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Spurensuche. Ein Anthropologe arbeitet in einem Massengrab in der Militärbasis von Cobán.

Die Antastbaren Korruptionsermittlungen und Prozesse zur Aufklärung von Verbrechen aus dem Bürgerkrieg setzen die traditionellen Eliten Guatemalas unter Druck. Doch diese bedrängen ihrerseits die ermittelnden Juristen. Von Knut Henkel Abweisend blicken die jungen Soldaten am Eingang zum Militärstützpunkt »Creompaz« zu der Menschenmenge hinüber, die sich auf dem Platz vor der Offiziersmesse sammelt. Die Experten von der Stiftung für forensische Anthropologie (Fafg) sind mit ihren beschrifteten Westen schon von Weitem zu erkennen, ebenso wie die Ermittlungsbeamten der Staatsanwaltschaft, die sich um Richterin Claudette Domínguez scharen. Daneben stehen Anwälte und Vertreter von Opferorganisationen – zumeist Frauen. Sie alle sind an diesem Tag zur ehemaligen »Zona Militar 21« gekommen, um sich einen Eindruck von diesem Tatort zu verschaffen. Die Militärbasis am Rand der zentralguatemaltekischen Stadt Cobán ist eine der größten des Landes. Seit 2005 heißt sie

MARKUS N. BEEKO

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GUATEMALA

»Creompaz«, an ihrem Eingang weht die Flagge der UNO. Sie dient heute als »regionales Trainingskommando für friedensstiftende Operationen«. Von hier aus sind Soldaten nach Haiti und in die Demokratische Republik Kongo gestartet. Ein krasser Widerspruch zur Vergangenheit – denn auf dem weitläufigen Gelände wurde in den achtziger Jahren gefoltert, vergewaltigt und gemordet. In den vergangenen drei Jahren wurden hier die sterblichen Überreste von 558 Menschen gefunden, die in 85 Gräbern verscharrt worden waren. »Zuerst wurde den Forensikern von den Militärs der Einlass verweigert, erst ein richterlicher Befehl machte den Weg frei«, erklärt der leitende Staatsanwalt für Menschenrechte Orlando López. Der 41-jährige Jurist hatte die Staatsanwaltschaft in dem Prozess gegen Ex-Diktator Efraín Ríos Montt im Frühjahr 2013 vertreten und verfolgt nun die Beweisaufnahme im »Creompaz-Fall«, des zweiten für Guatemala so wichtigen Prozesses. »Creompaz« sorgt seit Januar 2016 für Schlagzeilen. Damals wurden 14 ranghohe Militärs, allesamt im Ruhestand, in Unter-

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Amnesty Journal: Ausgabe Dezember 2016/Januar 2017  

Hand in Hand – Freundschaft, Solidarität und Menschenrechte

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