Alpendistel #2 (K)eine Welt von Gestern. Der herausfordernde Umgang mit Erinnerungen

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SCHWERPUNKT

© Privatarchiv Frischenschlager

Langfristig hatte seine Unterstützung der NSDAP für ihn keine nachteiligen Konsequenzen.

© Privatarchiv Frischenschlager

Leo Frischenschlager bei Wanderungen in den steirischen Alpen, 1941–42 © Privatarchiv Frischenschlager

Hochzeit von Leo Frischenschlager und Inge Eichler im August 1942

ihre früheren Positionen zurückkehren. In einzelnen Fällen wurden durch die Entnazifizierung dennoch soziale Notlagen verursacht. So wurden etwa bei Beamt*innenentlassungen als erstes ehemalige Nationalsozialist*innen herangezogen, deren dadurch erzeugte Existenzschwierigkeiten bewusst in Kauf genommen und als legitimes Strafelement betrachtet. Davon war auch Leo Frischenschlager betroffen: 1945 kehrte er von seinem Kriegseinsatz in Hamburg (1943–1945) nach Graz zurück und konnte nicht mehr in seinen früheren Beruf als Richter einsteigen. Er war mehrere Jahre arbeitslos und

verdiente sich mit Nachhilfestunden für Jus-Studierende ein kleines Einkommen. Meine Familienmitglieder erzählen heute, dass er in dieser Zeit am Existenzminimum lebte. Gleichzeitig ist für mich nicht mehr genau nachvollziehbar, ob er damals vor allem an seiner finanziellen Situation oder eher unter der schweren Krankheit seiner Frau litt. Inge Eichler war schon vor der Hochzeit im August 1942 an Tuberkulose erkrankt gewesen und hatte eine schwere Operation hinter sich. Nach Kriegsende verschlechterte sich ihr Zustand, sodass sie in eine Lungenheilanstalt eingeliefert wurde, wo sie im April 1947 verstarb.

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