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Was ist schon eine Revolution

Wollen Veränderung. »Lucha«-Aktivisten bei einem Treffen in Kinshasa.

In der Demokratischen Republik Kongo wecken die jungen Aktivisten der »Lucha«-Bewegung Hoffnung auf politische Veränderung. Aber wie lehnt man sich auf gegen einen Staat, der nur auf dem Papier funktioniert? Von Lea Frehse Im berüchtigten Gefängnis eines berüchtigten Staates auf einem berüchtigten Kontinent sitzen zwei Revolutionäre auf Pritschen mit dünnen Matratzen und schwärmen vom Erhalt der Ordnung. »Der Präsident muss gehen«, sagt Yves. »Wir wollen einen starken Staat«, sagt Fred. An die Stahltür ihrer Zelle hat jemand mit schwarzer Farbe die Nummer 18 gepinselt. Die Tür steht offen. Bis vor 18 Monaten war Fred Bauma, 26, Jura-Student im zehnten Semester. Yves Makwambala, 32, Webdesigner, setzte sich noch bis vor einigen Jahren weg, wenn Freunde begannen, über Politik zu diskutieren. Dann trafen sie sich in Kinshasa

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beim Workshop einer Demokratie-Plattform, an dessen Ende beide von Spezialeinheiten der Geheimdienste abgeführt wurden. Das Staatsfernsehen zeigte ihr Bild in den Nachrichten, der Innenminister nannte sie »Terroristen« und die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch »politische Gefangene«. #freeFred und #freeYves wurden Hashtags auf Twitter. Fred und Yves säßen nicht hier, wenn ihre Regierung sie nicht fürchtete. Sie säßen nicht in Zelle 18, Block 1, verkörperten sie nicht eine Hoffnung. Die Hoffnung auf eine Jugend, mit der einmal alles anders wird. Der Weg zu den beiden Gefangenen führt durch knietiefe Schlaglöcher, vorbei an niedrigen Häusern aus Wellblech und billigem Beton bis an eine Mauer mit Stacheldraht, hinter der sich Makala befindet – das Zentralgefängnis von Kinshasa und das größte Gefängnis der Demokratischen Republik Kongo. Hier sitzen verurteilte Kriminelle neben so manchem, der festgenommen wurde, aber nie einen Anwalt gesehen hat. Und hier

AMNESTY JOURNAL | 01/2017

Amnesty Journal: Ausgabe Dezember 2016/Januar 2017  

Hand in Hand – Freundschaft, Solidarität und Menschenrechte

Amnesty Journal: Ausgabe Dezember 2016/Januar 2017  

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