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AUS DEM VEREIN

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er Bergführer Viktor Knopf begleitete 1947 jüdische Flüchtlinge genau über die Wiese, an der später der Hain der Flucht installiert wurde. Er liegt nur etwa 200m von der 4. Friedenspyramide entfernt. Der Hain besteht aus insgesamt 49 Bäumen, die verschiedenen Persönlichkeiten gewidmet sind. Jenen Schicksalen, die untrennbar mit dem ehemaligen Lager Givat Avoda in Saalfelden bzw. mit dem Jüdischen Exodus von 1947 über den Krimmler Tauern verbunden sind. Weitere Bäume sind Menschen gewidmet, die zur Gründung von APC – und der Wiederbelebung des Fluchtweges – beigetragen haben. Des Weiteren wurden zwei große Natursteine installiert, die Menschen gewidmet sind, die sich für die Themen Flucht und Frieden engagieren. Bei den einzelnen Steinen und Bäumen sind keine Namen der geehrten Personen angeführt, sie werden jedoch individuell mit ihren Biografien auf der Website des Hain der Flucht genannt und laufend ergänzt. Zeitzeug*innen und Nachkommen Besonders am Herzen liegen APC die Bäume der geehrten Zeitzeug*innen vom Lager Givat Avoda und der Flucht über den Krimmler Tauern, sowie deren Nachkommen. Hier möchten wir in der kommenden Zeit ein besonderes Augenmerk auf die weitere Ausarbeitung der Biografien legen. Erzählungen und Lebensgeschichten von und über Zeitzeug*innen geben Geschichten, Zahlen und Daten ein Gesicht, machen diese greifbar und schaffen Empathie. Die zweite Ausgabe der Alpendistel ist dem Thema „Erinnerungen“ gewidmet. Daher möchten wir hier zwei Geschichten von Menschen erzählen, die 1947 im sehr jungen Alter über den Krimmler Tauern flüchteten, und denen ein Baum im Hain der Flucht gewidmet ist. Zwi Katz 1927 im litauischen Kaunas geboren, wuchs Zwi Katz in einer bürgerlichen, jüdischen Familie auf. Im Sommer 1941 wurde er im Ghetto von Kaunas inhaftiert, nachdem die Wehrmacht in Litauen einmarschiert ist. 1944 wurde er ins KZ Kaufering und später ins KZ Dachau deportiert. Als er 1945 im Zuge eines Todesmarschs von Dachau aus von der SS in Richtung Alpen getrieben wurde, befreite ihn die US-Armee im oberbayerischen Waakirchen. Es folgte eine mehr-

Erzählungen und Lebensgeschichten von und über Zeitzeug*innen geben Geschichten, Zahlen und Daten ein Gesicht, machen diese greifbar und schaffen Empathie.

jährige Odyssee durch Europa. Der Weg führte ihn über den Krimmler Tauernpass von Salzburg nach Italien. Über das Mittelmeer erreichte er 1948 Israel, wo er eine Familie gründete und einer Arbeit im Landwirtschaftsministerium nachging. Seit den 80iger Jahren setzt sich Zwi Katz intensiv mit seiner Vergangenheit auseinander. Er spricht als Zeitzeuge an Schulen in Deutschland und Israel. Zudem ist er regelmäßig Teilnehmer an Gedenkveranstaltungen und war lange Jahre stellvertretender Vorsitzender der Vereinigung der Überlebenden der KZAußenlager Dachau Landsberg/Kaufering. 2017 war er 90-jährig Ehrengast einer APC-Veranstaltung in Tel Aviv.

Dvora Levin Dvora Levin war erst wenige Monate alt, als ihre Eltern beschlossen Polen zu verlassen und die Reise in Richtung Süden anzutreten. Nachdem sie über die damalige Tschechoslowakei nach Österreich kamen, verbrachten sie einige Tage im Joint Camp in der Stadt Steyr. Sie überquerten die Alpen und erreichten Italien, wo sie mit dutzenden anderen Familien in der Umgebung von Mailand in einem Lager für Displaced Persons untergebracht wurden. Ihr Vater arbeitete im Lager als Administrator und bekam, da er ein bekannter Tischtennisspieler war, Angebote nach Kanada oder Australien auszuwandern. Diese lehnte er aber zugunsten der Einwanderung nach Israel ab. Später zog die Familie nach Baretta, Süditalien. Insgesamt verbrachten sie zweieinhalb Jahre in Italien, bevor sie weiter nach Bari und von dort aus mit dem Schiff nach Israel fuhren, wo sie im Juni 1949 ankamen. Dvora Levin nahm 2017 zum ersten Mal am Alpine Peace Crossing teil und beschritt den Weg, über den sie mit ihren Eltern 71 Jahre zuvor flüchtete.

Weitere Informationen, Biografien und Möglichkeiten wie der Hain der Flucht unterstützt werden kann finden sich unter: www.hain-der-flucht.at

Caroline Huber ist Pädago­ gin und Vorstandsmitglied bei APC.

Alpendistel

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Alpendistel #2 (K)eine Welt von Gestern. Der herausfordernde Umgang mit Erinnerungen  

Alpendistel #2 (K)eine Welt von Gestern. Der herausfordernde Umgang mit Erinnerungen  

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