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an.schläge07 08/2007

an.schläge DAS FEMINISTISCHE MAGAZIN juli august

thema

fausto-sterling

SexLives

SexLies

Sexpartys, Asexualität & Polyamorie: Sexualitäten sind divers

Hormone, Chromosomen & Physiologie: Geschlecht ist dynamisch

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an.schläge an.spruch

auf.takt

Heißer Frauenraum Saunagängerinnen sind Feministinnen 30jahre.frauenzimmer.frauencafé

Das letzte Kapitel Einst Szenetreff, heute zu. Ein Wiener Institution muss aufgeben

08

Fatima.2007

Damit sich etwas bewegt Junge Musliminnen in Österreich qualifizieren sich

10

mexikanische.revolution

Oaxaca, Mexiko

forum

thema

politik

Eine nicht enden wollende Geschichte des Widerstands

14

an.sage

Frauenferien Die Sau rauslassen? Oder lieber doch nicht töpfern?

24

thema.sex

Sex in progress Trends:Von wilden Sexparties und polyamourösen Bewegungen

16

forum.wissenschaft

Einfach keine Lust Weder krank, noch gestört. Asexuelle brauchen einfach keinen Sex

21

interview.fausto-sterling

arbeit

„Sex in progress“ auf dem Cover beschreibt den Inhalt der aktuellen an.schläge in mehrerer Hinsicht treffend. Im Thema geht es diesmal um Sexualität. Um Sexualitäten vielmehr. Die Sexualtherapeutin Elia Bragagna und die Sexualpädagogin Bettina Weidinger sprechen im Interview über Veränderungen und leider auch Langlebiges im Sexualleben von Frauen und Mädchen. Ein Erfahrungsbericht der wilden Nacht der ersten Wiener Ladyfest-Sexparty und ein Artikel über Polyamorie finden sich dort außerdem. Und wieder haben wir das Thema erweitert: Eva Müller widmet sich im Forum Wissenschaft dem Phänomen Asexualität und erklärt, warum es sich dabei nicht um eine Störung, sondern um eine Form der sexuellen Orientierung handelt. „Sex in progress“ diagnostiziert auch die bekannte US-amerikanische Gender-Biowissenschaftlerin Anne Fausto-Sterling. Bei ihrem Wienbesuch sprach sie mit Ursula Wagner über rätselhafte Skelette im Naturhistorischen Museum und die Veränderbarkeit scheinbar unumstößlicher biologischer Fakten. Judith Butler war zwar nicht in Wien – dorthin kommt sie nächstes Jahr – aber in Hamburg. Katharina Pewny hat sich ihren Vortrag angehört und berichtet, dass die Kategorie „sex“ auch bei Butler in Bewegung ist: Die Philosophin interessiert Geschlecht derzeit vor allem in Verbindung mit der Konstruktion eines hegemonialen, christlichen Westens. Fernab von Sex eine sehr, sehr traurige Nachricht: Das Frauenzimmer, Wiens einzige feministische Buchhandlung, ist nur dreißig Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass war ein Jubelartikel geplant und auch schon geschrieben, gemeinsam mit der des ebenfalls Jubiläum feiernden Frauencafés sollte die Geschichte des Frauenzimmers gewürdigt werden. Ein Nachruf ist es stattdessen geworden. Über den Schwund feministischer und lesbischer Institutionen trauert Jenny Unger deshalb auch im Lesbennest: Das Wiener Conqueer hat vergangenes Wochenende mit einem Drag King Contest ebenfalls seinen letzten Abend gefeiert. Die an.schläge verabschieden sich mit der Zweimonatsausgabe nur für eine kurze Sommerpause – und wünschen euch eine schöne Zeit!

05

Dynamische Körper Anne Fausto-Sterling über XX, XY und andere Uneindeutigkeiten

28

judith.butler

Rhetorik der Aufklärung Der Star der GenderphilosophInnen war in Hamburg

32

jüdinnen.räume

Where the fuck (the hell) is Lilith? Adams Ex mutierte zur Ausgeburt der Hölle. Eine Ausstellung in Wien

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tech.carnival

Do it together Dieser Carnival ist Tech, ist Feminismus, ist Kunst, ist Sport

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an.klang

Aufklärungsarbeit Seufzende Stilleben, Blockflötensound und Romantisch-Intimes

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lese.zeichen

Sex & Gender auf Französisch Wo bleibt der Körper? Angloamerikanische Debatten in French

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kultur

ge.sehen Eure Redakteurinnen

Fünf Tage Weil die Utopie nicht nur im Kopf entsteht: Das Ladyfest 07

42


an.uns

Fo t o : F l o r i a n D a n h e l

In 80 Pickerln um die Welt:

an.schläge i n

Tiflis

an.schläge Herausgeberinnen und Verlegerinnen: CheckArt, Verein für feministische Medien und Politik A-1030 Wien, Untere Weißgerberstr. 41, T. 01/920 16 76 Fax: 01/715 98 88, e-mail: redaktion@anschlaege.at, office@anschlaege.at, www.anschlaege.at

Redaktion: Bettina Enzenhofer/be, Svenja Häfner/svh, Kerstin Kellermann/kek, Katharina Nagele/kana, Petra Öllinger/PÖ, Burgi Pirolt/burgi, Silke Pixner/pix, Saskya Rudigier/s-r (Gesamtkoordination), Eva Steinheimer/ESt, Bettina Surtmann/besu, Lea Susemichel/les (Gesamtkoordination), Jenny Unger/jung, Irmi Wutscher/trude

Inserate: Michèle Thoma, mi.thoma@chello.at Mitarbeiterinnen dieser Nummer: Andrea Auerbach/AndA, Aline Castellanos, Karoline Feyertag, Reni Hofmüller, Gabi Horak/GaH, Kathrin, Ivancsits/kaiv, Alma Karl, Miriam Kollmann/miri, Martina Madner, Eva Müller, Katharina

Jenny Unger hat beim Ladyfest 2007 einen Schreibworkshop veranstaltet. Das folgende Gedicht ist dabei entstanden.

Pewny, Tanja Pichler/tp, Lisi Schleicher/liS, Michèle Thoma/MiT, Ursula Wagner

an.sage: Michèle Thoma und Petra Öllinger heim.spiel: Bibi Klein lesben.nest: Jenny Unger ge.sehen: Iris Hajicsek an.klang: Regina Himmelbauer plus.minus: Eva Steinheimer Cartoon: Nicole Prokesch, www.nic.tumblr.com/ Unsere Werbung: Nana Swiczinsky Cover: Bernadette Huber: SEX (in progress), Leuchtobjekt, 17,5 x 8 x 6 cm, 2006, www.bernadettehuber.at, Foto: Libor Svacek

Fotos: an.schläge-Archiv, APPO, Deutsche Kinomathek, DOKU GRAZ, Carolina Frank, Reni Hofmüller, jmoe/projektfatima.at, Bibi Klein, LaKatha, Tanja Pichler, Christiane Stephan, Ullstein, Verein Ketani, Irmi Wutscher

Layout: Lea Susemichel Druck: Tiskarna Druck, Wien © an.schläge: Titel, Vorspann und Zwischentitel von der Redaktion. Namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen nicht unbedingt der Auffassung der Redaktion entsprechen. Kürzungen vorbehalten. ISSN 1993-3002

04 an.schläge juli august 2007

. A. Atme Atme ich Atme (m)ich A veces ist q. gehemmt mylady. katrina And rita überschwemmen baby. After.Words.Water. A notion: LADY vollgestopft zu wenig ausgekotzt. An einem tag in wien.

ein ufo. eine möglichkeit am ort verortet. hammer! war x. gescheit. michl! ich wusste bescheid. context And content föllerei! überfressen vollgestopft und zugepropft lady? queer? mylady, sag doch. doch! Gerhild Perl

an.schläge werden gefördert von:


Katharina Nagele

Heißer Frauenraum schaftlichen Dingen, wer nach der Scheidung was bekommt. Früher wurde sie schlicht Kurhalle genannt, jüngere Generationen beginnen sie bereits „Spa“ zu nennen, Das hat ja überhaupt nichts mit Liebe zu tun. Also ich habe jene fast schon Alt Wiener Institution. Sie birgt einen meinem Sohn gesagt, er soll bloß nicht heiraten.“ Nun mischt sich eine andere Frau ein, etwa 40, mit Bereich, der nur von Frauen genutzt wird. Richtig orischulterlangem, braunem Haar: „Ja, aber wenn die Frau nicht entalisch mutet er an, sowohl vom Konzept her als heiratet, dann kann sie die ganze Zeit arbeiten, und alles für auch von der gefälligen Einrichtung. Hier sind Frauen unter den Mann und die Kinder tun, und steht bei einer Trennung sich, um sich von einer Außenwelt, die sie mit Männern teidann mit nichts da.“ len müssen, zu erholen. Aber auch, um sich für diese Welt Die Rothaarige: „Es gibt aber auch die Frauen, die einfach herzurichten. In diesem Frauenraum trifft sich nicht die nur zu Hause bleiben, weil sie nicht arbeiten gehen wollen. Speerspitze der Kämpferinnen weiblicher Emanzipation, jedenfalls ist er dafür nicht eingerichtet. Die Frauen hier reprä- Bei einer Scheidung bekommen die dann Geld vom Mann, sentieren den Durchschnitt der weiblichen Bevölkerung, was während eine andere, die immer arbeiten gegangen ist, nichts bekommt. Ich versteh’ wirklich nicht, warum sich die Alter, Beruf, Herkunft und politische Ansichten anbelangt. Schwulen und Lesben so um die Ehe reißen.“ Um diesen Frauenraum emanzipatorisch zu nutzen, bedarf Die Brünette: „Na ja, da geht’s ja auch um so Sachen, wie es einer besonderen Ingredienz: des harten Kerns von Saudass der Partner benachrichtigt wird, wenn nagängerinnen, Stammgäste sozusagen, man im Krankenhaus liegt, oder dass er der sich hier wöchentlich trifft. Es wird über den Beruf, den Ehemann – „Also ich habe meinem Sohn einen im Krankenhaus besuchen darf. Da geht’s um Mietverträge, um’s Erben wiewohl eher selten über die Partnegesagt, er soll bloss und so weiter. Da sind sie schon ganz rin –, es wird über die Kinder geredet. nicht heiraten.“ schön benachteiligt.“ Und so kam es, dass ich das Glück hatte, Es folgen zustimmende Ausrufe, soweit eine in der Hitze folgende Unterhaltung zu hören: die Kraft dazu findet. Eine polnische Saunagängerin erzählt Eine große, blonde Frau Mitte Fünfzig macht den Aufvon der Unterdrückung von Lesben und Schwulen in ihrem guss. Es wird geklatscht, „ah“ und „oh“ gestöhnt, zufrieden Heimatland. Eine andere berichtet, welch enormen Schulsetzt sich die Frau. In die träge Hitze hinein sagt sie: „Meine Tochter heiratet diese Woche.“ Eine ruft: „Mazzeltov!“. Es wird denberg ihre Schwester für ihren Exmann abbezahlen muss, wieder geklatscht. Eine etwa sechzigjährige Frau mit künstle- der mit seiner Firma in Konkurs gegangen war. Jede ist betroffen oder kennt Betroffene. Daher verwunrischem, rot gefärbtem Kurzhaarschnitt meint: „Na ja, ich würde ja nicht mehr heiraten, wenn ich noch mal jung wäre. dert es auch nicht, diese Diskussion nicht in einem eigens Bei dem antiquierten Ehegesetz, das wir in Österreich haben. dafür geschaffenen Frauenraum zu führen, sondern sozusagen in der freien Wildbahn. Da wird ein Hausfrauenmodell festgeschrieben, wo gibt’s Und es wundert folgerichtig auch nicht, dass sich „bunte denn sowas noch in der EU?“ Vögel“ wie ÖVP-Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky und Hört, hört, denke ich mir. Da kann ich ja auch etwas beitragen: „Da kann ich Ihnen nur Recht geben. Die Partner sind BZÖ Peter Westenthaler inzwischen auf Veranstaltungen wie dem Life Ball blicken lassen. Die Diskussionen sind, wie obizum Beispiel verpflichtet, unentgeltlich im Betrieb des jeges Beispiel zeigt, aber wesentlich weiter gediehen, als solch weils anderen mitzuarbeiten. Und nachdem meistens die ein Auftritt aufholen könnte. Welche den „Hi Society“ Beitrag Männer die Betriebe besitzen, arbeitet die Frau oft gratis.“ auf ATV+ über den Life Ball sah, konnte daher auch mit GeDie rothaarige Frau: „So? Na das wusste ich nicht. Aber ich finde es sowieso schlecht, dass man irgendwie vom ande- nugtuung verfolgen, wie Peter Westenthaler von Life-BallGästen ausgepfiffen wurde. ❚ ren profitiert. Das Gesetz handelt ja nur von solchen wirtjuli august 2007 an.schläge 05


österreichan.riss brachten Grüne, SPÖ und KPÖ einen Entschließungsantrag im Landtag ein. Darin wurden die Abgeordneten aufgefordert, eine Regionalisierung der sexismusfreien Zonen zu unterstützen. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Verpflichtung ist das freilich noch keine. Aber die Chance, bei künftigen Anträgen auf Finanzierung von Nachfolgeprojekten (mit Verweis auf den Landtagsbeschluss) auf offene Ohren zu stoßen, ist damit wesentlich gestiegen. GaH

Fo t o : D O K U G R A Z

www.doku.at/sexismusfreie_zone

gipfeltreffen

Kinder, Kinder! graz

Sexismusfreie Zone Eine Woche lang waren Anfang Juni die Hans-Sachs-Gasse und der Tummelplatz in der Grazer Innenstadt „sexismusFreie Zone“. Zwanzig der 25 Geschäfte dort beteiligten sich an der Aktion, die das Grazer Frauendokumentations- und Projektzentrum DOKU GRAZ initiiert hat: Die Auslagen waren nicht nur von Sexismen aller Art befreit, sondern wurden von den DOKU-Mitarbeiterinnen und Grazer Künstlerinnen auch völlig umgestaltet. Da gab es etwa im Benetton-Shop ein „Fehlersuchbild“, das stereotype Geschlechterdarstellungen versteckte, und vor dem SPAR prangten auf Werbebildern nicht heterosexuelle Paare, sondern gleichgeschlechtliche Paare beim Frühstück. Beim Infostand am Tummelplatz konnten sich alle Interessierten zur Aktion und zum Thema informieren. Dort wurde das Projekt auch mittels Fragebogen evaluiert. Weil diese Grazer Idee als role model konzipiert wurde und Anstoß sein soll, andere Städte und Gemeinden zur Nachahmung zu bewegen,

Die Feststellung, dass in Österreich mehr Betreuungsplätze für Kinder notwendig sind, dürfte wohl bis ins konservativste Eck vorgedrungen sein – ob die Notwendigkeit hier auch akzeptiert wird, ist nach wie vor fraglich … Außer Frage steht hingegen, dass beim interministeriellen Kinderbetreuungsgipfel, der am 29. Mai in Wien stattfand, Frauenministerin Doris Bures die Forderung nach weiteren 50.000 Plätzen bis zum Jahr 2010 stellte. Bereits im kommenden Herbst soll es ein zusätzliches Angebot an Betreuungsplätzen für SchülerInnen geben. Bleibt die Frage nach der Finanzierung. Diesbezüglich herrscht Uneinigkeit zwischen Bund und Ländern. Laut Bettina Stadlbauer, SPÖ-Bundesfrauengeschäftsführerin und Nationalratsabgeordnete, wurde bei dem MinisterInnen-Treffen immerhin vereinbart „dass bei den Finanzausgleichsverhandlungen Kinderbetreuung oberste Priorität haben wird“. Konkrete Strategien für den Ausbau der Betreuungsmöglichkeiten gibt es aber noch nicht. Auch Fragen nach der Qualitätssicherung der Einrichtungen blieben unerwähnt, wie Sabine Mandak, Familiensprecherin der Grünen, kritisiert. Sie stellt fest: „Solange es nicht zur Einführung eines Rechtsanspruches auf Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr des Kindes kommt, wird sich auch in Zukunft nichts bewegen.“ Kinder, Kinder! Die Betreuungsfrage bleibt spannend … PÖ

„Das Kinderbetreuungsgeld ist ein Erfolgsmodell“

… so Gesundheistministerin Andrea Kdolsky in ihrer Presseaussendung zur Kindergeldreform. Was sie verschweigt: Ihr Entwurf sorgt beim UN–Flüchtlingskommisariat für Empörung und wird als integrationsbehindernd, diskriminierend und EU-rechtswidrig kritisiert. Denn wie bereits unter Schwarz-Orange sind einige hundert Kinder, die legal im Land leben und deren Eltern Flüchtlingsstatus besitzen, vom Bezug ausgeschlossen. 06 an.schläge juli august 2007

elternzeitschrift

schulbuch

trends4papa

love4kids

Seit einer Weile gibt es die Elternzeitschrift „all4family“ gratis in der Apotheke. Das Gute daran: das Magazin wird in Österreich produziert, d. h. viele Tipps und Adressen sind für ÖsterreicherInnen hilfreicher als beim deutschen „Eltern“-Heft. Der Nachteil: zur Finanzierung braucht es Werbung und bei der Auswahl ist die Redaktion nicht wählerisch. So kommt es, dass auf der „Trends4Papa“-Seite für ein Puzzle des Palmers-Nackte-Ärsche-in-Strümpfen-Sujets geworben wird, falls der trendige Papa „das Bild langsam genießen möchte!“ –

In einem Schulbuch für den katholischen Religionsunterricht gibt es ein Kapitel zum Thema „Liebenlernen“. Das beginnt mit einer Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen. Klingt gut. Denk-Anstoß ist aber der Text von Herbert Grönemeyers „Männer“ und die verharmlosend als „Persiflage“ präsentierte, absolut sexistische Veralberungsversion „Frauen“ des Schlagersängers Ibo, in der es um Orangenhaut und Diäten geht und sich „Frauen sind schick“ auf „mögen einen guten F…Film“ reimt: – ! Aber ein großes Plus an meine Cousine, die mir entrüstet diesen Tipp gab. –/+


an.rissösterreich uni.wien

ÖH-Frauenreferat neu Das autonome Frauenreferat der Universität Wien wird sich verändern. Die Gründe dafür sind einerseits die ÖH-Wahl-Ergebnisse. Andererseits soll die Möglichkeit einer vielfältigen Produktivität wahrgenommen werden. Bis jetzt widmeten sich nur zwei Frauen der Umsetzung von unterschiedlichen Projekten und der Arbeit in verschiedenen universitären Gremien. Nun soll dieser feministische Arbeitsraum von mehr Frauen genutzt werden. Denn ohne ein Netz von Beteiligten sind breite Diskussionen kaum möglich. Um solch ein Netzwerk aufzubauen, fand am 13.Juni eine Frauenvollversammlung statt, an der alle Studentinnen der Universität Wien teilnehmen konnten. pix

„Talk about it“ ist eine Sendereihe gegen das Schweigen über sexualisierte Gewalt. Tanja Pichler sprach mit Eva Schmidhuber

Das Schweigen brechen s te i e r m a rk

Traumazentrum eröffnet Eine längst notwendige Einrichtung wurde vor kurzem in Stainz in der Steiermark eröffnet: Österreichs erstes Fachzentrum für Traumafolgeerkrankungen. Das so genannte ReethiRa-Haus steht ausschließlich Mädchen und jungen Frauen von 16 bis dreißig Jahren zur Verfügung, die an den psychischen Folgen von Gewalterfahrungen oder anderen Belastungen leiden. Für die Betroffenen soll ein „sicherer Ort“ geschaffen werden, an dem sie von einer Mentorin psychisch stabilisiert werden. Zudem umfasst die pädagogische Arbeit die Vorbereitung auf eine selbstständige Lebensführung sowie eine positive Neuorientierung. Das Zentrum bietet 14 Bewohnerinnen Unterkunft. AndA www.ubuntu.or.at/reethira/reethira.html

preise

Ausgezeichnete Frauen Im Juni wurde der Wissenschafterin Gerda Lerner der Bruno-KreiskyPreis für das politische Buch und für ihr Lebenswerk verliehen. In seiner Festrede würdigte Bundeskanzler Gusenbauer sie als „Doyenne und Pionierin der Frauengeschichtsschreibung, die sich am meisten für die wissenschaftliche Anerkennung und Institutionalisierung der Frauengeschichtsschreibung eingesetzt hat“. Gerda Lerner musste mit ihrer jüdischen Familie vor den Nazis ins Exil in die USA flüchten. Dort gründete sie 1972 den ersten Studiengang für Frauengeschichte, dem ein eigenes Doktoratsstudium folgte. Von den New York Times wurde sie als „Godmother of women’s history“ bezeichnet. Ebenfalls ausgezeichnet wurde Ursula Hemetek, langjährige Obfrau und jetzige Obfrau-Stellvertreterin der Initiative Minderheiten. Sie ist Professorin an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Nun erhielt sie für ihr Engagement im interkulturellen Bereich das Silberne Ehrenzeichen der Republik Österreich. Die Initiative Minderheiten, Anlauf- und Servicestelle für Minderheitenanliegen sowie Herausgeberin der gleichnamigen Zeitschrift, ist übrigens in größeren finanziellen Schwierigkeiten. „Aufgrund von drastischen Subventionskürzungen“ stehe der Verein kurz davor, den Bürobetrieb einstellen zu müssen. Unterstützung in Form von Spenden, Zeitschriften-Abos oder einer Minderheiten-Mitgliedschaft werden dringend gebraucht. GaH T. 01/ 966 90 01, www.initiative.minderheiten.at

Weshalb habt ihr „Talk about it“ gegründet? Frauen und Männer, die sexuelle Gewalt erfahren haben, kämpfen oft ein Leben lang mit den Folgen. Der erste Schritt einer Bewältigung ist das Heraustreten aus der Isolation. Um Betroffenen diesen Weg zu erleichtern, ist es notwendig, das Thema medial aufzugreifen und auf entsprechende Hilfsangebote hinzuweisen. Genau das wollen wir mit unserem Projekt und der Sendereihe erreichen: Das Schweigen über sexuellen Missbrauch brechen, das diesen erst möglich macht. Warum gerade Radio? Das Medium Radio eignet sich besonders gut, um eine breite Öffentlichkeit zu erreichen – vor allem auch durch Kombination mit Podcasts. Alle Sendungen sind auf der Projektwebsite abrufbar, d. h. jedeR kann sie zu jeder Zeit hören, jedes andere Radio kann und soll die Sendungen ‚on air‘ bringen und sie können auch an Schulen oder Beratungseinrichtungen o. ä. eingesetzt werden. Mit einer Zeitschrift könnte eine solche Öffentlichkeit nicht erreicht werden und die Gestaltungsmöglichkeiten des Radios übersteigen die eines Online-Magazins ebenfalls bei weitem. Gibt es Aufholbedarf in Sachen Aufklärung über sexuellen Missbrauch? Auf jeden Fall – und zwar in allen Bereichen: Betroffene sollen über Bewältigungsstrategien informiert werden, Kindern und Jugendlichen soll Selbstbewusstsein zum „Neinsagen“ vermittelt werden, Eltern müssen über die Gefahren und die Möglichkeiten der Verhinderung aufgeklärt werden und PädagogInnen können lernen, wie sie mit Verdachtsfällen umgehen. Was berührt am stärksten bei dieser Arbeit? Am aufwühlendsten war für mich die Arbeit an der Sendung, die gemeinsam mit drei betroffenen Frauen entstanden ist. Die schrecklichen Erfahrungen, von denen sie erzählten, haben mich betroffen und auch wütend gemacht. Die Tatsache aber, dass diese Frauen einen Weg aus dem Trauma gefunden haben, bestärkt mich, das Thema möglichst weit zu verbreiten. Eva Schmidhuber ist Mitarbeiterin der Radiofabrik Salzburg Die Radiosendungen sind unter www.talkaboutit.eu abrufbar

juli august 2007 an.schläge 07


30jahrefrauencafé

Fo t o s : Fra u e n c a fé

Liebe und Akrobatik Das Frauencafé, erstes und ältestes Frauenlokal Wiens, feiert sein 30-jähriges Jubiläum. Ein Porträt von Liebe, Leidenschaft und Idealen von Alma Karl.

1 nach einem Bericht über die Gründung des Frauenzimmers zum 25. Geburtstag anlässlich der Tagung „Das Eingemachte. Von Nutzen und Nöten feministischer Grundversorgung“ in der Frauenhetz. Wiener Frauencafé 1080 Wien, Lange Gasse 11, T. 01/406 37 54 e-mail: frauencafe@tele2.at www.frauencafe.com Öffnungszeiten: Di-Do 19-24:00, Fr u. Sa 19-2:00, So, Mo u. Reservierungen auf Anfrage

08 an.schläge juli august 2007

Am Anfang waren sechzig Quadratmeter für Frauen und Lesben im Wien der späten 1970er. Auf engstem Raum wurden die ersten Getränke und Veranstaltungen in Kaffeehausatmosphäre von und für Frauen angeboten und die ersten Bücher von und für Frauen verkauft. Bei einem Waldspaziergang vor 33 Jahren entstand die Idee einer Frauenbuchhandlung und eines Frauencafés, erinnert sich Gründerin Jane Wegscheider Hyman1. Gemeinsam mit Erica Fischer und Ülküm Fürst wurde eine Ges.m.b.H. gegründet, von einer größeren Gruppe engagierter Frauen dann das „Buchcafé“ in der Lange Gasse 11. Fünf Jahre später, 1982, bogen sich die Bücherregale im Café endgültig bis zum Boden und die Buchhandlung Frauenzimmer bezog ein eigenes Lokal – gleich nebenan. Später übersiedelte sie in die Zieglergasse. Das Frauencafé hingegen ist immer noch in der Lange Gasse daheim – in einem liebevoll renovierten Lokal – und stellt somit den ältesten noch bestehenden Wiener Ort der Neuen Frauenbewegung und der Lesbenszene dar. Vor dem Background einer sich international akut ausbreitenden „weiblichen Raum-Entschwindung“ verpasste eine Touristin dem Frauencafé deshalb den Kosenamen „Wunder von Wien“, da es bei ihr daheim in Deutschland, „sowas“ nicht mehr gäbe. Das Wiener Frauencafé hat eine bewegte Geschichte zu erzählen. Diente es den einen als Treffpunkt für politisch-intellektuelle Diskurse, Arbeitskreise und „Aktions-Konspiration“, nutzten es andere als Beratungsstelle für

Gewalt-, Outing-, Migrantinnen- oder auch Buchhaltungsfragen. Viele bespielten es kreativ als künstlerische Präsentationsplattform für Lesungen, Ausstellungen und Performances wie es für die zunehmend selbstbewusste Wiener Lesbenszene natürlich „ihre Bar“ darstellte, in der frau „Brautschau“ – und sei es nur für einen One-Night-Stand – halten konnte. Aufgrund seines vielschichtigen Charakters bot das Café schon damals auch ein gutes Forum für mittlerweile namhaft gewordene „Prominenz“ wie z.B. Inge Rowhani, Johanna Dohnal, Ginka Steinwachs, Elfriede Gerstl und die damals noch als „Jungschriftstellerin“ geltende Elfriede Jelinek.

Eine Touristin verpasste dem Frauencafé den Kosenamen: „Wunder von Wien“ Sorgten die vielen unterschiedlichen Zugänge der beteiligten Frauen und Besucherinnen einerseits für den „Segen“ vielfältigen Engagements, waren sie manchmal auch ein „Fluch“. Denn sehr viele unterschiedliche Standpunkte, Ansprüche und Erwartungen sollten von diesem einen Raum vertreten, befriedigt und eingelöst werden. Die Vereinbarung all dieser auf das Café fokussierten Forderungen durch die Betreiberinnen-Kollektive ist aus heutiger Sicht als gelungener Akrobatik-Akt anzusehen. Ursula Kubes-Hofmann, heutige Leiterin des Rosa Mayreder Colleges, berichtet beispielsweise über das Parado-

xon des in den Anfangsjahren des Cafés verhängten „Kussverbots“. Dieses sollte lesbische Gästinnen daran hindern, ihren Neigungen „offen und sichtlich“ nachzugehen, da sich einige heterosexuelle Politaktivistinnen dadurch „irritiert“ fühlten. Die nunmehr in Hamburg lebende Foto- und Performance-Künstlerin Kris Beinstein ergänzt, „dass das Kussverbot aber nicht lange durchgesetzt werden konnte, weil das Klo dann oft und manchmal auch demonstrativ von knutschenden Frauen besetzt war“; – was andere Gästinnen, die die Toiletteneinrichtung zweckgemäß nutzen wollten, wiederum auch nicht wirklich gut fanden. Mit der Erkenntnis, dass mit kooperativem Differenzbewusstsein und hybridem Networking feministisch und gemeinsam mehr zu erreichen ist, konnte sich das Café immer wieder neu erfinden und sich doch selbst treu bleiben. Und so bespielt, bekocht und organisiert das seit Dezember 2004 aktive, aktuelle Team um Conny Lichtenegger, Iris Hajicsek und Gabriele Szekatsch den Raum leidenschaftlich: Das Frauencafé präsentiert junge, beachtenswerte Künstlerinnen aller Gattungen, greift wichtige Themen auf und präsentiert sich als universeller Produktiv-, Lustund Genuss-Raum. Das „Raum-Menü“ liest sich demnach vielseitig und reicht von Grrrlzzz-Garage und KonzertSchuppen über LiteraturperformanceTheater und Kunst-Galerie durch Frauen-Kino hindurch bis hin zum relaxten Lady-Bar- oder veganem Dinner-Room. Von Altersmüdigkeit ist also weit und breit nichts zu merken. ❚


Das letzte Kapitel Auch die Wiener Buchhandlung Frauenzimmer ist 30 Jahre alt geworden. Gejubelt wird aber nicht. Denn es gibt sie nicht mehr – die letzten Bücher wurden Ende Juni verkauft. Von Gabi Horak Ich hatte den Artikel schon geschrieben: Dreißig Jahre Frauenzimmer, unsere Lieblingsbuchhandlung in der Zieglergasse, waren ein Grund zum Jubeln. Weitere dreißig Jahre sollte es sie geben. Mindestens. Dann kam der Anruf. Aus. Es war finanziell endgültig nicht mehr machbar, die Buchhandlung zu erhalten. Und es musste schnell gehen. Deshalb wurden schon Ende Juni die letzten Bücher an die Frau gebracht. „Jeder Euro hilft uns nun“, meinte die Inhaberin Helga Widtmann am Telefon. Jede, die Erfahrung mit der Organisation kleiner, unterfinanzierter Projekte hat, kann wohl erahnen, wie sehr Helga und ihre Mitarbeiterinnen in den letzten Jahren schon kämpfen mussten, um das Frauenzimmer für uns offen zu halten. Die Bücherregale im 1977 gegründeten Buchcafé in der Lange Gasse füllten sich schnell. „Der Stein, den die amerikanischen Feministinnen ins Rollen gebracht hatten, war nicht mehr aufzuhalten“, erinnert sich Mitgründerin Erica Fischer. „Die Bücher, die seither geschrieben wurden und weiter geschrieben werden, sind unser kollektives Gedächtnis, das nicht mehr verloren gehen wird.“ Mit der Frauenbuchhandlung in Wien schließt ein Ort der österreichischen Frauenbewegung, der weit über die Grenzen bekannt war und länger überlebt hatte, als vergleichbare Buchläden im deutschsprachigen Raum. Das Frauenzimmer war wegen seiner großen Auswahl an Büchern beliebt – von Frau-

enforschung über Lesbenkrimis bis zu Kinderbüchern. Und es wurde für seine kompetenten Buchhändlerinnen geliebt: Für zahllose Frauen gab es immer genau die richtige Buchempfehlung. Das Frauenzimmer war aber nicht „nur“ Buchhandlung. Der 1986 gegründete „Verein Freundinnen der Buchhandlung Frauenzimmer“ gibt auch eine eigene feministische Rezensionszeitschrift heraus, den WeiberDiwan. Er wird vorerst auch weiterhin erscheinen, zumindest noch im Herbst 2007. Das Frauenzimmer war ebenso Szene-Ort, Veranstaltungsraum für Lesun-

das Frauenzimmer konnte die Bedürfnisse vor allem jüngerer Frauen einfach nicht mehr erfüllen gen und Feste, Treffpunkt für Freundinnen und darüber hinaus ein „wichtiges politisches Statement“, meint Cornelia Kogoj von der Initiative Minderheiten. Die Buchhandlung war eine der ersten Institutionen der Lesbenbewegung, Ausgangspunkt der Reflexion und Raum für feministische Aktionen. „Ein Ort für das Wort“, so die Autorin und Aktivistin Helga Pankratz. Das Ende des Frauenzimmers ist schockierend – trotzdem war es absehbar. Der Umsatz ist schon seit Jahren zurückgegangen. So wie andere kleine Buchhandlungen bekam auch die Frauenbuchhandlung die Konkurrenz der großen Ketten und der Internetbuchhandlungen zu spüren. Offenbar ist

L e n i Wi e b a c h u n d C l a u d i a Fr i e s i n g e r, Fo t o : M a r t i n a M a d n e r

30jahrefrauenzimmer

Fo t o s : G a b i H o ra k

aber auch die Zeit vorbei, in der Feministin in jedem Fall in der Frauenbuchhandlung einkauft. „Ich merke in meinem Freundinnenkreis, dass auch Frauen, die sich als Feministinnen bezeichnen, nicht hier einkaufen“, erzählt Verena Fabris, langjährige Frauenzimmer-Mitarbeiterin. Es ist einfach praktischer, mit einem Klick online zu bestellen. Inhaberin Helga Widtmann ist sich aber auch dessen bewusst, dass das Frauenzimmer in dieser Form die Bedürfnisse vor allem jüngerer Frauen einfach nicht mehr erfüllen konnte. „Eine Frauenbuchhandlung muss sich heute genau überlegen, was junge Frauen brauchen“, meint sie. Nur ein ganz neues, unbelastetes Team kann wohl eine ganz neue Frauenbuchhandlung ins Leben rufen, die sich dieser neuen Zielgruppe widmet. „Das Frauenzimmer ist gerade mal erwachsen geworden, und wir freuen uns schon, gemeinsam so richtig alt zu werden.“ Das wäre mein letzter Satz im Artikel zum fröhlichen Jubiläum gewesen. Anscheinend ist erwachsen aber schon zu alt. Was, wie und wo lesen junge Feministinnen ihre Bücher? Das soll uns in Zukunft beschäftigen. Dem Frauenzimmer und seinem Team gebührt in jedem Fall ein herzliches: Danke! ❚ Ein Fest für das Frauenzimmer! Im Herbst werden die 30 Jahre noch einmal gebührend gewürdigt. Der „Verein Freundinnen der Buchhandlung Frauenzimmer“ und die „Frauenhetz – feministische Bildung, Kultur und Politik“ sind dabei, ein Festprogramm zu organisieren. Welche Ideen hat oder unterstützend tätig sein mag: office@frauenhetz.at juli august 2007 an.schläge 09


Fatima2007

Fo t o s : j m o e /p r o j e k t f a t i m a . a t Fo t o s : J e n s Ka s t n e r

Damit sich etwas bewegt Die jungen Musliminnen Österreichs präsentieren sich als selbstbewusste Österreicherinnen mit dem Willen Grenzen zu sprengen. Martina Madner war bei der Abschlussveranstaltung des Qualifizierungsprojekts „Fatima 2007“ .

Infos und Vorträge unter: www.projektfatima.at

10 an.schläge juli august 2007

„Yeeeeaaaah!!!“ jubelt die junge Frau im Kopftuch mit den aufgemalten grünen Streifen auf den Wangen. Sie hat sich beim Rugby-Spiel mit dem Ball hinter die Linie gekämpft und tanzt quer durch ihre „Mann“schaft. Alle sind junge Frauen, keine ist älter als 25; alle sind Mitglieder der „Jungen Musliminnen Österreichs“, der Großteil davon trägt Kopftuch. Das Bild, das bei der Abschlusspräsentation des Qualifizierungsprojekts „Fatima 2007“ von jungen Frauen muslimischen Glaubens in einem Film gezeigt wird, widerspricht völlig dem in den Medien oft dargestellten Klischee

der unscheinbaren, be- und unterdrückten Frau, die sich hinter ihrem Glauben und einem Kopftuch versteckt.

gagement und Frauenpolitik ausmacht. Offenbar hatte man Spaß daran, denn das Lachen im Film nimmt kaum ein Ende. Humorvoll setzt man sich selbst Humor als Antrieb. Das Motto des Projekts, „Beweg dich, damit sich etwas bewegt“, mit ernsthaften Themen wie den äußeren gesellschaftlichen Grenzen und Vorspiegelt sich deshalb auch nicht nur in urteilen, aber auch mit den inneren traden sportlichen Aktivitäten wider, sonditionell-familiären Barrieren auseinandern auch im Projektunterricht: Unter der. Im Sketch sieht man einen Merceder Anleitung von professionellen Traides, zwei Frauen am Steuer und als nerinnen lernten 25 junge Frauen an Beifahrerin, ein junger Mann auf dem fünf Seminar-Wochenenden im Laufe von neun Monaten, wie Projektmanage- Rücksitz. Frei nach dem Motto „Das geht doch nicht – Frau mit Kopftuch fährt Lument und -präsentation funktioniert, xus-Karosse“ macht sich die Sprecherin wie man sich nach den Künsten der Rhetorik am besten ausdrückt, wie man lustig über die Situation und die dementsprechenden Vorurteile. Auf die Fraein Team führt und was politisches En-


2007fatima halb nur Teil von umfassenderen Frauenqualifizierungsprojekten, Antirassismusarbeit und Integrationspolitik sein – und in all diesen Bereichen fehlte es in den vergangenen Jahren an Unterstützung. Ursula Haubners schriftlich überreichte Grußworte an die Teilnehmerinnen von Runde eins, „Fatima 2004/2005“, klingen deshalb und angesichts der restlichen FPÖ-Parteipolitik nicht gerade glaubwürdig: Auch wenn sie das „freiwillige Engagement“ hervorhebt und ein Bekenntnis zur Förderung junger Frauen ablegt – die „Unterstützung von Musliminen“ als solche wird nicht einmal erwähnt. Allerdings bleibt heute ebenfalls die Frage offen, ob ihre Nachfolgerinnen, Ministerinnen Doris Bures (SPÖ) und Andrea Kdolsky (ÖVP), in diesem Bereich tatsächlich aktiver werden. Sie haben ebenfalls nur Vertreterinnen und postalische Grußworte geschickt.

Fo t o : w w w. s c h w a r z e f ra u e n . n e t

mehr verdiene, werden wir uns die Karenz teilen. Für ihn ist das auch kein Problem, wir wollen uns gleichberechtigt und im selben Ausmaß um die Kinder kümmern“, erzählt sie von ihren Plänen. Politische Statements. Ernsthafter, wenn auch von auflockernden Theaterstücken Religion ist ihr wichtig, deshalb trägt sie und musikalischen Beiträgen unterbro- seit drei Jahren das Kopftuch:„Ich lebe chen, geht es beim anschließenden Pro- meine Religion öffentlich. Der Islam erlegt das den Frauen auf“, meint sie, gramm im Palais Eschenbach zu. Frau„aber es ist die Entscheidung einer jeden en- und Integrationsstadträtin Sandra Einzelnen es zu tun. Dadurch wird man Frauenberger spricht vom selbstbenicht zu einer besseren oder schlechtestimmten und sicheren Leben in der ren Muslima.“ Aus dem Fatima-Projekt Stadt Wien, dass für alle Frauen unabist sie mit gestärktem Selbstbewussthängig von Religion und Herkunft ermöglicht werden müsse. Es brauche ein sein und der Fähigkeit, besser mit Koneigenes Einkommen und die Förderung flikten umzugehen, herausgegangen. Wie Emel Gürol-Yücel erlebt auch von Frauen abseits der traditionellen die 28-jährige Ärztin Iman Dawoud, die Frauenberufe, Änderungen im Fremdenrecht, aber auch den Abbau von Vor- aktuell ihren Turnus macht, kaum Vorurteile aufgrund des Kopftuchs: „Von den urteilen, damit das Kopftuch nicht zu Kolleginnen und Kollegen werde ich akeiner Barriere beim Einstieg ins Berufsleben wird. Die Teilnehmerinnen von Fa- zeptiert, da steht die Qualität meiner Arbeit und meiner Qualifikation im Vortima 2007 sieht Frauenberger als role models:„Ihr beinahe kokettes Selbstbe- dergrund. Hin und wieder kommt es wusstsein zeigt, wie wichtig Empower- vor, dass ich von Patientinnen und Patienten darauf angesprochen werde, oder ment ist.“ Die Stadträtin hofft wie die für eine Krankenschwester gehalten anderen RednerInnen, dass durch das werde.“ Dann erklärt sie einfach, warselbstbewusste Auftreten der Frauen um sie ein Kopftuch trägt und fand den klar wird: Die jungen muslimischen Frauen arbeiten aktiv daran, dass sie als Umgang damit bisher auch nie weiter tragisch: „Ich mache alles, was ich will Österreicherinnen und Europäerinnen, die ihren Glauben offen leben, wahrge- und gehe damit auch Laufen. Wir waren nommen werden und selbst den Willen auch beim Wiener Frauenlauf mit dabei.“ Wichtig ist ihr aber, dass sie nicht dazu haben, Grenzen zu überschreiten in ihrem beruflichen Werdegang beund ein selbstbestimmtes Leben zu schränkt wird. Das Kopftuch auf dem führen. Passbild in der Bewerbung soll ihr keine Nachteile bringen, äußert sie ihre Angst Keine inneren Grenzen. Im Gespräch mit zwei der „Schwestern“, denn so nennen vor Vorurteilen schließlich doch. sich die Fatima-Frauen selbst, ist deshalb auch schnell erkennbar, dass sich Äußere Grenzen. Die gesamte Veranstaldie Lebensziele der jungen muslimitung zeigt nur einen Ausschnitt aus schen Frauen wenig von jenen vieler dem Leben muslimischer Frauen, die anderer Österreicherinnen unterscheiSichtweise von gut gebildeten, offenen den. Emel Gürol-Yücel ist Österreicherin, und Gleichberechtigung einfordernden ihre Familie ist bereits vor drei GeneraFrauen. Die Tatsache, dass viele Frauen tionen aus der Türkei zugewandert. Sie am Arbeitsmarkt bestenfalls als Reinistudiert Medizin und steht kurz vor gungskräfte eingesetzt werden und ihihrem Abschluss: „Mir ist Bildung sehr re Ausbildung nicht anerkannt wird, wichtig, damit ich mich in einem anerwird angesprochen. Nicht aber, wie jekannten Beruf etablieren kann.“ Die ne Musliminnen erreicht werden, die 26jährige ist sich noch nicht sicher, ob mangels Bildung, Sprachkenntnissen, sie später eine wissenschaftliche Karrie- mehreren Kindern und fortgeschrittere anstreben oder eher praktisch im nem Alter oder auch nur einzelnen dieHNO-Bereich arbeiten möchte. Sie ist ser Barrieren kaum eine andere Mögseit viereinhalb Jahren verheiratet und lichkeit haben, am Erwerbarbeitsleben möchte mit Kindern noch warten, bis teilzunehmen. An jenen gehen auch sie beruflich fest im Sattel sitzt. „Je die Qualifizierungsmaßnahmen von nachdem, ob dann mein Mann oder ich „Fatima 2007“ vorbei, sie können desge, wie sich der junge Mann denn fühle, antwortet dieser: „Schon ein bisserl diskriminiert.“

Im Namen des Islams. Mehr vertreten ist dagegen der Blick nach innen, auf den Bereich, in dem Frauen im Namen des Islams an ihrer Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gehindert werden. Die Politologin und Islamwissenschafterin Amena Shakir räumt in ihrem Festvortrag zugleich mit hohlen Argumenten mancher Feministinnen und TraditionalistInnen auf. Im Koran sei verankert: Deine Rechte fallen nicht vom Himmel – Kümmere du dich um ihre Realisierung! Sei kritisch – auch der eigenen Kultur und Tradition gegenüber! Akzeptiere kein Unrecht und wende dich laut dagegen! Bilde dich! Und arbeite! Sei verantwortlich für deine Gesellschaft! Shakir kann die Forderungen mit Zitaten und Geschichten aus dem Koran untermauern und zeigt damit eindrucksvoll, dass Frauen nicht durch den Islam oder das „Buch“ an sich, sondern durch die falsche Auslegung an einem selbstbestimmten Leben gehindert werden. Was für Nicht-Religiöse allerdings den ganzen Nachmittag über befremdlich klingt, ist der jeweilige Beginn der Vorträge der MuslimInnen: „Im Namen des gnädigen und sich erbarmenden Gottes ...“ verspricht – egal, ob im Katholischen oder im Islam – offenbar nur für Gläubige etwas Gutes. ❚ juli august 2007 an.schläge 11


internationalan.riss belgien

More than playing games Antwerpen ist im Juli der Nabel der Welt – zumindest der sportlichen Welt von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender. Registrierte 3.278 Sportlerinnen und Sportler treffen sich vom 12. bis 15. Juli zu den elften Eurogames, die unter dem Motto „More than playing games“ stehen. Veranstaltet wird der an die Olympischen Spiele angelehnten Wettbewerb von der „European Gay and Lesbian Sport Federation“ (EGLSF), Österreich stellt für die „Eurogames 2007“ insgesamt 46 TeilnehmerInnen, davon vierzig Frauen. Neben Fußball, Volleyball, Tanz und Schwimmen, messen sich die TeilnehmerInnen unter anderem auch im Hockey, Bowling, Badminton und Ringen. Auch zahlreiche Kultur- und Unterhaltungsevents, wie Filmund Theatervorführungen stehen auf dem Programm. Zum ersten Mal gibt es auch einen Eurogames-Song, der von der belgischen Sängerin Kate Ryan stammt. Zu den Spielen selbst werden etwa 10.000 BesucherInnen erwartet. Die Eurogames stellen klar, dass zwar auch sportliche Erfolge zählen, zuvorderst steht aber die Überwindung der Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung. Die nächsten „Eurogames“ im Jahr 2008 werden dann in Barcelona stattfinden. tp www.eurogames.info www.gayflandern.de

brasilien

Fo t o : C h r i s t i n e S c h r ö d e r / S ü d w i n d

bayern

Recht auf die Pille Die Beibehaltung eines absoluten Verbotes von Schwangerschaftsabbrüchen forderte Papst Benedikt XV. bei seinem Brasilien-Besuch im Mai. Sogar von Kommunionsausschluss für AbtreibungsbefürworterInnen war die Rede. Brasiliens Präsident Luis Ignazio „Lula“ da Silva scheint dies wenig zu kümmern. Nach der Abreise des katholischen Oberhauptes wurde das Programm zur neuen Familienplanung vorgestellt, das rund fünf Millionen Frauen pro Jahr das Recht auf die Anti-Baby-Pille einräumt, kostenlos oder für einen Kaufpreis von umgerechnet 33 Cent. Gesundheitsminister José Temporão kritisierte den Papst dafür, AbtreibungsbefürworterInnen von der Diskussion um Abtreibungen ausschließen zu wollen. Außerdem forderte er dazu auf, Frauen in der Diskussion um die Abtreibung anzuhören, da diese schließlich die Kinder bekommen würden. Die Zahl der illegalen Abtreibungen ist hoch. Laut einer Aussage des Gesundheitsministers werden mehr als dreißig Prozent aller Schwangerschaften abgebrochen, meist von Mädchen in den Armenvierteln. Wegen des Verbots werden Abtreibungen oft unter hygienisch besonders bedenklichen Umständen vorgenommen und sind damit die vierthäufigste Todesursache von Schwangeren in Brasilien. tp 12 an.schläge juli august 2007

„Sichere Wiesn“ Im Oktober wird mit „O´zapft is“ zum 173. Mal das wohl größte Volksfest der Welt eröffnet. Jedes Jahr kommt es dort auch zu sexuelle Belästigungen, Nötigungen und Vergewaltigungen von Frauen. Die Initiative „Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen“ macht seit 2003 auf die Gefahr von Belästigungen und Vergewaltigungen weiblicher Besucherinnen aufmerksam. Zudem ruft sie alle Besucherinnen und Besucher auf der Homepage und mit diversen Aktionen auf, Zivilcourage zu zeigen, wenn Frauen und Mädchen auf dem Fest belästigt werden. Die Initiative möchte aber nicht nur im Vorfeld auf mögliche Risiken aufmerksam machen, auch auf der „Wiesn“ selbst ist sie vertreten: Der „Security Point“ ist eine Anlaufstelle, die während des Festes geöffnet hat und bei Problemen professionelle Hilfe leistet. Alleine im Jahr 2006 wurden dreißig Sexualstraftaten und vier Vergewaltigungen von der örtlichen Polizei verzeichnet. Die Zahl der tatsächlichen Sexualdelikte wird aber weit höher eingeschätzt. tp www.sicherewiesn.de

o s te u r o p a

Attacken und Paraden Rund um dem 17. Mai, dem „International Day Against Homophobia“ und dem 28. Juni, dem Christopher Street Day waren und sind europaweit zahlreiche Veranstaltungen, Paraden, Demonstrationen und Festivitäten von Lesben, Schwulen und Transgender Personen geplant, die so auf sich


Fo t o : T h o m a s B ra d e

und ihre Rechte aufmerksam machen. In manchen Ländern führen solche Ausdrucksformen noch immer zu Verhaftungen und Übergriffen. In Moskau wurde heuer zum zweiten Mal die Gayparade verboten. Damit widersetzt sich die Stadt dem Entscheid (Mai 2007) des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Die VeranstalterInnen, unterstützt von EU-ParlamentarierInnen und Abgeordneten aus dem italienischen Parlament, wollten dem Moskauer Oberbürgermeister Juri Luschkow eine Petition zur Versammlungsfreiheit übergeben. Doch die Delegation, angeführt vom deutschen Bundestagsabgeordneten der Grünen Volker Beck, kam erst gar nicht so weit. Sie wurde von Polizei und GegendemonstrantInnen gewaltsam gestoppt. Volker Beck wurde „zu seinem eigenen Schutz“, wie die Polizei später bekannt gab, verhaftet, aber nach kurzer Zeit wieder freigelassen. Neonazis, orthodoxe FundamentalistInnen und Rechtsradikale mischten sich ungehindert unter die rund fünfzig AktivistInnen und griffen diese tätlich an. „Die Sicherheitskräfte schützen die AktivistInnen nicht. Sie lassen zu, dass sich die verschiedenen Gruppen mischen und ich habe den Eindruck, das geschieht vorsätzlich“, kritisiert Boris Dittrich, Beobachter von Human Rights Watch. Am 19. Mai fand in Warschau die „Parade der Gleichheit“ statt, von rund 10.000 TeilnehmerInnen sprachen die VeranstalterInnen, die Polizei berichtete von 4.000. Noch vor einem Jahr hatte der damalige Bürgermeister und jetzige Staatschef Lech Kaczynski die Parade verboten und wurde deshalb von Menschenrechtsgerichtshof und EU-Parlament kritisiert. Die neue Warschauer Oberbürgermeisterin Hanna GronkiewiczWaltz steht der Veranstaltung positiv gegenüber und zeigte sich nach Angaben der VeranstalterInnen sehr kooperativ. Unterstützt wurden die AktivistInnen von 25 linken und liberalen Abgeordneten aus Nachbarländern und dem EU-Parlament. Bei einer Gegenveranstaltung tags darauf, an der ca. 600 Menschen teilnahmen, beschimpfte der polnische Bildungsminister Roman Giertych die CSD-TeilnehmerInnen als „widerliche Päderasten“. In Riga, der Hauptstadt Lettlands, wurde das Demonstrationsverbot gegen eine CSD-Veranstaltung von einem Gericht aufgehoben. Daraufhin kam es vor dem Parlament am 31. Mai, wenige Tage vor der geplanten Veranstaltung, zu einer Demonstration gegen den CSD. besu www.lesbian.or.at/news/1179747907, www.lesbian.or.at/news/1180364019 www.lesbian.or.at/news/1179242908

univie.ac.at/jelinetz

an.rissinternational

deutschland

Sinnlichkeit und Extreme In Berlin findet von 27. bis 29. Juli mit der „xplore 07“ eine dreitägige Veranstaltung zu kreativer Sexualität, BDSM, Performance und Ritual statt. Geboten werden Workshops, Demonstrationen und Performances, die dieses Jahr vor allem den übergreifenden Aspekten von Sexualität Raum geben und die Aspekte des Spiels mit philosophischen, spirituellen, psychologischen und ästhetischen Fragen verknüpfen sollen. Als Dozentin konnte unter anderem Bridge Markland, eine Schauspielerin aus Venuz Boys, gewonnen werden. Sie hält einen Workshop zum Thema „Kommunikation der Körper“. Weitere Workshopthemen werden sein: die Kunst der Unterwerfung, SM und Gesellschaft, Sexuelle Transformation, SM und Heilung uvm. trude xplore07, 27. – 29. Juli, Veranstaltungsort: Schwelle 7, Berlin-Wedding, Uferstraße 6 HH, Info und Anmeldung unter: www.xplore-berlin.de, Kosten Tageskasse: 160,– Euro 3Tagespass/ 75,– Euro Tageskarte

Das Elfriede Jelinek Forschungszentrum hat anlässlich des OnlineBuches „Neid“ der Autorin die Internetplattform „JeliNetz“ gegründet „‚JeliNetz’ versteht sich als ein offenes und lebendiges Forum des Austausches und will zu einer vernetzten und fundierten Auseinandersetzung mit Jelineks ‚Neid’ aus möglichst unterschiedlichen Blickwinkeln beitragen“, heißt es seitens der am Institut für Germanistik der Universität Wien angesiedelten Forschungseinrichtung. Der Umgang mit „JeliNetz“ ist ebenso facettenreich wie Jelineks Werk selbst. Mehr als dreißig Beiträge stehen bereits im JeliNetz, über die diskutiert werden kann. Für sie wurden internationale Jelinek-ForscherInnen, ÜbersetzerInnen und SpezialistInnen aus verschiedenen Fachbereichen sowie Jelineks langjährige Theater-Verlegerin gewonnen. Fragen an die UserInnen können per Mailfunktion oder im Chat zur Diskussion gestellt werden. pix

juli august 2007 an.schläge 13


mexikanischerevolution

Oaxaca, Mexiko Fo t o s : J u t t a S o m m e r b a u e r

Eine Geschichte des Widerstands, erzählt von Aline Castellanos

Aline Castellanos ist Mitglied des Konsortiums für den Parlamentarischen Dialog und Gerechtigkeit Oaxaca/Netz der zivilen Gremien. Sie war mehrere Jahre als Anwältin für die Mexikanische Liga zur Verteidigung der Menschenrechte (LIMEDDH) tätig. Wegen ihres menschenrechtlichen Engagements während der Proteste war sie mehreren offiziellen und inoffiziellen Übergriffen durch Polizei und regierungsnahe Banden ausgesetzt und musste daher zeitweilig untertauchen. Während des Treffens im April wurde in ihre Wohnung eingebrochen und ihr Pass entwendet. Castellanos macht dafür Ulises Ruiz direkt verantwortlich.

14 an.schläge juli august 2007

Was vor sechs Monaten eine Stadt in Flammen war, preist sich heute im Fernsehen als touristisches Paradies an. Oaxaca, Mexiko, leuchtet mit frisch gestrichenem historischem Zentrum, Fernsehwerbungen versichern:„Es ist besser denn je.“ Doch Hunderte von bewaffneten BeamtInnen der Bundespolizei sichern die Idylle. Nach einem massiven, intensiven und vielfältigen Kampf, der Hunderttausende auf die Straße brachte, um einer Regierung, die sich durch Despotismus, Korruption und Ungerechtigkeit auszeichnet, ein „¡Basta! Es reicht!“ entgegenzubrüllen, scheinen die Leute in Oaxaca nun in Trance gefallen zu sein. Die Konfrontation mit der Regierung hinterließ 26 Tote, alle durch Kugeln getötet, alle waren unbewaffnet. Sie hinterließ mehr als 300 Menschen im Gefängnis, alle mit Schlägen malträtiert. Hunderte Menschen sind im Exil, alternative Medien bedroht und es gibt mehr als 300 offene Haftbefehle. Das Muster ist immer dasselbe: Die Bevölkerung fordert Gerechtigkeit, die Regierung antwortet mit Repression. Ein Zeltlager gewerkschaftlich organisierter LehrerInnen besetzt sechzig Blocks des Stadtzentrums von Oaxaca. Mit Plastikplanen als Dächern und Pappkartons als Betten verbringen die Lehrerinnen und Lehrer dort fast einen Monat. Sie weigern sich, die Straßen frei zu machen, bis sie eine Antwort auf ihre arbeitsrechtlichen und sozialen Forderungen haben: eine Gehaltserhöhung

und Stipendien für die Mädchen und Jungen, Schuluniformen und eine NeuEinteilung der Gehaltszonen.1 Die Antwort der Regierung ist nein. Bereits seit seiner Wahlkampagne für die Gouverneurswahl hatte Ulises Ruiz versprochen, in seiner Amtszeit werde es keine Demonstrationen und keine politischen Zeltlager (plantón) geben. Seine nächste Antwort auf die Forderungen ist die Bundespolizei.

Um diese Zeit hatten die Studierenden bereits das Radio besetzt. Eine Frauenstimme ging auf Sendung:„Wir sind hier, um überall zu verbreiten, was sie mit unserer Bevölkerung machen.“ Von diesem Tag an stand der Staat Oaxaca in Flammen. Oaxaca, im Süden des Landes, ist eine der Regionen mit der größten Armut und sozialer Ausgrenzung. Der Anteil der indigenen Bevölkerung ist hoch – die Diskriminierung, die sie erfahren, 14. Juni 2006: Das Morgengrauen des 14. bekannt. Zusammen mit den beiden Juni brach mit dem Klingeln hunderter anderen südlichen mexikanischen Bundesstaaten Chiapas und Guerrero beHandys an: „Sie räumen die LehrerInnen“ war die Nachricht. Und die zünde- legt Oaxaca den ersten Platz bei Müttersterblichkeit, häuslicher Gewalt gete die Lunte. Hunderte kamen zum Zócalo, ohne gen Frauen, Femizid2 und Untegenau zu wissen, was zu tun war, mitrernährung bei Kindern. Widerstand getragen von den tausenden, die von führt in den meisten Fällen zu Verhafdiesem Schlag geweckt wurden und tung, oder, schlimmer noch, zur Ermornoch benommen durch die Straßen dung von Anführern sozialer Proteste rannten. LehrerInnen mit Kindern auf und Gemeindevorstehern. den Armen, die vor Tränengas werfenVielleicht war deshalb die Reaktion den und Pfefferspray sprühenden Polizi- so enorm, als man erfuhr, dass die LehstInnen flüchteten. Um halb sieben hat- rerInnenschaft gewalttätig geräumt te das Stadtzentrum im wahrsten Sinne wurde. Jeder Oaxacaño, jede Oaxaceña Feuer gefangen. Studierende und ältere hatte seinen/ihren Grund, um sich zu Frauen kamen aus ihren Häusern und organisieren, zu mobilisieren und den verteilten Wasser, Essig und Coca Cola, Rücktritt des Gouverneurs zu fordern. Es um damit die brennenden Augen auswurden sechs Großdemonstrationen zuwaschen. Und sie kamen, um Steine (megamarchas) organisiert, an denen auf die viertausend PolizistInnen zu durchschnittlich dreihunderttausend werfen, die den ausdrücklichen Befehl Menschen teilnahmen. Einige gingen hatten, jene zu entfernen, die die Stadt von siebenhunderttausend Oxacaños in „verdreckten“. Um neun Uhr war der Zó- den Straßen aus – bei einer Gesamtbecalo zurückerobert. Die tausenden Unvölkerung des Bundesstaates von wenibewaffneten hatten begonnen, die vier- ger als vier Millionen. Die Forderung tausend Uniformierten zu jagen. nach dem Rücktritt von Ulises Ruiz als


Fo t o s : A r c h i v, A P P O

Gouverneur des Bundesstaates einte Studierende, GewerkschafterInnen, soziale Organisationen, Indigene und Feministinnen, ForscherInnen, Universitätsangestellte und Bäuerinnen/Bauern, Priester, JournalistInnen und UnternehmerInnen. Die verschiedenen Bereiche artikulierten sich in der „Populären Versammlung der Bevölkerungen von Oaxaca“ (APPO). Wie selten zuvor in der Geschichte Oaxacas einigten sich die sozialen Gruppen und mobilisierten gemeinsam. Wie nie zuvor in der jüngeren Geschichte Mexikos wurde ein kompletter Staat lahm gelegt und die Straße und die Medien eingenommen. Die Medien spielten eine fundamentale Rolle in der Entwicklung der Mobilisierungen. Radio Plantón, das Radio der LehrerInnenschaft, wurde im Morgengrauen dieses 14. Juni brutal attackiert, jedoch in weniger als drei Stunden mit der Besetzung von Radio Universidad durch Studierende erwidert. Auflagen der Zeitung Noticias wurden von der Regierung des Bundesstaates beschlagnahmt, aber sie erschien, oppositioneller denn je, während des gesamten Konflikts weiter. Eines schönes Tages – am ersten August – mobilisierten die Frauen für eine Demo mit cacerolas3 und entschieden anschließend, den Fernsehsender und die Radiostation der Regierung des Bundesstaates zu besetzen: Radio Cacerola war geboren – Teve APPO war das Fernsehen. Zwölf kommerzielle Radiostationen wurden nach einem weiteren polizeilichen Angriff besetzt. Es entstanden außerdem zwei Nachrichtenagenturen, Oaxacalibre und die offizielle Webseite der APPO. Über die Medien erhielt die APPO in den Monaten von Juni bis November eine öffentliche Stimme. Am 29. Oktober erhielt Oaxaca die Nachricht: Die Bundespräventivpolizei (PFP) werde die Stadt „von der Barbarei

revolutionmexikanisch

generes und oft Übersehenes: die traditionelle, verzerrte Wahrnehmung, mit der der Machismo die soziale und politische Partizipation von Frauen verhindert hat. 2. November, morgens um halb acht. Als die Frauen machten ZeugInnenaussaPFP bereits den Zócalo besetzt hatte, ergen zu Menschenrechtsverletzungen. klang im Radio Universidad die unverDie Witwen und Frauen der Verschwunwechselbar ruhige, warme und intelligente Stimme der Doktorin Bertha: „Ge- denen und Gefangenen waren es, die nossinnen und Genossen, ich rufe euch ihre Stimme erhoben. Diejenigen, die dazu auf, unser Radio zu verteidigen, die Essen machten und die, die ärztliche Hilfe leisteten. Es waren mehrheitlich PFP kommt.“ Frauen, die diese Geschichten schrieTausende Menschen folgten dem Aufruf, um schließlich eine siebenstün- ben, verbreiteten und beklagten. Auch bei internationalen Instanzen wie der dige Schlacht gegen die PFP zu gewinnen. Die Allerheiligen-Schlacht. Ein wei- Interamerikanischen Kommission für teres Mal Steine gegen Tränengas, Pan- Menschenrechte. Es sind in erster Linie zer und Hubschrauber. Bei der Zählung Frauen, die als Verteidigerinnen der Menschrechte politisch verfolgt werden. der Verletzten dieser Schlacht war die Und sie organisierten schließlich Älteste eine 74jährige Frau. Eine weitere entscheidende Bedeu- im April 2007 ein Treffen von Feministinnen und Vertreterinnen sozialer Betung hatten Frauen jeden Alters, jeder Herkunft und Geschichte für die Bewe- wegungen in Oaxaca. Rund 200 Frauen gung. Die tausenden anonym Gebliebe- aus ganz Mexiko, verschiedenen Ländern Lateinamerikas und den USA berienen, die die AktivistInnen mit Lebensmitteln versorgten, ebenso wie jene, die ten über Strategien gegen die Gewalt, zu Protagonistinnen und Ikonen des Wi- der Frauen – zu Hause oder durch staatderstands und des Mutes wurden: Bert- liche Sicherheitskräfte – ausgesetzt sind. Unter dem Anstrich weißer Farbe ha, Ärztin von Beruf und Nachrichtensprecherin durch Improvisation; die Leh- lässt sich noch immer das „Ulises raus!“ rerin Carmen, die erste Radiomoderato- lesen. Nach der zweiten großen Repression vom 25. November blieben die rin der Bewegung; Yésica, die unerStraßen ruhig. Bis zum 8. März, an dem schrockene Verteidigerin der MenRadio Plantón für einige Tage wieder schenrechte; Paty, Gründerin der Frauenkoordination von Oaxaca; Nancy, Stu- auf Sendung ging, und an dem die Frauen demonstrierten. Jetzt nähern dentin und Einheizerin der Lastwagensich die Wahlen für den lokalen KonfahrerInnen und Alondra, das zwölgress. In der APPO wird über Wahl oder fjährige Mädchen, das das Publikum Wahlboykott diskutiert. Es gibt keine Eizum Weinen brachte, als sie mit ihrer nigung. Es gibt aber nach wie vor etwa Mädchenstimme sagte:„Ich wäre gern zwanzig politische Gefangene. Und die groß, damit ich mit meinen Freunden für die LehrerInnen kämpfen könnte, die Leute kehren langsam wieder auf die von der Regierung geschlagen wurden.“ Straßen zurück. Der Jahrestag des Beginns der Bewegung rückt näher. Es Die Frauen kämpften vereint und scheint so, als wäre diese Geschichte gemeinsam mit der Bewegung. Sie noch nicht beendet. ❚ setzten nicht nur die Regierung des Bundesstaates schachmatt, sondern darüber hinaus noch etwas viel Verbor- Aus dem Spanischen von Jens Kastner erlösen“, in die – so die Worte der lokalen GesetzgeberInnen und Ulises selbst – die APPO sie gestürzt hatte.

1 Der mexikanischen LehrerInnenschaft werden die Gehälter auf der Grundlage ökonomischer Zonen ausgezahlt. Oaxaca befindet sich in der Zone mit den geringsten Einnahmen von Gehältern durch die gewerkschaftlich Organisierten, obwohl es ein Staat mit gehobenen Lebenskosten ist. Oaxaca ist sowohl der Name des Bundesstaates als auch der seiner Hauptstadt. 2 Die Morde an Frauen werden laut einer Studie des nationalen Abgeordnetenhauses zum Femizid, wenn sie eine kontinuierliche Straflosigkeit aufweisen. Oaxaca befindet sich unter den fünf ersten Plätzen im nationalen Vergleich. 3 In Lateinamerika verbreitete Protestform, bei der mit Gegenständen auf Kochtöpfe geschlagen wird.

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themasex

Wer schweigt, genießt nicht Guter Sex braucht Aussprachen, sagt die Sexualtherapeutin Elia Bragagna. Ein Interview von Lea Susemichel Clayton1 eine Studie, nach der 43 Prozent dizinische Praxis und sind Leiterin aller amerikanischen Frauen mit ihrem der Sexualambulanz des Wilhelmi- Sexualleben unzufrieden sind, mit Zweinenspitals. Wer kommt weshalb zu feln, dass die übrigen 57 Prozent die Ihnen? Wahrheit sagen. Was denken Sie? Elia Bragagna: In meine private Meine Güte! Ehrlich gesagt geht Praxis kommen Menschen, die mehr mir das alles schon ziemlich auf die Geld haben. Gemeinsam ist beiden, Nerven. Jeder und jede hat Phasen mit dass etwa gleich viele Männer und sexuellen Problemen. In jeder LebenssiFrauen kommen. Bei Männern sind tuation muss ich mich an VeränderunErektionsstörungen das häufigste Progen anpassen. In der Pubertät, in der ich blem sowie vorzeitiger Samenerguss vielleicht noch nicht so gut auf mich und Lustlosigkeit. Bei Frauen rangieren schauen kann, in der Zeit nach dem Kinschmerzhafter Geschlechtsverkehr, Erre- derkriegen, in der Menopause … Natürgungsabbruch/Erregungsstörung und lich sind da alle grundsätzlich störungsLustlosigkeit etwa gleichauf. anfällig. Wesentlich dabei ist meiner Wie viele Ihrer PatientInnen sind he- Meinung nach, dass die Betroffenen terosexuell, wie viele homosexuell? diese Veränderungen auch als behandHomosexuelle haben in Wien eine lungsbedürftiges Problem definieren. ganz eigene Versorgung. Zu mir kamen Ich glaube nicht, dass ich immer sofort bislang genau drei. Wobei es im Grunde irgendwohin rasen und helfen muss. aber egal ist: Funktionsstörungen sind Zunächst einmal sind das normale PhaFunktionsstörungen. sen im Leben, über die ich mit dem/der In ihrem neuen Buch kommentiert PartnerIn sprechen sollte. Und wenn wir die Sexualwissenschaftlerin Anita beide keine Lösung finden und damit

an.schläge: Sie haben eine sexualme-

Elia Bragagna ist Allgemeinmedizinerin, Sexual- und Psychotherapeutin. Sie ist Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Sexualmedizin (ASSM) und leitet seit 2002 die Sexualambulanz des Wiener Willhelminenspitals

16 an.schläge juli august 2007

unzufrieden sind, dann kann ich mir natürlich Hilfe holen. Hat das, was als Problem empfunden wird, damit zu tun, was medial – oder wie auch immer – als normal definiert wird? Ja, sicher! Verflixt noch mal, es ist einfach menschlich, hin und wieder nicht zu funktionieren. Das alleine ist noch keine Dramatik. Dramatisch wird es dann, wenn ich Hilfe brauche und keine finde. Keine Stellen, an die ich mich wenden kann, auch wenn ich nicht viel Geld habe. Sind Frauen Ihrer Erfahrung nach inzwischen sexuell fordernder geworden? Sagen sie deutlicher – bzw. sagen sie überhaupt – was sie wollen? Der Leiterin einer Sexualambulanz darf man solche Fragen eigentlich nicht stellen. Ich hab ein verzerrtes Bild, ein erschüttertes Bild. Die Frauen, die zu mir kommen, sind großteils tolle Frauen. Nicht klein, unterdrückt, ohne soziales Ansehen, sondern verbal versierte


sexthema

Fo t o : Pa u l a B o l y o s

Frauen. Frauen, von denen ich geglaubt habe, dass sie ihren Platz behaupten werden. Aber auch diese Frauen tun sich sehr schwer. Das hat natürlich damit zu tun, dass Sexualität ein Gebiet ist, bei dem sehr viel auf dem Spiel steht. Wenn es dort Störungen gibt, ist viel mehr gefährdet als nur die entsprechende körperliche Funktion. Da geht es um Beziehungen und dort sind Menschen ganz anders verletzbar. Einfach zu sagen: „Ich hab ’ne Klitoris, die muss man rubbeln, ich bin keine vaginale …“ – so einfach ist es leider nicht. Aber davon abgesehen bin ich dennoch erschüttert, dass sich so viele Frauen einem ewigen Stress aussetzen, statt sich einfach einzugestehen, dass sie nicht zu den wenigen Glücklichen gehören, die durch „normalen“ Geschlechtsverkehr einen Orgasmus bekommen und selbstverständlich ihre Hand oder die des Partners an die Klitoris legen oder sich in eine stimulierende Position bringen. Das stimmt mich traurig. Ich hätte geglaubt, dass das verbreiteter ist. Gibt es die „weibliche sexuelle Dysfunktion“, von der gegenwärtig so viel die Rede ist, wirklich? Oder sind Männer einfach nur weiterhin miserable Liebhaber? Ich komme ja aus der Frauenbewegung und gerade deshalb mag ich so was nicht mehr hören. Wenn ich den Männern die Schuld gebe, übernehme ich keine Verantwortung für meine Sexualität. Es gibt keine schlechten Liebhaber, nur solche, denen ich erklären muss, wie ich funktioniere. Kein Mann kann wissen, dass ich mit Vorspiel nicht meine, sich gleich auf die Klitoris zu stürzen, das haben sie aber überall gelesen. Das Blödeste, was man aber tun kann, ist natürlich, sich da gleich am Anfang draufzustürzen. Das scheuert wund und sonst gar nichts. Mir wäre das gerade bei kritischen Zeitschriften so wichtig, dass sie niemanden in die Opferrolle stecken. Was haben wir davon? Jede/r wäre gern ein guter Lover bzw. eine gute Loverin und will dem/der PartnerIn gefallen. Wichtig ist, den eigenen Körper zu kennen, stolz auf ihn zu sein und die Dinge ohne Scham auszusprechen. Eine würdevolle weibliche Sexualität, bei der ich mich nicht schäme, dass sie eben ein paar

Aussprachen braucht. Ich glaube auch nicht, dass wir selbst gute Loverinnen sind, solange wir das nicht tun. Ist Masturbation mittlerweile enttabuisiert? Ich würde es mir natürlich wünschen. Und es ist sicherlich inzwischen normaler geworden. Wobei der kulturelle Hintergrund sehr entscheidend ist. Ich habe aber auch 20jährige PatientInnen, bei denen das immer noch alles andere als locker ist. Und bei älteren Frauen? Die erobern es sich zum Teil zurück, fangen mitunter erst um die Vierzig damit an. Aber beim Großteil meiner PatientInnen gehört Selbstbefriedigung dazu. Zum Glück. Wie sieht es bei jüngeren Frauen aus? Kennen sie ihren Körper besser? Täuschen sie noch Orgasmen vor? Laut einer Studie der Berliner Charité ist es weiterhin so, dass neun von zehn Frauen lügen – zwanzig Prozent davon ihr Leben lang. Junge Frauen sind mit ganz anderen Mythen und Vorbildern konfrontiert als es etwa Frauen meiner Generationen waren. Die weiblichen Vorbilder sind hochgradig sexuali-

dammt starke Menschen, um all das zu erfüllen. Was leistet der Sexualkunde-Unterricht? Kommt die Klitoris dort mittlerweile vor? Ja, das schon. Und es ist natürlich nett, dass die Klitoris mittlerweile auftaucht, aber das alleine genügt natürlich nicht. Das sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Ich finde es erschreckend, wie wenig selbst ÄrztInnen nach wie vor darüber wissen: wie das unter der Haut ausschaut, wie groß der „Verflixt noch mal, es ist klitorale Körper ist, was da für Nerven sind … einfach menschlich, hin Ist nachlassende Lust in den Wechund wieder nicht zu funk- seljahren vor allem ein hormonelles Phätionieren.“ nomen? Oder eines, das mit der Vorstellung vom entsexualisierten Alter – vor alsiert, klapperdürr und mit einem Wahn- lem bei Frauen – zu tun hat? Es ist eine Mischung. Aber eine sinnsbusen. Sexy sein, tough sein – heuStudie der Charité hat ganz deutlich te muss man alles gleichzeitig sein. gezeigt: Die „sexuell emanzipierte Nicht nur schuften wie ein Berserker, Frau“ wird lustvoll bis ins hohe Alter sondern dabei auch noch wirklich richtig sexy sein. Und dabei ja nicht anzwei- sein. Frauen, die mit ihren sexuellen Problemen nie umgehen konnten, sind feln, dass das alles zu schaffen ist. Das wahrscheinlich froh, das endlich hinter bringt ganz neue Probleme. Und ist sicher ein Grund dafür, dass der schmerz- sich zu haben – und ich gönne es ihnen auch. Wenn eine Frau ihr Leben hafte Geschlechtsverkehr bei jüngeren Frauen so auf dem Vormarsch ist. Ich er- lang „Abladeorgan“ für männliche warte von meinem Körper, dass er funk- Spermien war, überzeuge auch ich sie sicherlich nicht davon, dass es sich tioniert, der will aber vielleicht einfach lohnt, das so weiterzumachen. Diejeninur noch schlafen. gen hingegen, die früh gelernt haben, Ähnliches gilt aber auch für Mänmit ihrem Körper umzugehen, die eine ner. Die Klischees von früher gelten Sprache für ihre Bedürfnisse gefunden nicht mehr und welche gegenwärtig haben und vor der Menopause mit ihstimmen, ist völlig unklar. Stark und rer Sexualität zufrieden waren, sind es wissend muss ein Mann immer noch sein, gleichzeitig sanft und einfühlsam. auch danach. 75 Prozent dieser über 75jährigen wünschen sich weiterhin Aber wehe er ist zu weich, dann ist er körperliche Nähe. ❚ eine Null. Es erfordert einfach ver-

.1 Anita H. Clayton:Wie Frauen lieben. Das Geheimnis weiblicher Sexualität, Bertelsmann 2007

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themasex

Fo t o s : Ta n j a P i c h l e r

Herzchennummer Ja, in Berlin …! Da sind Sexpartys wirklich wild. Aber in Wien? Nichts wird passieren, hieß es vorher. Doch, es passierte. Lea Susemichel war auf der ersten Wiener Ladyfest Sexparty.

Das Sexparty Manifest *Weil es Begehren abseits und neben der Zweierbeziehung gibt. * Weil Sexualität auch Kommunikation ist und wir durch Sexualität auch kommunizieren. * Weil Ladyzzz liebend gern provozieren. * Weil Theorie und Praxis miteinander verbunden sind. * Weil (der) die Körper nicht (ein) Objekt(e) von Scham und Scheu sein soll(en). * Weil queere Identitäten nicht nur im Gespräch entstehen, werden und einander finden. * Weil das Begehren viele umfasst. * Weil Interaktion Menschen zusammenführt. * Weil wir auf allen Ebenen mit Respekt und ohne Angst miteinander umgehen wollen. * Weil Sexualität eine selbstverständliche Praxis des menschlichen Lebens ist. * Weil die Utopie nicht nur im Kopf entsteht.

18 an.schläge juli august 2007

„… zur Sexparty“ … „nein, nicht ins Fluc, zur S-E-X-PARTY!“ brüllt I. ins Handy. Der Empfang in der U-Bahn ist schlecht, die Akustik im Wagen gut. Ausnahmslos alle schauen zu uns herüber. Vom Schwedenplatz bis zur Friedensbrücke vermeiden die beiden Frauen neben uns dann mit bebenden Bäuchen Blickkontakt. Beim Anblick einer Comic-Giraffe auf der Tempopackung, die eine der anderen zum Tränentupfen reicht, schütten sie auf Höhe Rossauer Lände ihr Lachen schließlich aus. Mehrere Freundinnen stehen schon an der Ecke vor dem Swingerclub. Die Diskussion, ob es peinlicher ist, als ganzer Tross einzulaufen, oder alleine da reinzumüssen, entscheidet die Angst. Alle gemeinsam drängen wir uns in den kleinen Vorraum, wo wir Herzchennummern zum Aufkleben und ein Glas Sekt bekommen. Der Raum dahinter ist nicht viel größer, die wenigen Sitznischen sind alle schon besetzt. Neben der Bar türmt sich Aphrodisierendes: Erdbeeren, Trauben, Maki. Erotisches auch an den Wänden: Feministische (Sex-)Ikonen verdecken die üblichen Bilder. Weiter hinten gibt es einen Darkroom, ein gekacheltes SM-Studio mit Gynäkologenstuhl und Hängevorrichtungen, mehrere mit Matratzen ausgelegte kleine Räume und einen größeren, in dem queere Pornos laufen. Dort setzen wir uns zum zweiten, sauteuren Glas Sekt, keine dabei annähernd schon in der Stimmung, sich den Film anzusehen. Deshalb wird ein weiterer Rundgang angetreten, ich blei-

be sitzen, bin kurz darauf umringt von mindestens zwanzig Frauen, die „Wahrheit oder Pflicht“ spielen wollen. „Mit welchen beiden Frauen hier im Raum hättest du gerne Sex?“ ist eine der ersten Fragen. Ich werde erwählt. Das ist sehr schmeichelhaft, aber auch sehr beunruhigend. Ich flüchte zur Bar, dort findet mittlerweile eine Bondage-Show statt: Zwei Frauen küssen und fesseln sich, ziehen sich aus. Das Ganze wirkt irgendwie unschuldig. B. drängt sich zu mir durch und braucht Hilfe beim Verfassen einer Botschaft. Wir einigen uns nach zehnminütiger Beratung auf ein schnörkelloses, dem Anlass angemessenes:„Willst Du mit mir in den Darkroom?“ Engel, Organisatorinnen mit rosa Schleifchen, sind für die Übermittlung zuständig. Der Engel kommt nicht zurück. Wir scherzen, dass vielleicht er selbst inzwischen mit der Adressatin … B. kann nicht darüber lachen, ist fürchterlich aufgeregt. Schließlich kommt er wieder, dicht gefolgt von der Wunder-

Wir einigen uns auf ein schnörkelloses, dem Anlass angemessenes „Willst Du mit mir in den Darkroom?“ schönen. B. spricht ein Weilchen mit ihr, anschließend gehen die beiden in eine der Kammern. E. schaut neidisch hinterher, ist doch kurz zuvor bereits die heiß begehrte M. in diese Richtung verschwunden. I. schmust inzwischen mit

G.; L. und ich schleichen in die hintere Zone und kommen gerade noch rechtzeitig, um B.s ersten Kuss mitzuerleben. Alles ist einsehbar, von allen Seiten gespiegelt, wir stehen im stark frequentierten Gang zwischen Darkroom und „Einzelzimmern“ und kucken und kichern. „Ich erkenne dich am Lachen“, ruft B. heraus. Gelacht wird überall viel, mittlerweile aber auch von allen Seiten gestöhnt und gejuchzt. Es ist unverkrampft und kein bisschen unangenehm. Durch Sichtschlitze sind unzählbare Körperknäuel im Darkroom zu sehen. Es gibt auch „Griffschlitze“, beim Hineingreifen fasst eine schwitzige Hand nach meiner. Vom anderen Ende des Ganges schreit es plötzlich herüber: „He, das ist doch die an.schläge-Redakteurin! Die ist total hetero!“ In L.s Blick liegt der lesbische Vorwurf vieler, vieler Jahre und der meisten meiner Freundinnen, gebündelt und voll Genugtuung. Sie entschließt sich trotzdem, meinen Ruf zu retten und zieht mich in den einzigen Raum mit verschließbarer Türe. Drinnen gibt es nichts außer einem Fernseher an der Decke und einer abwaschbaren Liegefläche. Die Vorstellung, was davon bereits alles abgewischt wurde, ist nicht sehr sexy. Durch ein von der anderen Seite verspiegeltes Fenster können wir in den Nebenraum schauen, wo aber nur getrunken und geschminkt wird. Das tun wir etwa eine Viertelstunde lang. Bevor wir wieder gehen, verstrubbelt L. unsere Haare und bringt meine Kleider in Unordnung. ❚


sexthema

100 Prozent Fake Pornos sind keine Informationsquelle. Zehn Prozent der Mädchen halten sie aber mittlerweile dafür, sagt die Sexualpädagogin Bettina Weidinger im Gespräch mit Irmi Wutscher. an.schläge: Sind Mädchen und junge Frauen sexuell selbstbewusster geworden? Bettina Weidinger: Da wäre ich vorsichtig. Oberflächlich betrachtet könnte man das vermuten, denn so präsentieren sich viele Mädchen. Aber selbstbewusst im Sinne einer sexuellen Kompetenz – da hat sich eigentlich nichts getan. Frauen haben sich nun selbstbewusst zu geben, das ist die Veränderung. Ein Beispiel: Eine Fünfzehnjährige schreibt mir, sie hätte sich den Frauenschwarm der Schule „geangelt“: Hier ist sie sehr selbstbewusst. Andererseits ist es ihr aber peinlich, dass sie noch Jungfrau ist, sie habe es ihm „beichten“ müssen. Sexuelles Selbstbewusstsein wäre: „Ich hab noch nie mit jemandem geschlafen, vielleicht bist du mein Erster – oder auch nicht.“ Weiter schreibt sie über eine Petting-Situation, bei der sie sich überlegt hat: Wenn er ihr Lust bereitet, dann sollte sie ihm doch auch einen runterholen. Hat sie aber nicht und jetzt ein schlechtes Gewissen und die Befürchtung, dass er sich deshalb von ihr trennt. Ich erzähle das, weil es typisch ist: Auf das, was ich spüre, Rücksicht zu nehmen – dieses Selbstbewusstsein gibt es nicht. Und das ist eine Entwicklung, die zunimmt. Welches Verhältnis haben die Mädchen zu ihrem Körper? Was wird in der Schule vermittelt? Was im Sexualkundeunterricht oder im Schulbuch zum Beispiel über die Klitoris? Im Schulbuch kommt die Klitoris als Punkt vor und die Gebärmutter ist dargestellt, als höre sie irgendwo beim Hals auf. Anhand dieser Zeichnungen

und Betragensnoten, aber kein Schwein sagt diesen Burschen: Pass auf, keine Frau macht`s mit einem Pferd! Das kann sehr wohl zu Gewalttendenzen führen. Dann nämlich, wenn ein Junge das, was er im Porno sieht, von seiner Freundin einfordert und sie nicht das sexuelle Selbstbewusstsein hat, zu sagen:„Ich mag das nicht!“– auch ohne es ausprobiert zu haben. Aufklärung muss hier bedeuten, mit den Burschen darüber zu sprechen, dass das, was sie sehen, 100 Prozent Fake ist, auf körperlicher Ebene, aber auch auf der Handlungsebene. Das Problem ist, dass sich die Pornos auch auf die Wahrnehmung der „Aber kein Schwein sagt Mädchen auswirken. Mittlerweile glaudiesen Burschen: Pass auf, ben fast zehn Prozent der Mädchen, keine Frau macht`s mit dass Pornofilme eine Informationsqueleinem Pferd!“ le darstellen. Vor ein paar Jahren waren es erst vier Prozent. Eine Sechzehnjährige, die Blasen nicht mag, hat mich geentsprechenden Gefühle ein. Es geht fragt, ob es da eine Tablette gibt. Denn aber um das Einlassen auf den Körper eine sexuell kompetente Frau müsste und die Lustgefühle. Blasen immer geil finden. Wenn nicht, Wir besprechen das natürlich in unserem Sexualkundeunterricht. Es gibt ist sie komisch. Sie hat also Schwierigkeiten zu akzeptieren, dass ihr vor etwas aber sexualpädagogische Projekte, die graut, von dem sie glaubt, dass es alle lieber stundenlang über die Regelblutung reden, als jemals die Klitoris zu er- machen. Als Beraterin kann ich ihre Unsicherheit formulieren und mit ihr darwähnen, und die lieber über Krankheiüber reden. Das klingt banal, aber das ten reden, als über Lust. macht niemand. Die Jugendlichen werDie Medien berichten von immer härterem Sex immer früher, Jungs sehen den alleine gelassen. Wir reden ständig über Gewalt und alPornos, die Mädchen sind sexueller Gele glauben, da passieren die irrsten Dinwalt durch Klassenkameraden ausgege. Die massivste Gewalt ist aber die setzt. Ist das alles wirklich so schlimm? Respektlosigkeit und die geht von den Die Erwachsenen reagieren alle Erwachsenen aus. Wenn es nur um entsetzt auf die Pornos, aber niemand spricht mit den Jugendlichen darüber – mein oberflächliches Verhalten geht das finde ich wirklich problematisch. In und nie um mich, entwickle ich weder soziale noch sexuelle Kompetenz. ❚ der Schule gibt’s Disziplinarverfahren lässt sich also nicht verstehen, was in Wahrheit von Interesse ist. In der Sexualpädagogik ist die Klitoris natürlich ein Thema. Es besteht aber der Irrtum, das sei so ein „Druckknopfsystem“. Die Jugendlichen kennen das aus Magazinen: „So kommen Sie mit Sicherheit zum Orgasmus, an diesen 5 Punkten brauchen sie nur schrauben, dann sind Sie superlustvoll.“ Und wir bekommen dann Anfragen, weil die Mädchen glauben, mit ihnen würde etwas nicht stimmen. Sie haben die Vorstellung, sie müssen nur hingreifen und schon stellen sich die

Fo t o s : Ta n j a P i c h l e r

Bettina Weidinger ist Diplomsozialarbeiterin und arbeitet als Sexualberaterin am Österreichischen Institut für Sexualpädagogik (ISP) ISP Sollingergasse 23/22 1190 Wien T. 01/ 328 66 30 team@sexualpaedagogik.at www.sexualpaedagogik.at

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themasex

Achtung: Polyamid! Vielliebende Polymante, polyamide Flittchen, polyamouröse Polyfidele, Netzbeziehungslesbe. Haben Sie das Zeug zur Schlampe? Von Saskya Rudigier

Hatten Sie schon eine Ménage à Trois und konnten sich einfach nicht entscheiden? Denken Sie öfter darüber nach, dass e i n e Liebe nicht all ihre vielfältigen Bedürfnisse stillen kann? Sind Sie der Meinung, Treue bedeutet Ehrlichkeit zu sich selbst? Vielleicht sind Sie schon praktizierende/r polyamouröse/r AktivistIn! Polyamorie bezeichnet einen nichtmonogamen Lebensstil, bei dem Menschen mehrere Beziehungen mit vollem Wissen und Einverständnis aller Beteiligten gleichzeitig führen. Im Unterschied zu offenen Beziehung, in denen zwei PartnerInnen unabhängig voneinander nur sexuelle Begegnungen mit Dritten haben, gehen Mehrfachliebende mit zwei oder mehr Menschen eine intime und verbindliche Bindung ein. Die essenziellen Zutaten für die Praxis der Polyamorie sind ein offener, ehrlicher Umgang mit Nähe, Vertrautheit und Sexualität. Im Idealfall besitzen alle PartnerInnen das gleiche Mitspracherecht, keine Beziehung ist im vornhinein privilegiert und die Bedürfnisse aller Beteiligten werden gleichberechtigt miteinander ausgehandelt.

1 Bondage and Discipline, Dominance and Submission, and Sado/Masochism Lektüre: Mehr als eine Liebe. Polyamouröse Beziehungen, (Hg.) Laura Méritt, Traude Bührmann & Nadja Boris Schefzig. Orlanda, 18,- Euro The Ethical Slut: A Guide to Infinite Sexual Possibilities. Dossie Easton und Cahterine A. Liszt, 1998. Lust auf Gedankenaustausch? Polyamorie-Gruppe in Wien und Infos unter www.polyamory..at

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Poly-Was? Der Begriff Polyamorie (Mehrliebe) ist im Gegensatz zu den USA in Europa immer noch weitgehend unbekannt. Dort taucht er seit den 1960ern immer wieder auf, wenn es um die Benennung einer„responsible nomonogamy“ Beziehungspraxis geht. Richtig populär wurde das Wort aber erst in den 1990ern, u.a. angeregt von der heidnischen Priesterin Morning Glory Zell-Ravenheart sowie von Jennifer Wesp, der Gründerin der Newsgroup alt.polyamory. Ihr „Manifest“ bekam die polyamouröse Bewegung in den

USA mit dem Kult-Buch „The Ethical Slut“ von Dossie Easton und Cathrine Liszt. Berührungen und Überschneidungen der polyamourösen Subkultur ergeben sich mit Teilen der schwulen, bisexuellen, queeren oder der BDSM1Szene. Die von Gita Tost ins Leben gerufene Schlampagne in Deutschland Ende der 1990er ist ein Beispiel für ähnliche Beziehungsformen im lesbischen Kontext.

nen Sexualität nicht ausgeschlossen ist. Polyfidelity (auch Haus, Familie oder group marriage genannt) ist eine geschlossene Mehrfachbeziehung, in der zwischen drei und acht Mitglieder untereinander sexuelle Beziehungen führen, teilweise sogar zusammenwohnen. Die Aufnahme in die polyamouröse Familie erfolgt nur, wenn alle Beteiligten damit einverstanden sind. Sexuelle Kontakte mit Außenstehenden sind nicht erlaubt. Werden intime Bindungen unabSchlampeneinstellung. Die wichtigsten hängig von den involvierten Liebenden Prinzipien für ein verantwortungsvolles Schlampendasein und im Umgang eingegangen, handelt es sich um das mit mono-normativ strukturierten Ge- Modell Netzwerk oder „offene“ Mehrfachbeziehung. Teilweise gibt es auch fühlen sieht Dossie Easton darin, Vermono-polyamore (1:N-)Beziehungen, in antwortung für das eigene Leben zu denen sich einer von zwei PartnerInübernehmen und nicht anderen die nen monogam verhält, während Schuld an den eigenen Gefühlen zu geben. Statt LiebespartnerInnen besit- der/die LiebsteR auch andere Beziezen zu wollen, ist es wichtig, sich selbst hungen lebt. in Besitz zu nehmen. Schließlich schützt Monogamie nicht davor, für Politiken der Abgrenzung. Durch die Betoandere verlassen zu werden. Das Risiko nung von Polyamorie als verantwortliist gleich groß, egal mit wie vielen wir che Nicht-Monogamie definieren sich Sex haben. In der Verpflichtung einen Polyamouröse somit hauptsächlich konstruktiven Umgang mit Eifersuchts- über die Liebe und Nicht-Monogamerlebnissen zu üben, ist es wichtig, gut lebende über Sex. Swinging z. B. gilt in mit sich selbst umzugehen. Eigene Be- Polyamory-Bewegungen in Großbritadürfnisse benennen und Grenzen zu nien und den USA als Inbegriff promissetzen, ohne auf Commitment und Re- ker Sexualität, symbolisiert er doch für spekt in der Beziehung zu vergessen, viele Oberflächlichkeit und die Reproist auch hier der Schlüssel zum Erfolg. duktion klassischer heterosexueller Ein „Mehr“ an Liebe bedeutet allerMuster (z. B. Frauentausch, Homophodings auch ein „Mehr“ an Aufmerkbie). Die Ablehnung von Swinging und samkeit, Zeit, Energie und die Bereitsporadischer oder spontaner sexueller schaft, die Beziehungen immer wieder Praxis außerhalb von Beziehungskonneu zu verhandeln. texten wird von VertreterInnen der Queer Theory und Sex Radicals kritisiert. Indem die Liebe als Legitimation Poly-Formen. Die vielen verschiedenen dafür gilt, polyaktivistisch zu leben, polyamourösen Liebes-Modelle reiwird Sexualität um ihrer selbst willen chen von sehr engen „group marriaausgeschlossen. Und eine Kultur des ges“ bis hin zu erweiterten Freund❚ schaften (intimate friendships), bei de- Sex nicht gepflegt.


sexthema Symbole Wie erkennt man fidele PolyaktivistInnen auf den ersten Blick? Papageien/Papageifische: Papageien sind vor allem in den USA ein bekanntes Symbol für Mehrfachliebende, die Farben symbolisieren die Vielfalt des Poly-Daseins. Herz mit horizontaler Acht: Liebe gekoppelt mit dem Symbol für Unendlichkeit, steht für unendliche Möglichkeiten polymanter Liebesbeziehungen Poly-Flagge/Poly-Schleife: drei gleichgroße Balken in blau (steht für Offenheit und Ehrlichkeit zwischen Poly-Liebenden), rot (Liebe und Leidenschaft) und schwarz (Solidarität mit jenen, die Poly empfinden, aber durch gesellschaftliche Konventionen Poly nicht leben können). In der Mitte der Flagge/Schleife steht ein goldenes Symbol für die innige emotionale Nähe.

Polyglossar Primary relationship (Hauptbeziehung): wohnen ev. zusammen und haben daneben mehr oder weniger enge secondary relationships V (vee): Eine Person hat zu zwei anderen eine enge Beziehung. Triade: Drei Menschen haben untereinander enge Beziehungen. Quad: Viereckskonstellationen Dyade: eine Paarbeziehung zwischen zwei Menschen New Relationship Energy (NRE): akute Verliebtheit Compersion (Resonanzfreude): Freude darüber, dass der geliebte Mensch etwas Schönes in seinem Leben erfährt. frubbelig: Adjektiv zu Compersion Frubbel/Metamour: die PartnerInnen der/des Partnerin/Partners Fo t o s : Ta n j a P i c h l e r

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wissenschaftforum

Fo t o s : L e a S u s e m i c h e l

Fo t o : Ta n j a P i c h l e r

Einfach keine Lust Asexualität ist die Unlust an der Lust. Im Gegensatz zum Zölibat, das eine bewusste Entscheidung voraussetzt, ist Asexualität mit einer sexuellen Orientierung vergleichbar. Von Eva Müller

Eva Müller hat Publizistik und Kommunikationswissenschaften sowie Theater-, Film- und Medienwissenschaften an der Universität Wien studiert. Im April 2007 hat sie ihr Studium mit der Diplomarbeit „Asexualität als Antwort auf die Oversexed- Gesellschaft? Eine Neosexualität im Spiegel der Massenmedien“ abgeschlossen.

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Die Welt ist sexy, schön und geil. Wohin sich unser Blick auch wendet, es springen uns (fast) nackte Körper und „verführerische“ Angebote entgegen. Vor nicht allzu langer Zeit musste sich eine Person, wenn sie Erotik und Pornografie konsumieren wollte, aktiv darum bemühen. Heute ist es umgekehrt: Wer sich gegen Erotik und Pornografie wehren will, wird seine Mühen haben, denn den Blick von den gespreizten Beinen und lüsternen

Blicken zu wenden, bleibt meist erfolglos. Auf vielen Seiten lauern schon die nächsten. Und die Botschaft, die die Bilder begleitet, tönt wie aus einem Chor: Sex für jede/n zu jeder Zeit. Sex als oberstes Ziel, als einziges Ziel. Sex macht schön, begehrenswert, jung, erfolgreich und glücklich. Sex ist einfach, Sex ist alles. Was aber, wenn das ganze Gerede von und über Sex keine Wirkung hinterlässt? Wenn der Blick auf nacktes

Fleisch nichts auslöst? Gibt es so etwas überhaupt? Die Antwort ist ja. Es gibt sie. Und sie nennen sich selbst „Asexuelle“. Asexuelle sind weder krank oder gestört, noch sind sie traumatisiert oder hässlich und sie leiden auch nicht unter einem Hormonproblem. Sie haben einfach keine Lust auf Sex. Die meisten schon seit sie denken können. Da war kein Aufflammen in der Pubertät und auch später hat sich kein Begehren eingestellt.


forumwissenschaft hetero-, homo-, bi- oder asexuell-asexuell. Asexualität ist eine individuelle Kategorie. Man ist also asexuell, wenn man sich persönlich so sieht oder bezeichnen möchte. Trotzdem gibt es ein paar Richtlinien, aufgestellt von AVEN (Asexual Visibility and Education Network), die es erleichtern sollen, sich der Orientierung Asexualität zugehörig zu fühlen – oder eben nicht. AVEN stellt zur Orientierung vier Gruppen auf, mit dem Hinweis, dass asexuelle Menschen ihre Asexualität häufig als zu einer oder mehreren der vier Gruppen passend beschreiben. Erstens: Diejenigen, die einen Sexualtrieb haben, aber keine Anziehung empfinden. Zweitens: Diejenigen, die Anziehung empfinden, aber keinen Sexualtrieb haben. Drittens: Beides. Menschen, für die sich Sex auf einer biologischen Ebene gut anfühlt und die rein emotionale Anziehung zu anderen empfinden. Viertens: Weder noch. Diejenigen, die Geschlechtsverkehr als unangenehm und keine Anziehung zu anderen empfinden. Ganz wichtig ist es zu begreifen, dass Asexuelle nicht zwingend kein Interesse an einer Beziehung haben. Viele von ihnen leben auch in einer Partnerschaft. Entweder mit einem/r anderem/n Asexuellen oder mit einem Menschen, der die Bedürfnisse des Partners/der Partnerin versteht und akzeptiert. Asexualität hat auch keine bestimmte Ausrichtung. Asexuelle sind hetero-asexuell, homo-asexuell, bi-asexuell oder asexuell-asexuell. Die Wahl etwaiger PartnerInnen hängt somit von der „zusätzlichen“ Sexualität ab. Asexualität ist auch kein Phänomen unserer Zeit. Es ist anzunehmen, dass sich in allen Phasen der Geschichte der Sexualität Menschen gefunden haben, die den allgemeinen Rummel darum nicht verstanden haben. Doch es gibt darüber kaum Aufzeichnungen und Fallbeispiele, keine Forschungen und keine Studien. AVEN. Es ist die moderne Technik, die den ausschlaggebenden Impuls für das Auftreten einer ganzen Gruppe von Asexuellen ermöglicht hat. Das Internet ist das Medium, das die entstehende Diskussion erst ermöglicht hat.

Wie sonst hätten sich die Asexuellen, die insgesamt doch nur einen relativ geringen Prozentsatz ausmachen , ohne das Internet finden sollen? AVEN ist die heute größte Internet-Gemeinschaft von Asexuellen. Ziel dieser Plattform ist es, einen Dialog innerhalb der ständig wachsenden Gemeinschaft von Individuen zu schaffen, die sich als asexuell verstehen. Auch Menschen, die sich bezüglich ihrer (A)Sexualität unsicher sind, bietet AVEN eine Anlaufstelle. Darüber hinaus ist natürlich auch jede/r Interessierte, der/die sich nicht als asexuell sieht, eingeladen, sich über das Thema zu informieren.

Asexuelle sind weder krank oder gestört, noch sind sie traumatisiert oder hässlich und sie leiden auch nicht unter einem Hormonproblem. Sie haben einfach keine Lust auf Sex.

AVEN wurde 2001 von dem damals 21jährigen, aus den USA stammenden David Jay gegründet. David gilt als ein attraktiver junger Mann, ohne irgendwelche Störungen wie z.B. Impotenz. Er widerlegt also die gängigsten Vorurteile über Asexuelle, nämlich mangelnde Gelegenheiten und Impotenz. Er hat seine nicht vorhandene Libido auch nie als negativ oder unnormal bewertet, nur seine Umwelt machte ein Problem daraus. Ein junger Mann, der keine Lust auf Sex hat, mit dem kann doch etwas nicht in Ordnung sein. Um diese Vorurteile zu bekämpfen und vor allem um Gleichgesinnten eine Anlaufstelle und mögliche Antworten zu bieten, beschloss Jay in die Offensive zu gehen und ein Forum für Betroffene zu erstellen. AVEN war geboren. Zuerst stellte die Website eine einfache Informationsbörse dar, doch dank des großen Zuspruchs wurde ein Forum daraus, das dafür eintritt, dass Asexualität genauso wie Homound Bisexualität eine natürliche Sache ist.

Derzeit hat das amerikanische Forum über 11.000 registrierte NutzerInnen und die deutsche Version kann bis zum jetzigen Zeitpunkt bereits mit knapp 3.200 Anmeldungen aufwarten. „Lederne Jungfrauen“ statt Amöben. Doch AVEN war nicht die erste AsexuellenWebsite. Bereits Ende der 1990er Jahre waren im Internet erste Websites und Homepages von Privatpersonen zu finden, die über ihre geringe Libido berichteten. Die „ledernen Jungfrauen“, die „Leatherspinsters“, kämpften gegen Schuldgefühle und soziale Abwertung. In den Niederlanden gründete die Studentin Geraldin van Vilsteren das Nonlibidoism-Forum und machte mit kabarettistischen Auftritten auf Asexualität aufmerksam. Yahoo führte das Diskussionsforum „The Haven for the Human Amoeba“ ein und machte auf ironische Weise auf das Thema aufmerksam. Denn zuvor war bei der Suche nach Asexualität im Internet nur von Amöben und Pflanzen zu lesen gewesen. Akzeptanz und Verständnis. Aber auch abseits vom Internet versuchen Asexuelle auf sich aufmerksam zu machen. Sie geben Interviews in Zeitungen, Radio und Fernsehen und versuchen mit dieser Öffentlichkeitsarbeit neben Akzeptanz und Verständnis vor allem auch andere Asexuelle zu erreichen. Dirk Walter, Mitglied des deutschen AVEN-Forums, beschreibt dieses Ziel folgendermaßen: „Viele Asexuelle wissen gar nicht, dass sie asexuell sind – woher auch, es hat ihnen ja niemals jemand diese Alternative aufgezeigt. Diese Menschen werden immer mehr oder weniger einen ,Mangel´ an sich sehen – obwohl es in Wirklichkeit natürlich keinen Mangel gibt. Sie sind nicht krank oder abnorm oder gestört – sie sind einfach nur asexuell. Nur wenn diese Menschen wissen, was mit ihnen los ist, können sie sich wirklich entwickeln und so leben, wie sie leben möchten und wirklich glücklich werden. Die Erkenntnis, dass es so etwas wie Asexualität gibt, ist für viele Asexuelle eine große Erleichterung.“ ❚

Weiter Informationen zu Asexualität im Internet:

www.asexuality.org Allgemeine Informationen über Asexualität. Die offizielle Site von AVEN, dem internationalen Forum

www.asexuality.org/de Deutsche Informationsseite zu Asexualität. Die deutsche Sektion von AVEN mit Kontaktbörsen, Diskussionsforen und Treffpunkten

www.asex-wiki.de Deutsche Alternative zu AVEN . Auch für Menschen die nur am Rande an Asexualität interessiert sind, wie z.B. zölibatär Lebende und „Absolute Beginners“

www.leatherspinsters.com/ asexuality1.html Lebenserfahrungen und Berichte asexueller Frauen. Die Website der Leatherspinsters, der ledernen Jungfern, die sich als asexuelle Businesswomen definieren

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Kommentare müssen nicht mit der Redaktionsmeinung übereinstimmen.

Frauenferien Macht das eigentlich noch eine? Frauenreisen? Michèle Thoma nicht. Petra Öllinger auch nicht, findet sie aber eigentlich gut. Ich bin eine Frau und ich reise. Ich reise mal so und mal so und mal so, und wahrscheinlich sind meine Reisen seltsam, mit perversen Zielen „eine kleine hässliche Stadt oder eine Stadt, die nicht mal hässlich ist, irgendwo …“, sie sind schwer vermittelbar und vollkommen unmittelbar. Oder vielleicht ein Strand, der seit hundert Jahren beliebt ist und entsprechend abgefuckt, ich liege aufgebahrt zwischen Körperteilen. Oder ich reise mit Kindern und Kegeln oder ohne und mit Freundinnen oder mit Ehemann oder mit Geliebtem, am öftesten ohne alles, und meistens auch ohne Kohle deluxe. Und am allermeisten gar nicht. Frauenreisen? Geschützte Werkstätte. Wer soll mich vor wem beschützen? Unterm Bett liegt kein Mann, im Bett höchstens der Glücksphall. Jugend: Frischfleisch auf dem Markt, on the road. Ich wurde Kriegspfadfinderin. Ich lernte, mich zu tarnen, meine Grenzen zu schützen. Ein Lernprozess. Ganze Länder für die Tramperin tabu, nächtliche Autobahnen. Es gab Freunde, Freundinnen, Cliquen, Herden, Stämme. Keine organisierten Reisen! Jetzt? Frauenreisen? Ich bin eine Frau und es sind eh überall Frauen, andauernd, ausdauernd. Ich bin nicht lesbisch, wo bleibt dann meine Zielgruppe? Ganz ohne Lustsubjekte ist es dann doch wohl zu nett. Mit netten Pädagoginnen und netten Kunstfrauen oder auch nicht so netten und auch wahnsinnig interessanten will ich weder in Kreta Aquarell malen noch Sprach-CrashKurse am Titikakasee belegen, und ich will nicht mit interessanten Frauen in interessanten locations interessante Dinge tun. Ich will öde Dinge mit öden Menschen an möglichst öden Orten tun. (Dann bleib doch da, sagt mein Mann.) Und ich will nicht irgendwohin fahren mit Frauen, um mich zu spüren, ich spür’ mich sowieso, und so toll ist das auch nicht. Ich will lieber was anderes spüren, ich weiß nicht was, ich weiß nicht wo, und deswegen reise ich. Oder ich will irgendwo am Meer liegen und im Himmel sein. Ganz gern mit einem Mann. Die stehen in meiner Alterskategorie sowieso schon unter Unartenschutz. Die haben schon Exotenstatus. Und wenn ich ganz alt bin und meinen Koffer nicht mehr selber schleppen will, und es dann all inclusive treibe, das ganze Paket, brauche ich auch keine Frauenreisen. Dann sind wir eh unter uns. Die Männer sind auf der Strecke geblieben. Die, die noch da sind, wollen wir lieben. ❚

Weiberferien – „Häkelt und töpfert ihr da?“ Ein alter, unorigineller Spruch , wenn Frau ihre sieben Sachen für eine Auszeit an einem Frauenort zusammenpackt. Zugegeben: „Am Abend gemütliches Beisammensein.“ Uäh! Solche Verheißungen in Gruppenreisen-Programmen lassen manche das Weite suchen. Aber es muss ja nicht eine Horde sein, mit der Frau gemeinsam das Weite sucht. Denn auch weibliche Reisegruppen können ziemlich nervig sein. Sangriabasiertes Gegröle, Rivalitäten zwischen den im Alltag emanzipierten Frauen wegen des Reiseleiters Antonio oder Nikos, Jammerei, weil MannKind-Kegel so fern, obwohl Frau genau diese zu Urlaubsbeginn zum Teufel wünscht, jedoch nach spätestens drei Tagen zu vermissen anfängt ... Und schon so manche Freundinnenschaft zerbarst, weil sie den Differenzen zwischen Tramperinnenrucksack/Hartschalen-Trolley, Luxuskreuzer/ Schlauchboot, Türkische Riviera-Bade-Sonnen-Faulenzerei/Nepal-Trekkingtour nicht standhalten konnte. Zugegeben: Welche es unerschrocken solo in die weite Ferne oder nahe Nähe treibt, findet sich nicht selten in so winzigen Einzelzimmern wieder, dass gerade einmal der Rucksack/Trolley Platz darin findet; inklusive Blick auf den betonierten Hinterhof oder den vollgestopften Parkplatz. Einen belebenden Espresso an der Hotelbar genießen, eine Ausgrabungsstätte besichtigen, am Strand ein ruhiges Plätzchen aufsuchen – wenn Frau schon alleine wo sitzt, steht, isst, trinkt, schaut, dann muss Mann sie einfach ansprechen und beflirten, damit sich die Ärmste nicht gar so verlassen fühlt. Uäh! Solche Verheißungen aus Männermund lassen manche das Weite suchen. Oder eben ein Plätzchen an einem Frauen-Reise-Ort ausfindig machen. Frauenhotels, die zum „Alle-Viere-von-sich Strecken“ einladen. Oder mit Seminaren locken, wo Frau mit anderen Frauen gemeinsam wild tanzend die Sau rauslassen kann, ohne hämisch begrinst zu werden. Oder wo Frau ihre kreative schöpferische Kraft bei einer Wanderung mit anderen Natur„fräuleins“ durch die Botanik entdeckt. Frauenreisen, wo die Alleinumherziehende nicht als Störfaktor lieblicher Pärchen-Urlaubs-Zweisamkeit verstanden wird und folglich zur Strafe vom Personal im Speisesaal den Tisch neben dem Klo zugewiesen bekommt. „Weiberstätten“, wo es selbstverständlich ist, Damenhygieneartikel im Bad vorzufinden, und wo liebevoll gestaltete Zimmer über gut beleuchtete Gänge erreichbar sind. Weiberferien – Ja, da wird mitunter auch getöpfert und gehäkelt. Und sich lustig gemacht über unoriginelle Machosprüche – bei einem Espresso an der Bar. ❚

Michèle Thoma

Petra Öllinger

24 an.schläge juli august 2007


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an.rissarbeit 2. Internationaler Genderkongress Anfang des Monats fand an der Medizinischen Universität Wien zum zweiten Mal der „Internationale Kongress für geschlechtspezifische Medizin“ (Gender Medizin) statt. Im Mittelpunkt der Tagung standen der geschlechtspezifische Verlauf von Herzkreislauferkrankungen sowie Unterschiede von Schmerzsymptomatiken und in der Rehabilitation. Lange Zeit ist Frauen in der klinischen Forschung keine besondere Beachtung geschenkt worden. Vor allem bei Medikamenten und Therapien wurde in den vergangenen Jahren jedoch vermehrt getestet, ob es möglicherweise ungeahnte Auswirkungen auf beide Geschlechter gibt. „Wir haben erkannt, dass die Unterschiede zwischen Mann und Frau enorm sind“, stellte Marianne Legato, Gender-Medizin-Pionierin, bei einer Pressekonferenz fest. Mittlerweile weiß man, dass Männer bis fünfzig Jahre ein dreimal höheres Herzinfarktrisiko haben als Frauen. Umgekehrt erkranken diese fast dreimal so oft an Depressionen. Hormone, Körperfette und Enzyme beeinflussen den Stoffwechsel und damit die unterschiedliche Aufnahme und Wirksamkeit von Medikamenten. Organisatorin Jeanette Strametz-Juranek von der Medizinischen Universität Wien bestätigt: „Bestimmte Medikamente, wie zum Beispiel einige Beta-Blocker (sie senken die Pulsfrequenz und den Blutdruck), werden bei Frauen langsamer abgebaut als bei Männern. Das bedeutet, Frauen brauchen eine niedrigere Dosis. Bei anderen Medikamentengruppen ist es umgekehrt.“ Bei klinischen Studien gibt es keine festgelegten Richtlinien oder Quoten für Probandinnen. Kardiologin Strametz-Juranek vermutet, dass Therapien oft zuwenig intensiv an Frauen getestet werden. Umgekehrt haben z. B. in den 1960er Jahren Tests schlimme Auswirkungen auf Frauen gehabt: Beim Beruhigungsmittel Contergan kam es bei Probandinnen später zu Missbildungen der Kinder. Auf dem Kongress wurden auch erste Erfolge vorgestellt. Seit kurzem gibt es in Österreich Knieprothesen für Frauen. Bisher verursachten diese ausschließlich auf die männliche Anatomie abgestimmten Implantate oft große Schmerzen und eine schwierige Rehabilitationsphase. An der Universität Wien wird überlegt, ab 2008 einen postgradualen Universitätslehrgang für „Gender Based Healthcare“ inklusive einer eigenen Professur einzurichten, dies verkündete Rektor Wolfgang Schütz im Rahmen der zweitägigen Veranstaltung. besu www.gendercongress.com

verhütung

Aus für Pille für den Mann Bayer-Schering stellt die Forschung an der Pille für den Mann ein. Ein zu komplizierter Hormonhaushalt der Männer mache es fast unmöglich, eine unkomplizierte Verhütung für Männer zu schaffen. Sind es normalerweise nicht die Frauen, denen hormongesteuertes Verhalten aufgrund eines komplexeren Hormonhaushaltes nachgesagt wird? Ein weiterer Grund, die Pille für den Mann nicht einzuführen, sind die geringen Marktchancen. Ein Implantat und eine „Dreimonatsspritze“ wären eine „Zumutung“ für den Mann. Dass die Forschung eingestellt wird, könnte auch mit den möglichen negativen Folgen für das Lustempfinden des Mannes zusammenhängen. Dass die Pille für die Frau das Lustempfinden beeinträchtigt ist kein Geheimnis. Vom erhöhten Thrombose- und Schlaganfallrisiko, dem Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden, der Migrä-

ne, noch ungeklärten Folgen wie Krebserkrankungen nicht zu reden. Bayer-Schering will den Männern also nicht zu viel zumuten und Verhütung bleibt weiterhin Frauensache. liS

A d a Pe l l e r t

gender.medizin

genderequality

Leitfaden für gendergerechte Mediengestaltung 77 Prozent der ExpertInnen-Statements werden von Männern abgegeben. Die Abbildungen, die sie zeigen, sind um bis zu 25 Prozent größer als die von Interviewpartnerinnen. Dafür ist der Bildausschnitt kleiner. Von Männern ist meist nur der Kopf zu sehen, während wir bei Frauen tendenziell freien Blick auf’s Dekolletee bekommen. Dieser extreme Gendergap geht aus der Studie des Büros KnollSzalai, die fünfzehn österreichische Zeitschriften aus den Bereichen Umwelt und Nachhaltige Entwicklung auf Text- und Bildgestaltung untersuchte. Auf dieser Basis wurde ein Leitfaden für Medien entworfen, „denn diesen kommt bei der Gender-Bewusstseinsbildung eine zentrale Rolle zu“, betont Elke Szalai. Der starke Mann im Anzug ist Retter der Menschheit. Die häusliche Frau putzt und wischt ihren Kleinen Schokolade aus dem Gesicht. Solche Geschlechterrollen-Stereotype sind in den Medien allgegenwärtig. So hätte eine progressivere Darstellung von Frauen und Männern entscheidenden Einfluss auf das Aufbrechen dieser Klischees. „Mittlerweile ist der Putzkübel geschlechtsneutral alleine abgelichtet.“ Zumindest ein Anfang, findet Bente Knoll. Lassen Sie Expertinnen zu Wort kommen! Das ist nur ein Tipp von vielen. kaiv www.knollszalai.at/download.htm

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interviewfausto-sterling

Dynamische Körper Die renommierte Biochemikerin und Geschlechtertheoretikerin Anne Fausto-Sterling war in Wien zu Gast. Im Rahmen eines Workshops sprach sie mit Ursula Wagner über einen unübersichtlichen Hormonstatus, die Unmöglichkeit einer verlässlichen Geschlechtsbestimmung und die unausweichliche Veränderung unserer Körper.

Anne Fausto-Sterling ist Professorin für Biologie und Gender Studies an der Brown University. Zu ihren bekanntesten Werken zählen: Gefangene des Geschlechts? : Was biologische Theorien über Mann und Frau sagen, Piper, 1988 Sexing the body : gender politics and the construction of sexuality. Basic Books, 2000

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an.schläge: Wenn man essenzialistischen Positionen Glauben schenkt, sind Hormone zentral in der Definition dessen, was Geschlecht ist. Kann man das Geschlecht einer Person mithilfe der Hormone in einer Blutprobe bestimmen? Könnten Sie generell etwas zu den Methoden der Geschlechtsbestimmung sagen? Anne Fausto-Sterling: Es gibt keine guten Methoden, um das Geschlecht einer Person zu testen. In der Medizin ist es weithin anerkannt – und das seit vielen, vielen Jahren –, dass man Ge-

schlecht auf einer Reihe verschiedener Niveaus messen kann. Und diese Niveaus passen nicht immer zusammen. Traditionellerweise gibt es die Definition vom chromosomalen Geschlecht: XX oder XY, wenn wir von Menschen sprechen. Und das kann, muss aber nicht in Übereinstimmung sein mit dem hormonalen Geschlecht. Aber auch das hormonale Geschlecht selbst beinhaltet mehrere Unterkategorien – es gibt die Hormone der fötalen Entwicklung, dann gibt es die Hormone der Adoleszenz und des Er-

wachsenenalters und es gibt die Hormone des Alters. Und obendrein haben wir die Tatsache, dass Hormone von Tag zu Tag ganz schön schwanken. Und natürlich gibt es bei Frauen ab einem gewissen Alter einen monatlichen Zyklus von Hormonen. Hormone sind also nicht ein fixes Ding im Körper. Dazu kommt, dass Hormone auf äußerliche Erfahrungen reagieren. So gibt es zum Beispiel die so genannte Fluchtreaktion. Etwas Furchterregendes passiert und die Nebennieren scheiden eine große Menge an Steroid-Hormonen aus, von


fausto-sterlinginterview destabilisiert sie die Binarität, verschiebt die Grenzen, vor allem unter Transgender Personen, die sich für ein Leben in dieser Art Zwischenstadium von Transgender-Existenz entscheiden statt für eine komplette Umwandlung. Zum anderen re-etabliert sie die Binarität, weil die dominante Erzählung der Transgender-Bewegung jene ist, dass es sich um Personen handelt, die im falschen Körper geboren sind. Das impliziert, dass es immer einen richtigen Körper gibt, um „ Hormone sind kein darin zu leben, und das ist entweder ein fixes Ding im Körper.“ männlicher oder ein weiblicher Körper. Und was medizinisch gesehen mit Veränderungen, es gibt monatliche Ver- Transgender Personen falsch ist, ist, dass die Seele oder der Geist im änderungen und es gibt, was auch imfalschen Körper ist und was man medimer die individuelle Variabilität in der zinisch tun muss, um die Person zu beHormonproduktion von einem Menhandeln, ist den Körper in Ordnung schen zum anderen ist – und diese ist mit Sicherheit groß. Der Hormonspiegel bringen, ihn in die andere Kategorie verwandeln. Diese Version von Transgendekann von Aktivitäten in den Nebennieren niedrig gehalten werden, es sind al- rismus, diese Erzählung vom Geborensein im falschen Körper, re-etabliert die so nicht die GeschlechtsdrüsenhormoGeschlechterdichotomie und destabiline, sondern die Nebennierenhormone. siert sie meiner Meinung nach nicht. Diese wiederum sind verbunden mit Aber ich glaube, die breitere Transgenund kontrolliert von Kontrollsystemen der-Bewegung von Menschen, die wirkim Gehirn, man hat also eigentlich ein lich in uneindeutigen Körpern leben hat komplexes System von Molekülen. Dieeinen destabilisierenden Effekt auf die se sind immer in einem sehr dynamiGeschlechterdichotomie. Leute also, die schen Gleichgewicht. Es macht demnach keinen Sinn zu sagen, man nimmt sich für Körper entscheiden, die man Blutproben und man weiß sonst nichts auf den ersten Blick nicht einordnen kann. Diese Entscheidung irgendwo im und bestimmt irgendwie das GeDazwischen zu leben, ruft auch sehr geschlecht einer Person. walttätige Reaktionen hervor – es ist im Das internationale olympische Komitee kämpft damit seit Jahren, wie sie wahrsten Sinne des Wortes ein gefährlieinen angemessenen, wissenschaftlich cher Raum zum Leben. Was ein Grund dafür sein könnte, dass Menschen sich fundierten Geschlechtstest machen für die extremere Version entscheiden sollen. Eine Weile lang haben sie geglaubt, dass sie es mithilfe einer offiziel- und versuchen, einen Körper zu kreieren, der entweder als männlich oder len Inspektion der Genitalien tun könweiblich erkennbar ist. nen, dann haben sie geglaubt, es gehe Im Naturhistorischen Museum in mit den Chromosomen, aber keine dieWien gibt es Knochen, die nicht als ser Methoden funktioniert wirklich in männlich oder weiblich identifiziert werallen Fällen. Und ich glaube, im Moden konnten. Sie sind zu ähnlich. Materiment haben sie es aufgegeben, Geelle Körper ändern sich also und sind verschlechtsbestimmungen regelmäßig änderbar? durchzuführen. Kultur hat einen sehr materiellen Es gibt eine wachsende Bewegung Effekt auf Körper, und ich habe auch von Transgender Personen, die für sich festgestellt, wie riesig die jungen Fraudas Recht einfordern, kein eindeutiges en auf unserem Campus heutzutage Geschlecht zu sein. Wie kann die zunehmende Sichtbarkeit von Transgender das sind. Ich fühle mich wie eine Ameise Konzept der binären Geschlechter desta- unter diesen riesigen Frauen. Und ich glaube nicht, dass es nur darum geht, bilisieren? dass Frauen nicht soviel zu essen beIch denke, die Transgender-Bewegung macht zwei Dinge auf einmal, die kommen haben wie Männer, sondern es geht um die pränatale Ernährung. Zuvöllig widersprüchlich sind. Zum einen denen das bekannteste Adrenalin ist, das die gesamte Physiologie sofort verändert. Man fängt zu zittern an, man kann schneller laufen als man je gedacht hätte. Die Hormonproduktion ist also immer in einer Art Gleichgewicht mit dem Kontext, mit der Umwelt. Alle diese Dinge wirken aufeinander ein. Es gibt sozusagen natürliche tägliche Einflüsse und

mindest in der Mittelschicht, meine Freunden, die Kinder haben, achten stark darauf, während der Schwangerschaft große Mengen an Proteinen zu essen. Und sie bekommen sehr große Babys. Für Babys ist es heute normal, acht oder zehn Pfund1 zu wiegen. In der Generation meiner Mutter wogen Babys vier, fünf oder sechs Pfund, und ein vier-Pfund-Baby wurde nicht als Frühchen angesehen – es war einfach ein kleines Baby. Es ist also etwas kulturelles, wie gut genährt wir sind und wie wir pränatale Ernährung gestalten. Die Kultur hat die ganze Struktur unserer Körper in bedeutender Weise verändert. Das Beispiel mit den Knochen im Naturhistorischen Museum ist großartig. Man denkt zuerst bei Knochen an etwas Festes. Aber zehn Prozent des Knochens werden im Jahr erneuert, das heißt, dass wir alle zehn Jahre unser Skelett komplett austauschen. Das neue Skelett wächst je nachdem, in welchem Kontext wir uns befinden. Es wächst als Reaktion auf die physische Belastung, in Reaktion auf das, was wir essen, auf unsere Ernährung, in Reaktion darauf, wie wir Sonnenlicht ausgesetzt sind. Eine ganze Reihe solcher Dinge hat Einfluss auf die Knochenent-

„ Die Kultur hat die ganze Struktur unserer Körper in bedeutender Weise verändert..“ wicklung. Eine interessante Sache bei Skelettfunden ist, dass sie oft Gruppen von Menschen aus früheren Zeiten ausgraben, als Frauen harte körperliche Arbeit verrichteten. Diese haben viel dichtere Knochen als wir heutzutage. Wir haben in Europa und den USA schon mehrere Generationen lang einen Schwund an Knochendichte bei Frauen festgestellt, der alarmierend ist. Und die Zeitspanne ist zu kurz, um behaupten zu können, dass es sich um natürliche Selektion handelt. Es hat damit zu tun, wie wir unsere Leben leben. Es ist eine kulturelle Angelegenheit, wie wir unsere Leben leben. Und es hat sehr spezifische, konkrete, materielle Effekte auf unsere Körper. ❚

1 Ein amerikanisches Pfund entspricht 0,45 Kilo

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kulturan.riss

Fo t o : L a Ka t h a

female:pressure

You will never walk alone! Das ist der Leitspruch der internationalen Datenbank „female:pressure“, deren Ziel es ist, die Arbeit weiblicher DJs, Produzentinnen und bildender Künstlerinnen zu würdigen und sichtbar zu machen. Die von der Wiener DJane Electric Indigo 1998 begründete Webpage umfasst mittlerweile über 900 Künstlerinnen aus 49 Ländern, die mit Homepage bzw. Plattenlabel verlinkt sind. Diese Informationen sollen neben Repräsentation auch die Vernetzung der Frauen fördern, ein Ziel, das female:pressure auch mit zahlreichen Veranstaltungen verfolgt – im Sommer gemeinsam mit der Plattform „doorbitch“. Im Juli und August wird ins WUK, ins Fluc und auch zu „elektro gönner“ geladen, dorthin auch regelmäßig jeden ersten Donnerstag im Monat. AndA www.femalepressure.net

festival

Glatt und verkehrt Seit 1997 gibt es alljährlich im Juli einen kulturellen Höhepunkt in Krems: das interkulturelle Festival für zeitgenössische und traditionelle Musik „Glatt und verkehrt“. Den Schwerpunkt bildet dieses Jahr das Thema „Jodeln im Alpenraum, Afrika, Zentralasien und den USA“. Besonders spannend dürften die Ergebnisse der Kooperation zwischen der alpenländischen Jodlerin Gretl Steiner, der Sami-Musikantin Inga Juuso und der Sängerin Ayarkhaan aus Jakutien sein. Ein weiterer Höhepunkt sind die Sängerinnen der kurdischen Gruppe Aynur. Aufgrund ihrer politischen Texte durften die CDs der Popgruppe eine Zeit lang nicht in der Türkei verkauft werden – Frauen würden zum kurdischen Separatismus angestiftet, lautete der Vorwurf. Für alle, die nicht nach Krems kommen können, werden auch dieses Jahr einige Beiträge auf Ö1 übertragen. AndA 15.-29. 7, Infos unter www.glattundverkehrt.at

musik ku n s t

Heidi Mortenson live Heidi Mortenson gastiert im Juli drei Mal in Österreich, am 13.7 im Wiener Fluc, am 14.7 beim Eclectic Tech Festival in Linz und am 15.7 im Wiener Gürtelbogenlokal Rhiz. Die aus Dänemark stammende und in Barcelona aufgewachsene Sängerin begann schon als Jugendliche mit Musik zu experimentieren, unter anderem indem sie sich singend in einer Waschmaschine aufnahm. Nach ersten Konzerten und einer EuropaTournee landete sie in Berlin. Dort startete sie die Jam-Konzerte Wired Nights, bei denen vor allem lokale KünstlerInnen auftreten. 2005 gründete sie das Label Wired Records und brachte auch ihr erstes Album unter dem Titel „Wired Stuff“ heraus. Im Dezember führte sie ihre Tour erstmals in die USA. Die Musik ist ein Mix aus ihrer kraftvollen Stimme und elektronisch-rockiger Musik mit starken Beats. Ihr nächstes Album „Don´t Lonely Me“ erscheint im Juli. AndA

documenta

www.rhiz.org

Seit dem 16. Juni 2007 findet in Kassel bereits zum zwölften Mal eine der bedeutendsten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst statt – die documenta. Ins Leben gerufen wurde sie 1955 von Arnold Bode in Kassel. Sein „Museum der 100 Tage“ sollte die deutsche Öffentlichkeit im Fünfjahreszyklus mit der internationalen Moderne konfrontieren. Die heurige documenta orientiert sich an drei Leitmotiven:„Ist die Moderne unsere Antike?“, „Was ist das bloße Leben?“ und „Was tun?“ sind die Fragestellungen, die von Leiter Roger M. Buergel und Kuratorin Ruth Noack sowohl an Kunst als auch an Publikum gerichtet werden. Das Filmprogramm wurde von Alexander Horwath (Österreichisches Filmmuseum) zusammengestellt. Die ältesten Filmwerke stammen aus den Jahren 1952-55, die jüngsten aus dem Jahr 2007. Valie Exports „ …Remote…Remote…“ wird ebenso gezeigt wie die Videoinstallation „Lovely Andrea“ der Filmemacherin und Theoretikerin Hito Steyerl. trude

www.fluc.at

16. Juni bis 23. September, documenta 12, Kassel, Deutschland, www.documenta12.de

www.nosnetrom.net

30 an.schläge juli august 2007


Fo t o : B i b i K l e i n

Fo t o : U l l s t e i n

an.risskultur

Bibi Klein

Hundewiese

a u s s te l l u n g

Happy Todestag, Romy Romy. Romy so schön. Romy so tot. Romy so schön tot. Romy so schön tragisch tot. Gerade noch pünktlich gestorben, im Tragische-FrauenTodesalter. Romy im Hofmobiliendepot. Nach Kilometern von Leibschüsseln und Spucknäpfen „Sissi im Film. Möbel einer Kaiserin.“ Ausgestellte Filmszenen mit inszeniertem Originalmobiliar. Romy zwischen Sesseln, aufeinander gestapelt wie die Särge in der Kapuzinergruft. Das ist Habsburg. Das ist Kult. Das ist Worldkult und Weltkulturerbe. Das wird dereinst mit der kleinen Nachtmusik im Weltall kreisen. Derweil die Nachttöpfe. Und die schöne Romy. Die junge Romy. Die Romy der Sissi-Jahre. Aber nicht rosenwangig vergoldet. Schwarz-weiß. Mit Badehaube. An Seen posierend. Schwedische Filme der Fünfziger Jahre. Stille Arroganz, trotzige Stirn. Spröde. Das Gegenteil von süß. Ein Hauch von Hartnäckigkeit. Verweigerung. Man weiß nicht, wem. Der Fotograf kriegt sie nicht. Dennoch der Eindruck eines Gehorsams, eines Soseins-wie-man-es-erwartet. „Schmollend“, steht im Folder. Wenn auch die Posen wechseln. Er war verliebt in sie, sagt er. Franz Xaver Lederle, später Karriere als Kameramann. Die Fotos hat er noch nie gezeigt. Der Beginn der Delon-Zeit. Eine Frau, die neben einem Auto posiert, jetzt. Eine Frau, die posiert, die sich zeigt und sich verschließt. MiT Romy Schneider – Hommage an die Jugend. Fotoausstellung zum 25. Todestag, bis 23.9. 2007, Hofmobiliendepot, 1070 Wien, Andreasgasse 7, T. 01/524 33 57, info@hofmobiliendepot.at, www.hofmobiliendepot.at, Kosten: 6,90/ 4,50 Euro Thiele Johannes: Romy Schneider. Ihre Filme. Ihr Leben. Ihre Seele. Christian Brandstätter Verlag 2007, 49,90 Euro.

Seit einem Jahr haben wir eine Hündin. Das hat sich durch unsere Wohnnähe zum Prater – und somit zur größten Hundezone Wiens – geradezu angeboten. Aus heutiger Sicht kann ich nur sagen: Es war die absolut richtige Entscheidung. Wir haben sie uns aber auch nicht leicht gemacht. Wochenlang haben wir abgewogen und hinterfragt. Worüber wir keinen Moment nachdenken mussten, war, ob wir das Gackerl einsammeln. Das war eine Selbstverständlichkeit, denn da halten wir es wie Elfriede Ott im Vorwort eines erst kürzlich erschienenen Wien-Guides zum Thema „Hund“: „Hunde-Besitzer (und -innen), die das nicht einhalten, verdienen keinen Hund.“ Leider ist die Gackerl-Sache aber nur die Spitze des Eisbergs. Oft bin ich noch aus ganz anderen Gründen an meine Grenzen gestoßen, zum Beispiel wegen der offensichtlichen Unvereinbarkeit von Hund und Kind: Hunde haben auf Spielplätzen nichts verloren, aber Kinder in der Hundezone offensichtlich auch nicht. Ball spielen (mit oder ohne Tica, unserer Hündin) kann ich Anatol nur selten erlauben, denn das ist praktisch lebensgefährlich: Ball und Hundewiese passen nicht zueinander, darüber hat man mich schon vor einem Jahr aufgeklärt. So ein Hund ist offensichtlich auch nur ein Mensch, und der kann ganz schön rabiat werden, wenn er einen Ball hergeben muss, den er gerade erst gefunden hat. Frauerln und Herrln, die ihre Vierbeiner nicht unter Kontrolle haben, übrigens ebenso. Gegen Schulschluss wird EIN Schreckensszenario geradezu alltäglich: Kinder jeden Alters ziehen lachend und schreiend kreuz und quer durch die Hundezone und die erwachsenen Begleitpersonen müssen sich dann beschimpfen lassen von den HundebesitzerInnen, die ihrerseits das ganze Jahr über die Grenzen der Hundezone ignorieren. Mir ist deshalb kürzlich klar geworden: HundebesitzerInnen, die ihren Pflichten als HundehalterInnen nicht nachkommen und – vor allem! – die Hundewiese nicht mit anderen Menschen teilen, verdienen ihre Hunde und Hündinnen tatsächlich nicht. Konsequenterweise ist das allerdings auf ALLE HundezonenbenützerInnen übertragbar. Denn auch wenn unsere Vierbeiner vor dem Gesetz nur SACHEN sind – sie fühlen Schmerzen wie wir. Deshalb gilt für mich auch: RadfahrerInnen, die nicht auf meine Hündin achten, verdienen ihre Räder nicht! juli august 2007 an.schläge 31


judithbutler

Fo t o s : J e n s Ka s t n e r

Fo t o : C h r i s t i a n e S t e p h a n

Rhetorik der Aufklärung Judith Butler war in Hamburg. Und erklärte dort, was Zeit und Geschlecht mit unserem Bild vom fundamentalistischen Islam zu tun haben. Von Katharina Pewny

Judith Butler ist Philosophin und Gendertheoretikerin, sie lehrt u.a. an der Universität Berkeley. Zuletzt von ihr erschienen: Gefährdetes Leben. Politische Essays, Suhrkamp, 2005 Im Herbst 2007 erscheint: Sprache, Politik, Zugehörigkeit. Von Gayatri Chakravorty Spivak und Judith Butler, diaphanes

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Am 18. Mai sprach Judith Butler an der Hamburger Universität vor einem brechend vollen Hörsaal zum Thema „Torture, Politics and Secular Time“. Eingeladen wurde sie vom Institut für Queer Theory1, das mit dieser Veranstaltung und dem folgenden Workshop auch seinen ersten Geburtstag feierte. Butler setzt sich derzeit mit transkontinentalen politischen Vorgängen auseinander. Nach ihren bekannten geschlechtertheoretischen Schriften und nach ihrem Buch „Precarious Life. The Powers of Mourning and Violence“ (2004), das eine jüdische Ethik der Gewaltlosigkeit angesichts von 9/11 überlegt, ist es ihr neues theoretisches Projekt, diese verschiedenen Aspekte (Gender und inter-

nationale Politik) zusammen zu denken. Zu diesem Zweck analysiert sie Diskurse, die den „Westen“ (die USA und Europa) als fortschrittlich konstituieren. Diese Diskursmechanismen gehen bekanntlich durch die Absetzung von und die Abwertung eines „Anderen“ vor sich. Diese(s) „Andere“ muss daher konstruiert werden, um das „Eine“ (den Westen) hervor zu bringen. Butler fokussiert nun die Gewalttaten – Folterungen und Ausschlüsse migrierender Menschen aus westlichen Staaten –, die im Namen des „Fortschritts“ begangen werden, und entlarvt ihre implizite Dogmatik. Die „Anderen“. Wie also geht dies vonstatten? Welche Diskurse werden

bemüht? Ein sehr plastisches Beispiel hat sich neulich in Wien zugetragen: Eingeladen zu einem „Frauen-Netzwerk“, spricht die US-amerikanische Außenministerin Condoleeza Rice davon, dass eine Demokratie erst eine Demokratie sei, wenn auch Frauen aktiv daran teilhaben. Und wo tun sie das nicht? Laut Rice in „muslimischen Ländern“. Mit dem Begriff „Frauen-Netzwerk“ wird ein Terminus einer Emanzipationsbewegung – der zweiten Frauenbewegung nämlich – aufgegriffen, um (scheinbar) im Namen des Fortschrittes massiv in die politische Organisation und die Lebenszusammenhänge derer einzugreifen, die mittels dieses Diskurses erst konstruiert werden: Die „Ande-


butlerjudith

Fo t o : C h r i s t i a n e S t e p h a n

ren“ in den „muslimischen Ländern“. Der „demokratische Westen“ geht unbenannt als Norm aus einem solchen Diskurs hervor. Fortschritt und Geschlecht. Judith Butler betont (anhand ähnlicher Beispiele) nun zwei Aspekte dieser Dynamik: Erstens den Einsatz von Geschlechterpolitik, wie er in diesem Beispiel bereits offensichtlich ist. Zweitens die Bemühung einer linearen Zeitlichkeit, die (im Sinne des „Fortschritts“) die Veränderung einer „schlechten“ Gegenwart zu einer „besseren“ Zukunft (als solche werden westliche Modelle von Demokratie gesetzt) vorsieht. Den Zeitaspekt betreffen bleibt vage, welche Zeitlichkeit Butler stattdessen vorschlägt – am ehesten noch entspricht ihrem Denken die Vorstellung mehrerer Zeitlichkeiten, die gleichsam nebeneinander existieren. Dem würde auch eine Diskussion im am nächsten Tag folgenden Workshop entsprechen, die einen Paradigmenwechsel von queeren Subjekten zu ebensolchen Praxen vorschlägt. Geschlechterpolitik betreffend nennt Butler einige Beispiele aus europäischen Ländern: Die Nötigung migrantischer Menschen, die in die Niederlande kommen, sich (u. a.) Bilder küssender Männer anzusehen, um so deren „Toleranz“ zu testen. Ein zweites Beispiel kommt aus Frankreich, wo Butler anlässlich der Krawalle in den Vororten Mediendiskurse nennt, die muslimische Familien als zerrüttet aufgrund des „Fehlens der Väter“ bezeichnet. Die (männlichen) Jugendlichen könnten dann, so die medialen Diskurse, mangels eines positiven Vorbildes nicht die Reife entwickeln, Staatsbürger zu werden. Butler betont an diesem Beispiel den Zusammenhang von Patrilinearität und nationalstaalichem Rechtssubjekt – eines scheint das Andere zu bedingen. Auch stellt sie heraus, dass diese Patrilinearität letztendlich auf eine christliche Ordnung, die Gott Vater als transzendenten Signifikant setzt, zurückgeht. Dogma versus Pluralismus. Und nun kommt sie zu ihrem finalen Punkt, der zwar auch etwas offen bleibt, aber nichtsdestotrotz sehr spannend ist: die Aufzählung von Beispielen impliziter (wie in Frankreich) oder expliziter (wie in der umstrittenen Papst-Rede) christlicher

Argumentationen, die dazu dienen, ein muslimisches „Anderes“ zu einem scheinbar humanen Westen zu etablieren. Butler betont die Dogmatik jeglicher religiöser Argumentation, sobald diese eine eindeutige Wahrheit postuliert, und löst so den Vorwurf der Dogmatik vom muslimischen Glauben ab. Ihr geht es – was im Kontext von George W. Bushs religiös untermauerter Ar-

Butler betont den Zusammenhang von Patrilinearität und nationalstaalichem Rechtssubjekt gumentation gegen den Irak in den USA sicher oft gesagt werden muss – darum, die Entgegensetzung von religiös, das „muslimisch“ entspricht und als dogmatisch hingestellt wird, versus säkular, implizit christlich und fortschrittlich, aufzulösen. Stattdessen will sie den Gegensatz von „Dogma“ (im Sinne von Wahrheitsanspruch) versus „Pluralität von Meinungen“ etablieren. Dass sie damit selbst eine fixe Position vertritt und Erkenntnis (nämlich über die Diskurse und Mechanismen von Ge-

walt) bringen möchte und damit einem aufklärerischen Gestus nahe kommt, sei an dieser Stelle dahin gestellt. Offene Zukunft. Ebenso beeindruckend wie die Verschränkung inhaltlicher Achsen war Judith Butlers Rhetorik: In deutlichem Englisch, langsam und sich selbst wiederholt ironisch unterbrechend, war sie offensichtlich bemüht, ihre Inhalte den Anwesenden deutlich zu machen. Einige Nachfragen kamen zur Frage der Gegengewalt, die dieser Tage vor allem in Norddeutschland angesichts sehr provokanter Polizeipolitik angesichts des zum Vortragszeitpunkt nahenden G8-Gipfels (Razzien gegen Menschen, hinter denen G8-GegnerInnen vermutet werden) virulent war. Auf diese antwortete sie mit dem Hinweis auf die Kontextabhängigkeit solcher Fragen. Interessant auch für szeneninterne – gleich welche Szene – Konflikte ist auch Butlers Plädoyer für unbedingte Meinungsvielfalt und für ein Offenhalten von Konflikten. Hier schließt sich auch ein Kreis zu nicht-linearer Zeit, was die Zukunft betrifft: Diese muss, so Butler, offen sein. Ebenso offen soll daher der Ausgang von Debatten sein, der Demokratie ausmacht. ❚

1 in Zusammenarbeit mit Stefanie Krassmann, die ebenfalls an der Universität Hamburg tätig ist.

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B e t D e b o ra

B e r t h a Pa p p e n h e i m Fo t o : I r e n e Ti s c h l e r

Re g i n a J o n a s

jüdinnenräume

Kä t h e L e i c h t e r

Fo t o s : A u s s t e l l u n g s ka t a l o g „ B e s t e a l l e r F ra u e n . We i b l i c h e D i m e n s i o n e n i m J u d e n t u m “ , J ü d i s c h e s M u s e u m Wi e n , 2 0 0 7

Where the fuck (the hell) is Lilith? Was fällt nichtjüdischen Frauen auf Anhieb zu jüdischen Frauen ein? Jüdische Mame. Schriller Cocktail: Shtetl und New York, schwarzer Bodensatz des Holocaust-Traumas. Powerfrau Golda. Gloria Steinem. Betty Friedan. Erica Jong. Die was weiterbrachten, wen? Uns. Jüdinnen in Wien …? Von Michèle Thoma

Beste aller Frauen. Weibliche Dimensionen im Judentum, bis 18.11 2007, Jüdisches Museum Wien, 1010 Wien, Dorotheergasse 11, T. 01/ 535 04 31, F. 01/ 535 04 24, info@iwm.at, www.iwm.at, Kosten: 6,50/ 4,- Euro, So - Do 10-16.00, Fr 10-14.00

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Am Eingang das nachdenklicherschöpfte, von hebräischer Schrift gezeichnete Gesicht einer älteren Frau. „Ich stellte fest, dass es Zeit war, G’tt von patriarchalischen Projektionen zu befreien.“ Selbstportrait der ultraorthodox aufgewachsenen amerikanisch-jüdischen Künstlerin Helène Aylon. In dem Projekt „Die Befreiung G’ttes“ untersucht sie aus feministischer Perspektive, inwieweit die Tora ihrem eigenen großen Anspruch: „Die Tora spricht die Sprache der Menschen“ gerecht wird. Religiöse Frau. Intellektuell-mondäne Frau. Gelehrte Frau. Sozial und politisch engagierte Frau. Dämonisierte Frau. In der nach Themenkreisen, Räumen, gegliederten Ausstellung führen sie uns ein in ihre jeweiligen Lebensund Arbeitsbereiche, in ihre, unsere Geschichte. Fanny Hirschmann. Wir erfahren, dass sie geboren wurde, gebar und starb. Dass sie 1812 den Großhändler Todesco heiratet. Dass sie „ihm“ sieben Kinder gebiert. Dass sie den klassischen

weiblichen Tod des 19. Jahrhunderts stirbt: mit 28, bei der Geburt des letzten Kindes. Dafür lässt Todesco nach der Hochzeit der Tochter aus deren Brautkleid einen Toravorhang für das Bethaus fertigen. Den widmet der wieder verheiratete Witwer der verstorbenen Gattin, jetzt der „Besten aller Frauen“. Textil. Der Toravorhang eröffnet eines der zentralen Themen: Textil. „Clothing is many women’s ‚first language’”, schreibt Rabbi Susan Schnur. Vielfarbiger Faden durch das Labyrinth der Ariadne. Textiles Element – urweibliche Dimension? Fron und Kreativität. Die Produktion sakraler Textilien liegt in der Hand der Frauen. „Weg mit den Ozelotmäntelchen“, beschwört Elfriede Gerstl in „Kleiderflug“. Eine Installation zeigt Kleider aus ihrer Sammlung. Sammlung gegen das Verstreutwerden, gegen das Verschwinden, das die Dichterin, die als Kind untertauchen musste, so prägend erlebte. Vor dem Text war das Textil. Professionelle Ausbildung stellt im textilen Gewerbe dann eine der ersten

Möglichkeiten für Frauen dar, wirtschaftliche Unabhängigkeit zu erlangen. Ab 1867 bildet der Mädchenunterstützungsverein Schneiderinnen,Weißnäherinnen, Stickerinnen aus. Emilie Bach gründet die „Fachschule für Kunststickerei“ und wird eine der ersten Unternehmerinnen Österreich-Ungarns. Sakrale Kunst, bürgerliche Kunstfertigkeit, profanes Überleben – anhand von Textilien nachfühlbare Geschichte. Religion. „Die jüdische Religionsgemeinschaft wird nicht überleben können, wenn wir weiterhin aus pseudo-religiösen Gründen Frauen die ihnen gebührenden Rechte absprechen.“ Diese Erkenntnis führt in den Themenkreis „Religion“. Im Buch Moses steht, dass Frau und Mann nach dem Ebenbild Gottes geschaffen sind. Obwohl die Frau dem Mann in biblischer und talmudischer Zeit nicht gleich gestellt ist, genießt sie Schutz und Absicherung. Haus, Nahrung, Sexualität sind auch heute noch der Bereich der traditionell religiösen Frau. In der Synagoge gilt


räumejüdinnen Später kommt es immer wieder zu interessanten Umkehrungen in den Rollenverteilungen. So erproben im 19. Jh. abwechselnd Mann und Frau Akkulturation und Assimilation. Die vielfältigen Wohltätigkeitsvereine sind Vorstufen zu politischen Frauenvereinen, in denen jüdische und christliche Frauen oft gemeinsam kämpfen. Die jüdischen Frauenorganisationen finden keinen gemeinsamen ideologischen Nenner. Der Erste Weltkrieg, die folgende Verelendung und Radikalisierung spalten die Frauenbewegung. Jüdinnen wenden sich von bürSalonkultur. Der Kongress tanzt, und bei gerlichen, oft schon antisemitisch geFanny trifft sich die crème de la crème der Diplomatie. „Mit Fanny, der Berline- prägten Frauengruppen ab. Schließen rin, beginnt die Geschichte der Emanzi- sich der Sozialdemokratie oder der zionistischen Bewegung an, die völlige pation in Österreich“, schreibt Hilde Gleichberechtigung anstrebt, ohne dieSpiel in „Fanny von Arnstein oder Die sem Ideal gerecht zu werden, wandern Emanzipation“. Rahel Vanhagen, die berühmte Berliner Salonière, die „tragi- häufig nach Palästina aus. In der Praxis leisten Frauenorganische Muse der Romantik“, Henriette Herz, die von Goethe für ihre Unabhän- sationen enorme Arbeit. Bertha Pappenheim – Freuds Anna O., Opfer der gigkeit bewunderte Eleonore Flies, die Modediagnose Hysterie, heilt sich seleine so schön genannte wilde Ehe geber und ersteht auf von der Couch – enführt und die politischen Unruhen der gagiert sich sozialpolitisch, auch im Zeit am eigenen Leib gespürt hat … Es gab faszinierendere Salon-Ladies. Findet Kampf gegen Mädchenhandel. V. a. ostjüdische Mädchen aus Galizien werden Hilde Spiel bei Fanny den Zwiespalt, aber auch die Versuche einer Ganzwer- in die ganze Welt verkauft, z. B. als Prostituierte nach Argentinien, „Austriadung wieder, den sie von sich kennt, eicas“. „Sich nie Unbekannten anvertraunen Identitätskonflikt, der vermutlich en!“ warnt ein Plakat des Vereines „Heizur Identität der jüdischen Menschen mat“. des 19. und 20. Jahrhunderts gehört: Zionistin sein oder sich assimilieren bis hin zur Selbstaufgabe, zur Christianisie- Arbeit und Bildung. Über große historische rung? Hilde Spiel, deren Eltern zum KaZeiträume sind Berufstätigkeit und Biltholizismus übergetreten sind und die dung beinahe selbstverständlich für jüin der Nazi-Zeit emigriert ist, sieht sich dische Frauen. Geschäftsfrauen im Mitals assimilierte Jüdin. Fanny bleibt „dem telalter und in der frühen Neuzeit, ÄrzBund der Väter treu“, zeigt aber einen tinnen, Mathematikerinnen, Dichterinneuen Weg auf. Sie ist das „Symbol einen, Kopistinnen, Druckerinnen. Infolge ner dritten Lösung der Judenfrage“. Der von Urbanisierung und Modernisierung Weg der Integration. Er ist kurz, nach ihr verarmen Ende des 19. Jh. weite Teile des ist die „deutsche Emanzipation der Juden Mittelstands. Frauen- und Mädchenvervom Erdboden verschwunden“. Im Raum eine reagieren mit BerufsausbildungsSalonkultur wird deutlich, wie eng die offensiven, v.a. im Textilbereich. Das Emanzipation der Frauen und die der Ju- sehr gehobene Bürgertum gönnt sich den miteinander verwoben sind. das Status-Symbol der das Mädchenlyzeum besuchenden Tochter. 57 Prozent Zedaka. Anspruch auf Zedaka – Gerech- aller Lyzeumsschülerinnen sind jüdisch, bei einer Gesamtbevölkerung von neun tigkeit, Wohltätigkeit – Grundprinzip Prozent. Ist es der Wunsch, die Besten der Tora. In traditionellen Gemeinden der besseren Gesellschaft zu sein, der ist dieser Bereich weiblich. Schon Ende des 18. Jh. sind Frauen neben Haus- und die jüdischen Töchter in die höheren Schulen bringt? Die spätere SozialpolitiWohltätigkeitsarbeit auch für den Lekerin Käthe Leichter hat eine andere Erbensunterhalt zuständig, die Männer klärung: „Mit meinen Freundinnen diswidmen sich dem religiösen Studium. noch getrennte Sitzordnung. Was laut Magdalena Schultz nicht die sexuelle Entmündigung der Frau impliziert: „…der Geschlechtsverkehr ist Recht der Frau und Pflicht des Mannes. Diskutiert wird immer nur, wie der Mann der Frau gerecht wird …“ Orthodoxe und nichtorthodoxe Frauen wollen ihre religiösen Aufgaben neu definieren. Eine religiöse Praxis entwickeln aus einer neuen, weiblichen Perspektive. Dennoch: In Wien gibt es derzeit keine Rabbinerin.

kutierte ich über letzte Dinge, teilte mit ihnen Erlebnisse mit Büchern, Lyrik, Natur und Musik. Mit den (christlichen) Beamtentöchtern spielte ich Mutter und Kind.“ Jüdinnen studieren häufig – v. a. Medizin und Naturwissenschaften Das Lehramt bleibt ihnen oft verwehrt. Elise Richter, die erste Frau, die sich habilitiert, wird in Theresienstadt ermordet. Gelehrte Frauen. Die Sprache der Frauen ist das Jiddische, jiddische Literatur vorwiegend für Frauen geschrieben. Nur eine kleine Minderheit unter den Frauen lernt Hebräisch. Aber es gibt gelehrte Frauen, auch im traditionellen Sinn. Die Zaddekes, die weibliche Gerechte und Wunderheilerin Chane Ruchele, ist eine Vertreterin des mystischen chassidischen Judentums. In der Biografie von Marie Frischauf-Pappenheim fließen die abenteuerlichsten intellektuellen und politischen Strömungen der Zeit ineinander. Ärztin, Dichterin, Mitglied der KPÖ. Sie gründet mit Wilhelm Reich die „Sozialistische Gesellschaft für Sexualberatung und Sexualforschung“ und schreibt das im Austrofaschismus nicht karrierefördernde Buch „Ist Abtreibung schädlich?“. Paris, Flucht aus Nazilager, Mexiko, später wieder Ärztin in Wien. Die Kunstkritikerin Bertha Zuckerkandl tritt in bissig-witzigen Feuilletons leidenschaftlich für moderne Kunst ein. „Als Frau bin ich mit Leidenschaft subjektiv, mit Begeisterung einseitig.“ Nach all den Besten … Sehnsucht nach der Bestie in uns. Nach der, die aus dem Paradies ausbüxte, partout nicht wieder rein wollte und schon gar nicht unter Adam. Da nützte das oberste Kommando gar nix, Lilith sagte njet und avancierte zum düsteren Monster, zur Kinderkillerin und Samenräuberin. Statt fruchtbar furchtbar. Happy beginning:„Als Mann und Frau schuf er sie.“ Die, die später Lilith heißt, ist Adam eine Gefährtin. Vielleicht war Adam dieser Liebe nicht gewachsen. Seine Ex mutiert zur Ausgeburt der Hölle. „Adam und Eva, Lilith raus“, modern anmutende Slogans und Abwehrformeln im Raum Lilith. Amulette, um Wöchnerinnen und Neugeborene zu schützen. Lilith … see you bei google. Im virtuellen Raum empfängt die Salonière. ❚ juli august 2007 an.schläge 35


techcarnival

Fo t o : Re n i H o f f m ü l l e r

Do it together Es ist Tech, es ist Feminismus, es ist Kunst, es ist Sport: Der Eclectic Tech Carnival. Von Reni Hofmüller

Reni Hofmüller ist Medienkünstlerin und -aktivistin, lebt in Graz; sie leitet den ESC im Labor und hat u. a. 2005 den /etc erstmals in Österreich organisiert. http://renitentia.mur.at/ servus.at: das nichtkommerzielle Kunst- und Kulturnetzwerk, kulturelle Schnittstelle und „backbone“ im Spannungsfeld Kunst-Kultur-Gesellschaftspolitik und Technik. http://servus.at MAIZ: das Autonome Integrationszentrum von & für Migrantinnen http://maiz.at Stadtwerkstatt: www.stwst.at/ 1 http://genderchangers.org/ 2 http://europeannewsreal.indymedia.org/media/enr/enr16/16/etc.mpg Das Programm im Detail ist auf http://drupal.eclectictechcarnival.org zu finden

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Vom 11. - 15. Juli findet der Eclectic Tech Carnival erstmals in Linz statt. Der /etc ist ein Treffen von und für Frauen, die sich für Technologie interessieren, Workshops geben und daran teilnehmen, die eine andere Art der Wissensvermittlung wollen, die mit anderen Frauen aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt zusammenkommen und Auswirkungen von Technologie auf ihr Leben diskutieren möchten. Frauen, die sich andere Umgangsweisen mit Technologie wünschen, die die Verwendung von Technologie als politische Entscheidung begreifen und die Spaß daran haben, sich mit anderen auszutauschen. Der /etc findet immer dort statt, wo ein paar Frauen entscheiden, dass sie die Organisation in ihrer Stadt über-

nehmen können. In Linz sind das Uschi Reiter (servus.at) die Medienaktivistin Aileen Derieg, Rubia Salgado und Cristiane Tasinato von MAIZ und Olivia Schütz und Anna Masoner von der Stadtwerkstatt. Gemeinsam mit dem internationalen Organisationsteam des /etc arbeiten sie seit einigen Monaten am Programm für Linz. So was brauchen wir auch! Angefangen hat alles in Amsterdam. Im Hacklab Ascii initiierten Sisi Nutt, Sara Platon und Tali Smith im November 1999 die genderchangers, in der Frauen mit und für Frauen Hardware- und Freie-SoftwareKurse organisieren. Donna Metzlar ist gleich nach dem ersten Hardwarekurs bei den genderchangers geblieben. Bei einem dieser Treffen war Ivana Pavic, Systemadministratorin aus Zagreb, mit

dabei. Und meinte: „So was brauchen wir auch!“ Nach einigem Überlegen fiel die Wahl auf Pula. Und im Hacklab Monte Paradiso im besetzten Kulturzentrum ROJC in der ehemaligen Kaserne wurde dann der erste Eclectic Tech Carnival gefeiert. 2003 Athen, 2004 Belgrad, bei Zene na delu (Women at Work), 2005 Graz, in der ESC im Labor, 2006 Timisoara, bei h.arta. genderchangers. Die genderchangers über sich selbst:„Wir sind eine Gruppe von Frauen, die Technologie mögen, aber nicht notwendigerweise Computerwissenschaften oder Maschinenbau studiert haben. Unsere Leidenschaft, Technik verstehen und demystifizieren zu wollen, resultiert aus der Tatsache, dass wir es lustig, nützlich und notwendig in der heutigen Kommunikation finden.


carnivaltech Wir sind Autodidaktinnen, unsere Fähigkeiten sind also aus einer Do-ItYourself-Haltung entstanden.“ 1

rund um Technologien an den Ort der Welt, an dem der Eclectic Tech Carnival organisiert wird. Das Verzeichnis /etc ist ein UnterFrauen, Technologie, Freiheit. Klar – mit ei- verzeichnis bei Linux- und Unixsystener Suchmaschine kann alles im Inter- men, in dem viel Systeminformation genet gefunden werden, aber der direkte speichert ist, wie z.B. Netzwerkkonfiguration oder die Liste der aktiven Geräte. Austausch kann durch kein Werkzeug Ein wichtiges Verzeichnis innerhalb der ersetzt werden. „Wir verfolgen drei Aspekte: Frauen, Technologie und Frei- Systemlogik also. „Wir haben mit den drei Buchstaben heit der Information. Zum Ersten fällt /etc gespielt und sind auf Eclectic Tech uns immer wieder auf, wie unterCarnival gekommen – beim /etc gehts schiedlich Frauen und Männer mit Technologie umgehen, damit arbeiten, nicht nur um Technik, es geht auch um Spaß, es ist ein bislernen. Zum Zweischen von allem, es ten macht es uns „Es gibt einige Hackerist Tech, es ist FemiSpaß, Hard- und Software auseinmeetings, auch interna- nismus, es ist Kunst, es ist Sport, eine Miander zu nehmen, tionale Treffen, wo du schung aus allem sie zu verändern, Leute aus anderen Länan unsere Bedürfdern treffen kannst, aber möglichen eben“, nisse anzupassen. da siehst du maximal ein erzählt Donna beim Videointerview. 2 Und zum Dritten Prozent Frauen – wenn gibt es unserer Milica bringt es auf nicht noch weniger.“ Meinung nach so den Punkt.„It is just was wie ‚die Orireally nice to have a ginalidee’ nicht, und deswegen schon bunch of great women around really gar nicht so was wie das Recht, sie zu skillfull in so many areas.“ 2 besitzen. Wissen entsteht und existiert Ja, die Hauptsprache ist Englisch. immer in einem Zusammenhang, baut Das soll aber keine davon abhalten hinauf vorhandenem Wissen auf und zufahren; es sind immer Frauen dabei, wächst. Es ist absurd, dass die Quelle die übersetzen (können), die erklären, (Source) versteckt, geheim gehalten, die unterstützen. In Linz kommt zudem geschlossen ist. Wir versuchen also, ei- noch ein neuer Aspekt dazu: weil die nen ganzheitlichen Zugang zu Techno- Migrantinnenorganisation MAIZ Teil logie zu schaffen. Es geht um mehr, als des Vorbereitungsteams ist, ist Deutsch um die neuesten Entwicklungen (kleinicht zwangsläufig die Mehrheitsspraner, schneller, billiger). Wer macht die che, außerdem kommen ohnehin etliGegenstände, unter welchen Bedinche Frauen aus anderen Weltgegenden – gungen, wie viel verdienen diese Men- Phantasie ist also gefragt im Umgang schen, woher kommen die Rohstoffe, mit Differenz. wie werden die Produkte entsorgt und was sind die physischen und psycholo- Do it together. Der /etc ist DIY – Do It gischen Auswirkungen von andauern- Yourself. Und sogar noch mehr, DIT – Do der Computerarbeit auf uns BenutzeIt Together, wie Donna das treffenderrInnen?“1 weise bezeichnet. Alle, die teilnehmen, können etwas beitragen. Und tragen In dem während des /etc 2004 in Athen entstandenen Video konkretisiert auch Verantwortung für das Gesamte, für die Stimmung, für die gegenseitige Ursula: „Die Idee der genderchangers entstand aus dem Bedürfnis, genderbe- Unterstützung, für das Gelingen. Und zogenes Verhalten v. a. im Hardwarebe- so gibt es neben den Techie-Workshops auch ganz andere Aktivitäten, Intervenreich zu verändern. Es gibt einige tionen im öffentlichen Raum, gemeinHackermeetings, auch internationale sames Essen, Konzerte und PerformanTreffen, wo du Leute aus anderen Länces in der Stadtwerkstatt, die den /etc in dern treffen kannst, aber da siehst du Linz damit auch unterstützt. „Es geht maximal ein Prozent Frauen – wenn darum, alle einzubinden und herumzunicht noch weniger.“ 2 spielen; Technik ist was zum VerwenSeit 2002 reisen also Frauen mit S c h w a r z e Fra u e n C o m m u n i t y, B i l d : Pe t j a D i m i t r o v a den, nicht zum Anbeten“, sagt Ursula.2 ❚ dem Wunsch zum Wissensaustausch

jenny unger

(nichts) lesbisches gestern abend ist eine mit der exfreundin die seit sie mit einem mann zusammen ist szene-gerüchten nach schwanger sein soll also seit etwa 24 monaten und mit der freundin eisessen gegangen weil es erstens sehr heiß war und zweitens um zu verdrängen dass die buchhandlung zusperrt und dass das lokal schon nimmer offen hat und das andere auch nicht mehr und dass es irgendwie nichts lesbisches mehr gibt in wien was komisch ist weil sich wien doch mit identities gerade eben noch so lesbisch angefühlt hat und weil eine dieses lesbischfühlen noch weiter in den sommer mitnehmen wollte und wieder bier trinken wollte so wie früher im orlando und nicht wie im letzten jahr in der pizze gegenüber weil eine gemerkt hat dass es schon was anderes ist ein bier zu trinken das die butch-barfrau an den tisch bringt und nicht der linkische kellner der beim fahrradsturz lacht anstatt zu helfen weil es schon was anderes ist wenn ein an schläge-heft in der zeitschriftenecke liegt und nicht die kleinformatige tageszeitung weil es schon okay ist von filmfestival zu queerer aktionswoche zu hüpfen aber nicht alles … vor dem einschlafen ist einer dann noch eingefallen dass sie als sie mal nicht in wien gelebt hat und sie zeit zum basteln hatte sie gebastelt hat zeit hatte sie weil sie dort wo sie war neu war und keine gekannt hat und gebastelt hat sie sich zwei zusammenhängende frauenzeichen die sie dann ins fenster gehängt hat sogar regenbogenfarben waren sie hübsch und stolz und so lesbisch war das und als am tag darauf die frau aus dem dritten stock eine im stiegenhaus angesprochen hat „so ein haus sind wir nicht“ hat das nicht viel gemacht als dann das türschild und die glocke kaputt waren und fuck you an der tür stand hat das auch noch nicht viel gemacht nur fuck yourself konnte jetzt im dritten stock an einer tür gelesen werden blödsinn stimmt nicht angst hat eine bekommen ein blödes bauchgefühl glocke und türschild wurde ausgetauscht und das fuck you überklebt und sonst passierte gar nichts juli august 2007 an.schläge 37


Aufklärungsarbeit Nicht nur für Kinder gibt es noch Künstlerinnen zu entdecken. Von Regina Himmelbauer

QNG Quartet New Generation : Ethereal Robert und Clara Schumann :Works for Oboe and Piano Cecile Chaminade e.a. : Concertos for Flute and Orchestra

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Vier junge Frauen im schicken Cocktail-Outfit auf dem Cover, selbstbewusst vor einem Flugzeug posierend – das erwartet man eher nicht von einem Blockflötenquartett. Erfreulich, dass dem kecken Äußeren des Quartet New Generation (Susanne Fröhlich, Andrea Guttmann, Hannah Pape und Heide Schwarz) auch musikalisch Interessantes entspricht. Eingebettet in englische Consortmusik des späten 16. und beginnenden 17. Jahrhunderts sind zeitgenössische Kompositionen, die nicht nur von der musikalischen Textur her einen Kontrast darstellen. Auf hohen Registern, sonor einer Orgel gleich vorgetragen, wirken die jahrhundertealten Stücke trotz virtuoser Verzierungen wie Ruhepole in einer modernen Klangwelt, die keine einheitlichen ästhetischen Positionen mehr kennt. Diese werden hier in verschiedensten Stilrichtungen dargestellt: Es gibt Stücke, die von Popularmusik beeinflusst sind, aber auch solche, die versuchen, die Möglichkeiten des modernen Blockflöteninstrumentariums (ja es gibt sie, die Weiterentwicklung der barocken Blockflöte!) auszuloten. Dass da kein bloßes Experimentierstück daraus werden muss, zeigt eindrücklich das Stück „Still Life“ der griechischen Komponistin Marianthi Papalexandri-Alexandri, das 2003 für das Ensemble geschrieben wurde. Der Titel führt zunächst in die Irre – er bezieht sich keineswegs auf ein beschauliches, unbewegliches Stillleben, sondern möchte „als akustisches Mahnmal an den täglichen Schrecken in ehemaligen Konzentrationslagern für Frauen“ ver-

standen werden. Es ist ein streckenweise unheimliches Stück, das in seiner Intensität sicherlich durch die Arbeit mit Mikrophonen gewinnt – perkussives Spiel auf den Instrumenten und Atemgeräusche, Seufzer, Hecheln und Schmatzen ergeben ein einprägsames Klangbild, das zu zahlreichen Assoziationen anregt. (Ethereal, edition zeitklang, lez-24026) Clara Schumann (1819-1896), bedeutende Pianistin und Komponistin, hat nur wenig Kammermusikwerke geschrieben. 1853 entstanden die drei Romanzen für Violine und Klavier, Op.22, die wohl zu ihren bedeutendsten Kompositionen zählen. Der Oboist Joris van der Hauwe hat zusammen mit dem Pianisten Jean-Claude vanden Eynden diese ausdrucksreichen Stücke für Oboe bearbeitet und mit viel Sinn für große Linien und feinen Klangschattierungen auf CD eingespielt (Robert & Clara Schumann. Works for Oboe and Piano, Et Cetera, KTC 5252). Es sind intime Stücke, romantisch im besten Sinne des Wortes. Cécile Chaminade (1857-1944) erkämpfte sich gegen den Willen ihres Vaters eine musikalische Ausbildung als Pianistin, allerdings nur in Form von Privatunterricht. Früh als Pianistin und Komponistin europaweit und in den USA erfolgreich, geriet sie nach ihrem Tod rasch in Vergessenheit. Im Konzertsaal überlebt hat vor allem ihr Concertino für Flöte und Orchester Op. 107 (1902), ein spritziges, farbenreiches und stellenweise virtuoses Glanzstück, das selbst in das Repertoires eines Wiener Philharmonikers Aufnahme gefunden hat. Wolfgang Schulz hat es zusammen

mit dem Haydn Orchesters unter Ola Rudner, mit weiteren französischen Flötenkonzerten eingespielt. Mögen die Philharmoniker doch noch mehr ihrer Berührungsängste mit weiblicher Kreativität verlieren ... Übrigens feiert heuer das 1. Frauen-Kammerorchester Österreichs sein 25jähriges Bestehen. Unter männlichem Dirigat und mit männlichem Solisten ... Und von sechs in der Programmankündigung angeführten KomponistInnen ist nur eine Frau und im Gegensatz zu den Werken der Kollegen hält man es anscheinend nicht der Mühe wert, das aufzuführende Werk von der norwegischen Komponistin Agathe Backer-Grondhal (1847-1907) anzukündigen. Nachdem also noch viel Aufklärungsarbeit Not tut, kommt die Reihe „Kinder entdecken Künstlerinnen“ des luxemburgischen Bildungsministeriums gerade recht. Es ist dies eine Unterrichtsmappe für LehrerInnen der Vorund Primärschulen, die aber auch für Musikinteressierte durchaus informativ ist. Beispielhaft werden anhand ausgewählter Komponistinnen (Hildegard von Bingen, Barbara Strozzi, Ethel Smyth, Lou und Alure Koster und Albena Petrovic-Vratchanska) unterschiedliche weibliche Lebenswege im musikalischen Umfeld dargestellt und für den Unterricht anschaulich aufbereitet. Dabei geht es nicht nur um weibliche Biografien, sondern auch um Annäherung an die Musik. Eine inkludierte CD enthält in erfreulich qualitätsvollen Aufnahmen die vorgestellten Werke. Um wohlfeile zehn Euro (inkl. Versand!) erhältlich unter culture@cid-femmes.lu ❚


Sex & Gender auf Französisch Judith Butlers Buch Gender Trouble ist erst zehn Jahre nach Erscheinen ins Französische übersetzt worden. Die französischen Antworten auf die angloamerikanischen Debatten sind konstruktiv, aber nicht unbedingt konstruktivistisch. Von Karoline Feyertag In sieben Beiträgen von internationalen Forscherinnen unterschiedlicher Disziplinen wird die im Rahmen eines 2004 in Paris abgehaltenen, transdisziplinären Kolloquiums gestellte Frage diskutiert, die dem Dilemma aktueller Konstruktivismusdebatten zugrunde liegt: „Zwischen Sex und Gender, wo bleibt der Körper?“ Maria Puig de la Bellacasa (Philosophie) situiert die Diskussion dieser Frage im Feld der Feminist science studies bzw. gender studies of science und somit im transdisziplinären Spannungsfeld zwischen feministisch-politischem Engagement und vermeintlich „neutraler“ Wissenschaft. Sie versucht mit Isabelle Stengers und Donna Haraway der reduktionistischen Opposition von „Sozial- bzw. Kulturkonstruktivismus“ und „Biologismus“ einen „spekulativen Konstruktivismus“ und ein „situiertes Wissen“ entgegenzuhalten. Dabei kritisiert sie am Gender-Konstruktivismus, dass dieser erstens nicht an den biologischen Körpern und deren Reaktionen auf neue medizinische Technologien interessiert sei und dass zweitens die philosophische Geste der Verallgemeinerung eines spezifischen Problems auf den „Menschen an sich“ über das eigentliche Interesse der einzelnen ForscherInnen hinwegtäusche. Puig de la Bellacasa sucht in ihrem Beitrag nach einem Weg aus dem Missverständnis, dass sich feministische Kritik gegen „die Wissenschaft“ richte, wobei sie sich doch gegen eine bestimmte Form und Konzeption von

Wissenschaft richtet. In der Praxis bleiben die Körper „real“ – „ob unterdrückt oder Unterdrücker, bleiben sie immer noch Träger neuer Möglichkeiten“. Auch Cynthia Kraus’ Beitrag (Wissenschaftstheorie) kritisiert den Sozialkonstruktivismus dahingehend, dass das „nicht Nichts“ des Körpers auf kleinste Elemente „natürlicher Natur“ wie z. B. die Gene reduziert wird, was nach Kraus von einem „epistemologischen“ Geiz zeuge, der zwar auf der sozialen Konstruktion des biologischen Geschlechts bestehen würde, jedoch einen kleinen Rest „nackten Geschlechts“ (du sexe nu) als seinen Fetisch zurückhält. Der gut argumentierte Beitrag von Beatriz Preciado (Philosophie) unternimmt eine Kritik sowohl an Foucault als auch an Butler anhand der Geschichte von Agnes. Agnes, der vorgebliche Hermaphrodit, wird Ende der 1950er Jahre in Kalifornien zur Frau umoperiert. 1966 publiziert sie ihre „wahre Geschichte“, in der sie berichtet, schon als Bub heimlich die Östrogentabletten der Mutter genommen zu haben. Insofern konnte sie die Diagnose ihrer behandelnden Ärzte manipulieren, indem sie sich ihren Körper schon vor dem chirurgisch-staatlichen Eingriff „self-designed“. Agnes’ Körper ist laut Preciados Analyse „weder passive Materie, die den biopolitischen Techniken der Geschlechternormalisierung unterworfen ist [vgl. Foucaults Interpretation von Herculine Barbin] noch ein rein performativer Effekt einer Reihe von Identitätsdiskursen [Butler]“ . Agnes ist ein „Techno-Körper“ bzw. Cyborg, der

sich die neuen Gender-Technologien selbst aneignet und dadurch neue Subjektivierungsformen produziert. Die Beiträge von Rutvica Andrijasevic (Politikwissenschaft) und Elsa Dorlin (Philosophie) arbeiten die unterschiedlichen Körperkonzepte an sozialwissenschaftlichen Problemstellungen ab. So wird eine Kampagne gegen Frauenhandel der International Organization for Migration (von der IOM als „Abschreckung“ bzw. Warnung der Frauen aus dem Osten Europas verstanden) auf ihren versteckten Sexismus und Paternalismus hin analysiert. Dorlin setzt sich mit der Rolle auseinander, die schwarze Sklavinnen in den französischen Überseekolonien sowohl für die weißen Siedler als auch für deren „importierte“ weiße Frauen aus der Unterschicht zu spielen gezwungen waren. Schließlich lassen sich zwei weitere Beiträge von Hélène Rouch (Biologie) und Ilana Löwy (Wissenschaftsgeschichte) der feministischen Kritik an Molekularbiologie und Genforschung zuordnen. Das Phänomen des genetischen Mikrochimärismus wirft nicht nur Fragen zur „Reinheit“ der geschlechtsbestimmenden Chromosomensätze auf, sondern könnte auch eine Neudefinition von Mutterschaft ermöglichen, die nicht mehr negativ als „Erosion der Grenzen biologischer Identität“ verstanden werden muss. Den Menschen als „heterogene Zellmischung“ neu zu definieren, könnte weitreichende Implikationen auf unsere Begriffe von Individualität und Elternschaft haben. ❚

Le corps, entre sexe et genre. Sous la direction de Hélène Rouch, Elsa Dorlin et Dominique Fougeyrollas-Schwebel Bibliothèque du féminisme www.editions-harmattan.fr

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lesezeichen I’m too sexy 13 ist nicht immer eine Unglückszahl. Wenn sich nämlich 13 Menschen aus verschiedenen Wissensgebieten mit Feminismus auseinandersetzen, dann ist das anregend, aufregend, ärgerlich, verwundernd. Deutlich wird auch in diesem von Mirja Stöcker herausgegeben Buch: Den Feminismus gibt es nicht – auch wenn in einigen Köpfen noch immer ein Bild der Feministin mit lila Latzhose, Männer verachtend sowieso (oder zumindest lesbisch) auftaucht. Ein Umstand, der von Katrin Jäger („Die Lesbe sitzt im Kopf“) teils recht humorig ins Treffen geführt wird. Witzig sind Reinhard Mohrs Erinnerungen an seine ersten Konfrontationen mit dem Feminismus – Verwirrung, Irritation, Unsicherheit waren die Folge („Der Feminismus und ich“). Die Verärgerung Antje Schrupps über das Ausspielen kinderloser Frauen gegen Frauen mit Kindern mittels unhaltbarer Argumente, ist bei der Lektüre ihres Textes richtiggehend spürbar („Die Deutschen sterben aus – und die Frauen sind schuld?“). Mit dem Mythos, Frauen sammeln und Männer jagen, räumt Brigitte Röder in „Jäger- und Sammlerinnenlatein“ gehörig auf – für Nicht-EthnologInnen neue Einblicke ins Leben unserer AhnInnen. Wenn Sigrid Schmitz vom „Schicksal Gehirn?“ schreibt, mag manche zum Überblättern des Beitrags verleitet sein, weil ein zum hundertsten Mal durchgekauter biologischer Ansatz vermutet wird. Die Vermutung ist jedoch falsch, denn Sigrid Schmitz kritisiert nicht nur das Design von und die oft sehr niedrige ProbandInnenzahl in naturwissenschaftliche Studien, sie öffnet auch ein Türchen ins Gehirn unter anderem von TaxilenkerInnen. Für Kennerinnen des F-Wortes bietet das Buch nicht allzu viel Neues. Konkrete Veränderungsansätze hinsichtlich persönlicher Lebensbereiche und gesellschaftspolitischer Strukturen, damit Feminismus endlich selbstverständ-

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lich wird, und sich für diese Akzeptanz nicht auch noch das Attribut „sexy“ umhängen muss, finden sich kaum. Interessant wären auch Erfahrungen von Frauen gewesen, die beispielsweise in Frauenberatungsstellen arbeiten: Welche Bedeutung hat Feminismus in der praktischen Arbeit mit KlientInnen? Vielleicht hat Mirja Stöcker ja schon was in der Schublade?

te zu empfehlen. Die Kapitelgliederung lässt eine Auswahl nach individuellem Interesse zu, da die einzelnen Teile nicht aufeinander aufbauen. Fazit: Ein Buch, das sicher nicht nur für EthnologInnen und ReligionswissenschaftlerInnen interessant ist!

Petra Öllinger

Farideh Akashe-Böhme: Sexualität und Körperpraxis im Islam

Irmi Wutscher

Brandes & Apsel, 2006, 14,90 Euro

Mirja Stöcker (Hgin.): Das F-Wort. Feminismus ist sexy Ulrike Helmer Verlag, 2007, 12,90 Euro (D)

Nix mit Sex in sechs Kapiteln

Grenzgängerin

Links oder rechts vom Fluß wohnen? Die Auswahl entAkashe-Böhmes Werk scheidet darüber, ob befasst sich mit der eine/r sich EU-BürgeBedeutung von SerIn nennen darf oder xualität und Genicht. Welche/r in schlechterrollen im IsIwangorod/Russland lam aus theoretischwohnt darf das philosophischer und nicht, wer in der „Schwesterstadt“ Narva/Estanthropologischer Sicht. Anhand des Ko- land wohnt, darf das. Und nur weil die Namen Guben/Deutschland und Gubin/Polen ähnlich rans beleuchtet Akashe-Böhme die islamische Sexualmoral und stellt sie in den Kontext tradi- klingen, bedeutet das nicht zwangsweise eine Ähnlichkeit der jeweiligen BewohnerInnen. Valtioneller patriarchaler Strukturen islamischer Länder. Die verschiedenen Dimensionen von Se- ka und Valga klingen ebenfalls ähnlich. Aber „Valkaner und Valganer haben, ohne Groll gexualität werden in sechs Kapiteln entlang der geneinander zu empfinden, einfach den UmBegriffe „Reinheit und Tabus“, „Ehre“, „Ökonomie und Politik des Schmerzes“, „Geschlechter- gang miteinander verlernt“ – in Lettland und in Estland. Auch in Österreich kann eine/r Grenzbiographien“, „Patriarchale Strukturen“ und wertiges erleben: Gmünd – Ceské Velenice/ „Muslime in der säkularisierten Welt“ diskuTschechische Republik. Die ehemalige „Presse“tiert. Hauptquellen sind sowohl Suren des Kound „profil“-Redakteurin Dagmar Schwelle, die ran (was den Lesefluss zum Teil etwas behinals freie Fotografin in Deutschland lebt, ging an dert), aber auch zeitgeschichtliche Quellen. Das Buch wendet sich an LeserInnen im eu- vier Grenzen und machte sich ein Bild dieser Städte. ropäischen Raum, sowohl an MuslimInnen als Zwei Trockenhauben in einem Frisiersalon auch an Nicht-MuslimInnen, und soll beide über in Ceské Velenice oder ein Schaufenster eines den Islam als Lehre aufklären. Geschäftes in Valga mit allerlei Seltsamkeiten Die Sprache ist sehr klar und gut verständlich. Somit ist das Buch sowohl wissenschaftlich wie Wollsocken neben einer Ricchi e Poveri verwendbar, als auch als Lektüre für Interessier- Schallplatte; Motive, die Stimmungen einfan-


lesezeichen gen, ohne mit einer „Plattenbau-OstblockNostalgie“ zu kokettieren. Dagmar Schwelle holt die auf den Fotos agierenden Menschen aus der Anonymität. Und sie mutet, wie sie in der Einleitung schreibt, „je vier Bewohnern meine sehr abstrakten Fragen zu“. Diese Interviews, die Texte und die Bilder führen eine/r in diesem Fotoband vor Augen, dass Osteuropa im Allgemeinen und Berührungsorte damit im Speziellen (nämlich Ost/West-Grenzstädte) blinde Flecken in diesen Augen sind. Und dass der Eiserne Vorhang stellenweise noch recht tief hängt.

se Auswahl wird die Diskrepanz in der Lebensführung dieser Frauen betont. Somit bleibt das Buch, was es verspricht und zwar ein „Lesebuch der besonderen Art“, allerdings leider eines der besonders langweiligen.

schön und inspirierend beim Selberlesen, empfiehlt die Rezensentin. Genauso inspirierend wie die Infos über die sehr sympathische Autorin Åsa Lind, die sich unter anderem auch als „Grützeköchin“ verdingte.

Silke Pixner

Petra Öllinger

Traude und Wolfgang Fath (Zusammenstellung): Frauenleben in alter Zeit.

Åsa Lind (Text), Philip Waechter (Bilder): Zackarina, der Sandwolf und das

Mütter und Töchter erzählen

Meer. Aus dem Schwedischen von Jutta Leukel

Böhlau Verlag. 2007. 19,90 Euro

Beltz & Gelberg, 2007, 10,20 Euro

Petra Öllinger

Dagmar Schwelle: Die da drüben. Geteilte Grenzstädte in Europa Edition Fotohof im Otto Müller Verlag, 2007 36.- Euro (D)

Großmutters Erzählungen „Großmutter könnte so erzählen, wenn wir ihr zuhörten …“ – ein Satz aus der Inhaltsangabe des Buches „Frauenleben in alter Zeit“. Bleibt zu hoffen, dass unsere Großmütter spannendere Geschichten erzählen können, als der Großteil der in diesem Buch versammelten Frauen. Die elf Erzählungen beschreiben die Jahre von ca. 1880 bis 1950; also eine Zeitspanne, in der viele wichtige und folgenreiche Ereignisse stattgefunden haben. Sie kommen im Buch allerdings kaum vor, denn die Geschichten konzentrieren sich auf den Alltag der Frauen, laut Inhaltsangabe reduziert auf „wenige Augenblicke und Stimmungen“. Klingt interessant – ist es aber leider nicht. Zu oft ergehen sich die Erzählungen in ellenlangen Schilderungen der von den Frauen zu verrichtenden Arbeit. Obwohl es nicht zu bestreiten ist, dass die Arbeit damals den Großteil eines Frauenlebens ausmachte, wäre es schön gewesen, mehr von den angepriesenen Stimmungen und weniger von den rein arbeitstechnischen Vorgängen zu lesen. Deren Beschreibung gipfelt übrigens in einer vierseitigen Analyse der verschiedenen Möglichkeiten der Milchverarbeitung. Positiv anzumerken ist, dass sich in dem Buch sowohl Geschichten von bekannten Frauen aus „guten bürgerlichen Häusern“, so zum Beispiel Elise Richter, aber auch Geschichten von Sennerinnen und Bäuerinnen finden. Durch die-

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7 Ja hre n

Sandwölfisch

Auch im dritten Buch über Zackarina und den Sandwolf begeben sich das Mädchen, das mit seinen Eltern am Meer wohnt, und ihr Freund auf die Suche nach Antworten und Erklärungen von alltäglichen Begebenheiten. Da klingt ein tropfender Wasserhahn plötzlich sehr seltsam und der Kühlschrank brummt auch eigenartig, wenn Zackarina zum ersten Mal alleine zu Hause ist. Gegen dieses mulmige Gefühl hilft unter anderem lautes Singen und das Schütteln einer sandraschelnden Büchse. Das Problem der schnell dahin fließenden Zeit wird etwas entschärft, indem Zackarina die elterliche Küchenuhr zuerst eingräbt und dann wieder ausgräbt. Denn „wenn die Uhr nicht über die Zeit bestimmt, dann hat es ja keinen Sinn, sie einzugraben“. Fahrrad- und Apfeldiebe entpuppen sich als ganz „normale“ Menschen, wenn Zackarina durch das Diebfernrohr des Sandwolfs schaut. Es sind keine wilden, gefährlichen Abenteuer, die die beiden in den 15 Geschichten erleben. Es ist ein stilles Heranpirschen an Alltäglichkeiten. Åsa Linds poetische Sprache voller Synästhesien (gelungen, die Übersetzung aus dem Schwedischen von Jutta Leukel) sorgt dafür, dass dieses Heranpirschen niemals langweilig wird. Fad wird’s auch deshalb nicht, weil selber denken gefragt ist. Wenn sich Zackarina von ihren Eltern unverstanden fühlt, sucht sie ihren sonnen- und mondscheinverspeisenden Vierbeiner auf. Der gibt Denkanstöße, aber keine Erklärungen auf Zackarinas Fragen. Sie muss die Lösungen selber finden. Und die einfachen Schwarz-Weiß-Zeichnungen von Philip Wachter verleihen diesem Denken zusätzlichen Charme. „Zum Vorlesen für Kinder ab 7“ empfiehlt der Verlag. Für Menschen weit über 7 genauso

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5 Ja hre n

Mama hat Krebs

Amelie lebt mit ihren Eltern und ihrem Hund Zebulon im Wunderland. Eines Nachts jedoch muss Amelies Mutter ins Krebsland. Ihr Papa, selbst überwältigt von diesem Ereignis, kann Amelie über ihre Untröstlichkeit, Ratlosigkeit, Verzweiflung nicht hinweghelfen. So macht sich das Mädchen selbst auf den Weg ins Krebsland, der durch einen Zauberspiegel hindurch führt. Eine Erklärung für die Krankheit und deren Behandlung findet Amelie dort beim Wächter der Geheimnisse, der beim Baum des Wissens wohnt. „Diese Antworten beruhigen Amelie ein bisschen.“ Wut, Schuldgefühle und Trauer bleiben trotzdem. Wohin damit? Ihren Vater möchte sie nicht belasten. Trost, Mut und einen Pfad aus der Verwirrung findet das Mädchen in der Natur. Besonders in diesem Teil stecken Text und Bilder voll Symbolik: Bäume, Steine, Wasser, Landschaften, Tiere. Kraftquellen, wie sie auch in der therapeutischen Arbeit mit Kindern krebskranker Eltern in der Auseinandersetzung mit der Krankheit zum Einsatz kommen, so Ulla Steger, Psychotherapeutin und Referentin der Dr.-Mildred-Scheel-Akademie der Deutschen Krebshilfe im Nachwort. Am Schluss kehrt Amelies Mutter wieder zurück nach Hause, fürs erste gesund. Aber es wird kein Happy End vorgegaukelt, der Zauberspiegel hat sich nicht ganz geschlossen, Amelie hat die Hoffnung, „dass sie und ihre Mama nie mehr ins Krebsland zurückkehren müssen“. Eine Lektüre auch für nichtbetroffene Kinder und Erwachsene. Petra Öllinger

Martine Hennuy, Sophie Buyse (Text), Lisbeth Renardy (Bilder): Wann kommst du wieder, Mama? Ein Bilderbuch über Krebs Sauerländer, 2007, 14,30 Euro

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ge.sehen

Fo t o : C a r o l i n a Fra n k

Fünf Tage Ladyfest Wien 07 – ein subjektiver Rückblick von Iris Hajicsek

Iris Hajicsek war Mitorganisatorin der Ladyfeste 05 und 07 in Wien Ladyfest-Homepage: http://plone.ladyfestwien.org

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Aus der Not eine Tugend machen: Es war wieder einmal so viel los am Ladyfest, simultan, parallel und ineinandergreifend, dass eine Rückschau mit Objektivitäts- oder Ausgewogenheitsanspruch alleine an begrenzter Wahrnehmungsfähigkeit scheitern muss. Also, auf zum Ausweg: konsequente Subjektivität. Fünf Tage. Fünfzig Mailadressen auf der Organisations-Mailingliste. Das Ladyfest 07 war größer als das im Jahr 2005 (drei Tage, 25 Adressen), anders strukturiert, heterogen, auch divergent, reichhaltig, unübersichtlich, nicht frei von Friktionen, wie sie in großen Gruppen notwendigerweise vorkommen. Die Idee, diesmal nicht in den überkommenen Gruppen „Bandbooking“ und „WorkshopOrganisation“ zu arbeiten, sondern sich in Gruppen zu organisieren, die sich entlang thematischer Schwerpunkte wie etwa Kreativität, Feminismus und Antirassismus, Sexualität, Technik oder „Gestohlenes“ bilden, hat die Chance auf eine andere inhaltliche Qualität genutzt und auch andere, oft mehr an den Kleingruppen orientierte, Vernetzungen innerhalb der organisierenden Ladyzzz gefördert. Im Plenum dann die gespannte Erwartung:Wie werden die Aktivitäten der einzelnen Gruppen tatsächlich aussehen? So manches, was die Kleingruppen organisierten, wurde erst auf dem Ladyfest wieder zusammengeführt und sichtbar. Angesichts dieser Organisationsstruktur den Überblick über das Gesam-

te zu erlangen, erwies sich als kaum möglich. Viel Vertrauen in die Tätigkeit der anderen war angesagt – und wo es das nicht gab, fanden pointierte Diskussionen statt. Die Arbeitsgruppe „Ein Tag nur mit Gestohlenem“ thematisierte assoziativ verbundene Fragen wie die der legitimen, aber verbotenen Aneignung öffentlicher Ressourcen. Aber auch die der gestohlenen Zeit von MigrantInnen

„Weil die Utopie nicht nur im Kopf entsteht“ durch lange Behördenverfahren oder dem Nachholen von woanders bereits erlangten Qualifikationen. Und die der gestohlenen Geschichte von Gruppen und Menschen, die von der herrschenden Geschichtsschreibung verschwiegen werden. Ihre Ergebnisse bündelte sie in einer eigenen Broschüre und im „Ladyride“, bei dem die in der Broschüre bearbeiteten Stationen persönlich besucht wurden, Aktionismus wie eine spontane Fahrrad-Straßenblockade inklusive. Viel thematisiert, akklamiert, problematisiert und aus ganz unterschiedlichen Zugängen heraus organisiert, war die Ladyfest-Sexp@rty : „Weil die Utopie nicht nur im Kopf entsteht“ („Sexparty-Manifest“) Den Versuch, nach einem Mini-Literaturschwerpunkt beim Ladyfest 05 gleich ein ganzes Abendprogramm vor-

wiegend mit Spoken-Word-Performances zu füllen, war ermutigend: Publikum und Stimmung fast wie bei einem Konzert. Der „Her Dyke Story March“ schloss auch geografisch an die beiden bisherigen Dyke Marches 2004 und 2005 in Wien an. Die Open Stage war diesmal offen für Musik und Literatur und mit sieben angemeldeten und einem spontanen Act gut besucht. InterventionsWorkshop gab es diesmal keinen, denn im Fall von sexistischen oder rassistischen Übergriffen sollte diesmal gelten: „Wir machen keinen Workshop, wir intervenieren gleich!“, wie eine Lady es augenzwinkernd ausdrückte. Dies war auch 2007 einige Male notwendig. Sonst: Filmbrunch, Technikworkshops von Open Source Software bis Radiomachen, Schreibworkshop, Workshops über Queeres, Polyamouröses, Menstruation, Bondage, Nähen. Und Futbol. Es war reichhaltig. Mitte Juni stand nach der verdienten Ruhepause eine Nachbesprechung an. In Kleingruppen haben wir uns schon ausgetauscht. Einige Ladyzzz organisieren eine Veranstaltung am 2. August im WUK mit. Eine nächste queere Sexparty wollen die Organisatorinnen der Ladyfest-Sexp@rty irgendwann wieder veranstalten. Und das nächste Ladyfest? – Das wollen wir besprechen, wenn das vergangene sich einmal gesetzt hat. Momentan ist viel in Bewegung. Auch durch das Ladyfest. Gut so! ❚


Fo t o : D e u t s c h e K i n e m a t h e k – M a r l e n e D i e t r i c h Co l l e c t i o n B e r l i n

musik.tanz bis 8.7. Wien KlezMORE Festival Vienna, mit Klezmermusik vom Feinsten Info unter: T. 0676/512 91 04, www.klezmorevienna.at, Kosten: 20,-Euro Ak/ 18,- Euro VVK

bis 12.7., Wien Jazzfest Wien, u.a. mit Juliette Greco, Celia Mara und Omara Portuondo Jazzfest Wien, Programm und Infos unter: T. 01/408 60 30, tickets@viennajazz.org oder www.viennajazz.org, Kosten: Je nach Kategorien 30,- bis 60,- Euro

bis 14.7., Salzburg SommerSzene Salzburg, Festivalthema: China & Indien Szene Salzburg, 5020 Salzburg, Anton Neumayr Platz 2 , T. 0662/84 34 48, www.szene-salzburg.net

2.7., 19.30, Wien Doppelkonzert Célia Mara mit Omara Portuondo in der Wiener Staatsoper Wiener Staatsoper, 1010 Wien, Kärntner Ring, Veranstalterin: Jazzfest Wien, Programm und Infos: T. 01/408 60 30, tickets@viennajazz.org oder www.viennajazz.org, Kosten: Je nach Kategorien 30,- bis 60,- Euro

7.7., 20.00, Wien GebärdensprachTanz 2007, Motto: Chancengleichheit – Österreich wird türkis WUK, 1090 Wien, Währingerstr. 59, www.wuk.at, Kosten: 5,- Euro

11.7., 20.00, Wien Cocorosie Szene Wien, 1110 Wien, Hauffgasse 26, T. 01/749 33 41, www.szenewien.com, Kosten: 20,- AK/ 18,- VVK/ 16,- Jugendinfo

12.7.-12.8., Wien ImPulsTanz – Vienna International Dance Festival ImPulsTanz, 1070 Wien, Museumstr. 5/21, T. 01 523 55 58, info@ImPulsTanz.com, www.ImPulsTanz.com

15.-29.7., Krems Glatt&Verkehrt – Weltmusikfestival zwischen Jodeln und Freejazz Festival Glatt&Verkehrt, unterschiedliche Veranstaltungsorte, Information unter: www.glattundverkehrt.at, Karten und Preise: T. 02732/ 90 80 33, tickets@glattundverkehrt.at

15.7., Wien Heidi Mortenson (DK) und dj christina n. rhiz, 1080 Wien, Gürtelbogen 37, T. 01/409 25 05, www.rhiz.org

30.8., ab 16.00, Wien Full Hit of Summer Festival, feat. The Gossip und The Dead 60s Arena, 1030 Wien, Baumgasse 80, T. 01/798 85 95, arena@arena.co.at, www.arena.co.at, Eintritt: 27,- Euro

film bis 12.8., jew. 21.30, Wien Kino unter Sternen – Das Open Air im Augarten, Schwerpunkte sind Filme von Jerry Lewis sowie das Spezialprogramm „Attack!“, das den Aufstand der Underdogs zelebriert Augarten, 1020 Wien (Eingang Gaußplatz); Schlüsselwiese (hinter dem Flakturm), T. 01/ 585 23 24 21, office@kinountersternen. at, www.kinountersternen.at, Karten: 7,50 Euro, 5er Block: 32,50 Euro

bis 14.9., Wien VOLXkino 2007, gratis Freiluftkino an verschiedenen Veranstaltungsorten in ganz Wien VOLXkino,Programm/Ort: T. 01/ 219 85 45 80 oder www.volxkino.at, Eintritt frei

an.künden

ab 13.7., Wien Golden Door. Der neue Film von Emanuele Crialese ist eine Fabel über eine Familie die nach Amerika auswandert Votivkino, 1090 Wien, Währinger Str. 12, T. 01/317 35 71, www.votivkino.at

2.8.-28.8., jew. 20.00, Wien Arena Sommer Kino. Klassiker und Aktuelles auf der Freiluft-Leinwand Arena, 1030 Wien, Baumgasse 80, T. 01/798 85 95, arena@arena.co.at, www.arena.co.at, Eintritt: 5,- Euro/ VVK 4,(Jugendinfo Wien)

t h e a te r . ka b a r e t t 20.8.-15.9., 20.00, Wien Lucy McEvil als „Evita“. Satire über die Gemeinheiten von Macht und Herrschsucht 3raum-anatomietheater, 1030 Wien, Beatrixgasse 11, T. 0650/ 323 33 77, www.3raum.or.at, Kosten: 18,-/ 12,- Euro

s e m i n a r . w o rk s h o p 6.-24.7., Linz Campus Sommerakademie: Begegnung mit der Kultur der Sinti und Roma Unterschiedliche Orte, Veranstalterinnen: Verein Ketani, T. 0732/ 31 84 31, www.sinti-roma.at und Die Fabrikanten; T. 0732/795 68 40, www.fabrikanten.at, Programm und Anmeldung unter www.fabrikanten.at/campus oder verein.ketani@aon.at

6.-8.7., Linz Deep Soul Singing mit Ida Kelarova, Gesangsworkshop im Rahmen der Campus Sommerakademie Bruckneruniversität Linz, 4020 Linz, Wildbergstr. 18, Anmeldung unter www.fabrikanten.at/campus oder verein.ketani@aon.at, Teilnahmegebühr 150,- Euro

9.-13. 7. u. 16.-20.7., 13.00-16.00, Wien FERIEN-MALWORKSHOPS für Kinder von 7-12 Jahren Atelier Elisabeth Lorenz, 1210 Wien, Leuchsweg 7, max. 10 TeilnehmerInnen, Kosten: 13,- Euro pro Tag (Material inklusive), Anmeldung erforderlich unter: T. 01/259 39 55, Bitte Malerkittel mitbringen!

16.-21.07., Salzburg 10th JIMS – Summer Academy & Festival for Jazz & Improvised Music ARGEkultur Salzburg, 5020 Salzburg, Josef-Preis-Allee 16, Info: T. 0662/84 87 84-11, www.argekultur.at

29.-30.7., 16.00, Wien Immer mit der Ruhe. Entspannungsworkshop mit Petra Öllinger für Mädchen und junge Frauen von 13-16 Jahren Bruno Kreisky Forum, 1190 Wien, Armbrustergasse 15, Anmeldung über Jugendinfo, 1010 Wien, Babenbergerstraße 1, T.01/17 99 oder jugendinfo@wienXtra.at, www.jugendinfo.at, Kosten: mit dem „Jugend in Wien“-Bon kostenlos, Bitte bequeme Kleidung mitbringen

29.-31.7., 10.00 Wien Starke Texte für starke Mädchen von 13-16 Jahren. Schreibwerkstatt mit Petra Öllinger.

Marvellous Marlene Die Ausstellung in der Filmgalerie in Krems widmet sich dem Mythos rund um die Filmdiva Marlene Dietrich. Filmausschnitte, Privataufnahmen, Fotografien, Briefe, Kostüme und Accessoires aus Dietrichs Nachlass dokumentieren ihren Aufstieg zum Weltstar. Die Ausstellung spannt den Bogen von ersten Filmerfahrungen in Berlin und Wien über ihre Hollywood-Karriere bis zu den Front- und Show-Auftritten. Auch Dietrichs facettenreiches Privatleben wird beleuchtet. Ein Filmprogramm, u. a. mit Homemovies von Marlene Dietrich, begleitet die Ausstellung. Mythos Marlene Dietrich, bis 25.11., Österreichische Filmgalerie, 3500 Krems, Dr. Karl-Dorrek-Str. 30, T. 02732/ 90 80 00, tickets@filmgalerie.at, www.filmgalerie.at, Öffnungszeiten: Mo-Fr 14.00 - 18.30, Sa, So: 11.00 - 18.30, Kosten: 6,-/ 5,- Euro

Bruno Kreisky Forum, 1190 Wien, Armbrustergasse 15, Anmeldung über Jugendinfo, 1010 Wien, Babenbergerstraße 1, T.01/17 99 oder jugendinfo@wienXtra.at, www.jugendinfo.at, Kosten: mit dem „Jugend in Wien“-Bon kostenlos, Bitte bequeme Kleidung mitbringen

13.8.-17.8., 10.00, Wien „Mach doch kein Theater“ – Theaterworkshop Sprungbrett für Mädchen, 1150 Wien, Pilgerimgasse 22 24/1/1, T. 01/798 45 45, sprungbrett@sprungbrett.or.at, www.sprungbrett.or.at

27.8.-30.8., 10.00, Wien Selbstverteidigung Schnuppern – Probier aus wie du dich verteidigen kannst Sprungbrett für Mädchen, 1150 Wien, Pilgerimgasse 22 24/1/1, T. 01/798 45 45, sprungbrett@sprungbrett.or.at, www.sprungbrett.or.at

v o r t r a g . d i s ku s s i o n

Bruno Kreisky Forum, 1190 Wien, Armbrustergasse 15, Anmeldung über Jugendinfo,1010 Wien,Babenbergerstraße 1, T.01/17 99 oder jugendinfo@wienXtra.at, www.jugendinfo.at, Kosten: mit dem „Jugend in Wien“-Bon kostenlos

8.-13.7., Burg Schlaining Internationale Sommerakademie: Von kalten Energiestrategen zu heißen Rohstoffkriegen? Schachspiel der Weltmächte zwischen Präventivkrieg und zukunftsfähiger Rohstoffpolitik

1.-2.8., 16.00 Wien Immer mit der Ruhe. Entspannungsworkshop mit Petra Öllinger für Mädchen und junge Frauen von 17-20 Jahren

Burg Schlaning, 7461 Stadtschlaining, T. 03355/ 24 98 502, aspr@aspr.ac.at, www.aspr.ac.at, Kosten: 50,- Euro/Woche oder 15,- Euro/Tag, für Studierende: 25,Euro/Woche, exkl. Unterkunft

a u s s te l l u n g bis 7.7., Wien Moira Zoitl und Ricarda Denzer. Kunsthalle Exnergasse, 1090 Wien, Währingerstr. 59/2/1, T. 01/401 21 41, kunsthalle.exnergasse@wuk.at, www.kunsthalle.wuk.at, Di-Fr 14-19.00, Sa 10-13.00

bis 28.7., Graz With a hidden Noise – Rosa Barba, filmische Arbeiten Graz – Kunstverein Medienturm, 8020 Graz, Josefigasse 1, T. 0316/74 00 84, office@medienturm.at, www.medienturm.at, Di-Fr 14-18.00, Sa 10-14.00

bis 2.9., Graz „China welcomes you ... Sehnsüchte, Kämpfe, neue Identitäten“ setzt sich mit Identitätsfragen auseinander, zeigt China aus sehr unterschiedlichen Perspektiven Kunsthaus Graz am Landesmuseum Joanneum, 8020 Graz, Lendkai 1, T. 0316/ 8017-9213, F. 0316/ 8017-9212, presse@museum-joanneum.at,

bis 11.9., Linz Helene Funke, Gemälde, Aquarelle, Grafik. Erste Museumsretrospektive der wichtigen Wegbereiterin der internationalen Avatgarde Lentos Kunstmuseum Linz, 4020 Linz, ErnstKoref-Promenade 1, T. 0732/ 707 03 600, info@lentos.at, www.lentos.at, Kosten: 6,50/ 4,50 Euro, Tägl. 10-18.00, Do 10-21.00

bis 16.9., Wien Held together with water – Kunst aus der Sammlung Verbund. Schwerpunkt auf dem Frühwerk von Cindy Sherman und feministischer Avantgarde MAK-Ausstellungshalle, 1010 Wien, Weiskirchnerstraße 3, Info: www.mak.at, Kosten: 7,90/ 5,50 Euro, Samstag Eintritt frei, Öffnungszeiten: Di 10-24.00, Mi-So 10-18.00, Mo geschlossen

bis 23.9., Wien Romy Schneider – Hommage an die Jugend. Fotoausstellung zum 25. Todestag Romy Schneiders Hofmobiliendepot, 1070 Wien, Andreasgasse 7, T. 01/524 33 57, info@hofmobiliendepot.at, www.hofmobiliendepot.at, Kosten: 6,90/ 4,50 Euro

bis 23.9., Kassel 12. Documenta – Ausstellung zeitgenössischer Kunst documenta 12, Kassel, Deutschland, www.documenta12.de

bis 4.11, St. Pölten Ona B. – Rot. Mehrteilige Rauminstallation Landesmuseum Niederösterreich, 3109 S t. Pölten, Kulturbezirk 5, T. 02742/ 90 80 90, info@landesmuseum.net, www.landesmuseum.net

bis 18.11., Wien Beste aller Frauen. Weibliche Dimensionen im Judentum, die Rolle der jüdischen Frau im religiösen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Kontext

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an.künden Jüdisches Museum Wien, 1010 Wien, Dorotheergasse 11, T. 01/ 535 04 31, F. 01/ 535 04 24, info@iwm.at, www.iwm.at, Kosten: 6,50/ 4,- Euro, So-Do 10-16.00, Fr 10-14.00

bis 25.11., Krems Ausstellung und Filmschau: Mythos Marlene Dietrich

f i x te r m i n Montag Diskuthek im Frauencafé Autonomes Frauenzentrum, 4020 Linz, Humboldtstr. 43, T. 0732/602 200, www.frauenzentrum.at, jeden 1. Mo im Monat, 18-22.00

Österreichische Filmgalerie, 3500 Krems, Dr. Karl-Dorrek-Str. 30, T. 02732/ 90 80 00, tickets@filmgalerie.at, www.filmgalerie.at, Öffnungszeiten: Mo-Fr 14-18.30, Sa, So: 11-18.30, Kosten: 6,-/ 5,- Euro

Frauencafé

5.7.-27.7., Wien „KUNST AM STROM“. Elisabeth Lorenz & Gerhard Slama

7Stern Bräu, 7., Siebensterng.19, dykes.on.bikes@gmx.at, www.dykesonbikes.at, jeden 2. Mo

MARINA WIEN, 1020 Wien, Handelskai 343, Mo-Sa 10-23.00, So, Feiert. 8-23.00

Encounter-Gruppe für Lesben und Frauen, die sich da nicht so sicher sind

16.7.-27.9., Wien Ilse Aichinger – Fotografien von Stefan Moses

Institut Frauensache, 15., Reindorfg. 29, T. 01/89 58 440, office@frauensache.at, www.frauensache.at, jeden 2. u. 4. Mo 19.30-21.00, Anm. erforderlich, Kosten: 21,- Euro

Literaturhaus, 1070 Wien, Seidengasse 13, T. 01/526 20 44-0, info@literaturhaus.at, www.literaturhaus.at

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lesung

5.7., 19.00, Wien Friederike Mayröcker liest aus „Magische Blätter VI“ Alte Schmiede, Literarisches Quartier, 1010 Wien, Schönlaterngasse 9, T. 01/ 512 83 29, F. 513 19 62 9, www.alte-schmiede.at, Eintritt frei

13.7., 18.00, Linz Film, Lesung und Gespräch mit Gitta Markl, Ceija Stojka, Dr. Ludwig Kaher im Rahmen der Campus Sommerakademie Kunstuniversität Linz, 4020 Linz, Hauptplatz, HS1, Eitritt frei

a k t i v i t ä te n 7.7., 14.00, Wien Free Parade – für Recht auf politische Selbstbestimmung Treffpunkt Europaplatz/ Westbahnhof, 1150 Wien, info@freeparade.org, www.freeparade.org

20.-29.7., Niederösterreich Anarchistisches Sommercamp – Liebe, Luxus, Anarchie Anmeldung und Sonstiges per E-Mail: info@a-camp.info und www.a-camp.info, Kosten: kein Fixpreis, mit 8 Euro pro Tag und Person wären die Kosten gedeckt

44 an.schläge juli august 2007

Autonomes Frauenzentrum, 4020 Linz, Humboldtstr. 43, T. 0732/60 22 00, www.frauenzentrum.at, jeden Mo 18-22.00

„Dykes on bikes“ Stammtisch. Der Motorradclub für Lesben

Freizeittreffpunkt des Rechtskomitees Lambda X-Bar, 6., Mariahilferstr. 45/ Raimundpassage 2, office@RKLambda.at, www.rklambda.at, jeden 1. Mo

„Zwischen den Welten“ – Mamazonen. Erfahrungsaustausch für lesbische [Co]Mütter Institut Frauensache, 15., Reindorfg. 29., T. 01/89 58 440, office@frauensache.at, www.frauensache.at, jeden 1. Mo 19.30-21.00, Anmeldung erforderlich, Kosten: 3,60 Euro

shg.ueberlebt@inode.at, Anmeldung erforderlich, kostenlos, www.akzente.net/Selbsthilfegruppen_fuer _Maedchen_un.747.0.html

Dick und Fit – Sport, Spiel und Körperspaß. Leitung Karin Weingartmann Volksschule Brockmanngasse, 8010 Graz, Brockmanngasse 119, www.fgz.co.at/dick.htm, Anmeldung unter 0316/837 998, Di 1921.00, Kosten: 102,- Euro für 17 Abende

Babykino. Ein Film aus dem aktuellen Angebot, bei dem Kleinstkinder in den Kinosaal mitgenommen werden können Votivkino, 9., Währinger Str. 12, T. 01/317 35 71, www.votivkino.at/1program/babyprog.htm, jeden 2. Di ab 11.00

Frauenplenum der Grünen Alternativen Jugend Grüne, 7., Lindeng. 40, info@gajwien.at, jeden letzten Di um 18:30

Modern-Afro-Latin-Dance für Frauen aller Altersgruppen Autonomes Frauenzentrum, 9., Währingerstr. 59/Stiege 6, 2. Stock, Info: T. 01/545 43 93

ViennaMix. Verein von und für les.bi.schwul.transgender MigrantInnen in Wien

Dienstag

Frauenservice, 8020 Graz, Idlhofg. 20, T. 0316/716 02 20, office@frauenservice.at, jeden Di 19.30-21.00

Welser Runde – Lesben-, Bi- und Schwulen-Treff Cafe – Music Pub Urstein, 4600 Wels, Ringstr. 15, jeden Di ab 20.00

Selbsthilfegruppe „Überlebt“, für Frauen mit sexuellen Missbrauchserfahrungen Frauengesundheitszentrum ISIS, 5020 Salzburg, Alpenstraße 48, wöchentlich jeden Di von 18-20.00; T. 0664/82 84 263,

Vereinscafé Anchorage. Das Café der erfüllbaren Wünsche: Offen für alle Frauen und Lesben Autonomes FrauenLesbenzentrum, 6020 Innsbruck, Liebeneggstraße 15,T. 0512/580 839, info@frauenlesbenzentrum.at, www.frauenlesbenzentrum.at, jeden Mi und Fr ab 20.30

Gesprächsgruppe für Frauen mit sexuellen Gewalterfahrungen. Leitung: Bettina Reinisch

Mittwoch Ehe ohne Grenzen, Kundgebung jeden Mittwoch, 17.00, vor dem Innenministerium Innenministerium, 1010 Wien, Herrengasse 7, Info: www.ehe-ohne-grenzen.at

Frauencafé Jugendzentrum Agathon, 3002 Purkersdorf, Kaiser-Josef-Str. 49, Kontakt: Ulrike Putz-Alb, T. 0664/191 61 20, jeden 1. Mi ab 19.30

Frauencafè Linzer Frauengesundheitszentrum, 4020 Linz, Kaplanhofstr. 1, T. 0732/77 44 60, www.fgz-linz.at, jeden Mi von 16.30-18.00

Sappho – Selbsterfahrungsgruppe für lesbische und bisexuelle Frauen. Leiterin: Christine Swarowsky Beratungsstelle Courage, 6.,Windmühlg. 15/1/7, T. 01/ 585 69 66, info@courage-beratung.at, www.courage-beratung.at, 14-tägig, Mi 18.30–22.00, Kosten/ Abend: 48,- Euro, kostenloses Vorgespräch erforderlich

Donnerstag HelpChat „Halt der Gewalt“ Der Helpchat www.haltdergewalt.at bietet anonyme Hilfestellung, jeden Do 20-23.00

Feministische Gespräche. Gemütliche Diskussionsrunde für Feministinnen FZ-Bar, 1090 Wien, Währiger Str., 56/6, T.01/402 87 54, jeden 4. Donnerstag im Monat, 19.00

Mach dir ein Bild… Portraitzeichnen, Portraitmalen für Frauen und Mädchen

Räumlichkeiten des Notrufs, 17., Telefonische Anmeldung: T. 01/523 22 22, www.frauenweb.at/notruf, Dauer: 7 Abende, 14-tägig, Kosten: 20,– Euro/Termin

Offenes Atelier funkundküste, 3504 Krems/Stein, Steiner Landstr. 14, T. 02732/823 62, Kosten p.A. inclusive Material: 13,- Euro, jeden 3. Do 18-20.00

Lesben-Fußballgruppe Aufschlag-BALLerinas

Regenbogenstammtisch Vöcklabruck

Lesbengruppe

Selbsthilfegruppe „Wenn Frauen zu sehr lieben“

4060 Wels, Spitalhof 3, T. 07242/556 40, abraxa@goplay.com, jeden Di 14-18.00

Frauen aller Länder-Café, 6020 Innsbruck, Schöpfstr. 4, T. 0512/ 564 778, jeden Mi von14-18

Atelier, 18., Anastasius Grüng. 14, Info und Anmeldung: T. 0676/963 43 26, www.kunsttherapie-atelier.at, Kosten: 20,Euro/Abend (Material inbegriffen), jeden 1. Mi u. jeden 3. Di im Monat, jeweils von 18.30-21.00

Rudolfstiftung, Schwangeren Ambulanz, 3., Juchg. 25, jeden Mo u. Mi 14-18.00

Frauencafé der Frauengruppe ABRAXA

Deutsch Konversation

PAHO-Halle, 10., Jura Soyfer G. 3, Garderobe 2, aufschlag.gay.or.at,19.30-21.30

Marea Alta-Keller, 6., Gumpendorferstr. 28, jeden 2. Di ab 20.00

Treffpunkt: Parkplatz des ATSV, 2020 Hollabrunn, jeden Di 9.00

HOSI Vereinszentrum, 5020 Salzburg, Müllner Hauptstr. 11, T. 0662/435 927-27, www.hosi.or.at, jeden 2. und 4. Mi ab 20.00

Offenes Atelier für Frauen. Kunsttherapeutin: Anna Rakos

First love. Sexualberatung für Jugendliche zwischen 12 u. 19

Frauenlaufgruppe Hollabrunn. Mit Sylvia Möstl

Transgender-Treff

HOSI-Zentrum, 2., Novarag. 40, T. 01/216 66 04, www.hosiwien.at, jeden Mi ab 19.00

Morgengruppe „Carpe diem“ – Körpertherapeutisch orientierte Gruppe für Frauen. Verein „Frauen beraten Frauen“, 6., Lehárgasse 9/2/17, Voranm.: T. 01/587 67 50, Kosten: 11,- Euro, jeden Mi 9-10.30,

Offene Frauengruppe Familienberatungsstelle, 6., Kaunitzg. 33/8, T. 01/581 09 60, www.le-kri.at, Kosten: 1,50 Euro, jeden Mi 18-20.00

Offene Gruppe für Alleinerzieherinnen und Frauen in Trennungssituationen Kontaktstelle für Alleinerzieherinnen, 1., Stephanspl. 6/V/30, jeden 1. u. 3. Mi, 18-20.00, T. 01/587 67 50

Offenes Atelier für Frauen. Kunsttherapeutin: Anna Rakos Atelier, 18., Anastasius Grüng. 14, Info und Anmeldung: T. 0676/963 43 26, www.kunsttherapie-atelier.at, Kosten: 20,Euro/Abend (Material inbegriffen), jeden 1. Mi und 3. Di, jeweils von 18.3021.00

Resis.danse. FrauenTanzClub. Tanzabend Café Standard, 5., Margaretenstr. 63, Infos: www.resisdanse.at, jeden Mi u. Fr ab 21.00

Restaurant „Zur Brücke“, 4840 Vöcklabruck, Vorstadt 8, www.hosilinz.at/gruppen/hosi_ regenbogenstammtisch.html, jeden Do, 20.00

Lesbenabend HOSI Vereinszentrum, 5020 Salzburg, Müllner Hauptstr. 11, T. 0662/43 59 27-27, www.hosi.or.at, jeden 1. u. 3. Do ab 19.00

Salon de Femme 2 Stein, 5020 Salzburg, Giselakai 9, ab 18.00

Offener Abend Hosi-Lokal, 6020 Innsbruck, Innrain 100, www.queertirol.com, T. 0512/562 403, jeden Do 20.30

Barbetrieb mit Musik, Billard, Fernsehen, Zeitschriften und mehr. Von und für Frauen/Lesben FZ-Bar, 9., Währinger Str. 56/6, Eingang Prechtlg., T. 01/402 87 54, jeden Do u. Fr 1924.00, bzw. nach Voranküdigung

FZ-Plenum FZ-Bar, 9., Währiger Str., 56/6, T.01/402 87 54, jeden 1. Do ab 18.30

Mahnwache und Speakerscorner Treffpunkt vor dem Kanzleramt zwischen 20 u. 20.15, jeden Do

Selbsterfahrungsgruppe für Frauen, Lesben, Mädchen! Praxis: 9., Gussenbauerg. 1/8, Anmeldung erforderlich! T. 01/283 24 90, Infos: http.://fachfrauen.wolfsmutter.com/392, Kosten: 17,- Euro, jeden Do 18-19.30


an.künden

Fo t o : Co c o r o s i e

Selbsthilfegruppe Anonyme EssSüchtige 7., Stiftg. 8, T. 0676/7879144, jeden Do 19.00

Treffen der „Jungen Herzen“ HOSI Wien, 2., Novaragasse 40, jeden Do ab 19.00

Freitag 1. Linzer Lesbenstammtisch Café Sax, 4020 Linz, Klammstr., www.hosilinz.at, jeden 3. Fr ab 20.00

Die Grünen Andersrum OÖ- Lesben, Schwule u. TG-Personen Treffen Grünes Haus, 4040 Linz, Landgutstraße 17, Sozialraum, jeden 1. Fr ab 19.00

Linzer Gehörlosen Lesben-SchwulenBi Stammtisch Coffee Corner, 4020 Linz, Bethlehemstr. 30, SMS unter 0664/380 70 42, jeden 1. Fr

Welser Frauen-Stammtisch – gemütlicher Frauentreffpunkt Schubert-Stüberl, 4600 Wels, Schubertstr. 13, jeden 1. u. 3. Fr ab 20.00

Frauencafé der Rosa-LilaPantherinnen – der Abend für Lesben und Freundinnen Schwul-Lesbische ARGE, 8020 Graz, Annenstr. 26, www.rlp.homo.at/frauencafe, T. 0316/366 601, Fr 19-23.00

Vereinscafé Anchorage. Das Café der erfüllbaren Wünsche. Offen für alle Frauen und Lesben Autonomes FrauenLesbenzentrum, 6020 Innsbruck, Liebeneggstraße 15, T. 0512/580 839, info@frauenlesbenzentrum.at, www.frauenlesbenzentrum.at, jeden Mi und Fr ab 20.30

Barbetrieb mt Musik, Billiard, Fernsehen, Zeitschriften und mehr. Von und für Frauen/Lesben FZ-Bar, 9., Währinger Str. 56/6 Eingang Prechtlg., T. 01/402 87 54, Do und Fr 19-24.00, bzw. nach Vorankündigung

g.spot for queers to check in & freak out Subzero, 7., Siebensterng. 27, jeden 1. Fr ab 22.00

Offenes Treffen feministischer Migrantinnen Café Längenfeld, 12., Längenfeldg. 8, jeden 1. Fr

Resis.danse. FrauenTanzClub. Tanzabend Café Standard, 5., Margaretenstr. 63, Infos: www.resisdanse.at, jeden Mi und Fr ab 21.00

First love. Sexualberatung für Jugendliche zwischen 12 u. 19 Donauspital SMZ-Ost, Gyn. Ambulanz, 22., Langobardenstr. 122

Queerulantinnen – die neue Unigruppe. Anlaufstelle für Lesben, Feministinnen, Feizeitphilosophinnen u. andere blümerante Identitäten Gewi, Altes AKH, 9., Spitalg. 2-4, Kontakt: queerulantinnen@gmx.at

Samstag Frauenstammtisch – Treffen für Lesben, bisexuelle und transgender Frauen und Freundinnen Lilith Frauencafe, 3504 Krems/Stein, Steiner Landstr. 76, T. 02732/855 55, www.stammtischkrems.info /Frauen/Lilith, jeden 3. Sa ab 16.00

Mostviertel Andersrum. Lesbisch/schwules Treffen Infos: mostviertel_andersrum@hotmail.com, T. for girls 0664/655 46 94, jeden 1. Sa

Orlando-Party Club Anderwelt, 6., Theobaldg. 10, jeden 2. Sa ab 22.00

Cocorosie Die schrägen Schwestern Sierra und Bianca Casady von Cocorosie sind am 11. Juli in der Wiener Szene zu Gast. Die beiden bieten Musik aus elektronischen Samples kombiniert mit traditionellen Songmustern und Instrumentierung. Oft verwenden sie dabei auch ungewöhnliche Instrumente: eine Popcornmaschine, einen Fön oder Kinderspielzeug. Biancas Gesang ist es, der vor allem besticht, kindlich-verzerrt, beinahe überirdisch ist er. Trotz der kindlich naiv anmutenden Musik sind die Texte meist feministisch-politisch motiviert. Cocorosie, 11.7., 20.00, Szene Wien, 1110 Wien, Hauffgasse 26, T. 01/749 33 41, www.szenewien.comm Kosten: 20,- Euro AK/ 18,- Euro VVK/ 16 Euro Jugendinfo

Sonntag

Nach Vereinbarung

HOSI Sonntagsbrunch

Aus.Weg. Beim nächsten Mal wird alles anders? Beratung und Mediation für Lesben und Schwule

Café Steinschlag, 5020 Salzburg, Glockeng. 4, Frühstücksbuffet, jeden 3. So ab 11.00

Sonntagsfrühstück. Für Lesben und interessierte Frauen Frauengetriebe, 6900 Bregenz, Schillerstr. 2, T. 05574/455 38, frauengetriebe@aon.at, jeden 1. So ab 10.30

Frauenbadefreuden Badehaus Sargfabrik, 14., Goldschlagstr. 169, www.sargfabrik.at, Kosten: 14,- Euro, Anm.: sonja.c@gmx.at oder T. 01/988 98-214, jeden 3. So 16-20.00

aus.weg, D-80469 München, Baaderstr. 36/4, www.aus-weg.de

Frauenberatung Verein Frauen für Frauen Burgenland, 7400 Oberwart, Spitalg. 5, T. 03352/338 55; 7540 Güssing, Hauptstr. 26, T. 03322/430 01

Psychologische, juristische und arbeitsmarktpolitische Beratung sowie Sozialberatung für Frauen

Weiber-Frühstück: Videos, Diskussion, Provokation, feministische Literatur, veganes Buffet

Die Tür – Frauenservicestelle, 7210

E.K.H., 10., Wielandg. 2-4, jeden 1. So

T. 02682/661 24

Mattersburg, Brunnenpl. 3/2, T. 02626/626 70, 7000 Eisenstadt, Joachimstr. 11/2,

Gruppen, Kurse, Vorträge für Frauen. Auch muttersprachliche Beratung

Patchwork-Familien-Service. Mit Margit Picher

Wendepunkt, 2700 Wr. Neustadt, Raug. 16, T. 02622/825 96, Mo, Do, Fr 9-12.00, Di 17-19.00

Frauengesundheitszentrum, 8010 Graz, Joanneumring 3, T. 0664/231 14 99, Anmeldung erforderlich, Kosten: 5,-/10,- Euro

Maiz – Autonomes Integrationszentrum von & für Migrantinnen Maiz, 4020 Linz, Hofg. 11, T. 0732/77 60 70, maiz@servus.at, www.servus.at/maiz, Mo u. Do 10-16.00, Di u. Mi 10-14.00

Beratung im Schwangerschaftskonflikt, bei Verhütungsfragen und Essstörungen ISIS, 5020 Salzburg, Alpenstr.48, T. 0662/442 255, kostenlos

Hotline Essstörungen des Frauengesundheitszentrums Graz Telefon zum Ortstarif: T. 0810/810 400, Mo u. Fr 10-12.00; Di u. Mi 9-12.00, Do 16-19.00

Verhütungsberatung für Mädchen und junge Frauen. Mit Monika Vucsak Frauengesundheitszentrum, 8010 Graz, Joanneumring 3, T. 0316/837 998, Anmeldung erforderlich, www.fgz.co.at

abz.get ready. Die Beratungsstelle für junge schwangere Frauen und junge Frauen mit Kind abz.austria, 8., Wickenburgg. 26/5, T. 0699/166 70 318, getready@abzaustria.at, www.abzaustria.at, Terminvereinbarung erforderlich!

juli august 2007 an.schläge 45


an.künden Mi 18.00-19.00 Orangina bzw. Bauch, Bein, Po: Die Sendung für die ganze Frau Orange 94.00 MHz

Do 18.00-19.00 HOSI Lesbenradio

an.schläge

im September

kultur

Orange 94.00 MHz, jeden 1. Do

Fr 19.00-20.00 Space FEM FM Frauenradio Radio FRO. 105.00 MHz in Linz, jeden 1., 3. u. 4. Fr

Fr 18.00-19.00 Radio UFF. Sendung des Unabhängigen FrauenForums

documenta & skulptur projekte Wie feministisch ist zeitgenössische Kunst?

Orange 94.00 MHz, jeden 1. Fr

Sa 13.00-14.00 Rainbow City-Radio für Lesben und Schwule

Fo t o : Ve r e i n Ke t a n i

Livestream: www.radiorainbowcity.de UKW 97.20 und Kabel: 92.60 (Berlin)

Die Linzer CAMPUS Sommerakademie wird heuer von zwei Sinti und Roma-Vereinen organisiert, um Menschen einen Einblick in eine Kultur zu geben, die in Europa von Millionen Menschen gelebt wird, von der viele aber abseits gängiger ZigeunerInnenklischees wenig wissen. Mit Workshops, Lesungen, Konzerten, Filmabenden etc. soll das Publikum die Möglichkeit haben, ein kulturelles Erbe zu erforschen, das bisher wenig wahrgenommen und/oder abgelehnt wird. Prominenz gibt es mit Ida Kelarova und Ceija Stojka. Campus Sommerakademie: Begegnung mit der Kultur der Sinti und Roma, 6.-24. Juli, Linz, Unterschiedliche Orte, Veranstalter: Verein Ketani, T. 0732/ 31 84 31, www.sinti-roma.at und Die Fabrikanten; T. 0732/795 68 40, www.fabrikanten.at, Programm und Anmeldung unter

Beratung, Kurse, Information für geistig oder mehrfach behinderte Frauen und ihre Angehörigen

Medizinische Sprechstunde für Mädchen und Frauen mit Essstörungen

Verein Ninlil, 3., Untere Weißgerberstr. 41, T. 01/714 39 39

F.E.M., 18., Bastieng. 36-38, T. 01/476 15-57 71

Bright Future für Frauen und Mädchen. 1. Beratungsstelle für FGM

Progressive Muskelentspannung. Mit Petra Öllinger

Bright Future, Afro-Asiatisches Institut, 9., Türkenstraße 3, T. 01/319 26 93, Mo-Fr 9-17.00, Terminvereinbarung erforderlich!

6 Abende, Infos: T. 01/597 75 54, petra.oellinger@web.de, www.petra-oellinger.at

r a d i o . f i x te r m i n

Einzelberatung für Frauen in Krisensituationen

Mo 18.00-19.00 Khorschid Khanum – die persischsprachige Frauensendung

Anm.: F.E.M., 18., Bastieng. 36-38, T. 01/476 15-5771, Erstgespräch kostenlos!

Orange 94.00 MHz (Telekabel Wien 92.7), jeden 1. Mo

Körper(Wohl-)Gefühle – Lerne, dich in deinem Körper wohl zu fühlen.

Di 13.00-14.00 Globale Dialoge. Woman on air. Weibliche Realitäten in den Ländern des „Südens“

F.E.M., 18., Bastieng. 36-38, T. 0650/777 99 47, Kosten: 35,- Euro

Mädchenworkshop: Besuch bei der Frauenärztin. Mit Gabriele Knappitsch F.E.M., 18., Bastieng. 36-38, T. 01/476 15-5771

46 an.schläge juli august 2007

Orange 94.00 MHz

Mi 18.00-18.30 Frauenzimmer. Die Plattform für frauenspezifische Information Freies Radio Salzburg, FM 94.00 MHz

Nächste Sendung:

Veranstaltungsorte: WUK, www.wuk.at, fluc, www.fluc.at, electro gönner, www.elektro-g.at, Infos unter: www.femalepressure.net, www.doorbitch.nu

14.7., Wiesen Gianna Nannini – als Support von Joe Cocker in Wiesen Festivalgelände Wiesen, Schöllingstraße, 7203 Wiesen , www.wiesen.at, Tickets: www.oeticket.at

28.7., 21.00, Salzburg HOSI-Sommerfest 2007. Heiße Rhythmen mit House DJs, Open-Air Bar, Diva Lounge

an.schläge tv 23.8., 21.00

auf Kanal 8, www. okto.tv

OKTO,

ARGEkultur Salzburg, 5020 Salzburg, Josef-Preis-Allee 16, T. 0662/84 87 84-11, www.argekultur.at Kosten: 3,-

diverses

bis 8.7., Kirchdorf an der Krems u. Umgebung Festival der Regionen: Fluchtwege und Sackgassen. Mit einer Werkschau von Anja Salomonowitz und mit Beiträgen von maiz Unterschiedliche Orte, Informationen unter T. 07234/85 28 56, service@fdr.at, www.fdr.at

www.fabrikanten.at/campus oder verein.ketani@aon.at

Lila Tip, 6., Linke Wienzeile 102, T. 01/586 8150, www.villa.at/lilatip/modules/news, Anmeldungen: Mi 17-20.00

an.schläge tv

tanz.fest 5.7.-3.8., Wien doorbitch feat. female:pressure, DJanes vom Feinsten

Sommerakademie gegen Antiziganismus

Coming Out Gruppe

Fesselnd: im fluc

6.7.-31.8., jew. 19.00, Wien jardim de verao: ega-Sommergarten. Jeden Freitag im Juli/August mit Lesungen, Musik, Tanzperformances etc. Programm unter www.ega.or.atega, 1060 Wien, Windmühlgasse 26, T. 01/589 80 0, www.ega.or.at, Eintritt frei

9.-12.7., Wien Sommerwoche Jobgirls – mit Fähigkeitencheck, Bewerbungscoaching etc. Sprungbrett für Mädchen, 1150 Wien, Pilgerimgasse 22 24/1/1, T. 01/798 45 45, sprungbrett@sprungbrett.or.at, www.sprungbrett.or.at

2.-5.8., Berlin Ladyfest Berlin – empower the presence of women in arts and music Info unter: www.ladyfest.net

Redaktionsschluss Termine 09/07: 12.08.2007 termine@anschlaege.at

an.schläge gibt’s u. a. in folgenden Buchhandlungen Buch Media Service Kuppitsch Morawa Winter Frick International Lhotzkys Literaturbuffet Buchh. Polycollege Südwind Frauenzimmer Kunsthalle Shop Prachner Riedl Löwenherz Südwind Kulturver. Waschaecht Bücher Wiederin Wagnersche Buchh. Amazone-Zentrum Mex-Unibuchhandlung Bertha – Bücher & Produkte Hacek-Bücherei

1010 1010 1010 1010 1010 1020 1050 1070 1070 1070 1070 1080 1090 1090 4600 6020 6020 6900 8010 8020 9020

Rathausstr. 41 Schottengasse 4 Wollzeile 11 Landesgerichtsstr. 20 Schulerstr. 1-3 Taborstr. 28 Reinprechtsdorferstr. 38 Mariahilferstr. 8 Zieglergasse 28 Museumsquartier Museumsquartier Alser Str. 39 Berggasse 8 Schwarzspanierstr. 15 Dragonerstr. 22 Sparkassenplatz 4 Museumstr. 4 Kirchstr. 39 Brockmanng. 15 Siebenundvierzigerg. 27 Paulitschgasse 5/7

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Rund ein Viertel der Arbeitsplätze in Wissenschaft und Forschung sind in weiblichen Händen. Frauen in der betrieblichen Forschung werden heuer mit zwei Millionen Euro gefördert.

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Nr. 07-08/07, Juli/August 2007, 21. Jahrgang, e 3,8 (Ö) e 4,5 (D) sfr 8,- , ISSN 1993-3002, P.b.b. Erscheinungsort Wien, Verlagspostamt 1030 Wien, envoi à taxe réduite, GZ 02Z031419 M


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