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an.schläge04/2004

an.schläge DAS FEMINISTISCHE MAGAZIN april

interview

FreieLiebe Annie Sprinkle gab anlässlich ihrer Show in Wien Tipps in Sachen Sex thema

EuroGames Im Juli treffen sich wieder lesbischwule SportlerInnen zum Kräftemessen e 3,5 (Ö) e 4,– (D) sfr 8,–


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an.schläge an.spruch

Schwamm drüber? „Pietät“ blockiert ein Aufarbeiten österreichischer Geschichte

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wahlen.kärnten

Magic Women und fauler Zauber Ein realsatirischer Erlebnisbericht mit Originalzitaten

08

interview

Raus aus dem Gulaschtopf Johanna Dohnal ist mit 65 Jahren keineswegs im Ruhestand

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international.mexiko

Nicht eine Tote mehr!

auf.takt politik thema forum

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an.sage

Sex in the City? Die Novelle des Wiener Prostitutionsgesetzes auf der Waagschale

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eurogames.2004

Eine Woche „pride“ tanken München steht im Juli ganz im Zeichen lesbischwulen Sportes

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forum.wissenschaft

Utopischer Cyberfeminismus Machen Neue Technologien Frauen mächtiger?

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arbeit

frauen.armut

Hauptsächlich arm Aktuelle Daten zur tatsächlichen Frauenarmut fehlen

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weinviertel.festival

Bewegt durchs Leben Das nordöstliche Niederösterreich ist auf jeden Fall eine Reise wert

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interview

„Großartige Loverin“ Annie-Sprinkle gab Tipps aus ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz

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ausstellung

Aus dem Schatten Eine Werkschau der US-amerikanischen Künstlerin Eva Hesse

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an.klang

Lautstarke Dramatik Virtuose Klavierkompositionen und eigenständige Gitarren

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lese.zeichen

Verdichtete Worte Gedichte können berühren, verstören und entzücken

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ge.sehen

kultur

Ja, es ist fad und überstrapaziert, aber: Wir freuen uns so über den Frühling, der sich endlich durch die Schneedecke gefressen hat. Die Fenster der Redaktion stehen offen. Der Zigarettenrauch zieht dadurch auf die Straße, was die Langzeit- sowie Kurzzeit-Nichtraucherinnen unter uns besonders freut. Und pünktlich zu den ersten Sonnenstrahlen startete Renate Billeth ihre erste Arbeitswoche als neue Koordinierende Redakteurin der an.schläge. Und wie sie loslegte: Innerhalb kürzester Zeit hat sie sich selbstverständlich und -verantwortlich in ihren neuen Job eingearbeitet. Die Entlastung der Noch-Koordinierenden Gabi und Karin war sofort spürbar – und Karin kann etwas beruhigter in den „Ruhestand“ gehen. Apropos Entlastung: Svenja Häfner startete im März ihr Praktikum, und welche sich von ihrem Arbeitsfleiß überzeugen möchte, kann beispielsweise die Autorinnenkürzel „svh“ unter den Kurzmeldungen in dieser Ausgabe abzählen. Und für das Thema EuroGames 2004 (ab Seite 16) ist sie kurzfristig als Co-Autorin von Lisa Rosenblatt eingesprungen. Eine letzte personelle Bewegung haben wir noch anzubieten: Lea Susemichel wird ab sofort die Verwaltung der Termine-Seiten sowie die Inserate übernehmen. Einen ganz besonderen Termin haben Klaudia Gruber und Johanna Schaffer für die an.schläge wahrgenommen: Sie trafen die außergewöhnliche Annie Sprinkle anlässlich ihres Besuches im KosmosTheater zum Interview (ab Seite 34). Und unsere Fotografin Magdalena Blaszczuk hatte ihre Freude mit einer Frau, die es gewohnt ist zu posieren. Wir wünschen euch kritische Lesestunden sowie viel Vergüngen! Eure an.schläge-Redaktion

Seit Jahren verschwinden in Ciudad Juárez hunderte Frauen

Hurra, ein Bambi! Elfriede Jelineks „Bambiland“ in einer Schlingensief-Inszenierung

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an.an.schläge

In Graz hieß es am 8. März Hürden nehmen. Die eine oder andere wird wohl darüber gestolpert sein.

an.schläge

Betrifft:„Zeitreise ins Zweite Mittelalter“ in an.schläge 3/04

Witzig

(Koordination, Buchhaltung), Verena Fabris/vab (web),

Liebe Redaktion! Originell in der Aufmachung, witzig in der Formulierung (obwohl der Inhalt ja nicht zum Lachen ist): Die „Zeitreise ins Zweite Mittelalter“. Mehr Mut zu unkonventioneller Arbeit! Liebe Grüße

Gabi Horak/GaH (Koordination, Abos), Petra Öllinger/PÖ,

Martha

Herausgeberinnen und Verlegerinnen: CheckArt, Verein für feministische Medien und Politik A-1030 Wien, Hetzgasse 42/1, T. 01/920 16 76 Fax: 01/ 715 98 88, e-mail: redaktion@anschlaege.at, office@anschlaege.at, http://www.anschlaege.at

Redaktionskollektiv: Renate Billeth, Karin Eckert/keck

Inserate, PR: Lea Susemichel, inserate@anschlaege.at Ständige Mitarbeiterinnen: Daniela Fohn/DF, Kerstin Betrifft:„Männer- oder Frauenarchitektur?“ in an.schläge 3/04

Mitarbeiterinnen dieser Nummer: Klaudia Gruber, Svenja Häfner/svh, Michaela Ilming, Heidi Kolm/heko, Eva Liegl, Michaela

Wohltuend

Moser, Lisa Rosenblatt, Ariane Rüdiger, Johanna Schaffer

an.sage: Renate Brauner & LEFÖ neu.land: Jasmina Jankovic’ heim.spiel: Eva Steinheimer lesben.nest: Ursula Raberger ge.sehen: Daniela Fohn an.klang: Regina Himmelbauer plus.minus: Helga Pankratz Cartoon: Klaudia Wanner Unsere Werbung: Magdalena Blaszczuk Cover: Magdalena Blaszczuk Fotos: an.schläge-Archiv, Marian Bakker, Magdalena Blaszczuk, Christian Brachwitz, Michaela Bruckmüller, Eva Dranaz, Karin Eckert, Pez Hejduk, Stephen Korbet, Anita-Daniela Krappel, Lunacek/Neundlinger, redsepova, Hermann Richter, Anja Salomonowitz, Erzen Shkololli, Eva Steinheimer, Christine Weislein

an.schläge Schrift: Martha Stutteregger Grafisches Konzept: Beate Schachinger für Layout: Andrea Gadler Druck: Reha Druck, Graz © an.schläge: Titel, Vorspänne und Zwischentitel von der Redaktion. Namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen nicht unbedingt der Auffassung der Redaktion entsprechen. Kürzungen vorbehalten.

04 an.schlägeapril 2004

Christiane Schloss

Betrifft:„Ich gehöre niemandem“ in an.schläge 3/04

Wurscht?

Helga Pankratz/ pan

Kellermann/kek , Claudia Saller/cs, Eva Steinheimer/ESt

tektur-Szene hat sich bis heute nicht. Wer einmal einen Besuch bei der Werkbund-Siedlung im 13. Bezirk absolviert hat, weiß: von der Praktikabilität und Ästhethik so manches modernen Sozialbaus lässt sich wohl nur träumen.

Liebe an.schläge-Frauen! Ich finde euer forum.wissenschaft immer total interessant! Und diese Rubrik ist immer die erste, die von mir verschlungen wird. Edith Friedls Gegenüberstellung von Schütte-Lihotzky und Loos in eurer letzten Ausgabe ist hier nur ein weiteres und spannendes Highlight – leider viel zu kurz – aber glücklicherweise nicht wieder eine der vielen Reduktionen dieser Architektin auf ihre Frankfurter Küche. Sehr wohltuend, vor allem in Zeiten wie diesen, wo überall Adolf-Loos-Staatspreis-Plakate kleben… Wer genauer hinsieht: Viel geändert an der Nicht-Frauen-Präsenz in der Archi-

Liebe Frauen, Seid ihr jetzt auch der Starmania-Hysterie verfallen? Prinzipiell eine spannende Idee, Frauen aus der Mainstream-Kultur-Szene zu ihrer Einstellung zu befragen. Jedoch war ich bei den Antworten eurer Inteviewpartnerin (Verena Pötzl, Anm.) schlichtweg entsetzt. Da fragt frau sich schon, ob sie sich da nicht ein bisserl in die Tasche lügt, wenn sie sagt, sie habe „diesen Kampf nicht mehr gebraucht für sich“. Oder ist jetzt auch noch Naivität „in“? Wirklich herzig:„Aber alles was nackt ist, find ich nicht so schön.“ Naja, und wenn dann die Mama noch was sagt… Bravo, da ist frau wirklich auf dem richtigen Weg und die Welt ist eine Scheibe… Wie wäre es mit Daniel Küblböck – zwar ein Mann, aber eh wurscht, oder? Liebe Grüße Tanja

an.schläge werden gefördert von: FRAUEN BURO MAGISTRAT DER STADT WIEN


an.spruch

Helga Pankratz

Schwamm drüber? Dass sich im Februar die blutigen Kämpfe zwischen sozialdemokratischem Schutzbund und austrofaschistischer Heimwehr zum siebzigsten Mal jährten, von denen wir in der Schule unter der Überschrift „Bürgerkrieg“ oder auch „Bruderkrieg“ zu wenig und zu wenig genau erfahren haben, ist in der breiten Öffentlichkeit auch heuer nicht ausreichend und fundiert genug thematisiert worden. Die knappe Erwähnung des 12. Februar 1934 in den ORF-Nachrichten vermischt sich – ein Monat später – in meiner Erinnerung mit der tendenziösen Desinformation über die Anti-Opernballdemo: Beide Schlagzeilen vermittelten jeweils den Eindruck, „die Roten“ bzw. „Chaoten“ hätten gewalttätig rebelliert und dabei „Ordnungshüter“ verletzt: „Zum 70. Mal jähren sich dieser Tage die Februarkämpfe 1934. Sozialdemokraten kämpften gegen Christlichsoziale, mehr als 300 Menschen starben“, lautete die Formulierung auf der ORF-Homepage. Die weiterführende Behandlung des Themas mündete größtenteils auch heuer wieder in die immer gleichen Beschwörungsformeln, die regelrechte „Geisterbeschwörungen“ sind. Mit dem Gründungsmythos der Zweiten Republik – dass sich die ehemaligen KontrahentInnen allesamt als Opfer des Nationalsozialismus in den Konzentrationslagern wieder begegneten und dort einander die Hände reichten, zur Versöhnung und Wiedererrichtung des demokratischen Österreich – werden die bis heute ungemütlichen Fragen nach Schuld und TäterInnenschaft zugedeckt. Das Beharren auf gründlicher Klärung der politischen Verantwortung für die Jahre vor 1938 kann mit diesem Leitmotiv vom „historischen Moment“ als pietätlos (zu deutsch: unfromm!) gegenüber den Gründungsvätern abgetan werden, als aggressives „Gräben-Aufreißen“, das den Boden unterminiere, auf dem die Zweite Republik steht. Diese Art von „Erinnern“ ist de facto ein aktives Vergessen! Während die einende Gemeinsamkeit betont wird, dass „wir alle“ Opfer des Deutschen Nationalsozialismus geworden sind, liegen im Keller der nur auf solchem Fundament aufbauenden Republiksgeschichte die

Leichen von Opfern der Österreichischen Diktatur: Einer Profil-Meldung vom 6. Februar 2004 zufolge wurden zwar die NS-Justizopfer rechtlich rehabilitiert, „vergessen“ wurde jedoch bis heute auf eine Rehabilitierung der im Ständestaat Hingerichteten. Opfersaga und Märtyrer-Legende werden besonders bemüht, um die konkrete Frage nach der konkreten Schuld von Engelbert Dollfuß als Störung der Friedhofsruhe erscheinen zu lassen. Als hätten Nazi-Putschisten im Juli 1934 den demokratisch legitimierten Vertreter eines freien Landes erschossen, und nicht den Spitzenrepräsentanten einer antimarxistischen, antidemokratischen, klerikal-reaktionären vaterländischen Diktatur. Das Porträt des kleinen niederösterreichischen Bauernbündlers und großen Freundes des italienischen Duce, der 1933 das Parlament auflöste und 1934 die Sozialdemokratische Partei verbot, ist nach wie vor im ÖVP-Klub Bestandteil von Schüssels Ahnengalerie der schwarzen Kanzler. In Dollfuß’ Geburtsort gibt es seit 1998 ein Dollfuß-Museum, in dem die Geschichtsklitterung so weit geht, dass die Zerschlagung des Parlaments mit keinem Wort erwähnt, und der 12. Februar 1934 lapidar als „Aufstand des Schutzbundes“ bezeichnet wird. Die Pietät, die mit Legenden und Toten-Gedenk-Kulten hierzulande verbunden ist, blockiert ein Aufarbeiten und Ausdiskutieren all dessen, was in den Jahren der kleinen, hausgemachten Österreich-patriotischen Diktatur der Einverleibung Österreichs durch die große Nationalsozialistische Diktatur vorausgegangen ist. „Nie wieder!“ ist in der Zweiten Republik viel zu oft gleichbedeutend mit konflikt- und konfrontationsscheuem „Schwamm drüber!“ und „Deckel zu!“, mit dem „Nichtmehr-davon-Reden“, was Unrecht und ein Fehler war. Ein demokratisches, aufgeklärtes „Nie wieder!“ müsste aus den Fehlern der Geschichte Lehren ziehen wollen und deshalb auch bedeuten: Nie wieder zu lange zögern und abwarten, klein beigeben und Mund halten! Nie wieder Nationalismus, Militarismus, politischen Klerikalismus und patriotisch-kleinbürgerliche Intoleranz an die Macht kommen lassen! ❚ april 2004an.schläge 05


österreichan.riss

Fo t o : Pe z H e j d u k

homo-ehe

Heiratsfähig?

obdachlos

Wohin als Frau? Es mag am heurigen lang andauernden Winter liegen, dass noch im März das Thema Obdachlosigkeit durch die Medien geistert. Ein oft vergessener Punkt der Problematik ist die spezielle Situation betroffener Frauen. Sie sind in der Öffentlichkeit weniger sichtbar. Viele flüchten in Zweckpartnerschaften mit Männern, in denen Ausbeutung, Abhängigkeit und Gewalt drohen. Viele Obdachlosenprojekte sind nur Männern zugänglich, oder Frauen sind die Minderheit und strukturell benachteiligt. Aus diesen Gründen startet der Verein neunerHAUS in Wien einen frauenspezifischen Schwerpunkt. MitarbeiterInnen werden entsprechend geschult und die rein äußerlichen Voraussetzungen verbessert, etwa durch die Einrichtung eines Frauenstockwerkes. Langfristig soll die Hälfte der Plätze an Frauen vergeben und für diese auch tatsächlich die Hälfte der vorhandenen Mittel aufgewendet werden. Auch in St. Pölten gibt es eine Neuerung: Der Verein Emmausgemeinschaft gründete vor kurzem eine eigene Frauenwohngruppe. Angesprochen sind nicht nur obdachlose, sondern alle sozial benachteiligten oder am Arbeitsmarkt schwer vermittelbaren Frauen, die durch Arbeit in den vereinsnahen Betrieben reintegriert werden sollen. ESt http://www.neunerhaus.at und http://www.emmaus.at

plus.minus „I stand uf’d VEG“

Mit diesem Spruch wirbt der Vertreter einer Küchen erzeugenden Firma auf dem aktuellen Plakat der VEG für die Vorarlberger Erdgas GmbH. – Okay. Im Text darunter ist aber zu lesen, dass „Hausfrauen und Hobbyköche“ das Kochen mit Erdgas schätzen. Die da ausgedrückte Geschlechterstereotypie über die Arbeit am heimischen Herd ist alles andere als okay.

06 an.schlägeapril 2004

Während aus den USA täglich neue Meldungen über die Eheschließung homosexueller Paare eintrudeln, wird das Thema in Österreich nach wie vor gemieden. Aufhorchen ließ zuletzt die Meldung, der Verfassungsgerichtshof habe erkannt, dass die Unzulässigkeit der Ehe zwischen Homosexuellen nicht verfassungswidrig sei. Die umgekehrte Frage, nämlich ob die Zulässigkeit einer solchen Verbindung verfassungsgemäß sei, wurde nicht behandelt. Immerhin wurde im Urteil festgehalten, dass gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften nicht unsachlich benachteiligt werden dürfen. Gleichzeitig wollten die Wiener Grünen Anfang März eine mündliche Anfrage an Bürgermeister Häupl im Gemeinderat einbringen, ob er nicht dem Vorbild seines Kollegen in San Francisco folgen und homosexuelle Eheschließungen auf Landesebene ermöglichen wolle. Damit wären zwar kaum rechtliche Konsequenzen verbunden, es könnte damit aber endlich eine Diskussion in Gang gebracht werden. Die mündliche Anfrage wurde gar nicht erst zugelassen. Stadträtin Maria Vassilakou dazu: „So gesehen ist die Nicht-Antwort des Bürgermeisters auch eine klare Ansage: Die Stadt Wien hat zuwenig Mut!“. ESt

genitalverstümmelung

StopFGM! Jährlich werden an die zwei Millionen Frauen sexuell verstümmelt. Dabei werden Teile ihrer äußeren Genitalien einfach mit Messern oder Glasscherben weg geschnitten. Lebenslanges psychisches und physisches Leiden ist die Folge. Viele Mädchen sterben sogar an den Folgen dieses schmerzvollen Eingriffes. Genitalverstümmelungen haben keinen religiösen Hintergrund und kommen in allen gesellschaftlichen Schichten vor. FGM (female genital mutilation) wird auch hier in Europa, ja selbst

plus.minus Reaktionen und Anregungen an die Redaktion per Brief oder e-mail, mit dem Betreff:„plus.minus“

ein korb

ein korb

Zitronen für ORF-Liebestest

Buchteln gegen Schwarz-Blau

„Der große Liebestest“ am 14. Februar war eine echte Zumutung. 48 von Gerti Senger und Walter Sommer entwickelte Fragen fixierten männliche Dominanz, weibliche Fügsamkeit sowie Heterosexualität so sehr als Norm, dass alle halbwegs aufgeschlossenen, emanzipierten Menschen von dem Test praktisch ausgeschlossen waren. Das ganze wurde von Dodo Roscic in einer penetrant männerzentrierten Sprache präsentiert. Auf diestandard.at, wo Frauenfeindliches mit „Zitronen“ bedacht wird, bekamen Roscic, Senger, Sommer und der ORF für das, was sie (sich) mit dieser Sendung geleistet haben, gleich einen ganzen Korb voller Zitronen. (+)

Einen Korb Buchteln mit blauer Glasur gibt es bei den Widerstandslesungen, wenn – wie am 26. Februar – ein Jubiläum ansteht: Seit 24.2.2000 treten jeden Donnerstag um 17.00 Uhr am Wiener Ballhausplatz AutorInnen, KabarettistInnen und LiedermacherInnen auf. Der ungebrochene vierjährige Bestand dieses öffentlichen Kulturprotests ist dem Durchhalten der Hauptinitiatorinnen El Awadalla und Traude Korosa zu verdanken. Und hunderten KünstlerInnen, die am Ballhausplatz schon Buchteln gegessen und Wuchteln geschoben haben und so der schwarzblauen Koalition einen Korb geben. (+)


an.rissösterreich in Österreich praktiziert. Eltern glauben, durch diesen schmerzhaften Eingriff ihren Töchtern ein gutes Leben an der Seite des Ehemannes sichern zu können. Das Inter African Committee hat den 6. Februar zum „International Day of Zero Tolerance to FGM“ ausgerufen. Frauen- und Menschenrechtsorganisationen wie Care, die Kinderfreunde oder die Wie-ner SPÖ-Frauen haben sich nun zur Plattform StopFGM zusammengeschlossen, um diese Praxis zu beenden. Alle Infos zu Hintergründen und möglicher Unterstützung gibt es online. heko

an.ruf Gabi Horak sprach mit Amina Baghajati

http://www.stopFGM.net

Feministische Kernfragen erinnerung

Rosa Jochmann „Für damalige Verhältnisse ziemlich erfolgreich – und mutig!“ ist nur eine von vielen Reaktionen auf den Namen Rosa Jochmann. Die Kämpferin gegen Faschismus, Nationalrätin und langjährige SPÖFrauensekretärin wurde am 28. Jänner 1901 in Wien geboren. Ihr sozialpolitisches Engagement begann sehr früh. Mit 18 Jahren stieß sie über die Gewerkschaft zu den SozialdemokratInnen. 1926 trat sie ihre Tätigkeit als Frauensekretärin in der ChemiearbeiterInnengewerkschaft an. Bereits im selben Jahr befand sie sich in der Elite gruppe des ersten AbsolventInnenlehrganges der neu gegründeten Parteihochschule. Zu ihren Mentorinnen zählten unter anderem Käthe Leichter und Adelheid Popp. 1933 gelang ihr der Sprung in den Parteivorstand. Aufgrund ihrer politischen Gesinnung musste sie 1934 eine einjährige Kerkerhaft absitzen. Danach setzte sie ihren Einsatz fort. Sie wurde 1939 von der Gestapo verhaftet und war schließlich von 1940 bis 1945 im KZ Ravensbrück interniert. Jedoch konnten die Jahre des NS-Regimes ihren Mut und ihren Willen, sich neben vielen anderen Themenbereichen weiterhin den Lebens- und Arbeitsverhältnissen von (berufstätigen) Frauen zu widmen, nicht brechen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie Frauensekretärin der SPÖ. Ab 1980 trat Rosa Jochmann als Zeitzeugin in Schulen auf. Nie war Verbitterung über ihr Schicksal vernehmbar. Fühlbar waren ihre Menschlichkeit, ihr Enthusiasmus und ihre Empathie. Ihr „Nicht-unterkriegen-Lassen“ vermittelte den Mut sich einzumischen und einzusetzen. Vor zehn Jahren, am 28. Jänner 1994, verstarb Rosa Jochmann im Alter von 93 Jahren. PÖ http://www.frauen.spoe.at/jochmann/

abtreibung

Bestätigt Nachdem es dem Manager von Human Life International (HLI) Dietmar Fischer mit dubiosen Methoden gelungen ist, ein Konkursverfahren über die Lucina-Klinik zu erwirken, ist der Weiterbestand der Klinik wieder einmal in Gefahr. Gleichzeitig ist aber auch ein gerichtlicher Erfolg gegen Fischer zu vermelden. HLI hatte die Frauensprecherin der Sozialistischen Linkspartei (SLP) Claudia Sorger wegen übler Nachrede geklagt, weil sie die Methoden der Organisation als Terror bezeichnet hatte. Im Juni 2003 hatte ein Gericht in erster Instanz zugunsten von SLP entschieden. Am 15. März erfolgte nun die Bestätigung des Urteils am Oberlandesgericht. ESt

Ende Februar waren Sie die einzige muslimische Vertreterin auf einem Diskussions-Podium zum Thema Kopftuch und zweite Frau neben Kopftuch-Kritikerin Elfriede Hammerl. War das ein vorprogrammierter „Hennenkampf“? Nach wie vor frage ich mich, ob unsere Positionen tatsächlich so gegensätzlich sind – könnten wir einmal das Kopftuch für den Augenblick beiseite nehmen. Da wäre ich gerne ein Stück weitergekommen, was bei der aufgeheizten Stimmung und der polarisierenden Frage „Kopftuch – ja oder nein?“, die uns klare Rollen zuwies, dann schwer war. Ich spüre eine große Angst, dass wir muslimische Frauen Erfolge der Frauenbewegung torpedieren könnten. Und viele machen sich leider nicht die Mühe, einem auch aus dem Islam selbst entwickelten Plädoyer für Frauenrechte zuzuhören, weil sie dies angesichts ihres Bildes von den Zuständen in der islamischen Welt für zwecklos halten. Wir müssen uns immer wieder mit Projektionen aus dem westlichen, katholisch geprägten Erbe herumschlagen. So wie der interreligiöse Dialog seit Jahren besteht und viel gebracht hat, ist jetzt wahrscheinlich die Stunde eines „interfeministischen Dialogs“ gekommen. Während die einen von Frauenrechten sprechen, um gegen das Kopftuch zu argumentieren, ist es für Sie ein Recht der Frauen im Islam, dieses Kleidungsstück zu tragen. Ist da eine Annäherung überhaupt möglich? Ja! Vor allem die Reduzierung der Debatte auf das Kopftuch ist das Problem. Als wären wir muslimische Frauen nicht fähig, Missstände als solche wirkungsvoll von innen anzugreifen. Es ist so billig, annehmen zu wollen, mit einer Änderung der Kleiderordnung hätte man Frauenrechten zum Durchbruch verholfen. Von muslimischer Seite findet schon seit langer Zeit ein intensiver Diskurs statt, der auch theologisch begründet Frauenrechte einfordert und dabei Themen bearbeitet, die feministische Kernfragen sind. Denken Sie, dass auch in Österreich das Kopftuchverbot – ähnlich wie in Frankreich – kommen könnte? Nein. Österreich hat ein säkulares System der Machtverteilung entwickelt, in dem Staat und Religion getrennt sind, gleichzeitig aber der gesellschaftspolitische Stellenwert von Religion nicht unterdrückt wird. Der Islam ist eine anerkannte Religionsgemeinschaft, hat damit das Recht auf freie und öffentliche Religionsausübung und innere Autonomie. Amina Baghajati ist Medienreferentin der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich

http://www.slp.at und http://www.die-abtreibung.at

april 2004an.schläge 07


Fo t o s : A r c h i v, M i c h a e l a B r u c k m ü l l e r ( m i t t e )

wahlenkärnten

Magic Women und fauler Zauber Landtagswahl in Kärnten aus feministischer Sicht. Ein realsatirischer Erlebnisbericht mit Originalzitaten. Von Eva Liegl In Kärnten fiel der Internationale Frauentag heuer auf den 1. März, schien mir. Die SPÖ-Frauen baten gar schon am 27. Februar zur „SPÖ-Frauentagsveranstaltung“ unter dem Motto „Spiel mit dem Feuer“. Die entsprechende Einladung samt Info-Material hatte ich am 20. Februar aus einem öffentlichen Mistkübel gefischt, wo sie sich in zahlreichen Exemplaren befand. Zum Entsetzen der Umstehenden.

Eva Liegl, geb. 1967, Texterin, Radiomacherin, Kulturarbeiterin.

08 an.schlägeapril 2004

Veranstaltungsmarathon. Am 1. März veranstaltete das Referat für Frauen- und Gleichbehandlung „un-geschminkt/unangepasst/un-bequem“. Zu dieser „Auftaktveranstaltung des Internationalen Frauentages – und wir begnügen uns nicht mit einem Tag“ hatte Landesrätin Gabriele Schaunig-Kandut (SPÖ) ins Klagenfurter Künstlerhaus eingeladen. Eva Rossmann las aus „Ausgekocht“, ihrem neuesten Mira Valensky-Kriminalroman. Befragt nach Frauensolidarität, betonte sie, dass Frausein allein für sie kein hinreichender Grund sei, eine Kandidatin zu wählen, deren Weltanschauung sich massiv von der eigenen unterscheidet – ein kurzer Ausflug Richtung Bundespräsidentschaftswahlkampf. In drei Gesprächsrunden zu „Frauen und Politik“, „Frau und Gesellschaft“

und „Frauenförderung“ kamen auch unbeirrbare Feministinnen zu Wort. Wie Susanne Dermutz („Die Uni ist ein Herrenhaus.“),die wie andere auch vor allem mahnte, „was rückläufig ist“. Einen lebendigen Tätigkeitsbericht über die letzten vier Jahre des Frauenreferates stellte Helga Grafschafter vor. Grafschafter ist diejenige Landesfrauenbeauftragte, pardon: Landesbeauftragte für Frauen- und Gleichbehandlung, die widerrechtlich 2001 von höchster Stelle der Kärntner Landesregierung ihres Postens enthoben worden war. Sie hatte öffentlich gegen die Abschaffung des Frauenministeriums protestiert. Kurz: Sie musste wieder eingesetzt werden. Zuversichtlich zeigte sich SchaunigKandut angesichts der Tatsache, dass – wie bundesweit – in Kärnten die Zahl der Wählerinnen eindeutig die der Wähler übersteigt. Ebenfalls am 1. März lud die Klagenfurter Frauen-Stadträtin, pardon: Stadträtin und Referentin für Frauen, Familie und sozialen Wohnneubau, Andrea Wulz (Die Grünen; ursprünglich: VGÖ) „anlässlich des Internationalen Frauentages und des zehnjährigen Jubiläums des Klagenfurter Frauenbüros“ zu der Diskussionsveranstaltung „Fluch, eine Frau zu sein“. Im Programm: „Tanz und Frauengeschichten in Bildern“. Am

5. März fand ein „fetziger Abend mit den Rounder Girls“ in der Hypo-AlpeAdria-Arena statt – jene Bank, die der Kärntner FPÖ einen großzügigen Kredit gewährte, um den unheimlich aufwändigen Wahlkampf in der letzten heißen Phase finanzieren zu können. Sicherheit für die Bank: Verpfändung zukünftiger (!) Parteiförderungen bis 2014. Am 3. März wollte Staatsekretärin Ursula Haubner (FPÖ), Schwester eines Bruders, zu „Neuerungen im Bereich der Frauen-, Kultur- und Bildungspolitik“ sprechen, was mich dazu veranlasste, erstmals einer Wahlveranstaltung ihrer Partei beizuwohnen. Die „blue cult hour“ fand in den Räumlichkeiten des Kulturvereins „Kult“ nahe der Stadt-Galerie Klagenfurt statt. Beim Betreten erhielten die BesucherInnen von einer freundlichen jungen Frau einen überdimensionierten blauen Kuli, ein Bärli mit blauem Halstuch und die blaue Broschüre „Sagen aus Kärnten“ in die Hand gedrückt, sozusagen als Eintrittskarte. Die „Sagen aus den einzelnen Regionen“ hatte laut Vorwort in Fraktur-ähnlicher blauer Schrift und mit Karikatur „Ihr Landeshauptmann Jörg (der Erste) Haider“ „für Sie zusammengestellt“. Das angekündigte Kurzreferat dauerte insgesamt etwa zehn Minuten und wies als frauenspezifische Neuerungen u.a. aus: „In Kärnten haben Frauen viel


kärntenwahlen

„Black Magic Woman“, der ohne ihr Konterfei auch als Werbebotschaft für ein Bordell miss-gedeutet hätte werden können. Grünen-Bundessprecherin Eva Glawischnig nahm viele Mühen und bösartige Untergriffe auf sich, um in ihrem Geburtsland den Spitzenkandidaten Rolf Holub (vormals vor allem in der Freien Kulturszene zuhause) zu unterstützen. Der Wahlkampfslogan versprach:„Saubere Hände für unser Kärnten“/„Ciske roke za naso Korosko“. Der „Grüne Kontrollbericht zur Lage in Kärnten“ entschädigte für diese Null-Aussage. Zweitgereiht war Barbara Lesjak, deren Auftreten bei öffentlichen Konfrontationen mit politischen GegnerInnen, beeindruckend war. Beeindruckender jedenfalls als die Auftritte von Holub. Letztendlich waren aber anscheinend alle Beteiligten glücklich – gleich zwei der insgesamt 36 Sitze im zukünftigen Kärntner Landtag konnten die Grünen mit ihren 6,7 Prozent erreichen, vor allem durch das Wahlergebnis in Klagenfurt (13 Prozent). ^

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meisten SPÖ-Politikern völlig fremd ist. Die ersten Wahlplakate zeigten gar Peter Ambrozy mal zwei – einmal leger als Privatmann gekleidet, einmal im Anzug als Politiker – und Landschaft. Nach herben Protesten wurde beschlossen, doch der Linie „Kompetenz-Team“ den Vorzug zu geben. Dafür gab es schließlich bei einer Wahlbeteiligung von 78 Prozent der Wahlberechtigten 38,4 Prozent WählerInnenzuspruch. Da war die ÖVP mutiger. „Der nächste Landeshauptmann wird eine Frau“, lautete ein Slogan für die Spitzenkandidatin, Nationalratsabgeordnete Elisabeth Scheucher. Scheucher, Ehefrau des regierenden Klagenfurter Bürgermeisters Harald Scheucher, hätte schon bei den letzten Gemeinderatswahlen als Spitzenkandidatin – also statt ihm – antreten können, wohl auch wollen, war Feministische Inhalte? Stattdessen hörte aber damals parteiintern gescheitert. ich mir meine Tonaufnahme eines Sie sprach sich im nunmehrigen WahlSchaunig-Kandut-Statements vom 1. kampf dezidiert gegen eine künftige März nochmals an: „Wir haben einen Regierungsbeschluss zum geschlechter- (Wieder-)Wahl des derzeitigen Landeshauptmanns aus. Diese Aussage kostegerechten Sprachgebrauch – wenn ich dann einen Regierungssitzungsakt ein- te sie viele Umfragepunkte und brachte ihr unter den ParteikollegInnen gehöribringe, wo männliche und weibliche Fassung gleichermaßen enthalten sind, ge Schelte ein. Diese Aussage wird als einer der maßgeblichen Gründe für das dann sagen alle, wie unmöglich das letztlich katastrophale Abschneiden der ausschaut, man kann den Text überÖVP (mit einem Spitzen-Negativ-Wert haupt nicht lesen, das versteht kein Mensch.“ Alle, also auch ihre Parteikolle- von 11,6 Prozent sind sie in Klagenfurt hinter die Grünen zurückgefallen) bei gen. Schaunig-Kandut war in der letzder Landtagswahl gesehen. Dass Frauten Legislatur-Periode die einzige Frau enpolitik vorrangig als Familienpolitik in der aus sieben Personen bestehenden Kärntner Landesregierung. Sie wur- zu verstehen ist, legten die meisten ihrer diesbezüglichen Ausführungen im de trotz der höchsten Vertrauenswerte Wahlkampf nahe; wäre da nicht das in der Bevölkerung unter allen Mitglieletzte Wahlplakat gewesen: „Frauen dern der Landesregierung nicht SPÖSpitzenkandidatin für die Landtagswahl denken anders. Arbeit statt Streit“, das sie sich mit drei anderen Frauen teilte. 2004. Viele (Frauen) können sich dies Die Autos zum Wahlkampf zierten einzig damit erklären, dass die Bereitschaft zu realer Gleichbehandlung den Scheuchers Porträt und den Schriftzug: zu sagen – nicht nur in der Familie, wo Frauen nach wie vor die großen Managerinnen sind.“ Schnell eilte Haubner hernach zur Verleihung des Preises für den „familien- und frauenfreundlichsten Betrieb in Kärnten“ in die Wirtschaftskammer, nicht ohne erwähnt zu haben: „In Kärnten ist wirklich ein anderes Tempo, ich merke, dass in Kärnten etwas los ist, auf allen Ebenen, in allen Bereichen.“ Am Abend sollte sie noch beim business frauen center vorbeischauen, um die Reihe „Mama im Management“ zu eröffnen. Im Rahmen der „blue cult hour“ gab es danach eine „Verlosung von Kunstwerken Kärntner KünstlerInnen“ – frau beachte diesfalls besonders das Binnen-I –, die ohne mich auskommen musste.

Das Finale. Am 7. März, dem Tag der Wahl, suchte ich den Napoleonstadel auf. Dort lief eine Ausstellung, die ich mitorganisiert hatte. Die Grünen hofften dort auf einen glücklichen Ausgang. 14.00 Uhr, die erste offizielle ORF-Hochrechnung, auf die große Leinwand geworfen. Zuerst verstörte Ungläubigkeit (FPÖ: 42,7 Prozent – Endergebnis: 42,5 Prozent), dann verhaltene Freude. Ein befreundeter Fotograf raunte mir entsetzt zu: „Es ist wirklich unfassbar, wie verblödet die Kärntner sind!“ Das war der Moment, wo ich als Feministin versagte. Denn ich ergänzte nicht:„Und erst die Kärntnerinnen!“ ❚ april 2004an.schläge 09


Fo t o : M a g d a l e n a B l a s zc z u k

interviewjohanna dohnal

Raus aus dem Gulaschtopf Ex-Frauenministerin Johanna Dohnal hat sich von den Feierlichkeiten zu ihrem 65. Geburtstag erholt und erzählte Karin Eckert und Gabi Horak, warum sie ohne politisches Engagement nicht sein kann. an.schläge: Sie sind derzeit in Sachen Pensionsvolksbegehren unterwegs. Wie sind Sie dazu gekommen, sich da wieder zu engagieren? Johanna Dohnal: Das ist für mich selbstverständlich. Schon im Frauenvolksbegehren haben wir formuliert, was für Frauen wichtig wäre: Die eigenständige Pensionsabsicherung, unabhängig auch von Erwerbstätigkeit und Lebensformen. Beim Sozialstaatsvolksbegehren war das wieder ein sehr wichtiger Punkt. Und jetzt bin ich sehr froh, dass die oberösterreichische SPÖ das Pensionsvolksbegehren initiiert hat und es auch von der ganzen Partei getragen wird. Mir ist schon klar, dass – egal wie 10 an.schlägeapril 2004

viele Stimmen dieses Volksbegehren erreichen wird – diese Regierung keinen Finger rühren wird. Aber es ist eine Möglichkeit, die Hintergründe der Pensionsreform aufzuzeigen, die Menschen zu informieren. Die meisten Frauen haben schon resigniert, sagen, man könne eh nichts machen. Viele sind aber trotzdem froh, dass etwas passiert. Resignation gibts vor allem bei Frauen, die jetzt um die fünfzig sind, die nach vierzig Arbeitsjahren mit 55 in Pension hätten gehen können, und das jetzt nicht können. Diese Frauen haben ja keine Chance mehr, durch eine private Pensionsvorsorge Zusätzliches aufzubauen! Meine Lebensgefährtin hat sich das ausge-

rechnet: Wenn sie mit 51 Jahren begonnen hätte, privat vorzusorgen, müsste sie 82 Jahre alt werden, damit sie nur das herausbekommt, was sie bis dahin eingezahlt hätte. Wäre für Sie heute eine feministische Partei denkbar? Eine feministische Partei ist denkbar, eine Frauenpartei nicht. Frau-Sein allein ist kein Programm, das sage ich schon seit Jahrzehnten. Allerdings müssten wir vielen Menschen vorher erklären, was feministisch bedeutet. Laut einer kürzlich erschienenen Untersuchung soll es viele Frauen in Assistentinnenpositionen geben, die sagen, sie seien sehr glücklich damit, ihrem Chef


johanna dohnalinterview Kaffee zu kochen und ihm jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Ist das symptomatisch? Ja und nein. Ich sitze im Weinviertel und treffe eher mit denen zusammen, für die das nicht symptomatisch ist. Aber ich merke, dass ich mehr mit jungen Frauen reden muss, raus muss aus meinem Gulaschtopf. Ich möchte zuhören, was die Jungen sagen. Ich bin draufgekommen, dass ich da viel zu weit weg bin. Was ist Ihr Standpunkt zur derzeit heftig diskutierten Kopftuch-Frage? Ich glaube, ich bin mit den meisten einig, dass die Verhüllung der Frau ein Unterdrückungsmechanismus ist. Die Argumentation mancher VertreterInnen der muslimischen Konfession, die das auf die Religiosität zurückführen, kann ich nicht glauben. Weil ich andere kenne, die sagen, im Koran sei das überhaupt nicht begründet. Für mich stellt sich die Frage, wie auch in Frankreich und Deutschland, nach einer Regelung für den Öffentlichen Dienst. Was ist in einem Staat möglich und was nicht? Wir haben dafür gekämpft, dass gewisse Frauenrechte verankert werden. Das ist für mich das höhere Grundrecht. Ich möchte nicht, dass Frauenrechte, die wir erkämpft haben, sichtbar konterkariert werden. Sie hatten in Ihrer Amtszeit mit autonomen Feministinnen zu tun, die Ihnen auch das Leben schwer gemacht haben… Und das war gut so, das hätten sie noch viel mehr machen sollen. …haben Sie das Gefühl, dass die Feministinnen heute ein bisschen brav geworden sind, oder auch müde? Müde wird sicher stimmen, vor allem bei denen, die schon lange und immer wieder kämpfen. Natürlich geht mir etwas ab, natürlich hätte ich gerne Bewegung. Aber man darf auch nicht übersehen: Viele arbeiten in den Frauenprojekten unter immer größeren Schwierigkeiten. Die Frauen sind in finanzieller Abhängigkeit von den GeldgeberInnen. Ich verstehe, dass die existenzielle Gefährdung für die in den Projekten Beschäftigten immer stärker wird. Ganz grundsätzlich ist es so: Je mehr die Menschen kämpfen müssen, damit sie das Leben überhaupt leben können, desto weniger wird man sie für Anderes motivieren können. Gerade bei

Frauen: Wo sollen sie die Zeit her nehmen, wenn sie nach zwei, drei Billigjobs am Abend das Kind von der Großmutter holen müssen, diese hatte das Kind mittags vom Kindergarten abgeholt, weil der zu Mittag zusperrt. Wo soll ich da etwas einfordern? Irgendeine Erklärung muss es ja geben, dass so viele Menschen Schwarz-Blau gewählt haben letztes Jahr. Und da will ich gar nicht die Fehler der Sozialdemokratie beschönigen. Vor allem haben auch sehr viele Frauen ÖVP gewählt. Und die Gründe dafür sind mannigfaltig. Die SPÖ schleppt einen Rucksack mit Versäumnissen mit sich herum, den sie seit ein paar Jahren abbaut. Glaubwürdigkeit zu erreichen ist schwer, verspielt hat man sie leicht, und das ist leider passiert. Das letzte sichtbare Zeichen war der Umgang mit dem Frauenvolksbegehren. Mir war damals klar, dass viele Frauen das Vertrauen verloren haben und das hat sich bei der nächsten Wahl gezeigt. Jörg Haider wird in Kärnten mit SPÖ-Hilfe an die Macht gehievt. Riskiert die Partei hier nicht wieder massiven Vertrauensverlust? Tatsache ist, dass es Länderentscheidung ist und es war nicht verhinderbar. Aufgrund der Landesverfassung ist die Konzentrationsregierung vorgeschrieben. Aber Gusenbauer hat sich klar deklariert, dass das für die Bundespartei keine Option ist! Und dafür leg ich meine Hand ins Feuer – das wäre für mich das Ende meiner Parteimitgliedschaft. Ist das grundsätzlich noch Ihre Partei? Ja, jetzt wieder! In der Klimazeit habe ich keine Einladungen zu Referaten und Diskussionen angenommen, weil ich nicht konnte. Ich konnte nichts Gutes sagen, und schlecht reden wollte ich auch nicht, also bin ich daheim geblieben. Das hat sich gegeben. Jetzt bin ich wieder wenig zu Hause. Anlässlich Ihres Geburtstags gab es viele lobende Worte von Leuten, die Ihnen früher eher Steine in den Weg gelegt haben. Fühlt frau sich da nicht auf den Arm genommen? Der Vranitzky ist im Profil-Interview wenigstens ehrlich geblieben. Ich hab ja mit ihm gut zusammengearbeitet. Es gab halt unterschiedliche Ansichten,

nicht nur in der Frauenfrage. Auch in der Frage nach dem Selbstverständnis der SPÖ als Regierungspartei, in Koalition mit der ÖVP. Meine Ansicht war: Das sind zwei verschiedene Parteien, wir sind Sozialdemokraten, das muss sichtbar werden. Wir müssen sagen, was wir wollen und dafür kämpfen. Und in jedem Schritt den Menschen aufzeigen, warum es anders ist: weil wir einen Koalitionspartner haben, der dieses will. Kompromisse – die in einer Koalition sein müssen – wurden aber als sozialdemokratisch dargestellt. Das ist meines Erachtens auch der Grund, warum die Mehrheit verloren gegangen ist. Sie sprechen erst in letzter Zeit offen über ihre lesbische Lebensweise und verteidigen dies mit dem Argument, Sie hätten auch über Ihre frühere Ehe nie gesprochen. Ein Coming-Out in ihrer Zeit als Ministerin wäre aber auch ein wichtiges Zeichen gewesen… Ja, aber es gibt viele andere Argumente, die schwerer wiegen. Ich mag über mein Privatleben nicht reden. Ich wollte das nie und bin auch der Meinung, dass ein Politiker/eine Politikerin nicht dazu verpflichtet ist. Ich möchte über das, was ich erreicht habe, identifiziert werden und nicht über Lebensformen. Und bei einem Coming-Out haben immer beide Partnerinnen ein Wörtchen mitzureden. Im übrigen ist meine jetzige Lebensform für mich genauso normal wie meine vorherige. Haben Sie noch politische Ambitionen? Vermutlich bis zum Tod, aber nicht in gewählten Funktionen. Sie könnten sich also keine Bundespräsidentin Johanna Dohnal vorstellen? Unmöglich. Ich bin für die Auseinandersetzung, sogar für die Polarisierung. Diese repräsentative Tätigkeit wäre mit meiner Lebenseinstellung nicht vereinbar. Wird die SPÖ, sollte sie in einigen Jahren wieder in der Regierung sein, das Pensionsvolksbegehren umsetzen? Ganz sicher! Ziel des Volksbegehrens ist es, die schwarz-blauen Beschlüsse vom vorigen Jahr aufzuheben und ein gerechtes Gesamtpaket zu schnüren. Und zwar auch gegen den Widerstand eines möglichen ÖVP-Koalitionspartners. Ich würde mir Rot-Grün wünschen, aber die müssen erst eine Mehrheit bekommen. ❚ april 2004an.schläge 11


internationalan.riss Rechtsmittel einzulegen, da der Oberste Gerichtshof in El Obeid am 15. Oktober das Urteil bestätigte. Die Grundlage des Urteils bildet das sudanesische Strafgesetzbuch, das teilweise auf der Interpretation der Scharia basiert. Demzufolge können Personen des Ehebruchs schuldig befunden werden, wenn vier „Zeugen“ aussagen, wenn ein Geständnis vorliegt oder wenn die Angeklagte schwanger und unverheiratet ist. Amnesty International fordert von der sudanesischen Regierung, die Strafe unverzüglich umzuändern. Darüber hinaus soll das sudanesische Recht endlich mit den internationalen Menschenrechtskonventionen in Einklang gebracht werden, die auch von der sudanesischen Regierung unterzeichnet worden waren. svh

guatemala

Im Gänseschritt zur Gleichbehandlung

indien

Musliminnen in Boxershorts Ärmste Bevölkerungsgruppe, bildungsmäßig und wirtschaftlich benachteiligt, politisch marginalisiert – das ist, kurz gesagt, die Situation muslimischer Frauen in Indien. Da überrascht es nicht, dass es schwierig ist, muslimische Frauen überhaupt aus ihrer Isolation, geschweige denn zum Boxen zu bewegen. Razia Shabnan, 23, und drei andere Frauen waren die ersten, die vor fünf Jahren den Schritt aus ihrem muslimischen Ghetto in Kalkutta in den Boxring gemacht haben. Mittlerweile ist Shabnan Indiens erste muslimische Box-Trainerin und internationale Ringrichterin. Sie wirkt auf die muslimischen Frauen wie ein Magnet und schafft es, viele von ihnen in den Boxring zu holen. Inspiriert werden die Frauen durch Laila Ali, die Tochter der Box-Legende Muhammad Ali.„Ich glaube nicht, dass Frauen zu Hause bleiben und kochen sollen, ich will so sein wie Laila Ali“, meint eine der Fäuste-schwingenden Ladies. Frauenboxen verstößt in Indien gegen alle gesellschaftlichen Konventionen. Heute boxen 150 Frauen in Indien, die Mehrheit von ihnen sind Musliminnen. Respekt! svh

sudan

100 Peitschenhiebe Mahasin Abaker Fadul war 14 Jahre alt und im neunten Monat schwanger, als ein Gericht im westsudanesischen Nyala sie am 17. Mai 2003 zu hundert Peitschenhieben verurteilte. Die Anklage lautete auf außerehelichen Geschlechtsverkehr. Ein 25-jähriger Mann, der im Zusammenhang mit dem Fall angeklagt war, wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Abaker Fadulhat hat keine weiteren Möglichkeiten, 12 an.schlägeapril 2004

Der im Dezember 2003 neugewählte konservative Präsident Guatemalas, Oscar Berger, hat zehn junge indigene Frauen zur Unterstützung seiner Regierung unter Vertrag genommen. Sie arbeiten in der Administration des Präsidentschaftspalastes, für den Vizepräsidenten, in den Staatssekretariaten und für die First Lady. „Kein Mitglied meiner Gemeinschaft hat jemals den Präsidentschaftspalast betreten“, erzählte eine der Mitarbeiterinnen, „zusätzlich bin ich die erste Frau meiner Gemeinschaft, die sich in der Nähe des Präsidenten aufgehalten hat.“ Durch ihre neue Arbeit, neben der sie auch ihr Studium weiterführen kann, habe sich ihr Leben verändert. Die jungen indigenen Frauen stammen alle aus dem Westen des Landes und wurden auf Grund ihrer Fähigkeiten, Führungsqualitäten und akademischen Ausbildung ausgewählt. Die Regierung will damit ihren Sinn für Pluralismus unter Beweis stellen. In dem mittelamerikanischen Land sind 41 Prozent der elf Millionen EinwohnerInnen indigener Abstammung, die Indigenen selbst schätzen ihre Stärke mit über sechzig Prozent ein. Die Gesellschaft für bedrohte Völker Südtirol begrüßt diesen Schritt der Regierung als einen ersten Schritt zur Gleichberechtigung der indigenen Völker. Es ist zu hoffen, dass die konservative Regierung sich auch noch auf etwas größere Schritte einlässt. svh

kolumbien

Festnahme Seit der Präsidentschaft von Álvaro Uribe Vélez hat sich die Situation der ländlichen sozialen Bewegung in Arauca (Kolumbien) extrem verschlechtert. Über die Bauern/Bäuerinnengemeinden wurde der Ausnahmezustand verhängt und die zivilen Rechte weitgehend außer Kraft gesetzt. Viele der bäuerlichen Organisationen sehen aus diesem Grund ihre verfassungsmäßigen Rechte auf demokratische Meinungsäußerung und Organisation nicht mehr gesichert, genauso wenig wie ihr Recht auf einen fairen Prozess im Falle der Festnahme. In der Nacht des 18. Februar 2004 wurde Luz Perly Córdoba, Vorsitzende der Bauernorganisation von Arauca (Asociación Campesina de Arauca) und Menschenrechtsverantwortliche der kolumbianischen Bauernföderation FENSUAGRO-CUT, von BeamtInnen der kolumbianischen Staatssicherheit festgenommen. Ihre Verhaftung fand während einer Teilnahme an einer rechtswissenschaftlichen Vorlesung in der INNCA-Universität Bogotá statt. Die Aktivistin aus armen bäuerlichen Verhältnissen und


an.rissinternational Mutter von zwei Kindern, wurde schon in ihrer Jugend vom kolumbianischen Militär verfolgt und gefoltert. Ihr Einsatz für Sozial- und Menschenrechte der kolumbianischen Bäuerinnen/Bauern ist auch in Europa bekannt: Im Juli 2003 besuchte sie Österreich, wo sie sich mit verschiedenen NGOs und Menschenrechtsorganisationen traf. Sie ist eine der wichtigsten Ansprechpartnerinnen für die Solidaritätsarbeit der österreichischen Gruppen im Rahmen der europäischen Kampagne „Ein anderes Kolumbien ist möglich. Mit Frieden und sozialer Gerechtigkeit“. svh Nähere Infos: Gernot Bodner, Vertreter der Kampagne „Ein anderes Kolumbien ist möglich. In Frieden mit sozialer Gerechtigkeit“ in Österreich, e-mail: gernot.bodner@chello.at

indonesien

Wiedereinstellung Die ArbeiterInnen des Betriebs PT Kahatex in Indonesien produzieren für s.Oliver, H&M, Nike und andere bekannte Konzerne. Im Frühjahr dieses Jahres streikten die ArbeiterInnen für die Bezahlung des gesetzlichen Mindestlohns. Auf den Streik eines Großteils der Belegschaft reagierte das Management mit Aussperrung aller 537 ArbeiterInnen, die nicht unter dem Mindestlohn arbeiten wollten. Trotz Interventionen des indonesischen Arbeitsministeriums hat sich daran lange nichts geändert. Kahatex-Auftraggeber wie H&M oder Nike haben das (Image-) Problem rasch erkannt und sich für die Wiedereinstellung in anderen Betrieben der Kahatex-Gruppe eingesetzt, konnten diese aber nicht erreichen. s.Oliver hielt es nicht für nötig, sich dem anzuschließen. Erst aufgrund des internationalen Drucks der KonsumentInnen – allein in Österreich gingen 1.191 e-mails an s.Oliver – setzte sich auch s.Oliver und die von ihm beauftragte Consulting Firma Systain für die Wiedereinstellung der entlassenen ArbeiterInnen ein. Das Management von PT Kahatex hat jetzt die Wiedereinstellung aller ArbeiterInnen, die das wollen, zugesichert. 210 von ihnen wurden bereits mit 1. März wiedereingestellt, die anderen können bis spätestens 19. April an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. svh

Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO ist Gewalt die häufigste Todesursache von Frauen im Alter zwischen 16 und 44 Jahren. Ungleiche Macht- und Besitzverhältnisse, frauenfeindliche Gebräuche und Gesetze bereiten weltweit den Nährboden für ein Klima der Gewalt, das Millionen von Frauen zu Opfern macht. Gewalt gegen Frauen ist der größte Menschenrechtsskandal unserer Zeit – und der verborgenste. Um diesen Zustand sichtbar zu machen und ins Interesse der Öffentlichkeit zu rücken, startete amnesty international am 5. März, als Auftakt zum Internationalen Frauentag, eine weltweite Kampagne „Gewalt gegen Frauen – nicht mit uns.“ Zwei Jahre lang sollen mit Nachdruck die Menschenrechte für Frauen eingefordert werden – bei Regierungen, GesetzgeberInnen, jedem Mann und jeder Frau, in den unterschiedlichsten Ländern. svh

http://www.oneworld.at/cleanclothes/

Infos: T. 01/7 80 08, e-mail: info@amnesty.at; http://www.amnesty.at

wyber.space

www.schwarzefrauen

international

„Entschuldigen reicht nicht!“

Fo t o : a m n e s t y i n t e r n a t i o n a l

Seit kurzem bietet die „Schwarze Frauen Community für Selbsthilfe und Frieden“ (SFC) unter http://www.schwarzefrauen.net eine Anlaufstelle für in Österreich lebende Frauen aus Afrika und in der Diaspora, sowie für MehrheitsösterreicherInnen, die sich für diese Zielgruppe interessieren. Die Community sieht sich mit ihren frauenspezifischen Themen als notwendige Ergänzung zu bestehenden Angeboten. Migrantinnen haben neben Rassismus, Fremdenfeindlichheit und Ausgrenzung auch mit dem bestehenden Sexismus zu kämpfen. Schwarze Frauen unterschiedlicher Herkunft und Nationalität haben hier z.B. die Möglichkeit, sich aktiv Unterstützung auf „ihrem Weg zur Integration“ zu holen, indem direkte Kontakte zu Österrecherinnen hergestellt werden. Neben den üblichen Informationen bietet die Homepage einen Einblick in die Ergebnisse wichtiger Studien, etwa über die berufliche Situation Schwarzer Frauen in Österreich. Ein Gästinnenbuch für Kommentare, eine umfangreiche Linksammlung, Pressemitteilungen und Termine runden das Informationsangebot noch ab. Interessant und spannend für alle Frauen, leider nur in deutscher Sprache. svh

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mexicociudadjuárez

Fo t o : A r c h i v

Nicht eine Tote mehr! Wo Frauen austauschbares Produktionsmittel sind, ist der Schritt zu ihrer Ermordung nur noch ein kleiner. Von Karin Eckert

Judith Galarza, Vorsitzende vom FEDEFAM, mit dem Bild ihrer 1978 „verschwundenen“ Schwester.

14 an.schlägeapril 2004

Die Nacht bricht herein über Ciudad Juárez. Die Menschen ziehen sich in ihre Häuser zurück. Im Gegensatz zu früher, wo die Straßen auch des Nachts bevölkert waren, vermeiden heute vor allem junge Frauen, sich in der Dunkelheit auf der Straße aufzuhalten. Ein Klima der Angst herrscht in der mexikanischen Grenzstadt. Seit über zehn Jahren verschwinden hier hunderte Frauen. 370 wurden nachweislich ermordet, 500 gelten euphemistisch als „verschwunden“. Die Opfer werden vergewaltigt und grausam gequält, bevor sich die Täter ihrer nach Tagen oder Wochen durch

Erschlagen, Erwürgen, Erstechen oder Genickbruch entledigen. Viele der Ermordeten tauchen Monate später wieder auf: weggeworfene Frauenleichen in der Wüste um Ciudad Juárez. Die Opfer. Die meisten der Ermordeten sind junge Frauen, die in den Maquilas, den Weltmarktfabriken transnationaler Konzerne, gearbeitet oder eben erst angeworben haben. Sie verschwinden oft am Weg zur oder von der Arbeit, wenn sie über unbeleuchtetes Gelände bis zur Station der firmeneigenen Busse gehen, die sie nach Hause bringen sollten. Viele der jungen Frauen verfügen

über kein familiäres Netz, denn sie sind aus anderen Regionen Mexikos auf der Suche nach Arbeit in die Grenzstadt gezogen. Ihr Verschwinden fällt daher mitunter nicht einmal auf und wenn, dann bleibt die Polizei so lange untätig, bis es zu spät ist. Es ist kein Zufall, dass die Opfer zu den Allerärmsten zählen, denn derart brauchen die Täter keinen Rechtsstreit zu fürchten, den sich die Familienangehörigen der Opfer nicht leisten können. Was diese Methoden der Terrorisierung für die Bevölkerung bedeuten, erzählt Judith Galarza, Vertreterin einer Organisation von Hinterbliebenen der Mordopfer, die im März auf Einladung


juárezciudadmexico lich mit Frauenfeindlichkeit zu erklären, weil das die eigentlich Schuldigen schützen, und sich dadurch das Morden ausbreiten würde. Und tatsächlich sind auch im angrenzenden Guatemala bereits 300 Frauen verschwunden, berichtet Galarza. Dass die Morde gerade 1993 anfingen, ist für sie kein Zufall. Neben dem Boom der Maquilaindustrie und Die Hintergründe. In Ciudad Juárez liegt Gewalt in der Luft. Direkt an der Grenze der damit einhergehenden Kriminalität nennt sie den Regierungswechsel in Chizu den USA, in der Provinz Chihuahua gelegen, ist die Region stark militarisiert. huahua als Grund für die Morde: Schon während des Wahlkampfes wurde dem Die ArbeiterInnen in den Maquilas – zu siebzig Prozent Frauen – sind austausch- Kandidaten der konservativen PAN2, bare Humanressourcen, die so lange Francisco Barrios, schwer zugesetzt: bei ausgebeutet werden, bis sie nicht mehr einem Auto„unfall“ wurde sein Chaufdie erwartete Leistung bringen, bis sie feur und dessen Sohn, sowie eine Tochschwanger werden oder bis sie es wa- ter des Kandidaten getötet. Demonstragen, auf ihre Rechte zu pochen. Im Han- tionen, an denen unzählige Frauen teildumdrehen werden sie dann entlassen nahmen, überzeugten ihn davon, denund durch eine der vielen, bereits auf Ar- noch weiter zu kandidieren. Schließlich beit wartenden Frauen ersetzt. Die Kon- konnte die PAN unter Barrios hauptsächkurrenz ist groß, die Arbeitsbedingungen lich mit den Stimmen von Frauen 1992 unter jeder Kritik: Unbezahlte Überstun- die PRI3 ablösen. Mit den beginnenden den, festgelegte Klozeiten, sexuelle Über- Morden sollten nun Frauen eingeschüchgriffe, minimale Löhne, gesundheitsschä- tert und von politischem Engagement digendes Arbeitsumfeld, Akkordarbeit. abgehalten werden. Zum anderen geht Galarza bringt die Rolle der Maquilaines laut Judith Galarza auch darum, die dustrie auf den Punkt:„Was wir draußen Arbeit der Provinzregierung in den in Ciudad Juárez erleben, ist ein Spiegel- Schmutz zu ziehen, indem man sie (zu bild dessen, was innerhalb der Maquilas Recht) der Unfähigkeit in der Verfolgung passiert.“ der Morde bezichtigt. Barrios rührte aus Anfang der 1990er Jahre floss viel Angst vor einem weiteren Attentat keiGeld in den Ausbau der Maquilaindunen Finger mehr, um die Morde aufzustrie. Die mexikanische Regierung schuf klären. Als 1998 die PRI neuerlich an die für die Konzerne paradiesische BedinRegierung kam, verschwanden plötzlich gungen: Steuerfreiheit, spottbillige Res- wichtige Beweismittel. Für Galarza ist sourcen, keinerlei Umweltauflagen, billi- klar:„Hier werden politische Machtspiege Arbeitskraft. Unterdessen unternahm le auf dem Rücken von Frauen ausgedie Regierung für die enorm anwachtragen!“ sende Bevölkerung gar nichts: die Viertel rund um Ciudad Juárez haben weder Die Vertuschung. Die Ablenkungsmanöver Strom noch Fließwasser. Die Straßen der Verantwortlichen sind vielseitig: sind unbefestigt und unbeleuchtet.1 In Statt sich um die Aufklärung zu kümChihuahua werden große Mengen Geld, mern, würdigen PolitikerInnen die MorMenschen und Drogen bewegt. Das Dro- dopfer herab, indem sie mit dem angeblich unmoralischen Lebenswandel genkartell Juárez gilt als das größte der Welt. Seine Macht reicht bis in den Poli- der Frauen argumentieren: wer sich des Nachts in Bars herumtreibe und mit enzeiapparat und in die Politik, deren VertreterInnen entweder an den schmutzi- ger Kleidung und Miniröcken provoziere, dürfe sich auch nicht wundern…4 gen Geschäften mitschneiden oder aus Angst die Machenschaften der Drogen- „Das ist ein Effekt eines psychologischen barone decken. Judith Galarza sieht geKrieges, der verunmöglicht, eine objektinau hier die Wurzel der Morde und der ve Analyse dessen vorzunehmen, was Straflosigkeit:„Wenn es keine Veranttatsächlich passiert“, erklärt Galarza die wortlichen gibt, dann deshalb, weil hin- Intention hinter den Verleumdungster all dem sehr mächtige Leute stehen, kampagnen. die nicht festgenommen werden könIn der Zwischenzeit wurden mehrenen.“ Sie warnt davor, die Morde ledigre Personen festgenommen – Sündenvon Frauensolidarität und amnesty international in Wien war: „Es herrscht eine totale Unsicherheit im Alltagsleben. Die Leute machen sich Sorgen, wenn ihre Kinder nicht rechtzeitig am Abend nach Hause kommen“, beschreibt sie die Stimmung.

böcke, um die eigentlichen Täter zu schützen. Nach deren Festnahme ging das Morden jedenfalls weiter. Der Sohn der Anwältin eines der Inhaftierten hat ein Attentat knapp überlebt. Jene Frau, die diesen Mann seinerzeit stark belastet hatte, ist inzwischen an einer Überdosis gestorben. Ein weiterer Inhaftierter ist bei einer Leistenbruchoperation verstorben. Zwei JournalistInnen, die Ende 2003 Namen von vermutlich Involvierten veröffentlicht hatten – darunter der Besitzer eines TV-Senders und der Manager von Coca Cola in Chihuahua – wurden mit Mord bedroht. Als ein bedeutender Provinzpolitiker Judith Galarza dazu aufforderte, die Finger von all dem zu lassen und sich nicht mit den Mächtigen anzulegen, und sie sich weigerte, verschwand die Tochter einer Mitarbeiterin der Hinterbliebenenorganisation. Inzwischen lebt Galarza aus Sicherheitsgründen in Venezuela. Wer nun tatsächlich hinter den Morden steht, darüber gibt es viele Spekulationen. Manche der Ermordeten wurden auf Gewalt-Pornos wieder entdeckt. Und auch Trittbrettfahrer dürften die Situation der de-facto-Straffreiheit ausnützen. Inwieweit die Maquilaindustrie involviert ist, ist unklar. Tatsache ist jedenfalls, dass viele der ermordeten Frauen gerade erst in den Maquilas zu arbeiten begonnen hatten, ehe sie verschwanden. Aber woher hatten die Täter diese Informationen? In den Maquilas werden jedenfalls keine Untersuchungen durchgeführt… Die Gegenwehr. Seit Jahren kämpfen Judith Galarza und andere Hinterbliebene gegen die Straflosigkeit. Nachdem etliche Sonderstaatsanwältinnen/anwälte der letzten Jahre eher die Interessen der Täter, als die der Opfer vertreten hatten, scheint mit María Urbina nun eine Staatsanwältin mit der Aufklärung betraut worden zu sein, die zumindest einen guten Ruf genießt, und auf der die ganze Hoffnung liegt. Ganz bewusst gehen Galarza und ihre MitstreiterInnen gerade jetzt an die internationale Öffentlichkeit, denn nur Protestbriefe aus aller Welt können verhindern, dass auch Urbina eingeschüchtert und korrumpiert wird. Die internationale Gemeinschaft muss jetzt aktiv werden, Druck ausüben, zeigen, dass viele ihren Blick auf Mexiko gerichtet haben, damit nicht eine einzige Frau mehr Opfer des Sumpfes in Ciudad Juárez wird! ❚

Protestschreiben bitte massenhaft und immer wieder an die Mexikanische Botschaft und/oder an Präsident Vicente Fox schicken. Nähere Infos dazu unter: www.amnesty.at/vaw/cont/laen der/mexiko/index.htm Auch Appellbriefe an Außenministerin Ferrero Waldner (benita.ferrero-waldner@oevp.at) sind zielführend.

Spendenkonto für die Arbeit der Hinterbliebenenorganisation: Frauensolidarität, Kennwort Mexiko, PSK 60000, Kto.Nr.: 93009458

Organisationen (Infos auch auf englisch):

FEDEFAM – lateinamerikanische Vereinigung von verschwundenen/ ermordeten Personen, www.desapaecidos.org/fedefam

Nuestras Hijas de Regreso a Casa: http://www.geocities.com/ pornuestrashijas/

1 Heute sind in dem Gebiet etwa 2.500 Maquilas angesiedelt, für die mehr als eine Million ArbeiterInnen etwa 16 Milliarden US-Dollar Gewinn erwirtschaften. 2 Partei der Nationalen Aktion, die auch den derzeitigen Präsidenten, Vicente Fox stellt. 3 Partei der Institutionalisierten Revolution. Die PRI regierte auf nationaler Ebene über Jahrzehnte das Land. 4 Dementsprechend haarsträubend klingt auch der Vorschlag eines Politikers, der im Fernsehen erklärte: „Wenn die Guten zu Hause bleiben, dann sind nur noch die Bösen auf der Straße und die Sache erledigt sich von selbst.“

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Fo t o s : A r c h i v, A n i t a - D a n i e l a K ra p p e l ( 2 .v. l i )

eurogames2004

Eine Woche „pride“ tanken Die EuroGames zählen mittlerweile zu den bedeutendsten Sportereignissen des Kontinents. Selbst der Freistaat Bayern kann sich dem Charme dieses lesbischwulen Großevents nicht entziehen – München, wir kommen! Von Lisa Rosenblatt und Svenja Häfner

Ich, Lisa Rosenblatt, habe 2003 an den EuroGames in Kopenhagen teilgenommen. Als „Ausländerin“ für Österreich anzutreten, war eine besondere Erfahrung für mich, die ich in fast keinem anderen Bereich oder bei keiner anderen Veranstaltung als „Österreicherin“ bezeichnet werde. Die Verschmelzung von Grenzen empfand ich als besonders schön: Gemeinsamer Spaß am Sport und sportlichen Wettkampf; der persönliche Einsatz beim Training, wobei jede/r für sich die persönlichen Grenzen austesten kann;„dabei sein“; das Erreichen einer persönlichen „Bestzeit“ oder einfach die ersten Erfahrungen mit sportlichem Wettkampf; sich „öffentlich“ als lebisch 16 an.schlägeapril 2004

oder schwul outen; bewegen; Sport machen und feiern – die Vielfalt von internationalen Meisterschaften mit verschiedenen Schwerpunkten und Ausrichtungen ist ein Schritt in Richtung Pluralität. Gäbe es über die offiziellen MeisterInnenschaften hinaus noch weitere Veranstaltungen, die in der breiten Öffentlichkeit bekannt sind, hätten einzelne Staaten mehr Möglichkeiten, in einem internationalen Zusammenhang präsent zu sein. Das sehe ich als einen praktischen Schritt weg von einzelnen Nationen, die in einer homogenen internationalen Welt einander begegnen. Offenheit. Helga Pankratz, Mitbegründerin der Sportvernetzung „Rainbow

Sports Austria“ und Sportredakteurin bei der Zeitschrift Lambda Nachrichten ist von der positiven Wirkung solcher Events überzeugt: „Ich finde es wichtig, dass es eine selbstorganisierte, selbstbewusste lesbische und schwule Sportkultur gibt und auch internationale Wettkämpfe, die für uns den Stellenwert von EuropameisterInnenschaften und Olympischen Spielen haben. In den ,normalen’ Sportvereinen, Sportverbänden und bei den Wettkämpfen herrscht in fast allen Sportarten weltweit noch immer sehr viel Heterosexismus vor. Die EuroGames sind eine tolle Alternative und Bestandteil des Kampfes gegen diese ausgrenzende Ignoranz.“ Für Helga Pankratz sind Sport und Politik nicht


2004gameseuro

zu trennen: „Mein Sport, den ich mit großer Leidenschaft ausübe, ist zugleich politischer Aktivismus.“ Die Offenheit der EuroGames geht noch weiter. Alle Formen von Sexualität und Nationalität finden Akzeptanz, jede Leistung wird honoriert. In Kopenhagen habe ich erlebt, dass die langsamsten SchwimmerInnen genau so viel Applaus und Begeisterung ernteten wie die Schnellsten. Helga Pankratz kann diesen Eindruck aus eigener Erfahrung bestätigen: „In Zürich ( Jahr 2000, Anm. d. Red.) war die EuroGames-Tanzkultur schon so weit fortgeschritten, dass Rankings, Konkurrenzkampf und der Trend zu Spitzenleistungen schon sehr im Vordergrund standen. Dennoch machte mein Auftritt mit einer Tanzpartnerin aus der Slowakei, mit der ich zusammen ganz bewusst Dilettantismus verkörperte, viel Vergnügen. Wir waren die Clown-Nummer des gesamten Wettbewerbs. Es hat trotzdem allen gefallen. Meiner Meinung nach sollte der Breitensport-Gedanke nicht ganz vernachlässigt werden.“ Gabriela Reichkendler, ehemalige Schwimmmeisterin in Tirol, war in Kopenhagen ebenfalls mit dabei, obwohl

sie schon seit zwanzig Jahren nicht mehr aktiv ist:„Die Teilnahme hat mir viel Spaß gemacht, die Atmosphäre war sehr entspannt und nicht von Ehrgeiz durchtrieben.“ Sport hat mich schon immer fasziniert. Es ist das Erlebnis als Ganzes und nicht nur der Moment des Siegens, das mich immer wieder zu einer intensiven Auseinandersetzung mit meinen körperlichen Grenzen geführt hat. Obwohl ich als Leistungssportlerin jahrelang regelmäßig an Wettkämpfen teilgenommen habe, waren die EuroGames 2003 seit fast zwei Dekaden wieder meine ersten Wettkämpfe. Besonders hier in Österreich finde ich es bereichernd, dieses erweiterte Erlebnis von Sport zu ermöglichen, da Sport noch oft mit der strengen Disziplin der 1930er Jahre in Verbindung gebracht wird – viele Frauen haben schlechte Erinnerungen an den Schulsport oder sehen Sport als reinen (Wett)Kampf. Die strikte Einteilung und Trennung von Wissenschaft, Politik und Sport mag vielleicht eine gewisse Ordnung schaffen, mit der Realität hat dies jedoch wenig zu tun, sondern dient vielmehr dem Prozess der Ausgrenzung.

Weg aus dem „closet“. Ulrike Lunacek, offen lesbische Abgeordnete der Grünen und selbst aktive Teilnehmerin bei den EuroGames in Zürich, Hannover, und Kopenhagen, hält die EuroGames für „wichtig, weil es einfach Spaß macht, mit anderen Lesben und Schwulen Sport zu treiben und sich nicht immer nur zu ernsthaften politischen Debatten zu treffen, wie das bei mir meist der Fall ist.“ Sie betont den Spaß beim Trainieren und bestätigt die Notwendigkeit von eigenen Vereinen, „da es in den meisten regulären Vereinen noch nicht üblich ist, offen und nicht-diskriminierend mit lesbischen und schwulen Mitgliedern umzugehen.“ Lunacek verweist auf die große mediale Aufmerksamkeit für lesbischwule Themen. Darüber hinaus biete der lesbischwule Sport manchen Homosexuellen auch eine Möglichkeit, den Weg aus der gesellschaftlichen Isolierung, zu finden. Michaela Haberl, Körper- und Psychotherapeutin sowie multitalentierte Athletin, gewann bei den GayGames 1998 in Amsterdam eine Bronze Medaille im Kampfsport („black belt level“) – die erste Medaille, die bei GayGames für Österreich errungen wurde. Darüber april 2004an.schläge 17


eurogames2004 hinaus gewann sie als Schwimmerin in Kopenhagen etliche Medaillen. Das Gruppengefühl hat sie dort – vor allem beim Staffelschwimmen – besonders geschätzt. In Amsterdam war Michaela Haberl besonders von der Stimmung begeistert: „Ganz Amsterdam war lesbisch-schwul, die Bevölkerung extrem freundlich und unterstützend, Regenbogenfahnen überall. Es war wirklich eine Woche ‚pride’ tanken!“ Ulrike Lunacek war so begeistert von der Begrüßungsfeier für die österreichischen SportlerInnen nach den GayGames in Amsterdam, dass sie beschloss: „Da mach ich auch mit!“ Und endlich, 2003 in Kopenhagen, waren es genug Frauen – Gabriela, Michaela, Ulrike und ich – um mit der ersten Österreichischen Frauenstaffel im Schwimmen starten zu können. Dieses Jahr werden auch die Fußballerinnen, die „Ballerinas“, die gemeinsam mit den „Drama Queens“ eine würdige Frauenschaft bilden, in München dabei sein, und hoffentlich viele andere Sportlerinnen. Michaela Haberl sieht im gemeinsamen selbstbewussten Auftreten in der Öffentlichkeit und in den sportlichen Leistungen eine ungeheure Stärkung des Selbstwertgefühls. Ich schließe mich der Meinung von Michaela an und während ich dies so schreibe, überlege ich mir gerade, ob ich nicht doch nach München fahren soll. Geschichte. Die EuroGames stecken im Vergleich zu anderen internationalen Sportveranstaltungen noch in den Kinderschuhen. Zwölf Jahre ist die lesbischwule Multisportveranstaltung erst alt und doch hat sie in dieser kurzen Zeit einen enormen Zuwachs an Popularität und Professionalität erfahren. Inspiriert von der großen Schwester GayGames, die lesbischwule Olympiade, die 1982 zum ersten Mal in San Francisco ausgetragen wurde, organisierte die EGLSF (European Gay and Lesbian Sport Federation) 1992 in Den Haag die ersten EuroGames als kleines „Multisport-Turnier“ mit 300 TeilnehmerInnen. Der Enthusiasmus, mit anderen Gleichgesinnten auf unverkrampfte Art Sport zu treiben, fand rasch seine AnhängerInnenschaft. 1993 folgten schon die nächsten Spiele. Seitdem vergibt die EGLSF die EuroGames jeweils an eine andere europäische Stadt. Die Anzahl der TeilnehmerInnen 18 an.schlägeapril 2004

(und die der angebotenen Sportarten) ist im Laufe der Jahre enorm gestiegen: von 2.000 im Jahr 1995 in Frankfurt auf über 4.000 im Jahr 2000 in Zürich. Der erste große Boom im Jahr 1995 resultierte aus dem Riesenspektakel GayGames 1994 in New York (mit großer europäischer Beteiligung) und der Tatsache, dass die lesbischwule Sportbewegung in Europa aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht war. Zwischendurch gastierten die Spiele noch in Berlin (1996) und Paris (1997). Trotz der Freude über den regen Zulauf wurde es jedoch in zunehmendem Maße schwieriger, Gruppen zu finden, die willens und in der Lage waren, künftige EuroGames auszutragen. Daraufhin entschied die EGLSF 1999, in Zukunft zwei Arten von EuroGames zu veranstalten. Mit Zürich 2000 wurde die Ära der sogenannten „normalen“ EuroGames eingeläutet: Spiele im großen Stil, die alle vier Jahre mit vielen TeilnehmerInnen, unzähligen Sportarten und einer breiten Auswahl an kulturellen Aktivitäten stattfinden sollten. Zürich stellte mit 4.233 TeilnehmerInnen aus 32 Ländern und 19 Sportarten einen neuen Rekord auf. Die sogenannten „kleinen“ EuroGames, wie sie 2001 in Hannover und 2003 in Kopenhagen ausgetragen wurden, finden im Abstand von zwei Jahren zwischen den „normalen“ EuroGames und den GayGames in kleinerem Rahmen statt: die TeilnehmerInnenzahl ist auf 1.500 begrenzt, das Sportprogramm auf maximal sieben Sportarten festgelegt, und ein kompaktes Kulturprogramm beschränkt sich auf Eröffnungs- und Schlussfeier sowie einzelne Partys.

ten, mit und ohne Behinderung, unabhängig von Herkunft, sexueller Orientierung, religiöser oder politischer Einstellung. Nach der erfolgreichen Bewerbung um die EuroGames haben sich neun Teams gebildet, die sich relativ eigenständig um verschiedene Schwerpunktthemen kümmern. Drei Frauen sind in dem neunköpfigen Leitungsteam aktiv. Neben Annette Wolf (Teamleiterin für Finanzen) und Sophie Ruhlig (Sponsoring) ist auch Sabine Malecek im Organisationsteam vertreten. Als sie von der Idee hörte , dass die EuroGames nach München geholt werden sollen, war sie begeistert. Im Frühjahr 2001 fand ein erstes Meeting statt. Es folgte ein allgemeines Brainstorming, zu dem sehr breit eingeladen wurde. Der Verein EuroGames München e.V. wurde gegründet und die Bewerbung für die EGLSF geschrieben – mit Erfolg. Präsenz zeigen. Die 36jährige Geografin Sabine Malecek ist Teamleiterin für das Sportmanagement bei den diesjährigen EuroGames in München. Zurzeit ist sie hauptberuflich auf einer halben Stelle tätig und arbeitet ungefähr 25-30 Wochenstunden für die EuroGames. Diese Arbeit macht sie, ebenso wie die insgesamt 120 HelferInnen, unbezahlt und mit viel Enthusiasmus. Ohne dieses Engagement wären die Spiele überhaupt nicht finanzierbar.

an.schläge: Was ist Ihre Motivation, sich so für die EuroGames einzusetzen? Sabine Malecek: Ich finde es gut, diese Offenheit und Präsenz als Lesben und Schwule zu zeigen, auch dass wir offen zusammenarbeiten mit Hetero-SportverMünchen 2004. Im Jahr 2002 bekam Mün- einen, mit der Stadt, mit Behindertenverbänden. Diese Offenheit gefällt mir gut, chen den Zuschlag als Austragungsort der EuroGames 2004. Mit 37 zu 15 Stim- dieser Integrationsgedanke und dieser Sichtbarkeitsgedanke. Ich finde es super, men setzte sich die bayerische Metropole gegen ihre Konkurrenz durch. Auch dass es in einer Stadt wie München Wien gehörte damals zu den Mitbewer- möglich ist, so ehrenvolle Orte wie den Olympiapark zu kriegen, an einer olympiberInnen. Die ehemalige Olympiastadt schen Stätte eine schwul-lesbische VerMünchen hat sich ein sehr hohes, jedoch nicht unrealistisches Ziel gesteckt. anstaltung zu machen. Die Arbeit für die EuroGames macht mir ziemlich Spaß 5.000 Sportlerinnen und Sportler aus und es ist sehr spannend so etwas von 47 Ländern werden vom 29. Juli bis 1. Anfang an wachsen zu sehen. Zu sehen August rund um das Olympiagelände von 1972 in 27 Disziplinen um Gold-, Sil- wie viel Handlungsspielräume wir haben, was möglich ist, was nicht. Ich finde ber- und Bronzemedaillen kämpfen. Mehr als 200 Wettkämpfe sind geplant. die schwul-lesbische Zusammenarbeit sehr gut, ich lerne da sehr viel. Willkommen sind alle Sportbegeister-


Fo t o s : M a r i a B a k k e r ( l i n k s) , L u n a c e k / N e u n d l i n g e r ( r e c h t s)

2004gameseuro

Fit zu den EuroGames. Und üben, üben, üben.

Hat es was mit Ihrem Lesbisch-Sein zu tun? Ich habe einen neuen Blick auf die Dimension „Lesben und Schwule im Sport“ bekommen. Das ist eine totale Bereicherung, da so viel mit zu kriegen. Insbesondere durch die Europaarbeit der EGLSF, bei der ich mich auch eingeklinkt habe. Das heißt, die politischen Aspekte meines Lesbisch-Seins haben eine neue Dimension für mich bekommen. Ich komme ja aus der Frauenbewegung und es ist für mich eine Bereicherung mit Schwulen zusammen zu arbeiten und diese Dimensionen im Bereich Sport kennen zu lernen. Zum Beispiel im Fußball: Dort ist das Lesbisch- oder Schwul-Sein ein Tabu, egal ob im Breitensport oder im Profisport. Das heißt Sport ist der Lebensbereich, wo die Diskriminierung von Homosexuellen am offensichtlichsten ist. Im Bereich Arbeit z.B. gibt es Gesetze. Der Sportbereich hinkt hier hinterher. Das alles war vorher für mich kein Thema. Sport war vorher für mich etwas, das ich zwar selbst auf einem hohen Niveau mache – Volleyball bei den „Amazonen“ und vorher in Innsbruck im Verein – jedoch nicht so reflektiert habe. Ich habe mich nie mit Diskriminierung beschäftigt und Sport als Politikum angesehen. Bei der EGLSF habe ich gelernt, dass die EuroGames eine Art Rollenmodell sein können. Sie zeigen, dass es unter all den Sportlerinnen und Sportlern Lesben und Schwule gibt, sowohl im Breitensport als

auch im Profisport. Die EuroGames sind nicht nur Fun, sondern haben auch eine politische Dimension. Dass eine Stadt wie München sagt, dies ist die wichtigste Sportveranstaltung zwischen Leichtathletik EM 2003 und Fußball WM 2006, ist doch eine Aussage! Wie groß ist die Beteiligung der Frauen an diesen Spielen? Bei den OrganisatorInnen sind etwa ein Drittel Frauen, in letzter Zeit zeichnet sich eine Tendenz Richtung Hälfte ab. Es scheinen mehr Frauen einzusteigen. Bei den TeilnehmerInnen-Anmeldungen sind wir aktuell bei der Gesamtzahl von 4.200 mit einem Frauenanteil von 37 Prozent. Die Sportarten mit den höchsten Frauenanteilen sind: Fußball mit 85, Basketball mit sechzig und Tanzen mit siebzig Prozent. Line Dance, Aerobic und Cheerleading sind demgegenüber fast zu hundert Prozent in Männerhand. Wobei ich dazu sagen muss, dass Cheerleading in den USA zum Beispiel auch von immer mehr Lesben gemacht wird. Das sieht man bei den Christopher Street Days. Sie sind bemüht, den Anteil an Frauen und an behinderten Menschen zu erhöhen. Wie wollen Sie das erreichen? Wir hatten ein halbes Jahr lang eine Regelung, dass fünfzig Prozent der Plätze für Frauen reserviert sein müssten. Wir machen gezielt PR und Pressearbeit, nicht nur bei Frauensportvereinen, sondern auch bei Frauen- und Les-

beneinrichtungen und natürlich in der Frauenpresse, um auch einzelne, nicht organisierte Frauen und Lesben zu erreichen. Und wir bemühen uns um eine geschlechtergerechte Sprache und ein ausgewogenes Verhältnis in der visuellen Darstellung. Es werden also sowohl Bilder von sporttreibenden Frauen als auch von Männern für Werbematerialien und im Internet verwendet. Um behinderte Menschen zu motivieren, arbeiten wir mit dem Behinderten- und Versehrtensportverband zusammen. Wir haben auch eine extra Anlaufstelle eingerichtet, eine Fachfrau, die sich in dem Bereich auskennt. Integriert in die jeweiligen Wettkämpfe, wird es ein Blindenschachturnier und ein Rolli-Tanz-Turnier geben. Außerdem findet während der EuroGames eine eintägige Fachtagung zum Thema Homosexualität und Behinderung statt. Werden Sie noch selber aktiv an den Spielen teilnehmen? Nein, ich werde dann die Früchte meiner Arbeit genießen. Was ist für Sie das Besondere an den EuroGames? Die Größe, das Europaweite, der Austragungsort. Ich freue mich auf die Sommertage, an denen ich über den Olympiapark und das dort eingerichtete RainbowVillage flanieren werde, umgeben von Lesben und Schwulen, die nach München gekommen sind, um Sport zu treiben und eine tolle Zeit hier zu haben. ❚

EuroGames: 29. Juli bis 1. August 2004 in München Infos und Registrierung unter www.eurogames.info/2004

april 2004an.schläge 19


TA G D ER A R B EITS LO S EN 2 0 0 4 30.A pril2004,ab 16.00 U hr Straßenfest,M ariahilferstr./N eubaug. Polit.Talk m itM onika Vana,Klaudia Paiha u.a.

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an.risswissenschaft

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Vom 21.-23. Oktober findet im Tiroler Alpbach der alljährliche „größte Essstörungskongress“ im deutschsprachigen Raum statt. Ziel ist es, den aktuellen Stand der Forschung, Behandlung und Prävention von Essstörungen und Adipositas darzustellen und kritisch zu betrachten sowie den wissenschaftlichen und klinisch-therapeutischen Kontakt zu fördern. Diesjährige Themen werden unter anderem die soziokulturellen Aspekte von Essstörungen sein, insbesondere der gesellschaftliche Schlankheitswahn und die Rolle der Frau am Beginn des 21. Jahrhunderts. Der Schwerpunkt liegt bei psychologischen Behandlungsmethoden, wobei auch andere Methoden berücksichtigt werden.Weitere Themenbereiche sind u.a. (angeleitete) Selbsthilfe(-gruppen), ambulante und stationäre Behandlung, Hilfe und Unterstützung für Angehörige sowie Familientherapie. Um die Brücke zwischen Essstörungen und Adipositas zu schlagen, wird sich eine eigene Sektion mit den aktuellen Ansätzen in der Adipositas-Behandlung befassen, die dem gesellschaftlichen Schlankheitswahn entgegenwirken muss. Die Tagung richtet sich an Angehörige aller Gesundheits- und Sozialberufe und umfasst Vorträge, Posterpräsentationen mit Kurzdiskussion, parallele Workshops, Plenardiskussionen und Ausstellungen. Aktive Teilnahme ist erwünscht: Einreichfrist für Abstracts ist der 9. Juli. svh

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Essstörungen

Untersuchung „Frauenleben in Innsbruck. Ein historisches Stadt- und Reisebuch“ von Ursula Stanek, Astrid von Schlachta und Ellinor Forster, die sich mit der weiblichen Dimension der Stadt Innsbruck auseinandersetzen. Daneben wurde die Diplomarbeit „Die beginnende Frauenbewegung in Russland und N.G. Cernysevskijs Roman Cto delat“ von Marion Kaufer vom Institut für Slawistik ausgezeichnet. Die Autorin geht in ihrer Arbeit anhand eines 1863 veröffentlichten Romans der Frage nach, welchen Einfluss die beginnende russische Frauenbewegung um 1860 auf neue gesellschaftliche Utopien eines gleichberechtigten Zusammenlebens der Geschlechter hatte. Initiiert wurde der Preis im Jahr 2001 von Peter Loidl, dem damaligen Vizerektor für Forschung und Evaluation. Mit dieser Auszeichnung sollen junge Wissenschafterinnen gefördert und wissenschaftliche Arbeiten, die im Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung geschrieben wurden, einer größeren Öffentlichkeit bekannt gemacht werden. svh ^

kongress

Organisation und Anmeldung: Netzwerk Essstörungen, Fritz-Pregl-Strasse 5, 6020 Innsbruck, T. 0512/57 60 26, F. 0512/58 36 54, e-mail: netzwerk-essstoerungen@uibk.ac.at

oberösterreich

Diplomandin gesucht Die Vernetzungsstelle für Frauen in Kunst und Kultur in Oberösterreich, FIFTITU%, ist an umfangreichen Informationen über die aktuelle Situation von Frauen vor allem in größeren Kulturinstitutionen in Oberösterreich interessiert, mit besonderem Blick auf die personelle Situation, Machtstrukturen, Programmgestaltung u.a.m. Daten und Fakten sollten qualitativ und quantitativ aufbereitet werden, um als Grundlage für politische Aktivitäten zur Frauenförderung in Kunst und Kultur genutzt werden zu können. FIFTITU% kann eine Diplomandin/Dissertantin mit vielen Informationen als Basis für die Arbeit und eventuell auch mit einem kleinen finanziellen Beitrag unterstützen. Ebenso wäre eine Unterstützung bei der Publikation der Arbeit seitens FIFTITU% denkbar. Das genaue Thema der Arbeit sollte in Kooperation mit der Vernetzungsstelle definiert werden. Grundsätzlich können sich Studentinnen aller Studienrichtungen angesprochen fühlen, das Thema fällt jedoch eher in den sozial- oder kulturwissenschaftlichen Bereich. Kenntnisse in empirischer Sozialforschung sind auf jeden Fall von Vorteil. svh Kontakt: FIFTITU%, Andrea Mayer-Edoloeyi, Kapuzinerstraße 36, 4020 Linz, T. 0732/770 353, http://www.fiftitu.at

innsbruck

Doppelte Preisverleihung Bereits zum dritten Mal wurde der Preis für „Frauenspezifische Forschung an der Universität Innsbruck“ vergeben. Pünktlich zum Internationalen Frauentag am 8. März 2004 fand in der Aula des Hauptgebäudes der Uni die Preisverleihung statt. Die Auszeichnung wurde dieses Jahr auf zwei Arbeiten aufgeteilt: Die erste ausgezeichnete Arbeit ist die

graz

Eingespart Nachdem dem Bildungsreferat des Vereins Frauenservice Graz im Jahr 2004 die Subventionen des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur um die Häfte gekürzt wurden, waren Umstrukturierungen nötig: Das Bildungsreferat ist übersiedelt und das Bildungsangebot wurde empfindlich geschmälert. So wurde die Anzahl der Veranstaltungen halbiert. Trotzdem ist der Verein bemüht, die Qualität der Veranstaltungen in gewohnter Weise zu erhalten. Geboten wird dieses Jahr eine Therapiegruppe zum Thema „Begehren“, eine Schneeschuhwanderung, ein Ashtanga Yoga-Wochenende und die Linux-Werkstatt. Die FrauenStadt Spaziergänge präsentieren sich mit zum Teil neuen Themen. Der Umfang der Zeitschrift „Laufschritte“ ist 2004 auf ein Drittel geschrumpft. Kostenlose Veröffentlichungen von aktuellen Veranstaltungen in und rund um Graz mussten ganz eingestellt werden. Ausnahmen sind Plattformen und Netzwerke (und deren Aktivitäten), in denen der Verein Frauenservice aktiv ist. Die Preise für Inserate in den „Laufschritten“ können im Bildungsreferat angefordert werden. svh Frauenservice Bildungsreferat, Griesgasse 8/ 2. Stock, 8020 Graz, T. 0316/72 20 44, F. (vorläufig) 0316/712 44 88, e-mail: bildung@frauenservice.org

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Fo t o : M a g d a l e n a B l a s zc z u k

wissenschaftforum

Utopischer Cyberfeminismus Machen Neue Technologien Frauen mächtiger? Cyberfeministische Konzepte suchen nach Antworten und öffnen Räume für utopische Entwürfe. Von Michaela Ilming

Michaela Ilming schrieb ihre Diplomarbeit 2003 zum Thema „Utopien des Cyberfeminismus. Technologische Entwicklung und Emanzipation.“

22 an.schlägeapril 2004

Neue Technologien bringen neue Denkanstöße. Cyberfeminismus untersucht und erforscht die Schnittstelle zwischen Geschlechteridentität, Körper und Technik und bezieht so diese Technologien in den feministischen Diskurs mit ein. Feministische Theoretikerinnen wie die US-Amerikanerin Donna Haraway sehen in Wissenschaft und Technologien neue Quellen der Macht, gesellschaftliche Verhältnisse zu verändern und ihnen eine grundlegende neue Struktur zu geben. Haraway betont, dass vormals eindeutige Identitäten brüchig und widersprüchlich ge-

worden seien und keine politische Einheit mehr darstellen können, weil es keine Grundlage mehr für ein Zusammengehörigkeitsgefühl gebe. Durch zahlreiche Aufsplitterungen und Fragmentierungen von feministischen Strömungen sei das Konzept Frau undefinierbar geworden. Es sei schwierig, Frauen für den politischen Kampf zu vereinen, einen gemeinsamen Nenner für ihre Anliegen zu finden. Dazu komme, dass die meisten Frauen sich eine „vergleichbare historische Verortung in einem weißen, weiblichen, radikalen, nordamerikanischen Körper der berufstätigen Mittelschicht mittleren Alters

teilen“ (Haraway), was wiederum einen Grund für die problematische Verbindung entsprechender Identitäten darstelle. Die Reaktion darauf bzw. auf die Krise der Identitätsfindung führte abermals zu zahlreichen Spaltungen unter den amerikanischen Feministinnen und dem Bestreben, eine neue essenzielle Einheit zu finden. Für Haraway liegt diese Einheit im stark utopisch besetzten Feld des „Cyborg-Universums“. Utopie und Science-Fiction. In Donna Haraway’s Cyborg-Utopie geht es um Visionen, die sich auf reale Entwicklungen in der (v.a. Bio- und Gen-)Technologie be-


forumwissenschaft ziehen. Das Charakteristische an der Science-Fiction ist, dass sie, ausgehend von Tendenzen, die sich in der Gegenwart abzeichnen, über Zukunftsszenarien spekuliert. Feministische ScienceFiction dient u.a. Donna Haraway, Rosi Braidotti, Anne Balsamo und Karin Giselbrecht als „Cyborg-Universum“, als Grundlage für Gegenkonzepte, als Schauplatz zur Erprobung möglicher cyberfeministischer Strategien und Praktiken. Während feministische Science-Fiction das Verwischen von Geschlechtermerkmalen und -grenzen in vergnüglicher und beispielhafter Weise ausprobiert, um so neue Formen der Körperlichkeit und Geschlechtlichkeit denkbar zu machen, bleiben herkömmliche ScienceFiction-Comics und -Videospiele oft in traditionellen Repräsentationsformen und Geschlechterrollen verhaftet. Zweigeschlechtlichkeit und Geschlechteridentität sind nicht zuletzt durch die Dominanz von männlichen Spiele-Entwicklern und Filmemachern patriarchalen Diktaten untergeordnet. Die Geschlechtergrenzen stellen sich hier als undurchlässig und starr heraus. Euphorie durch Technologie? Doch nicht nur die Science-Fiction gibt Auskunft über utopische, cyberfeministische Visionen. Auch die Technologien selbst geben Anlass zu visionären Gedankenspielen. Allein schon das Vorhandensein und die stetige Weiterentwicklung von Technologie entlocken Sadie Plant (2000) euphorische Visionen im Hinblick auf die Veränderung und Verbesserung von Le-

bensbedingungen. So würden die patriarchalen Strukturen der Weißen, männlichen Welt durch die globale Kommunikation und die Migration des Kapitals untergraben und Neue Technologien Stärke und Macht zu den Arbeiterinnen der „3. Welt“ bringen. IT erhöhe die Möglichkeiten zu kommunizieren, zu lernen und auf Informationen zugreifen zu können. Vor allem im Internet, das durch seine dezentrale und anti-hierarchische Struktur dazu beiträgt, Geschlechteridentitäten neu zu schreiben, sieht Plant das Potenzial zur Veränderung. Der Cyberspace wird oft als hierarchiefreies Terrain gepriesen, in dem alles dezentral organisiert ist und jede/r ihre/seine Meinung kundtun kann, in dem alternative Öffentlichkeiten existieren und demokratische Mitbestimmung und Gestaltung möglich sind. Das Internet als neue Weltordnung, als Mittel zur Errichtung einer Post-Gender Welt? Trotz dieser vielversprechenden Potenziale genügt schon ein kurzer Blick in das verheißungsvolle Medium, um zu einer ernüchternden Erkenntnis zu kommen: Pornografische und sexistische Darstellungen dominieren eine Großzahl der Seiten im World Wide Web, Rassismen und Sexismen sind in Cyberwelten genauso präsent wie traditionelle Macht- und Hierarchiestrukturen. Neben utopischen Visionen bedarf es also auch cyberfeministischer Strategien, um sich diesen Macht- und Herrschaftsverhältnissen entgegenzustellen und die Eintönigkeit und Wiederkehr stereotypisierter Geschlechterbilder aufzuheben.

Strategie und Ziel. Cyberfeministische Strategien verknüpfen feministische Anliegen mit künstlerischem und politischem Aktivismus. Von Women-OnlyMailinglisten hin zum Aufbau einer alternativen Netzkultur spannt sich der Bogen an Projekten. Gemeinsames Ziel ist die aktive Einmischung von Frauen in die Technologiegestaltung sowie die Unterwanderung des „Malestreams“. Der Mythos der männlichen Technik soll durch feministische Gegenkonzepte entlarvt und aufgebrochen werden. Geschlechterrepräsentationen sollen dekonstruiert, traditionelle Konzepte im Netz prinzipiell untergraben werden, sodass feministische Vorstellungen an Raum gewinnen können. Ob Cyberfeminismus die Chance für reale Veränderungen bietet? Die Voraussetzungen dafür sind denkbar schlecht: Jene Menschen, die dazu in der Lage sind, sich für cyberfeministische Anliegen einzusetzen, machen nur eine kleine Gruppe aus. Vorwiegend Weiße, gebildete Frauen aus Industrienationen haben Zugang zu den Neuen Technologien. Auch wenn die Anzahl der Userinnen stark wächst, so darf frau sich dadurch nicht zu euphorisch stimmen lassen. Daraus, dass immer mehr Frauen das Internet nutzen, lässt sich nämlich nicht ableiten, dass automatisch auch cyberfeministische Anliegen eingefordert werden. Um mit den Worten von Nancy Paterson zu sprechen: „Cyberfemmes are everywhere, but Cyberfeminists are few and far between.“ ❚

SubRosa: http://www.cyberfeminism.net Old Boys Network: http://www.obn.org VNS Matrix: http://x.sysx.org/vns Motherboard : http://www.notam02.no/motherboard

http://www.let.uu.nl/womens_studies/rosi/cyberfem.htm

Haraway, Donna (1995): Ein Manifest für Cyborgs. Feminismus im Streit mit den Technowissenschaften, in: dies: Die Neuerfindung der Natur. Primaten, Cyborgs und Frauen. Frankfurt/New York: Campus Verlag, 33-72.

Plant, Sadie (2000): On the Matrix. Cyberfeminist Simulations, in: Bell, David/Kennedy, Barbara (Hg.): 325-336

Braidotti, Rosi (1996): Cyberfeminism with a Difference

Cyborgs. Der Begriff „Cyborg“ (cybernetic organism) wurde von den amerikanischen Forschern Manfred Clynes und Nathan Kline eingeführt, die damit im Jahr 1960 ihre Vision eines Hybriden aus Mensch und Maschine beschrieben. Seither wurde der Begriff „Cyborg“ zumeist mit einem Wunschkörper in Verbindung gebracht, durch den die Erforschung des Weltalls und andere Träume der Menschheit ermöglicht werden sollten. Cyborgs sind hier von Anfang an ein wissenschaftlich-militärischer Traum. Doch ein Cyborg ist nicht bloß ein Organismus-Maschine-Hybrid, das als Experiment hinter verschlossenen Labortüren entsteht. Cyborgs existieren ebenso als ProtagonistInnen in der Popkultur, und auch wir Menschen sind zu Cyborgs geworden. Jene Menschen, deren Körper mit künstlichen Behelfen ausgestattet sind (z.B. Herzschrittmacher) sind genauso als Cyborgs zu bezeichnen, wie PatientInnen, die während einer Operation an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden. Es geht im Prinzip immer darum, den Menschen mit künstlichen Komponenten zu perfektionieren und/oder auszubessern. Die Figur des Cyborg bringt vormals eindeutig abgrenzbare Kategorien wie „Mensch“ und „Maschine“ durcheinander. Durch diese Vermischung der Bedeutungszuschreibungen wird nicht nur deren Grenzziehung und Unterscheidung durchlässig – es kommt generell zu einer Herausforderung der Dualismen, die im Zusammenhang mit politischen und gesellschaftlichen Herrschaftssystemen stehen. Besonders utopische Bereiche wie die Science-Fiction sind ideale Experimentierfelder für neue Identitätskonzeptionen.

april 2004an.schläge 23


an.sage

LEFÖ – Beratung, Bildung und

Sex in the City

Begleitung für Migrantinnen LEFÖ/TAMPEP: Gesundheitsprävention für Migrantinnen in

Die Novellierung des Prostitutionsgesetzes soll den Wiener Sexarbeiterinnen den Berufsalltag erleichtern. Meint zumindest Stadträtin Renate Brauner. Die Initiative LEFÖ ist da anderer Meinung und ortet eine Verschärfung der bisherigen Verhältnisse.

der Sexarbeit, www.lefoe.at

Kommentare müssen nicht mit der Redaktionsmeinung übereinstimmen.

Renate Brauner

LEFÖ

Die Ausübung von Prostitution ist kein Job wie jeder andere und soll es nach meiner Meinung auch nicht werden. Dass Menschen, hauptsächlich Männer, sich andere Menschen, hauptsächlich Frauen, kaufen können, kann niemals Normalität, sondern nur der Auswuchs eines patriarchalen Systems sein. Prostitution ist aber gesellschaftliche Realität und somit hat die Politik selbstverständlich die Aufgabe, die bestmöglichen Rahmenbedingungen zu schaffen. Prostituierte müssen möglichst sicher, gesund und selbstbestimmt leben können. Unter diesem Aspekt wurde die Novellierung des Wiener Prostitutionsgesetzes und des Wiener Landessicherheitsgesetzes entwickelt und am 29. Januar 2004 im Wiener Landtag beschlossen. Diesem Beschluss ist eine lange inhaltliche Diskussion vorausgegangen. In Abstimmung mit Frauenberatungsstellen, SozialarbeiterInnen, PolizistInnen und den Bezirken wurde nach einer Regelung gesucht, die Verbesserungen für Prostituierte bringt und für die Sicherheitskräfte praktikabel ist. Allerdings sind die Kompetenzen des Landes Wien bei der rechtlichen Gestaltung des Prostitutionswesens äußerst limitiert: Das Wiener Prostitutionsgesetz kann im Wesentlichen lediglich regeln, wo und wann Prostitution ausgeübt werden darf, Verwaltungsstrafen vorsehen, wenn die Regelungen übertreten werden und es kann regeln, welche gesundheitlichen Angebote Prostituierte erhalten.Wichtige Verbesserungen, wie die gewerberechtliche Stellung oder sozialrechtliche Absicherung, können nur auf Bundesebene beschlossen werden. Die Strafsätze für Prostituierte wurden generell auf weniger als ein Drittel der bisherigen herabgesetzt. Damit wurde ein konkreter frauenpolitischer Schritt gegen die Schuldenspirale gesetzt, die vielen Prostituierten einen Ausstieg erheblich erschwert. Die eingenommenen Strafgelder sind zweckgewidmet und fließen als zusätzliche Mittel Beratungsstellen und Projekten für Prostituierte zu. Eine Novelle im Wiener Landessicherheitsgesetz ermöglicht erstmals Anrainerinnen, sich gegen aufdringliche Freier zu wehren. Die Novelle sieht zudem eine Verbesserung der Gesundheitsvorsorge durch regelmäßige AIDS-Tests, ein strengen Kriterien unterliegendes Betretungsrecht für die Polizei und eine stärkere Verantwortung der Hauseigentümer vor. Frauenhandel und Zwangsprostitution gehören ohne Zweifel zu den größten Menschenrechtsverletzungen unserer Zeit und müssen mit allen Mitteln bekämpft werden. Hier bedarf es konkreter und gezielter internationaler Zusammenarbeit – und einer Anpassung der gesetzlichen Rahmenbedingungen auf Bundesebene. Denn Opfer von Frauenhandel und Zwangsprostituierte müssen befreit statt verhaftet und betreut statt abgeschoben werden. ❚

Das neue Wiener Prostitutionsgesetz stellt keinen Schritt in Richtung Liberalisierung dar, sondern bedingt in Wirklichkeit eine Verschärfung des bestehenden Kontrollsystems – auch wenn dies auf den ersten Blick nicht gleich sichtbar wird. Es scheint auch so zu sein, dass die Motivation offensichtlich mehr bei den Anliegen der AnrainerInnen als bei den Rechten der arbeitenden Frauen gelegen hat. So wurden z.B. die Verbotszonen ausgeweitet und die Legitimation festgeschrieben, bei „begründetem Verdacht“ der „illegalen Prostitution“, ohne vorherige gesetzliche Anordnung, ein Gebäude, eine Wohnung, ein Grundstück oder ein Fahrzeug zu betreten. Dies greift unserer Meinung nach die Grund- und Menschenrechte an. Weiters wurde die gesundheitspolizeiliche Kontrolle noch einmal ins Gesetz aufgenommen, obwohl es diesbezüglich bereits andere gesetzliche Bestimmungen gibt. Auch hier wird eine verstärkte Kontrollabsicht, die den Druck auf die Frauen nur noch erhöht, sichtbar. Die Senkung der Strafen finden wir grundsätzlich sehr begrüßenswert. Gleichzeitig möchten wir aber auch betonen, dass die Bemessung der Strafhöhe für Sexarbeiterinnen nach wie vor viel zu hoch ist und die Realität der Arbeits- und Lebensbedingungen von Sexarbeiterinnen (v.a. von Migrantinnen) leugnet. Es ist ein Vorurteil, dass (Geheim-)Prostitution ein finanziell einträglicher Erwerb wäre. Natürlich handelt es sich beim Wiener Prostitutionsgesetzes „nur“ um ein Gesetz auf Landesebene, das der Bundesgesetzgebung untergeordnet ist. Aber trotzdem zielt das Gesetz klar auf verschärfte Kontrolle ab und weniger auf die Unterstützung der Frauen, die in diesem Bereich tätig sind. So haben wir bereits in unserer Stellungnahme zum Novellierungsentwurf des Wiener Prostitutionsgesetzes gefordert: „Österreich benötigt eine neue, liberale und entkriminalisierte Prostitutionsgesetzgebung, die in einem einzigen Konzept Bundes- und Landesgesetze integrieren kann. Diese Gesetzgebung muss die Sexarbeiterinnen als Hauptakteurinnen sehen und die Frauen schützen und entkriminalisieren – und: sich endlich von der Vorstellung verabschieden, dass Prostituierte – mehr als andere Berufstätige – die öffentliche Ordnung stören würden!“ Abschließend möchten wir noch erwähnen, dass wir des öfteren versucht haben, bei der zuständigen Stadträtin Brauner einen Gesprächstermin zu bekommen, um unsere langjährige Erfahrung in der Arbeit mit Sexarbeiterinnen einbringen zu können. Leider war dies nicht möglich. ❚

24 an.schlägeapril 2004


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Frauenhetz – Feministische Bildung, Beratung und Kultur

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an.rissarbeit Arbeitsqualität? Ab 1. Mai 2004 haben Eltern bis zum 7. Lebensjahr bzw. bis zu einem späteren Schuleintritt ihres Kindes – unter bestimmten Bedingungen – das Recht auf Teilzeit bei gleichzeitigem Rückkehrrecht zur ursprünglichen Arbeitszeit. Damit sollte eine wesentliche Voraussetzung zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie geschaffen werden. Eine Studie im Rahmen der Evaluierung des NAP (Nationaler Aktionsplan für Beschäftigung), die im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen durchgeführt wurde, zeigt, dass 85 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten in Österreich Frauen sind. Dieser Anteil ist im internationalen Vergleich sehr hoch. Wesentlicher Grund hierfür ist, dass die Teilzeitbeschäftigung den Frauen als nahezu einzige Vereinbarkeitsstrategie angeboten wird; eine Benachteiligung am Arbeitsmarkt ist die Folge. Neben den vielen finanziellen Einschränkungen, zeigt ein näherer Blick auf die Situation, dass Teilzeit zumeist nur bis zur mittleren berufshierarchischen Position angeboten wird. Insgesamt sind Arbeitsplätze mit niedrigen hierarchischen Positionierungen bei Teilzeitbeschäftigten weit überrepräsentiert, obwohl deren formales Bildungsniveau in etwa jenem der Vollzeitbeschäftigten entspricht. Des weiteren sehen Teilzeitbeschäftigte ihre Aufstiegschancen als sehr gering an. Von ArbeitgeberInnenseite werden mit höherwertigen Tätigkeiten verknüpfte Anforderungen oft mit möglichst langer zeitlicher Anwesenheit gleichgesetzt, die im Rahmen von Teilzeitarbeit nicht möglich ist. Vorschläge für Gegenmaßnahmen gibt es genug, wie Ausbau qualitativ hochwertiger Teilzeitarbeit im öffentlichen Sektor, Förderung „selbstgewählter“ Arbeitszeiten, Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen und Sicherstellung der Nachmittagsbetreuung von SchülerInnen, Sicherung betrieblicher Qualifizierung und Aufstiegschancen, Initiativen zur Erhöhung des Anteils der Männer in Teilzeitbeschäftigung u.v.m. Jetzt geht es nur noch um die Umsetzung… svh

und zwei Prozent aus der ArbeitnehmerInnenförderung des Landes beigesteuert werden, 45Prozent stammen aus KundInnenbeiträgen, 17.000 Euro sind Eigenmittel der Volkshilfe. „Haus und Garten“ ist ein Projekt, das in die richtige Richtung weist, aber ein paralleles Projekt mit weniger rollentypischen Inhalten wäre wünschenswert. svh

Fo t o : Ka r i n E c k e r t

teilzeit

ögb-beratung

Gesamte Studie „Qualifizierte Teilzeitbeschäftigung in Österreich. Bestandsaufnahme und Potenziale“ unter http://www.lrsocialresearch.at

beschäftigungsprojekt

„Haus und Garten“ Über das Frauenbeschäftigungsprojekt „Haus und Garten“ der Service Mensch GmbH der NÖ Volkshilfe in Wiener Neustadt finden durchschnittlich achtzig Frauen pro Monat eine Beschäftigung. Neben einem neuen Dienstleistungsangebot (Wohnungsputz, Entrümpelungen, Wäscheservice, Gartenpflege, Pflanzenversorgung etc.) soll mit diesem Projekt langzeitarbeitslosen Frauen, Wiedereinsteigerinnen und Frauen in Betreuungspflichten „eine Berufsorientierung, gutes Training und Schulung und damit eine Qualifizierung zur modernen Dienstleisterin angeboten werden“, so Landeshauptmannstellvertreterin Liese Prokop. Das Langzeitprojekt läuft seit 1997 und bisher wurden mehr als 3.000 Frauen als sogenannte Transitarbeitskräfte betreut. Durchschnittlich werden sechzig Prozent der Teilnehmerinnen intern vom Gesundheits- und Pflegeservice der NÖ Volkshilfe übernommen bzw. am „freien Markt“ vermittelt. Seit 2001 ist dieses Projekt zur Dauereinrichtung mit klaren arbeitsmarktpolitischen Zielvorgaben geworden. Die niederösterreichische Landesregierung hat die weitere Förderung des Projektes beschlossen. Die Gesamtkosten liegen pro Jahr bei 694.000 Euro, wobei rund dreißig Prozent vom AMS Niederösterreich

All inclusive

Unter dem Motto „Ihr Recht ist unser Ziel!“ sind jetzt alle Beratungsstellen des Österreichischen Gewerkschaftsbundes unter einem Dach vereint. Am 5. März eröffnete der ÖGB in Wien sein neues Beratungszentrum. Sowohl Gewerkschaftsmitgliedern als auch Nicht-Mitgliedern steht damit ein umfangreiches Beratungsangebot zur Verfügung: FlexPower-Beratung für atypisch Beschäftigte – hier erhalten DienstnehmerInnen und Neue Selbständige kostenlos Auskunft zu Fragen des Vertrags-, Steuer- und Sozialrechts (Beratungszeiten: jeden Mittwoch von 14-18.00 Uhr, Terminvereinbarung erforderlich), Mobbing-Beratung (Terminvereinbarung erforderlich), Beratung für Menschen mit Behinderung (Beratung ist sowohl telefonisch als auch – nach Terminvereinbarung – persönlich möglich), Rechtsberatung der ÖGB-Zeitung „Solidarität“ – sie bietet Unterstützung bei Rechtsangelegenheiten abseits vom Arbeitsrecht (keine Voranmeldung erforderlich. Beratungszeiten: Dienstag und Donnerstag von 16.30-18.00 Uhr) und muttersprachliche Beratung für MigrantInnen – hier können sich MigrantInnen, die in der Gewerkschaft sind, auf Bosnisch, Kroatisch und Serbisch arbeitsrechtlich beraten lassen (Terminvereinbarung erforderlich). Geleitet wird das Beratungszen-trum von Elisabeth Rolzhauser, die im ÖGB bereits die FlexPower-Beratung für atypisch Beschäftigte aufgebaut hat. svh ÖGB-Beratungszentrum, Wipplingerstraße 33, 1010 Wien, T. 01/534 44-580, e-mail: beratungszentrum@oegb.at, http://oegb.or.at, Terminvereinbarungs- und Öffnungszeiten: Mo-Do 8-16.00, Fr 8-13.00

april 2004an.schläge 27


Fo t o : S a b i n e S c h w a i g h o fe r

frauenarmutösterreich

Hauptsächlich arm Die politischen Reformen der letzten Monate und Jahre haben die finanzielle und soziale Situation vieler Frauen in Österreich dramatisch verschärft. Aussagekräftige und aktuelle Daten zur tatsächlichen Frauenarmut werden vorsichtshalber erst gar nicht erhoben. Von Michaela Moser Liest frau den Entwurf für die bundesweite Sozialhilfereform, der am 18. März bei einer Enquete in der Wiener Volksanwaltschaft präsentiert wurde, könnte sie glatt an ein mögliches sozialpolitisches Wunder glauben. Ein vom Arbeitsund Sozialrechtler Walter Pfeil „als Diskussionsvorschlag“ ausgearbeitetes Modell wurde von Sozialminister Haupt in einem Interview mit dem Standard zumindest als finanzierbar bezeichnet. Doch das vordergründig gut klingende Konzept hat für Frauen einige Haken. 28 an.schlägeapril 2004

Das Modell. Konkret soll die derzeitige Sozialhilfe, deren Höhe und Vergabepraxis von Bundesland zu Bundesland äußerst unterschiedlich sind, durch eine „soziale Mindestsicherung“ in Höhe von 652 Euro für all jene ersetzt werden, „die zur Führung eines selbstbestimmten Lebens und zur Vermeidung sozialer Ausschließung der Hilfe der Gemeinschaft bedürfen“. Zumindest der Aufwand für Lebensunterhalt und Unterkunft, für Nahrung, Bekleidung, Körperpflege, Hausrat, Heizung und Strom soll damit abgedeckt werden. Neu und erfreulich

ist neben dem erhöhten Betrag, dass es Rechtsanspruch auf diese Sozialleistung geben soll, und zwar für alle Personen, „die zu einem Aufenthalt von mehr als drei Monaten in Österreich berechtigt sind“, was den bisher massiv eingeschränkten Zugang für MigrantInnen verbessern würde. Der Zugang soll außerdem unbürokratischer werden, wodurch sich die Zahl der BezieherInnen (derzeit rund 90.000) nach Schätzungen mindestens verdoppeln würde. Heute zumindest theoretisch geltende Rückzahlungspflichten sind im neuen


österreichfrauenarmut Modell nur mehr bei Vermögen, etwa durch eine Erbschaft, vorgesehen. Dieser Vorschlag erfüllt in vieler Hinsicht einige langjährige Forderungen, hat jedoch auch seine Grenzen. Denn selbst ein derart verbessertes System wird kaum in der Lage sein, auszugleichen, was die letzten Jahre für Frauen und Männer im unteren Einkommensbereich an Verschlechterungen gebracht haben. Den Namen Mindestsicherungskonzept verdient der Entwurf – bei aller Wertschätzung für seine positiven Elemente – jedenfalls nicht. Dafür fehlt der garantierte Zugang zu qualitativ hochwertigen sozialen Dienstleistungen in der Gesundheitsversorgung, Bildung oder im öffentlichen Verkehr. Arbeitsmarktpolitik müsste parallel dazu dafür sorgen, dass ArbeitnehmerInnen von ihren Löhnen leben können und Arbeitsplatzbeschaffungsmaßnahmen von Freiwilligkeit und Respekt für die Betroffenen geprägt sind. Auf spezifische Bedürfnisse von Frauen wird in Pfeils Modell kaum eingegangen. Gerade aber die Situation von in Armut lebenden Frauen hat sich in den letzten Jahren dramatisch verschärft. Für fünfzig Prozent aller Frauen bringt die Steuerrefom wider alle Versprechungen nichts, weil sie über gar kein oder ein zu geringes Einkommen verfügen, um überhaupt Einkommenssteuer zu zahlen. Belastet werden sie jedoch durch die in den letzten Jahren angestiegenen Abgaben etwa im Gesundheitsbereich. Durch die Koppelung von Kinderzuschlägen an den AlleinverdienerInnenabsetzbetrag wird zudem das Familienmodell „männlicher Ernährer – Frau daheim beim Kind“ gefördert. Eltern, die beide im annähernd ähnlichen Ausmaß berufstätig sind, verlieren unter bestimmten Umständen beträchtliche Steuervorteile. Pensionsreform. Der zweite Nationale Aktionsplan zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung, von der Österreichischen Bundesregierung im Vorjahr vorgelegt, sieht vor, dass allfälligen Benachteiligungen in der Altersversorgung durch die Pensionsreform entgegengewirkt werden soll. Nach wie vor ist jedoch die eigenständige Altersver-

sorgung für Frauen nicht gesichert. Die durchschnittlichen Pensionen von Frauen sind erschreckend niedrig. 16 Prozent der Frauen über sechzig haben weder eine eigene noch eine Witwenpension. Die durchschnittliche Eigenpension lag bei den Neuzuerkennungen 2002 bei monatlich 683 Euro und erreichte damit weniger als die Hälfte der mittleren Männerpension (1.427 Euro). Selbst wenn im Zuge der Ausweitung des Durchrechnungszeitraums pro Kind drei Jahre abgezogen werden können, kommt es zu drastischen Pensionsverlusten für Frauen – ein Resultat der insgesamt niedrigen Bewertung von Kindererziehungszeiten sowie zu geringer Aufwertungsfaktoren für lang zurückliegende Einkommen. Auch Bildungskarenz wirkt sich zukünftig negativ auf die Pensionshöhe aus und wird zum Luxusgut. Die Erhöhung der Ausgleichszulage bringt nur einem geringen Prozentsatz Verbesserungen, die viel zitierten Einmalzahlungen aus dem Härtefonds sind Anzeichen für ein zunehmendes Gnadenwesen in der Sozialpolitik. Kein Gendermainstreaming. Ein Bericht der EU-Kommission zu den im Vorjahr vorgelegten sozialen Aktionsplänen vermerkt gleich zu Beginn, dass einige Mitgliedstaaten zwar „allmählich“ ihr KnowHow in Sachen Gendermainstreaming weiterentwickeln würden, diese jedoch „nicht systematisch mit eindeutigen Zielsetzungen“ unterlege. Kein Wunder, dass es zumeist auch an konkreten Strategien zur Bekämpfung von Frauenarmut fehlt. Das gilt auch für den österreichischen Aktionsplan zur Bekämpfung von Armut und Ausgrenzung 2003-05 (NAP inclusion). Weder Wohnungslosigkeit noch Fragen der Überschuldung und Straffälligkeit werden hinsichtlich der besonderen Situation von Frauen analysiert. Kinderbetreuungsgeld (440 Euro/Monat) und Familienhospizkarenz werden als „bewährte Maßnahmen“ der Armutsbekämpfung gepriesen, von denen im Sinne einer besseren Vereinbarung von Familie und Beruf besonders Frauen profitierten. Die sogenannte „Integrationsvereinbarung“ bezeichnet der NAP inclusion als wichtigen Beitrag zur Integration von Migrantinnen, „die oft

aus Ländern mit ausgeprägten geschlechtsspezifischen Diskriminierungen“ stammen. Als „Schlüsselziel“ wird ein Mindestlohn von 1.000 Euro (für Vollerwerbstätigkeit) angeführt. Für dessen tatsächliche Einführung, von der primär Frauen profitieren würden, fehlt derzeit jegliches Anzeichen. Forschung. Doch es fehlen auch aktuelle und aussagekräftige Daten zur Frauenarmut in Österreich. Laut aktuellem Sozialbericht leben 200.000 Frauen (4,9 Prozent) in akuter Armut (bei Männern: 2,9 Prozent), fast drei Mal so viele Frauen leben an der Armutsgrenze. Diese aktuellsten verfügbaren Zahlen stammen jedoch aus dem Jahr 2000, ihre Aussagekraft im Hinblick auf die Realität im Jahr 2004 darf in Frage gestellt werden. Zudem gehen diese – wie auch so gut wie alle anderen Armutszahlen – immer vom Haushaltseinkommen und dabei von einer fairen Einkommensverteilung innerhalb eines Haushalts aus. Erfahrungen aus Frauenberatungsstellen und Frauenhäusern lassen mehr als berechtigte Zweifel an dieser Annahme zu. Die Naivität, mit der die Mainstreamarmutsforschung hier operiert und völlig unhinterfragt von konsensualen Verhältnissen in den Haushalten ausgeht, offenbart den Mangel an feministischen Ansätzen in diesem Forschungsbereich. Eine wichtige feministische Forderung ist deshalb der Übergang vom Haushaltsprinzip zu einem Individualprinzip beim Bezug von Sozialleistungen. Bis zu ihrer Durchsetzung ist noch ein langer Weg zu gehen. In der Zwischenzeit gäbe es einiges zu tun. So liegt bislang nur für das Bundesland Salzburg ein Frauenarmutsbericht vor. Im Wiener Gemeinderat wurde ein entsprechender von der Grünen Gemeinderätin Monika Vana eingebrachter Antrag abgelehnt. Auch in Vorarlberg wurde die Finanzierung eines Armutsberichtes von der Landesregierung abgelehnt. Auf Bundesebene lässt ein umfassender Frauenbericht seit Jahren auf sich warten. Vor allem eine Studie zur Ressourcenverteilung innerhalb Österreichs Haushalte ist als Argumentationsgrundlage für dringend benötigte sozialpolitische Veränderungen unverzichtbar. Auch hier müssen wir wohl auf ein Wunder warten! ❚

http://www.frauenarmut.at Den Salzburger Frauenarmutsbericht gibt es unter http://www.stadt-salzburg.at zum downloaden

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kulturan.riss literaturtage

Verwandlungen Vom 22. bis 25. April finden die 5. Bad Tatzmannsdorfer Literaturtage unter dem Motto „Verwandlungen“ statt. Dort setzen sich die TeilnehmerInnen mit den verschiedenen Wahrnehmungsweisen auseinander, etwa mit dem Aufspüren, Arrangieren, Weiterent-wickeln und Verwandeln von Fundstücken. Ziel ist es, neue Perspektiven zu gewinnen. Interessierte sollten Freude am spielerischen Umgang mit der Sprache – Hochsprache oder Mundart – mitbringen. Durch diese Werkstatt führen: Petra Ganglbauer, freischaffende Autorin und Vizepräsidentin der Grazer AutorInnenversammlung, Gertrude Moser-Wagner, Lehrbeauftragte an der Akademie der Bildenden Künste und an der Ange-wandten in Wien sowie Elisabeth Wörndl, die in Salzburg und Mondsee lebt und arbeitet. Beginn ist am Donnerstag, den 22. April 2004, 17 Uhr im Café Krone, Hauptplatz. Die Teilnahmegebühr beträgt 62 Euro. heko Infos: Marlene Harmtodt-Rudolf, Lehargasse 4, 7431 Bd. Tatzmannsdorf, T. 03353/8310, e-mail: quellengeist@aon.at

zensur

Fo t o : E v a D ra n a z

Kirche im Untergrund

theaterprojekt

irre desinfiziert „Waunst laung depat bist, kaunst glei aufd Baumgoartner Höh’ geh…“ Bitte! Gerne! Gibt es doch wieder Gelegenheit einem Theaterstück an einem Originalschauplatz beizuwohnen. Tina Leisch, Film-, Text- und Theaterarbeiterin, startet in Wien bereits ihr drittes Projekt, das sich mit Zeitgeschichte auseinandersetzt. Der Ort diesmal: das Jugendstiltheater am Steinhof. „Irrgelichter im Spiegelgrund – Eine Desinfektion“ spielt im Jahr 1934. Eine sozialistische Freiheitskämpferin flüchtet vor der Verfolgung durch die Heimwehr in die Anstalt am Steinhof. Dort begegnet sie verschiedenen zeitgeschichtlichen ProtagonistInnen: Margarethe Trude Neumann, Tochter von Theodor Herzl. Oder Friedl Roth, Ehefrau von Joseph Roth. Sie trifft auf VertreterInnen der Individualpsychologie, Psychoanalyse und Rassenhygiene. Ideologische Diskurse entbrennen außerhalb der „normalen“ Welt sowohl zwischen PatientInnen als auch zwischen MedizinerInnen. Interessant ist die Konzeption des Stückes. Einerseits bilden historische Recherchen die Basis, andererseits entwickelten sich Inhalte aufgrund der Zusammenarbeit mit PatientInnen des Otto Wagner-Spitals. Das Ensemble setzt sich zusammen aus ProfischauspielerInnen und PatientInnen der Abteilung für forensische Psychiatrie und Alkoholkranke. Entspanntes Zurücklehnen im ZuschauerInnensessel ist bei Leischs neuem Stück auch dieses Mal nicht drinnen – glücklicherweise. Diskussionen rund um aktive und passive Sterbehilfe, gentechnische und gentherapeutische Forschungsmethoden, pränatale Diagnostik zeigen: das Thema der Ausgrenzung von „Ver-Irrten“ ist keineswegs abgeschlossen. PÖ 1., 4., 7. - 11., 13., 15., 16., 18., 20. - 22. April 2004, Jugenstiltheater am Steinhof, Baumgartner Höhe 1, 1140 Wien, Karten: T. 0699/104 08 608, e-mail: karten@irrgelichter.at

30 an.schlägeapril 2004

Eine Künstlerin wird wegen einer künstlerischen Arbeit zu sechs Monaten Freiheitsbeschränkung verurteilt. Sie darf ihre Heimatstadt Gdansk nicht verlassen. Wie kam es zu diesem Skandal? Dorota Nieznalska hatte in einer Installation eine fotografische Abbildung des männlichen Geschlechtsteiles auf einem Kreuz montiert. Die „Liga der polnischen Familien“, eine Partei, die ihren Rückhalt vor allem in rechtskatholischen, nationalistischen Kreisen hat und mit 38 Abgeordneten im pol-nischen Parlament vertreten ist, protestierte heftigst. Artikel 196 des Strafgesetzbuches sieht bis zu zwei Jahre Gefängnisstrafe für die „Beleidigung religiöser Gefühle“ vor. Die Verurteilung Nieznalskas löste eine Protestwelle aus. Die vielgerühmte „Freiheit der Kunst“ ist immer vom gesellschaftlichen Kontext abhängig. Wie Anna Kowalska in der „Springerin“ schreibt, werden künstlerische Arbeiten in Polen noch immer am Kanon der ästhetischen und moralischen Werte der Kirche gemessen, denn zwei wesentliche Traditionen, die in Westeuropa und Nordamerika die Kultur veränderten, würden in Polen fehlen: der Underground und die Psychoanalyse. Deswegen kann auch der Begriff der „postfeministischen“ Kunst nicht so einfach übernommen werden, da der Kontext ein anderer ist. „Den Spagat zwischen den Anforderungen der reaktionären DiskurswächterInnen und denen eines profitorientierten Kunstmarktes in Westeuropa schaffen verständlicherweise nur wenige Künstlerinnen“, schreibt Kowalska. kek Infos: http://www.spam.art.pl/nieznalska Unterstützungserklärungen an e-mail: dorota.nieznalska@wp.pl

debatte

Moraks Putzfrau Kürzlich veranstaltete das Magazin „Profil“ in den Räumen der Secession eine Diskussion zur Freiheit der Kunst. Agnes Husslein, Museumsdirektorin des Salzburger Rupertinums, war geladen und berichtete noch einmal von dem Vorfall um die KünstlerInnen-gruppe Gelatine: Eine männliche Skulptur, die sich rückwärts selbst in den Mund


an.risskultur pinkelte – eine Persiflage an Männer, die sich zu ernst nehmen – hatte 2003 für Aufregung gesorgt. Salzburgs Bürgermeister Schaden hatte äußerst untergriffig gemeint, die sexuellen Fantasien der Frau Husslein sollten nicht so öffentlich zur Schau gestellt werden! Die Skulptur musste abtransportiert werden. Wer garantiert also die Freiheit der Kunst? Wer schmeißt sich für die Kunst in die Bresche? PolitikerInnen bemühen sich doch so: Kunst Staatsekretär Franz Morak zum Beispiel. Er erzählt von der Putzfrau eines Nachbarn, die doch glatt ein Brett-Kunstwerk des Padhi Friedberger verräumte, „und er kann noch froh sein, dass sie es nicht in den offenen Kamin steckte!“ Wie wir schon immer wussten: Putzfrauen sind gegen die Freiheit der Kunst. Und Kunst hat nichts mit elitärem Wissen oder Kunstverständnis zu tun, sondern mit einer Art angeborener Sensibilität!! kek

heim.spiel

Eva Steinheimer

Nebenbei

festival

Musikalische Reife

Fo t o : r e d s e p o v a

Fo t o : S t e i n h e i m e r p r i v a t

Musik vom Balkan ist mehr als die Wiener Tschuschenkapelle – eine etwas lapidare Bemerkung, aber wahr (obwohl die Kapelle selbstverständlich ihre Qualitäten hat und immerhin eine Vorreiterin musikalischer Darbietungen von „da drüben“ gewesen ist). Vom weiten musikalischen Spektrum des Balkans kann sich frau bei „Balkan Fever“, dem 1. Internationalen Balkan Festival in Wien vom 16. April bis 16. Mai 2004 überzeugen. Einmal mehr bietet sich bei „Balkan Fever“ die Gelegenheit, Einblick in das künstlerische Schaffen dieser, von den Medien oft als für einen EU-Beitritt zu unreif dargestellten Länder zu gewinnen – und zwar abseits von der Wirtschaftsmainstream-Berichterstattung. Die Repräsentation des Balkans als Ort ständiger kreativer Modernisierung steht für die OrganisatorInnen des Festivals im Mittelpunkt. Vertreten sind Musikerinnen wie Matilda Leko, Jazz- und Bossa-Sängerin aus Novi Sad. Esma Redzepova, „Queen of the Gypsies“. Oder Aleksandra Tehovnik, eine aus der Steiermark stammende Schauspielerin und Jazz-Sängerin mit Band. Frau darf hoffen, dass endlich die Gewissheit in das Bewusstsein der ÖsterreicherInnen sickert, dass Balkan-Länder-BewohnerInnen mehr sind als billige LohnarbeiterInnen. PÖ

Noch kurz vor Lennis Geburt vor zwei Jahren hatte ich einen Projektantrag fertig geschrieben, und bekam in der Folge tatsächlich eine Zusage: Abgabetermin März 2004. Im März 2003 sagte ich – zwischen Stillen, Babyschleppen und Schlaflosigkeit – dann auch zu. Bis in einem Jahr würde das schon irgendwie gehen. Die Betonung liegt auf irgendwie. Untertags kann ich das Arbeiten natürlich vergessen. Lenni ist ein so enthusiastischer Helfer, dass kein Stein auf dem anderen bleibt. Er schleppt Bücher davon, reißt Seiten heraus, malt mit Stiften herum – wo auch immer er die herzaubert. Sobald ich beim Computer sitze, will er auf meinen Schoß. Mit der einen Hand halte ich dann ihn in Schach, während ich mit der anderen im Adlersuchsystem ein paar Notizen oder auch mal ein e-mail tippe. Dann klettert Lenni weiter, auf den Heizkörper und dann auf das Fensterbrett – mit einer Hand kann ich ihn gerade noch an einem Ärmel, einem Hosenbein festhalten – dann hat er es geschafft: mangels Teleskoparm verlasse ich meinen Sessel und verfolge den Kletterer. Abends zu arbeiten ist aus mehreren Gründen mühsam: erstens bin ich einfach zu müde und nicht mehr sehr produktiv, zweitens geht Lenni ja nicht gerade früh ins Bett und im anderen Zimmer mit Papa zu spielen, während ich am Computer neben der interessanten Heizung und dem spannenden Fensterbrett sitze, ist natürlich nicht drin. Bleiben die Wochenenden. Zum Glück hab ich eine gute Freundin, die großzügig ihr WG-Zimmer mit mir teilt – auch wenn ich sie Samstagvormittag schon mal aus dem Bett werfe. Das erinnert dann an die gemeinsame Zeit im StudentInnenheim… Daheim läuft derweilen alles gut, Vater und Sohn freuen sich anscheinend beide über die Abwechslung. Leider kommt ständig was dazwischen, das meinen Abgang hinauszögert: ständig ist eine/r krank oder es geschieht eine der hundert kleinen Alltagskatastrophen (die Konsequenzen undichter Windeln, die am besten vier Erwachsenenhände zur Beseitigung brauchen, will ich lieber nicht so genau schildern). Aber irgendwann komme ich dann doch zum Arbeiten – irgendwie so nebenbei.

16.4. - 16.5.2004, Karten: T. 01/405 34 65, e-mail: office@tunnel-vienna-live.at., http://www.balkanfever.com

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Fo t o : H e r m a n n R i c h t e r

weinviertelfestival

Bewegt durchs Leben Einen kulturellen Höhepunkt nach dem anderen hat das niederösterreichische Weinviertel ab April zu bieten. Einige davon hat Gabi Horak gesammelt.

Was haben eine 81-jährige Hebamme, eine sozial engagierte Leiterin eines Hilfsprojektes und eine lehrende Ethnologin gemeinsam? Sie alle leben im Weinviertel und wurden für das Buchprojekt „Bewegte(s) Leben“ von Gabriele Lempradl porträtiert und von Hermann Richter fotografiert. In oft mehrstündigen Gesprächen erzählten insgesamt 14 Frauen über ihre Kindheit, ihre Familien, 32 an.schlägeapril 2004

ihre Arbeit und schwelgten in schönen wie auch unliebsamen Erinnerungen. Das Buch vereint ihre Lebensgeschichten, gleichzeitig werden die unterschiedlichen Seiten weiblicher Existenzen durch die Fokussierung auf bestimmte Themen sichtbar gemacht – beispielsweise „Frauen und Krieg“ oder „Frauen und Weinbau“. „Allen Frauen war gemeinsam, dass sie sehr bewegt durchs Leben gingen“,

erinnert sich Gabriele Lempradl, „sie setzen ihre Kraft, ihren Mut und ihre Stärke ein, um all das zu verwirklichen, was sie sich unter einem erfüllten Leben vorstellen. Das Motto der Frauen scheint zu sein: In Bewegung bleiben.“ Frauen und Arbeit. Im Themenschwerpunkt „Frauen und Arbeit“ wird stellenweise sichtbar, was Statistiken bereits wissen: Die Arbeitsmarktsituation ist


festivalweinviertel auch in Niederösterreich gespannt – gerade für Frauen, noch mehr in den Grenzregionen.„Viele Frauen sind im Dienstleistungsbereich beschäftigt und vielfach unter ihrer eigentlichen Qualifikation eingestellt und eingestuft. Teilzeitarbeit ist gerade bei Frauen stark im Zunehmen begriffen“, weiß Christa Bogath, Frauenreferentin der Niederösterreichischen ArbeiterInnenkammer und Vorsitzende der ÖGB-Frauen in Niederösterreich. Im Jahr 2002 betrug das mittlere weibliche Einkommen in Niederösterreich 1.200 Euro, knapp sechzig Prozent der berufstätigen Frauen können selbst kaum einen eigenen Haushalt finanzieren. Diese Zahlen hat Gabriele Lempradl bei der Vorbereitung zur Wanderausstellung, basierend auf dem Buchprojekt, gesammelt und damit die biografischen Inhalte ergänzt. Ihr Ziel ist es, sichtbar zu machen, dass viele Handlungen, die Frauen setzen, meist als selbstverständlich hingenommen werden. „Dass Frauen sich aber als wahre Meisterinnen im Zeitmanagement, in der Organisation oft alltäglicher Dinge, im Konfliktmanagement etc. entpuppen, bleibt in der Öffentlichkeit all zu oft verborgen.“ Festival-Tourismus. Sichtbar machen von vermeintlich Verborgenem – so könnte das Motto des gesamten Weinviertel-Festivals lauten. Die Ausstellung „Bewegte(s) Leben“, die ein Stück der Lücke zu füllen versucht, die durch das Ignorieren weiblicher Lebensrealitäten und dem daraus resultierenden Fehlen zeitgenössischer Quellen entstanden ist, ist ein Beispiel für zahlreiche ambitionierte Projekte im Rahmen des Festivals. Das Weinviertel-Festival ist Teil des Niederösterreichischen Viertelfestivals, das auf Anregung des Landes Niederösterreich aus der Taufe gehoben wurde. 2001 wurde mit dem WaldviertelFestival begonnen, 2002 folgte das Mostviertel und im vergangenen Jahr stand das Industrieviertel ganz im Zeichen kultureller Höhepunkte. „Über zweihundert Veranstaltungen an etwa hundert Festspiel-Orten verwandeln das gesamte Weinviertel und Teile des angrenzenden Südmährens und der Westslowakei in die größte und vielfältigste Kulturbühne Österreichs“, freut sich Stephan Gartner, Geschäftsführer

des Vereins Weinviertel-Festival 2004. Klingt nach Marketing, ist es auch. Dass das Kulturfestival in erster Linie als „touristisches Zusatzangebot“ entwickelt wurde, um mehr Gäste ins hügelige Land zu holen, wird gar nicht erst verheimlicht. Die Weinviertel Tourismus GmbH jubelt über „unmittelbare touristische Wertschöpfung“ und eine „unschätzbare Marketingaktivität“. Den örtlichen KünstlerInnen und Gruppen mit ihren vielfältigen Ideen ist es wohl zu verdanken, dass das Weinviertel-Festival weit mehr zu bieten hat, als nur gut gelungene Marketing-Strategie zu sein.

Zielgruppe von „Radost – Freude“, initiiert von der Caritas-Einrichtung Turmhof in Retz. Die beim Kreativ-Workshop im Juli erstellten Arbeiten werden bei anschließenden Ausstellungen in Wolkersdorf und Znaim präsentiert und verkauft. Wie bei den meisten Veranstaltungen sind auch hier Eintritt und Teilnahme kostenlos.

Ladys und Weiber. Grenzüberschreitend ist auch die Aktion „Portrait of a Lady“, eine „nachbarschaftliche Menschenerkundung nach Käthe Kunstmaler“: Sechs Weinviertler Künstlerinnen treffen im Juni auf jeweils drei tschechische und slowakische Kolleginnen, sie bilden Paare und jede porträtiert ihr Grenzen überschreiten. Vom 1. April bis Gegenüber und erfährt die andere so 31. Oktober werden 113 Einzelprojekte über die eigene Arbeit. Interessierte im nordöstlichen Niederösterreich gezeigt, gespielt, gefeiert. Dabei legt etwa können den Arbeitsprozess tagsüber verfolgen, abschließend werden die ferein Drittel der Projekte den Focus auf tigen Arbeiten in einer Ausstellung im grenzüberschreitende Themen oder Juni präsentiert. Aktionen. Wenn „Medea“, „Die heilige JunDie gesamte Festspielzeit etwa lafrau“ Jeanne d’Arc, Hermia/Helena aus den rund siebzig bildende KünstlerIn„Sommernachtstraum“ und Martha aus nen im Weinviertel, in Südmähren wie in der Westslowakei an den Wochenen- „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ an einem Abend auf die Bühne gebracht den zu den Tagen der offenen Ateliers. Der dreisprachige Atelierführer, der den werden, dann verspricht das einen außergewöhnlichen Theaterabend. Die BesucherInnen bei der Orientierung Theatergruppe T.A.B.U. (Theater Als Behelfen soll, wird zum Auftakt am 16. wusster Umgang) zeigt in ihrer Collage April in Mistelbach präsentiert. „Berauschte Weiblichkeit“ vier FrauenfiEinen Tag vor dem Tag der Arbeit, guren der klassischen Dramaturgie, die am 30. April, findet am Grenzübergang Drasenhofen ein schwungvolles Begeg- unterschiedlichste „Rauschzustände“ durchleben: Vom Blut- bis zum Alkoholnungsfest mit den NachbarInnen der Tschechischen Republik statt: Musikan- rausch. „Zugleich ist der Rausch nicht nur ein zutiefst weinviertlerischer BetInnen, SängerInnen und TänzerInnen griff, sondern in seiner Bedeutung als überschreiten gemeinsam die Grenze, um sie gleichzeitig hinter sich zu lassen. Synonym für das Betrunken-Sein auch ein dominantes Thema in der Region“, „Der grenzüberschreitende Mai-Steig“ versteht sich auch als Happening anläss- weiß die Theatergruppe. Auf die mangelnde Präsenz von lich des EU-Beitritts der Tschechischen Frauen im Weinviertel aufmerksam maund Slowakischen Republik, deshalb chen möchte der Verein FRAULenzen wird am 1. Mai im Schloss Mikulov in mit dem Frauenkabarett „lauteR WeiNikolsburg bei einem tschechischber“. Gemeinsam mit der Theaterösterreichischen Frühschoppen auch pädagogin Beate Leyer wird ein Stück gleich weiter gefeiert. erarbeitet, das diese Defizite aufzeigen Den „Roma in der Slowakei“ widmet sich eine Fotoausstellung von Mag- will. Die insgesamt zehn Künstlerinnen planen im übrigen eine Weiterentwickdalena Frey und Tibor Huszár, die im September eröffnet wird. Sie haben den lung des Projektes für die kommenden Jahre – ein sechs Monate langes FestiAlltag der an den Rand der slowakival kann schließlich nicht aufholen, was schen Gesellschaft gedrängten Roma porträtiert und stellen diesen Bilder aus Jahrzehnte lang versäumt wurde. Nicht zufällig hat Gabriele Lempradl im Leben dem Leben im Weinviertel gegenüber. Kunstschaffende mit Behinderung der Weinviertlerinnen das Motto „In Bewegung bleiben“ erkannt. ❚ aus Österreich und Tschechien sind die

Festivalbüro: T. 02572/342 34-0 e-mail: office@weinviertelfestival.at http://www.weinviertelfestival.at

Wanderausstellung „Bewegte(s) Leben“ 3.-12.4.: Museum Hohenau an der March 16.-23.4.: Kulturzentrum Korneuburg 30.4.-5.5.: Veranstaltungszentrum Sinnvoll, Aderklaa 7.-14.5.: Stadt Café Schneider, Hollabrunn 15.-23.5.: Schloss Thürnthal, Fels am Wagram 7.-15.8.: forumschlosswolkersdorf, Wolkersdorf 17.-26.9.: Bürgerspital, Laa/Thaya Infos: Gabriele Lempradl, T. 0664/93 66 498, e-mail: gabse@aon.at

Das Buch „Bewegte(s) Leben“ ist im Verlag Bibliothek der Provinz erschienen.

april 2004an.schläge 33


Fo t o : M a g d a l e n a B l a s zc z u k

interviewannie sprinkle

„Großartige Loverin“ Annie Sprinkle, ehemals Prostituierte und Pornostar, heute wichtige Persönlichkeit der

„Sex-Positive-Feminist“-Bewegung, war zu Gast in Wien. Zum Gespräch gebeten hat sie Klaudia Gruber, Interview-Assistenz: Johanna Schaffer Pünktlich zum Internationalen Frauentag zeigte Annie Sprinkle auf Einladung des Kosmos Theaters in Wien ihre Performance „Annie Sprinkle’s Herstory of Porn“, eine biografisch persiflierte Überblicksshow mit Ausschnitten aus den Pornofilmen aller ihrer Lebensund Schaffensperioden. Als eine der ersten Frauen in der Position der Produzentin/Regisseurin/Drehbuchautorin stellte sie ab den 1970er Jahren selbst Pornofilme und Erotica her. Sie hat ein eigenes Genre von Pornofilmen kreiert, 34 an.schlägeapril 2004

die sich als feministischer Art-Porn verstehen. Alle ihre neueren Arbeiten verführen auch das Zwerchfell, so hat sie kurzerhand den „laughasm“ erfunden. Die ehemalige Prostituierte ist neben der Kunstarbeit gegenwärtig auch als Sex-Educator aktiv. Sie bietet Sexualberatung an und pflegt die Vermittlung von Sex-Wissen über Workshops. „Unsere besten Loverinnen sind wir uns selbst!“ begrüßte sie die Workshopteilnehmerinnen in Wien und schaffte es, eine Gruppe von fünfzig Frauen und Transgenderpersonen ohne Peinlichkeit

zu intensiver sexueller Selbsterfahrung zu führen. Mittlerweile ist Annie Sprinkle zur Ikone positiver Sexualität und sexueller Wissenschaft mutiert. Sie inszeniert sich gerne als Göttin und erklärt, dass wir alle Göttinnen sind. Als „Metamorphosexuelle“, wie sie sich selbst bezeichnet, mag sie sich mit den anderen Göttinnen in guter Gesellschaft wiederfinden. In fragilen, leicht zu vereinnahmenden Feldern ist es riskant, eine Bewegung des sexuellen Empowerment zu


annie sprinkleinterview entgegen gebracht, aber niemand nahm Notiz von den Opfern. Also gründete ich den „Internationalen Tag zur Beendigung von Gewalt gegen Sexarbeiterinnen“:Wir errichteten eine Gedenkstätte in San Francisco, eine Gruppe von Leuten erstellte eine Website. Kommendes Jahr machen wir das wieder. Auf deiner Homepage steht ein Interview zwischen dir, Pionierin des feministischen Pro-Sex-Aktivismus, Pornoherstellerin und Sexarbeiterin, und einer feministischen Anti-Porno-Aktivistin. Dieses Interview, das ganz eindeutig zwei unterschiedliche Positionen und Herkünfte verhandelt, ist gleichzeitig auch ein Lehrstück über gewaltvermeidende an.schläge: Was hat dich bewogen, Kommunikation. Wo, glaubst du, können den „Aphrodite-Award für sexuelle Verdienste um die Community“ zu kreieren? Sex-AktivistInnen1 von Anti-Porno-AktiviAnnie Sprinkle: Ich fand, nach stinnen lernen und umgekehrt? zwanzig Jahren Prostitution habe ich Das Hauptproblem ist, dass dies in eine Auszeichnung verdient! Also ent- der Geschichte des feministischen Aktiwickelte ich eine Performance, in der vismus zwei so völlig voneinander geich mir selbst eine Auszeichnung vertrennte Sphären waren – während die lieh. Ich wollte Anerkennung für die einen sich primär mit Gewalt und deren Arbeit, die ich geleistet hatte, aber da Strukturen beschäftigt haben, haben gab es keine. Es ist manchmal ein andie anderen über Vergnügen und Lust strengender Job , mitunter auch ein geredet und geforscht. Ich zum Beispiel großzügiger Job . Und ich entschied: habe mich überhaupt nicht mit dem Prostituierte brauchen überhaupt Bereich sexuelle Gewalt auseinandermehr Anerkennung. Ob sie jetzt gute gesetzt, und stelle es mir ungeheuer Erfahrungen oder schlechte machten: schwierig vor, diese beiden Wissensauch sie bekamen diese Auszeichnung. sphären zusammenzubringen. Über Denn es ist ein harter Job. So war der Gewalt zu reden ist nicht meine SpeziaAward anfangs ausschließlich für Sex- lität. Ich bin froh, dass andere das tun – arbeiterinnen gedacht; mittlerweile es ist so hart! finde ich, wenn jemand Sex-Education Du sagst, Pornografie sei das sexuelmacht oder ein Risiko in Bezug auf Sele Erbe unserer Kulturen. xualität auf sich nimmt, dann bekommt Unser erotisches Erbe, zum Teil unsie/er auch einen Award. Zurzeit unter- sere erotische Geschichte. richte ich gerne und oft an Colleges, Wo ist der Unterschied? und am Ende sage ich: „Wenn jemand Pornografie ist vielfältiger als früSexarbeit oder Sex-Kunst macht, beher, das Genre ist differenzierter geworkommt sie/er einen Award.“ Dann den. In meiner Show werdet ihr misokommen die StudentInnen, manchmal gyne Pornografie, Kunst-Porno, feminizwanzig, dreißig Leute, um sich die stischen Porno sehen. Ihr werdet SoftAuszeichnung abzuholen. Sie sind core sehen, Erotika, Grotesque-Porn. Ich StripperInnen oder Prostituierte und versuche den ganzen Regenbogen zu niemand wusste das. zeigen. Die Leute denken, was sie spät Mein Spezialgebiet sind die Rechte nachts im Fernsehen sehen, seien Porfür Prostituierte! Die meisten Prostitunos, aber das ist immer dieselbe Art ierten sind Frauen, die vom System miss- Filme: sehr männerorientiert. Leute, die braucht werden. Und in den USA ist nichts über Pornos wissen, können in Prostitution illegal. Ihr habt vielleicht meiner Show die unterschiedlichen von diesem Familienvater gehört, der Weisen sehen. Es gibt diese romantisechzig Frauen – großteils Prostituierte sche Idee: Männer und Frauen, die ei– ermordet hat, mit dem Argument, nander lieben und dann Liebe machen. dass sie ohnehin niemand vermisse. Den Orgasmus haben sie zur selben Ihm wurde sehr viel Aufmerksamkeit Zeit. Und sie produzieren ausschließlich initiieren. Personen, die ethnisiert oder rassisiert werden, haben sowohl gegen rassistische Sexualisierungen, als auch sexualisierte Rassismen zu kämpfen. Behinderte Personen verlangen zurzeit u.a. sexuelle Autonomie und danach, als geschlechtliche Subjekte wahrgenommen zu werden. Transgender-Gruppierungen gehen vermehrt und fordernd an die Öffentlichkeit. Sexarbeiterinnen, als eine der marginalisierten und gesellschaftspolitisch vernutzten Positionen, haben mit Annie Sprinkle eine starke Stimme, die Anerkennung fordert für das, was sie leisten.

politisch korrekte Liebesfantasien. Aber Faktum ist: Die Leute haben politisch unkorrekte Fantasien, mit allen denkbaren Unterschieden – und das fährt als Kraft in die Leben der Leute ein. Du hast auch Sexarbeit für andersfähige Menschen gemacht. Während der zwanzig Jahre als Prostituierte arbeitete ich auch in einem Massagesalon. Wenn behinderte Personen kamen, schickten sie sie immer zu mir. Sie waren liebenswürdige Menschen, haben wirklich Aufmerksamkeit gebraucht, wollten ihre Sexualität fühlen, und ich hab ihnen das gerne verschafft. Ich bevorzugte sie als Klienten. Warum hast du dich entschieden, monogam zu leben? Manchmal gebe ich erotische Massagen, oder in Workshops gehen wir mit nackten Frauen um. Wo ziehst du die Grenze? Wenn der Raum voller Leute ist, sind wir dann monogam? Ich will nicht zu exklusiv sein, aber ich bin glücklich wenn ich mit meiner Gefährtin den Rest meines Lebens verbringen kann. Das wäre schön. Ich kenne Frauen, die waren ihr ganzes Leben monogam, und dann auf einmal wollen sie mit hundert Leuten gleichzeitig sein. Ich brauche nach 2.000 Leuten nicht noch einmal 1.000, oder auch nur zehn. Manche wollen forschen und manche haben Spaß mit einer einzigen Person. Und manche sind glücklich ganz ohne Sex, das ist großartig! Ich glaube auch nicht, dass es eine Frage des Alters ist. Ich habe FreundInnen, die sind älter als ich und arbeiten als Prostituierte. Es gibt eine Frau, die Pornos macht mit fast sechzig Jahren. Du hast gemeint, du bist bald fünfzig Jahre alt, hättest den besten Sex deines Lebens, und bist jetzt eine bessere Liebhaberin denn je. Ich glaube, wir haben unsere kulturelle Konditionierung zu überwinden. Dass ich jung und schön zu sein habe, um Sex genießen zu können, ist Bullshit! Es ist nicht wahr! Ich war auch ausgeprägt konditioniert und brauchte eine Menge Therapie, um an diesen Punkt zu gelangen. Liebe machen ist eine Kunst. Ich denke, ich bin fähiger geworden. Ich kann jetzt besser großartige Erfahrungen gestalten – Gott, ich werde verlegen – Ich bin mittlerweile eine großartige Loverin! ❚

Die an.schläge wurden mit dem „Aphrodite-Award für sexuelle Verdienste um die Community“ ausgezeichnet. Danke, Annie!

Annie Sprinkle empfiehlt: http://www.anniesprinkle.org, e-mail:drsprinkle@anniesprinkle.org

Susie Bright: http://www.susiebright.com Buchtipp: Susie Bright: Mommy’s Little Girl – Susie on Sex, Motherhood, Porn, & Cherry Pie

Betty Dotson (74 Jahre, immer noch aktiv in der Sexarbeit): http://www.bettydodson.com

Sexual Freedom Coalition England, Tuppy Owens (u.a. Expertin zu Sex-Empowerment für Personen mit Behinderungen): http://www.sfc.org.uk

Schulen: http://www.bodyelectric.org (Oakland) http://www.bodyelectric.nl (Amsterdam)

1 Bei den US-AmerikanerInnen zirkulieren unterschiedliche Begriffe: „sex positive“ sein,„pro sex“ sein, einE „sex radical“ sein. Was sie eint, ist die Kritik an einer in der westlichen Kultur endemischen „Sex-Negativität“, die davon ausgeht, dass „Sex eine gefährliche, zerstörerische, negative Kraft ist“ und „nahezu jede sexuelle Praxis anhand ihrer schlechtesten Ausdrucksform konstruiert und beurteilt“ (Gayle Rubin, Thinking Sex, 1984)

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Fo t o : S t e p h e n Ko r b e t

ausstellungeva hesse

Aus dem Schatten Mit der Ausstellung „Eva Hesse. Transformationen – Die Zeit in Deutschland 1964/65“ in der Kunsthalle Wien stellt Kuratorin Sabine Folie einen bisher weniger beleuchteten Lebensabschnitt der US-amerikanischen Künstlerin vor. Die private und künstlerische Emanzipation Eva Hesses steht im Mittelpunkt der Werkschau. Von Daniela Fohn

Eva Hesse. Transformationen – Die Zeit in Deutschland 1964/65; 5.3.-23.5.04, Kunsthalle Wien, Museumsplatz 1, 1070 Wien, T. 01/521893 http://www.kunsthallewien.at

* Zitate aus dem Katalog zur Ausstellung

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„Das Drama dieser Künstlerin ist, dass bis in die 1990er Jahre hinein das Hauptaugenmerk nicht auf ihr künstlerisches Werk, sondern auf ihre tragische Biografie gelegt wurde.“ Mit diesem Satz bringt eine Kunstvermittlerin der Kunsthalle Wien die Sache auf den Punkt: Eva Hesse, die 1936 in Hamburg geborene Jüdin, die 1939 mit ihren Eltern nach New York emigriert. Eva Hes-

se, das Scheidungskind, dessen Mutter 1946 Selbstmord begeht. Eva Hesse, die junge Künstlerin, die sich von ihrem erfolsgverwöhnten Ehemann, dem Bildhauer Tom Doyle, in die Rolle der Hausfrau und treusorgenden Gattin zurückgedrängt sieht. Eva Hesse, die sich schließlich ab 1965/66 privat wie künstlerisch zu emanzipieren beginnt, ihren eigenen Stil findet und 1970 im Alter von gerade mal 34 Jahren an einem

Gehirntumor stirbt. Genug Stoff also, um über die Künstlerin zu schreiben, ohne sich mit ihrem Werk näher auseinandersetzen zu müssen. Deutschland. Der Industrielle Friedrich Arnhard Scheidt lädt 1964 Tom Doyle ein, für ein Jahr in Kettwig im deutschen Ruhrgebiet zu arbeiten und seine Skulpturen auszustellen. In einem Interview aus dem Jahr 1995 kann


eva hesseausstellung sich Scheidt an eine junge Frau erinnern, die sich an ihn „heranschlängelte“ und meinte, sie sei Tom Doyles Frau und würde dann wohl mit nach Deutschland kommen.* Für ihre erste Ausstellung in Deutschland – im Rahmen einer Skulpturenschau Tom Doyles im Garten der Scheidt’schen Villa – wird Eva Hesse dann 1965 gnädigerweise das Gewächshaus zur Verfügung gestellt. Von Juni 1964 bis August 1965 lebt das Paar also im Geburtsland der Künstlerin – eine in vielerlei Hinsicht schwere Zeit für Hesse, geprägt von Umbrüchen und dem damit verbundenen längst fälligen Loslösungsprozess von dem nicht nur auf künstlerischer Ebene dominanten Doyle, aus dessen Schatten sie langsam herauszutreten beginnt.

stellung ist den ersten dieser Arbeiten aus den Jahren 1965/66 gewidmet: Dunkle, düstere Skulpturen, hier noch vorwiegend aus Schnüren, Ballons und Papiermaché. Durch die geringe Haltbarkeit von Latex und anderen Materialien, mit denen Hesse in ihren letzten Lebensjahren vorwiegend arbeitete, sind viele ihrer späten Skulpturen heute leider schlichtweg kaputt und somit nicht mehr ausstellbar.

Notizen. Besonders spannend ist die im Rahmen dieser Ausstellung erstmalig lückenlose und nicht aus dem Zusammenhang gerissene Veröffentlichung von Eva Hesses sogenannten „Datebooks“ (Kalendernotizen). Kaum eine Künstlerin hat ihr Leben schriftlich so gut dokumentiert wie Hesse. Neben täglichen kurzen Kalendereintragungen über das Tagesgeschehen führt Transformation. Um die künstlerische Wandlung während dieses Aufent- sie seit ihrer Kindheit Tagebücher und folgt damit einer Tradition ihres Vaters. haltes besonders sichtbar zu machen, So ist auch ihre Zeit in Deutschland zeigt die Ausstellung auch Werke, die von diesen täglichen Kalendernotizen kurz vor der Abreise nach Deutschland begleitet, in denen sie stichwortartig und kurz nach der Rückkehr in die USA nicht nur wichtige Ereignisse, wie den entstanden sind. Während Hesse 1963 noch der (zweidimensionalen) Tradition Besuch des ehemaligen elterlichen Wohnhauses in Hamburg oder Treffen der Abstrakten ExpressionistInnen der mit FreundInnen wie Harald Szeemann 1940/50er Jahre verhaftet ist, vollzieht sich in Deutschland die Transformation festhält, sondern auch ihre labile Gesundheit und die immer auswegloser zur Dreidimensionalität und dem typischen Stil ihrer Skulpturen. Hesse arbei- erscheinenden Differenzen mit Tom Doyle thematisiert. Am 19.10.1964 tet in Kettwig in einem aufgelassenen schreibt Hesse in ihr Tagebuch: „Ich Fabriksgebäude. So entsteht 1965 eine Reihe von Zeichnungen mit „absurden“ habe immer noch Selbstzweifel, sowohl an mir selbst, wie an meinem Maschinenformen. Einfache, klare LiniWerk. Indem ich mit Tom in Konkurrenz en mit Tusche und farbiger Tinte. Eva Hesse dazu: „Das Ergebnis sieht geplant trete, scheine ich unbewusst mit meinem anderen Ich zu konkurrieren… aus, die Linie muss mit Präzision geWenn ich ihm beim Lesen zusehe, beführt werden, aber der Zufall regiert obachte ich die innere Furcht vor meimit.“* Die im selben Jahr folgenden 14 ner eigenen Dummheit. Verbitterung Materialbilder markieren den Durchmacht sich in mir breit, besonders bruch in Eva Hesses endgültiger Entwicklung zur dreidimensionalen Arbeit, wenn ich etwas kochen muss, die Wäsche aufhängen oder das Geschirr wabei der sie später viel mit neuen Mateschen soll, während er da sitzt wie ein rialien wie Fiberglas und Latex experimentieren wird. Die Bedeutung der Ma- Pascha und einfach nur liest.“* 1966 terialbilder liegt auch im immer stärker lässt sie sich dann auch von Doyle werdenden sprachlichen Bezug. So ver- scheiden. Ein Jahr vor ihrem Tod nimmt wendet Hesse auch schon mal das Wör- Hesse einen Lehrauftrag an der Boston terbuch, um geeignete, sprachlautmale- Museum School an und macht sich so rische Titel wie Ringaround Arosie, Legs auch als Theoretikerin einen Namen. of a Walking Ball oder Oomamaboomba Vielleicht hätte sie noch angefangen für ihre farbenfrohen Reliefbilder zu fin- zu schreiben, sicher hätten wir noch viele „Transformationen“ auf ihrem den. Nach ihrer Rückkehr in die USA künstlerischen Weg erlebt. Schade, wendet sich Hesse vollends der reinen dass sie so früh sterben musste. ❚ Skulptur zu. Der letzte Raum der Aus-

lesben.nest

Ursula Raberger

Einmal Göttin, immer Göttin Fo t o : Pe z H e j d u k

„Wo ist mein schwarzer Gürtel?“ Kim außer sich vor Freude. Kim in nervöser Extase, aber: Kim wusste nicht, was sie anziehen sollte, denn frau wollte eine alte Freundin treffen … da wo es vor fast genau einem Jahr geendet hatte. In einem stadtbekannten U-Bahnbogenlokal mit einer eingeflogenen Göttin: Alison! Ihres Zeichens Frontfrau einer jetzt viel bekannteren maltesischen Band namens Beangrowers. Es war soweit: das feine Chelsea füllte sich und Kim erblickte ihr persönliches Highlight des Abends. Fulminantes Konzert! Doch Kims Blicke – mitunter samt jauchzender Freudenseufzer – waren nur auf die charmant mit dem Kopf wippende und ihr immer wieder zublinzelnde Sängerin gerichtet. Um es kurz zu machen und die peinlichen Momente zu vertuschen: als das Konzert zu Ende war, gab es einen etwas längeren, sehr privaten Umtrunk mit der Band, samt Gesangseinlagen – wie Kim später erfahren sollte. Als sie nämlich aufwachte war es frühmorgens, der Kopf war ein einziger Schmerz und ein neuer Arbeitstag hätte eigentlich beginnen sollen. Etwas unklar? Hier die Aufklärung: Bier auf leeren Magen ist nicht zu empfehlen! Frau Doktor war der selben Ansicht und schrieb die grünlich verfärbte Kim krank. Samstag – nach zig Vorsätzen, nie wieder einen Tropfen anzurühren – befand sich selbige Frau mit gesunder Gesichtsfarbe und Gläschen Cola im winterlich verschneiten Oberwart. Tiefstes Burgenland, aber Alison sang und kam nach vollbrachter Zugabe schnurstracks auf Kim zu, zog sie zu sich in den Backstage-Bereich und flüsterte: „My dear – no more beer!“ Wie sich herausstellte, verband die beiden das gleiche Schicksal. Was folgte, war ein Abend wie aus dem Bilderbuch: lange Gespräche, der Malta-Urlaub samt Bootsausflug wurde fixiert und eine hingerissene Alison herzte und busselte Kim ab, wie sie es sich besser nicht vorstellen hätte können. „Und ich schwöööre – ich hab’ den Duft ihrer Haare jetzt noch in meiner Nase…“, erzählte sie dem verduzten Reisebüroangestellten am darauffolgenden Montag.

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an.klang

Lautstarke Dramatik Neben virtuosen Klavierkompositionen und eigenständigen Gitarrenklängen hat Regina Himmelbauer einige Hörbuch-Tipps anzubieten.

Christina Harnisch: „Piano Portrait of Cécile Chaminade“ Sofia Gubaidulina: „The Canticle of the Sun“ Renate Hornstein, Thomas Lang Erika Pluhar: „Es war einmal. Ein Lebensweg in Liedern“ Miriam Pressler: „Die Zeit der schlafenden Hunde“

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Schön, wenn auf einer CD mit dem lapidaren Titel „Mendelssohn“ (Hyperion CDA 67388) Lieder nicht nur von Felix, sondern auch von seiner Schwester Fanny zu finden sind. Feine Textausdeutungen, anspruchsvolle Klavierbegleitung – Kleinodien, die ursprünglich unter dem Namen ihres Bruders erschienen sind. Sie sind es wert, wieder unter den Namen der Komponistin ins Bewusstsein des interessierten Publikums zu rücken. Eine schöne, stellenweise etwas vibratoreiche Aufnahme. Cécile Chaminade (1857-1944) zählte zu ihrer Zeit zu den erfolgreichsten KomponistInnen und PianistInnen. Ihre brillanten Stücke zeigen eine Vielfalt an Formen und kompositorischen Einfällen der immer auf Selbständigkeit bedachten Künstlerin. Diesem Reichtum anhand der Klavierkompositionen zu zeigen, gelingt der Pianistin Christina Harnisch auf der CD „Piano Portrait of Cécile Chaminade“ (Salto Records SAL 7013). Klug ausgewählte Etüden, Walzer, Romanzen sowie eine Sonate zeigen stimmungsvolle Schattierungen eines starken Ausdruckswillens. Auf sperrigen, aber lohnenden Wegen der E-Musik bewegen sich die russische Komponistin Sofia Gubaidulina und ihre rumänische Kollegin Myriam Marbé. Gubaidulinas beeindruckender Sonnengesang nach dem Gebet von Franz von Assisi sowie ihre Hommage an die russische Dichterin Marina Tsvetayeva sind nun auf CD zu hören. Ruhige, konzentrierte Musik, bei der, trotz

aller aufkeimenden lautstarken Dramatik, auch Stille von Bedeutung ist (Chandos CHAN 10106). Die 1997 verstorbene Myriam Marbé war für eine ganze KomponistInnengeneration Vorbild, nicht zuletzt durch konsequentes Verfolgen einer musikalischen Avantgarde, die gegen die offizielle Kunstdoktrin des Staates ihren eigenen Weg verfolgte. Die schlicht ihren Namen tragende DoppelCD (Raumklang cmn003) vereinigt kammermusikalische Werke Marbés mit einer Hommage verschiedenster KomponistInnen, darunter auch das Stück „Zeitglocken für Myriam“ von Violeta Dinescu. Junge 22 Jahre alt ist Renate Hornstein. Zusammen mit dem Gitarristen Thomas Lang schreibt und interpretiert sie eigene (englischsprachige) Lieder (Extraplatte ISBN 3-221-15612-X). Sie wirken sehr persönlich, was auch durch die sparsame Instrumentierung unterstützt wird. Die Gitarre beschränkt sich dabei nicht auf bloße Untermalung durch sparsame Akkorde, sondern unterstreicht durch einen eigenständigen musikalischen Satz den einfachen, dadurch pathosfreien Gesang Renate Hornsteins. Annette Giesriegls Musik besticht durch eine gelungene Mischung aus Musikalität, Humor und (vokaler) Virtuosität. Auf ihrer neuesten CD „hear i am“ (Extraplatte ISBN 3-221-16232-4) gibt es mit einer Ausnahme keine Eigenkompositionen zu hören, sondern genussvoll-eigenwillige Interpretationen von Sambas und sonstigen Beschwingtheiten.

Erika Pluhars „Es war einmal. Ein Lebensweg in Liedern“ (Extraplatte ISBN 3-221-16282-0) zeigt die Entwicklung der letzten dreißig Jahre der Künstlerin von ersten Liedinterpretationen bis hin zu neuesten Liedern, die ausschließlich auf eigenen Texten basieren. Es ist tatsächlich ein Lebensweg, der Veränderung, der Wandlungen zeigt. Und für diejenigen, die lieber hören als lesen: Petra Hammesfahrs Roman „Die Lüge“ (der hörverlag, ISBN 389940-317-7) erzählt von einer Doppelgängerin, die zunächst als „Double“ einen Seitensprung ermöglichen soll. Aber aus dem harmlosen Spiel wird eine undurchsichtige Verstrickung in dubiose Machenschaften und mörderische Verschwörungen. Eine forcierte Geschichte, dennoch spannend. Gita Lehrs „Die Lewins“ (Lido, ISBN 38218-5349-2) hat ebenfalls nicht den Anspruch,„realistisch“ zu sein: Leander, würdiges Mitglied einer neurotischen, exaltierten Familie, liebt seine Zwillingsschwester Wanda – oder doch den hübschen Ralph oder Rahel, die Neue in der Klasse? Mirjam Pressler, engagierte Jugendautorin, hat schon mehrmals Themen der deutschen Geschichte aufgegriffen. In „Die Zeit der schlafenden Hunde“ (der hörverlag, ISBN 3-89940-325-8) geht es um eine komplexe Darstellung von Schuld, Mitwisserschaft, einem netten Großvater und dessen Nazivergangenheit. Keine eindeutigen Antworten, keine einfachen Lösungen werden angeboten, dafür viele Fragen, die zeigen, dass die Geschichte noch lange nicht „aufgearbeitet“ ist. ❚


lese.zeichen

Verdichtete Worte Manchmal ist weniger mehr – einzelne Worte in einem Gedicht können berühren, verstören und entzücken. Hamid, Wochner und Zingsem gelingt dies mit Leichtigkeit.

Poetischer Ruf

„Verwunschene, du!“

Endlich Lilith

Mit „Trotzdem singe ich“ sind Gedichte der 1965 im Sudan geborenen Wiener Politologin Ishraga Mustafa Hamid erstmals in deutscher Sprache als Buch erschienen. Die höchst lyrischen und zugleich politischen Gedichte bringen „Rosen für Omofuma“, verlangen „Eine Erde für uns alle“, sprechen von Abschied und Umkehr, die das Leben im Exil der Menschenseele abverlangen, richten sich an „Meine Schwarzen Schwestern“ ebenso wie an den „Rosenverkäufer“ aus Ägypten. In elegischen Liedern bringt Hamid „das bittere Gesicht des Exils“ zur Sprache: die schal werdende Liebe des Geliebten, das Frausein und die damit verbundene Sorge um die Tochter, das Altern und jene Veränderungen, die langes Leben im Norden der Seele aufzwingt. Ein besonderer Edelstein afrikanischer politischer Gegenwartsdichtung ist das Langgedicht „6. April“, das dem kurzen Lichtblick einer Revolution im Sudan des Jahres 1985 gewidmet ist. Hamids Dichtung ist ein unter die Haut gehender poetischer Ruf. Ein Ruf an die Schwarzen. Und ein Angebot an die Weißen: Gemeinsam eine Heimat zu schaffen, die diese Erde zu einem Ort menschenwürdigen Lebens für alle macht, „Eine Welt ohne Grenzen“. Es sind Lieder eines an Unrecht nie zerbrechenden, sondern vielmehr klarsichtig werdenden – oder bleibenden – Verstandes und einer Seele, die – trotzdem – singt.

„Starrsinn meinen Sie? Ja, Sie“, „…Zusammenhänge eruptiv erschlagen.“ „Sie können doch nicht. Das Zerrinnen der Elementaren. Schön.“ Herausforderungen. Tatsachen. Ein Gedicht fließt in das Nächste hinein. Zusammenhänge und das Bild vervielfältigen sich und eröffnen dabei endlose Geschichten. Zuerst verwirrend, mit der Zeit faszinierend. Hier erzähle ich nicht von einem Sprachband mit ausgefeilten Zeilen mit einem entziehbaren Sinn. Nein, hier, drinnen in diesem Sprachband von Barbara Wochner mit einem Vorwort von Petra Ganglbauer und einem Nachwort von Michi Ebner erleben wir, uns selbst zwischen Wort und Bild und Text zu setzen und zu steuern. Es gibt keinen konkreten Ort, kein Du oder Ich, wir als LeserInnen sind aufgefordert, hinein zu greifen und zu erleben, was mit diesem Starrsinn gemeint ist. Vom ersten „Wenn die Zeit verrinnt“ bis zum dreizehnten Kapitel „Verwunschene, du!“ befinden wir uns in einer Landschaft ohne festgelegtes Äußeres; oder besser gesagt in unserem eigenen Äußeren, irgendwo fühlen wir uns dort zu Hause, aber dort ist kein Ort… Angeboten werden offene Gedichte mit viel Platz zum Herumtoben. Wochner eröffnet – Zwischen-Dinge, Zwischen-Menschliches, Zwischen-Bedeutungen und -Gedanken – und geht. „Zwischen Grenzen wandern. Und da. Das ist ein normaler Vorgang heute.“ Es ist normal, in einer wilden, weiblichen und offenen Welt.

„Von Adam, dem armen Erdenkloß / Bau’ ich durch Lilith eine Leiter / Zum höchsten Sitz des Himmels weiter“ lässt Isolde Kurz den „Schöpfer“ in ihrem 1908 erschienenen Gedicht „Die Kinder der Lilith“ sprechen. Göttin, Dämonin, Verführerin der Männer, Schwester Aphrodites, Regenmacherin und Schatzhüterin – das sind nur einige der Beinamen, die Lilith im Laufe der Jahrhunderte erhalten hat, doch vom Schöpfungsmythos bis zur modernen Psychologie haften ihr stets Attribute einer düsteren Gestalt an. Der 2001 entwickelte „Lilith-Komplex“ von Hans-Joachim Maaz basiert auf einer Psychologie-Studie, die sich der „Nachtseite des Weiblichen“ widmete. Dabei entfernt sich Maaz jedoch von den Originaltexten, die für Vera Zingsem den Ausgangspunkt darstellen. Was ihr Buch unter anderem so aufregend macht, sind die großzügigen Originalzitate – sie legt nicht einfach Interpretationen vor, die nicht nachvollziehbar sind, sondern präsentiert die Texte christlicher, jüdischer, griechischer Mythologien, sodass keiner Leserin verschlossen bleibt, was für Zingsem so offensichtlich wurde: „Denken hat ein Geschlecht … Die Erschaffung der Frau steht noch aus.“ Literarische Versuche, den Lilith-Mythos kreativ umzudeuten, gibt es bereits, wie das frühe Beispiel von Isolde Kurz zeigt. Vera Zingsem liefert die detaillierte Grundlagenforschung dazu.

Lisa Rosenblatt

Gabi Horak

Gedichte. Mit einem Nachwort von Tudamir Shiekh Eddin.

Barbara Wochner: Manch eine wird

Vera Zingsem: Lilith. Adams erste Frau

Milena 2003, e 29,30 (Ö)

Milena 2003, e 15,90 (Ö)

Klöpfer&Meyer 2003, e 23,20 (Ö)

Helga Pankratz

Ishraga Mustafa Hamid: Trotzdem singe ich

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lese.zeichen Damoklesschwert Wie wichtig der Geschlechterblick auf die Auswirkung von gesetzlichen Bestimmungen ist, beweist der Sammelband „Migration von Frauen und strukturelle Gewalt“. Die Worthülse „Mehrfachdiskriminierung“ wird hier mit sehr lebendigen, erschreckenden und lehrreichen Inhalten gefüllt. Frauen flüchten aus Gewaltverhältnissen nach Österreich und sind hier neuerlich mit Gewalt konfrontiert: Gesetze verweisen sie in eine Abhängigkeitsposition vom Ehemann – ohne ihn haben Migrantinnen oftmals keine Existenzberechtigung in Österreich. Schlimmer noch, wenn dieser Ehemann gewalttätig wird (2001 war ein Viertel der betroffenen Frauen, die in der Wiener Interventionsstelle Schutz suchten, Migrantinnen): das Lob für das Österreichische Gewaltschutzgesetz mag bei mehrheitsösterreichischen Betroffenen angebracht sein, Migrantinnen müssen sich zehn Mal überlegen, ob sie sich von ihrem gewalttätigen Ehemann trennen. Unter Umständen stehen sie dann nämlich vor dem finanziellen Nichts. Ohne Kindergeld, ohne Recht auf Arbeit, ohne eigenes Aufenthaltsrecht. Das Unterhaltsverfahren ist noch im Gange? Der Mann arbeitslos, unauffindbar, die Kinder keine österreichischen StaatsbürgerInnen? Pech gehabt, denn dann gibt’s kein Geld. Wieviele der von Gewalt betroffenen Migrantinnen mögen wohl aus diesem Grund zum Täter zurückkehren? Der Sammelband ist Ergebnis eines Symposiums, das 2002 abgehalten wurde, und behandelt unter anderem Themen wie Aufenthaltsrecht, Migrantinnen am Arbeitsmarkt, Frauenhandel, Fallen des Kinderbetreuungsgeldes, Gewalt an Migrantinnen. Stilistisch heterogen und etwas gewöhnungsbedürftig, besticht das

40 an.schlägeapril 2004

Buch durch seine Inhalte, die eine Ahnung dessen vermitteln, mit welch existenzbedrohenden Situationen Migrantinnen konfrontiert sein können.

Arbeitsgruppe Migrantinnen und Gewalt (Hg): Migration von

sprache schminkt die Sätze ab, schält das Wesentliche heraus und ordnet es – nach Prioritäten – neu. So entsteht ein Erzählfluss, der nicht nur der Dynamik von Filmsprache sehr ähnlich ist, sondern auch jener des menschlichen Denkens und Wahrnehmens.

Frauen und strukturelle Gewalt

Helga Pankratz

Karin Eckert

Milena 2003, e 18,90 (Ö)

Gabriele Neudecker: Freaky/Glas.Gebirge Zwei Kino-Geschichten. Edition Eizenbergerhof 2003,e 10,- (Ö)

Kino im Kopf Für die Filmfassung von „Freaky“ (Österreich, 2001) hat die Autorin und Filmemacherin Gabriele Neudecker schon internationale Preise bekommen. Nun erschien Freaky als Prosa, gemeinsam mit Neudeckers mit einem Rauriser Literaturpreis bedachten Text „Glas.Gebirge“. Eine Tasche in Herzform, herzförmige Zuckerln, Herzjesu- und MarienBildchen symbolisieren, worum es in Freaky geht: die Zuneigung und Komplizinnenschaft der Mädchen Maria und Natalja, die beide unter den Dorfkindern Außenseiterinnen sind – freaky eben. Glas.Gebirge erzählt die VerliebtSchwanger-Bäueringeworden-Geschichte von Sonja, der Tochter des einzigen Nichtbauern in einem Ort namens Himmelreich, wo Kühe Namen wie Britney haben und Kinder Kevin oder Jeanine heißen. Es ist zugleich die Geschichte der ganzen Generation von Frauen in Sonjas Alter, Sonjas Schulkolleginnen und Nachbarinnen, die zwischen Traktor, Tupper-Party und Kinderkriegen meistens zu- und manchmal gegen einander stehen. Die 1965 in Salzburg geborene Neudecker schreibt junge Feministische Prosa, die berechtigt schon mit Jelineks „Liebhaberinnen“ verglichen und vielfach als „stark“ bezeichnet wurde. Neudeckers Erzähl-

LINZen und lesen Welche bei Linz Assoziationen hat wie „Linz ist gleich VÖEST“ oder „In Linz beginnt’s“ MUSS sie haben. Aber auch jene, die meint, die Stadt eh schon in- und auswendig zu kennen, MUSS sie haben – die „Linzer Stadtführerin“. Neun Autorinnen und Mitfrauen des Autonomen FRAUenzentrums Linz machen weibliche Geschichte in der oberösterreichischen Hauptstadt wieder und neu sichtbar. Neben der bekannten Marianne von Willemer erblicken weniger „berühmte“ Frauen quasi von neuem das Licht der Welt. Zum Beispiel die Komponistin und Schriftstellerin Hedda Weiß. Oder Henriette Haill, die es in der Literaturgeschichte offiziell gar nicht gibt. Jedoch nicht nur ein Inhalt-Hirnschmaus, auch eine Layout-Augenweide ist die „Linzer Stadtführerin“. Texte über historische Aspekte der Stadt sind schwarz, Frauenporträts und Frauen„stätten“ sind rot gedruckt, was die Überschaubarkeit erhöht. Die Erfahrungen der beiden Stadtführerinnen bei diesem Projekt prägten die unverzichtbare Praktikabilität der Reiseführerin, wie zum Beispiel der unverwüstliche Einband (hält jedem „In-den-Rucksack-und-Taschen-


lese.zeichen Quetschen“ stand). Übersichtlich und spannend aufbereitet gibt es einen Rundgang Ost, einen Rundgang West und zwei Exkursionen auf den Pöstlingberg sowie nach Urfahr. Und damit frau nicht verloren geht, gibt es im Inneren je einer Umschlagseite einen Plan plus Markierung der im Text erwähnten Orte. Der vorbildlich aufbereitete Anhang – unter anderem mit einem Themenregister, einem Verzeichnis von Literatinnen über Linz oder über Einrichtungen für Frauen – ist ein weiteres Zuckerl.

sellschaft hat ihre Tage und frisst ihre Kinder – und das nicht nur zu Weihnachten.

neu.land

Kerstin Kellermann

Michèle Thoma: Mobil Home Lyrik Theater Feuilleton. ultimo mondo 2003, e 17,35 (Ö)

Ausgekocht

Petra Öllinger

Lisa & Co: Linzer Stadtführerin Frauengeschichtliche Stadtrundgänge. Edition Geschichte der Heimat 2004, e 17,50 (Ö)

Laissez-Faire revisited „Wollt ihr den totalen Frühling?“ „Grüß die Götter, sagt die Mutter zu den Exekutionsbeamten.“ Welche Lust auf politisch unkorrekte, sarkastisch untermalte Texte hat, sollte sich auf das neue mobile Heim der Luxemburger Autorin Michèle Thoma einlassen. Die in Wien lebende Schriftstellerin und Autorin (sie schreibt z.B. Reportagen in der „Bunten Zeitung“) verfügt stilistisch in ihrer Prosa und in ihrem Theaterstück erstaunlicherweise über mehr lyrische Elemente als in ihren kurzen pointierten Gedichten. Hauptthemen sind Armut und die nötige Ablenkung von ihr – aber nicht die des schuftenden Proletariates, sondern die des frechen, nach der damaligen Marxschen Analyse so benannten, „Lumpenproletariates“, das sich mit seiner Kinderschar durch das Leben schlägt und trickst. „Du stirbst bald, sagt mein 4jähriger Sohn und sieht mich erwartungsvoll an … Ach? (Schluck) So? Wie kommst du darauf? Na bei euch sind die Hände so … und bei uns sind sie so… und er zeigt auf die blauen Schlangen auf meinem Handrücken. – Du stirbst bald, stimmts? – Hüpft vom Stuhl, geht schaukeln.“ Die 68er sind erwachsen geworden und die, die nicht in den Museen ausstellen oder Minister geworden sind, versuchen in den Grenzen des Laissez-faire zu überleben. Die Ge-

Mira Valensky, die Freizeitdetektivin und Lifestyle-Journalistin, hat es diesmal mit einem besonders ausgekochten Fall zu tun: Ihre Ermittlungen führen sie diesmal in die Welt der GastronomiekritikerInnen und SpitzenköchInnen. Der JungWirtin Billy Winter werden seltsame Streiche gespielt: Zunächst werden nur Salz und Zucker vermischt und eine Wassermelone findet ihren Weg durchs geschlossene Fenster. Als aber 46 Bürgermeister eine Pilzvergiftung erleiden und ein berühmter Gastronomiekritiker mit einem Messer in der Brust tot aufgefunden wird, das Winters Monogramm trägt, wird Mira schnell klar, dass die Gastronomiebranche mörderisch sein kann. Für den Krimi rund um stahlglänzende Großküchen, abgebrühte Küchenprofis, Messer und Tomatensauce hat Eva Rossmann selbst bei den Großen der Branche recherchiert: In der „Alten Schule“ in Riedenthal bei Wolkersdorf durfte sie dem Maitre de cuisine, Manfred Buchinger, so lange auf die Finger schauen, bis genug InsiderInnenwissen gesammelt war. Bekanntschaften mit Köchinnen und Köchen der Zunft waren dabei ein angenehmer Nebeneffekt, hat sich doch die eine oder andere Eigenschaft der HerrscherInnen über die Kochtöpfe in die Nebenfiguren im Buch eingeschlichen. Ein Tipp noch: Vor dem Lesen unbedingt etwas essen, sonst steht frau nach spätestens drei Seiten selbst am Herd und versucht, das zusammenlaufende Wasser im Mund durch venezianische Gerichte zu stillen. Hoffentlich mit mehr Erfolg als Mira. Barbara Oberrauter

Eva Rossmann: Ausgekocht

J a s m i n a J a n k o v i c’

Geschichten aus 1.001 Sache Schon dreimal nacheinander das Heute ins Morgen nahtlos eingenäht, sinke ich langsam in dieses schwebende Nichts, das eigentlich alles ist, die Schaukel hin und her, hey, halt dich fest, aber wo denn, die Haltegriffe schweben ja auch mit, in zwei Reihen tanzend, nein, nicht einschlafen, noch nicht, du willst doch noch etwas schreiben, ein Wölkchen und viele Fragen, banal, ja, klar, aber was ist eigentlich eine richtig banale Frage? Diese etwa: Wie drückst du deine Zahnpastatube, oben, unten, in der Mitte? Schläfst du nackt? Wie trinkst du deinen Kaffee? Hast du Rituale, die keine sein wollen und es – gerade deshalb – dann doch sind? Hast du mit den Büchern auch eine körperliche und possessive Beziehung? Bist du ein Morgenmuffel? Wie viel Rotwein kannst du trinken und dich danach noch erinnern? Pinkelst du im Sitzen oder Stehen? Magst du die Art, auf die sich Eskimos küssen? Willst du noch lange auf einen stolpernden Nasenzusammenstoß warten? Geschichten. Wer hat keine? Wer kennt keine? Wer lebt keine? Geschichten. Geschrieben. Erfunden. Improvisiert. Lebend. Tötend. Gelebt. Getötet. Länger. Kürzer. Spannend. Gespannt. Wie Mieder. Platz. Riss. Schnitt. Geschichten. In Schichten. Erzählt. Neu. Mit Anfang. Ohne Ende. Mit Anfang. Mit Ende. Ohne Anfang. Mit Ende. Ohne Anfang. Ohne Ende. Interessant. Langweilig. Alltagsgeschichten. Filmgeschichten. Geschichten. Von Siegern. Geschrieben. Zeitgeschichten. Von Zeit. Zu Zeit. Gemacht. Machtgeschichten. Machbar. In der Zeit. Sichtbar. Unsichtbar. Zeitlos. Sich mögen: Weggehen können. Um sich zu freuen. Beim nächsten Wiedersehen. Allein sein. Manchmal. Sich um eigene Knochen sammeln, wie eine Fahne an ihrer Stange klebt. Nicht allein sein. Manchmal. Von den Knochen loslösen. Lösung. Immer wieder ein neues Rezept. Und: Mach Zeit und dich hübsch. Eine Geschichte ist eine Geschichte wie meine wie deine wie keine und keine Geschichte ist wie eine die geschrieben werden möchte: aus tausendundeiner Sache.

Folio/BUGRIM 2003, e 19,50 (Ö)

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Fotos: Christian Brachwitz

ge.sehen

Hurra, ein Bambi! Auch im vierten Spielmonat von Elfriede Jelineks „Bambiland“ im Wiener Burgtheater präsentiert sich Regisseur und Hauptdarsteller Christoph Schlingensief hauptsächlich ohne Hose. Wieso? fragt sich Daniela Fohn „Es fängt schon wieder an! Es fängt schon wieder an! Mama! Ich kann es nicht stoppen!“ Michael rennt schreiend über die Bühne des Wiener Burgtheaters, reißt sich die Hose herunter, kippt sich Farbe über seinen Anzug, bis alles eingesaut ist, taucht seinen Hintern in blaue Farbe, stülpt sich einen frischen Margarinetiegel über seinen Schwanz. Zweijährige Jungs sind angepasste Spießer gegen diese geballte Wucht frühkindlicher Trieberfüllung. Allerdings wird „es“ Michael alias Christoph Schlingensief, Aktionskünstler und Regisseur des mittlerweile zum Kassenschlager aufgestiegenen Stücks „Bambiland“ von Elfriede Jelinek, an diesem Abend noch oft nicht stoppen können! Dass die Inszenierung, von ein paar Zitatfragmenten, dem gemeinsamen Titel und ein paar Bambis einmal abgesehen, etwas mit dem Text der Schriftstellerin zu tun hat, kann so gut wie ausgeschlossen werden. Jelineks Stück beschäftigt sich mit dem Irakkrieg, mit Amerika, seinen Waffen und Allah, der zwar sämtliche Streubomben und Marschflugkörper zu kennen scheint, aber auch nicht so genau weiß, was da in seinem Namen so alles passiert. Disneyworld für Soldaten. Schlingensiefs Inszenierung thematisiert zwar teilweise auch den Irakkrieg, im Mittelpunkt des Geschehens steht aber seine „Church of Fear“. Mit dem seit März 2003 propagierten Ruf 42 an.schlägeapril 2004

nach Recht auf Terror und Angst („Man hat uns unseren Glauben genommen, unsere Angst nimmt man uns nicht.“; „Terror Jetzt“) ist Jelineks Bambiland zu einem Teil von Schlingensiefs Atta-Zyklus (der seinen Namen von einem der Terroristen der 11.-September-Attentate herleitet) mutiert. Zeitgleich in Zürich und Berlin finden des Aktionskünstlers Porno-Terror-Bambi-„Massaker“ statt. Zu Beginn kann das Stück noch mit einem gewissen Überraschungseffekt punkten. Die ersten Minuten sind kritisch, absurd und witzig und versprechen einen kurzweiligen Theaterabend. Nach einer halben Stunde Schlingensiefscher Selbstinszenierung wird es dann (zumindest mir) sterbenslangweilig. Alle männlichen Protagonisten haben sich inzwischen mehrmals ausgezogen, ein überdimensionaler AttaFilm, der sich im Laufe des Abends zu einem Pseudo-Porno entwickelt, „überzieht“ im wahrsten Sinne des Wortes die Szenen auf der Bühne. Die dazwischen geäußerten, durchaus interessant scheinenden Textpassagen (mit oder ohne Jelinekbezug), sind akustisch leider kaum zu verstehen. Unklares Frauenbild. Auch das von Schlingensief gezeichnete Frauenbild verwirrt. Menschenverachtend behandelt werden ja sämtliche ProtagonistInnen, Frauen erfahren jedoch wesentlich grausamere Misshandlungen. So jagt man im Atta-Film eine dicke Frau durch

unterirdische Gänge, um sie dann zu vergewaltigen, während literweise rotes Blut aus ihrem Körper quillt. Auch die „Farbbeschüttung“ der jungen Braut wirkt besonders brutal. Ob zu brutal, sei dahingestellt. Offen bleibt nämlich, ob sich Schlingensief einfach keine Gedanken über das transportierte Frauenbild gemacht hat und somit einer dieser politisch korrekten Machos ist, die in der Kunstszene nur allzu oft vertreten sind, oder ob er diese überbordende Brutalität Frauen gegenüber sehr wohl überlegt und beabsichtigt, die Umsetzung dieser Gesellschaftskritik jedoch ein wenig ungeschickt ausgeführt hat. Warum sich Christoph Schlingensief so oft ohne Hose präsentiert, bleibt auch am Ende des Theaterabends rätselumwoben. Wollte er schockieren? Wollte er provozieren? Selbstdarsteller Schlingensief hat den Medien mehrmals bedeutet: Nein! Provozieren um des Provozierens Willen wollte er nie. Was wollte er dann? Aber sogar mit diesen Fragen haben die ZuschauerInnen an diesem Abend keine Chance. Zehn Minuten vor Schluss fragt eine Hauptdarstellerin in die Menge, was das Publikum denn eigentlich in einem Stück wolle, in dem es um nichts gehe, ein Porno gezeigt werde und die ersten ZuschauerInnenreihen mit eingesauter Kleidung den Heimweg antreten müssten? Tja, warum eigentlich wirklich? Betretenes Schweigen. Vielleicht weil das Stück doch nicht so schlecht ist? ❚


an.künden musik.tanz bis 7.4., 20.00, Wien VerWEILLt. Eine Song Performance mit Jella Jost dietheater Konzerthaus, 3., Lothringerstr. 20, T. 01/58 70 504, www.dietheater.at

2.4., 19.30, Wien Tina Rauch, Countrymusic pur Theater am Alsergrund, 9., Löblichgasse 5-7, T. 01/310 4633, www.alsergrund.com

3.4, 20.00, Wien Frauenclub… just the girls 3 FZ-Bar, 9., Währingerstr. 59/6, Eingang Prechtlg.

3.4, 21.00, Wien Las Chicas – Frauenfest mit Latin dance workshop Andino, 6., Münzwardeingasse 2, Anmeldung e-mail: info@laschicas.org

13.-20.4, 20.00, Wien Tanztheater Homunculus: par terre/bruchstücke Kosmos Theater, 7., Siebensterng. 42, T. 01/523 1226, www.kosmostheater.at.

16.4, 20.00, Wien Rounder Girls: „A Celebration“ Metropol, 17., Hernalser Hauptstr. 55, T. 01/407 7740, www.wiener-metropol.at

15.-17.4, 20.30, Wien Bad. She She Pop Tanzquartier Wien, Halle G, 7., Museumsplatz 1, T. 01/581 3591, www.tqw.at

17.4, 21.00, Wien 1. Internationales Balkan Festival „Balkan Fever“: Divas of Balkan, Jazz: Matilda Leko & Band (Serbien/ Türkei/Österreich) Tunnel Vienna Live, 8., Florianigasse 39, T. 01/40 53 465

18.4, 20.00, Wien „Balkan Fever“: „The Queen of the Gypsies“, Esma Redzepova (Mazedonien) Tunnel Vienna Live, 8., Florianigasse 39, T. 01/40 53 465

20./21.4, 20.30, Wien Visitors Only. R. Meg Stuart Tanzquartier Wien, Halle E, 7., Museumsplatz 1, T. 01/581 3591, www.tqw.at

20./27.4, 18-21.00, Wien XX-Competition: Erstes FRAUENmitTANZturnier. Zum Mittanzen und Zuschauen Turnsaal Hauptschule, 11., Rzehakgasse 7, Anmeldung e-mail: tanzclub@resisdance.at, Startgebühr pro Paar 10.-, Zuschauerin: 6.-

21.4, 19.30, Wien Frühlinsfestival im Wiener Konzerthaus. Savina Yannatou: „Terra nostra“. Lieder aus Spanien, Italien, Griechenland, der Türkei, dem Libanon u.a. Wiener Konzerthaus, 3., Lothringerstr. 20, T. 01/242002, www.konzerthaus.at

22.4, 21.00, Wien „Balkan Fever“: Divas of Balkan, Jazz: Aleksandra Tehovnik & Band (Slowenien) Tunnel Vienna Live, 8., Florianigasse 39, T. 01/40 53 465

„Das wirst Du nie verstehen“

Fo t o : A n j a S a l o m o n o w i t z

Anja Salomonowitz porträtiert in ihrer Dokumentation drei Frauen und ihre unterschiedlichen Erinnerungen an die NS-Zeit: Ihre Großtante, eine Auschwitz-Überlebende, ihre Großmutter, eine Mitläuferin und ihre Kinderfrau, die sich im Widerstand engagierte. Diese drei Perspektiven verbindet Salomonowitz mit ihrer eigenen und reflektiert ihre Position als Nachkommende sowohl der Opfer- als auch der TäterInnengeneration. „Das wirst Du nie verstehen“ (Österreich 2003). R. Anja Salomonowitz. Ab 24.4 im Wiener Votivkino, 9., Währinger Str. 12, T. 01/317 3571, http://www.votivkino.at 23.-25.4, 20.00, Wien generator special. Die Plattform für Neues und Experimentelles im Wiener Konzerthaus bietet an drei aufeinanderfolgenden Abenden Kino für die Ohren und Musik für die Augen. Video: Michaela Grill Wiener Konzerthaus, 3., Lothringerstr. 20, T. 01/24 2002, www.konzerthaus.at

28.4, 20.00, Wien Kompanie Doris Stelzer / dis.dance: inner space / outerspace Kosmos Theater, 7., Siebensterng. 42, T. 01/523 1226, www.kosmostheater.at.

film Ab 16.4, Wien Im Anfang war der Blick (Österreich/Luxemburg 2003). R. Bady Minck Fimcasino, 5., Margaretenstr. 78, T. 01/581 3900 10, www. filmcasino.at

Ab 23.4, Wien „Das wirst du nie verstehen“ (Österreich 2003), R. Anja Salomonowitz Votivkino, 9., Währingerstr. 12, T. 01/317 3571, www.votivkino.at

t h e a te r . ka b a r e t t

23.4, 21.00, Wien „Balkan Fever“: Divas of Balkan, Jazz: Eda Zari & Band (Albanien/Deutschland)

bis 3.4., 20.00, Wien Auf Grund: happy ends. Eine irritative Pop-Performanz für drei Frauen und einen Geist

Tunnel Vienna Live, 8., Florianigasse 39, T. 01/40 53 465

Kosmos Theater, 7., Siebensterng. 42, T. 01/523 1226, www.kosmostheater.at

2.-28.4, 20.00, Wien Wunschkonzert von Franz Xaver Kroetz mit Sandra Cervik Rabenhof Theater, 3., Rabengasse 3, T. 01/712 8282, www.rabenhof.at

4./15.4, 20.00, Wien Alltagsgeschichten: Dolores Schmidinger und Andrea Händler Kulisse, 17., Rosensteingasse 39, T. 01/485 3870, www.kulisse.at

6.-7.4., 20.00, Wien Das Werk. Elfriede Jelinek Akademietheater, 3., Lisztstr. 1, T. 01/514 44-4740

6.+8.4., 19.30, Wien Bambiland. Elfriede Jelinek Burgtheater, 1., Dr. Karl-Lueger-Ring 2, T. 01/514 44-4440, www.burgtheater.at.

Ab 12.4., 20.30, Wien Sonntagsclub: Bier für Frauen, von Felicia Zeller Foyer WUK, 9., Währingerstraße 59, T. 01/401 2170, www.wuk.at

13.-23.4, 20.00, Wien Seele brennt. A tribute to Werner Schwab. Mit Hilde Sochor Rabenhof Theater, 3., Rabengasse 3, T. 01/712 8282 , www. rabenhof.at

16.4-8.5, 20.00, Wien Dreier. R. Margit Mezgolich dietheater Konzerthaus, 3., Lothringerstr. 20, T. 01/5870 504, www.dietheater.at

22./24.4, 20.00, Wien „Wir machen’s auch ohne!“ Hommage an Werner Schwab. Vier neue Stücke österreichischer zeitgenössischer

Dramatik. U.a. von Kathrin Röggla und Franzobel Kasino am Schwarzenbergplatz, 3., Am Schwarzenbergplatz 1, T. 01/514 44-4830

s e m i n a r . w o rk s h o p 1.4, 17.00, Wien Frauen und Recht ega: frauen im zentrum, 6., Windmühlgasse 26, telefonische Anmeldung: T. 01/53427-229, www.ega.or.at

2.-4. April, Salzburg Rituale – Flügel oder Fesseln? Eine theoretische und praktische Reflexion. Mit Diann L. Neu (USA) und Susanne Meier (CH) St. Virgil Bildungszentrum, 5026, Ernst-Grein-Str. 14, Infos und Anmeldung: T. 0662/65 901, kurssekretariat@virgil.at, Micheala Moser T. 0676/544 26 46

3.4., 15.00, Salzburg betrifft: Alleinerziehende. Ich zuerst… wie Egoismus Liebe erschafft St. Virgil Bildungszentrum, 5026, Ernst-Grein-Str. 14, T.0662/65901-514, www.virgil.at, Teilnahme und kostenlose Kinderbetreuung nur nach Voranmeldung bis Mittwoch vor Veranstaltungsbeginn möglich!

5.4, 19.00, Mattersburg Frauenschreibwerkstatt. Leitung: Fini Zirkovich Literaturhaus Mattersburg, 7210, Wulkalände 2, T. 02626/67710-13

ab 14.4, 17.00-20.15 Gesprächsgruppe für Frauen mit sexuellen Gewalterfahrungen. Leitung: Bettina Reisch Räumlichkeiten des Notrufs, 17., Telefonische Anmeldung: T. 01/523 2222, Dauer: 1 Jahr, 14-tägig, Kostenbeitrag: 16.-/Termin, www.frauenweb.at/notruf

ab 14.4, 18.30, Wien Guter Sex ist kein Zufall! Leiterin: Julia Kastenhuber Semmelweis-Frauenklinik, 18., Bastiengasse 36-38, 14-tägig, Kosten: 90,70 eur, T. 01/47615-5771, www.fem.at

21./28.4, 18.00, Wien FrauenWohnprojekt [ro*sa]: Infoworkshop zu aktuellen Themen rund um das Wohnprojekt GSZ Gesundheits- und Sozialzentrum für den 4., 5. u. 10. Bez., 11., Gudrunstr. 145-149

22.-25.4, 17.00, Bad Tatzmannsdorf 5. Bad Tatzmannsdorfer Literaturtage. Verwandlungen. Mit P. Ganglbauer, G. Moser-Wagner, Elisabeth Wörndl Café Krone, Hauptplatz, Teilnahmegebühr: 62.-

23.-26.4., Haarberghof Frauen in Veränderung. Ein schamanisches Transformationswochenende mit INIPI Schwitzhüttenritual. Leiterinnen: Adelheid Boll und Romana Tripolt Kosten: 250.- inkl. Übernachtung, Vollpension und Material. Haarberghof. Information und Anmeldung: romana.tripold@utanet.at, T. 0676/5294834 oder adelheid@boll.at, T. 0676/5659557

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an.künden ega, 6., Windmühlgasse 26, Kosten: 85.-, T. 01/534 27 229, www.ega.or.at

23.+24.4., Wien Schluss mit dem Frust – Ich werde selbstbewusst! Leiterin: Margarete Kunz Semmelweis-Frauenklinik, 18., Bastiengasse 36-38, Kosten: 50.-, T. 01/47615-5771, www.fem.at

24.4, 14-16.00, Neunkirchen Einfach-Schmuck-Gestalten. Leitung: Isabella Reifer Freiraum, Frauenberatungsstelle, 2620, Wiener Straße 4/9 (Am Plätzl), Kosten: 5-10.-, T. 02635/61125, www.frauenberatung-freiraum.at

29.4-2.5., Salzburg Frauenbeteiligung im Europa von morgen! Konzepte Europäischer BürgerInnenschaft, politische Partizipationsmöglichkeiten und feministische Perspektiven St. Virgil Bildungszentrum, 5026, Ernst-GreinStr. 14, T.0662/65901-514, www.virgil.at

30.4, 9-17.30, Wien „Ich werde immer und überall gebraucht und das hört nie auf“. Selbsterfahrung zu Stress und burn-out für Frauen in sozialen, beratenden und pflegenden Berufen. Leiterinnen: M. Scherl und M. Brandl Frauenberatung, 6., Lehárgasse 9/2/17, Weitere Termine: 13.5, 3.6. u. 17.6., Kosten: 100.-. Für die Teilnahme ist ein Vorgespräch erforderlich. T. 01/587 6750, www.frauenberatenfrauen.at

v o r t r a g . d i s ku s s i o n 1.4, 16.00, Wien Frauengeschichte/Frauengeschichten. Bildhauerinnen: Camille Claudel, Luise Bourgeois, Niki de Saint Phalle und Clara Westhoff VHS Urania, 1., Uraniastr. 1, Kosten: 8,-, T. 01/712 6191

1.4, 19.00, Wien Frauen verändern ihre Zeit. Ruth Devime: Labyrinth, Labrys und Labien VHS Urania, 1., Uraniastr. 1, Kosten: 8.-, T. 01/712 6191

1.4., 19.30, Wien konzerne, kodizes, kooperationen… Präsentation einer Kurzdokumentation über die Indien-Reise der Frauensolidarität, anschl. Diskussion ega, 6., Windmühlgasse 26., Infos unter: T. 01/317 4020-0, www.frauensolidaritaet.org

14.4, 19.00, Wien In Österreich Künstlerin sein. Sieben Zwiegespräche. U.a. mit Christa Hauer, Eva Choung-Fux Depot, 7., Breitegasse 3, T. 01/522 7613, www.depot.or.at

15.4, 16.00, Wien Frauengeschichte/Frauengeschichten. Lebenskünstlerinnen: Susanne Wenger, Ella Maillart, Valerie Solanas und Helene von Druscowitz VHS Urania, 1., Uraniastr. 1, Kosten: 8.-, T. 01/712 6191

15.4, 19.00, Wien Frauen verändern ihre Zeit. Birgit Pecs: Knopf im Kopf und Knoten im Leib VHS Urania, 1., Uraniastr. 1, Kosten: 8.-, T. 01/712 6191

19.4., 19.30, Graz Depressionen: Wenn alles schwer fällt. Mit Christine Saiko-Jogan Frauengesundheitszentrum Graz, 8010, Joanneumring 3, Kosten: 5.-, T. 0316/83 79 98, Anmeldung erforderlich

20.4, 18.30, Wien Vortragsreihe biografiA/Frauen im Exil. Schwerpunkt: Die weibliche Perspektive. Dr. Susanne Bock: Heimgekehrt und fremd geblieben. Eine alltägliche Geschichte aus Wien 1946 bis 1955 (Buchpräsentation) Institut für Wissenschaft und Kunst, 9., Berggasse 17, iwk.institut@utanet.at

20./27.4, 18.00, Wien Ringvorlesung: „eine von fünf“: Gewalt gegen Frauen im sozialen Nahraum NIG, 1., Universitätsstr. 7, Hörsaal II

21.4., 18.30, Wien Vortragsreihe Psyche und Soma. Normalität, Normalisierung, Normativität. Dr. Waltraud Ernst: Zivilisationsgeschichten. Das Erotische zwischen „Natur“ und „Zivilisation“ im europäischen Diskurs der Aufklärung

Wien Museum Karlsplatz, 4., Karlsplatz, T. 01/505 8747-0, www.museum.vienna.at, Di-So 9-18.00

14.4-8.5, Wien Keep smiling in hell. Bilder von Dagmar Lipovics Kosmos Theater, 7., Siebensterngasse 42, T. 01/523 1226, www.kosmostheater.at. An allen Spieltagen 19-22.00

bis 18.4., Wien Body Display. Performative Installationen #4 Secession, 1., Friedrichstr. 12, T. 01/587 5307, www.secession.at, Di-So 10-18.00, Do 10-20.00

bis 24.4., Wien Dass die Körper sprechen, auch das wissen wir seit langem Generali Foundation, 4.,Wiedner Hauptstr. 15, T. 01/504 9880, Di-So 11-18.00, Do bis 20.00

bis 30.4., Wien HOMELIKEdot. Neue Arbeiten der österreichisch-türkischen Künstlerin Canan Dagdelen

Institut für Wissenschaft und Kunst, 9., Berggasse 17, iwk.institut@utanet.at

Galerie Artrium ed Arte, 7., Lerchenfelderstr. 31, T. 01/522 87 38, www.artriu-ed-arte.at

22.4, 16.00, Wien Frauengeschichte/Frauengeschichten. Lesbische Künstlerinnen: Christa Reinig, Lena Vandrey, Monique Wittig und Ariane Mnouchkine

6.4.-5.5., Wien Stilleben I. KünstlerInnen: Doris Krüger, Eva-Maria Ocherbauer, Magriet Smulders u.a.

VHS Urania, 1., Uraniastr. 1, Kosten: 8.-, T. 01/712 6191

22.4, 19.00, Wien Identitätspolitik: Kosten und Nutzen. Radio Stimme-Diskussionsforum. Mit Ursula Knoll, Alev Korun, Verena Krausneker und Sabine Strasser Depot, 7., Breitegasse 3, T. 01/522 7613, www.depot.or.at

22.4, 19.00, Wien Frauen verändern ihre Zeit. Irene Fleiss: Kreis – Alpha – Hufeisen und die Entwicklung zur Geometrie

Fotogalerie Wien, WUK, 9., Währingerstr. 59, T. 01/498 5462, www.fotogalerie-wien.at, Di-Fr 14-19, Sa 10-14

bis 23.5., Wien Eva Hesse. Transformationen Kunsthalle Wien, 7., Museumsplatz 1, T. 01/521 89 33, www.kunsthallewien.at, tgl. 10-19.00, Do bis 22.00

bis 30.5, Wien UNFINISHED (Fotografie). Vanda Vucicevic (Bosnien), Aleksandra Vajd (Slowenien) u.a.

VHS Urania, 1., Uraniastr. 1, Kosten: 8.-, T. 01/712 6191

Kulturkontakt Austria Pavillon „Piroschkarev“ im quartier 21 („transeuropa-Straße“), 7., Museumsplatz 1, Di-So 14-18.00

23.4, 19.00, Wien Gender Mainstreaming & Gender Planning. Über Geschlechterdemokratie in Stadt-, Landschafts- und Regionalplanung. Vortrag und Diskussion mit Bente Knoll und Elke Szalai

bis 31.5., Wien CoC_codes of conduct. mixed media installation. Verhaltenskodizes – ein Instrument zur Verbesserung von Arbeitsbedingungen? Eine Recherche der frauensolidarität in Indien

STICHWORT. Archiv der Frauen- und Lesbenbewegung, 15., Diefenbachgasse 38/1, T. 9201676, www.stichwort.or.at

28.4., 18.30, Wien Vortragsreihe feministische Theorie und Geschlechterforschung. Dr. Michaela Ralser: Wenn der Leib spricht… Institut für Wissenschaft und Kunst, 9., Berggasse 17, iwk.institut@utanet.at

29.4, 16.00, Wien Frauengeschichte/Frauengeschichten. The-Dinner-Party. Das größte feministische Frauenkunstwerk der Welt VHS Urania, 1., Uraniastr. 1, Kosten: 8.-, T. 01/712 6191

29.4, 19.00, Wien Frauen verändern ihre Zeit. Antonia Indrak: Besenflug durch Raum und Zeit VHS Urania, 1., Uraniastr. 1, Kosten: 8.-, T. 01/712 6191

a u s s te l l u n g

16.4., 16.00, Graz Körperlich gesund – aber krank vor Angst. Mit Klaudia Tertschig

bis 11.4, Wien Gastarbajteri – 40 Jahre Arbeitsmigration

Frauengesundheitszentrum Graz, 8010, Joanneumring 3, Kosten: 5.-, T. 0316/83 79 98, Anmeldung erforderlich

Wien Museum Karlsplatz, 4., Karlsplatz, T. 01/505 8747-0,www.museum.vienna.at, Di-So 9-18.00

44 an.schlägeapril 2004

bis 11.4., Wien Phantom Fremdes Wien. Lisl Ponger

Klaudia Wanner

23.+24.4., Wien NEIN sagen lernen. Mit Michelle Haintz

ega-lounge, 6., Windmühlgasse 26, T. 01/53427-229, www.ega.or.at, Mo-Do 10-16.00, Fr 10-14.00

bis 6.6., Innsbruck Mobilien. Olga Chemysheva, Tamara Grcic, Renée Green u.a Galerie im Taxispalais, 6020, MariaTheresien-Str. 45, T. 0512/508 3171, www.galerieimtaxispalais.at, Di-So 11-18.00, Do 11-20.00

bis 19.6., Wien Arbeiten von 12 KünstlerInnen aus Bratislava, Budapest, Ljubljana, Prag und Wien BAWAG Foundation, 1., Tuchlauben 7a, T. 01/53453-22655, Mo-Sa 10-18.00 Eintr. frei

bis 4.7., Wien Stimmungsimpressionismus, Bilder von Olga Wisinger-Florian, Maria Egner, Tina Blau u.a. Österr. Galerie Belvedere, Oberes Belvedere, 3., Prinz Eugen-Str. 27, T. 01/795 57 113, www.belvedere.at, Di-So 10-18.00

lesung

14.4, 19-24.00, Wien Venus im Bade Badehaus Sargfabrik, 14., Goldschlagstr. 169, T. 01/988 98 111, www. sargfabrik.at

18.4, 16-20.00, Wien Frauenbadefreuden Badehaus Sargfabrik, 14., Goldschlagstr. 169, T. 01/988 98 111, www. sargfabrik.at

ab 23.4., 17.00, Graz Vom Gehen zum Laufen – für Dick und Dünn. Mit Susa Walk Treffpunkt: Filmteich neben dem Hilmteichschlößl. Anmeldung: Frauengesundheitszentrum Gras, 8010, Joanneumring 3, Kosten: 3.-/Einheit (insgesamt 9 Einheiten), T. 0316/83 79 98

30.4., ab 16.00, Wien Der Grüne Tag der Arbeitslosen 2004. Das Leben endet (Nicht?!) am Arbeitsplatz. Straßenfest mit viel Musik und Polit.Talk mit Monika Vana, Klaudia Paiha u.a., 6./7., Mariahilferstraße/Neubaugasse, www.wien.gruene.at/frauenorganisation

f i x te r m i n

2.4, 20.00, Wien Kathrin Röggla: „Wir schlafen nicht“ Literaturhaus, 7., Seidengasse 13, T. 01/526 20 440, www.literaturhaus.at

Montag

14.4., 19.00, Wien Ana Bilic und Hilde Langthaler

autonomes Frauenzentrum, 4020 Linz, Humboldtstr. 43, T. 0732/60 22 00, www.frauenzentrum.at. Jeden Mo 18-22.00

Literaturhaus, 7., Seidengasse 13, T. 01/526 20 440, www.literaturhaus.at

23.4., 19.00, Graz „Doch alle Lust in Ewigkeit...“. Ein Streifzug durch die sinnlichsten, zärtlichsten und aufregendsten erotischen Stellen der Weltliteratur. Mit Petra Rudolf Frauengesundheitszentrum Graz, 8010, Joanneumring 3, Kosten: 5.-, T. 0316/83 79 98, Anmeldung erforderlich

29.4, 19.00, Mattersburg Buchpräsentation: „Schreibweisen. Poetologie.“ Mit Elfriede Gerstl, Barbara Neuwirth, Heidi Pataki Literaturhaus Mattersburg, 7210, Wulkalände 2, T. 02626/67710-13

a k t i v i t ä te n 7.4, 17.00, Wien Orientalischer Abend f. sinnliche Frauen Badehaus Sargfabrik, 14., Goldschlagstr. 169, T. 01/988 98111, www. sargfabrik.at

Frauencafé

Internet-Café für Frauen und Mädchen Auch Anfängerinnen. Kinderbetreuung. Zeit!Raum, 15., Braunhirscheng. 33-37, T. 895 72 67. Jeden Mo 15-18.00

Jour Fixe für lesbische Frauen über 50, Leitung: Andrea Scheutz (Psychotherapeutin) Institut Frauensache, 15., Reindorfg. 29, T. 89 58 440, e-mail: office@frauensache.at. Jeden 1. und 3. Mo, 19-20.30

„Lesbentutorium“ an der Uni Wien UniFrauenOrt, 9., Berggasse 5/24. Jeden Mo ab 19.00

Offene Encounter-Gruppe für Lesben und Frauen, die sich DA nicht so sicher sind Institut Frauensache, 15., Reindorfg. 29, T. 89 58 440, e-mail: office@frauensache.at. Jeden 2. und 4. Mo, 19.30-21.00, Anm. erforderlich


an.künden

Fo t o : M a g d a l e n a B l a s zc z u k

Tutorium für Lesben, BiFrauen und TransG an der Uni Wien UniFrauenOrt, 9., Bergg. 5/24. Jeden Montag ab 19.00

Dienstag Frauenlaufgruppe Hollabrunn. Mit Sylvia Möstl Treffpunkt: Parkplatz des ATSV, 2020 Hollabrunn. Jeden Di 9.00

Frauencafé der Frauengruppe ABRAXA 4060 Wels, Spitalhof 3, T. 07242/55 6 40, abraxa@goplay.com. Jeden Di 14-18.00

Dick und fit – Sport, Spiel und Körperspaß. Leiterin: Karin Weingartmann

Morgengruppe „Carpe diem“ – Körpertherapeutisch orientierte Jahresgruppe für Frauen. Leiterin: Renate Frotzler-Dittrich Verein „Frauen beraten Frauen“, 6., Lehárgasse 9/2/17, Voranm.: T. 587 67 50, UKB eur 11,-. Jeden Mi 9-10.30, Einstieg jederzeit möglich

Offene Gruppe für Alleinerzieherinnen und Frauen in Trennungssituationen Kontaktstelle für Alleinerzieherinnen, 1., Stephanspl. 6/V/30. Jeden 1. u. 3. Mi, 18-20.00, Anm.: Frauen beraten Frauen, T. 587 67 50

Offenes Atelier für Frauen

8010 Graz, Volksschule Brockmanng. 119, Anm. erforderlich: Frauengesundheitszentrum, Joanneumring 3, 8010 Graz, T. 0316/83 79 98-30. Jeden Di, 19-21.00

Anna Rakos, Kunsttherapeutin, Hofstattgasse 15/10, 18., Info und Anmeldung: T. 478 63 88, Kosten: eur 15,pro Abend (inkl. Material), jeden 1. Mi 19-21.00

Selbsthilfegruppe „Wenn Frauen zu sehr lieben“

Que(e)r-Beisl

Frauenservice, 8020 Graz, Idlhofg. 20, T. 0316/71 60 220, e-mail: office@frauenservice.at. Jeden Di 19.30-21.00

Geheimer Garten für Frauen und Mädchen Reichsapfelg., 15., Infos: Zeit!Raum Stadtteilprojekt, T. 895 72 67, www.zeitraum.co.at

Ernst Kirchweger Haus, 10., Wielandg. 2-4, www.raw.at. Jeden Mi 18.30-24.00

Donnerstag Ungehalten – gehalten. Schwimmkurs für Frauen. Leiterin: Theresia Blatnek-Wondraczek Anm.: Frauenberatung Zwettl, 3910, Galgenbergstr. 2, T. 2822/522 71-0. Do 19-20.00

Gesprächsgruppe für Frauen in Patchwork-Familien

„Komm Oma – surf mit mir!“ Internet-Café für Jung und Alt

Institut Frauensache, 15., Reindorfg. 29, T. 89 58 440, Anm. erf. 14-tägig

Frauentreff Rohrbach, 4150, Stadtplatz 16, T. 07289/66 55, keine Anm. erforderlich, Surfgebühr: eur 1,50/h. Jeden Don 15-18.00

Modern-Afro-Latin-Dance für Frauen aller Altersgruppen

Regenbogen Stammtisch

Autonomes Frauenzentrum, 9., Währingerstr. 59/Stiege 6, 2. Stock, Info: T. 54 54 393

Gasthaus Zur Brücke, 4840 Vöcklabruck, Vorstadt 18, T. 0699/11 34 12 14. Jeden Do ab 20.00

Mittwoch

HOSI-Jugendabend

Schreibwerkstatt für Frauen. Mit Fini Zirkovich

HOSI Wien, 2., Novaragasse 40. Jeden Do ab 19.00

Literaturhaus Mattersburg, 7210, Wulkalände 2. Jeden Mi 19.00. Anm.: T. 02626/677 10

Muttertag. Kostenlose Kinderbetreuung

Frauencafé Jugend- u. Kulturhaus AGATHON, 3002 Purkersdorf, Kaiser-Josef-Str. 49, Kontakt: Ulrike Putz-Alb, T. 0664/191 61 20. Jeden 1. Mi im Monat

Mittwochs-Frauentratsch mit Netzanschluss Frauenberatungsstelle Freiraum, 2620 Neunkirchen, Wiener Str. 4/9, T. 02635/61125, e-mail: freiraumfrauen@utanet.at. Jeden 1. Mi im Monat

Dick und fit – Schwimmen. Leiterin: Karin Weingartmann Schwimmhalle ATG, 8010 Graz, Kastellfeldg. 8, Infos: Frauengesundheitszentrum, Joanneumring 3, 8010 Graz, T. 0316/83 79 98-30. Jeden Mi 17-18.00 Anm. erforderlich!

Dein Körper – Deine Verbündete. Leitung: Andrea Scheutz (Psychotherapeutin) Institut Frauensache, 15., Reindorfg. 29, T. 89 58 440, e-mail: office@frauensache.at. Jeden 2. Mi 18-19.30, Anm. erforderlich!

Anm.: ega, 6., Windmühlg. 26, T. 589 80/0. Jeden Do 14-19.00

Psychotherapeutische Selbsterfahrungsgruppe für Frauen, Lesben und Mädchen. Mit Barbara Tiwari FZ-Bar, 9., Währingerstr. 59/6, Eingang Prechtlg., T. 402 87 54. Jeden Do 17.30-19.00

schmökern, gustieren, plaudern, Tee trinken, Bücher kaufen Buchhandlung Frauenzimmer, 7., Zieglergasse 28, T. 522 48 92, e-mail: frauenzimmer@aon.at. Jeden Do bis 21.00

Widerstandslesung. Künstlerische Beiträge (lesen, spielen, singen, feuerschlucken etc.) willkommen: www.awadalla.at/el/kalender.at

Journalistin für einen Tag Im Rahmen des Dritten Wiener Töchtertages, einer Initiative der Frauenstadträtin Renate Brauner und des Frauenbüros der Stadt Wien, haben Mädchen ab vierzehn dieses Jahr die Möglichkeit, an einem an.schläge-Workshop teilzunehmen: Die Mädchen können in den journalistischen Alltag einer Frauenredaktion hineinschnuppern, Grundlagen der journalistischen Arbeit kennenlernen, eigene Texte verfassen, im Internet recherchieren, fotografieren und layoutieren. Die Beiträge werden in der Juni-Nummer der Zeitschrift veröffentlicht. Wiener Töchtertag am 29. April 2004, Infos: T. 0800/22 22 10, http://www.toechtertag.at Offenes Treffen feministischer Migrantinnen Café Längenfeld, 12., Längenfeldg. 8. Jeden 1. Fr

Samstag

Botschaft der besorgten Bürgerinnen, 1., Ballhausplatz 1a. Jeden Do 17-19.00

Club Anderwelt

Freitag

Frauenclub… just the girls

Treffpunkt für junge Lesben bis 25

FZ-Bar, 9., Währinger Str. 59/6, Eingang Prechtlg., T. 402 87 54. Jeden 1. Sa ab 21.00

HOSI Linz, 4020, Schubertstr. 36, T. 0732/60 98 98. Jeden 2. u. 4. Fr ab 20.00

6., Theobaldg. 10. Jeden 2. Sa ab 22.00

Welser Frauen-Stammtisch – gemütlicher Frauentreffpunkt

Sonntag

Frauen-Treffpunkt

Schubert-Stüberl, 4600 Wels, Schubertstr. 13. Jeden 4. Fr. ab 20.00

Familienberatungsstelle, 6., Kaunitzg. 33/8, T. 581 09 60, UKB eur 1,50. Jeden Mi 18-20.00, keine Anm. erf., Kekse/Tee willkommen

Frauencafé der Rosa-Lila-Pantherinnen – der Abend für Lesben und Freundinnen

Café Barcelona, 8010 Graz, Reitschulg. 20, Kontakt: Verein Labrys, Martina Kump, www.labrys.gundl.at, e-mail: labrys@gundl.at. Jeden 1. So 18.00

Frauenfest im U4 12., Schönbrunner Str. 222. Jeden 1. Mi im Monat, ab 22.00

Lesbengruppe HOSI-Zentrum, 2., Novarag. 40, T. 216 66 04, www.hosiwien.at. Jeden Mi ab 19.00

Feel Free, 8010 Graz, Rapoldg. 24, meist einmal im Monat, 19-23.00, Info T. 0316/36 66 01

Internet-Café von Frauen für Frauen abz wien.cybercenter, 6., Gumpendorfer Str. 83, T. 595 21 55. Jeden Fr 13-19.00, jeden letzten Fr speziell für Mädchen

Labrys Lounge

Sonntagsfrühstück für Alleinerzieherinnen Eltern-Kind-Zentrum, 8010 Graz, Bergmanngasse 10/1, T. 0316/37 81 40, e-mail: info@ekiz-graz-at, www.ekizgraz.at, Termine: 11.4., 9.5., 13.6., 9-12.00

Sonntagsfrühstück. Für Lesben und interessierte Frauen

Frauengetriebe, 6900 Bregenz, Schillerstr. 2, T. 05574/45 538, e-mail: frauengetriebe@aon.at. Jeden 1. So ab 11.00

Rosa’s TanzBar. Tanzvergnügen für Lesben und Schwule. Standard und Latein-Tanz zu ausgesuchten Lieblingsmelodien Cheek2Cheek, 8., Lange Gasse 50, UKB: +5,-, e-mail:RosasTanzBar@gmx.at, www.cheek2cheek.at. Jeden 4. So 19.00

Selbsthilfegruppe Anonyme Ess-Süchtige 13., St. Veitg. 25, T. 0676/78 79 144, jeden So 19.30

Weiber-Frühstück: Videos, Diskussion, Provokation, feministische Literatur, veganes Buffet E.K.H., 10., jeden 1. So

Nach Vereinbarung Frauenberatung Verein Frauen für Frauen Burgenland, 7400 Oberwart, Spitalg. 5, T. 03352/338 55; 7540 Güssing, Hauptstr. 26, T. 03322/430 01

Frauenleserunde Literaturhaus Mattersburg, 7210, Wulkalände 2, Infos T. 02626/67 71 012

Psychologische, juristische und arbeitsmarktpolitische Beratung sowie Sozialberatung für Frauen Die Tür – Frauenservicestelle, 7210 Mattersburg, Brunnenpl. 3/2, T. 02626/62 670; 7000 Eisenstadt, Joachimstr. 11/2, T. 02682/66 124

Beratung, Gruppen, Kurse, Vorträge für Frauen. Auch muttersprachliche Beratung Wendepunkt, 2700 Wr. Neustadt, Raugasse 16, T. 02622/825 96. Mo, Do, Fr 9-12.00, Di 17-20.00

Beratung im Schwangerschaftskonflikt, bei Verhütungsfragen und Essstörungen ISIS, 5020 Salzburg,Willibald Hauthalerstr. 12, T. 0662/44 22 55

Ganzheitliche Beratung zu Wechseljahren, Brustveränderungen, Myomen, u.a.m. Frauengesundheitszentrum, 8010 Graz, Joanneumring 3, T. 0316/83 79 98, kostenlos

april 2004an.schläge 45


an.künden

Fo t o : E r z é n S h k o l o l l i , B e d , 1 9 9 9

aus.blick

an.schläge

im mai

Mobilien „Mobilien“ sind Alltagsgegenstände, die ihrer ursprünglichen Aufgabe enthoben wurden und deren Funktion als Träger von Geschichten und Erinnerungen dadurch sichtbar wird. Die Ausstellung in der Galerie im Taxispalais in Innsbruck zeigt diese Symbole kollektiver und individueller Geschichte(n) mit Fotoarbeiten, Videos und Installation u.a. von Renée Green, Olga Chernysheva und Tamara Grcic. 2.4 bis 6.6, Galerie im Taxispalais, 6020 Innsbruck, Maria-Theresien-Str. 45, T. 0512/508-3170, http://www.galerieimtaxispalais.at. Di bis So 11-18.00, Do 11-20.00 Hotline Essstörungen des Frauengesundheitszentrums Graz Telefon zum Ortstarif: 0810/810 400. Mo, Do 16-19.00; Mi 9-12.00

Schwangerschaftstest zum Selbstkostenpreis (eur 1,50), Hilfe zur Selbsthilfe und Infos zu Schwangerschaftshilfen und/oder Schwangerschaftsabbruch Frauengesundheitszentrum, 8010 Graz, Joanneumring 3, T. 0316/83 79 98. Mo-Mi und Fr 9-13.00, Do 15-19.00

Verhütung für Frauen. Mit Monika Vucsak Anm.: Frauengesundheitszentrum, 8010 Graz, Joanneumring 3, T. 0316/83 79 98, eur 5,-

Arbeitsgruppe für Frauen mit sexuellen Missbrauchserfahrungen in der Kindheit Frauen beraten Frauen, 1., Seitenstetteng. 5/7, Info T. 0676/717 29 67

Beratung, Kurse, Information für geistig oder mehrfach behinderte Frauen und ihre Angehörigen Verein Ninlil, 3., Hetzg. 42/1, T. 714 39 39

Einzelberatung für Frauen in Krisensituationen

Schlank & glücklich? F.E.M., 18., Bastieng. 36-38, Workshop n. V., Anm./Info: T. 476 15/57 71

Sexualberatung – Was Sie schon lange oder gerade jetzt dringend besprechen wollten. Leitung: Julia Kastenhuber, Psychologin F.E.M., 18., Bastieng. 36-38, T. 476 15/57 71, UKB eur 10,-/Einzel-oder Paar

Theaterworkshop „Liebe, Sex & Co“. Leiterin: Martina Nöster, Psychotherapeutin F.E.M., 18., Bastieng. 36-38, T. 476 15/5772

r a d i o . f i x te r m i n jeden 1. Mo 18-19.00 Khorschid Khanum – die persischsprachige Frauensendung Radio Orange 94 MHz (Telekabel Wien 92,7)

Di 18-19.00 HOSI Lesbenradio (1. Do), La manifesta (2. Do), Görls linkup (3. Do), Lourdes (4. Do) Radio Orange 94 Mhz

Anm.: F.E.M., 18., Bastieng. 36-38,T. 476 15/57 71; Erstgespräch kostenlos! Tel. Beratung Di 10-12.00 u. Do. 14-16.00 unter T. 476 15/57 75 sowie unter fem@aon.at

Di 18-19.00 ta mera – an Orten wie diesen. Von Frauen für Frauen. Von Lesben für Lesben

Help – Schnelle Hilfe für junge Leute Alles muss man nicht alleine schaffen! Leiterin: Martina Nöster, Kinder- u. Jugendpsychologin

Radio Orange 94 Mhz

F.E.M., 18., Bastieng. 36-38, T. 476 15/57 72. Erstgespräch kostenlos, weitere eur 4,-

Körper(Wohl-)Gefühle. Lerne Dich in Deinem Körper wohl zu fühlen. Leiterin: Martina Rainer, ShiatsuPraktikerin F.E.M, 18., Bastieng. 36-38, T. 476 15/5771, UKB eur 23,-

Mädchenworkshop: Besuch bei der Frauenärztin. Mit Gabriele Knappitsch Anm.: F.E.M., 18., Bastieng. 36-38, T. 476 15/57 71

Medizinische Sprechstunde für Mädchen und Frauen mit Essstörungen Anm.: F.E.M., 18., Bastieng. 36-38, T. 476 15/57 71

46 an.schlägeapril 2004

Mi 20.05-20.20 Das Frauenzimmer. Die Plattform für eine frauenspezifische Information Freies Radio Salzburg, FM 94 MHz

Mi 17-18.00 femme totale – feministisches Radioprogramm radio helsinki, 92,6 Mhz (Graz)

Mi 18-19.00 Abwechselnd: orangina – Fanzine zu Mädchennetzwerken in der Subkultur/bauch.bein.po – Die Sendung für die ganze Frau

Fr 18-19.00 Abwechselnd: Dyketime – Radiomagazin für Lesben/Frauenforum

Roma in Europa Polizeiliche Gewalt gegen Roma in der Slowakei ist die Spitze eines Eisberges an Diskriminierung der Roma-Bevölkerung in manchen Teilen Europas.

radio helsinki, 92,6 MHz (Graz)

thema

Fr 18-19.00 Radio UFF. Das Radio des Unabhängigen Frauenforums

Verhüllte Tatsachen

Radio Orange 94 MHz, jeden 2. Fr.

tanz.fest 6.4., 20.00, Wien Noise Appeal feiert den 1. Geburtstag und zu diesem Anlass gibt’s ein kleines aber feines Fest

Wo genau liegen die Vorbehalte gegen Kopftücher muslimischer Frauen und was halten jene den feministischen Argumenten entgegen?

B.A.C.H, 16., Bachgasse 21

23.4, 21.00, Wien TanzFest. 10 Jahre Verein Drehungen – Selbstbewusstsein, Selbstbehauptung, Selbstverteidigung für Mädchen und Frauen. Mit DJane Lisa S. Deen Siebenstern, 7., Siebensterngasse 31, T. 01/523 6157-74, Women Only!

28.4, 18.00, Wien Frauenfest zur AK-Wahl ega, 6., Windmühlgasse 26, T. 01/589 80 422, www.ega.or.at

porträt

Stella Rollig Das Lentos-Museum in Linz wird seit kurzer Zeit von einer starken Frau geführt, die ihre Wurzeln in feministischer Kunst und Bewegung hat.

diverses 14.4, 16.00, Graz Verein Frauenselbsthilfe nach Brustkrebs: Maltherapie. Leitung: E. Holzer. G. Lutz, G.Pertl Frauengesundheitszentrum Graz, 8010, Joanneumring 3, T. 0316/837998

15.4, 19.00, Graz Eine Frau und ihre Krankheiten: Die chinesische Medizin als Ergänzung. Referentin: M. Weingraber Frauengesundheitszentrum Graz, 8010, Joanneumring 3, T. 0316/837998, Unkostenbeitrag: 5.-, Anmeldung erforderlich

Redaktionsschluss

Radio Orange 94 MHz

Termine 05/04: 13.04.04

Fr 16.30-17.30 SPACEfemFM. Frauenradio

termine@anschlaege.at

Radio FRO, 105 MHz (Linz). Jeden 1. u. 3. Fr.

diskriminierung

an.schläge gibts in folgenden Buchhandlungen Winter Zentralbuchhandlung Ebbe & Flut Südwind Frauenzimmer Riedl Averroes Leporello Löwenherz Südwind Kulturver. Waschaecht

1010 1010 1030 1070 1070 1080 1090 1090 1090 1090 4600

Landesgerichtsstr. 20 Schulerstr. 1-3 Radetzkystr. 11 Mariahilferstr. 8 Zieglergasse 28 Alser Str. 39 Schwarzspanierstr. 20 Liechtensteinstraße 17 Berggasse 8 Schwarzspanierstr. 15 Dragonerstr. 22


Fo t o s : A r c h i v

eurogamesgolf

Befreiungsschlag Andrea Gollbach hat den Golfsport für sich entdeckt und hofft auf spannende Bewerbe im Rahmen der EuroGames in München. Von Ariane Rüdiger senten für die Rainbowgolfers gewinnen“, sagt sie. Eine Mail an rund 300 Adressen aus dem Sappho-Guide, in dem sie auf die Rainbowgolfers hinwies und weitere Kontakte zur queeren Golfszene suchte, blieb bis auf eine zaghafte Antwort resonanzlos – es kann also nur besser werden. Andrea Gollbachs Leben hat sich durch den Sport verändert:„Wer mir früher gesagt hätte, ich würde um sechs aufstehen, den hätte ich für verrückt erklärt.“ Und heute? Graut der Morgen, geht ihr erster Blick zum Fenster. Ist es schön und hat sie Zeit, fährt sie nach Riem und dreht dort eine Runde, bevor der Alltag sie einholt. Die Sache mit der Zeit ist freilich ein Problem: Als Miteigentümerin des traditionsreichen Münchner Frauenbuchladens Lillemors in der Barerstraße in Schwabing ist dieser kostbare Stoff knapp bemessen. Einmal Golf spielen dauert „inkusive An- und Abfahrt sowie einer Stunde Kaffeetrinken“ immerhin sieben Stunden und damit fast genau so lange wie der durchschnittliche Angestellten-Arbeitstag. Zuhause gibt es keinen Ärger wegen des Golf-Engagements, denn Andrea Gollbach ist gegenwärtig Single.„Eine Freundin, die sich nicht für Golf interessiert – das wäre sicher schwierig. Denn man spielt entweder leidenschaftlich gern oder gar nicht“, sagt sie. Klar, dass sie zu den leidenschaftlichen Golferinnen gehört. Zaghaft. Rund vier Stunden verbringt An ihrem Sport liebt sie die MiAndrea Gollbach jede Woche mit orgaschung aus körperlicher Anstrengung nisatorischen Vorarbeiten.„Ich hoffe, und Konzentration – so ähnlich wie dass wir über das Turnier auch lesbischschwule Golferinnen und Golfer aus dem beim Bogenschießen. Das versuchte sie Ausland kennen lernen und neue Interes- in ihrer Jugend nur ganz kurz, dann fiel Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung. Jedenfalls wenn man wie Andrea Gollbach auf dem Golfplatz steht.„Mir geht das Herz auf, wenn ich sehe, wie die Tautropfen auf der Wiese in der Sonne blitzen“, sagt sie. Und natürlich auch dann, wenn sie es schafft, den kleinen Ball mit möglichst wenigen Schlägen gezielt ins Loch zu putten. Andrea Gollbach entdeckte ihre Begeisterung für den etwas anderen Schlägersport erst 2001. Sie erwarb in einem Grundkurs die Platzreife (einer Art Führerschein für GolferInnen) und schloss sich 2002 den Rainbowgolfers an, einem Netzwerk von rund 25 golfbegeisterten Lesben und Schwulen aus München und Umgebung. 2002 und 2003 nahm sie nicht nur an den Sommerturnieren der Rainbowgolfers teil, sondern übernahm 2003 zusammen mit einem schwulen Golfkollegen auch die Organisation des Wettbewerbs. Kein Wunder also, dass die beiden beschlossen, während der EuroGames ein Golfturnier auf die Beine zu stellen. Achtzig Anmeldungen aus Deutschland und benachbarten Ländern liegen bereits vor, hundert sollen es werden. Ein Turniertag und ein Tag zum Kennenlernen sind geplant – beides auf dem Golfplatz im voralpenländischen Iffeldorf mit seinem phantastischen Bergpanorama.

ihr die Vereinsmeierei auf die Nerven. Sie ließ es bleiben und blieb bis zum Einstieg ins Golfen sportabstinent. Das harmlos aussehende Golfen hat es, ganz entgegenverbreiteten Vorurteilen, in sich:„Wenn ich vier Stunden lang über einen 18-Loch-Platz gelaufen bin und dabei die rund acht Kilo Material geschleppt habe, weiß ich, was ich getan habe“, meint die Buchhändlerin. Breitentauglich. Und die Mär vom snobistischen Golf-Volk? Andrea Gollbach lächelt:„Golf ist nicht billig, aber auch nicht teurer als zum Beispiel Alpin-Ski. Und wie snobbish man ist, bestimmt man selbst.“ Die Golfverbände jedenfalls wollen den ehemaligen Elite-Sport längst zum breitentauglichen Freiluftvergnügen machen. Nur wenige Vereine versuchen einen Hauch von haute volée aufrecht zu erhalten, indem sie fremde SpielerInnen nur in Begleitung eines Mitglieds aufs Green (den Rasen) lassen oder hohe Gebühren erheben. Kurz: Auch wer mit Fahrrad oder altertümlicher Ente vorgefahren kommt, ist, sofern platzreif, meist herzlich willkommen. Noch eine gute Nachricht gibt es für an Golf interessierte Lesben und Schwule:„Auf dem Green mischen sich Junge und Alte – man kann sehr früh im Leben mit Golf anfangen, muss es aber nicht, und man kann sein ganzes Leben lang spielen“, sagt Andrea Gollbach.Wer wegen Falten oder grauer Haare beim Besuch jugendgeiler Diskos nur noch schräge Blicke erntet, sollte also sein Glück ruhig einmal auf dem Green versuchen – die Aussicht(en) sind dort bestimmt besser – von der Luft ganz zu schweigen. ❚ februar 2003an.schläge 47


an.schläge

Nr. 04/04, april 2004/18. Jahrgang, e 3,5 (Ö) e 4,– (D) sfr 8,– , P.b.b. Erscheinungsort Wien, Verlagspostamt 1030 Wien, envoi à taxe réduite, GZ 02Z031419 M

2004_04_anschlaege  

FreieLiebe DAS FEMINISTISCHE MAGAZIN april Im Juli treffen sich wieder lesbischwule SportlerInnen zum Kräftemessen Annie Sprinkle gab anläss...

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