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wobei sie mit Sabine Wimmer aus Schongau eine Schulbegleiterin hat, die im Unterricht an ihrer Seite sitzt (wir berichteten). Im Streben nach Inklusion kommt es den betroffenen Eltern auf die Wahlmöglichkeit an, auf das Aussuchen dürfen. Heißt: Mütter und Väter entscheiden — eventuell zusammen mit Lehrern und Ärzten —, ob ihr Kind eine Regelschule bzw. eine Förderschule besucht. Oder ob ihr Kind sich später auf dem regulären Arbeitsmarkt um eine Stelle bewirbt bzw. in einer geschützten Werkstätte betreut wird. Sigune Echter betont ausdrücklich, dass die Familien im Verein „einfach mehr“ keineswegs dafür seien, dass Förderzentren für Kinder und Berufsschüler radikal abgeschafft werden. Wie viele Kinder und Erwachsene mit dem Down-Syndrom es im Landkreis Weilheim-Schongau gibt? Eine genaue Zahl ist nicht bekannt, wie Dr. Karl Breu vom Gesundheitsamt einräumt. Er

stellt jedoch fest, dass „die Eltern ja gut vernetzt sind“. Auch seitens des Landratsamtes wolle man zur Inklusion ein Zeichen setzen. „Wir gründen zurzeit einen Teilhaberat“, gibt Dr. Breu zu verstehen. Dafür werde in der Behörde eine Teilzeitstelle geschaffen. Es gelte, Defizite abzubauen, was die Teilhabe benachteiligter Menschen angeht, so auch in Schulen, wo betroffene Eltern inzwischen einen Rechtsanspruch auf einen Regelplatz haben.

Der Schritt in das Arbeitsleben Ein solcher Teilhaberat habe sich auch intensiv damit zu befassen, wie behinderte Kinder, die in Regelschulen integriert wurden, den Schritt ins Arbeitsleben bewältigen können. Dies sei eine eminent wichtige Aufgabe. Dieses Thema wird früher oder später auch beim Verein „einfach mehr“ in den Mittelpunkt rücken,

wenngleich die meisten Kinder mit Down-Syndrom aus diesen Familien noch in den Kindergarten gehen bzw. demnächst eingeschult werden sollen. Doch auch bei dieser Fragestellung, die mit dem Heranwachsen der Buben und Mädchen die Eltern zunehmend beschäftigen wird, möchte der Verein vor allem mit regelmäßigem Erfahrungsaustausch eine Stütze darstellen. Aktivitäten hat der Verein „einfach mehr“ in den zurückliegenden zwölf Monaten inzwischen reichlich entfaltet. Neulich gab es ein großes Treffen in Altenstadt, zu dem Familien bis aus Wielenbach und Kaufering kamen. Mit Kind und Kegel (Großeltern, Bekannte) waren es immerhin 70 Leute. Geplant ist darüber hinaus, dass sich der Verein heuer aktiv in die Inklusionswoche einbringt, die von der Stiftung „Scheuklappen“ ab dem 15. Juni in Schongau veranstaltet wird und die sich über mehrere Tage erstreckt.

> > > ZUM THEMA Was das Down-Syndrom ist Menschen mit Down-Syndrom haben in jeder ihrer Zellen ein Chromosom mehr als andere Menschen, nämlich 47 statt 46 Chromosomen. Das Chromosom 21 ist dreifach vorhanden. Deshalb spricht man auch von einer Trisomie 21. Das Down-Syndrom ist somit eine genetisch bedingte, nicht veränderbare Veranlagung, es ist keine Krankheit. Es ist wahrscheinlich, dass es schon immer Menschen mit Down-Syndrom gegeben hat. Man findet Menschen mit Down-Syndrom überall auf der Welt sowie bei allen ethnischen Gruppen und Bevölkerungsschichten. Die Häufigkeit ist dabei mit etwa eins bei 800 Geburten auf den verschiedenen Kontinenten gleich. In letzter Zeit führt die Zunahme pränataler diagnostischer Verfahren, verbunden mit einem positiven Befund, häufig zu der Entscheidung, die Schwangerschaft abzubrechen. Die Zahlenangaben hierzu sind in den einzelnen Ländern unterschiedlich.

Der englische Arzt John Langdon Down (1828 bis 1896) war der erste, der im Jahre 1866 ausführlich Menschen mit den „klassischen Merkmalen“ dieses Syndroms beschrieb und sie als abgrenzbare Einheit (Syndrom) erkannte. Damit unterschied er diese von anderen Menschen mit geistiger Behinderung. Dr. Down wies damals schon auf die Lernfähigkeit der Kinder hin. Kinder mit Down-Syndrom wachsen heute fast ausnahmslos in ihren Familien auf. Gute medizinische Vorsorge, spezielle Förderung und Therapien (Krankengymnastik, Logopädie) und Integration sind hilfreich. Das Bestreben ist es, Menschen mit Down-Syndrom als Teil der Gesellschaft wahrzunehmen. Indem sie selbstverständlich im Kindergarten, in der Schule, in Vereinen und bei Freizeitangeboten dazu gehören. So dass sie in Zukunft als Erwachsene auf dem ersten Arbeitsmarkt ihren Lebensunterhalt verdienen und einer Tätigkeit nachgehen können.

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der altlandkreis | Ausgabe 16 | März/April 2013  

Aus dem Inhalt: Student aus Schwabsoien leitet Ärztechor || Kinder mit Down-Syndrom: So helfen sich die Eltern gegenseitig || Zur Sache, Her...

der altlandkreis | Ausgabe 16 | März/April 2013  

Aus dem Inhalt: Student aus Schwabsoien leitet Ärztechor || Kinder mit Down-Syndrom: So helfen sich die Eltern gegenseitig || Zur Sache, Her...

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