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Fotos: Dieter Schütz/ pixelio.de

Ein neuartiges und wegweisendes Schulungskonzept hat ein interdisziplinäres Team aus zwei erfahrenen Notfallmedizinern, einer Kommunikationspädagogin und Pflegekräften in Düsseldorf erarbeitet

Medical Teamtrainings für Qualität und Patientensicherheit CTRM - Ein Konzept für interprofessionelle Behandlungsteams Von Christian Künstler, Martin Pin und Karen Jerusalem

Messbare Qualität als Bewertungsfaktoren im Gesundheitssektor Qualität und Patientensicherheit sind Parameter, die unser Gesundheitssystem in den nächsten Jahren maßgeblich beeinflussen werden. Im aktuellen DRG - basierten Entgeltsystem, haben Mengenanreize, der nächste und übernächste Fall mit einer noch höheren Fallschwere oftmals eine größere Relevanz und Akzeptanz, als die Behandlungsqualität und die weiterführende Versorgungsqualität außerhalb der Klinik. In Zukunft werden Qualität, Qualitätsindikatoren und Patientensicherheit eine zunehmend zentrale Rolle einnehmen. Dies hat auch die große Koalition in ihrem Koalitionsvertrag im November 2013 festgeschrieben. "Pay for Performance" (P4P) heißt die Maxime. Wir werden uns in Zukunft wahrscheinlich mit einem Vergütungssystem auseinandersetzen müssen, welches die DRG´s und P4P miteinander kombiniert und somit Qualität über ein ökonomisches Stellglied einfordern wird. Doch Qualität und Patientensicherheit, als Grundgedanken und tragende Motive unseres Gesundheitssystems, gibt es nicht umsonst. Zur Umsetzung bedarf es eines grundsätzli-

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Am Puls

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chen Umdenkens aller Akteure, hin zu mehr sektorenübergreifender Kooperation, sowohl auf gesundheitspolitischer Ebene, als auch innerhalb des "Mikrokosmos Krankhaus".

Die Notwendigkeit und die Idee des Medical-Team-Trainings

Dem Vorbild der Industrie folgend und von ökonomischen Zwängen getrieben haben Krankenhäuser in den letzten Jahren wesentliche Ökonomisierungsprozesse (Outsourcing, Zentralisierung, Klinikverbund) durchlaufen. Dem hingegen sind die internen Organisationsstrukturen und Hierarchien in den letzten dreißig Jahren nahezu unverändert geblieben. Hier setzt das in diesem Artikel beschriebene Trainings-Pilotprojekt an. Es hat das Ziel, einen sektoren- und abteilungsübergreifenden Blick auf die Patientenversorgung zu fördern. Es soll Patientensicherheit als elementares Motiv vermitteln und es soll letztlich den Kolleginnen und Kollegen aller Berufsgruppen Mittel und Konzepte zur Verfügung stellen, die ihnen noch mehr Handlungssicherheit in der täglichen Arbeit geben. Qualität und Patientensicherheit benötigen zwingend das Engagement eines jeden einzelnen Mitarbeiters in der täglichen Patientenversorgung. Dies müssen wir fördern. Allein durch Vorgaben der Politik und der Kostenträger werden sich Qualität, Patientensicher-

heit und P4P nicht sinnvoll umsetzen lassen.

Die Umsetzung in der Praxis

Zentrale interdisziplinäre Notaufnahmen sind Organisationsstrukturen in denen gute interprofessionelle und interdisziplinäre Zusammenarbeit in hoher Patientensicherheit und Versorgungsqualität ihren Ausdruck finden. Hier müssen täglich fachübergreifende Entscheidungen getroffen und die Prozesse für den gesamten weiteren Behandlungsablauf festgelegt werden. Auf der Basis dieser Überlegungen hat ein Team von erfahrenen Notfallmedizinern und Pflegekräften einer zentralen Notaufnahme in Düsseldorf die Initiative ergriffen und in Kooperation mit einer einer professionellen Kommunikationstrainerin ein neuartiges Trainingskonzept entwickelt und erfolgreich durchgeführt, das zweitägige "CTRM - Clinical Team Ressource Management-Training".

Was ist das Besondere am “CTRM - Clinical Team Ressource Management-Training”?

Das Training findet in der Arbeitsumgebung der Teilnehmer statt. Um allen Teilnehmern eine möglichst realistische, praxisnahe Lernerfahrung bieten zu können, wird das Training in der echten Arbeitsumgebung der Teilnehmer, mit den Geräten und Medikamenten, die täglich verwendet werden durchgeführt. Lediglich der Patient wird durch einen Full-scale-Simulator ersetzt, der von einem der Trainer gesteuert wird und dadurch auf Ansprache und Behandlung reagiert wie ein realer Patient. Dazu wird die Station, die in die Schulung eingebunden ist, zum Beispiel der Schockraum einer Notaufnahme, oder ein Patientenzimmer auf Intensiv- oder Normalstation, mit drei Kameras ausgestattet, die die Geschehnisse aufnehmen und in den Seminarraum übertragen. Es wird von allen Teilnehmern als Bereicherung wahrgenommen das Training in ihrer echten Arbeitsumgebung zu erleben. Das Gefühl, in einer Simulation zu arbeiten, tritt dadurch meist in den Hintergrund und die Situation wird wie eine reale erlebt. So können in der Auswertung die Arbeitsabläufe analysiert werden: ist beispielsweise die Anordnung der Geräte praktikabel oder sind Veränderungen notwendig?

Simulation als Methode

Das Simulationstraining wird in diesem Training eingesetzt, um theoretisch erworbenes

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