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F ü r a l l e M i ta r b e i t e r , G ä s t e u n d F r e u n d e d e s K l o s t e r s A n d e c h s u n d d e r A b t e i S a n k t B o n i fa z 3 | 2011

Aus Kirche und Kloster Künstlermönche in Sankt Bonifaz und Andechs | seite 4

Essen und Trinken Andechser Winterbier | seite 28

Panorama Zehn Jahre Haneberghaus | seite 49


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Editorial

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piritualität ist heutzutage wieder in aller Munde, ist sozusagen eine Modeerscheinung. Für uns Benediktiner hingegen ist Spiritualität ein inte­g raler Bestandteil unserer Identität als Ordens­ gemeinschaft, sie beschränkt sich nicht auf Gottes­ dienste oder Wallfahrten, sondern äußert sich in all unserem Tun. Ein Ausdruck dieser konkreten Veran­ kerung unserer Spiritualität im Alltag ist unsere Ob­ dachlosenhilfe im Haneberghaus, das dieses Jahr sein zehnjähriges Bestehen feiern kann. Hier versuchen wir, unsere Spiritualität auch für jene erfahrbar zu machen, die dem Glauben ansonsten fern stehen, in­ dem wir Menschen, die in Not geraten sind und sich nicht selbst aus ihr befreien können, mannigfaltige Hilfen zukommen lassen, um ihre Situation zu ver­ bessern. Im Haneberghaus bieten wir armen und obdach­ losen Menschen warmes Essen, Bekleidung, medizi­ nische Versorgung in unserer Praxis, Duschmöglich­ keiten und eine Beratung durch unseren Sozialdienst an. Es ist für uns selbstverständlich, dass jeder, der bedürftig ist, unsere Angebote wahrnehmen kann, egal, ob er gläubig ist oder nicht. In einer Auslegung des Matthäusevangeliums von Johannes Chrysostomus († 407) heißt es: »Willst du den Leib Christi ehren? Dann übersieh nicht, dass dieser Leib nackt ist. Ehre den Herrn nicht im Haus der Kirche mit seidenen Gewändern, während du ihn draußen übersiehst, wo er unter Kälte und Blöße leidet. Derjenige nämlich, der gesagt hat: Das ist mein Leib, hat auch gesagt und mit diesem Wort eine Wirklichkeit festgestellt: »Ihr habt gesehen,

dass ich hungrig war, und ihr habt mir nichts zu es­ sen gegeben« und: »Was ihr für einen dieser Gerings­ ten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht ge­ tan«. Wir wollen also lernen, weise zu werden und Christus so zu ehren, wie er es will … »Wenn du also das Haus der Kirche schmückst, übersieh die leiden­ de Schwester/Bruder nicht. Denn sie sind ein Tem­ pel, kostbarer als der andere.« Unser Dienst für die Armen unserer Gesellschaft ist ein Gottesdienst, den wir allerdings aufgrund der Ausmaße, die unsere Arbeit infolge der immer weiter um sich greifenden Verarmung weiter Bevölkerungs­ schichten angenommen hat, nur schwerlich alleine schultern könnten. Zum Gelingen unserer Arbeit brauchen wir Ihre Mithilfe, sei es durch einen Besuch auf dem Heiligen Berg, durch den Kauf unsere Produkte, durch Spen­ den oder auch durch ihre ehrenamtliche Mitarbeit. Ich wünsche Ihnen allen eine besinnliche Advents­zeit, ein frohes Weihnachtsfest und alles Gute im neuen Jahr.

Ihr

Frater Emmanuel Rotter OSB


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4 Künstlermönche in Sankt Bonifaz und Andechs Pater Bonifaz Käser, Frater Wunibald Laib und Pater Pius Meier

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Künstlermönche in Sankt Bonifaz und Andechs An Seinem Tisch versammelt – Altarweihe in Machtlfing durch Abt Johannes Eckert Dem Armen das eigene Herz schenken – Gedanken zum heiligen Martin Vom Ende zum Neubeginn – Sommerakademie in Sankt Bonifaz 25 Jahre Missionskreis Andechs – Fiesta Latinoamericana 2011 in Andechs Einblick in die benediktinische Spiritualität – Rückschau auf die Tage im Kloster für junge Männer 2011 Konventausflug der Mönche von Sankt Bonifaz in München und Andechs Kloster Andechs gewinnt Hotel-Prozess Abt Johannes beim Heilig-Blut-Fest in Bad Wurzach Neue Gottes­dienstzeiten 450 Schüler pilgern zum Heiligen Berg Beten mit den Füßen – 300 Pilger aus Friedberg auf dem Weg nach Andechs

a u s d e r b r a u e r e i 24 Ohne Hefe gärt gar nichts – dritter Teil einer Serie über die Rohstoffe des Bieres 27 Pfandflaschen als Werbemedium – Klosterbrauerei hilft bei ungewöhnlicher Aktion des Münchner Straßenmagazins BISS 27 Andechser Klosterbiere beim Richtfest für die Marienkapelle in Garatshausen

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Andechser Winterbier – Bräustüberl schenkt wieder Winterbier aus Neue Genießer-Rezepte mit den Andechser Frischkäsezubereitungen Die Enten Stub’n der Familie Fuchs Das Felder’s – Restaurant/Café/Bar in Siegburg

t e r m i n e u n d v e r a n s ta lt u n g e n

Andechser Winterbier – auch zum Mitnehmen Bräustüberl schenkt vom 11. November 2011 bis 19. März 2012 wieder Winterbier aus

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Carl Orffs ›Bernauerin‹ in einer Neuinszenierung bei den Carl Orff-Festspielen 2012 Colloquium Benedictinum® – Auszug aus dem aktuellen Programm ›Jauchzet, frohlocket‹ – Weihnachtsoratorium I–III + VI von J.S. Bach ›Leben mit der Heiligen Schrift‹ – Andechser Bibelabende Trauerseminar: Ich finde meinen Platz für Dich Tage für Männer im Kloster Seminar :Vergebung als Chance. Versöhnt neu ins Leben finden

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49 Keiner geht verloren Zehn Jahre Haneberghaus für Menschen ohne Obdach

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Ein gelungenes Fest – Mehrere tausend Besucher beim Kinder- und Familientag 2011 Benediktusregel mit allen Sinnen erlebt – Impressionen von der Orgelvigil zum Benediktsfest Keiner geht verloren – Zehn Jahre Haneberghaus für Menschen ohne Obdach Vom heiligen zum höchsten Berg Bayerns – Ein besonderer Touren-Tipp Gelebtes Erbe – Liselotte Orff unterstützt die Andechser ORFF®-Akademie Regionaler Unternehmer­tag Betriebsjubiläum im Bräustüberl Seit über 50 Jahren Stammgast Klosterbrauerei Andechs unterstützt Wiederaufbau im Kosovo Fahrt des Andechser Freundeskreises zur Benediktinerinnenabtei Frauenwörth 100 Jahre Tell-Schützen-Erling – Große Feier im Andechser Florian-Stadl

p r e s s e e c h o ab Seite 56 Presseartikel aus verschiedenen Printmedien


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Aus Kirche und Kloster

Künstlermönche in Sankt Bonifaz und Andechs Pater Bonifaz Käser, Frater Wunibald Laib und Pater Pius Meier

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Unter den vielen Mönchen von Sankt Bonifaz in München und Andechs gibt es immer wieder besondere Begabungen, die auf ganz unterschiedliche Weise ihre Talente und Fähigkeiten in die klösterliche Gemeinschaft ein­ gebracht haben. Drei von ihnen stellt Stiftsarchivarin Birgitta Klemenz vor: Pater Bonifaz Käser (1813–1873), Frater Wunibald Laib (1821–1882) und Pater Pius Meier (1896–1982).

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ater Bonifaz Käser wurde als Joseph Maria Clemens Käser am 21. Novem­ ber 1813 in Augsburg als Sohn einfacher Weber geboren. Nach dem Besuch der sog. Werktagsschule war er von 1825 bis 1827 Schüler der Augsburger Kunstschule, um Zeichnen, Malen und Modellieren zu erler­ nen. Nach Lateinschule und Gymnasium – in einem seiner Zeugnisse bescheinigt ihm der Klassenlehrer »viele Anlagen, die er

auch mit vorzüglichem Fleiße auszubilden sich bestrebt« – studierte Käser in München Philosophie und Theologie und wurde am 5. Juni 1840 zum Priester geweiht, am Fest­ tag jenes Heiligen, in dessen Abtei er 20 Jah­ re später eintreten und dessen Namen er bei seiner Profess am 6. Juni 1864 als Ordens­ namen erhalten sollte. Die Jahre dazwischen waren ausgefüllt mit Seelsorgearbeit in seiner Heimatdiöze­

se Augsburg, wobei sich ein schweres, nicht näher bezeichnetes Halsleiden mehr und mehr bemerkbar machte. Nachdem er seine Schwester, die ihm all die Jahre den Haushalt geführt hatte, mit einer Stelle in der Andech­ ser Ökonomie versorgt wusste, stand dem Eintritt in Sankt Bonifaz nichts mehr im We­ ge. Sein »Verzeichnis über die in das Kloster Sankt Bonifaz mitgebrachten Bücher und anderen Gegenstände« nennt 373 Buch­ und 63 Musiktitel, 74 »Haus­ und Arbeits­Gerae­ the«, z. B. eine Hobel­ und Drehbank, Werk­ zeuge aller Art, ein Thermometer u. v. a. m., und Etliches an Kleidern und Wäsche – will­ kommene Utensilien für den klösterlichen Haushalt. Ruhigere Zeiten begannen mit dem Eintritt ins Kloster jedoch nicht. Pater Bo­ nifaz wurde zunächst als Präfekt der Sankt­ Nikolausanstalt eingesetzt, war dann ab 1868


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2 1 Aus dem Herbarium von Pater Bonifaz Käser. 2 ›Wallfahrt nach Andechs‹ von Frater Wunibald Laib. 3 Pater Bonifaz Käser (1813 –1873) als Präfekt der St.-Nikolausanstalt.

als Ökonom, Gastmeister und Verantwort­ licher für das Almosenwesen in München tätig und gegen Ende seines Lebens für kurze Zeit Verwalter des zu Andechs ge­hörenden Schlosses Ried bei Herrsching. Am 14. Sep­ tember 1873 starb er während eines Kur­ aufenthaltes in Schäftlarn und wurde in der Gruft von Sankt Bonifaz beigesetzt. In seinem Nachlass finden sich viele Re­ likte seiner künstlerischen Begabung – Zeich­ nungen, Pläne, Skizzen und ein wunder­ schön gemaltes Herbarium, dessen abgebil­ dete Pflanzen aussehen, als stünden sie noch in Wald und Flur. Für die Klostergeschichte besonders wichtig sind seine Grundrissplä­ ne, die er von Andechs und Sankt Bonifaz angefertigt hat und die die damalige räumli­ che Nutzung dokumentieren. Ebenso beein­ druckend ist ein Panorama, das auf mehr als

einem Meter Länge von Andechs aus in ei­ ner 360°-Rundschau das gesamte Panorama einschließlich der sich im Süden erhebenden Alpenkette zeigt. Eine weitere Begabung auf dem Gebiet des Zeichnens und Malens war Frater Wuni­ bald (Caspar) Laib. Am 21. Januar 1821 wur­ de er in Monheim geboren, legte am 28. De­ zember 1858 seine Gelübde ab und starb am 16. August 1882 in Andechs. Begraben wurde er in der Klostergruft von Sankt Bonifaz. Im Zeugnis des bischöfliches Ordinariats Augsburg, das ihm am 6. Mai 1857 für sei­ nen Eintritt in Sankt Bonifaz ausgestellt wur­ de, ist zu lesen: »Caspar Laib, in Monheim geb., gegen 38 Jahre alt, diente über 13 Jah­ re bei dem hiesigen Nadlermeister Fr. Xa­ ver Rank (…), war sehr arbeitsam, geschickt nicht nur in seinem Fache, sondern wohl

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Aus Kirche und Kloster

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auch im Malen, Gemälde-Restaurieren etc. Seit dem Bestehen des katholischen Gesel­ lenvereines war er einer der rührig- und ge­ schicktesten Mitglieder, dabei war seine re­ ligiöse sittliche Haltung (…) ohne Klage und tadellos, und seine Briefe vom Sept. 1856 bis 24. März 1857 sind vom Danke gegen Gott, von Reue über seine Sünden, vom Vertrau­ en zu der Jungfrau und Mutter Gottes Ma­ ria, von der Glückseligkeit im Ordensstande überfüllt, und von Andechs aus geschrieben, wo er alle Gemälde zur Zufriedenheit des Abtes restaurierte …« Neben diesem Hinweis auf seine Tätig­ keit als Restaurator der Andechser Gemäl­ de ist nur ein einziges Bild aus seiner Hand überliefert, das aber umso bekannter sein dürfte, weil es immer wieder in Publikatio­ nen über Andechs erscheint: Die berühmte Fußwallfahrt nach Andechs, die er um 1880 gemalt hat und die vielleicht auf ein älteres Vorbild zurückgeht, da sie kein zeitgenössi­ sches Wallfahrtsbild wiedergibt, sondern in die Barockzeit zurückgreift. Als Musiker bleibt schließlich Pater Pius (Johannes) Meier in Erinnerung. Er wurde am 12. Juni 1896 in München geboren, legte am 7. November 1953 seine Profess ab und wurde am 23. Dezember 1956 zum Priester geweiht – zusammen mit Altabt Odilo, mit dem er auch das Noviziat absolviert hatte. Gestorben ist Pater Pius am 30. August 1982

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in Oberalting, begraben liegt er auf dem Andechser Friedhof bei der Friedenskapelle. Johannes Meier stammte aus einem wohlhabenden Elternhaus – der Vater war ein bedeutender Münchner Kinderarzt. Er studierte nach dem Abitur am humanisti­ schen Gymnasium und der Teilnahme am Ersten Weltkrieg zunächst Musik mit dem Hauptfach Komposition. Bald schon stellte sich allerdings heraus, dass mit der Musik kein Lebensunterhalt zu verdienen war, deshalb trat Meier 1933 als Angestellter

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bei der Allianz ein. Nach dem Tod des Vaters 1936 heiratete er 1939 die ehemalige Haus­ hälterin der Familie, Lidwina König, mit der er während des Zweiten Weltkrieges in das Landhaus der Familie nach Oberalting über­ siedelte. Nach dem Tod seiner Frau 1951 ent­ schloss er sich, in Sankt Bonifaz einzutreten, zu dem er von Jugend an freundschaftliche Beziehungen gepflegt hatte. Trotz seines fort­ geschrittenen Alters unterzog er sich dem Studium der Philosophie und Theologie und war nach der Priesterweihe in Andechs als


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4 Teil des Andechser Panoramas von Pater Bonifaz Käser. 5 Frater Wunibald Laib (1821–1882). 6 Fanfare aus ›Jazz in Form‹ von Pater Pius Meier. 7

Hilfe in der Klosterverwaltung, in der Wall­ fahrtsseelsorge und als Organist tätig. Verschiedene Zeugnisse aus der Zeit sei­ nes Musikstudiums bescheinigen ihm eine hohe Begabung als Komponist, Pianist, Cel­ list und Saxophonist. Seine Kompositionen füllen in der Bibliothek von Sankt Bonifaz etliche Regalmeter und umfassen sakrale Werke wie Messen, Vespern, Passionen und geistliche Lieder ebenso wie weltliche Stücke, z. B. das Werk Jazz in Form (5 Foxtrotts) – A Composer’s Improvisation for Orches­tra, von

7 Grundriss von Andechs.

welchem Fassungen von 1929, 1931, 1963 und 1964 für großes Orchester (Streicher, Klarinetten, Saxophon, Trompeten, Posaunen, Schlagzeug und Pauken) existieren. Meier experimentierte mit allen möglichen Musik­ gattungen – auch während der Jahre im Klos­ ter, so dass der eine oder andere Walzer oder Tango ebenso vertreten ist wie der oben er­ wähnte Foxtrott oder zahlreiche Märsche. Im Nachruf des Konvents heißt es des­ halb: »Selbstverständlich blieb es auch im Kloster bis in die letzten Lebensjahre das

große Anliegen von P. Pius, dass Gott in der Musik verherrlicht werde – durch sein Wir­ ken als Organist wie vor allem als Kompo­ nist. Immer wieder vertonte er Messen und Tagzeiten, mit besonderer Liebe die Psalmen, mit tiefem, religiösem Ernst, aber auch mit ausge­prägtem Sinn für modernen Rhythmus und Klang. Seine Kompositionen stellen frei­ lich hohe Ansprüche an Sänger und Instru­ mentalisten, so dass sie nur selten zur Auf­ führung gelangen.«


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Aus Kirche und Kloster

An Seinem Tisch versammelt

Altarweihe in Machtlfing durch Abt Johannes Eckert

Eine Altarweihe ist ein seltenes Ereignis – nicht nur in Machtlfing. Im Auftrag des Bischofs von Augsburg, Konrad Zdarsa, weihte Abt Johannes Eckert am 23. Oktober 2011 den neuen Altar in der oberen Kirche »Sankt Johann Baptist«. Wird doch die Pfarrei seit mehr als 50 Jahren von den Andechsern Benediktinern betreut. Mit dieser Weihe konnte auch die mehrmonatige Renovierung der Pfarrkirche abgeschlossen werden, bei der neben örtlichen Firmen viele Mitglieder der Pfarrge­ meinde hunderte von Stunden einsetzten, um ihr Gotteshaus in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Aus Anlass der Altarweihe hielt Abt Johannes eine Predigt, die wir im folgenden dokumentieren.

D

»

er Stammtisch ist in den letzten Jahren sehr zurückgegangen«, so die Aussage des hiesigen Wirtes ›Matthäus Höfler‹, als ich Ihn vergangene Woche an­ rief. Eigentlich traurig, denn der Stammtisch ist ein wichtiger Ort im Leben eines Dorfes: Sonntags nach dem Gottesdienst und am Feier­abend haben sich dort die Männer eines Dorfes regelmäßig getroffen, der Stammtisch ist Ort der Erholung nach einem anstrengen­ den Tag, an dem man miteinander redet und erfährt, was es Neues gibt, so dass es heißt:

›Das hat der Papa vom Stammtisch heim­ gebracht!‹ Am Stammtisch wird kartengespielt, wird so manches unkompliziert ausgehandelt. Man sagt frei, was man denkt, so kann es auch Streit und Auseinandersetzungen geben. Aber hier wurden auch viele Ideen gebo­ ren, die bis heute wirken. Man verliert sich einfach nicht aus dem Auge. Er fördert die Zusammengehörigkeit und Vertrautheit. Der Stammtisch wird in der Regel vom Wirt frei gehalten, wer dort sitzen darf, ist besonders

privilegiert. Aber auch Fremde, wenn sie fragen, sind willkommen, da man von ihnen Neues erfährt, da sie neue Perspektiven und andere Sichtweise einbringen. Stammtisch steht für ungezwungene Kommunikation und freien Gedanken­ austausch

Freilich ist für manche der Stammtisch ne­ gativ besetzt, wenn wir an Begriffe wie »Stammtischparolen«, »Stammtischpolitik«, »Stammtischniveau« denken. Der Begriff


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»Stammtisch« hat sich manches in der Kirche Evangelium nach Matthäus (Mt 22,34–40) »Als die Pharisäer hörten, daß Jesus die aber auch positiv ver­ fremd geworden ist, Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, kamen sie (bei ihm) zusammen. Einer selbstständigt, er steht auch wenn er einer von ihnen, ein Gesetzes­lehrer, wollte ihn auf die Probe stellen und fragte ihn: für eine lockere und anderen Konfession Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? Er antwortete ihm: Du sollst ungezwungene Kom­ angehört, auch wenn den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all munikation, für besse­ er neu zugezogen ist, deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das res Kennenlernen und auch wenn Brüche zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Gedankenaustausch. sein Leben kennzeich­ Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.« So gibt es nun monat­ nen, hier soll er seinen liche Elternstamm­ Platz finden. tische in der Schule, Frauenstammtische, Der Altar steht frei: Alle sollen an ihm Diese Nächstenliebe des Evangeliums Stammtische für Alleinstehende und vieles Platz haben, denn bei Christen, so die Über­ beinhaltet auch die Fremdenliebe und Gast­ andere mehr. Der Name Stammtisch gefällt zeugung der Urkirche, gibt es keine Fremden, freundschaft, woran die Lesung aus dem mir: An diesem Tisch trifft sich gleichsam da gibt es nur Schwestern und Brüder des Buch Exodus erinnert: Es ist eine besondere der Stamm. Er ist gut verwurzelt, er trägt die einen Herrn. Daran zu arbeiten ist unser Auf­ Auszeichnung, wenn man in einem fremden Krone, er hält den Stürmen stand. trag! Daher wird der Altar mit Chrisam ge­ Land mit am Stammtisch sitzen darf: Man Was hat das nun mit einer Altarweihe salbt, denn Gastgeber sind nicht wir, sondern gehört dazu. zu tun? Dieser Tisch, dieser Altar, den wir Christus selbst, und eingeladen sind alle, die heute weihen, ist auch ein Stammtisch: Eu­ als Christen seinen Namen tragen und seinen Am Altar gibt es nur Schwestern und er Stammtisch, liebe Machtlfinger Christen. Namen leben. Brüder des einen Herrn Hier wird sich die Gemeinde versammeln, So wird der Tisch zum Ort des Spieles, An diesem Tisch, an diesem Altar darf keiner Sonntag für Sonntag, an Festtagen, zu freudi­ dem heiligen Spiel, der Liturgie, bei der sich ausgeschlossen werden: Auch wenn ihm so gen und zu traurigen Anlässen! An ihm wird Erde und Himmel verbinden: Das wird deut­ gebetet, das Gespräch mit Gott und das Ge­ lich, wenn wir Kerzen entzünden und den S T I C H W O R T : A LT A R W E I H E spräch miteinander gepflegt: aus Kommuni­ Weihrauch verbrennen: Wie der Rauch auf­ Bei der Altarweihe in Machtlfing wurden kation wird Communio, wird Gemeinschaft. steigt, so sollen auch unsere Gebete aufstei­ nach der Predigt und der Allerheiligen­ Das ist nicht nur bloße Pflichterfüllung gen, uns verbinden mit Gott, immer im Be­ litanei zunächst die Reliquien zweier oder Routine, sondern tiefe Erfahrung von wusstsein, wie wir in einer Präfation beten: frühchristlicher Märtyrer Amandus und Beziehung, wie es das heutige Evangelium »Unser Lobpreis kann Deine Größe nicht Aetherius sowie eine Reliquie des Seligen zum Ausdruck bringt, in dem Jesus nach mehren, doch uns bringt er Segen und Heil!« Clemens August Kardinal Graf von Galen dem wichtigsten Gebot gefragt wird und Die Pflege der Liturgie, des heiligen am Fuß des Altares beigesetzt. Darin wird er antwortet: »Du sollst den Herrn, deinen Spiels, wird deutlich im Mitwirken aller, im die urchristliche Tradition weitergeführt, Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit gan­ Singen und Beten, im Aufstehen und Hin­ die Eucharistie an den Gräbern der Mär­ zer Seele und mit all deinen Gedanken. Du knien. Sie gestaltet sich in verschiedenen tyrer zu feiern, um so die bleibenden Ver­ sollst den Nächsten lieben wie dich selbst!« Diensten der Ministranten, der Messner, der bundenheit mit Ihnen und Jesus Christus (Mt 22,37.39) Das ist die Quintessenz des Lektoren, Kantoren und Kommunionhelfer, zu zeigen. Danach folgte das Weihegebet, ganzen Evangeliums, des christlichen Lebens! des Organisten und des Chors: Allen sei an in dem zum Ausdruck kommt, dass der dieser Stelle ausdrücklich gedankt, und zu­ Altar für immer Jesus Christus geweiht ist. gleich ist der Dank Einladung nachzudenken: Der Altar als Ort der GottesWo bin ich mit meinen Begabungen an die­ Salbung und Beräucherung, machten und Nächstenliebe sem Tisch gefragt? Auch stellt sich die Frage: sichtbar, was Christus wirkt, wenn die Als Stammtisch ist der Altar Ort dieser Got­ Wie fördern wir den Priesterberuf? Kirche die Eucharistie feiert. Durch die tes- und Nächstenliebe, denn: In den Gaben Salbung des Altares mit Chrisam wird der von Brot und Wein schenkt sich Jesus selbst Altar zum Symbol Christi, der vor allen hin, in seinem Leib und Blut, und verbindet Verbunden bleiben mit den Zeugen anderen »der Gesalbte« ist und sein Le­ uns zu einer Gemeinschaft mit ihm und un­ des Glaubens ben als Opfer für das Heil aller Menschen tereinander. Gott ist der, der uns vorbehalt­ Durch diese Verbindung mit Gott fühlen wir eingesetzt hat. Das Verbrennen des Weih­ los seine Liebe schenkt! Dieses Geschenk der uns auch verbunden mit denen, die vor uns rauchs auf dem Altar weist unter anderem Liebe dürfen wir erwidern mit unserem Lob­ gelebt haben. Auch ihnen gilt unsere dank­ darauf hin, dass die Gebete der Gläubigen preis und Dank, ebenso auch wie wir mitein­ bare Erinnerung, wie an einem Stammtisch Gott angenehm sind und zu ihm empor­ ander umgehen, denn zur Gottesliebe gehört auch Bilder von verstorbenen Stammtisch­ steigen. die Nächstenliebe wesentlich dazu. brüdern hängen: Die Bilder zeigen Vorbilder,


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Aus Kirche und Kloster

1. Lesung aus dem Buch Exodus (Ex 22,20–26)

Links: Abt Johannes

Rechts: Festzug nach

So spricht der Herr: Einen Fremden sollst du nicht ausnützen oder ausbeuten, denn ihr selbst seid in Ägypten Fremde gewesen. Ihr sollt keine Witwe oder Waise ausnützen. Wenn du sie ausnützt und sie zu mir schreit, werde ich auf ihren Klageschrei hören. Mein Zorn wird entbrennen, und ich werde euch mit dem Schwert umbringen, so dass eure Frauen zu Witwen und eure Söhne zu Waisen werden. Leihst du einem aus meinem Volk, einem Armen, der neben dir wohnt, Geld, dann sollst du dich gegen ihn nicht wie ein Wucherer benehmen. Ihr sollt von ihm keinen Wucherzins fordern. Nimmst du von einem Mitbürger den Mantel zum Pfand, dann sollst du ihn bis Sonnen­u ntergang zurückgeben; denn es ist seine einzige Decke, der Mantel, mit dem er seinen bloßen Leib bedeckt. Worin soll er sonst schlafen? Wenn er zu mir schreit, höre ich es, denn ich habe Mitleid.

bei seiner Predigt

dem Gottesdienst

Menschen, die sich um diesen Tisch verdient gemacht haben. Aus diesem Grund werden wir Reliquien im Altar beisetzen, Erinne­ rungsstücke an Menschen, die ihren Glauben bezeugt haben, Märtyrer nicht nur aus ver­ gangenen Tagen, sondern auch aus unserer Zeit, wenn wir etwa an den Seligen Clemens August Kardinal Graf von Galen denken: Sie haben sich um diesen Tisch verdient gemacht! Ihr Zeugnis verpflichtet uns, dass wir das, was wir hier am Altar feiern, auch in unserem Alltag leben und es bezeugen, wie es schon die Gemeinde in Thessalonich war, wenn Paulus schreibt: »So wurdet ihr ein Vorbild für alle Gläubigen in Mazedonien und Achaia!« (1 Thess 1,7). Der Stammtisch wird zum Vorbild für eine Gegend, für die anderen Tische eines Landstrichs: Für die Tische in den Familien, für die Tische beim Höfler oder im Leis, an denen sich die Schüt­ zen und Burschen treffen, für die Tische im Feuerwehrhaus oder in der alten Schule,

für die Tische im Rathaus in Erling, für die Schreibtische in den Firmen und Büros. ›Wir weihen diesen Altar, weil wir an die Zukunft glauben‹

Die Gottesliebe, die an diesem Tisch erfahr­ bar wird, soll die Nächstenliebe im Alltag prägen: Machtlfing hat einen guten christli­ chen Stamm und es ist schön, hier Seelsorger zu sein, ich glaube, da darf ich auch für die Mitbrüder sprechen und mit Paulus beken­ nen: »Denn man erzählt sich überall, welche Aufnahme wir bei euch gefunden haben!« (vgl. 1 Thess 1,9). Für diese gastliche Aufnah­ me, die nicht selbstverständlich ist, sind wir dankbar: Machtlfing hat einen guten Stamm, der ein gutes Erbe ist, aber zugleich auch Auftrag für die Zukunft. Wir weihen diesen Altar, nicht aus ästhetischen Gründen, dass die Kirche schöner wird, auch wenn sie das geworden ist, sondern weil wir an die Zu­ kunft glauben!

»Der Stammtisch ist in den letzten Jahren sehr zurückgegangen.« – das gilt auch für dieses Haus. Als Seelsorger ist es unser Anlie­ gen, kirchliches Leben gerade auch am Sonn­ tag in den Dörfern lebendig zu halten. Das ist keine Selbstverständlichkeit, wenn man die Möglichkeiten umliegender Pfarreien sieht, und auch wir als klösterliche Gemeinschaft mit unseren Kräften begrenzt sind. Daher ist es mir ein großes Anliegen, ge­ rade an die Erwachsenen und Eltern in un­ serer Generation noch ein Wort zu richten: Dieser Stammtisch geht an uns über, ist uns besonders anvertraut – gerade am Sonntag. Es ist wertvoll, wenn ihn viele Austragler be­ suchen, aber gerade wir im mittleren Altar haben eine eigene Verantwortung, der wir uns nicht entziehen dürfen. Denn: von uns lernt die nachfolgende Generation, was es heißt und welchen Wert es hat, einen Wirt im Dorf zu haben – ein Gasthaus, in dem Gott Gastgeber ist und seinen Stammtisch für uns frei hält. Es wäre schön, wenn Eure Kinder einmal dankbar feststellen könnten, unseren Glau­ ben – den hat der Papa, den hat die Mama vom Stammtisch heimgebracht. Amen.


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GENUSS & NATÜRLICHKEIT Eine bayerische Brotzeit beginnt mit einem Andechser dunkel aus der Hofpfisterei

www.hofpfisterei.de


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Aus Kirche und Kloster

Dem Armen das eigene Herz schenken Gedanken zum heiligen Martin

Detail aus dem Wandgemälde über der Orgelempore in der Wallfahrtskirche

Beginnend mit dieser Ausgabe des Andechser Bergechos möchten wir einige Heilige vorstellen, die in der jeweiligen Zeit des Kirchenjahres eine besondere Bedeutung haben. Wir eröffnen diese Reihe mit einem Beitrag von Abt Johannes über den Heiligen Martin von Tours.

I

n der Andechser Wallfahrtskirche sehen wir auf der Orgelempore, auf der sich der alte Mönchschor befindet, ein interessantes Bild. Es zeigt sieben Mönche, die vor einem Marienaltar stehen. Auf der linken Seite steht als Assistenzfigur Johannes der Täufer. Sein Blick ist fest auf das Jesuskind gerichtet. Die rechte Assistenzfigur zeigt den hl. Martin als Bischof mit Pontifikalien ange­ tan, leicht erkennbar an seinem Attributtier, einer weißen Gans. Diese sitzt zufrieden zu seinen Füßen, nicht ahnend, dass Martini ihr Ende bedeuten könnte. Während Johannes der Täufer entschlos­ sen auf das Jesuskind schaut, schaut Martin von Tours besonnen die sieben Mönche an,

die vor dem Altar sich scharen. Zu ihren Füßen liegen zerstörte Götterbilder. An einem Köcher mit Pfeilen kann man Amor erken­nen, den Liebesgott der Antike. Johannes der Täufer als Vorbild für die Mönche

Wie kommt es zu der Kombination dieser beiden Heiligen? Der Künstler greift mit Johan­nes dem Täufer und Martin von Tours einen Bericht auf, den Gregor der Große in seiner Lebensbeschreibung des Hl. Benedikt, im zweiten Buch der Dialoge, überliefert hat. Als der Mönchsvater auf dem Monte Cassino ein Kloster gründete, fand er dort ein heid­ nisches Heiligtum vor, das Apollo, dem Gott


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des Lichtes, geweiht war. An dessen Stelle errichtet Benedikt eine Kapelle zu Ehren Johannes des Täufers. Er, der Prophet, der in die Wüste ging, um sich auf die Ankunft des Messias vorzubereiten, und dann seine Freunde auf Jesus als das wahre Licht ver­ weist, soll Vorbild für die Mönche sein. Wie Johannes als Eremit (das Griechische »ere­ mä« heißt Wüste), so sollen auch sie durch ihre entschiedene Lebensweise auf Christus hinweisen. Daher finden wir in vielen Be­ nediktinerkirchen einen Altar, der Johannes dem Täufer geweiht ist. Martin verbindet als erster monastisches Leben mit pastoralem Engagement

Benedikt zerstört nicht nur das Heiligtum des Apollo, sondern lässt auf dem Monte Cassi­ no auch heidnische Haine abholzen. Es wird angenommen, dass diese der Aphrodite, der Göttin der begehrenden Liebe, geweiht waren. Der Mönchsvater errichtet daraus eine Kirche, die er dem hl. Martin weiht. Zum einen galt Martin als Vater des gallischen Mönchtums, also dem Mönchtum des Westens. Zum an­ deren verband Martin als erster monastisches Leben mit pastoralem Wirken, indem er sich als Bischof zusammen mit seiner Gemein­ schaft um die Gläubigen seiner Gegend küm­ merte. Die Gans, die ihn nach seiner Bischofs­ wahl verriet, erinnert uns daran. Nicht mehr die begehrende, sondern die mitteilende Liebe, für die die bekannte Man­ telteilung Martins steht, sollte das Leben auf dem Monte Cassino sowie in der Region prä­ gen. Daher schaut Martin auf unserem An­ dechser Bild die Mönche an, zu deren Füßen das gestürzte Bild des Amor liegt. Die Sieben­ zahl erinnert an die Gründermannschaft von Andechs. Schließlich waren es sieben Mönche aus Tegernsee, die am 23. April 1455 das mo­ nastische Leben auf dem Hl. Berg begannen. Das Martinspatronzinium des Monte Cassino

ist Grund, dass viele bedeutende Abteien wie etwas Disentis in der Schweiz, Pannon­ halma in Ungarn oder Beuron im Donautal dem hl. Martin geweiht wurden. Echte Christusliebe kann es ohne Nächstenliebe nicht geben

Die Botschaft des Gemäldes ist eindeu­ tig. Einer­seits ist es bleibende Aufgabe der Mönchsgemeinschaft, wie Johannes der Täufer durch ihr Leben auf Christus hinzu­ weisen. Ihm gilt es, seine Liebe zu schenken. Andererseits bleibt es Auftrag des Evange­ liums, diese Liebe wie Martin mit anderen Menschen zu teilen und sie so in der kon­ kreten Tat am Nächsten zu verwirklichen. Eigentlich hatte Martin, als er mit dem frie­ renden Bettler seinen Soldatenmantel teil­ te, nichts anderes getan, als das Evangeli­ um zu verheutigen. Dieses Aggiornamento, wie es Johannes XXIII., der große Papst des 20. Jahrhunderts genannt hat, erfährt Martin dann im Traum selbst, als ihm Christus als Bettler erscheint. Eine echte Christusliebe kann es also ohne Nächstenliebe nicht geben. Selbstredend gehört zur Nächstenliebe die Selbstliebe dazu, wie sie Martin veranschau­ licht, indem er die Hälfte seines Mantels für sich behält. Der hl. Benedikt fasst dieses Gebot der Liebe zu Beginn des vierten Kapitals seiner Regel zusammen. In diesem legt er seinen Mönchen die Werkzeuge der geistlichen Kunst ans Herz: »Vor allem: Gott, den Herrn, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. Ebenso: Den Nächsten lieben wie sich selbst.« (RB 4,1–2) Eigentlich müsste dies das Vorzeichen ei­ nes jeden christlichen Lebens sein. Freilich stoßen wir dabei immer wieder an unsere Grenzen. So endet Benedikt das lange vierte Kapitel mit den tröstenden Worten »Und an

Gottes Barmherzigkeit niemals verzweifeln.« (RB 4,74). Auch daran erinnert uns die Ge­ stalt des hl. Martin. Sein Hagiograph, Sulpicius Severus, berich­tet, dass dem hl. Martin auf seinem Sterbe­bett der Auferstandene erscheint. Doch Martin hat Zweifel und stellt fest, dass dem Auferstandenen die Wundmale fehlen. So erkennt er die listige Täuschung des Teu­ fels. Eine Auferstehung ohne Wunden gibt es nicht! Auch im Evangelium erkennen die Jünger Jesus an seinen Wundmalen, die er ihnen zeigt, Thomas, der Zweifler, d. h., der, der im Innersten verletzt und enttäuscht ist, darf sogar seine Hände hineinlegen. In­ dem der Auferstandene seine Wunden zeigt, schenkt er Mitgefühl: »Schaut her, ich kann mitfühlen, wie verwundet ihr seid, aber ich lebe und ihr lebt mit mir!« Das ist die menschgewordene, barmher­ zige Liebe Gottes, von der Benedikt spricht. Sie durchbricht alle Schwachheit mensch­ lichen Daseins, selbst die letzte Wunde des Lebens, den Tod. Dieser barmherzigen Liebe dürfen wir vertrauen. Sie gilt es, immer wie­ der, auch in aller Verzweiflung, zu verkün­ den. Barmherzigkeit wird vom Lateinischen »misericordia« abgeleitet: »Miser cor dare.« »Dem Armen sein Herz schenken.« Dafür ist Martin ein Vorbild wie viele andere Heilige, die den Menschen mit seiner Armut in den Blick nahmen, stets im Wissen, dass auch wir auf Gottes Barmherzigkeit angewiesen bleiben. Ein späterer Martin, nämlich Martin Luther, der am Vortag des Martinstages das Licht der Welt erblickte und am folgenden Tag bei seiner Taufe den Tagesheiligen zum Namenspatron bekam, hat dieses Vertrauen in Gottes Barmherzigkeit mit seinen letzten Worten so ausgedrückt: »Wir sind Bettler. Hoc est verum [Das ist wahr.].«


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Aus Kirche und Kloster

Vom Ende zum Neubeginn Sommerakademie in Sankt Bonifaz mit überwältigender Resonanz Links: Wie wenige Kirchen in München steht die Basilika Sankt Bonifaz für Wandel und Neubeginn christlichen Lebens mitten in der Stadt.

Rechts: Prof. Dr. Hans-Michael Körner – Mitinitiator der Sommerakademie

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Die Abtei und der Verein der Freunde von Sankt Bonifaz e.V. hatten zur Sommerakademie eingeladen, und zu den sechs Veranstaltungs­ terminen zwischen dem 29. Juni und dem 3. August kamen mehr als 2.000 Gäste. Eine wahrlich überwältigende Resonanz, die von den Veran­staltern so nicht erwartet worden, und deshalb auch nur mit viel Flexibilität und Improvisation zu bewältigen war. Der Pfarrsaal er­ wies sich nämlich bereits am ersten Abend als viel zu klein, um auch bei engster Bestuhlung die große Zahl der Zuhörer aufzunehmen. So wurde auch das Foyer umgerüstet und beschallt, um weitere 200 Sommerakademiker aufzunehmen.

s muss wohl doch am Thema gelegen haben, rätselten die Organisatoren um Prof. Dr. Hans-Michael Körner von der LMU München und den Freunde-Vorsitzenden Werner-Hans Böhm. Das Thema Das Ende der Bavaria Sancta – Die Säkularisation von 1803 und ihre Folgen war in der Tat von einer Anziehungskraft, die angesichts der mehr als 200jährigen zeitlichen Distanz erstaunlich war. Zum anderen war es aber auch die geballte Kompetenz und Strahlkraft der von Prof. Körner gewonnenen Schar der Referenten, die Interessenten von Nah und Fern (einer kam sogar aus der Schweiz an­ gereist) herbeiströmen ließ. Zu den Inhalten der Sommerakademie: Den einleitenden Vortrag hielt Prof. Dr. Reinhard Stauber von der Universität Klagenfurt zur Vorgeschichte, den Vor­ aussetzungen und Ursachen der Säkulari­ sation von 1803. Sie gingen bereits auf den Westfälischen Frieden von 1648 zurück und wurden ausgelöst durch den »Reichsdepu­ tations-Hauptschluß« als Folge des Vertrags von Lunéville vom 25.02.1803, der nach Napoleons Diktat die Auflösung und Konfis­ zierung aller Güter der Kirche, der Klöster, Abteien und Stifte »pro fisco« zur freien Dis­ position der Landesherren überstellte. In seinem Vortrag zum konkreten Sä­ kularisationsgeschehen des Jahres 1803 zitierte Prof. Dr. Manfred Heim von der LMU München den Historiker Johann Chris­ toph von Aretin, der den epochalen Um­ bruch als geschichtliche Zäsur so beschrieb:


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»Zwischen gestern und heute stand eine Kluft von 1000 Jahren.« Der Regensburger Bischof Johann Michael von Sailer, ein Zeit­ zeuge, sprach gar von einer Zertrümmerung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Die Rolle des Ministers Graf Montge­ las, in der bisherigen Geschichtsschreibung vielfach als die des »Kirchenfeindes« darge­ stellt, wurde jedoch von Prof. Heim relati­ viert: »Er war nur ein Vollstrecker von Kur­ fürst Max III. Joseph.« Im dritten Vortrag referierte Prof. Dr. Karl Hausberger von der Universität Re­ gensburg über die Konsequenzen und Fernwirkungen der Säkularisation. Nach Bayern als Vorreiter, dem größten katholi­ schen Land im Deutschen Reich, schwappte die Säkularisation auch nach Baden, Würt­ temberg und ins Rheinland weiter. Auch dort wurden nicht nur Klöster, Abteien und Stifte »mediatisiert«, Bistümer aufgelöst, sondern zum Unwillen des Volkes viele altherge­ brachte katholische Bräuche wie Wallfahrten, Feiertage, sogar die Christmette, per Dekret abgeschafft. ›Das Königreich Bayern und die Säku­ larisationsverluste, sowie die Versuche der Wiedergutmachung unter Ludwig I.‹ waren das folgende Referatsthema von Dr. Katharina Weigand , Dozentin an der LMU München. Während mehrere Hundert Konventualen, Brüder und Schwestern, in vom Staat eingerichtete »Aussterbeklöstern« zwangsretirierten oder als Weltpriester wei­ ter in der Seelsorge blieben, begann ab 1825

mit der Regentschaft König Ludwigs I. die Restaurierung der Bistümer und Klöster. Den Benediktinern, die er vor allem als Träger des Bildungswesens und der Wohlfahrt schätz­ te, galt dabei seine bevorzugte Gunst bei der Klostererneuerung. Herausragendes Beispiel ist hierbei die Neugründung des Klosters Sankt Bonifaz in München, ergänzt durch das Priorat Andechs, das der König quasi als Wiedergutmachung für die nach seiner Mei­ nung verfehlte Säkularisationspolitik seines Vaters aus eigener Kabinettskasse stiftete, insgesamt 1,8 Millionen Gulden, ein für die damalige Zeit gewaltiges Vermögen. Eine von Ludwig I. eingesetzte Kommission stellte fest, dass von mehr als 100 aufgelösten Klöstern nur noch 30 für die Wiederbesiedelung ge­ eignet waren, allen voran Metten und Otto­ beuren. Zur zeitgenössischen Würdigung der Säkularisation von 1803 zitierte Dr. Weigand wiederum den Freiherrn Johann Christoph von Aretin: »Es sei dahingestellt, ob das alte Gebilde den geistigen Umbruch selbst hätte vollziehen können …« ›Die Debatte um die Säkularisation von der zeitgenössischen Wahrnehmung bis in die Gegenwart‹, war schließlich auch das Thema von Prof. Dr. Hermann Rumschöttel, Generaldirektor der Staat­ lichen Archive Bayern a.D., der feststellte, dass die Ereignisse von 1803 im kollektiven Bewusstsein der Menschen in Bayern stets präsent blieben: »Unsere Klöster waren und sind ein Teil unserer Kultur, Bildung und Mentalität, kurz: der bayerischen Lebens­

art«. Prof. Rumschöttel stellte fest, »dass die mangelnde Legitimierung der Säkularisation zwar durch die normative Kraft des Fakti­ schen überholt worden sei, daraus aber auch Kraft zur Erneuerung der kirchlichen Insti­ tutionen gewonnen wurde.« Heute, so Prof. Rumschöttel, sei die Debatte im Lichte der geschichtlichen Forschung und Aufarbeitung weitgehend ent-emotionalisiert und versach­ licht. Heute gilt für die Terra benedictina in Bavaria Sancta wieder: Succisa virescit – abgeschnitten blüht sie aufs Neue. Im letzten Vortrag der diesjährigen Som­ merakademie ging Dr. Martin Schawe, stellv. Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, der spannen­ den Frage nach, woher und wohin die zahl­ losen Kunstwerke aus den säkularisierten Abteien, Klöstern und Stiften gekommen sind. Die ab 1803 vom Kurfürsten persönlich ausgesandten Kunst-Experten Johann Chris­ tian von Mannlich und Johann Georg von Dillis fanden damals bereits nur noch einen Teil der Gemälde und Skulpturen vor, ein Großteil war bereits versteigert, verschleu­ dert, verloren. »Unermessliche Schätze seien dem Staat für immer entgangen« klagten die Emissäre. Was sie noch requirierten, wurde teilweise nach München gebracht, dort nach den Kriterien »galeriewürdig«, »ausleihfä­ hig« und »verkäuflich« katalogisiert, und ist heute wiederum zu einem kleinen, aber großartigen Teil in den bayerischen Staatsge­ mäldesammlungen wie der Alten Pinakothek in München, sowie in den Zweiggalerien zwischen Aschaffenburg und Burghausen der Öffentlichkeit zugänglich. Abschließend noch ein Hinweis für alle, die nicht persönlich an der Sommerakademie teilnehmen konnten: Das Bayerische Fern­ sehen hat sämtliche Vorträge aufgezeichnet und wird sie noch in diesem Jahr auf dem Kanal BR alpha senden. Die genauen Sen­ determine teilen wir Ihnen auf der website www.sankt-bonifaz.de rechtzeitig mit. Alfons Kifmann


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Aus Kirche und Kloster

25 Jahre Missionskreis Andechs Fiesta Latinoamericana 2011 in Andechs

Am 25. September 2011 feierte der Missionskreis Andechs im Rahmen einer »Fiesta Latinoamericana« sein 25jähriges Bestehen. Der Termin hät­ te nicht besser gewählt werden kön­ nen – es war ein wunderschön son­ niger und warmer Herbsttag. Gabrie­ le Eberl blickt auf den Tag zurück.

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ater Coelestin Stöcker, der vor 25 Jahren zusammen mit einigen Mit­ streitern den Missionskreis Andechs e.V. ge­ gründet hatte, zelebrierte den Gottesdienst. Ana-Cristina Cespedes umrahmte die Litur­ gie mit gefühlvollen Liedern aus Bolivien und die Musikgruppe »Inti Pacha« mit ein­ fühlsamer Musik aus Peru. Das von Anton Ludwig Pfell intonierte »Großer Gott wir loben Dich« machte den Dank des Vereins eindrucksvoll hörbar. Am Ende des Gottes­ dienstes berichtete Landrat Karl Roth, der die Schirmherrschaft übernommen hatte, von den verschiedenen Projekten und der Arbeit des Missions­kreises.

Im Anschluss an den Gottesdienst sprach P. Coelestin in der Alten Bibliothek des Klosters über die Anfänge des Vereins und eröffnete das Fest. Im Pfortenhof hatte sich bereits eine lange Schlange am Kuchenbuffet gebildet. Die 150 Empanadas waren inner­ halb weniger Minuten verkauft und von den 46 Kuchen – alle selbstgebacken von Freun­ den und Mitgliedern des Missionskreises – blieben am Ende der Feier neben ein paar Brezn nur wenige Stücke übrig. Die restli­ chen Kuchen und Brezn wurden am nächs­ ten Tag der Obdachlosenarbeit der Abtei in München gespendet. Aber nicht nur Kulinarisches wurde ge­ boten. Im Fürstentrakt des Klosters konnten die Besucher der Fiesta Latinoamericana u.a. bestick­te Karten kaufen, mit deren Er­ lös Frauen in Bolivien zum Unterhalt ihrer Familien beitragen. Auch ecuadorianische und guatemaltekische Kunstwerke wurden angeboten. Im Pfortenhof bot der Eine-WeltLaden Weilheim seine Waren an, in der Alten Bibliothek konnte man sich anhand von Bild­ tafeln über abgeschlossene und aktuelle Pro­ jekte des Missionskreises und die jeweiligen

Projektländer informieren. Dort gab es auch immer wieder die Möglichkeit, mit den ein­ zelnen Mitgliedern des Vorstandes Gesprä­ che zu führen und wertvolle Kontakte und Verbindungen zu knüpfen. Ein kleiner Film zeigte zudem anschaulich die Schönheit und Faszination der südamerikanischen Land­ schaft Boliviens und Ecuadors und berichtete über die einzelnen Projekte des Vereins. Die Fiesta Latinoamericana war mit einem Rein­ erlös von rund 2.400 Euro ein großer Erfolg für den Missionskreis Andechs. Der Dank des Missionskreises für die große Unterstützung bei der Organisation und Durchführung dieses Festes geht an das Kloster, Fr. Leonhard, der die Getränke, und Fr. Lambert, der die technische Ausstattung zur Verfügung stellte, und an Herrn Eckl vom Bräustüberl, der Geschirr, Kaffeezube­ hör und Brezn beisteuerte. Nicht zuletzt aber ein besonderer Dank an alle, die im Hinter­ grund gearbeitet und mitgeholfen haben: Kaffeeköchinnen, die Getränke-, Kuchenund Empanadaverkäufer, die Kassierer und alle Kuchenbäckerinnen.

I N F O rmationen

Weitere Informationen zum Missionskreis Andechs unter www.missionskreis-andechs.de


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Einblick in die benediktinische Spiritualität Rückschau auf die Tage im Kloster für junge Männer 2011

Ein Kloster, das sich als ein geist­ liches Zentrum versteht, ist ein Ort der Gottsuche und Selbstfindung. Schon seit vielen Jahren, ja Jahr­ zehnten, bietet das Kloster Andechs in diesem Zusammenhang Kloster auf Zeit für junge Männer, bisher ›Jugendwoche(n)‹ genannt, an. Frater Lukas Essendorfer hat die Gruppe im Juli /August 2011 durch die Tage begleitet.

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uch in diesem Jahr konnte unsere Gemein­schaft im Kloster Andechs wieder insgesamt neun junge Männer im Al­ ter von 16 bis 28 Jahren begrüßen. Die Teil­ nehmer kamen in diesem Jahr aus dem gan­ zen Bundesgebiet und aus ganz unterschied­ lichen Lebensbereichen. Die jungen Männer lebten für eine Woche in der Klausur des Klosters mit und nahmen am Tagesrhythmus der Mönche im Kloster Andechs teil.

Gebet und Arbeit gaben den Mönchen Benedikts seit jeher die grundlegende Ord­ nung. Aus diesem Grund beteiligten sich die Teilnehmer am gemeinsamen Chorgebet der Mönche wie auch an den Vormittagen an den Arbeiten, die in und um das Kloster her­ um anfielen. Ein weiteres wichtiges Element benedik­ tinischer Spiritualität ist die ›lectio divina‹ (geistliche Lesung). Tägliche Impulse und Meditationen sollten den Teilnehmern einen vertiefenden Einblick in die benediktinische Spiritualität vermitteln und Anregungen für den eigenen Alltag geben. Benediktinisches Leben fußt aber nicht zuletzt auf dem Leben in Gemeinschaft und sieht den Raum für Ruhe und Muße vor. Auch diesem Grundsatz konnten wir durch gemeinsame Ausflüge in das An­dechser Umland und den Gedankenaustausch unter­ einander gerecht werden. Die Begegnung zwischen unserer klösterlichen Gemeinschaft und den jungen Männern wurde auf beiden Seiten als sehr bereichernd empfunden.

I N F O rmationen

Auch im Jahr 2012, vom 4. bis 11. August, bieten wir Mönche von Sankt Bonifaz »Tage im Kloster Andechs für junge Män­ ner« an. Unser Angebot richtet sich an alle interessierten jungen Männer von 16 bis 26 Jahre, die bereit sind, sich für eine Woche auf ein Leben im Kloster Andechs einzulassen, um benediktinische Spiritu­ alität kennen zu lernen und den eigenen Lebensweg gemeinsam mit anderen jun­ gen Männern zu überdenken. Die eigene Weltanschauung und Kirchenzugehörig­ keit stellen dabei keine Aufnahmekriterien dar. Wir Mönche stehen in dieser Woche, soweit Bedarf besteht, auch für persönli­ che Gespräche zur Verfügung. Für Rückfragen und Anmeldungen steht Fr. Lukas Essendorfer unter folgenden Kontaktdaten gerne zur Verfügung: Benediktinerabtei Sankt Bonifaz Karlstraße 34, 80333 München Telefon: +49 (0)89/55171-112 Fax: +49 (0)89/55171-103 E-Mail: rasch@sankt-bonifaz.de


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Aus Kirche und Kloster

Konventausflug der Mönche von Sankt Bonifaz in München und Andechs am 27. Juni 2011

Beim Konventausflug am 27. Juni 2011 besuchte der Konvent drei be­ deutende Kirchen im Landkreis Da­ chau, die als Klosterkirchen errichtet wurden. Die drei sehr unterschied­ lichen Kirchenräume wirken noch eindrucksvoller durch das wechseln­ de Tageslicht. Frater Markus Riemer blickt zurück auf einen sonnigen Sommertag.

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ie erste Station war der Petersberg mit der Basilika St. Peter und Paul, die frei auf einer vom Wald umgebenen Lichtung steht. Bei der Restaurierung 1907 zur 800-Jahr-Feier wurde die ursprüngliche romanische Bauweise wieder hergestellt und der Barock des 18. Jahrhunderts entfernt. Im Kircheninneren trennen 12 Säulen und Arka­den die drei Schiffe, deren Apsiden mit Fresken ausgemalt sind. In der rechten Ap­ sis werden zwei Szenen aus dem Leben des Hl. Benedikts gezeigt: einmal wie er auf dem Montecassino ein heidnisches Götterbild stürzt und dann in seiner Todesstunde. Diese Darstellungen, die erst bei der Restaurierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschaffen wurden, geben einen Hinweis auf die Ent­ stehungsgeschichte der romanischen Kirche. Hierher kam 1104 ein Konvent von Benedik­ tinermönchen, der zuerst in Bayrischzell und danach in Fischbachau beheimatet war und die Kirche erbauen ließ, die 1107 eingeweiht wurde. Diese Mönche zogen nur 16 Jahre später weiter nach Scheyern. Nach der Konventmesse, die wir in der stimmungsvollen Romanik der Petersberger Basilika feierten, war die zweite Station die Klosterkirche St. Alto mit dem Birgitten­ kloster in Altomünster, die 1763–1766 von dem berühmten Baumeister Johann Micha­ el Fischer im Stil des Spätbarock (Rokoko) errichtet wurde. Der beeindruckende Kir­

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chenraum ist fast 60 m lang. Die Raumpers­ pektiven wechseln beim Gang durch die vier hintereinander gestaffelten und im Niveau ansteigenden Innenräume. Zwischen dem großen achteckigen Kirchenschiff mit der 18 m hohen Flachkuppel und dem Altarraum liegt das kleinere Oktagon des »Beichtrau­ mes«, der vom Nonnenchor überdacht, ja überbrückt wird. Den Abschluss bildet erhöht hinter dem Altarraum der »Herren­ chor«, der noch aus der Zeit des Doppel­ klosters des Birgittenordens stammt, das hier

bis zur Säkularisation 1803 bestand. In dem alten Chorgestühl der Mönche beteten wir die Mittagshore, die ja immer dem Mittag­ essen vorausgeht, das wir uns anschließend im Garten des Brauereigasthofes Maierbräu schmecken ließen. Nach der erholsamen Mittagspause zeig­ te uns Sr. Apollonia den Klostergarten, das Gästehaus und die Krypta des heutigen Bir­ gittenklosters, das 1842 als Nonnenkloster wiedererrichtet wurde. Sie verabschiedete uns an der Klosterpforte nicht, bevor sie uns


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1 Altarraum der Klosterkirche in Markt Indersdorf 2 Benediktinerkloster in Scheyern 3 Petersberg mit der Basilika St. Peter und Paul 4 Klosterkirche St. Alto in Altomünster 5 Der Innenraum von St. Alto

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die Hirnschale des Hl. Alto zeigte, die im Kloster als kostbare Reliquie aufbewahrt wird, dazu noch das Messer, mit dem der Hl. Alto der Legende nach die Bäume gekennzeichnet hat, die zum Bau des Klosters und der Kirche bestimmt waren. Auf unserer dritten Station besuchten wir in Markt Indersdorf die Klosterkirche Ma­ riä Himmelfahrt. Weil das Geld für einen Neubau fehlte, wurde die Architektur des schmalen und hohen gotischen Kirchenrau­ mes mit der charakteristischen engen Pfeiler­

stellung bei der Rokoko-Umgestaltung in den Jahren 1754 bis 1758 nicht verändert. Die neue prächtige Innenausstattung schufen die Freskenmaler Matthäus Günther und Georg Dieffenbrunner und der Stuckateur Franz Xa­ ver Feichtmayr. Viele der 34 Fresken zeigen Szenen aus dem Leben des Hl. Augustinus. Die hohen Baukosten führten mit dazu, dass bereits 1783 das Stift der Augustiner Chorher­ ren wegen finanziellen Bankrotts aufgehoben werden musste, zwanzig Jahre vor der allge­ meinen Säkularisation der Köster in Bayern.

Zum Abschluss des Tagesausfluges be­ suchten wir noch das Benediktinerkloster in Scheyern und folgten so den Spuren der mittel­alterlichen Mönche vom Petersberg. Mit Abt Markus bestiegen wir den Kirchturm der Basilika und ließen uns den neuen Glo­ ckenstuhl und das neue Geläut zeigen. Die Vesper beteten wir gemeinsam in der Johan­ neskirche des Klosters. Danach waren wir noch zu einem gemütlichen Grillabend im Klostergarten eingeladen, der den erlebnis­ reichen Tag kulinarisch abrundete.


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Aus Kirche und Kloster

Kloster Andechs gewinnt Hotel-Prozess OLG München stellt fest: Es gab keinen Vertrag zwischen Kloster und Architekt

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ie Idee, ein Hotel unterhalb des Heili­gen Berges zu errichten, wurde ab 1998 entwickelt. Das Kloster selbst aber war zu keinem Zeitpunkt als Anteilseigner des Hotels vorgesehen. Ohnehin hat es einen endgültigen Beschluss des Konventkapitels für das Hotelprojekt nie gegeben. Das Kloster hätte lediglich als Erbpachtgeber den Grund zur Verfügung stellen sollen. Die gesamte Finan­zierung des Hotelprojektes inklusive der Planungskosten sollten Investoren sicher­ stellen. Dieser Umstand war allen Projekt­ beteiligten bekannt. Unter diesen Vorausset­ zungen begann der Architekt seine Planungs­

Patenschafts­aktion für die Orgel

arbeiten. Nachdem aber klar wurde, dass das Hotelprojekt nur unter sehr fragwürdigen Umständen realisiert werden kann, wurde es ab 2005 nicht weiter verfolgt. Daraufhin stellte der Architekt dem Klos­ ter eine Schlussrechnung, obwohl immer klar war, dass die Planungskosten für das Hotel ein künftiger Investor tragen müsse. Dennoch hat das Kloster mehrfach versucht, sich mit dem Architekten zu einigen und ei­ nen Rechtsstreit zu vermeiden. Jedoch ging der Architekt nicht auf das Entgegenkommen des Klosters ein und reichte schließlich Kla­ ge ein.

Sowohl das Landgericht München I als auch jetzt das Oberlandesgericht München haben festgestellt, dass kein Vertrag zwi­ schen Kloster und Architekt zustande ge­ kommen ist, der eine Honorarforderung des Archi­tekten gegenüber dem Kloster recht­ fertigt. »Eine konkrete Auftragserteilung konnte in der Beweisaufnahme durch keinen der Zeugen bestätigt werden.«, so die Rich­ ter des Oberlandesgerichtes in ihrer Urteils­ begründung. Damit haben die Richter die Rechtsauffassung des Klosters bestätigt.

Orgelpaten vom 1. 4. bis 15. 11. 2011

Lorenz Kleedörfer, Celine Probst, Henri­ ette Sophie Sohns, Carlotta Marie Sohns, Grobstaubfreunde, Jannis Spiegler, Bene­ dict Leijssen-Merz, Esther Merz, Christiane Schmullius, Dr. Lorenz und Martina Roll, Robert Batz, Richard Nobis-Wicherding, Elisabeth Wilp, Jonas Müller, Anneliese Marxmüller, Hubert Huber, Martin Benedikt Haas, Rolf Kraiger, Fredl Brechelmacher. Nähere Auskünfte über Orgel-Patenschaften unter: Tel.: 08152/376-312 Fax: 08152/376-267 freundeskreis@andechs.de www.andechs.de


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Neue Gottes­dienstzeiten

Abt Johannes beim Heilig-Blut-Fest in Bad Wurzach

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en Festgottesdienst und die Predigt beim diesjährigen Heilig-Blut-Fest am 8. Juli 2011 in Bad Wurzach hielt Abt Johan­nes. Schon um 7.00 Uhr in der Früh startete die Reiterprozession, bei der sich über 60 Blutreitergruppen bei regnerischem Wetter beteiligten. Um 10.30 Uhr zelebrier­ te Abt Johannes das Pontifikalamt und stell­ te seine Festpredigt unter das Motto »Liebe aus ganzem Herzen«. Er segnete über 1.500 Reiter und Pferde. Auch Salvatorianerpatres ritten bei den verschiedenen Gruppen mit: P. Leonhard Berchthold, P. Karl Niederer, P. Walter Winopal und P. Eugen Kloos.

Die Bergpredigt in diesem Jahr mit P. Matthias Hierlinger beendete den Fest­ tag. Der spontane Beifall nach dem Amen zeigte, dass seine Botschaft die Herzen der Zuhörer erreichte. Bereits am Tag zuvor fand auf dem Gottesberg der Salvatoria­ ner ein Gottesdienst für die Blutreiter und Wallfahrer statt und am Sonntag zuvor führte zum Auftakt eine abendliche Lich­ terprozession durch die Stadt Wurzach. Jährlich, immer am zweiten Freitag im Juli, findet das traditionsreiche Heilig-Blut-Fest mit über 1.500 Reitern und mehreren tau­ send Wallfahrern und Besuchern statt. Im Mittelpunkt des Festes steht die Verehrung der Heilig-Blut-Reliquie vom Gottesberg.

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ottesdienste finden in der Wallfahrts­ kirche ab dem 1. November 2011 an Sonntagen und kirchlichen Feiertagen zu fol­ genden Zeiten statt: 9.30, 11.00, 18.00 Uhr. Nach einer Erprobungsphase bis Ostern 2012 werden die neuen Gottesdienstzeiten dann noch einmal überprüft und dann fest­ geschrieben. Grund für die Anpassung ist die schon länger gemachte Erfahrung, dass im Winterhalbjahr zeitlich später angesetzte Gottesdienste besser besucht werden. Vorteil der neuen Regelung ist auch, dass bei länge­ ren Festgottesdiensten ein größerer zeitlicher Abstand zum nächsten Gottesdienst einge­ halten werden kann.


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Aus Kirche und Kloster

450 Schüler pilgern zum Heiligen Berg Wallfahrt der Tutzinger Benedictus-Realschule zum Benediktsfest am 11. Juli 2011

Der Himmel hing schwer und be­ drohlich grau über dem Fünfseen­ land, als sich 450 Schülerinnen und Schüler, Benediktinerinnen, Eltern, Lehrer und Begleiter gegen 7.45 Uhr vor der Pfarrkirche Sankt Joseph in Tutzing trafen. Nachdem die Schü­ ler sich im Unterricht schon auf die Wallfahrt vorbereitet hatten, war es nun endlich so weit: Nach einer kur­ zen Andacht mit einigen Gedanken wie man Gott suchen kann, spende­ te Pfarrer Brummer den Wallfahrts­ segen. Susanne Fedchenheuer ist den über 15 Kilometer langen Weg mitgegangen.

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ügig machten sich die einzelnen Klas­ sen nach den Jahrgangsstufen 5 bis 8 geordnet und von helfenden Eltern und Schwestern begleitet um 8.00 Uhr auf den Weg nach Andechs. Allen voran führte uns unser weißes Kreuz, das extra für diese Wall­ fahrt im Werkunterricht angefertigt worden war. Über mehrere Etappen, an denen man sich wieder sammelte und Getränke ange­ boten bekam, ging unser Weg über Traubing und Aschering, über Wiesen und Felder bis zum Sammelplatz kurz vor Andechs. Nach­ dem wir uns wieder sortiert hatten, folgte nun die letzte Etappe unseres 15,4 km lan­ gen Weges. Die Wolken hatten zwischenzeit­ lich ihr bedrohliches Grau verloren. Es hatte nicht einmal getröpfelt und auch die Tempe­ ratur war zum Wallfahren angenehm. Und nun lag der »Heiligen Berg« majestätisch vor uns und lud uns gleichsam ein.

Bei jedem Schritt lockerte der Himmel mehr und mehr auf, und nach dem letzten Anstieg waren wir bei strahlendem Sonnen­ schein vor der Wallfahrtskirche angekommen. Als krönenden Abschluss dieser Wallfahrt feierten wir zusammen mit Abt Johannes Eckert gemeinsam Eucharistie. Gegen 12.15 Uhr wurden die Schüler entlassen und von ihren Eltern abgeholt. Es stand auch ein Bus bereit, der einige Schü­ ler, Eltern und Lehrer zurück nach Tutzing brachte. In der Schule gab es dann für alle Helfer eine gemütliche Brotzeit mit Leberkä­ se und Kartoffelsalat. An dieser Stelle sei all den vielen helfenden Händen gedankt, die mitgewirkt haben, diese Wallfahrt zu organi­ sieren und durchzuführen.


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Beten mit den Füßen 300 Pilger aus Friedberg zogen betend und singend zum Heiligen Berg Andechs

(V.l.n.r.) Abt Markus Eller, Pilger­ leiter Franz Sonn­berger und Abt Johannes Eckert

Für die Friedberger hat diese Wall­ fahrt einen festen Platz im Jahres­ ablauf. So erfüllten auch 2011 wieder knapp 300 Pilger aus Fried­ berg das Gelöbnis aus dem Jahr 1599 und zogen betend und singend zum Heiligen Berg von Andechs. Immer am Montag in der Bittwoche ver­sammeln sich die Pilger um 6 Uhr in der Pfarrkirche St. Jakob zum Pro­­zes­sionsbeginn. Heuer wurden die Pilger gleich von zwei Äbten in Empfang genommen.

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uf dem Weg nach Andechs wird in der Kirche der Missions-Benediktiner von St. Ottilien eine geistliche Pause mit Wallfahrtsmesse eingelegt, bevor man den Fußweg nach Schondorf antritt. Von dort bringt das Linienschiff die Pilger nach Herr­ sching. Hier beginnt der Anstieg durch das Kiental zum Heiligen Berg. Heuer wurden die Pilger gleich von zwei Äbten in Empfang genommen. Neben dem Hausherrn Abt Johannes Eckert begrüßte Abt arkus Eller von Scheyern die Friedberger Wallfahrer. Letzterer weilte vor elf Jahren in der Friedberger Pfarrei St. Jakob zur Ausbil­ dung im Rahmen des Pastoraljahres. Hierbei lernte er die Friedberger Andechswallfahrt kennen und schätzen. Abt Markus freute sich sehr darüber, dass es ihm nach langer Zeit geglückt war, seinen Abtkollegen Johan­ nes zur Pilgerzeit der »Friedberger« in An­ dechs besuchen zu können. Den Abschluß des ersten Pilgertages bil­ det die Maiandacht in der Wallfahrtskirche.

Diese wurde heuer musikalisch vom Sän­ gerverein Friedberg umrahmt. Abt Johannes übergab zu Beginn der Maiandacht an Elfrie­ de Wackerl und Nobert Hartl für fünfund­ zwanzig Pilgerfahrten die Urkunde und die Ehrennadel. Der zweite Pilgertag auf dem Hl. Berg wurde mit einer Frühmesse eröffnet. Dann folgte mit Kaplan Marek SAC von Fried­ berg die Kreuzwegbetrachtung vom Erlinger Friedhof zur Wallfahrtskirche von Andechs. Um 13 Uhr hieß es Abschiednehmen vom Hl. Berg. Gegen Abend wurden die Pilger dann wieder freudig in Friedberg willkom­ men geheißen. Franz Sonnberger


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Aus der Brauerei

Ohne Hefe gärt gar nichts Warum man früher Bäcker für die besten Brauer hielt

Als das Bayerische Reinheitsgebot 1516 erlassen wurde, wusste nie­ mand etwas von der Bierhefe. Seit dem 17. Jahrhundert ist ihre Wirk­ samkeit bekannt, aber erst Louis Pasteur fand rund 200 Jahre später heraus, dass bei der Gärung winzige Organismen, die Hefepilze, betei­ ligt sind. Bis dahin galten mancher­ orts die Bäcker als geniale aber auch misstrauisch beäugte Bierkünstler. Alexander Reiss, Betriebsleiter der Klosterbrauerei, und Jürgen Scholz, Assistent der Betriebsleitung, zeich­ nen die Geschichte nach und beglei­ ten die Hefe auf ihrem Weg durch den Gärprozess.


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Obergärige Hefe unter dem Mikroskop

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ie alten Germanen waren der Über­ zeugung, dass bei der Gärung von Bier Wotans Spucke am Werke sei. Aber die­ se Spucke selbst herzustellen, daran scheiter­ ten unsere Vorfahren. Die Engländer halfen sich mit der Erklärung, dass »Gottesgut« das Bier gären lasse. Wieder anderer Ansicht wa­ ren die Schweizer, die für den gesamten Gä­ rungsprozess, schlicht und einfach Bierhexen verantwortlich machten. Für lange Zeit war auch die Meinung verbreitet, dass Honig das Bier zum Gären bringe. Bäcker – Braukünstler oder Zauberer?

Im Mittelalter gelangen, vorsichtigen Schät­ zungen zufolge, von zehn Versuchen, Bier zu brauen, oft nicht mehr als zwei. Mit heute sehr zweifelhaften Mitteln, versuchte man, der Gärung »auf die Sprünge« zu helfen. Ochsengalle, Safran oder Hirschhornsalz wa­ ren nicht die einzigen, allerdings nicht ein­ mal aus heutiger Sicht die unappetitlichsten Zugaben. Die Bäcker dagegen schienen mit der Gärung offenbar kaum Probleme zu ha­ ben. Sie brauten fröhlich »drauflos« und bei ihnen gelangen die Biere einfach. Und zwar so gut, dass das Braurecht oft und gerne an Bäcker vergeben wurde. Jedoch sahen sich die Bäcker immer wieder Vorwürfen ausge­ setzt, sie seien Hexer, Zauberer oder gar mit dem Teufel im Bunde. In dieser Zeit hatte man keinerlei Wis­ sen über Mikroorganismen. Damit war auch nicht klar, was sie als Nahrung verwerten können und was schließlich als Endprodukt ihres Stoffwechsels entsteht. Der Alkohol entstand durch »Spontangärung«. Je nach Umgebungsbedingungen konnten sich be­ stimmte Mikroorganismen vermehren. Die Bäcker hatten einfach Glück und beherberg­ ten die richtigen Hefekulturen in ihren Back­ stuben.

Vom Reinheitsgebot zur Hefereinzucht

Noch heute schwirren Abermillionen von mikroskopisch kleinen Hefezellen durch jede Bäckerei, die ein gutes Bier hervorbringen können. Aber als das bayerische Reinheits­ gebot 1516 vom bayerischen Herzog Wil­ helm IV. erlassen wurde, war die Bierhefe, wie gesagt, immer noch nicht bekannt. Rund einhundert Jahre später erkannte man zwar ihre Wirksamkeit, doch bis dahin sprach man immer noch von Fügung oder glücklichen Zufällen, wenn die Bierwürze tatsächlich zu gären begann. Seit dem 17. Jahrhundert wurde dann – mit dem Wissen um die Wirkung der Hefe – gezielt obergärig und untergärig gebraut. Ganz spezifische Stämme von Mikroorganis­ men für die Herstellung von alkoholischen Getränke zu verwenden, ist erst durch deren Entdeckung und systematische Erforschung möglich geworden. Louis Pasteur (1822– 1895), der berühmte französische Naturwis­ senschaftler und neben Robert Koch einer der Begründer der Mikrobiologie, fand um die Mitte des 19. Jahrhunderts heraus, dass bei der Gärung winzige Organismen beteiligt sind: die Hefepilze. Das sind mikroskopisch kleine Einzeller aus der Gruppe der Spross­ pilze. Diese Hefepilze arbeiten mit Enzymen, wie sie schon vom Mälzen her bekannt sind (vgl. den Beitrag »Kleines Feuer gibt süß’ Malz dem Bräuer« im Andechser Bergecho Nr. 2-2011).

Der dänische Botaniker Emil Christian Hansen (1842–1909) fand schließlich heraus, dass unter Hefe mehrere verschiedene PilzOrganismen zu verstehen sind und dass die einzelnen Stämme in Reinzucht kultiviert werden können. Diese Entdeckung legte die Basis dafür, dass den Braumeistern heute ei­ ne ganze Fülle von verschiedenen Hefesorten zur Verfügung stehen, die das Bier gären las­ sen und ganz entscheidend das Geschmacks­ bild der Biere prägen. Die Hefe – ein kleines Charakterbild

Systematisch gehört die Hefe zu den Pilzen. Die so genannte Brauereihefe gehört zur Gattung der Saccharomyces. Die einzelnen Stämme dieser Gattung unterscheiden sich durch ihr Gärvermögen und ihre Stoffwech­ selprodukte. In der Brauerei wird obergärige und untergärige Hefe verwendet. Typisch für die Brauereihefe ist ihre Ver­ mehrung durch Sprossung. Bei der Sprossung bildet sich an der Zelle eine Auswölbung, die sich zu einer kompletten Hefezelle entwi­ ckelt und sich dann abtrennt. Die ursprüngli­ che Zelle ist damit geklont. Die entstandenen Zellen haben exakt die gleichen Eigenschaf­ ten. Allerdings ist auch eine Vermehrung über die geschlechtliche Fortpflanzung in Form von Sporenbildung möglich. Dabei wird allerdings das Erbgut der Zelle neu ge­ schrieben und es können andere – auch un­ erwünschte – Hefeeigenschaften entstehen. Bei der so genannten Hefeherführung müs­ sen die Braumeister auf beste Bedingungen achten, damit die Gäreigenschaften der Hefe optimal ausgeprägt werden. Wo die Klosterbrauerei Hefe verwendet

Im Brauprozess wird natürlich nicht für je­ den Sud neue Hefe benötigt. Hefe vermehrt sich beim Brauen von selbst. Zudem wird


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Kräusenbildung bei der Verwendung von obergäriger Hefe

immer frische Reinzuchthefe zugesetzt. Der Braumeister sagt dazu »nachgeführt«. Am Ende des Gärprozesses können die Brauer – je nach Biersorte – etwa dreimal soviel Hefe abziehen, wie sie ursprünglich zur Würze am Beginn des Gärprozesses hinzu gegeben haben. Der Grund liegt darin, dass in der Würze neben Nährstoffeanteilen wie Eiweiß, Kohlhydrate, Spurenelemente und Vitaminen auch Sauerstoff vorhanden sind. Was die Hefe bewirkt

Nach der Abkühlung wird die Würze aus dem Sudhaus in die jeweiligen Tanks des Gärkellers gepumpt. Es ist die Kunst der Braumeister, die Hefegabe so zu bemessen, dass die Hefezellen »rechtzeitig«, ihre Tätig­ keit einstellen, um das gewünschte Gärergeb­ nis und Geschmacksbild zu erreichen. Dieses Ergebnis lässt sich erzielen durch die Abstim­ mung verschiedener Faktoren, zum Beispiel: n eine bestimmte Zusammensetzung der Bierwürze, d.h. Art und Menge von Zucker und Aminosäuren sowie das Verhältnis beider zueinander, n eine gezielte Belüftung der Würze mit Sauerstoff bei der Zugabe der Hefe, n die Verwendung eines ganz spezifischen Hefestammes in entsprechender Menge, n eine genaue Steuerung der Temperatur während und zum Ende der Gärung, n eventuell Druck auf den Gärtank.

Nach der Hefegabe beginnt für Würze und Hefe ein geradezu stürmisches Spiel. Malzzucker wird durch die Hefe in Alkohol und Kohlensäure umgewandelt. Im Einzel­ nen geschieht folgendes: Mit der Bierwürze stehen der Hefe neben den Einfachzuckern wie Glucose und Fructose hautsächlich die Maltose zur Verfügung. Glucose und Fructo­ se gelangen ohne weiteres Zutun in die Hefe­ zelle. Maltose wird aktiv hineintransportiert. Im Zellinneren bilden sich in einem chemi­ schen Prozess aus dem Zucker als Ausgangs­ stoff die Endprodukte Alkohol und Kohlen­ säure. Zudem gewinnt die Zelle Energie aus dem Prozess. Die Vermehrung der Hefe während der Gärung kann man grob in drei Phasen unter­ teilen: während der ersten, der so genannten »latenten Phase«, erfolgt noch keine Vermeh­ rung. Bei der zweiten, der »logarithmischen Phase«, vermehrt sich die Hefe exponenti­ ell. Bei der dritten »letalen« Phase geht die Vermehrung der Hefe durch den Mangel an Sauerstoff und durch den steigenden Anteil an Alkohol und Kohlensäure immer weiter zurück. Die untergärige Brauereihefe vergärt am besten bei Temperaturen unter 10°C und setzt sich mit fortschreitender Gärung immer mehr unten im Gärtank ab. Die obergärige Brauereihefe vergärt am besten bei Tempera­ turen um die 20°C. Bei der oben beschrie­

benen Sprossung trennen sich Tochter- und Mutterzelle nicht komplett voneinander ab. So bilden sich verzweigte zusammenhängen­ de Sprossverbände (so genannte »Kräusen«), die mit der Kohlensäure während der Gä­ rung mit nach oben steigen. Je mehr der Alkoholanteil im Bier bei die­ sem Vorgang zunimmt, um so weiter sinkt der Anteil des Malzzuckers ab. Mit der Wür­ zespindel hat der Braumeister diesen Prozess jederzeit im Blick. Nach einer ganz bestimm­ ten Anzahl von Tagen – auch dieser Zeitraum ist in den Rezepturen der Klosterbrauerei je nach Biersorte genau festgelegt – endet die Hauptgärung bei einem vorher festgelegten Alkoholgehalt des »Jungbieres«. Je nach Biersorte wird die Hefe mehrere Male geführt, d.h. für mehrere Gärungsvor­ gänge verwendet. Bis zum nächsten Gärvor­ gang wird die Hefe mit klarem Brauwasser gewaschen, gereinigt und in speziellen Hefe­ tanks bei Temperaturen nahe dem Gefrier­ punkt aufgewahrt. Die Klosterbrauerei An­ dechs züchtet zudem in besonders ausgeleg­ ten Behältern ihre Hefen selbstständig nach.


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Andechser Klosterbiere beim Richtfest für die Marienkapelle in Garatshausen

D Pfandflaschen als Werbemedium Klosterbrauerei Andechs unterstützt ungewöhnliche Aktion des Münchner Straßenmagazins BISS

Das Münchner Straßenmagazin BISS startete Anfang Oktober 2011, mit Un­ terstützung der Münchner Sozialreferentin Brigitte Meier, dem berühmten Barkeeper Charles Schumann, den »Sportfreunden Stiller«, den Tatort-Kom­ missaren Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl eine einzigartige Anwerbeakti­ on. Weil immer mehr Menschen in München von Armut bedroht sind, suchte BISS Mitarbeiter, die das monatlich erscheinende Straßenmagazin verkaufen. Mit der Aktion sollten mehr Bedürftige erfahren, welche Chance eine An­ stellung bei BISS bietet. Für diese Aktion stellte die Klosterbrauerei Andechs 2.500 leere Pfandflaschen zur Verfügung. Seit Beginn der Aktion konnte BISS über zehn neuen Verkäuferinnen und Verkäufern eine Perspektive bieten.

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ir bieten unseren Verkäufern die Möglichkeit, wieder an der Ar­ beitswelt teilzuhaben und sich etwas Eigenes aufzubauen« sagt Hildegard Denninger, Ge­ schäftsführerin von BISS e.V. »Da die Zahl derer, die sich aktiv an uns wenden und ge­ nau so eine Chance suchen, gesunken ist, möchten wir auf sie zugehen und um sie werben. Denn wir bieten heute noch bessere Perspektiven für unsere Mitarbeiter, als wir es 1993 zum Start von BISS konnten. Jetzt wendet sich BISS an eine perfekte Zielgruppe für den Job des Straßenzeitungsverkäufers: den Pfandflaschensammler. »Ob Arbeitslose, die anderswo keine Ar­ beit finden, oder ältere Menschen mit gerin­

ger Rente: Sie alle sind motiviert, ihren Le­ bensunterhalt durch eigene Arbeit und aus ei­ gener Kraft zu bestreiten. Wir möchten, dass diese Menschen von unserem Angebot hören und zu uns kommen, um im persönlichen Gespräch mit uns herauszufinden, ob BISS eine Alternative für sie ist« so Denninger. Dafür wurden Pfandflaschen mit spezi­ ellen Aufklebern versehen und im gesamten Stadtgebiet verteilt. Diese konnten dann von Flaschensammlern gegen das doppelte Pfand oder im Idealfall gegen eine baldige Festanstellung bei BISS eingetauscht werden. Ins­gesamt wurden etwa 5.000 beklebte Fla­ schen an öffentlichen Orten platziert.

er 15. Oktober 2011 war für viele Einwohner von Garatshausen ein beson­derer Tag: Richtfest für die neue alte Marienkapelle. Bei strahlendem Sonnen­ schein wurde im Rahmen einer feierlichen Zeremonie die blank polierte Kupferzwiebel auf dem kleinen Kirchturm befestigt. Mit vier Hektoliter Andechser Spezial Hell hat die Klosterbrauerei Andechs das Richtfest unterstützt, an dem mehrere hun­ dert Menschen teilnahmen. Viele Gäste würdig­ten diese beeindruckende Gemein­ schaftsleistung der Garatshausener. Nach dem die Marienkapelle 1966 dem Straßenbau weichen musste, wurde sie auf Betreiben des Kulturvereins Garatshausen e.V. in überwiegend ehrenamtlicher Arbeit wie­ der neu gebaut. Am 1. Mai 2010 hatte Bür­ germeister Bernhard Sontheim feier­lich den Grundstein zur neuen Marien­kapelle gelegt. Herzog Max in Bayern hat die Schirmherr­ schaft für den Neubau übernommen.


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Andechser Winterbier – auch zum Mitnehmen

Bräustüberl schenkt vom 11. November 2011 bis 19. März 2012 wieder Winterbier aus.

Inzwischen ist es gute Tradition auf dem Heiligen Berg: das Andechser Winterbier. Zwar stellt es die Kloster­ brauerei nach wie vor exklusiv und nur für den Ausschank im Andech­ ser Bräustüberl her. Aber seit dem 11. November können die WinterbierFreunde das dunkle und malzaroma­ tische Bier auch in einem klassischen Zwei-Liter-Biersiphon mit nach Hau­ se nehmen. Da es sich um ein keller­ trübes, also unfiltriertes Bier handelt, empfiehlt es sich, das Andechser Winterbier innerhalb von drei Tagen aufzubrauchen.

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en klassisch gestalteten Biersiphon mit dem Schriftzug des Klosters mit einem hochwertigen Bügelverschluss samt dem Andechser Wappen kann man zunächst leer an der Schänke für 14,90 Euro erstehen. Auffüllen lässt sich der Biersiphon immer wieder – auch mit dem Andechser Winter­ bier oder den anderen Andechser Kloster­bierSorten. Klassisch kellertrüb ist das speziell für die Zeit von Martini bis Josefi ausgeschenkte Winterbier. Darum stellt die Klosterbrauerei Andechs auch 2011 dieses beliebte Bier mit einem Stammwürzegehalt von 12,5 Vol % exklusiv für den Ausschank im Andechser Bräustüberl her. Nur dort wird das Win­ terbier vom 11. November 2011 bis zum 19. März 2012 ausgeschenkt – natürlich frisch vom Fass. Für das Winterbier verwenden die An­ dechser Braumeister ausschließlich Rohstoffe

aus Bayern: das dunkle Münchner Malz, den hochwertigen Hallertauer Aroma-Hopfen und frisches Brauwasser. Mit diesen Zutaten steht das Andechser Winterbier in der langen Tradition der klösterlichen Biere, die vor der Erfindung der Bierfiltration gegen Ende des 19. Jahrhunderts vor allem dunkel und malz­ aromatisch, unfiltriert und kellertrüb waren. All diese Eigenschaften weist das An­ dechser Winterbier auf. Gebraut wird es in einem traditionellen Maischverfahren. Dabei wird ein Teil der Maische im Maischebottich mehrfach schonend erhitzt und gekocht und danach der restlichen Maische wieder zuge­ führt. Dieses Kochen eines Maischeteils war früher üblich und nötig, da sich aufgrund minderer Malzqualität Eiweiß, Zucker, Mi­ neralien und Vitamine schlechter aus dem Gerstenmalz gelöst haben. Heute wird dieses Verfahren in der Klosterbrauerei dennoch an­ gewendet, obwohl es erheblich mehr Energie

und Zeit kostet. Damit erhält aber das An­ dechser Winterbier aber einen ausgeprägten Malzkörper und damit seinen unverwechsel­ baren Geschmack. Diese Geschmacksrichtung unterstrei­ chen die Andechser Braumeister noch da­ durch, dass das Andechser Winterbier un­ filtriert abgefüllt wird. Die natürlichen Trüb­ stoffe wie Eiweiß und Hefe erzeugen noch einmal ein eigenes Geschmacksbild und ein besonders angenehmes »Gaumengefühl« beim Trinken. Früher bekamen nur Brau­ meister und Bierbrauer die Möglichkeit, das Bier unfiltriert, als so genanntes »Zwickel­ bier«, zu probieren. Zwischen November 2011 und März 2012 können nun alle Gäste und Freunde des Andechser Bräustüberls diese besondere Andechser Bierspezialität auf dem Heiligen Berg genießen und im Bier­ siphon auch mitnehmen.


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Sahnig und mild schmecken sie, beson­ders gut auf dem Andechser Biertreberbrot der Hofpfisterei oder zu ofen­ warmen Brezn: die Andechser Frischkäsezubereitungen. Als Dipp zu knackigen Gemüse­ streifen schmecken die Frisch­ käsezubereitungen ebenso gut und sind obendrein kalorien­ arm. Was man sonst mit den Andechser Frischkäsezube­ reitungen kreieren kann, ver­ rät Swaantje di Pietro, Abtei­ lungsleiterin im Bräustüberl.

I nformationen

Andechser Frischkäsezubereitungen werden täglich frisch im Kloster An­ dechs hergestellt. An der Brotzeittheke des Bräustüberls gibt es sie ebenso wie Freitags während der Verkaufszeiten von 8 bis 11 Uhr in der Klostermetzgerei, dem Einzelhandelsgeschäft am Heiligen Berg. »Was wir selbst verarbeiten und veredeln können, das machen wir auch selbst«, nach dieser Devise haben die klösterli­ chen Wirtschaftsbetriebe am Heiligen Berg immer schon großen Wert darauf gelegt, möglichst viel im eigenen Hause herzustellen, und das nicht nur zur Eigen­ versorgung. In dieser Tradition stehen die Frischkäsezubereitungen des Bräustüberls. Die Zutaten kommen von einem Frisch­ käseproduzenten aus der Münchner Re­ gion und aus klösterlichen Gemüsegärten in Oberbayern und im Allgäu. Alle Verarbeitungsschritte bis hin zur Veredelung geschehen direkt am Heili­ gen Berg – Handarbeit im besten Sinne. Durch die eigene Frischkäsezubereitung kann das Bräustüberl jederzeit seine hohen Qualitätsstandards sicherstellen.

Neue Genießer-Rezepte mit den Andechser Frischkäsezubereitungen Zwiebelkuchen und Ofenkartoffeln Andechser Art

Herbstlicher Zwiebelkuchen Andechser Art n n n n n n

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Für den Teig 1 Würfel frische Hefe 500 g Mehl 220 ml lauwarme Milch 50 ml Öl 1 Prise Zucker 2 TL Salz Für den Belag 6 große Gemüsezwiebeln in dünne Ringe geschnitten 200 g Andechser Frischkäsezubereitung mit Frühlings­ zwiebeln und Schnittlauch 250 ml Sahne 4 Eier 300 g Andechser Klosterspeck gewürfelt oder dünn gestiftelt Paprikapulver edelsüß, Salz und Pfeffer, Kümmel ganz oder gemahlener Kümmel 200 g geriebenen Käse (z. B. : Bergkäse, Emmentaler, Gauda) oder Käsereste

Zubereitung Einen klassischen Hefeteig aus den Zutaten bereiten und wie üblich gehen lassen. Auf ein gefettetes Backblech ausrollen und dabei einen schönen Rand hochziehen und noch­ mals gehen lassen. In der Zwischenzeit die Andechser Frischkäsezubereitung mit den Eiern und der Sahne zu einer homogenen Masse verrühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Zwiebelringe und den Andechser Klosterspeck auf dem Teigboden verteilen, die Käseeiersahne gleichmäßig darüber gie­ ßen und den Reibekäse darüber geben. Mit etwas Paprikapulver und Kümmel nach Be­lieben bestreuen. Im vorgeheizten Back­ ofen auf der unteren Schiene bei 200 °C (ca. 180 °C Umluft) ca. 30 Minuten lang backen, bis der Zwiebelkuchen eine schöne goldbraune Färbung bekommt. Dazu passt ein gut gekühltes Andechser Klosterbier.


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Gefüllte Kartoffeln Andechser Art Zutaten n 6 große fest kochende Kartoffeln (eventuell Rest vom Vortag) n 200 g Andechser Frischkäsezubereitung mit Frühlingszwiebeln und Schnittlauch n 100 g Bergkäse grob gerieben (auch Emmentaler oder Käsereste) n 2 Eigelbe n Salz, Pfeffer, Muskat nach Belieben Zubereitung Die Kartoffeln waschen, bürsten und mit der Schale kochen, bis sie weich sind (je nach Größe). Inzwischen die Andechser Frisch­

käsezubereitung mit dem geriebenen Berg­ käse, den Eigelben, Salz, Pfeffer und einem Hauch Muskat verrühren. Nun die Kartoffeln der Länge nach hal­ bieren. Mit einem Löffel vorsichtig aushöh­ len, dabei einen Rand stehen lassen. Die Käsemasse mit dem zerdrückten Kartoffelin­ neren mischen. Die Masse nun in die Kartof­ feln füllen, in eine Auflaufform oder auf ein Backblech setzen und im vorgeheizten Back­ ofen bei 200°C (Umluft 180°C) ca. 20 Min. backen, bis der Käse geschmolzen ist. Begleitet von einem kühlen Andechser Klosterbier schmecken diese Ofenkartoffeln hervorragend zu einem knackigen Salat oder zu Räucherfisch.


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Die Enten Stub’n der Familie Fuchs Liebe zum Detail, vereint mit Geschmack und Kreativität bietet das Restaurant in Dietfurt bei Treuchtlingen

Ein altes fränkisches Bauernhaus – mit sehr viel Liebe und Geschick renoviert – ist Heimat der Enten Stub’n. Bereits von außen ist es eine Augenweide. Im Inneren wird der erste Eindruck noch übertroffen. Viel Liebe zum Detail, vereint mit Geschmack und Kreativität auf Schritt und Tritt. Da können An­ dechser Klosterbiere nicht fehlen.

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ie »Enten Stub’n« der Familie Fuchs ist in der Nähe von Treuchtlingen zu finden – in Dietfurt, direkt an der Bun­ desstraße, wo diese die Altmühl kreuzt. Der Gast wird empfangen von einer Atmosphäre, die nur mit zauberhaft beschrieben werden kann: Loderndes Holz im Kachelofen, eine Einrichtung im Stil einer alter fränkischen Bauernstube, sowohl mit originalen als auch originellen Einrichtungs- und Gebrauchsge­ genständen. Hier begegnet man der Liebe U nser T ipp

Die Enten Stub’n liegen direkt am Rad­weg zwischen Treuchtlingen und Pappenheim – an der B2. Ein schöner Ausgangspunkt für reizvolle Boots-, Wan­ der- und Radtouren entlang der Altmühl oder für Ausflüge ins fränkische Seen­ land oder in den Naturpark Altmühltal. Das Dörfchen Dietfurt ist ein Ortsteil von Treuchtlingen, dem Erholungsort mit Heilquellen-Kurbetrieb.

zum Detail. Der Spagat zwischen beeindru­ ckend stilvoll und nicht zu überladen ist auf besondere Art und Weise gemeistert. Diese Stimmung prägt auch das Service­ personal: spürbare Herzlichkeit, immer freundlich und zuvorkommend, stets den Gast und sein Wohlergehen im Auge, ohne aufdringlich zu wirken. Der Gruß der Küche, z.B. Gebeizter Lachs auf Graupensalat, ist das Pünktchen auf dem »i«. Die Speisekarte ist sehr vielfältig und abwechslungsreich und bietet für jeden Ge­ schmack etwas. Der Reigen spannt sich von fränkischen Schmankerln über internationale Gerichte bis zu Desserts wie Kirschenmichel oder Hollerküchle. Besonders erwähnt wer­ den muss, dass das Restaurant einen wech­ selnden kulinarischen Kalender bietet, der besondere Aktionsessen bzw. spezielle Tagesoder Saisonalgerichte offeriert. Bei unserer Speisenauswahl hatten wir uns für eine kräftige Entenbrühe, gebrate­ ne Entenleber und den Grillteller des Hau­ ses entschieden. Frische Zutaten von bester Qualität in den Händen eines kochenden Könners führten zu dem, was uns serviert wurde: Spitzengerichte von geschmacklicher Perfektion und verlockend angerichtet. Dazu gibt es u. a. frisch gezapftes Andechser Voll­ bier Hell und Andechser Dunkel und Doppel­ bock Dunkel in der Flasche. Zusätzlich zum Restaurant wurde das Dachgeschoss zum schönen Kaminzimmer umgebaut und bietet ausreichend Platz für bis zu 40 Personen – also auch bestens ge­ eignet für Familienfeiern. So richtig gemüt­

lich ist es auch draußen auf der überdachten, verglas­ten und windgeschützten Sonnen­ terasse. Selbst bei Wind und Regen kann man hier in aller Ruhe essen und genießen.

K ontakt

Restaurant Enten Stub’n Inhaber: Christian Fuchs Unterdorf 2 91757 Treuchtlingen/Dietfurt Tel: 09142/6707 info@entenstube.de www.entenstube.de Öffnungszeiten: November 2011 – März 2012: Mi. bis Fr. : 17.30 – 23.00 Uhr (warme Küche bis 22.00 Uhr) Sa.: 11.30 – 23.00 Uhr (warme Küche bis 22.00 Uhr) So.: 11.30 – 21.30 Uhr (warme Küche bis 20.30 Uhr)


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Stilvoll genießen Das Felder’s – Restaurant /Café /Bar in Siegburg

Das Felder’s in Siegburg kann bereits auf eine lange Tradi­tion zurückblicken. Zentral am Europaplatz liegt das Restaurant und ist deshalb für Kinobesucher, Citybummler, Nachtschwärmer, Geschäftsleute, aber auch für Reisende eine gern besuchte Adresse. Andechser Weißbier rundet die Getränkekarte ab.

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eit 2004 führt Sven Trautwein das Felder’s als Restaurant/Café/Bar. Ein stilvolles Ambiente im »Grünen Salon« – mit Marmorsäulen, Palmen und Kronleuchtern ausgestattet – oder der alte Spiegelsaal – ein­ gerichtet mit Stühlen in einem kräftigen Rot und großen Spiegeln – erinnern an die prachtvolle Vergangenheit. Im Sommer bietet auch die Terrasse ein angenehmes Plätzchen zum Verweilen. Die mediterrane Küche und eine Spitzen­ auswahl an Weinen – aber auch eine Selek­ tion an Bieren, darunter das »Andechser Weißbier hefetrüb« (vom Fass und aus der Flasche) locken die Gäste zu einem genuss­ vollen Aufenthalt. Für den Mittagstisch bietet das Felder’s eine spezielle Karte an. Für Feste und Feiern haben Sven Traut­ wein und seine Mitarbeiter ein besonderes Gespür, gleichgültig ob Geburtstag, Hochzeit, Betriebsfeier oder ob man einfach einmal mit Freunden und Familie feiern möchte. Natür­ lich bietet das Felder’s auch hier viele Mög­ lichkeiten. Bis zu drei in ihrer Gestaltung sehr unterschiedliche, aber stilvolle Räume

können miteinander kombiniert werden, so dass bis zu 100 Freunde, Bekannte oder Ge­ schäftspartner bei einem individuell arran­ gierten Buffet oder Menü einen besonderen Tag erleben werden. Frühstücken im Felder’s ist noch einmal ein Erlebnis für sich. Ab 10 Uhr steht das umfangreiche Büffet bereit. Ob deftig und süß, warm und kalt, für den kleinen oder großen Hunger: für jeden Geschmack ist etwas dabei. Und familienfreundlich ist’s obendrein. Für Kinder bis 5 Jahre ist das Büffet kostenfrei und bis zum vollendeten 12. Lebens­jahr zahlt man für den Nachwuchs nur 5 Euro. Die Kreisstadt Siegburg besitzt übrigens ein vielfältiges Angebot an Kulturveranstal­ tungen und Freizeitmöglichkeiten. Kunst-, Musik- und Literaturbegeisterten bieten sich hier anspruchsvolle Ausstellungen und Kon­ zerte, Lesungen und Theateraufführungen. Bedingt durch das reiche Tonvorkommen wird bereits seit dem 12. Jahrhundert getöp­ fert. Die Abtei auf dem Michaelsberg prägt imposant das Stadtbild.

K ontakt

Felder’s Wilhelmstraße 56 53721 Siegburg Tel: 02241/592080 www.felders.de Öffnungszeiten Montag bis Freitag: ab 11.00 Uhr Samstag: ab 17.00 Uhr Sonntag: ab 10.00 Uhr kein Ruhetag


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Der Publikumsliebling kommt zurück Carl Orffs ›Bernauerin‹ in einer Neuinszenierung bei den Carl Orff­Festspielen Andechs 2012

Benjamin Appl als ›Der König‹ (Die Kluge, 2011)

Karten­ f vorverkau Beginn ab ärz 2012 Fe b r u a r / M

Münchner Rundfunkorchester bei den Carl Orff-Festspielen Andechs 2011

E Kaum gingen die diesjährigen Carl Orff­Festspiele zu Ende, sind die Planungen für die Saison 2012 in vollem Gange.

röffnet werden die Festspiele am 31. Mai mit der Wiederaufnahme von Carl Orffs »Die Kluge«. Somit erhält jeder, der aufgrund der großen Kartennach­ frage die Inszenierung von Marcus Ever­ ding, dem Künstlerischen Leiter der Fest­ spiele, in diesem Jahr nicht sehen konnte, 2012 eine neue Chance. Am 17. Juni gastiert außerdem erneut das Münchner Rundfunkorchester unter der Leitung von Prof. Ulf Schirmer im An­ dechser Florian­Stadl.

Der in diesem Jahr so beliebte Kammer­ musik­Abend der »Andechser ORFF®­ Akademie des Münchner Rundfunkorches­ ters«, eben auch ein besonderes Anliegen der jungen Musiker, bleibt dem Festspiel­ publikum 2012 ebenso nicht vorenthalten. Höhepunkt und Abschluss bildet im Juli Everdings Neuinszenierung eines Klassikers, der nach Andechs gehört wie der »Jeder­ mann« nach Salzburg: Carl Orffs »Bernau­ erin«. Christian von Gehren dirigiert die »Andechser ORFF®­Akademie des Münchner Rundfunkorchesters«.


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S pielplan der C arl O rff- F estspiele A ndechs 2 012

Carl Orff: Die Kluge (Wiederaufnahme) Premiere Donnerstag, 31. Mai 2012, 20.00 Uhr Freitag, 1. Juni 2012, 19.00 Uhr Samstag, 2. Juni 2012, 19.00 Uhr Sonntag, 3. Juni 2012, 16.00 Uhr Gastkonzert des Münchner ­Rundfunkorchesters (Programm wird noch bekannt gegeben) Sonntag, 17. Juni 2012, 16.00 Uhr Kammerkonzert mit den Akademisten der Andechser ORFF Akademie des Münchner Rundfunkorches­ ters (Programm wird noch bekannt gege­ ben), 13. Juli 2012 Bele Kumberger als ›Die Kluge‹ (Die Kluge, 2011)

Carl Orff: Bernauerin (Neuproduktion) Musikalische Leitung: Christian von Gehren Inszenierung: Marcus Everding Bühne und Kostüme: Thomas Pekny Es spielt die Andechser ORFF-Akademie des Münchner Rundfunkorchesters Premiere Donnerstag, 19. Juli 2012, 20.00 Uhr Freitag, 20. Juli 2012, 19.00 Uhr Samstag, 21. Juli 2012, 19.00 Uhr Sonntag, 22. Juli 2012, 16.00 Uhr Donnerstag, 26. Juli 2012, 20.00 Uhr Freitag, 27. Juli 2012, 19.00 Uhr Samstag, 28. Juli 2012, 19.00 Uhr Sonntag, 29. Juli 2012, 16.00 Uhr


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Te r m i n e u n d V e r a n s ta lt u n g e n

Colloquium Benedictinum® Auszug aus dem aktuellen Programm

I nformationen

Fragen zum Colloquium Benedictinum ® beantworten gerne: P. Anno Bönsch, Leiter des Programms; Emma Rasch, Sekretariat Telefon 089/55171-112 Bürozeiten: Montag, Dienstag und Donnerstag, 8 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr, Mittwoch, 8 bis 12 Uhr

Colloquium Benedictinum Wie heute von Gott sprechen … In seiner Regel beschreibt Benedikt den Mönch nicht als einen, der Gott gefunden hat, sondern als einen, der wahrhaft Gott sucht (vgl. RB 58,7). Dies scheint ein Anknüpfungspunkt zu sein, wenn wir heute in unserer Gesellschaft zahlreiche religiöse Suchbewegungen wahrnehmen. Schon lange haben die Kirchen das Mono­ pol für die Gottesfrage und den Glauben verloren. Dabei ist der Gottesbegriff diffus geworden. Viele sprechen lieber vom Göttlichen oder der göttlichen Kraft, die sie spüren und erleben. Das »personale Du«, der ansprechende und ansprechbare Gott der Bibel dagegen tritt häufig in den Hintergrund. Und wie ist es bei Ihnen: Wie sprechen Sie über oder gar mit Gott? Das Colloquium Benedictinum will sich

der Frage »wie heute von Gott sprechen« stellen. An vier Vortragsabenden in der Fastenzeit 2012 werden namhafte Referen­ ten aus ihren Perspektiven dieser Thema­ tik nachgehen. Dies soll dann im Novem­ ber 2012 vertieft werden. Denn eines steht fest: Gottsuche ist spannend, da sie vom Menschen ausgeht und bei ihm endet. Dazu laden wir sie herzlich ein!

Dienstag, 13. März 2012, 20 Uhr Zentrum Sankt Bonifaz, Saal n Wie

heute von Gott sprechen –

in säkularer Gesellschaft?

Referent: Bernhard Meuser, Geschäfts­ führer des Sankt Ulrich Verlages Dienstag, 20. März 2012, 20 Uhr Zentrum Sankt Bonifaz, Saal n Wie

heute von Gott sprechen –

im Zeichen der Kirchenkrise?

Dienstag, 6. März 2012, 20 Uhr Zentrum Sankt Bonifaz, Saal n Wie

Referent: Alois Glück, Präsident des Zentral­komitees der deutschen Katholiken

heute von Gott sprechen –

mit enttäuschten Katholiken

Referent: Prof. Dr. Sabine Demel, Universität Regensburg, Lehrstuhl für Kirchenrecht

Dienstag, 27. März 2012, 20 Uhr Zentrum Sankt Bonifaz, Saal n Wie

heute von Gott sprechen –

im nichtchristlichen Umfeld?

Referent: Dr. Joachim Wanke, Bischof von Erfurt


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OBLATENGEMEINSCHAFT Sankt Bonifaz Montag, 9. Januar 2012, 20 Uhr Zentrum Sankt Bonifaz, Saal n Die

Weisheit von Märchen

Herr Herwig Kepka hat langjährige Erfahrung in der Interpretation von Märchen der Welt. Vielen Menschen hat er mit der lebensfördernden Deutung der Märchen geholfen. Referenten: Altabt Dr. Odilo Lechner OSB und Herwig Kepka

Forum Philosophie Montag, 16. Januar 2012, 20 Uhr Zentrum Sankt Bonifaz, Gruppenraum n Philosophischer

Frauen und Männer, die in der Welt aus dem Geist der Regel des heiligen Benedikt leben wollen und sich unserem Kloster Sankt Bonifaz verbunden wissen, bilden die Gemeinschaft der Oblaten. Sie treffen sich einmal im Monat, ge­­ wöhnlich am 3. Sonntag nach dem Konvent­amt, ca. um 10 Uhr. Das Amt beginnt um 9 Uhr. Ebenso findet einmal im Jahr ein Herbstwochenende in Andechs statt. Interessenten an dieser Form benediktinischer Verbundenheit sind herzlich eingeladen am Sonntags­ treffen im Januar 2012 (15. Januar 2012, ca. 10 Uhr) teilzunehmen, um sich näher informieren zu können.

Lesekreis

Die Suche nach Gott in der deutschen Mystik – von Meister Eckart bis

KONTEMPLATION

Nicolaus von Cues

Referenten: Altabt Dr. Odilo Lechner OSB, Dr. phil. Dr. theol. Richard Schneider

Montags, 17.30 Uhr bis 19.30 Uhr Zentrum Sankt Bonifaz, Krypta n ›An

ruhige Wasser führt Er mich‹

(Psalm 23,2)

VORWEIHNACHTLICHER BESINNUNGSTAG AM 4. ADVENTSONNTAG 2011 Sonntag, 18. Dezember 2011, 15 Uhr bis 18 Uhr, Zentrum Sankt Bonifaz, Gruppenraum n Gottes

Menschwerdung – Gottes Demut

Leitung: Altabt Dr. Odilo Lechner OSB

VORÖSTERLICHER BESINNUNGSTAG AM PALMSONNTAG Palmsonntag, 1. April 2012, 15 Uhr bis 18 Uhr, Zentrum Sankt Bonifaz, Gruppenraum n Zwischen

Karfreitag und Ostern –

die vergessene Stille

Leitung: Altabt Dr. Odilo Lechner OSB

Gemeinsames Üben in Schweigemeditation Leitung: Oskar Brandner, Tel.: 089/3243120 Montags, 9. Januar 2012 bis 19. März 2012 (10mal), 20 Uhr bis 21 Uhr Zentrum Sankt Bonifaz, Krypta n Qi-Gong

›Ruhe in der Bewegung –

Bewegung in der Ruhe‹

Es sind Übungen zur Entfaltung der Selbstheilungskräfte, zur Gesunderhaltung und Kräftigung, zur Pflege der jedem Menschen innewohnenden Lebensenergie. Es sind leichte Übungen, die von jeder­ mann aus­geführt werden können. Bitte bequeme Kleidung mitbringen. Leitung: Oskar Brandner, Tel.: 089/3243120, Kosten: 80 Euro

Samstag, 10. März 2012, jeweils 9 Uhr bis 13 Uhr und 14 Uhr bis 17 Uhr Zentrum Sankt Bonifaz, Saal n Meditationstag

›Das Herz ist von Natur aus ruhig‹

Einführung in stilles Sitzen und gegen­ standslose Meditation (aus der Tradition christlicher Kontemplation und des Zen) Leitung: Oskar Brandner, Tel.: 089/3243120, Kosten: 25 Euro pro Tag

REISEN IN KUNST UND KULTUR Südwestfrankreich

Mittwoch, 14. Dezember 2011, 20 Uhr Zentrum Sankt Bonifaz, Saal n Zwischen

Les Landes, Armagnac

und den Pyrenäen

Referent: Richard K. Blasy Mittwoch, 18. Januar 2012, 20 Uhr Zentrum Sankt Bonifaz, Saal n Romanik

in den Pyrenäen

Referent: Richard K. Blasy Dienstag, 7. Februar 2012, 20 Uhr Zentrum Sankt Bonifaz, Saal n Religiöse

Symbole – Fenster

in eine andere Welt

In einer Zeit, die den Menschen mit Bildern geradezu überschüttet, spielt im religi­ösen Bereich das Bild bestenfalls noch eine untergeordnete Rolle. Damit geht auch das Wissen um die Symbole, diese »Piktogramme« unseres Glaubens, und das Verständnis für ihre Bedeutung verloren. (Wer kann heute noch die versteckten Hinwei­se an einem romanischen Portal oder die vielfachen Andeutungen in einem go­tischen Gemälde »lesen«?). Den überlieferten Reichtum dieser Symbo­ lik ins Bewusstsein zu heben, sie ins rechte Licht zu rücken, soll Ziel des Vortrags sein. Referent: Raymund Hürland


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Te r m i n e u n d V e r a n s ta lt u n g e n

Konzerte in Sankt Bonifaz

Facetten italienischer Städte: Geschichte, Architektur und Stadtbaukunst

Zahlreiche Städte Italiens liegen am Ort römischer Vorgänger, deren orthogonales Planschema sich noch heute dort erken­ nen lässt. Standen im frühen Mittelalter vielerorts Bischöfe den Stadtgemeinden vor, so entfalteten sich etliche davon im Hochmittelalter zu freien Stadtrepubliken, in denen danach einzelne Adelsfamilien – als sogenannte »Signorien« – die Herr­ schaft an sich ziehen konnten, um letzt­ lich dem Machtbereich der Päpste und der Habsburger eingegliedert zu werden.

Sonntag, 17. Dezember 2011, 16.30 Uhr Basilika Sankt Bonifaz n Adventliches

Orchester Sankt Bonifaz

Werke von Albinoni, Corelli, Händel, Tschaikowsky, Vivaldi, u. a. Kinder-Konzertorchester Sankt Bonifaz, Leitung: Johannes Zahlten Eintritt frei, Spenden erbeten Freitag, 6. Januar 2012, 16.30 Uhr Basilika Sankt Bonifaz n Konzert

Mittwoch, 15. Februar 2012, 20 Uhr Zentrum Sankt Bonifaz, Saal n Turin

zwischen Römerzeit und Spätbarock

Referent: Richard K. Blasy Mittwoch, 14. März 2012, 20 Uhr Zentrum Sankt Bonifaz, Saal n Bologna

zwischen Mittelalter

Konzert mit dem KiKo-

zum Abschluss

der Weihnachtszeit

Motetten und Orgelwerke von Hans Leo Hassler, Orlando di Lasso, Johann Sebastian Bach, Josef Gabriel Rheinberger, César Franck, u. a. Vocalsolisten Sankt Bonifaz; Martin Fleckenstein, Orgel Eintritt: 10 Euro

Sonntag, 25. März 2012, 16.30 Uhr Basilika Sankt Bonifaz n Musikalischer

Kreuzweg

Abt Dr. Johannes Eckert OSB, Texte Michael Hartmann, Orgel Eintritt: 10 Euro Karfreitag, 6. April 2012, 20 Uhr Basilika Sankt Bonifaz n Meditatives

Konzert zum Karfreitag

Altabt Dr. Odilo Lechner OSB, Meditation David Frühwirth, Violine; Guido Gärtner, Violine; Johannes Zahlten, Viola; Rupert Buchner, Violoncello Eintritt: 15 Euro, ermäßigt 12 Euro Martin Fleckenstein Karlstr. 34, 80333 München Tel.: 089/55171210 www.sankt-bonifaz.de www.stiftskantorei-sankt-bonifaz.de

und Spätbarock

Referent: Richard K. Blasy

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›Jauchzet, frohlocket‹ Weihnachtsoratorium I – III + VI von J. S. Bach am 17. und 18. Dezember 2011 im Andechser Florian-Stadl

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chon die ersten fünf Paukenschläge des Eingangschores »Jauchzet, froh­ locket« können die Zuhörer weihnachtlich stimmen. Neben den Pauken und glanzvol­ len Trompeten tragen auch die feintönigen Klänge der Pastorale und der warmen AltArie »Schlafe, mein Liebster« zur Beliebtheit von Johann Sebastian Bachs Weihnachtsora­ torium bei. »Lasset das Zagen, verbannet die Klagen. Stimmet voll Jauchzen und Fröhlichkeit ein«, singt der Chor. Kann es eine schönere, gülti­ gere Weihnachtsbotschaft geben? Für die traditionellen Weihnachtskonzer­ te des Andechser Mozart Vokal Ensembles am vierten Adventswochenende konnten in diesem Jahr mit Antje Bitterlich, Alexandra Petersamer, Christian Zenker und Martin Da­ nes hochkarätige Solisten gewonnen werden. Das Orchester »Ensemble Lodron« spielt un­ ter der Leitung von Anton Ludwig Pfell.


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Te r m i n e u n d V e r a n s ta lt u n g e n

›Leben mit der Heiligen Schrift‹ Andechser Bibelabende

Seit November 2011 gestaltet Pfar­ rer Richard Tyroller wieder die Reihe der Andechser Bibelabende. Der ehe­ malige Pfarrer aus Pähl ist mit dem Fünfseenland und dem Heiligen Berg eng verbunden. Schwerpunkt der Reihe ist das Johannesevangelium.

W

er sich mit dem christlichen Glau­ ben auseinandersetzen will, muss seine Wurzeln kennen. Pfarrer Tyroller möchte diese Wurzeln zusammen mit den Teilnehmern im Rahmen der Andechser Bibelabende wieder neu aufzeigen. In seiner Missionszeit mit dem Nomadenstamm der Gabbra – es war Erstevangelisierung unter den neuen Vorzeichen des Konzils – war das Evangelium nach Johannes das WORT. Pfarrer Richard Tyroller war für sechs Jahre zusammen mit Richard Steiner in Mityana/Uganda, dann für 21 Jahre – zu­ sammen mit seinem Bruder Xaver – beim

Nomadenstamm der Gabbra im Norden Kenyas. Anschließend arbeitete er für zwölf Jahre als Pfarrer in der Pfarreiengemeinschaft Raisting/Pähl und wohnt nun seit zwei Jah­ ren in Frieding. Die Bibel hat er neu zu lesen begonnen als Missionar bei den Gabbra, wo er das Wort Gottes so verkündigen musste, dass es sich wirklich inkarnieren, d. h. »Fleisch anneh­ men« konnte. So durfte er – nach eigenen Worten – selbst noch einmal »Christ« werden.

TERMINE

Dienstag, 6. Dezember 2011, 19.00 Uhr Kloster Andechs – Fürstentrakt Dienstag, 10. Januar 2012, 19.00 Uhr Kloster Andechs – Fürstentrakt Dienstag, 7. Februar 2012, 19.00 Uhr Kloster Andechs – Fürstentrakt


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Ich finde meinen Platz für Dich – Trauerseminar Ein Tag zum Zurückschauen und nach vorn Blicken

Das Nikolauskolleg im Kloster An­ dechs veranstaltet am 10. März ein Trauerseminar unter der Leitung der beiden erfahrenen Seelsorgerin­ nen und Traumatherapeutinnen, Renate Ilg und Sigrid Kaindl-Pohl.

E

in geliebter Mensch ist gegangen. Der Platz, den er eingenommen hat, bleibt leer. »Loslassen« raten die ei­ nen. »Abschied­nehmen« sagen die anderen. Noch andere sagen: »Damit wird man nie fertig!« Vieles muss nun allein bewältigt wer­ den. Es braucht neue Entscheidungen, die ohne den anderen getroffen werden müs­ sen. Wie schwer das ist, weiß jeder, der das selbst durchlebt. Zwischen »Nicht-mehr« und »Noch-nicht« will jeder Tag bestanden werden. Das erscheint zeitweise unendlich mühsam. Wie findet sich ein neuer Weg, wenn alles andere so bleiben soll, wie es war und nichts mehr so ist, wie es war? Wenn sich das ganze Leben verändert, wie finde ich dann darin meinen Platz für den oder die geliebte/n Verstorbene/n? Auch man selbst ist aufgefordert, eine neue Mitte zu finden, das Leben nicht mehr aus der Paar-Perspek­ tive zu sehen, sondern »nur« mit eigenen Augen.

W eiter I nfos

Leitung Renate Ilg, Diplom-Theologin, Pastoral­ referentin, Krankenhausseelsorgerin, Super­visorin, Traumaberaterin Sigrid Kaindl-Pohl, Diplom-Theologin, Krankenhausseelsorgerin, Supervisorin DGSv, Gestalttherapeutin (Psychotherapie HPG)

Wir geben in diesem Seminar der Trauer Raum, suchen Kraftquellen für schwere Zei­ ten, Freude in der Erinnerung, und suchen eben »meinen Platz« für den oder die gelieb­ ten Verstorbenen. An diesem Tag in Andechs begegnen Sie anderen Menschen in einer ähnlichen Situation. Es gibt Zeiten der Stille, wohltuende Bewegung, Austausch im Ge­ spräch und hilfreiche Impulse. Am Ende feiern wir einen gemeinsamen Gottesdienst in der Hedwig-Kapelle der An­ dechser Wallfahrtskirche.

Termin Samstag, 10. März 2012, 9.00–18.30 Uhr Veranstalter Nikolaus-Kolleg im Kloster Andechs Anmeldung bis 5. März 2012 Nikolaus-Kolleg im Kloster Andechs Bergstraße 2, 82346 Andechs Fax: 08152/376-267 nikolauskolleg@andechs.de Kosten 15 Euro pro Person. Vor Seminar­ beginn bitte überweisen auf Konto: Kloster Andechs – Nikolaus-Kolleg, Kto.-Nr.: 102 724 82; BLZ 702 501 50 Bank: Kreissparkasse München-Starnberg


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Te r m i n e u n d V e r a n s ta lt u n g e n

Tage für Männer im Kloster 3. bis 5. Februar 2012

Unter dem Motto: »Damit alles zur rechten Zeit geschieht«, ein Zitat aus dem 47. Kapitel der Benediktsregel, laden die Mönche zu Tagen für Männer ab 35 Jahren ins Kloster Andechs ein.

D

ie Zeit möchte anregen, die Bene­ diktsregel als eine persönliche An­ leitung zu einem maßvollen Leben kennen zu lernen. Es besteht die Möglichkeit, den Tagesrhythmus der Mönche mit zu leben und sich gemeinsam mit ihnen auf den Sonn­ tag vorzubereiten. Der heilige Benedikt schreibt im Kapitel 53 seiner Regel: »Alle Fremden, die kommen, sollen aufgenommen werden wie Christus«. Gastfreundschaft hat auf dem Heiligen Berg viele Gesichter. Durch gemeinsames Gebet, geistlichen Gesang, Gespräche, Meditationen und gemeinsame Mahlzeiten kann der Gast die Aufnahme in eine Gemeinschaft und die Kraft, die davon ausgeht, erleben.

W eiter I nfos

Beginn 3. Februar 2012, 17 Uhr Ende 5. Februar 2012 nach dem Mittagessen Teilnehmeranzahl max. 12 Personen Teilnehmerbeitrag 100 Euro, Unterkunft inkl. Übernachtung und Vollpension. Bitte vor Veranstaltungs­ beginn überweisen auf das Konto: Kloster Andechs – Nikolaus-Kolleg Kontonummer: 102 724 82 Kreissparkasse München-Starnberg Bankleitzahl: 702 501 50 Kontakt und Anmeldung Gastmeister Frater Lambert Stangl Tel: 08152/376-253, Fax: 08152/376-267 nikolauskolleg@andechs.de


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Vergebung als Chance. Versöhnt neu ins Leben finden Seminar vom 30. April bis 4. Mai 2012 mit Dr. Georg Beirer

»Vergebung als Chance. Versöhnt neu ins Leben finden« ist Thema ei­ nes Seminars im Kloster Andechs vom 30. April bis 4. Mai 2012. Es wendet sich vor allem an Menschen, die hauptamtlich in der Seelsorge tätig sind. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie der Weg der Vergebung in Seelsorge und geistlicher Begleitung so gestaltet werden kann, dass er wirklich befreiend wirkt.

K

irche und Gesellschaft sind derzeit höchst sensibel für zugefügte Verlet­ zungen, destruktive Lebenserfahrungen und seelische Kränkungen. Aber auch Schwä­ chen, Gebrochenheit und Schuld im eigenen Leben sind eine Chance, sich mit sich selbst und der eigenen Geschichte auseinander zu setzen und Veränderung zu erfahren. Es geht darum, mit sich selbst versöhnt zu leben, sich in die Vergebung einzuüben und sich auch mit der Bitte um Vergebung auseinanderzusetzen. Diese Haltungen ent­ scheiden über eine geglückte Existenz, über das gemein­schaftliche Miteinander und die Glaubwürdigkeit christlichen Lebens. Die Menschen, die die frei machende Botschaft des Evangeliums verkünden und in der Seelsorge und ihrem Leben glaub­ würdig verkörpern sollen, sind besonders da herausgefordert, wo sie auf Menschen tref­ fen, die sich selbst und anderen nicht verge­ ben können oder unfähig sind, Vergebung anzu­nehmen. Entschuldigungen und eine vorschnelle Zusage von Vergebung sind hier ebenso proble­matisch wie viele Bedingungen, die man an Vergebung knüpft. Sich selbst – gerade nach Scheitern und Schuld – nicht vergeben zu können, verhärtet den Men­

schen und behindert das eigene Leben wie das der anderen. Um nicht von den eigenen negativen Er­ fahrungen abhängig zu sein, ist eine inten­ sive Auseinandersetzung mit diesen Erfah­ rungen selbst notwendig. Innere Blockaden zu überwinden und existentielle Verhärtun­ gen aufzubrechen, schaffen Vertrauen zu sich selbst, anderen Menschen und zu Gott. Sie führen zu einer neuen, hoffnungsvollen Lebens­wirklichkeit. Vergebung als Chance zu erkennen und den Prozess der Versöhnung mit sich selbst und anderen zu wagen, brauchen Anregung und Begleitung. Die Schritte dieses Weges zu kennen und zu leben, macht befreiende Seelsorge erst möglich. Sie fördert nicht nur die Auseinandersetzung mit sich selbst, son­ dern ist Voraussetzung für eine glaubwürdige Begeg­nung mit den Menschen. Auf diesem Weg wächst der Mut, ins eigene Leben zu finden, mit der eigenen Lebensgeschichte und den anderen versöhnt zu leben, befreit zu glauben und verantwortlich Zukunft zu gestalten. Unter der Leitung von Dr. theol. Georg Beirer, der eine Praxis für therapeutische Theologie in Bamberg-Bischberg leitet, folgt dieses Seminar einer dreifachen Orientie­ rung: n

eine differenzierte Wahrnehmung, was Vergebung bedeutet und wie Verge­bung und Versöhnung aufein­ ander bezo­gen sind n ein Verständnis des Vergebungspro­ zesses und Gestaltungsmöglichkeiten für den Weg der Vergebung. n neue theologische und pastorale Aspekte zu einem befreienden Umgang mit Schuld und Vergebung

W eitere I nfos

Beginn Montag, 30. April 2012 (15 Uhr) Ende Freitag, 4. Mai 2012 (13 Uhr) Teilnehmer maximal 25 Personen Beitrag 188 Euro Seminargebühr inkl. Exkursion, 192 Euro Vollpension, Ermäßigung nach Rücksprache möglich. Vor Seminarbeginn bitte überweisen auf Konto: Kloster Andechs – Niko­lausKolleg, Kto.-Nr.: 102 724 82, BLZ: 702 501 50, Bank: Kreissparkasse München-Starnberg Anmeldung Kloster Andechs Frater Lambert Stangl Bergstrasse 2, 82346 Andechs Tel.: 08152/376-253 Fax: 08152/376-267 oder nikolauskolleg@andechs.de Anmeldeschluss 5. März 2012


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Pa n o r a m a

Ein gelungenes Fest Mehrere tausend Besucher beim Kinder­ und Familientag 2011

Tausende Besucher lockte der Andechser Familientag am 3. Oktober bei strahlen­ dem Sonnenschein und spätsommerlichen Temperaturen auf den Heiligen Berg. Ganz besonderen Anklang fand der 60 Meter hohe Teleskop­Kran, der von 10 bis kurz vor 17 Uhr fast ohne Unter­ brechung Jung und Alt einen sonst nur sehr seltenen Blick auf den Heiligen Berg Bayerns und seine Umgebung verschaffte.


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Herzlichen Dank für das wunder­ schöne Familienfest! Wir waren zum zweiten Mal da und genie­ ßen jedes Mal die entspannte Atmosphäre und die Unaufge­ regtheit der Veranstaltung, die einen so wohltuenden Kontrast zur »Wies’n« darstellt. Mal abge­ sehen davon, dass ein WiesenBesuch mit drei Kindern ein klei­ nes Vermögen kostet … Dank auch für den herzlichen und kinderfreundlichen Familien­ gottesdienst, der uns, obwohl von protestantischer Konfession, sehr gut gefallen hat. Herzliche Grüße von Familie ­Eitelwein aus Feldafing

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chon früh am Vormittag hatte sich am begehrten Bungee-Trampolin eine lange Schlange geduldig wartender Eltern und Kinder gebildet. Umso größer war das Vergnügen, als man dann endlich an der Rei­ ge war. Dann zeigten viele Saltokünstler ihr wahres Können.Da hielt mancher die Luft an – und staunte nicht schlecht. Abt Johannes selbst führte Kinder und Jugendliche durch die Wallfahrtskirche und erklärte unter anderem auch die Orgel in der Wallfahrtskirche. Auch der Kräutergarten konnte sich nicht über mangelndes Interesse

beklagen. Bei den Maltesern haben die Kin­ der einen Rettungswagen ganz genau inspi­ ziert und stellten eine Menge Fragen rund um das Rettungswesen. Am und im Florian-Stadl verwandelten sich einfache Bierfilze wieder mit Fantasie und Begeisterung in kleine Kunstwerke. Am Klosterweiher gaben sich begeisterte JungAngler unter Anleitung von Herrn Schetterer ein Stelldichein. Hüpfburg und Glücksräder waren ohne Pause frequentiert. Und vor dem Klostergasthof formte ein Ballonkünstler fast bis zur Erschöpfung allerlei Fantasiefiguren.

Im Florian-Stadl zeigten Kinder-Trachtenund Musikgruppen aus Andechs, dass Sin­ gen und Tanzen nicht nur toll aussieht, son­ dern auch eine Menge Freude macht. Frater Lambert moderierte und mancher von den Kleinsten gehörte an diesem Tag zu den ganz Großen. Vor dem Florian-Stadl kamen die Heu­ hupfer wieder voll auf ihre Kosten. Nicht weit davon entfernt zeigten die Hopfen­zupfer aus der Hallertau, was man aus Hopfen – außer einem guten Bier – noch alles machen kann.


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Pa n o r a m a

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Wir waren mit unserer 5-jährigen Tochter auf dem Kindertag – ich muss Ihnen ausdrücklich zu diesem gelungenen Fest gratulieren. Toll ­organisiert mit den Übersichten, die nach dem Parkplatz verteilt wur­ den, ein abwechslungsreiches Pro­ gramm in einer kulturellen Institu­ tion, eingebettet in wunderschöner Landschaft – da musste einfach das Wetter passen. Der kurzweilige Kinder­gottesdienst als andächtiger Abschluss … toll ! Frank Oschmann, Gilching

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Die Jugend der Freiwilligen Feuerwehr Erling /Andechs bot mit dem Kübelspritzen großen Spaß, wobei die jungen Mitglieder der Feuerwehr eher Väter und Mütter, Omas und Opas beim Pumpen animieren mussten, als den Nachwuchs beim Spritzen. Obendrein half der örtliche Feuerwehr­ nachwuchs auch, die langen Schlangen beim Tragelklettern mit einem historischen Feuer­ wehrleiterwagen aus Peitinghalfen zu bewäl­ tigen. Immer wieder gab es Szenenapplaus für die Buben und Mädels, die es schafften, 15 und mehr Tragel übereinander zu stapeln, ohne in luftiger Höhe das Gleichgewicht zu verlieren. Rund um den Maibaum unterhalb des Bräustüberls fanden die Kleinsten bei Tra­ gelrutschen und Riesenlego viel Platz zum Spielen und Toben. Die Machtlfinger Bogen­ schützen halfen vielen jungen Hobbyschüt­ zen, ihre Treffsicherheit zu erhöhen. Als Belohnung gab es – nach gut Tell’scher Ma­

nier – einen Apfel. Und die stattlichen Shire Horses zogen geduldig Stunde um Stunde die Kutsche, wenn es galt, einen kleinen Ausflug in die Umgebung zu unternehmen. Die Klostermetzgerei sorgte mit Würs­ teln, Steaks und anderen Grill-Spezialitäten fürs leibliche Wohl. Andechser Klosterbie­ re und die Andechser Alkoholfreien fehlten ebenso wenig wie eine zünftige Blasmusik mit der Blaskapelle Erling /Andechs. Zugunsten der Obdachlosenarbeit im Hane­berghaus der Abtei Sankt Bonifaz ver­ kauften Frater Emmanuel und seine Helfer Pommes frites. Und wer den Tag lieber bei Kaffee und Kuchen verbringen wollte, fand beides bei den Andechser Landfrauen im Pferdestall. Der Büchermarkt am Pfarrhaus gegen­ über der Wallfahrtskirche konnte sich auch über regen Zuspruch freuen und stiftete den Erlös an Projekte der Missionsbenediktinerin­ nen von Tutzing in Brasilien. Martin Glaab


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Pa n o r a m a

igil Orgelv 2012

Benediktusregel mit allen Sinnen erlebt Impressionen von der Orgelvigil zum Benediktsfest in Sankt Bonifaz

, den Freitag 13. Juli

Die Orgelvigil am 15. Juli 2011 in der Basilika Sankt Bonifaz ließ die Bene­ diktsregel und ihre Spiritualität mit allen Sinnen erleben und war ein stimmungsvoller Rückblick auf das Benediktsfest am 11. Juli 2011. Den Abend gestalteten die Choralschola des Klosters und mehrere Organisten.

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»

it der Orgelvigil wollten wir Men­ schen auf eine nicht ganz alltägli­ che Weise ein Stück der reichen Spiritualität der Benediktsregel nahe bringen«, erklärt Abt Johannes Motivation und Ziel der Orgelvigil. Jeweils einen besonderen Aspekt bene­ diktinischer Spiritualität verdeutlichten in den »Nocturnen«, den Abschnitten der Vigil, unterschiedliche Lichtinstallationen, Orgel­ meditationen, Textbeiträge aus der Bene­

diktsregel und gregorianische Choräle. Dabei standen heuer folgende Kapitel der Regel im Vordergrund: das Kapitel 2 (Der Abt), das Ka­ pitel 33 (Über den Eigenbesitz der Mönche), das Kapitel 61 (Über die Aufnahme fremder Mönche) und das Kapitel 73 (Die Regel als Anfang unseres Weges). An der Orgel waren Anna Schorr, Micha­ el Hartmann, Tobias Skuban und Martin Fle­ ckenstein zu hören. Die Konzeption für die Lichtinstallation besorgte Birgitta Klemenz, Stiftsarchivarin der Abtei, zusammen mit der Firma magic events. In den Pausen zwischen den vier Pro­ grammabschnitten war für die Besucher der Klostergarten geöffnet. So konnte man umher­ schlendern, ins Gespräch kommen und sich bei Andechser Klosterbier und Brezn stärken. Seit dem Münchner Stadtjubiläum 2008 zieht die Orgelvigil in der Basilika Sankt Bonifaz im­ mer wieder Hunderte von Besuchern an.


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Keiner geht verloren Zehn Jahre Haneberghaus für Menschen ohne Obdach

Vor zehn Jahren haben die Mönche von St. Bonifaz für Menschen ohne Obdach das Haneberghaus auf dem Gelände ihres Klosters in der Münch­ ner Maxvorstadt eröffnet. Seinen Na­ men verdankt das Haus dem zweiten Abt von St. Bonifaz, Bonifatius Hane­ berg. Aus diesem Anlass feierten die Mönche und Gäste des Haneberg­ hauses am 3. November 2011 einen Dankgottesdienst in der Krypta von Sankt Bonifaz. Florian Ertl berichte­ te in der Münchner Kirchenzeitung über dieses Jubiläum. Wir danken herzlich für die freundliche Erlaubnis zum Abdruck.

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ie Gesichter der Frauen und Männer sind von den Strapazen eines Lebens auf der Straße gezeichnet. Oft ist ein bellen­ der Husten oder Niesen aus der versammel­ ten Gemeinde zu hören. Viele der Anwesen­ den haben ihre Habseligkeiten in Plastiktüten dabei. Eine berührendes Bild, fast biblisch, wie die Benediktiner von St. Bonifaz da in ihrer Krypta gemeinsam mit Münchner Ob­ dachlosen Gottesdienst feiern. Anlass ist das zehnjährige Bestehen des Haneberghauses. Das Gebäude auf dem Areal der Abtei an der Karlstraße 34 – ein Bau des heuer im Frühjahr verstorbenen Architekten Freiherr Alexander von Branca – trägt den Namen des zweiten Abts der Gemeinschaft, Bonifatius Haneberg. Mehr als 200 Personen erhalten hier täglich eine kostenlose warme Mahlzeit. Pro Jahr hilft die Kleiderkammer 35.000 Menschen weiter, 4.000 Personen nutzen

die Dusch- und Bademöglichkeiten, 2.000 Menschen behandelt die Arztpraxis. Zwei Sozialarbeiter beraten außerdem die Betrof­ fenen und knüpfen Kontakte zu sozialen Ein­ richtungen. Getragen wird die Obdachlosen­ hilfe vom Kloster und durch Spenden. In seiner Predigt betonte Abt Johannes Eckert: »Niemand soll verloren gehen. Dafür steht dieses Haus.« Was hier geschehe, sei »keine einseitige Geschichte, ist ein Geben und Nehmen«, so Eckert. »Wir spüren durch Sie, unsere Gäste, durch ein freundliches Wort, einen Gruß, dass Sie sich hier wohlfüh­ len, dass diese Arbeit wertvoll ist.« Anschlie­ ßend fand ein Mittagessen im Saal des Zent­ rums statt. Die Mönche bedienten ihre Gäste – wiederum eine fast biblische Szene.


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Vom heiligen zum höchsten Berg Bayerns Ein besonderer Touren­Tipp – fünftägige Trekkingtour mit Charly Wehrle K O N TA K T

Ein echtes Trekkingabenteuer: Vom »Heiligen Berg« Andechs nähern wir uns zu Fuß – wie die Trekker im Himalaja – den hohen Bergen des Wetterstein­ gebirges, die im Süden in den Himmel ragen.

TOP MOUNTAIN TOURS GmbH Sankt­Jakob­Straße 15 82319 Starnberg – Landstetten Telefon: +49 (0)8157/924548 Telefax: +49 (0)8157/924547 E­Mail: info@top­mountain­tours.de Info: www.charly­wehrle.de

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ie ersten beiden Tage durchwandern wir schönstes Voralpenland, rasten an verborgenen Plätzen, baden in kleinen Se­ en, am Horizont entdecken wir immer wie­ der unser Ziel. Schon am dritten Tag näch­ tigen wir in der Gipfelhütte auf dem Wank, 1774 m, grandioser Logenplatz oberhalb von Garmisch­Partenkirchen, die Zugspitze, 2963 m, ist jetzt ganz nah. Durch das Reintal folgen wir dem »alten Weg zur Zugspitze«, bis wir glücklich ganz oben stehen. Der höchste Berg Deutsch­ lands ist erreicht. »Trekkingführer« ist Char­ ly Wehrle, ehemaliger, langjähriger Wirt der Reintalangerhütte und Autor mehrerer Bü­ cher über Berge und Menschen im Wetter­ steingebirge.

Charly Wehrle unterwegs bei Pähl.

Die Teilnehmer am Gipfel-

Ganz oben: Start an der Wallfahrtskirche.

kreuz auf der Zugspitze.


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Gelebtes Erbe Liselotte Orff unterstützt die Andechser ORFF ®-Akademie des Münchner Rundfunkorchesters

Von Beginn an hat Liselotte Orff, Witwe des großen bayerischen Kom­ ponisten Carl Orff, die Festspiele am Heiligen Berg Bayerns unterstützt und gefördert. Ihrer – auch finanzi­ ellen – Hilfe ist es zu danken, dass die Carl Orff-Festspiele Andechs seit zwei Jahren ein Projekt mit Leben füllen können, das Carl Orff selbst noch vorschwebte, aber nicht mehr realisieren konnte: Die Andechser ORFF®-Akademie des Münchner Rundfunkorchesters. Marcus Ever­ ding, Künstlerischer Leiter der Fest­ spiele, wirft einen Blick auf Liselotte Orff aus einer anderen Perspektive.

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rau eines Künstlers zu sein ist nicht leicht. Genau genommen ist dies schon eine Kunst. Das Erbe eines Künstlers zu sein ist eine noch schwierigere Kunst. Post mor­ tem des allseits verehrten Meisters fühlen sich viele berufen, im Geiste des Schöpfers zu handeln, zu verkünden, sich zu stilisieren. Allein, diese sind nicht auserwählt, sondern gerne selbst ernannt. ›Das wäre im Sinne von Carl Orff‹ – mit dieser Phrase lässt sich vieles vergolden, was genau nicht im Sinne Orffs ist. Nachgeborene, Nachlasser, Nach­ fühler gerieren sich leidenschaftlich als Ent­ decker des Werkes eines Künstlers. Sie sind die Kolonialisten des Komponisten Konti­ nents. Das alles ist Frau Orff nicht. War es nie, wird es nie sein. Als Künstlerischer Leiter der Carl Orff Festspiele Andechs schreibe ich das gerne. Weil es stimmt! Frau Orff ist ein Glücksfall, eine Bereicherung, ein guter Mensch. Klingt wie eine Geburtstagsansprache, ist aber trotzdem eine Tatsache. In gewisser Weise bin ich als Regisseur der Werke von Carl Orff auch seinem Erbe verpflichtet, muss handeln und verkünden, darf es. Sich dabei auf den

Geist von Carl Orff zu berufen ist wohlfeil, daher gefährlich, siehe oben. Es ist mir auf­ getragen, jedes Jahr etwas Neues im Werk des Künstlers zu finden, ohne etwas zu er­ finden. Reizvoll, heikel. Wird vom Geist des Schöpfers gesprochen, muss es kein Fehler sein, denjenigen zu kennen, zu befragen, zu erleben, der Orff kannte, befragte, erlebte und liebte. Die Andechser ORFF®-Akademie des Münchner Rundfunkorchesters. Langer Na­ me, ist aber alles drin, was draufsteht. Und – es ist im Geiste von Carl Orff. Woher ich das weiß? Von Frau Orff. Als die Idee zu dieser Orchester Akademie geboren wurde, war mir kaum etwas wichtiger, als mit ihr darüber zu sprechen, sie zu befragen. Der romanti­ sche Aspekt dieser Befragung – der Orffsche Garten in Dießen, Apfelkuchen, spätsommer­ liche Nachmittagssonne, heitere Stimmung – ist nicht erfunden, sondern malerische Ab­ rundung einer phantastischen Idee. Schöner als Photos oder Filmchen ist es eine beson­ dere Erinnerung an diesen Sommer 2009, sozusagen das Spitzweg-Bild zu diesem wa­ gemutigen Akademie-Plan. Und heute? Heu­ te haben wir schon in der zweiten Spielzeit Aufführungen mit dieser Akademie erfolg­ reich hinter uns gebracht, die dritte ist in Pla­ nung. Junge Studenten aus vielen Ländern, ein inspirierender Dirigent, ein professionell leidenschaftlicher Bayerischer Rundfunk, Tage in München, Tage in Andechs, Applaus, Ansporn, Unterstützung ideell, materiell. Zwei Apfelkuchensommer später, so könnte man sagen. Obendrauf: Carl Orff hat von so etwas geträumt. Ohne Frau Orff gäbe es die­ sen Traum nicht. Aus dem Verständnis seines Erbes ermöglicht sie diesen Wachtraum, den alle mitträumen können. Alle Planung kennt auch Winter. Bei solchen Planungen bedeutet Winter Geld, das ist: Fehlendes Geld. Tatsächlich war es Winter, eine Veranstaltung im Orff Zent­ rum München. Ein sorgenvolles Ich, weil es

schneite, und dies leider nur real und nicht Geld. Frau Orff, die mich mit Frau Hermann von der Carl Orff Stiftung in einen Neben­ raum bat, und mir mit Freude und lächeln­ dem Gesicht großzügige Unterstützung für unsern Traum verhieß. Das Konzert an die­ sem Abend war schön, aber ich habe schon ein anderes Orchester gehört, konnte es hö­ ren. Noch ein Spitzweg. Ohne Frau Orff und ihre stete, alljähr­ liche finanzielle Unterstützung wäre der Traum schon geplatzt, die zerstobene Seifen­ blase eines langen Namens, und der Geist Orffs wäre entwichen, verpufft. Viele helfen uns, allen voran die Carl Orff Stiftung, doch Frau Orff bürgt mir für den Geist. Dafür will sie keinen Thronsessel im Florian-Stadl, kei­ ne Plakette, keine Festakte. Sie weiß, was auch wir wissen – Orff ist es wert. Und noch ein Spitzweg: Premiere der Klugen 2011. Die Andechser ORFF®Akademie des Münchner Rundfunkorches­ ters unter Christian von Gehren zaubert aus den Noten den nun für alle spürbaren schöpferischen Geist von Orff, das Bühnen­ bild bildet, die Sänger singen, das Publikum applaudiert. Nach erloschenem Licht geht es auf die Premierenfeier im Bräustüberl. In einem Raum dort sitzt und feiert die Akade­ mie, musi­ziert auch. Frau Orff schon am Gehen: »Ich muss noch meiner Akademie auf Wiedersehen sagen«. Sprach’s, tat’s, und tanzte zu akademischen Klängen drei Zwie­ fache. Was ein Bild, was ein Traum. Liselotte Orff, die Carl Orff Festspiele, die Andech­ ser ORFF®-Akademie des Münchner Rund­ funkorchesters – das ist gelebtes Erbe. Bravo! Marcus Everding


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Regionaler Unternehmer­tag

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hema des regionalen Unternehmer­-­ tages am 14. Oktober 2011 im Haus der Bayerischen Landwirtschaft in Herrsching war »Für und Wider der Globalisierung«. Gerd Sonnleitner, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, bezeichnete im Rahmen dieser Tagung das Kloster Andechs als ein Beispiel für »eine weltweit bekannte regionale Marke«. Zu der Veranstaltung hat­ ten u.a. die VR-Bank Starnberg-HerrschingLandsberg eingeladen. Im Bild oben v.l.n.r.: Gerd Sonnleitner, P. Valentin und Anton F. Börner (Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außen­ handel, Dienstleistungen e.V.)

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ildung, Kultur und lokale Geschichte im Landkreis Starnberg profitieren von den Stif­ tungsgeldern. 5.000 Euro erhielt das Kloster Andechs, um die Bühnen­ technik im Florian-Stadl auszubauen. (v.l.n.r.) Andreas Frühschütz, Vor­ standsmitglied der Kreissparkasse, Martin Glaab, Pressesprecher Kloster Andechs, Landrat Karl Roth und Abt Johannes Eckert.

Betriebsjubiläum im Bräustüberl

Seit über 50 Jahren Stammgast

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Jahre im Andechser Bräustüberl – eine so lange Zeit stellt sich nicht jeder in den Dienst benediktinischer Gastfreundschaft am Heiligen Berg. Franz Schermer schon. Im Grunde ist der 1944 ge­ borene Reisbacher sogar noch etwas länger am Heiligen Berg Bayerns tätig. Im Septem­ ber 1963 begann er als Brauer und Mälzer noch in der alten Klosterbrauerei. Von einem kompletten Neubau der Brauerei am Fuß des Heiligen Berges war damals noch keine Rede. Mitte 1966 wechselte Franz Schermer dann ins Bräustüberl, wo er Generationen von An­ dechs – Wallfahrern von der Kasse aus den Weg zum Andechser Klosterbier geebnet hat. Herzlichen Glückwunsch, Gesundheit und Gottes Segen wünschen wir.

eribert Dotzauer ist seit über 50 Jahren Stammgast im Andechser Bräustüberl. Er gewann am 19. März 2011 den 3. Platz im Slalom im Rahmen des Senio­ ren-Weltcups (Master-Cup) im tschechischen Pec pod Snezka. Mit Logo des Klosters Andechs hielt er dabei nicht hinterm Berg.


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Klosterbrauerei Andechs unterstützt Wiederaufbau im Kosovo

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m Freitag, den 5. November 2011 wurde abends der renovierte Glo­ ckenturm im deutschen Feldlager Prizren ge­ segnet. Zur kurzen Andacht kamen etwa 50 Soldatinnen und Soldaten des 30. Deutschen Einsatzkontingentes KFOR. Beide Militär­ seelsorger erinnerten an die Schrecken des Kosovokrieges im Jahre 1999 und mahnten zu Frieden und Freiheit unter den verschie­ denen ethnischen Gruppen im Land. Für die anschließende Feier hatte die Klosterbrauerei Andechs fünf Fässer Andech­ ser Spezial Hell zur Verfügung gestellt. Die anwesenden Soldaten freuten sich bei bay­ erischer Musik und guten Gesprächen an der Andechser Braukunst. Soldatinnen und Soldaten der Einsatzkompanie KFOR, die im Norden des Kosovo stationiert ist, und des deutsch-österreichischen ORF Bataillons, ge­ nossen das gute Bier und schicken ein herz­ liches Vergelt’s Gott auf den Heiligen Berg.

Pastoralreferent Thomas Glöckl (Katholischer Militärpfarrer bei KFOR)

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Irmingard, Marzipan und 1200 Jahre benediktinische Tradition Fahrt des Andechser Freundeskreises zur Benediktinerinnenabtei Frauenwörth

Die Gemeinde mag die kleinste Bay­ erns sein, das Kloster auf der Frauen­ insel im Chiemsee aber ist eines der traditionsreichsten und bedeutends­ ten im Freistaat. Neben dem Kloster Nonnberg in Salzburg gilt es als das älteste deutschsprachige Frauenklos­ ter nördlich der Alpen – das passen­ de Ziel also für die diesjährige Klos­ terreise des Freundeskreises Kloster Andechs. Nikolaus Neumeier lässt den Besuch Revue passieren.

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eil es bekanntlich kein schlechtes Wetter, sondern nur unpassende Kleidung gibt, ließen sich die 54 Andechser auch nicht vom trüben, regnerischen Wetter abhalten. Nach der kurzen Überfahrt wur­ den die Gäste vom Heiligen Berg von Äbtis­ sin Johanna Meyer empfangen und dann von Sr. Hanna Feh durch die beeindruckende Abtei­kirche geführt. Das Münster birgt wert­ volle Kunstwerke aus 12 Jahrhunderten. Grablege der Seligen Irmengard

Besonders stolz sind die Nonnen darauf, dass ihre Kirche auch die Grablege der Seligen Ir­ mingard ist. Die um 833 geborene Tochter von König Ludwig dem Deutschen gilt als die bedeutendste der Frauenwörther Äbtis­ sinnen. Heute erzählen die Schwestern ihren Besuchern gerne auch von der spannenden Geschichte, die sich um ihre Gebeine rankte. Irmingard soll zunächst unter einem tragen­ den Pfeiler des Münsters bestattet worden sein. Später wurde sie in ein Hochgrab um­ gebettet. Allerdings nur ihr Körper, denn das Haupt der 1929 selig Gesprochenen, wurde separat in einem benachbarten Männerklos­ ter bestattet. Vermutlich – so darf man heute spekulieren – um dem Nachbarkloster Ruhm und Besucher zuzuführen. Inzwischen aber liegen Haupt und Körper wieder vereint in

Im Klostergasthof wurden die Andechser von Äbtissin Johanna Meyer begrüßt. v.l.n.r: Rupert Graf Strachwitz, MdL Klaus Stöttner vom ›Verein der Benediktinnerinnenabtei Frauenwörth‹, Äbtissin Johanna Meyer, Renate Haushofer und Fr. Lambert Stangl vom Kloster Andechs

einem Kristallglassarg hinter dem Hochal­ tar. Dass hier zusammengeführt wurde, was auch tatsächlich zusammengehört, ist übri­ gens zweifelsfrei durch moderne DNA-Analy­ se bestätigt. Von der Erwachsenenbildung bis zum hausgemachten Marzipan

Eindrucksvoll auch der sogenannte Äbtis­ sinnengang. Er hat seinen Namen von den Portraits der Äbtissinnen von Frauenwörth. Dass vor allem viele adelige Frauen das Amt ausübten, so Sr. Hanna bei ihrer Führung, zeigen die Kronen, mit welchen die Äbtissin­ nen abgebildet wurden. Heute steht Johanna Meyer den augenblicklich 29 Schwestern als Äbtissin vor. Die ehemalige Lehrerin für Ger­ manistik hieß die Gäste aus Andechs herzlich willkommen und berichtete von den Aktivi­ täten des Klosters. So sind die Schwestern in der Erwachsenenbildung tätig und betreiben

einen Klosterladen, in dem neben Büchern hausgemachtes Marzipan, Lebkuchen und Klosterlikör verkauft werden. Ein Grußwort sprach auch Klaus Stött­ ner, Mitglied des Bayerischen Landtags, im Namen des Verein der BenediktinnerinnenAbtei Frauenwörth. Der Verein kann auf eine beeindruckende Zahl von rund 900 Mitglie­ dern verweisen. Er hat sich zum Ziel gesetzt, bei der Beschaffung der Mittel zu helfen, die das Kloster zum Erhalt seiner historischen Gebäude benötigt. Nach Alois Glück, dem ehemaligen Landtagspräsidenten und jet­ zigen Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, wird der Verein in­ zwischen von der Landtagsabgeordneten Anne­marie Biechl geleitet. Demnächst werden die Frauenwörther zum Gegenbesuch auf dem Heiligen Berg erwartet. Die Andechser freuen sich schon darauf.


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100 Jahre TellSchützen-Erling Große Feier im Andechser Florian­Stadl

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it einem Festabend im An­ dechser Florian­Stadl feierten die Tellschützen Erling ihr 100­jähriges Bestehen. Am Sonntag folgte dann der Festgottesdienst in der Andechser Wall­ fahrtskirche. Die Vereinsgeschichte der Schützen geht zurück bis ins Jahr 1911. Damals riefen im Gasthof »Zur Post« fünf Grün­ dungsmitglieder die Zimmerstutzenge­ sellschaft »Tell« ins Leben. Mittlerweile sind es rund 100 Mitglieder, die sich re­ gelmäßig treffen, um ihre Treffsicherheit unter Beweis zu stellen. Landrat Karl Roth überreichte dem Vorstand der Tell­Schützen eine Geld­ spende und bedankte sich herzlich für die Pflege des Brauchtums und der Tra­ dition. Bürgermeisterin Anna Neppel knüpfte die Verbindung zu den histori­ schen Ursprüngen der Schützengilden im Mittleralter, die sich als Bürgerwehr ver­ dient gemacht haben. Schützenmeister Uli Stumbaum betonte seinerseits, dass die Tell­Schützen auch in Zukunft die Schützen­Tradition pflegen und lebendig erhalten werden.

Vor dem Festgottesdienst begrüßte der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset, der aus Anlass eines Paneuropa-Tages in Andechs weilte, die Festgesellschaft.

um Tag des offenen Denkmals am 11. Septem­ ber 2011 zum Thema ›Romantik, Realismus, Revolution – das 19. Jahrhundert‹ zeigte das Kloster Andechs die Ausstellung ›Das Lied der Steine‹. In Kooperation mit der Kreissparkasse München­Starn­ berg­Ebersberg zeigte das Kloster in der Alten Biblio­ thek des Fürstentraktes dreißig Modelle berühmter Kirchenbauten aus ganz Europa. Abt Johannes, Wolfgang Vogt (Leiter Unter­ nehmenskommunikation der Kreissparkasse), Fr. Lambert und P. Valentin (v.l.n.r.) haben sich die Modelle ganz genau angeschaut.


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Presse Echo

Augsburger Allgemeine, 14. Juni 2011

S端ddeutsche Zeitung, 25. Oktober 2011


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Starnberger Merkur, 15. Oktober 2011

Foto: Richard Wรถrsching/Freundeskreis Kloster Andechs


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Presse Echo

Das Opernglas, Oktober 2011


Presse Echo | 59

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Starnberger Merkur, 12. September 2011


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Presse Echo

Rieser Nachrichten Nรถrdlingen, 7. Juli 2011


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S端ddeutsche Zeitung, 10. September 2011


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Presse Echo

Die Rheinpfalz, 27. September 2011

Starnberger Merkur, 16. August 2011


Presse Echo | 63

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Buchloer Zeitung, 5. Juli 2011

M端nchner Merkur, 24. November 2011


Weihnachtsfest und zum neuenJahr 2012

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wünschen die Mönche von Sankt Bonifaz in München und Andechs allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Freunden, Gästen und Wohltätern gesegnete und festliche Tage .

Spiegelung der Wallfahrtskirche in einer Weihnachtskugel am Eingang der Alten Apotheke auf dem Hl. Berg

Impressum V.i.S.d.P.: P. Valentin Ziegler Bergstraße 2 · 82346 Andechs · Tel.: 08152/376­0 · Fax: 08152/376­267 · www.andechs.de Redaktion: Christian Bolley, Martin Glaab, Birgitta Klemenz · Verantwortlich für Anzeigen: Martin Glaab · Gestaltung: Mellon Design Druck: Agentur Beckenbauer, Weidmannstr. 5, 80997 München · Papier: gedruckt auf umweltfreundlichem Papier Titelbild: Hermann Baar – Alle Fotoaufnahmen durch Benediktinerabtei Sankt Bonifaz in München und Andechs, außer: Barowsky Jörg (S. 8, 10); Bodenbender Jörg (S. 41); Carl Orff­Stiftung (S. 51); Chwalczyk Klaus (s. Orgelvigil S. 36, 48); Dotzauer Heribert (S. 52); Eberl Gabriele (S. 16); Ertl Florian (S. 3, 49); Fedchenheuer Susanne (S.22); Fuchs Christian (S. 32); Glöckl Thomas (S. 53); Gresser Ulrich (S. 21); Härter Günther (S. 51); Heller Falk (S. 3, 28, 31, 55); Hdl_Herrsching.de (S. 52); Huber Hubert (S. 24, 26); Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg (S. 52); Jaksch Andrea (S. 16, 55); John Frank­Ulrich (S. 27); Photographie Stephanie Dillig (S. 27); Schmid Thomas (S. 12, 20); Schuhbauer­von Jena Stefan (S. 34, 35); Sonnberger Franz (S. 23); Trautwein Sven (S. 33); van Kruijsbergen Johannes (S. 17, 42); Wagner Bernhard (S. 55); Wehrle Charly (S. 51); Wörsching Richard (S. 54). Bei Einsendungen von Artikeln behält sich die Redaktion Kürzungen und Änderungen vor. Das nächste Andechser Berg Echo erscheint Ende März 2012 Anmerkung der Redaktion: Im Andechser Berg Echo 2­2011 wurde auf Seite 48 versehentlich ein falscher Autor genannt. Der richtige Autor des Artikels heißt Andreas Petri (Kriminalkommissar). Wir bitten, das Versehen zu entschuldigen.

Andechser Bergecho  
Andechser Bergecho  

Issue 2011 /3

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