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Zeitschrift der Franziskaner-Minoriten 76. Jahrgang – Nr. 1 – 2010

he c ir k is n b lö e G d n u Wallfahrtsn r te u la s r e is a K in se Maria Schutz Foto: Joachim Sach


Im jährlichen Ablauf unserer kirchlichen Liturgie, bei den Gottesdienstfeiern und im Stundengebet, wechseln „geprägte Zeiten“ mit Wochen „das Jahr hindurch“. Nach der Vesper des heutigen Festes „Taufe des Herrn“ werde ich das Brevier für „Advent und Weihnachtszeit“ zurück in den Schrank legen und den Band „Im Jahreskreis“ hervorholen, bis zum 17. Februar. Ab Aschermittwoch gilt dann für drei Monate der Brevierband „Fastenzeit und Osterzeit“. Vierzig Tage lang – in romanischen Ländern spricht man von der Quaresima – bereiten wir uns auf das Fest der Auferstehung des Herrn vor, um es fünfzig Tage hindurch jubelnd zu feiern, von Ostern bis Pfingsten. Geprägt ist auch die Volksfrömmigkeit von franziskanischer Theologie. Franz von Assisi hat die Krippe als Darstellungsform erfunden, mit einer „lebenden Krippe“ bei seiner Weihnachtsfeier 1223 in Greccio. Täglich erinnert uns der „Angelus“, der „Engel des Herrn“, eingeführt 1263 vom heiligen Bonaventura, Generalminister der Franziskaner, an das Mysterium der Menschwerdung. Die zarte Deutung durch Papst Benedikt (Rückseite) wird illustriert von der jungen Mutter Neethu, vorgestellt in Heft 2003/2, verheiratet mit einem Informatiker aus ihrer Heimat Kerala. Auch die in der Fastenzeit beliebten Kreuzwegandachten haben Franziskaner aus dem Heiligen Land, wo sie seit alters die heiligen Stätten der Christenheit betreuen, nach Europa übertragen. In seiner Meditation verweist Pater Josef auf die theologische Spannweite unseres Ordensvaters Franz von Assisi, der wie in einem Atemzug vom „Bruder Jesus“ sprechen kann, und zugleich erschüttert ist von der absoluten Heiligkeit Gottes, dem „Heiligsten Vater im Himmel“. Der Sanctus-Gesang in der Eucharistiefeier reißt uns aus der Alltäglichkeit hinauf ins Allerheiligste.

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Das tägliche Angelus-Gebet schlägt die Brücke zum Krippenfoto aus der Wallfahrts- und Gelöbniskirche Maria Schutz in Kaiserslautern. Bruder Andreas nutzt sein Pastoraljahr dort in der Pfarrei, um Konvent und Kirche zu präsentieren. Über Pater Vicente fand ich am 8. Januar in der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ auf der Seite „Jugend schreibt“ einen längeren Beitrag von Florian Reith, Abi­ turient am Friedrich-Ebert-Gymnasium in Sandhausen. Er stellt darin seinen Landsmann vor: „Rüben für Peru. Ein Pater aus Sandhausen hilft auf dem Altiplano.“ Für uns berichtet Vicente, wie er sich als Kursleiter erlebt hat in Brüssel, wo es darum ging, junge Franziskaner auf ihren Einsatz in der Mission vorzubereiten. Vicente wäre nicht Vicente, würde er nicht zugleich auch die Angel auswerfen, um unter den Mitbrüdern für weitere missionarische Berufungen zu werben. Missionar, Menschenfischer, war Franz von Assisi ebenso wie einer seiner größten Brüder im Orden, der heilige Antonius von Padua. „Evangelium und Caritas“, so lässt sich seine Mission auf einen Punkt bringen. Die Brüder an seiner Grabeskirche in Padua setzen sein Werk fort, in der weltweiten Hilfe der „Caritas Antoniana“ und im Apostolat des gedruckten Wortes. Der Verlag unserer Paduaner Ordensprovinz, „Messaggero di sant’Antonio“, gibt zehn Zeitschriften heraus: drei italienische und sieben ausländische auf Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Deutsch, Polnisch und Rumänisch. Herzlich lade ich Sie ein zu einem Schnupper-Abonnement des „Sendbote des heiligen Antonius“. Dann gehören Sie zur weltweiten Antoniusfamilie. Nun wünsche ich Ihnen einen heilsamen Weg hinauf nach Ostern und grüße Sie in dankbarer Verbundenheit Ihr


Geheiligt werde Dein Name Der allein heilige Gott, diese theologische Grundwahrheit gerät leicht aus dem Blick. Schon die Rede von der „Heiligsprechung“ vorbildlicher Frauen und Männer kann die Perspektive verfälschen. Im Gloria der Messfeier preisen wir den Auferstanden mit „Tu solus sanctus“ – „Du allein bist der Heilige“. Diese theologische Selbstverständlichkeit wird hier in Erinnerung gebracht.

(hebräisch kadosch; griechisch hagios) bei der Präfation zum eucharistischen Hochgebet sollte möglichst gesungen und nicht nur gesprochen werden. So entspricht es der Vision einer großen profetischen Gestalt des Alten Bundes. Jesaja erfährt eine Berufung, die ihn in die Knie gehen lässt und mit einem Reinigungsritual glühender Kohlen auf den Lippen verbunden ist, wie er des Abstandes zwischen sich als kleinem Geheimnis und dem großen Geheimnis des Adonai, des Herrn, gewahr wird. Gottes Heiligkeit. „Im Todesjahr des Königs Usija [also im Jahr 739 vor Christi Geburt] sah ich den Herrn. Er saß auf einem hohen und erhabenen Thron. Der Saum seines Gewandes füllte den Tempel aus. Serafim standen über ihm. Jeder hatte sechs Flügel: Mit zwei Flügeln bedeckten sie ihr Gesicht, mit zwei bedeckten sie ihre Füße und mit zwei flogen sie. Sie riefen einander zu: Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heere. Von seiner Herrlichkeit ist die ganze Erde erfüllt. Die Türschwellen bebten bei ihrem lauten Ruf und der Tempel füllte sich mit Rauch. Da sagte ich: Weh mir, ich bin verloren. Denn ich bin ein Mann mit unreinen Lippen und meine Augen haben den König, den Herrn der Heere, gesehen. Da flog einer der Serafim zu mir; er trug in seiner Hand eine glühende Kohle, die er mit einer Zange vom Altar genommen hatte. Der berührte damit meinen Mund und sagte: Das hier hat deine Lippen berührt: Deine Schuld ist getilgt, deine Sünde gesühnt“ (Jesaja 6,1–7).

Mit glühender Kohle werden die Lippen des Profeten Jesaja gereinigt. Fresko von Giulio Quaglio in San Paolo d‘Argon, Provinz Bergamo, 1736. Foto: Mario Bonotto

Das Wort „heilig“ ist aus dem Wortschatz unseres Glaubens nicht wegzudenken. In jeder Eucharistiefeier bringen wir es mitunter sogar dreimal über die Lippen. Das Sanctus

Unser Blick reicht beim Sanctus gleichsam bis in Gottes Himmel hinein wie eine Brücke. Das Herz wird erhoben zum Geheimnis des Ganz Anderen, des Unverfügbaren. Wir dürfen einstimmen in den Gesang der Engel um den göttlichen Thron, ein Vorgeschmack auf die Herrlichkeit des Himmels. Wir Zelebranten und Konzelebranten sollten diesen erhabenen Moment nicht dazu nutzen, im Messbuch schon einmal weiterzublättern oder gar den

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Te Deum in der Antonius-Basilika zu Padua.

Mitzelebranten durch Handzeichen anzudeuten, mit welchem Kanongebet es gleich weitergehen wird. Würde nicht mancher und manchem von uns etwas fehlen, wenn nicht mehr das innige „Heilig“ der Schubertmesse oder das eindringliche Trishagion bei der Kreuzverehrung am Karfreitag erklingt: „Heiliger Gott, heiliger starker Gott, heiliger Unsterblicher – erbarm dich unser“? Ich jedenfalls möchte diese Augenblicke des Berührtwerdens beim Gesang nicht missen, sind doch Glaubensvollzüge nicht staunenswerte, hehre Gedanken, sondern Bewegungen des Herzens, gemütvolle Verwurzelungen in Gott.

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Foto: Giuseppe Rampazzo, MSA

Was einem heilig ist. Das Heilig ist eine Arznei gegen die Verharmlosung, Banalisierung oder Beschädigung, ja gegen den Missbrauch des Namens Gottes. Was hilft uns, dass der Heilige heilig bleibt und nicht zum Kumpel verkommt – bei allem Glauben an die Nähe und Treue Gottes, der in seinem Sohn Jesus Christus herabgestiegen ist, der alle Wege an unserer Seite mitgeht? Vor allem dorthin, wo wir heruntergekommen sind! Franziskus spricht wie in einem Atemzug vom „Bruder Jesus“ und vom „Heiligsten Vater im Himmel“. Die Frage nach der Heiligkeit Gottes lässt sich auch von einem anderen Blickwinkel stellen – auf dem Hintergrund der Auseinandersetzung


der Kulturen und Religionen, die viele Zeitgenossen hierzulande gerade im vergangenen Jahr nicht so sehr als Begegnung, sondern als Religionsgezänk auf der öffentlichen Bühne erlebt haben. Wir sehen bei überzeugten Frauen und Männern anderer Religionen, wie allergisch sie mitunter reagieren, wenn man ihnen das, was ihnen heilig ist, verächtlich macht in Wort und Bild. Der Streit um die MohammedKarikaturen zieht bis in die jüngste Gegenwart Kreise. Überzogen? Fanatisch? Pressefreiheit wider religiösen Standpunkt? Wie schützen wir das, was unserem christlichen Glauben wertvoll und heilig ist, bei gleichzeitigem Respekt vor dem wahrhaft Heiligen der anderen MitbewohnerInnen des blauen Planeten? Ein Auftrag des Konzils in zwei Richtungen – ganz gewiss! Jesus lehrt es uns. Kehren wir von diesem kurzen Ausflug auf das gesellschaftspolitische Feld zurück zur Perspektive Jesu selbst, was er uns aufträgt, um den Heiligen heilig zu halten. Nehmen wir einmal die erste Bitte des „Vater unser“ näher in den Blick und befragen sie nach ihrem tieferen Sinn. Sie lautet: „Geheiligt werde dein Name.“ Wir berühren mit dem Gebet gleichsam die eiserne Ration, den Ernstfall unseres Glaubens und ein Korrektiv unserer Bitten. Die großen Anliegen Jesu sind auf engstem Raum zusammengefasst wie ein Gang durch seine „Heiligtümer“. Jesus gibt uns über die Anrede Abba Anteil an seiner Gottesbeziehung, aus der wir niemals herausfallen können. Der verlorene jüngere Sohn im Gleichnis vom barmherzigen Vater verliert seine Kindschaft nicht, trotz größtmöglichster Entfernung und Entfremdung. Bei seiner Heimkehr wird er längst erwartet und als Sohn begrüßt. Der Schöpfer hat sein Geschöpf niemals satt, welch ein unerhörtes Geschenk! Die Anrede Abba lässt sich vor jede

Bitte des „Vater unser“ stellen, denn sie ist die Seele dieses Grundgebetes aller christlichen Konfessionen. Deutungen der Theologen. Geheiligt werde dein Name – klingt das nicht lebensfern, feierlich abgehoben, unzugänglich? Einige Deutungen seien angerissen. Augustinus meint, Gott selbst solle dafür sorgen, dass sein Name nicht verunehrt werde, was in modernerer Zeit wahrhaft dringlich ist, denn Martin Buber drückt den Missbrauch des Gottesnamens sehr drastisch aus. Teresa von Avila deutet diese Bitte in Richtung: Gott bewirke, dass alle Menschen an ihn glauben und ihn loben. Josef Ernst interpretiert in neuerer Zeit, dass der Vater-Name in einer Welt der Gottentfremdung wachgehalten werden solle. Unser Katholischer Erwachsenenkatechismus aus dem Jahr 1995 zielt auf das Sicherweisen Gottes selbst als „alles in allem“. Mich persönlich überzeugen am meisten die Deutungsansätze von Gerhard Ebeling und Reinhard Körner, einem evangelischen Theologen zum einen und einem karmelitanischen Exerzitienleiter zum anderen. Ebeling spricht von Jesu Gebet als dem eindringlichen Wunsch, gesprochen „zu Gott für Gott“. Der Ordensmann mit seinen empfehlenswerten Bibelauslegungen spricht vom Herzensanliegen Jesu Nummer 1: „Abba, ganz glücklich sollst du sein!“ Der Liebende will für den Geliebten höchste Aufmerksamkeit, das Schönste und Herrlichste. Was zwischen uns Menschen gilt, überträgt der geistliche Schriftsteller unserer Zeit analog auf die Beziehung Jesu zum Vater. Bei der letzten Hochzeitsfeier, bei der ich assistieren durfte, ließ das Paar einen aktuellen Song erklingen: „Du bist das Beste, was mir je passiert ist…“– das geht wohl in diese Richtung! Muss es nicht eine geheimnisvolle und unauflösbare Spannung bleiben, wer wen groß „macht“ – der Mensch seinen Abba und der Abba sich selbst durch seinen Menschen?! Franziskus würde vielleicht einfach sagen: „Vater, gepriesen seist du – in allem, durch alles, für alles!“ und singen… P. Josef Fischer

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Maria Maria Schutz Schutz inin Kaiserslautern Kaiserslautern Seit 1926 wirken Franziskaner-Minoriten erneut in der Barbarossa-Stadt, nachdem sie im Jahr 1795, im Zuge der Französischen Revolution, ihre Niederlassung in der Westpfalz aufgeben mussten. Auch die Errichtung der Wallfahrts- und Gelöbniskirche Maria Schutz hat etwas mit den ehemals politischkriegerischen Beziehungen zum Nachbarn Frankreich zu tun.

Die franziskanische Geschichte dieser westpfälzischen Stadt reicht bis in das Jahr 1284 zurück. Damals ließen sich zum ersten Mal die Brüder des heiligen Franziskus hier nieder und erfüllten ihren Seelsorgeauftrag an der HeiligKreuz-Kirche, der heutigen Stadtpfarrkirche St. Martin – bis das angebaute Konventskloster 1795 im Zug der Französischen Revolution aufgelöst wurde.

Neben der mächtigen Gelöbniskirche wirkt der stattliche Konventsbau unscheinbar.

Eingang zum Minoritenkonvent in Kaiserslautern.

Parkanlage und Zufahrt hinter dem Kloster.

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Der Wiedereinzug franziskanischen Lebens ist verbunden mit dem Plan, in Kaiserslautern eine dritte Pfarrkirche zu bauen. Diesbezüglich war das Bistum Speyer in Verhandlungen mit der Bayerischen Kapuzinerprovinz, die jedoch schließlich ihren Verzicht erklärte: die gleichzeitig geplante Errichtung eines Konventes in Blieskastel hätte die Provinz finanziell zu sehr belastet. Über den Konvent Oggersheim, ebenfalls in der Pfalz, waren die Franziskaner-Minoriten in der Region bereits bekannt und aufgrund ihrer Bereitschaft, die neu zu gründende Pfarrei zu betreuen, bekamen sie die Erlaubnis der Diözese, in Kaiserslautern einen Konvent zu errichten. Im April 1926 kam der erste Bruder, P. Markus Gräbner, in Kaiserslautern an; nach etwas über einem Jahr wurde das neue Kloster an der Bismarckstraße eingeweiht. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten lagen die Pläne für eine neue Pfarrkirche damals jedoch schon wieder auf Eis.

Gelöbnis im Ersten Weltkrieg Dass die Minderbrüder dann aber doch ziemlich bald ihre „eigene“ Kirche bekamen, hängt mit einem Gelöbnis des Speyerer Bischofs Michael Faulhaber während des Ersten Weltkriegs zusammen: Sollte man von großen Zerstörungen durch den Krieg verschont bleiben, wollte er der Gottesmutter eine Kirche bauen. Die Urkunde im Grundstein der Kirche mit Datum 10. Juni 1928 formuliert folgendermaßen: „Als bei Ausbruch des Weltkrieges 1914 das Grenzgebiet Kriegsschauplatz zu werden drohte, machte der damalige Diözesanbischof Dr. Michael Faulhaber das Gelöbnis, zu Ehren der lieben Mutter Gottes unter dem Titel ‚Maria Schutz‘ eine Kirche erbauen zu wollen, wenn die Pfalz von der Verwüstung verschont bleibe. Das Gebet des Oberhirten wurde erhört, und so hat sich Maria von neuem als hehre Schutzfrau der Pfalz erwiesen.“ Trotz einiger Hindernisse, darunter zu kalte Witterung und Geldmangel, konnte die Kirche bereits am 20. Oktober 1929 durch Bischof Ludwig Sebastian konsekriert werden. Hatte sich schon um das zuerst erbaute Kloster der Franziskaner-Minoriten mit der kleinen Ka-

pelle eine, wenn auch inoffizielle, Gemeinde entwickelt, so wurde diese Entwicklung nun durch die neue Wallfahrtskirche beschleunigt. Immer öfter lag man im Clinch mit der eigentlich zuständigen St.-Martins-Pfarrei, nicht zuletzt wegen Taufen und Trauungen. So wurde 1941 der ursprüngliche Plan von einer dritten Pfarrei in der Stadt wieder aufgegriffen und die Pfarrei „Maria Schutz“ auch offiziell errichtet.

Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg Ein schwarzer Tag in der sich entfaltenden Gemeinde war der 28. September 1944: Bei einem Bombenangriff wurden Kirche, Sakristei und Kloster fast völlig zerstört. Ein kleines Hoffnungszeichen inmitten der Zerstörung blieb dennoch erhalten: Die Krypta unter der Kirche war unversehrt geblieben. Und vielleicht war dieser Hoffnungsschimmer auch ein Grund für den trotz schwieriger wirtschaftlicher Lage schnellen Wiederaufbau: Schon am 3. Oktober 1948 konnte die Kirche wieder eingeweiht werden. Der damalige Speyerer Bischof Dr. Joseph Wendel bezeichnete die Maria-SchutzKirche damals als „eine Dankeskirche, eine Gelöbniskirche, eine Friedenskirche“; die Kirche sollte nun nicht mehr nur dem Gedächtnis der Gefallenen der Weltkriege dienen, sondern besonders dem Gebet um den Frieden. Eine Gesamtrenovierung der Gelöbniskirche Maria Schutz unter Leitung des Architekten Prof. Dr. Hans-Joachim Klostermann stand in den Jahren 1997 bis 2000 an. Einer der bedeutendsten zeitgenössischen Glasmaler in Deutschland, Prof. Ludwig Schaffrath, gestaltete die Fenster in Kreuzgang, Krypta und Kirche. Ambo und Altar wurden vom Kölner Künstler Prof. Elmar Hillebrand geschaffen. Weitere Maßnahmen waren die Isolierung des Daches, der Einbau einer neuen Heizungsanlage, die Reinigung der Holzkassettendecke, die Ausbesserung der Außenmauern, der Neuanstrich des Innenraumes, der Einbau einer neuen Mikrofonanlage und die Verbesserung der Beleuchtung. Am 8. Dezember 2000 wur-

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de der Abschluss der Renovierung in einem Festgottesdienst mit dem damaligen Bischof Dr. Anton Schlembach gefeiert. Zum Beginn dieser umfassenden Renovierungsmaßnahmen wurde auch ein „Freundeskreis der Wallfahrts- und Gelöbniskirche Maria Schutz“ gegründet; ein eingetragener Verein, der sich sowohl um die Pflege der Wallfahrtstradition, als auch um die bauliche Erhaltung der Kirche bemüht.

Fünf Minoriten im Konvent Heute betreuen die fünf Brüder, die im Konvent Kaiserslautern leben, nicht mehr nur eine Pfarrei, sondern neben „Maria Schutz“ auch die Nebenkirche St. Franziskus auf dem Betzenberg, die Filiale Mölschbach, sowie die Pfarreien Christkönig und St. Norbert – insgesamt etwa 8.000 Gläubige. Für den Pfarrer, Br. Ulrich Weinkötz (seit 1996), gehört das Zusammenwachsen der Pfarreien neben der Ökumene

Sakristan Br. Sekundus aus Brücken in der Pfalz.

Die Minoriten in Kaiserslautern (von li.): Pfarrer P. Ulrich Weinkötz, Diakon Br. Andreas Murk, Guardian P. Klaudiusz Okon, Prokurator P. Joachim Sachse, Sakristan Br. Sekundus Bauer.

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zu den beständigen Herausforderungen des Alltags. Doch auch die „alltägliche“ Seelsorge fordert den Einsatz der Brüder: Taufen, Trauungen, Beerdigungen, Firmvorbereitung oder die Betreuung der engagierten „Kolpingsfamilie Kaiserslautern Ost“ durch den Guardian des Konventes, Br. Klaudiusz Okon. Gefragt nach dem spezifisch franziskanischen Gepräge der Pfarrei weist er unter anderem auf den „Franziskanischen Glaubenskurs“ hin, bestehend aus Vortrag, geistlichem Gespräch und Austausch. Als Franziskaner-Minoriten wolle die Gemeinschaft vor Ort einen Raum schaffen, so Br. Ulrich, wo „die Leute aus dem Volk ein Zuhause finden“. Das Zuhause der Brüder, der Konvent, der direkt neben der Pfarr- und Gelöbniskirche

steht, ist nach den 2006 abgeschlossenen, 1,3 Millionen Euro teuren Umbaumaßnahmen wieder wohnlicher geworden. Dank einiger räumlicher Umstrukturierungen haben neben den Brüdern nun unter anderem auch das Pfarrbüro und eine ökumenische Arbeitsstelle Platz. Eine wirtschaftliche Nutzung des Gebäudes für Pfarrei und Konvent ist damit auf Jahre hin sichergestellt. Ein Wunsch zum Schluss? Er ist auf dem Grundstein des Klosterbaus zu lesen: „Der neue Konvent möge den Bewohnern zur Heiligung gereichen, der Stadt Kaiserslautern und der ganzen Region eine Quelle des Segens sein – zur Ehre Gottes und zum Wohl des Volkes.“ Br. Andreas Murk

La Verna auf dem Betzenberg Den Bau der St.-Franziskus-Kirche bezeichnete der ehemalige Pfarrer der Pfarrei Maria Schutz, Br. Sebastian Fusser, einmal als „geschichtlichen Höhepunkt im Dasein der Franziskaner in Kaiserslautern“. Im März 1984 wurde für diese Kirche der Grundstein gelegt. Er hat eine besondere Geschichte: Über Kontakte durch Br. Gerhard Ruf, selbst ein waschechter Lauterer, konnte ein Stein aus dem Fußboden der Grabesbasilika des heiligen Franziskus in Assisi besorgt werden. Geweiht wurde die Kirche „St. Franziskus auf La Verna“ am 15. September 1985 durch den damaligen Bischof von Speyer, Dr. Anton Schlembach; es war übrigens seine erste Kirchweihe als Diözesanbischof von Speyer. Seither dient sie besonders den Katholiken auf dem Betzenberg als geistliche Heimat.

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Missionarischer Kurs in Brüssel Junge Franziskaner bereiten sich in Brüssel auf ihren Einsatz in der Mission vor. Der deutsche Minoritenpater Vicente Imhof, aus Peru angereist als Kursbegleiter, legt in seinem Bericht die theologischen Wurzeln frei, auf welche Weise und warum überhaupt Franziskaner als Missionare wirken wollen, getreu den Vorgaben ihres Ordensvaters Franz von Assisi.

Franziskaner-Missionare beim Kurs in Brüssel, hier mit Frau Cordula Eichler, die in interkulturelle Kommunikation einübte.

Franz von Assisi, einer der größten Missionare der Kirchengeschichte – diesen Satz werden die Mitglieder der franziskanischen Familie mit Stolz und Überzeugung unterschreiben, da bin ich mir sicher. Doch ist die Sache nicht so einfach, denn der Heilige war nicht nur als Ordensmann auffallend originell, sondern eben auch in seinem Verständnis von „Mission“. Und wir Brüder des heiligen Franz sind die ersten, die die Neuheit seines missionarischen Engagements zu hinterfragen haben. Wir müssen genau hinschauen auf das, was unser Gründer sagte und tat. Das tut uns allen gut. Sein Beispiel fordert heraus, bis heute. Es wirkt befreiend und es lädt ein – zu Demut und zu Vertrauen.

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Die Messlatte des Franziskus Ein spezieller Kurs in Brüssel, in der Fraternität „ULF der Nationen“, offen für alle Zweige des Franziskanerordens, diente der Einführung in diesen geistlichen, theologischen und pastoralen Neuansatz franziskanischer Mission. Uns Teilnehmern – auch wir Lehrende waren Lernende – ging auf, wie hoch Franziskus die Messlatte gelegt hat: Versteht er doch das Wort Gottes als ganz persönlich an ihn gerichtet. Er „schmeckt“ es in langen Zeiten der Stille und des Nachdenkens. Er umarmt den Aussätzigen, der unter der sozialen Ausgrenzung nicht weniger leidet als unter seiner tödlichen Krankheit. Er begegnet dem Sultan Kamil el-Malek ohne Vorurteile. Er betont die Versöhnung als einzigen Weg in eine humanere Zukunft. Sind wir da heute auf der Höhe unserer franziskanischen missionarischen Berufung? Soll Lernen ein Bewusstsein wecken für Veränderungen, dann braucht es neben den praktischen Übungen und den Anreizen zum engagierten Einsatz auch stille Zeiten der Vertiefung, ausgefüllt mit Lektüre und Nachdenken. Beim dreimonatigen Kurs in Brüssel, der in englischer und französischer Sprache angeboten wird, sind beide Lernschritte vorgesehen. Junge Mitbrüder aus nahezu allen Erdteilen bringen eine reiche Vielfalt mit von Kulturen, Sprachen und Lokaltraditionen, von Glaubens- und Frömmigkeitsformen. Vorausgesetzt wird Offenheit für eine greifbare Erfahrung brüderlichen Mitlebens und Mitarbeitens, ehrlichen Teilens und konzentrierten Lernens.

Nationen und Gewürze Als Beispiel seien die jungen Teilnehmer aus dem Minoritenorden genannt, die den englischen Kurs 2009 belegt hatten: Stephen Ollethazhathu und Dominic Thekkemund-


zu den braun gekleideten Franziskanern, doch die Kursbegleiter sind inter-franziskanisch aufgestellt. Der Direktor des Programms, Fr. Damien Isabell OFM, ist US-Amerikaner, mit vielen Jahren Missionsarbeit im Kongo. Er verbindet die Lehrtätigkeit in franziskanischer Theologie mit der Frische eines „unruhigen“ und sensiblen Geistes. Fr. Larry Webber, Kapuziner aus den USA, hatte wichtige Dienste in der Ausbildung und der Ordensleitung in Mittelamerika übernommen. Neben seiner feinen menschlichen Intuition – die Jahre in der Ausbildung merkt man ihm sofort an – bereicherte er uns mit seinen Talenten als Musiker und erfahrener Liturgist. Für mich selbst war der Kurs eine erste Erfahrung als Mitverantwortlicher, in Vertretung der Minoriten.

Geistliche Begleiter aus Rom

P. Justin Mulenga aus Sambia probiert deutsche Bratwurst in Bonn, nach dem Besuch der Missionszentrale der Franziskaner in Bad Godesberg.

ackapadavil kommen aus dem südindischen Bundesstaat Kerala und sind mit der Sprache Malayalam aufgewachsen, neben dem hohen Anteil an Englisch bereits in den Grundschulklassen. Vorgesehen sind sie für den missionarischen Einsatz im eigenen Land, im Bundesstaat Andhra Pradesh, wo Telugu gesprochen wird. Justin Mulenga kommt aus Sambia, arbeitet aber in der benachbarten afrikanischen Republik Malawi. Jaroslav Cár aus der Slowakei hat seinen Dienst in Albanien aufgenommen. Gastgeber des Kurses ist der große Konvent Notre-Dame des Nations (ULF der Nationen) in Brüssel. Seit 2000 gibt es dort eine internationale Brudergemeinschaft für missionarische Animation und Ausbildung. Neben Belgiern wohnen dort auch Brüder aus Vietnam, Togo und dem Kongo, die dem Haus buchstäblich einen universalen Geschmack geben, auch dank der tollen Gewürze, mit denen sie das Essen verzaubern. Zwar gehört die Stammbesetzung

Im Namen und Auftrag der Generalminister kümmern sich die jeweiligen Generalsekretäre für missionarische Animation in den drei franziskanischen Ordenszweigen um die Themen und den Ablauf der Kurse in Brüssel. Für uns Minoriten ist dies P. Jaroslaw Wysoczanski ´ aus der Krakauer Ordensprovinz, kompetent in Missionstheologie, franziskanischer Spiritualität sowie interkulturellem und interreligiösem Dialog. Er entsandte aus unserer Generalkurie in Rom die altgedienten Afrikamissionare P. Vincenzo Marcoli und P. Bruno Venturato. Sie erinnerten uns daran, dass wir als Brüder und Söhne des Franziskus von Assisi der Kirche als erste Gabe das konkrete Zeugnis unseres brüderlichen Lebens anzubieten haben: eine vom Gebet getragene Gemeinschaft, Einfachheit und Fröhlichkeit. Großherziger missionarischer Einsatz darf nie in stressigen Aktivismus abgleiten. Als Franziskaner können wir unbeschwert und gelassen bleiben, denn es ist Gottes Mission, in deren Dienst wir stehen, nicht unsere eigene. „Schleppt nicht die ganze Welt auf euren Schultern!“, so ihre griffige Mahnung. Was für jeden Christenmenschen zutrifft, gilt auch für Missionare: Sie sind eingeladen, am Leben der innertrinitarischen Liebe Gottes teilzuhaben und teilzugeben. Dies motiviert

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P. Gabriel Weiler (im Habit), Guardian unseres Kölner Konventes, mit den Gästen aus Brüssel, vor dem Gebet am Grab des seligen Johannes Duns Skotus in der Minoritenkirche.

und entlastet zugleich: „Es geht nicht darum, den Leuten die Köpfe abzufüllen mit Glaubenslehren, sondern die Liebe Gottes mit allen zu teilen. In der Mission geht es gar nicht um Inhalte, „sondern ihr definiert euch als Missionare durch eure menschlichen Beziehungen, die ihr mit den Leuten aufzubauen versteht, und zwar besonders mit den ganz einfachen Menschen“. Der altbekannte Spruch, wonach ein Missionar zwei Ohren und zwei Augen hat, aber nur einen einzigen Mund, damit er doppelt so viel schaut und hört, als er redet, war zwar niemandem von uns neu, aber der Nachdruck, wie Vincenzo und Bruno ihn vorbrachten, gab ihm neuen Glanz.

Hinaus in die säkulare Welt Beim Besuch der „Missionszentrale der Franziskaner“ in Bonn staunten wir nicht schlecht angesichts des sprichwörtlichen deutschen Organisationstalents, und waren von der Großzügigkeit vieler Leute in diesem Land

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beeindruckt. Dann beteten wir am Hochgrab des großen mittelalterlichen Franziskaner­ theologen Johannes Duns Skotus in der Kölner Minoritenkirche und grüßten die Mitbrüder im Großstadtkonvent gleich gegenüber. Wir Franziskaner bilden nur eine Gruppe neben anderen in der Missionsarbeit der Gesamtkirche. Unser reiches geistliches Erbe lässt uns bestimmte Aspekte besonders betonen, etwa die Offenheit des heiligen Franziskus für die „säkularen“ Räume, außerhalb des streng kirchlichen Rahmens. Wir verbünden uns mit christlichen Laien, sogar „Fernstehenden“, in den Anliegen von Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Ein junger Kapuziner berichtete von „Franciscans International“ bei den Vereinten Nationen. Dem franziskanischen Charisma wird viel Sympathie entgegengebracht, auch von Leuten, die der Kirche kritisch gegenüberstehen. Dies bestätigte sich beim Besuch von Einrichtungen der Europäischen Union vor Ort in Brüssel.


Fragen an die Noch-nicht-Missionare Der Kurs endete dort, „wo alles angefangen hatte“, mit einem Besuch der historischen franziskanischen Stätten in Umbrien und der Toskana, und in der geistlichen Atmosphäre von Einzelexerzitien in unserem Konvent Rivotorto, um die vielen Eindrücke und Inhalte des Programms in der Stille vor dem Herrn in den je persönlichen Weg zu übersetzen. Die Originallandschaften des franziskanischen Abenteuers verhelfen franziskanischen Seelen zur letzten, entscheidenden Inspiration. Mich altgedienten Missions-Veteran rührten die staunenden Blicke der jungen Brüder aus Afrika und Indien.

In der Auswertung kamen Fragen auf, die wir zum Bedenken weitergeben: Warum schaffen wir es nicht, Schwestern und Brüder der Franziskanischen Gemeinschaft in unsere missionarischen Initiativen mit einzubeziehen? Wie gelingt es, unsere jungen Brüder in der Grundausbildung mit dem „missionarischen Virus“ anzustecken? Missionarische Animation sollte nicht nur in der Generalkurie angesiedelt sein, sondern im Terminkalender aller Brüder in der Leitung und Ausbildung stehen. Schließlich ist unser franziskanisches Charisma, der Lobpreis Gottes und der Aufruf zu versöhnten menschlichen Beziehungen, unverzichtbar in der Mission der Kirche. P. Vicente Imhof

An der Statue „Franziskus mit dem Wolf“ in Gubbio / Umbrien.

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Sendbote des heiligen Antonius „Den heiligen Antonius brauche ich oft!“, gilt das auch für Sie? Werden Sie Teil der „Antonianischen Familie“ und abonnieren Sie den „Sendboten“, die deutschsprachige Ausgabe einer der größten katho­lischen Monatszeitschriften weltweit. Elf Mal pro Jahr bekommen Sie die Zeitschrift „Sendbote des heiligen Antonius“ druckfrisch aus der Basilika des Heiligen in Padua direkt zu Ihnen nach Hause geliefert. Zum Jahreswechsel erhalten Sie darüber hinaus einen schönen Antonius-Kalender. In jeder Ausgabe des „Sendboten“ finden Sie auf den 52 Seiten Themen wie zum Beispiel:

– Leben, Wirken und Werk des hl. Antonius – Franziskanische Spiritualität – Bibel – Lebens- und Glaubenshilfe – Kunst, Kultur und Geschichte – Haus und Küche

Die Zeitschrift erhalten Sie für 27,00 Euro pro Jahr. Mit Ihrem Abonnement unterstützen Sie außerdem die „Caritas Antoniana“, das große Hilfswerk der Franziskaner-Minoriten für Menschen in Not.

Zur Aufnahme in den

Gebetsmeinungen der M.I. Februar – März Lehre uns, Mutter Maria, nach deinem Beispiel Jesus zu lieben in den Kranken, die an Leib und Seele leiden. Mutter Maria, hilf uns, damit wir, Gerechtigkeit und Liebe übend, dem Bösen und der Verführung zur Macht absagen und es lernen, allein auf den Herrn zu vertrauen, wie du es getan hast.

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Seraphischen Messbund

genügt eine formlose Anmeldung.

Beitrag für die Aufnahme Lebender (mit voller Anschrift) je 25,– € Beitrag für die Aufnahme Verstorbener (Name und Vorname) je 10,– € Bestellung von heiligen Messen nach besonderer Meinung (Intention) Stipendium jeweils 10,– € Bestellung der Wunderbaren Medaille in Cellophanhülle, mit zwei Gebeten. Stückpreis 50 Cent, zuzüglich Briefporto. Bestellung der Monatszeitschrift Sendbote des heiligen Antonius Jahres-Abonnement

27,– €

Bestellungen an: Ordensapostolat Postfach 11 05 62 97032 Würzburg ordensapostolat@ofmconv.de


M. I. Franz als lebendiger Altar Am Beispiel unseres Ordensvaters Franziskus wird nun abschließend verdeutlicht: Über die Grundhaltungen des Abels-Opfers, des Abrahams-Opfers und des Opfers nach Ordnung des Melchisedek führt jeder Christenmensch ein eucharistisches Leben. Er stirbt hinein in das Opfer Christi, um dann an seiner Auferstehung teilzuhaben. In einer Osterpräfation verkündet die Kirche: „Als unser Osterlamm ist Christus geopfert. Er hat die Opfer der Vorzeit (nach der Art des Abel, des Abraham, in der Ordnung des Melchisedek) vollendet in der Wirklichkeit des Kreuzes durch die Darbringung seines Leibes. Indem er sich selbst dir für unser Heil darbrachte, ist er selbst der Priester, selbst der Altar, und selbst das Opferlamm geworden.“ Himmel und Erde verbunden. Christus stirbt zwar nicht wieder. Sein Tod ist einmalig. Aber der jetzt im Himmel verherrlichte Christus bringt sich in jeder Messe „unter den Gestalten von Brot und Wein dem Vater im Himmel als Opfer dar“. Wie also der verherrlichte Gottmensch jetzt im dreifaltigen Gott, in allen Engeln und Heiligen, sein Herrlichkeitsopfer dauernd vollzieht, so bringt dieser gleiche Christus sein Himmelsopfer gewissermaßen „gleichzeitig“ auch im Mysterium der Messe dar. Gemeinde um den Altar. Wenn er so sein Opfer in der eucharistischen Konsekration „fortsetzt“, ist jedoch Christus nicht mehr allein der Altar, Priester und das Opfer, sondern: Er macht die mit ihm „zusammen-getaufte“ Altargemeinde mit sich zu ein und demselben Altar, zu ein und demselben Priester und zu ein und demselben Opfer. Wie das Leben des heiligen Franz durch seine Opferungen stetig in das eucharistische Opfer seines Herrn einmündete, so ist auch sein Sterben die Vollendung seiner Opferungen im Geist

des Abel, des Abraham und der Ordnung des Melchisedek geworden. Im Leben und Sterben wurde Franziskus mit Christus lebendiger Altar, lebendiger Priester und lebendiges Opfer. Die Wundmale. Jesus hat sich auf dem Ölberg zu seinem Todesopfer entschlossen. Mit seinem „Vater, wie du willst, nicht wie ich will“ hat er mit vollem Willen seinen Tod angenommen. Franziskus wurde zwei Jahre vor seinem Tod in das Ölbergsmysterium seines Herrn beteiligt. Wie er sein Leben in Christus hineinlebte, so starb er auch bewusst entschlossen in den Tod Christi. Ein Ringen. Franz hatte sich in die Einsamkeit des Alverna-Berges zurückgezogen. In jener Zeit sagte er: Wenn die Brüder eine Ahnung hätten von den vielen schrecklichen Kämpfen, die ich mit dem Teufel auszufechten habe, würden sie voll Mitleid herkommen und mich trösten. Unterstützt wurde Franziskus in diesem harten, inneren Kampf durch klare Gesichte über die Mysterien des Himmels. Aus dem Nachlass von P. Dr. Agathon Kandler FRIEDE UND HEIL, Zeitschrift der deutschen Franziskaner-Minoriten Herausgeber: Deutsche Franziskaner-MinoritenProvinz St. Elisabeth, Franziskanergasse 7, Würzburg, Tel. 09 31/3 09 01-0, Fax 09 31/3 09 01-21, e-mail: friede.und.heil@ofmconv.de. Kurzadresse: Ordensapostolat Postfach 11 05 62 97032 Würzburg Redaktion: P. Dr. Polykarp Götz OFM Conv. Mit kirchlicher Druckerlaubnis. Druck: Benedict Press, 97359 Münsterschwarzach. Erscheinungsweise: fünfmal jährlich. Die Zeitschrift FRIEDE UND HEIL vermittelt den Mitgliedern der Franziskanischen Gemeinschaft (FG), der Marianischen Initiative – P. Kolbe (M.I.) und des Seraphischen Meßbundes sowie Freunden und Wohltätern unseres Ordens und seiner Missionen Anregungen für ein christliches Leben im Geist Mariens und des heiligen Franziskus. Statt eines Abonnements bitten wir alle Bezieher, einen Unkostenbeitrag von mindestens 10,– € pro Jahr an uns direkt (oder an unsere Förderer zwecks Sammelüberweisung) zu entrichten. Unser Konto: Ordensapostolat, LIGA Regensburg (BLZ 750 903 00) Kto. 3016307 IBAN: DE88 7509 0300 0003 0163 07 BIC (SWIFT-Code): GENODEF1M05.

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Edwin, geboren am Neujahrstag 2010 in St. Louis / USA, blickt in das Gesicht seiner Mutter Neethu aus Kerala Südindien.

Am gleichen Tag deutete Papst Benedikt XVI. beim Neujahrsgottesdienst im Petersdom das Mysterium der Inkarnation:

Das Antlitz Gottes und die Gesichter der Menschen Ein Schlüssel zum Verständnis des Friedens in der Welt Das Antlitz Gottes hat ein menschliches Gesicht angenommen. Er ließ sich anschauen und erkennen im Sohn der Jungfrau Maria, die wir deshalb mit dem allerhöchsten Titel „Mutter Gottes“ verehren. Sie, die in ihrem Herzen das Geheimnis der göttlichen Mutterschaft bewahrte, ist die Erste gewesen, die das Antlitz Gottes sah, der Mensch geworden war in der winzigen Frucht ihres Leibes. Die Mutter hat eine ganz besondere, einzigartige und irgendwie exklusive Beziehung zu ihrem gerade erst geborenen Kind. Das erste Gesicht, welches das Kind sieht, ist das der Mutter. Und dieser Anblick wird entscheidend für seinen Bezug zum Leben, zu sich selbst, zu den anderen, zu Gott. Er ist auch entscheidend dafür, ob es ein „Kind des Friedens“ werden kann.


Friede und Heil, Nr. 1 (2010)