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an.schläge 11/2008

an.schläge DAS FEMINISTISCHE MAGAZIN november

thema

BotoxBoom Party-Droge ohne Rausch: das Nervengift Botulinumtoxin

politik

BellenBlues Wahlparty ohne Grund: Die Grünen brauchen einen Neuanfang

e 3,8 (Ö) e 4,5 (D) sfr 8,-


Kultur 08 BOCK auf

Wir treten auf solange FlĂźchtlinge auf der StraĂ&#x;e stehen. RAWBIRD Drehli Thomas Adrian Gaspar Markus meets CEE Maurer Robnik Trio Kienzl (AL HACA)

Mika Vember

Raketa

Mondscheiner

COLORS OF VIENNA

Anna F. Phoenics

Ursula Poznanski

Insingizi

Ulrich Son of the Fuchs Rainer Drechsler Velvet Rat Klang Quartett Christian

Hannes LĂśschel Chris And

Stadtkapelle The Other Martin

Auer Magazin fĂźr Pop, Kultur und Menschen WWW.THEGAP.AT

John Megill

Groove

Girls Bagasch

15.-29.11.08

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www.bockaufkultur.at


an.schläge an.spruch

Tod eines Lebensmenschen Haider, der Mann des kleinen Mannes, ist männlich gestorben

05

glawischnig.interview

„Wann, wenn nicht jetzt“ … Ohne Zwang keine Gleichberechtigung, sagt die neue Grünenchefin

08

grüne.zukunft

Nicht ganz grün hinter den Ohren

auf.takt

eure an.schläge

politik

10

türkische.seifenoper

Reich und schön am Bosporus Wie feministisch ist die türkische Soap „Noor“?

14

botox.boom

Botox to go

forum

thema

Die langweiligste Party-Droge der Welt: das Nervengift Botulinumtoxin

16

botox.boom

Botox & Butler Gesichtslähmungen schlagen aufs Gemüt – wusste schon Butler

19

forum.wissenschaft

Scum Manifesto revisited Valerie Solanas Attentat auf Andy Warhol jährte sich zum 40. Mal

22

jubiläen.gewaltschutz

gesellschaft

Soll und Haben 30 Jahre Frauenhäuser: Was erreicht wurde und was nicht

28

lotte.ingrisch

„Das Jenseits ist keine Party“ Österreichs berühmtestes Medium im Gespräch über Leben und Tod

32

lesbische.filmtage

le.f.t. ist anders|wo In Graz gibt es Österreich-Premieren für queere CineastInnen

34

emo.queer

Dünne Jungs in Mädchenhosen Miteinander knutschende Emo-Jungs sind cool queer. Und die Mädchen?

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an.klang

Piano-Herbst in schwarz-weiß Neuerscheinungen in fortissimo, crescendo und pianissimo

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an.lesen

Lieber King Kong als Kate Moss Virginie Despentes „King Kong Theorie“ ist ein feministisches Manifest

39

ge.sehen

kultur

32 Prozent der unter 30-jährigen Frauen haben ÖVP gewählt, unglaubliche 21 Prozent FPÖ. Für die Grünen haben sich bei der vergangenen Nationalratswahl hingegen lediglich 15 Prozent der jungen Frauen entschieden. Ist dieser neuen Frauengeneration einfach nicht mehr zu helfen? Oder hätten vielleicht die Grünen, die von sich selbst behaupten, als einzige Partei in Österreich „echte Gleichstellungspolitik“ zu machen, kompetentere Hilfe gebraucht? Saskya Rudigier und Martina Madner stellen grünen Politikerinnen diese Fragen – natürlich auch der designierten neuen Parteichefin Eva Glawischnig (S. 8ff). Was wird auf Botox-Partys eigentlich gefeiert? Und wieso schlagen Gesichtslähmungen aufs Gemüt? Diese Fragen stellen wir uns im Thema dieser Ausgabe, das sich dem beispiellosen Boom des Ende des 19. Jahrhunderts in verdorbenen Würstchen entdeckten Nervengift Botulinumtoxin widmet (S. 16ff). Weitere Themen: das emanzipatorische Potenzial einer türkischen Seifenoper (S. 14f), Valerie Solanas Scum-Manifest (S. 22ff), dünne Jungs in Mädchenhosen (S. 36f), 30 Jahre Frauenhäuser in Österreich (S. 28f), eine Geisterseherin im Gespräch (S. 32f), lesbische Filmtage in Graz (S. 34f) und feministische Utopien in Berlin (S. 42). Und zu guter Letzt: eine herzliche Einladung an all unsere LeserInnen zum feminist press|ure an.schläge-Jubiläumswochende im Wiener brut. Anlässlich 25 Jahre an.schläge feiern wir dort am 28. und 29. November die feministische Medienvielfalt. Mit 25 Anschlägen auf den Malestream: einem Symposium, drei Workshops, zwei Podiumsdiskussionen, sechs Inputs, einer VJ, einer DragKing-Show, einer Ausstellung, einer Rampensau, einem Geburtstagsständchen, vier Bands, einem Screening und mit mindestens zwei DJanes. (Detailliertes Programm auf www.anschlaege.at) Bis dorthin,

Was läuft falsch bei den Grünen?

Ach, wär’ ich doch jetzt nicht hier … Der Ort der Utopie ist immer weit weg, zeigt ein fiber-Diskussionsabend

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an.uns

In 80 Pickerln um die Welt:

an.schläge i n

Bregenz Fo t o : S a s k y a Ru d i g i e r

an.schläge Herausgeberinnen und Verlegerinnen: CheckArt, Verein für feministische Medien und Politik A-1030 Wien, Untere Weißgerberstr. 41, T. 01/920 16 76 e-mail: redaktion@anschlaege.at, office@anschlaege.at, www.anschlaege.at

Koordinierende Redakteurinnen: Saskya Rudigier,redaktion@anschlaege.at,T. 01/920 16 76 Lea Susemichel, office@anschlaege.at,T.01/920 16 78

Buchhaltung, Abos: Svenja Häfner, buchhaltung@anschlaege.at, abo@anschlaege.at

Termine, Tipps: Mia Kager, termine@anschlaege.at

Inserate: Michèle Thoma, mi.thoma@chello.at Redaktion: Bettina Enzenhofer/be, Svenja Häfner/svh, Kerstin Kellermann/kek, Katharina Nagele/kana, Petra Öllinger/PÖ, Silke Pixner/pix, Saskya Rudigier/s-r, Bettina Surtmann/besu, Lea Susemichel/les, Jenny Unger/jung,

an.schläge werden gefördert von:

Irmi Wutscher/trude

Mitarbeiterinnen dieser Nummer: Sylvia Böhm/syb, Silke Graf, Beate Hammond, Gabi Horak/GaH, Kathrin Ivancsits/kaiv, Mia Kager/miaK, Nadine Kegele/nad, Karin Eckert/keck, Judith Kabas, Sabine ´ Klein, Michaela Maywald, Annika Nickenig, Lisi Schleicher/liS, Michèle Thoma,Yina Yun

plus.minus: Lea Susemichel Cartoon: einmal que(e)r um die welt von TROUBLE X http://troublex.blogsport.de

Betriff: practice makes antisexist in an.schläge (09/2008)

Cover: Rania Moslam. Das Projekt „das Gesicht verlieren“– Ich bin schön (Teil 2) von Rania Moslam setzt sich mit Körpernormierungen auseinander. Die Fotografierten haben keine Kontrolle über ihren Gesichtausdruck – sie verlieren ihr Gesicht – wenn sie es zulassen.

Fotos: an.schläge-Archiv, Chicks on Speed, Karin Fisslthaler, Patrizia Gapp, Jessica Gaspar, Saskya Rudigier, Tina Weber, Women on Waves

Layout: Lea Susemichel Homepage: Mirjam Bromundt, www.anschlaege.at Druck: Tiskarna Druck, Wien © an.schläge: Titel, Vorspann und Zwischentitel von der Redaktion. Namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen nicht der Auffassung der Redaktion entsprechen. Kürzungen vorbehalten. ISSN 1993-3002

04 an.schläge november 2008

Die Angabe der Homepage der GAPGruppe Antisexistische Praxen aus Berlin war falsch. GAP hat keine Homepage. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.


Irmi Wutscher

Tod eines Lebensmenschen Einer der größten Männer der Republik ist gestorben. Der Supermann. Rächer der Geknechteten, Beschützer der Witwen und Waisen. Oder eigentlich: Beschützer Kärntens vor dem Wiener Pfrund, Schutzpatron des kleinen Mannes, leutseliger Feschak mit dem Trachtenjopperl. Männlich ist er gestorben, in einer dicken, schwarzen Machokarre, bei schneller Geschwindigkeit. Immer unter Strom, immer Vollgas. Er hat immer alles gegeben. Das bezeugen jetzt politische Weggefährten und Journalisten, freundlich wie feindlich gesinnte. Was zurückbleibt, sind orange-braungesichtige Buberln, die sich nicht mehr einkriegen können. Sie alle geben an, ihren Lebensmenschen, ihren besten Freund, ihre Lichtgestalt, ihren großen Erlöser verloren zu haben. „Die Sonne ist vom Himmel gefallen“, verlautbart einer,„und die Uhren sind stehengeblieben heute Nacht.“ So viel Poetisches über den, der selber gerne Griffiges gesagt hat. Vor allem ein Namenspoet war er. Einer, der Analogien zwischen Waschmitteln und Vornamen sofort erkannte und der slawisch klingende Nachnamen mit Aufenthaltsgenehmigungen assoziierte. Insofern sind blumige und bildhafte Abschiedsworte wohl angebracht. Frauen sind keine dabei, die ihren Lebensmenschen, ihren Weggefährten verloren haben. Haiders Familie – betagte Mutter, Frau und zwei Töchter – kommt nicht zu Wort. Dafür dürfen die Buben ungehemmt in die Kamera heulen. Die, die sonst so stramm und straff erscheinen (wollen), geben sich von Emotionen übermannt. Völlig orientierungslos sind sie. Der Weltuntergang breche für sie herein, sagen sie. Wie Mitglieder einer Sekte, der der Guru abhanden gekommen ist, erscheinen sie alle vom BZÖ dieser Tage. Wie sehr muss in diesem männerbündlerischen Verein alles auf die eine große Vaterfigur ausgerichtet gewesen sein. Das Führungsprinzip, alle auf Schiene und bloß nicht abweichen. Haiders Meinung war die Meinung der Partei. Und welche Meinung gilt jetzt?

Frauen gab es genauso wie Buben an der Seite des Jörg. Doch während mit jenen Verbrüderung, Umarmungen und Schulterklopfen angesagt waren, gab es für die Frauen eher subtile Gesten der Herabwürdigung. Man erinnere sich an die Kuchen-Fütterung der Heide Schmidt. Mit Susanne RiessPasser war Haider das Susi-und-Strolchi-Duo der Nation, in dem Haider die Susi, nachdem er sie vorangeschickt hatte, immer wieder vorführte, in dem er die Sager lieferte und sie die Dinge dann ausbaden musste. Frauenpolitisch hat er persönlich wenig hinterlassen, der Jörg. Das Thema wurde, gerade in der FPÖ, den strammen Frauen der Partei überlassen. Und die waren natürlich der Linie Ehe – Familie – Mutterschaft treu. Insofern war auch die einzige frauenpolitische Maßnahme in Kärnten eine Familienpolitische: der Kinderscheck für die Kärntner Mütter und Mutterln. Nicht nur die Partei, ein ganzes Land steht still vor Schock und Trauer. Alle die, die ihn vorher angeblich nicht gewählt haben, können jetzt auf einmal ihre persönliche Geschichte vom Jörg erzählen. „Du bist unsere Lady Di!“, wird wehgeklagt. Der Kärntner Lord, der seine eigene Provinz führte und auf Verfassungsvorschriften pfiff, wird posthum zur Lady der Herzen erklärt. Nur im Vergleich versteht sich. Nicht wirklich. Plus einem neuen Aspekt seiner Männlichkeit: dem des Märtyrers. Es entsteht ein regelrechter Unfallstellentourismus. Und ein Kondolenzbuchunterschreibtourismus. Und dort, wo sich die von Trauer Getroffenen treffen, entstehen schon die ersten Verschwörungstheorien. Das Auto muss manipuliert worden sein. Dass er besoffen mit über 140 km/h durch ein Ortsgebiet gefahren ist, wird ignoriert. Die Liste ließe sich ewig fortsetzen: Jörg und die Medien, Jörg und die Vergangenheit, Jörg und das Ausland, Jörg und die Ausländer, Jörg und … Ein Zeichen dafür, dass dieser Mann eine lange und starke Präsenz hatte, die nun in der Trauer und Mythisierung ihren letzten Höhepunkt erfährt. Hoffentlich. ❚ november 2008 an.schläge 05


österreichan.riss tenz, die sie weiter ausbauen wollen. Auch die Hausbesuche sind stark nachgefragt und werden mehr. Die Wochenwohnung bietet akut notleidenden Frauen vorübergehend Schutz und Unterkunft. „Sie ist eigentlich ständig besetzt“, sagt Sandra Jakomini, eine der beiden Initiatorinnen von „Freiraum“. Ein ganz neues Angebot gibt es auch: Frauen können leistbare Second-Hand-Kleidung in der Beratungsstelle kaufen. GaH „Freiraum“, 8430 Leibnitz, Karl-Morre-Gasse 11, Tel: 03452/20200, frauen@verein-freiraum.at, www.verein-freiraum.at, Öffnungszeiten: Mo-Mi 9-12.00

graz salzburg

Violetta Lesben Archiv

Ulrike-Gschwandtner-Straße Der Gemeinderat der Stadt Salzburg hat im Juni beschlossen, die neugeschaffene Verbindungsstraße zwischen Akademiestraße und JosefPreis-Allee nach Ulrike Gschwandtner zu benennen. Geschwandtner war Vereinsvorstand der ARGEkultur und starb am 3. Juli 2007 bei einer Bergexpedition in Pakistan. Der Gemeinderat will damit ihre herausragenden Leistungen in den Bereichen Wissenschaft, Kultur und Sport würdigen. Die neue Straße wurde am 4. Oktober offiziell eingeweiht. GaH

In Graz gibt es in den Räumlichkeiten der Frauenbuchhandlung Berta ein neues Lesben-Archiv: „Violetta“ ist zu den Öffnungszeiten der Buchhandlung für alle Lesben/Frauen/female queers zugänglich. Gesammelt werden „alle lesbischen Spuren“ mit Schwerpunkten auf Zeitschriften, Musik und Filmen. Das Archiv ist froh über Tipps zu Veröffentlichungen und natürlich (Sach)Spenden. Im Archiv werden auch Ausstellungen mit Bildern und kleineren Objekten von Künstlerinnen gestaltet, die sich gerne melden können. Violetta ist als Präsenzbibliothek organisiert, d.h. alle Materialien können – gegen eine Benutzungsgebühr von 50 Cent – vor Ort eingesehen werden. GaH Violetta Lesben Archiv, 8020 Graz, Siebenundvierzigergasse 27, Tel: 0316/26 37 66, violetta.archiv@gmx.at,

leibnitz

http://fachfrauen.wolfsmutter.com/1026, Öffnungszeiten: Fr 9-18.30, Sa 9-13.00

„Freiraum“ seit zwei Jahren

wien

Die im März 2007 eröffnete Frauenberatungsstelle „Freiraum“ in Leibnitz wird stark frequentiert, Personal und Angebot wurden bereits ausgeweitet, ebenso die Öffnungszeiten. Im zweiten Jahr wurden bisher bereits 500 Beratungen gezählt, wobei das häufigste Thema Gewalt ist. Sozialbegleitung nennen die Frauen von „Freiraum“ als ihre Kernkompe-

[ro*sa]22 baut 2008 Die an.schläge berichteten schon vor einem Jahr, dass in der Donaustadt „das erste komplett von Frauen geplante und organisierte Wohnprojekt

„ein Cocktail-schwingendes sexistisches Schwein …“

sei James Bond. Sagt der neue James Bond. Der nun eben kein sexistisches Schwein mehr sein möchte. Womöglich war auch das ein Grund für die anfänglichen Proteste gegen die Besetzung von Daniel Craig. Echte Bond-Fans wüteten gegen den farblosen Pierce Brosnan-Nachfolger, die Medien verspotteten ihn gar als „James Bland“ (James Langweilig). Wir jedenfalls geben die Lizenz zum Weitermachen, 007! 06 an.schläge november 2008

antifeministischer antideutscher

antifeministische deutschnationale

„Das I der Idiotie“

Das I in MenschInnen

Die haarsträubenden Rechtfertigungen der USAußenpolitik durch Antideutsche wie Henryk M. Broder sind nicht neu. Neu ist aber der offene Antifeminismus, mit dem Broder seine antiislamische Kriegstreiberei nun paart. Mit den neuen „Sitzpinklern“ seien ganze „Nationen feminisiert“ worden, schreibt er, die sich gegenüber dem feindlichen Islam wie ein feiges Weib verhalten würden. Diese Diffamierung durch Effeminisierung ist freilich so alt wie das Patriarchat. Aber ähnlich große Angst vor einer „Verweiblichung“ des deutschen Mannes hatten zuletzt wohl nur die Nazis, Herr Broder. –

Die markigen Sprüche des freiheitlichen Gleichbehandlungsbeauftragten Karlheinz Klement zum Thema Gleichberechtigung – „Genderwahnsinn“, „Gendernarren“, „Gendergrütze“ – wurden selbst der FPÖ zu viel. Doch nach seinem Parteiausschluss rückt nun Barbara Rosenkranz nach. „MenschInnen“ heißt das soeben von ihr veröffentlichte Buch, in dem sich die FPÖ-Politikerin erstaunlich informiert über Theorien von fließenden und uneindeutigen Geschlechtsidentitäten zeigt. Gutheißen kann sie diese aber natürlich nicht: Kinder gehören zu ihren Müttern, Mädchen mögen Rosa. –


an.rissösterreich in die Endphase“ geht. Nun sind in der Zwischenzeit die Baukosten enorm gestiegen, und um die im geförderten Wohnbau limitierten Kosten nicht zu übersteigen, musste fast alles umgeplant werden. Nach dieser Verzögerung sind jetzt alle Vorarbeiten beendet, und der Baubeginn steht unmittelbar bevor (Ende Oktober oder Anfang November). 15 Wohnungen (80 bis 114 m2) sind noch zu vergeben – die kleineren sind, entsprechend den offensichtlich geringen finanziellen Möglichkeiten der Interessentinnen, schon alle reserviert. Da aber immer wieder Frauen zurücktreten, empfiehlt es sich auf jeden Fall, sich vormerken zu lassen. Weitere Infos und Einladung zum 1. Spatenstich auf der Homepage www.frauenwohnprojekt.org oder telefonisch bei Liesl (T. 01/712 52 42). GaH

1998 wurde im Magistrat Wien die erste Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen Österreichs eingerichtet, Angela Schwarz war von Anfang an mit dabei, mit ihr sprach Bettina Surtmann.

„An der Oberfläche ist alles pseudo-super“ Welche Bilanz zieht die Antidiskriminierungsstelle nach zehn Jahren Arbeit? Eine trotz allem positive Bilanz. Nach anfänglicher Unsicherheit und Skepsis gegenüber einer Institution wie dem Magistrat Wien, haben wir großteils gute Erfahrungen gemacht. Landesrechtlich hat sich in den ersten fünf Jahren einiges bewegt, z.B. beim Pflegeurlaub und der Hospizkarenz. Dass lesbische Paare seit zwei, drei Jahren in Wien Kinder in Pflege nehmen können, ist für uns ein wichtiges Signal in die richtige Richtung. Postwendend gab es damals zweimal einen Antrag des Wiener Gemeinderates gegen die Entscheidung der MA 11. Am Arbeitsplatz gibt man sich, solange es im Rahmen bleibt, liberal, aber wenn jemand befördert werden soll oder ein längerer Krankenstand passiert, spielt es plötzlich eine Rolle, dass man lesbischwul ist. An der Oberfläche ist alles pseudo-super, darunter erkennt man aber die blanke Homophobie.

auszeichnung

Amazone 2008 Bereits zum dreizehnten Mal wurde Anfang Oktober die Amazone an Wiener Betriebe vergeben, die sich vorbildlich für die Lehrausbildung von Mädchen in handwerklich-technischen Berufen engagieren. Erstmals wurden Auszeichnungen in drei Kategorien vergeben: In der Kategorie Klein- und Mittelbetriebe gewann Maßschuhmacher Harald Strunz, ausgezeichneter Großbetrieb ist die Rainer Kraftfahrzeughandels AG und erster Gewinner in der neuen Kategorie öffentliche/ öffentlichkeitsnahe Unternehmen sind die Wiener Linien. Der Anteil weiblicher Lehrlinge in handwerklichen und technischen Berufen liegt immer noch bei wenigen Prozent. GaH

innsbruck

Entwicklungstagung

Was hat sich hinsichtlich Eurer Arbeitsschwerpunkte verändert? Diskriminierung am Arbeitsplatz zu thematisieren und dagegen zu kämpfen, ist eine unserer zentralen Aufgaben. Wir gelten aber auch bzgl. Wohnungsrecht und rechtlicher Absicherung von PartnerInnenschaften als erste Anlaufstelle. Der Einsatz in der Bildungsarbeit hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, und die Fragestellungen werden immer vielfältiger, in meinem letzten Vortrag ging es z. B. um das Thema Lesben und Alter. Wir sind in Schulen und Universitäten aktiv und engagieren uns innerhalb des Magistrats, wo wir mittlerweile als ExpertInnen anerkannt werden. Mehr Bedarf gibt es an Informationen die Kinder und den rechtlichen Rahmen der PartnerInnen betreffend. Derzeit haben Co-Mütter und -Väter quasi keine Möglichkeit auf eine legale Beziehung zum Kind. Es gibt heute mehr Lesben und Schwule, die Kinder wollen und über die Rechtslage Bescheid wissen wollen, als noch vor einigen Jahren. Unser neuer Folder „Recht im Alltag. Ein Leitfaden für Lesben und Schwule“ widmet sich genau diesen Fragen und legt den gesetzlichen Ist-Stand in Österreich exakt dar.

Wird die Sorge um den Planeten vergessen, wenn Wachstum gefährdet ist? Diese Frage stellen sich die OrganisatorInnen der vierten Österreichischen Entwicklungstagung. Von 14.-16. November sollen in Innsbruck erstmals auf breiter Ebene entwicklungspolitische Sichtweisen mit Umweltpolitik, Wirtschaftspolitik und Sozialpolitik in Verbindung gebracht werden. Entwicklungszusammenarbeit soll als Teil der allgemeinen Politik wahrgenommen werden. ExpertInnen aus der ganzen Welt wurden als ReferentInnen eingeladen. GaH

Wie ist die Situation in Österreich im internationalen Vergleich?

Nähere Infos und Anmeldung: www.entwicklungstagung.at

http://www.wien.gv.at/queerwien/wa.htm

Wir sind in unserer Tätigkeit auf das Land Wien beschränkt, aber betrachtet man die internationalen Entwicklungen, ist Österreich kein Vorbild. Die EU-Antidiskriminierungsrichtlinie wurde nicht optimal umgesetzt und enthält nur das Nötigste, da wäre durchaus mehr möglich. Wir sind weiterhin die einzige Einrichtung dieser Art in Österreich, und vor uns liegt noch eine Menge Arbeit.

november 2008 an.schläge 07


glawischniginterview

„Wann, wenn nicht jetzt“ … Eine Partei im Umstrukturierungsprozess. Ein rascher Führungswechsel nach enttäuschenden Wahlergebnissen. Eva Glawischnig-Piesczek ist kein neues Symbol für einen anderen Weg der Grünen, aber ein wichtiges. Ein Interview mit der designierten Bundessprecherin. Von Saskya Rudigier

an.schläge: Was gibt es denn für ein parteiinternes Strukturproblem, dass zwar eine Frau an der Spitze ist, aber vor den Wahlen einige der prominenteren grünen Frauen nicht auf die Liste kamen. Eva Glawischnig-Piesczek: Was sicher stimmt ist, dass profilierte Frauen entweder nicht mehr auf Listen gewählt wurden oder persönlich entschieden haben, nicht mehr anzutreten. Dass z.B. Brigid Weinzinger nicht mehr Frauensprecherin ist, bedauere ich. Ich hätte sie mir noch einige Jahre gewünscht. Beim Team jetzt gibt es fünf neue Frauen und einen neuen Mann und das ist natürlich auch eine Chance. Ich hoffe, den Frauen werden bei der Verteilung der SprecherInnenrollen die starken, eher männerlastigen Ressorts rund um die Nebenverteilungsdebatte, Wirtschaftsthemen oder die Finanzfragen zugute kommen – um eine neue Basis für ihre Profilierung zu schaffen. Also haben auch die grünen Politiker die besseren Netzwerke? Ja, keine Frage.Wir haben auch ein Genderproblem, wie alle anderen Parteien. Allerdings haben wir die Quote und damit ist zumindest die Parität garantiert.Wie man sieht, ist im Nationalrat die Frauenquote wieder drastisch gesunken, d.h. ohne Quote gibt es keine ge08 an.schläge november 2008

rechte Vertretung. Im Moment sind mehr Rechtspopulisten als Frauen im Nationalrat: 55:51. Das ist ein echtes Armutszeugnis. Das zeigt für mich, ohne Quote, ohne Zwang geht’s nicht. Und ich denke auch daran, diesen Vorstoß Parteienförderung an Frauenquoten zu knüpfen, nochmals vorzubringen. Ich glaube, es kann niemanden gefallen, dass Frauen sukzessive weniger vertreten sind. Wie kann man Gleichstellung zum Männerthema machen? Das ist eine sehr gute Frage. Es war ja auch im Wahlkampf und in der letzten Legislaturperiode so: Familienpolitische Fragen waren ausschließlich Frauenfragen, da haben sich Bures und Kdolsky gestritten, aber von den Männern war wenig zu vernehmen. Dass Gleichstellung kein Frauenproblem ist, ist klar. Familienpolitische Strukturen kann man mit Anreizsystemen ausgleichen, aber bei der echten Gleichstellung am Arbeitsmarkt oder bei der Lohngleichstellung helfen nur fixe Vorgaben. Zwang, wenn man so will. Freiwillig Machtpositionen zu räumen, freiwillig auf „gewisse Vorteile“ zu verzichten, das ist im Wirtschaftsleben und Arbeitsmarkt nach wie vor so, wird nicht funktionieren. Frauen werden als die Schwächeren am Arbeitsmarkt als erste von Konjunk-

turabschwüngen betroffen sein. Was wollen die Grünen zukünftig da entgegensetzen? Ich glaube, der Konjunkturabschwung wird von steigender Arbeitslosigkeit begleitet sein und vorwiegend Frauen, aber auch ältere ArbeitnehmerInnen und Jugendliche härter treffen. Es wurde auch schon jetzt bemerkt, dass Frauen von sinkender Arbeitslosigkeit weniger profitiert haben als Männer. Deswegen glaube ich, dass in der Arbeitsmarktpolitik ein ganz spezifischer Frauenfokus gesetzt werden muss. Wie damals durch die Aktion 8.000 müssen von öffentlicher Hand Jobs finanziert werden. Aus unserer Sicht mindestens 10.000, wobei zwei Drittel der Lohnkosten von der öffentlichen Hand finanziert sind. Die Aktion 8.000 ist ein Best Practice Modell, das man jederzeit wieder beleben kann. Es hat sich gezeigt, dass es wirkt und dass man es genau für solche positiven Diskriminierungen einsetzen kann. Im Moment macht die Regierung 85 Milliarden Euro für die Finanzkrise locker. Bei anderen wichtigen Themen wird immer mit fehlendem Geld argumentiert. Finden Sie das nicht deprimierend? Es ist absolut krass und erschreckend. Europaweit sind es 2.000 Milliarden Euro, die jetzt zur Sicherung


interviewglawischnig des Kapitalismus „zur Verfügung“ gestellt werden. Wenn man diese Zahlen jenen 35 Milliarden zur Bekämpfung des Welthungers entgegenstellt, ist es absolut verrückt. Dieses Bankensicherungspaket ist aus meiner Sicht auch ein reines Paket von Banken für Banken. Und es fehlt einiges, wie die großen Präventionsfragen. Nicht mehr Deregulierung ist notwendig, erforderlich ist es, diese Märkte ganz strikt an die Kandare zu nehmen, zumal ihre Selbstheilungskraft offenkundig ein Mythos ist. Aber natürlich ist es bitter, gerade das Klimaschutzthema wäre jetzt auf der europäischen Agenda gestanden. Es verdrängt die eine Krise die andere, obwohl man gewiss beide im Auge behalten muss und auch beide gleich lösen muss, indem man dieser Gier einfach Zügel anlegt.

Ich bekomme immer wieder sehr skurrile Mails von Menschen, die behaupten, wenn Frauen zuhause blieben, würde weniger mit dem Auto gefahren werden oder so was wie: Sie würden dann das Geschirr mit der Hand abwaschen. Es war auch im Wahlkampf krass spürbar, was für ein Konservativismus einem hie und da entgegenschwappt. Ich glaube, dass Ungleichstellung und Vernichtung der Lebensgrundlagen dieselbe Wurzel haben, nämlich ein falsches Verständnis von Beherrschenwollen. Genauso wie man eine Gruppe von Menschen de facto diskriminiert und aus ihnen Menschen zweiter Klasse macht, indem man ihnen bestimmte Arbeiten zuteilt, genauso kann man diese Themen beherrschen und ihnen eine untergeordnete Funktion zuordnen.

Bei Frauen unter dreißig liegen die Grünen in der Wählerinnengunst weit hinter ÖVP und FPÖ. Was haben die Grünen da falsch gemacht? Im Vordergrund standen weniger überzeugende Detailkonzepte. Es ist um eine Gesamtsstimmung gegangen. Frauen haben massiver unter den Auswirkungen der so genannten Teuerungskrise gelitten, waren auch sehr viel mehr verunsichert und haben vielfach aus Protest gewählt. Anderseits haben wir sicher auch nicht die nötige Professionalität und Leidenschaft gezeigt: Dass wir neben sehr vielen braven Konzepten eine Alternative zum System und Rot-Schwarz sind. Was mich sehr irritiert ist, dass viele Menschen unter dreißig die AusländerInnenproblematik als wahlentscheidend angesehen haben. Da

Im Moment sind mehr Rechtspopulisten als Frauen im Nationalrat: 55:51. Das ist ein echtes Armutszeugnis. Das zeigt für mich, ohne Quote, ohne Zwang geht’s nicht.

Reden tut man seit fast zwanzig Jahren über die negativen Auswirkungen der Globalisierung und die Maßnahmen dagegen liegen ja am Tisch, wie die Spekulationssteuer oder Spekulantensteuer, wie manche sie nennen. Das ist ja nichts Neues. Was sind neben der Globalisierung weitere Aufgaben im 21. Jahrhundert? Die letzten zehn Jahre haben es deutlich gemacht: es braucht nicht weniger Regulierung, sondern deutlich mehr Regulierung. Nicht weniger Staat, sondern mehr Staat. Früher war ich z. B. bei Umweltmaßnahmen auch überzeugter, dass Marktmechanismen helfen oder bestimmte Anreize schaffen können. Davon bin ich jetzt aber wieder abgekommen. Gewisse Dinge, die schädlich sind, sollte man einfach verbieten. Allerdings spielt Europa da schon eine sehr zentrale Rolle. Wenn die europäische Bankenaufsicht zumindest eine europaweite Finanztransaktionssteuer und Spekulationssteuer setzt, dann wirkt sich das einfach auf den weltweiten Wettbewerb aus. Ich glaube, dass vor allem eine sehr offensive Europapolitik gefragt ist. Wie geht Feminismus mit Ökologisierung zusammen?

Das „Private ist politisch“. Inwiefern trifft das heute noch zu? Wollen und können Sie diesen Satz als Politikerin und Mutter leben? Das was vorher in analytischen Begriffen verhaftet war, habe ich emotional jetzt noch sehr viel stärker erlebt. Die Zuordnung, was die Rolle einer Frau ist, selbst wenn sie in der Politik ist, ist extrem stark. Und auch extrem ungerecht. Familie zu haben, ein Kind zu haben, hat mich in meinem feministischen Bestreben nur bestärkt. Denn diese Zuschreibungen, was man als Frau alles darf oder nicht darf, was man als Mutter darf, geht mir so auf die Nerven, dass es eigentlich nur stärker geworden ist. Gerade Politikerinnen werden wegen ihres Kleidungsstils gerne kritisiert … Das Thema habe ich mir abgeschminkt, es jemanden recht machen zu wollen oder sich nach bestimmten Regeln zu richten, um seine Ruhe zu haben. Es ist nach wie vor eine extrem sexistische, konservative Form, durch die man bewertet wird, auch von Seiten der Kommentatoren. Es ist auch so ein bisschen meine Aufgabe, daran zu kratzen und Konflikte auszutragen.

möchte ich noch näher nachforschen, was da wirklich der Grund dafür war. Ob diese Gräuelpropaganda tatsächlich geglaubt wurde oder reale Probleme der Grund waren, wodurch der Eindruck entstanden ist, die Grünen würden sie nicht entsprechend ernst nehmen. Waren die Grünen in der „AusländerInnenfrage“ zu wenig akzentuiert? Österreich ist eines der Länder, das am wenigsten für Sprachintegration ausgibt. Dänemark gibt das 200fache für Sprachkurse aus, wir geben nicht einmal eine Million Euro dafür aus. Offensichtlich sind wir da nicht gehört geworden. Wie sieht eine ideale Umstrukturierung der Grünen für Sie aus? Ich würde mir wünschen, dass es ein Zusammenführen von Verantwortlichkeit und Entscheidungsmöglichkeit gibt. Jetzt ist es oft so, dass man für etwas Verantwortung hat, wo man überhaupt keinen Einfluss auf die Entscheidung hat und umgekehrt. Und das betrifft jetzt nicht das Verhältnis von den Gremien zur Basis, das trifft auf viele Einheiten innerhalb der Grünen zu. Von der Bezirksgruppe zum Landesvorstand und umgekehrt. ❚ november 2008 an.schläge 09


grünezukunft

Nicht ganz grün hinter den Ohren Was läuft falsch bei den Grünen?, fragen Martina Madner und Saskya Rudigier. 17.00 Uhr, der Bildschirm zeigt die ersten Wahlhochrechnungen. Die SPÖ liegt vor der ÖVP, die anfängliche Freude, die im Wiener Lokal WerkzeugH aufbrandet, verebbt schlagartig wieder. Die Grünen liegen bei nur 10,5 Prozent, BZÖ und FPÖ gemeinsam bei 29,8 Prozent. Wenig später die Hochrechnung, bei der eine BZÖ-FPÖ-Fusion sogar stimmenstärkste Partei wäre, die Grünen sacken zwischenzeitlich sogar auf unter 10 Prozent ab. Hilflose Buhrufe entfleuchen manch schockiertem Gesicht bei solch einem Wahlerfolg, Ratlosigkeit überwiegt bei den GrünsymphatisantInnen, die im WergzeugH sicher deutlich stärker als in Gesamt-Österreich vertreten sind. Auch in der Remise, wo die Grüne Partei feiern wollte, sind viele nicht in Partylaune, die Enttäuschung überwiegt, die Frage „Was ist falsch gelaufen?“ bleibt offen. Die Frage bleibt, auch nachdem am 6. Oktober dann doch noch 10,4 Prozent der WählerIn10 an.schläge november 2008

nenstimmen als amtliches Endergebnis daraus werden, um 10.193 Stimmen weniger als bei der Wahl 2006. Und die Frage stellt sich auch noch in der Neuformierungsphase, denn nicht nur bei den jungen WählerInnen in Ausbildung lagen die Grünen laut SORA-WählerInnenstrom-Analyse mit 25 Prozent gleich auf mit der FPÖ, auch bei den Frauen unter 30 Jahren konnten sie kaum punkten: In dieser Gruppe wurden die Grünen mit 15 Prozent auf den dritten Platz verwiesen – hinter die ÖVP (32 Prozent) und sogar hinter die FPÖ, die erreichte bei den jungen Wählerinnen satte 21 Prozent. Trotzdem sind sich viele der grünen Frauen mit der frischgebackenen grünen Nationalratsabgeordneten Alev Korun einig: „Die Themen der Grünen sind nach wie vor richtig und wichtig.“ Zwar sind die österreichischen Grünen im Vergleich zu anderen europäischen Grünparteien relativ erfolgreich. Aber auch sie schlingern herum, wie auf dem Weg von der Ökobe-

wegung zu einer Partei, die Antworten auf alle Fragen der Gesellschaft bieten will, Lösungsvorschläge an die Frau und den Mann zu bringen sind. Grüne Analyseversuche. Aus frauenpolitischer Sicht sehen die grünen Frauen in erster Linie wenig Änderungsbedarf. „Feminismus ist eines unserer Kernthemen. Wir haben eigentlich den Eindruck, dass wir uns als einzige Parlamentspartei tatsächlich für echte Gleichstellungspolitik einsetzen“, meint etwa Michaela Sburny, die als Bundesgeschäftsführerin den Wahlkampf der Grünen mitprägte. Gleichstellungsforderungen seien auf den Plakaten sichtbar gewesen, auch im Wahlprogramm ist ein „Programm für Gleichberechtigung“ – unter anderem mit FrauenQuoten, Wirtschaftsförderung für frauenfördernde Unternehmen, gleichen Löhnen für sogenannte Frauen- und Männerberufe – zu finden. Dass mit Alexander Van der Bellen ein männli-


zukunftgrüne cher Spitzenkandidat für diese Forderungen stand, wird im Nachhinein zwar mit gemischten Gefühlen betrachtet, aber „für einen raschen Führungswechsel hätte in diesem kurzen Wahlkampf die Zeit gefehlt“, befindet etwa Iris Hajicsek, Sprecherin der Grünen Andersrum. Und: „Wenn die Wahlen, wie geplant, in zwei Jahren gewesen wären, hätte man schon sehr viel mehr an den Strukturen arbeiten können und das, was schon vor dem Wahlkampf unorganisiert war, ändern können“, bekräftigt Ewa Dziedzic, Referentin für les/bi/schwule und transgender Angelegenheiten im Grünen Parlamentsklub. Neuorganisiert und -strukturiert wird dieser Tage. Mit Eva GlawischnigPiesczek als neuer Klubobfrau wurde ein erstes sichtbares Zeichen gesetzt. „Das ist zwar das richtige Symbol“, meint die grüne Nationalratsabgeordnete Ulrike Lunacek. Alleine reiche das

pflichtende Frauenförderung goutiert etwa die SPÖ, und ein einkommensabhängiges Karenzgeld, das die Kindererziehungsarbeit für die immer noch besser verdienenden Männer attraktiver machen soll, die ÖVP. Das Problem für die Grünen dabei ist aber: Sofern ÖVP und SPÖ tatsächlich etwas davon umsetzen, heften sie es sich selbst auf die Fahnen. Als ehemals grüne Forderung wird das medial nicht mehr kommuniziert. Die ehemalige grüne Frauensprecherin Brigid Weinzinger dazu:„Wenn wir Gleichstellungsmaßnahmen fordern, ist das, wie bei der Klimapolitik auch, nichts Neues.“ Ungleich größer deshalb die Wirkung, wenn es mit Gleichstellung nicht funktioniert. Als zum Beispiel bei der Erstellung der Wahllisten grüner Männerlobbyismus offensichtlich wurde und weit mehr weibliche als männliche bekannte Gesichter außen vor blieben. Die nieder-

Beate Hammond

Die Frau, die Sarah Palin besiegte auch bei den Frauen unter 30 Jahren konnten die Grünen kaum punkten: In dieser Gruppe wurden die Grünen mit 15 Prozent auf den dritten Platz verwiesen – hinter die ÖVP (32 Prozent) und sogar hinter die FPÖ, die erreichte bei den jungen Wählerinnen satte 21 Prozent. aber nicht: „Wir müssen jungen Frauen in unserer Jugendarbeit klar machen, dass feministische Lebensansichten das spätere Leben prägen. Wie wichtig zum Beispiel ökonomische Unabhängigkeit ist. “ Inhalte an die Frau bringen. Die Grünen wollen vorbildlich sein, sind es zum Teil auch: Denn als einzige Parlamentspartei wird 50:50 wirklich unter den Abgeordneten umgesetzt, selbst die SPÖ schafft es trotz angepeilter 40-Prozentquote dieses Mal nur auf einen 33-prozentigen Frauenanteil. Die Grünen wollen die Parteienförderung deshalb seit mehr als zehn Jahren an die Frauenquote binden. Unter den grünen Frauen sind nicht nur Mehrheitsösterreicherinnen, sondern seit Jahren zunehmend auch jene mit les-bi/-transgender oder migrantischem Hintergrund sichtbare Normalität. Und viele grünen Themen finden – zumindest verbal – Anklang bei den höchstwahrscheinlichen Regierungsparteien. Frauenquoten oder ver-

österreichische Grüne Madeleine Petrovic wünscht sich deshalb auch parteiintern „den nächsten Schub an Gendersensibilisierung“: „Wir müssen nun auch an unseren blinden Flecken weiterarbeiten.“ Denn auch Diskussionen über Beschlüsse abends an der Bar, wenn so manch grüne Kongressteilnehmerin bei ihren Kindern im Hotelzimmer ist, sind tatsächlicher weiblicher Beteiligung am gesamten politischen Prozess nicht zuträglich. Die Ergebnisse all dieser Arbeit müssen aber schlussendlich an die Frau gebracht werden. Ganz wichtig ist nicht nur Iris Hajicsek dabei: „Bloß keinen Populismus!“ Denn von einem Problem hat Ewa Dziedzic im Wahlkampf beim Gespräch mit den Leuten sehr oft gehört: „Die Grünen gehen mit einer gewissen Präpotenz davon aus, dass die WählerInnen schon wissen, was Grüne Themen sind, und vergessen, sie den Menschen näherzubringen.“ Die dazu nötigen Strategien wurden im WerkzeugH allerdings auch nicht gefunden. ❚

Was wissen wir nicht alles über Sarah Palin, die republikanische Kandidatin für die US-Vizepräsidentschaft? Dass sie verheiratet ist, fünf Kinder hat und noch vor Jahresende Großmutter wird. Dass sie in Interviews zwar gerne und oft sagt, dass sie Russland von ihrem Haus sehen kann, aber mehrere Tage Bedenkzeit braucht, um die Zeitungen zu nennen, die sie liest (u.a. New York Times, Wall Street Journal). Wir wissen sogar, dass sie 1984 eine Wahl verlor, und zwar die Wahl zur Miss Alaska, wo sie nur zweite wurde. Aber wer war denn die Schönste im ganzen Land Alaska? Es war Maryline Blackburn, eines von sieben Kindern einer Familie aus Fairbanks, der zweitgrößten Stadt Alaskas. Und sie war Afroamerikanerin, Teil einer Bevölkerungsgruppe, die in Alaska nur 4 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht. Miss Blackburn flog quer durch die USA nach Atlantic City in New Jersey zur Wahl der Miss America. Im Vorjahr war Vanessa Williams die erste schwarze Miss America geworden, und als ein Skandal über offenherzige Fotos sie zur Abdankung zwang, war die Zweite des Wettbewerbs, die ebenfalls schwarze Suzette Charles, zum Zug gekommen. Blackburns Teddybär war auch dabei. „Teddy ist der einzige Mann in meinem Leben“, witzelte sie im Gespräch mit einer Reporterin der Washington Post. Mit ihrer politischen Meinung hielt sie sich im Wahljahr 1984 eher zurück. Während die meisten Teilnehmerinnen angaben, Ronald Reagan wählen zu wollen, hielt sich Blackburn bedeckt. Offenbar hatten weder Reagan noch der demokratische Kandidat Walter Mondale sie überzeugt. Miss Utah wurde Miss America, und heute lebt Maryline Blackburn als Sängerin in Georgia. Mit Celine Dion und Bob Hope ist sie, laut ihrer Website, schon aufgetreten. Alaska hat sie lange hinter sich gelassen. Sarah Palin, ihre einstige Konkurrentin, wird sie nicht wählen. Anders als 1984 bekennt sich Blackburn diesmal freimütig zum demokratischen Kandidaten Barack Obama. www.marylineblackburn.com november 2008 an.schläge 11


internationalan.riss

Fo t o : Wo m e n o n Wa v e s

geführt werden. Das Klinikschiff bietet den Frauen ein Mindestmaß an Sicherheit, und sie müssen nicht befürchten, angezeigt zu werden. Women on Waves vertreten die Position, dass Abtreibungsverbote Menschenrechte wie das Recht auf körperliche Unversehrtheit oder Selbstbestimmung verletzen. „Die Frauen sollen ermutigt werden, ihre Menschenrechte wahrzunehmen und ihre körperliche und geistige Autonomie zu bewahren. Wir liefern dazu einerseits eine kostenfreie Gesundheitseinrichtung und bieten Aufklärung über Verhütungsmaßnahmen und Geschlechtskrankheiten an“, so Rebecca Gomberts, Gründerin von Women on Waves. Spanische AbtreibungsgegnerInnen, darunter die Organisation Provida (für das Leben) hatten bereits im Vorfeld gegen den Besuch protestiert. Auch die konservative Bürgermeisterin Rita Barbera kritisierte die Aktion. Das Vorhaben sei eine „Provokation, die Empörung hervorruft“, sagte die Politikerin, die der konservativen Volkspartei angehört. Das spanische Gesetz sieht vor, dass Abtreibungen nur im Fall von Vergewaltigung, bei einer Behinderung des Kindes oder bei Gefahr für das „körperliche oder psychologische Wohl“ der Mutter erlaubt sind. Das Klinikschiff, das seit 2001 unterwegs ist, hat neben Irland bereits Polen (2003) und Portugal (2004) besucht. besu www.womenonwaves.org/index.php?lang=en

portugal

Weiterhin „De-Facto“

spanien

Women on Waves In der spanischen Hafenstadt Valencia war Mitte Oktober der Teufel los. Women on Waves, eine schwimmende Abtreibungsklinik, hatte angelegt. 33 spanische Frauenorganisationen haben den Besuch unterstützt. Die niederländische NGO setzt sich seit 2001 vehement für das Recht auf Abtreibung ein und hat dafür einen unkonventionellen Weg gewählt. Women on Waves ist auf dem Seeweg unterwegs an die Küsten von Ländern, in denen Abtreibungen verboten sind. Meist gibt es offizielle Einladungen durch lokale Fraueninitiativen. Auf dem Schiff gelten die Gesetze des Heimathafens, solange es sich auf internationalen Gewässern befindet, deshalb können Abtreibungen legal und professionell durch12 an.schläge november 2008

„Eine historische Schande für die portugiesische Demokratie“ – die portugiesische ILGA fand harte Worte für das parlamentarische „Não“, mit dem die Forderung nach der Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe abgeschmettert wurde. Im Gegensatz zu Spanien – das nach den Niederlanden und Belgien 2005 die standesamtliche Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet hat – sah Portugal bis dato lediglich die rechtliche und ökonomische Absicherung von sogenannten „De-FactoLebensgemeinschaften“ und „Wirtschaftsgemeinschaften“ vor. Nun brachten Die Grünen einen Gesetzesvorschlag zur Anerkennung der Homo-Ehe ein. Der Linksblock ging sogar noch einen Schritt weiter und forderte ein uneingeschränktes Adoptionsrecht. Beide Gesetzesvorschläge wurden aber am 10. Oktober zu Fall gebracht. Entscheidend waren dabei die Stimmen der Abgeordneten der mit absoluter Mehrheit regierenden Sozialistischen Partei (PS), die Hand in Hand mit der konservativen Sozialdemokratischen Partei (PSD) und der rechten Volkspartei CDS-PP gegen die beiden Gesetzesvorschläge votierten. Die Entscheidung war jedoch keine Überraschung, denn bereits im Vorfeld hatte die PS für Diskussionen gesorgt: Obwohl die Regierungspartei in Worten gegen Diskriminierung und für die Homo-Ehe eintritt, verdonnerte Ministerpräsident Sócrates in der Praxis die Abgeordneten seiner Partei per Fraktionsdisziplin dazu, gegen das Gesetz zu stimmen. Das Thema stehe nicht auf der politischen Agenda der Regierung sowie seiner Partei, die Gesellschaft sei noch nicht reif, und zunächst sei eine breite gesellschaftliche Diskussion zu diesem Thema nötig. Die Argumente des portugiesischen Ministerpräsidenten spiegeln eine bittere Mischung aus fehlendem Mut und politischem Taktieren wider. Denn der Blick schielt eindeutig auf die nahende Wahl im Jahr 2009. Dass nach der zu erwartenden Wiederwahl der PS die gleichgeschlechtliche Ehe in die politische Agenda aufgenommen wird, scheint jedoch höchst unwahrscheinlich. keck www.ilga-portugal


an.rissinternational v a t i ka n

folgen, die bereits jetzt Frauen volle Gleichberechtigung in allen Dienssten gewähren, forderte auch Jennifer Stark. besu www.womensordination.org

Petition an den Vatikan Bei der Bischofssynode Mitte Oktober in Rom übergaben VertreterInnen internationaler katholischer Fraueninitiativen eine von über 1.500 katholischen Organisationen und UnterstützerInnen unterzeichnete Petition an den Vatikan. Darin forderten sie die völlige Gleichstellung der Frauen in der römisch-katholischen Kirche, eingeschlossen die Wiedereinführung des Frauendiakonats, die Weihe zur Bischöfin und Priesterin. Die Aktivistinnen haben anlässlich der Synode einen Aktionstag (Fest der Hl. Teresa von Avila) mit Veranstaltungen und einer Demonstration abgehalten, um auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen. „Wir fordern die Synodendelegierten auf, anzuerkennen, dass die Bibel die volle Gleichberechtigung von Frauen verlangt, und dass jede andere Interpretation ungerecht und falsch ist“, bekräftigte Angelika Fromm von „Wir sind Kirche“/„Lila Stola Deutschland“. An der Synode nahmen 253 katholische Bischöfe aus aller Welt teil. Dass diese Konferenz eine Ordination von Frauen erwägen könnte, galt jedoch bereits im Vorfeld als so gut wie ausgeschlossen. „In einer Welt, die durch wirtschaftliche Krisen geschüttelt ist, die ständig von Sexismus, Rassismus, Ausgrenzung von Homosexuellen und vielen Formen von Unterdrückung überschwemmt wird, ist es längst nötig, dass der Vatikan alle seine Kräfte bündelt, um zu einer Lösung beizutragen“, betonte Aisha Taylor, Vorsitzende der US-amerikanischen Organisation „Women’s Ordination Conference“. Die päpstliche Bibelkommission stellte bereits 1976 fest, dass es kein Argument aus der Hl. Schrift für ein Verbot der sakramentalen Weihe für Frauen gibt. „Wir werden ermutigt durch die Tatsache, dass Shear Yashuv Cohen (Anm. Cohen ist der erste jüdische Rabbiner, der je zu einer Synode geladen worden war) vor den Bischöfen gesprochen hat“, sagte die Koordinatorin von „Women‘s Ordination Worldwide“, Jennifer Stark. Die Hierarchie solle ihre interreligiöse und ökumenische Arbeit ausdehnen und dem Beispiel jener christlichen Kirchen und anderen Religionen

rotliebend.weebly.com

www.wir-sind-kirche.de

schweden

Right Livelihood Award Der diesjährige Right Livelihood Award (alternativer Nobelpreis), der von der gleichnamigen schwedischen Stiftung verliehen wird, zeichnete 2008 insgesamt vier PreisträgerInnen aus: die US-Amerikanerin Amy Goodman (51), Gründerin und Moderatorin der Nachrichtensendung „Democracy Now!“, für „die Entwicklung eines innovativen Modells wahrhaft unabhängigen politischen Journalismus’, der zu Millionen Menschen jene alternativen Stimmen bringt, die von den MainstreamMedien häufig ausgegrenzt werden“. Asha Hagi (46) aus Somalia erhält den Preis, „weil sie trotz großen persönlichen Risikos die Mitwirkung von Frauen im Friedensprozess ihres vom Krieg zerrissenen Landes organisiert und anführt“. Die in Deutschland lebende Südtirolerin, Gynäkologin und Gründerin von medica mondiale, Monika Hauser (49), wird ausgezeichnet „für ihren Einsatz für Frauen, die in Krisensituationen schrecklichste sexualisierte Gewalt erfahren haben, und für ihren Kampf, ihnen gesellschaftliche Anerkennung und Entschädigung zu verschaffen“. Das indische Ehepaar Krishnammal (82) und Sankaralingam Jagannathan (96) wurde mit der Begründung geehrt, dass es sich für die Verwirklichung von Mahatma Ghandis Vision der sozialen Gerechtigkeit einsetze. Mit der Organisation LAFTI (Land for the Tillers' Freedom – Land für die Freiheit der Ackerbauern) kämpft das Ehepaar um Landrechte für die ärmste Kaste der sogenannten Unberührbaren in Indien. Der Preis wurde 1980 von Jakob von Uexküll gegründet, um „jene zu ehren und zu unterstützen, die praktische und beispielhafte Antworten auf die dringendsten Herausforderungen unserer Zeit verwirklichen“. besu www.rightlivelihood.org

Eine halbnackte Frau, die ihre Brüste berührt, zeigt die Website des „The International Artist Collective New York – Wien“ – und zwar gleich in vierfacher Ausführung. Diese Bilder geben einen ersten Hinweis auf die Themen des Projektes: Raum, Identität, Sexualität und Geschlecht. Gegründet wurde das Kollektiv im Jahr 2007 von zwei Künstlerinnen: Melissa Steckenbauer aus Arizona, die bereits zahlreiche Kunstpreise gewonnen hat, und Johanna Bruckner aus Wien, die auch Co-Organisatorin der Queer-feministischen Tage 2008 in Wien war . Mit so intimen und spielerischen Arbeiten wie dem Video „Shaving the Gaze (Bruckner watches Steckenbauer)“ oder der Kombination aus Video und Fotographien „She’s Watching. She’s Being Observed (Steckenbauer watches Bruckner)“, soll der menschliche Blick als ein kulturell produzierter entlarvt werden – „Rotliebend: Read to deconstruct“ ist nicht umsonst der Name des Projektes. Der Webauftritt besticht durch seine klare und auf das Wesentliche – nämlich auf die Kunstwerke – konzentrierte Gestaltung. Ihnen gebührt die gesamte Aufmerksamkeit und diese haben sie auch verdient. pix november 2008 an.schläge 13


türkischeseifenoper

Songül Öden „Noor“

Fo t o s : J u t t a S o m m e r b a u e r

Reich und Schön am Bosporus Eine türkische Seifenoper sorgt für Aufruhr unter arabischen MuslimInnen. Von Michaela Maywald

„Ich bin süchtig danach!“ Für Nada gab es in den letzten fünf Monaten einen täglichen Pflichttermin, den sie um keinen Preis versäumt hätte. Und Millionen anderen arabischen Frauen ging es genauso wie der jungen Palästinenserin aus Ramallah. Das, was sie alle an die Fernsehgeräte fesselte, war „Noor“. Die türkische Serie rund um die schöne, junge Noor und ihren Ehemann Mohannad hat weltweit für Aufregung gesorgt und neben einer großen Fangemeinde auch hitzige Diskussionen hervorgebracht. Was ist das Besondere an dieser Soap-Opera? „Noor“ folgt einem bewährten Rezept – schöne, reiche Menschen, viel Melodrama, Gut gegen Böse, Romantik … Es gibt Dutzende ähnliche Serien, und auch in der Türkei war „Noor“ bei der Erstausstrahlung 2005 nichts Besonderes. Im Gegenteil: Die Serie wurde bald wegen zu geringer Einschaltquoten abgesetzt. Für ZuseherInnen in arabischen Ländern aber war die erste Folge im April 2008 eine kleine Sensation. Und das lag nicht nur an dem gutaussehenden Ex-Model Kivan Tatlitug, dem männlichen Hauptdarsteller der Serie. Glamouröse Tradition. Schon seit langem sind US-amerikanische, asiatische und 14 an.schläge november 2008

mexikanische Soaps in arabischen Ländern täglich Programm. Doch „Noor“ zeigte den melodramatischen Herzschmerz erstmals in muslimischem Umfeld. „Ich liebe ‚Noor‘, weil es glamourös ist wie die ausländischen Serien, aber gleichzeitig eine muslimische Familie zeigt, die ähnliche Traditionen und Bräuche hat wie wir, dadurch können wir uns mit ihr identifizieren.“ Safaa Abdel-Hadi, ein „Noor“-Fan aus Kairo, verrät das Erfolgsrezept der Serie – die Verbindung von muslimischer Tradition und Moderne. Noor und Mohannad sind türkische Muslime. Sie halten den muslimischen Fastenmonat Ramadan ein, und ihre Ehe wurde von den Eltern arrangiert. Ein Kopftuch trägt aber keine der weiblichen Darstellerinnen und es gibt keine täglichen Gebete, dafür wird reichlich Alkohol getrunken. „Die Charaktere in Noor sind Muslime, aber sie sind offener als arabische Muslime“, sagt Laura Abu Sa’ad, die Noor in der arabischen Version ihre Stimme leiht.1 Noor ist eine selbstständige, unabhängige Karrierefrau, ihr Mann unterstützt sie, ist liebevoll und aufmerksam. Die beiden führen eine gleichberechtigte Partnerschaft, was für die meisten Muslime in arabischen Ländern unvorstellbar ist. Dort wird das Leben der Frauen großteils von Männern

bestimmt, und ihre Rolle ist auf die der Ehefrau und Mutter beschränkt. Die Handlung von „Noor“ berührt immer wieder Themen, die in vielen muslimischen, vor allem arabischen, Ländern noch tabu sind. Scheidung, Abtreibung, außerehelicher Sex. „Die Serie zeigt, dass es Muslime gibt, die anders leben“, meint Islah Jad, Professorin für women’s studies im Westjordanland2. 85 Millionen ZuseherInnen. Als MBC (Middle East Broadcasting Center) die türkische Serie erstmals in arabischen Ländern ausstrahlte, rechnete niemand mit solch einem Echo. Von April bis August 2008 verfolgten laut MBC 85 Mio ZuseherInnen das Schicksal von Noor und Mohannad. Allein in Saudi-Arabien waren es täglich drei bis vier Millionen Menschen.3 Der pan-arabische Sender MBC hatte im Ausland nach billigen Alternativen zu arabischen TV-Serien gesucht, die syrische Firma Sama Productions synchronisierte „Noor“ dann für MBC. Dass dafür der populäre syrische Dialekt verwendet wurde, statt wie bei den meisten anderen Serien das klassische Arabisch, dürfte zum Erfolg der Serie beigetragen haben. Die staatlich vorgeschriebene Zensur musste nur bei Liebesszenen berücksichtigt werden, da die türkische Soap keine politischen


seifenopertürkische Themen anspricht. „Wir zensieren in geringem Ausmaß“, meint dazu Adib Khair, General Manager von Sama Productions, „keine Küsse, keine Liebesszenen, keine Nacktheit“. Doch auch die „entschärfte“ Variante erregte Unmut bei vielen gläubigen Muslimen. „Die türkische Serie verbreitet Verdorbenheit und Übel … Sie ist teuflisch und unmoralisch“, warnte etwa der Großmufti von Saudi-Arabien. Das religiöse Oberhaupt des Landes forderte die TVStationen auf, ihren „Angriff auf Gott und seine Propheten“ unverzüglich einzustellen. Auch Hamas-Mitglied Hamed Bitawi aus Nablus äußerte sich zu der Soap, sie verstoße „gegen unsere islamische Religion, ihre Werte und Traditionen.“4 Der oberste religiöse Richter Saudi-Arabiens ging kürzlich in einem Radiointerview sogar so weit, zu erlauben, „die Besitzer von jenen Stationen zu töten, die Verwerfliches und Ausschweifendes ausstrahlen“.

„Noor“-Boom freuen kann: 2008 sollen etwa 100.000 TouristInnen aus SaudiArabien die Türkei besucht haben (2007 waren es ca. 41.000).5 Der Drehort der Serie, die luxuriöse Villa am Bosporus, ist ein beliebtes Ausflugsziel der „Noor“-Fans, auch werden in der Region immer mehr Grundstückskäufe durch Saudi-Arabier verzeichnet. Feministisches Edutainment? Soweit ist die Soap ein großer kommerzieller Erfolg, kann aber eine seichte Serie auch Botschafter für die Gleichberechtigung der Frau sein? Ist wirklich etwas dran an der vielerorts aufgestellten Vermutung, dass „Noor“ tiefergehende Auswirkungen auf die gesellschaftlichen Regeln der arabischen Länder, allen voran die Stellung der Frau, hat? „Noor motiviert Frauen, ihren Charakter zu entwickeln“, meint Mohammed Azmeh, Lkw-Fahrer aus Ramallah und Vater von vier Töchtern. „Durch die Serie wird meine Toch-

sucht nach Intimität und Liebe geweckt“, meint Fatima Rabea, Vizepräsidentin der Frauenunion von Bahrain. Lernen wir jedoch von den Noors, Rich Forresters und Brandon Walshs dieser Welt etwas? Die US-amerikanische Organisation „Population Media Center“ ist von dieser Tatsache überzeugt und macht sie sich zunutze. Sie produziert TV- und Radio-Serien in 15 Ländern, wobei neben dem Unterhaltungs- auch ein Lerneffekt erzielt werden soll. In die Handlung der Serien werden Themen eingebaut, die in den jeweiligen Ländern „problematisch“ sind (etwa HIV-Aids, Familienplanung, häusliche Gewalt etc.) bzw. werden Modelle gezeigt, wie mit diesen Problemen besser umgegangen werden kann.6 Überträgt man diese Strategie auf arabische Länder, so könnte „Noor“ theoretisch (allerdings ohne Intention ihrer Macher) eine Art „Edutainment“ für arabische Frauen sein. Sie könnten

„Ich liebe ‚Noor‘, weil es glamourös ist wie die ausländischen Serien, aber gleichzeitig eine muslimische Familie zeigt, die ähnliche Traditionen und Bräuche hat wie wir, dadurch können wir uns mit ihr identifizieren.“ Noor-Tourismus. Der Erfolg von „Noor“ war trotzdem nicht aufzuhalten. Von den Souks in Tunis bis zu den Märkten in Ost-Jerusalem: Fanartikel mit den Fotos der glamourösen Noor und ihres Model-Mannes gehen weg wie warme Semmeln. „Ich verkaufe mehr als 500 Fotos der Noor-Stars jeden Tag“, sagt Hussein, der seinen Verkaufsstand neben der Universität Damaskus betreibt. Auch T-Shirts, Poster und Chips-Tüten schmücken Fotos der Stars. In GazaStadt wurden Kopien der schicken Designerkleidung der Hauptdarstellerin an die lokalen Standards angepasst: Ärmellose Blusen werden über einem langärmeligen Shirt getragen. Kaffeehäuser im westjordanischen Nablus heißen jetzt „Noor und Mohannad“, in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad benannten Eltern ihre Kinder nach den türkischen Stars. Einige arabische Zeitungen berichteten, dass in Syrien, Jordanien und Bahrain sogar die Zahl der Scheidungen wegen Ehestreitigkeiten aufgrund der Serie angestiegen sei. Weniger umstritten ist die Tatsache, dass sich der türkische Tourismus über den

ter eine starke Frau, keine Sklavin ihres Ehemanns, sie wird unabhängig.“ Andere meinen, die Wirkung der Serie werde überschätzt. „Das wäre ja so, als ob man von O.C. California oder 90210 etwas lernen könnte“, schreibt etwa eine junge Kanadierin in einem der zahlreichen Internet-Foren zum Thema „Noor“. Seifenopern sind erfolgreich, weil sie seichte Unterhaltung liefern, schöne, reiche Menschen zeigen, beliebte Vorurteile und Klischees bestätigen. Und weil sie Zerstreuung bieten und die ZuseherInnen mit den oft künstlich erzeugten Problemen der Serienfiguren von den eigenen Problemen ablenken. Dabei ist ein gewisses Maß an Identifizierung des Publikums mit den HauptdarstellerInnen notwendig. Leben diese in ähnlichem gesellschaftlichem und kulturellem Umfeld, dann erlaubt das den Zusehern, von einer reichen, romantischen Version des eigenen Selbst zu träumen bzw. Abenteuer mitzuerleben, die es im Alltag nicht gibt. Diese Sehnsüchte, die Soaps ansprechen, sind ein wichtiger Teil ihres Erfolgs. „Noor“ hat etwa „die Sehn-

sich Selbstbewusstsein, Eigenständigkeit und Unabhängigkeit von Noor abschauen. „Ich habe meinem Mann gesagt, er soll von Mohannad lernen, wie er seine Frau liebt, behandelt und unterstützt“, sagt Heba Hamdan7. Die 24-jährige Hausfrau aus Jordanien hat gleich nach der Schule geheiratet. Auch Ala Hamami steht vor einem ähnlichen Schicksal: Sie wurde vor kurzem mit einem von den Eltern ausgesuchten Partner verlobt. Die 17-Jährige sagt, sie „schaut auf zu Noor, denn sie ist unabhängig“. Eines ist sicher:„Noor“ hat die Gemüter erhitzt und weltweite Diskussionen ausgelöst. Von ergebenen Fangemeinden bis zu wütenden „I-hateNoor“-Chatgruppen – es wird (unter anderem) über die Stellung der Frau im Islam geredet, und das schafft ein öffentliches Bewusstsein, das mit anderen Mitteln schwer erzeugt werden kann. Ob „Noor“ jedoch nach der Ramadan-Pause (in der nur traditionsbewusste „Ramadan-Serien“ ausgestrahlt werden) immer noch die Massen begeistern kann, wird sich erst zeigen. ❚

1 www.thenational.ae/article/ 20080728/ FOREIGN/53060852/ 1011/rss 2 www.baltimoresun.com/ entertainment/custom/today/ bal-to.soap28jul28,0,3743960.story 3 www.welt.de/welt_print/article 2281018/Blumen-statt-Schlaege-fuerdie-Ehefrau.html 4 www.welt.de/welt_print/article 2281018/Blumen-statt-Schlaege-fuerdie-Ehefrau.html 5 www.reuters.com/article/lifestyleMolt/idUSL633715120080726 6 http://welovesoaps.blogspot.com/ 2008/09/soaps-for-socialchange.html 7 www.baltimoresun.com/ entertainment/custom/today/ bal-to.soap28jul28,0,3743960.story

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botoxboom

Ka r i n Fi s s l t h a l e r, A g e D e l a y ( n u i t ) , 2 0 0 4 , 2 ` 5 5 , Vi d e o s t i l l s . Co u r t e s y t h e a r t i s t

Botox to go Botulinumtoxin ist eines der stärksten bakteriellen Gifte. Trotzdem lassen sich längst nicht mehr nur Hollywood-Stars das einst in verdorbenen Würstchen entdeckte Toxin spritzen. Von Botox-Boom, Botox-Partys und Botox-Flatrates berichtet Silke Pixner.*

* unter Mitarbeit von Gabi Horak

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„Botox hat für mich einen Stellenwert wie eine Zahnkorrektur. Ob ich mir jetzt Veneers auf die Zähne kleben oder eine kleine Spritze setzen lasse, ist mir egal“, sagte ZDF-Lottofee Heike Maurer im Juli gegenüber dem Magazin „Frau Im Spiegel“. Der große Unterschied: 0,1 Milligramm des sogenannten Botulinumtoxin, das vom Bakteriums Clostridium Botulinum produziert wird, sind tödlich. Ein ähnlich leichtfertiger Umgang mit Botox ist jedoch zum Glück zumindest in Österreich (noch) eher selten. „Die meisten Menschen, die in

meine Praxis kommen, sind sehr gut über die Risiken und Gefahren informiert“, sagt die Schönheitschirurgin Greta Nehrer. Doch was lassen sich die PatientInnen hier eigentlich wirklich unter die Haut spritzen? Auf den meisten Homepages von Kosmetikinstituten wird Botox als Bakterieneiweiß beschrieben – ein harmloser Begriff, hinter dem sich das stärkste aller bakteriellen Gifte verbirgt.

er einen „Beytrag zur Untersuchung des in verdorbenen Würsten giftig wirkenden Stoffes.“ Darin beschrieb er, wie eines Tages eine Gruppe von Menschen mit Mundtrockenheit und Lähmungserscheinungen zu ihm kam. Er diagnostizierte eine Lebensmittelvergiftung, alle hatten verdorbene Würste gegessen. Verantwortlich für die Vergiftung war ein Bakterium, das bei seiner Vermehrung das Gift Botulinumtoxin bildet, weshalb die Wurst- oder FleischvergifVerdorbene Würstchen. Entdeckt wurde die tung auch als Botulismus genannt wird. Substanz vom schwäbischen Arzt Justi- Dabei kommt es rund 24 Stunden nach nus Kerner. Im Jahre 1822 veröffentlichte Aufnahme der vergifteten Nahrung zu


boombotox Sehstörungen, Schwindel, Erbrechen und Muskelschwäche – in schwerwiegenden Fällen auch zu Atemlähmung und schließlich zum Tod. Muskellahme Mimik. Die Muskellähmende Wirkung des Giftes führte schließlich zur eingehenden Erforschung der Anwendungsmöglichkeiten in der Medizin. Die ersten PatientInnen, die mit Botox behandelt wurden, waren Kinder mit spastischer Lähmung. Bei Injektionen in kleinen Dosen wirkt Botulinumtoxin nur lokal. Seit Anfang der 1980er Jahre wird das Toxin medizinisch genutzt, um gesundheitliche Probleme wie Lidkrämpfe oder Schielen zu behandeln, mittlerweile wird es auch bei übermäßiger Schweißoder Speichelproduktion sowie zur Schmerzbekämpfung eingesetzt. Richtig bekannt wurde das Gift aber erst als Faltenkiller Botox: Ende der 1980er entdeckten Forscher, dass Bo-

fordern. Bei entsprechender Bezahlung wird sich in den meisten Fällen jemand finden, der einen solchen Eingriff trotz Bedenken durchführt. Es liegt immer im ethischen Ermessen des Arztes. Richtlinien gibt es hier leider keine.“ Nehrer selbst habe auch schon InteressentInnen abgelehnt, darunter eine 30-jährige Frau, die sich Botox gegen eingebildete Falten spritzen lassen wollte. Botox-Partys. Je mehr die Bekanntheit von Botox in den letzten Jahren zugenommen hat, desto seltsamere Blüten treiben die Behandlungsformen. In Deutschland etwa wurde Botulinumtoxin 1993 zum ersten Mal zugelassen, allerdings zu rein medizinischen Zwecken. Erst seit dem Jahr 2006 darf es auch für kosmetische Anwendungen genutzt werden und seitdem gibt es sogar Botox-Partys. Nach dem bekannten Tupperware-

staltungen wie etwa Botox-Partys verharmlosen die Risiken solcher Eingriffe und auch der Gruppenzwang ist auf solchen Partys nicht zu unterschätzen“, gibt Neustifter zu bedenken. Die Gefahr, dass man sich zu etwas überreden lasse, was man anfänglich gar nicht wollte, sei auf jeden Fall gegeben. Auch Greta Nehrer weiß nichts von solchen Veranstaltungen hierzulande: „Es gibt allerdings Leute, die sich zusammenschließen, um zu einem günstigeren Tarif behandelt zu werden.“ Giftige Spritztouren. Auch vor Botox-Ausflügen ins Ausland warnen Fachkundige: Billige Angebote verlocken zu giftigen Spritztouren, die böse enden können, denn nicht in allen Ländern sind nur ÄrztInnen dazu berechtigt, Botox zu spritzen. Das Risiko wird so noch höher. Boris Todoroff, Bundesfachgruppenobmann der österreichi-

Immer mehr in Mode kommen auch Botox-Flatrates, bei denen die Gesichtsmuskulatur zum Fixpreis in mehreren Anwendungen für ein ganzes Jahr lang lahm gelegt wird. tox auch zur Minderung von Mimikfalten eingesetzt werden kann. Denn Falten entstehen durch angespannte Gesichtsmuskeln unter der Haut. Werden diese Muskeln gelähmt, glättet sich die Haut wieder und die Falten werden gemildert oder verschwinden gänzlich. Der faltenmilderne Effekt hält je nach PatientIn zwischen vier und zwölf Monate lang an – allerdings zum Preis einer eingeschränkten Mimik. Angeblich beklagen sich bereits etliche Hollywood-RegisseurInnen darüber, keine Close-ups mehr machen zu können – vor allem von älteren Schauspielerinnen –, da das Mienenspiel so stark beeinflusst sei. Schönheitschirurgin Greta Nehrer dazu:„Wenn der Eingriff gut gemacht ist, dann bemerkt man ihn auch nicht.“ Wie aber sind dann die maskenhaften Gesichter einer Meg Ryan oder einer Nicole Kidman zu erklären, wenn diese sich doch eigentlich die besten und teuersten SchönheitschirurgInnen leisten können? „Stars wie Meg Ryan können solche Eingriffe ein-

Vorbild trifft man sich (meist sind es Frauen) bei diesem aus den USA kommenden Event zu Kaffee, Kuchen und Sekt. Ebenfalls eingeladen sind ÄrztInnen, die Botox-Spritzen verteilen. Immer mehr in Mode kommen auch Botox-Flatrates, bei denen die Gesichtsmuskulatur zum Fixpreis in mehreren Anwendungen für ein ganzes Jahr lang lahm gelegt wird. Die Deutsche Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie warnt davor, dass eine Botox-Injektion kein Partygag sei. Jeder Behandlung mit Botox sollte ein persönliches und ausführliches Beratungsgespräch durch den/die ÄrztIn vorangehen, in dem über Wirkung und mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt wird. Auch Greta Nehrer unterstreicht die Bedeutung von solchen Gesprächen. „Solche Botox-Partys sind mir in Österreich glücklicherweise nicht bekannt“, sagt Gerhard Neustfifter, Pressereferent der Wiener Patientenanwaltschaft. „Sollten diese Trends aber auch nach Österreich übergreifen, ist auf jeden Fall davon abzuraten. Veran-

schen Gesellschaft für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie, rät außerdem auch dringend von Botox ab, das über den Internetschwarzmarkt verkauft wird: „Die Kühlkette darf auf keinen Fall unterbrochen werden und auf keinen Fall sollten Laien Zugang zu solchen Substanzen haben.“ Im schlimmsten Fall kann das Botox aus Versehen in ein Blutgefäß gespritzt werden. „Das Gift kommt dann in den Blutkreislauf und die Übertragung an die Nervenendigungen und alles was über die Nerven gesteuert wird, ist dann betroffen. Es kann zu langfristigen Schäden kommen oder gar zum Tod innerhalb von Stunden oder Tagen“, so Todoroff. Nach Berichten der amerikanischen Arzneimittelzulassungsbehörde FDA sind mindestens 16 Personen nach Botox-Injektionen verstorben, da das Gift in andere Teile des Körpers gewandert ist. Die NGO „Public Citizen“ (www.citizen.org) hat Anfang dieses Jahres eine Petition in Umlauf gebracht, mit der eine „black box“ Warnung auf der Verpackung von Bonovember 2008 an.schläge 17


botoxboom Ka r i n Fi s s l t h a l e r, A g e D e l a y ( n u i t ) , 2 0 0 4 , 2 ` 5 5 , Vi d e o s t i l l s . Co u r t e s y t h e a r t i s t

tox gefordert wurde. Das wäre die höchste Warnstufe, die von der FDA vergeben werden kann, bevor ein Produkt vom Markt genommen wird. „Public Citizen“ hat unzählige Berichte über Nebenwirkungen an die FDA gemeldet. Dutzende Menschen mussten nach Botox-Behandlungen ins Krankenhaus eingeliefert werden.

… mit Blick auf den Stephansdom. Die zunehmende Anzahl an Schönheitsoperationen und Botox-Behandlungen führt auch zu immer kurioseren Werbeangeboten, die sich nur allzu oft an den Grenzen zur Illegalität bewegen. Im Jahr 2005 erhob die Arbeiterkammer (AK) Wien Anklage gegen die Werbung einer Diskontkette. Der Werbetext lau-

oder wenn Finanzierungsmodelle für solche Eingriffe angeboten werden. Beispielsweise das Angebot eines Eingriffes und dazu gleich das Angebot eines Kredits, um diesen zu finanzieren“, so Ginner. Beautiful Mummy. „Wieso willst du anders aussehen?“ fragt das kleine Mädchen

Auch in Österreich steigt die Nachfrage nach Botox-Injektionen: Die Zahl der Eingriffe hat sich in den letzten zehn Jahren verfünzigfacht.

Unter den 16 Todesopfern waren vier Menschen unter 18 Jahren. Nichtsdestotrotz steigt die Anzahl jener Menschen, die sich freiwillig das Gift spritzen lassen, stetig an. Für viele ersetzt das Toxin heute die SchönheitsOperation. „PatientInnen legen sich heute seltener unters Skalpell und verlangen weniger nach großen Eingriffen wie einem Facelift“, sagt Kerstin van Ark von der Deutschen Gesellschaft der plastischen, rekonstruktiven und ästhetischen Chirurgen gegenüber dem Magazin „Fokus“: „Die Anwendung von Botox ist mittlerweile zu einem der häufigsten kosmetischen Eingriffe in Deutschland geworden.“ Auch in Österreich steigt die Nachfrage nach Botox-Injektionen: Die Zahl der Eingriffe hat sich in den letzten zehn Jahren verfünzigfacht. „Innerhalb der letzten zehn Jahre erkundigen sich immer mehr Menschen nach einer Faltenreduktion mittels Botox“, bestätigt Todoroff. Die Gründe dafür liegen laut Greta Nehrer jedoch gerade in der steigenden Akzeptanz von Schönheitsoperationen im Allgemeinen. „Die Eingriffe sind nicht mehr so geheimnisvoll, und die Menschen stehen mehr und mehr dazu, sich kosmetisch verjüngen zu lassen.“ 18 an.schläge november 2008

tetet: „Wer schön sein will, muss laufen – die ersten 100 bekommen eine Botoxbehandlung von einem führenden Gesichtschirurgen um nur 149 Euro mit fantastischem Blick auf den Stephansdom.“ Die AK bekam schließlich Recht: Die Werbung verstieß gegen die Ärztewerberichtlinien und stellte unlauteren Wettbewerb dar. Doch die Schönheitsbehandlung mit Blick auf den Stephansdom ist nicht der kurioseste Fall, mit dem sich die AK auseinandersetzen musste. „Im Zusammenhang mit Botox gab es seitdem zwar keinen weiteren Fall, aber bei Schönheitsoperationen generell stoßen wir immer wieder auf bedenkliche Werbungen. Im Frühsommer 2004 haben wir eine Klage wegen Verlosung einer Schönheitsoperation eingebracht, doch der Oberste Gerichtshof hat 2006 entschieden, dass das nicht sittenwidrig sei, wenn zuvor ein eingehendes Beratungsgespräch vorgenommen wurde“, sagt Ulrike Ginner, Expertin der AK Wien für Wettbewerbsrecht. Doch von solchen Niederlagen lassen sich die AK-ExpertInnen nicht entmutigen. „Wir schreiten ein, wenn Werbungen für kosmetische Eingriffe eine rasche Entscheidung herbeiführen wollen, wie etwa im Stephansdom-Fall,

verwundert seine Mutter, denn Mama entspricht doch allen gängigen Klischees und Schönheitsidealen: langes, braunes, wallendes Haar, ellenlange Beine und ausladene Kurven in Verbindung mit einer umso schmaleren Taille. „Nicht nur anders, Liebes, sondern hübscher.“ Zu diesem Zweck hat sich Mama eine neue Nase und ein faltenfreieres Gesicht geleistet. Die befremdliche Geschichte stammt aus dem Bilderbuch „My Beautiful Mummy“, mit dessen Hilfe Eltern ihrem Nachwuchs die geplante Schönheitsoperation erklären können und warum sie danach vielleicht nicht mehr zurücklächeln können, wenn ihr Kind ihnen ein Lächeln schenkt. „My Beautiful Mummy“ ist ein Kinderbuch, auch wenn frau dahinter vielleicht lieber eine Satire auf den Schönheits- und Jugendwahn vermuten möchte. Zu verdanken haben wir das Buch dem plastischen Chirurgen Michael Salzhauer aus Florida. Er versteht sein Buch als Lebenshilfe, weil „man vor den Kindern einen größeren Eingriff eh nicht verstecken kann“. Die Lektüre von „Das Kleine Ich bin ich” oder anderen Büchern, die zur Selbstakzeptanz ermutigen, wäre Kindern sicherlich eine weit größere Hilfe fürs Leben. ❚


boombotox

Botox & Butler Gesichtslähmungen schlagen aufs Gemüt, haben WissenschaftlerInnen herausgefunden. FeministInnen hatten es längst geahnt. Von Lea Susemichel

„Sensorisches Feedback“ wird das Phänomen von WissenschaftlerInnen genannt. Es bezeichnet die Rückkoppelung unserer Mimik an unser Gefühlsempfinden. In die eine Richtung ist dieser Zusammenhang ohnehin evident: Dass Gefühlregungen wie Zorn, Trauer oder Freude ihren mimischen Niederschlag finden, ist nichts Neues. „Sensorisches Feedback“ bezeichnet aber gerade die andere Richtung dieser Kausalität, denn die Beziehung zwischen Gefühlen und ihrem körperlichen Ausdruck ist wechselseitig. Konkret bedeutet das: Die Ausübung

erzwingen demnach nicht einfach eine flüchtige und reversible Haltung, die eingenommen und auch wieder abgelegt werden kann. Sie sedimentieren sich durch die rituelle Wiederholung im Körper und gestalten den Leib, der sie ausführt. In „Hass spricht“ legt Butler dann überdies dar, inwiefern Bewegung, Haltung, Gestik und Mimik so nicht nur Männer- und Frauenkörper formen, sondern auch auf den Geist einwirken, der im jeweiligen Körper wohnt. „Knie nieder, bewege die Lippen zum Gebet, und du wirst glauben“, hatte schon der Philosoph Pascal behauptet. Vereinfacht ausgedrückt lautet

Ka r i n Fi s s l t h a l e r, A g e D e l a y ( n u i t ) , 2 0 0 4 , 2 ` 5 5 , Vi d e o s t i l l s . Co u r t e s y t h e a r t i s t

Botox führt zu einer messbaren Abnahme bestimmter Gehirnaktivitäten. eines bestimmten Gesichtsausdrucks sendet Signale an jene Areale des Gehirns, die für die Verarbeitung von Emotionen zuständig sind, wodurch sich das entsprechende emotionale Erleben verstärkt – oder sich auch überhaupt erst einstellt. Im Theater macht man sich diesen Umkehreffekt mit der sogenannten Stanislawski-Methode längst zunutze. SchauspielerInnen lassen Schultern und Mundwinkel hängen, um sich in schlechte Stimmung zu bringen, oder versetzen sich in Euphorie, indem sie deren körperliche Ausdrucksformen ausagieren. Und auch die populärwissenschaftliche Ratgeberliteratur predigt seit langem, dass wir durch gezielte Körperarbeit etwas für unseren Seelenfrieden tun können – durch Stress abbauendes Gesichtsyoga etwa oder durch Dauerlächeln beim Lauftraining nach Fitnessguru Strunz. Judith Butler hat sich der Kausalbeziehung zwischen Körperpraxen und Gemütszuständen auf eine weit grundlegendere Weise gewidmet, kommt dabei aber zu ähnlichen Ergebnissen. Sie folgt mit ihrer Theorie Pierre Bourdieu, dessen Konzepte von „Habitus“ und „Inkorporierung“ für sie überzeugende Modelle darstellen, um die Vergeschlechtlichung von Körpern zu veranschaulichen. Ritualisierte und geschlechtlich segregiert ausgeführte Körperpraktiken

diese Überzeugung bei Butler: Wer ein Leben lang geschlechtsspezifisch gehen, gestikulieren und gucken muss, glaubt auch bald an den Unterschied der Geschlechter. Sich mit Botox die Gesichtsmuskulatur lahmlegen zu lassen, birgt also deutlich mehr Risiken als nur ein eingefrorenes Zombiegesicht. Auch hinter der faltenfreien Stirn dürfte es danach deutlich langsamer und leidenschaftsloser zugehen. Eine interdisziplinäre Münchner Studie, bei der die „Zornesfalten“ der ProbandInnen mit Botulinumtoxin behandelt wurden, konnte nun erstmals die Auswirkungen einer verringerten Gesichtsmuskelaktivität auf die Intensität des emotionalen Empfindens nachweisen. Die Ergebnisse waren deutlich: Die Einschränkung des Mienenspiels durch Botox führte zu einer messbaren Abnahme der Gehirnaktivität in den entsprechenden Hirnregionen. Und nicht einmal Mitleid wegen ihrer Gefühlsarmut dürfen sich die Botox-Geschädigten erwarten. Denn auch das Einfühlungsvermögen unserer Mitmenschen hängt entscheidend von der eigenen mimischen Ausdruckskraft ab, wie die Studie ebenfalls zeigen konnte. Menschen neigen dazu, den Gesichtsausdruck ihres Gegenübers nachzuahmen – das hilft ihnen dabei, sich in andere hineinversetzen zu können. ❚ november 2008 an.schläge 19


botoxboom

„Schönheit gilt heute als machbar“ Heidrun Rader arbeitet im Frauengesundheitszentrum Graz mit Mädchen und jungen Frauen. Ein Interview über die Selbstwahrnehmung junger Frauen und das Ausklammern der Risiken von Schönheitsoperationen. Von Gabi Horak an.schläge: Sind Schönheit und Schönheits-OPs ein Thema in Ihrer Mädchenarbeit? Heidrun Rader: Wenn im Workshop Schönheitsideale thematisiert werden, fällt immer häufiger auch das Wort Schönheitsoperationen. Die Mädchen wissen von verschiedensten Fällen von Brustvergrößerungen, Brustverkleinerungen, Nasen-OPs und Fett-

Welches Image haben Botox-Behandlungen? Einige Mädchen kennen aus den Medien Beispiele von Frauen, die sich mit Botox behandeln lassen. Eine Botox Behandlung gilt unter den Mädchen als Eingriff aus rein ästhetischen Gründen und ist daher eher verpönt. Manche sagen:„Vielleicht, wenn ich einmal alt werde …“

Durch die offene Thematisierung von Schönheitsoperationen in den Medien und durch offensive Werbung für Schönheitsoperationen in Zeitschriften und Magazinen verändert sich das Image von Schönheitsoperationen hin zum „Normalen“. Schönheit gilt heute als machbar und es wird für junge Frauen immer mehr zur Norm, ständig an ihrem Körper zu arbeiten. Körper-

„Sie wissen weder genau, was bei einer Botox Behandlung passiert, noch welcher Wirkstoff Botox ist – nämlich ein Nervengift –, noch welche Risiken damit einhergehen.“

Das Frauengesundheitszentrum Graz (fgz) arbeitet mit Mädchen und MultiplikatorInnen, wie LehrerInnen, SozialarbeiterInnen und JugendarbeiterInnen. Ziel ist es, für Schönheitsideale und Körpernormen zu sensibilisieren, Essproblemen von Mädchen vorzubeugen und junge Frauen zu stärken. Das fgz bietet beispielsweise 4-stündige Workshops zur Prävention von Essproblemen für Mädchengruppen an. Themen in den Workshops sind: Schönheitsideale, Körpergefühl, Genuss, Grenzen, Essprobleme, Beratungseinrichtungen. Im Jahr 2008 werden etwa 120 Workshops durchgeführt werden und dadurch steiermarkweit etwa 1.400 Mädchen und junge Frauen erreicht. Frauengesundheitszentrum Graz Joanneumring 3, 8010 Graz Tel. 0316/ 83 79 98, www.fgz.co.at

20 an.schläge november 2008

absaugungen zu berichten, über die sie Sendungen im Fernsehen gesehen haben. Etwa eine von zwanzig Mädchen kennt auch persönlich eine Frau, die sich einer Schönheits-OP unterzogen hat. Etwa eines von zehn Mädchen sagt offen, dass sie selbst schon mit dem Gedanken an solch einen Eingriff gespielt hat. Das Thema Schönheits-OPs ist durch seine Präsenz in diversen Fernsehformaten jungen Frauen sicher geläufiger als noch vor einigen Jahren. Welches Image haben SchönheitsOPs bei jungen Mädchen heutzutage? Sich aus rein ästhetischen Gründen einer Schönheits OP zu unterziehen ist bei den meisten jungen Frauen immer noch verpönt. Jedoch entsteht eine immer größere Akzeptanz für Operationen, die durchgeführt werden, wenn sich das Aussehen negativ auf das seelische Wohlbefinden der Betroffenen auswirkt. Werden etwa abstehende Ohren chirurgisch verändert, sagt ein Großteil der jungen Frauen: „Na, das ist ja klar, das würde ich auch machen, das ist ja keine Schönheitsoperation.“ Auch wenn Frauen wegen ihrer kleinen Brüste Schwierigkeiten mit ihrem Selbstbewusstsein haben, kann ein Großteil der Mädchen nachvollziehen, dass sie sich ihre Brüste chirurgisch verändern lässt.

Wissen Mädchen, was genau bei so einer Behandlung passiert, was Botox ist? Und sind Sie sich der Nebenwirkungen und Risiken bewusst? Meine Erfahrung zeigt, dass sich die Mädchen nicht konkret damit beschäftigen, was bei einer Schönheitsoperation mit dem Körper der Frauen gemacht wird. Sie wissen weder genau, was bei einer Botox Behandlung passiert, noch welcher Wirkstoff Botox ist – nämlich ein Nervengift –, noch welche Risiken damit einhergehen. Aus Fernsehsendungen kennen viele Mädchen mögliche ästhetische Nebenwirkungen von Schönheitsoperationen, wie Narbenbildung oder Dellen. Ausgeklammert werden die wenig spektakulären, aber für die einzelne Frau gravierenden Nebenwirkungen wie Taubheitsgefühle, Schwellungen oder Infektionen, aber auch die Möglichkeit eines tödlichen Ausgangs. Diese Risiken bestehen bei jeder Operation und Narkose – aber Schönheitsoperationen sind Eingriffe an gesunden Mädchen und Frauen. Sinkt die Hemmschwelle Ihrer Erfahrung nach? Also meinen mehr Mädchen heute als noch vor Jahren, dass sie durchaus mal eine SchönheitsOP machen würden?

haare entfernen, nicht dick werden, neue Klamotten, individuelles Styling. Der Schritt hin zur chirurgischen Veränderung des eigenen Körpers ist da scheinbar nur mehr ein kleiner. Wie würden Sie das Körpergefühl von Mädchen heute beschreiben? Wie wird etwa mit Körperbehaarung umgegangen, mit Nacktheit im Alltag und andererseits mit selbstbestimmter Sexualität … Im Kontakt mit jungen Frauen beobachte ich eine große Kluft zwischen dem eigenen Körper als Bild, der äußeren Schicht des Körpers, die gestaltet, visuell wahrgenommen und bewertet wird, und dem Körpergefühl, der Selbstwahrnehmung des eigenen Körpers und seiner Empfindungen. Die meisten jungen Frauen investieren sehr viel Zeit, Geld und Nerven in ihr äußeres Erscheinungsbild. Dazu gehört das Entfernen von Körperhaaren, Styling der Kopfhaare, Kleidung nach den neuesten Modetrends und dünn zu sein und zu bleiben. Es ist dem Frauengesundheitszentrum ein wichtiges Anliegen, junge Frauen in ihrem Körperbewusstsein und ihrem Körpergefühl zu stärken und sie dazu zu ermutigen, den gesellschaftlichen Normen zu widerstehen und selbstbestimmt mit ihrem Körper umzugehen. ❚


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Scum* Manifesto revisited „Read my manifesto and it will tell you who I am“, sagte Valerie Solanas nach ihrem Attentat auf Andy Warhol. Eine Relektüre zum 40. Jubiläum des berühmten feministischen Anschlags. Von Irmi Wutscher

* Solanas beschuldigt im Vorwort zweiten Auflage 1977 den Verleger Maurice Girodias, ihren Originaltitel Scum Manifesto in S.C.U.M. (Society for Cutting Up Men) Manifesto geändert zu haben, daher wird hier an Solanas Schreibweise festgehalten. 1 Die hier verwendete Übersetzung erschien in der EMMA, März/April 1997. In deutscher Sprache wurde da Manifest außerdem 1996 im MaroVerlag/Augsburg.

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Am 3. Juni 1968 kam Valerie Solanas mit einem Revolver bewaffnet in Andy Warhols Factory. Sie zielte und schoss dreimal auf Warhol, dieser wurde schwer verletzt. Bei ihrer Festnahme rief Solanas den Medien zu: „Read my manifesto and it will tell you who I am.“ Gemeint ist ihr Scum Manifest, ein Manifest, das die Gründung einer „Society for Cutting Up Men“ (Gesellschaft zur Vernichtung der Männer) und deren Ziele darlegt. Somit feiert heuer nicht nur die 68er-Bewegung ein Jubiläum. Auch der bekannteste „Terror“-Akt, der im Namen des Feminismus begangen wurde, ist vierzig Jahre her. Genug Gründe, um sich wieder einmal mit Solanas und ihrem Manifest zu befassen. Ein Manifest, das sich trotz der spürbaren Wut wie eine satirische Farce auf die Geschlechterverhältnisse (damals wie heute) liest, ein Manifest, das groß-

spurig und verletzlich zugleich ist, das zeigt, dass Radikalität und Humor sich nicht ausschließen müssen.

Chef von Olympia Press, einem Verlag, der vor allem Untergrundliteratur und Pornografie verlegte. Ihre Begegnung spielt sich in dem Film „I shot Andy Warhol“ so ab: Berühmte erste Worte. „Das Leben in dieValerie Solanas: Gib mir 15 Cent, ser Gesellschaft ist ein einziger Stumpfund ich gebe dir ein dreckiges Wort. sinn, kein Aspekt der Gesellschaft verMaurice Girodias: Wie heißt das mag die Frau zu interessieren, daher Wort? bleibt den aufgeklärten, verantworValerie Solanas: Männer.2 tungsbewussten und sensationsgierigen Frauen nichts anderes übrig, als die Girodias war von Valeries Wortwitz Regierung zu stürzen, das Geldsystem begeistert. Er kaufte ihr die Rechte für abzuschaffen, die umfassende Automa- das Manifest ab, später nutzte er den tion einzuführen und das männliche Rummel um Solanas Attentat auf Andy Geschlecht zu vernichten.“1 Warhol aus, um das Manifest gewinnbringend zu vermarkten. Außerdem beSo der wortgewaltige Auftakt des Manifests, in dem die Eckpfeiler von So- hauptete er auch in einem ersten Vorlanas Vision bereits abgesteckt werden. wort, Solanas Theorien zumindest teilweise nachvollziehen zu können. Geschrieben hat sie es 1967, zu einer Zeit, in der sie sich vornehmlich im New Yorker Untergrund herumtrieb Irrtum der Natur. „Der Mann ist eine biound von Gelegenheitsprostitution und logische Katastrophe: Das männliche yprofessionellem Schnorrertum lebte. Gen ist ein unvollständiges weibliches So traf sie auch auf Maurice Girodias, x-Gen […]. Mit anderen Worten, der


wissenschaftforum Mann ist eine unvollständige Frau, eine wandelnde Fehlgeburt, die schon im Genstadium verkümmert ist. Mann sein heißt, kaputt zu sein; Männlichkeit ist eine Mangelkrankheit, und Männer sind seelische Krüppel.“ Solanas dreht die dominante Ideologie, die die Frau als Mängelwesen und den Mann als Maß aller Dinge ausweist, einfach um. So konstatiert sie bei den Männern auch einen „Pussy Envy“ anstelle des von Freud unterstellten Penisneids der Frauen. Um ebendiese Mängel zu kompensieren, müsse sich der Mann der Frauen bedienen. „Der Mann muß ständig zwanghaft kompensieren, daß er keine Frau ist. Dadurch, und durch seine Unfähigkeit zu menschlichem Kontakt und zum Mitleid hat das männliche Geschlecht die ganze Welt in einen Scheißhaufen verwandelt.“

Und der Sex? „Sex gehört nicht zur Beziehung zwischen Menschen. Im Gegenteil, es ist eine einsame, unkreative Erfahrung, eine gewaltige Zeitverschwendung.“ Als eine der Konsequenzen ihrer Ansichten über die Daddys und Mamas in den Vorstädten – und wohl auch aus den Erfahrungen, die Solanas gemacht hatte (sie wurde als Kind missbraucht, später schlug sie sich als Gelegenheitsprostituierte durch) – lehnte sie Sex in ihrem Manifest vehement ab. Wobei anzunehmen ist, dass sie vor allem seine Funktion im Machtkampf zwischen Männern und Frauen ablehnte. Dazu Mary Harron, Regisseurin des Films „I Shot Andy Warhol“:„Ihr Hass galt den psychischen und emotionalen Bedürfnissen, die Frauen mit ihrer Sexualität verknüpfen und die ihr nichts anderes

SCUM sich je schlägt, dann wird sie im Dunkeln mit einer sechszölligen Klinge zuschlagen. SCUM wird immer auf einer kriminellen, im Gegensatz zur zivilen Ungehorsamsbasis arbeiten […]. SCUM wird das System zerstören […]. Immer eigennützig und cool wird SCUM sich nicht erwischen und bestrafen lassen.“ Scum und ihr Vorhaben lesen sich wie ironische Überzeichnungen. Auch Solanas selbst bezeichnete diese in einem Interview mit der New Yorker Village Voice als literarischen Kunstgriff und sagte, das Manifest sei nicht als ernst gemeinte Handlungsanleitung anzusehen.4 Nichtsdestotrotz hat Valerie Solanas tatsächlich eine Waffe in die Hand genommen und auf Andy Warhol geschossen. Laut der Polizeiakten litt Solanas unter einer paranoiden Persön-

„Der Mann ist eine biologische Katastrophe: Das männliche y-Gen ist ein unvollständiges weibliches x-Gen […]. Mit anderen Worten, der Mann ist eine unvollständige Frau, eine wandelnde Fehlgeburt, die schon im Genstadium verkümmert ist.“ So seien die Männer verantwortlich für Krieg, die Geldwirtschaft, das gesellschaftliche System der Familien, die Bildung der Vorstädte, in die die Frauen laut Solanas „verschleppt“ und zu Müttern gemacht werden. In diesem Sinne sind auch die Frauen nicht per se die freien, wilden, „groovy Females“, von denen Solanas im Auftakt spricht. Sondern auch Frauen – insbesondere die von ihr als „Daddy’s girls“ bezeichneten – werden von ihr vehement kritisiert. „Daddys passive, hohlköpfige Tochter, die dauernd nach Anerkennung lechzt, nach einem Klaps aufs Hohlköpfchen, nach „Respekt“ vor jedem hergelaufenen Dreckstück, kann leicht zur Mama reduziert werden, zu einem bewusstlosen Verwalter physischer Bedürfnisse, zum Seelentröster eines Affen, zur Stütze für ein kümmerliches Ich, zum Bewunderer des Verächtlichen – zu einer Wärmflasche mit Titten. Die Reduktion der Frauen zu Tieren […] ist so gründlich, dass die Frauen sich nach der Tretmühle der Arbeit drängen und heute, in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts, im fortgeschrittensten Land der Erde, mit am Busen fett werdenden Babys herumlungern.“

schienen als weibliche Schwächen, Abhängigkeit und Niederlage. Für Valerie war sexuelle Liebe ein trojanisches Pferd, das die Frauen endgültig besiegt.“3 Im Gegensatz dazu propagiert Valerie Solanas in ihrem Manifest Freundschaft (unter freien Frauen) als ultimative und reine Form der Liebe. Ein Ideal, das utopisch anmutet und für heutige Begriffe stark nach einem 68er-Allgemeinplatz klingt. Gewaltverherrlichung. „SCUM wird alle Männer töten, die nicht Mitglieder der SCUM-Männerhilfstruppe sind. Mitglieder der Männerhilfsgruppe sind diejenigen, die fleißig daran arbeiten, sich selbst zu eliminieren […]. Beispiele für Angehörige der Männerhilfsgruppe sind: Männer, die Männer töten […]; Journalisten […], die Ideen im Sinne der Ziele von SCUM propagieren […]; Schwule, die durch ihr leuchtendes Beispiel andere Männer ermuntern, sich selbst zu entmannen […]. Um ihre Ziele zu erreichen, wird SCUM nicht […] demonstrieren […]. Solche Taktiken sind gut genug für die netten, wohlerzogenen Damen […]. Wenn

lichkeitsstörung, sie gelangte zu der Überzeugung, dass Warhol und Girodias unter einer Decke steckten und ihr ihre Ideen und Schriften klauen wollten. Der Polizei nannte sie als Grund für ihre Tat, „er (Warhol) hatte zu viel Macht über mich.“ Unter Feministinnen entbrannte nach dem Attentat ein Streit, ob Valerie Solanas nun als eine der ihren anzusehen sei oder nicht. Viele von ihnen meinten, dass die Gewaltaufrufe nur ironisch seien. So sagte Kate Millet darüber: „Das schien mir auch ein rhetorisches Instrument zu sein. Ich glaube nicht, dass sie gemeint hat, Männer im wahrsten Sinne des Wortes zu zerstückeln, sondern vielmehr, sie in ihrem Dünkel zu beschneiden. Doch andere Feministinnen nahmen es wörtlich, und sie waren zutiefst schockiert.“5 Trotz aller Diskussion bleibt das Manifest ein faszinierender Text. Es ist eine kühle, logische Analyse, die gleichzeitig pointiert und witzig ist. Solanas scheut sich nicht, richtig wütend und bösartig zu sein – und das ist unter Frauen selten genug. Lest das Manifest! Es ist alles drinnen! ❚

2 Dialogzitat aus der Internet Movie Database, http://german.imdb.com/title/tt0116 594/quotes 3 Mary Harron: Die Vernichtung. EMMA, März/April 1997. 4 Howard Smith: Valerie Solanas Interview. In: Village Voice. 25. Juli 1977, S. 32ff 5 Kate Millet, zitiert in:„Wer hat Angst vor Valerie Solanas“, Artikel erschienen auf: www.raumzeitonline.de/022001/14.html

Filmtipp I shot Andy Warhol, 1996, mit Lili Taylor. Buch und Regie: Mary Harron

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Attacke auf die Ordnung der Welt Gudrun Ankele über die Bedeutung des Scum-Manifests für den heutigen Feminismus. Ein Interview von Irmi Wutscher. an.schläge: Warum heute noch das

Gudrun Ankele schrieb ihre Dissertation zum Thema „Versuchsweise extrem. Radikale feministische Manifeste als Provokation des Politischen.“ Sie ist Lehrbeauftragte an der Akademie der bildenden Künste in Wien und Teil des Kunstkollektivs Schwestern Brüll.

24 an.schläge november 2008

Scum-Manifest lesen? Gudrun Ankele: Das Scum-Manifest ist eine polemische Attacke auf die Ordnung der Welt, auf den Kapitalismus und das Zusammenleben von Mann und Frau. Valerie Solanas glaubt an das Medium des Texts, um ihre Gesellschaftskritik zu vermitteln, um Solidarisierung zu erzeugen und um Vorgehensweisen zur Veränderung der Welt zu formulieren. Das Ziel ihres Attentats, Andy Warhol, steht für eine dem scheinbar widerstrebende Tendenz: Bei ihm gerinnt Bedeutung zur absoluten Oberfläche, zur Pose. Man kann das Scum-Manifest vor diesem Hintergrund als Marker einer kulturellen Transformation lesen: Die Textsorte Manifest ist mit den politischen Versprechungen der Moderne verbunden, die eine universelle Gleichheit propagieren. Die Gleichheit basiert jedoch immer auf Ausschlüssen. Dieses Paradox hat immer wieder Emanzipationsbewegungen hervorgebracht. Das Manifest zeigt, dass sich dieses Paradox mit subjektkritischen Diskursen der Postmoderne nicht etwa auflöst, sondern dass es in der Form identitätsbasierter Politiken immer wieder aktualisiert wird. Dadurch reflektiert es die Komplexität feministischer politischer Praxis. Sollte das Manifest ernst genommen werden? Aus welchen Gründen sollte man es nicht ernst nehmen oder gar verwer-

fen? Ich bin dafür, sich mit dem ScumManifest ernsthaft auseinanderzusetzen und zu fragen, welche Problematik die radikalen Lösungen adressieren. Eine solche Auseinandersetzung geht nicht in die Falle, den Text als Ikone eines radikalen Feminismus misszuverstehen, sondern lässt sich auf seine Komplexität ein. An welche Grenzen des Denkbaren bringt uns der Text? Wo wird er komisch, und was produziert diese Komik? Wie ist das Leben der Autorin (und ihr Attentat auf Warhol) mit dem Text verbunden, bzw. ist der Text als autonomes, literarisch-ästhetisches Werk zu verstehen? Ich plädiere dafür, die Radikalität des Textes nicht unbedingt in seinen Provokationen zu verorten. Nicht das „Cutting Up Men” ist das Politische des Texts, sondern viel eher die Art und Weise, wie sich auf der Ebene der Ästhetik Prozesse von Ent-Identifizierung und Subjektivierung abbilden bzw. in Gang gebracht werden sollen. Darin sehe ich die politischen Potenziale des Texts. Nach Solanas Anschlag auf Andy Warhol ist ihr Aufruf zur Gewalt nicht mehr nur ironisch zu sehen. Sollten wir Feministinnen uns nicht gegen Gewalt aussprechen? Ich bin der Meinung, wir sollten Texte lesen, ohne sie gleich von Beginn an mit Biografien, Kontexten etc. zu verbinden und sie dadurch teilweise zu erklären. Für den feministischen Diskurs sind die Problematiken, die Solanas

durch ihr Scum-Manifest adressiert, wichtig und relevant. Manifeste bieten meist relativ dogmatisch präsentierte Lösungen an, die im Text funktionieren. Wie sich Feministinnen zu Gewalt positionieren oder positionieren sollen, lässt sich meiner Meinung nach nicht universell festschreiben. In Solanas Manifest ist Gewalt notwendig, um einen Übergang in eine harmonisch zusammenlebende Gemeinschaft von Frauen zu schaffen. Wie können wir eine grundlegende Veränderung denken und herstellen? Lässt sie sich überhaupt herstellen? Diese Fragen scheinen mir grundlegend für feministische Theorie und Praxis. Solanas propagiert Asexualität und geht von einer sehr idealisierten Vorstellung von (Frauen)Freundschaft aus, beides basiert auf sehr essenzialistischen Gendervorstellungen. Was wäre die Alternative? Das Kontrasexuelle Manifest von Beatriz Preciado. In der Nachfolge des Cyborg Manifests von Donna Haraway versucht Preciado eben jene identitätsbasierte feministisch-emanzipatorische Politik zu überwinden, indem sie in ihrem Gesellschaftsentwurf „leere Subjekte“ durch zeitlich beschränkte Verträge zu einem Gemeinwesen organisiert. Die Frage, wie man feministisch/queer handlungsfähig bleibt, ohne identitätsbasierte Politiken weiterzuschreiben, bleibt eine offene, die immer wieder aufs Neue diskutiert werden muss. ❚


2 8. und 2 9.November SYMPOSIUM FEMINIST PRESS|URE FREITAG, 28.11.2008

VOM FLUGBLATT ZUM FANZINE ZUM FERNSEHEN … FRAUENBEWEGUNGEN UND IHRE MEDIEN

14.00 Eröffnung

14.15 ELISABETH KLAUS:Von Golden Girls zu Alphamädchen: Überlegungen zum Verhältnis von Medienfeminismus und feministischer Öffentlichkeit.

14.45 GABI HORAK: Feministische Zeitschriften in Österreich. Feministischer Journalismus arbeitet nach anderen Qualitätskriterien. 15.15 Pause

15.30 GISELA NOTZ: Der gefährliche Einfluss der Frauen-Blätter. Beispiele für alternative Zeitschriften der Zweiten Frauenbewegung in der BRD. 16.00 ELKE ZOBL: Kultureller Widerstand und kritische Reflexion in internationalen feministischen Zines.

16:45 Podiumsdiskussion: Feministische Formate INA FREUDENSCHUß (dieStandard), ELKE ZOBL (grrrl zines), KARO RUMPFHUBER (Orange 94.0) (Orange 94.0), ANNA GUENTCHEVA (AUF-Eine Frauenzeitschrift), ANDREA WALD (fiber. werkstoff für feminismus), LEA SUSEMICHEL (an.schläge tv) Moderation: SASKYA RUDIGIER SAMSTAG, 29.11.2008

POLITIK, POP, POSTKOLONIALISMUS, PREKARISIERUNG ... (SPANNUNGS-)FELDER FEMINISTISCHER MEDIENARBEIT

10.00 JO BUCHER: Zeitschriften und Archivmitbringsel – von aktuellen und vergangenen Medien feministischer Kritik.

2008 - B R U T

10.15 FRANKA FIESELER:Vernetzte Netze – vielfältige Foren. Zur Geschichte lesbischfeministischer Zeitschriften in Deutschland.

10.45 VINA YUN: Popkritik, Popjournalismus, Popfeminismus. Pop in feministischen Medien. 11.15 Pause

11.30 SONJA EISMANN: Alles aus Liebe. Feministische Medienarbeit zwischen Selbstbestimmung und Selbstausbeutung.

12.00 Podiumsdiskussion: Probleme, Paradigmenwechsel, Perspektiven VINA YUN (MALMOE), FRANKA FIESELER, HELGA NEUMAYER (Frauensolidarität), RUBIA SALGADO (MigraZine), IRIS BOROVCNIK (LILA– Battform für generationenübergreifende feministische Diskurse) Moderation: LEA SUSEMICHEL 13.00 Mittagspause

15–17.00 WORKSHOPS

WS I: Medien abseits des Mainstreams: Qualitätskriterien und Herausforderungen, Gabi Horak (an.schläge)

WS II: Zwischen Theorie und Praxis – Zum politischen Gehalt visueller Bildgestaltung, Redaktion fiber. werkstoff für feminismus WS III: How to start a feminist magazin … Sonja Eismann (Missy Magazine)

FEST FEMINIST PRESS|URE SAMSTAG, 29.11.2008, ab 20.00 KONZERT, PERFORMANCE, AUSSTELLUNG, DJ- & VJING, Eintritt 8,- Euro.

Detailliertes Programmvon Symposium und Fest unter www.anschlaege.at


an.zeigen suche Gefährtin gesucht Zu zweit ist das Leben reicher – Suche lebensbejahende, wache Gefährtin, menschlich gereift und unabhängig für gemeinsamen Weg. Biete gleiches plus 53, Charme und Herz. Zuschriften unter Chiffre 874 an: an.schläge, Untere Weißgerberstr. 41, A-1030 Wien Frauenportraits – Ausstellung Herbst 2010 Die verlorene Geschichte der Frauen aufzuschreiben war das Ziel der Feministinnen der 2. Frauenbewegung der 70ger. Jede von uns ist ein Teil dieser neuen Frauengeschichte, doch nur wenige wurden bisher sichtbar gemacht. Das „Ich bin nicht so wichtig“ möchte ich durch Sammlung von Fotos und einer kurzen Selbstbeschreibung auf-

heben und zu einer Ausstellung zusammenfügen. Die Ausstellung soll im Herbst 2010 stattfinden. Ich sammle Fotos & Kurzbiographien von Frauen, die sich in der Zeit von 1945 bis heute frauenpolitisch betätigten und betätigen. Bitte schicken Sie mir/schickt mir Namen, Fotos und Kurzbiographien von Frauen die ihr in diesem Archiv finden wollt. Damit bist auch du gemeint, liebe Frau. Es zählt hier nicht nur das jahrelang Engagement, auch erst seit kurzem tätige junge Frauen sind Teil dieser Frauengeschichte. „Dein Foto, deine Kurzbio fehlt mir noch!“ Du wählst aus, in welcher Phase deines Lebens du dich zeigst, bildlich und textlich. Das Foto soll dich möglichst allein zeigen und nicht zu klein sein. Die Kurzbio etwa eine bearbeitete A4 Seite.

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Nach Abbau der Ausstellung erhält die gesammelten Materialien das „Stichwort – Archiv der Frauen- und Lesbenbewegung“, dort wird es für interessierte Frauen zur weiteren Bearbeitung zugängig sein. Fotos und Texte an: Elfie Resch, 1030 Wien, Leonhardgasse 8-10/2/12, Mobil: 0676-9704961, elfie.resch@chello.at

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an.rissarbeit.wissenschaft Fo t o : „ I n G e s c h i c h t e e i n g e s c h r i e b e n “ , M ä d c h e n t a g e b u c h 1 9 5 6

forschung widmet sich in diesem Jahr dem Thema Liebe. Uns allen einen interessanten Herbst! kaiv Neues aus der dritten Frauenbewegung: www.galerie5020.at In Geschichte eingeschrieben: www.univie.ac.at/Geschichte/sfn Framework Gender VI: www.frauensolidaritaet.at Berufliche Förderung und Beratung von Frauen mit Behinderung: www.netzwerk-frauenberatung.at Kulturelle Diversität – Geschlechteregalität: www.uibk.ac.at/ezwi/diversitaet_geschlechteregalitaet/index.htm Der gemachte Körper: www.essstoerungshotline.at/enquete/index.html Freiheit und Prekarität: www.igkultur.at; www.igbildendekunst.at; www.fiftitu.at; www.vfw.or.at Feministische Theorie und Gender Studies: http://philo.at/mailman/listinfo/iwk-news

frauen.forschung

Aussicht auf Erfolg

veranstaltungs.tipps

Der Herbst kann kommen! Der Herbst wird lang, kalt und nass. Doch weil es kluge Menschen gibt, lässt sich auch diese Zeit gut verbringen. In warmen, hellen und trockenen Räumen – und was noch wichtiger ist, mit interessanten Inhalten. Der Herbst wird historisch, kreativ, politisch, beratend, romantisch, konkret, theoretisch und feministisch. Die Galerie5020 in Salzburg lädt dazu ein, „gemeinsam mit Künstlerinnen, Aktivistinnen und Medienproduzentinnen Neues aus der dritten Frauenbewegung zu diskutieren!“ Dabei werden klassisch „feminine“ Tätigkeiten neu definiert und alte Denkmuster hinterfragt. Retrospektiv geht es hingegen im Foyer der Unibibliothek Wien zu. „In Geschichte eingeschrieben“ präsentiert Schrift-Erinnerungs-Stücke von Frauen aus den verschiedensten Epochen. Liebesbriefe, das Tagebuch einer Achtjährigen, ein Konsensbrief von 1738 – unterschiedlichste Motive des Schreibens. Die Frauensolidarität lädt zum Framework Gender VI. „Domestizierte Khamu-Frauen?“ „Schon wieder Kopftuch?“ Anhand aktueller Diplomarbeiten und Dissertationen wird die Frauenforschung zum Nord-Süd Verhältnis beleuchtet. „Berufliche Förderung und Beratung von Frauen mit Behinderung“ – der Titel der vom Netzwerk österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen organisierten Tagung ist so prägnant wie selbsterklärend. Multikulturelle Ansätze sind in Theorie und Politik in die Defensive geraten. Zwangsehen, Ehrenmorde, Genitalbeschneidungen und das religiös motivierte Tragen von Kopftüchern sind immer wieder Gegenstand kontroversieller Auseinandersetzungen. Die Tagung „Kulturelle Diversität – Geschlechteregalität“ wendet sich diesen Knotenpunkten der Debatte zu. „Der Körper als erwerbbares und formbares Objekt wurde als Markt entdeckt, fungiert als Kapital und Ware, als Kultobjekt und Erfolgsfaktor“, so die Initiatorinnen der Enquete „Der gemachte Körper“. Zum Thema werden gemeinsam mit ExpertInnen zentrale Fragen gestellt und im Diskurs Antworten gesucht. Und weil die Prekarisierung von Arbeit und Leben immer mehr zunimmt, will „die Veranstaltung ‚Freiheit und Prekarität‘ einen interdisziplinärer Austausch ermöglichen, um handlungsorientierte Konsequenzen ziehen zu können“, so Patricia Köstring von der IG Kultur. Zu guter Letzt: Die Vortragsreihe zu feministischer Theorie und Gender-

Das neue „FEMtech kompetenzzentrum“ fördert und berät Projekte, deren Ziel die Chancengleichheit von Frauen in Forschung und Technologien ist. Noch immer sind Frauen in diesen Segmenten stark unterrepräsentiert, weshalb FEMtech Zugang und Erfolgsaussichten von Frauen in diesen Berufsfeldern durch gezielte Förderung erleichtern will. FEMtech setzt strukturelle Maßnahmen und will den Weg für Nachwuchswissenschaftlerinnen ebnen. Projekte mit Genderaspekten haben außerdem die Möglichkeit, Fördergelder über FEMtech FTI-Projekte zu lukrieren. Einreichungen können, je nach Programm, laufend oder zu Ausschreibungen erfolgen. Neben diesen drei Förderschienen beschäftigen sich die MitarbeiterInnen im Bereich FEMtech Argumente mit dem Monitoring nationaler und internationaler Forschung und können damit der FEMtech Öffentlichkeitsarbeit relevante Daten liefern. liS

ak.bild

Erste Uni mit mehrheitlich Professorinnen Vieles wird neu an der 300 Jahre alten Akademie der bildenden Künste Wien. Wände werden umgeworfen, neue wieder eingezogen. Die Gemäldegalerie wird erstmals seit 1982 renoviert. Doch nicht nur an der Bausubstanz wird gewerkt. Auch die personelle Struktur wird aufgefrischt. Beispielsweise folgt die Philosophin Ruth Sonderegger Peter Sloterdijk nach. Eine neue Professorin von vielen. Als erste österreichische Universität verzeichnet die Akademie der bildenden Künste damit einen Frauenanteil von mehr als fünfzig Prozent in der ProfessorInnengruppe. Eine Schlagzeile wert! Warum eigentlich? kaiv www.akbild.ac.at

studie

Mehr Gründerinnen in die Forschung! w-fFORTE hat eine neue Studie veröffentlicht:„Gründerinnen in Österreich – Vergleich internationaler Förderungsmodelle für forschungsund technologieintensive Unternehmensgründungen“ befasst sich mit den Rahmenbedingungen, aktuellen Statistiken und internationalen Erfolgsmodellen von Unternehmungsgründungen von Frauen und empfiehlt einen Maßnahmenkatalog (z.B. mehr Geschlechtergerechtigkeit, bessere Vernetzung von Förderstrukturen etc.). be www.w-fforte.at

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jubiläengewaltschutz

Soll und Haben 30 Jahre Frauenhäuser in Österreich, 20 Jahre Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser, 10 Jahre Frauenhelpline gegen Männergewalt. Was erreicht wurde, und wo Handlungsbedarf besteht. Von Sabine Klein

Links: Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser www.aoef.at Frauenhelpline gegen Männergewalt 0800/222 555 www.frauenhelpline.at Was ist CEDAW? www.frauen.bka.gv.at

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Viele unserer Mütter und (Ur-)Großmütter können noch ein Lied davon singen: Wie es war, sich in den eigenen vier Wänden bedingungslos einem männlichen Familienoberhaupt unterordnen zu müssen. Was es bedeutete, Monat für Monat mit einem gnadenhalber zur Verfügung gestellten „Haushaltsgeld“ wirtschaften zu müssen, das unter Umständen auch noch für die Winterstiefel der Kinder ausreichen musste. Wie es sich anfühlte, unter einem Dach mit jemandem zu leben, der zur Durchsetzung seiner „Rechte“ als Haushaltsvorstand Vater Staat hinter sich hatte. Zum Beispiel dann, wenn die Frau den einfachen Wunsch hatte, ihr eigenes Geld zu verdienen. Noch in den 1970er Jahren war häusliche Ge-

walt geradezu „rechtlich verbrieft“, wie Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) anlässlich des Jubiläums 30 Jahre Frauenhausarbeit in Österreich betonte. Wer nicht „ordentlich spurte“, wurde eben mit Nachdruck auf Schiene gebracht, denn wer nicht hören will, muss bekanntlich fühlen. In den Köpfen vieler ist das frühere Züchtigungsrecht nach und nach in eine Art Gewohnheitsrecht übergegangen. Erfolgsgeschichte? „Gewalt gegen Frauen ist die Manifestation der historisch gewachsenen Machtungleichheit zwischen Männern und Frauen, die zur Dominanz der Männer über Frauen, zur Diskriminierung und Behinderung von Frauen geführt hat. Gewalt ist

einer der entscheidenden sozialen Mechanismen, durch den Frauen in einer untergeordneten Position gehalten werden“, heißt es in der Deklaration der Vereinten Nationen zur Eliminierung von Gewalt an Frauen aus dem Jahre 1993. Damals war das erste österreichische Frauenhaus, das in Wien eröffnet wurde, bereits 15 Jahre alt. Inzwischen ist die Zahl der Frauenhäuser und Frauennotwohnungen auf 30 angewachsen, der Kampf gegen häusliche Gewalt gewissermaßen institutionalisiert, was aber nicht bedeutet, dass Einrichtungen dieser Art inzwischen obsolet geworden wären. Wenn in diesem Zusammenhang der Ausdruck „Erfolgsgeschichte“ überhaupt zulässig ist, sollte der Blick zurück dennoch nicht im Vordergrund


gewaltschutzjubiläen stehen, also nicht die Frage, gestellt werden, was bereits erreicht wurde, sondern vor allem, woran es (immer noch) fehlt. Gesellschaftspolitisch betrachtet besteht auf den ersten Blick der vielleicht größte Erfolg in der Tatsache, dass es in den letzten 30 Jahren gelungen sei, das früher tabuisierte Thema „häusliche Gewalt“ besser sichtbar zu machen, sagt Rösslhumer. Damit hätten gewalttätige Übergriffe in den eigenen vier Wänden zwar nicht aufgehört, aber dass Gewalt kein Kavaliersdelikt ist, sei inzwischen im allgemeinen Bewusstsein besser verankert. Das zeigt sich nicht zuletzt darin, dass das umfassende Angebot der Frauenhäuser immer häufiger angenommen wird. Auch von Migrantinnen, worin aber weiterhin eine der größten Herausforderungen für die Zukunft liegt.

und traumatisierte Frauen und Kinder muss weiter vorangetrieben werden.

dem Fall parteilich: Sie stehen immer auf der Seite der Frau.

Abgesichert? Die finanzielle Lage der Frauenhäuser ist in manchen Bundesländern aber geradezu prekär. Während in der Stadt Salzburg seit Ende letzten Jahres ein modernes Haus als Zufluchts- und Betreungsstätte zur Verfügung steht, ist das Tiroler Haus baufällig. Überhaupt ist die Finanzierung grundsätzlich den Ländern vorbehalten und deshalb unterschiedlich: Während sie in Oberösterreich, Kärnten, der Steiermark und dem Burgenland gesetzlich verankert ist, kämpfen Frauenhäuser in anderen Bundesländern bisweilen ums Überleben. Das Modell der reinen Tagsatzfinanzierung führte in der Steiermark zu Verschlechterungen, die Wiener Frauenhäuser sind hingegen durch einen unbefriste-

Go global! Das diesjährige dreifache Jubiläum, das mit einer zweitägigen Fachtagung inklusive Festakt Anfang Oktober in Salzburg begangen wurde, haben Frauenhausmitarbeiterinnen aus ganz Österreich zum Anlass genommen, sich mit Kolleginnen und Gewaltschutz-ExpertInnen aus dem In- und Ausland zu vernetzen. Der Austausch und gemeinsame Blick über den Tellerrand ist manchmal schmerzhaft, weil die Mängel und Bedürfnisse noch viel deutlicher hervortreten. Zugleich aber sind Betrachtungen im Kollektiv auch immer lösungsorientierter und bieten grundsätzlich einen differenzierten Umgang mit komplexen Themen. Das galt auch für die am 8. September abgehaltene erste Internationa-

Während 2006 Opfer und Täter zu 61 Prozent ein Verwandtschafts- bzw. Bekanntschaftsverhältnis hatten, ist die Zahl innerhalb eines Jahres inzwischen auf 70 Prozent gestiegen. Ein weiterer Teilerfolg liegt in der Realisierung des inzwischen auf internationaler Ebene oft kopierten Gewaltschutzgesetzes von 1997. Eine Weiterentwicklung steht an – wie und ob sie umgesetzt wird, ist aufgrund der politischen Situation derzeit nicht absehbar.

ten Vertrag abgesichert. Gleichzeitig fehlt es in Österreich gemäß einer Empfehlung des Europäischen Parlaments, die pro 10.000 EinwohnerInnen einen Frauenhausplatz vorsieht, an Plätzen, vor allem in den ländlichen Bereichen. Und es gibt bislang keine österreichweite Vereinbarung, wonach Frauen bundesländerübergreifend betreut werden können.

le Frauenhaus-Konferenz in Kanada, an der 800 Expertinnen aus 51 Ländern teilgenommen haben. Rosa Logar, Frauenhausmitbegründerin der ersten Stunde und Geschäftsführerin der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie, die gemeinsam mit Maria Rösslhumer eingeladen war, nutzte die Gelegenheit, um auf die UNO-Konvention zur Beseitigung jeder Form der DisEine von fünf. Schätzungen zufolge wird kriminierung der Frau (CEDAW) hinzuin Österreich jede fünfte Frau misshandelt, jede Zweite gibt an, in ihrem BeParteilich aus Prinzip. Alle diese Punkte ste- weisen, die in Österreich seit 1982 in kanntenkreis von einer misshandelten hen dem Frauenhaus-Grundprinzip der Kraft ist. In ihrem Beitrag ging sie auf Frau zu wissen. Die Dunkelziffer liegt unbürokratischen Soforthilfe diametral zwei Mordfälle ein, die sich 2002 und 2003 in Österreich ereignet haben und naturgemäß höher. Eine nicht abschätz- gegenüber. Im gleichen Maße wird dadie dem CEDAW-Komitee zur Kenntnis bare Anzahl von betroffenen Frauen durch der Grundsatz von Hilfe durch gebracht wurden. Das Komitee warf in schafft es aus Scham und Ohnmacht Selbsthilfe untergraben. Frauenhäuser seinem Gutachten den österreichischen nicht, sich jemandem anzuvertrauen – distanzieren sich dezidiert von der reiund das mit oft dramatischen Folgen. nen „Verwaltung“ von betroffenen Frau- Behörden mangelnden Schutz von Frauen vor und gab eine Reihe von EmLaut Kriminalstatistik des Bundesmini- en: Sie bieten Schutz und gleicherpfehlungen ab. Besonders tragisches steriums für Inneres passiert die Hälfte maßen Begleitung und Betreuung aller Morde im sozialen Nahraum, also durch qualifizierte Fachkräfte. Während Detail: Beiden Frauen wurde die Ermordung durch ihre Ehemänner wiederholt unter Familienmitgliedern und Bekann- der Dauer ihres Aufenthalts sollen die ten. Die Opfer sind meist Frauen und aufgenommen Frauen aus eigenem An- angedroht. Die internationale Vernetzung der Frauenhäuser schafft nicht Kinder. Während 2006 Opfer und Täter trieb zurück in ein selbstbestimmtes nur eine breitere Öffentlichkeit für derzu 61 Prozent ein Verwandtschafts- bzw. und gewaltfreies Leben finden – dieser lei Vorfälle, sondern hilft auch in einem Bekanntschaftsverhältnis hatten, ist die Zugang bedeutet übrigens auch, dass globalen Kontext, den Sinn für das WeZahl innerhalb eines Jahres inzwischen eine Frau sich erst dann von ihrem gesentliche nicht zu verlieren: ein würdeauf 70 Prozent gestiegen. Diese Zahlen walttätigen Mann trennt, wenn sie volles und gewaltfreies Leben für alle sprechen für sich: Der Ausbau des Beselbst es für richtig hält. Die FrauenFrauen. Überall. ❚ treuungsangebotes für misshandelte hausmitarbeiterinnen sind dabei in jenovember 2008 an.schläge 29


kulturan.riss Tochter bis hin zur einsamen Kämpferin. Zu sehen werden einige bekannte, aber auch viele unbekannte Filme sein, Hollywood-Klassiker ebenso wie alternative Movies. Darstellung und Wahrnehmung von Wissenschafterinnen stehen im Mittelpunkt. Offensichtlich wird dabei auch die häufige Sexualisierung der wissenschaftlichen Kompetenz der Frauen. Besonders hervorzuheben ist der norwegisch-schwedische Film „Die Farbe der Milch“, der in Kooperation mit dem Kinderfilmfestival gezeigt wird und von einem Mädchen handelt, das Wissenschafterin werden will, um den Nobelpreis zu bekommen. Die Filmreihe „Wissenschafterinnen im Film“ bildet den Abschluss der Visibility Maßnahmen des Wissenschaftsministeriums zum Thema Wissenschafterinnen 2008 „Wissenschaft von Innen". syb 20.-27.11., Votiv Kino, 1090 Wien, Währinger Straße 12, Karten unter T. 01/ 317 35 71 oder www.votivkino.at

a u s s te l l u n g

Neue Pfade des Gedenkens

film

„Das Treten ist wohl spezifisch männlich … … Ob darum Getretenwerden weiblich ist, lasse ich dahingestellt. Jedenfalls ist das Nicht-Treten weiblich.“ Mit diesem biologistischen Machosager erklärte 1953 der niederländische Psychologe und Anthropologe F.J.J. Buytendijk den Fußball zum originären Männersport. Dass er und alle anderen Platzhirsche mit dieser Ansicht schief gewickelt sind, zeigt ein preisgekrönter Film, der bereits im April in den deutschen Kinos anlief und den „identities. DISTRIBUTION“ nun auch nach Österreich bringt. „Football Under Cover “ begleitet ein Berliner Frauenbezirksteam 2006 in den Iran, wo vor über tausend begeisterten weiblichen Fans gegen die iranische Frauennationalelf gespielt wird. Im traditionellen Tschador und mit Tugendwächterinnen im Stadion – doch auch mit zwei Stück Bein pro Spielerin, was das Treten – mal rein biologistisch argumentiert – unzweifelhaft zur Frauensache macht. Kreuzberg gegen Teheran ist (fast) eine Spielzeit lang politischer, beinharter und vor allem richtiger Fußball auf der Leinwand. Weil Damenfußball ein Märchen ist, das nicht einmal für Gute Nacht-Geschichten taugt. In diesem Sinne: Let’s kick it! nad FOOTBALL UNDER COVER: ab 21.10. im TOP KINO, 1060 Wien, Rahlgasse 1, www.football-under-cover.de, www.identities.at

film.reihe

Wissenschafterinnen im Film Von 20. bis 27. November findet man Wissenschafterinnen dort, wo man sie sonst nicht erwarten würde – im Film. Das Votivkino zeigt 14 ausgewählte Spiel- und Dokumentarfilme aller Genres, in denen Wissenschafterinnen eine zentrale Rolle spielen. Präsentiert werden die verschiedensten Rollenklischees – von der unterwürfigen Assistentin über die brave 30 an.schläge november 2008

Wer durch Wien geht, braucht nicht lange, um Denkmäler oder Gedenktafeln zu entdecken, Mozarts oder Beethovens Wohnungen sind schnell gefunden. Doch diese Erinnerungskultur ist bekanntlich männlich geprägt, die Wege zu den Wohn- und Wirkungsstätten wichtiger Frauen wie Margarete Schütte-Lihotzky oder Elise Richter sind weit weniger gut beschildert. Diesen Umstand zu ändern hat sich die Ausstellung „Stadt der Frauen“ in der Wienbibliothek zum Ziel gesetzt. 300 Kurzbiographien werden präsentiert und topographisch zugeordnet. So wird ersichtlich, dass beispielsweise die Gegend um den Prater im zweiten Bezirk geradezu ein Ballungszentrum der Geschichte berühmter Frauen ist. Die Ausstellung bietet zusätzlich ein reiches Rahmenprogramm an, etwa Stadtführungen und Gesprächsreihen. Am 27. November gibt es die „StadtFlanerie“ zum Thema Anarchistinnen, Tänzerinnen und Demonstrantinnen – Frauen auf dem Weg von der Burggasse bis zur Gumpendorfer Straße. syb 24.10.- 26.6. 2009, Wienbibliothek im Rathaus, 1082 Wien, post@wienbibliothek.at, www.wienbibliothek.at

clowninnen-festival

Der Clown als Frau als Lachnummer Beim zweiten Mal dürfen wir es Tradition nennen: Nach einem im Dezember 2006 im Wiener KosmosTheater erfolgreich zelebrierten „internationalen clownfrauenfestival“ sind sie wieder in der Stadt, die Frauen, die zeigen, dass Humor – allen Unkenrufen zum Trotz – gleichermaßen ein Talent von Frau und Mann ist. Neun Tage lang, von 28.11. bis 6.12., bespielen international berühmte aber auch neu entdeckte Clowninnen aus Brasilien, Argentinien, Israel, England und Österreich, wie es die Tradition verlangt, die Bühne in der Siebensterngasse. Neben dem „Festival Internacional de Pallasses“ in Andorra und dem „Festival Esse Monte de Mulher Palhaca“ in Rio de Janeiro wird Wien damit zum dritten Podium für die feine Kunst der Clownerie. Den Auftakt macht der Eröffnungsabend mit einem Überraschungsprogramm teilnehmender Künstlerinnen und GästInnen. Es folgen Inszenierungen, welche u.a. die auf den Mann abonnierte Weltliteratur umschreiben („Donna Quichotte. Ein Tag mit der Heldin von der ritterlich-traurigen Gestalt“) oder über uns allen bekannte Zustände fabulieren („Sand im Badeanzug“). Für PraktikerIn-


nen gibt es in einem Einführungsworkshop clownesken Experimentierraum. Und ein Diskursabend mit Vorträgen und Podiumsdiskussion befragt „Frauen im Spannungsfeld ‚Kunst – Humor – Armut’“ („Wenn die Armut weiblich ist, wieso ist dann die Kunst männlich dominiert?“). Das Festival verspricht nicht nur „respektlos, rasant, radikal“ zu werden, sondern auch „wunderbar böse und tabulos“. Hemmungslos und laut zu lachen ist halt doch die halbe Miete. nad 28.11.-6.12., CLOWNIN internationales clownfrauenfestival 2008, KosmosTheater, 1070 Wien, Siebensterngasse 42, T. 01/523 12 26 oder www.kosmostheater.at, Kosten:14,-/12,- Euro, Diskurs und Closing Party bei freiem Eintritt

Michèle Thoma

Chicks on Speed

Ghetto Kids

guerilla.convention

ARGE Guerilla Convention08 Von 13. bis 22. November setzt die ARGE Kultur Salzburg im Rahmen des „basics festivals“ einen Guerilla-Schwerpunkt und präsentiert ein äußerst reichhaltiges Programm. Eröffnet wird die Convention mit der Theater-Eigenproduktion „Blaue Blume“, in dessen Mittelpunkt die Selbstinszenierung steht. Spannend verspricht auch die Lesung von Jutta Ditfurth am 16. November zu werden die aus ihrem Buch „Ulrike Meinhof. Die Biographie“ lesen wird, für das die Sozialwissenschafterin sechs Jahre lang recherchiert hat. Ein weiterer Höhepunkt ist die Storytelling Session mit Ange Taggart am 19.November. Die Gründerin der Webseite mydadsstripclub.com erzählt von den Video-, Performance- und anderen Kunstaktionen des My Dads Strip Club. Ange Taggart wird einige Tage später auch einen Beitrag zu einem Workshop für subversive Strategien im alltäglichen Konsumverhalten liefern. Ein absolutes Muss ist die Closing Party der Convention, die unter dem Motto „A revolution I can’t dance is not my revolution“ stehen wird. Als „Headliner" des Abends treten die beiden Chicks on SpeedGründungsmitglieder Alex Murray-Leslie und Melissa Logan an die Plattenteller. Auch ein Liveact von Electric Indigo & irradiation steht auf dem Programm. syb 13.-22.11, ARGEkultur Salzburg, 5020 Salzburg, Josef-Preis-Allee 16, www.argekultur.at

– Du hast ja keine Ahnung. Du lebst ja in einer Micky-Maus-Welt. Du weißt nicht, wie es ist. Du gehörst nicht zur Zielgruppe. Du gehörst nicht zur Zielscheibengruppe. – Zu welcher Zielscheibengruppe? – Hat vor dir schon jemand mit dem Messer in der Hand rumgetanzt, in der U-Bahn? Hat dir schon jemand das Handy geraubt? – Wirst du 1.000 Mal an einem Abend gefragt, what your name is? Wirst du deppert angeschaut, weil du einen Mini trägst? – Wenn man euch hört, denkt man, ihr wachst in der Bronx auf, ihr seid Ghetto- Kids. Eure Freunde haben alle Hautfarben. – Die meinen wir ja nicht. Die sind ja wie wir. Die sind hier aufgewachsen. Die wissen, wie man sich benimmt. Außerdem wählen die auch Strache. Die haben selber die Ausländer satt. – Ihr seid 16. 20. 23. 26. Ihr wurdet in eurer Kindheit nicht missbraucht und nicht verprügelt. Ich gebe zu, ihr musstet jeden Tag an die frische Luft und ihr bekamt Reiswaffeln statt Schokokekse. Ich weiß, ihr habt auch eure Traumata. Aber so traumatisiert, dass ihr den blauen Hai wählt, seid ihr auch wieder nicht. – Kein Wunder bei einer linksradikalen Mutter, die uns japanische Wörterbücher und biologische Knetmasse zum Geburtstag schenkte. – Ein Schulabbrecher, der, wenn er Vernunft annimmt, jederzeit wieder einsteigen kann. Ein Student. Eine im Verkauf jobbende Ex-Studentin. Eine Studentin. Ihr habt so viele Möglichkeiten. – Wir leben nicht in den Sechzigern. Das ist nicht Love and Peace. Hast du eine Ahnung, wie es an der Uni zugeht? Da sitzen 1.000 Leute im Hörsaal. – Wenn ich die Überstunden nicht mache, bin ich weg. – Eine von euch, immerhin, wählt Grün. Drei von euch den blauen Hai. Oder tut ihr nur so? Tut ihr nur so, um mich zu schockieren? Tut ihr, als würdet ihr den mit dem blauen Freundschaftsband wählen, um mich zu erschrecken? Seid ihr dem Alter nicht schon ein bisschen entwachsen? Jede(r) 2. unter 20. Jede(r) 3. unter 30. Ihr habt es geschafft. Die Grünwählerin hat verschlafen. Ich beginne, zu erschrecken. november 2008 an.schläge 31


lotteingrisch

„Das Jenseits ist keine Party“ Bei Lotte Ingrisch ist immer Open House für Geister. In ihrem Hofburg-Domizil empfängt Österreichs bekanntestes Medium aber auch Michèle Thoma äußerst gastfreundlich und erzählt ihr von besessenen Haustieren, prügelnden Dämonen und vom großen Glück, im Alter ein wenig gaga sein zu dürfen. an.schläge: In Ihrem Buch „Geisterknigge“ erzählen Sie, Sie hätten die unbewusste und unfreiwillige Fähigkeit, sich zu bilokalisieren, also an verschiedenen Orten gleichzeitig zu sein. Wie hoch ist meine Chance, mit dem Original hier zu sitzen? Und ist dies von Belang? Lotte Ingrisch: Es ist sicher von Belang. Ich vermute, dass wir nie genau wissen, ob wir dem Original gegenübersitzen oder einer Erscheinung. Ich bin zweimal im Fernsehen aufgetreten und bin nie dort gewesen. Im Waldviertel, dem österreichischen Tibet, hat mein Mann mich als Lichtkugel gesehen, groß wie eine Sonne oder klein wie eine Orange. Zur gleichen Zeit lag ich steif und eiskalt im Bett. Vom Teilchenkörper, unserem materiellen Körper, kann sich der Quantenleib, den ich nicht Seele nennen will, ablösen. Paracelsus nannte ihn siderischen Leib oder Astralkörper, andere 32 an.schläge november 2008

Kulturen nennen ihn Hauchkörper. Offenbar existieren wir in wechselnden Zuständen, die einander nicht ausschließen. Ich bin tief betrübt, dass ich es nicht registriere und nicht bewusst herbeiführen kann. Da könnte man jeden Schabernack treiben! Wir liegen mit dem Liebsten im Bett, und „in Wirklichkeit“ liegt er mit einer anderen Liebsten im Bett. Vielleicht begegnen sich hier zwei Kopien zum Interview? So ist es! Wir erscheinen in vielen Zuständen. Jeder hat eine eigene Frequenz. Wenn wir die Frequenzen wechseln, erscheinen wir anderswo, manchmal auch als andere. In Ihrem und vielleicht auch unserem Kosmos spuken Tiere und Pflanzen. Müssen wir uns fürchten, von unseren verdorrten Topfpflanzen heimgesucht zu werden?

Geist kann in jede biologische Ordnung eintreten. Es gibt Menschen, die von Toten oder Lebenden besessen sind. Nach dem Tod von zwei Katzen hat mein Kater Goldi deren Gewohnheiten angenommen, gezittert und nicht gegessen. Exorzisieren wollte ich meinen geliebten Kater nicht lassen! Ich habe also selber das Weihrauchfassl geschwenkt und Tüpferl und Schneuzlein beschworen, in mich hineinzufahren. Ich würde sie sicher verkraften! Stellen Sie sich ein von einem Serienmörder besessenes Gänseblümchen vor! Haben Sie Bewusstseinserweiterung mit Waldviertler Stechäpfeln, religiösen Ritualen oder esoterischen Techniken trainiert? Eine Rose blüht auch von selber. Sie verwendet keine Technik, um sich dem Sonnenlicht zu öffnen.


ingrischlotte Sie wenden sich eher der Naturwissenschaft als der Esoterik zu. Quantenphysik ist in der rechten Gehirnhälfte angesiedelt. Sie ist eine weibliche Wissenschaft. Die materialistisch-mechanistische Wissenschaft ist männlich, die fließende, translogische Wissenschaft, die die Gegensätze auflöst, ist weiblich. Die geniale weibliche Logik! Sie pflegen einen freundschaftlichen Umgang mit Verstorbenen. Wie finden diese Begegnungen statt? Jörg Mauthe, der erste Jenseitige, der mich besuchte und der mir das „Donnerstagebuch“ diktierte, antwortete auf meine Frage, wer eigentlich das Buch schreibe, er oder ich, dass es kein Ich und kein Du gebe. „Hör auf, die Lotte Ingrisch zu sein, und wir sind sofort wieder zusammen“, sagte mir mein Mann Gottfried von Einem. „Das Jenseits ist kein Jenseits des Lebens, sondern ein Jenseits des Ich.“ Das Ego trennt uns von allem anderen, auch von den Jenseiti-

Ähnlichkeit, der Resonanz. Ich bin ja kein besonders böser Mensch. Vielleicht hat Sie Ihr Mann verprügelt. Das kann ich ausschließen. Mein Mann war das Gegenteil eines Patriarchen. Besucht Ihr Mann Sie noch regelmäßig, und in welcher Form? Ich spüre seine Präsenz plötzlich, ich weiß, er ist in mich eingetreten, dann ist die Kommunikation total da. Dann ist lange Zeit nichts. Kommt der Moment, an dem der Verstorbene Fernweh kriegt und den Anker löst? Gibt es ewige Liebe zwischen Menschen oder Ex-Menschen? Im ersten Jahr, als mein Mann gestorben war, fragte ich ihn, dumm und sentimental wie ich bin, ob er mich noch liebe. „Weder liebe ich dich noch habe ich dich gern“, antwortete er, „und es wäre gut, wenn auch du unsere Liebe von allen Emotionen befreist. Das Jenseits ist keine Welt der Gefühle, das Jen-

weibliches Prinzip. Ich schrieb das Libretto „Jesu Hochzeit“ für meinen Mann, der meinte, er könne die Oper nur schreiben, wenn Jesus eine Frau ist. Ich bereue zutiefst, dass ich Jesus im Libretto nicht als Frau dargestellt habe. Die Botschaft der Sanftheit und Liebe ist eine weibliche Botschaft. Jesus ist der weibliche, kosmische Pol des Menschen. Yahwe hingegen ist ein ziemlich grauseliges Mannsbild. Das Geschlecht ist ein Rollenspiel. Die primären und sekundären Geschlechtsmerkmale spielen nicht die Hauptrolle. Es soll erlaubt sein, das Geschlecht und die Rolle zu wechseln. Das Thomas-Evangelium zitiert Jesus: „Wenn Ihr nicht werdet Mann und Frau, könnt ihr nicht eingehen ins Paradies.“ Nach C. G. Jung müssen Animus und Anima sich vermählen. Dem Tod nähern Sie sich unbefangen, beinahe spielerisch. Wie soll man diese kindliche „Begeisterung“ auf dem Horrortrip trainieren, als den die Men-

Nach dem Tod von zwei Katzen hat mein Kater Goldi deren Gewohnheiten angenommen, gezittert und nicht gegessen. Exorzisieren wollte ich meinen geliebten Kater nicht lassen! Ich habe also selber das Weihrauchfassl geschwenkt und Tüpferl und Schneuzlein beschworen, in mich hineinzufahren. Ich würde sie sicher verkraften! Stellen Sie sich ein von einem Serienmörder besessenes Gänseblümchen vor! gen. Der erste Tod ist die Auflösung des materiellen Leibes, der zweite Tod die glückliche Auflösung des Ego. Wer sie verweigert, bleibt ein Gespenst. Für mich waren es persönliche Begegnungen. Der verstorbene Schauspieler Ulrich Mühe erlebte mich aber als eine Art Sog. Ich gerate in ein Informationsfeld, dem viele, auch zeitlich voneinander getrennte Personen angehören können. Diese Information durchdringt mich. Laut meinem Mann bin ich eine Antenne, die aufnimmt und sendet. Ich versuche, dies so rein wie möglich zu tun. Aber ein bisschen privater Mist kommt immer rein. Was ist, wenn ungebetene Gäste kommen? Das passiert mir kaum. Einmal wachte ich mit einem schwarzen Gesicht auf. Die Katzen fürchteten sich vor mir. Eine Ärztin meinte, ich sei von Dämonen verprügelt worden. Da begann ich mich ein bisschen zu fürchten. Ich dachte immer, es gäbe ein Gesetz der

seits ist eine Welt der Gedanken.“ Das Diesseits und Jenseits sind verschiedene Zustände des Bewusstseins. Es gibt ein Zwischenreich, einen Korridor, das Tibetische Totenbuch nennt es „Bardo“, in dem die Kommunikation aber noch möglich ist. Die Vorstellung, im Jenseits von lieben Vorfahren empfangen zu werden, ist tröstlich. Beim Sterben scheint es dieses Empfangskomitee zu geben. Im Augenblick des Todes beginnt eine Phase der totalen Einsamkeit, die sich manchmal sehr verstörend auswirkt. Ich schreibe das, damit die Menschen nachher nicht enttäuscht sind. Die Toten, mit denen ich Kontakt habe, sind alle allein. „Das Jenseits ist keine Party“, sagt mein Mann. Kommt Frauen eine besondere Rolle zu? Spielt das Geschlecht im Jenseits eine Rolle? Im Jenseits gibt es kein Geschlecht und keinen Charakter. Aber Jesus ist ein

schen immer – in unserer Gesellschaft extrem – das Alter empfinden? Das Alter ist wahnsinnig komisch. Man kann darüber weinen oder lachen. Ich nehme mir die Freiheit zu sagen, ich bin alt, ich habe jeden Anspruch darauf, gaga zu sein. Man darf sich gehen lassen, weggehen. Im besten Sinn. Man sollte mit dem Alter einen lockeren Umgang pflegen. Das Wichtigste ist der Humor. Im letzten, sehr berührenden und weisen Buch „Die schöne Kunst des Sterbens“ offenbaren Sie uns die Lebenswelten eines sehr alten, sterbenden und dann verstorbenen Menschen. Dieses Buch liegt mir so am Herzen! So wie das Sterberecht. Ich bedanke mich bei Ihnen für das Interview … Oder bei Ihrem Double! Machen Sie Propaganda für das Sterben! Das ist nicht so einfach. Sterben ist besser als ein Orgasmus! ❚

LOTTE INGRISCH Geboren 1930. Romane, Drehbücher, Sachbücher, Libretti, u.a.„Donnerstagebuch“,„Reise ins Zwielichtland“,„Geister-Knigge“. Zuletzt von ihr erschienen:„Die schöne Kunst des Sterbens“. Ingrisch engagiert sich für das Sterberecht und gegen die Ausrottung der Geister. Sie ist die Witwe des Komponisten Gottfried von Einem.

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lesbischefilmtage

Fo t o : Fi l m s t i l l X X Y

le.f.t. ist anders|wo Lesbischer Graz-Tourismus. Das gibt es nur alle zwei Jahre – zu den lesbischen Filmtagen. Eine Reiseempfehlung von Jenny Unger Eine Wienerin, so wie ich eine bin, oder eine, die in Wien wohnt, die fährt nach Graz zum Steirischen Herbst, wenn sie Kunst mag und dann fährt sie noch mal nach Graz zu den lesbischen. film.tagen. Früher mal sind die aus dem Südburgenland auch zu Kastner und Öhler nach Graz gefahren. Um einzukaufen. Aber jetzt fahren die, die aus dem Südburgenland sind und in Wien leben, selten nach Graz zum Uhrturm. Keine Ahnung. Graz? Aber ein Thema ist Graz schon: Letztens in der Arbeit haben wir über Graz geredet. Über die Größe von Graz. Dass es doch kleiner ist, als wir vermutet haben. 253.000 EinwohnerInnen. Und nicht die „sicher 34 an.schläge november 2008

mehr als eine halbe Million“, wie wir so in unserer Runde gedacht haben. Und als das klar war, dass Graz so klein ist, hab ich auch verstanden, was die Freundin, die lesbische Bekannte, gemeint hat mit „dass dieses Graz zu klein ist und dass sie so mehr braucht und dass sie deshalb jetzt seit einem halben Jahr in Wien wohnt“. Und dann hab ich auch gedacht an die anderen Frauen, die von Graz nach Wien gezogen sind. So rund um mich, da sind schon ein paar. Die V., die B., die M., die E., die T. Früher waren die alle in Graz. Und jetzt sind sie in Wien. Weil das größer ist, weil da mehr los ist. Dabei war ich doch vor zwei Jahren in Graz. Bei le.f.t. Bei den lesbischen. film.tagen.

lesbische.film.tage vor zwei Jahren. Da war ich, und da war viel los. Da waren so viele Frauen und Menschen und so viele Dinge zu tun, und da war so viel zu sehen. Mit der Jetzt-Exfreundin war ich dort. Und damals hab ich gar nicht verstanden, warum die Leute aus Graz weggehen, wenn da eh so viel los ist. Eine ganze Woche war ich dort. Da war ein tolles Fest, und da war das Lokal und das und das. Und Kino war halt auch. War ich ja für die lesbischen.film.tage da. Und im Kino selbst war auch so viel los. Also warum die aus Graz weggehen? Und den Uhrturm, den haben sie ja auch in Graz. Und das Grün. Das hat eine in Wien ja nicht unbedingt. Gut, ich wohn beim Prater, aber einen Uhrturm


filmtagelesbische hab ich deswegen noch lange nicht. Ich würde nicht weggehen aus Graz. Wenn’s da eh so schön ist. Aber die V., die B., die M. und die T., die sagen, dass das gar nicht so ist, da in Graz. Dass das nur war wegen dem Festival. Wegen den lesbischen.film.tagen. Und dass sonst nicht viel los ist in Graz. Außer der Uhrturm halt. Der ist immer da. Aber das ist dann auch langweilig, weil der nichts Neues ist. Wahrscheinlich stimmt das, dass da nicht viel los ist in Graz. Weil sonst hätte ja die E. mit den anderen sich nicht überlegt, ein Filmfestival zu ma-

M., die fahren auch mit. Und die B. fährt wahrscheinlich auch hin. Und die H. und die S. kommen dann vielleicht auch noch nach. Schade nur, dass die P. arbeiten muss. Also im November fahren wir hin. Vom 19. bis zum 22. Zu le.f.t. Zu den lesbischen.film.tagen. Ich meine, das muss eine sich mal vorstellen: Ich geh gar nicht so gern ins Kino und fahr zu Filmtagen. Wegen dem lesbischen. In San Francisco war ich auch beim lesbisch-schwulen Filmfestival. Das ist schon so ein lesbischer Tourismus, den ich da mach. Aber ich fahr auch nach Graz, um mir Graz noch mal anzuschau-

Film ist. Der wird mir sicher gefallen. Aber für den sollt ich mir wirklich früh Karten reservieren. Den wollen sich sicher viele anschauen. Und wenn ich so an letztes Mal denke, da waren viele Filme ausverkauft. Und dabei waren sogar schon Extrasitzplätze im Kino aufgestellt. Auf der Homepage, hat die E. gesagt, kann ich ab dem 3.11. Karten reservieren. Aber ganz was anderes noch. Beim letzten Festival war die Katrin „Blaubarts Handy“ Kremmler da und hat die Eröffnungsrede gehalten. Diesmal kommt

Die V., die B., die M., die E., die T. Früher waren die alle in Graz. Und jetzt sind sie in Wien. Weil das grösser ist, weil da mehr los ist. chen. Die haben sich das halt selbst geholt, das, was sie brauchen. Ich kann das ja meistens nicht und wunder mich schon, wie einfach jemand so hergehen kann und anfangen kann, ein Filmfestival zu machen. Und dann auch noch von Anfang bis Ende durchplanen. So dass das dann auch funktioniert. Also ich trau mir das nicht zu. Aber die E. und die anderen. Die machen das einfach. Die setzen sich 2003 hin und machen das. Und dann 2004 gleich noch mal. Ich könnte das nicht. Ich hätte nicht die Energie, so was zu tun. Aber vielleicht haben die diese Energie auch aus so einer Wut, aus so einer Fadheit heraus. So, da ist nichts, und das ärgert mich, und bumm da machen wir das halt einfach selbst, wenn da nichts ist und wir vor Fadheit blöd werden. Die haben einfach was getan. Sich hingesetzt und so ein Festival gemacht. Ich jammere ja lieber lang und ewig herum und sag, dass da nix los ist, dass es da fad ist. Ich wär auch einfach weggegangen aus Graz. Nach Wien vielleicht oder am Besten gleich nach Berlin. Da sind im Moment ohnehin alle. Und da wollen immer mehr noch hin. Und in Graz bleibt dann wahrscheinlich niemand. Aber vielleicht täusch ich mich da ja auch. Vielleicht gibt es eh Frauen, Menschen in Graz. Aber die V., die B., die M., die T., die sagen was anderes.

en. Und außerdem hab ich mich letzte Woche mit der E. getroffen, und die hat so geschwärmt von den Filmen, die sie heuer zeigen werden, und war so stolz auf die Graz- und Österreich(!)-Premieren. Ich find ja, dass die E. so cool ist, weil sie das mitorganisiert. Die M. und die U. vom Festival, die kenn ich nicht so wie die E. Aber die sind sicher auch voll super und haben so einiges drauf.

Itty bitty titty committee. Das ist der Eröffnungsfilm. Der ist gut. Den hab ich schon gesehen in Wien. Wien ist immer ein wenig schneller als Graz. Darum glaub ich, freut die E. sich ja auch so über die Österreich-Premiere beim Festival. Weil da ein Film zuerst in Graz ist. Bevor der noch in Wien irgendwo war, ist der in Graz. Für Graz ist das sicher super. Für Wien nicht so, glaub ich. Aber mir ist das ja auch egal, weil mir das halt nicht so wichtig ist, wo was zuerst ist. Ich mein, ich fahr ja ohnehin nach Graz, und diesen Film werde ich mir schon anschauen. So eine Premiere. Das muss ich doch, oder. XXY heißt der Film. Argentinisch soll der sein. Und Preise hat er auch schon gewonnen. Einige. Sogar den Cannes großen Preis der Kritik. Darin geht es um eine Alex. Die ist fünfzehn und intersex. Hat die Merkmale beider Geschlechter. Konkret geht es um ihr Erwachsenwerden. Und das alles in einer Kleinstadt. Die Eltern von Eh egal. Ich schau mir das einfach Alex spielen eine große Rolle und ein Álnochmal an. Ich fahr einfach wieder varo, zu dem eine starke Anziehung da nach Graz. Im November. Mit der JetztFreundin. Mit der M.. Und die M. und die sein soll. Die E. sagt, dass es ein super

Suzana Tratnik. Die Katrin Kremmler ist eine Organisatorin vom Budapester lesbischen Filmfestival. Und die Suzana Tratnik organisiert das lesbisch-schwule Filmfestival in Ljubljana. Das find ich ja auch so super, dass die kommen, und da soll es noch mehr an Kooperation in Zukunft geben. Gut, sagt die E., ist auch „The Gymnast“. Den spielen sie am Samstag. Um 19:30. Vor dem Fest am Abend. Ein Fest muss es ja geben bei einem Festival. Sonst dürfte es ja gar nicht so heißen. Zu dem Fest hin – leider ist das dann schon das Abschlussfest, das ist in der postgarage – also zu dem Fest hin fährt ein Shuttlebus. Vom Kino weg. Da kann ich mir gemütlich den Film anschauen. Im Rechbauerkino. Und brauche mir nicht überlegen, wie ich zum Fest komm. Da will ich nämlich wirklich schon auch gern hin. Clara Luzia spielen da nämlich. Und die Clara, die hab ich schon so lang nicht mehr gesehen. Ich glaub, seit dem Amadeus Award nicht mehr. Und ina D. und Anna, von den DJanes muss ich mir ja außerdem auch ein Bild machen. Das sind schließlich Grazerinnen, wenn ich mich jetzt nicht täusche. Und die machen ja auch was in Graz. Damit was los ist in Graz. Damit nicht alle nach Wien oder sonst wo hingehen müssen. Aber vielleicht gehen gar nicht alle weg. Weil die, die in Graz bleiben, die treff ich in Wien ja nicht. Die lerne ich nicht kennen. Außer vielleicht in Graz. Und da fahr ich jetzt hin. Mit der M.. Und freu mich schon. ❚

Die lesbischen.film.tage wurden 2003 als Pilotprojekt gestartet. Seit 2004 präsentieren sie sich alle zwei Jahre als Festival mit dem Ziel, Repräsentationen lesbischer Lebensweisen außerhalb des stereotypen Hollywood-Mainstreams auf die Leinwand zu bringen. le.f.t ist eine Kooperation von Uma Höbel (Verein Frauenservice), Martina Kump (Verein Labrys) und Eva Kuntschner. www.left.at

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emoqueer

Dünne Jungs in Mädchenhosen Androgyne, miteinander knutschende Emo-Jungs sorgen zweifelsohne für Geschlechterverwirrung. Aber was machen die Emo-Mädchen derweil? Von Sonja Eismann „Wie viele Emo-Kids braucht man, um eine Glühbirne zu wechseln? Keine, sie bleiben lieber im Dunkeln sitzen und weinen.“ Oder: „Wie bringt man einen Emo zum Weinen? Man spritzt Zitronensaft auf seinen Arm.“ Witze wie diese, die im Internet kursieren, bringen die im Umlauf befindlichen Stereotype über die androgyne, melancholisch gefühlsbetonte Jugendkultur auf den Punkt: Emos sind lebensunfähig und theatralisch depressiv, weinen im stillen Kämmerlein vor sich hin und ritzen sich Selbstmord-verliebt die Arme auf. Die Ressentiments, die im Zuge der AntiEmo-Ausschreitungen in Mexiko geäußert wurden, sind lediglich eine Perpetuierung all dessen, was etablierte Jugendkulturen nachrückenden Jugendkulturen schon seit der Erfindung des Terminus’ vorgeworfen haben – und was beiden im kapitalistischen System 36 an.schläge november 2008

logisch inhärent sein muss: Ausverkauf, Inauthentizität, Ideenklau, Entindividualisierung, Konsumismus und verweichlichtes Posertum. Die Argumente, mit denen in der russischen Duma von Alexander Grischunin über einen Anti-Emo-Gesetzesentwurf nachgedacht wird, der u.a. das Tragen von einschlägigen Outfits in der Schule verbieten soll, führen hingegen den Schutz der Volksgesundheit ins Feld: Gerade weibliche Teenager würden zum Rückzug aus dem sozialen Leben verleitet, zudem mache Emo sie depressiv. Als Beispiel wird immer wieder der Selbstmord der 13-jährigen Engländerin Hannah Bond genannt, die großer My-Chemical-Romance-Fan gewesen und durch das Abgründige der Emokultur zu ihrer Tat verleitet worden sein soll. „Transvestitengesindel mit Eyeliner“. Die Anwürfe des Hagener Aggro-Rappers Gin-

Tonik, dessen Diss-Track „Emotional“ eine von zahllosen auf Youtube eingestellten, Anti-Emo-Hasstiraden ist, bringen den Kern der Abneigung gegenüber den „kleinen Emos“ da schon unverstellter auf den Punkt: „Überall Schwuchteln im Dragqueen Dress / das ist Stress für meine Augen / [...] Scheiße, Jungs stehen auf Jungs, und die Girls stehen auf Schwule, ich schwör’, es gab nie eine verstörtere Jugend“. Inmitten von Kastrations- und Tötungsphantasien äußert sich der Hass auf die Andersartigkeit der „verstörten“ Kids hier ganz unverblümt als Homophobie. Das Aushebeln der binären Geschlechterdichotomien und nicht-heterosexuelles Begehren dürfen nicht existieren, da es „alles andere als hetero“ ist und somit die von vielen Rappern so gerne angerufene patriarchale Ordnung unterminiert. Dem „Transvestitengesindel mit Eyeliner“ wird geraten, stattdessen lie-


ber anzufangen zu wichsen. Auch der Hass auf den mittlerweile fast völlig als schillerndes Anime-Phantasiegeschöpf inszenierten Sänger von Tokio Hotel, Bill Kaulitz, der nur marginal als Vertreter einer Emo-Kultur verstanden werden kann, speist sich aus demselben regressiven Wertekanon und steht dabei für eine Fortführung eines lange verloren geglaubten Androgynitäts-Diskurses in der Popmusik. Doch wo in den 1980er Jahren mit Prince und Grace Jones noch die Kategorien „Race“ und „Class“ ins Blickfeld gerückt wurden, wird Emokultur heute hauptsächlich von sehr jungen Töchtern und Söhnen der (weißen) Mittelschicht konsumiert. Bill Kaulitz – mit seiner verschleierten Sexualität und seinem feenhaften Auftreten als androgyner Prinz die perfekte Projektionsfläche für die Sehnsüchte junger Mädchen – kann aber vor allem als paradigmatisch für die Strukturierung von Begehren in Emo gelten. Emo bietet einen Zufluchtsort für Teenager, die Ambivalenzen bezüglich ihrer Sexualität nicht in „erwachsene“ Dichotomien von

Emo: where the girls aren’t. Obwohl einige der hier auftretenden Mädchen recht selbstbewusst den Wunsch äußern, doch auch einen Emo-Boy als „Spielzeug“ haben zu wollen, beziehen sich sowohl Kritik wie Affirmation des Phänomens Emo zumeist auf männliche Subjektivitäten. Auf der einen Seite als „Schwuchteln“ beschimpft – männliche Homosexualität wird bekanntlich als systemdestabilisierender wahrgenommen als weibliche –, auf der anderen Seite ein exzessives Kreisen um die eigene Sensibilität, die häufig als von Frauen verletzt dargestellt wird. Schon 2003 monierte die US-amerikanische Journalistin Jessica Hopper in ihrem Artikel „Emo: where the girls aren’t“ in der Zeitschrift Punk Planet, dass ab einem gewissen Zeitpunkt jedes Emo-Album das Konzeptalbum eines waidwunden-aber-trotzdemmännlichen Jungen gewesen sei, dem von einer Frau übel mitgespielt worden sei. Kein Wunder eigentlich, wenn man sich die Geschlechterverhältnisse

Emo bietet einen Zufluchtsort für Teenager, die Ambivalenzen bezüglich ihrer Sexualität nicht in „erwachsene“ Dichotomien von „männlich vs. weiblich“ oder „hetero vs. homo“ pressen lassen wollen. Interessant dabei ist, dass es vor allem der männliche Körper ist, der fetischisiert und „gequeert“ wird.

„männlich vs. weiblich“ oder „hetero vs. homo“ pressen lassen wollen. Interessant dabei ist, dass es vor allem der männliche Körper ist, der fetischisiert und „gequeert“ wird. Auf Websites wie emo-corner.com heißt es, Emo-Girls stünden besonders auf ganz dünne und große Emo-Jungs in engen Mädchenhosen und mit Makeup. Darüber hinaus finden sich auf der Seite zahlreiche Fotos von küssenden Jungs – und keine von küssenden Mädchen. Im Forum zur Frage „yes or no to emo boys kissing?“ wird seitenlang darüber diskutiert, ob Küsse zwischen EmoJungs nun sexy seien oder nicht – die überwältigende Mehrzahl der Userinnen (und User) plädiert für „very hot“, beklagt sich aber auch, selbst zu wenig sexy für eine Partnerschaft mit einem S c h w a r z e Fra u e n C o m m u n i t y, B i l d : Pe t j a D i m i t r o v a Emo-Jungen zu sein.

im Emo-Musikbusiness, um das es beim heutigen Modephänomen Emo zugegebenermaßen gar nicht mehr so stark geht, einmal genauer ansieht: Es gibt keine bekannte Emo-Girl-Band, und die einzige Frau, die man aufgrund ihres Stylings noch zumindest rudimentär mit dem Trend assoziieren könnte, Avril Lavigne, singt dümmlich unsolidarische Songs über das uncoole „Girlfriend“ ihres Schwarms. So taugt Emo als Herausforderung des Status Quo, was nun „maskulines“ Verhalten sei bzw. dessen Durchkreuzung mit Schminke, Mädchenklamotten und Jungsküssen – den Mädchen hat es dabei allerdings nicht wirklich viel Neues zu sagen. Die gucken aber offensichtlich gerne und freuen sich, wenn ohne ihr Zutun auf der anderen Seite auch mal was weiter geht. ❚

denice

NotVerySexy-Party For about a month ago, at the queer feminist days, this sexparty for women and transpeople was held in a swingerclub. I had missed the first sexparty held in may 2007 at ladyfest wien, and that drove me crazy for months since almost everybody talked about it for ages afterwards, and I, as the gossip queen I am, hated the fact that I couldn't join the conversations. So I was damned if I was going to miss the second one as well! Silly enough, the big FettkakaoParty was on the same day in Arena, and I was guestsinging with the lovely band Brooke's Bedroom. Even though I've been on stage probably hundreds of times, I suffer from severe stage fright. And there is absolutely no way that I'm getting on stage without at least a couple of drinks in my belly. My performance was planned for 6 pm, and I was to tend the party at 11 pm. Which means I was drunk out of my mind at 7 o'clock. Not the best fucking condition when you are cruising a packed narrow room full with sweaty bodies, trying to look hot while you barely can focus your eyes or keep your balance. Needless to say, that I probably did not look that hot. And it’s also needless to say, I did not hook up. I didn't even got hit on, once! (which I blamed on „teenage dykes with no taste or sense of class“. Loud. I was still in the club. Charming of me, I know … I do wonder why nobody else found that attractive …) The thing is, I think I did it all on purpose. I don't think I really wanted to hook up, have sex, make out in darkrooms, touch a lot of strange bodies without faces. And I have no idea why I just couldn't admit it to anybody. Hardly even to my lover (with whom I have a very cool open relationship). When I was bitching around to my roommate a year ago about missing the first sexparty, she asked me whatthefuck I'm complaining about „since your whole everyday life is a fucking sexparty anyway“, and that I don't need a special night or club to express my slutiness. And I guess that is true. It's like being funny. I can be pretty damn funny until someone asks me to or it is expected of me to stand on a stage and crack some jokes. I go totally numb. Totally boring, and so very NOT funny. So go to a sexparty with all these expectations of sexy ladies and hot boys just make me cramp up and feel anything BUT horny/excited/curious. Same kind of stagefright again. I can't flirt on command. And that is what these occasions are to me. This evening is organized for a reason. Not for getting drunk at the bar and chat with your pals, you can do that on any bloody regular evening at the bar of your choice. But this evening is there for us to get down and dirty. And I just can't get off on command. Instead of admitting this to myself and simply not go/go without pressuring myself, I got drunk and blamed everybody but myself for my incapabilities. Sorry about that. Well, I guess one always learns along the way. And I did get to do the monkeydance anyways that night. Just not there. november 2008 an.schläge 37


Piano-Herbst in schwarz-weiß Fortissimo, crescendo, pianissimo mit Silke Graf und Vina Yun.

AMANDA PALMER:Who killed Amanda Palmer? SOAP & SKIN ANTONY AND THE JOHNSONS: Another World EMILÍANA TORRINI: Me and Armini http://whokilledamandapalmer.com www.soapandskin.com www.antonyandthejohnsons.com www.emilianatorrini.com

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Das Klavier – egal ob nun Flügel oder Pianino – ist aus der Popmusik nicht mehr wegzudenken. Es ist ein machtvolles, schönes Instrument, in dessen Klang immer ein wenig Dramatik, Melancholie und Verderben mitschwingen. Die US-Amerikanerin Amanda Palmer sagt mit einem Zwinkern, hätte sie eine Schaffenspause, würde sie gerne einmal Klavier spielen lernen. Auf ihrem ersten Solo-Album Who killed Amanda Palmer? beweist sie, dass sie das eigentlich schon ganz gut kann – um nicht zu sagen: cinematoskopisch gut. Nach sieben intensiven Jahren mit The Dresden Dolls erholt sich Bandkollege und Schlagzeuger Brian Viglione nach einem „Chick-Dude-Konflikt“, wie Ms. Palmer das nennt, im Punk-Cabaret-Projekt The World/Inferno Friendship Society, während Amanda gemeinsam mit „very 70s“ Ben Folds in einem eineinhalbjährigen Prozess das Album mit der David-Lynch-Referenz im Titel einspielte. Ein anderer Held der sympathischen Sängerin, Pianistin und gekonnten Selbstdarstellerin, Neil Gaiman, verfasst für sie derzeit Kommentare zu einem Amanda-Palmer-Fotoband, der in Kürze erscheinen soll. Der Entstehungsprozess des sehr gelungenen Albums lässt sich übrigens unterhaltsam und minutiös im Netz nachlesen, kurz: Amanda-PalmerFans haben’s gerade ziemlich gut! Nicht ganz so mitteilungsbedürftig, jedoch keineswegs weniger virtuos am Piano, spielt sich die junge, aus dem Nirgendwo eines kleinen steirischen Dorfes kommende Anja Plaschg alias Soap&Skin seit einigen Jahren aus dem Schatten nach vorne ins Zwielicht.

Nach einem ersten 12-Inch-Release auf Shitkatapult gibt es nun den nächsten Zwischenschritt auf dem Weg zum ersten großen Album zu bewundern: Die unbetitelte EP kommt mit drei Stücken und einem sanft-klirrenden FenneszRemix von „Xray Heartland“ daher. Herausragend ist die Bearbeitung von Christa Päffgens (besser bekannt als Nico) „Janitor Of Lunacy“ (frei übersetzt „Türwächter des Irrsinns“), in dem Plaschgs Stimme dunkel-düster in vielen überlagernden Schichten die Kraft eines griechischen Chors sucht. Episch auch „The Sun“, dessen monotone Pianoklänge im Verlauf des Stücks zunehmend von elektronischen ergänzt und intensiviert werden. Nicht ohne Grund ziert ein Fahrrad das Cover: Nico starb unter der Sonne Ibizas bei einem Fahrradunfall. Mehr als drei Jahre nach Erscheinen des von der Musikpresse begeistert aufgenommenen Albums „I Am A Bird Now“ (2005) machen auch Antony and the Johnsons wieder von sich reden: Another World heißt die fünf Stücke umfassende EP, die eigentlich nur ein Teaser für das neue Album „The Crying Light“ ist, das Anfang 2009 erwartet wird. Trotz der längeren Schaffenspause war Sänger Antony Hegarty alles andere als abwesend, trat er doch erfolgreich beim New Yorker Disco-Projekt Hercules & Love Affair sowie als viel gefragter Gastvokalist und Duett-Partner für andere Künstler_innen wie z.B. Björk in Erscheinung. Auf der aktuellen EP begegnet uns Antony wieder als kompositionsreicher Balladeer auf dem Klavier mit vertraut bittersüßen, dunklen Liedern, dessen androgyne Stimme und zer-

brechlicher Vibrato zum Markenzeichen geworden sind. Fast scheint es, als wollten Antony & The Johnsons zu sehr auf bereits Bewährtes setzen, da erregt ein plötzlicher stilistischer Bruch Aufmerksamkeit:„Shake That Devil“ offenbart sich als ein von Swing/Boogie-Rhythmen inspiriertes, an Gospel-Strukturen angelehntes Call & Response-Stück, das mit schwungvollen Drums und Saxophon schnell Hochstimmung aufkommen lässt. Etwas dezenter pflegt die isländisch-italienische Musikerin Emilíana Torrini ihre Melancholia. Die in klassischer Opernmusik ausgebildete Sängerin, die sich ebenso für HipHop wie Trash-Metal begeistern kann, schrieb einst, zusammen mit ihrem Produzenten und Kollaborateur Dan Carey, für Kylie Minogue den subtil-verführerischen Electronic-Hit „Slow“. Nun präsentiert sie ihr drittes Album Me and Armini, das sich – nach dem von schlurfender Trip-Elektronik charakterisierten Debüt „Love In The Time of Science“ (1999) und dem lauschiger Akustik verpflichteten Follow-Up „Fisherman’s Woman“ (2005) – stilistisch äußerst versiert gibt: Reggae-Rhythmen, Tango-Elemente, klassischer Rock’n’Roll. Aufgenommen in England und Island, funktioniert das Album am wenigsten in seinen Coffee-Shopkompatiblen, von der Akustikgitarre geleiteten Singer-Songwriter-Momenten, am besten in den mehr als Track denn als Song strukturierten Stücken, in denen die sanften elektronischen Akzente durch ihren brüchigen Einsatz dem sonst so sanften Profil Emilíana Torrinis Ecken und Kanten verleihen. Davon wünschen wir uns mehr! ❚


Lieber King Kong als Kate Moss Die „King Kong Theorie“ von Virginie Despentes ist ein feministisches Manifest. Eine Rezension von Annika Nickenig Gleich zu Beginn von „King Kong Theorie“ stellt Virginie Despentes klar, für wen sie diesen Text verfasst hat: für die hässlichen Frauen, die unzufriedenen, die schlechtgefickten, die selbstzweifelnden, die niemals perfekten – um dann zu postulieren, dass alles andere ohnehin ein Trugbild ist, dass es die perfekte Frau nicht gibt und nicht geben kann. Damit ist nicht nur festgelegt, für wen, sondern auch was Despentes in ihrem Essay zu beschreiben ansetzt. Es geht ihr um die Kehrseite kultureller Bilder von Geschlecht und Sexualität, um das Aufdecken einer Realität, schonungslos und nicht beschönigend. Die französische Skandal-Autorin und Regisseurin von „Baise-moi“ widmet sich in ihrem neuesten Text auf provokative Weise den Themen Vergewaltigung, Pornografie und Prostitution und untersucht dabei gängige Meinungen und Argumentationen auf ihre ideologischen Implikationen. Das Idealbild ist für Despentes folglich nicht die perfekt inszenierte Weiblichkeit, sondern ein ganz anderes Geschöpf, das sie für besonders subversiv hält: der titelgebende King Kong, ein Wesen jenseits geschlechtlicher Zuschreibungen und ideologischer Domestizierung. King Kong lebt, bevor er gefangen und in die Zivilisation verschleppt wird, in einem paradiesischen Zustand außerhalb der heterosexuellen Normativität, in einer Art multipler Hybridität: „King Kong ist jenseits von Männlein und Weiblein. Das Biest befindet sich an der Nahtstelle zwischen Mensch und Tier, Erwachse-

nem und Kind, Gut und Böse, Primitiv und Zivilisiert, Schwarz und Weiß.“ Despentes' Statement, sie könne sich eher mit King Kong als mit Kate Moss identifizieren, betont das subversive Potenzial dieser Hybridität. In „King Kong Theorie“ ist neben der Diskussion um die unangemessene Rolle der Frau und dem Übertreten von ‚Grenzen‘ bereits der Textstatus hybrid: Das Buch ist zugleich Manifest und Ratgeber, ist autobiografische Konfession wie auch Kunst-Essay, es zitiert feministische Philosophie und Theorie sowie Ikonen der weiblichen Popgeschichte. Die Ansätze so unterschiedlicher Aktivistinnen und Künstlerinnen wie Angela Davis, Courtney Love und Virginia Woolf werden in Despentes' Text miteinander in Dialog gesetzt. Trotz dieser Elemente von Subversion und Selbstbestimmung sind es jedoch vor allem die traumatischen Aspekte, die zur Sprache gebracht werden, allen voran die Erfahrung von gewaltsamer Sexualität. Dabei fordert Despentes etwa für Betroffene von Vergewaltigungen das Recht, das Erfahrene als das benennen zu dürfen, was es ist, und wendet sich gegen Argumentationen, Restriktionen und Ratschläge, die jungen Mädchen eine Mitschuld an dem Geschehen geben, weil sie sich nicht vorsichtig genug verhalten haben oder weil sie danach weiter leben wie bisher. In diesen Argumentationen, und dies gilt auch für die Themenbereiche Prostitution und Pornografie, finden sich immer wieder Provokationen, Widersprüche, ambivalente und streitbare Statements, die jedoch gängige Diskur-

se und Ideologien auszuhebeln versuchen. Diese nämlich werden in den wenigsten Fällen von dem Wunsch nach besseren Lebensbedingungen für Sexarbeiterinnen getragen, sondern dienen häufig vielmehr dazu, die bestehenden hierarchischen Verhältnisse weiter zu stützen. Despentes' Darstellung von Prostitution und Pornografie als Möglichkeiten der Selbstbestimmung, in denen die bürgerliche Sexualmoral unterwandert wird, sind deshalb nicht als Verherrlichung zu verstehen, sondern als realistische Berücksichtigung der Tatsache, dass die Hierarchie grundsätzlich Bestandteil der heterosexuellen Beziehung ist. Die sexuell manifestierte Gewalt des Mannes über die Frau ist, Despentes' Ansicht nach, „in Wahrheit das Herzstück, der Sockel unserer Sexualität“. Die Rückbindung der sexuellen Gewalt an eine kunstgeschichtliche Tradition macht zudem deutlich, welch bedeutende Rolle der Repräsentation oder (ästhetischen) Darstellung von Sexualität und Geschlechterrollen für die Konstruktion und Perpetuierung von Hierarchien zukommt. Zentrales Anliegen der Autorin ist es daher, gegen die Formen und Diskurse von Gewalt vorzugehen, die den Betroffenen die eigene Sprache raubt. Die aggressive (und damit ‚männliche‘) Reaktionsweise, wie sie in „Baise-moi“ vorgeführt wird, ist für Despentes ein ebenso zentrales Anrecht wie das der Darstellung überhaupt – denn Frauen scheint noch immer, so konstatiert sie, das Recht auf die Repräsentation weiblicher Sexualität verwehrt. ❚

Virginie Despentes: King Kong Theorie Berlin Verlag 2007, 18,- Euro (D)

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lesezeichen Globalisierung und Neue Medien Hanna Hacker hat in ihrer Forschungsarbeit „Norden. Süden. Cyberspace.“ aus feministischer und postkolonialer Perspektive untersucht, wie sich das Verhältnis von Neuen Medien und globalen Ungleichheiten gestaltet. Hacker hinterfragt die Strategien rund um die Beseitigung der sogenannten „digitalen Kluft“ (zwischen Nord und Süd). Ihren Forschungsschwerpunkt legt sie dabei auf das subsaharische Afrika, analysiert werden Bild- und Textproduktionen von AkteurInnen aus dem Bereich der Medien-, Technik-, Entwicklungs- und der Minderheitenpolitik. In sieben Kapiteln werden unterschiedliche Aspekte des Verhältnisses von Globalisierung und neuen Medien aufgearbeitet. So finden sich in den einzelnen Abschnitten zum Beispiel Fragen nach der Informationsgesellschaft, eine Analyse NeuerMedienKunst und ihrer Rolle im transnationalen Kulturaustausch oder auch eine Diskussion neuer Konstitutionen von Raum (im symbolischen als auch im geopolitischen Sinn).

Dinge“ stellt Julia Kospach das Gespräch mit der Schriftstellerin einem Interview mit Ilse Aichinger gegenüber. „Ich halte meine Existenz für völlig unnötig. Egal, wie sie verlaufen ist, egal, was ich an Gutem und Schlechtem erlebt habe – ich habe es schon als Kind als eine absurde Zumutung empfunden, dass man plötzlich vorhanden ist“, ist von letzterer zu lesen. Hätte man Aichinger vorher gefragt – sie wäre lieber weggeblieben. Weshalb sie nun auch mit dem Tod nicht die geringsten Probleme hat. Beide Positionen sind in ihrer Radikalität eine wohltuende Ausnahme inmitten all der üblichen hilflosen Reden von der Unausweichlichkeit des eigenen Todes. Und zeigen in ihrer Gegenüberstellung – „Vollkommen weg zu sein, wie ich es eigentlich immer sein wollte“ (Aichinger) oder „200 Jahre mindestens! Meiner Ansicht nach dürfte das Ende überhaupt nicht kommen“ (Mayröcker) –: Ehrlicherweise kann es dazwischen eigentlich nichts geben.

über den Tod. Aufgeschrieben von Julia Kospach und ausgestattet mit Assemblagen von Daniel Spoerri. Mandelbaum Verlag 2008, 19,90 Euro (Ö)

erzählt

Ob sie kein Problem mit der Vorstellung eines ewigen Lebens hätte, wird Friederike Mayröcker gefragt. „Ganz im Gegenteil“, ist ihre Antwort. „Das wäre wunderbar. Dann könnte man es sich wirklich einteilen: 50 Jahre für das, 50 Jahre für jenes.“ Mayröcker hasst den Tod. Wie ihn vor ihr nur Elias Canetti gehasst hat, sagt sie selbst. In „Letzte

40 an.schläge november 2008

Milena Verlag 2008, 17,90 Euro

On Nomadic Ethics

Vilma Neuwirth

Tod

Vilma Neuwirth: Glockengasse 29. Eine jüdische Arbeiterfamilie in Wien.

Letzte Dinge. Ilse Aichinger und Friederike Mayröcker. Zwei Gespräche

Hanna Hacker: Norden. Süden. Cyberspace.

Zwei Mal

Gabi Horak

Lea Susemichel

Irmi Wutscher

Promedia 2008, 17,90 Euro

schnell davongerannt ist. „Dieses Davonrennen war ein gutes Training für später. Während des Krieges half es mir sehr. Nicht nur einmal musste ich vor ‚lieben Mitmenschen‘ davonlaufen, um nicht geschlagen zu werden. Nach dem Krieg wurde ich dann eine ganz brauchbare Stafettenläuferin in der Hakoah.“ Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek hat das Vorwort geschrieben:„Dieses Buch habe ich gelesen wie einen Krimi. Weil es einer ist. Allerdings bleibt rätselhaft, woher all diese Verbrechen plötzlich gekommen sind, woher die Energie der kleinkriminellen Nachbarn und Nachbarinnen … “ Jelinek plädiert eindringlich zum Lesen,„solange solche Bücher überhaupt noch geschrieben werden“.

Ein weiterer Beitrag des Wiener Milena-Verlags zum Gedenken an 1938: Vilma Neuwirth wurde 1928 in Wien/Leopoldstadt geboren und überlebte die Nazizeit als Sternträgerin in Wien. Ihre Überlebensgeschichte geht ans Herz und ist reichlich illustriert, was die Geschichte noch greifbarer macht. Es ist die Geschichte einer von vielen jüdischen Familien in Wien, von einer Frau, die 70 Jahre später das große Ganze erfasst. So erzählt sie etwa, dass sie als Kind mit ihren sieben Geschwistern leidenschaftlich gerne Streiche gespielt hat und dann

„Transpositions“ ist – nach „Metamorphoses“ und „Nomadic Subjects“ – der dritte und zugleich letzte Teil von Rosi Braidottis Trilogie des Nomadismus. In diesem geht sie vor allem der Frage nach, wie ethische und politische Grundsätze von einer nomadischen, sprich nichteinheitlichen, Konzeption des Subjektes formuliert werden können. Braidotti geht mit dieser Theorie in Opposition zu derzeit wieder erstarkenden Ideologien wie Konservativismus, liberalem Individualismus und Techno-Kapitalismus. Zentrales Anliegen Braidottis ist es, die ethischen Konsequenzen nomadischer Subjektivität zu formulieren. Das postmoderne Subjekt ist gleichzeitig gefangen zwischen humanistischen Ansprüchen von Würde und Anstand und rücksichtslosen Machtverhältnissen, die von der Technologie bestimmt werden. Der Begriff der „Nachhaltigkeit“ ist zentraler Referenzpunkt für Braidottis Projekt der Nomadischen Ethik, von dem aus sie anhand unterschiedlicher gesellschaftli-


lesezeichen cher Felder, wie etwa Umweltschutz, Feminismus, Antirassismus und Science- und Technology-Studies, Beispiele einer solcher Ethik entwickelt. Braidotti kritisiert vor allem den philosophischen Anthropozentrismus und Universalismus, der ‚den Menschen‘ über alles ‚Andere‘ stellt. Mit ihrer Theorie des Nomadismus postuliert sie vielmehr, Menschen in ihrer Beziehung zu ihrer belebten und unbelebten Umgebung zu sehen. Irmi Wutscher

Rosi Braidotti: Transpositions. On nomadic ethics. Polity Press, 2007, 20,99 Euro

Sorry of my english Zhuang Xiaoqiao ist das erste Mal im Westen. Ihre Eltern haben sie sie nach London geschickt, um Englisch zu lernen. Ein Chinesisch-Englisches Wörterbuch ist ihr wichtigster Besitz, den sie überallhin mitschleppt, „mich verwirren“ ist einer ihrer am häufigsten gebrauchten Ausdrücke. Sie ist einsam, orientierungslos, und das Essen ist furchtbar. Dann verliebt sie sich zum ersten Mal und ist fast glücklich in diesem traurigen Land. Ihr Geliebter ist ein bisexueller, um zwanzig Jahre älterer Engländer und auch noch Vegetarier. Die kulturellen Unterschiede machen ihre Beziehung zu einer Gratwanderung. Ihre Ansichten, wie sich Frauen und Männer in einer Beziehung verhalten sollten, gehen weit auseinander; von Politik erst gar nicht zu reden. Und dann ist da noch dieses fremde Land mit den eigenartigen Sitten: Sex scheint im Westen für die Leute so normal zu sein wie Busfahren. Dennoch sind die Leute schockiert, wenn sie im Café Pornohefte liest. Aber warum verkaufen sie diese Hefte dann im Laden um die Ecke? Zhuang rettet den Tag eines Mannes aus der Arbeiterklasse, isst Würstchen zum Frühstück, pflanzt Kohl, streitet über Staubsauger und masturbiert erstmals (was ihr zu der Ansicht verhilft, dass sie auch ohne Mann leben kann). „Sorry of my english“, steht handschriftlich quer auf der ersten Seite geschrieben. Da viel in diesem Buch über die Sprache funktioniert, sollte man das Buch vielleicht trotzdem im englischen Original lesen. Aber lesen sollte man es auf jeden Fall.

Lea Susemichel, Saskya Rudigier, Gabi Horak (Hg.): FEMINISTISCHE MEDIEN. ÖFFENTLICHKEITEN JENSEITS DES MALESTREAM. Ulrike Helmer Verlag 2008. 19.90 EUR, 216 Seiten ISBN 978-3-89741-265-1

Feministische Medien haben die Welt verändert. Medien dienten nicht alleine der Formulierung von Forderungen, sondern als szeneinterne Foren auch der Formierung unterschiedlichster Frauenbewegungen. Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des feministischen Magazins an.schläge wirft ein Sammelband den Blick auf Geschichte und Gegenwart feministischer Medienvielfalt: vom Flugblatt zum Fanzine, von der Lesbenpresse zum TV-Magazin. Das Buch erhebt den Status Quo der mittlerweile höchst differenzierten medialen Landschaft und diskutiert dabei Ansätze, Probleme und Paradigmenwechsel.

Burgi Pirolt

Xiaolu Guo: Kleines Wörterbuch für Liebende. Knaus Verlag 2008, 20,60 Euro

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ge.sehen

T h e B i g g e s t S c h n i t z e l I n T h e U n i v e r s e , Fo t o : J e s s i c a G a s p a r u n d D a n i e l a

„Ach, wär’ ich doch jetzt nicht hier … … sondern ganz woanders, und mein Leben wär’ traumhaft schön!“ Nachbetrachtungen zu einem Diskussionsabend der fiber:diskursschiene 08. Von Judith Kabas 9.10.2008. fiber. werkstoff für feminismus und popkultur lädt in die Räumlichkeiten der Vereinigung Bildender Künstlerinnen Österreichs. Inhaltlicher Rahmen – das Thema der kommenden fiber-Ausgabe: „Utopie“. Im politischen Arbeiten kann sie vieles sein und bewirken. Manchmal scheint es, als ob die Utopie-Frage eine geografische wäre. Wenn das so ist, was liegt da näher als … Berlin? So hat sich das fiber-Redaktionskollektiv drei Gäst_innen von ebendort kommen lassen, damit sie über ihre politische Arbeit im Namen einer (queer-/feministischen) „Weltverbesserung“ erzählen. Berlin als Paradies? weitere Veranstaltungen: fiber. werkstoff für feminismus und popkultur: www.fibrig.net Vereinigung Bildender Künstlerinnen Österreichs: www.vbkoe.org 4.-15.11., Ausstellung und Symposium „Kollaborative Praktiken in der Kunst“ mit collabor.at, h.arta, IEFS, Helmut & Johanna Kandl, RAM, snm, Celina Teague and Wendy Billingslea. VBKOE, 1010 Wien, Maysedergasse 2/4. Stock. Links: Queer-o-Matik: www.myspace.com/queeromatik Ladyfest Berlin: www.myspace.com/ladyfestberlin Ruby Tuesday eV girls rock camp: http://rubytuesdaymusic.de Les Lanternes Rouges (DIY Bike Workshop auf dem Queer-Wagenplatz): http://leslanternesrouges.blogsport.de Schwarzer Kanal eV: www.schwarzerkanal.squat.net The Biggest Schnitzel In The Universe: www.myspace.com/biggestschnitzel

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Utopie. Birte, Flora und Jule sind in unterschiedliche politische Projekte involviert (Queer-O-Matik, Ladyfest Berlin, FrauenLesbenReferat FU Berlin, Ruby Tuesday eV Girls Rock Camp, Les Lanternes Rouges, Schwarzer Kanal eV.). Sie erzählen von ihrer Arbeit, damit verbundenen Problemen und möglichen Utopiegehalten. Dabei wird klar, dass der Utopie-Begriff viele Interpretationen zulässt: Ideal, Motor, Kampf, Veränderung, Resignation etc. Es scheint auch stark davon abzuhängen, in welchen Kontexten ein Kollektiv arbeitet oder für welche Zielgruppe(n): So kann es beispielsweise beim Ladyfest das Politische, Subkulturelle, Nichtkommerzielle sein. Für das Girls Rock Camp könnte die Triebfeder die Utopie von einer 50-prozentigen Frauenquote auf allen Bühnen dieser Welt sein. Beim Schwarzen Kanal ist es der besetzte Ort

an sich, der einen utopischen Raum darstellt, öffnet und erhalten will. size matters. Viele haben die Erfahrung gemacht, dass die Arbeit in kleinen Projekten gut funktioniert und Probleme eher auftreten, wenn mehr Menschen erreicht werden wollen: Eine gewisse Größe begünstigt Popularisierung und Kommerzialisierung in Richtung Mainstream. Dabei besteht die Gefahr, dass Begriffe wie „queer“ schnell zu einem Label werden, zu einer politisch leeren Hülle. Die Utopie von einem möglichen Verändern der Strukturen verblasst, weil es außer der Existenz keine Statements mehr zum Außen gibt. Für Selbstverortung oder Diskussion bleibt wenig Raum. Diese Entpolitisierung und Verwässerung ist beispielsweise auch bei Queer-O-Matik eingetreten, die sich als queere Party anfänglich als Gegenraum zu anderen sich subversiv labelnden Veranstaltungen positioniert hat. „Frustriert vom Überangebot?“ Aber es ist schon viel möglich in Big. B: Unterstützer_innen lassen sich immer finden, Räume und Infrastruktur sind vorhanden. Bestehende Gruppen sind sehr offen, und es entstehen auch immer neue, die neue Thematiken abdecken. Klar, dass dabei viel über persönliche Kontakte läuft, da viele Aktivitäten und Kollektive miteinander verknüpft sind und es personelle Überschneidungen gibt. Berlin hat mehr aktives Publikum, deshalb funktionieren gewisse Dinge auch besser. Vor allem in Richtung Party-Kultur gibt es viel, sobald es weiter

hinausgehen soll, tut sich allerdings auch zu queer-/feministischen Themen nicht so viel. s_he works hard for no money. Für Projekte, die sich links-politisch verorten, ist es nicht so einfach, (öffentliche) Gelder aufzustellen. Zu einem gewissen Wissensgap kommt noch der bürokratische Zirkus, wo in Förderanträgen nach etablierten Begriffen wie „Gender-Mainstreaming“ gesucht wird. Der utopische Gedanke hierbei: Ein größeres Bewusstsein und Anerkennung dafür zu schaffen, wie viel Energie und Herzblut in dieser Arbeit stecken und dass es möglich wird, davon auch leben zu können, denn Ehrenamtlichkeit und fehlende Energieressourcen seien oft auch die Gründe, warum sich Menschen wieder zurückziehen. vienna waits for you. Für Berliner_innen ist Wien ein Ort für Utopien, meinen die drei. Und ja, es tut sich auch viel hier, vor allem was Diskurs und thematische Auseinandersetzung betrifft. Im direkten Vergleich hat jeder Ort Vorzüge und Nachteile. Die Probleme politischer, queer-/feministischer Arbeit sind ähnlich, was wieder einmal deutlich macht, dass Austausch untereinander und gegenseitige Unterstützung wahrscheinlich alle ihren utopischen Zielen näher bringt. Wien oder Berlin? Utopisch unentschieden. Musikalisch klingt der Abend mit einem Unplugged-Set von „The Biggest Schnitzel In The Universe“ aus Berlin aus – passt gut zu Wien … ❚


an.künden 3.11., 18.30, St.Pölten Nordlichter 4 mit Sharon Bezaly Festspielhaus St. Pölten, 3109 St. Pölten, Kulturbezirk 2, T. 02742 90 8080 222

15.11., 20.00, Wien CHUMBAWAMBA – Acoustic Session WUK, 1090 Wien, Währingerstraße 59, T. 01/401 21 0 oder info@wuk.at, Kosten: 20,-/18,- Euro

19.11., 18.30, Ludwigsburg ANA & ANDA präsentieren: Unheilbar Weiblich Kulturzentrum Ludwigsburg • Wilhelmstr. 9/1 • 71638 Ludwigsburg, Infos.: www.anaundanda.de

19.11., 20.30, Wien Am besten durch die Kiemen – Musikperformance Kosmos Theater, 1070 Wien, Siebensterngasse 32, T. 017/523 1226, Kosten: 15,-/13,- Euro

25.11., 20.00, Wien NNEKA WUK Saal, 1090 Wien, Währingerstraße 59, T. 01/401 21 0 oder info@wuk.at, Kosten: 21,- Euro

26.11., 20.00, Wien A fine frenzy – Alison Sudol WUK Saal, 1090 Wien, Währingerstraße 59, T. 01/401 21 0 oder info@wuk.at, Kosten: 27,-/22,- Euro

28.-29.11., 20.00, Wien Wilde Mischung – A lie in paradise oder Homo Spaciens, mit Milli Bitterli und Elke Pichler

5.11., 19.30, Wien „draußen tobt die dunkelziffer“ von Kathrin Röggla Schauspielhaus Salzburg, Im Petersbrunnhof, Erzabt-Klotz-Str. 22, A-5020 Salzburg, T. 0662-8085

5.11., 20.30, Wien Tigerbalsam – A silent movie live on stage von Miki Malör Kosmos Theater, 1070 Wien, Siebensterngasse 42, T.01/523 12 26

9.11., 11.00, Wien Brunchline – mit dem Baby ins Theater Theater an der Gumpendorfer Straße, 1060 Wien, Gumpendorfer Straße 67, T. 01/ 586 52 22 oder mail@dasTAG.at

9.11. 20.00, Wien Die Eisvögel – Stück von Tine Rahel Völcker, Regie Nina Mattenklotz Schauspielhaus, 1090 Wien, Porzellangasse 19, T. 01/1317010111

10.11., 20.00, Wien Das Wetter vor 15 Jahren – mit Silke Buchholz Theater Drachengasse, 1010 Wien, Fleischmarkt 22, T. 01/5131444 oder theater@drachengasse.at

12.11. 20.00, Wien Ego go... – Regie Dana Csapo Theater an der Gumpendorfer Straße, 1060 Wien, Gumpendorfer Straße 67, T. 01/586 52 22 oder mail@dasTAG.at

18.11., 20.30, Wien Ladies Night – von und mit dem Weiberstammtisch Kosmos Theater, 1070 Wien, Siebensterngasse 32, T. 01/523 12 26, Kosten: 14,-/12,- Euro

19.-23.11., Wien Besuch bei Tante Olga – ab 4

WUK im_flieger, 1090 Wien, Währingerstraße 59, T. 01/401 21 0 oder info@wuk.at, Kosten: 10,-/7,- Euro

WUK Museumssaal, 1090 Wien, Währingerstraße 59, T.01/ 401 21 0 oder info@wuk.at, Kosten: 6,-/4,- Euro

29.11., 20-22.00, Innsbruck Carolina Brauckmann: 25 Jahre Lesbenbewegung

29.11., 16.00, St. Pölten Pünktchen und Anton – Theater für Kinder, Regie: Christine Wipplinger

6020 Innsbruck, Klostergasse 6

Landestheater Niederösterreich, 3100 St. Pölten, Rathausplatz 11, karten@landestheater.net

film bis 26.10., Krems Kino im Kopf: Träume, Triebe und Täter im Film. Ausstellung und Filmschau Österreichische Filmgalerie, 3500 Krems, Dr.-Karl-Dorrek-Straße 30, T. 027 3290 80 00, office@filmgalerie.at, www.filmgalerie.at

19.-22.11., 21.30-23.00, Graz Lesbische Filmtage Graz Filmzentrum im Rechenbauer Kino, 8010 Graz, Rechenbauerstraße 6

21.11., Wien FOOTBALL UNDER COVER TopKino, Rahlgasse 1 (Ecke Theobaldgasse),1060 Wien, T. 01/ 58 55 888 oder office@topkino.at

25.11., 18.00, Graz The Laramie Project Filmzentrum Rechbauer, 8010 Graz, Rechbauerstraße 6, Eintritt frei!

t h e a te r . ka b a r e t t 1.11., 19.30, Wien Die Judith von Shimoda – Zusammenarbeit mit Hella Wuolijoki Theater in der Josefstadt, 1080 Wien, Josefstädter Straße 26, T. 01/42 700

3.-15.11, 20.00, Wien Die Blinden, die Tauben und andere Geilisten – mit Ricky May Theater Drachengasse, 1010 Wien, Fleischmarkt 22, T. 01/513 1444 oder theater@drachengasse.at

Fo t o : Pa t r i z i a G a p p

musik.tanz

Pantheridentitäten An acht verschiedenen Orten des siebten Wiener Gemeindebezirks präsentieren acht Künstlerinnen verschiedener Herkunft ihre acht Arbeiten. Zentrale Thematik der originellen Acht: Identität. Selbstinszenierung und die Konstruktion von Identität werden mit den Medien Fotografie und Visuelle Medienkunst thematisiert. Doch niemand soll dabei die Möglichkeit der Dekonstruktion der mühsam aufgebauten Identität(en) vergessen. Eva Unterwurzacher weist darauf hin, indem sie eine Box erschafft und schreit „man muss uns helfen“. 8. bis 21.11., 14-19.00, 1070 Wien, Burggasse 21, ICH DACHTE ICH WÄRE EIN PANTHER – 8 Positionen zum Thema Identität, Eintritt frei

s e m i n a r . w o rk s h o p 5.11. ,18.00, Wien Infoabend Rosa-Mayreder-College 1090 Wien, Türkenstraße 8/2/13, www.rmc.ac.at

7.-9.11., Großklein Wochenende kreativen Schreibens Weiberhof, 8452 Großklein, Goldstraße 49

8.-11.11., 10-17.00, Wien Stimmig sein, gehört werden Frauenhetz – Feministische Bildung, Kultur und Politik, 1030 Wien, Untere Weißgerberstraße 41, T. 01/ 715 98 88 oder office@frauenhetz.at, Kosten: 150,-/125,- Euro

13.14.-11., 9-16.30, Wien Umgang mit Diversity Frauenakademie München, 80469 München, Auenstraße 31, T.089/7211881 oder www.frauenakademie.de

15.11., 10-18.00, Wien 100 Jahre Venus von Willendorf – 100.000 Jahre weibliche Sexualität, Geschlecht – Macht – Lust Notruf. Beratung für vergewaltigte Frauen und Mädchen, 1170 Wien, Rötzergasse 13/8., T. 01/523 22 22, oder notruf@frauenberatung.at, Kosten: 25,-/10,- Euro

21-22.11., Wien ARGE „Freiheit & Prekarität“, ARGE c/o IG Kultur Österreich, Bürogemeinschaft 1. Stock, Gumpendorfer Straße 63B, 1060 Wien Infos: T. 01 /967 11 48 oder 0699 1 967 11 48

27-28.11., 9-17.30, Wien Der gemachte Körper _ Körperbilder zwischen Schlankheitswahn, Schönheitskult, Idealisierung und Natürlichkeit Wiener Rathaus, 1010 Wien, Lichtenfeldgasse 1, Kosten: 95,-/30,- Euro

28-29.11., Wien FEMINIST PRESS|URE – 25 Jahre an.schläge! SYMPOSIUM, KONZERT, PERFORMANCE, AUSSTELLUNG, DJ- & VJING brut, 1010 Wien, Karlsplatz 5, Infos: zentrale@brut-wien.at, www.brut-wien.at, T. 01/71 587 87 74 oder www.anschlaege.at

29.11., 11-18.00, Berlin „36 ladies“ – Schreibe deine eigene Geschichte Schokoladenfabrik, 10997 Berlin, Nauntystaße 72, frauenzentrum@schokofabrik.de

v o r t r a g . d i s ku s s i o n 4.11., 18.30, Wien Studien zur ArbeiterInennbewegung – u.a. von Susanne Pyrker Institut für Wissenschaft und Kunst, 1090 Wien, Berggasse 17, T. 01/317 43 42

6.11., 19.00, Hamburg Lesben und Faschismus

14.11., 19.00, Graz Lesbisches Mutterglück

Intervention e.V. Glashüttenstraße 2, 20357 Hamburg, T. 040/245002 oder info@lesbenverein-intervention.de oder www.lesbenverein-intervention.de

Grüne Akademie, 8010 Graz, Paulustorgasse 3/1

6.11., 18.30, Wien Bildung und Aktivierung. Die Ambivalenz der Aktivierungsdiskurse – Gender und Erwachsenenbildung im Kontext feministischer Bildungsarbeit

Institut für Wissenschaft und Kunst, 1090 Wien, Berggasse 17, T. 01/317 4342

Institut für Wissenschaft und Kunst, 1090 Wien, Berggasse 17, T. 01/317 4342

Atelierhaus, München, Baumstraße 8, Infos: www.frauenstudien-muenchen.de

7.11., 15-17.00, Mainz Weibliche Ess-Störung – Hinsehen und Aufklären

19.11., 18.30, Wien Sonja Benyes: Gewalt gegen Frauen in der Türkei

Frauenzentrum Mainz e.V., 55116 Mainz, Walpodenstraße 10, T. 06131221263, Kosten: 5,-/3,- Euro

Frauensolidarität, 1090 Wien, Berggasse 7, T. 01/3174020-354

10.11., 18.30, Wien Frauennetzwerke in Wissenschaft und Kunst Institut für Wissenschaft und Kunst, 1090 Wien, Berggasse 17, T. 01/ 317 43 42

11.11., 18.30, Wien Österreichische Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus

14.11., 10.00, Wien Tagung: Ella Lingens. Zur Erinnerung

19.11., 20.00, München Ewige Rivalinnen? Differenz- und Gleichheitsfeministinnen –

26.11., 18.30, Wien Karin Simmer: Das Frauenhaus Maher Frauensolidarität, 1090 Wien Berggasse 7, T. 01/3174020-354

27.11., 19-21.00, München Karriere – Zusammenspiel aus Individualität und organisationaler Struktur

5.11., 18.30, Wien Irene Bregenzer: Schon wieder Kopftuch? Materielle und ästhetische Aspekte der Kopfbedeckung muslimischer Frauen in Wien

Institut für Wissenschaft und Kunst, 1090 Wien, Berggasse 17, T. 01/317 4342

Frauenakademie München, 80469 München, Auenstraße 31, T.089/721 1881 oder www.frauenakademie.de

12.11. 18.30, Wien Feministische Theorie und Gender Studies

29.11., 14.00, München Frauen denken anders – Frauen denken weiter

Frauensolidarität, 1090 Wien, Berggasse 7, T. 01/3174020-354

Institut für Wissenschaft und Kunst, 1090 Wien, Berggasse 17, T. 01/317 4342

Atelierhaus, München. Baumstraße 8, Infos: www.frauenstudien-muenchen.de

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an.künden a u s s te l l u n g bis 5.11., 17.00, Wien Parzelle 6- Dagmar Hugk, Anette Voigt WUK Kunstzelle im Hof, 1090 Wien, Währingerstraße 59, T.:401 21 0, info@wuk.at

bis 5.11., Wien Umfeld-Kunst Fotogalerie Wien, 1090 Wien, Währingerstraße 59, T. 01/ 1 408 54 62

bis 15.11., Wien La petite histoire – Künstlerinnen Kunstraum Noe, 1014 Wien, Herrengasse 13, T. 01/9042 111 oder office@kunstraum.net

bis 30.11., Salzburg Lob der Vermischung Salzburger Kunstverein Künstlerhaus, 5020 Salzburg, Hellbrunnerstrasse 3, T. 0662 / 84 22 94-15

bis 30.11., Salzburg My Very Gestures – Antje Majewski Salzburger Kunstverein Künstlerhaus, 5020 Salzburg, Hellbrunnerstrasse 3, T. 0662 / 84 22 94-15 oder lederer@salzburg-kunstverein.at

bis 30.11., Salzburg Wallpaper – Eva Musil Salzburger Kunstverein Künstlerhaus, 5020 Salzburg, Hellbrunnerstrasse 3, T. 0662 / 84 22 94-15

bis 30.11., Krems Teresa Margolles _ Anstelle der Tatsachen Kunstmeile Krems, 3500 Krems, Steiner Landstraße 3, T. 2732 90 80 10 256 oder factory@kunsthalle.at

bis 10.12., Wiesbaden „Sag an, wer ist doch diese ...“ : Göttinnenfiguren und Marienbilder Frauen Museum Wiesbaden, 65185 Wiesbaden, Wörthstraße 5, T. 0049/611/308 17 63, info@frauenmuseum-wiesbaden.de, Mi/Do 12-18.00, So 12-17.00

bis 13.12., 19.00, Österreich „Dialekt Jubel“ – Ö.D.A. feiert das zwanzigjährige Gründungsjubiläum – Ausstellung El Awadalla, Helga Pankratz Literaturhaus Wien, 1070 Wien, Seidengasse 13, T.: 0699 1 913 14 11, office@gamuekl.org, Eintritt: freie Spende!

bis 31.01. 2009, Wien Ausstellung: „In Geschichte eingeschrieben“

18.11., Wien Würden wir nein sagen? Von Alexandra Reill

Foyer der Universitätsbibliothek Wien, 1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1

Ausstellungszentrale Shulz, Siebensterngasse 31, 1070 Wien

bis 2.2. 2009, Wien Architektur beginnt im Kopf – Charlotte Perrieand, Lina Bo Bardi

19.11., 19.00, München Die Sammlung Stoffel – u.a. Eleonore Stoffel

Architekturzentrum Wien, 1070 Wien, Museumsplatz 1, T. 01/522 31 15

bis 06.06. 2009, Wien Stadt und Frauen – Eine andere Topographie von Wien Wienbibliothek im Rathaus, 1010 Wien, Lesesaal und Ausstellungskabinett, Eingang Lichtenfelsgasse, Stiege 6 (Glaslift), 1. Stock

8.-21.11., Wien Ich dachte ich wäre ein Panther – 8 Positionen zum Thema Identität – 8 Künstlerlinnen aus Österreich und Italienuntersuchen das Thema Identiät mit Hilfe der Medien Video und Fotografie 1070 Wien, Burggasse 21, Infos: www.sinnspinnen.org

Pinakothek der Moderne, 80799 München, Barer Straße 29, T. 089 23805-253

lesung 6.11., 20-22.50, Stuttgart Christine Lehman liest „Nachtkrater“ 70176 Stuttgart, Johannesstraße 13, Kosten: 8,-/6,- Euro

notruf.beratung für vergewaltigte Frauen und Mädchen, 1170 Wien, Rötzergasse 13/8, T. 01/523 22 22 oder notruf@frauenberatung.at

1

f i x te r m i n

Montag Diskuthek im Frauencafé Autonomes Frauenzentrum, 4020 Linz, Humboldtstr. 43, T. 0732/602 200, www.frauenzentrum.at, jeden 1. Mo im Monat, 18-22.00

Frauencafé

19.11., 14-17.30, Salzburg Die gegenwärtige Frauenbewegung in Musik und Kunst (in Deutsch)

Autonomes Frauenzentrum, 4020 Linz, Humboldtstr. 43, T. 0732/60 22 00, www.frauenzentrum.at, jeden Mo 18-22.00

Galerie5020, Sigmund-Haffner-Gasse 12/1, 5020 Salzburg, T. 0662 848817, www.galerie5020.at

„Dykes on bikes“ Stammtisch. Der Motorradclub für Lesben

19.11., 20.00, Wien SUPATOPCHECKERBUNNY

7Stern Bräu, 7., Siebensterng.19, dykes.on.bikes@gmx.at, www.dykesonbikes.at, jeden 2. Mo

WUK, 1090 Wien, Währingerstraße 59, T. 01/401 21 0 oder info@iwuk.at, Kosten: 12,-/10,- Euro

Encounter-Gruppe für Lesben und Frauen, die sich da nicht so sicher sind

19.11., 20.00, Wien un acteur, un acteur – Maria de Medeires und Erika Pluhar lesen Marguerite Duras Schauspielhaus, 1090 Wien, Porzellangasse 19, T. 01/1317010111

23.11., 19.00, Feldkirch Dialekt Jubel – Lesung mit Anni Mathes, El Awadalla Theater am Saumarkt, 5800 Feldkirch, Mühletorplatz 1, T. 05522 72895 oder office@saumarkt.at, Kosten: 10,- Euro

a k t i v i t ä te n 3.11., 17.30-18.30, Stralsund Kreatives Schreiben Frauenladen LiSa, 18439 Stralsund, Badenstraße 41

7.11., 15-19.00, Hannover Offene Werkstatt Die Distel – Frauen/Lesben Werkstatt, 30449 Hanover, Zur Bettenfedernfabrik, Infos: www.frauenwerkstatt.de

7.11., 18.15, Hamburg Ich will was tun! Intervention e.V. 20357 Hamburg, Glashüttenstraße 2, Tel.: 040/245002, info@lesbenverein-intervention.de, www.lesbenverein-intervention.de

7.11., 9.30-11.00, Oberösterreich Luna Yoga und Shiatsu 4451 Garsten bei Steyer, Kreuzleitenstraße 3

8.11., 10-18.00, St. Gallen “Das befreite Herz” Yoga-Studio Annemarie Beck, 9010 St. Gallen, Turmgasse 8, T. 0712442333

9.11., 14.00, Wien Stadtführungen „Verdrängtes Unrecht“ Die Verfolgung von Schwulen und Lesben in Wien ab 1938 - HOSI-Zentrum, Novaragasse 40, 1020 Wien, Anmeldung erforderlich unter: guide@qwien.at, office@qwien.at

26.11., 15.00, Wien Bitte einsteigen – Zug fährt ab! 1150 Wien, Pilgerimstraße 22-24/1/1, T. 01/789 45 45 oder sprungbrett@sprungbrett.or.at, T. 01/151 444 4140, Kosten: 15,- Euro

s e l b s t v e r te i d i g u n g ab 5.11., 17.00, Wien Selbstverteidigung – Grundkurs 1150 Wien, Pilgerimgasse 22-24/1/1, T. 01/789 45 45 oder sprungbrett@sprungbrett.or.at

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10.11., 18.00, Drehungen

Institut Frauensache, 15., Reindorfg. 29, T. 01/89 58 440, office@frauensache.at, www.frauensache.at, jeden 2. u. 4. Mo 19.30-21.00, Anm. erforderlich, Kosten: 21,- Euro

Freizeittreffpunkt des Rechtskomitees Lambda X-Bar, 6., Mariahilferstr. 45/ Raimundpassage 2, office@RKLambda.at, www.rklambda.at, jeden 1. Mo

„Zwischen den Welten“ – Mamazonen. Erfahrungsaustausch für lesbische [Co]Mütter Institut Frauensache, 15., Reindorfg. 29, T. 01/89 58 440, office@frauensache.at, www.frauensache.at, jeden 1. Mo 19.30-21.00, Anmeldung erforderlich, Kosten: 3,60 Euro

First love. Sexualberatung für Jugendliche zwischen 12 u. 19 Rudolfstiftung, Schwangeren Ambulanz, 3., Juchg. 25, jeden Mo u. Mi 14-18.00

Dienstag Frauencafé der Frauengruppe ABRAXA 4060 Wels, Spitalhof 3, T. 07242/556 40, abraxa@goplay.com, jeden Di 14-18.00

Welser Runde – Lesben-, Bi- und Schwulen-Treff Cafe – Music Pub Urstein, 4600 Wels, Ringstr. 15, jeden Di ab 20.00

Selbsthilfegruppe „Überlebt“, für Frauen mit sexuellen Missbrauchserfahrungen Frauengesundheitszentrum ISIS, 5020 Salzburg, Alpenstraße 48, wöchentlich jeden Di von 18-20.00; T. 0664/82 84 263, shg.ueberlebt@inode.at, Anmeldung erforderlich, kostenlos, www.akzente.net/Selbsthilfegruppen_fuer _Maedchen_un.747.0.html

Babykino. Ein Film aus dem aktuellen Angebot, bei dem Kleinstkinder in den Kinosaal mitgenommen werden können Votivkino, 9., Währinger Str. 12, T. 01/317 35 71, www.votivkino.at/1program/babyprog.htm, jeden 2. Di ab 11.00

Frauenplenum der Grünen Alternativen Jugend Grüne, 7., Lindeng. 40, info@gajwien.at, jeden letzten Di 18.30

Modern-Afro-Latin-Dance für Frauen aller Altersgruppen Autonomes Frauenzentrum, 9., Währingerstr. 59/Stiege 6, 2. Stock, Info: T. 01/545 43 93


an.künden

Fo t o : Ti n a We b e r

ViennaMix. Verein von und für les.bi.schwul.transgender MigrantInnen in Wien Marea Alta-Keller, 6., Gumpendorferstr. 28, jeden 2. Di ab 20.00

Selbsthilfegruppe „Wenn Frauen zu sehr lieben“ Frauenservice, 8020 Graz, Idlhofg. 20, T. 0316/716 02 20, office@frauenservice.at, jeden Di 19.30-21.00

Mittwoch Ehe ohne Grenzen, Kundgebung jeden Mittwoch, 17.00, Innenministerium Innenministerium, 1010 Wien, Herrengasse 7, Info: www.ehe-ohne-grenzen.at

Frauencafé Jugendzentrum Agathon, 3002 Purkersdorf, Kaiser-Josef-Str. 49, Kontakt: Ulrike Putz-Alb, T. 0664/191 61 20, jeden 1. Mi ab 19.30

Frauencafé

Fo t o : D e v o n S p r o u l e . c o m

Linzer Frauengesundheitszentrum, 4020 Linz, Kaplanhofstr. 1, T. 0732/77 44 60, www.fgz-linz.at, jeden Mi von 16.30-18.00

Transgender-Treff HOSI Vereinszentrum, 5020 Salzburg, Müllner Hauptstr. 11, T. 0662/435 927-27, www.hosi.or.at, jeden 2. und 4. Mi ab 20.00

Deutsch Konversation Frauen aller Länder-Café, 6020 Innsbruck, Schöpfstr. 4, T. 0512/ 564 778, jeden Mi von 14-18.00

Vereinscafé Anchorage. Das Café der erfüllbaren Wünsche: Offen für alle Frauen und Lesben Autonomes FrauenLesbenzentrum, 6020 Innsbruck, Liebeneggstraße 15,T. 0512/580 839, info@frauenlesbenzentrum.at, www.frauenlesbenzentrum.at, jeden Mi und Fr ab 20.30

Gesprächsgruppe für Frauen mit sexuellen Gewalterfahrungen. Leitung: Bettina Reinisch Räumlichkeiten des Notrufs, 17., Telefonische Anmeldung: T. 01/523 22 22, www.frauenweb.at/notruf, Dauer: 7 Abende, 14-tägig, Kosten: 20,– Euro/Termin

Lesben-Fußballgruppe Aufschlag-BALLerinas PAHO-Halle, 10., Jura Soyfer G. 3, Garderobe 2, aufschlag.gay.or.at,19.30-21.30

Lesbengruppe HOSI-Zentrum, 2., Novarag. 40, T. 01/216 66 04, www.hosiwien.at, jeden Mi ab 19.00

Offene Frauengruppe Familienberatungsstelle, 6., Kaunitzg. 33/8, T. 01/581 09 60, www.le-kri.at, Kosten: 1,50 Euro, jeden Mi 18-20.00

Offene Gruppe für Alleinerzieherinnen Kontaktstelle für Alleinerzieherinnen, 1., Stephanspl. 6/V/30, jeden 1. u. 3. Mi, 18-20.00, T. 01/587 67 50

Resis.danse. FrauenTanzClub. Café Standard, 5., Margaretenstr. 63, Infos: www.resisdanse.at, jeden Mi u. Fr ab 21.00

Sappho – Selbsterfahrungsgruppe für lesbische und bisexuelle Frauen. Leiterin: Christine Swarowsky Beratungsstelle Courage, 6., Windmühlg. 15/1/7, T. 01/ 585 69 66, info@courage-beratung.at, www.courage-beratung.at, 14tägig, Mi 18.30–22.00, Kosten/ Abend: 48,Euro, kostenloses Vorgespräch erforderlich

Mosh Mosh Die Elektro-Rock-Formation Mosh Mosh (benannt nach dem männlichen Hormon) alias Isabel Reiß und Viola Thiele kommen im November endlich nach Wien und Oberösterreich! Musikalisch vielseitig, schräg und poetisch in einem aggressiven Obskuritismus beheimatet, brüllen die Künstlerinnen Texte wie: „Junkies in Bikinis gonna get you, flowers in bikinis gonna rape you, ladies in bikinis gonna kill you!“. Tourdaten Österreich: 13.11., ab 22.00, Stadtwerkstatt, 4040 Linz, Kirchengasse 4, 14.11., ab 23.00 fluc, 1020 Wien, Praterstern 5 Feministische Gespräche. Gemütliche Diskussionsrunde für Feministinnen

Freitag

Resis.danse. FrauenTanzClub.

FZ-Bar, 1090 Wien, Währiger Str. 56/6, T.01/402 87 54, jeden 4. Donnerstag im Monat, 19.00

1. Linzer Lesbenstammtisch Café Sax, 4020 Linz, Klammstr., www.hosilinz.at, jeden 3. Fr ab 20.00

Café Standard, 5., Margaretenstr. 63, Infos: www.resisdanse.at, jeden Mi und Fr ab 21.00

Regenbogenstammtisch Vöcklabruck Restaurant „Zur Brücke“, 4840 Vöcklabruck, Vorstadt 8, www.hosilinz.at/gruppen/hosi_ regenbogenstammtisch.html, jeden Do, 20.00

Lesbenabend HOSI Vereinszentrum, 5020 Salzburg, Müllner Hauptstr. 11, T. 0662/43 59 27-27, www.hosi.or.at, jeden 1. u. 3. Do ab 19.00

Salon de Femme 2 Stein, 5020 Salzburg, Giselakai 9, ab 18.00

Offener Abend Hosi-Lokal, 6020 Innsbruck, Innrain 100, www.queertirol.com, T. 0512/562 403, jeden Do 20.30

Barbetrieb von und für Frauen/Lesben FZ-Bar, 9., Währinger Str. 56/6, Eingang Prechtlg., T. 01/402 87 54, jeden Do u. Fr 19-24.00, bzw. nach Voranküdigung

FZ-Plenum FZ-Bar, 9., Währiger Str. 56/6, T.01/402 87 54, jeden 1. Do ab 18.30

Mahnwache und Speakerscorner Treffpunkt vor dem Kanzleramt zwischen 20 u. 20.15, jeden Do

Selbsterfahrungsgruppe für Frauen, Lesben, Mädchen! Praxis: 9., Gussenbauerg. 1/8, Anmeldung erforderlich! T. 01/283 24 90, Infos: http.://fachfrauen.wolfsmutter.com/392, Kosten: 17,- Euro, jeden Do 18-19.30

Selbsthilfegruppe Anonyme EssSüchtige

Die Grünen Andersrum OÖ- Lesben, Schwule u. TG-Personen Treffen Grünes Haus, 4040 Linz, Landgutstraße 17, Sozialraum, jeden 1. Fr ab 19.00

Linzer Gehörlosen Lesben-SchwulenBi Stammtisch Coffee Corner, 4020 Linz, Bethlehemstr. 30, SMS unter 0664/380 70 42, jeden 1. Fr

Welser Frauen-Stammtisch – gemütlicher Frauentreffpunkt Schubert-Stüberl, 4600 Wels, Schubertstr. 13, jeden 1. u. 3. Fr ab 20.00

Frauencafé der Rosa-LilaPantherinnen – der Abend für Lesben und Freundinnen Schwul-Lesbische ARGE, 8020 Graz, Annenstr. 26, www.rlp.homo.at/frauencafe, T. 0316/366 601, Fr 19-23.00

Vereinscafé Anchorage. Das Café der erfüllbaren Wünsche. Offen für alle Frauen und Lesben Autonomes FrauenLesbenzentrum, 6020 Innsbruck, Liebeneggstraße 15, T. 0512/580 839, info@frauenlesbenzentrum.at, www.frauenlesbenzentrum.at, jeden Mi und Fr ab 20.30

Barbetrieb mit Musik, Billiard, Fernsehen, Zeitschriften und mehr. Von und für Frauen/Lesben FZ-Bar, 9., Währinger Str. 56/6 Eingang Prechtlg., T. 01/402 87 54, Do und Fr 19-24.00, bzw. nach Vorankündigung

g.spot for queers to check in & freak out Subzero, 7., Siebensterng. 27, jeden 1. Fr ab 22.00

Donnerstag

7., Stiftg. 8, T. 0676/7879144, jeden Do 19.00

HelpChat „Halt der Gewalt“

Treffen der „Jungen Herzen“

Offenes Treffen feministischer Migrantinnen

Der Helpchat www.haltdergewalt.at bietet anonyme Hilfestellung, jeden Do 20-23.00

HOSI Wien, 2., Novaragasse 40, jeden Do ab 19.00

Café Längenfeld, 12., Längenfeldg. 8, jeden 1. Fr

First love. Sexualberatung für Jugendliche zwischen 12 u. 19 Donauspital SMZ-Ost, Gyn. Ambulanz, 22., Langobardenstr. 122

Queerulantinnen – die neue Unigruppe. Anlaufstelle für Lesben, Feministinnen, Feizeitphilosophinnen u. andere blümerante Identitäten Gewi, Altes AKH, 9., Spitalg. 2-4, Kontakt: queerulantinnen@gmx.at

Samstag Frauenstammtisch – Treffen für Lesben, bisexuelle und transgender Frauen und Freundinnen Lilith Frauencafe, 3504 Krems/Stein, Steiner Landstr. 76, T. 02732/855 55, www.stammtischkrems.info /Frauen/Lilith, jeden 3. Sa ab 16.00

Mostviertel Andersrum. Lesbisch/schwules Treffen Infos: mostviertel_andersrum@hotmail.com, T. for girls 0664/655 46 94, jeden 1. Sa

Orlando-Party 6., Theobaldg. 10, jeden 2. Sa ab 22.00

Sonntag HOSI Sonntagsbrunch Café Steinschlag, 5020 Salzburg, Glockeng. 4, Frühstücksbuffet, jeden 3. So ab 11.00

Sonntagsfrühstück. Für Lesben und interessierte Frauen Frauengetriebe, 6900 Bregenz, Schillerstr. 2, T. 05574/455 38, frauengetriebe@aon.at, jeden 1. So ab 10.30

Sonntagscafé für Frauen mit und ohne Kinder (Jungs bis 6). Jeden zweiten und letzten Sonntag im Monat

www.sargfabrik.at, Kosten: 14,- Euro, Anm.: sonja.c@gmx.at oder T. 01/988 98-214, jeden 3. So 16-20.00

Weiber-Frühstück: Videos, Diskussion, Provokation, feministische Literatur, veganes Buffet E.K.H., 10., Wielandg. 2-4, jeden 1. So

Nach Vereinbarung Aus.Weg. Beim nächsten Mal wird alles anders? Beratung und Mediation für Lesben und Schwule aus.weg, D-80469 München, Baaderstr. 36/4, www.aus-weg.de

Frauenberatung Verein Frauen für Frauen Burgenland, 7400 Oberwart, Spitalg. 5, T. 03352/338 55; 7540 Güssing, Hauptstr. 26, T. 03322/430 01

Psychologische, juristische und arbeitsmarktpolitische Beratung sowie Sozialberatung für Frauen Die Tür – Frauenservicestelle, 7210 Mattersburg, Brunnenpl. 3/2, T. 02626/626 70, 7000 Eisenstadt, Joachimstr. 11/2, T. 02682/661 24

Gruppen, Kurse, Vorträge für Frauen. Auch muttersprachliche Beratung Wendepunkt, 2700 Wr. Neustadt, Raug. 16, T. 02622/825 96, Mo, Do, Fr 9-12.00, Di 17-19.00

Maiz – Autonomes Integrationszentrum von & für Migrantinnen Maiz, 4020 Linz, Hofg. 11, T. 0732/77 60 70, maiz@servus.at, www.servus.at/maiz, Mo u. Do 10-16.00, Di u. Mi 10-14.00

Beratung im Schwangerschaftskonflikt, zu Verhütung und Essstörungen ISIS, 5020 Salzburg, Alpenstr. 48, T. 0662/442 255, kostenlos

FZ-Bar, 1090 Wien, Währinger Str. 56/6 Eingang Prechtlg., T. 01/402 87 54

Hotline Essstörungen des Frauengesundheitszentrums Graz

Frauenbadefreuden

Telefon zum Ortstarif: T. 0810/810 400, Mo u. Fr 10-12.00; Di u. Mi 9-12.00, Do 16-19.00

Badehaus Sargfabrik, 14., Goldschlagstr. 169,

november 2008 an.schläge 45


an.künden Mi 18.00-19.00 Orangina bzw. Bauch, Bein, Po: Die Sendung für die ganze Frau Orange 94.00 MHz

Do 18.00-19.00 HOSI Lesbenradio Orange 94.00 MHz, jeden 1. Do

an.schläge

Fr 19.00-20.00 Space FEM FM Frauenradio

thema

Radio FRO. 105.00 MHz in Linz, jeden 1., 3. u. 4. Fr

Fr 18.00-19.00 Radio UFF. Sendung des Unabhängigen FrauenForums

im Dezember/Jänner

Kleine Kinos Die Breitenseer Lichtfestspiele und andere Kinokuriositäten

Orange 94.00 MHz, jeden 1. Fr

Sa 13.00-14.00 Rainbow City-Radio für Lesben und Schwule Livestream: www.radiorainbowcity.de

tanz.fest

an.schläge TV

8.11., 20.00, Hamburg 23. Hamburger Frauenball CCH Congress Centrum Hamburg, 20355 Hamburg, Infos: www.frauenball oder www.cafe-endlich.de

13.11., 21.00

14.11., 21.00, Kreuzberg Barbara Morgenstern LIVE!

Hamburger Frauenball Zum bereits 23. Mal findet am 8.11. der Hamburger Frauenball statt. Das Thema dieses Jahres: Königinnen der Nacht! Welcher Lady hierbei nichts einfallen mag, soll sich wenigstens eine Krone aufsetzen, denn es gibt vielerlei zu verpassen: SolotänzerInnen (Elvira und Silvia), gleich drei DJanes für jeden Musik- und Tanzgeschmack sowie eine HipHop tanzende Närrin und eine großzügige Mitternachtstombola! 8.11., 20.30., Congress Center Hamburg, Saal 3, Infos : T. 040 35 16, www.frauenball.de, info@frauenball.de Patchwork-Familien-Service. Frauengesundheitszentrum, 8010 Graz, Joanneumring 3,T. 0664/231 14 99, Anmeldung erforderlich, Kosten: 5,-/10,- Euro

Verhütungsberatung für Mädchen und junge Frauen. Mit Monika Vucsak Frauengesundheitszentrum, 8010 Graz, Joanneumring 3, T. 0316/837 998, Anmeldung erforderlich, www.fgz.co.at

abz.get ready. Die Beratungsstelle für junge schwangere Frauen und junge Frauen mit Kind abz.austria, 8., Wickenburgg. 26/5, T. 0699/166 70 318, getready@abzaustria.at, www.abzaustria.at, Terminvereinbarung erforderlich!

Beratung, Kurse, Information für geistig oder mehrfach behinderte Frauen und ihre Angehörigen Verein Ninlil, 3., Untere Weißgerberstr. 41, T. 01/714 39 39

Bright Future für Frauen und Mädchen. 1. Beratungsstelle für FGM Bright Future, Afro-Asiatisches Institut, 9., Türkenstraße 3, T. 01/319 26 93, Mo-Fr 9-17.00, Terminvereinbarung erforderlich!

Coming Out Gruppe Lila Tip, 6., Linke Wienzeile 102, T. 01/586 8150, www.villa.at/lilatip/modules/news, Anmeldungen: Mi 17-20.00

Einzelberatung für Frauen in Krisensituationen

46 an.schläge november 2008

Anm.: F.E.M., 18., Bastieng. 36-38, T. 01/476 15-5771, Erstgespräch kostenlos!

Mädchenworkshop: Besuch bei der Frauenärztin. Mit Gabriele Knappitsch F.E.M., 18., Bastieng. 36-38, T. 01/476 15-5771

Medizinische Sprechstunde für Mädchen und Frauen mit Essstörungen F.E.M., 18., Bastieng. 36-38, T. 01/476 15-57 71

Progressive Muskelentspannung. Mit Petra Öllinger 6 Abende, Infos: T. 01/597 75 54, petra.oellinger@web.de, www.petra-oellinger.at

r a d i o . f i x te r m i n Mo 18.00-19.00 Khorschid Khanum – die persischsprachige Frauensendung Orange 94.00 MHz (Telekabel Wien 92.7), jeden 1. Mo

Di 13.00-14.00 Globale Dialoge. Woman on air. Weibliche Realitäten in den Ländern des „Südens“ Orange 94.00 MHz

Mi 18.00-18.30 Frauenzimmer. Die Plattform für frauenspezifische Information Freies Radio Salzburg, FM 94.00 MHz

AUF

Festsaal Kreuzberg, 10999 Berlin, Skalitzer Strasse 130, info@festsaal-kreuzberg.de, T. 030 - 616 560 03

OKTO

WEBSTREAM: WWW.OKTO.TV

14.11., 21.00, Wien L-WorLd Clubbing – The 2nd Season. MUSIK: 2 Floors, DJ Carmen : Music as we like Infos: Resis.danse – Frauen Tanz Club, 1020 Wien, Novaragasse 40, Infos: tanzclub@resisdanse.at, Kosten: 5,- Euro

15.11., 20.30, Stuttgart Das Sarah wird 30! Sarah, 70176 Stuttgart, Johannesstraße 13, Infos: www.das-sarah.de, Kosten: 14,-/12,- Euro

15.11., 23.00, Hamburg Alpha Girls Party! Juice Club, 22765 Hamburg, Stresemannstraße 206, Infos: www.amantes.de, Kosten: 7,-/5,- Euro

26.11., Berlin 4 Women no cry Haus der Kulturen der Welt, 10557 Berlin, John-Foster-Dulles-Allee 10

29.11.,20.00, Wien FEMINIST PRESS/URE brut, 1010 Wien, Karlsplatz 5, Eintritt frei

30.11., 15-18.00, Wien Shake Baby Shake – Der Wiener BabyClub WUK Museumssaal, 1090 Wien, Währingerstraße 59, T. 01/401 21 0 oder info@wuk.at, Kosten: 6,- Euro

diverses 28.11-6.12., 19.30, Wien Clownin 2008 – Internationales Clownfrauenfestival Kosmos Theater, 1070 Wien, Siebensterngasse 32, T. 01/532 12 26, Kosten: 14,-/12,- Euro

an.schläge gibt’s u. a. in folgenden Buchhandlungen ÖGB Buchverlag Kuppitsch Morawa Winter Frick International Lhotzkys Literaturbuffet Buchh. Polycollege Südwind Riedl Facultas am Campus Kuppitsch am Campus Löwenherz Südwind Infoladen Treibsand Kulturver. Waschaecht Rupertusbuchhandlung Wagnersche Buchh. Amazone-Zentrum Mex-Unibuchhandlung Bertha – Bücher & Produkte Hacek-Bücherei kbuch

1010 1010 1010 1010 1010 1020 1050 1070 1080 1090 1090 1090 1090 4040 4600 5020 6020 6900 8010 8020 9020 9020

Rathausstr. 21 Schottengasse 4 Wollzeile 11 Landesgerichtsstr. 20 Schulerstr. 1-3 Taborstr. 28 Reinprechtsdorferstr. 38 Mariahilferstr. 8 Alser Str. 39 Altes AKH, Alser Str. 4 Altes AKH, Alser Str. 4 Berggasse 8 Schwarzspanierstr. 15 Rudolfstr. 17 Dragonerstr. 22 Dreifaltigkeitsg. 12 Museumstr. 4 Kirchstr. 39 Brockmanng. 15 Siebenundvierzigerg. 27 Paulitschgasse 5/7 Universitätsstr. 90

Redaktionsschluss Termine 12/08-01/08:

und auch in vielen deutschen Städten:

11.11.2008 termine@anschlaege.at

anschlaege.at

www.


an.schläge

Nr. 11/08, 22. Jahrgang, e 3,8 (Ö) e 4,5 (D) sfr 8,- , ISSN 1993-3002, P.b.b. Erscheinungsort Wien, Verlagspostamt 1030 Wien, envoi à taxe réduite, GZ 02Z031419 M

2008_11_anschlaege  

Wahlparty ohne Grund:Die Grünen brauchen einen Neuanfang Party-Droge ohne Rausch: das Nervengift Botulinumtoxin DAS FEMINISTISCHE MAGAZIN no...