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AUS DEM VEREIN

REGINE KAPPELER Das Engagement der sprachgewandten Pädagogin Regine Kappeler für geflüchtete Menschen ist so beispielgebend wie es vielfältig ist. Sie besitzt die besondere Gabe der unaufdringlichen empathischen Zuwendung, die Vertrauen ausstrahlt und Geborgenheit vermittelt. Obwohl ihr keine spezifisch psychologische Ausbildung zuteil wurde, konnte sie bei vielen ihrer „Schützlinge“ eine Katharsis bewirken, die diesen half, ihre Traumata zu überwinden. Regine, Jg. 1944, ist in Mittersill aufgewachsen und blieb trotz vieler Auslandsaufenthalte dem Pinzgau stets eng verbunden. Nach ihrer Matura in Salzburg kam sie zu Sprachstudien zuerst an die Universität Wien und Anfang der 70er Jahre an die Universität Zürich, wo sie das Lizentiat (Diplom) in Französisch, Chinesisch und Russisch ablegte. Sie unterrichtete in der Schweiz alle drei Sprachen als Gymnasiallehrerin. Ein neuer – und später auch für APC besonders wichtiger – Wirkungskreis ergab sich ab 1998 in Wien, als Regine als Deutschlehrerin im Flüchtlingsheim Ute Bock andockte. Was mit einigen Deutschstunden für geflüchtete Tschetschen*innen und Afrikaner*innen begann, weitete sich im Lauf der Jahre zu einer Lebensaufgabe aus. Ihre Tätigkeit beschränkte sich nicht auf den Sprachunterricht, sondern sie begleitete ihre Schützlinge bei Behördengängen, zur Psychotherapie oder ins Spital,

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Alpendistel

sie verfasste für sie Empfehlungsschreiben und half ihnen beim Verfassen von Briefen oder Lebensläufen. Für viele ist Regine die einzige Österreicherin, die sie gut kennen und der sie vertrauen. Sie unterstützte in Krimml auf unnachahmliche Weise meinen Plan, dass APC nicht nur der Geflüchteten des Jahres 1947 gedenken möge: Auch die Flüchtlinge von heute sollen zu Wort kommen. So wurde die Windbachalm – als erste Station auf der jährlichen APCFriedenswanderung – zu einem traditionellen Schwerpunkt unseres Engagements: Regine kam ab 2009 jährlich mit 10 bis 20 jungen Geflüchteten aus aller Welt, von denen einige von ihren persönlichen Fluchterlebnissen berichteten, einfühlsam moderiert von Regine. Mit dem APC-Friedenspreis 2020 wird Regine als Mensch und Organisatorin gewürdigt, die entscheidend dazu beigetragen hat, dass sich die von ihr betreuten Geflüchteten bei APC stets akzeptiert fühlten als Teil einer Gruppe von Österreicher*innen, die ihnen Zuwendung und Verständnis entgegen bringen.

ALOIS (LOIS) STEGER Lois ging uns immer barfuß entgegen, jedes Jahr seit der ersten APC-Friedenswanderung im Jahr 2007. So wollte er „an das Abholen der jüdischen Flüchtlinge erinnern“. Es hat nur ein einziges Jahr gegeben (2013), bei dem wir bedingt durch starken Schneefall die Überque-

rung des Krimmler Tauern absagen mussten. Lois ließ sich aber nicht abhalten und kam uns trotzdem bis zur Windbachalm aus Kasern entgegen, barfuß natürlich. Erst im Nachhinein hatten wir erfahren, dass Lois 1997, also 10 Jahre vor der Gründung von APC, gemeinsam mit anderen Künstler*innen das Südtiroler Projekt „überGehen“ organisiert hatte, zum 50-jährigen Gedenken an die Flucht von 1947. Dieses Projekt umfasste nicht nur eine Nachtwanderung einiger Unverdrossener bei nasskaltem Wetter von Kasern zum Krimmler Tauern, es war vor allem eine Freiluftinstallation von Kunstwerken, zu denen Lois 50 weiß getünchte Bergschuhe auf hohen Stangen eindrucksvoll gestaltet hatte. Die Landschaft für diese „Begehung“ war die seine: er ist, Jg. 1956, in Kasern aufgewachsen und lebt heute noch im Ahrntal. Lois war an der Kunstschule Gröden zum Bildhauer ausgebildet worden und unterrichtete danach an den Bildhauerschulen von St. Jakob und Bruneck bevor er als Gastdozent an die TU München berufen wurde und 1995 den Kunstverein KUNSTMYST gründete. Heute wie damals wirkt er als Künstler und Organisator von Ausstellungen in Südtirol, Deutschland und Österreich sowie als begeisterter Alpinist und Bergführer, vor allem in seiner Heimat.

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Alpendistel #2 (K)eine Welt von Gestern. Der herausfordernde Umgang mit Erinnerungen  

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