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Zeitschrift der Franziskaner-Minoriten 78. Jahrgang – Nr. 3 – 2012

Mariabuchen

Foto: Andreas Murk

Kloster und Wallfahrtskirche

WALLDÜRN

Wallfahrtskirche und Minoritenkloster


Gleich zwei Beiträge handeln von der Verehrung der heiligsten Eucharistie, des Altarsakramentes, der heiligen Mysterien des Leibes und Blutes Jesu Christi. Im Gnadenort Walldürn beginnt die Hauptwallfahrtszeit immer am Dreifaltigkeitssonntag, der in diesem Jahr auf den 3. Juni fällt, und sie dauert vier Wochen, bis zum 1. Juli. Für die Fußwallfahrer aus dem Erzbistum Köln hält Kardinal Joachim Meis­ner das Pontifikalamt, es gibt die Eichsfelder Fußwallfahrer – erstaunlich weit und vielfältig ist das Einzugsgebiet dieser eucharistischen Verehrung. Seit August 2007 werden die Wallfahrer zum Heiligen Blut in Walldürn von Franziskaner-Minoriten aus der Danziger Ordensprovinz betreut. Sie haben die Seelsorge an der Basilika und in den umliegenden Pfarreien von der Gemeinschaft des heiligen Augustinus übernommen. Mehr von der Geschichte dieser Wallfahrt und über den Konvent der Minoriten erfahren Sie in diesem Heft. Seine Meditation über die heiligste Eucharistie macht Pater Josef Fischer fest am 50. Eucharistischen Weltkongress, der vom 10.-17. Juni unter dem Motto „Die Eucharistie – Gemeinschaft mit Christus und untereinander“ in Dublin / Irland stattfindet. Der selige Papst Johannes Paul II. verweist auf eine Wirkung der eucharistischen Verehrung: „Die große Macht der Ewigen Anbetung des Allerheiligsten Sakramentes ist der beste, sicherste und effektivste Weg, um einen dauerhaften Frieden auf der Erde zu stiften.“ Bekannt ist die Legende vom frommen Maultier in Rimini. Bonvillo, der die Gegenwart Christi im Sakrament anzweifelte, ließ sich vom heiligen Antonius herausfordern. Sein Maultier, dem er drei Tage lang kein Futter gegeben hatte, stürzte sich nicht auf das bereitgelegte frische Grün, sondern ging vor der Monstranz mit der konsekrierten Hostie, die der heilige Antonius

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aus der Kirche herbeigetragen hatte, in die Knie. Auf dem Provinzkapitel Teil II im März blieb nur eine kurze Anlaufzeit für die Entscheidung, wie es mit unserem Konvent in Kaiserslautern weitergehen könnte. Eine Frucht längerer Überlegung ist der Zusammenschluss von drei Jurisdiktionen des Ordens zu einer einheitlichen juridischen Struktur. Die bisherigen Generaldelegationen Österreich und Schweiz formieren sich zu einer Provinzkustodie Österreich-Schweiz, in Abhängigkeit von der deutschen Ordensprovinz. Möglich wäre auch die Zusammenfassung zu einer einheitlichen Provinz gewesen. Dieser Lösung hätte ich persönlich den Vorzug gegeben. Ich stelle mir vor, wie attraktiv es für einen jungen Minoriten sein kann, seine seelsorgerlichen und sonstigen Talente an so unterschiedlichen Orten einzusetzen wie Fribourg in der Schweiz, Wien oder Graz, Würzburg oder Köln. Doch vielleicht wächst ja noch mehr zusammen, was zusammengehört. Sehr positive Reaktionen kamen auf den Beitrag aus Kaluga / Russland im vorigen Heft. Nun gibt uns der Guardian vom Konvent Nisiporeşti in Rumänien einen Einblick in die wechselvolle Geschichte der Minoriten in seiner Heimat. Die Katholiken sind dort eine Minderheit. Viele von uns werden sich an die dramatischen Szenen von Weihnachten 1989 erinnern. In Rumänien verlief die Wende vom Kommunismus in die Freiheit nicht so unblutig wie in anderen vergleichbaren Ländern. Auch der moralische und wirtschaftliche Aufbau geht vielleicht etwas langsamer voran als anderswo. Doch tut es gut zu erfahren, welche Kraft des Glaubens in den Menschen dort steckt. Darauf dürfen sie in einem guten Sinne auch stolz sein. In dankbarer Verbundenheit Ihr


Walldürn im Odenwald Kloster und Wallfahrtskirche Seit 2007 wirken Franziskaner-Minoriten aus der Danziger Ordensprovinz in Walldürn. Den größten eucharistischen Wallfahrtsort in Deutschland besuchen jährlich hunderttausend Gläubige. Die Hauptwallfahrtszeit ist heuer vom 3. Juni bis zum 1. Juli. Zwischen Würzburg und Heidelberg liegt der Ort Walldürn, der mitsamt den Eingemeindungen etwas über 11.000 Einwohner zählt. Vier davon sind Franziskaner-Minoriten, nämlich die Brüder Josef Bregula, Slawomir Klein, Mariusz Gruszfeld und Grzegorz Chmielewski. Zu viert bilden sie den Konvent der FranziskanerMinoriten, der seit dem 1. August 2007 in Walldürn zu finden ist.

Erst Augustiner, jetzt Franziskaner-Minoriten Die Hauptaufgabe der Brüder ist die Betreuung der Seelsorgeeinheit Walldürn, aber natürlich auch die Versorgung der Wallfahrt, die jährlich ab dem Dreifaltigkeitssonntag (der Sonntag nach Pfingsten) vier Wochen lang ihren Höhepunkt findet. Übernommen haben sie diese Aufgabe von den Augustinern. Von 1938 bis 2007 hatte die Gemeinschaft des heiligen Augustinus die

Die Erhebung der Wallfahrtskirche in Walldürn in den Rang einer „Basilica minor“ vor 50 Jahren wird vom 3.-11. November 2012 in einer eigenen Festwoche gefeiert. Foto: Andreas Murk

Verantwortung für die Walldürner Wallfahrt inne, bis sie aus Personalmangel diese Aufgabe abgeben musste. Mit den FranziskanerMinoriten konnte ein Orden gefunden werden, der bereit war, die Seelsorge zu übernehmen – zunächst in gemeinsamer Verantwortung von Brüdern aus der Danziger und der Deutschen Ordensprovinz, mittlerweile in alleiniger Verantwortung der polnischen Brüder. Nach einer längeren Renovierungsphase wohnen sie nun seit Ende 2011 im Kloster unweit der Wallfahrtskirche und versehen von dort aus ihren Dienst. Der größte eucharistische Wallfahrtsort Deutschlands zieht jährlich über 100.000 Pilgerinnen und Pilger an. Im Jahr 2012 werden es vermutlich einige mehr sein, begeht man doch ein kleines Jubiläum: Vor einem halben Jahrhundert wurde die Walldürner St.-Georgs-Basilika von Papst Johannes XXIII. in den Rang einer „Basilica minor“ erhoben. Im Rahmen der ersten Priesterweihe in Walldürn wurde dieses Ereignis am Pfingstmontag des Jahres 1962 gefeiert. Während einer Festwoche vom 3.-11. November 2012 will man sich an diese päpstliche Auszeichnung erinnern.

Das Blutwunder im Jahr 1330 Eine lateinische Flugschrift mit dem Titel „De Sacrae Walturensis Peregrinationis Ortu et Progressu“ aus dem Jahr 1589 berichtet uns über den Hintergrund der Wallfahrt nach Walldürn. Ein gewisser Pfarrer Hoffius ließ damals folgendes verbreiten: „In Franken geschah durch Gottes Eingreifen ungefähr um das Jahr 1330 ein besonders bemerkenswertes Wunder des hl. Blutes. In Dürn, oder auch Walldürn genannt, feierte im Heiligtum des hl. Georg ein Priester namens Heinrich Otto das unblutige Opfer der hl. Messe. Da er aber etwas nachlässig und unaufmerksam die so große Handlung vollzog, stieß er den schon konsekrierten Kelch um. Und siehe, sofort ergoss sich das Blut des Herrn über das

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Die Pilger strömen in Scharen

Am Dreifaltigkeitssonntag wird der so genannte Blutschrein geöffnet. Der Blick ist frei auf das Korporale, welches das vom Priester Heinrich Otto im Jahr 1330 verschüttete Blut aufgefangen hat. Foto: A. Murk

­ arunter liegende Korporale. Die Weinsgestalt d wurde so rot wie Blut, und wohin es floss, da formte es sich zu einem wunderbaren Bild: in der Mitte das Bild des Gekreuzigten, an den Seiten aber mehrere „Veronicae“ – so heißen nämlich im Volksmund solche Abbildungen – die das hl. Haupt Christi mit Dornen umwunden zeigen. Obwohl es nicht an Augenzeugen fehlte, verbarg der Priester in seinem Schrecken jenes Tuch, so wie es war, gezeichnet mit den genannten blutigen Bildnissen, im gleichen Altar, indem er einen Stein entfernte. (…) Als jener Priester zum Sterben kam, da bedrängte ihn seine Krankheit, mehr aber noch quälte ihn sein Gewissen wegen dieses Vergehens. Er wollte sterben. Aber etwas Unbegreifliches hielt seinen Tod auf. Da ging er in sich, bekannte seine Tat, nannte auch das Korporale und gab den Ort an, wo es verborgen lag. Darauf starb er. Man fand alles so, und die ganze Angelegenheit machte viel von sich reden. Und Gott mehrte die Kunde davon durch täglich neue Wunder. So kam es, dass schon ungefähr siebzig Jahre später die Behörden beschlossen, die ganze Angelegenheit genauestens zu untersuchen, um das Ergebnis dem Papst zu berichten.“

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Die spärlichen Berichte aus jener Anfangszeit lassen darauf schließen, dass ab 1408 ein gewisses Wallfahrtsgeschehen in Gang kam. Bis Papst Eugen IV. die Wallfahrt ab dem Jahr 1445 eifrig förderte, waren Ort und Wallfahrt jedenfalls schon nicht mehr ganz unbekannt. Mit den Gaben der Wallfahrer konnte die baufällig gewordene Kirche renoviert und erweitert werden, so dass im Jahr 1497 an nunmehr fünf Altären die heilige Messe gefeiert werden konnte. Die verheißungsvollen Anfänge erlebten in den 20er Jahren des 16. Jahrhunderts schwere Niederlagen: Todesfälle durch die damals wütende Pest und Plünderungen der Kirche im Umfeld des Bauernkriegs hinterließen ihre Spuren. Das Klima der Reformation tat dann sein Übriges und nur noch wenige Wallfahrer hielten das Wallfahrtsgeschehen aufrecht – auch wenn der Protestantismus in Walldürn keinen festen Fuß fassen konnte. Den Grund für das heutige Wallfahrtsgeschehen legte in den Jahren 1586 bis 1628 der bereits oben erwähnte aus Aschaffenburg stammende Pfarrer Jodocus Hoffius. Während der drei Hauptwallfahrtstage konnte er bis zu 30.000 Wallfahrer in Walldürn begrüßen. Durch Druckschriften und rege Predigttätigkeit machte er das Anliegen der Walldürner Wallfahrt neu bekannt. Und die Menschen kamen in Scharen, auf langen Fußmärschen, in festlichen Prozessionen: Die erste wurde im Jahr 1600 von Würzburg aus begonnen, in den folgenden Jahrzehnten kamen etliche andere Ortschaften hinzu, wie zum Beispiel Mainz im Jahr 1699 und Heidelberg seit 1714.

Einsatz von 50 Beichtvätern Von Beginn an war die Wallfahrt in Walldürn auf wenige Festtage beschränkt. Aufgrund der zunehmenden Bekanntheit hatte man diese Zeit auf mittlerweile 14 Tage ausgeweitet, doch es zeigte sich immer mehr: die Kirche war zu klein. Zwischen 1698 und 1728 wurde folglich die Kirche neu gebaut; die bestehende ältere Blutkapelle wurde in sie integriert. Bei der Weihe der neuen Kirche wurden, so berichten die Quellen, 116.000 Kommunionen verteilt. Und weitere


eindrucksvolle Zahlen stammen aus jener Zeit: Während der 14-tägigen Hauptwallfahrtszeit wurden bis zu 7.000 Messen gelesen, bis zu 50 Beichtväter standen gleichzeitig zur Verfügung. Auch wenn die Zahlen heute geringer sind: Während der Hauptwallfahrtszeit werden immer noch ca. 50.000 Kommunionen gespendet und ca. 120 Fußwallfahrten kommen mit zum Teil mehrhundertjähriger Tradition. Freilich dürfen auch eine Motorrad- und Fahrradwallfahrt nicht fehlen, seit 2011 ist auch eine Reisemobilwallfahrt hinzugekommen.

Der Blutschrein wird geöffnet Eigentliches Ziel der Pilgerinnen und Pilger ist bis heute der Blutaltar von Zacharias Juncker aus den Jahren 1622-1626. Am ersten Wallfahrtstag jeden Jahres wird der so genannte Blutschrein geöffnet und der Blick ist frei auf das Korporale, welches das vom Priester Heinrich Otto im Jahr 1330 verschüttete Blut aufgefangen hat. Die im Schreiben des Pfarrers Hoffius erwähnten Christussymbole sind heute nicht mehr darauf zu sehen: im Lauf der

Jahrhunderte sind sie verblichen. Zum Schutz des Korporale hat man an seiner Rückseite im Jahr 1920 ein Schutztuch angebracht. Eine wissenschaftliche Untersuchung ergab 1950, dass zwar auf dem Originaltuch nichts mehr feststellbar ist, auf dem Schutztuch jedoch – bei Beleuchtung mit ultraviolettem Licht – Jesus als Gekreuzigter zu sehen ist. Bemerkt wurde, dass es sich dabei nicht um ein Gemälde handeln könne, wohl aber, so die Erklärung der Wissenschaftler, um das Ergebnis eines chemischen Prozesses, der durch den verschütteten Wein auf dem Korporale in Gang gekommen war. Durch eine veränderte Lichtdurchlässigkeit habe sich dann das Kreuz vom Korporale auf dem Schutztuch abgebildet. Was die Wissenschaft zu erklären versucht, nehmen die zahlreichen Gläubigen, die nach Walldürn zur Wallfahrt kommen, gläubig an: dass sie hier in besonderer Weise Christus nahe sein können und von ihm nicht nur Orientierung für ihr eigenes Leben, sondern auch Heilung von Leid und Gebrechen erbitten können.

Willkommen auch außerhalb der Festzeit Die Hauptwallfahrtszeit 2012 mit dem Motto „Was er euch sagt, das tut“ (Joh 2,5) beginnt am 3. Juni mit einem festlichen Gottesdienst und der Öffnung des Blutschreines. Sämtliche Informationen zur Wallfahrt befinden sich im Internet unter www.wallfahrt-wallduern.de. Hier findet man auch regelmäßig Berichte zu den großen Wallfahrten. Eine eigene „Webcam“ ermöglicht sogar den Blick von der Ferne auf die Wallfahrtsbasilika. Und wer persönlich nach Walldürn kommt, ist herzlich willkommen, selbstverständlich auch außerhalb der Hauptwallfahrtszeit! Die Brüder aus dem Minoritenkloster, das Pastoralteam und zahlreiche ehrenamtliche Helferinnen und Helfer werden ihr Bestes geben. Br. Andreas Murk

Für jeden Tag sind vom 3. Juni bis zum 1. Juli 2012 Wallfahrten in Walldürn angemeldet, auch aus dem weit entfernten Köln.  Foto: Archiv Pfarrei St. Georg

Kontakt: Minoritenkloster Walldürn Burgstraße 26 · 74731 Walldürn Telefon: 06282-92030 www.wallfahrt-wallduern.de

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Provinzkapitel Teil II: Beschlüsse und Entscheidungen Mit der Wahl der Provinzleitung endete am 2. Dezember 2011 die erste Sitzungsperiode des Kapitels unserer deutschen Ordensprovinz St. Elisabeth. Vom 18. – 23. März 2012 kamen die Kapitulare erneut im Kloster und Bildungshaus Schwarzenberg zusammen. Sie erstellten das Programm der Provinz für die kommenden vier Jahre und wählten die Guardiane (Hausoberen) der fünf Konvente. Wegen Personalmangels musste die Auflösung unseres Konventes Kaiserslautern beantragt werden. Die Mitbrüder und Minoritenkonvente in Österreich und der Schweiz schlossen sich als „Provinzkustodie Österreich-Schweiz“ der deutschen Ordensprovinz an. Für Teil II des ordentlichen Kapitels der Provinz hatte Br. Marco Tasca, Generalminister des Ordens, als seinen Vertreter den zuständigen Generalassistenten geschickt, Br. Miljenko Hontić, aus Kroatien stammend und mit der deutschen Sprache wohlvertraut. Die frühere und die neu gewählte Provinzleitung hatten jede Menge Arbeitspapiere vorbereitet. Fleißig im Arbeitsstil, brüderlich im Umgang mit­ einander, straff moderiert, so gelang es, alle Programmpunkte ausreichend zu diskutieren und abstimmungsreif zu machen. Wer ins Guckloch

unserer Provinz schaute, auf die Internetseite www.franziskaner-minoriten.de, konnte täglich die frischesten Informationen abrufen.

Programm für die Jahre 2011 – 2015 Wir nehmen die Botschaft ernst, die der einzelne Bruder mitbringt – im Kontext des Gehorsams und der Verfügbarkeit. Wir intensivieren begonnene Bemühungen im Bereich der Aus- und Fortbildung. Konkret: Förderung der in den Brüdern angelegten Talente; Qualifizierung für Leitungs- und Formationsaufgaben. Wir gehen ein auf die Sehnsucht vieler Brüder nach mehr Gemeinschaft in Konvent und Provinz. Konkret: Miteinander über unseren Glauben ins Gespräch kommen. Wir treten neu in den Dialog mit den ausländischen Brüdern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ziel: Wirkungsvolles gemeinsames Zeugnis als Franziskaner-Minoriten.

Konvent Kaiserslautern Seit 1926 wirken Franziskaner-Minoriten in Kaiserslautern. 1929 wurde die Gelöbniskirche Maria Schutz konsekriert und 1941 die zugehörige Pfarrei errichtet. Zu Anfang 2012

In brüderlicher Atmosphäre wird die Provinzkustodie Österreich-Schweiz in Abhängigkeit von der deutschen Ordensprovinz errichtet (von li.): Br. Christian Fichtinger, Generaldelegat für Österreich; Br. Vincent Cosatti, Generaldelegat für die Schweiz; Br. Miljenko Hontić, Generalassistent für Mitteleuropa; Br. Bernhardin M. Seither, Provinzialminister; Br. Dr. Anselm Kraus, Provinzvikar.

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Die neu gewählten Guardiane der fünf Konvente (von li.): Br. Paul-Maria Klug, Köln; Br. Josef Bodensteiner, Würzburg; Br. Franz-Maria Endres, Maria Eck; Br. Bernhardin M. Seither, Provinzialminister; Br. Ludwig Moschel, Schönau; Br. Steffen Behr, Schwarzenberg. Fotos: Br. Andreas Murk

überraschten die Brüder Ulrich Weinkötz (Pfarrer an Maria Schutz) und Klaudiusz Okon (Guardian des Konventes) die Provinzleitung mit ihrer Entscheidung, den Orden zu verlassen, um als Diözesanpriester von Speyer tätig zu werden. Wegen Personalmangels sah der Provinzial mit seinem Definitorium keine Möglichkeit, diese beiden Brüder zu ersetzen. Das Kapitel beantragte bei der Ordensleitung die Aufhebung des Konventes Kaiserslautern.

Gewählt in Dienste und Aufgaben Als Guardiane (Hausobere) der verbliebenen fünf Konvente wurden gewählt: Br. Josef Bodensteiner für Würzburg, Br. Ludwig Moschel für Schönau, Br. Steffen Behr für Schwarzenberg, Br. Franz-Maria Endres für Maria Eck und Br. Paul-Maria Klug für Köln. Leiter des Postulats und Noviziats in Schwarzenberg ist Br. Josef Fischer, Leiter des Juniorats in Würzburg Br. Josef Bodensteiner, Beauftragter für die Berufungspastoral und Leiter des Bildungshauses Schwarzenberg Br. Andreas Murk, Leiter des Ordensapostolates und Provinzassistent für die Marianische Initiative Br. Polykarp Götz. Weitere Dienste: Beauftragter für Liturgie: Br. Steffen Behr; Beauftragter für Übersetzungen: Br. Andreas Fieback; Beauftragter für Spiritualität: Br. Leopold Mader; Beauftragter für Medien und Öffentlichkeitsarbeit: Br. Andreas Murk.

Provinzkustodie Österreich-Schweiz Am vorletzten Kapitelstag trafen die Kapitulare eine historische Entscheidung und bil-

ligten einstimmig den Antrag der Generaldelegationen der Franziskaner-Minoriten in Österreich und in der Schweiz, als „Provinzkustodie Österreich-Schweiz“ in Abhängigkeit von der deutschen Ordensprovinz errichtet zu werden. Nach der Zustimmung des Generalministers mit seinem Definitorium wurden die Delegationen Österreich und Schweiz am 25. April 2012 aufgehoben und die Brüder und Konvente von Österreich (Wien, Graz, Asparn, Neunkirchen) und der Schweiz (Fribourg, Flüeli, Choulex) in die Ordensprovinz Deutschland transfiliiert. Am 10. Juni 2012 wird das erste Wahlkapitel der neuen Kustodie zusammentreten. Damit entstand eine DACH-Gemeinschaft der Minoriten aus D (Deutschland), A (Österreich) und CH (Schweiz).

Aufbruch und Hoffnung Aus dem Wort des Provinzialministers Br. Bernhardin M. Seither zu Beginn der zweiten Sitzungsperiode: Unsere Hoffnung und Zuversicht liegt meines Erachtens im Schaffen lebensfähiger Konvente; in der Konzentration auf Schwerpunkte am jeweiligen Ort; im Zeugnis einer Gemeinschaft, die durch das Mit­einander eine Ausstrahlung hat und faszinierend wirkt; im Zeugnis des einzelnen Bruders, der seinen Platz in seinem Konvent mit seiner Aufgabe hat; im Zeugnis des einzelnen Bruders, der gemäß seiner Eignungen und Fähigkeiten eingesetzt ist und in den verschiedenen Lebensphasen Zufriedenheit ausstrahlt. PP

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Was Eucharistie alles bedeuten kann Unbeachtet von der großen Öffentlichkeit hat Papst Benedikt XVI. am 14. März 2012 im Vatikan eine wichtige Festwoche eingeläutet. Mit eigener Hand schlug er symbolisch eine kleine Glocke an zum Auftakt des Eucharistischen Weltkongresses, der vom 10.-17. Juni in Dublin stattfinden wird. Am St. Patrick´s Day, drei Tage später, läuteten auf der „Grünen Insel“ überall die Glocken als unüberhörbare Einladung zur Mitfeier. Bereits 1932 war die irische Kirche Gastgeber dieses geistlichen Ereignisses. 80 Jahre später heißt das Thema: „Die Eucharistie – Gemeinschaft mit Christus und untereinander“. Das Antoniusfest am 13. Juni fällt in die Mitte dieser eucharistischen Intensivzeit. Ihm wird die Geschichte von einem Esel zugeschrieben, der vor der heiligsten Eucharistie in die Knie ging. Viele von uns werden zwar nur über Bildschirm und Radio, nicht vor Ort an den Festtagen in Irland teilnehmen können. Die Freude an diesem einzigartigen Geschenk der Liebe Gottes zu uns Menschen möge uns jedoch weltweit neu erfüllen. Vorausschicken will ich ein zweifaches, ausführlicheres Plädoyer: zum einen für ein aus dem Gebet heraus geführtes Ringen um das Geheimnis der Eucharistie gegen die Rechthaberei, zum anderen für einen klareren Schutzraum, den das Altarssakrament braucht. Leider ist das heilswirksame Zeichen der Einheit, das Jesus Christus im Angesicht seines bitteren Kreuzes­ todes als Ort der urpersönlichen Sammlung und Eintracht gestiftet hat, zum Zankapfel der christlichen Konfessionen geworden.

Ehrfurcht und Diskretion Die Messfeier ist hintergründig durch Anfragen aus der österreichischen Pfarrer-Initiative auch innerkatholisch in die Kontroverse geraten. Einige fürchten die Auflösung des Kernes, die unblutige Vergegenwärtigung des Kreuzes­opfers Jesu; andere haben massive Bedenken im Blick auf das Sühnemotiv im

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Geheimnis des Erlösungswerks Christi. Praktisch wird um die Bedeutung der sonntäglichen Eucharistiefeier und/oder der Wortgottesdienste mit/ohne Kommunionausteilung gestritten. Wie steht es um die Zugänge zum Gipfel und Höhepunkt christlichen Lebens? Wie wird zur fruchtbaren Mitfeier der heiligen Messe hingeführt? Ich plädiere für eine „Keuschheit“ in religiösen Vollzügen. Fotos beim persönlichen Kommunionempfang halte ich für deplatziert und eine Verletzung von geistlich intimen Ausdrucksformen. Die eigene Betroffenheit will ich hier nicht verhehlen. Wie würde es Ihnen gehen, wenn am Tag nach der Primiz das Bild Ihres eigenen Vaters in der Presse beim Empfang der Mundkommunion erscheint? Ist es nicht grenzwertig, wenn wir täglich – bei aller Notwendigkeit einer aktuellen Berichterstattung – sehen können, wer am Grab des heiligen Franziskus in Assisi umhergeht oder betet? Zugegeben: nur schemenhaft und nicht frontal! Das Heilige braucht Diskretion und Schutzraum. Das kindliche Vertrauen in die Gegenwart Christi bei der Mitfeier, dem Empfang und der Anbetung der Eucharistie ist kein Widerspruch zur Ehrfurcht: „Wie sollt´ ich DICH empfangen?“ Bei der Schlussmesse in Dublin am 17. Juni darf das „Ave verum“ von Wolfgang Amadeus Mozart nicht fehlen, es ist tatsächlich so auch als Danksagung vorgesehen. Mit welchen Liedern und Melodien werden wir junge Menschen heute zur Gemeinschaft mit dem eucharistischen Herrn bewegen?

Seid, was ihr empfangt! Ein franziskanisches Verständnis von Vollzügen des Glaubens ist ohne Rückgriff auf die Theologie des Kirchenlehrers Augustinus nicht zu gewinnen. Deshalb soll ein Wort dieses großen Denkers und Beters mit menschlich so sympathisch bewegter Lebensgeschichte einen vertieften Zugang zum wolkenverhangenen Gipfel der Eucharistie bilden. „Seid, was ihr empfangt – Leib Christi!“ Das Ziel muss es sein, von der Gesinnung des Heilandes tiefer


durchdrungen zu werden bei der heiligen Messe, wo uns im Sinn des II. Vatikanums zweifach der Tisch gedeckt wird: durch das Wort Gottes und das Brot des Lebens. Wir sind Christi Leib, wenn wir seine Umarmung zulassen. Immer, wenn wir das Herrenmahl feiern (wir brauchen so viele Bezeichnungen für das Geheimnis der göttlichen Liebe, weil sie unausschöpflich ist!), kommen wir in den Hoheitsbereich Jesu Christi. Er sammelt uns kleine Leute, er erdrückt uns nicht. Er zieht verschiedenste Menschen an sich: unterschiedlich in Temperament und Frömmigkeit, Generation und Konfession… wie ER uns erschaffen hat und Augenblick für Augenblick im Leben erhält, wie immer wir durch schuldhafte Entwicklungen und persönliches Versagen geworden sind. Wir sind hineingenommen in sein Lebenshaus, leibhaftig und warmherzig. Die Mitarbeiter Jesu Christi damals und heute dürfen einander die Plätze an dem einen Tisch gönnen, wir haben sie letztendlich nicht zu vergeben. Ein göttlicher Rettungsschirm der Gemeinschaft mit Gott und den Menschen wird aufgespannt – von IHM her. Entscheidend ist der Herr der Feier, ihm gilt die vollste Konzentration. Bei den Schwarzenberger Passionsspielen – das nächste ist für den Sommer 2014 vorgesehen – heißt die Regieanweisung beim Letzten Abendmahl: absolute Aufmerksamkeit auf die Hände und die Worte des Jesusdarstellers.

auch immer Judas Jesus ausliefert, sein Weg endet in der Verzweiflung. Der Anflug der Reue fruchtet nicht, er glaubt nicht an das Erbarmen seines Freundes für sich. Ist Judas ein klarer Fall? Alte Baumeister an einer französischen Kathedrale meißeln ihn als Kapitellfigur – vom Seil abgehängt, auf dem Rücken Jesu liegend wie ein verlorenes Schaf. Petrus erkennt den Ernst der Lage, dass sein Meister tödlich bedroht wird, will kämpfen, verleugnet ihn, bereut und wird wiederum Fußwaschung als Symbol der Eucharistie. Romeo Sandrin 1999, Bronzeskulptur, Antoniuspfad „Evangelium und Caritas“, Camposampiero.

Sklavendienst der Fußwaschung Wir sind Leib Christ i, wenn wir Reinigung zulassen. Die Fußwaschung Jesu zeitigt zwei Reaktionen: Judas verhält sich anders als Petrus. Beide werden überraschend konfrontiert mit dem Sklavendienst ihres gemeinsamen Meisters. Warum

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Das Maultier verehrt die heiligste Eucharistie. Antependium, Grabkapelle, Antonius-Basilika zu Padua.

an einem Kohlenfeuer innerlich geheilt. Er bekommt sogar einen besonderen Hirtenauftrag. Der Erste unter den Aposteln erkennt beim Abendmahlsgeschehen nach dem Johannesevangelium seinen Stolz und bittet, ganz gewaschen zu werden. Warum sollte ein Dankgebet nach der heiligen Kommunion nicht lauten: „Reinige mich mit Deiner Wahrheit!“?

Frucht der Mutter Erde Wir sind Leib Christi, wenn wir das irdische Brot teilen und wertschätzen. Das ist eine unspektakuläre Gegenbewegung zu unserer Wegwerfgesellschaft. Jährlich werden ca. 31

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Millionen Tonnen Lebensmittel in Deutschland vernichtet. Das Plädoyer für einen achtsamen Umgang mit der Nahrung will keine moralische Keule sein, es ist eine ernste Mahnung gegen das Unrecht, dass nur einige wenige Menschen Zugang zu ausreichender Ernährung haben und Brot zum Spekulationsobjekt missbraucht wird. Bei jeder Gabenbereitung erhebt der Priester die Gaben von Brot und Wein als Früchte der Erde und der menschlichen Arbeit. Franz von Assisi hatte eine Vorliebe für die Mutter Erde zusammen mit den übrigen drei Elementen in ihrer Transparenz für den guten Schöpfer. Die Schwester Mutter Erde bringt mannigfaltige


Foto: Giorgio Deganello

Früchte, Blumen und Kräuter hervor. Wenn wir mit dem eucharistischen Herrn durch die Fluren ziehen, und seien es auch nur ein paar Meter durch den Klostergarten in Schwarzenberg, dann werden wir erinnert: „Jeder Teil dieser Erde ist meinem Gott heilig.“

Das Brot und das Leben teilen Augenzwinkernd erzählte mir eine Pastoralreferentin, wie sie eines Tages beim Austeilen der heiligen Kommunion einen Obdachlosen vor sich in der Reihe hatte. Auf die Spendeformel: „Der Leib Christi“ antwortete der bedürftige Mann: „Kann man das essen?“ Sie bejahte und

hielt den scheinbar ahnungslosen Fremden an, sofort zu kommunizieren. Der hingegen reagierte spontan und durchaus im tiefen Sinn des Herrn: „Dann teilen wir.“ Sprach es, brach die Hostie durch und gab der Kommunionspenderin eine Hälfte zurück. Den Leib Christi mit einem persönlich festen „Amen“ anzunehmen, heißt auch: die konkrete, oft so armselig erfahrene Gestalt der Gemeinde Jesu vor Ort bejahen zu lernen und alltägliches Leben zu teilen. Geteiltes Leben ist nun eben einmal „doppeltes“ Leben! Lassen wir uns von Neuem zur Gemeinschaft mit Christus und untereinander anstiften! P. Josef Fischer

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Konvent Nisiporeşti in Rumänien Liebevoll schildert der Guardian unseres Konvents in Nisipor eşti seine Heimat, die Geschicke der Minoritenprovinz, den primitiven Neubeginn nach der kommunistischen Unterdrückung und das gläubige Leben heute. Gott hat unser Land reich gesegnet. Es weckt die begehrlichen Blicke der großen Mächte. Nach kriegerischer Unterwerfung des Königreichs der Daker errichtet Kaiser Trajan im Jahr 106 n. Chr. die römische Provinz Dacia, etwa auf dem heutigen Gebiet von Rumänien. Daran erinnert der romanische Charakter unserer Sprache, später ergänzt durch slawische und türkische Anteile. Unser Volk hat etwas Geheimnisvolles, betont durch die geografischen Akzente des Karpatenbogens: das Hügelland der Walachei im Süden, das transsilvanische Hochland mit Siebenbürgen im Nordwesten, das moldauische Hügelland bis zum Pruth im Nordosten und die Dobrudscha zwischen Donau und Schwarzem Meer. Keimzelle des heutigen Staatsgebildes ist die Vereinigung der Donaufürstentümer Moldau und Walachei (Ţara Românească) zum Fürstentum Rumänien im Jahr 1862, später erweitert um Bessarabien, die Bukowina und Siebenbürgen. Damit war unser Land im Jahr 1918 geeint durch den christlichen Glauben. Die Bevölke-

rung ist bis heute mehrheitlich (zu 85 Prozent) orthodox. Vielleicht sind wir im Vergleich zu anderen Ländern Europas wirtschaftlich nicht so entwickelt, aber was den christlichen Glauben betrifft, gehören wir nicht zum Schlusslicht. Wir haben die Hoffnung, dass Europa eines Tages in unserem Volk die Spuren der Präsenz Gottes erkennen wird, als prophetisches Zeichen und authentisches Zeugnis, dass für uns Gott und der Nächste an erster Stelle stehen.

Die Franziskaner-Minoriten in Rumänien Nur fünf Prozent unserer Bevölkerung sind katholisch; die meisten von ihnen sprechen Ungarisch und leben in Siebenbürgen. Katholiken rumänischer Sprache gibt es in der Moldau-Region im Osten des Landes, gruppiert um die Diözese Jassy mit etwa 250.000 Katholiken. Moldau ist die religiöse Wiege Rumäniens, hier gibt es die bedeutendsten Zentren der orthodoxen und katholischen Spiritualität. Die stabilsten katholischen Gemeinden, von Gott gesegnet, finden sich im Umkreis der Städte Roman und Bacău. Unsere Ordensprovinz St. Josef, 1895 gegründet, durchlebte bis zu ihrer Aufhebung durch die Kommunisten ein wechselvolles Schicksal. Das Dekret Nr. 176 vom 3. August 1948 verfügte die Auflösung aller Ordensgemeinschaften. Viele Ordensleute wurden verhaftet und zu verschärftem Zuchthaus verurteilt. Minoritenpatres, die nicht eingekerkert waren, überlebten bis zum Jahr 1990 im Seelsorgedienst der Diözesan-Pfarreien.

Nicht mehr im Untergrund

P. Iulian Misariu (links) und Pfarrer P. Flavian Enascut besuchen den Kindergarten der Pfarrei in Nisiporeşti.

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Nach dem Sturz des kommunistischen Regimes im Jahr 1989 konnte sich die Ordensprovinz neu organisieren. Dies war die Leistung von P. Gheorghe Patrascu, der zwanzig Jahre lang im Untergrund als Provinzialminister fungiert hatte. Für seine Treue zu Christus und der Kirche musste er einen hohen Preis zahlen: neun harte Gefängnisjahre und sieben Jahre Hausarrest. Der Wiederaufbau der Provinz begann in Nisi-


poreşti. Hier eröffnete P. Albert Petru im Jahr 1990 eine vortheologische Schule mit etwa sechzig jungen Leuten, die in den Orden eintreten wollten. Im Herbst begannen bereits die ersten ihr Noviziatsjahr in Luizi Călugăra, und schon 1991 wurden wieder rumänische Minoriten zum Theologiestudium nach Italien und Österreich geschickt. Gleichzeitig begann man mit dem Bauen: ein Theologisches Franziskanisches Institut in der Stadt Roman, ein Noviziatshaus in Prăjeşti und ein Postulat in Huşi.

Heute eine blühende Provinz

Freiluftgottesdienst in Nisiporeşti vor dem Rohbau der modernen Pfarrkirche und dem schlichten Minoritenkloster.

Jetzt, nach 22 Jahren des Wiedererblühens, sind wir eine junge Ordensprovinz mit mehr als 250 Brüdern, 60 Theologiestudenten, 20 Postulanten und 150 Schülern im Jungenseminar von Roman. Der Herr hat unserer Provinz und unserem Land Gnade erwiesen. Dies ist die Frucht inständiger Gebete und vieler Opfer während der schwierigen Jahre unter dem Kommunismus, durchlebt von den Priestern und Gläubigen, die in ihrem Glauben an Gott nicht wankend geworden sind. Für uns Minoriten in Rumänien gilt der Konvent von Nisiporeşti als Ort der Wiedergeburt, ähnlich wie Rivotorto als Protokonvent des Ordens. Mit Nisiporeşti verbinden sich Erinnerungen an die ersten Jahre unseres Lebens in Freiheit. Gründer war vor 28 Jahren P. Albert Petru, ein mutiger Mitbruder, mit einem prophetischen Blick für die Zukunft. Ihm gelang es, sechzig junge Leute aus allen Teilen Rumäniens zu sammeln. Zehn Meter lang und fünf Meter breit war das Zimmer, ursprünglich ein Stall, in dem wir mit 22 Leuten untergebracht waren. In der Garage lebten weitere zehn, die übrigen dreißig in drei-vier Zimmern im Haus. Ich habe nostalgische Erinnerungen an jene Zeiten als Postulant. Jetzt, zwanzig Jahre später, bin ich hier Guardian. Statt der 65 Leute von damals sind wir hier jetzt fünf Brüder. Platz wäre für

höchstens sechs Personen, so haben sich die Zeiten geändert. Doch mir ist, als sei ich erst gestern in diesem Dörfchen angekommen, das ich vorher nicht kannte. Der Brunnen im Hof erfrischt auch jetzt noch jenen Durst nach Einfachheit. Jeden Morgen wuschen wir uns an diesem Brunnen, es gab weder Bad noch Dusche. Doch erfüllte mich Freude. Ich wusste mich von Gott berufen für ein Ziel und eine Aufgabe, wie sie keiner der Mächtigen dieser Welt und keine Ideologie mir hätte bieten können. Endlich war ich frei. Jetzt konnte ich ohne Angst zu meinem Glauben stehen. Die Erfahrung von Freiheit, meinen Glauben zu zeigen und meine Meinung zu sagen, empfand ich damals als großes Geschenk.

Der Wunsch nach einer neuen Kirche Seit fünfzig Jahren sehnen sich die Leute des Dorfes nach einer neuen Kirche. Während der kommunistischen Zeit schafften sie es sogar, das nötige Baumaterial zusammenzubekommen, doch die Behörden konfiszierten alles und steckten den Priester ins Gefängnis. 1995 endlich wurde mit dem Bau der neuen, großen und modernen Kirche begonnen. Wenn alles gut geht, werden wir in drei bis vier Jahren Kirchweihe halten. P. Iulian Misariu

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Wir gratulieren unseren Mitbrüdern P. Electus van Eijk

P. Vicente Imhof in Lima/Peru

im Theklaheim Würzburg

zu 50 Lebensjahren am 9. Juni.

zu 50 Priesterjahren am 15. Juli.

Franziskanischer Gebetsbund Sorgen und Dank, Nöte und Freuden der Mitglieder des Franziskanischen Gebets­ bundes tragen wir Junioren im Stundengebet und in der heiligen Messe vor Gott. Werden auch Sie Mitglied, so dass wir uns im Gebet verbunden und getragen fühlen dürfen. Die Mitgliedschaft und die Aufnahmebestätigung sind kostenfrei.

Kontakt: Franziskanischer Gebetsbund Franziskaner-Minoritenkloster Franziskanergasse 7 97070 Würzburg

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Gebetsmeinungen der M.I. Juni – Juli – August Damit ein jeder, genährt durch Jesus in der Eucharistie, es begreife, dass der Leib als Tempel Gottes zu lieben und zu achten ist. Damit wir, wie die Immaculata, es vermögen, in tätiger und rück­ sichtsvoller Nächstenliebe zu leben gegenüber jenen, die arm, einsam und verlassen sind. Damit wir, wie der heilige Maximilian Kolbe, es lernen, uns vorbehaltlos zu verschenken, an jede menschliche Kreatur und an jeglichem Ort.


M. I. Die Altäre dreier Kirchen über dem Grab des Franziskus Nicht einmal zwei Jahre nach seinem Tod wurde Franziskus am 16. Juli 1228 von seinem Freund Kardinal Hugolin, dem Franziskus vorausgesagt hatte, dass er Papst werde und der sich als Papst Gregor IX. nannte, heiliggesprochen. Bei den Heiligen realisiert die Kirche die volle Altar-Symbolik der Vollendung eines Menschen in den verherrlichten Christus hinein. Die Kirche gräbt den Leib eines heiliggesprochenen Gläubigen aus dem Grab aus und „erhebt ihn zur Ehre des Altares“. Sie bettet die Gebeine oder wenigstens Teil-Reliquien davon in den Altar-Christussymbolkörper ein. Sie beerdigt ihn in das Altar-Christuszeichen, um auszudrücken: Dieser Mensch ist nun mit seiner ganzen Existenz tatsächlich aufgenommen in den verherrlichten Christus, lebt als Heiliger das ewige Leben des Gottmenschen mit. Diese Einbettung der Heiligen-Leiber in den Altarkörper ist die symbolische Verkündigung: Dieser Mensch ist mit Christus ein Altar, ein Priester und ein lebendiges Opfer geworden im Himmel.

Altar, Priester, Opfer Nach der Heiligsprechung von Franziskus begann man sofort eine Grabeskirche für ihn zu bauen. Diese mächtige Doppelkirche war nach zweijähriger Bauzeit schon fertig und wurde am 25. Mai 1230 eingeweiht. Nun wurde der Leichnam des Heiligen vom Friedhof bei San Giorgio umgebettet und zur „Ehre des Altares erhoben“, indem man ihn unter dem Altar der neuen Kirche beisetzte. Man hat das insgeheim getan, weil man befürchtete, die Nachbarstadt Perugia könnte den kostbaren Schatz dieses heiligen Leibes rauben. Viele Jahrhunderte lang hatte man keine Kenntnis über die genaue Lage des Grabes. Erst

1818 gelang es, das Grab unter dem Hochaltar der Unterkirche in einer Tiefe von etwa 120 Zentimetern im Felsen ausfindig zu machen. Der Steinsarkophag ist von starken Eisenbändern zusammengehalten und von Travertinblöcken umgeben. Man hat um das Grab herum damals eine ziemlich geräumige Krypta aus dem Fels gehauen, so dass nun eigentlich drei Kirchen übereinanderstehen: die Krypta mit dem Grab, darüber die Unterkirche und darüber die Oberkirche. Die Altäre dieser drei Kirchen stehen in einer Senkrechten übereinander. Im Frühjahr 1978 wurde der schlichte Steinsarg des heiligen Franz geöffnet und die Gebeine überprüft. Man fand das Skelett noch ziemlich gut erhalten, so wie es bei der damaligen Öffnung 1818 beschrieben war. Die Gebeine wurden in einen luftdicht abgeschlossenen Plexiglassarg an Ort und Stelle wieder beigesetzt. Zum Zeichen dafür, dass die Heiligen mit Leib und Seele in den verherrlichten Christus eingewandelt werden fürs ewige Leben, wird also der Leib des Heiligen unter dem eucharistischen Opferaltar, also in das Christus-Altarsymbol eingebettet. Aus dem Nachlass von P. Dr. Agathon Kandler FRIEDE UND HEIL, Zeitschrift der deutschen Franziskaner-Minoriten Herausgeber: Deutsche Franziskaner-MinoritenProvinz St. Elisabeth, Franziskanergasse 7, Würzburg, Tel. 09 31/3 09 01-0, Fax 09 31/3 09 01-21, e-mail: friede.und.heil@ofmconv.de. Kurzadresse: Ordensapostolat Postfach 11 05 62 97032 Würzburg

Redaktion: P. Dr. Polykarp Götz OFM Conv. Mit kirchlicher Druckerlaubnis. Druck: Benedict Press, 97359 Münsterschwarzach. Erscheinungsweise: fünfmal jährlich. Die Zeitschrift FRIEDE UND HEIL vermittelt den Mitgliedern der Franziskanischen Gemeinschaft (FG), der Marianischen Initiative – P. Kolbe (M.I.) und des Franziskanischen Gebetsbundes sowie Freunden und Wohltätern unseres Ordens und seiner Missionen Anregungen für ein christliches Leben im Geist Mariens und des heiligen Franziskus. Statt eines Abonnements bitten wir alle Bezieher, einen Unkostenbeitrag von mindestens 10,– € pro Jahr an uns direkt (oder an unsere Förderer zwecks Sammelüberweisung) zu entrichten. Unser Konto: Ordensapostolat, LIGA Regensburg BLZ 750 903 00, Kto. 3016307 IBAN: DE88 7509 0300 0003 0163 07 BIC (SWIFT-Code): GENODEF1M05.

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Foto: Andreas Murk

Prozession mit der Blutreliquie in Walldürn Der größte eucharistische Wallfahrtsort Deutschlands zieht jährlich über 100.000 Pilgerinnen und Pilger an. Von 1938 bis 2007 wirkte hier die Gemeinschaft des heiligen Augustinus. Dann übernahmen Franziskaner-Minoriten aus der Danziger Ordensprovinz die Seelsorge für Wallfahrt und Pfarrei. Einladung zur diesjährigen Hauptwallfahrtszeit vom 3. Juni bis zum 1. Juli 2012


Friede und Heil, Ausgabe 3/2012