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ASPEKTE DES BIO-LANDBAUS

Bio-Kontrollen im Ausland »Wir wühlen auch mal im Müll.«

Feld. Wir überprüfen, ob ein Bauer die gelieferten Mengen auch wirklich produzieren konnte. Bei Kaffee sind die Wege oft sehr verschlungen, einer baut an, gibt die Bohnen dann weiter, ein anderer schält sie.

 In der EU müssen sich alle Bio-Bauern an die EG-Öko-Verordnung halten. Die garantiert Mindeststandards. Aber im Bio-Laden findet man auch jede Menge Lebensmittel aus Übersee – Reis oder Kaffee etwa, Schokolade oder Tee. BioKontrolleur Tobias Fischer erklärt, warum wir auch diesen Produkten trauen dürfen – meistens jedenfalls.

Eine Kontrolle kann ja dann ein richtiges Abenteuer werden?

 T

international tätigen Bio-Kontrollstelle Kiwa BCS Öko-Garantie mit Hauptsitz in Nürnberg. Er war be­ reits in mehr als 15 Ländern als Kontrolleur unterwegs.

Es gibt Betriebe, die nur mit Esel oder zu Fuß zu erreichen sind. Sehr abgelegene Gegenden sind für uns Kontrolleure ­unpraktisch, aber vorteilhaft für die Bio-Produktion, weil sie ­naturbelassen sind und die Bauern sich nicht mal eben einen Sack Kunstdünger kaufen können.

Herr Fischer, an welche Regeln müssen sich Bio-Bauern in Übersee halten? Einige Länder haben Produktionsstandards,

Mit der Zeit entwickelt man sicher einen Riecher für Betrü­ge­reien. Wann sind Sie alarmiert? Ich fühle dem Bauern

die die EU als gleichwertig anerkennt. Die Schweiz, Israel oder Argentinien etwa dürfen Bio-Produkte mit ihren natio­ nalen Bio-Zertifikaten frei in die EU exportieren. Woanders kommt ein von Brüssel anerkannter Bio-Kontrolleur vorbei.

immer auf den Zahn. Ich frage, was er über bio weiß und was seine Beweggründe für bio sind, bevor wir aufs Feld gehen. Für den Dünger hat er vielleicht keinen Kaufbeleg mehr, kann mir aber noch einen halben Sack zeigen. Und ich prüfe, ob ich im Boden Rückstände vom pflanzlichen Dünger finde, den er verwendet haben will. Wir wühlen auch gerne mal im Müll. Da hab ich schon leere Flaschen mit Pflanzenschutzmit­ teln gefunden.

OBIAS FISCHER ist Inspektor und Zertifizierer bei der

Für den Bio-Bauern in Ecuador gelten dieselben Regeln wie für den bayerischen Bio-Bauern? Im Wesentlichen ja. Aller­

dings ist nicht alles überall eins zu eins umsetzbar, weil die ÖkoVerordnung für europäische Verhältnisse geschrieben wurde. Wo gibt es denn Probleme? Bio-Bauern in der EU dürfen zum

Beispiel nur dann konventionell erzeugtes, unbehandeltes Saatgut anstatt Bio-Saatgut nehmen, wenn sie eine Genehmi­ gung beantragen und in der europäischen Bio-Saatgutdaten­ bank kein Bio-Saatgut zur Verfügung steht. Ein Gemüsebauer in Ecuador kann aber mit dieser Datenbank nichts anfangen. Kleinbauern in Übersee schließen sich oft zu Kooperativen zusammen. Wie kontrolliert man eine Kaffeekooperative in Südamerika? Klappern Sie jeden einzelnen Kaffeebauern ab? Die Kooperative hat von uns geschulte interne Kontrol­

leure. Wir schauen uns bei unserem Besuch die Unterlagen zu den einzelnen Mitgliedern an und machen stichprobenartige Kontrollen, meistens bei zehn Prozent der Betriebe. Wenn wir feststellen, dass etwas schiefgelaufen ist, überprüfen wir alle. Und worauf achten Sie beim Kaffee? Kaffee ist eine recht

anspruchslose und damit risikoarme Kultur, vor allem, wenn sie in Mischkulturen angebaut wird. Die Gefahr, dass illegal Pestizide eingesetzt werden, ist also nicht so groß wie bei ­anderen Pflanzen. Wichtig ist die Rückverfolgbarkeit bis aufs

46 Alnatura Magazin 11.2016

In etwa 20 Prozent der chinesischen Bio-Teeproben finden sich Pestizidrückstände. Daran sind nicht immer die Bio-Bauern schuld. Pestizide können von konventionellen Feldern herüberwehen.

Alnatura Magazin - November 2016  

Kostenloses, monatliches Kundenmagazin der Alnatura Super Natur Märkte.

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