese Fremden sind nicht von hier.« Zu der Angst vor dem Unbekannten und den schleierhaften Motiven gesellt sich die Angst, Wesen, die in der Lage sind durch den Weltraum zu reisen, im Fall eines Angriffs technisch heillos unterlegen zu sein. Zumal die meisten Welten deutlich unwirtlicher sind als unsere gute alte Terra. Was für Lebewesen entstehen unter solchen Bedingungen? Und wovon ernähren sie sich? Und tut es weh? Fragen über Fragen, die wir vermutlich nie werden beantworten können. Denn sollte es eine Spezies geben, die es eines Tages wirklich mal auf die Reihe kriegt, Galaxien zu durchqueren, so bleibt doch fraglich, ob sie die Mühe auf sich nimmt, sich mit einer Gattung zu beschäftigen, zu der Florian Silbereisen und Kirsten Stewart zählen. Wie werde ich so einer? Außerirdischer wird man nicht, Außerirdischer ist man. Allerdings kann man sich damit trösten, dass man nach aktuellen Zahlen auf ein paar Milliarden Planeten auch als schnöder Erdbewohner als Alien angesehen wird. Und in der Schweiz. Wie mache ich so einen tot? Aufgrund der Vielfalt kann man das nicht so generell sagen. Letzte-Hoffnung-Waffen wie die Atombombe haben in vielen Geschichten völlig vergeigt. Effektiver ist anscheinend das Zerstören von Mutterschiffen, wor-

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aufhin Invasionsarmeen schlagartig besiegt sind. Das ist ungefähr so, als wären 1942 alle US-Amerikaner auf der Stelle tot umgefallen, als die Japaner bei der Schlacht um Midway den Flugzeugträger USS Yorktown versenkten. Im Einzelkampf Mann gegen Extraterrist hat sich der gute alte Flammenwerfer als nützlich erwiesen. Macht man das Alien damit nicht tot, ist es danach wenigstens dermaßen angepisst, dass man sich um den weiteren Verlauf des Kampfes keinen Kopf mehr machen muss.

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Clowns Region: überall, wo es nach Ponypipi stinkendes Sägemehl gibt Häufigkeit: selten Sexyness: wenn man keinen komplett schrägen Fetisch hat: null Meuchelquote: zum Totlachen Verwandte: Harlekin, Hofnarr Stars: Captain Spaulding, Joker, Pennywise, Krusty der Clown Paradebeispiele: Es, Batman: Der Joker Was muss ich wissen? Hartnäckig hält sich das Gerücht, Pantomimen oder Clowns würden Kindern Freude bereiten. Die Wahrheit ist: Wenn sich so ein Mindestjähriger nicht stante pede unter Mutters Minirock verkriecht, sondern tatsächlich ein Lachen zustande bringt, während ein fetter und noch fetter geschminkter fremder Mann mit Plastikschnapsnase die unlustigsten Faxen der Welt macht, dann ist dieses Lachen nicht der Ausdruck kindlicher Freude. Es ist schiere Panikhysterie in ihrer reinsten Form.2 Nur damit ist zu erklären, warum sich erwachsene Männer in viel zu große Schuhe und Klamotten werfen, die selbst den durchschnittlichen Fußballfan wie in Armani gekleidet 2 Die Angst vor Clowns heißt auf Schlau übrigens »Coulrophobie« und ist recht weit verbreitet.

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aussehen lassen: Clowns hassen Menschen. Und ganz besonders hassen sie Kinder. Es gibt nicht viel, was ein Kind mehr traumatisieren kann als die Begegnung mit so einem übermütigen Bobo. Und dafür muss ein Sechsjähriger noch nicht mal Stephen King gelesen haben. Clowns sind von Natur aus scheiß gruselig. Vermutlich weil man instinktiv erkennt, dass jemand, der dauernd grinst (Ausnahme: trauriger Clown) und drei zusammengezwirbelte Luftballons für einen Hund hält, schwer einen an der Waffel hat. Die meisten Menschen würden sich lieber mit einer Horde finster dreinblickender Muslime, einer Horde finster dreinblickender Katholiken oder einer Horde finster dreinblickender Dynamo Dresden-Ultras nach besiegeltem Abstieg in einen Bus setzen, als rauszufinden, wie viele Clowns in ein Auto passen. Wenn man drüber nachdenkt, ist der Killerclown mit Steakmesser allerdings eine, na ja, Lachnummer. Ist es normalerweise die kreischende Collegetussi, die über ihre eigenen Füße stolpert, während der schleichend schlurfende Killer hinter ihr her keucht, macht sich hier der Mörder zum Affen. Bei den Riesenschuhen darf man davon ausgehen, dass der Clown eine Verfolgungsjagd nur gewinnt, wenn das Opfer sediert auf einem Stuhl sitzt oder einfach generell keinen Bock mehr aufs Leben hat und Sich-AbmurksenLassen als dufte Alternative zum schnöden Suizid betrachtet. Außerdem haben Clowns ein psychologisches Problem: Während sich der Durchschnitts-Slasher eine Maske aufsetzt, um nicht erkannt zu werden, ist die Maske des Clowns sein eigentliches Gesicht. Um sich zu

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tarnen, wie es sich gehört, müsste er sich also eigentlich abschminken. Und dann wäre er einfach nur ein Typ in bunter Umstandskleidung mit kommunistischer Afrofrisur. Der Killerclown ist und bleibt eine Witzfigur. Wie werde ich so einer? Am besten beginnt man damit, sämtliche Selbstachtung ad acta zu legen. Dann verlernt man jegliche Witzigkeit und gewöhnt sich daran, ständig eine Schminkeschicht zu tragen, die jede angeheiratete C-Promi-Societyschickse, Achtung, Knallergag: blass werden lässt. Dazu gewöhnt man sich das Tragen an von mehr Ballonseide, als ein durchschnittlicher Proll in seinem ganzen Leben bei Kik klauen kann. Anschließend sucht man sich eine markante Waffe und einen »Killing Joke«, einen Witz, den man reißt, kurz bevor man sein Opfer umnietet. Er muss nicht lustig sein. Wie mache ich so einen tot? Killerclowns sind in der Regel nicht übernatürlich, deswegen reichen die üblichen Waffen, mit denen man auch einen Durchschnittskiller kleinkriegt. Viel mehr Spaß macht es allerdings, den Clown mit Abschminkutensilien zu bewerfen, bis er vor Verzweiflung zusammenbricht.

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www.toenissen.de

Micha-El Goehre, in Monsterjägerkreisen auch gerne Micha-El Goehre genannt, beschäftigt sich mit der Beobachtung einer Herde ostwestfälischer Trolle (siehe auch die preisungekrönte Doku »Trottel im Nebel«), dem Hören von monströs lauter Musik und dem Schreiben von ungeheuer unerfolgreichen Büchern, zuletzt die Heavy Metal-Romane »Jungsmusik« und »Höllenglöcken«. Ende 2014 erscheint seine Textsammlung »Wenn das Leben kein Ponyhof ist, warum liegt dann Stroh in der Ecke?«. Seine Lieblingsmonster haben sich Jim Henson und H.R. Giger ausgedacht.

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Monster, Monster  

Leseprobe aus: Micha-El Goehre: Monster, Monster Verlag Andreas Reiffer, 2014 www.verlag-reiffer.de

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