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SCHWERPUNKT

dersetzungen über die Shoah begonnen haben und keineswegs ein neues Phänomen sind. Auch im darauffolgenden Artikel steht die literarische Aufarbeitung der Vergangenheit im Mittelpunkt: Im Interview mit unserem Vorstandsmitglied Antonia Winsauer berichtet der Schriftsteller Robert Kleindienst am Beispiel seines Romans Zeit der Häutung von der Herausforderung, einen historischen Stoff literarisch umzusetzen. Erinnerungen an die Flucht 1947 Der Schwerpunkt schließt mit fünf sehr persönlichen Erinnerungen an den jüdischen Exodus nach 1945 ab. Um die Authentizität dieser Erinnerungen zu wahren, haben wir uns entschieden, bei diesen fünf Beiträgen die Originalsprache der Texte beizubehalten. So begleiten wir die Brüder Adam und Miles Protter auf einer Spurensuche in die mysteriöse Vergangenheit ihres Vaters, der als Teil der Bricha maßgeblichen Anteil an der Organisation der jüdischen Migration aus dem Europa der Nachkriegszeit hatte. Die Geschichte Rami Litanis knüpft an eine ähnliche Thematik an, war sein Vater doch Offizier der Jewish Brigade, einer Armeeeinheit jüdischer Freiwilliger, die nicht nur am Kampf gegen die Nationalsozialist*innen beteiligt waren, sondern nach 1945 ebenfalls die flüchtenden Juden*Jüdinnen auf ihrem Weg aus Europa unterstützten. Der Beitrag von Miri Nehari – Leiterin der Bricha Association, einer Organisation, die es sich zum Ziel gemacht hat, das Erbe der Bricha zu dokumentieren und weiterzugeben – macht deutlich, wie wichtig die Erinnerung an die historische Flucht für das heutige Selbstverständnis vieler Israelis ist.

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Alpendistel

Hanna Weiss erzählt die Geschichte ihrer Familie, die nach dem Zweiten Weltkrieg den beschwerlichen Weg in das damalige Palästina auf sich nahm. Sie selbst kam in einem Displaced Persons Camp in Deutschland zur Welt, bevor sie wenige Monate später von ihren Eltern über den Krimmler Tauern getragen wurde. Doch mit dieser kräfteraubenden Wanderung war die Flucht noch längst nicht abgeschlossen. Bevor sie in Palästina ankommen sollten, vergingen noch weitere lange Monate. Gal Talit erklärt in ihrem sehr persönlichen Artikel nicht nur die wichtige Rolle, die ihre Mutter als Teil der Bricha bei der Flucht über den Krimmler Tauern und im Displaced Persons Camp in Saalfelden einnahm, sondern auch die Wichtigkeit dieser Orte und die Aufrechterhaltung der Erinnerungen für ihre Familiengeschichte und sie selbst. Wir möchten mit dieser Ausgabe der Alpendistel einen Einblick in die Komplexität von Erinnerungen ermöglichen. Zum einen handelt es sich um wertvolle Quellen, die ein besseres Bild von einer vergangenen Zeit vermitteln können, zum anderen muss aber auch immer hinterfragt werden, was Erzählende mit ihren Geschichten bewirken wollen und welche Aspekte vielleicht ausgelassen oder gar vergessen wurden. Ganz besonders freut es uns, dass einige Menschen unserem Aufruf letztes Jahr gefolgt sind und ihre persönlichen oder auch überlieferten Erinnerungen zur Flucht 1947 mit uns teilen und wir diese einem breiteren Publikum zugänglich machen können.

Bettina Reiter ist Lehrerin für Englisch und Sport und Vor­ standsmitglied von APC.

Robert Obermair ist Zeit­ historiker an der Universität Salzburg und Vorstands­ vorsitzender von APC.

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Alpendistel #2 (K)eine Welt von Gestern. Der herausfordernde Umgang mit Erinnerungen  

Alpendistel #2 (K)eine Welt von Gestern. Der herausfordernde Umgang mit Erinnerungen  

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