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August/September 04/2011

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ALPINE LEBENSART

NR. 6 Sommerzeit!

Was für eine Familie. Zu Besuch bei den Grafen Bossi Fedrigotti S. 44

! t i e z r e m Som

n s e e n. e p l A f zen au und Wiese. t e s l e g ngut. Se wildern in Wald e i l i m a f dem F Luft. Kräuter u a n e g fle rer Reben p ubern aus schie a Räume z

u AUGUST/SEPTEMBER 2011

Deutschland 4,90 EUR – Schweiz 9,00 CHF – übrige Euro-Länder 5,60 EUR

ALPINE LEBENSART

Genuss und Muße. Die hohe Kunst des Picknickens S. 18 01 2010 . ALPS

B$/36BFRYHULQGG

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inhalt Wilde Kräuter

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Professor Ziegenhirt

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10 DER BERG RUFT

Reife Leistung (S. 46) Foto: HEIKE BERGER, ANDREAS FESSLER Wilde Kräuter (S. 18) Foto: MATTEO MANDUZIO, Styling: CLAUDIA BÖNING

Prima Klima

46 FAMILIENCLAN REIFE LEISTUNG Seit fast 600 Jahren leben

Sternschnuppen und Edelweiß zählen, in Hütten auf Gourmetniveau schlemmen, zu Wasser und in der Luft echten Nervenkitzel erleben … Der alpine Hochsommer steckt voller wahrer Abenteuer

die Grafen Bossi Fedrigotti von Ochsenfeld im Trentin – die Hälfte dieser Zeit haben sie damit verbracht, Wein anzubauen, ihn zu trinken und zu verkaufen

WILDE KRÄUTER Je rauer das Klima, umso mehr Aroma entwickelt alles, was auf den Wiesen wächst. Im Kleinwalsertal lassen sich Köche und Genießer von dieser Vielfalt gerne inspirieren

32 UNTERWEGS

60 KREUCHEN UND FLEUCHEN SIE SCHLÄNGELT SICH DURCH Die Begegnung mit Menschen versucht die Kreuzotter zu vermeiden, denn die verfolgen sie, als wäre sie eine lebensbedrohliche Riesenschlange. Zugegeben, sie ist giftig, aber ihr Biss ist nicht tödlich

62 WERDEN UND VERGEHEN

LEINEN LOS! Von einem der auszog, in

KEIN ORT. NIRGENDS Wie reagieren Gebirgs-

zwölf Tagen das Segeln zu lernen. Ein Crashkurs mit Bootsführerschein und Alpenblick

pflanzen auf den Klimawandel? Ein neues Forschungsprojekt auf dem Schachen wird Antworten liefern

42 ZEITGESCHICHTEN

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11 GRÜNDE, IN DIE BERGE ZU GEHEN

18 GASTLICHKEIT TITEL:

Leinen los!

66 HEIMKEHRER

WAS GEISTERT DA IM SEE?

PROFESSOR ZIEGENHIRT

Tiefe Wasser sind nicht immer still, oft wogen und schäumen unerklärliche Erscheinungen auf dem Grund und jagen plötzlich an die Oberfläche, um Angst und Schrecken zu verbreiten

Er bereiste die Welt, studierte in verschiedenen Ländern und hätte als Geisteswissenschaftler international Karriere machen können, aber die „Tiroler Krankheit“ – das Heimweh – trieb Siegfried de Rachewiltz zurück auf die väterliche Burg in den Alpen

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Fotos: Matteo Manduzio (1), Max Lautenschläger (1) , Heike Berger/Andreas Feßler (1), Thomas Straub (1), Gerhard Leeb (1), Quirin Leppert (1)

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Verschärftes Heimweh

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Hallo, altes Haus

Fitzcarraldos Erben

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70 PORTFOLIO

Reife Leistung

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FITZCARRALDOS ERBEN Die Münchner

VERSCHÄRFTES HEIMWEH Die Liebe

STANDARDS

Künstler Wolfgang Aichner und Thomas Huber quälen sich mit einem Schiff über die Alpen und landen am Ende in Venedig. Ihr Projekt „passage2011“ ist offizieller Beitrag zur Biennale

zu ihrem Tal in den Karnischen Alpen und ihre geheimnisvolle Sprache sind das Erbe der Resianer

S. 04 S. 07 S. 08 S. 09

84 GASTLICHKEIT II WEIBERWIRTSCHAFT Wer nach Briol fährt, soll sich auf das Wesentliche konzentrieren. Johanna von Klebelsberg folgt dem minimalistischen Konzept ihrer Großmutter Johanna Settari

90 WOHNEN HALLO, ALTES HAUS An Häusern mit Geschichte konnte Helen Ulmer noch nie vorbeigehen. Die Innendekorateurin aus Zürich hat eine besondere Begabung dafür, Altes mit Neuem zu vermählen. Das Engadinerhaus von 1591 ist ihr Meisterstück

102 ARCHITEKTURVISIONEN PRIMA KLIMA Licht und Luft formen unsichtbare Wände in den Häusern von Philippe Rahm. Ihre Bewohner können durch die Jahreszeiten wandeln wie durch ihren Garten

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KULTUR Ai Wei Wei in Bregenz, Felsbilder am Mont Bégo, Volkstheater in Tirol, Alpinmoderne in Zwanzigerjahre-Hotels, Filme, Bücher, Ausstellungen und wichtige Termine im Hochsommer

Inhalt Editorial Impressum Mitarbeiter

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REGION ÖTZTAL Seit 1991 der „Ötzi“ dort gefunden wurde, brach im Ötztal touristische Goldgräberstimmung aus. Kritiker warnen vor dem Ausverkauf des Tals

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NOTIZBUCH Reise- und Hotelinformationen, Wegbeschreibungen, Rezepte, Ausrüstungsempfehlungen

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STRASSENRANDPERLEN Entlang der Alpen-Magistralen gibt es Sehenswürdigkeiten, die jeder zu kennen glaubt, obwohl kaum einer je dort angehalten hat. ALPS macht Stopp

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Kein Ort. Nirgends

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GASTLICHKEIT

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I D WL W L .. E KRAUTER Je rauer das Klima, umso mehr Aroma entwickelt alles, was auf den Wiesen wächst. Im Kleinwalsertal lassen sich Köche und Genießer von dieser Vielfalt gerne inspirieren


GASTLICHKEIT

(von Rüdiger Keck) 250 g Quark, etwas Sahne, zwei Handvoll Kräuter wie Petersilie, Schnittlauch, Gundelrebe, Meisterwurz, Basilikum, Thymian, Oregano, Liebstöckel, Sauerampfer Kräuter fein hacken, mit Quark und Sahne verrühren, salzen, pfeffern. Die Kräuterzusammenstellung lässt sich, je nach Wunsch und Ausbeute der Wanderung, beliebig variieren.

chlaraffenland am Wegesrand. Gerade mal fünf Schritte hat sich Herbert Edlinger von der Schotterstraße entfernt, die durch das „Wäldle“ hinauf zur Ifen-Talstation führt, und schon ist er umgeben von lukullischen Genüssen: Walderdbeeren. Himbeer- und Heidelbeersträucher. Sauerklee, der Suppen und Soßen eine wunderbar frische Note geben kann. Brennnesseln, aus denen sich würzige Risottos aber auch g’schmackige Nudeln zubereiten lassen. Selbst als Gemüse seien sie perfekt, erklärt Edlinger, weil ihre Blätter wesentlich hochwertigere Inhaltsstoffe hätten als Spinat. Leuchtend gelbe Blüten von Goldnesseln blitzen aus dem wuchernden Grün hervor, die – ebenso wie Margeriten oder roter Klee – jedem faden Salat nicht nur optisch auf die Sprünge helfen. Wer mit offenen und kundigen Augen durch die Berge geht, kann auf Schritt und Tritt Kostbarkeiten für die Küche entdecken. In einer Gegend wie dem Kleinwalsertal, wo wegen des Nordstaus die Sommer kurz sind und die Böden so karg, dass Gemüse nur im sorgsam angereicherten Erdreich der Gärten gedeiht, waren Kräuter über Jahrhunderte hinweg wichtige Vitaminlieferanten. Gerade weil die Pflanzen es hier schwer haben zu wachsen und binnen relativ kurzer Zeit zur Blüte kommen müssen, um ihre

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TEXT claudia Teibler FOTOS matteo Manduzio STYLING Claudia Böning KRÄUTERQUARK

Samen noch in aufnahmebereite Böden fallen lassen zu können, sind die gesundheitsfördernden, aber auch die geschmacklichen Inhaltsstoffe viel konzentrierter als bei „verweichlichten“ Artgenossen in klimatisch begünstigteren Gegenden oder gar auf dem flachen Land. Doch seit die Supermarktketten exotische Gemüse und Südfrüchte selbst in entlegenen Tälern selbstverständlich werden ließen, ging im Kleinwalsertal – nicht anders als in anderen Gebirgsregionen – das alte Wissen um die Eigenheiten und Verarbeitungsmöglichkeiten der Kräuter verloren. „Eines meiner Hauptanliegen ist, diese Kenntnisse zu bewahren und auch weiterzuvermitteln“, erklärt Herbert Edlinger, ein gebürtiger Oberösterreicher, der vor dreißig Jahren eine Walserin heiratete und seitdem hier lebt. Zunächst kochte er in einem viel gepriesenen HaubenRestaurant; vor fünf Jahren verschrieb er sich ganz der Arbeit mit Kräutern. Seitdem bietet der stets gut gelaunte 52-Jährige, der seine Gäste mit unermüdlicher Begeisterung durch Wiesen und Wälder führt, Kräuterwanderungen mit anschließendem Kochkurs an und arbeitet mit diversen Schulklassen. Die Resonanz bei Touristen wie bei Jugendlichen ist enorm; schließlich lernt man bei Edlinger nicht nur kochen, sondern zuerst einmal sehen: Am Anfang steht das Erkennen all der


Pflanzen, von denen die meisten zuletzt in ihrer Grundschulzeit gehört haben – wenn überhaupt. Wer aber Bärenklau und Sauerampfer, Rotklee und Schafgarbe, Frauenmantel und Bergthymian unterscheiden kann, sieht das grüne, von Blüten durchsetzte Gewoge auf Bergwiesen, Waldböden und Bachbetten mit anderen Augen. Dass jemand im Gebirge aufgewachsen ist, verrät Herbert Edlinger, bedeute dabei nicht automatisch einen Wissensvorsprung; nicht nur in den Städten, auch auf dem Land habe der tägliche Umgang mit der Natur viel von seiner Selbstverständlichkeit eingebüßt.

Je frischer ein Kraut unters Messer kommt, desto intensiver der Geschmack. Also kommt unterwegs Gesammeltes erst beim PICKNICK in den Quark VON DER HAUBENKÜCHE auf die Wiese Ex-Chefkoch Herbert Edlinger weiht heute mit großer Begeisterung Laien in die Kunst des Kräutersammelns und -verarbeitens ein.

ie richtige Bestimmung der Kräuter aber ist das A und O von allem, was folgt. Denn die Regeln sind nicht anders als beim Pilzesammeln: Ins Spankörbchen (Grundausstattung für jeden Grünzeugjäger) kommt nur, was man hundertprozentig kennt. Außerdem muss jeder Sammler darauf achten, nichts mit Stumpf und Stiel auszureißen. Die Pflanzen sollen sich weiterentwickeln und nachwachsen können, auch wenn viele Kräuterköche unterwegs sind – sonst wäre es mit der Vielfalt in den Almwiesen schnell vorbei. Dies betont Herbert Edlinger ebenso wie eine zweite ambitionierte Kräuterexpertin im Tal, Christine Keck. 04 2011 . ALPS

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UNTERWEGS

LEINEN LOS! Von einem der auszog, in zwölf Tagen das Segeln zu lernen. Ein Crashkurs mit Bootsführerschein und Alpenblick

TEXT alexander hosch

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W

as ist ein Achterliek? Wie knüpft man einen Stopperstek? Und was bedeutet Lee vor Luv? Sie finden, das sind Dinge, die die Welt nicht unbedingt wissen muss? Nun, auch meine Welt brauchte sie nicht. Bis vor Kurzem. Dann bekam ich zum Geburtstag einen Segelkurs geschenkt. Sofort einzulösen. Oder gar nicht. Als Mann der Tat blieb mir also keine Wahl. Knapp zwei Wochen und zahlreiche Käptn-Blaubär-Abenteuer später saß ich dann an einem Freitag mit weichen Knien und vom Hissen und Fieren gestählten Muskeln auf einer Holzbank in der ältesten privaten Binnensee-Segelschule Deutschlands fest und fragte mich mit anderen Prüflingen: Was ist ein Achterliek? Wie knüpft man einen Stopperstek? Und was, zum Kuckuck, bedeutet Lee vor Luv? Aber der Reihe nach. Am ersten Segeltag, einem Montag, war ich die 45 Autominuten von München nach Dießen noch ganz gelassen gefahren. Ich ging gemächlich an den pittoresken Fischerhäusern vorbei, die zur 1928 gegründeten Ammersee-Segelschule gehören, und prüfte vorne am Steg den Wind. Das macht jeder richtige Segler morgens ganz automatisch, so hatte ich am Vorabend gelesen. Im großen Bootshaus bekam ich danach, gemütlich auf einer Bierbank sitzend, zusammen mit fünfzehn anderen seesüchtigen Landratten von

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GARDASEE: SEGELN ZWISCHEN ZWEITAUSENDERN Vor allem das Nordende ist – umgeben von Monte Baldo und anderen über 2000 Meter hohen Gipfeln – ein wundervolles Segelrevier mit zuverlässiger Thermik. Meist dominiert der Pelèr (Nordwind), der im Sommer von etwa Mitternacht bis in den frühen Nachmittag bläst. Sobald die Wasseroberfläche warm genug ist, löst ihn dann die Ora (Südwind) ab. Segelkurse werden zum Beispiel in Riva bei Sailing du Lac angeboten; www. sailingdulac.com.


UNTERWEGS

DER PALSTE dient zum nüp„ fen einer festen chlaufe, die sich nicht zuzieht. Er gilt als önig der no„ ten und wird in der eefahrt on allen noten am h…ufigs„ ten erwendet.

Segelschulboss Stefan Mar die erste inweisung sowie mein Lehrbuch nebst einer beeindruckenden ahl von Lernbögen überreicht. berall lagen und hingen bunte Schoten so heißen die Seile, die man an Bord braucht . Dazu alte Fotos von Menschen und ihren Segelbooten, viele Rettungswesten sowie blaues und weißes lzeug, das wir früher brauchen sollten als uns lieb war. Die nächsten sieben Stunden tanzten die Wellen unter meinen Füßen und ich hatte den freien Himmel über meinem Kopf, bei Sonne wie bei Regen, mit wachsender Begeisterung. Ich befestigte unter fachlicher Anleitung mein erstes Segel am sogenannten Baum, nahm das Ruder, vollzog Wende um Wende, kreuzte, hielt das Boot hart am oder auf halbem Wind. Auf der Rückfahrt nach München wusste ich bereits, dass sich mein Leben völlig ändern würde jedenfalls für ein paar Tage. Ich gab alle familiären Pflichten ab und nahm keine neuen beruflichen Aufträge an. Abends vor dem Fernseher nutzte ich, es war uni 2 1 , die

erste Halbzeit des Fußballspiels der WM, auf die ich doch so hingefiebert hatte, um mich mit Fragebögen zu mir völlig fremden Wissensgebieten wie Schifffahrtsrecht oder Außenbordmotorkunde vertraut zu machen. In der Pause wurde ich von Mitgliedern meiner Familie ausgefragt. In den ersten Minuten der zweiten Halbzeit schlief ich ein. Das wiederholte sich nun täglich. en Dienstag verbrachte ich wieder von morgens halb zehn bis abends halb fünf bei Pra islektionen an der frischen Seeluft, wie jetzt jeden Tag. Am Hafeneingang passierte unser Boot dabei stets die zweimastige Albatros, eine bewunderungswürdige awl von 19 5, die einst der letzte russische ar dem König von Württemberg geschenkt hatte und die seit vielen ahren von der Segel-

enden, Halsen, Schiften, eidrehen, o e ber ord, Mann ber ord ... SCHULSCHIFFE ie Boote und tege der Ammersee„ egelschule in ie en. echts an der uderpinne unser Autor.

schule für Gesellschaftsfahrten verliehen wird . Oft genoss ich bei klarem Wetter die wunderbare Alpen kulisse mit dem ugspitzblick. In der ersten Woche lernte ich, Windböen auf dem Wasser zu sehen , lange bevor sie das Boot erreichen, und gewöhnte mich daran, während der Fahrt auf dem schaukelnden Schiffsrumpf zu balancieren, ohne darüber nachzudenken. Ich konnte plötzlich auch stundenlang ohne Sonnenbrille in die Sonne oder den Wind schauen und blinzelte noch nicht einmal dabei. Ich glaube, am nde waren mir sogar einige Seebärrunzeln gewachsen. Am Mittwochnachmittag war der See auf einmal voller wunderschöner Holzboote. Da haben

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SEGELN AUF DEM AMMERSEE er mmersee gilt als vielseitiges, aber beständiges Segelrevier, ohne e treme Windverhältnisse. m Bild der –weimaster lbatros. äfen mit nlegemöglichkeit haben unter anderem die Orte ie en, errsching, Schondorf, tting, Riederau und idenried. m mmersee gibt es vor allem eine Vielzahl kleinerer Segelboote. u er für die ischereiwirtschaft und die Linienschi e herrscht auf dem See tagsüber Motorverbot.

ANREISSER Benton B osside ten culparion uta eos nestem uiasit dus, solupta uo perroum siti untera E uo in el eatint. Benton B osside ten culparion uta eos nestem .

LERNEN in Segelkurs, wie ihn unser utor gemacht hat, dauert inklusive Prüfung zehn Tage ein Theoriewochenende. r wird im Sommer 20 in der mmersee-Segelschule Stefan Mar noch drei Mal angeboten; Gebühr uro zuzüglich Lehrbücher, bungsfragebögen und Prüfungsgebühr; SB Binnen, www.ammerseesegelschule.de.

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RUBRIK ALPEN FAMILIENCLAN

TEXT Charlotte Seeling ANREISSER Benton BU osside ten culparion uta eos nestem quiasit dus, soluptaquo perroum siti untera Equo invel eatint. Benton BU osside ten culparion uta eos nestem (LINKS).

VEREINT IM SALON Valérie Gräfin Bossi Fedrigotti (Mitte) ist die Tochter des Familienoberhaupts Gian Paolo Graf Bossi Fedrigotti (rechts im Sessel). Sie wird von ihren Tanten Isabella (links) und Marie José eingerahmt. Dahinter stehend von links: Marie Josés Sohn Filippo und seine Schwester Caterina sowie deren Onkel, Maurizio Graf Bossi Fedrigotti.

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Seit fast 600 Jahren leben die Grafen Bossi Fedrigotti von Ochsenfeld im Trentin – die Hälfte dieser Zeit haben sie damit verbracht, Wein anzubauen, ihn zu trinken und zu verkaufen. Etwas wehmütig denken ihre Nachkommen an die alten Zeiten, als noch nicht moderne Anbau- und Vermarktungsmethoden das Geschäft bestimmten

REIFE LEISTUNG


FAMILIENCLAN

aterina Visconti di Modrone, 9, arbeitet als Kost massistentin an der Wiener Volksoper. Das k nnte an den Genen liegen. Der ousin ihres Gro vaters väterlicherseits ist der Regisseur Luchino Visconti.

er imposante Palazzo steht wie eine Trutzburg in der Altstadt Roveretos. An den dicken Mauern rankt Efeu bis zum Dach. Würde mich nicht wundern, wenn Dornröschen gleich das knarrende Portal öffnet ... Als ich dann Contessa Marie José, deren dunkles Haar feine graue Strähnen durchziehen, ihrer blond gelockten Schwester Isabella und dem Bruder der beiden, Conte Gian Paolo, 68, gegenüberstehe, bringt mich das etwas aus dem Konzept. Fasziniert starre ich auf die üppige gräfliche Haarpracht und begrüße alle drei mit einem leise gemurmelten „Buon Giorno Contessa“. Unglaublich, diese Haare, zumindest die Schwestern scheinen in direkter Linie mit Rapunzel verwandt zu sein ... Die Geschwister leiten das Weingut gemeinsam, leben aber nicht ständig hier. Doch heute sind der Bruder aus Lugano, die Schwestern aus Mailand, eine Tochter aus Wien und ihr Mann aus Bologna angereist. „Ja, das ist etwas kompliziert“, erklärt Marie José. „Conte Federico, unser Vater, wurde 90 Jahre alt und wollte bis zuletzt nichts aus der Hand geben. Als er vor 15 Jahren starb, hatte jeder von uns längst sein eigenes Leben.“ Ihr Bruder Gian Paolo, der inzwischen pensioniert ist, arbeitete damals noch als Investmentbanker in der Schweiz, ihre Schwester Isabella in der Mailänder Redaktion der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“. Auch Marie José lebte mit ihrem Mann und den drei Kindern in Mailand. „Und dann hatten wir auf einen Schlag ein Weingut, um das wir uns kümmern mussten“, meint die Gräfin. „Das wollten wir auf jeden Fall erhalten. Wir sind mit den Trauben groß geworden. Die Familie lebt hier seit über 600 Jahren. Im Garten steht ein Kirschbaum, der 1906 zur Geburt unseres Vaters gepflanzt wurde. Das sind unsere Wurzeln.“ Unterstützt vom erfahrenen Team des Vaters machte jedes der drei Geschwister das, was er oder sie am besten konnte. Gian Paolo kümmert sich bis heute um alles, was mit Zahlen zusammenhängt. Marie José wurde nach Kräften von ihrem Mann unterstützt, der selbst ein Weingut bei Bologna

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TEXT Cla ia er le T S ei e erger n rea e ler

KÜNSTLERIN

besitzt – bis sich die Familie vor wenigen Jahren entschied, der Organisation Masi beizutreten, einem renommierten Zusammenschluss berühmter Winzerfamilien, die deren Weine weltweit vermarktet. Wir stehen noch immer in der schattigen Eingangshalle, wo problemlos vier Kutschen nebeneinander geparkt werden könnten. „Hier stapelten sich jeden Sommer 30 Kisten frisch gepflückter Muskatellertrauben“, fährt Marie José in ihrem leicht österreichischen Akzent fort. Dann öffnet sie die Tür zur Obstkammer. Dort sind Drahtschnüre wie eine endlose Wäscheleine quer durchs Zimmer gespannt. Drähte in der Obstkammer „Ja, das war jeden Sommer ein Ritual: Unsere Mutter thronte in ihrem wallenden Arbeitsmantel oben auf der Leiter und wir mussten ihr die Trauben hinaufreichen“, erklärt sie mir. „Unser Haar klebte und alles an uns pappte, weil es dauernd von oben tropfte.“ Die Gräfin erinnert sich noch lebhaft ... „Anfang September haben die Trauben ja noch wunderbar geschmeckt, aber Anfang April kamen sie einem dann doch zu den Ohren heraus. Wir hätten gemordet für eine Banane.“ Dann geht es nach oben in den Salon. Die Contessa entschuldigt sich und meint, da sähe es heute „etwas derangiert“ aus. Man habe Möbel gerückt, für die Weinverkostung und das Dinner am Abend. Morgen sei dann großes Jubiläum: 50 Jahre Fojaneghe. Ein Rotwein, der zart nach Kirschen, roten Pflaumen, Waldbeeren, Marzipan und einem Hauch Vanille schmeckt und vor einem halben Jahrhundert für Furore sorgte. „Eine lange Geschichte“, die Gräfin lacht ...

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igentlich hatte ihr Vater in Wien Land- und Forstwirtschaft studiert. Er sollte in Böhmen einen Gutshof übernehmen. Doch nach dem Krieg gab es diesen Hof nicht mehr. Aber da war noch das Weingut hier in Rovereto. Von ehemals 50 Hektar Land waren im Lauf der Jahrhunderte zwar nur noch 40 Hektar im Besitz der Familie verblieben, aber gerade diese uralten Rebgärten waren besonders fruchtbar. „Der basalt- und kalkhaltige Boden stammt von einem erloschenen Vulkan und ist sehr nährstoffreich“, präzisiert ihr Bruder Gian Paolo, der uns gegenüber im ehemaligen Arbeitszimmer seines Vaters sitzt und geduldig das Fotoshooting über sich ergehen lässt. Von ihm erfahre ich, dass sein Vater, Conte Federico, hier in der Gegend als einer der Ersten seinen Wein nicht mehr in großen Korbflaschen und


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FAMILIENCLAN

WIPFELSTÜRMER Bei wilden Indianerspielen verbrachten die Geschwister in ihrer Kindheit mehr Zeit auf als unter den Bäumen des Parks. Von rechts: Gian Paolo, seine Schwester Marie José und deren Tochter Caterina. Rechte Seite: Die alten Weinberge oberhalb von Rovereto und die Kellerei, wo Weinverkostungen und Essen stattfinden. Der Garten wird für Hochzeiten vermietet.

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FAMILIENCLAN

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PORTFOLIO

FITZCARRALDOS

R E E BN

Wie in dem Filmklassiker von Werner Herzog ziehen zwei Münchner Künstler ein Schiff durch unwegsames Gelände. Statt durch den peruanischen Urwald quälen sich Wolfgang Aichner und Thomas Huber über die Alpen und landen am Ende in Venedig. Ihr Projekt „passage2011“ ist offizieller Beitrag zur Biennale. ALPS-Fotograf Thomas Straub hat sie unterwegs begleitet 70

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PORTFOLIO

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PORTFOLIO

A

A hatte sie von Anfang an, die rote Bootsplastik, die als Plastikboot zwischen München und Venedig eine abenteuerliche Bergtour bestehen sollte. Über einem aufgeschütteten Erdhaufen als Abdruckform hatten Thomas Huber und Wolfgang Aichner den Bug ihres Kunstwerks geformt. Viele Felsen und Geröllfelder diesseits und jenseits des Alpenhauptkamms übernahmen die weitere Gestaltung. Nach dem schneearmen Winter konnten die beiden Künstler ihr Boot nur selten gleiten lassen. Allen Widrigkeiten und einer durchgängigen Schlechtwetterphase zum Trotz erreichten die drei aber schließlich ihr Ziel auf der Südseite – erschöpft, verschlammt und bereit für die Lagune.

m Anfang war das Bild. Feuerrotes Boot in heroischer Berglandschaft. Surrealer Fremdkörper. Vor dem inneren Auge des Malers aufgetaucht. Nie angekommen auf der Leinwand. Dafür im richtigen Leben. Umtost von Stürmen, gepeitscht vom Schneeregen rumpelt und rutscht ein ausgewachsener schrillroter Glasfaserlaminat-Kahn über die Zillertaler Geröllhalden, Firnhänge, Gletscherflanken. An seinen Seilen ziehen die Künstler Wolfgang Aichner und Thomas Huber. Das 150-Kilogramm-Teil muss den Berg rauf, von 1895 Meter Höhe auf 3009 Meter. Dann wieder runter auf 1850 Meter. So die Mission. Ob möglich oder unmöglich, das wird sich weisen. Die Bildidee hat sich entwickelt zu einem „aktionistischen, transalpinen Drama“. Eigenfüßig, eigenhändig und eigensinnig wollen die beiden Münchner ihr selbst gebautes Boot über den Alpen-Hauptkamm nach Venedig bringen. „Eine große Metapher für das menschliche Streben“, erklärt der Kunstwissenschaftler Christian Schoen. „Wohin geht unsere Reise? Alles muss immer schöner, schneller, größer sein. Wir setzen unseren Weg unbeirrbar fort – auch wenn wir wissen: Das ist totaler Quatsch, was wir machen.“ Christian Schoen ist der Kurator des Projekts. Monatelang wurde geplant. Am Ausgangspunkt München und in Venedig, wo „passage2011“ offizieller Beitrag der 54. Kunstbiennale ist, kann man in einer Videoinstallation die Expedition verfolgen. Kameramann Matthias Fuchs begleitet die Künstler. Nach dem aufreibenden Tagwerk, dem Aufstieg zum Boot, der stundenlangen Rackerei mit

dem Flaschenzug, dem Abstieg am Spätnachmittag, geht es abends im Basislager weiter mit Computerarbeit. Filme und Fotos werden gesichtet, Tagesnotizen verfasst, Dateien versandt – wenn der Standort „Netz“ hat. Auf der virtuellen Route im Internet markieren rote Bootssymbole wie Perlen einer Kette den Fortschritt. Alles ist organisiert. Auch die Genehmigung, das Boot zu Wasser zu lassen am venezianischen Rio dei Santi Apostoli, damit es von dort im triumphalen Schlussakt den Canal Grande erreicht. „Mit uns beiden als Kapitäne, unter der Rialto-Brücke durch, oben Fähnchen schwenkende Kinder, dem Sonnenuntergang entgegen“ – so soll es sein. 22 Tage sind sie unterwegs. Ohne die Sicherheit, dass sie ankommen werden mit ihrem Kunstwerk. Wundgescheuerte Hände, schwere Beine, gezerrte Rückenmuskulatur, Schulterschmerzen. Jeden Morgen wieder hinein in die nassen Stiefel und beim Blick in den Himmel das Erstaunen, „dass wir so viel Pech haben mit dem Wetter.“ Drei Wochen permanente Bootstaufe von oben. Mal Pappschnee, mal Regen. Keine Proben auf der großen Naturbühne, die vom Furtschaglboden über den Alpen-Hauptkamm bis zum Südtiroler Lago di Neves reicht. Eine Aufführung. Scheitern oder Gelingen. Es gibt das Vertrauen in die eigene alpinistische Erfahrung und in die Kraft des Teamgeists: „Wir sind zwei Dickschädel, die sich hundertprozentig aufeinander verlassen können.“ Das wissen Wolfgang Aichner und Thomas Huber, seit sie gemeinsam eine Extremsituation am Berg durchgestanden haben. 1988 überquerten sie den isländischen Vatnajökull, den größten

Gletscher Europas, gerieten in einen gigantischen Wirbelsturm und mussten über zwei Wochen im Zelt ausharren. „Wir haben uns immer gesagt: Irgendwann spielt dieses Erlebnis hinein in die gemeinsame Arbeit.“ Jetzt aber geht es nicht um die sportliche Herausforderung. „Als Alpinisten würden wir uns eine ganz andere Route suchen hoch zum Neves-Sattel“, erklärt Thomas Huber. Nun spielt das Boot die Hauptrolle. Ächzend, stöhnend und jaulend hängt es in den Seilen. Es darf nicht zerbrechen bei der Schlepperei über Stock und Stein, nicht zerschellen an steilen Felsplanken. „Es muss seinen Weg finden. Wir helfen ihm.“ Aus ihrer ungewohnten, neuen Perspektive, als Darsteller in „supporting roles“, stellen die beiden fest, „driftet das Nur-Bergsteigerische schon fast ab in Egoismus. Für ein höheres Ziel zu kämpfen, das gibt eine ganz andere Motivation.“ Wochenlang sind sie „kleine demütige Punkte in einer wundersamen Welt“. Streifen den Wahnwitz des Fitzcarraldo mit seiner Schiffsverschleppung durch den Urwald, die vergebliche Mühe des Sisyphos. Zeigen Tag für Tag, wie schwierig es ist, ein Boot über die Alpen zu ziehen. Damit es dann, im riesigen Rahmen der venezianischen Schau und ihrer vielen Satellitenausstellungen, ein Kunstwerk ist unter Tausenden, die eingeflogen wurden aus der ganzen Welt. Ist das nicht absurd? „Heute hantiert man so schnell mit der Parole: Das macht Sinn“, sagt Wolfgang Aichner. „Wenn man Dinge macht, die gesellschaftlich akzeptiert sind, macht das automatisch ‚riesig Sinn’: der vermeintlich sinnvolle Job, um sich Akzeptanz zu erkaufen, dazu den Lebensstandard mit repräsentativer 04 2011 . ALPS

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ARCHITEKTURVISIONEN

PRI MA KLI MA

Licht und Luft formen unsichtbare Wände in den Häusern von Philippe Rahm. Ihre Bewohner können durch die Jahreszeiten wandeln wie durch ihren Garten

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ZWISCHEN WISSENSCHAFT UND KUNST konnte sich Philippe Rahm nie entscheiden. Also ist er Architekt geworden. Der Klimawandel ist f端r ihn keine Bedrohung, sondern Inspiration f端r neue Welten. Der 1967 geborene Franco-Schweizer hat B端ros in Lausanne und Paris.

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ARCHITEKTURVISIONEN

TEXT Petra Thorbrietz

DIE BADEWANNE hängt unter der Decke, denn oben ist es am wärmsten (unten). „Laboratorium 3“ nannte Rahm diese Installation, die mit Raumhöhen spielt. Bis zu zehn Grad Unterschied haben die Temperaturen vom Fußboden bis zur Decke: Blau ist ganz kalt (u. r.).

A

lles ist weiß. In der Unerbittlichkeit der Farbe lösen sich die Konturen auf, das gleißende Licht überstrahlt jede Form und brennt schillernde Reflexe in die Netzhaut. Die Luft ist klar und kalt und macht den Kopf leicht, zu leicht. So ähnlich muss es sein, wenn ein Erfrierender den Kampf gegen die Natur aufgibt und sich hinlegt, um auf Eis und Schnee einzuschlafen, verführt von der Glut der Euphorie. Das Verwirrspiel der Sinne findet jedoch nicht in 3000 Meter Höhe statt, sondern im Angesicht der leise gluckernden Wellen der Lagune von Venedig. Der Schweizer Architekt Philippe Rahm hat es 2002 für die Biennale geschaffen, einen gefühlten Gletschergipfel ohne Höhe, eine weiße Halle ohne Schnee, beleuchtet nicht von der Sonne, sondern von über 500 in den Boden eingelassenen Fluoreszenzleuchten mit bis zu 10.000 Lux Stärke. Riesige Maschinen entziehen der Außenluft Sauerstoff und Feuchtigkeit und blasen das gekühlte Gemisch in die Halle.

Mit diesem „Hormonorium“ hat Rahm (gemeinsam mit seinem Architekten Jean-Gilles Décosterd) eine ganz neue Disziplin zwischen Kunst und Wissenschaft begründet, die Anhänger in der ganzen Welt findet – die „architecture météorologique“. Seine futuristischen Installationen lassen die Grenzen zwischen Umwelt und Körpern verschwimmen – statt mit Wänden und Fenstern konstruiert er Räume mithilfe von Licht, Temperatur und Feuchtigkeit, verändert die Körper, die sich in ihnen bewegen. Häufig unsichtbar, immer poetisch, auf jeden Fall provokant. Eine nackte Frau und einen kaum bekleideten Mann auf einer nackten weißen Fläche aus Kunststoff präsentierte Rahm sechs Jahre später auf einer weiteren Biennale. Für das Auge verborgen wurde die paradiesische Szene von einem luftigen „Golfstrom“ umflossen, der sich nach den Gesetzen der Thermodynamik zwischen einem Wärmefeld am Boden der Installation und einem Kältepol darüber entwickelte. Dieses Prinzip, mithilfe der Gesetze der Physik verschiedene Atmosphären, kalte und warme, „südliche“ und „nördliche“, innerhalb ein und desselben Gebäudes zu schaffen, setzt Rahm seither häufig um, zuletzt in „Konvektions-Apartments“, die er für die Internationale Bauausstellung (IBA) in Hamburg 2010 schuf, oder in einem Projekt für die futuristische Defense in Paris: einem „atmenden Mietshaus“. Die Temperaturen zwischen Fußboden und Decke differieren in einer Wohnung manchmal bis zu zehn Grad. Indem Rahm dieses Gefälle durch Raumgebung, Röhren und Schlitze in Bewegung bringt, leitet er kühlere Luft in das Schlafzimmer (16 Grad) und weniger kühle in die Küche (18 Grad), während das Wohn- oder Arbeitszimmer, deren Bewohner sich weniger bewegen, schon 20 Grad benötigen. Weil die Wärme aufsteigt, liegt der Schlafplatz am tiefsten Punkt der Wohnung und das Bad am höchsten. „Ich schaffe


„Erst haben die Menschen Innenräume beheizt und sich damit ein künstliches Klima geschaffen. Jetzt heizen wir auch die Atmosphäre auf“

„Smart Air“ heißt das Konstruktionsprinzip dieses Hauses, das Philippe Rahm 2010 auf der Internationalen Bauausstellung in Hamburg präsentierte. Die Reihung der Zimmer folgt den natürlichen Luftströmen, je nach Erwärmung oder Abkühlung.

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ALPS Magazine #6/2011 preview  

ALPS Magazine #6/2011 preview

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