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Zeitschrift der Franziskaner-Minoriten 74. Jahrgang – Nr. 4 – 2008

Herrgottswinkel am Titicaca-See


Lesestoff und Bilder zum Anschauen für 91 Tage sind in diesem Heft zusammengetragen, liebe Leserinnen und Leser, denn es ist gedacht für die herbstlichen Monate September, Oktober und November. Ich freue mich darüber, dass ich Ihnen Beiträge vorlegen kann, die begleitende Informationen bieten zu Jubiläen und Ereignissen, die voraussichtlich Schlagzeilen auslösen werden. In allen drei Zweigen des Franziskanerordens, also bei den braun gekleideten Franziskanern, bei den Kapuzinern und bei uns Minoriten, wird der 700. Todestag des Johannes Duns Skotus gebührend begangen werden. Auch die Spezialisten für mittelalterliche Philosophie und Theologie dürften ihren feinsinnigen Kollegen erinnernd feiern. Colonia me tenet – Köln besitzt mich, Köln bewahrt mich, steht auf dem neuen Hochgrab in der Minoritenkirche, in das die sterblichen Überreste des seligen Johannes Duns Skotus beim Wiederaufbau nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs ehrfürchtig gelegt wurden. Nach Ankunft der ersten Minderbrüder in Köln im Jahr 1221, noch zu Lebzeiten des Ordensstifters Franziskus, gründeten wir Minoriten ab 1222 dort den großen Konvent im Stadtzentrum, nur drei Gehminuten vom Dom entfernt, mit einem renommierten Studienhaus. In Kloster und Kirche, dem Zentrum der Kölnischen Minoritenprovinz, hausten später die Horden der Französischen Revolution, die das Rheinland überfallen hatten. Die Säkularisation 1802 bedeutete das Ende unseres Jahrhunderte dauernden Wirkens. Auch Dank persönlicher Beziehungen zwischen unserem Ordensgeneral P. Beda Hess, einem Deutsch-Amerikaner, und Kardinal Joseph Frings – sie kannten sich aus gemeinsamen Studienzeiten bei den Jesuiten in Innsbruck -, kamen wir Minoriten im Jahr 1956 wieder nach Köln zurück. Die Klostergebäude dienten inzwischen als Museum, die Minori-

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tenkirche hatte Domvikar Adolph Kolping vor dem Verfall gerettet, der darin seinen Gesellenverein beheimatete. Uns wurde die Innenstadtpfarrei St. Kolumba übertragen, inzwischen auch bekannt durch das neue Diözesanmuseum, mit Gottesdienstrechten in der Minoritenkirche. Noch leben einige Pioniere des Neubeginns, so unser Provinzsenior P. Bernward Bauer, der noch gerne erzählt, unter welch abenteuerlichen Bedingungen der Start verlief und wie er sich als Oberpfälzer zwischen den Ruinen der Innenstadt zurechtfinden musste. Konkrete Erinnerungen daran hat auch unser erster Ordenskandidat aus dem Rheinland, P. Stephan Kleine-Boymann, der den dorthin versetzten Bayern, Franken und Pfälzern unserer Provinz eine mentale Brücke baute in die rheinische Metropole. - Diese Hintergrundinformationen sollen die beiden Skotus-Beiträge dieses Heftes garnieren. Der Kölner Guardian, Pater Gabriel, lebt geradezu für Johannes Duns Skotus. Und Pater Josef zeigt auf, dass Spitzentheologen durchaus fromm sein können und mit ihrem Denken zur Frömmigkeit anregen. Papst- und Kirchentreue, wie sie bei Johannes Duns Skotus gerühmt wird, bewies auch der neue Seelsorger für die deutschsprachigen Pilger und Touristen an der Basilika San Francesco in Assisi, Diakon P. Thomas Freidel. Für seine neue Aufgabe bekam er den Startsegen des Heiligen Vaters, der sich auch gleich als Pilger ankündigte. – Und wenn Sie am Fernsehen oder über die Printmedien den Besuch des Papstes in Lourdes mitverfolgen, dürfen Sie sich von der marianisch geprägten Frömmigkeit unseres heiligen Mitbruders Pater Maximilian M. Kolbe anstecken lassen, der als 20-jähriger Ordensstudent in Rom seiner Mutter in Polen von gleich zwei Heilungen durch Lourdes-Wasser berichtete. So grüßt Sie in dankbarer Verbundenheit Ihr


Bleib stehen und schau!

Bleib stehen und schau ! Anlässlich der Verkündigung des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis Mariens im Jahre 1854 berichtete die „Kölnische Zeitung“, das Grab des Johannes Duns Skotus in der Minoritenkirche zu Köln sei von den Gläubigen mit Blumen und Lichtern derart geschmückt worden, dass ein ganzer Berg von Blumen das Grab bedeckte. Der Guardian des Kölner Minoritenkonventes zeichnet hier die Gestalt dieses mittelalterlichen Denkers. Der Selige Johannes Duns Skotus war ein einfacher schottischer Franziskaner, geboren im Jahre 1265 in Duns in Schottland. Vierzig Jahre zuvor lebte noch der heilige Franziskus von

Assisi. Johannes ist sein Taufname, Duns der Familienname nach seinem Herkunftsort, das lateinische Wort Scotus = der Schotte verweist auf seine Heimat Schottland.

Der hartnäckige Frager Noch zu Lebzeiten des heiligen Franziskus waren Mitbrüder nach Köln (bereits 1221) und bis nach Schottland gekommen und hatten dort einige Klöster gegründet. Die Familie Duns muss wohl mit den Minderbrüdern gut bekannt gewesen sein, denn schon wenige Jahre nach Gründung der ersten Niederlassung wurde Elias, ein Mitglied der Familie, in den Orden aufgenommen. Er hat auch seinen Neffen Johannes gefördert und ihn in die Elementarschule des Klosters in Haddington gebracht. Mit fünfzehn Jahren begann für den kleinen Johannes sich die Welt der Wissenschaft zu öffnen. Er kam heraus aus seinem kleinen schottischen Dorf und studierte an den schon damals berühmten Universitäten von Oxford und Cambridge. Mit großer Begeisterung, ungeheurem Fleiß und äußerst scharfem Verstand stürzte er sich auf die Philosophie und Theologie seiner Zeit. Von Anfang an war den Minderbrüdern klar, dass hier ein großer Denker heranwuchs. Überhäuft mit akademischen Ehrungen, ging er dann als Professor nach Paris, wo er zu Recht den Ehrentitel doctor subtilis = der äußerst scharfsinnige Lehrer bekam. Eine seiner Denkmethoden war, sich niemals mit der Begründung einer anerkannten Lehre zufrieden zu geben, sondern unerbittlich zu fragen: Kann man die Sache, um die es geht, nicht noch tiefer begründen? Meistens fand er eine bessere Antwort.

Kirchentreu und marianisch Dabei war er ein außerordentlich kirchentreuer Theologe. Im Konflikt zwischen Papst und

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französischem König stand er wie selbstverständlich auf der Seite des Papstes. Darauf nimmt sein zweiter Ehrentitel „Herkules der Papstgetreuen“ Bezug. Für ein Jahr musste er deshalb Paris verlassen. Die Rückkehr ermöglichte ihm ein damals mächtiger Mann, der Generalminister des Franziskanerordens, Johannes von Balboa. Er stellte ihm das folgende, noch heute erhaltene Zeugnis aus: „Sein lobenswerter Lebenswandel, sein außerordentliches Wissen und sein feinsinniger Geist sowie seine übrigen beachtlichen Anlagen sind mir hinlänglich bekannt, sei es aus eigener langer Erfahrung, sei es durch den guten Ruf, den er allenthalben genießt.“ In Paris erhielt der Skotus auch den Ehrentitel „doctor marianus“. Tiefgründig verfasste und erklärte er die theologische Lehre von der Immaculata, der Unbefleckten Empfängnis der Gottesmutter Maria. Kein Wunder, dass man auch in Köln nach dem gefeierten Magister rief. Wir lesen in der Alten Kölner Chronik: „Um das Jahr 1303 waren boshafte neue falsche Apostel, nämlich die vermessenen und ketzerischen Beghinen und Begarden, auch in die weltberühmte Stadt Köln eingeschlichen und hatten dieselbe mit ihren ketzerischen Lehren ziemlich vergiftet. Daher versuchte der Kölner Erzbischof Heinrich II., die Wirkung ihrer Lehre durch die katholische Gegenlehre hoch gelehrter Männer zu dämpfen. Zu diesem Zweck kam er mit dem Rat der Stadt überein, den weithin bekannten Pater Johannes Scotus nach Köln zu bitten. Er schrieb deshalb an Pater Gondisalvo, den General des Minoritenordens, und bat ihn, den vortrefflichen Dr. Scotus nach Köln zu entsenden.“

Der Ruf in das Heilige Köln Auf einen Ruf des Erzbischofs kam also Duns Skotus im Jahre 1307 nach Köln. Die Alte Kölner Chronik berichtet 1499 noch einmal über Duns Skotus: „...dass es eine große und hohe

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Minoritenkirche zu Köln

Würdigkeit sei, dass in der Heiligen Stadt Köln die größten Lichter der Heiligen Kirche gewohnt und gelehrt haben, deren Lehre jetzt allgemein und besonders an den Universitäten und Hohen Schulen bekannt gemacht und verbreitet wird. Als da sind Albertus Magnus, ebenso desgleichen Johannes Scotus, der genannt wird Doctor subtilis. Dieser Johannes Scotus liegt begraben bei den Minderbrüdern im Chor unter der großen Glocke.“ Hier in Köln wurde Johannes Duns Skotus vor allem als „doctor marianus“ bekannt. Er ist der eigentliche große Gelehrte der Immaculata. Im Verlauf des 12. Jahrhunderts war das Fest der Unbefleckten Empfängnis der Gottesmutter in die Liturgie der Kirche gekommen. Bedeutende Theologen, unter ihnen auch Thomas von Aquin, der heilige Bonaventura und der große Marienverehrer Bernhard von Clairvaux, sprachen sich dagegen aus. Sie meinten, dass Maria von der Erbsünde frei sein sollte, sei richtig und ihrer würdig. Aber sie sei höchstens, ähnlich wie Johannes der Täufer, im Mutterschoß geheiligt worden im Hinblick darauf, dass sie den Erlöser gebären sollte. Alles andere schmälere die Würde Christi. Duns Skotus sagte dazu: Nein, man muss von Gott größer denken. Für die Mutter des Herrn geziemt es sich als einziger Mensch, überhaupt nie vom Makel der Erbschuld berührt worden zu sein. Eindrucksvoll brachte er seine Lehre auf eine Kurzformel: decuit, potuit, fecit (es geziemte sich; Gott konnte es tun; also tat er es). Viele Jahrhunderte später gab ihm die Kirche


Recht. Am 8. Dezember 1854 verkündete Papst Pius IX. das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis der Gottesmutter.

Päpstlicher Besuch am Grab Als marianischen Gelehrten feierte ihn auch Papst Johannes Paul II. bei seinem ersten Deutschlandbesuch am 15. November 1980. Er bezeichnete Duns Skotus in der Minoritenkirche zu Köln als einen zum Himmel weisenden Zeugen, als einen „Turm des Glaubens“. Der Papst wörtlich: „Der Dom, aus dem ich gerade komme, hat zwei gewaltige Türme, die wie Zeugen des Glaubens zum Himmel ragen. Die Minoritenkirche, gleichaltrig mit dem Dom, umfasst zwei geistige Türme des Glaubens: Den bedeutenden Theologen Duns Skotus und den großen sozialen Volksseelsorger Adolph Kolping. Duns Skotus hat uns das Geheimnis der

unbefleckten Empfängnis Mariens erschlossen und ihre Stellung im Heilsplan Gottes dargestellt. Der Immaculata wurde dieses Gotteshaus als erstes nördlich der Alpen geweiht.“ Am 20. März 1993 erhob der Papst in der Peterskirche zu Rom den großen Schotten zur Ehre der Altäre. Unser großer Wunsch ist es, ihn bald auch als Kirchenlehrer verehren zu dürfen. Dieser leuchtenden Gestalt der Theologie und Frömmigkeit schrieben seine Mitbrüder, als sie ihn am 8. November des Jahres 1308 in der Minoritenkirche in Köln zu Grabe trugen, auf den Grabstein: „Bleib stehen und schau! Vor deinen Augen verbirgt ein gewaltiger Stein den Lehrer, über dessen Tod selbst die Heilige Weisheit weint.“ In diesem Jahr erinnert sich die Kirche voll Freude und Dankbarkeit seines 700. Todesjahres. P. Gabriel Weiler

Papst Johannes Paul II. betete am 15. November 1980 vor dem Hochgrab des seligen Johannes Duns Skotus.

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Ganz da für Pilger und Touristen in Assisi Seit dem 1. Juli 2008 wirkt Diakon P. Thomas Freidel als Seelsorger der deutschsprachigen Pilger und Touristen an der Grabeskirche des heiligen Franziskus in Assisi. Der jetzt entlastete P. Gerhard Ruf führt seinen 40-jährigen Nachfolger ein. Das Team verstärkt P. Stanica-Petru Maties aus unserer rumänischen Ordensprovinz. Als „Pilger und Fremdlinge“ in dieser Welt zu leben und nicht an Orte oder Aufgaben gebunden zu sein, dies hat der heilige Franziskus uns, seinen Brüdern, aufgetragen. So war für mich nun im März dieses Jahres der Zeitpunkt gekommen, um nach zwölf Jahren an einen neuen Wirkungsplatz aufzubrechen. Als Diakon in unserer Pfarrei Maria Schutz hatte ich die Bandbreite der seelsorglichen Tätigkeit kennen gelernt. Ein besonderer Schwerpunkt meiner Arbeit dort war der pastorale Dienst für das Kolpingwerk als Präses auf Pfarr- und Bezirksebene, Vortragstätigkeit im Rahmen der Erwachsenenbildung, Verkündigung und Gemeindecaritas.

Vorbereitung und Sendung Obgleich mit dem Arbeitsfeld der Auslandsseelsorge in Assisi bereits von früheren Aushilfseinsätzen etwas vertraut, war ich doch dankbar für eine Übergangszeit von gut drei Monaten, die ich zu einem Fortbildungsaufenthalt in Rom verwendete. Nun baute ich meine Sprachkenntnisse aus und hörte verschiedene Vorlesungen an der ordenseigenen Fakultät St. Bonaventura sowie am Antonianum, dem Studienhaus der braun gekleideten Franziskaner. Inhalte waren mittelalterliche Philosophie und franziskanische Spiritualität. Der Blick auf die Vielfalt unserer Ordensgemeinschaft weitete sich beim Erleben der internationalen Brüdergemeinschaft im Seraphicum, dem Studienkolleg des Franziskaner-Minoritenordens, im römischen Stadtteil EUR gelegen. Die unerwartete „Krö­n­ung“ des Romaufenthaltes war eine persönliche Begegnung mit Papst Benedikt XVI. Eher zufällig kam ich zu einer Eintrittskarte für das große Konzert der

„Dann sehen wir uns bestimmt einmal in Assisi“, kündigte sich Papst Benedikt an beim neuen Pilgerseelsorger an der Basilika des heiligen Franziskus, Diakon P. Thomas Freidel.

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Stabübergabe in Assisi unter Pfälzern: P. Gerhard Ruf und P. Thomas Freidel, jetzt zuständig für die deutschsprachigen Pilger und Touristen.

chinesischen Staatsphilharmonie, das im Mai für großes Medienecho sorgte. Dort traf ich unseren kroatischen Mitbruder Pater Maximilian Herceg (Beichtvater im Petersdom), der als Vatikan-Insider den richtigen Riecher für unsere Platzwahl hatte. Als dann der Heilige Vater an uns vorbeilief, reichte ich ihm die Hand und stellte mich als neuen deutschen Seelsorger in Assisi vor. Das erregte sofort die Aufmerksamkeit des Papstes, und mit bayerisch-herzlichem Akzent versprach er mir umgehend: „Dann sehen wir uns bestimmt einmal in Assisi!“ Nun ist Papst Benedikt die Stadt des heiligen Franziskus nicht erst seit dem Besuch im vergangenen Jahr bekannt. Als Präfekt der Glaubenskongregation weilte Kardinal Ratzinger oftmals hier, meist als Gast der bayerischen Klarissen-Kapuzinerinnen. Viele Mitbrüder erinnern sich noch lebhaft an den stillen Beter in der Basilika - meist schon in den frühen Morgenstunden.

Der Erfahrungsschatz des Vorgängers So trete ich, gleichsam von höchster Stelle ermutigt, meine neue Aufgabe an, was noch dadurch erleichtert wird, dass ein Pfälzer Landsmann hier in Assisi in einmaliger Weise den Boden bereitet hat. Vor fast genau 50 Jahren wurde Pater Gerhard Ruf als Beichtvater nach Assisi versetzt, wo sich ihm allerdings ein viel weiteres

Tätigkeitsfeld eröffnete. Unzähligen Menschen hat er seitdem die theologische und spirituelle Botschaft der Basilika San Francesco vermittelt. Bahnbrechend wurden seine Forschungen zu den mittelalterlichen Freskenmalereien. Unermüdlich stand er seinen deutschsprachigen Landsleuten als Ratgeber und oft auch als Nothelfer zur Verfügung. Vieles ist auch eher im Verborgenen geschehen, wie der Aufbau des international renommierten Fotoarchivs und über Jahrzehnte hin die Betreuung der deutschsprachigen Auslandsgemeinde in Florenz. Pater Gerhard wird auch weiterhin in Assisi tätig sein und den schier unerschöpflichen Schatz seiner Kenntnisse und Erfahrungen einbringen. Verstärken wird unsere deutschsprachige Präsenz Pater Stanica-Petru Maties aus unserer rumänischen Ordensprovinz, der in Würzburg Theologie studiert hat. Er engagiert sich weiterhin für die Besucher aus den Ländern nördlich der Alpen und betreut nach wie vor die Seelsorgestelle in Florenz. Wie Franziskus im Gebet vor dem Kreuz in San Damiano die Sendung zum Aufbau der Kirche erhielt, so wollen wir drei Minoriten von Assisi aus seinen Geist lebendig erhalten und die Pilger und Besucher deutscher Sprache zu einem Leben nach dem Evangelium ermutigen. Br. Thomas Freidel

Zur Planung von Führungen durch die Basilika San Francesco in Assisi, zur Vorbereitung von Gottesdiensten und in allen organisatorischen Fragen wenden Sie sich direkt an: Basilica San Francesco Diakon Br. Thomas Freidel OFM Conv. Sacro Convento 06082 ASSISI ITALIEN Tel: Mail:

0039/075/8190167 assisi@franziskaner-minoriten.de Internet: www.Franziskaner-Minoriten.de

(eigene Rubrik „Assisi“)

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Gott kann Die theologisch gehaltvollen Predigten und anspruchsvollen Bücher von Papst Benedikt XVI. finden begeisterte Hörer und Leser. Aus christlicher Gottesgelehrsamkeit können die Gläubigen Wegweisung für ihr Leben schöpfen. Wie fruchtbar für Frömmigkeit und Nächstenliebe sich Studierstube und Katheder auswirken können, lässt sich am mittelalterlichen Theologen Johannes Duns Skotus aufzeigen, dem diese Meditation gewidmet ist.

Während meiner Würzburger Studien­zeit „zierten“ diese beiden Worte GOTT KANN die Gitarre eines Mitbruders. Der provokante Aufkleber kommt mir in den Sinn, wenn ich spontan die Gestalt des Seligen Johannes Duns Skotus, sowie seine großartigen und schwierigen Gedanken zum Geheimnis Gottes in den Blick nehme.

Seliger Johannes Duns Skotus, Grabplatte Minoritenkirche Köln

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Am 8. November vor genau 700 Jahren wurde er im Alter von 43 Jahren in Köln heimgerufen. Die Minoritenkirche – den Mitgliedern der Kolpingsfamilie besonders ans Herz gewachsen, weil ihr Seliger, der Gesellenvater Adolph Kolping, dort ruht – birgt das, was an Johannes Duns sterblich ist, in einem Sarkophag im linken Seitenschiff. Beim Weltjugendtag 2005 hatte ich als Beichtseelsorger von meiner Bank aus beide Stätten der gläubigen Verehrung ständig vor Augen. Leuchtet nicht eine schöne Wahrheit des Glaubens auf: Heiligkeit und damit Durchsichtigkeit für das wunderbare Wirken Gottes in dieser Welt sind möglich für Praktiker und Intellektuelle, und das zu verschiedensten Zeiten und an unterschiedlichsten Orten?!

Wege durch Europa Die Inschrift am Sarkophag, gestaltet von Josef Höntgesberg, liefert uns eine erste Spur zu dem scharfsinnigen Lehrer, dem „doctor subtilis“. Sie lautet in einer Übersetzung aus dem Lateinischen: „Schottland hat mich geboren, England hat mich aufgenommen, Gallien hat mich gelehrt, Köln besitzt mich.“ Die Persönlichkeit unseres großen und unbequemen Vordenkers tritt hinter seinen Schriften zurück, wir wissen nur recht wenig über seine Lebensgeschichte. Seine Heimat liegt in „Duns“ im Südwesten Schottlands, deshalb der dritte Bestandteil seines Namens: „Skotus“. Zur Profess angenommen hat ihn die englische Provinz der Minderbrüder in Dumsfries. Seine Priesterweihe in Northampton am 17. März 1291 gilt als erstes historisch gesichertes Datum seiner bewegten Biographie, die man eine „europäische Pilgerschaft“ nennen kann. „Gelehrt“ hat ihn Gallien von 1293 bis 1297, denn er studierte in Paris. Anschließend wurde er selbst Lehrer an den theologischen Hochburgen Cambrigde, Oxford und Paris. Von dort besitzen wir das zweite feste Datum in seinem Leben. Am 25. Juni 1303 verweigerte Skotus die Unterschrift für eine Berufung von König Philipp dem Schönen von Frankreich an ein allgemeines Konzil gegen Papst Bo­nifaz VIII. Innerhalb von drei Tagen musste Skotus Lehrstuhl, Konvent und Stadt verlassen. Die

Kirche wird in ihrer hierarchischen Verfasstheit von ihm nicht als Barrikade, sondern als Quelle zu wahrhaftigem Leben erfahren und angenommen. Nach einem Jahr erzwungenen Exils kehrte der Gelehrte nach Paris zurück, promovierte und wurde bald ein gefeierter Professor. In diesen Lebensabschnitt fällt die berühmte Disputation um die Unbefleckte Empfängnis, die bis in die Neuzeit ihre Spuren ziehen wird. Wenige Jahre später schickte ihn sein Generalminister aus Paris weg nach Köln, im Hintergrund politische Machenschaften der Königspartei. Skotus wurde als „Ausländer“ begeistert am Rhein aufgenommen. Zeitgenossen berichten von Prozessionen, die dem Minderbruder, der zu Fuß in Sandalen auf dem Anweg war (wie anders heutige Versetzungen bei den Minoriten!), entgegengekommen seien. Leider blieb ihm nur eine kurze Wirksamkeit am Generalstudium der Minderbrüder und als Seelsorger in Köln vor seinem Heimgang am 8. November 1308.

Wachsamkeit gegen den Zeitgeist Johannes Paul II. bestätigte am 20. März 1993 in der Peterskirche im Rahmen einer Vesper den Kult des großen Theologen und Philosophen. Dabei wurden Skotus auch die liturgischen Ehren gewährt. Bei dieser Feier griff der Papst auf Worte seines Vorvorgängers über Johannes Duns zurück: „Aus seiner Lehre lassen sich glänzende Waffen schmieden, um die schwarze Wolke des Atheismus, die unsere Zeit verdunkelt, zu bekämpfen und zu entfernen.“ Diese Deutung erinnert an das Bild von der Rüstung Gottes im Epheserbrief. Christsein geht nicht ohne Kampf: mit dem Gürtel der Wahrheit, dem Panzer der Gerechtigkeit, dem Schild des Glaubens und dem Helm des Heiles. Dieser militärische Vergleich mag uns heute befremden, die tiefere Botschaft gilt dennoch: Zur Nachfolge Jesu gehören Wachsamkeit und Kraft zum Nein. Sie braucht Klarheit und Nüchternheit im Umgang mit äußeren und inneren Widerständen. Was verdanken wir Skotus und seiner Lehre, wo schenkt er Wegweisung für uns in so anderen geschichtlichen und gesellschaftlichen

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Zusammenhängen? Zwei kurze Anwege seien aufgezeigt. Seine philosophischen Grundgedanken zum Verhältnis von Glauben und Vernunft, sowie den Vorrang des Willens muss ich leider hier ausblenden.

Gott will Mitliebende Der Minderbruder aus Duns hat einen sehr wertschätzenden Beitrag für das christliche Menschenbild. Er setzt beim dreifaltigen Gott an und bezieht sich ganz auf den ersten Johan-

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nesbrief: „Gott ist die Liebe“ (vgl. den Titel der ersten Enzyklika von Papst Benedikt XVI.). Gott genügt sich, dennoch will er „Mit­ liebende“ - eine treffliche Wortschöpfung von Skotus. So kommt es zur Schöpfung, an deren Spitze der Gottmensch Jesus Christus steht. Er kann den Vater unendlich wiederlieben. Christus hat den Vorrang, nach ihm sind alle anderen Geschöpfe gebildet. Er ist der König und von Ewigkeit vorherbestimmt. Nun der gewagte Gedanke: Der Sohn Gottes wäre auch Mensch geworden, wenn Adam


nicht gesündigt hätte. Dann wäre er in Herrlichkeit gekommen, um alle Schöpfung zu sammeln. Nach der Sünde kam er in Knechtsgestalt. Mit Jesus den Vater lieben zu dürfen und nicht an den Lieblosigkeiten in feinen und massiven Formen zu verzweifeln, kommt dem Skotischen Verständnis von Erlösung nahe. Wir sind als Menschen nicht dazu verurteilt, früher oder später die Dornenkrone der Schöpfung zu werden. Jede und jeder hat die kostbare Gabe, von dieser Liebe getroffen und verwandelt zu werden. Hier könnten wir die ExpertInnen weiter befragen, darunter Friedrich Kardinal Wetter.

Der Schlamassel der Erbsünde Skotus denkt kühn von Maria, der Mutter Jesu. Sie ist von Anfang ihrer Existenz an unbefleckt Empfangene, frei von Erbsünde. Andere Denker behaupteten, sie sei es ab der Verkündigung durch den Engel Gabriel (biblischer Haftpunkt: „Maria – voll der Gnade“). Skotus denkt radikaler: Gott konnte sie so schaffen; es geziemte sich; also hat er sie so geschaffen.

Der Grund für die Bewahrung vor der Schädigung, dem „Schlamassel“ der Erbsünde ist nicht ihr Verdienst, sondern einzig und allein der Sohn und sein Erlösungswirken. Das ist ein zweiter Kernpunkt seines geistlichen Betrachtens und theologischen Forschens. Durch diese Lehre der Vorerlösung Mariens, 1854 zum Dogma erhoben, wurde Johannes Duns am meisten bekannt. Für Skotus gehört die besondere Erwählung Mariens ganz in den Bannkreis Christi, der immer an der Spitze steht. Der Troubadour der Gottesmutter könnte uns heute zu einer Auseinandersetzung mit der Frage führen, worin wirkliche Schönheit besteht. Orignalton: „Die Gerechtigkeit vervollkommnet den Menschen anderen gegenüber. Die Freundschaft ist die vollkommenste Form der Gerechtigkeit, in der sich der Mensch seinem Nächsten hingibt, soweit er es vermag und dieser aufnehmen kann.“ – P. Maximilian M. Kolbe hat mit seinem Lebens­opfer in Auschwitz die Kraft eines Lebens mit der Immaculata erwiesen. Aus seinem Staunen über Gottes zuvorkommende Art konnte Duns Skotus beten:

Herr, unser Gott, du bist das Leben höchsten Ranges. Du bist die klare Schau deiner selbst. Du bist freudvollste Liebe. Du bist grenzenlos gut. Zu dir eilt jeder einzelne zurück als zu seinem letzten Ziel. Amen. P. Josef Fischer

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20 Jahre alt war Maximilian Kolbe im April 1914. Wenige Monate später, am 28. Juli, brach der Erste Weltkrieg aus. Frater Maximilian wohnte im römischen Studienkolleg unseres Ordens in der Via San Teodoro, direkt neben dem Forum Romanum, und war Student der Theologischen Fakultät San Bonaventura. Am 6. April 1914 schreibt er einen Brief an seine Mutter in Polen, den wir hier dokumentieren. Darin berichtet er ihr von zwei wunderbaren Heilungen durch Lourdes-Wasser. Den Wallfahrtsort am Fuß der Pyrenäen wird er am 30. Januar 1930 besuchen, noch vor seiner Reise nach Japan. Und am 13. – 15. September 2008 wird ja Papst Benedikt in Lourdes erwartet. Meine liebste Mama! Heute, am Osterfest, kann ich wegen der Entfernung zwar das traditionelle gesegnete Osterei mit Dir nicht teilen, wie es bei uns Brauch ist. Doch kann ich wenigstens das tun, was auf diese Geste folgt: Dir Glückwünsche senden. Ich will Dir weder Gesundheit noch Erfolg wünschen. Warum nicht? Schau, weil ich Dir etwas viel Schöneres wünschen möchte, etwas so Gutes, dass niemand, nicht einmal Gott selbst, Dir etwas Besseres wünschen könnte. „So wünsche ich Dir, Mama, dass sich in Dir in allem der Wille Gottes erfülle. Er ist unser allerbester Vater. Mögest Du in allen Dingen seinen Willen erfüllen.“ Etwas Besseres kann ich Dir nicht wünschen. Nicht einmal der Herrgott könnte Dir etwas Größeres und Besseres wünschen.

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Was mich betrifft, so vergeht die Zeit in Blitzgeschwindigkeit. Ich schreibe nicht viel, denn mir fehlt wirklich die Zeit, um es zu tun, und auch weil der Pater Generalvikar [das war damals P. Domenico Tavani] empfohlen hat, keinen zu intensiven Briefverkehr zu unterhalten.

Abszess am Daumen Es ist nichts Wichtiges vorgefallen in dieser Zeit, ausgenommen dies: Wenig hat gefehlt, und ich hätte einen Finger (den Daumen) meiner rechten Hand verloren. Bei mir hatte sich so etwas wie ein Abszess gebildet. Trotz der Bemühungen des Arztes des Kollegs hörte die Eiterbildung nicht auf. In einem bestimmten Moment stellte der Arzt fest, dass sogar der Knochen angegriffen war. Ein kleiner chirurgischer Eingriff war nötig, um den Knochen abzukratzen. Als ich das hörte, sagte ich, dass ich eine bessere Medizin habe. In der Tat hatte ich vom Pater Rektor [das war damals P. Luigi Bondini] ein wenig von


dem wundertätigen Wasser von Lourdes erhalten. Während er es mir übergab, erzählte er mir auch die Sache von seiner eigenen wunderbaren Heilung. Im Alter von zwölf Jahren erkrankte sein Fuß. An einem Knöchel seines Fußballens hatte sich langsam eine Gangrän [fressendes Geschwür] gebildet. Er konnte damals vor Schmerzen nicht schlafen; manchmal musste er vor Schmerzen brüllen. Eine Amputation des gesamten Fußes war nötig geworden.

Gefährliches Geschwür Eines Abends waren die Ärzte zu einer Besprechung zusammengekommen. Seine Mutter, die sah, was vor sich ging, versuchte es in einer verzweifelten Geste mit einem völlig neuen Heilmittel. Sie entfernte die Binden, die den Fuß umhüllten, und warf sie weg. Dann wusch sie den Fuß mit Seife. Danach wusch sie ihn noch einmal mit dem wundertätigen Wasser von Lourdes. Der Pater Rektor konnte nach langer Zeit zum ersten Mal wieder einschlafen. Nach 15 Minuten erwachte er: Er war geheilt. Das Wunder war offensichtlich. Doch der Arzt, ungläubig, gab sich alle Mühe, die Tatsache auf andere Weise zu erklären. Als aber einige Tage später sich ein Stück des kranken Knochens vom Fuß löste, stellte der Arzt fest, dass er es mit einem außergewöhnlichen Ereignis zu tun hatte: Am Knöchelchen hatte sich wirklich eine Gangrän gebildet. Das Knöchelchen hatte sich aber abgelöst und war auf wunderbare Weise herausgekommen. Infolge dieses Ereignisses bekehrte sich der Arzt und setzt sich dafür ein, auf eigene Kosten eine Kirche zu bauen.

Schuh nicht überziehen, weil die Schwellung geblieben war. Als sich jedoch das kranke Knochenstück abgelöst hatte, wurde alles wieder normal. Als unser Arzt nun wusste, dass ich Wasser aus Lourdes hatte, wendete er selbst es voller Freude an. Und was ist geschehen? Am Tag darauf sprach der Chirurg des Krankenhauses nicht mehr von einer Knochenoperation, sondern sagte, dass der Eingriff gar nicht mehr notwendig sei. Nach einigen Behandlungen war mein Daumen vollständig geheilt. Ehre sei dem Herrgott, ja, und der Immaculata! Ich bitte innig um ein Gebet. Der immer dankbare Sohn Frater Maximilian. Frater Maximilian M. Kolbe

Fromme Ärzte Nach der Anwendung des wundertätigen Wassers war der Pater Rektor nahezu geheilt und war in der Lage zu laufen. Doch konnte er seinen

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Wir gratulieren unseren Mitbrüdern

Zu 25 Ordensjahren am 4. Oktober

Zu 60 Ordensjahren am 8. September

P. Joachim Sachse P. Gerhard Ruf

im Minoritenkloster Kaiserslautern

P. Konrad Körner im Minoritenkloster Köln

im Sacro Convento von Assisi.

P. Vicente Imhof in Peru Zur Aufnahme in den

Seraphischen Meßbund

genügt eine formlose Anmeldung. Beitrag für die Aufnahme Lebender (mit voller Anschrift) je 25,– € Beitrag für die Aufnahme Verstorbener (Name und Vorname) je 10,– € Bestellung von heiligen Messen nach besonderer Meinung (Intention) Stipendium jeweils 10,– € Bestellung der Wunderbaren Medaille in Cellophanhülle, mit zwei Gebeten. Stückpreis 50 Cent, zuzüglich Briefporto. Bestellungen an: Ordensapostolat Postfach 11 05 62 97032 Würzburg

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Gebetsmeinungen der M.I. September – Oktober – November Damit die Liebe und Stärke, mit welcher Maria zu

Füßen des Kreuzes Jesu stand, auf ihre Fürsprache hin zur Stütze für jeden Christenmenschen werde und alle zum Zeugnis anrege. Damit das Rosenkranzgebet und die Verehrung der Heiligen einen jeden anleite, die Größe der christlichen Berufung, Kinder des himmlischen Vaters zu sein, immer besser zu erkennen, und sie alle dazu erziehe, sich voll Vertrauen mehr und mehr seinem Willen zu überlassen. Damit wir immer bewusster die Wirklichkeit der Gemeinschaft der Heiligen leben, also die gegenseitige Hilfe im Gebet mit jenen, die uns in das ewige Leben vorausgegangen sind, und damit wir uns darauf vorbereiten, mit ihnen die Freude zu teilen, den Herrn so zu schauen, wie er ist.


Der Traum des Papstes

M. I.

Katholisch leben Zur Ordnung des Melchisedek gehört nicht nur, dass man anderen Helfer wird auf ihrem Weg zu Gott. Es gehört genau so dazu, dass man sich selber helfen lässt. Diese Regel gilt für den heiligen Franziskus wie für Papst Innozenz III. Zwar verteidigt Franz bis zu seinem Lebensende, dass „Gott selbst ihm geoffenbart habe“, was er zu tun hätte. Aber er weiß ebenso klar, dass Gott sein Wort, auch das der Heiligen Schrift, durch die Kirche an die Menschen richtet. Christus das Haupt spricht durch die Glieder seines mystischen Leibes, durch die Apostel, - nicht nur durch das eigene persönliche Gewissen. Als seine Brüderschaft die Zwölfzahl der Apostel erreicht hatte, geht deshalb Franz nach Rom, um sich vom Papst bestätigen zu lassen, dass die Art wie sie leben wirklich „ein Leben nach dem heiligen Evangelium“ und „katholisch“ ist. Er will unter allen Umständen „zu Füßen der heiligen katholischen Kirche“ bleiben. Das unterscheidet ihn von den damaligen Armuts- und Reformbewegungen gegen die Kirche, zum Beispiel von den Katharern und Waldensern, den Illuminaten und der damaligen Pfingstlerbewegung des Joachim von Fiore. Franz geht also zu Papst Innozenz III. und legt ihm „seine Lebensweise nach dem Evangelium“ vor. „Ich habe es in wenigen Worten schriftlich niederschreiben lassen“, so berichtet er später darüber in seinem Testament. Der Papst hält ihn für einen der üblichen Allerweltsverbesserer und weist ihn barsch von der Schwelle. Auf die Fürsprache von Bischof Guido (von Assisi) und des Kardinals Johannes von St. Paul wird er noch einmal vorgelassen. Der Papst sagt zu ihm: „Mein Sohn, geh und bete zu Christus, dass er seine Absichten kundtue. Wenn wir dann seinen Willen klarer erkannt haben, wollen wir die Bitte mit größerer Zuversicht gutheißen.“

Zu Franz sprach beim Gebet wieder jene innere Stimme folgende Parabel: „Eine arme Frau wurde von einem König geliebt und heimgeführt. Als ihre Söhne heranwuchsen, schickte sie diese an den Hof des großen Königs. Der König erkannte in ihnen seine Söhne und holte sie mit ihrer Mutter an seinen Hof. Diese Geschichte erzählte Franz dem großen Papst: „Ich bin die arme Frau…“ Nun erinnerte sich der Papst seinerseits an einen alten Traum, den er selbst hatte: Er sah St. Johann im Lateran, die Mutterkirche der Christenheit, dem Einsturz nahe. Da kam ein schmächtiger Bettler und stützte mit seinen schmalen Schultern den gewaltigen Bau. Er sah nun in Franziskus diesen gottgesandten Bettler. Er bestätigte dem Armen von Assisi seine Regel mündlich, schon im Jahr 1209 oder 1210. Es spricht für die Größe dieses Papstes wie für die des heiligen Franz, dass es beiden nur darum zu tun war, „die Absichten Christi“ zu erkennen und nach der Ordnung des Melchisedek im gegenseitigen Aufeinandereingehen Christus gehorsam zu werden. Aus dem Nachlass von P. Dr. Agathon Kandler FRIEDE UND HEIL, Zeitschrift der deutschen Franziskaner-Minoriten Herausgeber: Deutsche Franziskaner-MinoritenProvinz St. Elisabeth, Franziskanergasse 7, Würzburg, Tel. 09 31/3 09 01-0, Fax 09 31/3 09 01-21, e-mail: friede.und.heil@ofmconv.de. Kurzadresse: Ordensapostolat Postfach 11 05 62 97032 Würzburg Redaktion: P. Dr. Polykarp Götz OFM Conv. Mit kirchlicher Druckerlaubnis. Druck: Benedict Press, 97359 Münsterschwarzach. Erscheinungsweise: fünfmal jährlich. Die Zeitschrift FRIEDE UND HEIL vermittelt den Mitgliedern der Franziskanischen Gemeinschaft (FG), der Marianischen Initiative – P. Kolbe (M.I.) und des Seraphischen Meßbundes sowie Freunden und Wohltätern unseres Ordens und seiner Missionen Anregungen für ein christliches Leben im Geist Mariens und des heiligen Franziskus. Statt eines Abonnements bitten wir alle Bezieher, einen Unkostenbeitrag von mindestens 10,– € pro Jahr an uns direkt (oder an unsere Förderer zwecks Sammelüberweisung) zu entrichten. Unser Konto: Ordensapostolat, LIGA Würzburg (BLZ 750 903 00) Kto. 3016307 IBAN: DE88 7509 0300 0003 0163 07 BIC (SWIFT-Code): GENODEF1M05.

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Können Sie Massenrüben, Mittelrüben und Gehaltsrüben auseinander halten? Für Minoritenpater Vicente Imhof aus Sandhausen kein Problem. Er kultiviert auf der peruanischen Hochebene am Titicaca-See Futterrüben aus Deutschland und testet sie auf ihre Kälte- und Frostbeständigkeit. Bei Erfolg werden die mageren Kühe auf 4.000 Metern Höhe reichlich Milch geben, denn die Rübe übertrifft den Silo-Mais an Energiegehalt.

as Murk

Foto: Andre


Friede und Heil, September 2008  

Zeitschrift der Franziskaner-Minoriten Provinz St. Elisabeht, Deutschland.

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