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Zeitschrift der Franziskaner-Minoriten 75. Jahrgang – Nr. 4 – 2009

„Giovani verso Assisi“ 1.–10. August 2009 Teilnehmer aus Deutschland


„Die Kirche ist jung!“, rief Papst Benedikt XVI. auf dem 20. Weltjugendtag in Köln im Jahr 2005. Auch die Heiligen bleiben immer jung und faszinieren die Jugendlichen. Dies beweist wieder einmal der Zulauf zur 5. Internationalen Jugendwallfahrt „Giovani verso Assisi“ vom 1. – 10. August. Unsere jungen Mitbrüder in der Ausbildungsphase im Würzburger Juniorat nahmen geschlossen daran teil. Nicht mehr ganz so junge Mitbrüder in Leitungsverantwortung trafen sich in Würzburg, um über Ziele, Strukturen und gemeinsame pastorale Wege nachzudenken. Denn eine bemerkenswerte Anzahl von Franziskaner-Minoriten aus den drei polnischen Provinzen Krakau, Warschau und Danzig sowie aus unserer Ordensprovinz Rumänien wirkt in der Seelsorge in Deutschland. Wie gelingt uns Minoriten ein einheitliches Auftreten, trotz der Vielfalt der Herkunftsländer? Für diese und ähnliche Fragen wurden Lösungsansätze gefunden. Die schöne Kirche in Insterburg könnte so wie sie ist in jeder deutschen Kleinstadt stehen. Nichts ist mehr zu erahnen von der Jahrzehnte langen Zweckentfremdung in den Zeiten der Sowjetunion. Zur 1000-Jahr-Feier des Martyriums ihres Pfarrpatrons St. Bruno von Querfurt war der zuständige Erzbischof aus Moskau gekommen, Exz. Paolo Pezzi. Da mein Reisepass abgelaufen war, konnte ich der herzlichen Einladung zur Teilnahme an diesen Festlichkeiten nicht Folge leisten. Gerne hätte ich mit Pater Piotr – dem Ihnen wohlvertrauten Bratschisten – die Freude geteilt über die ins Auge fallende positive Entwicklung in seinen beiden Pfarreien Insterburg und Darkehmen. Besuchen Sie doch einfach ihn und seine Mitbrüder, mit einer wirklichen Reise in das Gebiet um Königsberg, oder in einer virtuellen Reise auf der Internetseite von Insterburg! Pater Josef Fischer weiß aus Erfahrung, wovon er schreibt, wenn er in seinem meditativen

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Beitrag die Ruhe, die Stille, das Schweigen hervorhebt als Gegengewicht und Kraftquelle für Menschen, die von ihren beruflichen Anforderungen her der Gefahr von Hektik, Ausgebranntsein und innerem Leerlauf ausgesetzt sind. Wenn geistliche Menschen davon befallen werden, ist es eine doppelte Katastrophe, weil auch all jene betroffen sind, die von „Geistlichen“ mit Recht Orientierung und Vorbild erwarten dürfen. Zwei Jesus-Worte kommen da ins Spiel: „Arzt, heile dich selbst!“ und „Kommt mit an einen einsamen Ort und ruht ein wenig aus!“ Der Zulauf am jährlichen Schwarzenbergtag ist eine eindeutige Bestätigung dafür, dass Pater Josef und seine Mitbrüder im Bildungshaus das rechte Angebot bereithalten für Hilfe und Rat suchende Menschen. Dank gebührt Erzbischof Dr. Ludwig Schick von Bamberg, dass er dies erkannt und ausgesprochen hat: „Dieses Haus ist ein Schatz!“ Aus der noch jungen Ordensprovinz Indien ist P. Albert Pulliyadan auf die nahe gelegene Insel Sri Lanka geschickt worden. In der bereits von Portugiesen christianisierten Stadt Negombo, nahe am internationalen Flughafen gelegen, soll er ein Ausbildungszentrum „aus dem Boden stampfen“, um junge Ordens- und Priesteramtskandidaten aufzunehmen. Er bittet um finanzielle Unterstützung und um das Gebet für die Missionare in diesem Land, das von politischen, ethnischen und auch religiösen Gegensätzen durcheinandergeschüttelt wird. Einen neuen Impuls wird der Seraphische Messbund bekommen, da die eigentlich Betroffenen, die jungen Mitbrüder in der Ausbildung, erneut die Verwaltung und Verbreitung übernehmen. Mögen sie auf eine große Bereitschaft stoßen, diese Verbundenheit in Gebet und Opfer einzugehen und durchzuhalten! Ihr dankbarer


Konferenz der Provinzialminister in Würzburg Seit den 70er Jahren bereiten sich Brüder der polnischen Provinzen mit einem Theologiestudium in Würzburg auf ihren pastoralen Einsatz in Deutschland vor. Heute gibt es in der Verantwortung der drei polnischen Provinzen 14 Niederlassungen in der Bundesrepublik, während die deutsche Provinz mit ihren 52 Mitgliedern nur sechs Konvente unterhält. Die rumänische Provinz schickte in den 90er Jahren einige Brüder zum Studium nach Deutschland. Eingeladen hatte unser deutscher ProvinziSeit September 2008 hat sie in Oberbayern eine alminister P. Leo Beck seine „Kollegen“ aus erste eigene Niederlassung. Krakau (P. Jarosław Zachariasz), Warschau (P. Angestrebt wurde, so formulierte es P. Leo Mirosław Bartos), Danzig (P. Adam KalinowBeck im Anschluss an die Konferenz, die „tie­ ski) und Rumänien (P. Emilian Cătălin), sowie fere Zusammenarbeit zwischen polnischen, ruaus Rom die zuständigen Generalassistenten mänischen und deutschen Brüdern in Deutschfür Mitteleuropa (P. Miljenko Hontić) und land“. Eine solche Zusammenarbeit hat nicht Osteuropa (P. Jacek Ciupiński). Von deutscher nur brüderliche, sondern auch finanzielle Seite dazugeladen waren Provinzökonom P. Aspekte. Innerhalb des nächsten Jahres sollen Lukas Schwartz und Provinzsekretär P. Josef in der Finanzverwaltung einige strukturelle Bodensteiner. Änderungen vorgenommen werden. Mit der VKO, der Vereinigung katholischer Orden zur Förderung internationaler Solidarität e.V., gibt es eine erfahrene Institution, die dabei unterstützend in Anspruch genommen werden kann. Auch zu den Ausbildungskosten am Junioratsstandort Würzburg sollen alle beteiligten Provinzen beitragen. Zur permanenten Fortbildung aller Franziskaner-Minoriten in Deutschland sollen jährliche Kurse und Treffen angeboten werden. Angesprochen wurde die mögliche Übernahme deutscher Konvente durch andere Provinzen sowie die zeitlich terminierte Transfiliation von Brüdern anderer Zirkumskriptionen in die Im Würzburger Klostergarten (v.l.): Provinzvikar P. ­Marius deutsche Ordensprovinz. Die Beschlüsse Vătămănelu (Rumänien), Provinzdelegat P. Dariusz Bryk der Konferenz in Würzburg werden nun (Krakau), Provinzialminister P. Emilian Cătălin (Rumänien), Provinzialminister P. Mirosław Bartos (Warschau), Generalas- als Empfehlungen zur Beschlussfassung sistent P. Miljenko Hontić (Rom), Provinzialminister P. Leo Beck den Definitorien (Provinzleitungen) der (Deutschland), Generalassistent P. Jacek Ciupiński (Rom), Pro- einzelnen Provinzen vorgelegt. Am 9. Juli trafen sich im Franziskanerkloster Würzburg die Verantwortlichen unserer Ordensprovinzen von Krakau, Warschau, Danzig, Rumänien und Deutschland. Es ging um den pastoralen Einsatz in Deutschland, die Ausbildung ausländischer Mitbrüder, die in Deutschland seelsorgerlich wirken sollen, sowie um die permanente Fortbildung aller in Deutschland tätigen Minoriten.

vinzialminister P. Jarosław Zachariasz (Krakau), Provinzsekretär P. Josef Bodensteiner (Deutschland) und Provinzialminister P. Adam Kalinowski (Danzig).

Text und Foto: Br. Andreas Murk

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Bruno-Jubiläum in Insterburg Sonntag der 12. Juli war ein besonderer Festtag für unsere Pfarrei „St. Bruno von Querfurt“ in Insterburg, im Gebiet von Königsberg, jetzt zum Territorium des russischen Staates gehörig. Begangen wurde die 1000-Jahr-Feier des Martyriums ihres Pfarrpatrons. Pfarrer Pater Piotr hatte sogar Erzbischof Paolo Pezzi von Moskau eingeladen. Der Bischof und Missionar Bruno von Querfurt wurde am 9. März 1009, so die Überlieferung, samt seinen Begleitern von den damals noch heidnischen Pruzzen ermordet, im Gebiet der großen Masurischen Seen. Zur 1000-Jahr-Feier am Bruno-Hügel (= Braunsberg) in Lötzen in der Diözese Elk hatte Papst Benedikt als seinen Legaten den polnischen Primas Kardinal Jozef Glemp entsandt. Bei uns in Insterburg ging es ein wenig bescheidener zu, doch familiär und herzlich. Unsere Pfarrei „St. Bruno von Querfurt“ in Insterburg (russ. Tschernjachowsk) im Gebiet von Königsberg (Kaliningrad) feierte am 12. Juli. Eingeladen hatten wir Franziskaner-Mi-

noriten als Zelebranten unseren Erzbischof aus Moskau, Exz. Paolo Pezzi. Gekommen waren die Priester aus dem Oblast Kaliningrad, dazu Mitbrüder und Freunde aus Moskau, Polen, Deutschland und den U.S.A. In seiner Predigt unterstrich Erzbischof Pezzi die große Rolle der Missionsarbeit des heiligen Bruno. Während des Gottesdienstes spendete er Mitgliedern aus unseren Pfarreien in Insterburg und Darkehmen (Osjorsk) sowie aus anderen Pfarreien im Gebiet um Königsberg das Sakrament der Firmung. Es war eine sehr ansprechende Feier. Und die Gläubigen waren glücklich, hatten sie sich doch fleißig und ernsthaft darauf vorbereitet. Geehrt fühlten sie sich durch die Anwesenheit des Generalvikars aus Moskau, P. Siergiej Timaschow, unseres Generalkustos P. Nikolay Dubinin, und des stellvertretenden Bürgermeisters Wladimir Golubzow. Für die Teilnehmer an der Feier war es eine viel genutzte Gelegenheit, mit ihrem Erzbischof ins Gespräch zu kommen, ihm für seinen Besuch zu danken und von ihren Sorgen zu erzählen.

Das St. Bruno-Bild vor dem Altar.

Blick von oben auf Altar und Gemeinde.

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Kinderzeichnungen: „Was möchte ich dem heiligen Bruno schenken?“

Nach dem Gottesdienst luden wir alle in unser halbfertiges großes Kloster ein (das Gebäude diente bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges als Krankenhaus). Es gab etwas zu essen und zu trinken, für den Erzbischof, die Priester und die Gläubigen. Vorgestellt und angeboten wurden auch religiöse Bücher aus verschiedenen katholischen Verlagen in Russland. Lob und Anerkennung fand, wie sich die Pfarreien in Insterburg und Darkehmen auf das Fest vorbereitet hatten. Die Erwachsenen hatten Gebete formuliert. Die Kinder zeigten sich besonders talentiert. In Zeichnungen, die dann ausgestellt waren, brachten sie zum Ausdruck: „Was möchte ich dem heiligen Bruno schenken?“ Erstaunlich, was da alles zu sehen war: Blumen, kurze Gebete, eine Kirche, Herzen, ein Schiff für die Masurischen Seen. Zudem konnten wir unsere Gäste auch zu einem anspruchsvollen Konzert geistlicher Musik einladen. Da mein gebrochener Ellbogen wieder gut verheilt ist, konnten wir – Olesia Dubienskaja an der Orgel, ich auf der Bratsche – Werke von Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und Wolfgang Amadeus Mozart spielen.

Die Zelebranten und das St. Bruno-Bild vor dem Altar.

Wenn Ihnen eine persönliche Reise bis nach Insterburg zu beschwerlich erscheint, so besuchen Sie uns doch einfach im Internet, Russisch-Kenntnisse sind nicht erforderlich. Ganz herzlich willkommen auf: www.insterburgczerniachowsk.blogspot.com. Im Namen der Franziskaner-Minoriten und der Pfarreiengemeinschaft von Insterburg und Darkehmen möchte ich allen von Herzen danken, die uns geholfen haben, vor allem durch ihr Gebet. Das ist sehr wichtig für uns. Gott segne Sie, und der heilige Bruno von Querfurt beschütze Sie und schenke Ihnen Orientierung auf Ihrem christlichen Lebensweg. Vergelt’s Gott! P. Piotr M. Karnialiuk

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Foto: Begsteiger

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Einladungen können wir annehmen, wir können sie ausschlagen oder sie unbesehen im Papierkorb verschwinden lassen. Doch was gilt, wenn uns ein Impuls zum Innehalten angeboten wird, von weit her und „von ganz oben“? Und dazu mit einem Freiraum zum Rasten? Eine solche Einladung gibt es, nicht nur an der Schwelle zu den Ferien, sondern mitten im Handgemenge des Lebens.


Ruht ein wenig aus! „Kommt und ruht ein wenig aus!“ Wieviel Menschlichkeit und Einfühlung schwingen in dieser Einladung Jesu in Kapitel sechs des Markusevangeliums mit. Gottes Erbarmen ist - wie immer in der Praxis des Mannes aus Nazareth - ein ganz konkreter Anruf an den Menschen, aus seiner alltäglichen Enge in die Freiheit herauszutreten. Die schlichte Aufforderung „Kommt und ruht ein wenig aus!“ kommt mir vor wie eine kühlende Salbe auf eine brennende Wunde, damals und heute. Die Freunde Jesu hatten sich im Dienst der Evangelisierung schon zu Lebzeiten des „Meisters des Unmöglichen“ (so Charles de Foucauld als Christusanrede) müde „gearbeitet“. Der Erschöpfung begegnen wir als einem nicht zu leugnenden Phänomen in Seelsorgskreisen auch heutzutage. Es geht quer durch, vom Kardinal bis zur Pfarrsekretärin. In unseren Gemeinden hängt außerdem an wenigen sogenannten ehrenamtlichen Mitarbeitern oft sehr viel.

Von Terminen gejagt Sich-ausgelaugt-fühlen ist nicht zuletzt die Folge wirtschaftlicher Zwänge und einer modernen Gesellschaft der unheimlichen Beschleunigung. Wir dürfen nicht vergessen, dass auch viele derjenigen, die keinen Arbeitsplatz (mehr) haben oder sich von Praktikum zu Praktikum durchhangeln müssen, in eine andere Form des Ausgebranntseins kommen können. Selbst die Gestaltung von Freizeit, ganz zu schweigen von unserem Umgang mit Medien, stehen unter dem Druck eines Gleichzeitig und Nochschneller. Der Preis ist hoch: Geschwindigkeit verdünnt die Wahrnehmung und das Herzstück jeder Beziehungskultur: die Aufmerksamkeit füreinander.

Ein paar Streiflichter zu dieser Wunde unserer westlichen Welt aus meinem unmittelbaren Erleben: Mit der Ganztagsschule wird es noch schwieriger, an den Nachmittagen Kinder und Jugendliche für eine Ministrantenstunde, Kommunion- und Firmvorbereitung zu gewinnen, allein schon wegen der Termine! Seminare zur Vorbeugung gegen Burn-out wachsen wie Pilze aus dem Boden, nicht nur bei sozialen Berufsgruppen. Kollegen nehmen sich Auszeiten, Mitarbeitende in der Seelsorge ersehnen das Ende ihrer Dienstzeit. Tage der Stille in unserem Kloster Schwarzenberg werden verstärkt gesucht, weil Lärm verbraucht. Und wenn sich dann die inneren Turbulenzen einstellen?

Austausch tut gut Christus sammelt Menschen, damals wie heute, und bietet einen Rastplatz zum Erzählen und Austauschen an. Er ist der erste Zuhörer und Kommentator der Ereignisse, die man zu verarbeiten hatte in der Jüngerschaft auf dem Weg. Es galt ja, in seinem Namen mit bisher unerhörter Vollmacht zu verkünden, zu heilen und den Ungeist auszutreiben. Die Apostel werden ihrem Meister und einander Frohes und Bitteres, Erfahrungen der Annahme und Ablehnung (Gleichgültigkeit ist wohl zu allen Zeiten der größte Brocken), Heilsames und – warum nicht! – auch Lustiges anvertraut haben. Lachen war da ganz gewiss nicht verboten. Menschen um Jesus dürfen Pause machen und finden auf einem Boot die Rückzugsmöglichkeit, die gut tut – allerdings auf Zeit und eingebettet in die Sendung. Denn Suchende stehen sehr bald wieder, wie wir in der Umgangssprache sagen, auf der Matte. Sie laufen Jesus voraus am Ufer und berühren seinen Schwachpunkt: „Es ward ihm weh ums Herz“, weil sie wie Schafe ohne Hirten, wie Hungernde ohne Brot waren.

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Ruhe in Stille und Schweigen Welche Qualität hatte der einsame Ort, in unserem Fall das Boot, für die Freunde Jesu? Dort herrschte meines Erachtens, nachdem sie sich ausgesprochen hatten, Ruhe, Stille und Schweigen. Es lohnt sich, diese Befindlichkeiten zu unterscheiden. In der Ruhe verleiblicht, lokalisiert sich das Schweigen. Äußere Bewegungen schwingen aus. Der „Ruheplatz am Wasser“ ist aus dem Psalm 23 den meisten von uns ein Begriff. Es kann heute eine Bank mit Weitblick, ein Herrgottswinkel daheim oder ein Stammplatz in der S-Bahn am Morgen auf dem Weg zur Arbeit sein (wie mir ein Freund

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einmal eröffnete und dabei sein inneres Bild der Sammlung ausmalte). In der Stille verinnerlicht sich das Schweigen. Wie ein Kind bei der Mutter oder auf dem Arm des Vaters – so ist meine Seele still in mir. So ähnlich betet der Psalmist. Die Meister des inneren Weges raten, „die inneren Eindringlinge nicht zu bewerten“, sondern sie durchziehen zu lassen, also nicht festzuhalten. In unserem Franziskanerkloster Würzburg hängt ein altes Schild, das die Bewohner auf dem Flur in der Klausur erinnert an einen wichtigen Weg zur Vertiefung des geistlichen Lebens: „Silentium!“ Das Schweigen ist im Grunde genommen etwas nur dem Menschen bzw. Gott Eigenes.


Vertrauen in Gottes Barmherzigkeit Mir scheint, dass folgende Zeilen aus dem Schweigen geboren wurden und uns in beeindruckender Weise bezeugen, wie reich Menschen an „einsamem Ort“ beschenkt werden können. Das Gebet (es folgt der Schlusspassage) stammt von Johannes Bours, einem überzeugten Wegbegleiter von Menschen in der Seelsorge, geschrieben im Oktober 1987, wenige Wochen vor seinem Tod am 1. Februar

1988: „Mein Herr und mein Gott, wenn ich auf mein Leben zurückschaue, dann preise ich deine wunderbare Führung. Aber zugleich erschrecke ich über die Eigenwege, die ich gegangen bin; über die Liebesverweigerungen meines Lebens, über die Verschattungen der Lebenswahrhaftigkeit: über all das Versäumte, das ich hätte sehen und tun sollen und nicht wahrgenommen habe. Jetzt kann ich das alles nicht mehr gutmachen und aufholen. Jetzt kann ich nur im letzten Vertrauen sprechen: Herr, du allein! Und mich fallen lassen in den seligen Abgrund deiner barmherzigen Liebe. Herr, ich bitte dich für die ungezählten Menschen, denen ich in meinem priesterlichen Dienst begegnet bin: Schenke du ihnen ein gutes Weggeleit! Heiliger dreifaltiger Gott, ich lege mein Leben in demütigem Vertrauen in deine Hände. Ich bete dich an mit der ganzen Kraft meines Herzens. Amen.“ P. Josef Fischer

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Foto: Archiv MSA

Menschen lieben schweigend am glühendsten, sagt Charles de Foucauld. Am Kreuz ist das Wort Gottes zum Schweigen geworden. Jesu Schrei der Gottverlassenheit findet Gehör beim Vater in Form der Auferweckung von den Toten – eine spannende Deutung dieses abgrundtiefen Geheimnisses der Liebe zwischen Vater und Sohn!


Studienhaus in Negombo Im September und Oktober wird Pater Albert eigens nach Europa kommen, um einige Wohltäter für seine Projekte zu gewinnen. Es geht um den Ausbau des bereits gekauften Familienhauses zu einem Seminar für junge Ordens­ aspiranten. Woran es noch mangelt, das listet Pater Albert hier schon einmal auf. In der Stadt Negombo, nur sechs Kilometer vom internationalen Flughafen für Sri Lanka entfernt, stößt der Reisende auf viele Christusund Heiligenfiguren, denn der Ort wurde bereits von den Portugiesen missioniert. Hier haben wir Franziskaner-Minoriten, die aus dem nicht fernen Indien auf die große Insel gekommen sind, ein Familienhaus erworben, um unseren Ordensnachwuchs aufzunehmen. Gemeldet haben sich bereits fünf junge Männer aus Sri Lanka im Alter zwischen 17 und 22 Jahren. Ende Oktober werden sie „auf der Matte“ stehen. Vier von ihnen sind Singhalesen und einer ist Tamile. Natürlich müssen wir das Familienhaus für unsere Zwecke umbauen. Für die würdige Feier der Eucharistie fehlt uns eine Kapelle samt Einrichtung. Zur Verfügung stellen müssen wir den jungen Leuten einen Schlafraum samt den entsprechenden sanitären Anlagen. Nötig ist auch ein Studiersaal samt einer kleinen Bibliothek.

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auf Sri Lanka

Die beiden Fotos zeigen das große Wohnhaus und den angebauten Geräteschuppen, umgeben von Mangobäumen und Kokospalmen. Es wird uns viel praktische Fantasie abverlangt werden, um aus den vorgegebenen Gebäudestrukturen ein funktionstüchtiges Seminar zu gestalten, das unsere Erziehungsziele fördert. Falls jemand von Ihnen seinen Urlaub auf Sri Lanka verbringen sollte: Sie sind herzlich eingeladen, uns hier in Negombo zu besuchen und sich selbst davon zu überzeugen, ob wir unsere Aufgabe gut gelöst haben. Wir Missionare verlassen uns vor allem auf die Göttliche Vorsehung. Schließlich wissen wir uns ja „in allerhöchstem Auftrag“ ausgesandt. Doch ist uns bewusst, dass wir auch auf die Großherzigkeit guter Menschen angewiesen sind. So bitte ich Sie, die Leserinnen und Leser von FRIEDE UND HEIL, von Herzen, unsere Missionsarbeit auf Sri Lanka zu unterstützen. Gott vergelte es Ihnen! P. Albert Pulliyadan


Giovani

verso

500 junge Menschen aus 25 Nationen trafen sich vom 1. bis 10. August 2009 in Assisi unter dem franziskanischen Motto „Das Evangelium ist mein Leben“. Mit P. Bernhard Lang waren acht Personen aus Österreich gekommen, mit P. Pascal Marquard sieben aus der Schweiz.

Assisi

Br. Steffen Behr organisierte die Reise der 36 Jugendlichen aus Deutschland: Junioren aus Würzburg, sowie Gruppen aus den Pfarreien Scheinfeld, Werdohl, Ratingen und Oggersheim – erkennbar am einheitlichen T-Shirt mit Hut. Fotos: Andreas Murk

In Castel Gandolfo.

Wallfahrt nach San Damiano bei erfrischendem Augustregen.

Päpstlicher Segen mit eingegipster Hand.

Die Teilnehmer aus Russland in Castel Gandolfo.

Ú

Sich spielend kennenlernen.

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Wir gratulieren unseren Mitbrüdern Silber – Rubin – Gold – Diamant – Kupfer Zu 25 Ordensjahren

Zu 40 Ordensjahren

am 4. Oktober

am 7. Oktober

P. Miguel Stockinger in Chimbote/Peru

Br. Erich Raspel

im Minoritenkloster Maria Eck

Zu 50 Ordensjahren am 7. Oktober

P. Stephan KleineBoymann

P. Dr. Polykarp Götz

P. Lukas Schwartz

P. Leopold Mader

im Franziskanerkloster Würzburg

im Minoritenkloster Schönau

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im Franziskanerkloster Würzburg

im Minoritenkloster Maria Eck


Zu 60 Ordensjahren am 11. Oktober

P. Eberhard M. Löcher im Minoritenkloster Schwarzenberg

P. Bonaventura M. Henrich im Franziskanerkloster Würzburg

P. Guido M. Ehemann in Schweinfurt

Zur Aufnahme in den

Zu 70 Ordensjahren am 19. November

P. Bernward Bauer

im Franziskanerkloster Würzburg

Seraphischen Messbund genügt eine formlose Anmeldung.

Beitrag für die Aufnahme Lebender (mit voller Anschrift) je 25,– € Beitrag für die Aufnahme Verstorbener (Name und Vorname) je 10,– € Bestellung von heiligen Messen nach besonderer Meinung (Intention) Stipendium jeweils 10,– € Bestellung der Wunderbaren Medaille in Cellophanhülle, mit zwei Gebeten. Stückpreis 50 Cent, zuzüglich Briefporto. Bestellungen an: Ordensapostolat Postfach 11 05 62 97032 Würzburg

Gebetsmeinungen der M.I. September – Oktober – November Damit wir wie du, Maria, lernen, auf Gott zu vertrauen und die Zeichen seiner Allmacht in unserer Geschichte zu erkennen. Damit wir nach deinem Beispiel, Maria, zu Aposteln des Evangeliums werden, als mutige Verkünder und Zeugen des Wortes Gottes. Damit wir auf deinen Spuren lernen, Maria, jenen mit festem Glauben und in tiefer Demut beizustehen, die leiden und einsam sind.

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Seraphischer Messbund

In jeder Ausgabe von „Friede und Heil“ finden Sie ein Informationskästchen zur Aufnahme in den Seraphischen Messbund. Doch was verbirgt sich eigentlich unter dem Namen Seraphischer Messbund? Der Seraphische Messbund ist eine in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gegründete Vereinigung. Die Anregung dazu gab der damalige Magister unserer Kleriker-Studenten in Würzburg, P. Walter Hof. Er suchte nach einer Möglichkeit, die Kosten der Ausbildung unserer Priesteramtskandidaten durch Wohltäter mittragen zu lassen. Wer Mitglied werden will im Seraphischen Messbund, stellt einen Antrag, erhält die Aufnahme-Bestätigung und entrichtet eine Aufnahmegebühr, deren Mindesthöhe festgelegt ist. Durch einen jährlichen Rundbrief werden die Mitglieder an ihre geistliche Verbundenheit mit uns Franziskaner-Minoriten erinnert und zu einer weiteren Unterstützung unserer Priesteramtskandidaten eingeladen. So war es gedacht und auch jahrzehntelang üblich.

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Seitdem alle Mitglieder des Seraphischen Messbundes, die es wünschen, regelmäßig die Zeitschrift „Friede und Heil“ erhalten, wird der jährliche Rundbrief nicht mehr versandt. So mag der Eindruck entstanden sein, dass die Aufnahmegebühr als einmalige Spende gedacht sei. Jetzt haben unsere Priesteramtskandidaten im Juniorat in Würzburg wieder die Verwaltung des Seraphischen Messbundes übernommen. Einmal pro Jahr werden sie in einem Rundbrief über ihre Aktivitäten berichten und sich als Gemeinschaft vorstellen. Sie freuen sich über jedes Zeichen des Wohlwollens und der Unterstützung von Menschen, die sich ihnen verbunden zeigen. Pro Semester fallen für einen Theologiestudenten rund 600 Euro Studiengebühren an. Hochgerechnet auf all unsere jungen Brüder mit einer Regelstudienzeit von zehn Semestern, ist das allein schon eine große Herausforderung für den Orden. Hinzu kommen Kost und Logis sowie der Aufwand für Bücher. Wir Franziskaner-Minoriten möchten Sie, liebe Leser, ermutigen, als Mitglieder des Seraphischen Messbunds durch Spenden den Priester- und Ordensnachwuchs zu unterstützen. Durch die Aufnahmegebühr werden Sie Mitglied in der Gebets- und Opfergemeinschaft des Seraphischen Messbundes. Für alle lebenden und verstorbenen Mitglieder des Messbunds feiert der Provinzialminister jede Woche eine heilige Messe, zudem sind sie in die Gebete der Provinzgemeinschaft für ihre Wohltäter eingeschlossen. Nach dem Tod eines Mitglieds wird ein eigenes Seelenamt gefeiert. Auch Verstorbene können eingeschrieben werden. So ist Ihr Beitrag keine gewöhnliche Spende, sondern eine Opfergabe. Wenn in der Eucharistiefeier Brot und Wein dargebracht werden, bringen die Mitfeiernden in der Kollekte ein Zeichen ihrer Opfergesinnung dar. Dies gilt hier für die Gebets- und Opfergemeinschaft des Seraphischen Messbundes. Könnte dies nicht auch ein Weg für Sie sein? Wir bieten unsere Hilfe an und bitten Sie um Ihre Hilfe. Damit tun Sie etwas Gutes für den Priesternachwuchs unseres Ordens. Bleiben Sie mit uns im Gebet verbunden! Vergelt’s Gott! Br. Konrad Schlattmann


M. I. Jesus Christus, das Lebens-Du der gottgeweihten Menschen Der evangelische Rat zur Jungfräulichkeit besteht keineswegs nur negativ im Verzicht auf Ehe, sondern positiv in der vollkommenen Bindung an den Gott-menschen Christus. Es wird zwar der Gottmensch persönlich schon in jeder getauften Ehe Hauptgatte und das Gattenhaupt für die Ehepartner. Im Gehorsam gegen Christus, dem Herrn ihrer Ehe, wird ein Gatte dem andern Helfer zur „Hochzeit des Lammes“ ins ewige Leben. Wenn Christus jedoch einen Menschen zur evangelischen Ehelosigkeit beruft, dann wird Christus für diesen Mann oder diese Frau als der verherrlichte Gott-Mensch persönlich das eigentliche und direkte Lebens-Du. Jungfräulichkeit ist also volle Bindung an den Menschen Christus, der zugleich Gott ist. Christus als Mensch wird den so Berufenen der Total-gatte, das ausschließliche Lebens-Du unmittelbar selbst – wie er analog im Sakrament der Ehe den beiden Gatten das Haupt ihrer Ehe wird. Evangelische Jungfräulichkeit bedeutet also nicht wie die Ehe mittelbare Bindung und Brautschaft über einen anderen Menschen an Christus, sondern direkte unmittelbare Bindung und Brautschaft mit dem Gott-menschen selbst. Helfer ins Heil. Wie die Ehegatten in der Kleinkirche ihrer Familie einander Helfer ins Heil werden müssen, so werden die zur totalen Christusnachfolge berufenen Menschen nun beauftragt, der „Groß-braut Christi“, seiner Großfamilie der Kirche Helfer ins Heil zu werden. Es wird dann das Grundgesetz für ein Leben in dieser jungfräulichen Christusvermählung: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder tut, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40). Für die zur Jungfräulichkeit berufenen Menschen wird es der eigentliche Lebensdienst,

den Menschen hinzuhelfen zu Christus, dem Bräutigam der ganzen Schöpfung; ihnen hineinzuhelfen in das Leben innerhalb seiner Kirche, der „Braut Christi“. Jungfräulichkeit bedeutet also Heils-Dienstverpflichtung allen Menschen gegenüber, um sie Christus als ihrem Herrn zuzuführen. Franz und Klara. Diesen intensiveren Heilsdienst nach der Ordnung des Melchisedek hat Franziskus allen Menschen gegenüber geleistet, vor allem aber seinen Mitbrüdern und im besonderen der heiligen Klara gegenüber realisiert. Spätere Jahrhunderte haben „um dieses Ereignis den Dunst verschwommener Romantik gewoben und daraus eine Liebesgeschichte geschaffen, die zwar rein ist von gröberer Erdhaftigkeit, aber doch irdisch bis in die letzte Faser. Jene Geschichtsschreiber kennen weder Franz noch Klara. Der Punkt, in dem ihre Neigungen sich trafen und ihre Seelen ineinander schwangen, lag über ihnen, in ihrem Heiland Jesus Christus“ (CuthbertWildlöcher, Der hl. Franz von Assisi, S. 115). Aus dem Nachlass von P. Dr. Agathon Kandler FRIEDE UND HEIL, Zeitschrift der deutschen Franziskaner-Minoriten Herausgeber: Deutsche Franziskaner-MinoritenProvinz St. Elisabeth, Franziskanergasse 7, Würzburg, Tel. 09 31/3 09 01-0, Fax 09 31/3 09 01-21, e-mail: friede.und.heil@ofmconv.de. Kurzadresse: Ordensapostolat Postfach 11 05 62 97032 Würzburg Redaktion: P. Dr. Polykarp Götz OFM Conv. Mit kirchlicher Druckerlaubnis. Druck: Benedict Press, 97359 Münsterschwarzach. Erscheinungsweise: fünfmal jährlich. Die Zeitschrift FRIEDE UND HEIL vermittelt den Mitgliedern der Franziskanischen Gemeinschaft (FG), der Marianischen Initiative – P. Kolbe (M.I.) und des Seraphischen Meßbundes sowie Freunden und Wohltätern unseres Ordens und seiner Missionen Anregungen für ein christliches Leben im Geist Mariens und des heiligen Franziskus. Statt eines Abonnements bitten wir alle Bezieher, einen Unkostenbeitrag von mindestens 10,– € pro Jahr an uns direkt (oder an unsere Förderer zwecks Sammelüberweisung) zu entrichten. Unser Konto: Ordensapostolat, LIGA Würzburg (BLZ 750 903 00) Kto. 3016307 IBAN: DE88 7509 0300 0003 0163 07 BIC (SWIFT-Code): GENODEF1M05.

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40 Jahre Bildungshaus Kloster Schwarzenberg Das Jubiläum stand unter dem Thema: „Wir haben Feuer geerbt – mit Franz von Assisi vom Heute ins Morgen!“ Höhepunkt des Schwarzenbergtages am 20. Juni war das Pontifikalamt im Festzelt mit Erzbischof Dr. Ludwig Schick von Bamberg.

„Dies Haus ist ein Schatz!“ Mit diesem Ausruf in seiner Festpredigt fasste der Erzbischof die Gefühle vieler Gäste zusammen.


Friede und Heil, September 2009