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ALTE BÄUME OLE BÖÖM Baumbegegnungen in Schleswig-Holstein Bööm drapen in Sleswig-Holsteen


IMPRESSUM Herausgeber:

03 EINLEITUNG TOEERST

Schleswig-Holsteinischer Heimatbund e. V. Hamburger Landstraße 101 24113 Molfsee in Zusammenarbeit mit

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DAS BESONDERE ALTER BÄUME OLE BÖÖM HEBBT WAT BESÜNNERS

dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume und der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein

Gefördert durch BINGO!

10 PERSÖNLICHE BAUMBEGEGNUNGEN MIEN BOOM – DIEN BOOM – UN WAT SE UNS VERTELLT 34 BAUMKUNDE FÜR EINSTEIGER FANG AN UN LEHR WAT ÖVER BÖÖM

Die Umweltlotterie Text und Konzeption: Nicola Brockmüller

42 IN MEMORIAM WI DENKT TORÜCH

Christine Düwel † Marianne Ehlers Dr. Holger Gerth Norbert Voigt Gestaltung: amatik Designagentur, Kiel Herstellung: Einblatt-Druck, Kiel

43 LITERATUR UND LINKS WAT STEIHT WO?


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LIEBE LE SERIN, LIEBER LE SER, alte Bäume sind mit ihrer Heimat buchstäblich verwurzelt. Könnten sie reden, sie würden uns von ihren Erlebnissen erzählen: Geschichten über Menschen und Tiere, kleine und große Revolutionen, den Lauf der Dinge und der Jahre. Sie sind Lebewesen und zugleich Land- und Wegmarken, die uns Menschen über Generationen begleiten. Dabei sind Bäume immer auch Botschafter für ein sauberes Klima und Biodiversität – und strecken ihre Triebe Richtung Zukunft. Gerne habe ich das Projekt BAUMJAGD mit der Schirmherrschaft für den Wettbewerb »Alte Bäume – Ole Bööm« unterstützt. Die BAUMJAGD hat sich die Werbung für die alten Bäume auf die Fahnen geschrieben. Diese Broschüre möge dazu beitragen, sich dem Phänomen »Alter Baum« nicht nur aus ökologischem, sondern auch aus kreativem, literarischem oder kulturhistorischem Blickwinkel zu nähern. Ich würde mir wünschen, wenn sich auch weiterhin viele Schleswig-Holsteiner aller Altersstufen auf die Spuren der alten Bäume begeben. Es erwartet sie eine spannende Begegnung mit einem Stück Heimat und Natur.

Dr. Robert Habeck Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holstein


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WEGWEISER DURCH DIE GESCHICHTE WIESPAHL DÖRCH DE GESCHICHT Bäume können älter werden als die meisten anderen Lebewesen. Grannen-Kiefern in Kalifornien zählen mit über 4 600 Jahren zu den ältesten Bäumen der Erde. In Mitteleuropa liegt der Altersrekord bei rund 1 000 bis 1 500 Jahren. Einige dieser Bäume haben also das Ende des Römischen Reiches noch

miterlebt. Andere, meist Linden und Eichen, haben ihre ersten Jahre im Mittelalter oder bereits im Zeitalter der Wikinger verbracht. Das Alter der Bäume lässt sich an den Jahresringen der Bäume ablesen, die durch das jahreszeitlich unterschiedliche Dickenwachstum entstehen.


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Bordesholmer Linde

Alte Eibe Flintbek

Die Bordesholmer Linde ist mit einem Alter von ungefähr 650 Jahren eine betagte Baumpersönlichkeit und stammt noch aus der Klosterzeit Bordesholms. Sie fungierte lange Zeit als Gerichtslinde und ist Wappenbaum der Gemeinde Bordesholm.

Südlich von Kiel steht in Flintbek hinter der Kirche der wohl älteste Baum Schleswig-Holsteins. Laut Kirchenchronik hat diese Eibe mit einem Stammumfang von 3,80 m bereits ein beeindruckendes Alter von 1 000 Jahren erreicht.

WAS HABEN WIR ALLES GESEHEN?

1530 1864 2000 Zur Zeit Martin Luthers haben wir beide schon einige Jahrhunderte auf dem Buckel. Schleswig-Holstein und Deutschland im heutigen Sinne gibt es da noch gar nicht.

Wir sind jetzt mit rund 800 und 500 Jahren nicht mehr ganz jung. Ereignisse wie das Ende des DeutschDänischen Krieges, die Gründung des Deutschen Reiches oder der Bau des Nord-Ostsee-Kanals beschäftigten uns in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Weltkriege, Matrosenaufstand in Kiel, Nationalsozialistische Diktatur, Wirtschaftswunder, Mondlandung, Zeit der 68-er oder die Wiedervereinigung, was begleitete uns nicht alles durch das 20. Jahrhundert?


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Kopfweiden in der Probstei Die jungen biegsamen Ruten der Kopfweiden fanden einst Verwendung beim Hausbau und werden immer noch zur Her­stellung von Korbflechtwaren genutzt.


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Markante Feldeichen Gut Sieversdorf

ZEUGEN DER KULTURLANDSCHAFT TÜGEN, DE VEEL TO VERTELLEN HEBBT Einst prägten weitgehend geschlossene Wälder unser Land. So erstreckte sich der legendäre Eisenwald »Isarnhoe« von der Schlei bis an die Trave und bildete damit eine natürliche Grenze zwischen den Dänen im Norden, den Holsten im Süden und den wagrischen Wenden im Osten. Als die Menschen anfingen sesshaft zu werden und das Land zu bewirtschaften, war der Wald

Der Baum als Wappensymbol – das Wappen der Gemeinde Kronshagen

nicht nur ein Hindernis. Die Nutzung der Bäume spielte in der vom Menschen geprägten Kulturlandschaft eine wichtige Rolle. Holz, Früchte und Blätter der Bäume dienten zum Beispiel als Werkstoff, Brennmaterial, Viehfutter, Medizin oder als natürlicher Zaun. Kopfweiden, Kopfpappeln, Schneitelhainbuchen und Knickharfen sind heute noch erhaltene markante Zeugnisse dieser engen Verbindung von Mensch und Baum. In Dörfern standen auf innerörtlichen Freiflächen Linden oder Eichen. Hier versammelte man sich, hier wurde Thing und später Gericht abgehalten. Außerhalb der Ortschaften zeugen große mächtige Eichen von Grundstücks- und Flurgrenzen oder von der ehemaligen Nutzung als Schatten- oder Eichelmastbaum für die Schweinehaltung. In den Gutslandschaften wurden zur Verschönerung beeindruckende Alleen angepflanzt, die dann Mitte des vorletzten Jahrhunderts entlang der Chausseen das Landschaftsbild eroberten. Bäume sind seit Jahrhunderten enge Begleiter des Menschen.


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ÖKOLOGISCHE SCHATZKISTE EN ÖKOLOOGSCH KIST VULL VUN LEVEN

Eine typische Art alter Laubbäume ist der Sägebock aus der Gruppe der Bockkäfer. Die Art ist in SchleswigHolstein selten und gilt als gefährdet.

Bäume liefern Sauerstoff, speichern Kohlenstoff und liefern anderen Lebewesen Nahrung, Nistplatz und Schutz. Greifund Großvögel bauen in ausladenden Kronen ihre Nester. Baumhöhlen dienen höhlenbrütenden Vögeln und Fledermäusen als Nistplatz und Quartier. Besonders artenreich besiedeln Insekten wie Käfer, Hornissen oder Wildbienen altes oder totes Holz und Baumhöhlen. Gefährdete Käferarten wie Eichenbock, Eremit und Sägebock sind auf die Existenz alter Bäume angewiesen.

Toter Baum voller Leben Die letzten Lebens­ stadien alter Bäume beherbergen eine große Fülle spezialisierter Tierarten. Besonders wertvoll ist stehendes, besonntes Tot- und Altholz.

Typischer Käfer – Der Sägebock

Nützlicher Brummer – Die Hornisse Für ihre großen Nester benötigt die Hornisse große oberirdische Hohlräume. Baumhöhlen sind ihr natürlicher Nistplatz.


08_09 Höhlen für den Nachwuchs Vögel und Fledermäuse nutzen Baumhöhlen als Nistplatz, Quartier oder Unterschlupf. Im Mulm der Baumhöhlen entwickeln sich viele Insekten.

»DAT GRIMMELT UN WIMMELT IN ALL DE OLEN BÖÖM!«

Zimmermann des Waldes – der Buntspecht Von dem Leben in alten Bäumen profitieren viele Insektenfresser. Der Buntspecht findet unter der Rinde wertvolle Nahrung und legt Baumhöhlen in altem Holz an.


Bööm staht för Leven – för Anfang un Enn. Plant en Boom, wenn en Kind boren warrt – un de Boom wasst un steiht as Symbol för de Levenstiet vun düssen Minschen. Minschen un Bööm – wat ehr miteenanner tohoopknütt, finnt wi op de nächsten Sieden.


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PERSÖNLICHE BAUMBEGEGNUNGEN MIEN BOOM – DIEN BOOM – UN WAT SE UNS VERTELLT Bäume stehen für Beständigkeit und den Kreislauf des Lebens. In vielen Kulturen werden Bäume verehrt. Bäume werden zu bestimmten Anlässen wie Taufe und Geburt gepflanzt. Viele Menschen haben eine unmittelbare Beziehung zu ihren Lieblingsbäumen oder einem besonders markanten Baum in ihrem Umfeld. Im Folgenden stellen wir Beispiele für ganz persönliche Baumbegegnungen vor. Aus dem Projekt Baumjagd präsentieren wir eine Auswahl an Ge-

schichten und Gedichten rund um die Bäume, illustriert mit Bildern aus der Baumgalerie des Projekts. Ob die Erforschung der Baumdimensionen, das Messen der Baumhöhe, die spielerische Erfahrung eines lebenden Baumes mittels »Baumaufstellung«, kreative Beschäftigung mittels Blätterwerkstatt oder Rinden-Frottage, die Beobachtung eines Baumes über den Jahresverlauf – Beispiele von aktiven Baumforschern und Tipps mögen zu eigenen ganz persönlichen Baumerkundungen anregen.


PERSÖNLICHE BAUMBEGEGNUNGEN MIEN BOOM – DIEN BOOM – UN WAT SE UNS VERTELLT

BAUMGESCHICHTEN BOOMGESCHICHTEN

»Alte Bäume / Ole Bööm« Unter diesem Motto rief der SchleswigHolsteinische Heimatbund, Projekt Baumjagd, zu einem Schreibwettbewerb auf. Kinder, Jugendliche und Erwachsene schickten hochdeutsche und plattdeutsche Geschichten zu besonderen alten Bäumen ein. Auch eine Reihe Gedichte und längere Texte waren dabei, ebenso reichten Schulklassen Projekt-Arbeiten zum Thema ein. Die Jury hatte es nicht leicht, aus weit über 200 Einsendungen die besten Texte in den einzelnen Kategorien herauszufinden. Eine kleine Text-Auswahl zeigt das breite Spektrum – vom lyrischen Text bis hin zur naturkundlichen Sachprosa, vom Roman für Kinder bis hin zur historischen Betrachtung spannte sich der Bogen. Mit wertvollen Sach- und Aktionspreisen wurden die Sieger im Rahmen einer Abschluss-Veranstaltung im Wildpark Eekholt belohnt.


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Du alter Baum Groß bist du und dick dein Stamm grau bist du und alt dein Holz hast viel gesehen und viel erlebt Sonne macht deine Blätter grün Regen macht sie blank Kinder spielen und singen bei dir die Krone als Schutz und Zelt Erwachsene treffen sich und sprechen bei dir dein Holz hat alles gehört Du schweigst und weißt soviel erzähl uns deine Geschichte du großer alter Baum

Marianne Ehlers


PERSÖNLICHE BAUMBEGEGNUNGEN MIEN BOOM – DIEN BOOM – UN WAT SE UNS VERTELLT

Geschichte – verwurzelt Baumwurzel verknotet, gewunden gefunden gehalten in meinen Händen bewahrte Geschichte von stürmischen Stunden von Regentagen von Blättern und Blüten und Bienengesumm von bergenden Schatten und Weinen, noch stumm brach hier ein Ast? schnitt die Säge ein Stück? traf ein Blitz seine Tiefe? bleiben Wunden zurück? verwurzelt entwurzelt Kriegskinder der Welt Gedanken und Gefühle die mir die Baumwurzel in meinen Händen erzählt

Gudrun Günther, Bad Malente


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Ein Traum von einem Baum Es war einmal ein kleiner Baum. Er stand auf einem wunderschönen Hügel. Von dort aus konnte er das große blaue Meer sehen. Er fing an zu träumen, wie es wäre, ein großes Schiff zu sein. Dafür musste er aber noch ganz viel wachsen. Er brauchte Regen und Sonnenschein.

Viele Jahre vergingen. Der Baum wuchs und wuchs und wurde immer größer und größer. An einem warmen Frühlingstag kam ein Mann auf den Hügel. Er sah den Baum und sagte: »So einen Baum habe ich schon lange gesucht, mit einem dicken Stamm und so schönen Ästen. Den kann ich gut gebrauchen.« Er ging nach Hause, um seine Axt zu holen und einen großen Wagen, um den Baum zu transportieren. Nun fällte er den Baum und lud das Holz auf den Wagen. Er brachte den Baum hinunter ins Tal. Auf seinem Weg traf er viele Menschen, die ihn bewunderten. Sie sagten: »Das ist aber ein großer Baum. Was wird aus ihm mal werden?« Der Mann ging weiter zu seinem Freund, einem Schiffsbauer. Er zeigte ihm das Holz, und sie begannen gleich damit, ein großes Schiff zu bauen.

Es vergingen viele Monate. Sie bauten und bauten ein riesiges Schiff und drei Masten. An einem schönen Sommertag war es endlich soweit. Das Schiff war fertig. Sie riefen alle Leute zusammen, um das schöne Schiff zum Wasser zu bringen. Es wurde von allen Seiten bewundert. Dann wurde das Schiff zu Wasser gelassen. Eine ganze Mannschaft fand darauf Platz. Sie hissten die Segel und stachen in See, um die Welt zu umsegeln. Der Baum war stolz, so ein schönes Schiff zu sein. Er hätte nie gedacht, dass er so stark wäre, um so viele Menschen übers Wasser zu tragen. Er freute sich so sehr, dass sein Traum in Erfüllung gegangen war. Ende. Alina Hauer, 8 Jahre alt, Fehmarn


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De Fründ »Mien Fründ, de Boom«, heet en olen Slager vun de Sängerin Alexandra. Un in dat wehmödig Leed geiht dat denn wieder: »Mien Fründ, de Boom ... is doot.« Ja, is en trurigen Text. Un Alexandra gifft dat ja ok al lang nich mehr. Ik mutt an de Wöör in düt schöne Leed ümmer maal wedder denken. Nich jedeen Dag, aver tweemaal in de Week. Worüm? Tja, dat is en Geschicht, de ik egentlich gor nich so geern vertell. Un dat heff ik bit hüüt ok nich daan. Heff mien Swiegstill holen. Ik harr Schiss, de Lüüd wöörn mi för splienig ansehn. För ’n afsünnerlichen Spinner, för ’n Spökenkieker. Un dat bün ik egentlich nich. Aver een kennt sik jo sülven ok nich so. Nützt nix, ik krieg dat ole Leed nich ut ’n Kopp. Un dat liggt an mien Fründ. En Boom! Ja, ik heff, so as in dat Leed vun Alexandra, ok ’n Boom as Fründ. Aver de is nich doot. Nee, de leevt. Un dat al, ik schätz maal, so twee- bit dreehunnert Johr. Bi uns in’n Woold. So üm un bi in de Mitt twischen de beiden lütten Dörper. De Tüüg vun ole Tieden

hett sien Platz so ’n beten af vun’n Weg. Mien Fründ is en Eekboom. Knurrig, bannig dicken Stamm, ’n paar Telgen al dröög un afstorven, steiht he an de Kant vun en Lichtung. Vör em en lütte stille Diek. Mit Entengrütt in’n Sommer un Ies in’n Winter. Mien Fründ un ik, wi kennt uns vele Johr. Winterdaags is he schütter un dörchsichtig un süht bloots noch halv so groot ut as sünst. He verpuust sik un luert op frischen Saft. Un in’n Fröhjohr freu ik mi, dat he wedder nie utsleiht, sik fein maakt un den Sommer över sien gröne Pull wiest. Bloots de Harfst, de maakt mi so ’n beten trurig. Un ik weet, em ok. Wenn de Bläder bruun un welk warrt un na un na no ünnen afsegelt. Dat is as en Teken vun Tiet vergahn un Afscheed. Mien ole, starke Boom driggt stolt en lütt Schild. En gele Blickmark mit de Opschrift »Naturdenkmal«. Un wenn de Sünn avends in’n Westen ünnergeiht, kriggt he den letzten flachen Schien af un süht ut as glöönig. Un jüst to de Tiet kaam ik dor ümmer vörbi. Tweemaal in de Week. Sommers un winters. Op mien Jogging-Tour. Maandags un friedags.


»MIEN FRÜND UN IK, WI KENNT UNS VELE JOHR. WINTERDAAGS IS HE SCHÜTTER UN DÖRCHSICHTIG UN SÜHT BLOOTS NOCH HALV SO GROOT UT AS SÜNST. HE VERPUUST SIK UN LUERT OP FRISCHEN SAFT.«

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PERSÖNLICHE BAUMBEGEGNUNGEN MIEN BOOM – DIEN BOOM – UN WAT SE UNS VERTELLT

Un denn bliev ik ümmer kort bi em stahn. Heef mien Arm un begrööt em: »Hallo, Boom!« Un denn snackt wi tohoop. Ja, grien du man, wi snackt miteenanner! Ik segg wat un hork op sien Antwoort. Un denn freu ik mi un loop wieder. Dat gifft mi Knööv un Toversicht.    Verleden Johr an en warmen Sommeravend harr ik nu en sünnerbor Beleevnis. Dor bi mien Fründ. In’t Holt an den stillen Diek. Ik weer ’n lütt beten later ünnerwegens as sünst. De Sünn weer graad afsackt, füng jüst an to schummern. As ümmer hett de weke Wooldbodden mien Schreed bi ’t Lopen sluukt. En Snöörband an’n Schoh weer mi opgahn. Un as ik dor nu so huuk un de Slööp nie an ’t Binnen bün, wat ahn Brill gor nich so eenfach is, kümmt mit eens wedder de Keerl ut ’n Busch. Wi sünd uns al ’n paar Maal över ’n Weg lopen. Ik kenn em vun’t Ansehn. Wi hebbt uns ümmer bloots woortlos tonickt. Een, ok so in mien Öller. Spittelig, mit swatten Boort. Un – of dat koolt is oder hitt – he hett so ’n aparte griese Wullmütz op ’n Kopp. De flickte Büx warrt dörch en Reep üm ’n Buuk holen, en schetterig West ut Ledderstücken hangt an em rüm. Hüüt warrt he mi nich gewohr. He blifft stahn, winkt toeerst so mit veer Fingers na de Eek röver un geiht suutje dicht an den Boom ran. Un ofschoons ik ’n Stück dorvun weg in de Knee

gahn un an de Schoh to knütten bün, verstah ik siene Wöör. »Dat letzte Maal«, flustert he un eit över de Bork. Den Ogenblick, em to wiesen, dat he nich alleen is, heff ik leider Gotts verpasst. Mit en slecht Geweten bliev ik in de Huuk sitten un röhr mi nich. Un denn vertellt he den Boom mit stökerige Stimm wat. Wat, dat will ik för mi beholen, dat geiht keeneen wat an. Ik mark aver, dat he en Klümp dorbi in’n Hals hett. Toletzt seggt he: »Na, denn holl di stief. Ik kaam nu nich mehr.« He dreiht sik üm un geiht. Winkt vun wieden noch maal kort un is in’t Ünnerholt verswunnen. Dat weer an en Maandag. Veer Daag later keem ik op mien Tour wedder bi mien Fründ vörbi. Miene Eek harr op een Siet all de Bläder afsmeten. Weer halv kahl. Seeg ut as deep in’n Harfst. Den Keerl mit de aparte griese Wullmütz heff ik nienich wedder drapen. Ralf Spreckels, Schönkirchen


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De unendliche Geschicht Mien Mudder hett den Artikel över de olen Bööm in de Zeitung leest un meen, of ik nich Lust heff, dor mittomaken. Mien Vadder, de mit an den Fröhstücksdisch seet, füng foorts an, vun den Eekboom to vertellen. 1972 sünd mien Vadder, sien Broder un sien Unkel op de Idee kamen, en Ganzdack-Speelhuus ut Larkenholt un Sworten in uns Goorn to buen. Vör dat Huus stellen se en Bank. Ünner düsse Bank kiem al in dat eerste Fröhjohr en Eekel. Bald müss de Bank weg, wlel dat he den Eekboom stören dee, de intwüschen ut de Eekel entstahn weer. Na en poor Johr weer dat Speelhuus rott un wörr afreten. De Eekbom weer to düssen Tietpunkt al över twee Meter hooch. De Boom wasst un wasst. 2003 harrn mien Öllern 10johrigen Hochtietsdag. Dor hebbt se en Rund-

bank schenkt kregen, de se üm den Eekboom stellen. 2003 weer noch en Barg Platz för den Boomstamm. Nu hebbt wi 2013. De Boom is al um de 9,40 Meter hooch, is 1,36 Meter dick un de Bank passt ok al meist nich mehr rum. De Boombank mutt also ok bald weg. So slimm is dat aver ok nich, wiel dat en Stück wieder langs, so twüschen 1990 un 1995, en anner Eekboom wussen is. Domals stünn dor noch en Gewächshuus, wat aver nu al lang opsleden is. Dor kunn de Boombank den rumkamen. Wokeen weet, wo lang de Geschicht mit unse Eekbööm un de Boombank noch wieder geiht ... Dat weer de Geschicht vun unsen nu al meist 41 Johr olen Eekboom. Stine Thomsen, 13 Johr oolt, Esperstoftfeld


Ool Beernboom Jümmers wedder kümmt een un seggt: he mutt afhaut warrn. Jümmers wedder kümmt een un seggt: driggt he denn noch? Jümmers wedder kümmt een un seggt: dat lohnt doch nich un denn dat vele Loof in Harvst un all de Arbeit! Kannst keeneen verkloren, wat he di bedüden deit, wo sien Leed klingt, wenn de Wind dörch de Bläder geiht, wo de Beern smeckt, wenn de Harvst se op’t Land smitt un wo ’t rüken deit ut ’n Backaven, wenn du Backobst maakst. Wat gifft nich allens, wat wi hegen un plegen doot un düssen olen Boom so mi nix di nix afhaun? Kannst dat nich verkloren, wat du föhlst, wenn dien Hannen över sien ruge Rinn faat. Karl-Otto Detlow, Brunsbek

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DEN BÄUMEN AUF DER SPUR WI SPÖÖRT BÖÖM ACHTERNA Im Rahmen des Projektes Baumjagd haben sich kleine und große Baumforscher auf die Spuren der alten Bäume begeben. So vielfältig wie die, so vielfältig war die Beschäftigung mit den Bäumen. Schulklassen, Kindergärten und Umweltgruppen haben dabei ihren eigenen Weg gefunden, den Baumpersönlichkeiten auf die Schliche zu kommen. Sie erkundeten Höhe, Dicke und Alter »ihres« Baumes, er-

tasteten die Struktur der rauen Borke, konnten Wind- und Regenschutz wahrnehmen, erforschten die Geschichte ihres Lieblingsbaumes oder beobachteten einen Baum im Jahresverlauf. Teilweise selbst entwickelte und gestaltete kreative und spielerische Elemente ergänzten die Naturerkundungen zum Thema Baum.


22_ 23 Baumerkundung mit dem Umweltminister Mit einem Stock, einem »Förster­ dreieck« oder einer BaumMess­scheibe lässt sich die Höhe eines Baumes bestimmen. Hier erklären Schüler der Klasse 2 a der Toni-Jensen Grundschule in Kiel-Dietrichsdorf Umweltminister Dr. Robert Habeck die Höhen­ messung von Bäumen.

Baumforschergruppe der Grundschule Müssen Lieblingsbäume mit Geschichte – ob die Bismarckeiche in Elmenhorst oder eine besondere Kastanie in Wotersen – Schüler der Klasse 2 a und 2 b der Grundschule Müssen erkundeten die Geschichte ihrer Bäume (ausführliche Dokumentation im Internet unter www.primolo.de/ node/5863).


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SCHULLINDE UNTER DER LUPE WI BEKIEKT EHR NIPP UN NAU – DE LINN OP DEN SCHOOLHOFF

Die Klasse 2c der Grundschule am Göteborg-Ring in KielMettenhof, hat sich mit ihrem Lehrer Thorsten SchmidtKöhler erfolgreich am Wettbewerb »Alte Bäume – Ole Bööm« beteiligt. Im Rahmen ihrer Arbeit erstellten die jungen Schülerinnen und Schüler als Kunstwerk eine eigene »Plakatlinde«, die sich aus unzähligen kleinen Blättern zusammensetzt. »Jedes Kind hat ein oder zwei DIN A 3 – Blätter beigesteuert. Wir mussten diese dann zu einem Bild von einem großen Baum zusammenfügen. Damit es noch etwas lebendiger aussieht, haben wir dem Baum noch Blätter gemalt.

Die Lindenblätter sehen herzförmig aus. Weil sie gezackte Blattränder haben, haben wir sie mit der Zackenschere ausgeschnitten« so Thorsten Schmidt-Köhler. Ausgangspunkt des Projektes war eine der Schullinden vor dem Klassenfenster der 2c, die dann fachkundig untersucht wurde. Wie alt ist diese Schullinde? Wie hoch ist sie wohl? Hat sie besondere Blätter? Woran erinnern diese? Wie werden die Blätter klebrig? Wie fühlt sich die Rinde an? Wie fühlt es sich an warmen Sommertagen unter dem Blätterdach an? Diesen und vielen weiteren Fragen spürten die jungen Baumforscher nach. Eindrücke und Erkenntnisse dieses Projektes dokumentierten die Schülerinnen und Schüler in einem ausführlichen Poster (siehe Ausschnitt rechts). Den Projektabschluss bildete eine gemeinsame Aktion auf dem Schulgelände. Die Kinder demonstrierten dem Projektleiter noch einmal ihr Baumprojekt. Dabei wurden einige Eindrücke spielerisch vertieft. »Ich fand das schön, als wir einen Kreis um den Baum gemacht haben« so die Schülerin Finja. Ihre Mitschülerin Hajar war von dem Baumaufstellungsspiel, als alle zusammen die verschiedenen Teile eines Baumes darstellten, besonders angetan.


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NATUR AG DÄNISCHENHAGEN ARBEIT MITEENANNER FÖR DE NATUR Mehrere Jahre hat Stefanie Offt die Natur-AG der offenen Ganztagsschule der Grundschule Dänischenhagen betreut. Im Rahmen des Projektes »Baumjagd« hat sich die AG intensiv mit dem Thema Baum beschäftigt und dazu ausführliche Beiträge auf die Internetseite www.baumjagd.de eingestellt. Wir haben Stefanie Offt zu ihren Baumaktivitäten befragt.

Wie ist die Natur-AG Dänischenhagen eigentlich zustande gekommen? Ich habe wärend meines Weiterbildungsstudiums »NaturSpielpädagogik« eine AG an der Grundschule Dänischenhagen geleitet. Das Interesse war sehr groß. Wie viele Kinder machen mit? Zuletzt habe ich 5 Gruppen mit jeweils 10 Kindern im Rahmen der Offenen Ganztagsschule betreut. Wie alt sind die Kinder? Die Kinder kommen aus allen Klassen der Grundschule, sind also 6 bis 10 Jahre alt.

Wie seid ihr auf die alten Bäume bekommen? Wie ist die Idee entstanden? Zunächst durch persönliche Kontakte, dann hat mich fasziniert, dass das Thema so viel hergibt, dass wir uns regelmäßig und unter vielfältigen Aspekten damit beschäftigen konnten. Alte Bäume – da bewegt sich ja nichts . .. Ist das überhaupt ein spannendes Thema? Natürlich! Unter den Aspekten der NaturSpielpädagogik gibt die Beschäftigung mit dem Baum eine ganze Menge her. Man muss nicht nur mit dem Kopf an das Thema herangehen!


26_ 27 Wie habt ihr das Thema denn umgesetzt? Wir haben uns mittels der Naturspielpädagogischen Dimensionen »Spielen«, »Erleben« und »Handwerk« und nicht nur rein naturwissenschaftlich mit den alten Bäumen auseinandergesetzt. Den Einstieg haben wir mittels einer Baumscheibe gefunden. Wir haben Jahresringe gezählt und auf den Baumscheiben die eigenen Geburtsjahre, die Geburtsjahre von Geschwistern und Eltern gesucht. So konnten sich die Kinder im Lebenslauf des Baumes wiederfinden. Schöne Erlebnisse hatten wir mit Baumgeschichten, dem Zeichnen von Baumportraits, dem Basteln von Baummasken aus Baumfundstücken. Wir haben Bilder von diesen und weiteren Aktivitäten ins Internet gestellt. Dort sind sie unter www.baumjagd.de/baum/baum190 zu sehen. Ihr habt euch also mit ganz verschiedenen Aspekten beschäftigt. Was hat die Kinder am meisten begeistert? Das war sehr unterschiedlich. Schön war die Arbeit draußen. Insbesondere Spiele und auch handwerkliche Arbeiten – wie Bau und Spiel mit dem aus Baummaterialien hergestellten Domino – waren sehr beliebt. Warum hat es sich gelohnt? Was haben die Kinder mitgenommen? Das Thema »Baum« bildet ein schönes Gerüst für viele Ideen, für viele Themen. Bei jedem Kind ist sicher ein besonderer Aspekt hängen geblieben: mal der Holzflieger nach dem Vorbild des Lindensamens, mal die Knospen als Mutter mit ihren Kindern … Zum Abschluss eine letzte Frage: Wenn ihr an das Projekt denkt, dann … … mit Stolz, weil wir uns solange mit einem Baum befasst haben und es nie langweilig wurde.


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TIPPS FÜR SPIELE UND KREATIVES TIPPS TO’N SPELEN UN UTKLAMÜSTERN Viele Themen rund um die alten Bäume lassen sich spielerisch erschließen oder mit kreativen Mitteln vertiefen. Neben der kleinen Auswahl der im Folgenden vorgestellten Spiele und Anleitungen finden Sie weitere Hinweise und Materialien auf der Internetseite www.baumjagd.de oder in der Literatur.


28_ 29 Wir bauen einen Baum Die Spieler bilden die verschiedenen Teile eines Baumes (Stamm, Wurzeln, Äste). Die Spieler des Kernholzes stellen sich nach innen (je nach Gruppengröße 2 bis 3 Spieler); sie stehen dabei Rücken an Rücken. Sie geben dem Baum seine Kraft und einen guten Stand. Die Spieler halten sich an den Händen und stehen fest. Dann folgen die drei bis vier Spieler der Hauptwurzeln. Sie setzen sich mit dem Rücken nach innen sternförmig um das Kernholz herum. Die Seitenwurzeln legen sich ausgehend von den Hauptwurzeln auf dem Rücken auf den Boden. Die Füße weisen nach innen, der Kopf nach außen (die Haare symbolisieren die Feinwurzeln). Sie machen zusammen mit den Hauptwurzeln ein schlürfendes Geräusch. Zwischen die sternförmig aufgestellten Wurzeln stellen sich die Spieler des wasserführenden Holzes in einem Kreis mit dem Blick nach innen auf (3 bis 4 Spieler). Im wasserführenden Holz steigt das Wasser hoch in die Äste und Blätter. Die Spieler recken die Arme nach oben und machen mit den Armen und Fingern zitternde Bewegungen. Dann gehen sie in die Knie und gehen mit einem Schwung nach oben – uiiiiiiiiiih – sie bringen das Wasser aus den Wurzeln mit einem Kraftakt nach oben.

Nun ist die Zuckerfabrik des Baumes an der Reihe. Die Blätter produzieren mit Hilfe von Wasser und Sonnenlicht den Zucker. Wir alle fangen in Gedanken mit den Blättern das Sonnenlicht ein und stellen Zucker her. Nun ist es an den Spielern des zuckerleitenden Holzes, den leckeren Zucker im Baum gerecht zu verteilen. Die Spieler, die sich zuvor in einem Kreis mit dem Gesicht nach Innen um die Spieler des wasserführenden Holzes aufgestellt haben, gehen mit einem anhaltenden und absteigenden Laut in die Knie und lassen die Arme sinken. Die Spieler der Rinde stellen sich als äußerer Ring des Stammes mit dem Gesicht nach außen auf. Sie schützen den Stamm vor Insekten, Feuer, Frost und anderen Gefahren. Hebt die Arme wie Boxer und murmelt »hier kommt keiner durch«. Alle Gruppen üben noch einmal nacheinander unter erneuter Anleitung ihre Bewegungen und Geräusche. Dann arbeitet der Baum noch einmal als ganzes Lebewesen. In Anlehnung an: Joseph Cornell »Mit Freude die Natur erleben«


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Fledermaus und Nachtfalter

Baumrinden ertasten und wiederfinden Die Mitspieler bilden Paare. Jeweils einem der Partner werden die Augen verbunden. (Das kann auch ohne Binde durch das Augenschließen eines Partners durchgeführt werden.) Der »blinde« Spieler wird nun über Umwege zu einem Baum geführt. Er erfühlt diesen Baum mit allen Besonderheiten (Beschaffenheit der Rinde, abgehende Äste, Umfang des Baumes, …). Danach wird der »blinde« Spieler wieder über Umwege zum Ausgangspunkt geführt. Mit offenen Augen sucht er jetzt seinen Baum. Hat er seinen Baum wiedergefunden, wird gewechselt.

Fledermäuse stoßen Ultraschallrufe aus und können anhand des Echos, das von der Umgebung ausgeht, ihre Beute orten. Zu ihrer Lieblingsnahrung zählen Nachtfalter. Der Spielleiter wählt eine Fledermaus und je nach Gruppengröße 3 bis 5 Nachtfalter aus. Die übrigen Kinder stellen sich im Kreis auf, fassen sich an den Händen und bilden die äußere Begrenzung des Jagdraumes. Die Fledermaus muss mit geschlossenen oder verbundenen Augen auf die Jagd nach den Nachtfaltern gehen. Die Fledermaus stößt den Ultraschallruf »Fledermaus« aus. Die Nachtfalter müssen sofort antworten und »Echo« rufen. Die Fledermaus soll nach und nach die Nachtfalter akustisch orten und fangen (berühren reicht). Gefangene Nachtfalter scheiden aus und reihen sich in den Kreis ein. Wenn alle Nachtfalter gefangen sind, sind die nächsten Fledermäuse und Nachtfalter an der Reihe.


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Blatt- und Rindenfrottage Zur Blattfrottage werden Blätter mit deutlichen und kräftigen Adern benötigt, daher werden am besten nicht die jungen, sondern die etwas älteren und derben Laubblätter verwendet. Auf das Blatt des Baumes wird nun ein Zeichenpapier gelegt. Dann wird mit Buntstiften, einem weichen Bleistift oder Wachsstiften schraffiert und damit ein Abdruck des Blattes und seiner Adern erstellt. Die Ergebnisse können hinterher im Rahmen einer kleinen Ausstellung prä-

sentiert oder in einer Baumforschermappe gesammelt werden. Wird die Farbpalette auf die Naturfarben (helle und dunkle Grüntöne, gelbe, rote und braune Farben) eingegrenzt, lassen sich die Blätter anschließend verschiedenen Jahreszeiten zuordnen. Auch von der Rinde lässt sich ein typischer Abdruck erstellen. Dazu wird ein festes Blatt Papier an einer Baumrinde angelegt und vorsichtig schraffiert. Je nach Baumart entstehen ganz unterschiedliche Muster.


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BAUMJÄGER UND IHRE LIEBLINGSBÄUME BOOMJAGERS UN EHRE LEEFSTEN BÖÖM


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Landesweit haben SchleswigHolsteiner ihre Lieblingsbäume auf der Internetseite www.baumjagd.de gemeldet. Ob bekannte Bäume wie die alte Linde in Steinbergkirche oder die Kattholz-Eiche bei Perdöl, Feldeichen oder betagte Obstbäume, die Beiträge zeigen eine beeindruckende Fülle schleswig-holsteinischer Baumpersönlichkeiten.


BAUMKUNDE FÜR EINSTEIGER FANG AN UN LEHR WAT ÖVER BÖÖM Gut 70 einheimische Laub- und Nadelbäume leben in Deutschland. Dazu kommt noch eine große Zahl nicht heimischer Bäume, die in Parks, Grünanlagen und Gärten wachsen. Doch wie lassen sie sich unterscheiden? Am einfachsten kann man dies über die verschiedenen, meist sehr charakteristischen Formen der Blätter und Blattnadeln. Aber auch Früchte, Blüten oder im Winter die Knospen sowie

ihre Borke und auch ihre Wuchsform geben eindeutige Hinweise auf die Art. Für den Einstieg in die Welt der Bäume bieten sich heimische Bäume mit deutlichen Blattmerkmalen an – Eiche, Rotbuche, Linde und Ahorn sind dankbare erste Untersuchungsobjekte. Bei Naturentdeckungen mit jüngeren Kindern eignen sich insbesondere auch Kastanie und Birne oder Apfel. Hier lassen sich auffällige Blüten und Früchte erforschen.


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REKORDE Bäume werden älter als die meisten anderen Organismen. Durch ihr Höhenwachstum übertrumpfen sie die anderen Pflanzen und haben damit im Wettstreit um möglichst viel Sonnenlicht einen wichtigen Konkurrenzvorteil.

13

Meter Stammumfang

weist die Kattholz-Eiche bei Perdöl am Stammfuss auf. 9 Kinder sind nötig, um die dickste Eiche Deutschlands zu umarmen.

20

Kubikmeter Sauerstoff

pro Tag produziert eine 100 Jahre alte Buche. Damit deckt sie den Sauerstoffbedarf von zehn Menschen.

1 000

Jahre alt

ist die alte Eibe in Flintbek nach alten Kirchenchroniken. Sie ist wohl der älteste Baum in Schleswig-Holstein.


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WISSENSWERTES RUND UM BUCHE, EICHE UND CO. WAT WÖLLT WI WETEN ÖVER BÖÖK UN EEK UN ANNER BÖÖM


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(ROT-)BUCHE Die Rotbuche, oft kurz Buche genannt, hat ihren Namen von ihrem rötlichen Holz. Sie zählt in Deutschland zu den häufigsten Baumarten und wird als wichtiger Waldbaum auch »Mutter des Waldes« genannt. Typisch ist der glatte, graue Stamm. Das Buchenblatt ist glatt und glänzend, von eiförmiger Form und besitzt einen gewellten, aber ungezähnten Blattrand. In einer stacheligen Hülle stecken die Samen der Buche, die Bucheckern. Bucheckern sind eine wichtige Nahrung für viele Tiere. Sie enthalten für den Menschen unbekömmliche Inhaltstoffe und sollten vor dem Verzehr geröstet werden.


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EICHE Freistehende Eichen gehören in Deutschland zu den eindrucksvollsten Bäumen mit oft riesigen Kronen. Sie können sehr alt werden. Es gibt bei uns mehrere Eichenarten. Häufig finden wir die Stieleiche. Aus dem harten und widerstandsfähigen Holz werden Möbel und Fensterrahmen gebaut. Das Eichenblatt hat deutliche runde Lappen und ist rundlich eingebuchtet. Die typischen Früchte, die Eicheln, schmecken bitter und sind roh für Menschen nicht gut genießbar. Für Wild- und Hausschweine sind sie ein Leckerbissen. Früher wurden die Schweine in den Wald getrieben, um sich an den Eicheln dick und rund zu fressen.


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ROSSKASTANIE Die Rosskastanie wird oft nur Kastanie genannt. Ihr Blatt hat fünf oder sieben dicke »Finger«, die am Rand fein gesägt sind. Im Frühjahr haben Rosskastanien große, braune und klebrige Knospen. Die auffälligen und großen Blütenstände blühen in weißer, hellroter oder roter Farbe. Im Herbst fallen die kugeligen, stacheligen Früchte mit den großen glänzenden Samen, den Kastanien, auf. Achtung: Diese Samen sind im Gegensatz zu den Maronen der Esskastanie ungenießbar bitter und für Menschen schwach giftig. Die Rosskastanie hat wertvolle Inhaltsstoffe und wird als Heilpflanze eingesetzt. Früher wurden Kastanien an Pferde verfüttert, wenn diese unter Husten litten. Daher kommt wahrscheinlich der Name »Rosskastanie«. Kastanien werden heute noch im Herbst gesammelt und dienen als Futter für die Wildtiere.


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In memoriam Christine Düwel – Ideengeberin und geschätzte Kollegin im Baumjagdteam

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn. Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen, aber versuchen will ich ihn. Ich kreise um Gott, um den uralten Turm, und ich kreise jahrtausendelang; und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm oder ein großer Gesang. Rainer Maria Rilke (1875–1926)


42_43 LITERATUR UND LINKS WAT STEIHT WO? Literatur in Auswahl Blätter-Sammelbuch. Bergheim: Labbé o. J. www.labbe.de

KRUMBACH, MONIKA: Larix Taxus Betula – Pfiffige Spiele, Basteleien, Rezepte und Aktionen rund um Bäume. Münster: Ökotopia 1996.

CORNELL, JOSEPH: Mit Freude die Natur erleben. Mühlheim: Verl. an der Ruhr 1991.

MÖLLER, ANNE: Zehn Blätter fliegen davon. Zürich: Atlantis 2008.

FROMMHERZ, ANDREA; BIEDERMANN, EDITH: Kinderwerkstatt Bäume. Mit Kindern die Zauberwelt der Bäume und Sträucher entdecken. München, Aarau: AT-Verl. 2010.

Naturschutz im Unterricht. Lern-, Erlebnis- und Bewegungsspiele. In: Naturschutz im Unterricht. 3. Jg, H. 1. Schneverdingen: NNA (= Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz) 2006.

FRÖHLICH, HANS J.: Wege zu alten Bäumen, Bd. 6. Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen. Frankfurt am Main: WDV Wirtschaftsdienst 1994. Geheimnisse des Waldes – Arbeitsblätter für die Grundschule. Bonn: aid infodienst (= Auswertungs- und Informationsdienst für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten). 2009.

NEUMANN, ANTJE; NEUMANN, BURKHARD: Waldfühlungen. Das ganze Jahr den Wald erleben. Naturführungen, Aktivitäten und Geschichtenfibel. Münster: Ökotopia 1999. STRAUSS, MARKUS: Köstliches von Waldbäumen: Bestimmen, sammeln und zubereiten. Weil d. Stadt: Hädecke 2010.

Links www.baumjagd.de www.baumjagd.de/top-baeume www.primolo.de/node/5863 web.uni-frankfurt.de/fb15/didaktik/ Baum/baumsite.html www.deutschesbaumarchiv.de

Bildverzeichnis Seite 8 (unten rechts) © Alekss – Fotolia.com Seite 9 (unten rechts) © Erni – Fotolia.com Seite 10 (links) Mauritius Images / Radius Images Seite 10 (unten rechts) © Merlindo – Fotolia.com Seite 30 (rechts) © Tobilander – Fotolia.com Josef Beller, Christine Düwel, Stefanie Offt, Florian Riedel, Stiftung Naturschutz S-H, Norbert Voigt Bilder der Seiten 32–34: Baumjagdgalerie der Internetseite www.baumjagd.de.


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Alte Bäume – Ole Bööm  
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