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Gucken für die Menschenrechte. Filme, die Menschenrechtsverletzungen dokumentieren und Geschichten dazu erzählen, sind heute wichtiger denn je.

»Der Preis hat uns weitergebracht« Pagonis Pagonakis hat als Juror über die Vergabe des Deutschen Menschenrechts-Filmpreises entschieden, der dieses Jahr zum zehnten Mal vergeben wurde. Worauf es dabei ankommt, weiß er sehr genau: Er hat ihn selbst schon gewonnen. Interview: Jürgen Kiontke

Was ist ein guter Menschenrechtsfilm? Für mich ist wichtig: Da ist ein echtes Anliegen! Und dass ich das Gefühl habe, dass der Regisseur auch die richtigen filmischen Mittel gesucht hat. Wir suchen nach Filmen, die nicht nur inhaltlich, sondern auch qualitativ überzeugen – die optischen Mittel müssen optimal eingesetzt werden. Wir schauen, welcher Film am meisten Wirkung entfaltet und dabei auch noch gut recherchiert ist. Einfache Parteinahme propagandistischer Art ist

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schlecht. »Iran Elections« von Ali Samadi Ahadi, den Gewinner von 2010, fand ich gelungen: Ein Genre-Mix mit Handy-Videos, Straßenszenen, Animationen. Sie haben den Menschenrechts-Filmpreis selbst bekommen, und zwar für ihre Recherchen über den Tod von Oury Jalloh, der 2005 im Polizeigewahrsam in Dessau verbrannt ist. Welche Wirkung hatte die Verleihung? Dieser Film lief ein Jahr nach dem Tod Jallohs, damals gab es kaum noch Berichterstattung zu dem Fall. Die Ausstrahlung in der ARD hatte schon viel Gewicht; und als dann noch der Preis kam, hat das den Fall noch mal richtig aufgerollt. Der Richter regte sich darüber auf, dass die Menschenrechtsgruppen mit ihren Anfragen sein Fax blockierten. Man hatte das Gefühl, dass das Verfahren vor dem Landgericht in Dessau letztendlich nur auf vereinten Druck von Menschenrechtlern und Medien zustande kam. Da hat der Menschenrechts-Filmpreis eine ganz konkrete Wirkung gehabt.

AMNESTY JOURNAL | 01/2017

Amnesty Journal: Ausgabe Dezember 2016/Januar 2017  

Hand in Hand – Freundschaft, Solidarität und Menschenrechte

Amnesty Journal: Ausgabe Dezember 2016/Januar 2017  

Hand in Hand – Freundschaft, Solidarität und Menschenrechte

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