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inhalt 8 Gründe, jetzt in die Berge zu gehen

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Auf die sanfte Tour

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08 DER BERG RUFT 8 GRÜNDE, JETZT IN DIE BERGE ZU GEHEN Kräuterduft schnuppern, unterm Maibaum

Mai/Juni 03/2012

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Alpine lebensArt

Oldtimer

seen. of. ten Berg Bauernh auf dem Tage an versteck en. erferien e Abenteu nhäusern. Frei r Spitzenköch ten Alpende bei Schweize verträum Urlaub in Lauschige Abe den­

sCHnee retten – ÜBer den

sOmme

r

deutschland 5,50 eUr – italien

berg lockt der Und ewig

6,00 euro – Österreich 6,00 eUr – schweiz 9,50 CHF – übrige euro-länder 6,00 eUr

zieht es nach Zürs

Knirpse wollen

klettern, steigen, laufen, tollen

TITEL: Kurvenstars S. 72 Foto: ARLBERG CLASSIC CAR RALLY LECH/ LISA & DIETMAR MATHIS Auf die sanfte Tour S. 26 Foto: KILIAN BLEES

feiern, ein Rind adoptieren oder dem eigenen Lebensfeuer nachspüren – jetzt ist die Zeit, um den Frühling in vollen Zügen zu genießen

14 KLEINE FLUCHTEN AUFSTEIGEN, UM ABZUTAUCHEN Wer im Sommer in die Berge geht, freut sich über jedes kühlende Nass. ALPS verrät die Lieblingsseen der Redaktion

26 UNTERWEGS I AUF DIE SANFTE TOUR Die „Alpenkonvention“ verpfl ichtet die Länder des Alpenbogens zu nachhaltigen Fremdenverkehrskonzepten. Das kleine Lesachtal in Kärnten zeigt, wie blendend diese Ansätze funktionieren können

38 UNTERWEGS II ÜBER DEN BERG Zu Fuß, mit Mountainbike und zum Schluss mit Boot wagten zwölf Kinder aus dem Caritas-Dorf Irschenberg 2011 eine Alpenüberquerung. Ein Jahr danach ziehen sie Bilanz

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ALPS . 03 2012

Küchenhexer

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Urlaubslieben

46 10 GEBOTE KINDER VON DER LEINE LASSEN Mehr Spaß als im Gebirge gibt es für Kinder nirgendwo. Und mit dem fröhlichen Erleben verbindet sich tiefer Nutzen, sagt Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein.

50 GASTLICHKEIT KÜCHENHEXER Drei Schweizer Spitzenköche hauchen den Klassikern ihrer Heimatküche ein verblüffend neues Leben ein

62 ARCHITEKTUR URLAUBSLIEBEN In den Ferien ein Haus in den Alpen zu bewohnen, reizt auch Architekturliebhaber – wenn sie an die richtige Adresse geraten

72 OBJEKTE I KURVENSTARS Die Nostalgie nach Zeiten, als Frauen Kurven und Männer das Steuer in der Hand hatten, beschert Oldtimer-Auktionen Umsatzrekorde

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OBJEKTE II

CHROMJUWELEN Beim Concorso d’Eleganza in Como treffen sich Autoliebhaber aus aller Welt zum Defilee ihrer Schönheiten

Fotos: HRH Fishing Hebeisen (1), Kilian Blees 81), Peter Raider (1), Hafele (1), Florian Seidel (1), Florian, Bachmeier (1)

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Soma cum laude

KurvenStars

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Über den Berg

Eine eigenwillige Sippe

84 FAMILIENCLAN

116 ZEITGESCHICHTEN

EINE EIGENWILLIGE SIPPE Mit eigenem Stil

AUF POIROTS SPUREN Als Agatha Christie

STANDARDS

und eigenem Kopf behauptet der Unützer-Clan schon in der dritten Generation seinen angestammten Platz in der Münchner Nobelmeile Maximilianstraße.

einmal am Karersee abstieg, fand sie eine blühende Landschaft und Ideen für einen Krimi

S. 03 S. 04 S. 06 S. 129

94 KLIMA SONNENSCHUTZ FÜR WEISSE RIESEN Wie man den Schnee über den Sommer retten kann, beschäftigt Glaziologen und Betreiber von Bergbahnen seit Jahren. ALPS besuchte die Sonnenschützer im Ötztal und im Oberengadin

100 BESSER LEBEN WO HUNGERN ZUM HOCHGENUSS WIRD Für Henri Chenot, Herrscher über das „Palace“ in Meran, verzichtet man freiwillig auf vieles

104 PORTFOLIO SOMA CUM LAUDE Drei Jahre hatte der Tiroler Architekt Stefan Rutzinger sein Diplom in der Tasche, da setzte er sich mit seinem Team, das sich soma nennt, gegen internationale Stars wie Zaha Hadid durch und gewann den offenen Wettbewerb zum Bau des zentralen Pavillons der Expo 2012 in Südkorea

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KULTUR Ein Wiener Museum präsentiert Klimt als unbequemen Avantgardisten, das Passauer Architekturforum stellt moderne Kirchenarchitektur aus, Flims zeigt, was ein „Töff“ ist. Filme, Bücher, Musik und wichtige Termine im Frühsommer

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Editorial Inhalt Mitarbeiter Impressum

Aufsteigen, um abzutauchen

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NOTIZBUCH Reise- und Hotelinformationen, Wegbeschreibungen, Rezepte, Ausrüstungsempfehlungen

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STRASSENRANDPERLEN Entlang der Alpen-Magistralen gibt es Sehenswürdigkeiten, die jeder zu kennen glaubt, obwohl kaum einer je dort angehalten hat. ALPS macht Stopp

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Auf die SanftE Tour Seit zehn Jahren verpflichtet die „Alpenkonvention“ alle Länder des Alpenbogens zu nachhaltigen Fremdenverkehrskonzepten. Das kleine Lesachtal in Kärnten gehört zu den Regionen, die beispielhaft zeigen, wie blendend diese Ansätze funktionieren können – wenn man nur den Weg der kleinen, aber durchdachten Schritte geht

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Text Claudia Teibler FOTOS Kilian Blees Bauernhof

statt „AdventurePark“: Im Haus Mesner in Liesing machen Ausflüge mit Ziegen oder Heuwagen mindestens ebenso viel Spaß wie andernorts aufwendige Erlebnisparcours.

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ir Lesach­taler haben ein Sprichwort: Wer lang genug h i nterherrennt, läuft irgendwann vorne­ weg“, erzählt Erwin Soukup lachend. Eine Spruchweisheit, die sich gerade wieder einmal bewahrheitet, im Großen wie im Kleinen. Das ganze Hochtal im Nordwesten Kärntens ist ein Musterbeispiel dafür, wie gut und unaufgeregt ein wirklich sanfter Tourismus funk­ tionieren kann. Und Soukup, der vor zwei Jahren den Bauern­ hof seiner Eltern im Örtchen Liesing übernahm und mit acht Ferienwohnungen schon zu den „großen“ Gast­gebern im Tal gehört, rangiert mit ­seinem Kinderprogramm in den ­Gästebewertungen des ElternKind-Reiseanbieters Vamos regelmäßig auf Platz 1. Das ist insofern besonders eindrucksvoll, als Vamos sich generell durch handverlesene Ziele auszeichnet, die mit aufwendig ­konzipierten ­K inderprogrammen und entsprechender Ausstattung punkten.

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Im Vergleich zu Astrid-Lindgren-Workshops und Natur­ detektiv-Camps, zu hauseigenen Kletterwänden, Spaßpools und Indoor-Bewegungsräumen ist das Angebot von Soukup auf den ersten Blick denkbar unspektakulär: Im Garten gibt’s eine Rutsche, eine Sandkiste und ein Federballnetz, für Regentage warten in der Bauernstube Gesellschaftsspiele. Pro Woche bietet er eineinhalb Tage Kinderbetreuung an, damit die Eltern auch einmal etwas für sich allein unternehmen können – doch ohne hoch gehängtes pädagogisches Aushängeschild: „Ich mache mit den Kindern das, was mir als Bub auf dem Bauernhof Spaß gemacht hat“, erklärt Soukup. Am unterhalb des Hofs gelegenen Flüsschen Gail werden Wasserräder konstruiert, die Kinder werkeln an einem Baumhaus, schnitzen Stöcke, bemalen Steine. Außerdem haben sie jeden Abend Stalldienst: Hasen füttern, die Box der Ziege ausmisten, Eier einsammeln, die Hühner vom Freigehege in den Stall treiben … Beim Almauftrieb der Kühe marschieren die Gastfamilien selbstverständlich mit.


Unterwegs


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Unterwegs

Sechs Mühlen klappern noch heute oberhalb des Örtchens Maria Luggau. Dass sie nicht abgerissen wurden, sondern als lebendiges Museum für die Kornkultur im Lesachtal besichtigt werden können, ist das Werk der Bäuerin Brigitte Lugger (o. l.). Sie setzte sich in den Siebzigerjahren vehement für deren Erhalt ein.

Wenn’s ans Heumachen geht, ist auf dem Wagen immer Platz für ein paar neugierige Jungs. Und auf dem frisch ins Silo gefüllten Heu Saltos zu schlagen, beschert den Eltern strahlendere ­K indergesichter als jedes Mega­ trampolin. Im touristischen ­A ngebot des Lesachtals ist Soukups „Familienbauernof Mesner“ nur ein kleiner Baustein, und doch ist dieser Hof allein schon ­beispielhaft für vieles, was im „Protokoll zur Durchführung der Alpenkonvention im Bereich Tourismus“ postuliert wird: „ein naturnahes und umweltschonendes Tourismus­ angebot sowie die Aufwertung des natürlichen und kulturellen Erbes der Feriengebiete“. Etwas weniger amtsdeutsch geht es in dem Richtlinienwerk „um ein breites Angebot an Aktivitäten, die gänzlich ohne technische Hilfsmittel auskommen“, erklärt Peter Haßlacher.

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r ist Leiter der Fach­ abteilung Raumplanung /Naturschutz beim Österreichischen ­A lpenverein und war einer der zentralen Köpfe bei der Entwicklung der oben erwähnten Alpenkonven­ tion, jenem völkerrechtlichen Vertrag, in dem sich alle Länder des Alpenbogens zum Schutz ihres einzigartigen Natur- und Lebensraums verpflichten. Wie die Umsetzung dieser in den Achtzigerjahren ausgetüftelten und vor zehn Jahren in Kraft getretenen Vorgabe im Einzelnen aussehen soll, ist in einer ganzen Reihe von „Durchführungsprotokollen“ festgeschrieben, an denen Haßlacher ebenfalls mitgewirkt

hat. Diese berücksichtigen alle ­ ereiche, auf die die Leitlinien B der Alpenkonvention konkrete Auswirkungen haben, von Raumplanung und Landschaftspflege bis hin zu Landwirtschaft und Verkehr. Eine besondere Bedeutung in dieser Konstellation kommt natürlich dem Tourismus zu, schließlich ist er einer der stärksten ökonomischen Kräfte, aber auch eines der größten Problemfelder in den Alpen. „Wir können natürlich Regionen, in denen jahrzehntelang intensiver Tourismus betrieben wurde, mit Bettenburgen und zahllosen Liftanlagen, nicht auf einen Schlag völlig umkrempeln“, weiß Haßlacher. „Aber es wäre schon ein Schritt, wenn sich all das auf ein ökologischeres Fundament stellen ließe, oder wenn man dort ein Gleichgewicht herstellen könnte ­zwischen Bereichen, die intensiv genutzt werden, und Bereichen, in denen der extensive, also sanfte, Tourismus vorherrscht.“ Ein Beispiel für eine solche Koexistenz ist ausgerechnet das Ötztal, das die meisten nicht gerade mit entschleunigten, technikfreien Angeboten assoziieren. Dennoch gibt es hier nicht nur die Skiarenen, sondern eben auch Vent, ein „Bergsteigerdorf“, das nicht nur wegen seiner Hochgebirgslage so heißt, sondern auch dank Ernennung seitens des Österreichischen Alpenvereins. Denn der prämierte mit dieser Bezeichnung bislang insgesamt 16 Gebiete, die in ihrer Art, mit Fremdenverkehr umzugehen, beispielhaft die Qualitäten verkörpern, wie sie im Durchführungsprotokoll der Alpenkonvention festgeschrieben sind: eine nachhaltige, eigenständige Entwicklung ohne internationale 03 2012 . alps

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RubRik Alpen unteRwegs


ÜBeR DEN

BERG

Zu Fuß, mit Mountainbike und zum Schluss mit Boot wagten zwölf Kinder aus dem Caritas­ Dorf Irschenberg 2011 eine Alpenüberquerung. Ein Jahr danach ziehen sie Bilanz: Wie wertvoll war die Erfahrung? Hat sie die dreiwöchigen Strapazen aufgewogen?

MOMenTaUFnaHMen Entbehrung, Nähe, Enttäuschung, Entspannung und Schmerz – alles war angesagt während der anstrengenden Tour von Bayern nach Italien.


Rubrik Alpen Unterwegs

Text Eva Meschede Fotos Florian Bachmeier

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F

ast ein Jahr danach gehen die Erinnerungen daheim im oberbayerischen Irschenberg am Esszimmertisch kreuz und quer. Hat es jetzt nur das eine Mal geregnet, als sie sich mit den Mountainbikes verfahren hatten? Dann war da ja noch das heftige Gewitter, das drohend aufzog, als sie vom Großvenediger abstiegen und das sie zum Glück in der Hütte erleben durften. Aber sind sie dann nicht noch einmal auf dem Weg zum Fluss total nass geworden? Und vorher auch noch mal? Dennoch: Der Rückblick ist überwiegend sonnig, was das Wetter angeht. Andere Entbehrungen waren da schon schlimmer: „Nur drei Unterhosen, das war echt assie“, sagt der 13-jährige Moritz, heimlich habe er eine vierte mitgeschmuggelt. Die 12-jährige Lisa erinnert sich an den Tag, an dem es nur Zwieback, Käse und Apfel gab. Und die 15-jährige Marie und die 13-jährige Katie fanden es grausam, dass das komplette Schminkzeug zu Hause bleiben musste. Drei Wochen ohne jedes Make-up! Obwohl jede Menge Fotos gemacht ­werden ­w ürden. Was für eine Aussicht! Damit das wochenlange Leben so ganz ohne Beautyprodukte nicht zu hart würde, hatte Hausmutter und Tourbegleiterin Stephi den Teenagerdamen vor dem Start zum Glück noch eine Runde ­Wimpernfärben

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spendiert. So konnten Tiegel und Stifte ­leichter zurückgelassen werden. Der Verzicht hatte in allen Fällen mit einem zu tun: dem Gewicht des Rucksacks, den die Kinder drei Wochen lang tragen würden und der auf keinen Fall mehr als sechs Kilo wiegen sollte. Zwar schleppten die Erwachsenen doppelt so viel auf dem Rücken, aber auch hier gab es Grenzen. Moritz, Lisa, Katie und Marie sind vier von zwölf Kindern aus dem Kinderdorf Irschenberg, die von ihrem großen Projekt im Sommer 2011 erzählen. Zusammen mit fünf Betreuern haben sie in einer dreiwöchigen Tour die Alpen überquert, von ihrer Haustür aus bis an die Adria, mit Fahrrädern, Wanderschuhen, Seilen, Steigeisen und Rafting-Booten – immer aus eigener Kraft; 15.000 Höhenmeter, 400 Kilometer und viele lange Fußmärsche lagen hinter ihnen, als sie nach 23 Tagen endlich ins Meer springen konnten. Alle Kids hatten sich freiwillig gemeldet und schon neun Monate vorher zu trainieren begonnen; regel­ mäßig joggen, Bergwanderungen bei jedem noch so fiesen Wetter und Mountainbiken standen auf dem Programm. Ausdauer und Willen zum Durchhalten hatten sie damit schon vor dem Start bewiesen. Am 29. Juli ging es dann endlich los, die ­ersten Tage mit Fahrrädern. In ein ganz neues ­Abenteuer


Rubrik Alpen

Lauter Freiwillige auf dem Weg über den

Gletscher

Anreisser Benton BU osside ten culparion uta eos nestem quiasit dus, soluptaquo perroum siti untera Equo invel eatint. Benton BU osside ten culparion uta eos nestem (links).

für die Kids des Caritas-Dorfs, das seit 30 ­Jahren Kinder und Jugendliche in Notsitua­t ionen ­aufnimmt und in Pflegefamilien aufwachsen lässt. Die Alpenüberquerung war ein Experiment: ­Würden alle Kinder den langen, weiten, oft ­steilen Weg bergauf und bergab schaffen? Würde man sich auch in Extremsituationen vertragen? Was würden sie in den Bergen lernen und mitnehmen für die Zukunft? Und was bleibt im Gedächtnis, wenn man die Kinder knapp ein Jahr später von ihrem großen Projekt erzählen lässt?

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er Gletscher sei das Beste gewesen, sagt Moritz, „da bin ich ausdauermäßig an meine Grenzen gekommen“. Das hat den Fußballer, einen der Fittesten, überrascht. Hatte er sich vorher eher mal über „die Langsamen“ geärgert, hatten die Betreuer ihn beim Mountainbiken einbremsen müssen, waren auf der schwierigsten Etappe, der Überschreitung des 3674 Meter hohen Großvenedigers am Seil der Bergführer alle gleich. „Hart am Limit“, so haben sie auch ihren Film genannt, den sie während der Tour gedreht und hinterher professionell ­geschnitten haben. Schnaufend ziehen sie da über die weiße Schneewüste des Gletschers,

EIN BUNTER HAUFEN Mädchen und Jungen zwischen 12 und 15 Jahren, die in Pflegefamilien leben, entdeckten bei der Alpen­ überquerung ihre Stärken.


Architektur

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URLaUbs

Lieben

Fremdwohnen kann zur lebenslangen Leidenschaft werden – wenn man an die richtigen Adressen gerät. Gerade die Möglichkeit, jedes Jahr ein anderes Haus zu testen, reizt Architekturliebhaber. So können sie unverbindlich ausprobieren, welche Wohnform auf lange Sicht zu ihnen passen würde, bevor sie ein eigenes Haus bauen. Bei der Partnersuche hilft seit fünf Jahren der Hannoveraner Jan Hamer

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J

Text Ruth Händler

edes Jahr saß man mit Freunden zusammen, tauschte sich aus und überlegte, wo kann man hinfahren“, erinnert sich Jan Hamer. Wie viele Urlaubsplaner, die ein Feriendomizil für die Familie suchen, hatte auch der Architekt aus Hannover Mühe, das ­R ichtige zu ­f inden. Wer das eigene, liebevoll eingerichtete Heim verlässt, möchte sich im Ferienhaus auch wohlfühlen dürfen. Möchte auf eine Umgebung treffen, die besser aussieht als ein Endlager ­verstoßener Möbel. Wie oft schon hatte man das ­Kofferauspacken schwungvoll mit einer Wegpackaktion verbunden: Trocken­blumensträuße, Kleinskulpturen aus Wurzelholz und auch den einen oder anderen fadenscheinigen Vorleger in einer Nische deponiert, deren Vorhang (frühe Sechzigerjahre) das Reinigungsgerät (späte Siebzigerjahre) verhüllte. Heute soll von der Küche bis zur Haustechnik alles funktionieren. „Also fing ich an, im ­I nternet nach ansprechend gestalteten und gut ausgestatteten Ferien­häusern zu suchen“, erzählt Hamer. „Aber das war nicht so leicht wie die Suche nach schönen Hotels. Offenbar fehlte eine Vermittlung zwischen Hausbesitzern und ihren potenziellen Gästen.“ Heute genügt ein Klick auf www.urlaubsarchitektur.de, um sich in Traumdomizile für die Ferienzeit zu beamen. Das Webportal, das Jan Hamer gegründet hat und seither neben seinem beruf­l ichen Engagement in einem Kasseler Architekturbüro betreibt, hat sich fulminant entwickelt: Von den ersten Insidertipps, die Hamer 2007 ins Netz gestellt hat, ist die Sammlung glücksverheißender Destinationen angewachsen auf über 180 Objekte in 23 Ländern. Jede Woche kommt ein neues Objekt hinzu. Wer auch in den Ferien

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Architektur

Fotos: © www.imspycher.ch (3)

Glückliche Rettung Über dem Vierwaldstätter See thront das 300 Jahre alte Speicherhaus (vorige Seite und hier) so selbstverständlich, dass nichts mehr erinnert an seine bewegte Geschichte. In den Sechzigerjahren wurde der kleine Holzbau an seinen jetzigen Standort verpflanzt. Als später mit dem Verkauf der Abriss drohte, griffen die Nachbarn von gegenüber ein: Tanja Siegwart und Marco ­Gander erwarben den Spycher. Mit viel Freude an gutem Design bauten sie das Häuschen um zu einem Urlaubs­ paradies mit grandioser Aussicht aus neuen Panoramafenstern.

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Architektur

einkehR beim RitteR Im Refugio Laudegg auf dem Tiroler Sonnenplateau Serfaus Fiss Ladis über dem Inntal sind die Holzarchitektur und das gezimmerte Interieur minimalistisch. Die Namen der vier Themensuiten aber künden von der reichen Historie, die den Ort prägt: Hier nächtigt man etwa in der „Albrecht von Laudegg“ Rittersuite oder „Katharina Keimb“ Hexensuite oder in einem der acht Doppelzimmer, die alle in dem neuen kantigen Architekturensemble unter der Burg von Ladis liegen. Der Rückzugsort ist ideal für Menschen, die im Urlaub auf den Küchendienst verzichten: Frühstück und Abendmenü gibt’s nebenan im traditionsbewussten Rauthof.


Foto: Š Florian Klotz, Ventira Architekten GmbH

Moderne Ritter lieben es minimalistisch aber mit allem Komfort, den alte Burgen nicht bieten


KURVenstars Einst bildeten Erfolg, schÜne Frauen und schnittige Autos eine Dreieinigkeit. Heute beschert die Nostalgie nach den guten alten Zeiten, als Frauen noch Kurven und Männer das Steuer in der Hand hatten, Auktionen mit Oldtimern neue Umsatzrekorde

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OBJEKTE

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TEXT Ute Strimmer

ind in den Haaren und das Gefühl von Freiheit. Es gibt wohl kaum etwas Schöneres, als mit dem Cabrio durch die Alpen zu fahren. Verdeck auf und los geht’s! Weiße Gipfel, kristallklare Bergseen, saftige Wiesen, kühne Passstraßen und kurvenreiche Abfahrten. Viel gibt es im größten und höchsten Gebirge Europas zu entdecken. Im Konvoi und in einem Oldtimer macht es noch mehr Spaß. Perfekter Ausgangspunkt für eine gemeinsame Oldie-Fahrt ist Lech am Arlberg. Jeden Sommer starten hier bei der „Arlberg Classic Car

Fotos: Arlberg Classic Car Rally Lech/ Lisa & Dietmar Mathis (2), Dorotheum, Wien (1)

Wo die schönsten ALtEn AUtOS WArtEn Rally Lech“ hundert Ikonen des Automobilbaus aus den Zwanziger- bis Siebzigerjahren. Wer da mit dabei ist, für den wird die alpine Spritztour zu einem ästhetischen Gesamterlebnis. Doch wo bekommt man einen Oldtimer? Unter Autoliebhabern bekannt ist das Wiener Dorotheum. Das traditionsreiche Auktionshaus versteigert zweimal jährlich ganz besondere Objekte. In der traditionellen Frühjahrsauktion (2. Juni), die diesmal erstmals in Wien stattfindet, kommt ein Alvis TD 21 von 1960 zum Aufruf. Der schmucke Wagen mit 3-Liter-Motor, der von 1958 bis 1964 produziert wurde, steht für britische Noblesse und Understatement. „1920 rollte der erste Alvis über die englischen Straßen“, erklärt Wolfgang Humer, Leiter der Sparte Klassische Fahrzeuge und Automobilia beim Dorotheum. „Insgesamt wurden davon nur gut tausend Stück bei Park Ward in London

gebaut. Eine hervorragende DER sONNE ENTGEGEN im Mercedes-Benz Qualität, da Park Ward die haus500 K Cabrio von eigene Karosseriemanufaktur von Rolls-Royce war.“ Mit die- 1934 mit Blick von der sem Oldtimer kann man sich auf Bodenalpe Richtung Lech, im Hintergrund Alpenstraßen gut sehen lassen. das Omeshorn Insider wissen, dass der Schwei(linke Seite). Große zer Karosseriebauer Graber Oldtimer-Pause: Der auch einige bildhübsche Alvis- Star bei der „Arlberg Modelle anfertigte. Der SchätzClassic Car Rally preis des smarten Briten ist mit Lech“ von 2011 war der Mercedes-Benz 25.000 bis 35.000 Euro moderat SLS von 1957 (o.). taxiert und damit für Einsteiger Beim Dorotheum in gut geeignet. Wien kommt am Wesentlich tiefer in die 2. Juni ein schmucker Tasche greifen musste der neue Alvis TD 21 von 1960 unter den Hammer (u.).


OBJEKTE

liebt den Ferrari 250 GT California LWB: Regisseur Roger Vadim ließ nicht nur seine erste Frau Brigitte Bardot damit herumkurven, sondern auch seine zweite Gattin Annette Strøyberg (o.). Der teuerste Oldtimer Frankreichs: Der Ferrari 250 GT California LWB brachte bei Artcurial in Paris 4,5 Millionen Euro (u.).

Besitzer des Ferrari 250 GT California LWB. Der silberne Roadster aus dem ehemaligen Besitz des französischen Nouvelle-Vague-Regisseurs Roger Vadim wurde für den Rekordpreis von 4,5 Millionen Euro im Februar 2012 bei Artcurial in Paris versteigert und ist damit der bislang teuerste in Frankreich versteigerte Oldtimer. Provenienz kostet. Frauenförderer Vadim, der Spezialist für erotisches Emotionskino, der seinen internationalen Durchbruch mit dem Kinofilm „Und immer lockt das Weib“ (1956) hatte und

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DER JETsET

Catherine Deneuve entdeckte, überließ seinen schicken Zweisitzer häufig seinen diversen Ehefrauen.

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uf der Strecke zwischen Paris und St. Tropez waren daher oft Brigitte Bardot oder Jane Fonda mit Vadims Ferrari unterwegs. Auch die dänische Schauspielerin Annette Strøyberg, Vadims zweite Ehefrau, fuhr leidenschaftlich gern den Spider des Cineasten. Das rare Stück aus der italienischen

Designerschmiede Pininfarina war in den Sechzigerjahren Kult. „Jeder wollte damals einen California haben: Johnny Hallyday und Alain Delon – alle Stars des Jetset besaßen den offenen Ferrari“, ergänzt Matthieu Lamoure, Direktor der Abteilung Motorcars bei Artcurial. Ein weiteres aufsehenerregendes Modell brachte Ferrari 1960 auf den Markt, das Anfang März bei dem britischen Auktionshaus Bonhams – Marktführer für Vintage Cars – 121.000 Euro einspielte. Der 250 GTE 2 + 2 war Ferraris erster Viersitzer und gehörte ursprünglich dem Hollywood-Filmproduzenten Agostino „Dino“ de Laurentiis, der „Barbarella“, „King Kong“ und „Manhunter“ produzierte und für Federico Fellinis Streifen „La Strada“ den Oscar bekam. De Laurentiis arbeitete mit legendären Regisseuren wie Roberto Rossellini, Luchino Visconti, Sidney Pollack und David Lynch, die ebenfalls seine

Fotos: Alle Rechte beim Urheber (1), Artcurial Paris (1), Arlberg Classic Car Rally Lech/Lisa & Dietmar Mathis (2)

SEX SELLS, wusste schon roger Vadim. Je mehr Geschichte und


Geschichten ein Wagen mitbringt, umso HÖHEr steigt sein Preis

Zwischenstation bei der „Arlberg Classic Car Rally Lech“ auf der Jägeralpe in Warth (o). Fahrt durch das Furkajoch im Bentley Le Mans Tourer von 1929.


Klima

SOSCHUTZ NNEN ..

FUR WEISSE

I S N RE E

Wie man den Schnee über den Sommer retten kann, damit beschäftigen sich Glaziologen und Betreiber von Bergbahnen seit Jahren. Nach Experimenten und Irrtümern gilt die Abdeckung von kritischen Gletscherzonen und Schneedepots als die beste Methode, das kostbare Weiß zu konservieren und Skispaß auch für den nächsten Winter zu garantieren. ALPS besuchte die Sonnenschützer im Ötztal und im Oberengadin 94

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alstation Retten­ b ac h­g l e t s c he r. Andrea Fischer schultert schwung­voll ihr Trage­ gestell mit dem Dampfbohrer. Für eine Glet­ scherforscherin ist das ­leichtes Gepäck. Normalerweise schleppt sie mit Eispickel, Seil und Steig­ eisen auch noch Schaufel, Messgeräte, Radargerät, GPS, Feldbuch und Fotoapparat auf die Gletscher. Und Sonnencreme mit höchstem Schutzfaktor – die zierliche Wissenschaftlerin des Instituts für Meteorologie und Geophysik der Universität

Innsbruck ist sehr, sehr blond. Aber heute geht es ja nicht in die unberührte Wildnis der Ötztaler Alpen, sondern nur vom Parkplatz zum Auslauf der Rettenbach-Gletschersk ipiste von Sölden. Auch die hat extra­ starken Sonnenschutz – lange, miteinander verschweißte weiße Bahnen aus Vlies sor­ gen dafür, dass den Sommer über möglichst viel Schnee auf der Piste erhalten bleibt. Denn das „ewige“ Eis der Alpen ist endlich. Seit bald 40 Jahren schrumpfen die Gletscher, seit Mitte der 1990er-Jahre sehr ­auffällig, in den Hitzesommern

2003 und 2007 war die Schmelze schon mal exorbitant. Ein Pro­ blem für die Gletscherskige­ biete im ganzen Alpenbogen: Da apern Abfahrten aus oder ­werden zu steil, dort verlieren Liftstützen den Halt. „Punktuell sind Gletscher­ abdeckungen mit Folien hoch ­A ndrea effizient“, erzählt Fischer, während sich ihr Dampfbohrer langsam ­seinen Weg durch die unbedeckte ­Eisfläche am Fuß des Folien­ felds schmilzt. „Ablationspegel­ bohrung“ ist der Fachausdruck für die Messung der Schnee­ schmelze auf den Gletschern.

Ein Pistenfahrzeug und vier bis fünf Mann sind am Werk, um gefährdete Pistenabschnitte auf dem Diavolezzafirn im Oberengadin mit Vlies zu verhüllen.

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Text Isolde von Mersi FOTOS Frieder Blickle

MASSARBEIT


ALPS Magazine #10/2012 preview