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F ü r a l l e M i ta r b e i t e r , G ä s t e u n d F r e u n d e v o n K l o s t e r A n d e c h s u n d d e r A b t e i S a n k t B o n i fa z 1 | 2010

Aus Kirche und Kloster Abt Benedikt Zenetti – Dritter Abt von Sankt Bonifaz | seite 4

Aus der Brauerei Alkoholfreier »Genuß für Leib & Seele« | seite 18

Andechs Panorama Eine Hommage an Carl Orff – Festspiele 2010 | seite 28


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Editorial

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usik gehört zum Kloster Andechs seit seiner Gründung 1455 durch Herzog Albrecht III. Es sollte ja besonders die Wallfahrt pflegen. Dem dienten bald eine Sängerknabenschule und vor allem im 18. Jahrhundert auch mehrere angesehene Komponisten aus dem Kloster. So hat zum 300-Jahr-Jubiläum 1755 P. Gregor Schreyer für jeden Tag der Festoktav eine eigene Messe geschaffen. Diese musikalische Tradition setzt unser Kirchenmusiker Anton Ludwig Pfell fort. 1987 wurde erstmals wieder ein theatrum sacrum in der Wallfahrtskirche aufgeführt: die Orff’sche Weihnachtsgeschichte. In der Schmerzhaften Kapelle hat ja Carl Orff 1982 seine Grablege gefunden. Ein halbes Jahr vor seinem Tod hatte er mich besucht und dies erbeten. In dieser Kirche war er von Abt Hugo Lang mit seiner Frau Lieselotte getraut worden. Als Kind hatte er Andechs oft besucht und später von seinem Wohnsitz in Dießen herübergeblickt. Sein Grab befindet sich nun unter dem Bild des Stifters Herzog Albrecht III. Das tragische Ende der frühen Verbindung des Herzogs mit der Agnes Bernauerin, die der Vater Ernst in der Donau hatte ertränken lassen, hat Carl Orff zu dem großen bairischen Stück inspiriert. Hier offenbarte in besonderer Weise Orff seine einmalige Begabung, ausdrucksstarke Musik mit einer

wunderbaren Sprache, hier der bayerischen, zu verbinden und in bewegenden Szenen auf der Bühne lebendig werden zu lassen. Die Grabplatte in der Schmerzhaften Kapelle zeigt hinter dem Namen und den Lebensdaten die Worte: summus finis – höchstes Ziel, letzte Vollendung. So endet Orffs letztes großes Werk, das Spiel vom Ende der Zeiten. So nennt die nach allen Wirren und Bedrohnissen heimkehrende Welt Gott, der zugleich der beste Tröster ist. Das war auch die mich letztlich überzeugende Begründung von Orffs Bitte: »Wenn später Leute zu meinem Grab kommen, sollen sie mich nicht unter irgendeinem Monument verborgen wissen, sondern sehen: da bin ich daheim – im Raum der Kirche«. Darum ist es uns Benediktinern eine Verpflichtung, auch dem Werk Carl Orffs auf dem Heiligen Berg eine Heimat zu geben. Darum wurde 1997 nach vorherigen Versuchen, im Gedenken an Carl Orff Musiktage (in der Flaschenfüllerei und auch im Freien) zu veranstalten, der bisherige Heustadel und Schweinestall zum jetzigen Florian-Stadl umgebaut, in dem dann Prof. Matiasek als künstlerischer Leiter verschiedenste Werke von Carl Orff glanzvoll aufführen konnte. Ein gutes Jahrzehnt hat er die Orff Festspiele zu einem künstlerischen Ereignis gemacht. Als seinen Nachfolger schlug er Marcus Everding vor, der seit 2009 mit großer Begeisterung die Arbeit von Prof. Matiasek fortsetzt. Thomas Pekny, der in all diesen Jahren in dem schlichten Florian-Stadl auf engstem Raum jeweils ein bezauberndes Bühnenbild geschaffen hat, antwortete einmal auf die Frage, was das Besondere an diesem Platz in Andechs sei: »Er ist getragen von klösterlichem Geist und Segen, die herunter schwingen über den Florian-Stadl und auf unsere Arbeit einwirken«. Dass der Heilige Berg, Musik, Kunst und Musik, von nun auch in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunkorchester, und benediktinische Gastfreundschaft auch weiterhin eine glückende Symbiose eingehen, ist mein herzlicher Wunsch für die Festspiele 2010 und für noch viele Jahre.

Altabt Odilo Lechner


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I n h a lt

Aus Kirche und Kloster 4 7 8 10 12 14 16

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Abt Benedikt Zenetti – Dritter Abt von Sankt Bonifaz (1872–1904) Ein Bild und seine Geschichte – Birgitta Klemenz hebt Schätze aus dem Bildarchiv Von der Liebe und Großzügigkeit Gottes – Eine Einführung ins Lukas-Evangelium Benediktinische Ökumene – »Wer im Glauben fortschreitet, dem wird das Herz weit« Andechser Dreihostienfest mit dem Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch Marcel Callo – ein Glaubenszeuge unserer Tage Neues Buch zum Ökumenischen Kirchentag 2010 – Nachbarschaft als Schlüssel zur Ökumene »Helfen Sie mit!« – Spendenaktion für die Obdachlosenhilfe Sankt Bonifaz

Aus der Brauerei Abt Benedikt Zenetti Dritter Abt von Sankt Bonifaz

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Alkoholfreier »Genuß für Leib & Seele« »Andechser Gefühl« im Schwabenland – Klosterbiere vom Heiligen Berg Bayerns im Besucherfokus auf der INTERGASTRA 2010 Genuß in neuem Gewand – Neue Flaschenetiketten für die Andechser Bierspezialitäten

E s s e n u n d Tr i n k e n 24 26 27

›Gasthof Adler‹ in Lindau mit langer gastronomischer Tradition Café in der Tuchfabrik – Andechser Weißbiere in der Linzer Pfarrei ›Marcel Callo‹ Blasmusik im Bräustüberl 2010

Te r m i n e u n d V e r a n s ta lt u n g e n

18 Alkoholfreier ›Genuß für Leib & Seele‹ Andechser Zitronenlimonade, Apfelschorle, Colamix und Tafelwasser

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Carl Orff – Festspiele 2010 Führungen am Hl. Berg – Auch 2010 wieder Tagesangebote für Gruppenreisen Auf Gottsuche mit den Mönchen – Jugendwochen im Kloster Andechs Maßvoll leben – Tage für Männer zwischen 35 und 60 Jahren auf dem Heiligen Berg Colloquium Benedictinum® – Terminübersicht Veranstaltungen des 2. Ökumenischen Kirchentages in Sankt Bonifaz Passionskrippen und österliches Brauchtum Klostermarkt auf dem Prälatenhof in Roggenburg Klostermarkt in der Benediktinerabtei Schweiklberg Matthäuspassion im Kloster Andechs Taizé in Andechs Veranstaltungen des Freundeskreises

Pa n o r a m a

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Eine Hommage an Carl Orff Carl Orff-Festspiele 2010 kooperieren mit Münchner Rundfunkorchester des Bayerischen Rundfunks

Buchheim Museum und Kloster Andechs – Tagesangebot für Bus- und Gruppenreisen ›Ökologie auf Kirchengrund‹ wirbt offensiv für ökologisches Umdenken Kunst und Bier 2010 am Heiligen Berg Sänger für Orff – Festspielchor Andechs in neuem Gewand Neuwahlen beim Freundeskreis Kloster Andechs Schichtweise – Gemalte Meditationen im Fürstentrakt 90. Geburtstag von Karl Schott Andechser Fahne auf Tour in Mozambique – Teil 2

Presse Echo 51 52 53 53 54 55

Freunde zu Besuch im Haneberghaus Immer wieder aufräumen Wanderausstellung über das Kloster Andechs »Schwache brauchen mehr als Starke« Promis und ihre Kirchen Weltweit beliebt: Bayerisches Bier


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Aus Kirche und Kloster

Abt Benedikt Zenetti Dritter Abt von Sankt Bonifaz (1872–1904)

Im Rahmen der Bildungsveranstaltungen des »Colloquium Benedictinum« in Sankt Bonifaz standen im vergangenen Jahr in der Reihe »Aus der Geschichte der Abtei Sankt Bonifaz« die Gestalten der Äbte im Mittelpunkt – vom Gründungsabt Paulus Birker (1850–1854) bis zu Abt Bonifaz Wöhrmüller (1919–1951). Anhand von Archivalien der Abtei wurden sie porträtiert und vorgestellt. In Kurzfassung soll dies auch im Andechser Bergecho geschehen. Nach dem Gründungsabt Paulus Birker, der noch von König Ludwig I. ernannt worden war, und seinem Nachfolger Abt Bonifaz Haneberg, der der Abtei von 1854 bis zu seiner Wahl zum Bischof von Speyer im Jahr 1872 vorstand, ist nun Abt Benedikt Zenetti an der Reihe, der erste in der Reihe der Äbte von Sankt Bonifaz und Andechs, der dieses Amt bis zu seinem Tod innehatte.

Abt Benedikt Zenetti – lebensgroßes Porträt in Sankt Bonifaz: Zenetti hat den Aufriss der Kirche Sankt Benedikt in München vor sich liegen, die von ihm zum Benediktsjubiläum 1880 erbaut wurde, ebenso wie Anfang des 20. Jahrhunderts Sankt Rupert im Westend. Die wachsende Ausdehnung der Pfarrei Sankt Bonifaz auf mehr als 60.000 Katholiken in dieser Zeit hatte diese Bauten notwendig gemacht.


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bt Benedikt wurde am 13. Mai 1821 als Sohn des ehemaligen Ministers und Staatsrats Johann Baptist von Zenetti (1785–1856) und seiner Gemahlin Josephine Mieg (1793–1828) in Speyer geboren und auf den Namen Wilhelm getauft. Er ist übrigens der Urgroßonkel der beiden Politiker HansJochen und Bernhard Vogel. 1826 verließ die Familie Speyer und zog nach München, wo Wilhelm Zenetti die Schule besuchte und nach dem Studium der Philosophie, der beiden Rechte und der Theologie ins Freisinger Priesterseminar eintrat. Am 1. August 1847 wurde er zum Priester geweiht. Seine Primiz feierte er am 15. August desselben Jahres in Sankt Ludwig in München. Nach der ersten Kaplansstelle in Tölz wurde er 1850 Pfarrer von Aufkirchen am Starnberger See. Im Dezember 1850 trat er zusammen mit dem späteren Abt Bonifaz Daniel Haneberg und Franz Hoffnaaß – als Benediktiner P. Odilo – in Sankt Bonifaz ein. Sie waren die ersten Novizen nach der Gründung der Abtei durch König Ludwig I. und der Weihe von Kirche und Kloster am 24. November dieses Jahres. Am 28. Dezember 1851 legte Zenetti zusammen mit seinen beiden Mitnovizen die Profess ab. Er war von 1853 bis 1856 Pfarrer von Sankt Bonifaz, Novizenmeister, unter Abt Haneberg Prior und zwei Jahre Leiter des Königlichen Erziehungsinstitutes und wurde 1866 von König Ludwig I. zum Gründungsprior von Schäftlarn, der letzten von Ludwigs Stiftungen, ernannt. Am 27. August 1872, nach der Berufung Hanebergs zum Bischof von Speyer, wählten ihn seine Mitbrüder in Sankt Bonifaz zu ihrem Abt. In der Öffentlichkeit sollte er in den kommenden mehr als 30 Jahren, die er dieses Amt bekleidete, wenig in Erscheinung treten. Dennoch hat er tiefe Spuren hinterlassen, deren Außenwirkung vor allem immer dann zu Tage trat, wenn es um die Feier von Jubiläen ging, die Abt Benedikt betrafen: sein 70. Geburtstag am 13. Mai 1891, den er auf eigenen Wunsch mit einer Wallfahrt nach Altötting beging, sein 50-jähriges Priesterund 25-jähriges Abtsjubiläum am 29. August 1897, der 80. Geburtstag 1901 und das Goldene Professjubiläum am 28. Dezember desselben Jahres. Wenn auch sein Nachlass

nicht sehr umfangreich ist, so sind es gerade diese Ereignisse, die in einer großen Zahl von Glückwunschsschreiben aus dem ganzen Land und aus allen Schichten und Gruppierungen der Bevölkerung bis hinauf zum Königshaus die Achtung und den Respekt widerspiegeln, die Abt Benedikt entgegengebracht wurden. Herausragende Daten in seiner Amtszeit waren die beiden Abteijubiläen 1875 und 1900: das 25-jährige und das 50-jährige Gründungsfest von Kloster und Pfarrei. 1875 hielt Bischof Daniel Bonifaz von Haneberg die Festpredigt und P. Beda Stubenvoll verfasste eine Festschrift, die vor allem die Gründungszeit behandelte – erstmals aus einem gewissen zeitlichen Abstand, nach 25 Jahren auch dies schon Geschichte. Zur 50-Jahrfeier 1900 beschränkte man sich auf interne Aktivitäten, wenn vor allem Rechnungen für notwendige Restaurierungs- und Verschönerungsmaßnahmen zu diesem Anlass überliefert sind. P. Odilo Rottmanner, der damalige Stiftsbibliothekar, hielt die Festpredigt und stellte dabei die Seelsorge in den Mittelpunkt, die Kirche aus »lebendigen Steinen« (1 Petr 2,4), »denn auch der herrlichste Tempel auf Erden ist vergänglich; nur die lebendigen Steine, deren Fundament Christus ist, bleiben ewig«. Für Rottmanner ergab sich dabei auch die Frage, »ob sich der Benediktinerorden mit der Seelsorge verträgt«. Er beantwortete diese Frage zwar mit Ja, wie sich in der »mehr als 1300-jährigen Geschichte« zeigen würde, meint aber auch Einschränkungen

feststellen zu müssen: »Als eine Schattenseite oder einen Mangel der durch Ordenspriester ausgeübten Seelsorge dürfen wir es wohl bezeichnen, daß hier der einzelne Seelsorger, auch wenn er Jahrzehnte lang in derselben Kirche, für die nämliche Pfarrgemeinde thätig ist, in der Regel darauf verzichten muß, seine eigenen Anschauungen, Kenntnisse und Erfahrungen in Hinsicht auf die geistige Führung der Pfarrei zur Geltung zu bringen, während er in der mehr selbständigen Stellung eines Weltgeistlichen die ihm anvertraute Gemeinde nach seinem besten Wissen und Gewissen zu der von ihm erstrebten Höhe führen oder doch diese Führung versuchen könnte.« Was die Pfarrei Sankt Bonifaz und ihr immenses Wachstum nach Westen anbelangt, scheint sich diese Aussage in den folgenden Jahren allerdings nicht bestätigt zu haben. Um 1880 gehörten rund 60.000 Gläubige zum Pfarrsprengel, eine Zahl, die ohne den Bau weiterer Kirchen nicht mehr sinnvoll betreut und versorgt werden konnte. Zenetti trat hier zwar nicht als der große Initiator in Erscheinung – das hätte nicht seiner Persönlichkeit entsprochen, bestimmte aber im Hintergrund gewährend und unterstützend den Fortlauf der Dinge. P. Magnus Sattler, der von 1870 bis 1873 seine Andechser Jahre unterbrach und in Sankt Bonifaz eingesetzt war, bevor er von Abt Benedikt als Prior nach Andechs zurückgesandt wurde, war hier die treibende Kraft. Sein Aufruf vom 10. April 1873 als Pfarrvikar von Sankt Bonifaz zum Bau einer zweiten Kirche in der Pfarrei auf der Schwanthaler Höhe war der Startschuss für die Entstehung der Pfarreien Sankt Benedikt und Sankt Rupert. Schon am 28. Juli 1878 konnte Abt Benedikt den Grundstein für die Benediktuskirche legen, am 31. Oktober 1881 wurde sie durch Erzbischof Antonius von Steichele geweiht. Doch es blieb nicht nur beim Kirchenbau. 1881/82 wurde die Benediktusschule eröffnet, 1883 kam die so genannte Benediktusanstalt hinzu, die sich die Betreuung von Kleinkindern zur Aufgabe machen sollte und den Franziskanerinnen von Mallersdorf anvertraut wurde. Durch die rasche Zunahme der berufstätigen Bevölkerung auf der Schwanthaler Höhe war


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Aus Kirche und Kloster

Des Jubels frohe Klänge rauschen wieder, Auf’s Neue schmückte sich die Hall zum Feste; Postkarte aus dem Jahr 1900 zum 50-jährigen Jubiläum von Basilika und Abtei Sankt Bonifaz mit den Porträts des Stifters König Ludwig I. und

Im heitern Wechsel reihn sich Lied an Lieder, Und freudger Gruß empfängt die hohen Gäste. Wenn wir den Meister erst gefeiert, ihn, der mit des Wissens hoher Kraft umwunden,

des amtierenden Abtes Bene-

den schmalen Weg uns führt zum Schönen hin;

dikt Zenetti.

Wem haben heute wir den Kranz gebunden? O freudig spricht’s uns jede Mien entgegen;

hier ein neues Tätigkeitsfeld erwachsen. Der ebenfalls in dieser Zeit gegründete Pfennigverein Sankt Benedikt trug zur finanziellen Unterstützung bei, so dass die Kinder zu ermäßigten Sätzen oder gar kostenlos aufgenommen werden konnten. 1885 wurde die Anstalt erweitert – um einen Kinderhort, Handarbeitsunterricht für Mädchen und eine Mittagsspeisung. Doch das Westend wuchs weiter und damit auch die Sorgen für Sankt Bonifaz. Deshalb wurde 1895 der Kirchenbauverein Sankt Rupert gegründet. Und auch hier ging es in unglaublicher Geschwindigkeit voran: 1901 Grundsteinlegung, am 25. Oktober 1903 die Benediktion der Kirche, am 8. April 1906 die Erhebung zur selbstständigen Pfarrei und am 13. September 1908 die Weihe durch Erzbischof Franz Joseph von Stein. Die Eröffnung der Kirche 1903 konnte noch Abt Benedikt vornehmen – mit 82 Jahren – und muss sich bei dieser Gelegenheit so schwer erkältet haben, dass er sich davon nicht mehr erholte. Am 18. Februar 1904 starb er und wurde in der Gruft von Sankt Bonifaz beigesetzt. Die Beileidskorrespondenz zu seinem Tod ist enorm und zeigt wieder, wie geschätzt und verehrt Zenetti auch ohne große Außenwirkung war. Der beißende Spott eines P. Odilo Rottmanner konnte zwar auf die Frage, wie es in Sankt Bonifaz gehe, antworten: »Ja, wir sind ein sehr musikalisches Haus. Der Abt spielt Piano, der Prior erste Geige und das Haus geht flöten …«, doch solche Worte erklären sich eher aus charak-

terlicher Verschiedenheit als aus mangelnder Führungsqualität. Abt Benedikt wird vielleicht am besten charakterisiert, wenn man die Feier seines Namenstages am 20. März 1865 im Königlichen Erziehungsinstitut betrachtet. Der Prolog zu den vielfältigen Darbietungen dieses Nachmittags, so blumig er nach unserem heutigen Geschmack sein mag, macht dies deutlich (siehe Gedicht). Solche Gedanken klingen auch in der Predigt zur Beisetzung des Abtes an, die wiederum P. Odilo Rottmanner gehalten hat – am 22. Februar 1904. Ausgehend von den Kapiteln 2 und 64 der Benediktsregel über die Anforderungen an den Abt eines Klosters heißt es: »Nehmen wir zu diesen ernsten Vorschriften der heiligen Regel einerseits die viel zu geringe Meinung, die Abt Benedikt von sich selber hatte, und anderseits die überaus schwierigen Aufgaben, wie sie gerade dem Abt von Sankt Bonifaz und Andechs obliegen, dann begreifen wir, daß Abt Benedikt vom Anfang bis zum Ende seiner langjährigen Amtszeit unter dem Drucke des ihm auferlegten Kreuzes seufzte (…) Wer immer mit Abt Benedikt in Berührung kam, dem mußte seine aufrichtige Frömmigkeit und Demut, seine Milde und Friedensliebe, sein würdevolles, im besten Sinne des Wortes vornehmes Wesen und Benehmen Hochachtung und Liebe abgewinnen…«

Und alle drängt’s, dies auszurufen laut: »Der Vater ist’s, dem Vater Glück und Segen, Ihm, dem der Eltern Sorge uns vertraut.« Der Vater ist es, der der Eltern Stelle Ersetzet mit der Liebe treuer Hand, der uns die Bahn auf schwanker Lebenswelle durchfahren lehrt zum ewgen Vaterland. Mit Vater-Ernst mahnt er, den Irrend stützend, Und bringt ihn wieder auf der Tugend Pfad, der Mutter heilge Liebe wachet schützend, Gefahr wenn drohen will der guten Saat. So bringen wir denn heute unsern Dank, Und flehen dir des Himmels reichsten Segen, der je ein edles Menschen-Thun umwand; Und Fried und Freud auch deinen fernen Wegen. Mög oft die Feier noch erstehen jung, da wir zum ersten Mal um dich uns finden; dann soll’n die Blüthen der Erinnerung An heute sich in späten Kränzen winden. Und jene junge Saat auch mög erblüh’n, Und dank der Hand, die sie gezogen, streun, Zu Füßen dir des Werkes schwere Mühn, Indem die reichen Früchte sie dir weihn. Und sollt’s vergessen einer der Entfernten – Du säest nicht für diese Welt allein: Hoch über Sternen wirst du erndten, Und dieses Ernte-Fest soll ewig sein. So greift denn fröhlich heut in alle Saiten, Zu feiern Ihn mit hoher Harmonienmacht, der vollste Ton schwing sich zu Jubel-Freuden,

Birgitta Klemenz

das schönste Lied sei heute dir gebracht.


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Ein Bild und seine Geschichte Birgitta Klemenz hebt Schätze aus dem Bildarchiv der Abtei Sankt Bonifaz

Mit dieser Ausgabe des Andechser Bergechos beginnt eine lockere Reihe, die sich mit Bildern aus dem Archiv der Abtei beschäftigt: Ein Bild und seine Geschichte. Den Anfang macht Abt Benedikt Zenetti, der sich im Jahr 1900 mit einigen seiner Mitbrüder im Kapitelsaal von Sankt Bonifaz hat fotografieren lassen.

D

as Foto ist in mehreren Exemplaren überliefert. Eines befindet sich im Archiv von Sankt Bonifaz, die beiden anderen im Archiv des Klosters Andechs. Die Ausschnitte sind unterschiedlich, das qualitativ beste ist hier abgebildet. Auf dem Foto von Sankt Bonifaz ist in der oberen rechten Ecke mit Kugelschreiber vermerkt: 1900 Sankt Bonifaz im Kapitelsaal. Dem Foto hat dieser Vermerk nicht gut getan, der Zuordnung leistet er allerdings wertvolle Dienste. Außerdem sind hier auf der Rückseite die abgebildeten Mönche verzeichnet (stehend von links nach rechts im Zickzack): P. Rupert Jud, P. Augustin Engl, P. Marian Beyerl, P. Odilo Rottmanner, P. Hugo Strähuber, P. Max Kölbl, P. Romuald Deller, P. Maurus Mayerhofer und P. Wolfgang von Gruben. Neben Abt Zenetti in der Mitte sitzt P. Prior Johannes vom Kreuz Klingl. Von 18 Patres, die im Catalogus von 1900 für Sankt Bonifaz genannt werden (die Andechser Patres und Brüder werden eigens aufgelistet), sind zehn auf diesem Foto vertreten. Wahrscheinlich handelt es sich um die in Sankt Bonifaz tätigen Mönche, denn fünf der nicht gezeigten befanden sich zu

dieser Zeit in der Pfarrei Sankt Benedikt und einer hielt sich vorübergehend in Scheyern auf. Von den beiden anderen, P. Subprior Melchior Eberle und P. Gregor Rossi, beide Jahrgang 1828, kann kein Grund für die Abwesenheit festgestellt werden – allenfalls Krankheit. P. Rupert Jud (geb. 1871), P. Augustin Engl (geb. 1872), P. Marian Beyerl (geb. 1861), P. Maximilian Kölbl (geb. 1856), P. Maurus Mayerhofer (geb. 1867) und P. Wolfgang von Gruben (geb. 1872) waren Katecheten und Kapläne, P. Odilo Rottmanner (geb. 1841) neben anderer Aufgabenbereiche der berühmte Bibliothekar der Stiftsbibliothek von Sankt Bonifaz, P. Romuald Deller (geb. 1829) wird als Senior des Konvents, als Katechet und Sakristan benannt. P. Hugo Strähuber (geb. 1824) schließlich hatte Abt Bonifaz Haneberg 1861 auf dessen Afrikareise begleitet, wohl auch, weil er vor seinem Eintritt in Sankt Bonifaz als Kaufmann und Bankangestellter tätig gewesen war und bereits mehrere größere Reisen in Europa gemacht hatte. Abt Haneberg wollte mit dieser Reise nach Nordafrika die Möglichkeit einer Klostergründung in Augenschein nehmen, deshalb blieb P. Hugo

auch in Tunis zurück, als sein Abt wieder nach Hause reiste. Er wurde erst 1864 nach schweren Unruhen von Abt Bonifaz abberufen, das Projekt Nordafrika war damit gescheitert. Auf dem Altar im Hintergrund stehen als Assistenzfiguren einer Muttergottes, deren Verbleib nicht bekannt ist, die Heiligen Benedikt (links) und Bonifatius (rechts), die nach der Gründung der Sankt Gregorius-Anstalt nach Rothenfeld gebracht wurden und heute in der Chorkapelle von Sankt Bonifaz aufgestellt sind. Die beiden Bilder links und rechts vom Altar gehören zusammen und zeigen die Verkündigung durch Gabriel an Maria. Sie befinden sich heute im Klausurgang der Abtei beim Eingang zum Refektorium. Die Zuordnung des Raumes als Kapitelsaal ist nicht eindeutig geklärt. Eine zweite Aufnahme zeigt vor demselben Hintergrund die Brüder von Sankt Bonifaz. Von ingesamt 26 laut Catalogus von 1900 sind 16 abgebildet – leider ohne Beschriftung.


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Aus Kirche und Kloster

Von der Liebe und Großzügigkeit Gottes Eine Einführung ins Lukas-Evangelium

Nur das Lukas-Evangelium gibt am Anfang seiner umfassenden Darstellung von Leben und Wirken, von Leiden und Auferstehung Jesu einen Adressaten an, Theophilus. Seine Fortsetzung findet es in der Apostelgeschichte, die schildert, wie sich die Botschaft Jesu im Leben der jungen Kirche auswirkt und die Welt erobert. Abt Odilo führt in das Lukas-Evangelium ein, das im Mittelpunkt dieses Kirchenjahres steht.

S

o sehr sich in diesem Evangelium also ein geschichtliches Interesse und eine schriftstellerische Absicht äußert, so wird doch zugleich deutlich, dass es sich beim Christentum nicht um eine Buchreligion handelt, sondern um ein Ereignis in der Geschichte, das für die Menschen damals wie für alle folgenden Generationen Heilsbedeutung hat. Dieses Ereignis wird weitererzählt und im Hören aufgenommen. Auch wir dürfen, wenn wir das Lukasevangelium hören, uns angesprochen fühlen als ein Theophilus, als von Gott Geliebte. Von der Zuverlässigkeit dieser Botschaft will uns Lukas überzeugen. Die Abfassung des dritten Evangeliums fällt wohl in die Jahre 80 bis 90. Die altkirchliche Überlieferung identifiziert seinen Verfasser mit »dem Arzt Lukas, unser lieber Freund« des Kolosserbriefes (Kol 4,14), also einem Mitarbeiter des Paulus. Worauf sollten wir bei Lukas besonders achten? Charakteristisch ist für ihn die Betonung der Barmherzigkeit Gottes, der Liebe Jesu zu den Verlorenen. Das 15. Kapitel hat

man darum mit Recht als das »Evangelium im Evangelium« bezeichnet. Die Freude über das Finden des Verlorenen (des Schafes, der Drachme) wird besonders deutlich in der Freude des Vaters über den wieder gefundenen Sohn. Die Gleichnisse sollen uns dazu anregen, uns selber betroffen zu fühlen: hier im Elend, in der Entfremdung des jüngeren Sohnes, der die unbegreifliche Entlassung in seine eigene Freiheit erfahren hat und in der äußersten Not zu sich zurückfindet und der dann die volle Liebes- und Festgemeinschaft mit dem Vater erfährt. Aber wir dürfen uns auch von dieser Großzügigkeit Gottes umwerben lassen, wenn wir wie der ältere Sohn draußen stehen bleiben, nicht hineingehen wollen in die unendliche Weite Gottes, die immer größer ist als unsere eigenen Vorstellungen. Die Auslegung des Hauptgebotes der Liebe durch das Gleichnis vom barmherzigen Samariter macht deutlich, worauf es ankommt: auf die Tat der Barmherzigkeit, auf das Mitleiden und Mitfühlen, auf die Über-

windung der Gleichgültigkeit des Vorübergehens (Lk 10,30 –37). Lukas hat einen großen Teil seines Evangeliums als Weg beschrieben, als Reisebericht der Pilgerschaft zur Vollendung in Jerusalem (Lk 9,51–19,27). Es ist der Pilgerweg zum Paschafest, das zum eigentlichen Lebensziel Jesu wird. Für Lukas ist dies in besonderer Weise der Weg des Leidens. Dass der Messias, der Befreier seines Volkes, identisch mit dem leidenden Gottesknecht des Jesaja ist, dass Jesu Weg so schon in den Schriften des Ersten Bundes vorgezeichnet ist, dass dies aber den Jüngern unverständlich bleibt, betont Lukas in besonderer Weise. Es bedarf schließlich noch des Weges des Auferstandenen nach Emmaus, damit die Jünger »glauben, was die Propheten gesagt haben« (Lk 24, 25). Dieser Weg Jesu braucht Weggefährten. Von den Nachfolgeworten Jesu sind auch wir betroffen. Es bedarf der entschiedenen Nachfolge, um das Wort Jesu »Folge mir nach« aufzunehmen. Diese Entschiedenheit


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lässt keine Halbheit, keine Verzögerung zu: »keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes«. Im Besonderen ist der Reichtum ein Hindernis für die Nachfolge: »Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen!« (Lk 18, 24). Darum finden wir die Seligpreisungen in der Feldrede des Lukas im Gegensatz zur Bergpredigt bei Matthäus ganz als Zuspruch an die real Armen, an die jetzt Hungernden und Weinenden, an die hier Verfolgten. Darum sind sie verknüpft mit den Wehrufen über die Reichen, Satten, Lachenden, von den Menschen Gelobten. Die Adressaten des Lukasevangeliums können nicht mehr das Ende der Welt als ganz nahe bevorstehend oder mit der Zerstö-

rung Jerusalems unmittelbar verknüpft sehen. Darum wird zur bleibenden Wachsamkeit in der Erwartung des wiederkommenden Herrn aufgerufen. Wie das Matthäusevangelium stellt auch Lukas dem Bericht über das Wirken und Sterben Jesu eine Kindheitsgeschichte voran, die die Herkunft Jesu, seinen göttlichen Ursprung aufleuchten lässt (Lk 1,5–2,52). Lukas stellt die Geschichte der Geburt Johannes des Täufers und die von Jesus nebeneinander. Erzählt wird sie aus der Perspektive Marias. In dieser Kindheitsgeschichte finden wir auch die Hymnen, die ganz aus dem Liedgut des alttestamentlichen Gottesvolkes gespeist sind und Kernbestand der christlichen Tagzeitenliturgie geworden sind, in die wir

am Morgen, am Abend und zum Tagesabschluss dankbar einstimmen sollen. Es sind: das Benediktus, das Lied des Zacharias, das durch die Überlieferung der jüdischen Messiaserwartung geprägt ist (Lk 1,67–79); das Magnifikat, das Preislied Mariens, das den Dankpsalm der greisen Hannah fortführt (Lk 1,46–55; 1 Sam 1–10); und schließlich das Nunc dimittis, der Gesang des greisen Simeon, der an die Verheißung des Jesaja anknüpft (Lk 2,29–32). Das Hören der Botschaft Gottes kann auch uns zu dankenden, zu preisenden, zu erlösten Menschen machen.

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Aus Kirche und Kloster

Benediktinische Ökumene – »Wer im Glauben fortschreitet, dem wird das Herz weit« (aus dem Prolog der Benediktsregel)

Katholische Benediktiner und evangelische Benediktinerinnen – Brückenbauer der Ökumene

Chancen benediktinischer Ökumene aufzuzeigen war Thema des Podiumsgesprächs im Rahmen des Colloquium Benedictinum in Sankt Bonifaz zwischen Sr. Roswitha Cordula Sagner und Sr. Kathrin-Susanne Schulz von der evangelischen Communität Casteller Ring und P. Benedikt Probst und Fr. Paulus Schwabegger von der Abtei Sankt Bonifaz. Gemeinsam beschäftigten Sie sich mit der Frage, worin benediktinische Beiträge zur Ökumene bestehen können.

D

ie Benediktsregel stammt aus dem 6. Jahrhundert, etwa fünfhundert Jahre vor der Spaltung zwischen den Kirchen des Ostens und der Westkirche und etwa eintausend Jahre vor der Reformation. Getragen von einer Spiritualität, die sowohl biblisch fundiert als auch eng mit der Person Jesu Christi verbunden ist, atmet sie den Geist der Alten Kirche, ausdrücklich erwähnt im 73. Kapitel, und gehört darum zum ökumenischen Gedächtnis. Die Geschichte als Erbe und Auftrag verstehen

In einen ökumenischen Dialog einzutreten bleibt ohne historisch-kritisches Erforschen der eigenen geistigen Wurzeln und ihres Umfelds oberflächlich. Schrift und Überlieferung der Alten Kirche bilden Grundlage und

Bezugspunkt aller ökumenischen Gespräche. Ökumene, die diesen Namen verdient, entwickelt sich dort, wo man um ein gemeinsames Fundament weiß, Unterschiede wahr sein lässt und sich um Verstehen bemüht. Die Hl. Schrift kann heute nicht mehr ausschließend der Tradition gegenübergestellt werden, da sie ja selbst schon Überlieferung ist. Ihr kommt eine bloß abgeleitete Autorität zu: Die letzte Autorität ist Gott selbst, der jenes Wort wirkt, das glaubendes Vertrauen der Menschen begründet. Wesentlich bleibt die von ihm verheißene und in ihm allein begründete Hoffnung auf Leben. Jede Zeit bedarf der Auslegung der Schrift, um dieses Gottvertrauen für die Gegenwart zu übersetzen. Wir halten die Hl. Schrift als Urkunde des Glaubens in den Händen vor dem Hintergrund der Geschichte – daran sind später gewachsene Traditionen kritisch zu messen. Ausrichtung auf Jesus Christus bewahren

Ökumenischer Dialog geschieht in Zeitund Lebenskontexten. Er hinterfragt den gewordenen Glauben der Kirchen und die Lebenspraxis, die daraus hervorgeht. Er geht einher mit der Bereitschaft zum authentischen Zeugnis für den eigenen Glauben. Die Benediktsregel spricht an ausgewählten Stellen (z.B. in den Kapiteln 4, 5, 6, 7 und 72) von Jesus Christus in markanter Weise und ruft dazu auf, sich auf seine Botschaft einzulassen, um eines erfüllten Lebens willen – die Gottsuche des Mönches ist ein Nachgehen seiner Spuren. Auf dem Hintergrund dogmatischer Engführungen und angesichts

aktueller gesellschaftlicher Umbrüche fördert es ein ökumenisches Weitergehen, sich über die in unserer Gesellschaft jetzt gefragten Inhalte des Zeugnisses zu verständigen. Die Regel beschreibt im 48. Kapitel den Wechsel zwischen Gebet, Arbeit und Lesung. Sie will damit Engführungen wehren und den Mönch zum inneren Geordnetsein führen – was zu tun ist, geschieht in Konzentration auf das jeweils Notwendige. Wenn sich die Glaubwürdigkeit des Zeugnisses der Kirchen durch die Festigung des Gemeinsamen erhöht und gesellschaftlich greifbar wird, stellt sich, ausgehend von einer relevanten Praxis, auch die Frage neu, in welchem Verhältnis das Wort der Hl. Schrift – schriftliches Wort – und das Wort des Zeugnisses – personale Tradition – stehen. Die Vielfalt schätzen lernen

Das Evangelium Jesu Christi gilt unterschiedslos allen Menschen, was nicht bedeutet, dass die Christusgläubigen ohne Unterschiede alle eins wären. In der Spiritualität der Mönchsväter nimmt die Taufe einen großen Stellenwert ein: Im Zeichen des Wassers verdeutlicht sich das neue Leben in Jesus Christus und das Hineingebundensein in Gott. Die eine, gemeinsame Taufe der Christen bleibt nicht folgenlos für die Ökumene zurück. Der erste Korintherbrief hebt im 12. Kapitel hervor, dass die Kirche von der Unterschiedlichkeit der Gaben lebt, die der Geist Christi zum Wohle aller schenkt. Paulus ist es wichtig, dass zum einen jedes Gemeindemitglied die Vielfalt der Gaben in


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Abt Johannes Eckert, P. Benedikt Probst, Fr. Paulus Schwabegger, Sr. Roswitha Cordula Sagner, Sr. Kathrin-Susanne Schulz

ihrer Unterschiedenheit und Zugehörigkeit zu dem einen Leib anerkennt, zum anderen, dass ebenso gegenseitige Sorge geschieht. Einheit ist nicht mit Uniformität zu verwechseln (vgl. dazu die Benediktsregel in den Kapiteln 2; 3; 5; 34). Wächst aus der Anerkennung der Vielfalt innerhalb der Kirchen auch ein schöpferischer Umgang mit der Vielfalt konfessioneller Traditionen? Das paulinische Verständnis von der Einheit des Leibes in der Vielfalt und damit Unterschiedenheit der Gaben kann zur Einsicht führen, dass die konfessionellen Traditionen nicht der Einheit des Leibes entgegengesetzt sind, sondern einander bereichern. Gastfreundschaft üben

Das gemeinsame Hören auf das Wort Gottes macht das Kloster zum »Haus Gottes« (vgl. dazu die Kapitel 31 und 53 der Regel). Benediktinerklöster sind Orte gelebter Ökumene und »Schulen« der Ökumene. Für viele Menschen bedeuten sie bereits heute Orte geistiger Verwurzelung. Auf Zukunft hin könnten sie auch überkonfessionelle Schulen des Glaubens sein, in denen der einzelne durch ein Geistliches Leben in Gemeinschaft gleichsam »organisch« zum Glauben findet. Die Benediktsregel legt in den Kapiteln 53 und 61 den Schwerpunkt auf eine geistlich begründete Aufnahme aller Gäste. Der Gast, aufgenommen in den Lebensraum der Mönche, ist eingeladen, auf der Gottsuche der Mönche ein Stück weit mitzugehen und auch mitgenommen zu werden. Benedikti-

nische Gastfreundschaft vereinnahmt nicht und zwingt nicht, sondern lädt ein. Ökumenische Begegnungen im Geist der Wahrhaftigkeit und Wertschätzung allein führen nicht zur kirchlichen Einheit. Bei aller Verständigung verbleiben Differenzen. Die Wiederherstellung der Einheit der Christen heißt realistischerweise nicht, dass wir zur Kirche des ersten Jahrtausends zurückkehren, als ob jene Konflikte, die die Christenheit zerteilt haben, nie existiert hätten. Jede Kirche hat ihre Geschichte und ihre gewachsenen Traditionen. Ökumene braucht Geduld und schöpferisches Warten. Bedenken wir dabei den kurzen Zeitraum, seit dem eigentliche Ökumene geschieht und die vielen Jahrhunderte, die dem vorausgegangen sind. »Nimm diese einfache Regel als Anfang und erfülle sie mit der Hilfe Christi« heißt es am Ende der Regel (Benediktsregel Kapitel 73). Sie betrachtet den Mönch als Menschen, der, im Glauben unterwegs, ein Werdender ist. Gestehen sich die Kirchen ein WERDEN zu? Wohin tragen uns die jeweiligen kirchlichen Regeln – halten sie, was sie versprechen? Eine Auskunft darüber mag bereits der Weg der Christenheit in der Geschichte geben: nämlich von dem, was sie bewegt und von dem, DER sie bewegt. Fr. Paulus Schwabegger

CASTELLER RING

Die Communität Casteller Ring ist eine Schwesterngemeinschaft innerhalb der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, die im Geist der Benediktsregel lebt und auf dem Schwanberg bei Würzburg beheimatet ist. Heute kommt der Gemeinschaft als geistliches Zentrum für die Region große Bedeutung zu. Inspiriert von der liturgischen Erneuerungsbewegung in den 1930er Jahren, wollten junge Pfadfinderinnen in der evangelischen Kirche Liturgie mit einem Leben in Gemeinschaft verbinden. Nach 1945 wurde die Idee eines gemeinsamen Lebens erneut aufgegriffen. P. Theophil Lamm von der Benediktinerabtei Münsterschwarzach führte die Schwestern unter der Leitung von Christel Schmid und Maria Pfister zu einem Leben im Geist der Benediktsregel hin. Abt Emmanuel Heufelder von der Benediktinerabtei Niederaltaich ermunterte die junge Gemeinschaft immer wieder, da sie sich vor allem in der eigenen Kirche Misstrauen und Anfeindungen gegenübersah. Seit 1957 hat die Communität Casteller Ring ihren Sitz auf dem Schwanberg und zählt etwa 40 Mitglieder. Ihr kommt heute in beiden Kirchen hohe Wertschätzung zu, unterhält sie doch rege Beziehungen zu evangelischen und katholischen Ordensgemeinschaften und pflegt das ökumenische Gespräch.


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Aus Kirche und Kloster

Andechser Dreihostienfest mit dem Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch Traditionsreicher Höhepunkt der ältesten Wallfahrt Bayerns am 20. Juni 2010

Das Dreihostienfest begeht das Kloster Andechs wie jedes Jahr am vierten Sonntag nach Pfingsten. Um 9.00 Uhr feiert Robert Zollitsch, Erzbischof von Freiburg im Breisgau und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, ein Pontifikalamt in der Wallfahrtskirche. Im Anschluss folgt die traditionelle Prozession mit der Dreihostienmonstranz rund um die Wallfahrtskirche. Zu Festgottesdienst und Vesper sind alle Wallfahrer und Besucher des Heiligen Berges an diesem Tag herzlich eingeladen.

H

öhepunkt des Andechser Dreihostienfestes ist das große Pontifikalamt, das Erzbischof Robert Zollitsch am 20. Juni 2010 um 9.00 Uhr in der Andechser Wallfahrtskirche feiern wird. Besonders lebendig wird an diesem Tag das Leitwort werden, das Erzbischof Zollitsch über seinen bischöflichen Dienst gestellt hat: »in der Gemeinschaft des Glaubens«. Zahlreiche Gottesdienstbesucher, Wallfahrer und Fahnenabordnungen der örtlichen Vereine werden am Festgottesdienst und an der Prozession teilnehmen. Die Andechser Chorgemeinschaft gestaltet das Pontifikalamt musikalisch. Im Anschluss an das Pontifikalamt folgt die traditionelle Prozession mit der Dreihostienmonstranz rund um die Wallfahrtskirche. Zwei Altäre säumen den Weg der Prozession, bevor der sakramentale Segen in der Wallfahrtskirche den Abschluss bildet. Den Festtag auf dem Heiligen Berg beschließt eine

Pontifikalvesper um 14.00 Uhr in der Wallfahrtskirche. Robert Zollitsch wurde am 9. August 1938 als Donauschwabe in Filipovo (Philippsdorf) im ehemaligen Jugoslawien geboren. Nach der Vertreibung und Flucht aus der Heimat kam die Familie 1946 nach Oberschüpf im Landkreis Tauberbischofsheim und damit in die Erzdiözese Freiburg. Von 1960 bis 1964 studierte er als Priesteramtskandidat Theologie an der AlbertLudwigs-Universität Freiburg und an der Ludwig-Maximilian-Universität München. Nach der pastoral-praktischen Ausbildung im Priesterseminar Sankt Peter wurde er am 27. Mai 1965 im Münster in Freiburg von Erzbischof Hermann Schäufele zum Priester geweiht. Im März 1974 wurde Robert Zollitsch mit einer Dissertation über »Amt und Funktion des Priesters in den ersten zwei Jahrhunderten« von der Theologischen Fakultät der AlbertLudwigs-Universität Freiburg zum Doktor der Theologie promoviert.

Im April 1983 berief ihn der Freiburger Erzbischof Oskar Saier als Mitarbeiter ins Erzbischöfliche Ordinariat und übertrug ihm die Aufgabe des Personalreferenten. Bis zu seiner Wahl zum Erzbischof von Freiburg war Robert Zollitsch verantwortlich für den Einsatz aller Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die in der Seelsorge tätig sind: Pfarrer und Kapläne, Ständige Diakone, Pastoralreferenten und Pastoralreferentinnen sowie Gemeindereferenten und Gemeindereferentinnen. Am 20. Juli 2003 wurde Robert Zollitsch zum Bischof geweiht und in sein Amt als Erzbischof der 1827 gegründeten Erzdiözese eingeführt. Am 18. Februar 2008 wählte ihn die Deutsche Bischofskonferenz als Nachfolger des Mainzer Bischofs Karl Kardinal Lehmann zu ihrem Vorsitzenden.


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I N F O R M AT I O N

Von den Drei heiligen Hostien gehen zwei auf den Hl. Papst Gregor den Großen († 604) und eine auf den Hl. Papst Leo IX. († 1054) zurück. Auf Vermittlung der Andechs-Meranier auf dem Bamberger Bischofsstuhl sind sie schon im 12. Jahrhundert aus Rom über

Bamberg auf die Andechser Burg gekommen. Etwa seit 1130 ist auch die Andechser Wallfahrt bezeugt. Nach der Zerstörung der Burg um 1248 galten sie – wie der restliche »Heiltumsschatz« – rund 140 Jahre als verschollen. Ihre Wiederauffindung 1388 erregt großes Aufsehen und belebt die Andechser Wallfahrt neu. Der päpstliche Kardinallegat Nikolaus von Kues heißt die Wallfahrt Mitte des 15. Jahrhunderts ausdrücklich gut und empfiehlt ihre weitere Durchführung. Im Zuge der neu aufblühenden Wallfahrt wird zu Beginn des 15. Jahrhundert auch der Bau der Andechser Wallfahrtskirche in Angriff genommen. Herzog Ernst von Bayern fördert Wallfahrt und Seelsorge auf dem ehemaligen Andechser Burgberg, dem er den Namen »Heiliger Berg« gibt. So wird aus dem Burghügel des Andechser Grafengeschlechtes der Heilige Berg Bayerns. 1455 erfolgt die

Stiftung des Benediktklosters durch seinen Sohn, Herzog Albrecht III., der die Benediktiner aus dem Reformkloster Tegernsee mit der Betreuung der Wallfahrt beauftragt. Das Dreihostienfest wird jährlich am vierten Sonntag nach Pfingsten gefeiert. Als liturgische Texte werden die Messformulare des Fronleichnamsfestes verwendet. An diesem Tag kommt die ursprüngliche ChristusWallfahrt am Heiligen Berg besonders deutlich zum Tragen. Die Gläubigen verehren in Brot und Wein den gegenwärtigen Herrn. Die Feier des Dreihostienfestes will bezeugen, dass Christus in seiner Kirche lebt und die Menschen im Glauben zusammenführt. So ist das Dreihostienfest auch Zeichen für die Völkerwallfahrt zum Heiligen Berg Zion, wie sie der Prophet Jesaja verheißt. Gott selbst lädt hier ein zum Gastmahl und stiftet Gemeinschaft über alle Grenzen hinweg.


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Aus Kirche und Kloster

»

Ich gehe als

missionar ,

nicht als

«

zwangsarbeiterr Marcel Callo ein Glaubenszeuge unserer Tage

Mit der Linzer Pfarrei »Marcel Callo« ist der Heilige Berg auf vielfältige Weise verbunden. Marcel Callo aus dem französischen Rennes starb als christlicher Missionar und Zwangsarbeiter während der NS-Diktatur. 1987 wurde er selig gesprochen. Von seinem Kommunionanzug befindet sich ein Teil im Kloster Andechs.

M

arcel Callo wird am 6. Dezember 1921 als zweitältestes von neun Kindern in einer religiösen Arbeiterfamilie im französischen Rennes geboren. Als Kind arbeitet er aktiv bei den Pfadfindern mit und tritt mit 13 Jahren zu Beginn seiner Buchdruckerlehre der Christlichen Arbeiter-Jugend (CAJ) bei. Aus der Feier der Eucharistie schöpft er Kraft für sein Wirken als »Laienapostel der Arbeiter«. In seiner Pfarrei Sankt Albin wird er Leiter der CAJ und wirkt als Vorkämpfer für eine missionarische Jugendarbeit. Am 19. März 1943 wird er als 22-Jähriger von Frankreich zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt. Mit der Einstellung

»Ich gehe nicht als Arbeiter dorthin – ich fahre als Missionar« nimmt er die Arbeit in Deutschland auf. 1943/44 lebt Marcel Callo im Lager von Zella-Mehlis in Thüringen und arbeitet in einer Waffenfabrik an der Montage von Leuchtpistolen. Im Arbeitslager sammelt er seine Kameraden zum Gottesdienst und ist als Krankenpfleger und Chorleiter für sie tätig. Er gründet eine katholische Aktionsgruppe aus französischen Jungarbeitern und Pfadfindern. Im April 1944 wird er von der Gestapo mit der Begründung verhaftet, dass er sich durch seine Missionstätigkeit als »Schädling für die Regierung der nationalsozialistischen Partei und für das Heil des deutschen Volkes erwiesen« habe. Die CAJ wird verboten. Marcel Callo wird für fünf Monate in Gotha inhaftiert. Im Oktober 1944 wird er mit seinen Kameraden ins Konzentrationslager abtransportiert. Nach Umwegen über Flossenbürg und Hof landet er schließlich im Konzentrationslager Mauthausen, wo er am 19. März 1945 stirbt. 1987 wird Marcel Callo in Rom von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen. Viele Bischöfe aus verschiedenen Ländern, u. a. auch Bischof Maximilian Aichern aus Linz, nehmen an der Zeremonie teil. Aus dem Heimatbistum Marcel Callos pilgern über 800 Menschen nach Rom. ➽ siehe auch Essen und Trinken


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GENUSS & NATĂœRLICHKEIT Eine bayerische Brotzeit beginnt mit einem Andechser dunkel aus der Hofpfisterei

www.hofpfisterei.de


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Aus Kirche und Kloster

Nachbarschaft als Schlüssel zur Ökumene Neues Buch zum Ökumenischen Kirchentag 2010 in München

Die evangelische Regionalbischöfin von München, Susanne Breit-Keßler, und der katholische Benediktinerabt von Sankt Bonifaz und Andechs, Johannes Eckert, sind Nachbarn. Das evangelische Landeskirchenamt liegt direkt neben dem Benediktinerkloster in München – sozusagen Tür an Tür. Nach verschlossenen Türen steht den beiden Geistlichen keineswegs der Sinn. Im Gegenteil: Diese Nachbarschaft verpflichtet, finden die Bischöfin und der Abt. Wo sonst kann Ökumene gelebt werden, wenn nicht hier, in christlicher Nachbarschaft?

K

urz vor dem zweiten Ökumenischen Kirchentag, der im Mai 2010 in München stattfindet, erscheint dieses Buch als Meilenstein des guten ökumenischen Miteinanders: Im Gespräch klären Susanne BreitKeßler und Johannes Eckert, was eine gute Nachbarschaft in räumlicher, aber auch in ökumenischer Hinsicht ausmacht. Kann der Begriff Nachbarschaft ein Schlüssel sein, um das Tor zur weitgehend stagnierenden Ökumene wieder zu öffnen? Ja, sagt Matthias Morgenroth, der die beiden interviewt hat und im Buch selbst Texte zur Geschichte der Ökumene in Bayern beisteuert. »Der Begriff der Nachbarschaft nimmt eines ernst, was in der oft ziemlich verkopft wirkenden ökumenischen Debatte vielfach auf der Strecke

bleibt: Ökumene ist auf gemeindlicher Ebene entstanden, sozusagen unter Nachbarn. Am Gartenzaun.« Als Mitautorin von Abt Johannes Eckert ist Susanne Breit-Keßler nach mehrjährigen Erfahrungen als Journalistin und Publizistin seit 2001 Regionalbischöfin und Oberkirchenrätin im Kirchenkreis München. Die bekannte Rundfunkpredigerin hat verschiedener Ämter in der Evangelischen Kirche in Deutschland inne und hat zahlreiche Bücher veröffentlicht. Als theologische Beraterin der Chefredaktion ist sie mit der Zeitschrift Chrismon verbunden. Matthias Morgenroth ist Germanist, evangelischer Theologe und als HörfunkJournalist beim Bayerischen Rundfunk tätig.

Er berichtet v. a. über kirchenpolitische und religiöse Themen. Zudem ist er Redakteur bei Publik-Forum »Extra« und ist seit Jahren in der Jugendarbeit engagiert. Er hat zahlreiche Sach-, sowie Kinder- und Jugendbücher geschrieben und lebt mit seiner Familie in München. I N F O R M AT I O N

Susanne Breit-Keßler, Johannes Eckert, Matthias Morgenroth Wie bei Nachbarn, die sich mögen So lebt Ökumene ISBN: 978-3-466-36870-9, ca. 144 Seiten, 12,95 Euro mit Illustrationen v. Johann Mayr ➽ s. auch Termine und Veranstaltungen

Patenschaftsaktion für die Orgel

Orgelpatenschaften haben übernommen (Zeitraum 1. 11. 2009 bis 30. 2. 2010):

Alexandra Heimeran, Leonhard Völcker, Ekkehard Starker, E. B. L. V. Glotzbach, Helga Richter, Thomas Löffler, Martha Magdalena Keller, Catharina van Douwe, Albert und Karin Dirsch, Carina Erhard, Stephen Richter, Wolfgang Josef Albert Lugert, Josef Götzenberger, Florian Krammel, Hoffmann, J., H., Hoffmann H. + M., Anja Schölderle,

Elfriede Vogl, Manfred Viehl, Jonathan Drahtschmidt, Eva Hahn-Lüft, Societas amicorum Montis Sancti, Anton Emil Zott Nähere Auskünfte über Orgel-Patenschaften unter: Tel: 08152/376-312 Fax: 08152/376-267 freundeskreis@andechs.de www.andechs.de


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»Helfen Sie mit!« Spendenaktion für die Obdachlosenhilfe Sankt Bonifaz

O B DAC H LO S E N H I L F E

»Vor Gott sind alle gleich – auch bei uns!« nach diesem Leitsatz engagiert sich die Obdachlosenhilfe Sankt Bonifaz seit 15 Jahren für obdachlose Männer und Frauen. Mit der Aktion »Helfen Sie mit« können Sie die Arbeit der Obdachlosenhilfe unter-stützen.

Sankt Bonifaz im Haneberghaus »Vor Gott sind alle gleich – auch bei uns!« – nach diesem Leitwort engagiert sich die Obdachlosenhilfe der Abtei seit 15 Jahren für obdachlose Männer und Frauen. Durch die Lage der Abtei am Münchner Hauptbahnhof suchen viele Menschen ohne festen Wohnsitz Hilfe bei Fr. Emmanuel und seinen Mitarbeitern. Seit 2001 hat die Obdachlosenhilfe mit dem Haneberghaus – benannt nach Bonifatius Haneberg, dem zweiten Abt von Sankt Bonifaz – eigene Räume auf dem Gelände der Abtei.

D

ie abgebildeten Spendenkarten stehen für eine Idee von Mitgliedern des Kuratoriums des Freundeskreisess von Sankt Bonifaz. Mit dem Erwerb einer Karte können Sie selbst bestimmen, wofürr wir Ihr Geld in unserer Obdachlosenbetreuuung verwenden. Die Karten liegen demnächst an den Klosterpforten in Andechs und München zum Kauf auf. Mit den Karten haben Spender vielfältige Möglichkeiten zur konkreten Unterstützung der Obdachlosenhilfe: ■ ■ ■ ■

eine Woche Suppe kostet 50 Euro ein Tag Zucker kostet 10 Euro eine Woche Milch kostet 50 Euro ein Tag Obst kostet 20 Euro

Fr. Emmanuel Rotter, Leiter der Obdachlosenhilfe Sankt Bonifaz im Haneberghaus, sagt schon jetzt jedem herzlichen Dank, der sich entschließt, mit seiner Spende denen zu helfen, die sich an die Obdachlosenhilfe wenden auf der Suche nach Hilfe und Trost.

200 Personen erhalten täglich eine kostenfreie warme Mahlzeit. In einem Jahr hilft die Kleiderkammer 30.000 Menschen weiter, 4.000 Personen nutzen die Dusch- und Bademöglichkeiten, 1.500 Menschen behandelt die Arztpraxis. Ein Sozialarbeiter berät die Betroffenen und knüpft Kontakte zu sozialen Einrichtungen. S P E N D E N KO NTO

Abtei Sankt Bonifaz OFW (ohne festen Wohnsitz) Liga-Bank eG München BLZ: 75090300 Konto: 2214300

Getragen wird die Obdachlosenhilfe von der Abtei. Diese ist auf Spenden angewiesen, um die Kosten für Personal, Räume, Lebensmittel und Medikamente zu decken. Unterstützt wird die Obdachlosenarbeit von der Bonifatius-Haneberg-Stiftung, dem Krankenhaus der Barmherzigen Brüder und dem Sozialamt der Stadt. Mehr über unsere Arbeit erfahren Sie im Internet: www.sankt-bonifaz.de


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Aus der Brauerei

Alkoholfreier »Genuß für Leib & Seele« Andechser Zitronenlimonade, Apfelschorle, Colamix und Tafelwasser

Durst wird mit den »Alkoholfreien« der Klosterbrauerei Andechs erst richtig schön. Charakteristisch und unverwechselbar im Geschmack sind alle vier Sorten – im Fass und in der Flasche. Die Andechser »Alkoholfreien« werden sowohl im Bräustüberl wie auch auf Festen und in ausgewählten Gastronomien ausgeschenkt. Wer Andechser Apfelschorle, Zitronenlimonade, Colamix und Tafelwasser auch zu Hause genießen möchte, erhält sie in der Expedition der Klosterbrauerei Andechs.

Andechser Apfelschorle

Andechser Colamix

Fruchtige Apfelfrische vom

Der Andechser Muntermacher

Heiligen Berg

für Jung und Alt

U

nsere alkoholfreien Getränke beleben und sind ein idealer Durstlöscher für alle, die bewusst leben und auf Genuss nicht verzichten wollen. Bei der Andechser Apfelschorle fällt der Apfel nicht weit vom Stamm. Höchste Ansprüche an Qualität gelten für diese apfelfruchtige Erfrischung vom Heiligen Berg. Ebenso wie für unsere Andechser Klosterbiere. Daher verwenden wir in der Klosterbrauerei Andechs nur Zutaten aus sonnengereiften und vollfruchtigen Äpfeln aus süddeutschen Landen für die Andechser Apfelschorle. Diese erlesenen Früchte geben unserer Apfelschorle ihren charakteristischen und unverwechselbaren Geschmack.


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AUS DEM ARCHIV

Limonaden-Produktion mit langer Tradition im Kloster Andechs Wussten Sie, dass die Produktion von Limonade im Kloster Andechs eine lange Tradition hat? Informationen dazu finden sich in den Briefen, die P. Willibald Mathäser im Auftrag von Abt Bonifaz Wöhrmüller von 1940 bis 1945 an die Mitbrüder im Feld geschrieben hat. Sie enthalten Wissenswertes von Zuhause für die Mönche im Soldatenrock, geben aber auch Hinweise auf den jeweiligen Verbleib der einzelnen Mitbrüder im Feld, um so den Kontakt untereinander und zum Kloster aufrecht zu erhalten.

Andechser Zitronenlimonade

Andechser Tafelwasser

Die spritzige Erfrischung aus

Sprudelnde Frische vom

dem Kloster Andechs

Heiligen Berg

Geheimtipp für Selbstmischer: ›Andechser Radlerbock‹

Andechser Zitronenlimonade macht den Durst zum Genuss. Zitronenfruchtig und prickelnd ist die Zitronenlimonade aus der Klosterbrauerei Andechs schon ein Geschmackserlebnis für sich. Aber in der Andechser Zitronenlimo steckt noch mehr. Lassen Sie sich nichts vorsetzen, sondern mischen Sie selbst nach Lust und Laune Andechser Zitronenlimo mit den Bierspezialitäten vom Kloster Andechs. Unser Geheimtipp: Einen »Andechser Radlerbock« aus Andechser Zitronenlimo und Andechser Doppelbock Dunkel – süffig, malzig und leicht. Wenn der Durst kommt, ist das Andechser Colamix schon da. Die spritzig prickelnde

Erfrischung aus der Klosterbrauerei Andechs ist der Andechser Muntermacher für Alt und Jung schlechthin. Kein Wunder, die Mischung aus Cola und Orangensaft regt an und weckt die Lebensgeister – nicht nur nach einer Wallfahrt oder einer langen Wanderung zum Heiligen Berg Bayerns. Perlend und prickelnd – so bringt das Andechser Tafelwasser seit 2008 sprudelnde Frische vom Heiligen Berg Bayerns. Der Zusatz von Bad Reichenhaller Sole macht das Andechser Tafelwasser aus der Klosterbrauerei Andechs nicht nur zu einer belebenden Erfrischung, sondern obendrein zu einem wertvollen Durstlöscher für alle, die kalorienbewusst leben wollen und dennoch auf Genuss nicht verzichten möchten.

Im Brief vom 20. August 1941 heißt es: »Br. Gamelbert wurde nochmals gemustert mit dem Erfolg, dass er daheim als Mädchen für alles weiterarbeiten darf. Er hat es heuer schon bald auf die 70tausendste Limonadenflasche gebracht.« Und im Schreiben vom 31. März 1942: »Br. Gamelbert kam nach 6 1 ⁄2 wöchentlichem Aufenthalt im Starnberger Krankenhaus wieder heim und fabrizierte zum Einstand gleich 2000 Flaschen seiner weltberühmten Limonade.« Bruder Gamelbert Wroblewski (Jahrgang 1902, geboren in München) hatte 1923 seine Profess abgelegt und war 1967 gestorben. Er liegt in der Unterkirche von Sankt Bonifaz begraben. In den jährlichen Verzeichnissen, den so genannten Catalogi, wird er meist als Mechaniker bezeichnet. Birgitta Klemenz


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Aus der Brauerei

»Andechser Gefühl« im Schwabenland Klosterbiere vom Heiligen Berg Bayerns im Besucherfokus auf der INTERGASTRA 2010

Wieder einmal eroberten die Andechser Bierspezialitäten das Messegelände in Stuttgart – Echterdingen. Zum 25. Mal fand die Intergastra vom 6. bis 10. Februar 2010 statt – und die Klosterbrauerei Andechs feierte auf der Messe ein kleines Jubiläum. Sie war bereits zum fünften Mal vertreten. Ein Grund mehr für einen Schluck Andechser Klosterbier.

D

ie Messe wurde von der Klosterbrauerei Andechs insbesondere dafür genutzt, die Besucher umfangreich über das Kloster sowie die Klosterbetriebe und deren Produkte zu informieren. Am Messestand erlebten Fachbesucher und alle Freunde der Andechser Klosterbiere – hiervon gibt es im Schwabenland eine große Anzahl – das »Andechser Gefühl« direkt. Das Andechser Messeteam mit Klaus Wortmann und Michael Schönhut sowie Michael Beck und Michael Ginder präsentierten alle sieben Sorten der Andechser Klosterbiere. Andechser Doppelbock Dunkel, Andechser Spezial Hell und Andechser Weißbier Hell wurden direkt vom Fass ausgeschenkt. Aus der Flasche fanden Andechser Vollbier Hell, Andechser Export Dunkel, Andechser Bergbock Hell und Andechser Weißbier Dunkel den Weg zum Biergenießer. Auf durchweg positive Resonanz stießen bei den Fachbesucher die neuen Andechser Flaschenbieretiketten. Das Messeteam hatte an den fünf Tagen jede Menge Fragen zu den köstlichen Bieren zu beantworten. Besucher an unserem Stand kamen überwiegend aus Baden-Württemberg und Bayern. Kunden aus Hessen, RheinlandPfalz, Berlin und dem Saarland sowie aus Frankreich und Italien konnten wir ebenso an unserem Stand begrüßen. Mit mehr als 80.000 Besuchern wurde die geplante Besucherzahl voll erreicht. Rund 980 Aussteller nahmen dieses Jahr an der Fachmesse für Hotelerie und Gastronomie teil. Von einer Krisenstimmung war trotz aller Befürchtungen überhaupt nichts zu spüren. Michael Schönhut


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Schöne A u s s i c h t e n für Ihren Gaumen.

Ein Schlückchen Himmel auf Erden. Die Schnäpse vom Kloster Andechs. Vom Heiligen Berg ins ganze Land. Wo Sie unsere feinen Schnäpse erhalten, erfahren Sie über unseren Vertriebspartner Schwarze & Schlichte unter Telefon +49 (0) 2522/9302-223/-224. Oder bestellen Sie Ihr Schlückchen Himmel auf Erden ganz bequem im Internet unter www.schwarze-schlichte.de – Zum Wohlsein!

www.andechs.de


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Aus der Brauerei

Genuß in neuem Gewand Neue Flaschenetiketten für die Andechser Bierspezialitäten

Seit Anfang 2010 präsentieren sich die Andechser Klosterbiere mit neuen Flaschenetiketten. Das Ergebnis der behutsamen Weiterentwicklung hat viele Freunde des Heiligen Berges überrascht. Die Rückmeldungen sind durchweg positiv. Die Flaschen mit den Andechser Klosterbieren sind nun wesentlich schneller und deutlicher zu erkennen.

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wei Jahre hat sich ein ganzes Team in der Klosterbrauerei zusammen mit externen Dienstleistern mit der Entwicklung der neuen Etiketten Zeit gelassen. Gründlichkeit vor Schnelligkeit war von Beginn an die Maßgabe für die behutsame Weiterentwicklung der Andechser Flaschenetiketten. Von den ersten grafischen Skizzen über bis ins Detail festgelegte Abmessungen der Etiketten, die Feinabstimmung der Farben, die Auswahl der Papiere bis hin zur technischen Umrüstung der Etikettiermaschine in der Füllerei der Brauerei war eine Vielzahl von Verfahrensschritten zu berücksichtigen. Dass hierbei nicht unter Zeitdruck gearbeitet werden musste, stellte sich letztlich als großer Vorteil heraus.


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War doch der Zeitrahmen für die Entwicklung so großzügig bemessen, dass mehrere Entwürfe intensiv auf verschiedenen Arbeitsebenen und in unterschiedlichen Abteilungen diskutiert werden konnten. Schließlich stimmten alle Beteiligten im Kloster und in den Wirtschaftsbetrieben der jetzigen Gestaltung der Etiketten zu. Jetzt können Freunde der Andechser Klosterbiere noch schneller die Bierspezialitäten vom Heiligen Berg identifizieren. Zu diesem Zweck wurden die bisherigen grafischen und textlichen Doppelungen konsequent vermieden und das Logo mit dem Schriftzug noch prominenter auf dem

Brustetikett platziert. Eine dem Logo angepasste Form des Brustetiketts unterstützt jetzt zudem die Wiedererkennbarkeit. Die Sortenbezeichnung findet sich nun groß und deutlich auf dem Halsetikett. Der Textzusatz »Nach dem Bayerischen Reinheitsgebot gebraut und abgefüllt in der weltbekannten Klosterbrauerei Andechs« unterstreicht zweierlei. Zum einen, dass die Andechser Klosterbiere nur und ausschließlich am Heiligen Berg gebraut werden. Zum anderen, dass die Brauerei zu den wenigen Brauerei in Deutschland gehört, die sich vollständig im Eigentum eines Klosters befindet. Damit setzt die Klosterbrauerei Andechs ein deutliches Zeichen für die Stärkung des Verbrauchervertrauens.

Die Rückenetiketten bieten – wie bisher, allerdings in erneuerter Form – kurze Informationen über das spirituelle, kulturelle und soziale Engagement der Benediktinerabtei Sankt Bonifaz in München und Andechs.


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E s s e n u n d Tr i n k e n

Viereinhalb Jahrhunderte Gastfreundschaft ›Gasthof Adler‹ in Lindau mit langer gastronomischer Tradition

INFOKASTEN

Gasthof ›Adler‹ Bodenseestraße 16, 88131 Lindau-Oberreitnau Telefon: 08382/5268 Fax: 08382/24814 gasthof@adler-lindau.de www.adler-lindau.de Im Ausschank Andechser Vollbier Hell Andechser Export Dunkel Andechser Weißbier Hell und Dunkel Andechser Bergbock Hell Andechser Doppelbock Dunkel

Seit 1560 bewirtet der »Gasthof Adler« fast ohne Unterbrechung Gäste aus Nah und Fern. Nur vier Mal wechselte die Taverne im Laufe der Zeit den Besitzer. Eine Stabilität, wie sie sonst nur in Klöstern zu finden ist. Daher liegt es nahe, auch klösterliche Biere vom Heiligen Berg Bayerns auszuschenken. P. Valentin Ziegler unterstrich diese Verbundenheit mit dem Heiligen Berg mit einem Besuch im März 2010.

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er Gasthof »Adler«, der früher »Taverne zum Schwarzen Adler« hieß, wurde 1468 erstmals urkundlich erwähnt. Durch die schlechte Bausubstanz wurde der größte Teil des Gebäudes 1560 abgerissen und in einer Riegelfachwerk-Bauweise wieder errichtet. Im 16. Jahrhundert war die Familie Strohmayer Eigentümer des Gasthofs; im 17. Jahrhundert Johannes Strodel; vom 18. Jahrhundert bis 1937 die Familien Abler und Vögel und seit 1938 die Familie Anton Strodel. 1938 kauften Anton und Kreszentia Strodel den Gasthof für 11.000 Reichsmark vom Darlehenskassenverein, der heutigen Bodenseebank. Zu jener Zeit, so hieß es in der Lindauer National-Zeitung, sei »das ganze Anwesen zu einer Ruine verkommen«,

man ist »durch den Küchen und Saalboden in den Keller herunter gebrochen«. Anfang 1939 begannen die Renovierungsarbeiten. Bei den Bauarbeiten stieß man auf das Fachwerk. Die Renovierungsarbeiten kosteten damals fast doppelt so viel, wie das Haus ein Jahr zuvor gekostet hatte. Diese Kosten gefährdeten die Existenz des jungen Ehepaares. Aber die »Insulaner«, also Lindauer Bürger, unterstützten den Schuldenabbau. Sie fuhren mit der Bahn aufs Festland, kehrten zu Most und Brotzeit ein und die Wirtin spielte stimmungsvolle Schunkellieder auf ihrem Klavier. Abends fuhren sie mit der Bahn wieder nach Hause. Da ab etwa 1950 der Fremdenverkehr in Oberreitnau begann, wurden die ersten Fremdenzimmer – mit fließend Wasser aus-


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Anstich mit P. Valentin im März 2010, zusammen mit Familie Strodel und Herrn Klaus Heberle, der seit Jahrzehnten den ›Gasthof Adler‹ mit Andechser Bier beliefert.

gestattet – in den ersten Stock eingebaut. 1977 bekam der Adler den ersten Fassadenpreis. 1982/83 wurde der Dachboden zu Fremdenzimmern ausgebaut. Den größten Umbau der neueren Geschichte erfuhr der Gasthof dann 1987/88, als Anton Fidel Strodel mit seiner Frau Marianne den Gasthof nach ihren Ideen weiterentwickelte. In dieser Zeit entstand der zweigieblige Anbau nach Osten. Gasträume und Küche wurden komplett neu gestaltet und erweitert, ein Aufzug eingebaut und die Zimmeranzahl noch einmal erhöht. 1988 gewannen Anton und Marianne Strodel mit der gelungenen Renovierung einen zweiten Fassadenpreis. Seither ist die Entwicklung des »Adlers« weiter gegangen. Ältere Gästezimmer wurden modernisiert, Parkplatzflächen zugekauft und eine neue Parkanlage gestaltet, der Biergarten an die zwei alten Bäume angepasst. Seit knapp vier Jahren verstärken Tochter Maria und Sohn Anton den Traditionsbetrieb und bringen ihre Ideen und Vorstellungen mit ein.


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Café in der Tuchfabrik Andechser Weißbiere in der Linzer Pfarrei ›Marcel Callo‹

C A F É I N D E R T U C H FA B R I K

Pfarre Marcel Callo Schörgenhubstraße 39 4030 Linz-Auwiesen Telefon: +43 (0)732/300117 www.dioezese-linz.at/pfarren/auwiesen Öffnungszeiten Mittwoch bis Samstag 15.00 bis 23.00 Uhr

Sich eine Auszeit nehmen, die Frühlingssonne genießen, erleben, wie Ginkgobäume, Feigenbäume oder Weinstöcke austreiben, seinen Träumen nachhängen und dabei einen Cappuccino trinken – das kann man in den beiden Gastgärten des Cafés in der Tuchfabrik im Stadtteil Auwiesen der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz.

F

unktion und Ausstattung der ehemaligen Tuchfabrik, die bereits 1672 gegründet wurde, prägen das Ambiente der Caféräume. Die Fabrik selbst erlebte viele Höhen und Tiefen und wechselte zuletzt oft den Besitzer. 1985 wird sie nach einem Konkursverfahren versteigert. 1997 kommt die Tuchfabrik schließlich an die römisch-katholische Seelsorgestelle Linz-Auwiesen und es entsteht die Marcel-Callo-Pfarrei. Das Café in der Tuchfabrik ist Teil des Zentrums der Pfarrei Marcel Callo. Das Pfarrzentrum will Räume schaffen, die zum Innehalten und zu einer Auszeit einladen. Jugend zu begleiten und gleichzeitig als offenes Haus der Architektur mit viel Kultur zu dienen, hat sich das Pfarrzentrum ebenso zur Aufgabe gemacht. Wichtiges Element dieses

vielseitigen Konzeptes ist das Café in der Tuchfabrik. Einer der beiden Gärten lässt auf der Südseite in der Übergangszeit schon einmal den Sommer erahnen. Ein weiterer Garten bietet Schatten für die Tage des Jahres, wenn man der Hitze entfliehen möchte. Das ganze Jahr über finden Kinder eine einladende Spielecke im Pfarrzentrum. Sehr zu empfehlen sind im Café in der Tuchfabrik die selbst gemachten Mehlspeisen, wie z. B. der hausgemachte Strudel, aber auch kleine Imbisse je nach Saison. Dazu werden erstklassige oberösterreichische Weine, Andechser Weißbiere und italienischer Kaffee serviert.

➽ siehe auch Aus Kirche und Kloster


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Blasmusik im Bräustüberl 2010 5. 4. Montag Ostermontag – Mit Pfiff (so heißt die Gruppe aus München) 18. 4. Sonntag Feuerwehrkapelle Unterzeitlarn 9. 5. Sonntag Blaskapelle Grafrath-Kottgeisering 14. 5. Freitag Blaskapelle Entraching (Schauerfreitag)

16. 5. Sonntag Blaskapelle Bernried

13. 6. Sonntag Musikverein Wehringen

24. 5. Montag Blaskapelle Frieding

20. 6. Sonntag Stadtmusikkapelle Amras-Innsbruck

30. 5. Sonntag Blaskapelle Pähl 3. 6. Donnerstag Blaskapelle Erling/Andechs 5. 6. Samstag Blasmusikfreunde Utting

26. 6. Samstag Blaskapelle Erling/Andechs (Trachtenwallfahrt) 27. 6. Sonntag Musikverein Markt Rettenbach


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Eine Hommage an

CARL ORFF Carl Orff-Festspiele 2010 kooperieren mit Münchner Rundfunkorchester des Bayerischen Rundfunks

Mit der Uraufführung von »2 nach Orff« beginnen am 18. Juni 2010 die Carl Orff-Festspiele im Kloster Andechs. Neben der Komödie, die Marcus Everding in der Tradition von Carl Orff geschrieben hat, steht erneut »Ein Sommernachtstraum« auf dem Programm. Hier präsentiert sich, ebenso wie beim marathon_kammer_ konzert, die frisch aus der Taufe gehobene »Andechser ORFF-Akademie des Münchner Rundfunkorchesters« – eine Akademie für junge Nachwuchsmusiker ganz im Sinne Orffs. Aufführungen von »Orpheus« und der »Klage der Ariadne« von Claudio Monteverdi/Carl Orff mit dem Münchner Rundfunkorchester unter Ulf Schirmer hält der Festspielplan bis zum 8. August ebenso bereit wie viele weitere Veranstaltungen, die die Festspiele 2010 zu einer Hommage an Carl Orff werden lassen.

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ommage bedeutet soviel wie Verbeugung, Ehrerweisung vor einem großen Künstler. Das Programm der Saison 2010 ist von diesem Begriff durchdrungen, so sehr, dass er uns als Überschrift dienen kann. Im zweiten Jahr der Künstlerischen Leitung von Marcus Everding treten wieder viele künstlerische Disziplinen an, um dem Erbe der Festspiele gerecht zu werden, wie auch um Wege für die Zukunft aufzutun. Carl Orff selber war ein steter Entwickler; Festspiele, die seinen Namen tragen, müssen dieser Bewegung verpflichtet sein. Schauspieler, Sänger, Orchester, Chor, bekannte und neue Namen, sie alle verbeugen sich am Ende jeder Aufführung, warten auf Ihr Urteil. Dafür werden alle arbeiten, vor und hinter der Bühne. Eine große Neuerung, ja Neuigkeit gibt es für die Festspiele 2010: Der Bayerische Rundfunk zusammen mit dem Münchner

Rundfunkorchester des Bayerischen Rundfunks sind offizieller Kooperationspartner von Orff in Andechs. So ist aus einem Konzert in der letzten Saison eine enge Zusammenarbeit erwachsen. Kunst trägt Früchte. Zusammen mit dem Münchner Rundfunkorchester hat Orff in Andechs die Andechser ORFF Akademie des Münchner Rundfunk-

orchesters gegründet. Ein langer Name, aber in ihm ist alles drin, was draufsteht. Andechs, dieser besondere Ort, Carl Orff, eine Akademie für Nachwuchsmusiker und das Patronat des Münchner Rundfunkorchesters. Das ist ein Fortschritt, das ist eine enorme Erweiterung unseres Spektrums, das ist Nachwuchsarbeit ganz im Sinne Carl Orffs.

V E R A N S T A LT U N G S Ü B E R S I C H T

Uraufführung Fr., 18. Juni, 19.00 Uhr weitere Vorstellungen Fr., 25. und Sa., 26. Juni, 19.00 Uhr, So. 20. und So., 27. Juni, 16.00 Uhr ■

Inszenierung: Marcus Everding Bühne und Kostüme: Thomas Pekny Perkussion: Stefan Blum Lichtgestaltung: Georg Boeshenz Andechser Festspielchor, Einstudierung: Alois Rottenaicher Sa., 19. Juni, 17.00 –23.00 Uhr

So., 11. Juli, um 11.30 Uhr

2 nach Orff

marathon_kammer_konzert

Sa., 3. Juli, 11.00–18.30 Uhr Carl_ORFF_Theater_FEST

Wer war Monteverdi?

Eine Reise durch ein aufregendes Leben

Andechser ORFF-Akademie des Münchner Rundfunkorchesters, Solisten von Orff in Andechs, Andechser Festspielchor

Orpheus/ Klage der Ariadne

Konzertante Aufführung mit dem Münchner Rundfunkorchester Musikalische Leitung: Ulf Schirmer Texte und Moderation: Marcus Everding Solisten: Janina Baechle, Michaela Selinger, Kay Stiefermann, Tareq Nazmi orpheus chor münchen, Einstudierung: Gerd Guglhör

KOSMOS ORFF

Sonntag, 8. August, um 10.15 Uhr, in der Wallfahrtskirche

Fr., 9. Juli, um 19.00 Uhr und Sa., 10. Juli, um 16.00 Uhr

Wiederaufnahmepremiere: Fr., 30. Juli, 19.00 Uhr, weitere Vorstellungen Sa., 31. Juli, Fr., 6., Sa., 7. August, 19.00 Uhr, So., 1. und So., 8. August, 16.00 Uhr ■

Ein Sommernachtstraum

Inszenierung: Marcus Everding Musik. Leitung: Christian von Gehren Bühne und Kostüme: Thomas Pekny Lichtgestaltung: Georg Boeshenz Orff-Akademie des Münchner Rundfunkorchesters; Andechser Festspielchor

Festspielgottesdienst

Andechser Festspielchor, Anton Ludwig Pfell, Orgel; Alois Rottenaicher, Leitung

Bestellmöglichkeiten für Eintrittskarten

Telefonisch: Klosterpforte Andechs Tel.: 08152/376400 10.00 –12.15 und 13.00–17.00 Uhr München: Münchenticket Tel.: 089/54818181 und angeschlossene Vorverkaufsstellen Starnberg: Buchhandlung Greiner Tel.: 08151/29341 Internet: www.orff-in-andechs.de und www.muenchenticket.de


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Carl Orff

Was wird es 2010 im Florian-Stadl geben? Wir beginnen mit einer Uraufführung. »2 nach Orff« ein Theaterstück mit Sprechchor und Percussion von Marcus Everding. Es ist die erste Hommage dieser Festspiele, eine Hommage an Carl Orff. Komödie und Märchen in einem. Bevor Sie nun glauben, nur in eine Feierstunde zu geraten, hier ein Ausblick auf »2 nach Orff«: Ein Komponist, dem nichts einfällt, sein Alter Ego, welches darüber verzweifelt. Plötzlich erhalten die Herren Musenbesuch von zwei vergessenen Musen der Antike. Die reizvollen Damen erweisen sich als Glücksfall für die gehemmte Schaffenskraft. Dank erfolgten Musenkusses reisen die vier ins Reich der Phantasie. Dort inmitten des Waldes der unbeschriebenen Blätter verwandeln sie sich in die Figuren eines Märchens. Das erste Werk des Komponisten entsteht – Helden, Drachen und wundersame Frauen. Dialogreiche Komik und phantastische Dramatik bestimmen den Verlauf. Im Bemühen, Ihnen einmal an einem Abend zu präsentieren, wer sich alles mit dem Kosmos Orff beschäftigt, werden wir ein marathon_kammer_konzert veranstalten, wo Sie unsere neue Akademie kennen lernen werden, unseren Festspielchor in anderem Rahmen und Schauspieler unserer Ensemble. Ein ernst gemeinter Abend, der Vergnügen machen soll. Das Münchner Rundfunkorchester kommt wieder! Unter Leitung von Ulf Schir-

mer, seinem Künstlerischen Leiter, wird es die konzertante Aufführung Orpheus von Monteverdi/Orff geben. Umrahmt von der Klage der Ariadne und anderen Werken, begleitenden Texten von Marcus Everding können Sie einem Konzert mit bemerkenswertem Niveau entgegensehen. »Wie ich auch den Wald durchstrich, kein Athener zeigte sich«. Ja, richtig, wir nehmen den Sommernachtstraum wieder auf. Schon wegen des großen Zuspruches 2009 dürften wir an diesem Shakespeare/Orff Werk nicht vorbei gehen. Doch gibt es auch eine bedeutende Veränderung: Die ORFF-Akademie wird als Orchester begleiten unter ihrem Musikalischen Leiter Christian von Gehren. Die Schauspieler werden Sie wieder erkennen oder neu entdecken. Das war es? Nein, ganz und gar nicht. Es wird ein Carl_Orff_Theater_Fest geben, ein Treffen bayerischer Schulen ab der 4. Klasse, die sich theatralisch mit Stoffen von Orff beschäftigen und diese auch zeigen. Eine spezielle Matinee zum Leben von Claudio Monteverdi und einen Festspielgottesdienst mit einer Messe von Monteverdi. Einführungen zu den Stücken. Und eben die besondere Atmosphäre des Heiligen Berges.

Das Münchner Rundfunkorchester unter Leitung von Ulf Schirmer

Vom 18. Juni bis zum 8. August wird eine Menge geboten werden. Natürlich sind wir von den Festspielen überzeugt, dass sich alles lohnt. Wir freuten uns, wenn Sie sich Ihrerseits überzeugten. Sie müssen ja nicht alles sehen, selbstverständlich können Sie das – wenn es ausreichend Karten gibt. Auf bald am Heiligen Berg, wir sind gespannt auf Ihre Lacher, Ihre Konzentration, auf Ihr Mitleiden und -fiebern, auf Ihren Applaus und auf die Gespräche mit Ihnen.


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Führungen am Heiligen Berg prägen mit die benediktinische Gastfreundschaft des Klosters Andechs. Sie geben einen Einblick in Geschichte und Gegenwart von Andechs als ältesten Wallfahrtsort Bayerns und Wirtschaftsgut der Abtei. Auch 2010 steht Gruppen und Einzelreisenden ein vielfältiges Angebot offen. Verbringen Sie einen Tag bei uns und lassen sie ihn zu einem besonderen Erlebnis werden.

Führungen am Hl. Berg 2010 Auch 2010 wieder Tagesangebote für Gruppenreisen

Frau Karin Ranz erörtet wichtige Details bei einer Führung im Fürstentrakt

WALLFAHRTSKIRCHE

KLOSTERBRAUEREI

15. April – 15. Oktober 2010 (ohne Voranmeldung) ■

Öffentliche Führung

15. April – 13.Oktober 2010 (ohne Voranmeldung) ■

›Die Andechser Wallfahrtskirche

Zeitraum: Mo.–Sa., 12 Uhr; So. 12.15 Uhr Dauer: 30 Min. Treffpunkt: in der Wallfahrtskirche Umfang: Wallfahrtskirche ohne Hl. Kapelle Teilnehmerzahl: offen Preis: kostenlos ganzjährig (nur nach Voranmeldung)

ganzjährig (nur nach Voranmeldung)

Private Gruppenführung

Zeitraum: Mo.–Fr. (nicht an Feiertagen) Dauer: 60 Min. Treffpunkt: Klosterpforte bei der Wallfahrtskirche Preis: pro Person 4,50 Euro, bei weniger als 12 Personen pauschal 54,00 Euro engl., frz., ital.: zzgl. 25,00 Euro Umfang: Wallfahrtskirche (Hl. Kapelle bis 30 Pers.) Teilnehmerzahl: max. 60 Pers. Anmeldung: Tel. 08152/376-253 fuehrungen@andechs.de

ganzjährig (nur nach Voranmeldung) ■

Öffentliche Führung

Zeitraum: Di., Mi., 11.00 Uhr Dauer: 60 Min. Treffpunkt: Brauerei am Fuß des Hl. Berges Umfang: zugängliche Bereiche der Brauerei Teilnehmerzahl: max. 30 Pers. Preis: 4,50 Euro (inkl. 1,00 Euro Gutschein Bräustüberl)

im Überblick‹

KLOSTERBRENNEREI

Private Gruppenführung

Zeitraum: Di., Mi., 9, 10 und 13 Uhr Dauer: 60 Min. Treffpunkt: Brauerei am Fuß des Hl. Berges Preis: pro Person 4,50 Euro, bei weniger als 12 Personen pauschal 54,00 Euro engl., frz., ital.: zzgl. 25,00 Euro Umfang: zugängliche Bereiche der Brauerei Teilnehmerzahl: max. 30 Personen Anmeldung: Tel. 08152/376-253 fuehrungen@andechs.de

UNSER ANGEBOT

1 Brauereiführung, 1⁄2 Liter Freigetränk und ein Gutschein für eine warme oder kalte Brotzeit im Andechser Bräustüberl : 9,80 Euro

Private Gruppenführung

Zeitraum: jeden Tag Dauer: 1 Stunde Treffpunkt: Brennerei am Fuß des Hl. Berges gegenüber dem Florian-Stadl Preis: bis 10 Pers.: 45,00 Euro pro Führung, ab 11 Pers.: 4,50 Euro pro Person, engl.: zzgl. 25,00 Euro Teilnehmerzahl: max. 40 Pers. Anmeldung: Tel. 08152/376-261

RUNDGANG DURCH DEN ANDECHSER KRÄUTERGARTEN ganzjährig (nur nach Voranmeldung) ■

Private Gruppenführung

Zeitraum: jeden Tag Dauer: ca. 1,5 Stunden Treffpunkt: Kräutergarten am nördlichen Ende des Besucherparkplatzes Preis: auf Anfrage Teilnehmerzahl: max. 20 Personen Anmeldung: Tel. 08152/93220


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Te r m i n e u n d V e r a n s ta lt u n g e n

Auf Gottsuche mit den Mönchen Im August 2010 wieder Jugendwochen im Kloster Andechs

Unter dem Motto: »Auf Gottsuche mit Mönchen« laden die Benediktiner des Klosters Andechs junge Männer zwischen 16 und 25 Jahren, in Einzelfällen auch darüber hinaus, vom 31. Juli bis 14. August 2010 für jeweils eine Woche auf den Heiligen Berg Bayerns ein.

F

r. Raphael Hanß, Fr. Paulus Schwabegger und Fr. Lukas Essendorfer möchten die Teilnehmer mit hinein nehmen ins tägliche Leben der Mönche. Dieser Weg führt im Kloster Andechs in den Rhythmus von Gebet, Arbeit und geistlicher Lesung. So können die Teilnehmer das Kloster als Ort des Gebets, der Stille und der Gemeinschaft erleben. Schon seit über 30 Jahren öffnen die Benediktiner auf dem Heiligen Berg jungen Männern ihr Kloster für jeweils eine Woche. So können sie mit den Mönchen leben, beten und arbeiten. Mit den Jugendwochen wenden sich die Mönche an junge Männer,

die prinzipiell offen sind für das Leben im Kloster. Fr. Raphael bringt es auf den Punkt: »Wer der Frohen Botschaft von Jesus Christus im eigenen Leben mehr Raum geben möchte, der ist bei den Jugendwochen richtig. Wer einmal in sich hineinhorchen möchte, wo der eigene Weg hinführen kann – und der muss nicht unbedingt ins Kloster führen – mit dem gehen wir gern gemeinsam auf die Suche. Wer dabei im Chorgebet und im benediktinischen Tagesablauf eine Hilfe auf dieser Suche sieht, der ist uns herzlich willkommen.« In diesen Wochen bieten die Mönche auch Raum für persönliche Begegnungen und Gespräche, sodass jeder Teilnehmer eigene Fragen stellen und vielleicht Neues für sein Leben entdecken kann. Und da die Jugendwochen in den Sommerferien stattfinden, kommt auch die gemeinsam verbrachte Freizeit nicht zu kurz. Ein Tag ist für den Besuch der Abtei Sankt Bonifaz in München reserviert. Jeder Teilnehmer kann das Leben als Mönch heute konkret kennen lernen und einen Eindruck von den vielfältigen und spannenden Aufgabenbereichen des Klosters im 21. Jahrhundert gewinnen.

I N F O R M AT I O N E N

Beginn Sa. 31. 7. 2010, 15.00 Uhr bzw. Sa. 7. 8. 2010, 15.00 Uhr Pforte Kloster Andechs Ende Sa. 7. 8. 2010, 14.30 Uhr bzw. Sa. 14. 8. 2010, 14.30 Uhr Teilnehmer jeweils maximal 10 Personen Beitrag Unterkunft in einfachen Einzelzimmern mit Etagendusche und Verpflegung, dafür Mitarbeit im Kloster. Anmeldung bis 15. Juli 2010 Benediktinerabtei Sankt Bonifaz in München und Andechs Fr. Raphael Hanß Karlstrasse 34, 80333 München Tel.: 089/55171-112 Fax.: 089/55171-103; collloquium@sankt-bonifaz.de


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Maßvoll leben Tage für Männer zwischen 35 und 60 Jahren auf dem Heiligen Berg I N F O R M AT I O N E N

Unter dem Motto: »Damit alles zur rechten Zeit geschieht« (Benediktsregel Kap. 47) laden P. Valentin Ziegler und Fr. Marcus Riemer vom 18. bis 22. August 2010 zu Tagen für Männer ins Kloster Andechs ein.

D

ie Zeit möchte anregen, die Benediktsregel als eine persönliche Anleitung zu einem maßvollen Leben kennen zu lernen. Der Wechsel von Gebet, Arbeit, geistlicher Lesung, Meditation sowie persönlichem Austausch mit den Mönchen bietet die Möglichkeit, das eigene Leben aus der Distanz deutlicher wahrzunehmen und die ein oder andere Weiche neu zu stellen. Viele Männer zwischen 35 und 60 leiden unter Zeitnot. Stress ist zum Lebensgefühl geworden. Man lebt oft nach der scheinbaren Selbstdefinition des modernen Menschen: »Ich habe keine Zeit – also bin ich«. Männer sehen sich heute vielfachen und hohen Ansprüchen verschiedener Lebenswelten ausgesetzt. Im Beruf oder auch als zeitweiliger Hausmann in der Erziehungszeit müssen sie mit ständig neuen und wechselnden Anforderungen umgehen, flexibel und belastbar sein. Trotzdem will die Beziehung zur Ehepartnerin gepflegt sein und lebendig erhalten werden. Für die Kinder soll auch mehr Zeit da sein als die »Rest- und Randzeiten« des Tages. Zeit für sich selbst bleibt in vielen Fällen kaum. Oft hält man es auch mit sich selbst kaum noch aus. Was häufig bleibt, ist ein unbestimmter Verdruss, Unzufriedenheit oder die Flucht vor sich selbst in den »Freitzeit-Stress«. Erfüllung und innere Ruhe aber stellen sich nicht ein.

Benedikt von Nursia hat von der Beschleunigung aller Lebensbereiche unserer Tage nichts gewusst. Aber er hat ein sehr waches Gespür für die kreative Kraft der Ordnung, des Maßes und der Ruhe. Ebenso weiß er als geistlicher Vater seiner Mönche auch um die zerstörerischen Kräfte der Zerstreuung. Die Männerwochen im Kloster Andechs möchten einladen, die Benediktsregel ganz praktisch als eine persönliche Anregung zu einem maßvollen Leben kennen zu lernen. Das geordnete Miteinander von Gebet, Arbeit, geistlicher Lesung, Meditation sowie persönlichem Austausch mit den Mönchen bietet die Möglichkeit, das eigene Leben aus der Distanz deutlicher wahrzunehmen und die ein oder andere Weiche neu zu stellen.

Begleitung P. Valentin Ziegler und Fr. Marcus Riemer Teilnehmerzahl max. 10 Personen. Erstmalige Teilnehmer werden bevorzugt berücksichtigt. Termin 18. 8., 17 Uhr bis 22. 8. 2010, 15 Uhr Kosten 200,00 Euro inkl. Übernachtung und Vollpension. Bitte vor Seminarbeginn überweisen auf Konto: Kloster Andechs – Nikolauskolleg Kto.-Nr.: 102 724 82; BLZ 702 501 50 Kreissparkasse München-Starnberg Anmeldung Nikolaus – Kolleg im Kloster Andechs Fr. Lambert Stangl Bergstr. 2; 82346 Andechs Tel.: 08152/376-247 Fax: 08152/376-450247 nikolauskolleg@andechs.de www.andechs.de


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Colloquium Benedictinum® Auszug aus dem aktuellen Programm

BIBELABEND FÜR FRAUEN Dienstag, 15. 6., 9 – 10.30 Uhr, Mittwoch, 16. 6., 20 – 21.30 Uhr (Sara) Dienstag, 29. 6., 9 – 10.30 Uhr, Mittwoch, 30. 6., 20 – 21.30 Uhr (Hagar) Jugendhaus Sankt Bonifaz, Raum Jona

Das vollständige Programm erhalten Sie an den Pforten von Sankt Bonifaz und Kloster Andechs ■

Frauen des Alten Testamentes, die in Konkurrenz miteinander um Nachkommenschaft und Anerkennung standen. Referentin: Sabine Leitl, Gemeindereferentin Pfarrei Sankt Bonifaz Weitere Informationen über das Pfarrbüro Sankt Bonifaz: Telefon 089/55171-200, familie_leitl@hotmail.com

COLLOQUIUM BENEDICTINUM Dienstag, 27. 4. 2010, 20 Uhr Zentrum Sankt Bonifaz, Saal ■

›Kloster Loccum über 400 Jahre lutherisch. Wie geht das?‹

Horst Hirschler, der Alt-Bischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, ist seit 2000 Abt des niedersächsischen Kloster Loccum. Referent: Abt Horst Hirschler, Kloster Loccum

Das ökumenische Potential des 2. Vatika-

Referenten: Abt Dr. Odilo Lechner OSB; Dr. phil. Dr. theol. Richard Schneider

nischen Konzils – Rückblick auf den

Erfinder oder Verfälscher des Christentums?

Neue Perspektiven der Paulus-Forschung. Referenten: P. Dr. Stephan Dorner OSB und Dr. Anton Deutschmann

Ostfrankreich – zwischen Verdun, Belfort und den Vogesen

Beginn einer 7-teiligen Vortragsreihe Mittwoch, 19. 5. 2010, 20 Uhr Durch den Norden von Saint Avold nach Verdun Mittwoch, 16. 6. 2010, 20 Uhr Metz, ein Stadtportrait Mittwoch, 21. 7. 2010, 20 Uhr Durch den mittleren Teil um Meuse und Moselle

AUS DER GESCHICHTE DER ABTEI SANKT BONIFAZ

Do., 29. 4., 20. 5., 24. 6. 2010, 16.30 Uhr, Zentrum Sankt Bonifaz, Gruppenraum

Dienstag, 20. 4. 2010, 17 Uhr Zentrum Sankt Bonifaz, Gruppenraum

Der Teilhard de Chardin-Arbeitskreis München stellt Essays vor und interpre-

Freitag, 16. 4., 7. 5., 21. 5., 11. 6., 18. 6., 25. 6., 2. 7. und 9.7. 2010, 20 Uhr Zentrum Sankt Bonifaz, Gruppenraum

seiner Schule

2. Ökumenischen Kirchentag

AUSLEGUNG DER HEILIGEN SCHRIFT

Geschichte einer alten Mittelmeerinsel

Philosophischer Lesekreis: Die Suche nach Gott in der Mystik Meister Eckharts und

Sardinien – Landschaft, Kunst und

Durch den Ostbereich zum Bergmassiv des Gennargentu

Montag, 19. 4., 17. 5., 21. 6. 2010, 20 Uhr Zentrum Sankt Bonifaz, Gruppenraum

Dienstag, 8. 6. 2010, 20 Uhr Zentrum Sankt Bonifaz, Saal

Referent: Prof. Dr. Dr. h. c. Otto Hermann Pesch, Systematische Theologie und ökumenische Theologie, Universität Hamburg

Mittwoch, 21. 4. 2010, 20 Uhr ■

FORUM PHILOSOPHIE

Sara und Hagar

REISEN IN KUNST UND KULTUR Vorträge mit Lichtbildern von Dozent und Fotopublizist für Architektur und Kunstgeschichte Richard Konstantin Blasy, Zentrum Sankt Bonifaz, Saal

Die Geschichte der Gruft in München

tiert sie.

von P. Placidus Scharl (1731– 1814)

Leitung: Gerhard H. Sitzmann, 1. Vors. der Gesellschaft Teilhard de Chardin, Postfach 38, 93322 Abensberg Kontakt: Regina von Szemerey, Telefon 089/47099799

Referentin: Dr. Birgitta Klemenz, Archivarin der Abtei Sankt Bonifaz


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LEBENSGESCHICHTEN

ÖKUMENISCHES GEBET

Zentrum Sankt Bonifaz, Saal ■

Jeden 1. Dienstag im Monat, 19.15 Uhr, Krypta von Sankt Bonifaz

›Ins Gespräch kommen – Leben in unserer Stadt‹

Das Münchner Geschichten-Forum der Generationen – eine lebendige Möglichkeit der Begegnung.

›Das alle eins sind‹ (Joh 17,11)

Ökumenisches Gebet der Gemeinden Sankt Bonifaz, Sankt Ludwig, Sankt Markus und Sankt Wilibrord

Mittwoch, 14.4.2010, 20 Uhr ■

Maria Grundberger

Hebamme in München, engagiert im Lebensschutz bei ALfA e.V., Gehsteigberatung vor Abtreibungskliniken. Schätzungsweise hat sie 500 bis 600 Kindern das Leben gerettet.

Karfreitag, 2. 4. 2010, 20 Uhr Basilika Sankt Bonifaz ■

Sonntag, 25. 4. 2010, 16.30 Uhr Basilika Sankt Bonifaz ■

Sonntag, 25. 7. 2010, 16.30 Uhr Basilika Sankt Bonifaz

Charismatischer Gottesdienst

Freitag, 28. 5. 2010, 21.15 – 24.00 Uhr, Werktagskirche Sankt Bonifaz Nachtanbetung

»Betet ohne Unterlass!« Das versuchen wir einige Nachtstunden lang vor dem Allerheiligsten auf verschiedene Weise: in der stillen persönlichen Anbetung, mit Liedern, durch Meditation von Bibeltexten, durch Fürbitten und gemeinsames Gebet. Verantwortlich: Birgitt Glogger

Orgelkonzert zu vier Händen und Füßen

Werke von Gustav Adolf Merkel, Aart de Kort, Harald Genzmer, Petr Eben und John Rutter; Orgel: Anna Schorr und Emanuel Schmitt; Eintritt: Euro 10,–

Freitag, 30. 4., 28. 5., 25. 6. und 30. 7. 2010, 19 Uhr, Krypta Sankt Bonifaz Ansprechperson: P. Dr. Korbinian Linsenmann OSB, Tel: 089/55171-200; Vorbereitungsteam: Dominik und Barbara Milla, Tel: 089/62269962; Ana Eisen, Helmut Penka, Hermann und Birgitt Glogger, Tel: 089/8122779; wir sind sonntags im 9-Uhr-Amt und anschließend im Jugendcafe anzutreffen.

Die Abtei lädt herzlich ein zu den Gebetszeiten, die die Mönche während des Ökumenischen Kirchentages in der Basilika Sankt Bonifaz beten, und zu den Veranstaltungen zum Thema Kirchenmusik und Liturgie, die im Zentrum Sankt Bonifaz stattfinden.

DONNERSTAG, 13. 5. 2010

CHARISMATISCHE ERNEUERUNG

Meditatives Konzert zum Karfreitag

mit Werken von Arvo Pärt, Wolfgang Amadeus Mozart, Franz Schubert, Samuel Barber; Meditation mit Abt Dr. Odilo Lechner OSB Eintritt: Euro 15,– /ermäßigt Euro 12,–

Susanne Aernecke

Freie Journalistin, Regisseurin und Autorin. Sie studierte Theater- und Kommunikationswissenschaften an der LMU und an der Hochschule für Film und Fernsehen. 2008 lief in 3sat ihre 6-teilige Fernsehdoku »Te deum – Himmel auf Erden«.

ZENTRUM FÜR KIRCHENMUSIK UND LITURGIE Veranstaltungen des 2. Ökumenischen Kirchentags in Sankt Bonifaz

KONZERTE IN SANKT BONIFAZ

Mittwoch,14. 6. 2010, 20 Uhr ■

2. Ökumenischer Kirchentag

Johann Sebastian Bach zu Ehren

Werke für Violoncello und Orgel; Rupert Buchner (Violoncello) und Martin Fleckenstein (Orgel); Eintritt: Euro 10,–

I N F O R M AT I O N E N

Fragen zum Colloquium Benedictinum® beantworten gerne: P. Anno Bönsch, Leiter des Programms; Emma Rasch, Sekretariat Telefon 089/55171-112 Bürozeiten: Montag, Dienstag und Donnerstag, 8 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr, Mittwoch, 8 bis 12 Uhr

7.30 – 8.00 Uhr | Morgengebet 11.00 – 12.30 Uhr | Singen als Hochform des Glaubens; Vorträge Prof. Dr. Wolfgang Bretschneider, Theologe und Musikwissenschaftler, Bonn; Dr. Alexander Deeg, Leiter Zentrum für ev. Predigtkultur, Wittenberg; Podium mit den Vortragenden; Moderation: Dr. Jochen Arnold, Hildesheim 12.30 – 13.00 Uhr | Mittagsgebet 13.00 – 14.00 Uhr | Singt mit froher Stimm – Chantez le Dieu Saint; Offenes Singen mit Psalmliedern; Hans-Jürg Stefan, Pfarrer i.R., Esslingen/Schweiz; Musik: C-Kurs-Chor, Erzbistum München und Freising 14.00 – 15.30 Uhr | Canticum Novum – Psalmensingen immer wieder neu; Podium: Gregor Linßen, Liedermacher und Komponist, Neuss; Hans-Jürg Stefan, Pfarrer i.R., Esslingen/Schweiz; Prof. Stephan Zippe, Kirchenmusiker, Lehrstuhl für Gregorianik, München; Moderation: Michael Lochner, München; Musik: C-Kurs-Chor, Erzbistum München und Freising; Choralcanto, Neuss


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16.00 – 17.30 Uhr | Mal ganz anders feiern! Gottesdienste für Kirchendistanzierte; Kurzreferate: Georg Schützler, Pfarrer, Mitinitiator Nachteulengottesdienste, Ludwigsburg; Dr. Fabian Vogt, Pfarrer, Mitinitiator GoSpecial-Gottesdienste, Oberursel; Podium mit den Vortragenden und Peter Krausch, Musiker und Initiator der O-GoGottesdienste, Offenbach; Moderation: Ulrike Greim, Weimar; Musik: Patrick Resseng (Gesang), Karlsruhe; Dr. Martin Schultheiß (Klavier), Frankfurt/Main 16.00 – 17.30 Uhr | Gregorianik für alle; Prof. Stephan Zippe, Lehrstuhl für Gregorianik, München 16.00 – 17.30 Uhr | Neue Gregorianische Lieder; Der melodische Duktus der Gregorianik im Kontrast zum Groove der Sprache. Ein Streifzug durch Lieder mit biblischem Hintergrund; Gregor Linßen, Liedermacher und Komponist, Neuss; Musik: Gruppe AMI, Neuss 18.15 – 18.45 Uhr | Abendgebet 19.00 – 20.00 Uhr | Abendmesse 20.30 – 22.30 Uhr | Im Anfang war die Hoffnung; Lieder des niederländischen Dichters und Theologen Huub Oosterhuis; Moderation: Cornelis Kok, Amsterdam/ Niederlande; Liturgie: Huub Oosterhuis, Dichter und Theologe, Amsterdam/Niederlande; Musik: Schola Kleine Kirche, Osnabrück; Leitung: Ansgar Schönecker, Osnabrück

FREITAG, 14.05.2010

07.30 – 08.00 Uhr | Morgengebet 11.00 – 12.30 Uhr | Was ist ein guter Gottesdienst? Zueinander von Gottes Gnade und menschlicher Kunst; Vorträge: Dr. Jochen Arnold, Theologe und Kirchenmusiker, Hildesheim; Prof. Dr. Andreas Odenthal, Liturgiewissenschaftler, Tübingen; Podium mit den Vortragenden; Moderation: Dr. Folkert Fendler, Hildesheim

12.30 – 13.00 Uhr | Mittagsgebet 13.00 – 14.00 Uhr | Offenes Singen 14.00 – 15.30 Uhr | Geistreicher Gottesdienst; Beispiele für einfache und wirksame Veränderungen; Dr. Folkert Fendler, Leiter Zentrum für Qualitätsentwicklung im Gottesdienst, Hildesheim; Thomas Hirsch-Hüffell, Pastor, Hamburg; Dr. Bernward Konermann, Schauspieler und Regisseur, Petershagen 14.00 – 15.30 Uhr | Lektorentraining: Sein Wort zum Klingen bringen; Kreative Hinweise und praktische Übungen für den liturgischen Dienst; Siegfried J. Mehwald, Pastoralreferent und Sprecherzieher, Hildesheim 16.00 – 17.30 Uhr | Liturgische Qualität: Sänger und Bläser im Gottesdienst? Konfessionsverbindende Impulse zu Literaturauswahl, Kooperation von Theologie und Musik und musikalischer Dramaturgie; Prof. Matthias Kreuels, Kirchenmusikdirektor, Trier; Dr. Britta Martini, Kirchenmusikdirektorin, Berlin 16.00 – 17.30 Uhr | Liturgie vertiefen – Spiritualität erfahren; Ein Workshop, der zeigt, wie man mit Musik, Klang und Stimme der herkömmlichen Liturgie ihr ursprüngliches Leben abgewinnen kann; Anne Gidion, Pastorin, Hamburg; Thomas Hirsch-Hüffell, Pastor, Hamburg; Dr. Bernward Konermann, Schauspieler und Regisseur, Petershagen 18.15 – 18.45 Uhr | Abendgebet 20.00 – 21.30 Uhr | ›Wenn du deinem Nachbarn die Hand reichst, so hat dir Gott schon die seine gereicht‹ – Nachbarschaft – ein Modell für Ökumene?; Ein Nachtgespräch zum Zuhören und Nachdenken in der Basilika Sankt Bonifaz mit Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler und Abt Johannes Eckert; Moderation: Winfried Nonhoff; Verleger

SAMSTAG 15.05.2010

07.30 – 08.00 Uhr | Morgengebet

11.00 – 12.30 Uhr | Musik von heute für die Kirche von morgen; Avantgarde-Musik und Neue Geistliche Lieder im Widerstreit? Kurzreferate: Prof. Dr. Corinna Dahlgrün, Theologin, Jena; Dr. Peter Hahnen, Theologe, Düsseldorf; Podium mit den Vortragenden; Moderation: Dr. Britta Martini, Berlin; Musik: Gregor Linßen (Gesang), Neuss; Michael Schmitz (Klavier), Neuss 12.30 – 13.00 Uhr | Mittagsgebet 13.00 – 14.00 Uhr | Offenes Singen 14.00 – 15.30 Uhr | Was singen wir morgen? Musikalisch-pastorale Impulse für Gemeinden, Chöre, Gruppen; Christa Kirschbaum, Kreiskantorin, Lippstadt; Dr. Meinrad Walter, Theologe und Musikwissenschaftler, Stegen 14.00 – 15.30 Uhr | Musik war schon immer ökumenisch; Die archaischen Grundlagen der Musik als Weg in die Zukunft; Vortrag: Prof. Dr. Enjott Schneider, Komponist, München 16.00 – 17.30 Uhr | Neue Geistliche Lieder und ihre Qualitätskriterien; Norbert Hoppermann, Regionalkantor, Hamburg; Wolfgang Teichmann, Kirchenmusikdirektor, Dassel 16.00 – 17.30 Uhr | Vom Kanon bis zur Chorimprovisation; Kreativer Umgang mit Liedern als Chance der Verkündigung; Christa Kirschbaum, Kreiskantorin, Lippstadt; Dr. Meinrad Walter, Theologe und Musikwissenschaftler, Stegen 18.15 – 18.45 Uhr | Abendgebet 20.00 – 22.00 Uhr | Benediktinische Vigil. Sie setzt einen besonderen ökumenischen Akzent. Die Benediktiner von Sankt Bonifaz gestalten diese Vigilienfeier gemeinsam mit den Schwestern der Kommunität Venio und den Schwestern der Evangelischen Communität Casteller Ring auf dem Schwanberg bei Würzburg. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kirchentages sind eingeladen, die mit Texten aus der benediktinischen Spiritualität, gregorianischem Choral und meditativer Orgelmusik zur Ruhe kommen möchten.


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Passionskrippen und österliches Brauchtum Fr. Stephan Janker beteiligt sich an Sonderausstellung der Münchner Krippenfreunde e.V.

Fr. Stephan Janker, Leiter des Andechser Klosterladens und seit vierzig Jahren Mitglied der Bayerischen Krippenfreunde, stellt bis zum 11. April 2010 im Deutschen Jagdund Fischereimuseum in München Passionskrippen aus, die verschiedene Stationen der Leidensgeschichte und die Auferstehung Jesu zeigen.

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uf der Ausstellung werden auch religiöse und volkstümliche Kunstgegenstände rund um das österliche Brauchtum zu sehen sein. Bei einer Krippe denken viele zunächst nur an die Weihnachtskrippe. Doch auch die Darstellung der Leidensgeschichte zu Ostern hat eine lange Tradition: Im 18. und 19. Jahrhundert hatten unter anderem in Tirol Fasten- und Passionskrippen ihre Blütezeit. Danach geriet der Brauch in Vergessenheit. Die Münchner Krippenfreunde beleben diese Tradition wieder neu. Die zwölf Jünger und Jesus beim letzten Abendmahl, Jesus vor Pilatus, die Kreuzigung und Auferstehung – für viele Krippenbauer sind Passionskrippen eine viel größere

I N F O R M AT I O N E N

Sonderausstellung der Münchner Krippenfreunde e.V. im Deutschen Jagd- und Fischereimuseum München, Neuhauser Straße 2, 80331 München, Tel: 089/220522 Öffnungszeiten Täglich (Mo.–So.) von 9.30 –17.00 Uhr, letzter Einlass 16.15 Uhr. Donnerstag Abendöffnung bis 21 Uhr, letzter Einlass 20.15 Uhr. Herausforderung als Weihnachtskrippen. Die Ostergeschichte bietet inhaltlich wie auch aus dramaturgischen Gesichtspunkten viel mehr Möglichkeiten der Gestaltung. So zeigen die Krippen beispielsweise den Einzug von Jesus in Jerusalem mit detailgetreuer orientalischer Stadtlandschaft und mit Palmwedel winkenden Frauen und Männern. Die Figuren sind entweder klassisch aus Holz geschnitzt oder aus Ton, Wachs, Papier oder Gips hergestellt.

Eintrittspreise wie Museum Erwachsene: 3,50 Euro Kinder (3–6 Jahre): 1,00 Euro Kinder ab 7 Jahre, Arbeitslose, Rentner, Behinderte, Studenten: 2,50 Euro Familienkarte (2 Erwachsene, 3 Kinder bis 16 Jahre): 7,00 Euro Schulklassen pro Schüler (2 Begleitpersonen frei): 2,00 Euro Kontakt Jürgen Hennig Münchner Krippenfreunde e.V. Tel: 089/7231722; Mobil: 0173/3626994 www.muenchner-krippenfreunde.de


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Klostermarkt auf dem Prälatenhof in Roggenburg 1. Roggenburger Klostermarkt am 15. und 16. Mai 2010

Für Freunde und Liebhaber von Klosterprodukten gibt es in diesem Jahr einen Klostermarkt im schwäbischen Kloster Roggenburg. Fr. Stephan Janker vom Andechser Klosterladen beteiligt sich mit seinen selbstgefertigten Klosterarbeiten.

K LO S T E R ROGGENBURG

Informationen unter Tel: 07300/92192-750 oder per Mail: klosterladen@kloster-roggenburg.de

B

ei freiem Eintritt lädt das Prämonstratenserkloster Roggenburg und weitere Klöster aus Deutschland, Österreich, Weißrussland und Ungarn große wie kleine Besucher ein, über den Klostermarkt auf dem Prälatenhof zu bummeln und sich Einblick in das Wirtschaftsleben lebendiger Klöster zu verschaffen. Zwei Tage lang wird eine Mischung aus nationalen und internationalen Klosterprodukten angeboten: von Devotionalien über Klosterarbeiten, Kerzen, Kunsthandwerk und Kosmetik bis hin zu Holzofenbrot, Würsten, Käse, Likören und Bränden, Weinen und Bier. Das charmante Ambiente dieses Marktes beeindruckt durch seine besondere Atmosphäre. Anschließend lädt der Roggenburger Klostergasthof zu einer Stärkung und die herrliche Umgebung zu einem ausgedehnten Spaziergang ein.

Klostermarkt in der Benediktinerabtei Schweiklberg


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Matthäuspassion im Kloster Andechs Aufführung am Karfreitag, 2. April, im Florian-Stadl

Mit der Aufführung der Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach (1685–1750) am Karfreitag, den 2. April 2010 im Florian-Stadl setzt sich die Tradition der Passions- und Oratorienkonzerte im Kloster Andechs fort.

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achs Matthäuspassion am Karfreitag ist seit Jahren ein wiederkehrender Bestandteil des Andechser Konzertprogramms. Das Oratorium lässt Leiden und Sterben Jesu Christi zu einem eindrucksvollen musikalischen Hörerlebnis werden. Neben der Johannespassion ist die Matthäuspassion die einzig vollständig erhaltene Passion von Bach. Die Matthäuspassion wurde am Karfreitag 1727 in der Leipziger Thomaskirche unter Bachs Leitung aufgeführt. Zu Bachs Lebzeiten wurde die Matthäuspassion offenbar nicht weiter beachtet und sogar wegen ihres »opernhaften« Charakters mitunter angefeindet. Mit einer Wiederaufführung der Matthäuspassion am 11. März 1829 durch Felix Mendelssohn Bartholdy in Berlin begann eine Bach-Renaissance, die bis heute andauert. Der ausdrucksstarke und bildreiche Text basiert auf der Übersetzung des MatthäusEvangeliums von Martin Luther und auf Dichtungen von Christian Friedrich Henrici. Das Werk entfaltet seine beeindruckende Wirkung unter anderem durch jeweils zwei Chöre und Orchester, wobei die Chöre miteinander im Dialog stehen.

I N F O R M AT I O N E N

Rezitative der Solisten nehmen die Hörer mit auf den Weg durch das dramatische Geschehen in Jerusalem vor zweitausend Jahren: Von der Salbung Jesu durch eine Frau in Bethanien, das letzte Abendmahl über die Todesangst Jesu im Garten Gethsemane, den Verrat durch Judas, die Gefangennahme Jesu, die Verleugnung durch Petrus, das Verhör Jesu durch den Hohen Rat und Pilatus bis hin zur Verurteilung, Geißelung, Kreuzigung und Grablege. Immer wieder unterbrechen Chöre und Arien den Lauf der Handlung und lassen innehalten. Sie laden ein, die Passion Jesu mit dem eigenen Leben, enttäuschten Hoffnungen, erlittenen Schmerzen, Erfahrungen von Einsamkeit und Lieblosigkeit in Beziehung zu bringen.

Kartenpreise 34,–/28,–/22,–/11,– EURO Vorverkauf Telefonisch: Klosterpforte Andechs, Tel.: 08152/376-400; München Ticket, Tel.: 089/54818181 und angeschlossene Vorverkaufsstellen. Internet: muenchenticket.de Starnberg: Buchhandlung Greiner, Tel.: 08151/29341 Schriftlich: Bayerische Konzertdirektion Marienplatz 1, 80331 München, Fax: 08801/2211, oder: www.andechs.de

Schüler und Studenten erhalten 50% Ermäßigung auch im Vorverkauf. Veranstalter Kloster Andechs – Kulturelle Veranstaltungen BgA Florian-Stadl Bergstraße 2, 82346 Andechs


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Taizé in Andechs Kloster Andechs April bis August 2010

jeweils freitags um 19:00 Uhr 9. April, 14. Mai, 11. Juni, 9. Juli, 13. August ■

Veranstaltungen des Freundeskreises Kloster Andechs April bis Juli 2010

APRIL 18. 4., 19.30 Uhr

JUNI 15. 6., 19.30 Uhr

Abendgebete mit Gesängen aus Taizé

Julia Rinser: ›Zwischen Klosterbibliothek und Ordens-Reform‹

Alois Glück: ›Die Chancen der Krise – Wege zu einer zukunftsfähigen Kultur‹

in der Hedwigskapelle der Wallfahrtskirche 23. 4.– 25. 4. 2010 ■

Reise in das Moseltal

auf den Spuren von Nikolaus von Kues

JULI 14. 7., 18.30 Uhr ■

Mariensingen in der Wallfahrtskirche

dieses Mal am Vorabend von Christi Himmelfahrt

Besichtigung Kloster Polling

1000 Jahre Polling

MAI 12. 5., 19.00 Uhr

25. 7., 19.30 Uhr ■

Prof. Pörnbacher: Vortrag über Heinz Haushofer


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Pa n o r a m a

B Buchheim Museum und Kloster Andechs K Tagesangebot für Bus- und Gruppenreisen Tag

Da Kloster Andechs bietet zwei verschiedene Das Erlebnispakete für Tagesausflüge, insbesondere für Er Gruppenreisen: zum einen ein Tagesprogramm Gr mit Buchheim Museum der Phantasie und Heiligem m Berg, zum anderen ein Kombi-Angebot für KlosterB bbrauerei und Andechser Bräustüberl.

I N F O R M AT I O N E N

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rleben Sie das Buchheim Museum der Phantasie und das Kloster Andechs an einem Tag. Mit einer Schifffahrt von Starnberg zum Buchheim Museum beginnt der Tag. Nach einem Begrüßungstrunk, Imbiss und einer Führung durch das Buchheim Museum geht die Fahrt weiter zum Kloster Andechs. Dort erwartet die Gäste eine Brotzeit, ein kurzes Orgelkonzert, eine Führung in der Wallfahrtskirche und im Alten Sudhaus mit anschließender Bierprobe im Andechser Bräustüberl.

Benediktinische Gastfreundschaft erleben, eintauchen in die Welt der Andechser Klosterbrauerei und anschließend die Gastfreundschaft des Heiligen Berges im Andechser Bräustüberl genießen. Das kombinierte Angebot für (Bus-) Reisegruppen macht dies möglich. Das Kombi-Angebot bietet angemeldeten Gruppen bis 30 Personen, die eine Brauereiführung buchen, zudem einen Brotzeit-Gutschein für das Bräustüberl und 1 ⁄2 Liter Freigetränk zum Preis von EUR 9,80 pro Person.

Tagesprogramm mit Buchheim Museum der Phantasie und Heiligem Berg pro Person: 37,50 Euro Nur »Buchheim Museum« vormittags pro Person 15,40 Euro Nur »Buchheim Museum« vormittags mit Schiff pro Person 23,00 Euro Nur »Kloster Andechs« nachmittags pro Person 14,50 Euro Buchbar immer Dienstag bis Freitag Mindestteilnehmerzahl: 25 Personen Kombi-Angebot für Klosterbrauerei und Bräustüberl pro Person EUR 9,80 Buchbar immer Dienstag und Mittwoch, Mindestteilnehmerzahl: 25 Personen Kontakt und Buchung: Kloster Andechs – Führungen Tel.: +49-(0)8152-376 -253 oder 376-0 Fax: +49-(0)8152-376-267 oder 376-143 E-Mail: fuehrungen@andechs.de Internet: www.andechs.de


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Pa n o r a m a

Offensiv hat die Arbeitsgemeinschaft »Ökologie auf Kirchengrund« (ÖAK) auf ihrer diesjährigen Arbeitstagung im Kloster Andechs für ein noch weiter gehendes ökologisches Umdenken in Klöstern und kirchlichen Einrichtungen geworben.

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uf ihr sprachen sich die Vertreter von 40 Klöstern und kirchlichen Einrichtungen für eine noch stärkere Vernetzung aus, um immer noch vorhandene Vorurteile im Blick auf die Umstellung von klösterlichen und kirchlichen Betrieben auf ökologische Wirtschaftsweise wirkungsvoll abzubauen. Kritisch sieht die ÖAK die seit Anfang 2010 geltenden neuen Förderrichtlinien des Kulturlandschaftsprogramms des Freistaates Bayern. Viele Klöster und kirchliche Einrichtungen, die landschaftspflegerische Maßnahmen durchführen, fallen nunmehr aus diesem Förderprogramm für Umweltmaßnahmen heraus. Je nach Betriebsgröße geht es hier um mehrere zehntausend Euro. Die ÖAK besteht seit 2005. In ihr haben sich Klöster und kirchliche Einrichtungen in Bayern zusammengeschlossen, die ökologischen Land- und Gartenbau betreiben oder ihre Ländereien für regenerative Energien nutzen. Fr. Andreas Schmidt vom Kloster Plankstetten, P. Valentin Ziegler vom Kloster Andechs und Mattias Kiefer als Sprecher der Umweltbeauftragten der bayerischen Bistümer und aller deutschen Diözesen zeigten sich auf der einen Seite zufrieden mit den bisherigen Erfolgen. Zum Beispiel kaufen 70% der diözesanen Bildungshäuser im Erzbistum München und Freising inzwischen regionale Produkte. »Die Orden sind im Bereich des ökologischen Wirtschaftens sicher

Kreative und ungeduldige Vorreiter ›Ökologie auf Kirchengrund‹ wirbt offensiv für ökologisches Umdenken

die Vorreiter«, so Kiefer, »und inzwischen folgen die Bistümer den Vorreitern auch.« Begleitet von den Umweltbeauftragten der bayerischen Diözesen, hat die ÖAK in den letzten fünf Jahren den fachlichen Austausch und die bayernweite Vernetzung von Klöstern und kirchlichen Einrichtungen organisiert, die ökologisch und nachhaltig wirtschaften und eine Plattform für eine innerund außerkirchliche Öffentlichkeitsarbeit geschaffen. Immer mehr kirchliche Bildungshäuser, Behinderteneinrichtungen, Altenheime, Klöster und Pfarrgemeinden beziehen ihre Lebensmittel inzwischen bei ökologisch arbeitenden Betrieben. Auch dies ist mit ein Erfolg der Netzwerkarbeit der ÖAK. Damit ist das Angebot ökologisch wirtschaftender Kloster- und Kirchenbetriebe auch bekannter. Die Produkte werden in den Küchen von Behinderteneinrichtungen, Bildungshäusern, Al-

tenheimen verarbeitet, der Rest wird extern vermarktet, z.B. über Hofläden oder ökologische Vermarkter. So finden sich zum Beispiel auch immer mehr ökologische Produkte auf bayerischen Pfarrfesten. Die Klöster sehen darin aber erst einen Teilerfolg. »Wir sehen durchaus einen Bewusstseinswandel«, so P. Valentin Ziegler, »aber wir sind uns auch darüber im klaren, dass wir hier noch sehr am Anfang stehen.« Fr. Andreas bringt es auf den Punkt: »Uns geht es in vielen Bereichen noch zu langsam. Ich bleibe da ungeduldig. Vor 16 Jahren haben wir unsere Wirtschaftsbetriebe in Plankstetten auf ökologische Arbeitsweise umgestellt. Wenn wir heute andere Einrichtungen mit ziehen wollen, sind die Ängste und Widerstände immer noch enorm.« Kritisch sieht die ÖAK die seit Anfang 2010 geltenden neuen Förderrichtlinien des Kulturlandschaftsprogramms des Freistaates


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INFOKASTEN

Die Arbeitsgemeinschaft »Ökologie auf Kirchengrund« (ÖAK) besteht seit 2005. In ihr haben sich inzwischen 40 Klöster und kirchliche Einrichtungen in Bayern zusammengeschlossen, die ökologischen Landbau bzw. Gartenbau betreiben. 2008 wurde die ÖAK für kirchliche Einrichtungen geöffnet, die in ihren Liegenschaften regenerative Energien nutzen. Tragender Grund für ökologisches Wirtschaften ist für die ÖAK ihre Verantwortung für die Schöpfung, für Tiere als Mitgeschöpfe und für Boden und Wasser als Lebensgrundlage. Von den ÖAK-Mitgliedern werden 1.200 ha Ackerland und 460 ha Grünland nach den Richtlinien der ökologischen Anbauverbände Bioland, Naturland und Demeter bewirtschaftet, 600 ha Wald naturnah gepflegt. 1.000 Rinder, 600 Schweine, 4.000 Hühner, Gänse und Puten können auf den Betrieben artgerecht leben. Die ÖAK setzt sich bei ihren jährlichen Treffen mit aktuellen Fragestellungen auseinander, z.B. mit der Agro-Gentechnik, der energetischen Nutzung von Biomasse oder der Förderung der ökologischen Landwirtschaft. Sie bezieht dazu öffentlich Position oder in direktem Kontakt mit Politikern und den Verantwortlichen in den Bistümern.

Bayern (KULAP). Viele Klöster und kirchliche Einrichtungen, die landschaftspflegerische Maßnahmen durchführen, fallen aus der Förderung heraus, da sie gar nicht mehr antragsberechtigt sind. »Mit dieser Regelung wird das Staatsziel ›Umweltschutz‹ nicht gefördert, im Gegenteil«, so Mattias Kiefer. Gemeinsam will die ÖAK über das Katholische Büro in Bayern Druck aufbauen, um mittelfristig zu erreichen, dass die Änderungen dieser Förderrichtlinie zurückgenommen werden. Für die Ordensleute ist klar: Wenn in den Klöstern beim täglichen Psalmengebet

Gott als Schöpfer gepriesen wird, dann hat dies Konsequenzen auch für den Umgang mit der Schöpfung im wirtschaftlichen Alltag. Davon sind die Mitglieder der ÖAK überzeugt. Nur wer ökologisch wirtschaftet, wirtschaftet nachhaltig. Diese Erkenntnis innerhalb der katholischen Kirche in Bayern noch tiefer und breiter zu verankern, hat sich die ÖAK zum Ziel gesetzt. Ganz entscheidend sei in diesem Zusammenhang, so Mattias Kiefer, dass man nicht mit der »Moralkeule« komme. »Es geht darum, die Entscheider und das Einkaufs- und Küchenpersonal durch gelebte Praxis zu überzeugen, indem wir sie zum Beispiel in die Klöster und Einrichtungen zu einer mehrtägigen Mitarbeit einladen, die eine Umstellung auf ökologische Arbeitsweise unter Begleitung der ÖAK schon erfolgreich umgesetzt haben«. Klöster und kirchliche Einrichtungen, die eine Umstellung auf ökologischen Landbau erwägen, finden bei ÖAK-Mitgliedern Beratung und Hilfe. Kompetenz und Expertise der ÖAK wächst so mit jeder Betriebsumstellung. Sie schafft Vertrauen, Multiplikatoren und motiviert zur Nachahmung. Nicht zuletzt dienen die Mitgliedseinrichtungen im inner- und außerkirchlichen Bereich als Referenzeinrichtungen. Ein immer größeres Interesse findet auch das Thema »regenerative Energie«. Auf der Jahrestagung der ÖAK referierte der Prior der Benediktinerabtei Münsterschwarzach, P. Christoph Gerhard, über die Hinwendung

seines Klosters zu regenerativen Energieträgern. Ausgehend von der benediktinischen Schöpfungsspiritualität erläuterte er in diesem Zusammenhang Werte wie Ehrfurcht und Demut gegenüber der Natur, der Schöpfung. Ziel der Abtei Münsterschwarzach war es, innerhalb von zehn Jahren mit Hilfe von regenerativen Energieträgern aus der Region autark zu werden. Die Abtei Münsterschwarzach besteht aus 70 Gebäuden und 20 Werkstätten, wobei die hauseigene Druckerei allein ein Drittel des gesamten Stromes benötigt. Die Ausgangslage vor über zehn Jahren war daher nicht ganz einfach. Zunächst wurde untersucht, wie mit Energie insgesamt rationeller umgegangen bzw. wie Gebäude fachgerecht gedämmt werden können. Wichtiger Baustein im Verlauf des Projektes war die Gründung eines Ökorates in der Abtei und später die Einbeziehung der ordenseigenen Schule. So wurden auch Schüler zu Energiewarten herangebildet, die das ganze Projekt bis heute unterstützen.

K O N TA K T

Benediktinerabtei Plankstetten Fr. Andreas Schmidt Klosterplatz 1, 92334 Berching Telefon: 08462/206-120 Telefax: 08462/206-122 verwaltung@kloster-plankstetten.de www.kloster-plankstetten.de Shop: www.einkaufen-im-kloster.de


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Pa n o r a m a

Kunst und Bier am Heiligen Berg Künstler-Symposium vom 11. bis 18. August 2010 im Kloster Andechs

Das Kloster Andechs, die Georg Zentgraf-Stiftung und die Gemeinde Andechs veranstalten vom 11. bis 18. August 2010 wieder das Symposium »Kunst und Bier« auf dem Hl. Berg. Dabei entstehen wiederum neue Interpretationen des Themas »Kunst und Bier«. Die von einer Jury ausgewählten Künstlerinnen und Künstler erstellen ihre Arbeiten dann am Maibaumplatz unterhalb des Klosters. Die Entscheidung der Jury fällt im April.

2010

ist der Heilige Berg zum achten Mal Austragungsort des Symposiums »Kunst und Bier«, das vom Kloster Andechs, der Georg Zentgraf-Stiftung und der Gemeinde Andechs gemeinsam veranstaltet wird. Am Maibaum unterhalb des Klosters beginnen die Künstler am 11. August mit ihrer Arbeit. Die Besucherinnen und Besucher des Heiligen Berges können dann bis zum 18. August 2010 den Künstlern bei ihrer Arbeit über die Schultern schauen und die Entstehung der Kunstwerke verfolgen. Die Arbeiten werden nach dem Künstlertreffen für ca. drei Jahre in der Umgebung des Heiligen Berges ausgestellt.

Nie zuvor hat das Symposium »Kunst und Bier« so viele Bewerber angezogen. Im Rahmen des deutschlandweit ausgeschriebenen Wettbewerbs haben sich inzwischen über vierzig Künstlerinnen und Künstler für die Teilnahme am Symposium im August in Andechs beworben. Die Konkurrenz ist demnach sehr stark. Daher verspricht das Symposium auch im achten Jahr seines Bestehens wiederum interessante Interpretationen des Themas »Kunst und Bier«. Die vierzehnköpfige Jury, darunter P. Valentin und Fr. Lambert vom Kloster Andechs, Georg Zentgraf, Hubert Huber, die Andechser Bürgermeisterin Anna E. Neppel, Landrat Karl Roth, Hans Albert Ruckdeschel und einige ehemalige Teilnehmer des Symposiums, werden daher im April 2010 keine einfache Wahl haben. Für Informationen und Gespräche und Interviews stehen die Künstlerinnen und Künstler sowie der Leiter des Symposiums Hubert Huber (0179/5045396) während der Woche zur gerne Verfügung. Sobald die Teilnehmer von »Kunst und Bier 2010« feststehen, sind weitere Details zu den Künstlern und ihren Entwürfen auf der Homepage des Klosters unter www.andechs.de zu finden.


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Sänger für Orff Festspielchor Andechs in neuem Gewand

Der 1998 für die Orffsche Oper »Der Mond« gegründete »Kleine Welttheaterchor« und der »Große Welttheaterchor« wurden als Projektchöre für die Carl Orff-Festspiele ins Leben gerufen und sind ein wichtiger Bestandteil der Andechser Festspiele.

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ie beiden Ensembles bieten Sängerinnen und Sängern aus dem FünfSeen-Land und dessen Einzugsgebiet die Gelegenheit, das große Werk von Carl Orff besser kennen zulernen und zur Aufführung zu bringen. Von Anfang an war es auch Ziel der Festspiele, Werke aufzuführen, die dem Geist Orffs entsprechen. Nachdem die Chormitglieder größtenteils bereits in anderen Ensembles tätig sind, wurde am Konzept des Projektchores festgehalten. Neu ist seit 2009 ein monatlich stattfindendes Probenwochenende. Voraussetzung zur Mitwirkung bei den verschieden Produktionen – diese können frei gewählt werden – ist ein regelmäßiger Probenbesuch sowie die entsprechende stimmliche Eignung. Die musikalische Leitung des Chores liegt seit der Spielzeit 2008/09 in den Händen von Alois Rottenaicher. Als Studienleiter ist er auch für die Einstudierung der Solisten zuständig, die bei den Carl Orff-Festspielen mitwirken. Der Musikpädagoge, Dirigent und Klavierbegleiter sammelte seine Bühnenerfahrungen u. a. am Staatstheater am Gärtnerplatz; dort wirkte er mehrere Spielzeiten

I N F O R M AT I O N E N

Proben- und Aufführungstermine sind im Künstlerischen Betriebsbüro (KBB) unter Tel.: 08152/376-305, oder direkt bei der Chorleitung, Herrn Alois Rottenaicher, E-Mail: aloisrottenaicher@gmx.de zu erhalten.

als Solorepetitor und Kapellmeister. In seiner Chorarbeit will Alois Rottenaicher nicht nur für die musikalische Einstudierung eines festspielwürdigen Chores sorgen, sondern er strebt auch eine Arbeitsatmosphäre an, die die Chormitglieder immer wieder motiviert, an einem Wochenende im Monat nach Andechs zu kommen. Auf dem Chor-Programm stehen in diesem Jahr drei Madrigale von Claudio Monteverdi und zwei Kantaten von Carl Orff nach Texten von Franz Werfel, »2 nach Orff« – Hommage an Carl Orff von Marcus Everding, ein Theaterstück mit großem Sprech-Chor und die Messe in F-Dur von Claudio Monteverdi, die am 8. August im Rahmen des Festspielgottesdienstes aufgeführt wird. Neue Chorsänger sind herzlich willkommen, besonders Sopran und Tenor.


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Pa n o r a m a

(V.l.n.r.) Toni Aigner, Fr. Lambert, Abt Johannes, Renate Haushofer, Graf Strachwitz,

Nikolaus Neumaier

Ulrich Stumaum

Anna E. Neppel, Karl Roth und Fritz David

(Beisitzer)

(Schatzmeister)

Neuwahlen beim Freundeskreis Kloster Andechs

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und 100 Mitglieder hatten sich Mitte November 2009 in der Alten Bibliothek des Klosters eingefunden, um bei der Jahresversammlung des Freundeskreises u.a. den Vorstand für zwei Jahre neu zu wählen. Zuvor hatte Abt Johannes in der Wallfahrtskirche einen feierlichen Gottesdienst zum Fest der Hl. Elisabeth gefeiert und dabei der im letzten Jahr verstorbenen Mitglieder des Freundeskreises gedacht. Bei der Versammlung sprach der Abt den Dank an den Freundeskreis für die vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit aus. Anschließend

berichtete Vorsitzender Graf Strachwitz über die Ereignisse des vergangenen Jahres und hob vor allem die Romreise auf den Spuren des Hl. Benedikt hervor. Bei den Vorstandsneuwahlen stellten sich Schatzmeister Stephan Fuchs, der das Amt zwölf Jahre lang in hervorragender Weise wahrgenommen hat, und Beisitzer Bernt Lusteck (seit zehn Jahren dabei) nicht mehr zur Wahl. Als neuer Schatzmeister wurde Ulrich Stumbaum gewählt, Nachfolger von Lusteck wird sein Kollege beim Bayerischem Rundfunk, der in Andechs wohnende Nikolaus

Neumaier. Neu in den Vorstand als Beisitzerin gewählt wurde auch die Andechser Bürgermeisterin Anna E. Neppel. Die übrigen Vorstandsmitglieder wurden in ihren Ämtern bestätigt: Rupert Graf Strachwitz als Vorsitzender, Toni Aigner als Stellvertreter, Fritz David als Schriftführer sowie als Beisitzer Renate Haushofer und Landrat Karl Roth. Vertreter des Klosters im Vorstand bleibt Fr. Lambert Stangl.

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(V.l.n.r.) Bischof Walter Mixa, P. Valentin Ziegler, Karl Roth und Anna E. Neppel

m 8. März 2010 fand im Florian-Stadl auf dem Heiligen Berg der alljährliche Landfrauentag statt. Zur Begrüßung hob Landrat Karl Roth die Arbeit der Bäuerinnen hervor: »Sie sind die tragenden Säulen im ländlichen Raum.« Die Andechser Bürgermeisterin Anna E. Neppel lobte ebenfalls die Landfrauen für ihren selbstverständlichen Einsatz. Der diesjährige Gastredner Bischof Walter Mixa referierte das Thema »Ohne Frauen kein Land«. Darin brach er eine Lanze für die Leistung der Landfrauen und ihr ehrenamtliches Engagement sowie ihren Einsatz in der Kindererziehung. Rund 250 Besucherinnen waren der Einladung von Organisatorin und Kreisbäuerin Anita Painhofer gefolgt.


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Schichtweise – Gemalte Meditationen im Fürstentrakt Marion Kausche stellt im Kloster Andechs aus

Im Fürstentrakt des Klosters begrüßt derzeit ein kraftvolles Triptichon den Besucher: Blau, Türkis, Weiß – kräftige Farbflächen sind im Zusammenspiel mit verschiedenen Erdtönen und -strukturen in einem spielerischen Wechsel von sich teilweise überlagernden Flächen und Linien gesetzt. Bewegung, Tiefe und die Freude an vielschichtigen Farbwirkungen sind Themen der abstrakt arbeitenden Künstlerin Marion Kausche aus Gräfelfing, die hier die Werkreihe »schichtweise« zeigt.

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wanzig, zumeist großformatige Bilder gehen mit der prachtvollen Architektur des Fürstentraktes eine gelungene Symbiose ein. Über die Zeit und die kunstgeschichtlichen Unterschiede hinweg gibt es eine innere Verbindung, eine Verwandtschaft. So empfindet einer der Besucher, der die Künstlerin und ihre Arbeitsweise gut kennt und Parallelen findet zum Klosterleben, zur spirituellen Suche: »In einem oft langwierigen Prozess ringt sie um Wahrhaftigkeit in den Bildern, geht mit dem Bild auf die Suche, oft des Kampfes um das jeweils Aktuelle ein – ähnlich vielleicht wie ein Mensch im Dialog mit Gott, mit seiner Spiritualität. Marion Kausche erschafft, verwirft, zerstört, verzweifelt, hofft, jubelt, lässt sich auf Unbekanntes ein und lässt sich oft führen von einer inneren Weisheit. Dann

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erst entstehen die überraschenden Bilder, die einer langen Betrachtung standhalten, weil man immer wieder Neues in ihnen entdecken kann. Im Nachhinein wird oft der Sinn vorangegangenen Suchens sichtbar, wenn es stimmig wird.« So gesehen sind diese Bilder Sinnbilder für das menschliche Leben und Suchen, und vielleicht deswegen faszinieren sie auch jenseits des ersten flüchtigen Blickes, der sich an den klaren, leuchtenden Farben erfreut und begeistert. Je länger man sich auf sie einlässt, desto mehr nimmt man mit von dem, was die Künstlerin in diese Bilder gewebt hat. Noch bis 23. Mai 2010, geöffnet zu den Veranstaltungen im Fürstentrakt, sowie am 28. März, 4./5. April, 2. und 23. Mai jeweils von 11 bis 15 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung unter 0176/96355558. R. Stenz

ehr als 30 Jahre war er im Andechser Bräustüberl tätig – vom Josefitag 1952 bis zum 30. Juni 1986. Am 2. Februar 2010 hat Karl Schott sein neunzigstes Lebensjahr vollendet. Karl Schott wurde durch seinen Fleiß und seine Freundlichkeit bekannt und beliebt bei allen Gästen des Bräustüberls. Ob Prominente und Berühmtheiten wie Zarah Leander, die in der Kirche ein Ave Maria sang und dann im Bräustüberl einkehrte, Ministerpräsident Alfons Goppel mit seiner Familie, der immer am Neujahrstag nach Andechs kam, Franz Josef Strauß oder Johannes Heesters mit seiner Frau Simone, ob Touristen, Ausflügler oder Pilger von Nah und Fern – jeder Gast war ihm gleich wichtig und willkommen. Für seinen jahrzehntelangen Dienst an der Gastfreundschaft auf dem Heiligen Berg erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Wir wünschen ihm noch viele schöne Jahre im Kreis seiner Familie.


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Andechser Fahne auf Tour in Mozambique Rudolf Jankot berichtet von seiner Reise entlang der Küste des ostafrikanischen Landes

Teil II Die ehemalige portugiesische Kolonie, von der Unabhängigkeit im Jahre 1974 bis 1992 im Bürgerkrieg verstrickt, schwer heimgesucht von der Flutkatastrophe im Jahre 2000 macht heute mit positiven Schlagzeilen von sich reden. Langsam beginnt sich das Land touristisch zu entwickeln, mit 2500 km langen Küstenstreifen, fast endlos scheinenden, herrlichen Sandstränden, Städten im portugiesischen Kolonialstil und großen Nationalparks. Anbei der zweite Teil des Reiseberichts von Rudolf Jankot.

Freitag, 19. 9. 2008

Samstag, 20. 9. 2008

Auf nach Vilanculos/Bazaruto Archipel

Wir packen alles in den Truck und schiffen uns für die nächsten beiden Tage auf zwei Dhow’s ein. (Dhaw ist ein in allen Anliegerländern des Indischen Ozeans zu findender Segelschiffstyp. Die Besonderheiten sind einbis drei einteilige Masten mit zum Teil ausgeprägten großen trapezförmigen Segeln) Die Fahrt zum Bazaruto Archipel ist wunderschön zum abspannen – das Meer schimmert in der Sonne perfekt in türkis und wir freuen uns schon auf den angekündigten Schnorchelgang. Gegen Mittag erreichen wir schließlich das Riff und lassen uns mit der Strömung über die Korallen treiben. Das Wasser ist doch relativ kühl, jedoch sind wir sind die letzten, die zurück aufs Boot kommen. Weiter geht’s auf eine Dünen-Insel, nicht weit entfernt, zum Mittags-Brunch. Schließlich fahren wir am Nachmittag entlang der Küste um einen Campplatz für die Nacht zu erreichen. Wir sichten dabei immer wieder mal Delphine und landen kurz vor Sonnenuntergang.

Wir verlassen Praia do Tofo und fahren in nördlicher Richtung nach Vilanculos. Die Straßenverhältnisse waren eine absolute Erfahrung. Im Gegenzug jedoch, als einzige Süd/Nord Verbindung und als Hauptschlagader des Landes nicht besonders befahren. Ankunft in Vilanculos am späten Nachmittag. Wir beziehen zum ersten Mal eine Lodge und kein Zelt. Ein Traum mit Pool und wunderschönen Cottages mit Sicht zum Strand. Zum Entspannen dann schließlich ein Spaziergang am Stadtstrand bevor wir die schönste Unterkunft der Reise noch mal so richtig geniessen. Die ursprünglich vorgesehene Lodge war zum Glück belegt –


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An Board der Dhow’s ist auch die Küche – die etwas unorthodoxe Feuerstelle im Holzboot, hat uns dann doch ein wenig verwundert. Aber es war die beste Küche, die wir bekommen konnten. Der Abend am Strand ist ein Traum am Lagerfeuer. (Der nette Nachtwächter hat schließlich unser letztes Cap abbekommen.) Sonntag, 21. 9. 2008

Es hat relativ starken Wind und somit fahren wir mit Motorkraft und ohne Segel zurück nach Vilanculos. Unterwegs halten wir mittags in einer der schönen Buchen zum sonnen, abspannen, lesen, Watt erkunden aufgrund der Ebbe und letztlich wieder mal Brunchen. Spätnachmittags zurück in Vilanculos, erst mal entladen der Boote und mit den Truck zur diesmal anderen Lodge. Leider von den Zimmer-Facilitäten sehr Basic, wobei jedoch der Abend in der dazugehörigen Kneipe, der Treff der Traveller, einiges wieder wett macht. Montag, 22. 9. 2008

Heute fahren wir in den Süden, dieselbe Straße die wir hochgekommen sind zurück zur Provinzhauptstadt Inhambane, zum Markt und Souvenir-Schoppen. Anschließend zur Nachbarbucht von Praia do Tofo mit Übernachtung in der Barra Lodge Beach Ressort direkt am Strand – Eine Traum am Indischen Ozean

Unglaublich, ein mehrere hundert Meter breiter Sandstrand vom feinsten – Wir bleiben hier für 2 Tage zum abspannen und ich buche für den nächsten Morgen die nächste Ocean Safari. Dienstag, 23. 9. 2008

Beim Tour-Briefing vor dem Start wird ein sehr starker Wellengang vorhergesagt, das reduziert die Gruppe dann doch um einige – leider auch um Gabi, die sich aufgrund der ersten Erfahrung das nicht mehr geben möchte. Für mich steht’s außer Frage – Walhaie, Walhaie, Walhaie ist das Ziel – Mit Erfolg, ich hab die Gelegenheit einige Minuten neben einem jungen etwa 5–6 m großen Walhai zu schwimmen, der dann langsam unter mir ins tiefblaue entschwindet. Ein unvergessliches Erlebnis. Mit uns fährt ziemlich zur gleichen Zeit eine Tauchgruppe raus. Ich sehe deren Tauch-Boje während wir ganz in der Nähe kreuzen. Eine Familie von Buckelwalen schwimmt links und rechts an der Boje vorbei, während sie ihre Fontänen ausstoßen. Unbeschreiblich, die Tiefe ist max. 20–30m an dieser Stelle und nah zum Strand. Wie müssen die Taucher sich fühlen, wenn die Wale nicht mehr als 15 m oder weniger über ihnen hinweg ziehen und dabei sich noch unterhalten. Das ist ein absoluter Glücksfall und kann natürlich keiner planen.

Eine kleine Randnotiz: Am Nachmittag verliere ich meine Uhr (mit Höhenmeter, Wecker, …) am Strand, wohl beim versetzen des Handtuches. Die Uhr war ziemlich teuer und außerdem sehr hilfreich und dadurch war ich doch ein wenig angeschlagen. Wir gehen anschließend in die Barra-Strandbar, um das ganze am Besten mit einem Bier hinunterzuspülen. Während wir so am Beach sitzen, geh ich nochmals zur der vermuteten Verluststelle, hab ja nix zu verlieren. Da

MOZAMBIQUE – STECKBRIEF

Fläche 801.600 km2 Einwohnerzahl 20 Mio. Durchschnittliche Lebenserwartung Männer: 39,9 Jahre Frauen: 40,75 Jahre (Stand 2005) Sprachen: Portugiesisch als Amts- und Verkehrssprache, ansonsten afrikanische Sprachen Religionen: Christen (42 %), Muslime (17,5 %) und Naturreligionen Klima: subtropisch bis tropisch Beste Reisezeit: April bis Oktober Pro-Kopf-Einkommen: 200,– USD (Stand 2003) Währung: Metical (MZM)


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kommt ein Junge auf mich zu und fragt, ob ich etwas suche. Der junge Finder hat ein dicken gibt offensichtlich auch Gegenbeispiele. Mittwoch, 24. 9. 2008

Von Inhambane aus fahren wir weiter südlich in die belebte Hauptstadt Mozambiques, die wir am späten Nachmittag erreichen. Maputo war früher auch als Lourenzo Marques bekannt und ist als Stopp absolut nicht zu empfehlen. Für uns ist es zu gefährlich auf eigene Faust etwas zu unternehmen und die Übernachtungs-Facilitäten im Backpackers ›Fatimas‹ eine Katastrophe. Unsere Empfehlung, entweder vor Maputo eine Lodge nahe dem Strand anzusteuern oder bereits zum nächsten Etappenstopp durchzufahren, den Krüger National Park in Südafrika, was nur wenig mehr an Fahrzeit bedeutet hätte. Donnerstag, 25. 9. 2008

Wir sind froh Maputo zu verlassen und sind nach kurzer Zeit an der Grenze. Durch einen Nationalfeiertag in Süd-Afrika ist solch ein Andrang, dass wir über 2 Std. benötigen die Grenzformalitäten zu bewältigen. Gegen Mittag passieren wir den südlichen Eingang ›Crocodile Bridge‹ des Krueger Nationalparks und schlagen im Camp ›Lower Sabie‹ unsere Zelte auf.

Freitag, 26. 9. 2008

Heute ist Campwechsel und Safari, Safari, Safari – wir fahren weiter zum nördlichen Camp Satara. Die meisten von uns haben eine Safari-Tour im Camp noch am Vortag gebucht und werden von zwei Rangern abgeholt. Die offenen Range Rover bieten ideale Voraussetzung die Tierwelt bestens beobachten zu können. Aber wir sehen nicht nur schönes – ein noch nicht ausgewachsenes Nasshorn, mit schwerem etwas taumelten Gang, am Rücken schwer verletzt, allein und anscheinend von seiner Mutter bereits verlassen. Löwen hatten in Nacht wohl versucht es zu reißen. Unser Ranger machte uns keine großen Hoffnungen, dass es die nächste Nacht überstehen könnte. Die Natur wird sich selbst überlassen. Wir haben das Glück, begünstigt durch die Trockenzeit, die ›Big Five‹ – Löwen, Nashörner, Elefanten, Leoparden und Büffel zu sehen. Wobei der Leopard in der Baumgabelung die härteste Sichtung war. Wo?, ich seh ihn nicht, jedoch die Qualität meines Fernglases macht sich wieder mal bezahlt. Unser Truck erwartet uns bereits im Camp und wir schlagen nun zum letzten Mal und mit etwas Wehmut unsere Zelte auf. Mit der Abendsonne am Pool und anschließend am Lagerfeuer leiten wir den Abschied ein. Samstag, 27. 9. 2008

Nachdem wir den Krüger Park verlassen, reisen wir durch die spektakuläre Szenerie der Panorama Route. Der Blyde River Canyon, der dritt-größte Canyon der Welt, bie-

tet atemberaubende Aussichtspunkte bei God’s Window und den drei Rondavels. Die Bourke’s Luck Potholes sind das faszinierende Ergebnis der Erosion, verursacht durch den Treur River. Wir erreichen schließlich das Moholoholo Wildlife Rehabilitation Centre, welches sich für die Erhaltung von gefährdeten Arten sowie der Rehabilitation von verletzten und vergifteten Wildtieren einsetzt. Greifvögel die sich in Hochspannungsleitungen verfangen oder RaubkatzenJunge deren Mutter getötet wurde, sind Alltagsschicksale. Die Station dient diesen Tieren als Rettungsanker mit dem Ziel der Aussiedelung in ihren natürlichen Lebensraum. Anschließend geht’s weiter zur Timbavati Lodge, unserer letzten Etappe für heute, mit dem traditionellen Braai (Grillfest) und Windhoek Lager, dem unserer Meinung bestem Bier des südlichen Afrika. Sonntag, 28.09.08

Früh morgens verteilen wir noch alles an mitgebrachter 2nd Hand-Kleidung an das Camp-Personal, Nachtwächter und Küche und schießen noch ein Abschiedsfoto unserer Gruppe. Dann geht es weiter nach Johannesburg, wo unsere unvergessliche Safari endet. Wir passieren den Flughafen, da einige aus unserer Gruppe noch am selben Abend zurückfliegen. Wir allerdings übernachten wieder mal im ›Fort Knox‹ mit ›Call a Pizza‹ -Service und fliegen am nächsten Morgen mit der Swissair nach München zurück.


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Presse Echo

Starnberger Merkur, 28. Januar 2010


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M端nchner Kirchenzeitung, 15. November 2009


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Starnberger Merkur, 20. November 2009

M端nchner Merkur, 5. Januar 2010


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Abendzeitung, 23. November 2009


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Bayernkurier, 16. Januar 2010


»Im Licht der Ostersonne bekommen die Geheimnisse der Erde ein anders Licht!« Friedrich von Bodelschwingh

Impressum V.i.S.d.P.: P. Valentin Ziegler Bergstraße 2 · 82346 Andechs · Tel.: 08152/376-0 · Fax: 08152/376-267 · www.andechs.de Redaktion: Christian Bolley, Martin Glaab, Birgitta Klemenz · Gestaltung: Mellon Design Druck: Agentur Beckenbauer · Papier: gedruckt auf umweltfreundlichem Papier Titelbild: Elke Schildt – Alle Fotoaufnahmen durch Benediktinerabtei Sankt Bonifaz in München und Andechs, außer: argum – Heller Falk (S. 18, 19, 22, 23); Buchheim Museum (S. 41); Erzbistum Freiburg (S. 12); Frei Lisa (S. 27); Gemeinde Roggenburg (S. 38); Henning Jürgen (S. 37); Huber Hubert (S. 44); Jankot Rudolf (S. 48, 49, 50); Kausche Marion (S. 47); Neumaier Nikolaus (S. 46); Öhler Christian (S. 14, 26); Orff-Zentrum München (S. 30); Rodach Johannes (S. 30); Rolletschek Günter (S. 45); Schmid Thomas (S. 13, 41); Schuhbauer-von Jena Stefan (S. 3, 28, 29); Strodel Anton (S. 24, 25); Stumbaum Ulrich (S. 46); Wörsching Rigo (S. 46) Bei Einsendungen von Artikeln behält sich die Redaktion Kürzungen und Änderungen vor. Das nächste Andechser Berg Echo erscheint Ende Juli 2010

Andechser Bergecho  
Andechser Bergecho  

Issue 2010 /1

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