__MAIN_TEXT__
feature-image

Page 45

GEDENKEN, ERINNERN, HANDELN

GEDENKARBEIT IN DER KRISE Jedes Jahr entsendet der Österreichische Auslandsdienst Gedenk-, Sozialund FriedensdienerInnen in die ganze Welt. Die Corona-Krise betrifft sie alle. Durch Home-Office und kreative Ideen können sie ihren Dienst fortsetzen und weiter einen Beitrag zum Gedenken an den Holocaust leisten. Ein Bericht von Jonathan Dorner und Monika Messner.

H

ome-Office erspart vielen Menschen den täglichen Weg in die Arbeit. Bei GedenkdienerInnen geht es um besondere Distanzen: Von Tel Aviv bis Shanghai, von New York bis Oświęcim sind die Einsatzstellen der jungen ÖsterreicherInnen über den Globus verstreut. In der Corona-Krise mussten viele frühzeitig nach Österreich zurückkehren. Nicht nur die Arbeitsorte verändern sich, sondern auch die Gedenkarbeit selbst. Viel mediale Aufmerksamkeit hat die virtuelle Gedenkveranstaltung zum 75-jährigen Jubiläum der Befreiung des ehemaligen Konzentrationslagers Mauthausens erhalten. Doch das Gebiet des Erinnerns und Gedenkens umfasst auch in der Corona-Krise deutlich mehr. GEDENKDIENST IM AUSLAND Jahr für Jahr werden von der Republik Österreich junge GedenkdienerInnen in verschiedenste Länder entsendet. Der 1998 gegründete Verein Österreichischer Auslandsdienst ist dabei die größte Trägerorganisation. 2019 entsandte sie erstmals mehr als 60 AuslandsdienerInnen auf alle Kontinente. Neben dem Gedenkdienst, der inhaltlich den größten Bereich im Verein bildet, bietet der Verein auch Sozial- und Friedensdienste an. Den Gedenkdienst können sowohl zivildienstpflichtige junge Männer leisten, als auch Frauen in Form eines Freiwilligendienstes. Viele GedenkdienerInnen arbeiten in Holocaust-Gedenkstätten, Museen und Forschungseinrichtungen, wie zum Beispiel dem Simon Wiesenthal Center in Los Angeles, dem Jüdischen Museum Berlin, dem European Roma Rights Centre in Budapest oder Yad Vashem in Jerusalem. Die Arbeit an den zahlreichen Einsatzstellen besteht vor allem aus der Gestaltung und Organisation von Führungen und Veranstaltungen, Archivarbeit, dem Halten von Vorträgen sowie Gesprächen mit ZeitzeugInnen und deren

Dokumentation, um ihre Erfahrungen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Dem Auslandsdienst geht eine mehrjährige Vorbereitung beim Österreichischen Auslandsdienst voraus. Die Corona-Pandemie traf alle Bereiche, unabhängig von Dienstart und Einsatzort. Für die meisten AuslandsdienerInnen war ein Weiterführen des Dienstes nicht möglich. In Ländern, die wie Italien schwer von der Pandemie betroffen sind, mussten die AuslandsdienerInnen teilweise mit dem letzten Zug abreisen. In der Eile mussten einige sogar ihre Besitztümer zurücklassen. Auch SozialdienerInnen in weiter entfernten Dienststellen, wie Uganda und Brasilien, waren aufgerufen, das Land ehestmöglich zu verlassen. Doch nicht alle mussten abreisen. Die GedenkdienerInnen in Prag und Budapest blieben in ihren Einsatzstädten. Der Ungewissheit der größeren Entfernung zum Trotz entschlossen sich auch ein Gedenkdiener und zwei Sozialdienerinnen, in Tel Aviv zu bleiben. Nach zwei Monaten Home-Office-Arbeit sind die drei nun

› © Österreichischer Auslandsdienst

Sozialdienerinnen Sara Hummel und Monika Messner in Tel Aviv (Israel) im Home-Office

Alpendistel

45

Profile for Alpendistel

Alpendistel #1 Im Schatten der Berge. Antisemitismus Gestern und Heute  

Alpendistel #1 Im Schatten der Berge. Antisemitismus Gestern und Heute  

Recommendations could not be loaded

Recommendations could not be loaded

Recommendations could not be loaded

Recommendations could not be loaded